Ur. 166. M. Jahrg. Bez«a»pretSt BlettefiaSti.<50 BH, tmmeH.U»*«. frei In« Hau«, vorauszahwar. Einzelne Nummern 10 Vfennig. Postbezug: Monaliich. vom Postschalter abzuholen 1.50 Mb, vom Briefträger ms Haus ae- bracht 1.S4 Ml. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn S,— Ml, für das übrige Ausland <50 MI. monatlich. Perfand ins Feld b ei direlter Bestellung monatl. IM Ml. Polrbestellungen nehmen an Däne- marl, Holland, Luxemburg. Schweden und die Schwei». Singetragen in die Post-Zettungs-Preisliste, Erscheint täglich. relegramm- Adresse: »Sozialdemokrat Berliu* Verlinev Volksbwtk. ( 10 Pfennig� Anzeigenpreis: DlellebengespalteneKolonelzeililofiet 80 Pfg.„Kleine Anzeigen", das fettgedruckte Wort»0 Pfg.(zulässig 2 fettgedruckte Worte), jede? weitere Wort 15 Pfg. Stellengesuche und Schlafstellenanzeigen das erste Wort 20 Pfg., jedes weitere Wort 10 Pfg Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Teucrungszuschlag 20°/» Familien-Anzeigen, voliiische und gewerlschastliche Vereins- Anzeigen 60 Pfg. die Zeile. Anzeigen für die nächste Nummer müffen bis 5 Nhr nachmittags im Hauptgeschäft. Berlin SW.SS, Lindenstraste 8, ab iegcben werden. Geöffnet von 8 Uhr früh bis 7 Uhr abends. Zentralorgan der rdzialdemokratifcben Partei Deutfcblands. Reöaktion: SW. 68» Äfndenflcoßc 3. isernwrecher: Amt Moritzpla«, Nr. ISI 30— 1S1 37. Mittwoch, den 19. Juni 1918. Ezpeüition: SW. 68, �wöenstraße 3. Zyerttspreriir?: Amt Msrivplatf. Nr. ISI 30— l»l 37. 9er Scblag der Gegenrevolution Die rWfthe Gegenrevolution. Sieg iit Westsibirien. Die Rolle, die von den tschecho-slowakischen Truppen in Rußland übernommen wurde, war noch nicht, wie es schien, ausgespielt. Eine Ententemcldung letzter Tage ließ schon erkennen, daß mindestens ein immerhin beachtens- werter Teil dieser Truppen den Weg nach Wladiwostok gefunden hat, woraus sich vermuten ließ, daß andere Trupps noch irgendwo an der sibirischen Bahn in Bewegung sein dürften. Das ist in der Tat der Fall. Wie jetzt bekannt wird, stehen sie sogar an einer für die Bolschewiki. höchst wichtigen Stelle und zwar als aufständische und siegreiche Masse. Ein jverspätet ein- getroffenes Telegramm der Petersburger Telegraphen- Agentur verschweigt nicht— wenn es auch nur zögernd die schlimme Wahrheit nennt— daß die Gegenrevolution des Bürgertums, gestützt auf jene Tschecho-Slowaken, es zu einem militärischen Siege gebracht hat, der schwere politische Folgen haben kann. Das Telegramm lautet: Der Kamps mit der Gegenrevolution wird infolge des entschlossenen Widerstandes der slowakischen Truppen und der rcvolutiousfeindlicheu Bewegung kleiner Teile des russischen Bürgertums schwieriger. Ans P e u s a zurückgeworfen, sind die T s ch e ch o- S l o w a k e n auf Sysrau marschiert uud haben sich der große« Wolgabrücke bei dieser Stadt und somit der H a u p t- Verkehrsader nach Sibirien bemächtigt. Profcsior Prokop Wax, Vertreter des tschechischen Führers Masaryk, hat die Aufständischen aufgefordert, den Widerstand gegen die Sowjcttruppen aufzugeben. Die telegraph ische Verbindung mit Omsk, Tomsk und I r k u t S k ist unterbrochen. Die Lage ist aber noch schlimmer als dieses Telegramm erkennen läßt. Den Bolschewiki ist in den Gebieten ihrer mili- tärischen Niederlage alsbald auch die politische Gewalt aus den Händen gerissen worden. Bei der Sowjet- regierung in Moskau ist von zwei Vorposten in Sibirien fol- gende Hiobspost durch Funkspruch eingegangen: „Tie Bolschewistcn in Sibirien sind gestürzt. Tic interimistische sibirische Regierung hat die Herrschaft an- getreten. Sic wird eine Konstituante einberufen, die Beschluß zu fassen hat über die politische Gestaltung Sibi- riens und die das Verhältnis Sibiriens zu Rußland klarlegen soll. Die sibirische Regierung ist bereit, Rußland mit Brot zu versorgen, aber nur unter der Bedingung, daß der Rat der Volkskommissare keine militärischen Maßnahmen gegen Sibi- rien unternimmt." Die Maßnahmen, die der Rat der Volkskommissare für Ende Mai getroffen hat, um dem imnicr deutlicher sich an- kündigenden Stoße zu begegnen, sind also zu spät ergriffen worden oder haben versagt. Ob nur einstweilen, wird sich zeigen. Leicht wird es eben nicht sein, ein Riesengebiet, wie das von der Gegenrevolution besetzte, das zudem das bedrohte Ost- sibirien gefährdend von Moskau trennt, zurückzuerobern. Aber die Sowjetregierung setzt sich zur Wehr, wie folgender im An- schluß an den Funkspruch mitgeteilte AufrufLenins„An alle" erkennen läßt. � m v Lenin teilt in dem Aufrufe mit: Der Rat der Volks- kommissare werde mit der Gegenrevolution nicht verhandeln. Es seien bereits Truppen gegen Sibirien unterwegs. Er wendet sich in energischer Sprache gegen die Franzosen und versichert, daß es den russischen, tschechischen und französischen Imperialisten nicht gelingen werde, die russische Revolution durch Hunger zu besiegen. Die Besetzung von Sa- mara, Omsk und Nowo-Nikolajewsk wird zu- gegeben. Nach Meldung der„Prawda" vom 13. Juni stehen die Tschecho-Slowaken bei Samara unter Führung eines französischen Obersten Selitier. Lenin äußert gegen die Tschechen den Verdacht, daß sie sich von englischen und fran- zösischen Börsenkreisen unterstützen ließen. Im Wolga- und llralgebiet und in einigen sibirischen Bezirken ist die M o b i l- machung der fünf letzten Jahrgänge angeordnet, in Moskau die Mobilisierung der Artillerie und der Ingenieur- truppen der gleichen Jahrgänge. Bewachung unsicherer bür- gerlicher Kreise und nötigenfalls die Verhängung strengster Strafen ist anaeordnet. Lenin gibt der Ueberzeugung Aus- druck, daß die Erfolge der Gegenrevolution in Sibirien nur von kurzer Dauer sein werden, und daß es dem Rate der Volkskommissare gelingen werde, die Umtriebe von Tschechen und sibirischen Gegenrevolutionären lahmzulegen. Die Kundgebung Lenins steigert die Proteste, die Tschitscherin seit Wochen als Rat der auswärtigen Angelegen- heiten gegen die Entente zu richten Anlaß fand, zu feindlicher M/ärfe. Das wird, wenn es der Regierung der Sowjets ge- An der Piave vorwärts bis zum Kanal Fosebba— Feindliche Gegenstöße gescheitert im Montellogelände, beiderseits der Brenta, südlich von Asiago— Visher 30 000 Gefangene, über 120 Geschütze erbeutet— Feindliche Angriffe südwestlich Albert, nördlich der Aisne, nordwestlich Chatean-Thierry. B e r l i n, 1 8. Jnni 1918, abends. Amtlich. Von den Kampffronten nichts Nenes. Amtlich. GrißrS Hauptquartier, 18. Jnni 1918. M. T. B.) Westlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht. Die feindliche Artillerie entwickelte in einzelne» Abschnitten in Flandern, beiderseits der L y s, zwischen A r r a s»nd Albert rege Tätigkeit. Nach heftigem Fcucrnberfall griff der Feind gegen Mitternacht südwestlich von Albert an. Er wurde abgewiesen und ließ Gefangene in unserer Hand. Heeresgruppe Deutscher Kronprkn». Südwestlich von N« y o» und südlich der« i S« e leite die Artillcrictätigkrit in den Abendstunden auf. TeilvorstSße des FeindeS nördlich der AiSne und nordwestlich von Chatean-Thierry wurden abgewiesen. Der Erste Geneealquartiermeister. Ludendorff. Der österreichische Bericht. Wien, 18. Juni 1918. Amtlich wird verlautiart: Die Schlacht in Vcnrzien nimmt ihren Fortgang. Die Armee des Generalobersten Freiherr von Wurm gewann an zahlreichen Stellen Raum; ihr Südflügel erreichte in zöhcn Kämpfen den Kanal F o s e b d a. Generaloberst Erzherzog Josef baute seine Erfolge im Montellogelände anS. Italienische Gegenstöße scheiterten. An drei Kampftagen wurden in diesem Gebiet 73 italienische Geschütze eingebracht, darunter zahlreiche schweren Kalibers. Beiderseits der Brenta rannte der Feind abermals vergeblich gegen unsere neuen Stellungen an. Ebenso erfolglos verliefen südlich von Asiago mehrere englische Angriffe. Di« Zahl der Gr« f a n g c n e n ist auf 30 000 gestiegen, jene der erbeuteten Geschütze auf mehr als 120. Die Beute an Minen- werfern«nd Maschinengewehre« sowie sonstiger Kriegsmittcl ist noch nicht gezählt. Der Chef des Generalstabes. fingt, den jetzt losgebrochenen Sturm zu brechen, die wichtige politische Seite der Sache sein. Darauf ist die„Jswestja" am letzten Freitag mit folgender Aeußerung eingegangen: »Die Einmischung unserer Bundesgenossen gegen die Rätcregicrung wird lediglich die breiten Massen gegen die neuen Vergewaltiger aufbringen und eine Lage schaffen, wie die Ukraine sie den Deutschen schuf. Wenn die Bundesgenossen in Rußland gegen Deutschland kämpfen, so werden sie als Ein. dringlinge betrachtet werden, die uns feindliche Ziele verfolgen. Der Sturz der Rätegewalt würde nur Deutschland zugute kommen. England würde damit den Deutschen den Weg nach Indien. Mittel. asien und Sibirien eröffnen. Die Einmischung bedeutet letzten Endes den endgültigen Bruch der Bundesgenossen in O st und W e st." Nach einer Moskauer Meldung vom 15. Juni veröffentlicht die russische Presse jetzt die Note T j ch i t s ch e r i n S an den englischen, amerikanischen und französischen Vertreter, worin gegen das Verweilen von Ententekriegs- schiffen i» russischen Häfen protestiert wird. Die Entente raubt öen rujstschen Schiffsraum H e l f i n g f o r s, 15. Jnni.„HufvndstadSbladet" meldet, daß Moskauer Nachrichten zufolge allcinamerikanischen und englischen Höfen liegenden russischen Fahrzeuge beschlagnahmt worden seien.„Nowaja Shisti" berichtet, daß a ch t d r r g r ö ß t e n und besten Dampfer der Russischen Freiwilligen-Flottc in den o st asiatischen G e w ä s s e r n g e n o m m c n worden seien und die übrigen den Befehl erhalten hätten, nicht in See zu gehen. Tie Kommission für Auswärtige Angelegenheiten hat hiergegen Protest ein- gelegt. Ein Gidnmachtsbekenntnis öer Regierung. Die Rede, die in der gestrigen Sitzung des Abgeordnetenhauses der Sprecher der Sozialdemokratie, Genosse Braun, zum Etat des Ministeriums des Innern hielt, ist nach mancher Richtung hin beachtenswert. Sie zeigt, daß auch während des Krieges der Geist der preußischen Verwaltung auf vielen Gebieten durchaus rückständig geblieben ist. Gewiß ist der Minister Drews ein Mann, der sich in mancher Beziehung zum Vorteil von seinen Vorgängern unterscheidet. Aber in dem Mechanismus der preußischen Verwaltung wirkt die Person eines einzelnen Ministers kaum weiter als etwa an einer Taschenuhr die Stellschraube, die den Gang des Werkes regu- liert. Man kann mit ihr wohl erreichen, daß die Uhr am Tage fünf oder zehn Minuten schneller geht, aber nicht, daß sich die Zeiger mit doppelter Geschwindigkeit um das Zifsernblatt drehen. Das liegt in der Natur der Sache. Minister kommen und gehen, niemand weiß, wie lange ihres Bleibens ist. Fest da- gegen sitzen die Negierungsräte, Landräte und Amtsvorstehcr, die zahlreichen Räder und Zwischenräder des Uhrwerks. Sie lassen ihren Retardandogang nur wenig beeinflussen, mag auch der Stellzeiger einen großen Winkel nach Aculcrando beschreiben. So kommt es, daß auch unter der Aera Drews der preußi- schen Verwaltung noch recht häufig der Geist der Bevor- m u n d u n g zmd der kleinlichen Schikane gegen unbequeme Richtungen zu finden ist. Und schließlich kann auch der Minister selber von dem Vorwurf nicht frei- gesprochen werden, diesem Geist mitunter m bedenklicher Weise unterlegen zu sein. Das zeigt z. B. sein Verhalten in der Frage der K r i e g e r- vereine und der Organisation der Kriegsteilnehmer. Wir haben seinerzeit den Erlaß des Ministers Trews an die Re- gierungspräsidenten veröffentlicht, der eine nicht zu billigende behördliche Einmischung in die Organisationsfrage der Kriegsteilnehmer darstellt. Herr Dretvs verübelt es unS, daß sir seinen Erlaß außerhalb des Zusammenhangs veröffentl.cht haben. Wer durch den von Herrn Drews angegebenen Zu- sammenhang wird die Sache auch nicht besser. Als Ursache seines Erlasses stellte es Herr Drews hin, daß infolge der allent- halben erfolgten Gründung von Kriegsbeschädigtenorganisa- tioncn sich zahlreiche Personen an seine Landräte um Rat(?!) gewandt hätten, wie sie sich zu diesen Vereinen stellen sollten. Eine solche Raterteilung betrachtet Herr Drews als durchaus zu den Pflichten des Landrats gehörig. Wir können es, selbst wenn dieser Sachverhalt zutrifft, ganz und gar nicht als Aufgabe der Regierung betrachten, den Staats- bürgern Ratschläge darüber zu geben, wie und wo sie sich organisieren sollen. Zumal, wie der ministerielle Erlaß beut- sich zeigt, eine solche Raterteilung immer auf die B e g ü n st i- g u n g einer bestimmten Richtung hinauslaufen muß. Herr Drews beklagt die Zersplitterung in der Kriegsteilnehmerbewegung. Die beklagen wir auch. Wer es ist Sache der Kriegsteilnehmer, nicht der Regierung, diese zu beseitigen. Und ist es nicht schließlich etwas sehr auffällig, wenn derselbe Minister, der im Parlament die Zersplitterung der Bewegung� bedauert, in seinem Rundschreiben zu einer neuen Zersplitterung durch einen noch zu gründen- den„Bund der Feldgrauen" anreizt?! Den„Reichsbund der Kriegsbeschädigten und ebcmaligcn Kriegsteilnehmer" hat Herr Drews in seinem Rundschreiben als parteipolitische, sozialdemo- kratische Organisation angegriffen. Treffend hat Genosse Braun darauf hingewiesen, daß diese Organisation, soweit sie sich mit öffentlichen Dingen befaßt, nichts weiter verlangt, als was der Minister selber in der Wahlrechtsfrage forderte, nämlich die staatsbürgerliche Gleichberechtigung der Kricgsteil- nehmer. Herr Drews beruft sich zur Begründung seiner Behauptung allein auf seine„Eindrücke". Aver er hat bereits zugegeben, daß diese Eindrücke möglicherweise falsch sind und er gegebenenfalls seinen Jrrftim offen bekennen würde. Was ist das nun für eine väterliche behördliche Beratimg, die Rat- schlüge erteilt, noch ehe sie sich halbwegs aus- reichend über die Tatsachen informiert hat! Auch mit der Verteidigung des Erlasses deS Regierungspräsidenten in Oppeln operierte Herr Drews sehr unglücklich. Der Regierungspräsident kündigte ein Vorgehen gegen die Werbetätigkeit des„sozialdemokratischen" Bergarbeiterverbnndes an, aber es ist ibm zweifelhaft, ob man jetzt vorgehen solle; denn der Minister balte es z u r z e i t nicbt für ratsam, in der jetzigen Zeit einen gerichtlichen Ans- trag herbeizuführen. Damit ist ein gerichtliches Vorgehen nach dem Kriege gleichsam offiziell in Aussicht gestellt. Herr Drews verteidigte sich damit, daß die Autorität des Verein?- gesetzes nicht durch seine völlige Außerachtlassung gemindert ©erJcn dürfe. Wer ftfiftefefitfi ist doK eben erst die Noöcste zum NcichSvercinsizesctz ergangen, durch die die Gewerkschaften ausdrücklich von den Bestimmungen für politische Vereine be- freit werden. 2lber waren dies auch schlechte Antworten, die der Minister auf berechtigte Beschwerden erteilte, so waren es doch wenigstens Antworten. Einen geradezu trostlosen Eindruck aber mutzte es machen, wie sich der Minister einer Beantwortung des Gros der vom Genossen Braun vorgebrachten Beschwerden zu eut- ziehen suchte. Genosse Braun hatte ein gewaltiges Anklage- material gehäuft über die Art und Weise, wie Zensur, Vcr- eins- und Versammlungsrechf in Preußen gehandhabt werden. Wir können hier nur auf die nachfolgende Darstellung seiner lstede verweisen. Auf alles dieses aber erklärte Herr Trews, überhaupt n i ch t a n t w o r t e n z u k ö n n c n. Die Zensur liege in der Hand der Militärbehörden, ibre Besprechung gehöre in den Reichstag. Soweit es sich um Vorgänge auf dem Gebiete des Vereins- und Versomnilungswesens handele, trage er wohl die Verantwortung für die Maßnahmen der ihm untergeord- neten Stellen, aber nur soweit diese nicht auf W c i s u n g der Militärbehörden gehandelt hätten. Woran nian erkennt, ob eine preußische Vcrwal- tungsbehörde auf eigene Verantwortung oder auf Anweisung der Militärbehörden in Tätigkeit tritt, das bat der Minister leider nicht verraten. Und somit bleibt es durchaus im dunkeln, für welche Maßnahmen Herr Trews die Ver- antwortung übernehmen will. Tieier Standpunkt bedeutet eine völlige Obn- m a ch t s e r k l ä r u n g der Z i v i l r c g i c r u n g. Sie ge- üeht damit zu, nichts anderes zu sein, als das b l o ß c V o l l- st r e ck u n g s o r g a n der militärischen Befehlshaber. Db dies eine Rolle ist, die einer Zivilregierung, die sich doch immerhin auch„Regierung" nennt, würdig genannt werden kann, darüber wollen wir mit Herrn Trews nicht streiten, d?nn wir fühlen uns nicht berufen, die Würde der preußischen 'Regierung zu wahren. Aber es handelt sich hier nicht um die Würde der Re- gierung. fondern um die Interessen des Volkes. Die Zivilregierung ist in Preußen das Vollzugsorgan, das— wenn auch unter dem Dreiklassenwahlrccht nur in bescheiden- stem Maße— allein für feine Handlungen zur Rechen- ich a st gezogen werden kann. Lehnt nun dieses Organ die Verantwortung ab, erklärt es offen leine Ohnmacht gegenüber einer anderen Stelle, die sich vor diesem Parlament nicht zu n�rantmortcn braucht, so ist ein Zustand geschaffen, der allen Grundsätzen des modernen Verfassungswesens zuwiderläuft. Das ganze Reden hat keinen Zweck mehr, wenn die Stelle, die (As angebliche Regierung vor dem Parlament auftritt, schließ- lich erklärt, i i e fei gar nicht d i e R e g i e r u n g und trage für nichts die Verantwortung. Was Minister Trews vor dein Zlbgeordnetenhause erklärt hat. bedeutet letzten Endes nichts weiter als das Geständnis, daß in Preußen eine Zivilregierung heute nicht oder nur pro forma besteht. Ein neuer Beweis, wie notwendig die Aufhebung des Belagerungszustandes ist. Wir betonen auch bei dieser Gelegenheit, daß die fortdauernde Aus- dehnung des Belagerungszustandes über das ganze Bundesgebiet auch der rechtlichen Grundlage cnt- behrt. Heute haben wir in Preußen nach dem eigenen Geständnis de? Ministers keine verantwortliche Zivisregierimg. Aber ge- rade jevt brauchten wir sie doppelt dringend. Das zeigt nicht nur die Rede des Genossen Braun, das zeigt vor ollem auch das Schicksal der W a b l r e f o r m, die von Lesung zu Lesung verschleppt wird, obne daß die Regierung hierauf mit der sofortigen Auflösung des Hauses antwortet. * Die NeSe ües Henojsen Srmm und Sie Antwort öes Ministers. Abg. Vraun(Goz.l: Wir sehen einen erschreckenden Zustand der öffentlichen Moral. Es wird hingewiesen aus die zahllosen Eisenbahndiebstähle und aus die steigende Kriminalität d?r Jugendlichen. Nach einer amtlichen Statistik sind in Preußen vom l. Oktober 1916 bis zum 36. November 1917 nicht weniger als 487 726 Ziergehen gegen dir Lebensmittelvorschriftcn avgeurte-lt worden, wobei nur die a l l e r w e n i g st e n Sünder ge« grisskn werden. Wir sind ja auf dem Gebiet allzumal Sünder. "eber diese Zustände helfen uns auch 866 Aufführungen des nach Dr. Heß so moralischen„DretmäderlhauseS" nicht hinweg. Nun forderte gestern der Abg. v. Liebert sogar das Standgericht für gewisse Vergehen. Solche Mittel vom Kasernenhof und der P o l i z c: w a ch it u b c versagen aber naturgemäß gegenüber einem lo tiefgehenden sozialen Problem, wie demjenigen, aus dem die heutigen Zustände hervorgehen. Ter Anreiz des Erwerbssinnes ist durch den Krieg in einem Maße gefördert morden, daß die Gewinn- sucht sich über alle Schranken hinwegseht.(Sehr richtig! b. d. Soz.) Aus allen Geb eten herrscht der Wucher. Eine betrügerische Kriegs- gewinnmacherei wie bei den Taimlerwerken ist keine Ausnahme. Selbst öffentliche Körperschaften haben sich dem Drang nach dem Verdienen nicht entziehen können. Ter Kreis Zaucki-Belzig will die halbe Million für seinen Schloßkaus aus den Be- triebSüberschüssen der Kriegswirt schaftS st ellen neomen. Also machen diese gemrunützigen Einrichtungen ganz unerhörte Profite!, Vor dem Berliner Kaufmannsgericht wurde leyt- bin festgestellt, daß arme Leute Kleidungsstücke bei der Kleider- nerwertungsgesc l l s ch a f r nur kaufen können, wenn sie die Verkäufer durch Trinkgelder schmiere« oder durch Lebensmittel I esteche».(Hört, bört! b. d. Soz.) � Die Sucht nach Profit hat alle Volkskreise ergriffen und setzt sich über alle Schranken hinweg. Tic Verbrechen zeigen die verwildernde Wirkung des Krieges, den ge- miste Phantasten ein Stahlbad und einen Jungbrunnen nannten. Opfersinn und Vaterlandsliebe sind beute vielleicht nur noch draußen im Schützengraben anzutreffen, aber schon in der Etappe hebt die Gewinnsucht das Haupt, um sich�mit jedem Meter Entfernung zur abstoßendsten Profitgier zu verstärken. Man raub:, man stieb!:, man rafft heute— angefangen vom Zuchthäusler bis zum rhemaligen Kammerhcrrn, der die armen Heimarbeiter um den verdienten Lcbn betrügt und Millioncii einheimst Solange der Krieg dauert, wird das nur immer schlechter werden. Wenn dazu noch die kriegSverlän- gernde wüste Propaganda der Vaterlandspartei kommt und die A b- l e h n u n g des gleichen Wahlrechts, dann braucht nian sich nicht zu wunder», wenn in den arbeitenden Massen die Er- bilterung angehäuft wird, die im Januar in dem g r o�ß e n Streik zum Ausbruch kam. Als ich im Ausschuß über den Streik sprach, wurde der Presse verboten, meine Ausführungen wiederzu- geben. Irgendein Spihel, der leider nur unter den Mit- gliedern des Hauses oder den Vertretern der Re- gierung gewesen sein kann— deuu andere Personen hatten fr:nea Zutritt—, mußte im Oberkommando etwas von dem Inhalt meiner Ausführungen, natürlich in seiner Ausfassung, mitgeteilt baben, und dieses oerbot die Wiedergabe meiner Ausführungen. Tagegen konnten die gegen mich gerichteten Ausführungen des M i n i ft e r§ und der Konservativen abgedruckt werden, so daß der Oeffentlichkeit ein Zerrbild geboten wurde. Am näch- neu Tage erklärte der Minister tatsächliche Mitteilungen für un- &ei»nt!i.4 mm jch« ZZechetzung öapei zustexoleche..Später aber ließ er halbamtlich bekanntgeben, das Verbot der Veröffentlichung meiner Rede decke sichmitseinergrundsätzlichenAuf- f a s s u n g.(Hört, hört! b. d. Soz.) Er hat sich damit zum Schildh alter für die ganz ungerechtfertigte Jen- surmaßnabme gemacht. Tie Zensur wirkt geradezu wie ein Zwang der Un- Wahrhaftigkeit und Heuchelei. Indem man Tatsachen unterdrückt, täuscht man die Oeffentlichkeit. Medizinischen Fachblättern wurde die Aufnahme von Artikeln des S a l v a r s a n- gegners Dr. Dreuw verboten.(Hört! hört! b. d. Soz.) Und dabei hatte der Minister zuvor. proklamiert, daß wissenschaftliche Meinungsäußerungen in der Salvarsanfrage frei seien. Irgend- ein Zensurleutnant bei irgendeinem Generalkommando fängt Plötz- lich an, die Wissenschaft zu korrigieren. Das Oberkommando in den Marken hat am 2. März 1918 die Veröffentlichung von Ouittungen über Geldsendungen von Heeresangehörigen zur Förderung politischer Zwecke verboten. ES soll eben der Eindruck von der Stimmung a» der Front, den uns kürzlich Graf Spee suggerieren wollte, nicht durch Ouittiingeit gestört werden, die beweisen, wie viele Soldaten aus dem Felde zu dem sozialdemokratischen Fonds zur Förderung des Friedens und des Kampfs für das gleiche Wahlrecht beitrugen. («ehr gut! b. d. Soz.) Ter kommandierende General in Stettin scheint durchaus von alldeutsch-konservativem Parteifanatismus befangen zu sein. Der Stettiner„Volksbote" hat darunter außerordentlich zu leiden. Er wurde für drei Tage verboten wegen eines Artikels, der in zahlreichen Zeitungen ungehiiidert abgedruckt worden ist, und dann unter Vorzensur gestellt. Alles, was der konservativen Partei, der Vaterlandspartei und den Annexionisten unangc- nehm ist, wird dort herausgestrichen. Ter Redner führt einige Beispiele dafür an. Auf der anderem Seite darf in der konser- vativen Presse Scheidemann eine woblgezielte Kugel gewünscht und dürfen in der„Kreuzzeitung" die Arbeitermassen, die das gleiche Wahlrecht haben wollen, dem Gesindel gleichgestellt werden. In Königsberg verwarnt der alldeutschnationalliberale Zensor unseren Parteiredakteur, wenn er die„Allgemeine Ztg." zu sehr angreife, zu der der Zensor nicht nur in politischen, sondern auch in s o n st i- gen Beziehungen steht. Ilnd schließlich wurde das Blatt wegen eines Artikels gegen die nationalliberalen Pluralwahlrechts- macher auf drei Tage verboten. Das Verbot wurde auch daraus gestützt, daß das Blatt eine Aufforderung veröffentlicht batte, der sozialdemokratischen Partei der Vatcrlandspartci zum Trotz bei- zutreten.(Hört! hört! links.) Tie Vaterlandspartei darf solche Ausforderungen in Unmassen verbreiten. Sie kann sich auch allen anderen politischen Richtungen gegenüber die weitestgehenden Ver- dächtigungen erlauben; sie kann die Anhänger des Verständigungs- snedens als mit anglo-ameri konischem G e I d e b e- st o ch e n hinstellen. Was die politische Betätigung der Beamten anbelangt, so sind wir nalürlich für vollkommene Freiheit der Beamten in dieser Be- ziehuiig. Wir können uns daher sogar den gegen den 2>lißbrauch der Dienstgewalt zugunsten der Vaterlandspartei gerichteten Er- laß des Ministers nicht ganz zu eigen machen. Wir halten die ganze Einrichtung der politischen Beamten für eine sehr unglückliche. Im Ausschuß ist nun der Antrag Fuhrmann dahin ausgelegt worden, daß die Beamten nicht auch die Freiheit, haben sollen, sich etwa der Sozialdemokratie anzuschließen. Da also für die Beamten nicht die Freiheit nach jeder Richtung gefordert wird, werden wir den Antrag ablehnen. Auf dem Gebiqte des Vereins- und Versammlungsrechts sind in der ersten Zeit des Krieges die kleinlichen polizeilichen Schikanen etwas zurückgetreten, aber mehr und mehr treten sie wieder auf. Ein vertraulicher Erlaß des Regierungspräsidenten in Oppeln spricht von der Werbetätigkeit der„sozialdemokratischen" Berg- arbeiterverbände und der polnischen Berufsvereinigung. Es wird gesagt, es fei zweifelhaft", ob man jetzt gegen die fozialdemokra- tischen Organisatioien vorgeben soll, hei der polnischen Vereinigung sei ein Vorgehen geboten. Ein Vorgehen gegen die fozialdemokra- tischen Verbände halte der Minister zurzeit nicht für ratsam, besonders solle möglichst von Strafverfolgungen abgesehen werden, um nicht jetzt einen gerichtlichen AuStrag herbeizuführen.(Hört! hört! bei den Soz. und Polen.) Die freien Gewerkschaften, werden hier wieder als sozialdemokratische Verbände hingestellt, und nur für setzt und zurzeit wird ein Vorgeben gegen sie abgelehnt. Wahr- scheinlich nimmt man an, daß jetzt die Gefahr besteht, die Polizei- behörden könnten von den Geeichten rektifiziert werden. Will man nach dieser Zeit Ivieder schikanös gegen die Gewerkschaften vorgehen? Auf einer Kriegervereinstagung wurde berichtet, daß mit Hilfe des Ministeriums des Innern und einiger Generale es gelungen sei, den Bund der Ritter des Eisernen Kreuzes totzu- machen.(Hört! hört! bei den Soz.) Ist das die Aufgabe des Ministers? In einem Erlaß vom 13. April 1918 nimmt der Minister Stellung zur KricgcrvcrcinSbcwcgung und zu den Organisationen der Kriegsteilnehmer und KriegSbe- schädigten. Da wird der„Kuttnersche" Reichsbund als ausgesprochen parteipolitisch hingestellt. Offenbar geschieht das nur deswegen, weil im Vorstand auch Sozialdemokraten sitzen. Bei dem München er Verband ist die Parteibezeichnung des Leiters nicht angegeben— das Wae allerdings ein Reichsgraf Kaspar von Pretssing. Im Vorstand des Reichstags sitzt jetzt auch ein Sozialdemokrat, ist er deshalb eine parteipolitische Körperschaft? Der Minister folgert den parteipolitischen Charakter vielleicht daraus, daß diese Organisation auf einigen Versammlungen sich für das gleiche Wahlrecht in Preußen ausgesprochen hat, also sich auf den Standpunkt des Ministers gc- stellt hat!(Sehr gut! bei den Soz.) Tie Kriegervereine sind jetzt bestrebt, die Kriegsteilnehmer und Kriegsbeschädigten einzusaugen; sie suchen dos verlorene Gelände zurückzugewinnen und die Hilfe der Behörden dafür zu er- halten. Zwar hat man den Ausschluß der Sozialdemokraten auf- gehoben, aber man hat eine Formel gesunden, mit der man in Zu-n kunft alle sozialdemokratischen Mitglieder doch wieder ausschließen kann und wird. Die Kriegervereine werden und sollen in Zukunft Sturmkolonnen der konservativen Partei sein. Des- halb hat sich die Regierung von ihnen fernzuhalten, und die Behörden sollen davon A b st a n d nehmen, irgendeine Vereins- gründung ans diesem Gebiet zu fördern. Man sollte endlich brechen mit der altpreußischen polizeilichen Aevormundungssucht. Statt dessen aber versuchte man letzthin, die Kründung einer Ortsgruppe des Reichsbundes in Kulbe dadurch zu verhindern, daß ein Major a. D. auf die Leute einzuwirken strebte, und schließlich indem man den Saalbesitzer einzuschüchtern versuchte. Zu Versamm- lungen der Vaterlandspartei aber werden die Soldaten k o m- pagnieweise kommandiert.(Hört! hört! b. d. Soz.) Tie Polizeiverwaltung in Ragnit in Ostpreußen verlangte zur Genehmigung einer sozialdemokratischen Versammlung über Ver- ständigungsfrieden, Wahlrecht und Sozialdemokratie die Einreichung des Manuskripts der Rede. An diesem wurden dann Aenderungen und Streichungen vorgenommen und schließlich wurde zwar die Versammlung genehmigt, ober die Verbreitung der Einladungen dazu verboten!(Hört! hört! links.) In Oberschlesicn werden zwar Vereinsversammlungen gestattet, aber politische Angelegenheiten dürfen nicht besprockjeir werden. Lefsentliche Wahlrechtsver- samm lungen werden vielfach verboten, ich selbst durfte vor acht Tagen in Magdeburg nicht über die Wahlreclüsfragc sprechen. So manche Organe der Regierung lassen sieb zu willenlosen Handlangern der militärischen Willkürhcrrschaft herabwürdigen. Diese empörenden Vorgänge erregen eine Erbitterung, die für unser Vaterland die größte Gefahr bedeutet. Das Gefühl der Rechtlosigkeit wird dadurch immer mehr und mebr vergrößert. Das Volk� verliert den Glauben, daß es auf diesem Gebiete besser wird, um so mehr. als das Dreiklassenparlament, in dem die Wurzel aller Ucbel steckt. die WahlrechtSvorlage bisher verschleppen und verschandeln konnte und das gleiche Wahlrecht dem Volke brutal versagt. Ohr» befriedigende Lösung der Wahlcechtssrage gibt es keine Ruhe in Preußen, jetzt, nicht und nach dem Kriege nicht. Vor einiger Zeit sagte d. Oldenburg: Wenn in Preußen das gleiche Wahlrecht ein» geführt wird, haben wir den Krieg verleren. Das Treiklassenshstenr steht den Junkern viel höher als das Vaterland; sie würden lieber eine Niederlage im Krieg in den Kauf nehmen, als daß das Drei» klassenwahlrecht beseitigt wird.-Auch vor hundert Jahren erklärte ein preußischer Junker: Lieber 16 Schlachten von Jena als ein Oktobvred'kt(das die preußischen Bauern von der Leib- eigenfchaft befreite). Das von Ihnen beschlossene Wahlrecht ist praktisch undurchführbar. Sie benutzen es als demagogischen Wahl- trick, mit dem Sie glauben, bei der bevorstehenden Neuwahl Ge- schäfte macheu zu können.(Sehr richtig! bei den Soz.) Ich fordere die Negierung aus. durch baldigste Auflösung des Hauses �dafür zu sorgen, daß die große Mehrheit des Volles ihren Willen zum Aus- druck bringen kann.(Beifall bei den Soz.) Präsident Graf v. Schwerin-Löwitz rügt die Worte des Vor- redners, daß seine Ausfübrungen im Ausschuß dem Oberkommando durch einen Spitzel übermittelt worden seien. Ties sei eine schwere Beleidigung entweder von Abgeordneten oder von Rcgierungsver» tretern. Minister des Innern Dr. Trews: Die Zensur liegt nicht in der Hand der Zivilbehörden, sondern ausschließlich der Militär- behörden. Ick, habe keinen Eiusluß darans. Beschwerden gehören in den Reichstag vor dem K r i e g S in i n i st e r. Ter Minister bespricht dann die Regelung des Versammlungsivesens im Kriege. Oesfentliche politische Versammlungen werden in der Kriegszeit überhaupt nicht zugelassen. Das ist auch berechtigt. Würden Ausnahmen für einzelne Fragen gemacht, so würden sich andere Parteien darauf berufen.(Zurufe: Vaterlands- Partei! Ostmarken-Vereiw.si Kleinlicher Polizeigeist sollte vermieden werden. Vor Wahlen werden öffentliche Versamm- lungen zugelassen. T'e Presse'wendet den Erlassen aus dem Mi- nisterium des Innern erneute Aufmerksamkeit zu. Sie druckt, sie trotz de? Papiermangels ab. Meine Erlasse haben die Oesfeutlich- keil nicht zu scheuen, aber man beachtet dabei die Zusammenhänge nicht. Die Organisationen der K r i e"g s b e s ch ä d i g- iett leiden an Zersplitterung. Ich hatte bisher den Eindruck, daß der Reichsbund parteipoliiischc Zwecke verfolgt und die Kriegsteil- nehmer in das sozialdemokratische Lager leiten will. Uestzrigens hat mir der Reichsbund seinen Standpunkt brieflich dargelegt, mög- licheriveise werde ich meine Ansicht dementsprechend revidieren) Eine Bevorzugung irgendeiner Organisation findet nicht statt. Es ist falsch, bei dem Lobe unseres Volkes einzelne Volkskreise heraus- zuHeben. Alle, reich und arm. tragen zur Erhaltung des Vater- landes bei. Wenn dieser Opfersinn in die Friedenszeit hinüber- reicht, werden wir allen Gefahren mit Zuversicht entgegensehen können.(Beifall.)__ Einrichtung eines ukrainischen Nahrungs- mittelrsts. Regelung der Aufbringung und Ausfuhr nach den Mittelniächtcn. Kiew, 17. Juni. Ter deutsche und der österreichisch- ungarische Botschafter unterzeichneten heute, geineinschaftlich mit dem ukrainischen Ministerpräsidenten ein Abkommen über die Einrichtung eines ukrainischen Rahrungsniittelrats, der für d a S ganze Gebiet der Ukraine einheitlich die Aufbringung der?cahrllngs- und Mutter- mittel zu regeln und die Versorgung der in der Ukraine stehenden Truppen, der Städte und der Industriezentren der Ukraine sowie die Ausfuhr nach den Mittelmächten zu übernehmen hat. Die buZgürische Kabinettskrise. Die Bulgarische Telcgraphcnagentur leiit»sil:„Der Rücktritt deS Ministerpräsidenten Nadoslawow ist die F o.l.g.e. e i n e r teil« weisen M i n i st e r k r i s c. Zwei Minister der stambulowistischen Gruppe, nämlich der Minister der vfientlichen Arbeiten Petkow und der Eisenbahnmiuisler K o z n i t s ch k g hatten wegen M e i« nungSverschiedenheilen in inneren Fragen ihre Demission gegeben. Infolgedessen befand die Regierung sich in der Minderheit. Obwohl die Sobranje gegenwärtig keine Tagung abhält und die Regierung somit keine Schwierigkeiten zu befürchten hatte, hieli sich Ministerpräsident R a d v s l a Iv o w genau an die Vorschriften der Verfassung und bot seine Demission an, um der Krone die Möglichkeit zu geben, andere parlamentarische Gruppen zu befragen." Dieser osfizivse Kommentar zum Rücklritt des Kabinetts Ra« doslawows macht eine Andeutung über den Ursprung der Krise. Meinungsverschiedenheiten in inneren Fragen werden 'iir den Rücktritt der beiden Minister, der den Karren ins Abrollen gebracht haben soll, ins Feld geführt. Es ist aber doch binreichend bekannt geworden, daß die Nord- dobrudscha-Frage. die in Bulgarien zu erheblichen Ausbrüchen der Mißstimmung sührle, die Ursache des Rücktritts der beiden Minister war, die zur Siambulowgruppe gehören. Aus der teilweisen Krise ist jetzt eine ganze Krise geworden, weil es Nadoslawow nicht gelang, die gerissene Lücke auszufüllen. Eine Fraktion der B a u e r n b ü n d l e r grupve sagle ihm zivar Unterstützung in der Sobranje zu, Ichiile aber den Eiliirilt ins Ministerium ab. Auch von einein Versuch der Verständigung mit einer der beiden S o z i a l i st e n- Fraklioneil ist die Rede, aber auch der blieb erfolglos. Wenn wirklich Uneiingkeit über innere Fragen die Krile herbei- geführt hat, so wird man schon die Befürchtung der Opposition be- achlen müssen, daß Radoslawoivs Macht durch die Angliederung Mazedoniens eine gewallige parlamenlarische Stärkung erfahren werde. RadoSlawowS Erklärung, mit der vor Jahresfrist erfolgten Kriegseiklärung Griechenlands stehe Bulgarien das Recht der Ein- verleibung aller der Gebiete zu, dir Griechenland 1913 im Bukarester Vertrage erhielt, wird den Anhang Radoslawows in Mazedonien ganz erheblich emportreiben. Tie Staiiibulow-Partei- muß an- nehmen, daß die Radoslawisten(die jetzt fünf Sitze im Ministerium neben zwei Stainbiilowlsteii, zlvei Toiilschewisten und einem Partei- losen Minister innebaben), ihr vollends üher den Kopf wachsen, so daß sie tbrer Hilfe nicht mehr bedülsen. Daß solche Befürch- lungen die Opposilioii veranlaßt haben töiinen, dem Minister bei- zeiten ein Bern zu stellen, ist ivahrschrin!lck>, und so nutzte sie den günstigen Zeitpunkt reichlicher Mißstimmung gegen die Regierung aus. Der König ist nunmehr wegen Bildung eines neuen Kabinetts mit Persönltckileiien wie dem früheren Ministerpräsidenten G e s cb o w und dem Führer der demokratischen Partei in Ver- bindung getreten. klttiidgcbungcn gcgc» das Kondominium in der Rorddobrudscha. Sofia, 18. Juni.(Meldung der Petersburger Telegraphen- Agentur.) Tie Blätter veröffentlichen eine Erklärung des Ober« ausschusseS des Dobrudschabunde». die sich>u scharfen Ausdrücken dem bereits telegraphiich gemeldeten Enifpruch des Nationalrates von Babadag gegen daS tn dem nenen Friedensvertrag von Bukarest für die'nördliche Dobrudscha festgesetzte Kondominium anschließt. Sofia, 18. Juni. Tie ganze bisherige Opposition, mit Aus- nähme der doktrinären Sozialisten(16 Abgeordnete), schlägt den Demokratenführer Matinow als Ehcj des zu bildenden Kabinetts vor. Man glaubt, daß ihm die Krone den entsprechenden Auftrag erteilen werde. Lebensmittelnot in Gesterreich. Einer Abordnung von Sozialdemokralen, die wegen der Kürzung der Brotralion sür die Wiener Bevölkerung vorstellig wurde, erklärte Ministerpräsident v. Set biet, dast von den zivilen wie von den militärischen Stellen alles nur Erdenkliche unternommen würde, um die gciroffene Verfügung zu vermeiden. Seit der Erschöpfung der beimischen Vorräte fei Oesterreich auf Zufuhren aus der Ukraine und Bcßarabien angewiesen, die jedoch gegenwärtig infolge der Stockung der Aufbringung unbefriedigend seien. Natur« gemäs; habe man sich beinüht, um Aushilfen zu beschaffen, namentlich seitens Deutschlands, das jedoch selbst im gegenwärtigen Zeitpnnkt, knapp vor der neuen Ernte ge- nötigt sei, eine Kürzung seiner Brotration vorzunehmen uitd daher begreiflicherweise mir den eigenen Vorräten haushälterisch gehen wolle, Sonntagabend sei noch der Minister P a u l nach Berlin gereist und es bestehe iinmerhin die Hoffnung, das; deutscherseits im Sinite der im Mai getroffenen Vereinbarung gewisse Transporte an Oesterreich abgegeben würden. Der Minister- Präsident hofft, daß die Periode der Verringerung der Brot- quotc so kurz als möglich sein werde. Er versicherte chlicßlich, daß die Regierung alle Vorkehrungen getroffen habe, um die Eifassulig der heranreifenden Ernte so rasch als möglich durchzuführen. Tas W. T.?. bemerkt dazu:„Tie Abgabe von Brot- aetreide aii-Z deutschen Beständen ist ausgeschlossen." Das Kricgsernährungsamt durste sich aber in anderer Weise um die Erleichterung des. gespannten Verhältnisses in Oesterreich bemüht haben, so daß der österreichische Ernährungsminister T r. V a u l leidlich zufrieden sein und nicht mit leeren Händen in Wien ankommen dürfte. Wien, 18. Juni. Tic Verkürzung der Brotration hat in der gesamten Monarchie ungeheure Erregung hervor- gerufen. Alle Blätter ohne Unterschied der Parteirichtung nehmen schärfste Stellung gegen diese Maßnahme und fordern deren beschleunigte Be« scitigung und die Heranziehung Teutschlands und Un- garns zu augenblicklicher Hilfeleistung. Ter Wiener Ar- b e i t c r r a t tritt heute um K Uhr abends im Eisenbahner- heim zu einer entscheidenden Sitzung zusammen, in der Beschlüsse schwerwiegendster Natur gefaßt werden dürften. Ter P a r t c i v o r st a n d der deutschen Sozialdemokratie Oesterreichs richtete einen dringenden AufrufandicAr- bcitcr und Arbeiterinnen, die Beschlüsse des Wiener Arbeitcrrats abzuwarten und sich jeder Ausschreitung und Arbeitsstörung zu enthalten, und teilt gleichzeitig mit, daß der Partcivorstand beschlossen habe, schärfsten Pro- tcst gcgcndicVcrkürzungdcr Brotration einzulegen und jede Verantwortung für die Konsequenzen dieser Maß- nähme abzulehnen. �_ parlamentssrsffnung in Rumänien. Tie Tronrede. Bukarest, 17. Juni. Die vom König bei Eröffnung d«S Paria- ments in I a s s y gehaltene Thronrede lautet: Meine Herren Senatoren, meine Herren Abgeordneten, ich empfinde wie immer lebhafte Befriedigung darüber, mich in der Mitte der Vertreter der Nationen zu befinden. Vor kurzem aus allgemeinen Wahlen hervorgegangen, bringen Sic mir die wirk- lichen Empfindungen des Landes über die schweren Eni- sch küsse, die unserer sorgfältigsten Prüfung unterliegen, mit. Aus seine eigenen Mittel angewiesen, bat das Land voll Edelmut zmd hohem Patriotismus die Blüte seiner tapferen Söhne gc- opfert. Aber eine Verlängerung des bewaffneten Widerstandes hätte seine Kräfte bis zur Vernich- tung erschöpft, und Rumänien hat den Frieden geschlossen, der sich ihm wie eine Lebensbedingung aufdrängte. Der Friedens- vertrag wird unverzüglich gemäß den Bestimmungen der Ver- fastung der gesetzgebenden Körperschaft zur Billigung unter- breitet werden. Er erlegt offenbar schmerzliche Opfer auf, ober das rumänische Volk wird sie mit jener Mannbaftigkeit prüfen, die eine genaue Erfassung des Staatsinteresses angesichts der wirklichen Lage verleiht. Danken wir indessen dem Himmel, wenn gerade in der Stunde dieser Prüftingen das Gefühl der Rasscngcmeinschaft das schöne moldauische Land, das dem Boden der Väter entrissen worden war, zum Mutierlande zurückgeführt hat, um seine Ar- beitskraft und seinen Glauben an die Zukunft zu crböhen. Die gute Aufnahme, die dieses große Ereignis bei den Mächten, mit denen wir über den Frieden verhandeln, gefunden hat, bat den Weg geöffnet sür die Wiederherstellung unserer Freundschaft, wie sie in der Vergangenheit be- st a n d. Indem wir gute Beziehungen mit den anderen Ländern aufrechterhalten, werden wir versuchen, mit den neuen in Bil- dung begriffenen Staaten normale nacksimrlichc Beziehungen wieder aufzunehmen. Der weitere Teil der Thronrede spricht zusammenfassend von den inneren Reformen. Nach Erwähnung der Umänderungen der Verwaltungs-, Gerichts- und Unterrichtsorganisation wird„volles Vertrauen" ausgesprochen,„daß das Parlament die Uebcr- gangz maßregeln, so radikalsie auch sein mögen, zur Erleichterung ihrer Vorbereitung und ihrer schnellen Ver- wirklichung bewilligen wird." Die Agrarreform soll vor jeder anderen Verfassungsänderung durchgeführt werden,„um die unteren Schichten der Nation zu wirklichem politischen Leben er- wecken zu können." In einer vor dem Zusammentritt deZ Parlaments von den Mitgliedern der Regierungsmehrheit abgehaltenen Beratung be- tonte Ministerpräsident Marghiloman, daß die Erhebung der Anklage gegen di� früheren Machthaber aus der Initiative des Parlaments und nicht auS jener der Regierung erfolgen müsse. Tie Arbeiten des Parlaments sollen allem Anschein nach im Gcwalttempo zur Erledigung gelangen. Marghiloman sprach da- von. cS würde unermüdlich gearbeitet und auch nachts würden Sitzungen stattfinden müssen. Schweben weist englische Gewerkschafts- Senülinge aus. Kristiania, 18. Juni. Reuter. Mister Chambers und Koitacn Titpper von dem Verband der Seeleute wollten nach einer erfolgreichen Konferenz in Kopenhagen am 13. Juni nach Schweden gehen, um mit den schwedischen See- Icuten über einen neuen internationalen Verband z u v e r h a n d e l n. Bei ihrer Ankunft in Gothenburg wurden sie jedoch angewiesen, Schweden mit deni nächsten Inge zu ver- lassen. die Schlacht in Italien. Ter zweite Tag. Wien, 17. Juni. AuS dem KriegSprcsseqiiartter wird gemeldet: Was der erste Tag der einsetzenden Offeiisine an der Süd- Westfront unseren braven Truppen an Erfolgen gebracht hatte, wurde auch gestern, allen verzweifelten Anstrengungen des Gegners zum Trotz, teils behauptet, teils unbeeinflußt durch alle Beschwerlich- kcitcn der ungünstigen Witterung weiter ausgebaut. Das W c st- ufer der Pinvc von den beherrschenden Höhen des M o n. tello bis hinunter ans Meer war der Schauplatz er- bittcrter Kämpfe, in deren Verlauf sich unsere dort operierenden Armeen in den Besitz weiteren feindlichen Geländes und der dadurch größere» Sicherheit aller bisher rrrungrncu Erfolge setzten. Sowohl Raumgewinn im Gebiete dcs'Montcllo wie auch westlich San Dona und die Einnahme des viel umstrittenen Caposile sind die ersten Früchte des mit so unvergleichlicher Schnelligkeit und durchschlagendem Erfolg uutcrnomillcucn Flußübcrgangs, der tür die Italiener so überraschend wie bedrohlich, uns den Ausblick sür alle weiteren Möglichkeiten eröfsnet. Daß bei F a g o r e eine einzige Stiirmpotrouille eines Infanterieregiments 700 Mann und 9 Offiziere verschiedener Rcgimcnrcr zu Gefangenen machte, gibt den zutreffenden Beweis, wie sehr durch die Italienischer Heeresbericht vom 17. Juni. Auf der Hochfläche von Asiago und auf dem Grappa beschränkte sich der Feind, der im Laufe des 1ö. ungeheuere Verluste erlitten hat, gestern darcmf, der Gegenoffensive unserer Truppen und der- jenigen der alliierten Truppen, die an mehreren Punkten ihre Teilerfolge sichern und Front- berichligtingen vornehmen konnten, durch starke Feuergcgcnwirkung Hindernisse zu bereite», Demgegenüber wurde die Schlacht längs der Piave mit äußerster Heftigkeit sortgesetzt, Der Gegner übte, ohne aus seine Verluste Rücksicht zu nehmen, seinen mächtigen Druck auS, um die Besitznahme des Man tello zu erweitern und sich Wege in die Ebene zu sichern. Unsere Truppen beschäftigten den Feind stark auf der Linie Ciano- Gipfel des Montello— St. Andrea, hielten mutig ihre Stellungen am Flusse von St. Andrea bis Fossalta und durchkreuzten das Bor- rücken des Gegner» in der Kampszone bei der Schleife von San Donna wirksam. Die Zahl der zu Beginn der Schlacht gemacknen G e- fangen en erhöhl sich auf 120 Offiziere und 1500 Sol- daten, von denen 7l6 von den englischen und 261 von den fränzösischenTruppcn gefangen genommen worden sind. Tie Unterstützung in der Lust machte sich trotz ungünstiger Bedingungen weiterhin stark fühlbar. 44 feindliche Flugzeuge wurden im Laufe der beiden letzten Tage abgeschossen. Englischer Heeresbericht auS Italien. Nur geringfügige Ver- ändcrungen an der britischen Front. Der Arlilleriekamps erlosch und der Feind reorganisiert sich nach seiner schweren Niederlage. Erbeutete Karten lassen erkennen, daß seine Ziele sehr weit gesteckt waren und die Eroberung des Monte P a u und der Cima di Fönte einschlössen. Die Zahl der Gefangenen er- die Christlichen gegen Giesberts. Das„Zcniralblatt der christlichen Gewerkschaften" spricht sich in seiner neuesten Nummer mit aller Entschiedenheit für das gleiche Wahlrecht aus und nimmt dabei gegen einen Führer aus den eigenen Reihen, den Reichstagsabgeovdnetcn Gicsbcrts, Stellung, der be- kanntlich für zwei Zusatzstimmen, Alters- und Familien- stimme, eintritt. TaS Blatt verweist auf eine Entschließung der Chrisilich-Nationalen Arbciiertagung in Essen und stellt fest, daß Gicsbcrts zur gleichen Stiindc in Saarbrücken in einer Masscnvcr- sammlung ebenfalls entschieden für das gleiche Wahlrecht einge- treten sei, später aber in einem Berliner Blatte sür die genannten zwei Zusätzstimmcn sich ausgesprochen hat. Das„Zcntratblatt" er- klärt:„Wir stellen ausdrücklich fest, daß mit dem unsteten Ver- halten des Kollegen Gicsberts in der preußischen WahlrcchtSfrage die christlich-nationale Arbeiterbewegung nichts gemein hat." Die Erhöhung des BrotpreifeS. Da? KriegscrnährungSamt bittet uns um die Mitteilung, daß der Pfundpreis des Mehlcs um nicht ganz 2 Pfennige, der de» Brotes um etwa 2,5 Pfennige im Durchschnitt erhöht werden wird. Letzte Nachrichten. die rujstsche Gegenrevolution. Das Berliner Bureau der Petersburger Telegraphen- Agentur teilt mit: Ter Volkskommissar T s ch i t s ch e r i n hat eine offizielle Erklärung an die bevollmächtigten Vertreter von Frankreich, England, den Vereinig- ten Staaten und Italien überreicht, in anbetracht dessen, daß diese Mächte die Vertretung der Interessen der Sschecho-ävlowaken in Rußland übernommen hatten. In die- ser Note wird die Hoffnung zum Ausdruck gebracht, daß die erwähnten Mächte die Notwendigkeit der Ent- waffnnngder Tschecho-Slo Waken billigen werden, infolge der ausgesprochenen gegenrevolutionären Be- wegung, die der ganze Aufstand angenommen hat. In einer offiziellen Erklärung des Kriegskommissariats zum tschecho-ilowakischen Ausstande wird mitgeteilt: In den allernächsten T a z>e n wird sich die L a g e radikal verändern und die letzte Verschwörung, in die die Gegen- revolutionäre die Tschecho-Slowaken verwickelt haben, wird in allerkürzester Zeit liguidiert sein. Wenn dieOpera- t i o n e n sich ausdehnen, so eben deshalb, weil Maß- nahmen getrosten werden, um radikal den tschecho-slowa- kischen Aufstand, sowie auch alle anderen Aufstände, die mit ihm im Zusammenhang stehen, zu liquidieren. Wucht vuscrcs AnzriffZ die Verbände de? GcgnerS in Ver- wirrung geraten fein müssen und ein schönes Bild von dem prächtige» Offensivgeist unserer Truppen. Auch während de? gestrigen Tages blieben alle beiderseits der Brcuta crrun- genen Erfolge fest in den Händen der österreichisch- ungarischen Truppe». Kein Fußbreit Bodens in dieser wild- zerklüfteten Gebirgslandschaft, wo jeder Schritt nach vorwärts von nicht zu unterschätzender Bedeutung ist, konnte der zähen Verteidigung alpenländischer Regimenter entrissen werden. So haben die Erfolge dieses zweiten Kampftages sich würdig den vorausgegangeneu Ercig- nisscn angeschlossen. Ter dritte Tag. Basel, 18. Juni. Die„Agenda Stesani" verbreitet eine vom Ministerpräsidenten an den Senat und die Kammer gerichtete Mit- tcilung, die die militärische Lage auf Grund von Auskünften der Obersten Heeresleitung, die bis um 10 Ubr abends eingetroffen waren, folgendermaßen darstellt: Im Laufe des Tages hinderte der Feind durch einen starke« Widerstand den Druck der Gegenoffensive unserer Truppen und der unserer Verbündeten auf dem Plateau von Asiago und in der Gegend von Grappa und griff läng S der Piave an. um Gelände zu gewinnen und feste Brückenköpfe auf dem rechten Flußuicr zu errichten. Unsere Truppen halten ihn durch ihren zähen Widerstand und durch ihre wieder- holten Gegenangriffe fest in Schach. höhte sich auf 716, darunter 12 Oisizierc. DaS Gesamtergebnis an erbeuteten Äriegsgerät. das zurzeit eingebracht wird, beläuft sich aus vier GebirgSgeschütze. 48 Maschinengewehre und 7 Flammen- Werfer. In Anbetracht der Schwere des GeichützfeuerS und der Erbitterung des Kampfes sind unsere Verluste sehr leicht. Am 15. und .16. Juni warfen unsere Flieger über 300 Bomben ab und ver- feuerten 25 000 Maschinengewehrlagc» aus die Truppen und TranS- Porte, die die Piave zu überschreiten versnchten. Nach einer weiteren Mitteilung ist die neue sibirische Regierung in Omsk ausgerufen worden. Tic Sowjetregiernng an die Tschcchoslowakcn. Moskau, 18. Juni.(Meldung der Petersburger Telegraphen- Agentur.) Bei der Unterdrückung der tschechoslowakischen Erhebung ist die Regierung entschlossen, nicht nur auf die Interessen der Föderativen Sowjetrepublik, die gebieterisch eine Unter- drück ung des ganzen Auf st an des auf russisches Gebiet verlangen, Rücksicht zu nehmen, sondern sich auch bei ihrem Bor gehen von den Grundsätzen der Menschlichkeit leiten zu lassen, die keine Bestrafung der gesamten tschechoslowakischen Massen gestatten, die durch die Agitation der gcgenrevolutionären Cliquen in das Abenteuer hincingcrisscn sind. In Uebereinstim- mung mit den interessierten Gruppen wird die Sowjetregicrung einen Plan zur Lösung der tschechoslowakischen Frage aufstellen, so- bald die Aufständischen auf ihre sinnlosen Handlungen verzichten. Auf den Schauplatz der Erhebungen werden Ver- tretcr der Sowjetgewalt entsandt sowie Ver- t r e t c r der tschechoslowakischen Verbände, die sich der Lage bewußt und gegenüber dem Rußland der Sowjets loyal sind. Schwedische Tonnage für die Alliierten. Amsterdam, 18. Juni. Reuter meldet amtlich: Wie. bekannt, fanden seit einigen Monaten in London Besprechungen zwischen den Vertretern der verbündeten Regierungen, einschließ- lich den der Vereinigten Staaten, und der schwedischen Regierung statt. Diese Unterhandlungen haben nun ihren Abschluß gc» funden und zu einem A b k o ni m e n zwischen den interessierten Staaten geführt, da? von der schwedischen Regierung unterzeichnet und bekräftigt worden ist. Danach wird eine Anzahl schwedischer Schiffe von insgesamt 400 600 Tonnen in den Dienst der Verbündeten übergehen. Weiter werden den Alliierten Kredite in Schweden eröffnet und die Ausfuhr schwedischen Eisenerzes nach den kriegführenden Ländern geregelt. Die Ein- fuhr von schwedischen Holzschmtzeln zur Papierbereitung nach Eng-- land fällt ebenfalls unter die festgesetzten Bedingungen. Die ver- kündeten Regierungen ihrerseits verpflichten sich, der Einfuhr be- stimmter Mengen Lebensmittel und anderer Artikel, die für den schwedischen Handel und die Industrien erforderlich sind. Er- l e i ch t e r u nge n zu gewähren. Tie Ausfuhr von den verbündeten Ländern nach Schweden wird jedoch einer Kontrolle unterliegen. Ferner werden Bürgschaften aufgc- stellt, um die Weiterleitung sowohl der importierten Artikel selbst wie der daraus angefertigten Produkte oder Gegenstände gleicher Art nach den feindlichen Ländern zu unterbinden. yjyi To.-'T 1) ■ r§.K'/ Soren-i //JP'.Marzw;c hAV-,/ S-Vyt tmi****■ J Vffl ffar/r- YArfanfo J y, i V' Ji, 0' 'onrsbeHuna Caßfä/ti k. Stiiararw' 1' cavoefa jj �° irbonera\J/fK\Sai03re�a\' magJo � \zenson ' j,' lo£;c.rc �\ tf v i «VvN. IV\JiomNn3'frmnzfä\\ S Pa/aletfo. v\:o IPsss�rfS�f�f J/Joemzara SksJww.-' „„mn ir« f„ �-? SMBisabeU •«fc> .„scamg Camponogar vT Bagni de! Li du ifätanfdcQo d UriHcgiFjte.. Hfli t//e'r''Kämpfern- der'Pf a Yeyo j» i i /g, � /zra azis' SewerkschoMMVUng verbanöstag öee Such- und Steinöruckereihüfsarbeiter. Am Dienstag behandelte der Verbandstag den wichtigsten Punkt seiner Tagesordnung: Lohn- und Tariffragen, in einer geschlossenen Sistung. Die VcrbandSvorsihende Paula Thiede schilderte die Eni- Wickelung des Tarifverhältnisses, die zu einer Situation geführt hat, welche im wesentlichen so ist: Die seinerzeit zwischen beiden Parteien vereinbarlen allgemeinen Bestimmungen über Löhne. Arbeitszeit, Gruppeneinteilung usw. sollten eine feste Grundlage für den Abschluß örtlicher Tarife bilden. In manchen Orten aber änderten die Unternehmer beim Tarisabschlus; die allgemeinen Bestimmungen zu Ungunsten der Arbeiter eigenmächtig ab, ohne daß der Vorstand der Arbeitgcberorganisation dagegen einschritt. Außer den allgemeinen Bestimmungen wurde im Jahre 1911 ein Haflungsvertrag abge- schlössen, der die Tarifbeteiliglen gegen Strafe zur strengen Jnne- Haltung der Tarifbestimmuiigen verpflichtet. Auch der Hafbangs- Vertrag ist in manchen flällen einseitig zu Ungunsten der Arbeiter und im Interesse der Unternehmer ausgelegt worden. Die Be- mnhungcu des Hilfsarbeiterverbandes, gemeinsam mit der Unter» nchmerorganisation eine Zentralinstanz zu schaffen, welche eine für beide Teile gleiche, gerechte Durchflihrung der Tarife gewährleistet, scheiterte an den: ablehnenden Verhallen der Untcrnehmerorganisation. Auch das Tarifamt der Buchdrucker versuchte wiederholt, dieser Forde- rung der Hilfsarbeiter bei den Unternehmern Gehör zu verschaffen. Neuerdings geschah das anläßlich der im Oktober 1917 geführten �Verhandlungen über die Teuerungszulagen der Buchdruckergehilfen. Doch die Unlernehmerorganisation erklärte, das Tarifamt sei in dieser Angelegenheit nicht zuständig. Hierauf hat der Vorstand des Hilfs- arbeilerverbandes an den Deutschen Buchdruckerverein die Frage gestellt, ob er bereit sei, einen Tarif mit Grundwhnen und einer aktionsfähigen Zenträkle nach dem Muster des Buch- druckertarifs für das Hilfspersonal zu schaffen. Auf diese Anfrage antwortete der Deutsche Buchdruckerverein.daß ein allgemeiner, für alle Druckorte geltender Tarif, wie für die Buchdruckergehilfcn, für die Hilfsarbeiter in Rücksicht auf die ganz verschieden gearteten örtlichen Vechültnisse nicht durchführbar ist. Bei den Buchdrucker- gehilfcn handelt es sich ausschließlich um gelernte, ständig im Ge- werbe verblutende Berufsarbekter, während bei den Hilfsarbeitern ein außerordentlich häufiger Wechsel stattfindet, dem auch die Ar- beits- und Lohnvcrhtkktnisse unterworfen sind". Die Neferentin kam zu dem VBHluß: Die Situation ist un« haltbar. Bon dem Bestehen eines wirklichen Tarifverhältnisses kann man nicht reden. Es kann uns nicht zugemutet werden, unter diesen Werlmltnissen weiterzuarbeiten. Klarheit muß geschaffen werden. Deshalb ist«s notwendig, daß wir die allgemeinen Bestimmungen und den Hastungsvertrag noch vor dem 1. Juli kündigen. Wir wollen dadurch nicht einen Kriegszustand schaffen, sondern uns be- mühen, eine Verständigung mir den Arbeitgebern herbeizuführen. Ob eine solche zustande kommt, das wird von dem Verhallen der Arbeitgeber abhängen. Dem Referat folgte eine ausgedehnte Diskussion. Die Ver- Hältnisse in den einzelnen Orten, die Aussichten und Möglichkeiten einer Tarifbewegung wurden nach allen Richtungen erörtert. Der Behauptung der' Unternehmer, der häufige Wechsel der Hilfsarbeiter spreche gegen den Abschluß eines allgemeinen Tarifs, hielt man ent- gegen, daß in den Großstädten, besonders in Leipzig und Berlin, die Hilfsarbeiter im Gewerbe vollkommen seßhatt geworden seien und der größte Teil gar nicht daran denke, den Beruf zu wechseln, solange er auskömmliche Lohnverhältnisse biete. Uebrigcns werde doch ein Taris nicht mit dem Einzelnen, sondern inil der Organi- salion abgeschlossen, welche die Jnncbaltung desselben garantiere. Dabei sei wirklich gleichgültig, ob es unter den Berufsangchörigen mehr oder weniger fluktuierende Elemente geben sollte. Die weitere Debatte wurde bis Mittwoch vertagt. Kmgsrüftimgen üer Unternehmer. Die Berliner Tischler befinden sich zurzeit in einer Lohn- bewegung. In der letzten Generalversainrnlung des Holzarbeiter- Verbandes berichtete die Ortsverwaltung, daß sie sich an die Freie Vereinigung der Holzindustriellen gewendet und um Untcrhand- lungen wegen Bewilligung einer weiteren Teuerungszulage nachgesucht habe. Die Unlernehmerorganisation habe aber Ver- Handlungen mit dem Hinweis auf den bis zum 15. Februar 1919 geltenden Vertrag abgelehnt. Die Generalversammlung be- schloß dann, in allen Betrieben eine neue Zulage von 30—�0 Pf. die Stunde zu fordern. Inzwischen hat sich die.Freie Vereinigung der Holzindustriellen zu Berlin" in effrer außerordentlichen Generalversammlung mit der Angelegenheit betchäftigt und be- schlössen, dem Verlangen der Arbeiter nach einer Verhandlung in der Schlichtungskommission Folge zu geben. Ob und was bei dieser Verhandlung herauskommt, bleibt zunächst abzuwarten. Be- zeichnend für die Stimmung der Unternehmer ist der in der gleichen Versanmilung gefaßte Beschlutz derselben die Beiträge für ihren K a m p f f o n d s z u verdoppeln. Bisher betrug der Beilrag für jeden beschäftigten Arbeiter pro Woche 29 Pf., vom 1. Juli ab ist dieser Beitrag auf 49 Pf. erhöht. Gleichzeitig wurde beschlossen, die Streikentschädigung von 1 M. auf 2 M. pro Tag und Arbeiter zu erhöhen. Wenn auch erwartet werden kann, daß eS über die jetzt bor- liegende Lohnforderung zu einer Verständigung kommt— die Verhältnisse im Berliner Tischlergewerbe liegen so, daß auch die Unter- nehmer die Berechtigung des Verlangens der Arbeiter nicht bestreit en können— so ist doch der NuZban der Kriegs» rüstung der Holzindustriellen ein Moment, dem die Arbeiter volle Beachtung schenken müsien. Die Unternehmer rechnen, wenn nicht für sofort, so doch bald nach dem Kriege mit wirtschaftlichen Kämpfen, auf die sich auch die Arbeiter vorbereiten inüssen. Zu diesen Vorbereitungen gehört nicht nur eine Stärkung des finanziellen Rüstzeuges der Gewerkschaften, min- bestens ebenso wichtig ist die Erweiterung des Mitglieder- k r e i sd s und die i n n e r e G c s ch I o s s e n h e i t der Organisation. Hoffentlich wenden die Berliner Holzarbeiter diesen Aufgaben die erforderliche Aufmerksamkeit zu, damit die kommenden Ereignisse sie gerüstet finden. Lohnbewegung der Charlottenburger städtischen Arbeiter. In einer gut besuchten allgemeinen Betriebsversammlung der städtischen Arbeiter wurden die gegenwärtigen Lohnverhältnisse ein- gebend besprochen. Die bisher vom Magistrat den Arbeitern ge- währten Zulagen reichen bei der maßlosen Teuerung nicht aus, um die 399— 599 Proz. gestiegenen Unkosten für die Unterhaltung des Haushalts bestreiten zu können. Folgende Entschließung fand ein- stimmige Annahme: Die am 15. Juni d. I. tagende Versammlung der in den städtischen Betrieben der Stadt Charlottenburg beschäftigten Hand- werker, Arbeiter und Arbeiterinnen beschließ: nach eingehender Aus- spräche über ihre Lohnverhältniffe und die matzlose, fortgesetzt steigende allgemeine Teuerung an den Magistrat erneut einen An- trag um Erhöhung der Kriegslohnzulagen um 29 Pf. für die Ar- beitsstunde für alle Handwerker, Arbeiter und Arbeiterinnen, zahl- bar ab 1. Juli d. I. zu stellen. Sie beauftragt die Leitung des Verbandes der Gemeinde- und StaalSarbeiter dem Magistrat von Charlottenburg diesen Antrag mit entsprechender Begründung zu übermitteln. Die unabhängige Berufsorganisation der deutschen Bankbeamten. Die Erkenntnis, daß die wirtschaftlichen Jniereffen der An- gestellten und Prinzipale gegensätzliche sind, har bereits eine statt- liche Anzcthl Bankbeamten in einer unabhängigen Berufsorganisation zusammengesührt. Diejenigen Angestellten, die sich über das Wesen und die Ziele dieser Organisation, den.Allgemeinen Ver- band der Deutschen Bairkbeamten", unterrichten wollen, können das am besten im Monatsorgan desselben,.Der deutsche Bankbeamte". Dasselbe bringt in seiner Nummer vom 14. Juni in knappen programniatischen Sätzen zum Ausdruck, daß der All- gemeine Verband der Deutschen Bankbeamten die einzige An- gestelltenorganisation im Bankgcwerbe ist, die konsequent den nn- überbrückbaren Gegenftitz zwischen Kapital auf der einen und der Arbeitskraft der Angestellten auf der anderen Seite erkannt und zum Ausgangspunkt seines Wirkens gemacht hat. Seinen Mit- gliedern bietet der Verband Stellenloien-, Solidaritäts- und Ge- maßtegelten-Unterstützung, kostenlosen Rechtsschutz bei Streitigkeiten aus dem Dienstverhältnis, Recbtsrat in allen anderen Reckts- angelegenheiten und Auskunft über die Arbeitsverhältnisse in den Banken, lieber die soziale Bewegung informiert die Verbands- zeitung:»Der deutsche Bankbeamte". Die Verwaltung deS Allgemeinen Verbandes der Deutschen Bankbeamten befindet sich Berlin IV 8, Französische Str. 21 IV. Die entzogene Belohnung. Von einem Betriebsschreiber der kgl. Artilleriewerkstatt in Spandau erhallen wir folgende Zuschrift mit der Bitte um Abdruck: Um die wirtschaftliche Notlage der Verwaltungsschreiber und -Schreiberinnen der kgl. Artilleriewerlstatt in Spandau zu ver- bessern, wurde ihnen vor einem Jahre eine VierteljahrSzuwendung von 199 bis 299 M. als sogenannte.Belohnung" gewährt, die bis- her regelmäßig gezahlt wurde. Hierbei hatten die Dienststellen- Vorsteher nach eigenem Ermessen die.Belohnung" in Höhe der oben bezeichneten Grenzen für den einzelnen Angestellten zu be- stimmen. Hätte man es auch lieber gesehen/ wenn diese Zuwen« dung in anderer Form gemacht worden wäre, so freute man sich doch, damit seine wirtschaftliche Lage etwas verbessern zu können. Leider endete kurz vor Ablauf des Wonnemonats unsere Freude, denn man eröffnete uns, daß diese Belohnung vorläufig nicht mehr bezahlt werde. Die Mehrzahl der in Betracht kommenden An- gestellten hatte sie wenigstens für das laufende Vierteljahr weg. ein kleiner Teil, der erst im Monat Juni damit bedacht werden sollte, hatte das Nachsehen. Nach des Wumba unerforschlichcm Ratschluß wurde plötzlich gestoppt. Woher ist dem Wumba plötzlich die Erleuchtung gekommen, daß wir diese Zuwendung nicht niebr benötigen? Weiß Wumba bezw. das Reichsschatzamt nicht, daß seit einem Jahre alle Lebensmittel und WirtschaftSartikel ungeheuer im Preise gestiegen sind und von Tag zu Tag weiter steigen? Glauben die verehrten Herrschaften wirklich, daß verheiratete Männer mit einem Einkommen von durchschnittlich 299 M. monatlich und. Frauen bezw. Mädchen von 139 M. bei achtstündiger Arbeitszeit genug ver- dienen und damit auskommen können? Ablehnung deS NennstundentagcS für Ttaatsarbeiter in Bremen. Die sozialdemokratische Fraktion in der Bremischen Bürger- schaft und die Zahlstelle Bremen des Metallarbciterverbandes habe» schon einigemale Vorstöße mit Anträgen und Eingaben unter- nommen, um in Bremen für StaatSarbeiter den Neunstundentag durchzudrücken. Aber immer vergebens. In Bremen ist man in sozialpolitischen Tingen sehr rückständig. Vor einiger Zeit hatte die Bürgerschaft auf Antrag unserer Genosien vom Senate über diese Angelegenheit einen Bericht eingefordert. Jetzt antwortete er. Er erklärt, auf die Herabsetzung der Arbeitszeit aus neun Stunden sjetzt zehn) nicht eingehen zu können und begründet das damit, oatz während des Krieges z u großer Arbeiter- mangel sei, als daß dieser Sache jetzt nähergetreten werden könnte. Industrie und Kandel. Um Scheidcmandcl. Die Beruhigungsnote der Scheidemcuidel-A.-G. hat nicht gewirkt, weil sie aus den gestern augesüff»ten Gründen un- zulänglich war und einen Tatbestand bagatellisierte, der den Ersten Staatsanwalt beim Landgericht I mobil gemacht hat. Gegenstand der Anschuldigung ist nach der„Voss. Ztg." die Behauptung, daß die Gesellschaft Knochen, die zur Speisefett- gewinnung dienen sollten, für rentablere Zwecke verarheitet habe. Es soll sich um 212 Waggon Knochen handeln. Nach unserer Information hat sich die versehentliche Ver- Wendung des unrichtigen Formulars auf fast ein I a h r erstreckt. Dr. W e r t h a u e r, der Vertreter des aus dem Dienst der Knochenstelle geschiedenen Angestellten Götze, ersucht uns um Aufnahme folgenden Briefes: .Herr Götze ist von der Scheidemandel-Gesellschast bcziehungs- weise von der Konzernos-Gesellschaft, einem Towterunternehmen der Scheidemondel-Gesellschaft nicht etwa entlassen worden, son» dern er hatte seine Stellung am 31. Mai zunächst mit Wirkung zum 39. Juni gekündigt, weil er sich darüber klar wurde, daß die ihm von seinem Vorgesetzten in der Knochenstelle des Kricgsvus- schusses für Oele und Fette aufgetragenen Obliegenheiten eine ungebührliche und ungesetzliche Bevorzugung des Scheide mandel-Konzerns darstellte. Diese Jniereffen- Verwicklung erschien ihm um so bedenklicher, als in d»c Knochen- stelle des Kriegsausschusscs für Oele und Fette zum großen Teile Angestellte der Schcidemandel-Gescllschaft beschäftigt wurden, die, wie übrigens auch er selbst, nach wie vor von der Stheidemimdel- Gesellschaft ihre Gehälter bezogen und bis heute beziehen. Die von der Königlichen Staatsanwaltschaft eingeleitete Untersuchung und die damit in Zusammenhang stehende' Beschlagnahme eines Teils der Bücher der Scheidemandel-Gescllschaft hängt auch nicht mit einer Anzeige des Herrn Götze beim Kriegsausschnß für Er- satzfutter zusammen, sondern sie ist'die Folge von Aufklärungen über die nicht einwandfreie Art der Geschäftsführung in der Knochenstelle des Kriegsausschusses für Oele und Fette, die ge- legentlich einer Verhandlung des Herrn Götze mit dem Kriegsausschuß für Ersatzfutter zutage trat. Herr Götze war von seinem Vorgesetzten bei der Knochen- stelle beauftragt worden, gewisse, dem Interesse der Scheine- mandel-Gesellschaft dienende Erklärungen vor dem KricgSaus- fchuß für Ersatzfutter abzugeben, bat sich aber fchließlich dazu entschlossen, unter Verzicht auf die ihm aufgetragenen Darlcgun- gen den wirklichen Tatbestand zuzugeben. Der Inhalt dieser Aufdeckungen ist dem Unterstaatssekretär im Reichswir:- schaftsamt Dr. G ö p p e r t bekanntgegeben worden, der seiner- seits durch Vermittlung des preußischen Justizministers das ge» richtliche Einschreiten veranlaßt hat. Herr Götze hat infolge aller dieser Vorfälle sich berechtigt gesehen, seine Stellung bei der Schcidemandel-Gescllschaft.aus einem wichtigen Grunde" sofort aufzugeben, trotzdem nach der ersten Kündigung der 5iricgLai>s- schuß für Oele und Fette(Knochenstelle) den Versuch gemacht hatte, ihn gegen Gewährung fast des doppelten Gehaltes als Be- amten zu behalten." Wir wiesen schon gestern darauf hin, daß der Fall Götze, wie die neue Affäre kurz genannt sei, nur ein Detail, wenn auch ein wichtiges und charakteristisches, ist, das aber am meisten interessiert, auf welche Weise die Scheidemandel-A.-G. ihren Tiefpunkt im Jahre 1915 in so fabelhaft kurzer Zeit so glänzend überwinden konnte. Daneben tritt nun die außer- ordentlich bedeutsame Frage nach den Bezieh ungender Scheidemandcl-A,-G. zn ihrer Kontroll- behördc, den: Kriegsausschuß für Oele und Fette. In der Zuschrift Dr. Werthauers wird nicht niebr und nicht weitiger behauptet, als daß die Scheidemandel-A.-G. dem Kriegsausschnß für Oele und Fette die von ihr bezahlten Beamten sozusagen geliehen hätte. Eine schleunige, sehr ein- gehende Mitteilung über die Beziehungen der Beamten dieses Kriegsausschusscs zu der Scheidemandel-A.-G. ist zur Ver- meidung oder wenigstens zur Begrenzung eines großen öffe«t- lichen Aergernisses unbedingt geboten, und zwar obliegt d�ffs Pflicht, da der Kriegsausschuß für Oele und Fette Partei ist, dem ihm vorgesetzten R e i ch S w i r t s ch a f t s a m t. rvetteranSNchten»ür das mittlere?!ordde»i»UiIand dt» Donnerstag mittag. Zunähst ostwärts sortschreilcnde Ariheiternng un?\ Erwärmung, ipäler im Nordwesten neue Zunahme der Bewölkung und leichte Regensälle, strichweise Gewitter, verantwortlich Mr Volilik: Erich Sutlnrr, Berlin: für den übrigen Teil de» Blattes: Mi«d Scholz, Neukölln: lür Anzeigen: Theodor Glocke, Verlin. Verlag: Vorwätts-Verlag G. m, b. H,. Berlin, Druck: Vorwärls-Vuchdruckerci und Lerlagsanstalt Paul Singer u, Co. in Berlin. Lindcnstrabe Z. Hier»» 1 Vrllooc und Untrrdalwngsblalt. Aeine Aosten mehr! 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Er sprach über die verminderte Zufuhr und die gesteigerte Nachfrage, er meinte, die Gemüseernte werde sich jetzt, nachdem Niederschläge eingetreten seien, so ergebnisreich gestalten, daß die Reichsstelle allen ihren Verpflichtungen nachkommen könne, und er gab einen Ueberblick über die Lieferungs- Verträge, deren man bisher 72 llvv abgeschlossen habe, die sich auf ein Areal von 860 090 Ntorgen reinen GemüselandeS lohne Kohlrüben) rritrecllen, während im Vorjahre mit 66 000 Verträgen nur 206 000 Rtorgen erfaßt worden seien, von denen 100 000 Morgen Rüben- land waren. Er berichtete, daß die Obst- und Gemüsezufuhr auf dem Lehrter Bahnhof vom 1. bis 7. Juni 129 Waggons, vom 8. bis IS. 200 Waggons betragen habe, und stellte bereits für die allernächste Zukunft eine Besserung der Verhält« �nisse in bestimmte Aussicht uiw. usw. Wir müssen Herrn v. Tilly unbedingt zugesiehen, daß er in manchem, was er gegen seine Angreifer, insonderheit gegen die auf agrarischer Seite stehenden prinzipiellen Gegner der Höchstpreise vorbrachte, durchaus im Recht war. Wir leugnen auch keineswegs, daß seine Mitteilungen für Statistiker und Wirtschaitslheoretiker zum Teil recht belehrend waren. Die Bevölkerung Groß-BerlinS aber dürfte in ihrer überwältigenden Mehrheit mit seinen prinzipiellen Erörterungen, historischen Rückblicken und tröstenden Weissagungen verdammt wenig anzufangen wissen. Denn gegen« über aller advokatischen Brabour und ollen dialektischen Geistes� funken behauptet sich die schlichte aber leider unumstößliche Tat fache, daß man in der deutschen ReichShauptstadt so gut wie gar kein Gemüse zu sehen bekommt und daß es nur sehr wenige Berliner gibt, die sich rühmen können, im ffrllhjahr 1913 eine Kirsche oder eine Erdbeere gegessen zu haben. Ein zureichender Grund für diese unumstößliche Talsache muß schlechterdings vorbanden sein— das wird uns ein so scharfer Logiker wie Herr v. Tilly unbedingt zu» geben.� Wenn also das System, nach dem die Reichsstelle für Gemüse und Obst verwaltet wird, tadellos und unantastbar ist, so kann es doch wohl nur an der Unzulänglichkeit deS mit der Obst und Gemüsebcwirtschaflung betrauten Bcamtenpersonals liegen, wenn das Systenr so vollständig und andauernd Fiasko macht. Daß die Mängel sich nicht allein auf den Kreis beschränken. der Herrn v. Tilly direkt unterstellt ist, wollen wir ohne weiteres zugeben. Ans der Diskussion über den Vortrag verdient eine kleine Episode hervorgehoben zu werden. Nachdem verschiedene Preß- Vertreter Herrn v. Tilly zum Vorwurf gemacht hatten, daß er nicht genügend verstehe, die Kanäle des Schleichhandels zu verstopfen, erklärte der Vertreter des„Vorwärts" ungefähr folgendes: Die Kanäle, durch die das Fiühobst und Frllhgemüse dem Markt entzogen werden, sind allerdings zahlreich, aber mitunter so geheim, daß Herrn v. Tilly aus ihrer Nicklentdcckung kein Vor« Wurf zu machen ist. So existiert in Berlin eine G, m. b. H., deren Ausgabe die Belieferung der Kleinhändler ist. Merkwürdiger» weise sehe man aber die Wagen dieser Gesellschaft häufig vor Häusern halten und ihre Waren abladen, in denen auch nicht die Spur eines Kleinhändlerladens zu erblicken i st. Vielmehr handelt es sich um sehr elegante Wohn- Häuser� und ein Vergleich mit dem Adreßbuch ergab, daß in diesen Häusern reaelmäßig Personen in einflußreichen kommunalen Stellungen wohnen. Natürlich liege es ihm, dem Redner, fern, aus diesem Zusammentreffen irgend welche Schlüsse zu ziehen, aber es zeige, wie schwierig die Verstopfung aller Kanäle sei. Diesen Ausführungen, die allgemeines Jnteresie erweckten, wollen wir noch hinzufügen, daß derartige Ausladungen beispiels- weise� vor. dem Hause Cornelius st raße 3 und dem Hause Schöneberger Ufer 21 beobachtet worden sind. Es handelte sich in beiden Fällen um recht ansehnliche Quantitäten, die in diese Häuser und keineswegs in Läden geschafft wurden. Wen es interessiert zu erfahren, wer dort wohnt, der sei aus das Adreßbuch verwiesen. Das Stiefkind Berlin. AuS verschiedenen Zeitungsnachrichten ergibt sich, daß die Fest setzung der von den einzelnen deutschen Städten aufzubringenden Zahl von Männeranzügen äußerst ungleichmäßig und willkürlich er- folgt ist. Insbesondere sind die westlichen Bororte von Berlin un« verhältnismäßig stark in Anspruch nenomme». So haben die Städte Charlottenburg, Schöneberg und Wilmersdorf bei einer Gesayit- einwohnerzahl von etwa 600 000 Personen nahezu 40 000 Anzüge auszubringen. Hierzu müßten, wie uns von den zuständigen Stellen der drei Magistrate mitgeteilt wird, alle Einwohner mit einem Einkommen über 3000 M. beziehungsweise 4000 M. heran« gezogen werden. Dagegen sind z. B, in Breslau bei der gleichen Einwohnerzahl nur etwa 7000, in München bei einer Einwohner« zahl von 600 000 Personen nur 11 600 abzuliefern. Man wird der Berliner Bevölkerung die Gründe nicht vor- enthalten können, die zu einer solchenVerteilung geführt haben._ Die Aufgaben des Staatskommissars für daS Wohnungswesen. Das Staatsministerium hat über den Aufgabenkreis des neuen Sraatskommissars für das Wohnungswesen in einem Erlaß be- stimmt, daß die nachstehend bezeichneten, bisher von verschiedenen Ministerien wahrgenommenen Geschäfte auf dem Gebiete des Wohnungswesens in den Geschäftsbereich des Präsidenten des Staatsministeriums übergehen und in dessen ständiger Vertretung vom Staatskommissar für das Wohnungswesen bearbeitet werden: 1. vom Ministerium der öffentlichen Arbeiten: die Baupolizei, die Angelegenheiten des Städtebaus, insbesondere Bauordnungs- und Fluchtlinienangelegenhciten, Wohnungswesen, Grundstücks- umlegungen, Maßnahmen gegen Verunstaltung von Ortschaften und landschaftlich hervorragenden Gegenden, der Wiederaufbau Ostpreußens; 2. vom Ministerium des Innern: die K o m m u n a l- a u f s i ch t, soweit sie mst dem Wohnungswesen zusammenhängt, die bevölkerungspolitischen Maßnahmen ans dem Gebiete des Wohnungswesens vorbehaltlich der jeweils erforderlich werdenden Mitarbeit der Medizinalabtetlung des Ministeriums des Innern, besonders auch auf dem Gebiete der Wohnungshygiene, die An- gelegenhciten der Baugenossenschaften, die Förderung des Be- amtenwohnungswcsens durch Kreditgesetze, die Angelegenheiten der Mieteinigungsämter; 3, vom Ministerium für Sandel und Gewerbe: die Angelegenheiten der Wohnungsaufsichl. die sozialpolitischen Maßnahmen auf dem Gebiete des Wohnungs- Wesens; 4. vom Finanzministerium: die Federführung bei Er« füllung der Ausgaben, die sich auö Artikel 8 des Wohnungsgesetzes ergeben unter Beteiligung des Finanzministers; diesem bleibt die Federführung unter Beteiligung des Staatskommissars in den An- gelegenhetten der Bildung und erstzoitlichen Beaufsichtigung der Siedlungsgesellschaften, und zwar für jede Sicdlungs- gcsellschast bis etwa ein Jahr nacb der Gründung; im übrigen bleibt die setzt bestehende Mitwirkung des FinanzmiuisterS überall unberührt; 6. vom Ministerium für Landwirtschaft: die Bearbei- j tung der Angelegenheiten des städtischen Grundkredits, insbeson- j dere auch der ausschließlich für den städtischen Grundkredit be- � stimmten Beleihungsanstalten. ausgenommen die Hypotheken- danken und unbeschadet der dem Minister des Innern verbleiben- den Aufsicht über die Deutsche Pfandbriefanstalt und die Kredit- anstalt für städtische Hausbesitzer in Posen in politischer Beziehung. Das Landwirtschaftsministerium wirkt bei der Bearbeitung diese: Angelegenheiten mit. Dem Ministerium für Landwirtschaft ver- bleibt die Bearbeitung der Angelegenheiten der Hypothclenbanken sowie des geplanten Schätzungswesvns. Ferner geht über die Auf« ficht über das nicht ländliche Siedlungsmesen und über die etwa aus dem Gebiet des Bevölkerungsausgleichs zu ergrci- senden Maßnahmen. Im übrigen gehen die in einzelnen Gesetzen vorgesehenen Zu- ständigkeit von Ministern insoweit auf den Präsidenten des Staats- Ministeriums über, als die betreffenden sachlichen Aufgaben nach vorstehendem Erlaß jetzt von diesem wahrzunehmen sind. »« • Erläuternd sei dieser Kompelenzumichreibung hinzugefügt, daß der Staatskommissar nicht nur für das gemeinnützige Wohnungs- wesen, sondern auch zur Wahrung der Interessen aller Haus- besitzer bestellt worden ist. Daraus ergibt sich eine schwierige Situation, sintemalen es schwer ist, so stark auseinandergehende Ilm» MI»! Holl Eure Kohlen I damit Ihr nicht im Winter frieren müßt. Kohlonverband Groß-Berkin IIUiim'«aillllllll i Interessen unter einen Hut zu bringen. Bekanntlich leugnen ja die Hausbesitzer noch jetzt das Bestehen oder sogar die Gefahr einer Wohnungsnot, um die Ueberflllssigkeit der gemeinnützigen Wohnungs- fürsorge zu beweisen. An der architektonischen Gestaltung der Bebauungspläne für die in Aussicht genommenen Siedlungen werden auch die technischen Beamten des Ministeriums für öffentliche Arbeiten mitwirken, mit dem der neue Slaatslommissar überhaupt in engster Verbindung bleibt. Auch da? Reich wird vermutlich einen eigenen Kommissar für das Wohnungswesen bestellen, der zwar den Bundesstaaten die Vorhand lassen, aber über die vom Reich ebenfalls bereit zu stellenden, in ihrer Höhe noch nicht genau bestimmten Fonds zur Behebung der Wohnungsnot verfügen soll. Beschränkung des Ro�schlächtergewerbeS und des Pferdefleischhandcls. Der Ankauf von Pferden zur Schlachtung, der Betrieb des Roß schlächtergewerbes und der Handel mit Pferdefleisch ist vom 1. August ab nur Kommunalverbänden und solchen Per- sonen oder Stellen gestattet, denen von der Landeszentralbehörde oder von der von ihr bestimmten Stelle eine besondere Er« l a u b n i S hierzu erteilt worden ist. Zur Schlachtung bestimmte Pferde dürfen nur an diese Personen oder Stellen abgegeben werden. Bestehende Privilegien(Abdeckereiprivilegien oder dergleichen) werden hierdurch nicht berührt. Die Erlaubnis darf in der Regel nur an unter amtlicher Aussicht stehende Gemeinschaften und an solche Per- sonen erteilt werden, die das Gewerbe schon vor dem 1. August 1914 ausgeübt haben._ HanSvcsltzcr«nd Geistlichkeit. Der Pfarrer Köhler von der Lazarus« Kirchengemeinde in Berlin halle in einer Sitzung der Kreissynode I die Mietsteigerungen als Wucher bezeichnet und seine Amtsbrüder aufgefordert, dagegen kräftig Stellung zu nehmen. Der Bund der Berliner Grundbesitzervereine hat daraushiu beschlossen, gegen den Pastor Köhler bei den zuständigen Behörden, dem Kultusminister, dem Oberlirchenrat und Magistrat, B e- s ch w e r d e zu führen. Käse''crtcilung. In der Zeit vom Donnerstag, den 20.. bis Mittwoch, den 26., wird an diejenigen Kunden, die in die Speise« fettkundcnlisten der in den Bezirken der 6., 18., 20. bis 33., 35. bis 36., 44. bis 61., 197., 291., 222., 225. und 239. Brotkommission— Südwesten. Süden und Südosten Berlins— eingetragen sind, pro Kopf 125 Gramm Käse verteilt, in denjenigen Geschäften, die durch ein Aushängeschild:»Verkauf von Käse der Fettstelle Groß-Berlin' gekennzeichnet sind. Ein Bolkskonzert deS Philharmonischen Orchesters findet heute in der Philharmonie, Vernburger Straße 22/23, statt. Beginn des Konzerts 8 Uhr. Eintrittspreis 30 Pf., Kasseneröffnung 7 Uhr. Der falsche Kolonnensührcr.'Einen niederträchtigen Schwindel betrieb seit längerer Zeit ein falscher Kolonnenführer vom Roten Kreuz, bi§ er gestern von der Neuköllner Kriminalpolizei undschäd- lich gemacht wurde. Der 39 Jahre alte Schlosser Felix Behr aus der Schillerpromenade 8 beschaffte sich, wie er jetzt sagt, nur um sich wichtig zu machen, die Uniform eines Kolonnenfllhrers vom Roten Kreuz und Unterarztes und fügte seinem Namen den Dr.-Titel hinzu. Mit umgeschnalltem Offiziersseitengewehr und die Brust mit Orden geschmückt, stolzierte er in den Straßen umher. Zur Vorsicht halte er. um sich ausweisen zu können, eine Marke als Kolonneniührer und Unterarzts verschafft. Bald kam er auf den Gedanken, die selbst verliehene.Würde" zum Gelderwerb auszunützen. In seiner Uniform Ivar eS ihm leicht, Namen und Wohnung von vermißten Kriegern zu erfahren. Er besuchte dann die Angehörigen und spiegelte ihnen bor, daß er durch Be- Ziehungen zu den Hauplstellen des internationalen Roten KrcuzeS in London und Genf in der Lage sei. den Aufenthalt der Ver- mißten z» ermitteln und einen Briefwechsel zwischen ihnen und thren Attgehörigen zu ermöglichen. Nach geraumer Zeil erschien dann der.Kolonnensührcr"'mit einem Bericht vom Noten Kreuz. nach dem der Vermißte schwer verwundet in englische Gefangenschaft geraten sei und in dem Gefangenenlager 3ao in London liege. Die Berichte lauteten an die Adresse Dr. Felix Behr und trugen den Vermerk.streng vertraulich". Um so eher fanden sie vollen Glauben bei den arglosen Leuten, die um ihre Vermißten in ständiger Angst und Sorge schwebten. Bedauernd fügte der Schwindler hinzu, datz der Gefangene nicht schreiben lönne oder dürfe. Einmal war ihm der Arm abgenommen, dann war ihm wegen eines Fluchtversuchs der Briefwechsel mit den Angehörigen untersagt, oder sonst irgend etwas hinderte den Mann am Schreiben, Dafür war Mr. Behr so gütig, den Briestvechsel zu besorgen, wie er sagte, durch Vermittelung eines Unterarztes in London. Die angeblichen Antworten der Gefangenen auf die Briefe der An- gehörigen schrieb er selbst. Dem Gauner flößen auS allen Familien, denen er seinen„Beistand" lieh, reichliche Mittel zu, so daß er einen guten Tag leben konnte. Eine Familie erhielt aber endlich von ihrem Vermißten selbst eine Nachricht. Weil sie mit den bisherige» Briefen des KolonnensührerS gar nicht übereinstimmte, so wandle sie sich an die Neuköllner Kriminalpolizei und dieser gelang es nack langen Bcobachiungen und Ermitteiungen gestern endlich, des Schwindlers babhaft zu werden und ihn hinter Schloß und Riegel zu bringen, Weilere MiliciUnigcn über sein Treiben nimmt sie im Neuköllner Polizeipräsidium entgegen. Pankow. Eine Gcmciiidcanstalt fiir zweite Hypotheken. Der Geiueindevorsiand veröffentlicht jetzt die bercils kurz vor dem Kriege beschlossene Ortssatzung über die Errichtung einer Anstalt für zweite Hypotheken. Die Ortssatzung tritt erst jetzt, vier Jahre nach ihrer Beschließung in Kraft, nachdem eine Reihe von Schwierigkeiten überwunden worden sind. Die Gemeinde- ansialt für zweite Hypotheken hat den Zweck, den Giund- besitz innerhalb des GemeindegebicieS von Pankow und die Pflege des W o h n u n g s>o e s e n s dadurch zu fördern, daß sie Darlehen an die Eigentümer von Pankower Grundstücken gegen Bestellung von zweiten Hypotheken gewährt. An Grundstücks- gesellschaften werden Hypotheken nicht gewährt. Für die Verbind- lichkeiten der Anstalt haftet die Gemeinde. Als zweite Hypotheken gelten solche, die sich zwischen 60 und 76Proz. des durch Taxe fest- gesetzten Grundstückswcrtes bewegen. NowawcS. Lebensmittel. Heute findet von nachmittags 3 Uhr ab in den Verkaufsstellen der Gemeinde auf folgende Nummern deS Ausweises der Verkauf von Seefischen statt: Winkel: Nr. 951— 1l9C) und 3001— 3150, Frommert: 2601— 8000, Ziegener: 5001— 5100, Rudow: 4401— 4800, Müller: 3201— Schlußnummer und 1— 100. Auf Abschnitt 41 der Zuckerkarle gültig vorn 16. bis 30. Juni und auf Abschnitt 19 der Zuckerzusatzkarte gültig für den Monat Juni findet die Ausgabe von Zucker statt. Die Karteninhaber haben von heute bis Freitag, den 21, Juni, diese Abschnitte bei dem Kleinhändler abzugeben, in dessen Kunden- Verzeichnis sie eingetragen sind. Die Karteninhaber haben den Zucker vom 2 5. bis 3 0. Juni ab in Empfang zu nehmen. Grsß-lkHmer partemachrichten. Fünfter Wahlkreis. Am 12, d, Mis. fand die Generalversammlung des Vereins für den fünflnn Berliner Wahlkreis statt. Nach Vorrrag des Geschäfts« und Kassenberichts wurde die Neuwahl des Vorstandes vorgenommen. Es wurden gewählt als 1. Vorsitzender Leo Zucht, Jmmanuelkirchstr. 13. als 1. Kassierer Hugo Suhr, Mulackstr. 19, und als 1. Schriftführer Hermann Lorenz, Chodo- wieckistr. 4. welche drei Genossen den Geichäftssührenden Ausschuß bilden. Die übrigen Wahlen vollzogen sich, ohne datz wesentliche Aendcrnngen im seitherigen Vorstand vorgenommen wurden. Zu bemerken ist noch, daß die Mitgliedcrzahl sich stetig auswärts be- bewegt. Als Delegierte zur Be-irksgeneralversammlung am 7, Juli wurden gewählt die Genossen Lorenz, Suhr, Fried in ann, Frau Wollstein und Frau Pille.— Hierauf hielt Genosse Robert Schmidt einen Vortrag über die jetzige politische Situation. Nicdcrschönhnnscn. Heute, abend? 8Vz Uhr: Mitgliederversammlung im„Schwarzen Adler", Jnh. Rettig, Blanken- burger Str. 4, Tagesordnung: Der preußische Landtag", Referent: Landtagsabgeordncter K o n r a d H a e n i s ch. Diskussion, Berich: von der Kreiskonferenz. Verschiedenes..Vorlvärts"-Leser sind ganz besonder» eingeladen._ Eine sinnlose Tat führte den Koch Emil Haas unier der Anklage des Totschlages vor das Schwurgericht des Land- gerichls II. Der Angeklagte, Inhaber des Eisernen Kreuzes und der badischen Tapferkeilsmedaille, ist ein bis dahin durchaus gut beleumundeter Mann, der schon weit in der Welt unihergekommen ist. Er ist nach Beendigung seiner Lehrzeit längere Zeit als Koch in England tälig gewesen, hat auch in Brüssel gearbeitet und ist dann nach Amerika gegangen. Bei Ausbruch des Krieges bat er sich freiwillig zum Heeresdienst gemeldet, wurde im Kriege verschüttet und verwundet und ist als Unierossizier als dienstuntauglich entlassen worden. Er hat dann Beschäftigung als Koch im Pschorrbräu erhallen, uacb mehreren Monaten wurde er Küchenchef inr Paulnner Bräu mit 300 M. Monatsgehalt und freier Station. Ans Anregungen von matzgebender Stelle eröffnete er dann Kriegsküchen im Kriegsministerium, dann im Kolonialamt und im Landwirtschaftlichen Ministerium, schließlich war er als Koch in der Abtei in Treptow tälig. Bei ciiicnr Ausgange wurde er eines Tages am Wittenberg- Platz von einem Mädchen namens Spindler angesprochen und ließ sich, ob- gleich er verlobt ist, auch von dieser umgarnen. Der ersten Zusammenkunft folgten noch zwei andere und der An- geklagte wurde die Dirne, die ihm schließlich die Zumutung machte, bei ihr Zuhälterdicnste zu verrichten, nicht mehr los. Als sie ihn am 13. September sogar in seiner Wohnung aufsuchte und dort wieder allerlei verletzende Ausdrücke gebrauchte, wurde er wütend und warf sie zur Tür hinaus. Sie kam aber wieder Hohn- lachend herein, und da kam es zur Katastrophe. Wie er hehauptet, packte ihn eine sinnlose Wut, er stürzte sich auf die Spindler, packle sie am Halse und gab ihr einen Stoß, so daß sie zu Boden fiel. Er redete nun ans sie ein, doch auszustehen und sein Zimmer zu Verlasien; da er aber keinerlei Antwort erhielt, sah er zu seinem Entsetzen, daß sie tot war. Nun sei er ganz von Sinnen gekommen und wisse gar nicht mehr, was er tat, insbesondere wisse er nicht, wie er dazu gekommen, der Toten noch einen Schnürsenkel um den Hals zu legen und fest zuzuschnüren. Er zog dann die Leiche aus und packte sie in einen Neisekorb, den er dadurch verschloß, daß er ein französisches Seitengclvehr in die Berschlußkammer zwängte. Dann verließ er sein Zimmer und irrte in den Straßen umher. Dje Nacht hat er in einem Lokal zugebracht, in welchem Bcrufsgenossen von ihm sich beim Spiel versammelt hatten; am nächsten Tage ist er verhaftet ivordeu. Da der Angeklagte be- bauptete, an epilcptischcu Anfällen zu leiden, wurde der Medizinalrat Dr. Stürmer als Sachverständiger vernommen. Er hat auch die Obduktion der Leiche vorgenommen und begutachtete, daß der Tod durch Erdrosicliing mit der sehr kräftigen Hand des An- geklagten crfolgl und der Schnürsenkel erst umgeschnürt worden sei, als die Spindler schon tot war. Der Angeklagte sei zwetfeltos epileptisch veranlagt und überaus leicht erregbar, doch habe bei der Tal ein Zustand der Bewußtlosigkeit oder krankhafter Störung der Geisteskräfte nicht vorgelegen. Es handle sich aber um eine Tat des Affekies. Der Staatsanwalt bemilragt« nach Schluß der Bcweisnabme das Schuldig im Umfange der An- klage, während R.-A. Dr. Alsberg unter Hinweis auf die Er- reglbeit� des Angeklagten und seinen vom GerichtSarzt beklindele»» krankhaft-nervösen Zustand nur daS Schuldig wegen fahrlässige� Tötung beantragte. In diesem Sinne gaben die Geschworsnek ihren Wahrspruch ab. Der Angeklagte würbe zu 1 Jahr 6 Monaten Gefängnis unter Anrechnung von S Mpnaten Untersuchungshast verurteilt. Mus aller Welt. Schreckenstat einer Mutter. Das Potsdamer Schwurgericht derimcilie die Arbeiierfrou Auguste Wcrriicke aus Brandenburg, die Zwei von ihren drei Kindern, den jtweijährigen Kurt und den dreijährigen Ernst, am 6. November v. I. von der Eisenbahnbrücke in die Havel geworfen und ertränkt hatte, wegen Totschlages mit mildernden Umständen w fünf Jahren Gefängnis. Der Ehemann, der wegen Anstiftung ebenfalls angeklagt war, wurde freigesprochen. öriefkaften üer Reüaktion. kd. K. ilftl. Sic haben Anspruch au> die KricgSuntcrstützunz vom näch'icn Zahltage nach der Entlassung de? Eaemanned an aus einen halben Monat. Sic müsicn innclhalb dicicr zwei Jabrc 20 Marken geklebt babcn. Zi. Artist. Z. FahrpreiScrmäjzigung wird u. W. in dem Falle nicht gc» währt. 2. Wegen AuSilellnng cines solchen Scheines müssen Sic sich an das Polizeipräsidium wenden. 3. Da? wissen wir nicht. 4. und 5. Darüber erhalten Sie AuSkunit beim Polizeipräsidium. — St..k>. Der Wirt ist zur Reparatur oder Anbringung des Sicherheitsschlosses nicht verpslichlct. Bei cvcnt. Dicdnabl ist er nicht schadci?ersatz< psl'chtig.— i»>. G.»7. Sic können cS auf eine Epmiisio» nicht an- tommen lassen. Sic müssen sich an da« MicteinigungSamt, Ziminersn. 90, wenden.—. Solche Abhandlungen können mir unmöglich im Briefkasten abdrucken. Le!cii Slc in Revers KonversationSIexitou unter Tuberkutose nach. Liegt in allel, östeiillichcn Lelchallei! zur Einsicht aus.— L. F. 4L. 1. London. New?>oik. Paris. Bcrlui. Ehitägo. Tokio, Wien, Sk. Petersburg. 2. Berlin, Hamburg. Leipzig, München. Dresden. Köln, Breslau.— Strasburg. Ja. Adresse iit Reichsbund der Kriegsbeichädigten und Kriegsteilncbmcr. Berlin LstV 08. Lindcnftr. 114.— I. 3t. 7. Adresse ist Berlin NVT 7, Reichstag.— Frau Krause, Ackcriir. Die Explosion war am 4. August 1917.— 5lurt 17. Konnten wir nicht seststelleu. Hvulxeke» stpireate-n. Houbs 8 Ebr: ISar l-allsabeeg in Ie'i>n»llle i�eKiirie-k. Dovreerzta.? rurv 1. Nals: IStbiUoJT. liamsn erspiele. AUabendlioli 7'/, Uhr: Inkognito.(Operette.) TotUsbühnc.Th.a, Bülowpl. Untergrundb. Scbönh. Tor. AllabendUch 7'/, Uhr; Cicnerni Yorck. Theater des Westens Allabendlich Tj, Uhr: leapoldine Konstantin Die Tänzerin. Theater � Kcniggrätzerstr. 8 Uhr: Die Schwestern and der Fremde. Komödienhaus 8 Uhr: Die Karin. BerlinerTheater 7"U.: näitablanes Ulnt. Kastanienallsc 7—9. Täglich ö Uhr in vollständig neuer Bearbeitung: 39) HMMUWtei. GrokcPosscn-Reoue m ö Bildern Dazu die groBart Sperialitäten Ttieatsr i!er Frieilriehstä Ecke Friedrich- n. Liniexxstr. Täglich 7'/« Uhr; Sie erste Letze. 8onnt. nachm. S1/, kleine Pr.: Familie Hannemann. A'ntional-Thenter �8 Mäuschen Musik von Walter Brorame. Trianon-Theater Bhf. Frledrichstr. Ztr. 4927. 2391 SU. Zum 291. Male; Der Setasschüler. Kaiser-Titz, Bildt, Flink. Sonn ab. nachm. 1lt4 kh Pr.: Rotkäppchen. Sonntag 4 Uhr: Johannisfeuer. Rose-Theater. JSbSS» SiMlzM Gartenbühne: Aha! Was Neues! fh. LI Frankfurter Aüee 313. Die künstler. Gartenbühne Täglich Tstj Uhr: Der grolle Erfolg! Was man aus Siebe tut!! Sonntag 4 Uhr: Bunte Bühne. Ädnilralspatast. jDiePrinzcssIiiYonTFagaiitj Sajdah Beatsche Tänze 7'.'. Uhr. 2, 3, 4. 5. 6 M. Schweixergarten Am Königötor Am Friedrichshain S9-Z2. (Arngtcr und schönster Ratur- garlen Berlins, lieber äyvo Sitz- p.'ätze. Saal sür 1000 Personen. Tägilch:.Konzert, Tbcatcr, Speziatitätenvorstellung. Ansang Wochentags 4 Uhr. Sonntags 3 Uhr. Roictishallen- Theater. Allabendlich 71/, Uhr: i Beicbshallen-Saal 7'/, U.: Grolles Blllthgan-Konzert� Kl. Häuschen mit Garten bachtet 216/19 Litueruiadtt, Theater für Mittwoch, 19. Juni. Central-Theater Oentsches Opernhaus 7 ühr: Mignon. Friedrich-Wilhclmst. Theater z'/jUhr: u greMäilsrjltW. Kleines Theater xjL Mdunti seiue Fehler. Bassermann. Komische Oper 7V= SehwarzwaldmäiieL Metropol-Theater Die Rose von StamiHiI. Uhr Neues Operettenhaus Tv.uhr: Der Soldat öer Marie. Enstsplelhans 7'/, Uhr: ßleliioniien Wels?. Liniienhot Kcsldcnz-Thcater u.: Flimmerklärchen Schiller-Theater O tv, vhr: Ein Erfolg. Kchlller-Th. Chart. uL'?: Der letzte Funke. Thalia-Theater u�ößteröerblüheßden Linde Gebr. Kruser& Gg.. Aktienoesellscheft. Auf Grund dos von der Zulassungfsstelle genelimigten, bei uns erhältlichen Prospektes sind nom. M. 900 000 neue Aktien der Qebr. Krüger& Co., Aktiengesellschaft in Berlin und 0 ö p e n i c k zum Handel und zur Notiz an der Berliner Börse zugelassen worden. Berlin, im Juni 1918. Commerz- und Disconto-Bank. A. HIrte. Theater am Nollendorfplatz S'/.Uhr: Emiita Galottl. 7'/, Uhr: Wintergarten Gastspiel der Komischen Oper 8 ühr: Ohne Rhnncr kein Tcrgnägen. Numerierter Vlach Einzelkarte» Unnumcriertcr Platz Einzcttarten.. Tauerkarten, numerierter Platz.. , unnumcriertcr Platz, M. 3.00 , 2.00 . 15.00 , 10.00 Im Künftlerhause, Bellcvuestratze 3 7 vortragsabenöe Dauerkarte Mk. IS.—, Einzelabend Mk. 8.— Eintrittskarten zu haben bei Jnvalidendank, A. 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Diese Tiere haben durchweg dasselbe Schreckliche durchgemacht wie die Menschen, die sie pflegen, Und sie sind wie diese Menschen, die meist nicht minder erholungS- bedürslig sind, ausgeschieden worden aus dem Frontlebcn, weil ihre Natur nicht mehr standhielt. Die Pferde sind durchweg elend, abgetrieben, unterernährt. ES sind nicht die schlechtesten, die in den ErholungSheinren stehen. Sie hoben alle schon etwas geleistet. Aber viele sind sehr, sehr elend geworden. Und gewinnen ihre Kräfte nickt wieder. In dem Pferdeerholungsbeim, das ick kürzlich näher kennen lernte, mufften fast jeden Morgen gegen zehn dieser erschöpften Tiere mittels Flaschenzug ausgehoben werden. Eine schwere, oft nicht ungefährliche Arbeit. Man versucht es noch eine Zeitlang mit diesen Tieren, legt ihnen einen breiten Gurt unter den Leib, den man mit Stricken oder Ketten an der Decke des Stalles befestigt, damit sie ruhen können und doch nickt umfallen, man füttert sie besonders gut. Jeden Tag besucht der Veterinär seine Patienten. Die Aussichtslosen werden zur Schlachtung gegeben. Ihre Zahl ist nicht gering, Viele aber erholen sich bei der guten Pflege merklich. Sie lassen den Kopf nicht mehr hängen, blicken wieder munter, nehmen sichtbar an Kräften zu, die Rippen, die bei vielen so hervorstehen, als ob sie Rei'en verschluckt hätten, verschwinden. Und zu dieser Zeit springen sie schon lustig aus den groffen Weiden herum, für die überall reichlich gesorgt ist. Eines TageS aber wird da? inhaltsschwere Wort„K, V.' wieder über sie auögcsvrochen, und irgendein Zug trägt die gckräftigten Tiere, Leidensgefährten der Menschen, wieder zur Schlacht. Stehen in den ErbolungSheimen durchweg gesunde Pferde, das beifft solche, die von keiner Seuche befallen, sondern eben nur durch schwere Strapazen heruntergekommen sind, sindcn wir in einer Räiidestalion durchweg kranke, d. h. mit der Räude, einer anstecken» den Krankheit, behaftete Pferde. Man hat die Räude vor dem Kriege bei den Pferden wenig oder gar nicht gekannt, Sie wird, wie beim Menschen die Krätze, diirch Milben hervorgerufen, die innerhalb kurzer Zeit aus einem schönen Pferde das ckelhaflcste Geschöpf machen, da? man sich denken kann. Es verliert die Haare, der Körper ist mit widerwärtigen Krusten bedeckt, auch Kops und Ohren bleiben nicht verschont. Dabei bat das Pserd natürlich einen groffen Juckreiz und reib: sich an jedem harten Gegenstand, am Flankicrbaum und Krippe. Kommen zwei solcher Pferde einmal zusammen, fangen sie sofort an, sich gegenseitig mit den Zähnen zu bearbeiten. Die Behandlung dieser Räudepfcrde ist, wie man sich denken kann, für die Mannschaften durchaus keine angenehme. Zuerst werden die dicken Krusten abgewaschen; darauf beginnt die eigen!- liche Behandlung, die in rcgclmäffig wiederholten Abreibungen mit Petroleum besteht. Diese Bebandlungkweise greift die Pferde ziemlich an. Schwächere Tiere legen sich oft gleich danach hin, um nicht wieder aufzustehen. Dw Räude ist bekanntlich äufferst ansteckend, Die Pferde müssen so gestellt werden, daff sie miteinander nickt in Berührung kommen. Jedes Pferd bat einen besonderen Tränk« eimer. Man teilt die Pferde gewöhnlich ein in schwer», nrittel», Icichträudige und BeobachtungSpserde und stellt sie demgemäß zu- sammen. Die Leichträudigen und unter Beobachtung stehenden werden zum Arbeitsdienst herangezogen. Das übelste in einer Räudestation ist, daff die Räude sich nicht nur von Pferd zu Pferd, sondern auch aus den Menschen überträgt. Die Mannschaften, die dauernd mit den räudigen Tieren zu tun haben, bekommen fast durchweg die Räude, meistens an den Armen, seltener am ganzen Körper. Und dies trotz Behandlungsmänteln und Desinfektionsmitteln. Es ist daher verständig daff, wo mehrere Formationen an einem Ort liegen, die Mannschaften der Räude- stalion abgesondert werden in bezug auf Barbier, Wirtshaus, Theater,— Mit der Pctroleumbehandlung erzielt man gute Er- folge. Ost kann man schon nach drei- bis viermaliger Waschung neuen Haarwuchs wahrnehmen. Die Krusten ver'chwinden allmählich; die Milben werden durch die Einwirkung des Petroleums getötet. Jetzt wird man zu einer neuen BchandlungSweise übergehen, der Behandlung mit Gas. ES werden überall Gaszellen erbaut, mit dem Verfahren soll allgcinciir in Kürze begonnen werden. Es ist mit gutem Erfolg ausprobiert worden. il. Gth. Anfänge öes Völkerrechts. In einem zeitgemäßen Büchlein„Kriege in bliblischen Landen", das soeben im Verlage von F. A. Perthes in Gotha erschie- neu ist, behandelt Prof. Rudolf Kittel auch die ersten Ansätze zu einem Völkerrecht im alten Israel. Es wird allezeit— schreibt er— einer der besonderen Ehren- titel bleiben, dessen das Volk Israel sich rühmen darf, daff hier allein weit und breit unter den Völkern und für lange Jahrhun- derte sich ein Widerspruch, ja ein Protest des verletzte-? sittlichen Emprindens da regte, wo man Tinge wahrzunehmen gk�srvte, die das Matz des in der Zeit Ueblichen oder dessen, was r.-O dem sittlichen Urteil der Redenden zulässig schien, überschritten. So hat der Prophet Jesaja in einer seiner größten Reden das Gericht der Weltgeschichte über das Assyrerreich hcrabgcrufen, weil seine Herrscher den ihnen, wie er glaubt, von Gott gewordenen Auftrag eigenmächtig und zum Schaden der Völker überschritten. Affurs Auftrag war, Israel um seiner Vergehen willen zu züchli- gen. Das ist sein göttliches Recht. Er aber denkt nicht also, und sein Herz sinnet ganz anders: Nein, zu vertilgen liegt ihm im Sinn, zu vernichttn Völker ohne Zahl. Im blinden Uebcrmut des ländergierigen Eroberers haben die Affyrerkönige die Schranken ihrer Vollmacht vergessen und sind erbarmungslos, die Völker niedertretend, über die Erde hinge- schritten, sie sich Untertan machend. Es besteht die höchste Wahr- fcheinlichke.it, daff Jesaja gerade durch die rücksichtslose Art, wie die Bewohner von Samaricn nach der Einnahme der Hauptstadt aus ihrem heimatlichen Boden weggerissen wurden, sich iii seinem Innersten so erschüttert fühlte, daff er die Sache der Gottheit als der Hüterin der ungeschriebenen sittlichen Weliordnung über einen solchen Erobcrerstaat kommen sieht. Wird hier die immanente sittliche Weltordnung und damit eine Art ungeschriebenen Völkerrechts zur Ahndung eines an den Völ- kern, besonders aber an Israel, dem eigenen Brudervolke, begange- nen Unrechts von dem Judäer Jesaja aufgerufen, jo ging schon einige Jahrzehnte früher sein Landsmann AmoS noch einen Schritt weiter. Er wagt es, den für dieses frühe Altertum geradezu un- erhörten und darum auch beispiellosen Gedanken auszusprechen, daß Jahwes Rache sogar den treffen werde, der sich an Israels Feinden im Kriege wider die gute Tilte verging. Daß Amos den lAzomitern, weil sie im Kriege mit Israel„das Erbarmen erstickten", das Gericht Gottes ankündigt, könnte uns schließlich nicht wundern, obgleich gerade diese Begründung in so frühem Altertum immer schon unserer Höchsten Beachtung wert wäre. Aber Amos geht viel weiter. Auch Moab, das an Edom so handelte, wie, Edom an Israel, muff deshalb fallen, weil es an dem grimmen Feinde Israels schändlich gehandelt hat, Damit haben wir in der Tat die erste Spur völkerrechtlichen Denkens vor uns, von der die Geschichte Kunde gibt. Man bedenke, tvas es heißt, daff das Gewissen ein:? Mannes de? achten Jahrhunderts vor Christus sich dagegen aufbäumt, daß andere Völker nicht etwa dem eigenen Volke, neiii, seinen verhaßte- sten und mit allem Grund gehaßten Feinden llebles im Kriege zu- gefügt haben. Und das in einer Zeit, deren Krügssitten wild und vielfach roh waren, und in einem Volke, das sich freilich von den äußersten Auswüchsen jener Sitten allem Anscheine nach fernhielt, das aber doch auch seinerseits grundsätzlich der grausamen-Behaus- lung gefangener Feinde nicht fernstand. Welches Maß bochgemuter Einsicht in die Würde des Menschen und in die Hoheit des allgemeinen, über die Schranken der Völker Hinausgreisenden Sittengesetzes muff solchen Männern beschiedcn gewesen sein, die es wagten, den Gedanken zu fassen, daff die Wohl- tat der sittlichen Weltordnung auch der Feind gcnicfft. und denen das in der Menschenbrust lebende Sittcngesctz mit solcher Deullich- keit die Gewißheit gab, daß dos Brechen eines Völkerbundes oder unmenschliche Kriegssitten die Menschenwürde mich im Feinde nttt Füßen treten und das Gewissen der Völker kränken! Man müßte angesichts dessen, was wir seit Jahren täglich erleben, hätten wir nicht auch noch andere Erfahrungen, allen Ernstes versucht sein, an dem sittlichen Fortschritt in der Menschheit zu zweifeln. Denn das Gebot, den Menschen auch im Feinde zu achten, scheint unsere Zeit um wenig besser gelernt zu haben als jenes graue Altertum. Hauterkrankungen üurch pflanzen. Die Reihe der Haulerkraiikungeu, weiche durch Berührung mit Pflanzen zustandekommen, ist noch gar nickt lange belannt. Das gilt u. a. auch von der sogenannten Primelkrätze, welche erst im Jahre 1888 von dem Engländer While beschrieben ist und nach ihm auch den Namen IVbits'-dissw-e trägt. Sie befällt iliiondorhcu Frauen und unter diesen wieder besonders die blonden und blauäugigen. Die Krankheit kann sich überall da lokalisieren, wohin die Drüieiihaare der Pflanze, deren Saft die Ursache derselben ist, gelangen. Das sind meistens die Hände, oft aber auch das Gesicht(beim Riecken) und sogar die Mulidhöhle. Auf der Haut springen in den schwersten Fällen bis zu bühncreigroffe Blasen auf; qualvolles Jucken und schwere Siörung des Allgemeinbefindens begleiten diese Erscheinung. Das Leiden wird meistens nur durch die aus Asien bei uns ein- geführten Topfprimeln hervorgerufen, doch kann bei empfindlichen Personen auch unsere Wieseuprimel es in schwächerem Grade erzeugen. Besonders schwere Hautleiden kann auch der Sumach (Rbus toxicodendron) durch den ihm eigentümlichen Milchsast her- vorrufen. Gelangt dieser Saft z. B. ins Gesicht, so pflegt dieses unförmlich anzuschwellen, so daff der Betroffene in den Verdacht gerät, in eine Prügelei verwickelt gewesen zu sein. Von den Reffelpflanzen und von Dornverletzungen soll hier nicht weiter die Rede sein, doch mag erwähnt werden, daff auch Efeu, Buchs, Arnika und Chrysanthemum gelegentlich Haulkrank- hciten bewirken. Das Hautjucken und die Haiuschivellung bei Heu» schnupscn sind bekannt. Aehnliches wird bewirkt durch Maiglöckchen- keime und gelegentlich durch Hyazinihenzwiebeln. Unter unseren Nutzpflanzen kommt die Bohne als Erreger von Hautkrank« Herten in Frage, Die Schuld trifft hier die Haare, welche an der Spitze häufig mit Widerhaken versehen sind. Eine Anzahl von Menschen wird bekanullich auch nach dem Gc- nuff von Pflanzen und Früchicn. wie Erdbeeren, Himbeeren, Morcheln und Spargel, von Hantjucken und Haulschwcllungen be- troffen. Aebnliche„Futtcrausschläge" kommen auch beim Vieh vor. Hier bat man unter anderem beim Buchweizen-Austchlag die inter- essante Beobachtung gemacht, daß dunkelhäutige Tiere nicht er- kranken und daß bei gescheckten nur die hellfarbigen Stellen bc- fallen werden.' Man nimmt deshalb-eine biochemische Mitwirkung der Sonnenstrahlen an. Aehnliches ist möglich bei der Primel- krankheit, die, ivie oben beschrieben, in der Regel nur blond- haarige und blauäugige Personen mit zarter Haut befällt. Dieien serdaher Vorsicht vor„der Blumen Rache" noch besonders ans Herz gelegt. Notizen. — Der neue Stern— ein alter Bekannter. Wie Professor Strömgreil von der Kopen Hagener Sternwarte mitteilt. bat sich herausgestellt, daff der neue Stern im Adler kein bisher völlig unbekanntes Objekt ist. Auf einer im Jabre 1895 aus der Sternwarte zu Algier hergestellten Photogravbie dieser Himmelsgegend befindet sich genau an der gleichen Stelle, den der neue Steuer einnimmt, ein Stern neunter oder zehnter Größe. Diese Talsache zeigt, wie richtig die Annahme ist. daff es sich bei dem neuen Stern um einen bisher äufferst lichtschwachen Himmelskörper handelt, der aus seiner Bahn in einen kosmischen Nebel geraten und dadurch weißglühend geworden ist. — Neue Forschungsinstitute. In einer Sitzung des Senats der Kaiscr-Wilhelm-Gcsellschatt zur Förderung der Wisten- schaften wurde ein vom Reichswirlschastsaini auf Grund eingehender Belaiiingen mit Vertretern von allen Zweigen der Textilindustrie angcregler Entwurf über die Organisation der Texiilfortchung vorgelegt. Darin ist die Gründung zweier Forschungsinftttute vorgesehen, eines biologisch-chemischen mit dem Sitz in Berlin-Dahlem und eines chemisch-iechnologischen mit dem Sitz in DteSden. Der Senat ermächtigte den Präsidenten, dem Staatssekretär de» Reichs- winschanZamls die Durchführungen emvieblen. — Vorträge. Donnerstag, Uhr, spricht im Vegetarischen Speisehaus, Potsdamer Str. 263, Ingenieur Guwprecht über: „Tic Soja, das Nahrungsmittel der Zukunft!" Gäste willkommen!» Ver stadllich ung de» Kinos in Ungarn, Der ungarische Minister des Innern legte einen Gesetzentwurf über die Regelung des Kinogewerbes vor. Danach erlischt die Konzession jedes Kinotheaiers zwei Jahre, nachdem das Gesetz Rechtskraft er- langt hat. Das Kinogewerbe kann nach dieser Zeit nur von Gc- meindcn und Städten betrieben werden. Die Herstellung und der Vertrieb der Films kann nur aus Grund einer Konzession ausgeübt werden, für die ein gewisser Prozentsatz des Reineinkommens zu entrichten ist. U] Lodz. vas gelobte Lanü. Roman von W. St. Reymont. ..Ins Theater. Haben Sie etwas vergessen?" „Zu Ihnen." „So?!" flüsterte sie innig, und ein freudiger Glanz schimmerte in ihren Augen. „Sie haben noch nie so zu mir gesprochen.� „Ich wünschte es aber schon längst." Mit einem küssenden Blick umfing sie sein Gesicht. Er spürte gleichsani einen warmen Hauch auf seinen Lippen. „Sie sprachen drüben von mir, im Parkett, mit Herrn Welt,' ich fühlte es." „Wir sprachen von Ihren Brillanten." „Nicht wahr, niemand in Lodz hat so schöne?" „Außer der Frau Änoll und der Baronin", antwortete er bissig und lächelnd. „Wovon habt ihr noch gesprochen?" „Bon Ihrer Schönheit!" „Sie scherzen." „Ich kann nicht scherzen, wenn ich liebe." sprach er mit gedämpfter Stimme und ergriff ihre herabhängende Hand. Sie entriß sie ihm rasch und schaute mit weiten Augen nach allen Seiten, wie wenn die Worte im Saal gefallen wären. „Ich cnipfehle mich," sagte er und stand auf. Er war ärgerlich und fühlte, 7r hatte eine Dummheit begangen, daß er ihr das so offen und ohne Vorbereitung gesagt hatte. Aber sie wirkte wie betäubend auf ihn. „Wir gehen zusammen heraus; gleich," sagte sie kurz, nahm ihren Schal auf, die Bonbonniere und den Fächer und verließ die Loge. Schweigend zog sie sich an. Borowiecki wußte nicht, was er sagen sollte. Er blickte bloß auf sie, aus ihre Augen, die fortwährend iin Ausdruck wechselten, auf ihre prachtvoll ge- formten Arme, auf die schimmernden Lippen und auf ihre wundervoll entfalteten Glieder. Als sie den Hut aufgesetzt hatte, reichte er ihr den Abend- mantel. Sic lehnte sich leicht zurück, um ihn umzulegen. Ihr Haar berührte bei dieser Bcivegung seine Lippen, er- glühend zuckte er leicht zurück, und sie fiel, die Stütze vor- lierciid, mit dem Rücken aus seine Brust. Er fing sie rasch in seinen Armen auf und sog sich in ihrem Nacken fest, der unter den verzehrenden Küssen sich bog und straffte. Sic schrie leise auf und preßte sich mit solcher Wucht an ihn, daß er taumelte. Plötzlich entwand sie sich seiner Umarmung. Sie war weiß wie Marmor, atmete tief, und unter den halbgeschlosscnen Lidern flammten verzehrende Glutcn. „Begleiten Sic mich zum Wagen", sagte sie, ohne ihn anzuschauen. „Bis ans Ende der Welt." „Knöpfen Sie mir die Handschuhe zu." Er versuchte es. konnte aber weder die Knopflöcher noch die Knöpfe finden. Mit einem Arm lehnte sie sich an die Wand und bog den Kopf etwas vor, mit einem sonderbaren Lächeln auf den brennenden roten Lippen... Dann durchzuckten sie Schauer und sie lehnte sich fester, wie entsetzt an die Wand, sonderbare Schatten spielten auf ihrem Gesicht und ver- schwanden um ihren Mund. „Gehen wir", flüsterte er. Er brachte sie bis zum Wagen, half ihr einsteigen und flüsterte, ihre Hand mit heißen Küssen bedeckend:„Seien Sie mir nicht böse, ich beschwöre Sie." Sie erwiderte nichts, hielt seine Hand aber so fest, daß er ohne Ueberlegung in den Wagen sprang und die Tür hinter sich zuwarf. Die Pferde zogen an. Borowiecki war furchtbar erregt. Er hatte keine Zeit, sich klar zu werden, konnte übrigens seine Gedanken im Moment gar nicht fassen und wußte bloß, daß sie bei ihm war, daß sie in einer Ecke des Wagens zusammengekauert, weit von ihm weg saß. Er hörte ihren ungleichen, schnellen Atcm„ Hin und wieder leuchtete ihm im Schein der Straßen- laterncn ihr Gesicht und die großen Augen entgegen, die ins Leere blickten. Er wollte sich beherrschen, wollte den Kutscher rufen, suchte unbewußt nach dem Drücker, um die Wagentür zu öffnen und einfach fortzulaufen, hatte aber weder die Kraft noch den Willen dazu. „Werden Sie es niir verzeihen", fing er langsam an und suchte ihre Hände, die sie unter dein?lbendniantel versteckt hatte. Sie erwiderte nichts, hüllte sich fester in den Mantel, als ob sie die wahnsinnige Lust, sich ihm in die Arme zu werfen, in sich verschließen, zurückdrängen wollte. „Sie werden es mir verzeihen", wiederholte er leiser und rückte näher heran. Er zitterte am ganzen Körper und konntenicht mehr sprechen. Als sie ihm die Antwort schuldig blieb, raunte er ihr ganz leise und innig zu:„Lucy! Lucy!" Sie schauerte zusammen, ließ den Abcndmantel los, der von ihren Armen herabglitt, und warf sich ihm mit einem tiefen, durchdringenden Schrei an die Brust. „Ich liebe dich, ich liebe!" flüsterte sie, ihn lcidenschaft- lich umarmend. Ihre Lippen einte ein langer, verzehrender Kuß. „Ich liebe dick, ich liebe!" wiederholte sie und koste den süßen Klang der Worte, sein Gesicht mit brennenden Küssen bedeckend. Sie lechzte schon lange nach Küssen, Liebkosungen und Liebe und dachte jetzt, wo es schon geschehen war, an nichts mehr, erinnerte sich an nichts mehr, küßte ihn bloß wie toll. „Nein, sprich jetzt nicht, jetzt nicht. Ich will sprechen, ich allein, rufen tvill ich. stets und immer, ich liebe dich! Vor aller Welt kann ich's wiederholen, alles ist mir jetzt schon gleich. Ich weiß, daß auch andere dich lieben, daß'du eine Braut hast. Was schert mich das! Ich liebe dich! Ich liebe nicht deshalb, damit auch du mich liebst, nicht, weil ich mir das Glück wünsche, nicht deshalb— ich liebe dich, ich liebe und nichts mehr. Ich brauche die Liebe, wie sie jeder Mensch braucht. Du bist mir alles. Auf die Knie falle ich vor dir und werde es dir so lange wiederholen, so aufrichtig, bis du es glaubst und selbst mich zu lieben anfängst. Willst du? Ich kann nicht mehr heucheln, ich kann nicht mehr leben ohne dich, ohne Liebe. Ich liebe dich, du mein Einziger, du mein Herr." Sic sprach verworren, rasch, bewußtlos. Sie hüllte sich in den Mantel und warf ihn ivieder ab, rückte von Borowiecki weg und umarmte ihn wortlos wieder. Vor Glück strahlend, preßte sie sich an ihn und küßte ihn. Von diesem wahnsinnigen Ausbruch der Lcidenschaft ge- packt, bezaubert von der großen und brennenden Liebe, von der Stimme, die ihn glühend durchdrang, und den Küssen, die ihn betäubten, ließ sich Borowiecki von seinem Temperament fortreißen und raste wie sie. Ihre Küsse gab er ihr so toll zurück, daß sie in seine Arme wie tot zurücksank. „Ich liebe dich, Lucy, ich liebe!" wiederholte er und wußte selbst nicht, was er sagte. „Sprich nicht, küsse mich, sprich nicht, küsse mich", rief sie in höchster Verzückung. Ihre Stinimc brach sich und dröhnte und schluchzte in unsagbarer Liebe, und sang das glühendste Lied der Liebe. „So gesehnt habe ich mich nach diesem Augenblick, so viele Monate Hab' ich dich begehrt, so viele Jahre auf dich gewartet, so gelitten habe ich. Küsse mich!... Fester ... Fester... Ach! gern würd' ich jetzt sterben." schrie sie wild. Eoitj. folgte Nachruf. !Jm 14.«. vrischicd plötzlich und unerwarlet nach kurzem Krankenlager unser lieber Freund und Kollege, ! der Sattler I SeidenkostQme Seine Pflichttreue, offener Charakter und Ehrlichkeit seinen BcrusöloUegen gegenüber werden unS ein stetes i Vorbild sein und wird er uns unvergeffttch bleiben. Llo und Koüenlanen der Firma H. Becker& Co., C8|t7 Marsiliusstrafte 4/6. DiHillftlsZiiig. Für die überaus innige Teilnahme bei dem Heim- gange meines lieben unver- geglich n Mannes, unseres guten Baters, sagen wir allen Bekannten und werten Kollegen unseren herzlichsten Dank. Marie Pohl nebst Kindern. Charlottenburg, im Juni 1S18. iSSSü illlen Freunden I !ZÄ und Bekannten die! fi traurige Nachncht,[ !« das; mein lieber � Mann, unser guter Sohn, Bruder und Schwager am 1. Juni durch Mranat- | solitter im 30. Lebensjahre ein Opfer des Weltkrieges wurde. 68/18 Helene Podewlls, Familie Hermaun Podewils. fmisB?« SsfelßMEiss M Iii: ßciimen und Stz'.s wchlaus- eealallete moderne Lager. | Oskar Wollftürg BraEiuenstr. 5Q u.5y [' OsgrOndet 189C. t�'M SM Spezialarzl Dr. med. l.aabB beh. schnell, gründl., mögt. schmerzlos u. ohne Berussslör. Losodleedlskranlebett., gelicime Nsut-, tisra-, Frausatsidon, 8eb«aoka. Erprobteste Methoden liarii. und lZluiuntersuebung. 84:38,«NnUpl Spr. 10— lu. 5— 8, Sonnt. 10— 1 , im Vörden: invalidensiraflp 5, acÄb Kredit oder Bar. � SBBills®S dürch FegJ©!® leicht beschüdlgrt, | �ertikows, BeUsiel!eD,SeiireH!(iseIie und anderes eh enorm billigen Dreisen. Kriegsanleihe wird in Zahlung genommen. Sonntags 8— 10 geöSnet. JllöbeL Kredit an jedermann. t Kleinste Anzahlung.: a Größte Rücksicht, a Bequemste Abzahlung. ReicblmHiges Lager in ganzen Ein-] riclitungen(EiozeMiiele ÄshÄ.) Grolle Auswahl farbiger Küchen. lilefere nnch nach auswärts. W. 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