Ur. 1K8. 38. Jahrg. Bezugspreis: BierleliShrl. 4.S0 MI. monatl. l.SVMl. frei ins Haus. vorauSzahlbar. Einzeln« Nummern 10 Pfennig. Postbezug: Mcmaiiich. vom Posischalier abzuholen 1�0 Mb, vom BrlestrSger ins HauS ge- bracht 1,kt MI. Uniei Kreuzband für Deulschlard und Oesterreich-Ungarn 8,— MI, ißt das übrige Ausland t.S0 MI. monatlich. Äerland ins Feld bei direlter Bestelluno monatl. 1,80 Mb Postbestellungen nehmen an Däne- marl. Holland. Luxemburg, Schweden und die Schweiz. Eingetragen in die Post-Zeitungs-BreiSlist«. Erscheint täglich« Telegramm- Adresse: »Sozialdemokrat Berlin", Verlinev Volksbl�kt. (�10 PfennigJ Anzeigenpreis: DiestebengcspalteneKolonelzcUelosset 80 Pfg.„Meine Aneeigen", da» fettgedruckte Wort M Pfg.(zulässig 2 setigedruckte Wortes, jedes weitere Wort 16 Psg. Stellengesuche und Schlasstellenanzeigen das erste Wort 20 Pfg.. jedes weitere Wort 10 Psg. Worte über 16 Buchstaben zählen für zwei Worte. 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Wie der Amsterdamer Vertreter des W. T. B. von gutuuterrichtetcr Seite erfährt, bestätigt sich die Nachricht, daß die englische Regierung die Absicht hat, T r o e l st r a den Paß für die Reise nach London zu verweigern, um, wie sie sagt, angesichts der Stimmung unter den englischen Seeleuten unliebsame Zwischenfälle zu vermeiden. Die Organisation der englischen Seeleute hat nämlich auch in diesem Falle ihr schon mehrfach gegen kriegsgefähr- dende 5lonfercnzboten angedrohtes Boykottmittel spielen lassen. Sie ist eine getreue Helferin des britischen Jmperia- lismus, der sich den Krieg nicht stören lassen will. Die eng- lische Regierung hat aber noch andere Helfer, die in diesem Falle tüchtig gehetzt haben, sobald Troelstras Bereitschaft, an der Konferenz der Ententesozialisten teilzunehmen, bekannt war. Ter„Nieuwe Courant" nimmt sich soeben diese Hetzer vor. den berüchtigten„Telegraaf" und seinen Korrespondenten in England Vanderveer. Was nun die Paßverweigerung anbetrifft, so handelt es sich schon nicht mehr nur um eine Absicht der englischen Regierung, sondern, wie der„Nieuwe Courant" sagt, um einen B e s ch l u ß. Hier eben knüpft der„Nieuwe Courant" mit seinem Hieb gegen die Hetzer au. Wir zweifeln nicht, sagt das Blatt, daß der Durchschnittsengländer einen besseren Begriff für Gerechtigkeit hat, als die englische Politik gegen- über den Neutralen oft vermuten läßt, daß er mehr Anstands- gdfühl� als diese Herren(vom„Telegraaf" usw.) besitzt und für die Anstifter dieser Bewegung, soweit sie Landslcute Troelstras sind, dieselbe Verachtung hat, wie alle Nieder- länder sie hegen, die sich nicht durch Sympathien für die En- tente haben blenden lassen. Mit dieser Verachtung freilich trifft man Leute vom Schlage derer, die gemeint sind, nicht. Sie werden ihr Handwerk weiter üben. Es fällt natürlich auf, daß der Beschluß der Paßver- Weigerung eine ganze Reihe von Tagen zum Reifwerden ge- braucht hat. Es scheinen Schwierigkeiten zu umgehen gewesen sein. Als die Tatsache bekannt wurde, daß Troelstra mit S ch e i d e m a n n in Beratung stand, ist die Gegenwehr in schnellere Bewegung geraten. Fürchtet England und mit ilstn die Entente, daß Troelstra von Scheidemann als dem Beauf- tragten der deutschen Sozialdemokratie an die Konferenz der Entente-Sozialisten Aufträge erhalten habe, die wenig in die Entente-Rechnung passen? Die Verweigerung der Pässe für die Entente-Sozialisten, die zur Konferenz nach Stockholm wollten, ist noch in lebhafter Erinnerung. Diese und die neueste Paßverweigcrung bilden nur zwei Glieder in der Kette der ententistischen Abwehrmaß- nahmen gegen Friedensmöglichkeiten und Volksverständigung. Die Aussperrung Troelstras von der Konferenz der Entente-Sozialisten dürfte noch ein N a ch s p i e l haben. Vor einigen Tagen hieß eS. daß B r a n t i n g bereits nach London abgereist sei. Von einer Paßverweigerung gegen ihn der- lautete nichts. Darüber wollen wir uns nicht wundern. Aber wird Bronting jetzt an der Londoner Konferenz teil- nehmen, wenn der Platz Troelstras durch eine Gewaltmaß. regel unbesetzt bleiben muß? * Ainsterbom, 20. Juni.(T. U.) Nach Meldungen aus London scheint dort eine Bewegung im Gange zu sein, mit dem Zweck, auch den schwedischen Sozialisten B r a n t i n g nicht nach England kommen zu lassen und ihm die Pässe zu verweigernd Unter dem Hinweis, daß zwei Vertreter des Bundes englischer See- leute aus Schweden ausgewiesen wurden, erklärte Hctve- lock Wilson: Wir sind sehr entrüstet und alle unsere Aemter nehmen Resolutionen an, in denen die Regierung ersucht wird, Branting zu der Londoner Arbciterkonserenz nicht zuzulassen. Die Zoigen des freien hanöels. Während die Brotration in Wien für Schwerarbeiter 1l2K Gramm('/« Laib), für die anderen 630 Gramm ('/, Laib) beträgt, besteht in der Provinz Niederösterreich überhaupt kein Anspruch auf eine bestimmte Brotmenge mehr. Sie soll nur„nach Maßgabe der vorhandenen Vorräte" be- liefert werden. Zunächst erhalten die Arbeiter der Kriegs- Fortdauer der Schlacht in Venezien— Heftige italienische Gegenangriffe— Fort- schritte südlich der Bahn nach Treviso— Zunehmende feindliche Tätigkeit an der sranzösisch-flandrischen Nordwestfront— Deutscher Stnrmvorstoß bei Seicheprey. Berlin, 20. Juni 1918, abends. Amtlich. Nördlich von Albert, südwestlich von Noyon und nordtvestlich von Chatean- Thierry sind feindliche Teilangriffe unter schweren Verlnften gescheitert. Amtlich. Großes H a u p t q n a r t i r r, 20. I u n i »918. sW. T. B.l Westlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht. Fast an dcr ganzen Front nahm die Tätigkeit des FeindeS am Abend zu. Das Artillericfener lebte auf. Starke Infanterie- abteilungen stießen in zahlreichen Abschnitten gegen unsere Linien vor. Sie wurden abgewiesen. Heeresgruppe Deutscher Kronprinz. Ejy.ente Versuche des FeindeS, nordwestlich von Chatean« Thierry über de» C l i g n o n- Abschnitt vorzudringen, scheiterten in nnscrem Feuer. An der übrigen Front blieb die Gcfcchlstätigkcit in mäßigen Grenzen. Heeresgruppe Gallwitz. Südwestlich von Ornes wurden nächtliche Vorstöße des Feindes abgewiesen. Zwischen Maas und Mosel drangen eigene Sturmtruppen tief in die amerikanischen Stellungen bei Seicheprey ein und fügten dem Feinde schwere Verluste zu. Hanptmann Bcrthold errang seinen 30. Luftfleg. Der Erste Generalquartiermeister. Ludcndorff. Zu dem Vorstoß zwischen Maas und Mosel wird ergänzend mitgeteilt, daß deutsche Sturmkompagnien am 19. Juni morgens nordöstlich Seicheprey i» den Remiereswald ein- drangen und zum Teil bis zu dessen SKdrand durchstießen. Ter österreichische Bericht. Wien, 20. Juni 1918. Amtlich wird verlautbart: Die Schlacht in Venezien dauert fort. Dcr Feind erwiderte den Fall des größten Teils dcr P i a v e- F r o n t durch heftige, mit zäher Ausdauer geführte Gegenangriffe. Ilm unsere neue Stellung am F o s c t t a- K a» a l, an der Bahn O d e r z»- Treviso und auf dem Montcllo wurde erbittert gerungen. Im Montrllo-Gelände steigerte sich dcr Kampf mitunter zur Heftigkeit dcr großen Karstschlachtcn. Die Italiener trieben ihre Sturmkolonncn stellenweise sechsmal vor. Große Verluste zwange» den Feind zu regellosem Einsatz seiner Reserven, die er divisio»?- und regimcntcrwcise in den Kampf warf. Alle seine Anstrengungen waren vergebens. Die Heeresgruppe deS Fcldmarschalls v. Bor- scvic behauptete nicht nur restlos erkämpfte Linien, sondern warf mit den Divisionen des Generals der Infanterie Baron Schariczcr die Italiener südlich dcr nach Treviso führenden Bahn weiter gegen Weste» zurück. Auch südöstlich A s i a g o liefen die Italiener abermals und mit gleichem Miß- erfolg wie an den Bortagen Sturm. Besonders rühmend wird in Truppenmeldungen der Btitwirkung dcr Schlachtssieger am Kamps- und Anfklärungsdienst gedacht. Bon unseren Kampf- fliegcrn errang Hauptmann Brun» WSly den 33. und 34., Oberleutnant v. Linke-Crawford den 25., Odcrlcntnant Fiala den 23. Luftsieg. Dcr Ehef des GencralstabeS. lcistunsisbetricbe die halbe Brotration, die Städte etwas, das übrige„Stannnland der Monarchie" gar nichts. Die Wochenration in Wien beträgt sonst noch: 300 Gramm Kartoffeln, mindestens die Hälfte ungenießbar,'künstig auch noch wegfallend, 123 Gramm schwarzes Kleiemehl, 123 Gramm sonstige Mahlprodukte. 40 Granim Fett(soll auf 60 Gramm erhöht werden), ein Ei, 190 Gramm Zucker, 200 Gramm Fleisch nach nächtelangem Anstellen und etwas Marmelade und Kaffecersatz. Diese bedauerlichen Zustände sind die Folge des„freien Handels", den man jetzt in Deutschland als Erlösung von allem Kriegsleid wieder aufschwätzen möchte. Das größere öritannien. Mit Jubelfanfaren feiert die englische Presse die B e- t e i I i g u n g der D o ni i n i o n s, der sich selbst verwalten- den Kolonien Kanada, Neufundland, Neuseeland, Australien und Südafrika, and erLeitung des Gesamtreichs. Die Freude ist erklärlich. Diese gewaltigen Gemeinwesen jen- seits des Meeres haben sich eine weitgehende Selbstverwal- tung zu sichern gewußt. Mehr als einmal wurde die Furcht rege, daß diese Kolonien von dem Mutterlande in der Stunde der Gefahr abfallen oder sich ans wirtschaftlidjen Gründen mit anderen Staaten, vor allem mit der gewaltigen n o r d a m e r i k a ni s ch e n Union, vereinigen würden, die selbst ans einer ehemaligen englischen Kolonie zu einem Gemeinwesen geworden ist, das an Bevölkerungszahl und wirtschaftlicher Kraft das alte Mutterland überragt. Trium- phierend schreiben die„Times": „Das wichtigste Moment in dcr Entwicklung der britischen Verwaltung ist, daß Borden und Hughes, die Premiers von Kanada und Australien, und ihre überseeischen Kollegen einschließlich der indischen unter den gleichen Bedingungen wie die englischen Minister bei der Entscheidung über die uns alle interessierenden Angelegenheiten mitarbeiten werden. Ein Punkt, über den keine Meinungsverschiedenheiten bestehen, ist der, daß die Abgesandten der Dominions solange wie nur möglich in England bleiben müssen. Ihre Forscheraugen blicken auf den Gang der Dinge, ihre Erfahrungen und ihre klaren An- sichten bezüglich dcr Obersten Heeresleitung werden dcr Krise dieses Sommers nicht gut entbehrlich sein." Vor hundert Jahren waren die Dominions Schiffahrts- stationen, Jagdgebiete von Pelzjägern oder gar� nur Ver- brecherkolonien. In einer beispiellos kurzen Zeit sind sie zu wichtigsten Gebieten der Weltwirtschaft geworden. Immer stand den englischen Staatsmännern die Gefahr drohend vor den Augen, daß sie den Weg der Vereinigten Staaten gehen und sich von dem Mutterlande loslösen könnten. Um diese Gefahr zu beschwören, gab man ihnen in den sechziger und siebziger Jahren des verflossenen Jahrhunderts volle S e l b st v e r w a l t u n g in allen ihren Angelegenheiten, ja, sogar das Recht, ihre militärische und maritime Verteidigung ohne Befragung des Mutterlandes zu organisieren und be- gnügte sich mit der internationalen Vertretung, wogegen die englische Flotte den Kolonien ihren mächtigen Schutz lieh. Begünstigt wurde diese Entwicklung durch die Vorherrschaft des Manchesterliberalismus in England, der alle staatlichen Bindungen und Herrschaftsformen verpönte und von den Kolonien sagte, daß sie mehr kosten als einbringen. Schon in den achtziger Jahren trat ein Wandel in den grundsätzlichen Auffassungen ein. Die Kolonien s e l b st waren es, die einen innigen Anschluß an England zur Ge- winnung eines gesicherten Absatzmarktes für die landwirt- schaftlichen Erzeugnisse und eines stärkeren Schutzes in den Welthändeln suchten. Die englische Regierung stand diesen Bestrebungen freundlich gegenüber, verhielt sich aber abwar- tend, weil sie die kolonialen Reichsglieder nicht durch betrieb- same Eile vor den Kopf stoßen wollte, und weil die sehr starke Freihandelspartei im Mutterland die Einführung eines Schutzzolles als Voraussetzung der zollpolitischen Begünst!» gung der kolonialen Erzeugnisse verpönte. Seit 1887 fanden Reich skonferenzen der leitenden Männer des Mutterlandes und der Dominions statt, die aber vor allem nur dem Austausch von Meinungen und viel weniger der Beschlußfassung über konkrete Verhandlungs- fragen dienten. Man diskutierte anf'ibncn die Einführ uig eines einheitlichen Reichs-Portotarifs, die Dringlichkeit der einen oder andern Schiffahrtslinie oder Kabelverbindung, die Vereinheitlichung des Zivil-, Patent- und Handelsrechtes, die Einbürgerung von Engländern in die Kolonien oder von kolonialen Bürgern in England. Daneben wurden aber all- gemeinpolitische Reden gehalten, bei welchen nicht selten die durch den Zollverein vorbereitete politische Einigung des Deutschen Reiches als vorbildlich hingestellt wurde. Schon damals schlug der Natalbure� H o f m e y r vor, von allen Einfuhrgütern eine einheitliche Neichszollabgabe in der ungefähren Höhe von 2 oder 5 Proz. vom Werte in allen Teilen deS Reiches zu erheben und ihren Ertrag für die Zwecke der Reichsverteidigung zu verwenden. Und der englische Ministerpräsident Salisbury versprach im Namen des Mutterlandes, daß es auch weiterhin die schwere Last der Rcichsvertcidigung tragen würde, aber von den Kolonien zur Wahrung ihres eigenen Interesses und ihrer Selbsterhaltnng Unterstützung erwarte:„Möge dcr Tag nicht fern sein, an dem jodermann in den Kolonien, nach dem Vor- bilde jener, die in Aegypten für Englands Weltinteressen ge- fochten haben, bereit ist. persönlich an der Verteidigung des Reiches in allen seinen Teilen teilzunehmen und unter der Fahne der Königin zu dienen." Ein solcher Appell fand bei den Vertretern dcr Kolonien ein williges Ohr, die sich nicht genug— schon damals!— über die koloniale Nachbarschaft Deutschlands in Neu-Guinea und Südwest-Afrika, Frank- reichs in Madagaskar beschweren konnten. Und seither war scde überseeische Verwicklung ein erwünschter Anlaß, vom Mutterland die Entsendung starker Schiffsgeschwader zu der- langen, nicht zum wenigsten auch zum Schutze gegen den eigenen Verbündeten Englands, gegen das in der ganzen weißen Uebersee beargwöhnte Japan. Nur eine ganz oberflächliche Betrachtung konnte in Deutsch- land zu Kriegsbeginn die Hoffnung entstehen lassen, daß die Kolonien in der Stunde der Gefahr das Mutterland verraten haben. Bekanntlich brach auch die Burenrcbellion in den ersten Kriegsmonaten kläglich zusammen und war so unbedeutend, daß die englische Regierung mit großmütiger Geste die Führer der .Rebellion Pardonnieren konnte. Schon im Juli lllll hatte das Organ der holländischen Südafrikaner, die„Lolks-Stem", aus einer Wahlrede des Generals Botba mitgeteilt:„Neutralität würde bedeuten, daß jeder britische Soldat in Südafrika zu ent- wasfncn und in gleicher Weise wie der Feind zu behandeln sei. Sie würde für eine Kolonie— Kanada so gut wie Südafrika— unmöglich sein, wollte die Kolonie nicht aus dem Reiche auS- scheiden. Südafri.ka ist heute in einem Zustande vollkommener Hilflosigkeit. Daher möchte die Ne- gierung sobald als möglich eine Truppen macht zur Verteidigung ausstellen, um das Reich von der Aufgabe der Verteidigung dieser 5kolonic möglichst zu entlasten." Im K r i c g e hat die englische Regierung die Vertreter der Kolonien zu allen wulstigen Entscheidungen beigezogen, ein- zelne von ihnen, wie. den australischen Ministerpräsidenten Hughes, als Wandcrredner für das größere Britannien durch das Land geschickt oder den südafrikanischen General Smuts auf dekortive Feldherrnvosten berufen oder zu diplomatischen Missionen verwendet. Auch Indien erhielt das Versprechen einer weitgehenden Selbstvertnaltung, verbunden mit dem Mitbestimmungsrecht in allen Ne ichsangelegen Helten, und wirtschaftliche Zugeständnisse, besonders die Gewährung eines Schutzes für seine Textilindustrie. So wurde die Verantwortung verteilt, die moralische Verpflichtung der Kolonien zur Unterstützung des Vtntterlandes mit Männern und Geld der- stärkt. Und die Furcht, im Falle einer Niederlage des eng- tischen Weltreichs, dem übermächtigen Schutz der großen Flotte und das für ihre Entwicklung notwendige billige Geld zu vcr- Heren, trieb Kanadier, Australier, Südafrikaner und Neusee- läuder zu wetteifernder Opferwilligkeit an. Sie verteidigten die unangetastete Herrschast der englischen Seeherrschaft auf den Schlachtfeldern Flanderns so gut wie an der Steilküste Gallipolis oder in den Sandwüsten Syriens. Das kraftvolle Streben aller Glieder des britischen Reiche? zum militärischen und politischen Zusammenschluß wird ergänzt durch die starken Tendenzen zur Bildung einer wirtschaftlichen Einheit. Im Mutterlande hat die Freihandelspartei viel Boden verloren, dem Schutzzoll scheint die Zukunft zu gc- bören. Damit ist die Vorbedingung für die B i l d u n g eines britischen Reich szollvercins gegeben, dessen Entwicklung noch dadurch beschleunigt wird, daß das Mutterland, das nach dem Kriege nicht mehr das Land des billigsten Kredits sein wird, seinen Kolonien in seinem aufnahmefähigen Markte für landwirtschaftliche Erzeugnisse neue Vorteile bieten muß. Frei von jeder doktrinären Voreingenommenheit, ohne Zielstrebigkeit nach der Verwirklichung vorgefaßter staatsrecht- lieber Ideen lassen die Engländer das Weltreich werden, wie es sich natürlich entwickelt. Sie begnügen sich vorläufig mit der Teilnahme der Vertreter der Kolonien am englischen Mi- nistcrrat. AlS wirtschaftspolitischc Einheit wird das eng- tische Weltreich schwer in die Wagschale fallen und für den beut- scheu Außenhandel von größter Bedeutung sein. Militärisch fällt die gewaltige Steigerung der Leistungsfähigkeit zu Lande, zu Wasser und in der Luft schon jetzt in die Augen. Politisch bedeutet die Bildung eines größeren Britanniens für Alt-Eng- land einen gewichtigen Machtzuwachs, schließt aber auch schon deshalb große Schwierigkeiten ein, weil es angesichts der Kriegslage schwerlich die Wünsche der Dominions nach einer Ver- drönaung Teutschlands auS seinen Kolonien wird befriedigen können. die Schlacht in Italien. Wir», l?, Kuni, N»? dem Kri-'ftspresssiiliartier»rirti urrncftirt: Nncrrnildlich rrnnrn an der liralcr HachstkbirgSfront zuischcn OlarJiafcc und Vrenta an dkn vkrschicdcnUcn Punkten sa- nadl Italiener wie auch Engländer und»ranzafrn des H. englischen und 12. sranzösischen Karpö gegen unsere Linien an und Halen sich l'kuligr Köpfe. Teils schon im ssrtillcricfcncr, teils im Kamps von Mann gegen Mann scheiterten ihre Bemühungen, sich»an der stets drohenden Umklammernng ihrer Armeen, die durch jeden Schritt de? van uns an der Piave gewannrnen Badens näher gerückt scheint, etwas Luft zu verschaffen. Auch vor den Linien der beiderseits der Balm lC d e r z a — trevifo unerschütterlich stehenden österreichisch- ungarischen Truppen brechen fortwährend Gegenangriffe unter schwersten Feind- orrlnsten zusammen. lln zäher Beständigkeit drängt sich mittlerweile unser Nord- und Tiidslugrl der Piavrfrant an die italirnisltwn Bertcidi- gungslinien vor und drückt sie in schritttveiscm Kampf gegen Westen zurück. Besonders der Südslügcl, der wiederum hetrachtlich an Nanm gewonnen hat, steht bereits jenseits des FossrttakanalrS, der für den Feind eine von Natur aus selten begünstigte Berteidi- gnngslinir bat. Auch im heiß umstrittenen Gelände des Man- tellagcbietes wurden weitere Barteile erzielt. Bon Ncrvrsa in südwestsichrr Richtung vordringend, bedrohen die Truppen deS Ge- neraleberste» Erzherzog Joseph den noch an den Südhängen de? Mantclla stehenden Feind in seiner rechten Flanke. Es ist van besonderem Fnicrcsse, dost gerade die Kämpfe»m den Man- telto trän der Wichtigkeit de? Punktes den österreichischen Schützen und»ngarischen Regimentern, die ihn in überraschendem Stasi ge- nvmmcn haben, nur ganz leichte Brrlnstc kosteten. So zum Beispiel hat eines der stürmenden Regimenter im ganzen nur zwölf Bcr- wnndete und keinen Taten verloren. Fmmer nach sallendri; Regen bringt die Fluten der Piave zu fortwähren dem Steigen und stellt die höchsten Anfardcrungcn an alle technischen Truppen und Trains, die mit grösiter Aufopferung für ihre Käme- roden in der kämpfenden Linie sorgen. Italienischer Bericht v o m 19. Juni. Die Heftigkeit der Schlacht an der Gebirgsfront bat sieb gestern andcrPiave gesteigert. Die dritte Armee hielt der mächtigen Anstrengung des Feindes mit gewohnier Tapferkeit stund. E Gegenüber Maserada und Ean- dolu wurden wiederholte Bermehe, einen neuen Ducchbruch auf dem rechten Flußuser zu �erzwingen, blutig zurückgewiesen. Bon F o s s a l t a bis C a p o Site ging der Kamps ununterbrochen erbittert weiter. � Furchtbare Angriffe des Feindes wechselten mit unseren Gegenangriffen ab. Anfänge gewaltiger Vorstöße wurden durch kkuseren Widerstand gebrochen und durch unsere Gegenbcwe- gung aufgehalten. Der Kumps nahm erst spät in der Nacht sein Ende. Die kapseren Truppen unseres Heeres wurden hark au? die Probe gestellt, aber der Gegner konnte die Ausdehnung des Strei- fens, in welchem der Kampf seit vier Tagen wütet, nicht vergrößern. lSS9 Gefangene blieben in unseren Händen. Auf dem nördlichen Rande des M o n t e l l o verstärkten wir unsere Stellung am Flusse bis Casa Serena. Am Nachmittag trieb der Feind au? der vorspringenden Nordecke des Monte Sferro zwei An- griffe in der Richtung nach Südwesten und Südosten vor. Ter erste wurde östlich der Höhle 279 nordöstlich von G i a v e r a glatt aufgehalten. Der zweite wurde alsbald südlich der Bahnstrecke San Mauro— Sant Andrea aufgefangen. In der Grappa- Gegend wiesen wir feindlich« Teilangriffe zurück und führten erfolgreiche Handstreiche aus. Wir haben etwa hundert Gefangene gemacht. Im Brentatal nnd östlich deS Frenzelatales wurden feindliche Vorstöße schnell aufgehalten. Am Ostrande der Hochfläche von Asiago entrissen unsere Truppen dem Feinde den Pizzo R e a z z a und die Höhen südöstlich S a s s o, wobei sie rund 399 Gc- fangene machten. Unsere Abteilungen und fcanzosische Truppen- teile griffen kräftig an und eroberten den Hügel Costa Lunga. wo sie einige Gefangene machten. Zahlreiche andere Gefangene wurden weiter westlich durch britische Truppen gemacht. Die Hol- tung der italienischen und der verbündeten Truppen in der Schlacht ist bewunderungswürdig. Vom Stilsser Joch bis zum Meere hatte jeder begriffen, daß der Feind auf keinen Fall durchkommen dürfte. Italienischer Heeresbericht d o m 19. I u n i. In der Nacht des 18. und im Laufe des gestrigen Tages hat der Feind von der Hoch- ebene von Asiago bis zum M o n t e l l o den Angriff nicht erneuert. Teilangriffe wurden glatt zurückgewiesen in der Gegend des Monte Grappa und M o n t? l I o. Wir gingen aus der Hochebene von Asiago vor, wo Abteilungen unserer Ver- bündcten einige Dutzend Gefangene und zwei Geschütze einbrachten und durch unaufhörlichen Druck die vorspringenden Winkel der feind- lichen Stellung südlich der Eisenbahn Monte Bellune ein- drückten. Unsere Artillerie ließ durch zusammengefaßtes mövde- rifchcs Feuer den feindlichen Massen, die längs der Schlachtlinie wstgehalien oder hinter der Front in Bewegung waren, keine Ruhe. An der Piave war der gestrige Morgen ruhig, aber «in Nachmittag lebte die Schlacht wieder furchtbar»nf. Neue Versuche des Feindes, den Fluß bei St. Andrea bis Tan- delu zu überschreiten, wurden sämtlich vereitelt. Auf den Dämmen des Flusses zwischen C a n d e l u und F o s s a l t a stellte der tapfere Widerstand der Unserigen den Gegner auf eine harte Prob«, dessen Schneid sich an der unerschütterlichen Tapferkeit unserer Infanterie brach. Einen gleich heftigen Kampf, aber auf einer größeren Front gab es im Ak-schnitt von F o s k a l t a. südöstlich von M e o l o und nördlich von C a p v S i l e. Ter von uns bedrängte Feind verteidigte sich verzweifelt, und jeder Zoll Boden war de? Schauplatz heldenmütigen Ringens, an dem auch unsere und der Verbündeten Luftstreitkräfte teilnahmen, die an 13 999 Kilogramm Geschosse und Zchntausende von Maschinengewehrschüssen abfeuerten auf die ver- wundbaren Ziele, welche ihnen die feindlichen Truppen und Re- serven in dem engen Raum auf dem rechten Flußufer darboten. Die Schlacht geht mit Erbitterung weiter, und der Feind scheut, um einige seiner Anfangserfolge zu halten, vor den riesigen Verlusten, die ibm seit fünf Tagen unaufhörlich unset» Infanterie-, Artillerie- und Fliegerfeuer zufügt, nicht zurück. Die Zahl der Gefangenen seit Beginn der Schlacht belauft sich auf 9911. Mehrere Geschütze und viel« Hunderte von österreichischen Maschinengewehren blieben in unserer Hand. der hollänülsche Vermittelungsversuch. Die Denkschrift der drei niederländischen Abgeordneten Dr. Dressclhuys, Dr. Koolen und Dr. RutgerS, bon der wir bereits kurz telegraphische Mitteilung gaben, liegt jetzt im Wortlant vor. Die Erklärung sucht bekanntlich eine Friedensvermittclung durch die holländische Negier i:ug anzuregen. Sie zitiert im ersten Teile ver- schiedene Stimmen von beiden Seiten, die sich mehr oder weniger im Sinne einer Verständigung aussprechen. Aus allen diesen Zitaten glauben die drei holländischen Abgeord- neten ableiten zu könncu, daß trotz dessen, was jetzt auf dem Kriegsschauplatz geschieht, auf beiden Seiten der Kriegführenden stärker denn je das Verlangen nach Frieden sich äußert. Nach ihrer Ansicht sollte die holländische Regierung etwa folgendermaßen vorgehen: Den Mittelmächten sollte sie sagen: „Wir glauben z» wissen, daß Ihr nicht einen Erabrrnngs- krieg führt. Wir glauben aus verschiedene» Aeusierungrn Eurer Staatsmänner ableiten zu können, daß Ihr bereit seid, Belgien seine vollständige politische nnd ökonomische Nnabhängigkeit zurückzugeben und Frankreich zn räume», daß Ihr im allgemeinen bereit seid, mit dem SclbstbrstimmungSrecht der Völker z» rechnen, daß Ihr mitwirken wollt«n der Schaffung eines all- gemeinen Völkerbundes." Gleichzeitig sollte sie den Regierungen der Entente sagen: „Wir fühlen»nS zur Annahme veranlaßt, daß Ihr nicht nach einer gönzlichen Bernichtiin-, Deutschlands strebt, daß Ihr nicht die Zerstückelung Oesterrcich-llugarns fordert, daß Ihr nicht wünscht, nach dem Kriege gegen die Mittelmächte einen Wirtschaftskrieg zu führen, kurz, daß Ihr bereit seid, über den Frieden zu»erhandeln auf der Grundlage der vier Prinzipien, die Präsident Wilson ver- kündigt hat." Tic Holländer wollen unsere Ansicht zu diesem Vorgehen hören. Wir können nur wiederholen, daß dieser wie jeder ehrliche Vermittelungsversuch unsere volle Sympathie besitzt, und daß wir ibn auf das wärmste unterstützen werden, so- bald es den drei Abgeordneten gelingt, ihre Regierung zu einem solchen Vorgehen zu veranlassen. Die Aussichten eines solchen Vorgehens sind freilich schwer festzustellen, aber wir sind überzeugt, daß auch die scheinbar ergebnislosen Ver- mittelungSversuchc uns in Wirklichkeit dem Frieden näher bringen._ festige Kämpfe um foims. Französischer Heeresbericht vom 19. Juni nachmittag?. Um 6 Uhr abends eröffneten die Deutschen heftige Ar- iillerievorbereitung aus der ganzen Front von Reim? in der Gegend westlich Vrigny bis östlich Pom- pelle. Um 9 Uhr machte die feindliche Infanterie einen Angriff auf die französischen Stellungen zwischen diesen beiden Punkten. Tic französischen Truppen leisteten dem Stoß der Deutschen, welche durch das Feuer der französischen Gegenvorbcecituiig stark gelitten hatten, erfolgreich Widerstand. Zwischen diesen beiden Punkten wurden die deutschen Sturmtruppcn durch das französische Feuer zum Stehen gebracht, sie mußten wiederholt auf ihre Ausgangs- linien zurückfluten und konnten nicht an die französischen Stellun- gen herankommen. An der Peripherie von Reims spielten sieb heftige Kämpfe ah, in deren Verlaus der Feind schwere Vcr- luste erlitt und überall abgewiesen tmirde. Lestlich von Reims endete der Kampf in gleicher Weise zum Vorteil der Franzosen. Es war den Deutschen gelungen, in den Wald nordöstlich von S i l l e r y einzudringen, sie wurden aber durch französische Gegen- angriffe wieder hinausgeworfen und es wurden in der Gegend von Reims Gefangene gemacht, welche erklärten, daß die Stadt durch drei Divisionen in der Nacht um jeden Preis genommen werden sollte. die üeutschen Gperationszieie im Westen. Bern» 19. Juni. Stegemcmn schreibt im„Bund": Die Fort- setzung der deutschen Offensive hat eine erstaunliche Ausweitung der dritten Operation, aber noch nickt die Entfesselung der vierten großen Operation gezeitigt. Fach hat ohne Zweifel die Linie Beauvais— S e n l i s— M e a u x bereits als rückwärtigen Verteidignngsabschnitt herrichten lassen. Jeder Schritt rückwärts bringt ihn dem Saume des verschanzten Lagers von Paris näher, das er jetzt schon bei Compiegne und Villers Cotterels verteidigt, obwohl die Deutschen: Paris weder direkt angreifen, noch als geographisch strategisches Ziel zu erreichen suchen. Sobald Paris so hart an der Peripherie liegt, daß die Nord- und Oswcrbindungen der englisch-franzosischen Front im Umkreis von Paris von der Schlacht er- faßt werden, hat Hindenburgs Angriffsfeldzug eines seiner wich- tigsten Operationsziele erreicht, Fochs Gegenmaßnahmen hemmen diese Entwicklung, ohne ihr entrinnen zu können. Dazu bedürfte es anderer Mittel und völliger Zurückgewirmung der Initiative. Heimkehr üeutscher Kriegsgefangener. Nach den deutsch-französischen Vereinbarungen über Ge- sangenensragen sollen die vor dem 15. April 1918 in der Schweiz internierten deutschen Kriegsgefangenen in die Heimat zurückge- führt werden. Ebenso sind sämtliche in der Schweiz internierte Zivilpersonen freizulassen. Tie Ausführung dieser Bestim- mungen hat nunmehr begonnen. Heute bat der erste Zug mit deutschen Internierten die schweizerische Grenze über- schritten und ist in K o n st a n z eingetroffen. Leider haben bahntechnische Schwierigkeiten den Beginn dieser Transporte ver- zögert, doch sollen sie nun in regelmäßiger Zugfolge laufen und in etwa 4 Wochen beendet sein. Sie werden etwa 200 deutschen Offizieren, 6909 Kriegsgefangenen und 1999 Zivilinter- nierten die Heimat wiedergeben. Im Anschluß an die Räumung der Schweiz beginnt vor- «roSsichtlich im August die Jnternierüng der mehr als 18 Monate kriegsgefangenen Offiziere in der Schweiz und die Entlassung der mehr als 18 Monate kriegs- gefangenen Unteroffiziere nnd Mannschaften, sowie der Zivil- internierten in die Heimat. Voraussetzung ist allerdingZ. daß die französisch« Regierung bis dahin eine entsprechende Anzahl von Elsaß-Lothringern herausgegeben hat, für deren Zurück- Haltung seinerzeit 1999 Geiseln aus dem besetzten Frankreich nach Holzminden und Wilna verbracht worden waren; hierüber schweben zurzeit noch Verhandlungen. Tisza für üas Sunünis. Gegen Palicr. Bei der Besprechung deS vorläufigen Haushalts im un- garischen Abgeordnetenhause hielt Graf T i s z a eine Rede. in der er eingehend die von der Karolyi-Partei gegen die Bündnispolittk gerichtete Agitation erörterte, welche er als gewissenlos bezeichnete, da durch diese Umtriebe die heiligsten Interessen des Vaterlandes aufs Spiel gesetzt würden. Er sagte u. a.: Graf Karolhi begann in seiner Rede damit, daß er die Lage, in wclcber der Ausbruck def Weltkrieges die ungarische Nation be- traf, in eine ganz ickiese Beleuchtung rückte. Graf Karolyi sagt: Der Politiker der UnabhängigkeitSpartci haben euren großen Fehler bei Kriegsbeginn begangen, und stellt die Sache sa dar, als ob Un- garn mit einer gewissen Nesignation, jedoch mit Vorbehalt und Zurück- ballung wohl hätte Op'er bringen sollen. Rdu erhobener Stirnnre fubr Gras Tisza fort: Sind wrr denn nicht in den Krieg förmlich hinein- gedrängt worden? Die gewissenhafteste dreiwvckenlliwc Unter- suckung hat klargelegt, daß die Politik der serbischen Regierung nicht bloß gegen die Sicherheit und territoriale Integrität Ungarns, sondern gegen dessen Existenz gerichtet war. Konutcu wir etwa unserem»rutschen Brrbündrtcn sagen,»aß wir zwar Opfer, aber unter gewissen Bedingungen bringen? Unser deutscher Per- büudeter bat damals dre einzig möglickc Antwort gegeben, die ein ehrlicher Mann in einem ähirlrcken Falle dein Verbündeten erteilen kann, und wir sind verpflichtet, unserem deutschen Bundesgenossen die ganz nämliche Antwort zu grbrn, und wir müsse» trrn zu ihm stehen, solange seine Interessen von Gefahren bedroht sind. Sodann wandte Tisza sich an die Adresse de? Herrn v. Payer. In beziig ans die Vertiefung dcs Bünd- n i s s e s bedauerte Tisza, daß jüngst da? Interview eines in sehr vornehmer Stellung befindlichen deutscheu Staats- mannes erschienen sei. Der Redner verwies darauf. daß er einige Tage vor dem Erscheinen dieses Interview? erörtert habe, unter welchen Bedingungen das Bündnis für Ungarn möglich und günstig wäre. Er erklärte, auf der Grundtage deS deutschen Bündnisses auch fernerhin zu verbleiben und eine Erneuerung des- selben zu wollen. Er betonte jedoch, daß sich in dem ge- nannten Interview dehnbare Ansdrücke vorfanden, die auch für Ungarn unannehmbar sind. Dies veranlaßt uns nicht etwa, fuhr Gras Tisza fort, gegen Deutschland Stellung zu nehmen, sondern zu erklären, daß wir für das Bündnis zu haben sind, aber nicht auf der Grundlage, die der Herr Vizekanzler zum Ausdruck zu bringen für richtig fand. Graf Tisza gab Herrn v. Paper den Rat, er möge seine Auffassung revidieren, wenn er da? Bündnis mit Ungarn ernstlich wolle. Er halte es für eine Pflicht, dies zu er- klären mit jener Freiheit und Aufrichtigkeit, welche ein durch Verantwortlichkeit und Verpflichtungen ungebundener Mann dem Vaterland schuldet._ Türkische Kriegsziele. Unter Betonilirg, daß ein Nichteintritt der Türkei in den Krieg der Entente fünf.Kricgsfchauvlätze erspart und wahr- scheinlich den Zusammenbruch der Mittelmächte herbeigeführt hätte, stellt das türkische Blatt„Aati" folgende für deutsche Leser aus den verschiedensten Gründen bemerkenswerten Kriegsziele der„öffentlichen türkischen Meinung" auf: 1. Rückgabe der vorn Feinde besetzten Gebiete des Irak, Palästinas und I e z i r e ß. 2. Wiederherstellung der türkischen Oberherrschaft über Aegypten. 3. Unabhängigkeit P e r s i e n S. erzielt durch die Vertreibung der Engländer. 4. Das Schwarbe Meer als lürtisches Meer, dessen Randstaotcn unter türkischer Vormundschaft.„Ein osmanischer Prinz in der Krim und rn Azerbadjan, ein deutscher Prinz in Georgien, ein Erzherzog i»«rmciucn würden vortreffliche Regenten darstellen." S. Bulgarien kann die N o r d- D o b r u d s ch a erhalten, muß aber die beiden Tickernebecken zurückgeben, während auS K o n st a n z a und T e d e a g a l s ch Freihäfen zu mache» fixfc, ) 5 Solange nicht Tripolis, die Threnaila rmd die Dodekanes den» Sultan zurückgegeben find, darf Oester- reich Nordilalien nicht räumen. 7..Unsere Verbündeten haben die Rückgabe dieser Inseln so- wie K r e t a Z zu gewährleisten.' 8. Die Ernährung der Türkei ist in der gleichen Weise sicherzustellen wie diejenige Deutschlands. .Die deutschen Staatsmänner sollen sich defien bewufit bleiben, dast die Türkei in der Sicherung der Meerengen ein wichtiges Werkzeug für die Erreichung der deutschen Bestrebungen in Händen hält. Wenn die Türkei im Einvernehmen mit Deutsch- land gegen England und Rußland eine ewige Sperre der Meerengen verhängt, wird in Deutschland die Ucbcrzeugung von der Billigkeit der türkischen Ansprüche all- gemein werden.' Ter Artikel schließt mit der Betonung, daß die obigen Fordcruirgcn das Ideal von heute und die Wirklichkeit von morgen sein müßten, im übrigen seien die Forderungen lange nicht so weitgehend, wie diejenigen der Alldeutschen; ja, diese Forderungen verlangten nicht einmal die Wieder- Herstellung des Türkischen Reiches, wie dies zu Beginn der Regierung des gegenivärtigen Sultans bestand. Tie Türken in Täbris. Konstantinopcl, 18. Juni. Tie Blätter betonen, die Besetzung von Täbris und der Ufer des Urmiasces habe keinen anderen Zweck, als die Bewegungen der Engländer in Rordpersiea zu verhindern, welche die türkische Armee im Kaukasus bedrohen und das Einflutzgebiet Englands in der früheren russischen Zone aus- �udehncn trachten.„Tanin" verweist darauf, daß es sich keineswegs um ein Vorgehen gegen Persien handle, denn die Türkei gehe nicht aus Eroberungen aus. Tie türkische Arme« schneide wieder einmal den Engländern den Weg ab. welche sie nun wieder in Persien antreffen, nachdem sie ihnen an den Tardanellen, in Mesopotamien und Palästina begegnet seien. Die Eroberung von Gmsk. Tie Wegnahme von Omsk in Westsibirien ist den Tscheche- slowaken in Verbindung mit anderen gegen die Sowjetregierung rebellierenden Elementen gelungen. Die bisherigen Meldungen ergänzt folgende Nachricht: Moskau, 20. Juni.(Reuter.) Tie Tschechoslowakcn haben gemeinsam mit den Kosaken und Kirgisen Oinsk genommen und den Sowjettruppcn schwere Verluste zugefügt. In Omsk wurde bekanntlich nach der Einnahme die neue sibirische Regierung ausgerufen, gegen die jetzt die Sowjet- rcgicrung zu Felde zieht._ Die beschlagnahme rlWjcher Schiffe üurch öie Alliierten. Tic Lage an der Mnrmanknstc. Aach einer Meldung des„Sowrcmennoje Slowo' hat da? Volks- kommissariat für Acußcrcs dem englischen Vertreter in Moskau eine P r o t e st n o t e gegen die Beschlagnahme russischer Schiffe durch die englische Regierung übersandt. Ten Hinweis Eng- l a n d S auf den russisch-englischen Vertrag von 1916 über die Erlaubnis zur Benutzung russischer Schiffe zu Kriegszwecken bat das Volkskommissariat mit dem Hinweis beantwortet, daß der Vertrag hinfällig sei, nachdem Rußland mit den Mittelmächten nicht mehr im Kriege sei. Eine äbnlichc Rote wurde dem amerikanischen Generalkonsul wegen der Beschlagnahme von vier Schissen der freiwilligen Flotte in den Häsen des Stillen Ozeans übersandt. Räch Meldung der Moskauer Presse hat Tschitscheein dem eng- tischen Geschäftsträger und amerikanischen und französischen General- konsul in Moskau folgende Rote überreicht: „Nachdem Nuhland aus der Reihe kämpfender Staaten ans- geschieden ist, zögerte die nissiichc Regierung anfangs noch mit der slorderung, daß englische Kriegsschiffe die nörd- lichcn Häfen zn vcrlafsen habe», später wies der stell- vertretende Kommissar für Auswärtige Angelgcnhriten mehrmals auf die Notwendigkeit, daß englische Schiffe die nördlichen Häfen verlasse», hin. Ter Versuch, irgendwelche Detachc. in c n t s zu landen, würde energischste Maßnahmen der nissi- schcn republikanischen Rcgicrung hervorrufen, aber auch gegen das Verbleiben von Kriegsschiffen kriegführcn- der Staaten in unseren nördlichen Häfen»nd Gewässern ei-klärt der Volkskommissar für AuSwärtigr Angclrgrnhciten ener- gifchsten Protest." Der Haager..Standaard' machte dieser Tag? über die englische Erpeditton nach der Murmanküste folgende Aussührungen?Tie Engländer sind tatsächlich Herren RordrußlandZ nnd der Häfenan dcrWeißcnScc. Tic Babnwagen der Murman- cisenbahn werden von englischen Offizieren untersucht. Ter gesamte Handel ist in englischer Hand, der englische Kommandant bat sein Hauptauorticr in Alexandra lv-k. Mit anderen Woricn. dieser Teil Nordrußlands wandelt sich in eine englische Kolonie nm. ES ist kein Zweifel daran möglich, daß das Auftreten der Entente in Ostasien und an der Murmanküste die Absicht verfolgt, die über. secische Zufuhr der kleinen neutralen Staaten systematisch von Eng- lond und Nordamerika abhängig zu machen. Keine Verhältniswahl zum Schweizer Nationalrat. Bern, 20. Juni. Der Nationalrat beschloß in der Schluß- abstimmung über die Initiative betreffend die Verhältniswahl zum Nationalrat in namentlicher Abstimmung mit 78 gegen 71 Stimmen bei sieben Enthaltungen Ablehnung' der Vcrhältniöivahl. Arbeitsplan ües Reichstages. Kühlmann spricht über den F-ricdcn von Bukarest. Der Aeltcstcnrat dcS Reichstages hielt am Donnerstag vor dcr Vollsitzung dcS Reichstages eine Zusammenkunft ab. um sich über den Arbeitsplan für die nächste Zeit schlüssig zu werden. Er kam dahin überein, auf die Tagesordnung der Freitagsitzung den Friedensvertrag mit Rumänien zu setzen. Staatssekretär von K ü I, l m a n n wird dazu daS Wort ergreifen. Ter Wunsch dcr Regierung, den Friedens- vertrag init den Zusatzverträgen o h u e weitere Aus- spräche an den Hauptansschuß zu verweisen, wird sich kaum erfüllen. Am Sonnabend ivird der Haushalt des all- gemeinen PcnsionsfondS und in Verbindung damit die Frage dcr K r t e g s b e s ch ä d i g t e n- F ü r s o r g e. dcr Er- pänzungen zum Kapitalabfindungsgesctz und des Gesetzes über die Niederschlagung von Untersuchungen gegen KriegStcil- nchluer erledigt. Am Montag steht der H a u S h a lt d es Reichskanzler? und de? Auswärtigen Amte? auf der Tagesordnung: bei ihnen wird es zu einer großen all- gemeinen politischen Debatte kommen, die mehrere Tage in Anspruch nehmen dürste. Die fozialöemokratische Reichstagsfraktion befaßte sich in ihrer Sitzung am Donnerstag mit der Kohlenfrage. Die Fraktion war sich darüber einig, daß in dieser Angelegenheit etwas getan werden müsse, um eine Besserung herbeizuführen. Ebenso hat die Fraktion be- schlössen, wegen der Kleidcrabgabe geeignete Schritte zu tun, da die jetzt verfügte Form der Abgabe nicht zweck- mäßig sei und außerdem zu ungerechtfertigten Härten führen müsse._ Nbgeorönetenhaus. Dritte Lefnng des Etats. Bei wiederum äußerst schwacher Besetzung begann im Abgeordnetenhause am Donnerstag die dritte Lesung des Staatshaushaltsetats. Es sind hierzu noch in letzter Stunde eine Reihe von Anträgen eingelaufen, die weitgehende Steuer- crleichterungen für Kriegsbeschädigte vorsehen; Anträge, mit deren Tendenz auch wir uns einverstanden erklären können. Aber wenn man bedenkt, daß sie die Unterschriften der Heyde- brand und v. d. Osten, der Fuhrnmnn und Röchling tragen, so wird man sich kaum des Gefühls erwehren können, daß sie diktiert sind von dem agitatorischen Streben, sich bei den Kriegsteilnehmern, denen man eben erst das gleiche Wahlrecht vorenthalten hat, lieb Kind zn machen. Um so mehr wird es Pflicht aller Wahlrechtsfreunde sein, dafür zu sorgen, daß unsere Feldgrauen sich nicht einlullen lassen. Die Debatte selbst verlor sich in Einzelheiten. Nach einer Erklärung des Freikonservativen L ü d i ck e über die Stellung seiner Freunde zur Absicht der Errichtung eines Königreichs Polen, trat dcr konservative Agrarier Dr. H o e s ch in lang- atmigen Ausführungen für die Beseitigung des heutigen Er- nährungssystcmS und Erhöhung der Preise für landwirtschaft- liche Produkte ein. Ihm erwiderte Abg. H o f e r(U. Soz.), der zunächst die Ablehnung ees Etats als Mißtrauensvotum gegen die Regierung forderte, um sich des weiteren über die Not des Volkes zu verbreiten und eine im großen und ganzen zutreffende Schilderung der heutigen Zustände zn geben. Der unabhängige Redner schloß mit dem Verlangen nach einem Friedensangebot unter genauer Angabe der Kriegs- ziele, da nur dadurch ein Ende des Krieges ermöglicht werde. Die weitere Debatte, die am Freitag zu Ende geführt werden soll, war völlig belanglos. Ein Entschulüigungsantrag. Tie Stcucrpflicht der Jfricgsbcschädigte«. Zu der dritten Lesung des Etats, die am Donnerstag im preußischen Abgeordnctcnhause begann, haben die Kon- scrvativen einen Antrag eingebracht, dcr die Regierung ersucht, mit möglichster Beschleunigung Gesetzesvorlagen ein- zubringen, wonach 1. Kriegsbeschädigten auch über den Rabmen deS § 29 des Einkommensteuergesetzes hinaus weitgehende Steuer- erleichterungen gewährt werden können, 2. ausreichende Mittel bereitgestellt werden,«m allen Kriegsteilnehmern, welche infolge des Kriege« ihre wirtschaftliche Selbständigkeit verloren haben oder mit dem Ver- lust derselben bedroht sind— soweit sie vor dem Kriege zu weniger als KOCK» M. Einkommen veranlagt waren—, gering verzinSlicke langfristige Darlehen als Beihilfen zum Wieder- aufbau ihrer wirtschaftlichen Selbständigkeit bezw. ihre? Gewerbes zu gewähren; 3. den leistungsschwachen Kriegsteilnehmern welche den Wunsch haben, stch anzusiedeln, in geeigneten Fällen besondere Crleichterungen über die Bestimmungen deS Gesetzes vom 8. Mai 1910 hinaus gewährt, insbesondere zu diesem Zwecke die durch das gedachte Gesetz bereitgestellten Mittel angemessen e r h ö h l werden. Ein ähnlicher Antrag der rechtsstehenden Nationalliberalen (Fuhrmann u. Gen.) fordert eine GesctzeSvorlagc, wonach 1. für alle Kriegsbeschädigten mit einem steuer« Pflichtigen Einkommen unter 2199 M. in den auf den Friedens« schluß folgenden zehn Jahren die Staatseinkommcnsteuer außer Hebung gesetzt wird; 2. alle ganz arbeitsunfähigen sowie alle h i I f S- losen Kriegsteilnehmer sowie solche Kriegsteilnehmer, die eine BerstünnirclungSzuIage erhallen, die Smarsfteucr dauernd erlassen wird, sofern sie ein steuerpflichtiges Einkommen Von nicht mehr als 0999 M. haben. Es ist unschwer zu erraten, daß diese Anträge nur aus agitatorischen Gründen gestellt sind; sie gehen von denselben Parteien ans, die das gleiche Wahl- recht und die Zusatz stimme für die Kriegs- tcilnehmer abgelehnt haben und die sich nun offenbar bei den Kriegsteilnehmern wieder in empfehlende Erinnerung bringen wollen. Dethmanns Krankheit � eine allöeutfthe Erfinüung. Die Meldung der.Köln. VolkSztg." von dem Schlagcmsall und der schweren Erkrankung des ehemaligen Reichskanzlers stellt sich als ein ausgelegter Schwindel heraus. Herr v. Brthmann Hollweg bcsindet sich bei durchaus guter Gesundheit. Die Tendenzmeldung des alldeutschen ZentrumsblatteZ entspricht durchaus dcr Art. wie die Alldeutschen heute noch den Kampf gegen den ihnen verhaßten Exkanzler führen. Die„National-Zeiiung" läßt Herrn v. Bethmann sogar an Nikotinvergiftung erkrankt gewesen sein.— Sich mit dem jetzigen Nauchzcug eine Nikotinvergiftung zuzuziehen, erscheint uns so unmöglich, daß wir eher annehmen möchten, Herrn v. Bethmamrs Krankheit sei die Folge eines Versuchs, eine Pfeife dcr berühmten Armcc-Tabaksmischung aus Laubhcu zu rauchen. Die direkten Steuern in Dapern. Tie Kammer der Abgeordneten bat nach dreitägiger Debatte fast einstimmig die von dcr Regierung vorgeschlwgcne Rege- lung der direkten Steuern in der Fassung der Ausschuß- beschlüsse angenommen. Neu eingeführt werden soll damit in Bayern eine eigene Vermögens st euer, die cnigegen dem Willen des FinanzministerZ auch auf Luxusgegenstände ausgedehnt werden soll. Tie Reformvorlage geht nunmehr an die Kammer dcr Reichsräte. LandtagSersahwahk. Bei der Armdtagserlatzwalil in B e u tfle n ist an Stelle des verstorbenen Zcntrumsabgeordnetcn, Pfarrers Peter Erzpriestcr R o t h e r in Tost mit allen 197 abgegebenen. Stimmen zum Landtagsabgeordneten für den Wahlkreis Gleiwitz gewählt worden._ Die Umsatzsteuer. Die Beratungen im HanShallSauSschuß erfolgten auf Grund eines Berichts des llnterausschusses, der den Entwurf einer gründ- lichen Umarbeitung unterzogen hat. Zunächst enistand eine Debatte darüber, wie der Begriff.gewerbliche Tälrgkcit' zu umschreiben ist. Dcr Z l deS Entwurfs bestimmt nunmehr: Der Umsatzsteuer unterliegen die im Inlands gegen Entgelt ausgeführten Liefe- r u n g e rr oder sonstigen Leistungen solcher Personen, die eine selbständige gewerbliche Tätigkeit mit Einschluß der Urerzrugung und des Handels ausüben.— Damit fallen die freien Berufe nicht unter das Gesetz, wenn sie nicht gleichzeiiig ein Gewerbe be« treiben. Der Z 1 wird angenommen. § 2 enthält die Ausnahme» von der Steuer; Ziffer S sieht die Befreiung der eingetragenen Ge« nossensch ästen vor. Auf eine Anfrage des Abg. Dr. Südekum erklärt ein Regierurrgsvertreler, daß der Beirieb einer Sparkasse durch eine Genossenschaft nicht steuerfrei ist.— Ein Vorschlag der Konservativen, auch die Genossenschaften mir beschränkter Haf- tung einzubeziehen, wurde von der Regierung bekämpft, vom Aus- schuß abgelehnt. Gegen einen Vorstoß von nationalliberaler Seite verteidigten die Sozialdemokraten energisch die Steuerfreiheit derRück- Vergütungen der Konsumvereine an ihre Mit glicder.— Abg. Keil fordert die Sreuerfrcibeit auch für Umsätze von Kohlen, die bereits durch das Gesetz vom 8. April 1917 mit einer Sonder- steuer belastet sind.— Die Regierung wendet sich gegen diesen An» trag, weil man dann auch alle anderen Gegensiändc, die bereit? mit einem Zoll oder einer Steuer belastet sind, frei lassen müsse.— Abg. Kein ath(rratl.) belämpst die.Bessersiellung* dcr Konsumvereine. — Abg. Bernstein schließt sich dcr Anregung Keils auf Freilassung der Kohle an.— Mit einer redaktionellen Aenderung wurde schließ- lich der§ 2 angenommen.— Der Antrag Keil, die Kohle betreffend, wurde abgelehnt. § 3 bezieht ssch auf die Befreiungen von der Steuer. Steuerfrei bleiben unier anderem g c m c i n n ü tzi g c Unter- nehmungen, deren Betrieb nicht auf Gewinnerzielung ein- gestellt ist, ferner Personen, die aus ihrem Betrieb nicht mehr als 3000 M. im Jahre beziehen.— Die Fortschrittler fordern die Freilassung der Genreindebetrrebe und der g c- mischt- wirtschaftlichen Betriebe, soweit die Ge- ineinden, das Reich oder der Staat mit 51 Proz. beteiligt sind.— Der Antrag wurde abgelehnt. Die Borlage der Regierung will den Teil des Umsatzes, der auf die En t- nähme aus dem eigenen Betrieb bis zu einem Be- trag von 2999 M. im Jahre entfällt, steuerfrei lassen, wenn die Gesamtheit der Umsätze 1ö 999 M. nicht übersteigt. Der Unter- ausschutz hatte 3999 M. als steuerfrei vorgeschlagen. Die Konscr- vativen forderten die Freilassung dieser Summe ohne Rück- ficht auf die Höhe des Ilmsatzes. Diesem Verlangen wurde entgegengchallen, daß darin eine neue Vergünstigung agrarischer Kreise liegen würde.— Schließlich wurde§ 3 u n v e r- ändert angenommen. Die Steuer beträgt 5 vom Tausend.- Sie erhöht sich bei LuxnsgcgcnstSndcn, denen der Unteraus« schuß auch Billards und deren Zubehörteile sowie Erzeugnisse des Buchdrucks aui besonderem Papier in beschränkter Auslage hinzugefügt hat, auf 19 vom Hundert. Bei Juwelen usw., bei kostbaren Gemälden und Antiguiläten usw. wird der Steuersatz so lange auf 20 vom Hundert erhöht, bis dcr Reichstag den Wegfall der Erhöhung verlangt. Für Mrndcrbcstcuerunz der HanptnahrungSmittel tritt folgender sozialdemokratische Antrag ein: Die Steuer beträgt l vom Tausend für Getreide, Ge- reidefabrikate, Milch, Butter. Kartoffeln, Ge- m ü s e, Fleisch und Fett. Die Beratung dieses Antrage? erfolgt am Freitag. Parteinachrichten. Adolf Braun nnd Frankfurt. Zu der aus Franlsutt a. M. stammenden Nachricht von dem bevorstehenden Uebertritt des Genossen Adolf Braun von dcr .Fränkischen Tagespost" an die.Frankfurter Vollsstimme" schreibt Gcitosic Adolf Braun:.Nichtig ist, daß seit Beginn de? Krieges mehrsache Erkundigungen ergingen, ob ich eine Berufung an eine andere RedakOon annehmen würde. So haben auch Verlag und Preßkommission dcr Frankfurter.VolkSstimmc' im Herbst 1917 Verhandlungen mit mir angeknüpft. Ich erklärte aber sofort den Frankfurter Genossen, loie früher denen anderer Orle, daß ich mich während der Dauer des Krieges und des ParteistreiicS moralisch verpflichtet halle, nicht aus dcr redaktionellen Leitnng der .Fränkischen Tagespost" zu scheiden, so sehr mir auch die Siner- biciungcn anderer Zeitungen vorteilhaft und ehrenvoll erschienen. An diesem Slandpunkl habe ich festgehalten." Eine Tagung der Iugeiidaiisschüssc für dcu Wahlkreis Dortmund-Hörde fand in Dortmund statt, auf dcr 2l Attsschüsie vertreten waren, darunter auch einige aus den Kreisen Hamm und Lüdinghausen. Aus dem Jahresbericht dcS Gen. K l tt p i ch ging hervor, daß in den letzten beiden Jahren gute Fortschritte gemacht wurden. Die Zahl der Bezieher der.Arbeitcr-Jugend" ist von 1299 im Jahre 1910 auf über 1099 gestiegen. D c r F r i e d c n s st a n d ist da- mit überschritten. Auch die Kasscnverbältnisse sind gut. Bei einer Ausgabe von 3879.90 M. verblieb ein Bestand von 1542,22 M.' In dcr Besprechung wurde zur Sprache gebracht. daß überall, wo sich unsere Bewegung rührt, auch die Gegner auf dem Plane erscheinen. Ferner wurde erörtert, ob die Aufgaben dcr Jugendbewegung nicht besser im Rahmen der festen Beretnsorgani- sation erreicht werden könnten. Die Frage soll aus einer Bezirks- konfercnz entschieden werden. Die Förderung der Bildungs- bestrebungen und die Wahrnehmung der sozialpolitischen Interessen der Jugendlichen, sowie das Verhältnis dcr Jugendbewegung zn den Gewcrkschaiten wurden eingehend besprochen, so daß'zum Schluß gesagt werden konnte, daß die Konferenz sich gewiß als recht fruchtbar erweisen wird. Letzte Nachrichten. Kriscngcrüchtc ans Frankreich. Bern, 20. Juni.„Popnlmre du Centre" berichtet, daß Clemenceous Bemühungen, Briand und B a r t h o n zum Eintritt in sein Kabinett zu be- wegen, gescheitert seien, weil beide abgelehnt hatten. Man spreche wieder vom Sturze Clemenceaus. Briaud und Barthou rivalisierten um die Ministerpräsidentschast. Ihre Einigung zu einem gemeinsamen Kabinett, um den Dritten aus dem Felde zu schlagen, sei jedoch nicht ausgeschlossen. Dcr erste Eisenbahnzug ans Rußland. Wie wir aus zuverlässiger Quelle erfahren, sind in Berlin 43 Waggons aus Rußland mit Liebesgaben für die russischen Ge- fangencn eingetroffen. Verbanöstag öer Such- unö Steinöruckereihilfsarbeiter. Am DonnerZiag wurde die Beratung über Aendmmg der Beitrags» niid Uiiierstützungssätze i!» Ende geführt. Hinsichtlich der Bedenken, welche einige Redner gegen die Beitragserhöhung geltend machten, bemerkle Frau Thiede, daß es sich ja nur um die Ilm- Wandlung der bisherigen Exirabeitiäge in ordentliche Beiträge handle, also eine Erhöbung der Beiträge eigentlich gar nicht stattfinde. Durch einstimmigen Beschlust setzte der VerbandStag folgende Beitragöstaffel fest: DaS Eintrittsgeld ist den Wochenbeiträgen gleich. Weibliche Mitglieder sind nicht verpflichtet, der sechsten Beitragsklasse anzu- gehören, Die Arbeitslosenunterstützung beträgt bei einer Beitragsleistung von 1 M. nach einer Mitgliedschaft von einem Jahr täglich 1,70 M. und wird für 30 Tage gewährt. Nach zweijähriger Mitgliedschaft täglich 2 M. für 45 Tage, nach vier Jahren täglich 2,25 M. für 60 Tage, nach fünf Jahren täglich 2,75 M. für 60 Tage. Die Krankenuntersiützung wird durchweg für 30 Tage gewähr und zwar mit täglich 70 Pf. nach einem Jahr, 80 Pf. nach zweit Jahren. SO Pf. nach drei Jahren, 1 M. nach vier Jahren. Mit 13 gegen 8 Stiniineu wurde beschlossen, die„Solidarität" vom 1. Oktober an nicht mehr acht», sondern vierzehntägig erscheinen zu lassen. Der bisherige Vorstand: Erste Vorsitzende Paula Thiede, zweiter Vorsitzender Pucher, Kassierer Lodahl wurde ein- stimmig wiedergewählt. Nachdem noch eine Reihe von Anträgen erledigt waren, die kein allgemeines Interesse haben, wurde der VerbandStag ge- schlössen. Arbeitszeit unö Teuerungszulage öer Eisenbahner. Eine Massenversanimlung der Eisenbahner, die der Deutsche Eisenbahnerverband einberufen hatte, füllte am Mittwoch den grasten Saal des GcwerkschaftShauses bis in die äustersten Winkel. Zur Erörterung stand wieder die alte Forderung der Eisenbahner, Lohn und A r b e i l s z e i t den heutigen Verhält- nisscn gemäß zu bemessen. Der Verbandsvorfitzende B r u n n e r schilderte die drückende Lage der Eisenbahner, deren Arbeitskraft infolge der jetzt an den Eisenbahnbetrieb gestellten hohen Anforderungen über das ertrag- liche Maß in Anspruch genommen werde. Der Redner betonte, daß die Eisenbahner bereit sind, nach wie vor im Interesse des Vater- landes zu arbeiten, aber es dürfe nicht mehr von ihnen verlangt werden, als sie unter heutigen Ernährungsverhältnissen leisten können. Darum halten die Eisenbahner grundsätzlich an ihrer allen Forderung fest: Abschaffung der Ueberstunden und Sonntagsarbeit sowie Erhöhung der Grundlöhne. Eine in diesem Sinne gehaltene Eingabe an das Ministerium hat aber nur zur Folge gehabt, dast an dem einem freien Sonntag vorangehenden Sonnabend die durchgehende Arbeitszeit von neun Stunden eingeführt werden soll. Dies Zugeständnis geht nicht weit genug. Niemand kann jetzt neun Stunden ohne Unterbrechung arbeiten. Die durchgehende Arbeitszeit darf höchstens 3 Stunden betragen und muß für jeden Sonnabend ohne Ausnahme gelten. Das ist das mindeste, was die Arbeiter fordern, nachdem ihre weitergehenden Forderungen auch jetzt wieder abgelehnt worden sind.— Seit einigen Wochen ging in den Reihen der Eisenbahner das Gerücht, es werde ihnen eine Teuerungszulage gewährt werden. Wie sich jetzt herausgestellt hat, entbehrt das Gerücht jeder tatsächlichen Grundlage. Es ist wohl nur deshalb in Umlauf gesetzt worden, um die Eisen» bahner von der Vertretung ihrer Forderung abzulenken. Wenn die Forderungen zurzeit nicht in vollem Umfange sollten verwirklicht werden können, so ist doch ein bescheidenes Mast von Verkürzung der Arbeitszeit und Aufbesserung der Löhne— wenn auch in Form von Teuerungszulage»— sehr gut durchführbar. In der Diskussion wurde der Eisenbahnverwaltung wegen ihrer ablehnenden Hallung manch scharfes, aber durchaus berech- tigtes Wort der Kritik gesagt. Die nachstehende Resolution, die dem Ministerium eingereicht werden soll, wurde einstimmig angenommen. Die heute anr Ig. Juni im Gewcrkschaftshaus tagende öffent- liche Eiscnbahnerverfammlung nimmt Kenntnis davon, dast die Verwaltung die vom Deutschen Eisenbahnerverband vertretene Forderung auf Abschaffung der Ueberstunden- und Sonntagsarbeit einer eingehenden Prüfung unterzogen hat. Wenn die Verwaltung zu dem Ergebnis gekommen ist, daß mit Rücksicht auf den hohen Reparaturstand und den Mangel an Arbeitskräften die Forderung gegenwärtig nicht durchführbar ist, io würdigt die Versammlung durchaus die auf Erhaltung der Leistungsfähigkeit des Eisenbahn- beiriebes gerichtete Tätigkeit. Die Tatsache, daß bei lOstündiger Arbeitszeit im letzten Jahre der Reporaturstand nicht wesentlich höher ist als bei der früheren 11 stündigen Arbeitszeit, beweist, daß die verkürzte Arbeitszeit die Leistungssähigkeit nicht becintröchligt. Ter hohe Reparatursland ist nicht eine Folge der kürzeren Arbeits- zeit, sondern findet seine Eiklärunq in der starken Abnutzung der Materialien, den fehlenden Rohstoffen, deni sehlenden Handwerks- zeug»nd Oel. Die Auffassung, dast eine Verkürzung der Arbeits- zeit nicht gleichbedeutend ist mit dem Rückgang der Produktion, wird durch den hoben Reparaturstand nicht erschüttert. Aus diesen Erwägungen hält die Versammlung die Abschaffung der Ueberstunden- und Sonntagsarbeit nach wie vor für eine aus den ungünstigen Ernährungsverhältnissen sich ergebende unabweiS- bare Notwendigkeit, die sowohl der Erhaltung der menschlichen Arbeitskraft als auch der Leistungsfähigkeit deS Betriebes gilt. Die Versammlung erblickt in dem Versuch der Verwaltung, den Bediensteten an den Sonnabenden durch Einführung der durch- gehenden Arbeitszeit mehr freie Zeit zu schaffen, den ernstlichen Willen, durch Anwendung geeigneter Mittel die Gesundheit der Be- diensteten zu erhalten. Die Art der Durchführung dieser Maßnahme isi aber nicht geeignet, den beabsichtigten guien Zweck herbei- zuführen. Soll die durchgebende Arbeitszeit wirklich Vorteil bringen, dann darf sie die tägliche Arbettsdaner von acht Stunden nicht überschreiten. Die Versammlung erklärt sich aus diesen Gründen niit der durchgehenden Arbeitszeil einverstanden, wenn �erstens alle Sonnabende in Betracht kommen und zweitens nur acht Stunden gearbeitet wird. �... Endlich erwartet die Versammlung, dast mit Rücksicht auf die außergewöhnlich große Notlage, in der sich die Bcdienstctesi zur- zeit befinden, die bezüglich der Gewähruiig einer Teuerungszulage angestellten Erwägungen recht bald ein befriedigendes Ergebnis herbeiführen. Die Versammlung beanfiragt den Vorstand deS Deutschen Eisenbahner-Verbandes in diesem Sinne bei der Verwaltung zu wirken.____ Tie Tätigkeit der Arbeitgeberarbeitsnachweise im Ztriege. Iii der Versammlung der Zentralstelle der deutschen Arbeitgeber- nachwcUe vom 8. März d. I. balle der Syndikus Claus» Hamrover einen Vortrag über das oben bezeichnete Thema ge» halten und dabei die Leistungen der Arbeitgebernachweise mit denen der übrigen, namentlich mit denen der öfsenllichen Nachweise ver- glichen. Dieter Vergleich fiel natürlich ganz zugunsten der Arbeit- gebernachwcise aus. Herr Dr. D e r m i tz e l- Magdeburg unternimmt es nun in der letzten Nummer des„Arbeitsnachweis in Deutschland", die von Herrn Claus angeführten Zahlen etwas unter die Lupe zu nehmen. Herr Claus hatte gesagt, dast, wenn die öffentlichen Arbeitsnachweise eine Verinilltungszaht von 1,7 Millionen im Jahre 1917 erreicht haben, daraus zu schließen sei, dast der Arbeiter- Wechsel leider immer noch ein sehr großer ist. Die Arbeitgeber- verbände legten dagegen den größten Wert darauf, die Veruiittlung von Facharbeitenr zu langfristigen ArbeitSvetträgen durchzuführen. Die Mehrzahl der von 117 Arbeitgebernachweisen untergebrachten 504 385 Arbeiter, nämlich 880 000, sind danach zu langfristigen Verträgen„verdingt" worden. Die Facharbeiter seien das Rück- grat eines jeden Betriebs. Die reinen Fackarbeitsnachweise der Metall- und Textilindustrie, im Baugeiverbe und im Bergbau usw. haben iimmer nach Herrn Claus) rund 400 000 Arbeiter vermittelt. An Frauen wurden von 54 Arbeitgebernachweisen 93 000 Stellen vermittelt. Nach aintlichcn Ermittelungen, deren Ergebnisse im„Reichs- arbeitsblatt" veröffentlicht wurden, haben die öffentlichen Arbeits- nachweise im Kalenderjahre 1017: 772 223 Stellen für inännliche und 967 367 für weibliche Personen, zusammen 1 749 590 Stellen vermittelt, die Arbeitgebernachweise 336 921 sür männliche. 147 464 für weibliche Personen, zusammen 504 385 Stellen. Mit Recht weist Dr. Dermitzel darauf hin, dast diese Zahlen in bezug ans die Dauer des Verlragsverhällnisses gar nichts besagen. Ein Nachweis darüber sei überhaupt nicht zu erbringen, am allerwenigsten aber ließen sich gelernte Facharbeiter zu„langfristigen Arbeitsverträgen verdingeir". In den Betrieben der Grostindustrie besteht in der Regel eine höchstens 14tägige Kündigungsfrist. Sodann zu den Zahlen. Die Zahl 504 385 begreift auch die weiblichen Personen in sich. Männliche Arbeiter sind nur 356 921 vermittelt worden, also weniger, als Herr Claus als langfristig vermittelte Arberter angibt. Die Zahl 380 000 kann also unmög- lich richrig sein. Nun sollen aber die„reinen Facharbcitsnachweise" allein noch mehr, nämlich 400 000 Vermittlungen von Facharbeitern zustande gebracht haben. Man könnte nun noch einwenden, daß Herr Clans unter den 504 385 Arbeirenr nicht bloß die männlichen, sondern auch die weiblichen Arbeitskräfte mit habe verstanden wissen wollen. Aber auch das könne nicht zutreffen, da Herr Claus die Vermittlung weiblicher ArbeilSträfte ltipp und klar rn Gegensatz zu der der männlichen stellt und sie als eine ganz besondere Leistung der Arbeilsnachweise hervorhebt. Dabei ist wieder die Zahl von 98 000 zu niedrig angegeben, denn der amtliche Bericht zählt 147 464. Herr Dr. Dermitzel hält mit Recht diese Art von Statistik nicht für geeignet, zur Klärung von Fragen der Arbeitsvcriiritllung bei- zurrageir. Im übrigen sei noch daran crinncrr, dost die Hauptauf« gäbe der Arbeitgebernachweise ja nicht in der Vermittlung von Ar« beitern, sonderen in deren Kontrolle besteht. Zum Arbeitskammergcsctz hat der ReichSbnnd baugewerblicher Arbeitgeberverbände in seiner Hauptversamnrlung in Hannover am 13. Juni d. I. Stellung ge- nomnien. Dieter Bund, der das Deutsche Hoch- und Tiefbau- gewerbe, sowie fast sämtliche Bannebengcwcrbe umfaßt, richtet an den Reichstag die Bitte, die fachliche Gliederung der Arbeits« kammern, wie sie in dem von der Regierung eingebrachten Gesetz- entwurf vorgesehen ist, bcizubehalte». also den Vorschlag seiner zur Beratung des Entwurfs eingesetzten Kommission, die an Stelle der fachlichen Gliederung die örtliche setzen will, abzulehnen. Begründet wird dieser Antrag damit, dast im Baugewerbe und in den Baunebengewerben schon bisher die wichtigsten der Aufgaben, die von den Arbeitskammern erledigt werden sollen, gemeinsam für das ganze Gewerbe durch die Zentralorgane der Arbeitgeber- und Arbeitnehmerverbände erfüllt, z. B. ReichStarifträge geschlossen, Zentralschiedsgerichte errichtet, Lohnstatistiken aufgestellt worden sind. Ferner hat die Hauptversammlung des Reichsbundes bau- gewerblicher Arbeitgeberverbände die Bitte an den Reichstag ge- richtet, die Reichsregierung um baldige Vorlage eines Entwurfs zu einem Gesetz zu ersuchen, durch das der Absatz 2 des§ 152 Reichs- gcwerbeordnung aufgehoben wird, derselbe verurteile die Berufs- vereine zur Rechtlosigkeit und hindere sie dadurch in der Betätigung auf wirtschaftlichem Gebiet, bei der Durchführung der Tarifverträge und in ihrer Eigenschajt als Selbstverwaltungskörper großer Bevölkerungskreise._ Tie hohen Arbeiterlöhne. Die„Kölnische Zeitung" druckt die amtliche Lohnstatistik über die Entwicklung der Bergarbeiterlöhne von Kriegsbeginn bis zur Gegenwart ab. Die Aufstellung ergibt im allgemeinen eine Lohn- steigerung auf rund da§ Doppelte der früheren Lohnhöhe. Trotz- dem setzt aber auch die„Kölnische Zeitung" ehrlicherweise hinzu: „Diese Lohnerhöhung im Laufe des Krieges xntspricht aber b e i weitem nicht der in derselben Zeit sich geltend machenden Erhöhung der Preise für die alltägliche Lebens- führung." Man wird sich diese zutreffende Feststellung für den Fall merken müssen, dast demnächst von Unternehmerseite wieder über die ungeheuere Steigerung der Löhne gellagt wird. ?nöustrie unö tzanöel. Ans dem Berliner Wirtschaftsleben. Die Daimler Motorcn-Akticngcscllschaft ist jetzt, nachdem sie bereits vor einigen Wochen etliche vorläufige Bilanzziffern ver- öffentlicht hat. mit ihrem Abschlüsse herausgekommen. Der Fabrikationsgcwinn ist von 12,4 aus 13 Millionen Mark, das Unkostenkonto von 4,7 auf 3,2 Millionen Mark gestiegen, io dast sicki der Reingewinn von 7,7 auf 4,8 Millionen Mark ermäßigt bat. Die Dividende ist von 35 auf 30 Proz. herabgesetzt worden. Der Kriegsunkostensonds ist mit 2,5 gegen 1,5 Millionen Mark iin Vor- jähre dotiert worden. Der tatsächlich erzielte Gewinn ist aus diesen Angaben nicht ersichtlich. Es sc�lt ein Ausweis über die K r i e g s g e w i n n- st e u e r und über die Höbe der Abschreibungen, also über die zwei wichtigsten Posten, die heute eine Bilanz im Durch- schnitt auszuweisen hat. Die Verwaltung gibt in ihrem Geschäftsberichte einige An- deutungen über die Abschreibungen. Sie bemerkt, daß eine viel- seilige Uinstellung der Betriebe und eine bedeutende Eiwe'terung der Fabrikanlage in Unlerlür'bcim, Marienfelde und Sindelfingen notwendig geworden seien. Die auf Veranlassung der Heeres- Verwaltung gemachten Jnveltionen gingen namentlich wegen der enormen Verteuerung der Baustoffe, Maschinen usw. in so bobe Be- trüge, daß der bisher befolgte, für die Sicherung der Gesellschaft notwendige Grundsatz, die Kriegsbauten ganz abzuschreiben, nur unter Heranziehung des größten Teils der früher gebildeten Baureserve durchgeführt werden konnte. Ein auf dem Konto Grund- stücke, Gebäude, Moschinen usw. aufgewiesener Zusatz enthält die Grundstückswerte. Scbon hier muß darauf verwiesen werden, dast diese Ab- schreibungen entschieden zu weit gehen und die Bildung stiller Reserven darstellen. Es ist ohne Zweifel sehr notwendig, starkeAbschreibnngen aufKriegszugänge zu machen. Aberder Grundsatz. dast Gebäude und Maschinen undbedingt mit einer Mark zu Buche stehen müßte, ist eine offenbare kraffe Uebertreibung.� Wahrscheinlich hat die Gesellschaft aber auch für d:e Bildung anderweitiger stiller Reserven gesorgt, wenigstens heißt eS in dem Gcschästsberichl:„Die beiden Konten Waren und Fabrikate sind dem gesteigerten Umsatz und dem hohen Materialpreise entsprechend stark angewachsen". Die Bewertung wurde nach den bisherigen Grundsätzen vorsichtig vorgenommen. Der Geschäftsbericht schließt mit folgender Bemerkung:„Von der Heeresverwaltung ist im März 1918 militärische Aufsicht über unsere Fabriken verfügt worden. Es schwebt zurzeit ein gerlcht- liches Verfahren wegen Verletzung der Bundesralsbekannlniachung vom 23. März 1916 und der§Z 263(Betrug) und 253 R.Sl.G. (Erpressung). Der Vorstand sieht dem Ausgang des Ver- fahrens mit Ruhe entgegen. Soziales. Baustoffbcschaffuug. Die Baustoffbcschaffuug für den so notwendigen Klein» Wohnungsbau wird sehr erheblichen Schwierigkeiten begegnen. Und doch müssen Mittel und Wege gefunden werden nickt nur zur Be» schaffung dieser Baustoffe, sondern auch zur Lieferung derselben zu einem erschwinglichen Preise, damit nicht durch die teuren Baustoffe die Mieten in die Höhe gelrieben werden müssen. Landeswohnungs» rat Dr. Löhner in München hat deshalb für die Baustoffbeschaffung eine Reihe von Leitsätzen aufgestellt, von denen einige hier ange» führt seien: Die Demobilmachung der militärischen Baustoffe ist die un» mittelbarste Abhilfe. Es bandelt sich dabei um die planmästige Verwertung der im Besitz der Heeresverwaltung befindlichen und nach Abschluß der Kampshandlungen entbehrlichen Vorräte an Bau» stoffen zu angemessenen Preisen. Diese militärischen Baustoffe sind grundsätzlich bürgerlichen Zwecken und vorzugsweise dem Bau kleinerer und mittlerer Wohnungen vorzubehalten. Soweit öffent» liche Bewirtschaftung von Baustoffen auck nach Friedensschluß statt- findet, sind folgende Forderungen zu erfüllen: s) Dem Handwerk ist von vornherein ein bestimmter Anteil vorzubehalten. Die Bedürfnisse der kleinen Baumeister und Bau- Handwerker sowie der Kriegsteilnehmer und Kriegsbeschädigten sollen besondere Berücksichtigung erfahren. b) Zur Ermiltlung des aus die einzelnen Klaffen der Ver- braucher entfallenes Anteils an Baustoffen sind auch die gesetzlichen und wirtschaftlichen Organisationen vom Bauhaiidwcrk und Bau» gewerbe heranzuziehen. c> Die Verteilung und Vermittlung der Baustoffe hat unter dem Gesichtspunkt zu geschehen, daß die vermittelten Baustoffe dem letzten Vetbrauchcr noch so billig wie möglich zugewiesen werden können, uin eine Verteuerung der Neubaukosten und damit eine Erhöhung der Mieten zu verhindern. (1) Das Neichswirtschaftsamt wird ersucht, darauf hinzuwirken, daß die für den Bau von mittleren und kleineren Wohnungen be- nötigten und von den Verbrauchervereinigungen unter Befürwortung der Gemeinden angeforderten Mengen zeitlich vorzugsweise frei- gegcbeil werden. � Angesichts des Zeitaufwandes, den die Neuerzeugung von Bau» stoffen erfordert, ist diese Erzeugung nach Möglichkeit bereits jetzt in Angriff zu nehmen, jedenfalls aber sind alle Vorkehrungen ,u sofortigem Beginn nach Friedensschluß jetzt schon zu treffen. ES kommen insbesondere in Betracht: a> Rechtzeitiger Holzichlog, Wiederinbetriebsetzung einer größeren Anzahl von Ziegeleien, b> Zu« Weisung von Kohlen, Gefangenen. Beförderungsmitteln. Berück» sichtigung von Reklamationen für die betreffenden Betriebe. Auch für die Herstellung von Möbeln sind derartige Mastregeln er- forderlich. Die Unfallverhütung der Bcrnfsgenosscnschafteu. Die Rcichsversicherungsordnitng verpflichtet die Berufsgenossen- schaften zur Ergreifung verschiedener Maßnahmen zur Verhütung der Betriebsunfälle. Das Reichsversicherungsamt hat auch während des Krieges die Bcrsichcrungsträgcr wiederholt aufgefordert, in der Pflege der Unfallverhütung nicht zu erlahmen. ES prägte in einem Erlasse die Worte vom Menschen als der lebendigen Wertquelle, dessen Schutz gesteigert werden müsse. Wie sieht es nun mit dieser Unfallverhütung in der Praxis aus? Von den bestehenden 68 ge- werblichen Berufsgcnossenschaftcn haben nur 64 technische Aufsichts- bcamte angestellt, und zwar insgesamt 394. Bei den 49 landwirt- schaftlichen Berufsgenossenschasten sind 65 solcher Beamten an- gestellt. Ein großer Teil dieser Aufsichtsbeamten ist aber zum Heeresdienst eingezogen und viele Berufsgenossenschaften besitzen zurzeit überhaupt keinen solchen. Die von den Aufsichtsbeamiea nachgetviesencn Revisionstage verminderten sich von 63 480 im Jahre 1912 auf 35 145 im Jahre 1916. Die im besonderen auf die Betriebsbesichtigungen entfallenden Tage nahmen in derselben Zeit von 46 507 aus 25 363 Tage ab. Die übrige Zeit verbrachten die Auffichtsbeamten nnt anderen Dienstgcschästen, die man ihnen leider auferlegt hat, wie die Lohnbuchvrüfungen, die Beauffickitigung der Rentenempfänger usw. Am verhältnismäßig besten ist die Be- triebsüberwachung im Baugewerbe noch durchgeführt. Bei den Baugcwcrks-Berufsgenossenschasten und der Tiesbau-Berufsgenos- senschaft sind insgesamt in den als überwachungSbedürstg im Jahre 1916 nachgewiesenen 41 047 Betrieben 67 127 einzelne Besichtigungen ausgeführt worden. Bei den übrigen Berufsgenossenschasten sind von 570 499 als vorhanden nachgewiesenen Betrieben 53 482 besich- tigt worden. Das sind noch nicht einmal 10 v. H. Vor dem Kriege waren es inimer rund 20 v. H. Der 8 875 der RcichsversicherungS- ordnung �lästt zu, daß als Auffichtsbeamte auch Personen angestellt werden können, die früher den versicherten Betrieben als Arbeiter angehört haben. Von dieser Möglichkeit ist bisher in keinem einzigen Falle Ge brauch gemacht worden, obgleich, wie die angeführten Ziffern zeigen, reichliche Notwendigkeit dazu vorlag. Leider verhält sich in diesem Punkte auch das Rcichsversicherungs- amt ablehnend. Die früher erfolgte Zusammenstellung der Jahres- berichte der AussichtSbcamten(ähnlich der der Gewerbeinspektoren) unterbleibt während des Krieges. Auch der Erlast von Unfallvcrhütungsvorschriften hat durch den Krieg Störungen erlitten. Die Aufstellung neuer Normal-Urnall- vcrhütungsvorschristen für die Metallindustrie konnte nicht nbge- schlössen werden: einzelne landwirtschaftliche Berufsgenosscnschafien konnten überhaupt noch nicht zur Einführung von Unsallverbütungs- Vorschriften gebracht werden. Die Zusammenkünfte der Vertreter der Versicherten bei den einzelnen Berufsgenossenschasten zur Be- ratung der Unfallverhütungsvorschriften, um gemäß Z 857 der Reichsvcrsicherungsordnung Stellung zu den alljährlichen Berichten der technischen Auffichtsbeamten zu nehmen, litten unter mancherlei Beeinträchtigungen. Das ist um so mehr zu bedauern, als daS RcichsversicherungSamt selbständig berichtet, d-ast diese Besprechun- gen zu mancheii Anregungen führten. Bei vielen Genossenschaften sind übrigens diese Vertreter längst nicht mehr vollzählig Vorbau- den. Im Jahre 1916 wurden in der Unfallversicherung für die IIn-� fallverhütung 214 Millionen Mark ausgegeben. Bei der Gesamt-' ausgäbe von über 2Z0 Millionen Mark jedenfalls recht wenig. ?ugenüveranstaltungen. Neukölln. Sonncnwendjner am 22. Juni in den Gosener Bergen. Treffpunkt Sonnabcod. abends 9 Uhr. am Görlitzer Bahnhof, rsiir Nach. zugler Trefipiinkt Sonntag morgen 9 Ubr. Görlitzer Bahnhof. Anschlietzend an die Feier: Badcparlie nach ZiegenbalS. v>ettcrauStich«cii'itr das mittlere Norbbeutsitlnnd bit Sonnabend nitting. Mäßig warm, zeitweise heiter, jedoch vorherrschend wolkig, strichweise Gewitterregen. verantwortlich für Politik: Erich Rnttnet, verlin: füt den übrigen Teil be» TIattes: Aisred Neukölln: für Anzeigen: Theobor Glocke, Berlin. Verlag: VorwärtS-Verlag G. m b. c- Berlin. Druck: Vorwärls-Buchdruckerot und LerlagSangall Paul Einger u. To. in Berlin, Lillbenslrahe 3. Nr. IHK ❖ ZS. Jahrgang Seilage öes vorwärts Irekiag, 21.?un!lH18 Reichstag. 17«. Sitzung. Donnerstag, den 20. Juni 1918. nachmittags 2 Uhr. Am Bundesraistisch: Kommissare. Aus der Tagesordnung stehen Mitteilungen des NcchuungshoseS zur NeichshaushaltSrcchnung 1913. Sie werden dem Ausschutz für NechnungSsachen überwiesen. Es folgen Petitionen. Eine Reihe wird debattelos den Anträgen de» Ausschusses cnt- sprechend erledigt. Der Heilmagnetiseur Weitzcnberg petitioniert um Entschädi- gung für unrechtmätzig erlittene Schutzhaft, sowie für die Erlaubnis zur Wiederausübung seines Berufs, die ihm das Oberkommando untersagt hat. Die Kommission beantragt, die Petitionen dem Reichskanzler als Material zu überweisen. Abg. Dr. Cohn-Nordhausen(Uuabh. Soz.) kritisiert da? Ver» halten der Militär- und Polizeibehörden gegenüber dem Petenten, der in Schutzhast genommen woiden ist, um den von ihm be- gründeten Verein, der sich mit Heilwirkungen religiöser und anderer Art beschäftigt, zu V e r ir i ch t e n. Redner beantragt, die Petitionen dem Reichskanzler zur B e r ü ck s i ch t i g u n g zu überweisen. Unter Ablehnung dieses Antrages wird dem Antrag der Kommission entsprochen. Eine Petition der Gesellschaft für Soziale Reform verlangt, datz bei staatlichen Lieferungen den kaufmännischen, tech- Nischen und Bureauangestellten angemessene Bezahlung und angemessene Teurungszulagcn durch besondere Vertragsklauseln gesichert werde. Abg. Sachse lsoz.): Sticht nur die staatlichen Betriebe sollen Musterbetriebe sein, sondern der Staat soll überhaupt ein muster- gültiger Arbeitgeber auch insofern sein, datz er darauf achtet, datz bei Arbeiten, die für ihn ausgeiührt iverdcn, stets anstän digc Arbeitsbedingungen vorhanden sind. Deshalb sind die Forderungen dieser Petition durchaus berechtigt. Die Petition wird dem Antrag der Kommission entsprechend dem Reichskanzler als Material überwiesen. Es folgen Berichte des Ausschusses für Handel und Gewerbe über Petitionen! sie werden entsprechend den Anträgen des Aus- schusscS debattelos erledigt. Nächste Sitzung Freitag 2 Uhr. Anfragen. Friede nsver« trag mit Rumänien, Etat des Pensions'ondS, Aenderung des KriegssteuergesetzeS, Novells zum Besoldungsgesetz. Echlutz ZV« Uhr.____ 24. Generawersammkmg ösr Groß- Cinkaufsgesellschast. Köln, 19. Juni. Die 24. ordentliche Generakversammlung der Grotzeinkaufs- gesellschafl Deutscher Konsumvereine tagte heute im Auschluh an den Genossenschaflstag im Gürzenich. Die Delegierten der Gcneralver- sammlung sind die gleichen>vie die vom Genossenschast-lag, nur die Zahl der stimmberechtigten Vertreter ist geringer. Den G e s ch ä s t s b e r i ch t erstattete Geschäftsführer Berg er- Hambtlrg, der den gedruckten Bericht ergänzte. Nach dem Bericht stieg die Zahl der Gesellschafter im Fahre 1917 von 874 aus 92ö. Das Warengeschäit G.E.G. hat entsprechend dem fortdauernd steigen- den Druck aus das WirtschastSlebc» eiucn weiteten Rückgang er- Inten. Der Waremimsatz ging von rund 13t Millionen Mark auf 193 Millionen Mark zurück. Durch die Nalionierung weiterer Waren wurde ein Rückgang im Umiatz der Läger um ungefähr die Hälfte berbeigeführl. Tie im Lager Gröba befindliche Kakaopackerei und Oelabfüllerei wurden völlig stillgelegt. Der Warenbezug von genosseiifchafilichen Organisationen stellte sich aus 5 304 329 M. gegen 6 694 329 M. im Vorjahr. In den Produktionsbetrieben der G E.G. brachte das Jahr 1917 für einzelne derselben starke Umsatz- rückgänge. Der Rückgang drückt sich nicht so sehr in den Wert- zahlen, als in denen der hergestellten Erzeugnisse aus. Am stärksten davon betroffen sind die Seifenfabriken, die Zigarrenfabriken und die Kautabaksabrik. Der Mangel an Rohstoffen zwang diese In- dustrien zu tief einschneidendcii kriegswirtschaftlichen Matznahmen. Der Gesamtumsatz in den Fabriken der G.E.G. betrug rund 24.5 Millionen Mark; die Betriebe beschäftigten 1214 Personen. Die Bankabteilung der G.E.G. hat im Berichtsjahr einen weiteren Aufschwung zu verzeichnen. Sie stand im Zeichen der den deutschen Geldmarkt ganz allgemein charakterisierenden Geld- flüssigkeit. Die Bankeinlagen sind wiederum gewaltig gestiegen, sie erreichten die Höhe von rund 71 Millionen Mark gegen 43 Mill. Mark im Vorjahre.— Nach der Bilanz, die in Aktiva und Passiva mit rund 134,9 Millionen Mark abschlietzt, beträgt der Rein- gewinn der G.E.G. rund 1 486 999 M. gegenüber 2 176 999 M. im Jahre 1916; er ist also zurückgegangen. Der Berichterstatter ging auch auf die öffentliche Be- wirtschaftung ein und betonte dabei, diese hätte viel einfacher und besser durchgenihrt werden können, wenn sie mehr nach kauf- männischen Grundsätzen geleitet und die genossenschafilich-ir Ein- richtungen von vornherein zur Bedarfsregelung herangezogen worden wären. Hoffentlich gehe eS bei der Uevergaugswirtschaft besser- es werde nicht unversu-vt bleiben, die G.E.G. dabei zur Geltung zu bringen. Die G.E.G. ist an 16 Kriegsgesellschaften beteiligt. Den Revision sberrcht gab B a st l c l n- Hamburg. Die Revisionskommission hat festgestellt.� datz die Bilanz richtig ist und beantragt Entlastung der Geschättsführer. Nach einer kurzen Aussprache, in der die Forderung der Produktion alkoholfreier Weine durch die G.E.G. gewünscht wurde. genehmigte die Generalversammlung die Jahresrechnung und ent- lastete die Geschäftsführer und den Knfsichtsrot. Der Reingewinn kommt entsprechend dem Vorschlag der Geschäftsleitung und des ÄuffichtS ates zur Verteilung. Als Revisor wurde Herr G a u tz- Stuttgart wiedergewählt. Für den verstorbenen Geichäflsführer Würfel, dem der Vorsitzende einen ehrenden Nachruf widmete, wurde der bisherige Leiter der Seifenfabrik Gröba-Risa, Petzold, als Geschäfts- führer gewählt. Bei �er W a h l d c§ A u f s i ch t s r a t s wurden die ausscheidenden Mitglieder B ä st l e i n sHamburg), Braun «Gmünd). Kaufmann lHamburg), Klötzel tNürnberg). Schulze(Halle). B ö s ch(Cannstatt), wieder und Hans Bauer (München) neugewählt. Damit war die Tagesordnung erledigt. An die Tagung siblotz ach die 6. Generalversammlung der V-rlagögcscllschaft deutscher Konsumvereine, in der mehr interne Punkte erledigt wurden. GroMerlw Die geheimnisvollen Adressen. In einer Konferenz mit Preflevertretern machte ein Magistrats. Vertreter zahlenmätzige Angaben über die in letzter Zeit nach Berlin gelangten Zufuhren von Gemüse und Obst. Die Zufuhr hat fiÄ hiernach in den letzten Tagen zwar gehoben, sie reicht aber zur Deckung des Bedarss nicht aus; doch ist der Magistrat bemüht, die /Zufuhr zu vermehren und heranzuschaffen, was irgend zu haben ist. Im Anschluh an diese Mitteilungen kam Oberbürger- meister W e r in u t h— und das war wobl der eigentliche Zweck der Konferenz— auf die in der Miltwochnummer des.Vorwärts" enthaltenen Angaben zu sprechen, die ein Vertreter unseres Blattes bei einer Pressekonferenz mit Herrn v. Tillh gemacht hat. Diese Angaben— sagte der Oberbürgermeister— seien für den Magistrat sehr kränkend. Es handle sich uin die Herren Bürger- meister Reicks und Stadtverordneten vor st eher Michelet. Die Sache habe aber durchaus nicht deu Charakter einer Heimlichkeit. Sie fei ganz harmlos. Herr Michelet habe vom Gute Falkenberg sechs Mandel Kohlrabi und 19 Pfund Mohrrüben bekoinmen, autzerdem zehn Köpfe Salat. Bürgermeister Reicks habe zwei Wochen hintereinander von der G. m. b. H. Ge- nrüfe in ungefähr denselben Mengen bezogen. Die erwähnte G. m. b. H. habe die Magistratsware zu ver- teilen, sie sei aber auch befugt. Geschäfte auf eigene Rechnung zu machen. In der Regel werde die Ware waggonweise an den Grotz- Handel, und nur ausnahmsweise an Kleinhändler oder Verbrauckier abgegeben, die sich rnfolge von Beschädigung oder wegen drohen- den Verderbens nicht zur Weitergabe an den Handel eignet. In solchen Fällen würden bcrücksichligt die Angestellten und Arbeiter der G. in. b. H., Bcamteiiorganiiationen könglicher Behörden und von Korporationen, sowie Angestellte von Privatunternehmungen, Wohlfahrtsvereinen, Sanatorien und auch Einzelpersonen. Der Magistat habe dies Verfahren der G. m. b. H. ausdrücklich ge« billigt. Wie Obeibürgerineister Mermuth sagte, könne nicht an- erkannt werden, datz Mitglieder städtischer Küperschaflen deswegen, weil sie Beamte der Stadt sind, hinter den Beamten, Arbeitern und Angestellten anderer Organisationen zurückstehen sollen. * Herrn Oberbürgermeister Mermuths Aerger ist begreiflich, seine Entrüstung über uns aber durchaus unangebracht. Nach seinen eigenen Angaben bleibt die Tatsache bestehen, datz zu einer Zeit, in der Gemüse und Obst für die große Masse der Berliner Bevölkc- Monnenten, öie verreisen, können üen„vorwärts" auf kürzere oder längere Zeit per Kreuzband nachgesandt er- halt«!, slußer dem flbonnementspreis find für Deutschland und Gesterreich-ilngarn per Woche$0 Pf., nach Sem Auslände 1,5S M. zu zahlen. Unsere psstbezieher müssen öie Nachsendung des„vorwärts" mindestens acht Tage vor der Abreise bei ihrem zu- ständigen Postamt mit gleichzeitiger Zah- lung der Ueberweisungsgebühr beantragen. rung entweder unerreichbar oder selbst bei stundenlangem Anstehen nur in minimalen Ouantitäten zu haben war. kommunale Häuplcr mühelos diese Waren in recht erheblichen Mengen ins Haus geschickt erhielten. Denn dabei, datz es sich um erhebliche Mengen handelt, bleiben wir trotz Herrn Mermuths Angaben nach wie vor. Natürlich nicht erheblich im Verhältnis zur Gesamtver- sorgung Grotz-Berlins, aber sehr erheblich im Verhältnis zu dem, was in dieser Zeit auf den Kopf der Bevölkerung kam. Namentlich Herr Reicke sollte doch ruhig zugestehen, datz er recht gut beliefert worden ist. und sollte sich nicht dadurch decken, datz Herr Michelet weniger als er erhalten hat. Herr Reicke sollte schließlich auch nicht die Behauptung seines Amtskollegen unwidersprochen passieren lassen, datz die ihm gelieferten Waren dem Verderb ausgesetzt waren, denn datz m Berlin Kirschen, Stachelbeeren, Kohlrabi usw., selbst in größeren Mengen, nur dadurch vor dem Verderb bewahrt werden können, datz sie in die Küche des BiirgenneisterI wandern, klingt nicht weniger als Ivahrscheinlich. Wir haben übrigens die genannten beiden Herren lediglich als Beispiele herausge- griffen, weil wir nach den Vorgängen in der Pressebesprechung ver- schicdentlich um Angabe von Namen gedrängt worden sind, und weil wir annabmen, daß an diesen beiden die Oeffentlichkcit zu- nächst das meiste Interesse hätte. Vielleicht hätten wir in jener Pressebesprcchung von der Aufrollung der Sache überhaupt Abstand genommen, wenn nicht ein den fortschrittlichen Konimunalkreisen sehr nahestehender Herr sich so gewaltig über den Abfluß von Obst und Gemüse durch geheime Kanäle entrüstet hätte. Städtische Wohnungsfürsorge. lieber die Maßnahmen, mit denen der Magistrat der drohenden Wohnungsnot zu begegnen denkt, teilt Stadlrat Löhning in einer Konferenz mit Vertretern der Presse folgendes mit: Nach sorgfältigen Ermittelungen.beträgt der Bedarf an Wohnungen für die heimkehrenden Krieger in Berlin 15 999, in Grotz-Berlin 39 999. Dazu kommt der laufende Bedarf von jähr- lich 5999 Wohnungen in Berlin, 19 999 in Grotz-Berlin. Nach der letzten Wohnungsstatistik, die im Mai 1917 ausgenommen wurde, gab es in Berlin 34 599 leerstehende Wohnungen, darunter' 26 999 Kleinwohnungen In 45 Vororten standen 12 899, davon etwa 8999 Kleinwohnungen leer. Nach An- ficht der Statistiker hat sich die Zahl der leerstehenden Wohnungen seit 1917 erheblich verringert. Der gegenwärtige Bestand wird für Berlin ans 14 999. für die 45 Vororte auf knapp 5999 geschätzt. Die vorbandene Wobnungsreserve genügt also dem Bedarf nickt, es mutz dcsbalb auf andere Weise für Befriedigung des Bedarfs an Kleinwobnunge» gesorgt werden. Der Magistrat denkt an die bauliche Instandsetzung vorhandener Wohnungen, ferner an den Umbau der leerstehenden Läden und Geschäftsräume(das sind in Berlin etwa 19 999, in den Bororten etwa 5999). Weiter lönnen städtische Gebäude zu Wohnzwecken benutzt werden. Die Freigabe von Dach- und Kellerwohnungen kommt kaum in Frag-, da ihre Zahl gering ist. Hinler den angegebenen Mahnahme» steht die Notwendigkeit von Neubauten, seien es Baracken oder feste Baulichkeiten. die nach Ausnutzung der angeführten Möglichkeiten ins Auge gefatzt sind. Das notwendigste für diesen Zweck ist die so- forlige Beschaffung von Baumaterialien. Hierzu hat der Magistrat einen Kriegsvorschutz von fünf Millionen Mark bei der Stadt- verordnetenversammlung beantragt. Da das Wohnungsproblem nur im Zusammenarbeiteil mit den Vororten bewältigt werden kann, wird die Schaffung eines Wohnungsverbandes Grotz-Berlin angestrebt. Diese Bestrebungen dürften in nächster Zeit zum Ziele führen._ Höchstpreise für Wohnungen. Der Mieterbund Grotz-Berlin hat beschloffen, folgende Re- solution dem Staatskommissar für das Wohnungswesen zu unter- breiten: Die Mieteinigungsämter und die bestehenden Mieterschutz- bestimmungen zur Verhütung von übermäßigen Mielsteigerungen haben sich in Grotz-Berlin als unzulänglich er- wiesen. Eingreifende gesetzliche Maßnahmen sind erforderlich. Der Mieterbund Grotz-Berlin erachtet Höchstpreise für Mieträume als geeignetes Mittel und schlägt den Er- laß folgender Nolverordimiig vor: I. Eine Steigerung des Mietzinses ist nur in Forin von Zuschläge» zum Friedcnsmietzins zulässig. II. Friedeusmietzius tst der für den 1. August 1914 vereinbarte, sonst der damals angemessene Mietzins. III. Als Höchstzuschläge sind bis auf weiteres zulässig: 15 Pro,;. bei Mielräumen mit zeulraler Heizung und Warmwasierversorguug. 8 Proz. bei solchen ohne zentrale.Heizung, 5 Proz. bei iolcken ohne zentrale Heizung nud ohne Warmivasierver!org»ng. IV. Die Fest- setzung der Zuschläge in diesen. Nahmen erfolgt auf Antrag des Mieters durch das EinigungSamt und, wo ein solches nicht besteht, durch das Amtsgericht. Die Bemessung der Zuschläge erfolgt nach Matzgabe der Erhöhung der Hausunkoste». Bei der Steigerung für Kriegsteilncbiner, Kriegsbeschädigte und Kriegcrwitwen müssen deren wirl'schafiliche Verhältnisse berücksichtigt werden. Eine Kündigung darf in diesen Fällen bis zu zwei Jahren nach Friedensschluß von dem Vermieter nicht erfolgen, wenn nicht grobe Verstöße des Mieters vorliegen. V. Die Vereinbarung und die Zahlung höherer Zuschläge wird mit... bestraft. VI. Diese Verordnung tritt am 16. Oktober 1918 in Kraft.__ Nriegsbeschädigtenfürsorge. Die beste Fürsorge, die inan den Kriegsbeschädigten erweisen kann, ist die, datz man— soweit es die Art der Beschädigung zu- läßt— ihre Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wieder herstellt. Dies Ziel hat sich das Kaiser-Wilhetnl-Haus, ein aus deu Miltein einer privaten Stistung ins Leben gerufenes Institut, ge- steckt. Ueber die Einrichtungen, den Betrieb und die Erfolge des Kaiser- Wilhelm- Hauses hielt dessen Chefarzt, Oberstabsarzt Dr. Mannheini, am Dienstag einen durch kinematographijchc Vorführungen illustrierten Vortrag in der Urama. Das Kaiser-Wilhelm-Haus unierhält im Langenbeckhause in der Ziegeistratze eine mit modernen Maschinen und Werkzeugen ans- gerüstete AusbildungSwerkstalt. Die Kriegsbeschädigten, die hier als Berufsarbeiter ausgebildet werden, sind als kriegsunbrauchbar aus dem Lazarett entlassen, sie stehen aber noch iin militärischen Dienstverhältnis, sind kasernenmätzig einquartiert, die Ausbildung gilt als militärischcr Dienst lind ist militärisch organisiert. In de: Werkstatt werden nur Arbeilen für die Kgl. Gewehrfabrik>n Spandau ausgeführt. Ein Ingenieur, ein Meister und mehrere Vorarbeiter leiten die Ausbildung uuler ständiger ärztlicher Kontrolle. Die ärztliche Nack- behandlnng durch Massage/Heitzlust, Elektrizität usw. erfolgt während der Arbeitszeit, bie auf 8 Süuiden täglich bemessen ist. Die Arbeil wird nach den ortsüblichen Stücklöhnen bezahlt. Das Kaiser- Wilhelm-HauS hatte anfaugS nur lriegsbeschädigle Arbeiter der Waffen- und Eisenindustrie aufgenommen. Später erstreckte es seine Tätigkeit auch auf Arbeiter anderer Berufe, die insolge der Be- schädigung ihren erlernten Beruf nicht mehr ausüben konnten und nun zu Arbeitern der Waffenindustrie ausgebildet wurden. Wenn die Ausbildung vollendet ist, werden � die Kriegsbeschädigten aus der Werkstatt und ans dem Militär- Verhältnis entlaffcn, um wieder als Arbeiter in die Industrie einzutreten. Das Kaiser-Wilhelm-Haus wurde am 1. Mai 1916 eröffnet. Es hat bis zum 1. Januar 1913 den Industrien de, Eisen- und Waffenindustrie 583 Kriegsbeschädigte zugeführt, welche durch die Ausbildung durchschnittlich 77 Proz. der Arbeitsleistung eines Vollarbeiters erreicht hatten, während bei dem Eintritt in die Anstalt die Arbeitsfähigkeit im Durchschnitt auf 36 Proz. herabgemindert war. Filinvarsiihrungen gaben uns einen Einblick in den Betrieb d«-? Kaiser WilhelmH-auses. Ww sahen Männer mit nur einer gesunden Hand, während die andere durch deu Verlust mehrer Finger ver- ftümmelt war. Sic alle batteu gelernt, die verstümmelte Hand so geschick zu benutzen, datz sie mit bewundernswerter Fertigkeit am Schraub- stock und an der Drehbank arbcilelen. Ebenso flott arbeiteten andere Mänucr mit einer völlig gelähmten Hand, die durch sinn- reiche Stütz- und Haltevorrichumgen oerwendiiiigsfähig gemocht war. Wenn für die Filmaufnahmen nicht etwa besonders günstige Fälle ausgesucht sind, sondern wenn sie den Durchschnitt der Aus- bildungserfolge wiedergeben, dann mutz anerkannt werden, datz die Ausbildungsmethode des Kaiser-Wilhelms-HauseS sehr gute Resultate erzielt. Neben dem sozialen Gedanlen, die Kriegsbeschädigten wieder zur Eiwerbssähigkeit in ihrem Berus herauzubilden, ist im Kaiser- Wilhelm-Hause auch der Gesichtspunkt niatzgebend: der Waffen- Industrie noch während de? Krieges brauchbare Arbeiter znzusühren. Man darf wohl fragen, ab unter diesen Umständen die Ausbildung nicht so einseitig ist, datz es den Kriegsbeschädigten, wenn die Ar- beusgelegenheit in der Waffenindustrie nach FriedenSschlntz zurück- geht, schwer tvird, durch Berufsarbeit ihren Erlverb zu finden. Notwendig und wün'chsnswert ist die Schaffung von Aus- bildungswerkstätten mit öffentlichen Mitteln, wo möglichst für all« Berufe Kriegsbeschädigte ausgebildet werden. Nur so kann das soziale Ziel: den Kriegsbeschädigten die Erwerbsfähigkeit als Ar- beiter zurückzugeben, erreicht werden. Rezeptzwang für baiimwollcnc Bcrbandswatte. Durch Bekannt- machung der Reick sbekleidungsstelle ist mit Wirkung vom 9. Juni auch für baumwollene BerbandSwatte der Rezeptzwang eingesühn worden. Die Verkäui'er werden deshalb gewarnt, baumwollene Verbandswatte ohne ärztliche Verordnung abzugeben, da sie sich sonst strafbar machen. Nähgarn für Brcniicsscln. Die Nesiel-Anballgesellschaft, Berlin �V8. gibt allen Sammlern von Brennesseln, die zehn Kilo trockne» Stengel durch den Verlranensmanir der Gesellschaft abliefern, außer dem Sammellohn ein Wickel schwarzes oder weißes Nähgarn anS Breiincsselmischgarn. „Der Wahre Jacob" ist eingetroffen und gelangt heute zur Ausgabe. Ein Volkskonzert des Philharnionischen Orchesters findet beute in der Philbannonie, Bernburger Straße 22/23, statt. Vcgiim des Konzerts 8 Uhr. Eintrittspreis 39 Pf., Kasseneröffnung 7 Uhr. Tie Lichtspiele Neue Philharinonie, Cöpcnicker Straße W/g7. bringen am 21. zwei Uraufsührungcn, und zwar.Die Töchter des Herrn von Dornberg" und.Slomau der Herzogin von Corwy". Im Admiralspalast findet am 22. die 199. Aufsührung der.Vrin- zessin von Tragant" statt. Radrennen in Treptow. Der dritte Vorlauf zum„Memento 1914" vereinigte gestern Günther. Krupkat, Lewanow und Wittig am Start. Krupkat fuhr begünstigt durch viel Mißgeschick seiner Wettbewerber ein Nennen für sich. Lcwanolo und Wittig hatten unter Radschaden zu leiden, wodurch sie viel Boden verloren, und Günther gelang es nicht, seine einstmalige Klasse wieder zur Gel- tung zu bringen. Später platzte noch an Lewanows Führungs- Maschine ein Reisen, wodurch der Motorführec Bajorath kopfüber in den Jnnenraum der Bahn stürzte, ohne jedoch ernsten Schaden zu nehmen. Lewanow fiel aber dadurch vollends ganz aus dem Rennen. Im Entscheidungslauf des großen Haupifahreus gelang es Rütt nach scharfem Kampf Lorenz noch kurz vor dem Bande zu schlagen. Ein kleines Dauerrcnnen über 15 Kilometer und ein Prämien- fahren für Flieger über eine Meile umrahmten das Programm. Ergebnisse:.Memento 1914" 3. Vorlauf, 59 Kilometer: 1. Krup- kat 43 Min. 55 Eek., � 2. Wittig 2690, 3. Günther 4619 Meter. 4. Lewanow� weit zurück.— Hauptfahren Entscheidungslauf. 999 Meter: 1. Rütt 1 Min. 47 Sek., 2. Lorenz. 3. Hoffmann. 4. Häußlep, 5. Abraham.— lö-Kilomcter-Renncn: 1. Kuschkow 13 Min. 34 Sek, E Nauzokal 80, S. Schüh 560, 4. ItSerg« 690 Sfefet furrti.— Prämienfahren für Waffe 3, 1 Meile: L Petri 11 Min. 6 Sek, 2. Frciwald, 3. Dahnke._ NcnkZlln. Lebensmittel, von heute Freitag, den 51. Juni, ob dürfen in den städtischen Verkaufsstellen auf die Abschnitte 12 und IL der allgemeinen LebenSinittelkarte für Jugendliche zusammen 250 Gramm Graupen beriv. GiiiZe entnommen werden. Die Ab- fertigung erfolgt an Inhaber der Lebensmittelkarte für Jugendliche mit den Anfangsbuchstaben �~E am Freitag, F— H Sonnabend, J— K Montag, L— R Dienstag und S— Z am Mittnroch.— Vom Donnerstag, den 20. bis zum Sonntag, den 30. Juni, darf auf den Abschnitt 48 der Neuköllner Eierkarle ein Ei entnommen werden. Cüpeniif Die Sitmng der Stadtverordnete» am Freitag wird stch mit der Vorlage zu beschäftigen haben, nach der leilcnj der Stadt der Kirchengenreinde Land für die Errichtung des neuen Friedhofes in der Nahe des früheren Chauffeehause« an der Müggelheimer Chaussee zur Verfügung gestellt wird. VereilS vor Jahren hatten unsere Genossen beantragt, die Stadt tolle einen Gemeindeiriedhof anlegen, da das Verhalten der Kirchengemeinde bei Begräbnissen auf dem jetzigen Friedhof alles andere als Toleranz gegen Andersdenkende ist. Kränze mir roten Schleifen durften den Eingang zum Kirchhof nicht passieren. In der Be- Zahlung der Grabstellen niustien Außenstehende der Kirchengemeinde (Dissideiilen und Katholische usw. wurden hierbei auf eine Siute gestellt) 25 Prozent mehr blechen. Der damalige Antrag auf Errichtung de? GemeindefriedhofeS wurde abgelehnt und eine gemischte Kommission eingesetzt, deren Verbandlungen das Resultat der setzigen Vorlage ist. Nach den Bestimmungen tritt die Stadt das Gelände ab. Die Begräbniskosten sind auf 45 M. vorgesehen. In diesem Satz ist die Grabstelle, die Benutzung der Ausbewahrungs' balle und die Stellung von Trägern bis zum Grabe enthalten. Von Nichtmitgliedern der Kirchengemeinde dürfen böhcre Sätze wie bisher nicht genommen werden. Das Verbot der Kränze nm roten Ächleisen wird außer Kraft gesetzt. Laienreden bei Beerdigungen bedürfen der Genehmigung einer Kommisston, der außer dein ersten Geistlichen und einem Kirchenältesten auch ein Magistratsvertreter angeboren soll. Im großen und ganzen ist die Vorlage ein Schritt vorwärts; Vorkommnisse, wie sie bei Beerdigungen unserer Genossen vorkamen, sind in Zukunft ausgeschlossen. NowaweS. Lebensmittel. Die Ausgabe de? MnmacheznckerS und Kunsthonigs findet gegen Rückgabe der vom Kleinhändler ausgestellten Bescheinigung vom Donnerstag, den 20, bis Sonn« abend, den 22. d. MtS, statt. Grsß-Serttner parteinachrichten. Teltow. Sonnabend, den 22. Juni, abends 8 Uhr, bei Wilh. Bonow, Berliner Str. 16: Mitgliederversammlung. Tagesordnung: Vortrag des Genosien K. Wenzel. Diskusston. Bericht und Neu- wähl der Bezirksleitung. Verschiedenes. Gerichtszeitung. Der Entmündigungsprozeß des Prinzen Friedrich Leopold (Sohn), der dieser Tage zum zweitenmal das Kammergerichl beschäftigte, ist gestern entschieden worden. Die gegen den Minister des königlichen Hauses erhobene Klage wurde abgewiesen und dem Kläger wurden die Kosten des Verfahrens auferlegt.— Gegen das Urteil ist vom Kläger Berufung eingelegt worden. . Quwdm-und Qolda/imqjsmocm}� l6.-23.yLmi filis aller Weit. Schweres Strafzcnbahnnnglück. In M ü h l h e i m a. R. entgleiste ein vollbesetzter Straßenbahnwagen und stürzte eine hohe Böschung hinunter. 37 Personen wurden verletzt, viele davon schwer. Ein mystischer Iarganz. Ein Gerichtsbericht de«.Dortmunder Generalanzeigers" beginnt mit folgendem Satz: Mittels Einbruchs wurde die Wohnung eines hiesige« Amts» richters am zweiten Osterfeiertag.erbrochen und aus ihr zirka 10 Seiten Speck, ein halber Schinken und Mettwüisie, ferner eine Reihe Anzüge, Schuhe, Goldwaren, Münzen, Kognak usw. gestohlen und in einem Koffer forigeschafft. Zehn Seilen Speck! Man fragt sich erstaunt, wie es wohl der Amtsrichter, dieser Hüter der Gesetze, fertiggebracht hat. unterJnnehaltungdergesetzlichen Bestimmungen einen solchen Schatz anzusammeln. Zum Ehren-Vackpfeifen-Händel Bernstorff-Radcck. Der Baron Waller v. Radeck legr, wie er der.Schlesischen Zeitung" durch seinen Rechtsbeistand mitteilen läßt, Wert auf die Feststcllimg, daß er ein richtiger Baron sei und seine Familie nur vorübergehend das .von" gestrichen und ihrem Namen ein.e" angehängt gehabt habe. Er ist also mit der weitverzweigten Familie der NadeckeS nicht im geringsten verwandt.— Wie wir aus dem Golhaer Adelsalmanach (Band.Genealogisches Taschenbuch der Frefherrlichen Häuser*) fest« gestellt haben, bestehen zwischen Herrn Walter v. Radeck und dem bekannten russischen Diplomaten Karl Radeck-Sobelsohn ebenfalls keinerlei verwandtschaftliche Beziehungen. öriefkasten öer Reüaktion. Die juristische Svrechfiunde findet für Zibonn-nlen Lindcnstr. 3, 1. Hof liuls, parterre, am Montag bis FreUag von i bis 7 Upr, am Sonnabend von ü bis S Uhr statt. Jeder für den B r i e f l a st e n bestimmten Anfrage ist ein Buchstabe und eine Zahl als Merkzeichen beizufügen. Briefliche Ant- Wort wirb nicht erteilt. Anfragen, denen leine Abomiemenisauittung bei- gefügt ist, werden nicht beanlworiel. Eilige Fragen trage man in der Sprech» stunde vor. Verträge, SchrifistüSe und dergleichen dringe man in die Sprech- stmidc mit. W. K. ll. Sie dürfen obne Zustimmung des Ebcmannes die Möbel nicht lausen. Der Ehemann löniuc sie von Ihnen sonst züriicfverlangen, es sei denn, daß Gütertieiinung bestchi und die Frau sich als Eigen- tümerin der Möbel legitimieren kann..Die Frau und der Sozialismus* von August Bebel ist noch oorrälig zum Piciic von 4,50 M.— i'riegs- müde. 1. bis 3. Es ist ratsam, derartige Bäder nur daim zu nehmen, wenn der Arzt sie empfiehlt. 4. Tie 3iestecriniib»iS hat bis zum einein beslinimieu Termin Güiligkci!, bis zu dem sie ausgestellt ist. 5. und 6. Gewöhnlich wird Unterstützung in dem Falle nicht gezahlt, wenn sich nach Eingehung der Ehe in den ErwerbSocrhältnissen nichts geändert hat.— R. S., Pankow. Sie lönnen Hagen wegen Beleidigung gegen den Briefschreibcr. Ter Inhaber wird dann als Zeuge zur Heraus- gäbe des Briefes verpflichtet.— Vi. G. 37. Sie müssen das Mictseinigungsanit, Zimmcrstraße VO, zur Eulschcidung anrufen. — M. P. 53.' Wenden Sie sich an die Buchhandlung Vorwärts, Berlin LW 68. Lindcnsir. 3. diese wird Ihnen cm Preisverzeichnis Marxichcr Schrisien zugeben lassen.— I. B. 3. Da wir jeden Eiiizelsall nicht veröffentltchen lönnen, stellen wir Ihnen anbeim, wegen Preisübcr- fchrcitung Anzeige beim KriegSwucheramt, Schöneberg, Apostel-Paulus»• Straße 9, zu erstatten.— Pf. K. Ä7. 1. Die Juvalidenkarte behält ibie Gültigleit. Sie müssen dann, wenn Sie in Beschästigmig treten» wieder Marlen kleben.". Der Preis wird auf die Person umgerechnet. Die von Ihnen gerngie Berechnung der Geschäftsleute ist deshalb zulässig. —•£». M. 4. 1. Tie Unter stütz ung hängt von der Bedürsiigkcit ab. die in dem Falle wahrscheinlich verneint wird. 2. Es können ihr bis ll>X> M. als Absinduilg gezahlt weiden. Mit einer ciw.r zu gewährenden Kriegs- »nterflützung bat das nichts zn lim.— 4. i>. 1802, Kanlsdorf. Das entbindet nicht vom Vertrag, es kann auch evciill. der Lohn gepfändet werden.— C. 51. 30. Einer der Söhne muß noch aktiv'dienen und sür die übrigen Söbnc muß 6 Jabre a'iivc Dienstzeit nachgewiesen werden. Der Antrag ist beim dortigen Gemeindevorstchcr einzureichen.— 3t. Z. 100. In welcher Art das für Allenstein geregelt ist, wissen wir nicht. Sic müssen sich an den dortigen Magistrat wenden.— 100. p.•f>., Schöneberg. Der Mietvertrag ist durch Ihren Kauf nicht gebrochen und Sie können deshalb von der Frau nicht Räumung der Wohnung verlangen. —•&.»a. jetat ihre Vorbereitnn- g a zu treffen. Das beste ?.! Ittel, rasch n. gründlich. ostne I/ehror, durch einfachen Selbstunterricht auf ein Examen vorzubereiten, die Ei nj.-Ereiw.-Prüfung u. das Abitur.-Examon r.achzn- hclen od. che fehlenden kauf- männ. Kenntnisse rn ergänzen sowie eine Tortreffl. 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Allabendlich 7'/, Uhr: Stettiner Sänger, Reichshallen-Saal 7'/, ü.: GroSes BIQthgen-Konzert. \ atlonal-Thcate r 8 Mäusclien Musik von Walter Bromme. 31 Rose-Theater. o,. Bamifeuißej. GartcnbüHue: Aha! Was Neues! Montag, öea 24. bis Sonntag, den 30. ö. M. bleiben die Verkaufsräume für Herren-, Damen- unö Kinöerkleiöung sowie sür wajeii Ä8. Juni I!N8, abends 6ll, lllji-, im Lv.'al von Karl Benicheck, Bcrlin-Maricndorj, Chaussee- stratze 27: Ordentliche Ausschntzsitzung der Vertreter» der ülrbcjtgcbcr und Versicherten. Tancsordnunn: 1. Bericht deS Vorstandes. 2. Bericht des RechnungSauS» Ichusses. S. Abiiabinc der Jahresrechnung sür ZS17. i. Ergänzung bczw. Zlendcrung der Zß tis u. 98 der Satzung. 5. Verschiedenes. Etwaige Aufragen oder Bc- ichjocrdcn, bei denen Einsicht- !t~hnte in die Kasjcnalten er- forderlich ist, smd spätestens bis zum 25. Juni d. I. dem Vor- Iiandc schriftlich einzureichen. Vcrlin-chiariendors,. den 19. Juni 1918. 263/16 Ter Kaffcuvorftaud. Aug. L c i p, Vorsitzender. Alsgemeine Ortskrattkenkajse für ZM'WNM. Am Freitag, den 28. Juni ISlK. abends 7-/, Uhr. findet im Kassenlokal Rln.-Lichtrr- felde, Hindelibiirgdanii» IUI eine Röevll.AllssltjvWuvg statt, mit folgender Tagesordnung: 1. Verlesen deS Protokolls. 2. Neuwahl deS AuSichnsivor- standes. 3. Abnahme der JahreSrcchnung 1917 si Bericht der Revisoren. b) Bericht des Vorstandes und der Verwaltung. 4. Bericht über die Vorstands- wähl. 5. Acndcrung der Satzung und zwar der§§ 50 und 90. 6. Verschiedenes. 268/17 Berlin-Lichterselde, den 19. Juni 1918. Der Vorstand. Ha uS Fischer, Vorsitzender. MgM. kronleil- tzvss SMeliissederMiiIl- Rdeller«Li-» Sonntag, den 23. Juni, vorm. 9 llbr, im Lokal von Preuß, Dresdener Straße 10: NilgZiedervecsMMng. Tagesordnung: 1. Die bevorstehende General- Versammlung. 2. Ausstellung von Kandidaten. 3. Wahl von 4 Beisitzern. 4. Wahl der ge- samten Orlsverwattung. 5. Wahl der Revisoren. 6. Wahl des- Vertrauensarztes. 7. Vcr- schiedencs. 113/18 Die Ortsverwaltung. Wir kaufen gebrauchte Bindfaden Zelluloid-, sFilm- Hartgummi- Wachswalzeu- Schallplatten- Abfälle. O r d o w c r G. m. b. H., Gcorgcnkirchstr. 50 ib. Alc�andcrplav) Fricdrichstr. 4», Ecke Zimmerstraße. 9-12-/,. 2'/,-6'/,. SehSnheüs- tmd ßesundheifspjlei® für I>aiii«-n!* Verlangen Bio kostenfrei Prospekt. ör. Gebhard dt Clc., Berlin 118, Potsdamer StraBe 104, Xn Heesen Ceiensmitteh. Obsl-unä ScmüsetuuuUunfen aluUUufi JJlaega-Sesdlschaft m.b.ß., Becün• Cempelhcf lilänncr- Gesangverein „Corbeerhranz 1879". Am 17. d. M. verschied nach langem, schweremLeiden unser Vorsitzender Rjchard Bencker. Wir verlieren in dem Ver- Q storbcncn cincu lieben Freund und treuen SangcSbruder, dessen rühriger Eiser und Pflichttreue uns stets ein Vorbild sein wird. Wir werden sein Andenken ehren. Die Einäscherung findet öonnabend, den 22. d. M., ! nachmittags i'l, Uhr, im | Krematorium in Treptow- ! Baumschulcnwcg, Kiesholz- s slraße, statt. 57/7 ötumm schläft der Sängerl Ter Borstand. A.: E m i l S ch m i d t. Z ür Feldsoldalen! Veutsch-Polnlsch. 15?f. Oeulsch'AranzösischlöPf. Luchhaudlung Vorwärts. Verlio �ekdan�erGasl-lln� Schanllwlrte oeuttchlanck;. Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nach» richt, daß der Kollege Kar\ Gadegast Soldiner Str. 75, Bezirk 2, am 16. Juni verstorben ist. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet heute Freitag, den 21. Juni, nachmittags o Uhr, ans dem Eliiabelh-Kirchhos, Prinzen- aller, statt. 73/9 Tic Ortsverwaltung 8 Am Dienstag, den 13. d. M., entschlief plötzlich insolgeBlul- Vergiftung meine liebe Frau. uniere gute Mutter Letnid Reicke geb. Binse im Alter von 34 Jahren. Die? zeigen mit der Bitte um stille Teilnahme er- II gcbenst an PaulReicke nebst Kindern. Die Beerdigung findet heute Freitag, nachmittags 4-/. Uhr, von der Leichen- balle Lichtenberg, Sülistraße. aus statt. 2501b Infolge Auflösung des Hotels Zletropole. 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