Mr. 175. SS.Ichrs. BezugSpret«» «»rteyShrl. 4J*> Mk. monofl, 1,801*1 fiel tni Hau». vorau»zahllar.kinz»d>» Nummern 10 Pfennig. Postbezug: Mona! Ilch, vom Postfchalter abzuholen 1�0 Mb, vom Briefträger m» Hau» ge- brach» 1,S» MI. Unter Kreuzband ffir Deuifchlarb und Oesterreich- Ungarn L,— MI. für da» übrige Ausland «.«0 Ml. monatlich. Persand WS Feld det dtretter Beftellung monatl. iMMb Postbestellungen nehmen an Däne- Marl. Holland. Luxemburg. Schweden und die Schweiz,«wgetragen w dt« Pott-ZeltungS-PreiSIisi». «vfcheint täglich. lelegramm- Adreffe» »Eozialdemokrat verlt»». Vevlinev Volksblakk. ( 10 Pfennig) Anzeigenpreis» DlesieiengeshalteneKolonelzeilelostei so Psg.„Jllein» tlnzeigeu", da» fetigednuste Wort 30 Pfg. ijniSffig 2 fettgedruckte Sorte), ,edes weitere Wort 18 Big. Steilcngeiuche und Schlafstellenanzeigen das eiste Wort 20 Pfg., jede» wettere Won lv Pig. Worte über lk Buchltade» zäbicn iür zwei Worte. TeueruiigSzufchlag iO'iy gamilien-Nnzeigen, volitiube und gewerifchastliche Perein«. Anzeigen So Psg. die Zeile. Anzeigen säe die nächste Nummer müssen bis 5 Ilde nachmitiag» im Hauptgeschäft Oerltn 623.68, Lindenstratze 8, ablegeben «erden. Seäffnet don 8 Uhr früh di» 7 Uhr abend». Zcntralorgan der rozialdcmokratt fehen Partei Deutfchlands. Neöaktion: SW. öS» �inüenstrahe 3. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Sir. ISI Sv— 1S1 97. Freitag, den 28. Juni 1918. ExpeSition: SM. 68, Änöenstraße 3. Fernsprecher: Amt Mortnvlan, Nr. 15190—151 97. Der Kongress der englischen Arbeiterpartei. die Jahresversammlung üer englischen Arbeiterpartei. Ter Zweck der neuen Partcivcrfassnng.— Ter Sieg als Bor aussetzung für endgültigen Frieden.— Aushebung des Burg friedens.— Tie Arbeiterministcr dürfen im Amt bleiben. London, 2g. Juni. Die Jahresversommlung der Arbeiterpartei wurde heute in der Haupthalle von Westminster eröffnet. Mit Rück ficht auf die Wichtigkeit der zur Verhandlung stehenden Fragen, wie Aufhebung des Burgfriedens und Angliedernng von Berufs- und anderen Vereinigungen an die Partei, waren mehr als tau send Abgeordnete erschienen, eine Zahl, die die der früheren Jahre weit Übertrifft. Außer den englischen Abgeordneten sind mehrere hervorragende ausländische Arbeiterführer der Einladung der Arbeiterpartei gefolgt. Unter ihnen befinden sich Hjalmar B r a n t i n g, der Führer der schwedischen Sozial demokratie. Albert Thomas, der frühere französische Muni tionsminister, ferner der belgische Minister und Vorsitzende des internationalen sozialistischen Bureaus Band er Velde, der Se- kretär des internationalen sozialistischen Bureaus C a m i l l e HuysmanS, der Führer der franzosisiHen Mchrheitssozialisten L o n g u e t, und der Führer der französischen Minderheitssozialisten Renaudel. Den Vorsitz führt W. P u r d y von der Werkarbeiter Vereinigung, ihm zur Seite stehen als Sekretäre Arthur Hender> s o n, ferner Sydney Webb, Ramsay M c. D o n a l d und ander« bekannt« Arbeiterführer. In seiner Eröffnungsansprache sagte der Vorsitzende Purdy: Dies ist die erste Konferenz, die unter der im Februar angenommenen neuon Parteiver» f a s s u n g stattfindet. Diese Parteiverfassung ist viel kritisiert wor den, aber der beste Weg, um die Bewegung zu konsolidieren» war nicht die Bildung einer neuen Partei, sondern die loyale Zu- sammcnarbcit aller Richtungen innerhalb der Partei. Niemals hat der Kongreß eine so groß« Aufgabe vor sich gehabt. Wenn er seine Pflicht nicht erfüllt oder infolge internationaler Zersplitte rungen versäumt, die Bewegung so zu leiten, daß st« den höchsten und wichtigsten Interessen der unteren VolkSklassen vollauf Genüge tut, so versäumt er eine nie zuvor gebotene Gelegenheit. Eine nationale Partei, wie sie jetzt angestrebt wird, kann nichtaufreinindustriellerGrundlageaufgebaut werden. Die Hoffnung der Arbeiter ist eine von einer starken politischen Partei gestützte industrielle Organisation. Di« Ar bei- t e r müssen eine hervorragende Rolle bei dem sozia- len Wiederaufbau spielen. Aber alle Hoffnung auf di« Schaffung besserer sozialer und beruflicher Lebensbedingungen nach dem Kriege hat den Sieg zur BoranSsetzung. Dieser Satz erntete allgemeinen Beifall. Prudh fuhr fort: Ich sage das nicht aus Rachsucht, sondern weil die Ar- bciterschaft der ganzen Erde für die Vernichtung de« Militarismus und des WelthcrrschaftSstrebenS, die die Politik der Mittel» mächte feit Generationen beherrschen, alles zu ge- Winnen hat. Die Rußland und Rumänien auferlegten FriedcnSbcdingungcn haben ein Helles Licht au f die Friedensbedingungen geworfen, dieunsunsereFeindeimFalleihreSSiegeS stellen würden. Wir können und wollen solche Bedingungen nicht annehmen. Die Gewerkschaften und die Arbeiterbewe- gung wollen nur einen endgültigen Frieden. Ihr« Kriegs- ziele zeigen, wofür sie unbeugsam kämpfen. Die von der Ar- beiterschaft festgesetzten Grundsätze lassen kein Zuge- st ä n d n i s zu. Sie stellen die Grundsätzo dar, durch die nach der Ucberzeugung der Arbeiter ein aufrichtiger Weltfrieden gesichert werden kann. Zur ftfruge des Burgfriedens sagte ArthurHenderson: Zum ersten Mal ist der Burgfrieden am 28. August 1914 auf vier Monate geschlossen und dann wiederholt bis zum En de des Jahres ISIS erneuert worden. Der Vorschlag, den Burgfrieden für beendet zu erklären, hat keinerlei Wide»ftand von der Regierung erfahren. Diese hat lediglich um eine klare Aeußevung der Konferenz über diesen Punkt ersucht. Es sei keinesfalls der Wunsch der Arbeiter, die Regierung auszuschalten, wenn sie diese nicht durch ein richtiges Arbeiterkabinett ersetzen könnten. Während der folgenden Diskussion griff der Präsident de? Bergarbeiterverbandes S m i l l i e die Regierung heftig an, weil sie Gästen der Arbeiterpartei die Erlaubnis, nach England zu kommen, verweigert habe. Der Redner sagte, die Arbeiterpartei sei nicht so stark, wie sie sein würde, wenn keines ihrer Miiglieder in der Regierung säße. Der Arbeiterminister Barnes sprach über die Gründe, die gegen die Annahme der Resolution sprachen, und sagte, Person» l i ch würde er es alz große Entlastung empfinden, wenn er fein Amt aufgeben könne, aber er fei in Uebereinstim- mung mit dem auf der Arbeiterlonferenz ausgesprochenen Beschluß der Arbeiterpartei in die Regierung eingetreten und er werbe nicht«her gehen, als bis die Arbeiter sich auf ähnliche Weis« in anderem Sinne aussprächen. Tie Resolution, den politischen Burgfrie den aufzuheben, wurde mit 1704 00» gegen 901000 Stimmen angenommen. Kerenski auf der Arbeiterkonferenz. London, 2V. Juni. sReuter.) Kerenski erschien am Nach mittag auf der Arbeiterkonferenz und wurde von Henderson der Versammlung vorgestellt und mit lebhaftem Beifall empfangen. Er sagt»: Ich betrachte den Empfang, der mir zuteil geworden ist, nicht als eine Sympathiekundgebung für mich, sondern für die russische Demokratie, die für das un« allen so teure Ideal kämpft. Ich komme direkt aus Moskau und halte es für meine Pflicht als Staatsmann und Sozialist, dem englischen Volke und den Völkern der ganzen Weltmitzuteilen, daß das ruf fi f ch e Volk und die russische Demokratie gegen die Ty- rannei kämpfen. Das russische Volk kann nicht gebrochen, kann nicht unterdrückt werden. Ich glaube, ja, ich bin dessen sicher, daß das russische Volk sich Ihnen bald für die große Sache der Freiheit anschließen wird. Als Kerenski seine Red« beendet hatte, fragte«in Delegier t e r, als wessen Delegierter Kerenski spreche, und fügte hinzu: Wenn Kerenski hat kommen können, weShalb durfte Troelstra nicht koinmen? Der Vorsitzende erklärte, daß eine solche Frage gegenüber«wem Manne wie Kerenski nicht nur eine Beleidigung, sondern sogar eine groß« Beleidigung sei. Es entstand ein großer Tumult. Endlich wurde fast einstimmig beschlossen, daß der Dele- gierte, der die Störung verursacht hatte, weggehen müsse. Nach Meldungen aus London weilt Kercmski bereits seit vori ger Woche w London. Als Henderson ausrief:»Hier ist Kerenski!" kam es zu stürmischen, langanhaltenden Kundgebungen. KerenSki blieb nur wenig« Minuten auf der Konferenz. Amsterdam, 27. Juni. Heber di« tumuttarische Szene, die sich während des kurzen Verweilen» im Konferenzsaal abspielte, wind einem Amsterdamer Blatt noch gemeldet: Henderson hatte den An- trag gestellt, am Donnerstag noch einmal Broucker«, Branting, Al bert Thomas, Jean Longnet und neben Renaudel auch Kerenski ein« Rede halten zu lassen. Darauf verlangten Abgeordnete derenglischen sozialistischen Partei, unter stürmischen Protesten, daß der russisch« Gesandte der Bolschewisten in London, Litvinow, ebenfalls sprechen solle. Der Abgeordnet«, der sich den Beschlüssen der Konferenz in dieser Angelegenheit nicht unterwerfen wollte, wurde aus dem Saale entfernt. Di« bedeutendste Rede wurde gestern von dem Bizelebensmittcl- kontrolleur Elynes, der mit der Vertretung des erkrankten Lebens- mittelkontrolleurS Rhondda betraut ist, gehalten. Der Redner er- suche die Versammlung dringend, England an der Fortsetzung dcS Kriege» nicht zu verhindern und nicht z« verlangen, daß er und seine Kollegen aus dem Ministeriaum treten sollten. Er wies darauf hin, daß Kühlmann» Red« gezeigt habe, was für einen Frieden Deutschland wolle. Di« KriegSziele der englischen Arbeiter seien klar und nach sorgfältiger Vorberoiwng formuliert worden. Sie seien den deutschen Sozia- listen bekannt gewesen. Dies« hätten aber erklärt, daß dies« Kriegs- ziel« imperialistisch« Tendenzen enthalten. Nach Abstimmung über semen Antrag erklärte Henderson, daß di« Mitglieder der Arbeiter- partoi ihr Amt in der Regierung weiter ausüben könnten. Di« Schlußrede hielt ein Arbeiterführer, der der Besorg- nis Ausdruck verlieh, daß durch Annahme des Antrages ket Partei kein Gewinn entstehen würde. Seftätigung öes Zarenmoröes. Basel, 27. Juni. Wie das ukrainische Telegraphenburcau aus Kiew meldet, bestätigt sich das Gerücht von der Ermordung des früheren Zaren durch bolschewistische Truppen, die im Rück- zuge auf Jekaterinburg waren. Nach einer anderen Meldung hat ein von dem russischen Volkskommissar des Auswärtigen Tschitscherin unterzeichnetes Telegramm dem Hofamt in Darmstadt den zwischen Jekaterin- !>urg und Perm erfolgten Mord angezeigt. Die Nachrichten voni gewaltsamen Tode des Exzaren mehren sich. Man braucht sie kaum mehr zu bezweifeln. Auch Gorkis„Nowaja Schisn" meldet das Ereignis als Tatsache. Ueber die Art, wie der Mord geschehen ist, laufen verschiedene Meldungen ein. Sic stimmen nur insofern überein, als sie die Tat den Bolschewisten anhängen. Die blutig aufkochenden Wirbel der Gegenrevolution haben den Erzaren verschlungen. Das seit Jahr und Tag drohende Verhängnis ist wahr geworden. Mietsteigerungen und kein Enöe! Mietrecht ist einseitiges Recht. Ter übliche Ber- liner Mietvertrag beweist das besonders klar. Unter rassi- nierter Ausnutzung aller Bestimmungen des Bürgerlichen Ge- setzbuchs, soweit sie nicht zwingendes Recht sind, wird dem Mieter ein Haufen Verpflichtungen aufgepackt, die zu unter- schreiben sich seine Feder sträubte, wenn er vor der Unter- zeichnung die zwei Seiten eng gedruckter Paragraphen auch nur flüchtig lesen würde. Vom Recht des Mieters ist nirgends die Rede. Die kümmerlichen Ueberreste, die davon allenfalls noch im Bürgerlickjen Gesetzbuch zusammengelesen werden könnten, werden durch eine engbrüstige Auslegung in der Rechtsprechung vollends zunichte gemacht. Macht der Mieter z. V. den schüchternen Versuch, durch Klage den Hauswirt zur Erfüllung seiner Vertragspflichten zu zwingen, etwa zur ord- nungsgemäßen Instandsetzung der Mieträume, so wird er an Gerichtsstelle mit seiner Klage meist abgewiesen, ihm wird zur Vertretung seiner Forderung der Mund verboten, wäh- rend der Hauswirt breit und behäbig Auseinandersetzungen machen kann, wenn das nicht durch seinen Anwalt mit juristi- scher Spitzfindigkeit geschieht. Wie rechtlos der Mieter ist, zeigte sich in besonders abstoßender Form bei Ausbruch des Krieges. Als es damals die K r i e g e r f r a u e u nicht als ihre vornehmste Pflicht erachteten, zunächst den Hauswirt mit seiner Mietforderung zu befriedigen, sondern zuerst an den hinausziehenden Ehe- mann und die hungrigen Mäuler ihrer Nestlinge dachten, hagelte es Exmissionen und Räumungsklagen gegen sie und den Ehemann. Sie konnten beim besten Willen nicht bei der anfänglich l2 Mark inonatlich betragenden Unterstützung für sich und 6 Mark für jedes Kind pünktlich am Ersten des Mo- nats, wie es der Mietvertrag vorschreibt, den schuldigen Zins zahlen. Durch Bundesratsverordnung mußte dem Treiben Einhalt geboten werden, damit nicht die Kriegerfamilien in Masse auf den Damm gesetzt wurden. Tie Kommunalverwal- tungen mußten eingreifen und den Kriegerfrauen die Mict- zahlung durch Mietzuschüsse erleichtern, wobei den Hauswirten die Verpflichtung auserlegt wurde, daß sie bei Zahlung des städtischen Mietzuschusses einen Mietnachlaß gewähren mußten. Trotzdem kam es zu Exmissionen und gerichtlichen Räumungsurteilen, entgegen der höheren Gerichtsentschei- dung, daß die Kriegerfrau nicht exmittiert werden kann. Auch heute noch werden vereinzelt von Amtsgerichten Räumungs- urteile gefällt und kommen zur Vollstreckung, weil di? mittel- lose Kriegerfrau nicht in der Lage ist, die höheren Gerichts- instanzen zur Entscheidung anzurufen. Dann kani die Aera der forcierten Kündigungen und Steigerungen. Diese einzudämmen versuchte die Bundesratsverordnung vom 20. Juli 1917; es wurden Mict- einigungsämtcr eingesetzt, die zur Entscheidung angerufen werden können. Aber auch dieser Damm ist durchbrochen. Die M i e t- steigerungen und Kündigungen erfolgen jetzt in Berlin in so überreicher Anzahl, daß die Einigungsämter überlastet sind. Zudem erfreuen sich diese Aemter bei den Mietern durchaus nicht des allgenieinen Vertrauens. Gewiß, sie sollen nicht nur die Partei der Mieter vertreten, wenn sie aber die Partei der Hauswirte offensichtlich stützen, und über deren Anträge hin- aus Steigerungen von 33� Proz. für zulässig und angemessen erachten, dann wirken sie nicht mehr einigend im Sinne der angeführten Bundesratsverordnung, die doch sinngemäß zu- nächst zum Schutze der Mieter erlassen ist. Bei ihrem jetzigen Vorgehen verfolgen die Hauswirte Mc- thoden, die oftmals au Erpressung grenzen. Kündigung und Steigerung ist infolge der famosen Fassung der Berliner Ver- träge, wonach die Willensäußerung, an einen der Mieter ge- richtet, auch für den anderen Geltung hat, an die Frau allein zulässig, wenn der Mann im Felde steht, weil auch sie als Mieter gilt. An sie aNein richtet sich die Kündigung, da sie den Ver- trag mitunterschrieben hat. Viele Hauswirte verlangen nun von der Frau allein den Abschluß eines neuen Vertrages. Ihr Recht der Frau gegenüber wird dadurch noch uneingeschränkter. Auch drin aen sie auf Abschluß von halbjährlichen oder gar viertel- jährlichen Verträgen, und so können sie alle Vierteljahre kiin- digen und steigern. Juli und Januar aber ist kein Berliner UmzngStermin, der Mieter bekommt dann keine Wohnung und ist daher gezwungen auf die Bedingungen des Hauswirts ein- zugehen. In einem Fall kündigte der Hauswirt jetzt schon einer Frau zum 1. Avril 1919. Das ist, entgegen der vielfach verbreiteten falschen Ansicht, daß die Kündigung nur drei Monate und drei Tage vor Abschluß des Vertrages erfolgen könnte, zulässig. Er stellte dabei die Vedinqung. daß die Kündigung al§ nicüt erfolgt gilt, wenn die Frau sich mit einer Steigerung zum 1. Juli und einer nochmaligen Steigerung zum l,•Cliober einverstanden erklare. Gebt die Frau darauf ein, so bleibt es ihm immer noch unbenommen, am 28. Dezember wiederum zu steigern und zu kündigen zum Ablauf des Vertrages, näm- lich zum 1. April nächsten Jahres. Viele Hauswirte verlangen zinn 1. Dktober Mietserhöhung, obgleich der Vertrag bis zum 1. April läuft. Sie sind nicht so dumm, um nicht zu wissen, daß das unzulässig ist, aber sie spekulieren darauf, daß in Unkenntnis der Rechtslage doch mancher Mieter darauf hineinfällt. Dreimalige Steige- rung in anderthalb I obren ist daher keine Seltenheit.— Von dem gewährten Mietnachlaß treten sie zurück und verlangen nunmehr außer der vollen Miete auch noch ein? Erhöhung des Mietpreises. Diese Vereinbarungen wollen sie ohne Vermittlung der Unterstützungskommission, der gegenüber sie sich zum Nachlaß verpflichtet haben, mit der Kriegerfrau allein treffen, sie überreden die Kriegerfrau auch oft. der Steuerkasse davon keine Mitteilung zu machen, damit ihnen der städtische Mietzuschuß sicher bleibt. Die Mieter befinden sich infolge der Wohnungsnot und der Unmöglichkeit, einen Umzug bewerkstelligen zu können, in einer Zwangslage und müssen daher auf alle diese Bedingungen der Haiisagrarier eingehen. Die haben.es ihren Freunden und Bekannten, den Kriegsgewinnlern, vielfach abgeguckt, wie in KriegSzeiten Geld zu nrachen ist, und wollen ihr in Grundstücken investiertes Kapital zu möglichst hohem Zinsfuß angelegt wissen. Sie schützen bei ihren Mietsteigerungen vor, daß die Unkosten für die Instandhaltung der Mieträume außerordentlich hohe seien, dabei wird in den Micträumen seit Jahr und Tag keine Reparatur-ausgeführt, wobei wir gern zugestehen wollen, daß dies fast unmöglich ist wegen des Mangels an Materialien und Arbeitskräften. Ein Hauswirt hatte aber trotzdem die Rechnung aufgemacht, daß seine Unkosten ausgerechnet auf 74 Proz. mehr gestiegen seien. Wieso, bleibt sein Geheimnis. Um diesen wüsten Treibereien der Mietsteigerungen Ein- halt zu gebieten, haben Bebörden in einzelnen Bezirken und Städten Verordnungen erlassen, wonach Kündigungen und Steigerungen nickt für zulässig eracktet werden. Vorbildlich ist bierin eine Verordnung des kommandierenden Generals für doS 7. Armeekorps, die er auf Grund des Gesetzes über den Be- lagerungszustand hn Interesse der öffentlichen Sicherheit er- lassen hat. Danach wird den Hauswirten verboten, Wohnungen ohne Einnerständnis der Mieter zu kündigen oder nach Ablauf de? Mietver- träges an andere als die bisherigen Mieter zu vermieten oder selb st in Benutzung zu nehmen, fall? nicht der Leiter des Kommunalverbande? oder eine von diesem bestimmte Dienststelle der Kündigung z u st i in m t. Tie Zustimmung kann ins- besondere dann versagt werden, wenn durch die Kündigung die Beschaffung einer anderen Wohnung für den bisherigen Inhaber in Frage gestellt wird oder wenn der Mietpreis in ungerecht- fertigtem Maße erhöht wurde. ES wird ferner verboten, ohne Zustimmung des Kommunalverbandes die bisher als Wohn- statten dienenden Räumlichkeiten zu anderen als Wohnzwecken zu verwenden oder zu vermieten oder diese Wohnungen unbe- nutzt zu lassen, ohne sie binnen zwei Wochen freiwillig oder, falls dies nicht geschieht, auf Anforderung dem Kommunalver- bände zu einem angemessenen Preise, der eventuell durch eine Sachverständigenkommission festgesetzt wird, zur Verfügung zu stellen. Zuwiderhandlungen gegen die Verordnung werden mit Gefängnis bis zu einem Jähre oder Geldstrafe bis zu 1500 M. bedacht. Die Verordnung gilt nur für einen Bezirk. Für Berlin, wo diese Mietzustände am unhaltbarsten sind, ist eine solche Ver- ordnung nicht zu erwarten. Berlin, das Kriegsgolgatha in der Ernährung, ist jetzt auch der Platz der zügellosesten Preistreibe- reim aus dem Wohnungsmarkte. Es ist höchste Zeit, daß die Reichsregisrung regulierend eingreift. Bundesrat, hilf! Vie österreichische Mimsterkrije. Bleibt Seidler? Der Ackerbauminister Graf Silva-Tarenca scheint mit seinem Versuch einer Mehrheitsbildung durch den Wider- st a n d der T e u t s ch b ii rg c r l i ch e n zu scheitern, die in der Person des bisherigen Ministerpräsidenten eine Bürgschaft für die Verwirklichung ihrer nationalen„Belange" sehen und das Parlaiticnt zu opfern bereit sind. Wie die„Neue Freie Presse" meldet, erschienen die Abgeordneten Professor Waldner, Teufel und Freiherr von Pantz beim Ministerpräsidenten von Seidler, um ihm den Beschluß des Verbandsausschusses der deutsch- nationalen Parteien mitzuteilen und zu erklären, daß dieser Be- schluß gleichbedeutend sei mit dem Festhalten an der Person des Ministerpräsidenten. Aus einem Rücktritt des Ministerpräsidenten müßten die deutschen Parteien die entsprechenden Konseauenzen ziehen. Tollte Herr von Seidler bleiben und unter Ausschaltung des Reichsrats mit dem Notverordnungsrecht regieren, so wäre es so übel nicht, wenn sein mit Hilfe der Teutschbürgcrlichen gebildetes neues Kabinett zur Probe aufs Erempel gezwungen würde, wenn auch angesichts der innen- und außenpolitischen Anspannung nicht gerade der Zeitpunkt für waghalsige Experi- mente richtig gewählt ist. Die gestrige„Weiner Mittagszeitung" teilt mit, daß die Krise unverändert fortdauere. Tie Wahrscheinlichkeit, daß ein U e b e r g a ii g s m i n i st e r i u m mit Seidler aß der Spitze gebildet wird, werde immer größer. Jedenfalls er- wartet man, daß die Entscheidung noch im Laufe des Tages falle. wieöeraufnahme üer Arbeit in Men. Das Ergebnis der Bewegung. Betriebsversammlungen, deren Einberufung der Wiener Arbeiterrat beschlossen hatte, haben zum größten Teil den An- trag der Vertraucnsmänncr angenommen, die Arbeiter wieder auszunehmen. In Favoriten, in Ottakring, in der Brigittenau, in den kleineren Arbeiterbezirken wurde Montag gearbeitet. In Meidling und auch in einzelnen Betrieben anderer Bezirke wurde beschlossen, Dienstag die Arbeit wieder aufzunehmen. Nur in FloridSdorf haben viele Betriebe beschlossen, zunächst ab- zuwarten, wie die Arbeiterschaft der anderen Bezirke entscheiden wird, lieberall ging die Arbeitsaufnahme am Dienstag in Wrd- nung und Einigkeit vor sich. Tie ersten Lohnzuschüsse werden am SamStag, den 29. Juni, fällig. Die Unternehmer haben bei den Verhandlungen erklärt, daß sie nicht in der Lage seien, die während des vierwöchigen Provisoriums fälligen Lohnzuschüsse zu bezahlen, da dieser Bomben auf Pari?— Rege Artillerie- tätigkcit zwischen Hser nnd Marne— Französischer Borstoh nördlich St. Mihiel — Fliegcrvorstösie gegen Karlsruhe und Offenbnrg. Amtlich. Großes Hauptquartier, 27. Juoi ISIS.9ern gezeigt. Der Feind erlitt schwere Einbuße an Toten und Berwundetcn und ließ zahlreiche Gefangene in unserer Hand. Bei Ponte di Piave versuchte der Italiener in Booten unser Ufer zu gewinnen. Er wurde zusammengeschossen. Ter Ehrf de« Generalstobe». Lohnaufwand bei der Berechnung der Preise der Waren, die in diesen vier Wochen hergestellt werden, nicht kalkuliert worden sei. Um trotzdent das Zustandekommen der Vereinbarung zu ermöglichen, hat sich die Regierung bereit erklärt, den Unter- nehmcrn den Aufwand fiir die LoHnzuschiisse, die in den vier Wochen des Provisoriums gezahlt werden, zu ersetzen. Tie Zu- schlisse werden also zwar vom Unternehmer ausbezahlt, ihm aber vom Staat ersetzt. Doch gilt dies nur für die Dauer des Pro- visoriums. Tie erhöhten Löhne der endgültigen Verträge, über die jetzt verhandelt wird, werden natürlich von den Unter- nehmern getragen werden. Inwieweit die Heeresverwaltung zu diesem Aufwand dadurch beitragen wird, daß sie den Heeres- lieferanten höhere Preise bewilligt, bleibt neuen Vereinbarungen zwischen der Heeresverwaltung und den Unternehmern über- lassen._ Deutschen'�tmneftie in Rumänien. Bukarest, 27. Juni. Da» rumänische Amtsblatt veröffentlicht einen vom König Ferdinand unterzeichneten Amnestie-Erlaß. Es werden alle deutschen Staatsangehörigen, die wegen Ber- gehen« zugunsten ihres Vaterlandes oder wegen Verstoßes gegen die Ausnahmegesetze für feindliche Staatsangehörige gerichtlich verfolgt werden, begnadigt. Allen deutschen Staatsangehörigen, die wegen der obigen Vergehen bereit« verurteilt sind, wird die Strafe erlassen, ebenso allen denjenigen Deutschen, die sich während ihrer Jnternierung eine Verurteilung zugezogen haben. Die Behandlung der in Rumänien gelangen gehaltenen Deutschen war bekanntlich eine empörende. Die hefligen Proteste in der Presse der mitteleuropäischen und neutralen Länder fruchteten nicht«. Die Richtlinien öes polnischen Ministeriums. In der Sitzung de« polnischen Staatsrat«, die am Mittwoch abgehalten wurde, erhielt Ministerpräsident Steczkowski da« Wort zu einer Erklärung, worin er die Richtlinien de« Ministeriums in der inneren Politik und die dem Hause vorgelegten Gesetzentwürfe skizzierte. Indem SteczlowSki die formellen und sachlichen Schwierig- leiten streifte welche die Erfüllung des seinerzeit an- gekündigten RegierungsprogrammS verzögerten, machte er die Mitteilung, daß die Verhandlungen mit den Okkupationsbehörden betreffend die Verwaltung«» Übernahme zwar noch nicht völlig beendet, aber so- weit vorgeschritten seien, daß sie eine hinreichende Grundlage für die Arbeiten des Staatsrates schafften. NanienS der Regierung könne er die Ilcberzeugung ausdrücken, daß die Uebergabe der politischen und der Finanzverwaltung noch im Laufe diese« Jahres erfolgen könnte. Steczkowski äußerte jedoch die Vermutung, daß die Heercsfrage wie die Ueberweisung der politischen und Fina»zverwaliung im Grunde genommen mit der politischen Frage zusammenhänge, und daß sie solange nicht in einer dem notwendigenBe- dürfnis de» Staatsaufbaues entsprechenden Weise werde erledigt werden, als nicht eine politische Lösung und Regelung de« Verhältnisse« de« polnischen Staates zu den Mittelmächten eingetreten fei. Geleitet von dem Streben, für den polnischen Staat dauerhafte öffentlich- rechtliche Grundlagen zu schaffen, habe sich die Negierung im April an beide Mittelmächte mit einer Note gewandt, worin sie darlegte, was nach ihrer Ansicht in territorialer, politischer und wirtschaftlicher Hinsicht bei einem Biiiidiii« mit den Mittelmächte» für die Zukunft de« polnischen Staate« notwendig sei und vorschlug, die Verhandlungen darüber unter Teilnahme Polen« bald« möglichst einzuleiten und durchzuführen. Der deutsche Reichskanzler habe eben erst geantwortet, daß die polnischen Wünsche gründlich und wohlwollend mit der k. und l österreichisch-ungarischen Regierung betrachtet nnd erörtert würden, wobei der Reichskanzler versicherte, daß die endgültige Lösung nicht ersolgrn werde ohne Bersiändigunq mit den eigentlichen Organen der polnischen Nation. Ans demselben Standpunkt stehe auch die Leitung der auswärtigen Angelegenheiten der östemich- ungarischen Monarchie. Tie weiteren Aussührungcn des Ministerpräsidenten betrafen da« innere Regierungsprogramm und Vorlagen. Ulbert Thomas' ßrieüen mit Clemenceau. Genf, 27. Juni. Longuets Blatt„Populaire" wirft die Frage auf, was die sozialistisch? Parteileitung bei dem bevor- stehenden Eintritt?llbert Thomas inda? Kabinett Clemenc.eaus tun werde, da die Parteigruppe ausdrücklich die Varenne-Gruppe mißbilligt Habe. die Hegenrevolution in Rußlanö. Moskau, 25. Juni. Die hiesige Presse meldet: Im Gouvernement W o l o g d a gebt die Formierung der Militärkom- misfariate sehr longsam bor sich. Es herrscht großer Mangel an militärischen Sp-zioltsten. Noch einem Befehl des Mili- törkommissariats dcS Moskauer Eisenbahnbczirk? erstreckt, sich die Einberufung auch auf die Eisenbahnbeamten. Tie Petersburger Telegraphen-Agentur meldet, daß die Organisierung der sozialisti- schen Armeen gute Fortschritte macht. D>e Zeitungen in Wologda bringen Aeußerungen der Ententevcrtreter in Wologda, daß die Sowjetregierung fester stebt, als sie anfangs angenommen hatten. Nach einer Meldung der Petersburger Telegraphen-Agentur aus Taschkent ist in Buchara eine revolutionäre B e w e g u n g im Gange. Stockholm, 26. Juni. Nach einer Meldung der Petersburger Telegraphen-Agentur nahmen die Tschecho- Slowaken in.der Richtung U f a— M i a ß eine Neugruppierung ihrer Streitkräfte vor. Tie Sowjettruppen treffen Anstalten zur Verteidigung von Petro- sawodsk. Eine tschecho-slowakische Abteilung bemächtigte sich de« Bahnhofes von Nowo-Sergiewsk. Nach dem letzten.Bericht des.Ober» befehlShabers der Roten. Garden an der Front Ural— Sibirien, Berzin, haben diese den Güterbahnhof S Y S n a n an der Wolga und Rozbianka genommen. » Die Petersburger Telegr.-Agentur meldet, daß die Beisetzung des in Petersburg ermordeten Bolichewisten WolodarSki in imposanter Weise verlaufen ist. WolodarSki war Chef des ,amt- lichen* Pressebureau» von Petersburg und ggb gleichzeitig ein eigenes Blatt heraus. Die Presse hat unter ihm viel zu leiden. ge- habt,, und die Blätter aller Parteirichtungen, mit Ausnahme der bolschetvistischen, zogen de« öfteren Parallelen mjt den Praktiken der zaristischen Zensur. Unter anderem wurde WolodarSki—.allerdings nicht in den Petersburger Blättern— nachgesagt, seine Zeilungs- Verbote könnten so ausgelegt werden, als bezwecke er auf diese Weise ein Monopol für sein eigenes Blättlbcn. Mit der Ermordung des bolichewistischeu Kommissar« zieht der Terror gegen die Regierungsvertreter wieder ein, so wie er in nicht sehr weit zurückliegenden Zeiten der Zaren- Herrschaft gang und gäbe war. Wie damals, ist der von unten kommende Terror nur die Antwort auf den ungeheuren Druck von oben. Die selben Bolichewikt. die den Genossen Zereleli»Zcreteli der Blutige" nannten, weil zu seiner Zeit die Todesstrafe für be- stimmte Verbrechen an der Front zum Teil wieder eingesührt wurde, und die daraus das größte Kapital zu schlagen sich abmühten, lassen jetzt tagaus tagein Meii'chen uiederkiuiIZen, ohne daß eine Gerichtsverhandlung stattfindet! Lediglich auf Be« schluß der Kommission zur Bekämpfung der Konterrevolution und Spekulation werden wegen Vergehen, die nicht öffentlich nachgeprüft werden, Menschen dutzendweise au? dem Leben gerissen. Tiefes ungeheure Regime muß naturgemäß den Gegendruck erzeugen. die Kämpfe im venetifchen Gebirge. Wien, 26. Juni, Au« dem Kriegspressequartier wird gemeldet: Die schweren Kämpfe aus der Hochfläche der Sieben Gemeinden und ü st l i ch der Brenla dauerten am 24. 6, noch bi« in die Dunkelheit fort. Um jeden Preis wollte der Gegner seine am 13. 6. verlorenen Siellungen wiedergewinnen. Heftige, stellenweise zum Trommelfeuer gesteigerte Arlillerietätigkeit leitete seine Aktionen ein, die überall erfolglos blieben. Am Col del Rosso wie« daS Infanterieregiment Nr. 114 zwei starke feindliche Angriffe ob. Am Monte A s o l o n e, wo der Feind in den Abendstunden zum siebenten Male gegen untere Linien vor» stürmte, warf ihn der Gegenstoß unserer Reserven unier schwersten Verlusten restlos zurück. An den anderen Abschnitten der Gebirgs- front konnten unsere Feldwachen nach erfolgreichem Kampfe merk- lich vorgeschoben werden. Im Laufe der Nacht brachen mehrere feindliche Vorstöße beiderlei!« der Vreuta schon im Abwehrfeuer zusammen. In dieien Kämpien machten wir einige hundert Gefangene. Infolge der erlittenen außerordentlichen Verluste wiederholte der Gegnet am 23. 6. seine Angriffe nicht. » Bern, 26. Juni. Barzini meldet dem„Corriere della Sera" von der italienischen Front, daß die kleinen italienische» Borstöße im Gebirge an den letzten Tagen hauptsächlich unternommen wurden, um festzustellen, ob die Schlagkraft und Moral de« österreichischen Heeres durch den Piave-Rückzug e r schüttelt seien. Dies müsse nunmehr verneint und deshalb über kurz oder lang mit einem neuen öfter« reichische» Vorstoß gerechnet werden. Bern, 26. Juni. Bei einer Kundgebung der Beamten de§ Schatzministeriums anläßlich deS österreichischen Rückzuges erklärte der Schatzminister Nitli u. a., er verstehe zwar die hochgehenden Wogen der Begeisterung in Italien, empfehle aber, sich mit dem Gleichmut unerschütterlicher Zuversicht auf weitere harte Kraftproben gefaßt zu machen. Es wäre falsch, sich über die Tauer de» Kriege« Täuschungen hinzugeben. Ter Krieg werde sich noch lange hinziehen und noch lange seine stahlharte Faust fühlen lassen Der Feind werde den gescheiterten Versuch er» neuer«. Nr. 175 ❖ 55. Jahrgang Seilage des vorwärts 5re!tag, 28.�uni1918 Köhlen- unö Kartoffelversorgung Stadtverordueten-Versammlung. Mit nllen gegen eine Stimme hat der Ausschuß die Magistrats- dorlage,-wonach sür 33 900 M. ein Röntgcnapparat sür Tiefen- therapie von den Versa-Werken in sfrantsurt a. M. angeschafft werden sollte, abgelehnt und die Anschaffung eines solchen Apparats nach dem Angebot von Siemens u. Halste empfohlen. Danach kommt nur etwa ein Drittel jenes Kaufpreises in Frage; außerdem haben die Sachverständigen in ihrer großen Mehrheit anerkannt. daß auch dieser Apparat nach dem jetzigen Stande der Forschung das Beste sür die Patienten leiste. Die Versammlung tritt nach kurzer Erörterung dem Ausschuß- antrage bei. Um 6 Uhr findet die Wahl eines besoldeten Stadt« r a t s an Stelle des ausgeschiedenen jetzigen ZweckvcrbandsdircktorS Fischbeck statt. Gewählt wird mit 60 von 77 gültigen Stimmen Magistralsrat S e e k t. Magistratsrat Prerauer erhält 17 Stimmen. 14 Zettel sind weiß. Am 6. Juni haben die Stadtv. Barkowski und Gen. sSoz.) die Anfrage an den Magistrat gerichtet, ob die Zuweisungen der zuständigen Reichsstelle und die vom Koblenverband Groß-Berlin getroffenen Maßnahmen die ausreichende Belieferung der Berliner Bevölkerung mit H a u s b r a n d k o h l e n für den nächsten Winter sicherstellen?— Stadtv. Ritter gibt die Begründung der Anfrage. Er erwähnt das sich hartnäckig erhaltende Gerücht, daß das sür die Koblenstelle Groß-Berlin für 1918/19 in Aussicht gestellte Quantum nicht vollbcliefert werden wird, daß der Reichskoblenkommissar einen Abzug von 29 Proz. beabsichtigt. Stadtrat L ö h n i n g: Das ge- gebene Versprechen wird innegehalten werden; eine Absicht, das Kontingent auf 89 Proz. zusammenzustreichen, besteht beim Reichs« kommisiar nicht. Das erwähnte Gerücht ist auf ein Mißverständnis zurückzuführen. Heute steht auch fest, daß feit dem 1. Juni, dem Termin der Einsührung der Kundeuliste, das Drängen nach Kohle rasch nachgelassen hat. Bis 1. August werden die pro Karte aufgerufenen 6 Zentner Kochkohlen geliefertsein; bisEnde Ottober werden die untersten Gruppen auch vollständig für den Winter mit Ofenkohle beliefert sein, wovon auch bereits 19 Zentner aufgerufen sind. Die Be« völkerung soll aber nicht sich auf die Zufuhr verlassen, sondern die Kohlen abholen, um keine Stockung in der Zuiuhr nach Groß-Berlin eintreten zu lasien.(Beifall.)— Stadtv. H i n tz e«»»■»»M»»,»»«'»»«»»»» Die freunde unterer Geltung werden gebeten, bei ihren Husflögen und Reifen an allen TerhaufafteUen, besonders auf den Bahnhöfen den„TorwXrta" zu kaufen und ihn in den SafthSfen, Restaurants und Cafis stets zu«erlangen. Wenn der „"Vorwärts" irgendwo nicht zu haben ist, richte man gütig lt eine kurze JAitteilung an„TorwSrt8"-Terlag O. m. b. B., Bauptejcpedition, Berlin 8® 68, Linden ftr.». GroMerlln pontws Stresemann. .Was ist Wahrheit?"(Stresemann in seiner Neichstagsrede gegen Kühlmann.) Weil er mit ihr nicht ist verschwägert, beziehungsweise sie mit ihm, hat Stresemann sich überlegert: die Wahrheit ist nicht legitim! Weil er nun diese seine Meinung für göttliche Erleuchtung hält, sei er als sittliche Erscheinung vor Kühlmanns Unmoral gestellt. Denn also gilt's für heut und später: TaS Mädchen ward so viel mißbraucht, daß es nicht mal für Volksvertreter, geschweige für Minister taugt. ____ Paul che«, Neuregelung der Fischversorgung. Fisdfce gehören bekanntlich schon lange zu den Nahrungsmitteln, die nur derjenige Berliner zu genießen bekommt, der in der Lage ist, in besseren Restaurants zu speisen, wo man Fischgerichte, je nach der.Vornehmheit" des Lokals, zu größeren oder geringeren Liebhaberpreisen jederzeit erhalten kann. In Berliner Privat haushalten erscheinen Fische, abgesehen von Heringen, überhaupt nicht mehr, da sie auf den Märkten und bei den Kleinhändlern nicht zu haben sind. Um diesem Zustande ein Ende zu machen und auch dem schlichten Bürger wenigstens hie und da ein paar Pfund Fische zu erschwinglichen Preisen zuzuführen, beabsichtigt der Berliner Magistrat die Einführung der Fischkarte. Danach soll jeder Einwohner auf seine LebenSmiitelkarte'/« Pfund Fische erhalten. Diese Maßregel entspricht aber nicht dem Interesse eines Teils der Berliner Fischhändler, durch den— wie amtlich fest« gestellt worden ist— bisher volle 89 Proz. aller, auch der rationierten, Fische widerrechtlich an die Ga st wirte ab« Hin» ■nrniül Soli Sure Kohlen jetzt ad. damit Lhr nicht im Winter frieren müßt. Kohlenverdand Srost-Berlin llUlIIIl»..nlüllillllli gegeben worden sind, während diese nur 39 Proz. der verteilten Mengen erhalten sollten. Die Einführung der Fischkarte würde eine Kontrolle darüber ermöglichen, ob die Privatbevölkerung durch die Kleinhändler auch wirklich die Menge Fische erhält, die sie nach dem Verteilungsschlüssel erhalten soll. In einer Versammlung des Vereins der Fischhändler von Groß-Berlin. die Mittwoch stattfand, wurde gegen die geplante Einführung der Fischkarte und andere damit imZusammew hang stehende Maßnahmen des Magistrats ein energischer Protest erhoben. Man erklärte, daß die minderwertigen Fischsorten(Stinte, Kaulbarse, Ukleie, kleine Flundern usw.) dem freien Verkauf über« lassen bleiben müßten, weil viele Leute sie nicht haben wollten und daß andernfalls die teuren großen Fische sich nicht gerecht teilen ließen. Au» diesen Gründen sei die Fischkarte in der vom Magistrat geplanten Form ein Ding der Unmöglichkeit. Auch daß die Fischverteilung an die Gastwirte durch elf ausgewählte Händler besorgt werden soll, denen der Magistrat dann besser auf die Finger sehen kann, wurde von den Sachverständigen des FischhändlervereinS als untunlich erachtet. Wenn auch nicht zu leugnen ist, daß die Einführung der Fisch karte einigen praktischen Schwierigkeiten begegnen wird, so kann doch der bis heute bestehende skandalöse Zustand unmöglich länger geduldet werden, und wir wollen hoffen, daß dem Magistrat eine befriedigende Lösung des immerhin nicht unwichtigen Problem? gelingt. Denn obgleich die Fischzufuhr nach Berlin relativ gering ist, so darf angesichts der gegenwärtigen Knappheit doch nicht ge« stattet werden, daß auch nur ein minimaler Teil dessen, was der Ernährung der großen Massen dienen soll, in falsche Kanäle fließt. Für Kricgerfrauen keine Wohnung. Die Frau eine« Manne», der seit Jahr und Tag als Soldat im Felde steht, kam auf der Suche nach einer Wohnung zn dem Besitzer des Hauses Müllerstraße 141. dem Putzwarenhändler Reich. Dieser sowie seine Galtin verhandelten mit der Wohnung« suchenden. Aber als sie erfuhren, daß sie es mit einer Kriegerfrau zu tun hatten, brachen sie— so stellt Frau Reich selbst den Her- gang dar— die Verhandlung ab mit den Worten:„Wir haben schon acht Kriegersrauen im Hause, daS ist gerade genug I" Da« gegen behauptet die Wohnungsuchende. Herr Reich habe ihr kurz und bündig erklärt, an Kriegerfrauen vermiete er keine Wohnung, und alS sie ihm in berechtigtem Unwillen über diese örüske Ab- Weisung Vorhaltungen machte, habe sie Herr Reich in schroffer Weise aus dem Hause gewiesen. Ein Erlebnis gleicher Art schildert unS eine zweite Frau, die in demselben Hause eine Wohnung suchte und sie in Gegenwart des Herrn Reich besichligte. AlS sich die Wohnungsuchende alS Kriegerfrau zu erkennen gegeben hatte, schlug ihr Herr Reich die Vermietung ab und sagte, die Wohnung— die er der Frau eben erst zum Zweck der Vermietung gezeigt hatte!— sei bereits ver« mietet. Auch in diesem Falle folgten Bemerkungen des Unwillens seitens der Kriegerfrau und die nichts weniger als höfliche Auf- forderung zum Verlassen des Hauses durch Herrn Reich. Hiernach steht fest, daß Herr Reich zu den acht Kriegerfrauen. die angeblich in seinem Hause wohnen, eine neunte nicht mehr auf« nehmen will. Also jede Kriegerfrau, die jetzt um eine Wohnung im Hause des Herrn Reich anfragt, wird abgewiesen, und zwar lediglich deshalb, weil sie Kriegerfrau ist. Dieser Standpunkt läßt nichts erkennen von der Dankcspflicht, welche in erster Linie die Besitzenden unseren Kriegern schulden, die mit ihrem Leben die alles vernichtende Kriegsfurie von den Grenzen Deutschland» fernhalten. Unterricht im Schwimme» und Rudern. Der Magistrat Berlin teilt mit: Das Städtische Jugendamt hat es unter seinen ersten Aufgaben übernommen, Berliner Gemeindeichulkindcr im Schwimmen und Rudern auszubilden. Im BootShauS Sado'.va des Jungdeutschland-RudervereinS Berlin werden unter der lach« verständigen Leitung des verdienten Bootshausbesitzers Herrn Esch« holz die Jungen mit dem Wasser befreundet. Jede Gemeindeschule darf ans ihrer Ober- und 1. Klasse fünf geeignete Schüler ent« senden, die zweimal wöchentlich nachmittags nach Sadowa herauskommen. So sollen im Lause des Sommers im ganzen drcinial zweihundertsünfzig Jungen in drei Kursen im Schwimmen und Rudern ausgebildet werden. Das Unterrichtsgeld beträgt nur 3 M.; je ein Schüler jeder Schule erhält eine.Freistelle. Demnächst wird in Gegenwart der Eltern eine Abschlußfeier für den ersten Kursus stattfinden. Besteigung des SchöneSerger RathansturmeS. Der Schöneberger Ratbausturm bietet von seiner Plattform einen weiten Blick über Groß-Berlin und Umgegend, der östlich von den Müggelbergen und im Westen von den Havelbergen begrenzt wird. Der Turm zu dem 374 Stufen hinaufführen, erhebt sich mit der Spitze über 81 Meter von der Slraßenhöhe. Mehrfachen Anregungen der Bürgerschaft folgend, veranstaltet der Finanzausschuß der organi« sierten freiwilligen Kriegshilfe des Sonntaps 11—1 Uhr Be« steigungen des Turmes zum Preise von 29 Pf. Ter Erlös wird der freiwilligen KriegShilfe zugeführt. ZirknS Sarrafani eröffnet fein Gassspiel am 29. Juni, abend? T'/i Ubr. Sonntag finden 2 Vorstellungen statt. Nachmittags zahlen Kinder halbe Eintrittspreise. Unbekannte Frauenlciche. Am 22. vormittags 19 Uhr wurde die Leiche einer bis jetzt unbekannten etwa 27 Jahre alten Frauens« Person aus der Spree gegenüber dem Hause Holsteiner User 26 gelandet. Die Leiche bar etwa 14 Tage im Wasser gelegen. Be« schreibung: 1,64 groß, Gestalt kräftig, blondes Haar, volles Gesicht, aufgedunsen, Stirn geneigt, Augen nicht erkennbar, Nase mittel, Ohren mittel, durchkocht, lückenhaste Zähne im Unterlielcr. Besondere Kennzeichen: Linke Gesichtshälste geschwollen, anscheinend von Zahnschmerzen herrührend. Bekleidung: Blaues in sich gemustertes Kleid mit Gürtel, weißer Unterrock, rot- schwarzer gestreiiter Unterrock, weißes Beinkleid, schwarze durchbrochene Strümpfe, braune Halbschuhe, mit Stoffeinsatz, eine weiße Perlenhalskette. Zweckdienliche Mitteilungen nimmt die Kriminal« Polizei Verlin und jedes Polizeirevier entgegen. Spandau. Butter und Margarine. Am 28. beginnt der Ver« kauf der städtischen Butter aus Butterabschnitt IV der Lebcusmiltel« karte. Auf jeden Abschnitt werden 89 Gramm zum Preise von 64 Pf. verausgabt. Mit Ablauf des 4. Juli verliert der Abschnitt seine Gültigkeit.— Am 29. beginnt der Verkauf der städtische,. Margarine auf Margarineabschnilt IV der Lebensmittelkarte. Auf jeden Abschnitt werden 39 Gramm zum Preise von 12 Ps. ver- ausgabt. Mit Ablauf des 4. Juli verliert Abschnitt IV seine Gültigkeit._ CSpeiiick. Sonderznlagc von Zucker. Vom 1. vis 15. Juli gelangt Zucker als Ersatz sür die berabgeietzte Brolration zur Ver- teilung. Auf Abschnill 42 der Cöpenicker Zuckerkarte und gegen Abtrennung des Abschnittes„H" der Brotkarte der 27. Brolkaiten- woche(1.— 7. 7.) 375 Gramm Verbrauch-? zucker und 375 Gramm Zucker als Ausgleich für die herabgesetzte Brotration. Auf Ab« schnitt 42 ohne Abtrennung des Abschnittes„II" nur 375 Gramm Verbrauchszucker. Der Abschnitt„H" der 27. Brotkartenlvoche hat für die Ent« nähme von Brot keine Gültigkeit, dagegen für die Entnahme des Zuckers bis zum 15. Juli Gültigkeil. Diejenigen Cöpenicker Ein« wohner. die zurzeit der Sonderzuteilung verreist sein werden, und sich Zuckerumtauschkarten ausstellen lassen, erhalten nach ihrer Rück« kehr von der Reise gegen Vorlegung der Abmeldcbescheinigung einen besonderen Bezugsschein im Zimmer 5 des Rathauic? aus« gestellt. Auf diesen Bezugsschein ist der Zucker bei dem Händler, bei welchem der Eutuehmer in die Kundenliste eingetragen ist, er« hälllich._ Weißensee. Nährmittel sür Schwangere. Die in Weißensee wohnhasien Schwangeren, die im Juni die ihnen zustehenden tausend Gramm Nährmittel noch nicht erhalten haben, können sich den Aus« weis, der zum Empfang berechtigt, in der Schwangerenfiirsorgestelle, PistoriuSstr. 24. Zimmer 7, abholen. Die Scheine werden für die Bezugsberechtigten mit den Anfangsbuchstaben A—K an jedem Donnerstag, für diejenigen mit dem Anfangsbuchstaben L~Z an jedem Freilag von 3—5 lihr liachmiltags verabfolgt. Schwangere, die durch ärztliches Attest bereits Nährmittel erhalten, sind von der Zuweisung ausgeschlossen. Sprechstunden von Schwester Lotte Möller im Anschluß an die Verteilung der Ausweise von 5-6 Uhr jeden Donnerstag und Fre'tag. — Lebensmittel. Auf die Abschniiie 88 und 39 der alloc« meinen Lebensmittelkarte der Geincinde Berlin-Weißensee entsallcn insgesamt 359 Gramm Teigwaren und 159 Gramm S n p v c n. Zugleich mit Teigwaren und Z Uppen körijen auf Abschnitt 39 der allgemeinen Lebensmittelkarte 225 Gramm Käse entnommen werden. Die Entnahme der porbezcichncleu Nährmittel kann vom Freitag ab erfolgen. Sie muß m dem Geschäfie stallfiude», indem der Jnbaber der LebenSniillcikarte sich zum Bezüge von Nährmittel» angemeldet hat._ Lichtenberg. Ersah für die ausgefallenen Kartoffclrationcn. Die in der vergangenen Wache nicht zur Ausgabe gelangien Kartoffel« ralionen werden nicht nachgeliefert, dafür wird aber Ersatz in Nährmitteln und H ü l s e n f r ü ch t e n gegeben. Es kommen ohne Voranmeldung gegen Abtrennung der 19 schraffierten Kar« toffelabschnitte 25a, b, o, d. e je 59 Gramm zusammen 599 Gramm Nährmittel zum Preise von 36 Pf. sür das Pfund und auf die 4 lveißen Abschnitte 25 k und g zuiammen Vi Pfund Hülsenfrüchte zur Ausgabe. Die Nährmittel tönnen vom 27. ab entnommen werden. Ter Beginn des Verkaufs der Hülsenfrüchte wird durch Aushang in den Geschäften bekannt gegeben. Oberschönewcide. Die letzte Gemeindcvertretersitzuiig hatte sich mit einigen Vorlagen deS Gemeindevorstandes zu beichästigeu. Es wurde beschlossen, daß die Gemeinde sich mit 5999 M. au der ge« meinnützigen Gesellschaft.Hansrat" beteiligt, deren Zweck ist, minderbemittelten Personen billige Wohnungseinrichtungen zu be« schaffen. Ein weiterer Antrag des Gememdevorstandes verlangte, jedem der fünf Schöffen eine auf die Dauer des Kriegszustandes bemessene Vollmacht auszufertigen, nach der er kriegslviriichastlicks Rechtsgeschäfte abschließen kann. Die Vollmachten lauten über 59 999 M. für jeden Schöffen. RechtSgeschäsle über diese Summe hinaus bedürfen der Genehmigung des Gemeindevorstandes. Die sozialdemokratischen Gemcindcvertrelcr glaubten diesem Antrage ihre Zustimmung versage» zu müssen, denn die Absicht des An« träges ist klar: Mehr noch als bisher soll die Gemeindevertretung und die Kriegskommission ausgeschaltet werden. Bisher ist der Kommission noch keine Abrechnung über Soll und Haben innerhalb der vier Kriegsjahre gegeben worden. — Mehr Milch den Säuglingen! Man schreibt uns: Geradezu zu einer Gefahr für die Ernährung der Säuglinge scheint sich die Milchbelieferung in unserem Ort ausgestalten zu wollen, und eS ist an der Zeit, daß in dieser Sache entscheidende Schritte unter« nommen werden. Ist es dem einzelnen Molkereibcsitzcr nicht niög» lich seinen Betrieb aufrecht zu erhalten, so muß die Gemeinde sich eigenen Viehbestand anschaffen, um so die Vcrsorgnuz der Säuglinge mit guter und einwandfreier Milch sicherzustellen. Sollte dieser Wsz«id&t �wsckentsvrsPsnd erfd�einett, fd' Hme no4 der be« Produkiion-zuichusseS in Fraze. Geschchcn mutz waS, und zwar recht bald. Vrid. Ersatz für fehlende Kartoffeln. Ei werden ab beute bei den Kartoffellleliihändlern al? Ersatz für fehlende Kartoffeln fol« xende der Gemeinde zugewiesene Waren auf nachstehende Abschnitte der Kartofielkarte dieser Woche ausgegeben: 2ßa und b Erbsen 100 Gramm je Kopf. 26o und 6 Wicken 50 Gramm je Kopf, 26e Wickenmehl 50 Gromni je Kopf, 26k Ackerbohnen 50 Gramm je Kopf, 26x Suppen 500 Gramm je Kopf. Gerichtszeitung. Ter Raubmordpcrfuch in der Lüderitzstratze, be>r, wie vor kurzer Seit mitgeteilt, die Verurdeihimg der jugendlichen Täter �u drei bzw. zwei Iccbreu Gefängnis zur Folge gekrckt bat, bat« jetzt ein weite» r>eK Nachspiel vor dem �chwurgerick>t des Landgerichts III. Auge- klagt wegerr Versuchten Mordes und versuchten schiveren Raubes war nunmehr der 18i übrige Ei s tun che r Wilhelm Dobbert, für dem, da er daS achtzehnte LcbenSjaihr vollendet hat, nicht mehr die Stpa-fbaanmer, sondern das Schwurgericht zuständig ist.— Wie sernerzci! berichtet, hatten vier junge Burschen, darunter der jetzige Angeklagte, den Revisor Berntsch in einen Stall eines Hanfe? in der Lüder itzstratze gelockt, angeblich, um i5vm billig Wein zu verkaufen, in Wirklichkeit, um ihn mit einer Brown, ingpiftole nirdcrznschietzen. Nur dadurch, datz B. sofort die Waffe beimerkte und bilferusend die Skrlltür zuwarf, kam er mit dem Leben davon. — Vor Gericht bat Rechtsanwalt Dr. G rotzmann, den Ange» klagten mit Rücksicht aus seine Jugend und sein« durch schlechten Lesestoff irregeleiteten Phantasie die mildernden Umstände nicht zu versagen. Dem Wahrfprnch der Geschworenen gemätz wurde der Angeklagte unter Zubilligung mildernder Umstände zu der gesetzlichen Mindestswafe von 3 Jahren Zuchthaus verurtoilt. Die Tienstortmung der KriegswollbedarsSgesellschaft. Vor kurzem war d>iL KriegswollbedarüSgesellschlist vom Gewerbegericht verurteilt worden, einer gewerblichen Angestellten das Gebalt für die. Zeil ihre« Kralnkheit zil zahlen, weil der Anspruch der Klägerin «uk Nvutnh der für a k l e Angeftellten gdAenden.Tisnfkorbnung be- gründet war. Die beklagte Gesellschaft wollte die Fortzahlung des Gehalt« in Krankheitsfällen nur für ihre kaufmännischen An- gestellten gelten lassen. Sie bat deshalb nach dem verlorenen Prozetz eine neue Dienstordnung herausgegeben, welche einen Satz enthält, der besagt, datz gewerbliche Angestellte keinen Anspruch auf Gebnltszwblung in Knanfheitsfüllen haben. Auf diesen Passus berief sich die Gesellschaft in einem Prozetz, der am Donnerstag vor dem Gewerbegericbt gegen sie verhandelt wurde. Tie Klägerin, eine gewerbliche Angestellte, die übrigens von dem Er- latz'der neuen Dienstordirung nichts mutzte, ist nach ihrer Erkran- kung nicht gekündigt worden. Ihr Arbeitsverhältnis lies also während der Krankheit weiter und sie erhob deshalb Anspruch auf Zahlung de? Gehalts im Betrage von 90 M.— Die beklagte Gesellschaft wurde zur Zahlung dieses Betrages verurteilt mit der Begründung: De« Satz, datz gewerbliche Angestellte keinen Anspruch aus Gebaltszablung in Kranckhe>itsfällen haben, gehöre nicht in die Dienstordnung, denn er fei keine Dienstvorschrift, sondern eine Aenderung des mit der Klägerin aibgsschwssenen Arbeitsvertrages, Diese Aendmung sor alber ungültig, weil st« einseitig, ohne Zu- stimmwng der Klägerin erfobgt sei. Bus aller Welt. Fälle von Lnngenpest in England. Amsterdam, 27. Juni.(Telunion.) AuS London wird amtlich gemeldet: In einem Landbezirke von Ost-Suffolk sind zwei Fälle von Lungenpest mit tödlichem Verlauf zu ver- zeichnen. Man hat die Ursache der Ansteckung nicht feststellen können. Alle Bewohner in der Umgegend wurden unter Quarantäne gestellt. Man erwartet infolge dieser Maßnahme keine weitere Ausbreitung der Seuche. Drr Paßfälscher Grant noch immer auf seinem Posten. Wie die Telegraphen-Union hört, befindet sich der bekannte Verfälscher schwedischer Päfle und englischer Spionageleiter, Kapitän Grant, immer noch auf seinem Posten. Er sitzt noch heute als Konsul, be- glaudigt bon der schwedischen Regierung, deren Siege! er gefälscht bat, in Golenburg, obwohl schwedische Zeitungen sein Tun und Treiben wiederholt angegriffen haben. Wie verlautet, soll jedoch die schwedische Regierung zu dieser Frage, ob sie derartigen Per- sonen weiterhin ihren amtlichen Schutz geuietzen lassen will, Stellung nehmen. Jugenüoeranftaltungen. Arbeiterjugend Gros?- Berlin. Heute Freitag, abends 8 Uhr, nn Jugendheim, Lindenstr. 3: Vortrog des Reichstage abgeordneten Heinrich Schulz:.Die Jugendbewennng in Deiliichland"�— Dieser Vortrag' ist als Ztgitationsveranstaltung für den„Verein Zlrbeiter-Juzend Groiz.Berlin" gedacht mid werden alle Jugendlichen um ihr Erscheinen gcbelen. Allgemeine Kranken, und«terbckafse der Metallarbeiter. (V. a. G), Hamburg. Filiale B a n m s ch u l c n w e g. Am Sonn- abend, den Lg., abends 8V, Ubr, im Lokal omi Boche, Banmschulenstr, 67, Gencrolversanttnlung. Neuwahl der Ortsverwaltung und Ausstellung eines Kandidaten. ffLafferstandsnack, richte» der Landcsanftalt für Gewässerkunde, mitgetcill vom Berliner Wettcrbureau. Tonnabend mittag.................... wiegend wolkig mit leichicn Regensällen. lzontsok«» T'ke»««!'. Mir Max Pailenberg Freitae, Sonnab.. Sorint««; 6 ü: Familie Sohlmek. Montag: Bibikoff. Knmmersplele. Allabendlich 7'/, Uhr; Inkognito.(Operette.) Tolki»btthne,Th.a.BBIowpl. Allabendlich 71/, Uhr: fteneral Yorck. Theater des Westens Allabendlich 7'/, Uhr: Iscpoldine Konstantin m Die Tänzerin. Dir. C. Meinhard— R.Bernauer. Thsater*„■, Königgrätzerstr. 5 tThr: Dia fünf Frankfurter. Komödienhaus S Uhr: Bio Zarin. BerlinerTheater 7»"U. itlttsblauea Blut. Bational-Theater Noch nie dagewes. lacherfolg! 3 48 Manschen Rose-Theater. 7'/. ubr.. Bßmiteljtßen. Gatfendühne: Aha! Wa« Neues! S.i.tl. Frankfurter Allee Jll Die Viinstler. Gartenbühne Täglich 71/, Uhr: Bor grolle Frfolg! Was man aus Siebe tut!! Sonntag 4 Uhr: Bunte Böhne. ilii Praler-Mr Kaitanienallee 7—9. Täglich ö Ubr in nollständig neuer Bearbeitung: ZU MWiMKlet. Wroje Possen-Revue in 5 Bildern Dazü die großart SpexialitSten Trianon-Theater Bhf. Fried rieh str. 7.tr 49-27. 2391 8r. /.um 301. Male: Ber Sebensschüler. Kaiser Titz, Bildt, Flink, Eor.nab. nachm.'/jsü. kl.Pr.: htebnorss ittchon. Eonntag 4 Uhr; iohannisfeuor. Reichshailen- Theater. Allabendlich 7>/, Uht: Stettiner Sänger. Reiehshallen-Saal 7'/, ü,: Großes Biüthgen-Konzört. Srh« elrorgisrten Am Konigstor Vin Friedrichsbain»S-llS. chrötzter und Ichöniler Natur- garten Berlins. Ucber 5000 Sitz- platze. Saal für 1000 Pcrjonen. Tägüch: Konzert. Tbeater, Speztaiitatenvorftellung. Ansang Wochentags I Uhr. Sonntags H Ubr. Bor Sarrasani- Vorverkauf| hat begonnen! Zirkns-Burch-Kasse ab 10 Uhr vormittags n. A. Wert heim und Filialen.[293, T Theater für Freitag, 28. Juni. Ccntrnl-Theoter ti. mir: Die CsarMrstiii. Bentsches Opernknas 7 Uhr: Frledrich-Wllhelmsf. Theater i1!. kihr: DasDmmäilerlhaiis. Kleines Theater 8 U.: Arlstid und seine Fehler. Bassermann. Komlnche Oper 7�-- Scliwaraffaltliiillilel. Stg. 3'/, Uhr; Die Kinokönigin. I.notisplelhana 7*/, Uhr: Die blonden Mädels f. liniientiat KeMldcna-Thenter d'! Fllmmerklärchen Metropol-Theater Uhr': Die Rose?on Staratal. Neues Operettenhaus Tv.uhr�erSoiilatierMarje. Schiller-Theater O Uhr: Der letzte Funke. Schiller Tb. Chnrl. 7'/, Ba« Bnadenbrot. Uhr: Ble Dienstboten. Thalia Theater J�loterilerlileiideiiLlnite Theater am Nollendorfplatz 71/, Uhr: Geöffnet 10-7 Gintritt I M.. Sonntags bis S Uhr». Montags 2 M. SARRASAN1 293/2 Erstaufführung: Massen-MaiifpsttastW Torpedo-los! Zirkus- Busch■ Gebäude. Admlralspaiast. | Die Prinzessin fonTrngani] Sajdah Deutsche Tänze Th Uhr. 2, 3, 4, 5. 6 M. Theater der Friedrichstadl. Ecke Friedrich- u. Uinienstr. Täglich 7'/, Uhr: Sie erste Keige. Sonnt, nachm. 3'/, kleine Fr.: Jngenei. Im I. Akt; Hias und das Kammerkätzchen. a Die Flucht des Hias aus französischer Gefangenschaft. W Der Traum des verwundeten Leutnants.■ Im Ii. Akt: Der gescherte Alisi. H Das ur- fidele Front-Brettl.» Im III. Akt: Das Kriegsgericht, a Die glänzende Film-Einlage:„Sturm auf Schloß Mont-Plaisier". Täglich T/z Uhr abends Sonntag 2 Vorstellungen: S'/s und 7'/, Uhr Walhalla- Theater ♦ Weinbergsweg. Dem Pneu gleichwertig Elastisch/ Geräuschlos/ Sofort Heferbaz Saubere Arbeit/ Grosse Haltbarkeit Ttnaende Im Oebraneb BALLINIT Reifenfabrik G, m. b. H. Berlin SW61, Waterloo-Ufer 19 PffBsprechen Ami Morlttpiats Kr. J03I Kgl. preuss. Ziehung 1. Klasse %% Klassenlotterie 9. und 10. Juli 1918 Vi Lose [79/17* 25 5 10 20 40 M. und Porto bei Vorausbezahlung für alle 5 Klassen 50 IÖÖ 20Ö Tl. und Porto Kahn KSnigl. Preußischer OamISm C dlSl Lotterie-Einnehmer ÖBnil* O '9 Prlnr.cnwtrnBe 79. am sforitzplatz. Tägl. 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Lebens steht bevor und unzählige Stellen werden neu zu schärften«ein. Es werden ' daher überall geprüfte und geschulte Kräfte gesuchl sein. Beamte, Lehrer. Angestellte d. Handels u. d. Industrie sollten nicht versäumen, jetzt ihre Vorbereitungen zu treffen. Das beste Mittel, rasch u. gründlich. ohne Lehrer, durch einfach. Selbstunterricht auf ein Examen vorzubereiten, die Rinj.-Freiw.-Prüfung u. das Abitur.-Examen nachzuholen od. die fehlenden kauniänn. Kenntnisse zu ergänzen sowie eine vortr. Allgemeinbildung sich anzueignen, bietet die Selbstunterrichts- Methode..Ruslin'. AuslBhrl.SOS. starke Broschüre kostenlos durch Bonncss& Hachfeld, Potndnni. Postfach 224. Dir taufen gebrauchte Bindfaden Zellttloid Hartgummi- Wachswalzeu- Schallplatten- ?entFZlveFi>ztui äer Hedcr- arbeiter u.-arbeiterinnen Dcuischlands. OrtSbcreiu Berlin II. Xachrnf. Der Kollege Gustav Egerland starb ani. 20. 6. 18 an Lun- gencntzündung im Aller von 67 Fahren. 133/5 Wir verlieren in ihm einen der Mitbegründer unseres Verbandes. tFhre seinem Andenken! A.: B01- Vorstand. Berti» II. Verband der Sattler und Portefeuiller. örfsvenuallung Berlin. Am 21. Juni verstarb im Üazarcll zu Znsierburg unser Mitglied Mi Garczynski im Aller von 29 Lahre». Ehre toinem Andenken! DicBecrdigung findet am Sonnabend, den 29. Juni. nachmittags 2 Ubr, von der 2cichcnkaUc des diesigen otomimi-Zlüchboses in der Haicnheide aus stall. 137/17 Sie Ortsverwallung. Plötzlich und unerwartet ltarb am 22. Juni in einem äcidlazaiell der 10. Armee an Herzschlag unser lieber Bruder, Schwager ui Vater, der Landsturmmann Paul Jaeschke ISSA Höchste Str. 46. Rube sanit in fremder Erde. Abfälle. O r d 0 w e r G. m. b. Meorgenlirchstr. SO sb. Alexandetplatzi Friedrichstr. IS. Ecke Ztmmerilratze. »->2'/-. 2-/,-6'/. H.. Blätter und SäSe aus den Schriften und Briefen von Karl Marx Auswahl und ßtrupriernng von chranz Dieverich. Brei«: Broschiert-?,?d /Work, gebunden 4,50 Mark. Der reiche Inhalt des Butbes umrastt folgende Gruppen: t. Okevetutions• Jctrennmi« 2. Die karitalisiifche Dro» duttivnsära. 3. Mehrarbeit u. Arbeitstag t. Sozialismus und Arbeiterbewegung. 5. tSeschichlsauftaffung. Buchhandlung Vorwärts Berlin SW. iB. einvenstrgßc 3. Z» dm Ausqabeftellen dae Borwarts zu Hab«» Gestern morgen entschlief iaustnach längcrem/fchwerem Krantcnlager der Schlosser Hermann plitert. Beerdigung findet Sonn- abend, den 29. Juni, auf dem neuen Johannsskirchhos in der Seestratze stall. k�simHs Kinzel. Danksagung. Allen Vetwandten, Krcunden und Betannicn. dem Verband der freien Gast- und Schant- wirie llharlollenburgs, den Zlr- beilern der.vitma R.«wd u. (>o.. Eöpenider Straße, der Tivetlion des Rünchener Brau- bauics sage für die herzliche Teiinabme und reichen Kranz- spenden bei der Beerdigung memes unvergeßlichen Mannes meinen he:zlichsten Dant. SSitwe Llnastasia Klaste, 1287t Ebariottenburger User l. SpezistlarzI Br. invck. BasvbS, fiieltfil!ti8tl.90 SwdwÄ. Bebandl. non Shvbilis, Haut- Harn-, ftzrauenleiden, spez.: lbron.Fälle.Schmerzloie. kürzeste Behaudtg. obne Berufsjlörung. Btulunlerinchung. Mätz. Preise Tellzahiung..Sprechstunden 11 bis t und ä— 8, Sonnt. 11—1. KummeB diesjäbriger Ernte gibt auch in lleineren Quantitäten an Ver- braucher a«. 73/7- Gartuerei Zimmermann. Tpanda«, Hamburger Str. 112 Telephon 753. Unterhaltungsblatt öes Vorwärts hausgeeuel und Heimkultur. Das Verlangen nach Schönheit ist jedem Menschen ein» geboren.— ES ist schon eine Weile her, da besuchte ich an einem Sonntag» morgen eine mir befreundete Arbeiterfamilie. Die Leute waren jungverheiratet. Ihre Wohnung war sehr klein; sie bestand nur aus gwei Zimmern; in dem einen kochten und wohnten sie, in dem rädern schliefen sie. Aber oh! sie glaubten wohl zu wissen, wie man sich eine Häuslichkeit schön einrichtet. Da stand daS unver» meidliche Vertiko, reich mit Nippsächelchen bestellt; in der linken Ecke am Fenster, von der Mullgardine sanft be» schaltet, thronte auf einer Säule ein künstlicher Palmen» stock. der seine dünnen, grünlackierten Wedel vornehm svreizte; rechts in der Ecke am anderen Fenster, auf einer ebensolchen Säule, ein mit seinem grellblcndcnden Messingtrichter mächtig au-IadendeS Grammopbon, der Stolz des musikliebenden Hausberrn. Und eben Hub die Wanduhr zum Schlag« aus; neun langgedebnte. feierlich gestimmte Töne, Marke Domgong. Die Hailstrau. während sie thr Kleine? badete, hielt ein paar Augen» blicke in ihrer Arbeit inne und sab mich fragend an i Gelt, da« balle ich wohl nicht erwartet? Ihr strahlender Slick schien zu sagen: wenn wir auch nur arme Leute sind, fein baden wir eS doch zu Haus.— Ein ganz geschmackloser Salonstil war hier zum Rohmen einer Arbeilerwohnung geworden. Neben dem Palmen» sränder wusch die Hausfrau Windeln, ans dem Ofen brodelte da» Wasser, da? Mittagessen war schon ausgesetzt und erfüllte den Raum mit seinen Düften. In der Nähe hing ein Holzgestell von der Decke herab mit fünf oder zehn Armen, da? zum Aufnehmen der friichgewaichenen Kleinwäsche bestimmt war, die an der Wärmstelle ralch trocknen soll. Auf die.Ottomane" wagte ich mich nicht zu setzen: sie war mit gehäkelten Deckchen belegt, die jede» Per» langen, da auszuruhen, schon im Kenn erstickten: und die Lehne schmückte ein pancelartiger Aufsatz, auf dem allerlei Zierfigürchen nicht ohne IciS klöppelndes Geräusch in wackelnder Bewegung waren— wer wollt' da seinen müden Leib zu Gaste laden? Ich könnt noch viel berichten, was alle? mir bei diesem Morgen» bs'uche im Heim der Freunde nicht gefallen hat. Ich will'S nicht tun. Aus dem Nachhauseweg aber ging mir mancherlei im Kopf herum. Die Leute wollten schön und behaglich wohnen. Abgesehen davon, das; sie eine völlig unzulängliche Behausung hatten— ober mit einigein Geschmack läßt sich auch hier mancherlei erreichen. Es geht iticht an. eine Einzimmerwohnung, in der ge- kocht, gegessen, gewaschen und was alle? sonst noch getrieben wird, mit Möbelstücken einzurichten, die allenfalls in die io oft verrufene, sogenannte gute Stube passen mögen. Was den Leuten fehlt, ist nichts, als ein wenig G e s ch nr a ck S b i l d u n g,«ine Ahnung von Wobnluliur. Tie meisten Wohnstätten sind charakterlos. Ein Salon ist ein Salon, und eine Wohnstube soll den Charakter des Behaglich- wohnlichen tragen. Meist findet man alles durcheinander, e» kommt kem Stil aui und sie sehen, obgleich viel Geld in sie hineingesteckt worden tst. öd und nüchtern aus. im höchsten Grade unwohnlich und ungemütlich. Wer aber glaubt, diesen Zustand nur in kleinen und Aibeitcrwohnungen anzutreffen, irrt sehr. Em gewisser Schönheitssinn ist ihnen allen eigen, die sich solcher- ort emgerichtel haben, nur»st er noch ganz ungeläutert, nicht natür- lich. Es ist oft rührend, anzusehen, mit welch' heißem Bemühen der Mensch versucht, Schönes, den Sinnen Wohlgefällige» um sich her aufzubauen— wenn er mit seinem Ungeschmack so staunen»- wer: hilflos daneben greift. Aber das Grundübel liegt in der Zeit, die nicht wahr ist gegen sich selbst. Die große Industrie brachte den Aufstieg de» Bürger- tums; das ist schon lang« her. Geld kam unter die Leut«. Eine neue Geiellichansschicht rang aus der Tiefe, alt« Ideale rückten näher: was Jene sind, die gesellschaftlich über un» stehen, zum Donncrwcilcr! das sind wir auch oder, wenn wir» schon nicht sind, so wollen wir's doch scheinen. Da« ist'»! Und diese» Scheinenwollen, was man nicht ist. verdirbt nicht nur die Sitten, es verdirbt auch den guten Geschmack. £7. In einer Möbelhandlung steht ein Kleiderschrank. Nobel sieht er au?, nnßbaumgemalt, aus der Ferne von cchleni Nußbaum kaum zu unterscheiden. Man sieht da? Möbelstück in vielen Tausenden von Wohnungen, und seine Besitzer denken sich nicht» dabei; sie wissen nicht, daß sie sich damit die Lüge in» Haus gekauft haben. Das einzige, woraus dieser Schrank stolz sein könnte, sein reine», unverdorbenes Selbst, seine wahr« Natur, ist vom Maler lloSz. 22' das gelobte£an6. Roman von W. St. Rehmont. „Wa§ für Hinterwäldler! Fossilen!" brummte er etwas aufgebracht, im Zimmer berumgehend. Endlich fetzte er sich und las den Brief seiner Braut. „Mein teurer Herr Borowtecki! Herzlichen Dank für den letzten Brief. Großpapa hat er eine große Freude gemacht, mich hat er einfach gerührt und fortgerissen. Wie gut Sie sind! Durch einen Boten gar die Blumen zu schicken." Er lächelte höhnisch. Die Blumen hatte er nämlich von seiner Geliebten in solchen Mengen bekommen, daß er nicht wußte, was damit anfangen. Er schickte sie der Braut. „Wie schön diese Rosen sind! Sie sind doch nicht aus Lodz! Vielleicht hat mein teurer Herr sie gar aus Nizza kommen lassen, wie damals? Das würde mich sehr freuen und zugleich sehr betrüben, weil ich mich mit nichts gleich Schönem revanchieren kann. Wissen Sic, heut nach zwei Wochen sind die Blumen noch ganz unverändert— das ist wunderlich. Ich Pflege sie zwar sehr gut. jedem Blättchen habe ich, es mit den Lippen berührend, gesagt: ich liebe. Aber.., Großpapa lacht über nlich und sagt, er würde es Ihnen mitteilen, drum sage ich Ihnen lieber selbst die Wahr- heit. Sie sind mir doch nicht bös darum?" „Die liebe Anka," flüsterte Karl, vom Gefühl über- wältigt, und las mit glänzenden Augen weiter. „Die Sache mit dem Geld ist schon erledigt. ES liegt in der Handelsbank zu Ihrer Verfügung. Ich habe es nämlich auf Ihren Namen eintragen lassen. Auf unseren Namen.. „Ein Goldmädel!" „Wann wird's denn die Fabrik geben? So ungeduldig warte ich schon drauf, so neugierig bin ich sie zu sehen, und meinen teuren Herrn als Fabrikanten! Und Großpapa hat sich sogar eine Pfeife angefertigt und iveckt uns mit ihr und ruft uns zum Frühstück und Mittag zusammen. Gestern war Herr Adam Stawski bei uns, können Sie sich noch an ihn erinnern? Tie Herren sollen im Gymnasium zusammen gewesen sein? Sehr interessante und lustige Gc- schichten erzählte er aus eurem Leben. Von ihm erfuhr ich erst, daß mein lieber Herr Karl so ein Nichtsnutz war, und so viel Glück bei den Frauen hatte schon ini Gymnasium. Aber Großpapa widerspricht dem energisch und behauptet, daß Herr Stawski ein berühmter Lügner ist. Wem soll ich glauben? überpinselt worden. Nun ist er nur noch Schein— aber Schein von einem.Höheren",.Besseren". So ist der Mensch! Kleider machen Leute. Aber wer etwas ist, braucht nach außen bin nichts aus sich zu machen, braucht nicht zu tun, als ob er etwa? sei. Er bat seinen Wert in sich. Aber die Lüge im HauS spinnt ihre Fäden über alle Stücke. Der Geschmack am Echten, Natürlichen, Wahren ist verdorben. Was hat der Krieg an GeschmackZgreuel nicht alles hervor- gebracht! Eine sehr geschäftige Industrie hatte frühzeitig die Witterung sür das. was Ungeschmack zur Ausschmückung seines Heim? verlangt. Kriegsgewinnler, rasch emporgekommene Profit» schlucker, g»t verdienende Arbeiter erinnern sich lang zurückgestellter Wünsche; Schönheitsdurst lechzt gierig nach Befriedigung. Schund bläht sich in allen Schaufenstern. Die Künstler-Steinzeichnungen aus dem Teubner-, aus dem Voigtländer-Verlag und die schönen Reproduktionen, die der.Kunst- wart" herausgegeben hat und an denen jeder, der sie sieht, feine helle Freude haben muß. stehen im Wettbewerb mit dem glänz- lackierten Nichts der Oeldruckbilder aus der Massenindustrie. Süß- licher GemütSzimt aber und sentimentaler Schwulst ist Trumpf! Die kirschigen Wandbilder»Als er Abschied nahm" und.Als er wiederkam" feierten in vielerlei Gestalt eine unrühmliche Auferstehung. .Krieger» Abschied und Heimkehr" in buntbemaltem Gips lund teuer meist, unverschämt teuer) sieht man in jedem Warenhaus; Aschen« becher mit dem Bildnis Hindenburgs auf dem Grunde, Schlummer- kiffen, mit dem Kronprinzenbilde eingestickt und der Aufschrift .Immer feste druff 1", oder mit dem Zweikaiserbilde und der sin- «igen Aufforderung:.Nur ein Vierlelstündchcn"; Fußabstreicher mit eingewirktem Eisernen Kreuz; Waschgarnituren mit vaterländischem Bilderschmuck; Kaffeegeschirre.Zur Erinnerung an den großen Weltkrieg"; dann Kriegergcdächtnistafeln in künstlerisch schauder- basier AuSsührung mit der fast lebensgroßen Photographie de» Verstorbenen und mit prunkvollem Rahmen, gar auf die Staffelei zu stellen— oh, die Fabrikation weiß, wa» das.ungebildete" Publikum verlangt! Und sie darf auch hohe Preise fordern, es wird schon bezahlt; wenn der Kaufpreis hoch ist, muß doch wohl auch waS Große» an der Sache sein! Ve- icheiden steht das wirklich Gut« im Hintergrund. In vielen Fällen ist es überhaupt nicht zu haben, weil die Geschäftsleute oft selbst zwischen wahrhaft schön und minderwertiger Nachahmung oder künstlerischem Schund nicht unterscheiden können, weil sie an dem einen mehr als an dein anderen verdienen, oder:.das Publikum verlangt eS ja nicht ander«". So fließt in breiten Strömen künst- lerische Unkultur durchs Land. Man muß e» den Leuten sagen, die solche Dinge kaufen, und man muß e» ihnen derb und deutlich sagen, daß ihr gering ge- schulter Kunstverstand schmachvoll ausgebeutet wird, daß ein Heer von Geichäslemachern auf Kosten ihrer Naivität sich hier die Taschen füllt. Wer von gutem Geschmack geleitet wird, weiß für weniger Geld besseres einzukaufen. Auch der Aermste, wenn er recht be- raten ist, kann feine Wohnung schön und nett und freundlich auS- gestalten und seinem Verlangen nach Verschönerung des Daseins reichlich Nahrung bieten. ES ist höchst bedauerlich, zu sehen, für welche Nichtigkeiten in Menge heute viel Geld ausgegeben wird. Ein« künstlerische Geschmacksveredelung des breiten DolkeS tut not; nicht nur au» erzieherischen, auch aus volkswirtschaftlichen Gründen ist das dringend zu wünschen. Karl A. Meyer. Sucheckern'SuchSl. Genosie F. A. Baudert schreibt un«: Ich habe in Nr. 172 de».Vorwärt»" den Beitrag unter dieser Ueberschrift mit Interesse gelesen. E» stimmt alle», wa» darin ge- sagt ist— bi» auf«inen Punkt. Nämlich, damit der Bucheckerscgen auch den armen Leuten wirklich zukomme, dürfen nicht wieder solche hirnverbrannte Bestimmungen erlaffen werden, wie e» vor zwei Jahren, wo wir auch ein« sehr gute Bucheckernernte haben konnten, in Tbüringen der Fall war. Da war da» Bucheckernsammeln aus eigen« Rechnung und Gefahr verboten. Wer sammeln wollte, der mußte sich von der in Frage kommenden Oberförsterei eine Bescheinigung ausstellen lasiem Diese Bescheinigung zu erholten hatte aber für den größten Teil der ärmeren Leute seine Schwierigkeiten. Und zu alledeni mußten dann die gesammelten Bucheneckern.— da sie als Oclfrucht beschlag- nahmt waren— abgeliefert werden. Wohl gab e» immerhin solche Sünder, die ohne die behördliche Genehmigung gesammelt hatten. Denen ist es aber, soweit sie der Herr Stawski hat alles verloren, weil ihm die Gesell- schaft sein Gut verkauft hat. In nächster Zeit soll er nach Lodz fahren, er wird Sie auch besuchen." .Noch ein Krüppel!" flüsterte Karl unwillig. .Er hat irgendeine Idee, eine Erfindung, und verspricht sich damit in Lodz ein Vermögen zu machen." »Idiot! Nicht der erste und nicht der letzte." .Ich muß schließen, weil mir die Augen zufallen und Großpapa immer reinruft, ich soll schlafen gehen. Gut' Nacht, mein goldener König, gut' Nacht! Morgen schreib' ich aus- führlicher. Gut' Nacht! Anka." In der Nachschrift wurden die Ueberbringer des Briefes noch besonders warm empfohlen. „Das Geld ist also da. Das ist gut, sehr gut. Zwanzig- tausend Rubel, ein Goldmädel. Ohne sich zu besinnen, gibt sie ihre Mitgift her." Er laS den Brief noch einmal und schob ihn in den Schreibtisch. „Ein goldige?, guteS, sich aufopferndes Mädel, aber... aber? Zum Teufel Er stampfte mit dem Fuß auf den Teppich und begann gedankenlos in den Papieren, die in Haufen auf dem Tisch lagen,' herumzustöbern. „Ja, gut ist sie. die beste vielleicht von denen, die ich kenne, aber... aber... was geht sie mich an?... Liebe ich sie denn? Habe ich sie je geliebt? Wenn ich die Frage offen stelle!" dachte er, sich alles ins Gedächtnis zurück- rufend. „Ter Wagen des Herrn Buchholz wartet auf den Herrn Direktor," meldete Matthias. Borowiecki stieg ein und fuhr zu Buchholz. Der Fabrikant wohnte ganz am Ende der Stadt hinter seinen Fabriken. In einem großen Park stand das einstöckige Palais, im Lodzer-Berliner Renaissancestil, mit einer Reihe von zierlichen Fassaden und einer Terrasse auf dem Dach. Auf deni Rasen vor der Auffahrt schimmerte eine Gruppe großer, trauriger Birken in weißen Farben. Die Wege ivarcn mit Kohlenschlacke bestreut und liefen wie Streifen einer schwarzen Kreuzwebung zwischen den mit Stroh um- wickelten Rosenstöcken und den südländischen Bäume». Diese umgaben in einer langen und rechtwinklig abbiegeitden Linie wie Schildwachen einen großen, viereckigen Rasenplatz, in dessen vier Ecken vier Statuen standen, die für den Winter mit vom Regen und Frost rostigen Barchentstücken umwickelt waren. Am Ende des Parkes, an einer roten Fabrikmauer, glitzerten in der Sonne die Troibhausfenster durch die niedrigen Sträucher und Bäume herüber. Arm de? Gesetze« erreichte, schlecht ergangen. Nicht nur, daß man ihnen das Oel ohne jede Entschädigung wegnahm, sie wurden auch, wegen dieser Selbsthilfe zum besseren Durchhalten, obendrein noch gerichtlich bestraft. Ungeheuere Mengen von Bucheckern sind vor zwei Jahren im Walde zugrunde gegangen. Als in einem der Thüringer Landtage auf das verfehlte Vorgehen der Behörden hingewiesen wurde, da suchte sich die Regierung mit der schönen Ausrede herauszuhelfen, daß es gar nicht so viele Bucheckern gegeben habe. Nun aber, wo diese? Jahr die Buchen bereits so voller Kapseln hängen, wie es äußerst feiten einmal der Fall ist, sollte man gerade mit Rücksicht auf die ärmeren Leute von allen unsinnigen Be« schränkungen beim Sammeln der Bucheckern absehen. Das Sammeln der Bucheckern sollte freigegeben werden, damit auch die Armen etwas von diesem Segen unserer Buchenwälder haben. Wie Üas»oftpreußische Golö� entftanö. Während die Provinz Ostpreußen im allgemeinen sehr arm an nutzbaren Minerallagerstätten ist, besitzt sie doch ein Bergwerk, das in jeder Beziehung starkes Interesse verdient. Diese Fundstätte, die. in der Zeitschrist.Ostpreußen' geschildert wird, liegt in der nord- westlichen Ecke des SamIandeS, und sie birgt da«„ostprentziswe Gold", nämlich den Bernstein. Da Ostpreußen nach dem glücklich überwundene» Rnsseneinfall einer neuen Aera lebhafter Täligseit entgegengeht, darf auch die Ausnützung seines Bernsteinbesitzcs nicht übersehen werden. Die Frage nach der Entstehung des Bernsteins, den man vorerst lediglich sür ein Erzeugnis des Meeres hielt. war lange Zeit umstritten, und am häufigsten waren die. Meinungen, nach denen es sich um ein Material tierischer Herkunft handelte. Im vorigen Jahrhundert aber vermochte die Forschung endgültig festzustellen, daß der Bernstein im Grunde nichts anderes ist, als das Harz vorweltlichter Kiefern- und Fichtenarten. Wenn jenen Bernsteinbäumen durch Witternngseinflüsse oder Insekten Schaden zugefügt wurde, so floß das Harz in wiederholten Er- güsien aus den Wundstellen und tropfte auf den Waldboden. Von besonderem Einfluß auf die Verschiedenheit der Färbung und Klarheit de? Bernsteins wurde die Sonnenwärme, durch die chaS an die Oberfläche getretene Harz mehrmals umgeschmolzcn wurde. In der geschilderten Weise konnten sich im Laufe von Jahr- tausendin große Bernsteinvorräte in dem Waldboden ansanimcln. Diese Entwicklung vollzog sich in der Tertiärzeit, und die Bernstein- Wälder bedeckten große Strecken eines Gebiete?, das Heine das mittlere und das südliche Schweden, Finnland und Estland sowie Teile der damals noch Festland gewesenen Ostsee umfaßt. Heute bildet der Waldboden der Beinsteinwälder, in dem sich da» Harz anhäufte, längst nicht mehr seine Lagerstätte. Durch die Senkungen der Erdoberfläche, durch welche die Ostsee gebildet wurde, gingen die Wälder unter, um vom Meere überflutet zu werden. Gemeinsam mit den Bestandteilen des Waldbodcns wurde der Bernstein von den Meereswogen fortgeführt und dann an anderen Stellen als eine Bernstein führende tonige Sandschicht, die so- genannte„blaue Erde" abgelagert. So entstand das einzige bekannte Bernsteinbergwerk im nordwestlichen Teil von Samland. Durch Bohrungen wurde eine zusammenhängende Lagelstätte in einem ungefähr 300 Ouadratkilometer großen Gebiet festgestellt. Sie beginnt an der Nordküste in Höhe des Meeresspiegel? und senkt sich dann nach Süden, um bei Palmuickeit etwa 6—7 Meter unter den Meeresspiegel zu reichen. Diese? Bergwerk ist schon darum merkwürdig, weil seine Schichten durch den Absatz ans dem Meere entstanden sind, es hat also den Bernstein vom Meere bezogen. In Anbetracht de» Ostpreußen zugewandten gesteigerten Interesses sei auch auf diese Bernsteinwerke aufmerksam gemacht, die die einzigen in ihrer Art sind._ Notizen. — Die Wiener Pbilharmoniker setzien am Mitt- woch und Donnerstag ihr Gastspiel im ZirkuS Busch mit einer Ans« führung Von Beethovens neunter Sinfonie fort.— Leider könne, r wir darüber nickit berichten, da die Kommandantur e? für gut fand, die uns zugesagten Karten weiter zu geben und eS sonst keine Möglichkeil gab. solche zu erhalten. Die Presse existiert für gewisse Kreise nur. wenn es gilt, tägliche Rellamenotizen unterzubringen. — P o r t r ä g e. lieber„Meine Erlebnisse auf S. M. H. Wolf" spricht Oberboolsmannknraat Bülte am Freitag und Sonnabend 8 Uhr in der Trcptow-Stcrnwarte. Traurig war der Park und schlecht erhalten. Ein Lakai in schwarzer Livree öffnete vor Borowiecki die Türe zum Vorzimmer, das mit Teppichen ausgelegt und von oben bis unten mit Photographien von Fabriken, von Arbeitergruppen und mit Karten der Buchholzschen Besitzungen behängt War. Vier Türen führten inS Innere de? Hauses und eine eiserne Wendeltreppe ins obere Stockwerk. .Wo ist der Herr Rat?" „Oben, in seinem Arbeitszimmer." Der Lakai ging voran, schlug die Portieren zurück, öffnete die Türen, und Borowiecki ging langsam durch die Pracht- vollen, mit ernsten und schweren Möbeln ausgestatteten Räume. Durch die herabgelassenen Stores drang fast gar kein Licht herein. Tiefste Stille umgab ihn, selbst den Laut seiner Schritte dämpften die Teppiche. Ein feierlicher, kalter Ernst lag über der Wohnung. Die Möbel standen in dunkeln Ueberzügen da, die Spiegel, die Lüster, die Kandelaber, sogar die Bilder waren mit Ueberzügen verdeckt und verschwammen in der Dämme- rung, in der nur die bronzenen Ornamente der Majoliköfen.. und das Gold des Plafondstucks funkelten. „Herr von Borowiecki!" meldete ernst�der Lakai in einem Zimmer, wo am Fenster, in einem tiefen Fauteuil, den Strick- strumpf in der Hand, Frau Buchholz saß. „Guten Morgen, Herr Borowiecki!" ließ sie sich zuerst vernehmen, nahm die Stricknadel heraus und reichte ihm die Hand mit einer automatischen Bewegung. „Guten Morgen, Madame." Er küßte ihre Hand und ging weiter. „Pudel! Pudel!" schrie ihm der Papagei nach, der mit den Pfoten am Geländer hing. Herrn Buchholz traf Borowiecki im Eckzimmer an. Er saß vor einem großen Ofen aus grünen, wunderbar verzierten Danziger Kacheln und stocherte mit dem von ihm unzertrennlichen Stock in dem brennenden Feuer. „Guten Tag! Pudel, einen Stuhl für den Herrn," rief er mit lauter Stimnre zum Lakai, der an der Tür stand, auf jeden leisesten Wink bereit. Karl setzte sich dicht neben Buchholz, mit dem Rücken gegen die Wand. Buchholz hob seine roten Habichtsaugen und heftete sie eine Zeitlang auf sein Gesicht. „Krank bin ich." flüsterte er. auf seine Beine zeigend, die in weißen Flanell eingewickelt, wie zwei Ballen rohen Stoffes auf einem Taburett dicht am Feuer lagen. Vor«, folaü Möbelfabrik Rob. Seelisch BERLIN 0 112, Rigaer Str. 71-73a empüehlt gute preiswerte Habel. Einrichtungen in jeder Preislage. Gana besonders g;roße Auswahl in Schlal-, Speise-, Wohn- und Berrenzimniern f jedem Geschmack entsprechend.* 15-1 Musterräume. Lagerräume: 6696 QMtr. groB Versand nach allen Plätzen Deutschlands.— Besichtigung lehnend, ohne Kaufzwang i Wochentags von 8—7, Sonntag von 8—10 Uhr geöffnet. Im Elgenhange billiger als in der Mietswohnung. Wie erhält man 72/5* Baukapital nnd Hypotheken. 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Kohlenvresserinnen, geübte, tüchtige, fleißige, verlangt liäck, Neukölln.• Neue Donauslraße 83. Postpacteplnnen geübte,|ucht Essenzensabrik Otto Reichel, Eisenbahnstr. i, die Lage an üer piove. Ktaliemscher HcereZbericht vom 25. Juni. Am 94. Juni 5iTi>en uniere tapferen Truppen der dritten Armee die f e i n d- l e n Nachhuten besiegt und?iur Uebergabe gezwungen. da-öei haben wir das ganze rechte Piaveufer besetzt. Wir machten 18 Offiziere und 1607 Soldaten zu Gefangenen. In der To- «aler Gegend haben unsere kühnen Alpentruppen die Besatzung de! südöstlichen Teile! der Punto di Ercavallo überrumpelt und sich dort festgesetzt. Italienischer Heeresbericht vom 23. Juni. Während de! gestrigen Tage! eroberten unsere Truppen den Brückenkopf von Capo Tile vollständig zurück und debnten ihren Geländegewinn aus, wobei sie in tapferer Weise entsrbloffene Gegenangriffe starker feindlicher Kräfte berv«riefen und sich dagegen behaupteten. Wir nabmen acht Offiziere und 371 Soldaten gefangen. Auf der übrigen Front Artilleriekämpfe wechselnder Stärke und Tätigkeit kleiner Abteilungen. Zwischen Mori und Loppio überraschte eine unserer Tturmpatrouillen einen kleinen feindlichen Poüen, setzte ibn außer Gefecht und brühte die lleberlebenden ol! Gefangene zurück Bei der Säuberung des Schlachtfeldes machten wir noch emrge hundert Gefangene und stellten die vollständig» Rücker- oberu.ng unserer gesamten Artillerie, die Waffen und>c! Geräte! fest. Tbk Masse der österreichischen Waffen und des Material!, die in unseren Händen geblieben sind, ist außerordentlich groß und kann nur nach langer Arbeit zahlenmäßig festgestellt werden. Rotterdam, 26. Juni. Laut„Nieuve Rotterdamsche Tourant' schreibt.Manchester Guardian': E! wäre unsinnig, jetzt von den Italienern einen großen Marsch über die Piaoe zu erwarten. Der Rückzug der österreichischen Armee nach der Alpen- Iinie sei keine Flucht gewesen. Für die Italiener würde e! schwierig sein, einen raschen Vormarsch größeren Stil! über den Fluß hin zu unternehmen. Man dürfe seine Erwartungen nicht zu hoch spann en. Bertling reift ins Hauptquartier. Ter Reichskanzler begibt sich nach der„Norddeutschen All- gemeinen Zeitung" am 30. d. M. für einige Zeit ins Haupt- auortier. Wie das Blatt hört, war der Termin bereits vor längerer Zeit festgesetzt._ Der mißlungene allüeutsche Sturmangriff. Kühlman» bleibt. Tie Alldeutschen haben zu friib„Viktoria" geschrien. Am Mittwochmorgen glaubten sie, Kühlmann bereits gestürzt zu haben. Tot— aus— erledigt, auf diesen Ton war ihre Morgen- presse gestimmt. Tie„Teutschc Zeitung" schwur, daß Kühl- mann sein Abschiedsgesuch bereits eingereicht habe. 2t Stunden daraus waren die Siegesklänge schon etwas herabgestimmt: Kühlmann werde gehen, aber nicht sofort, es werde ihm noch eine Gnadenfrist gelassen, um einige dringliche Friedensarbeiten zu Ende zu bringen, um das Aufsehen weniger groß zu gestalten usw. Am Tonnerstagnachmittag aber bringt die„Germania", die man in den jetzigen Zeiten wohl als gut über die Regie- rungsabsichten informiert ansehen kann, die Nachricht: Kühl- mann bleibt. Ter Artikel— wohl vom Abgeordneten Erz- berger geschrieben— beginnt mit folgenden Sätzen: Es steht nunmehr fest, daß der Stcmtssefee-tär.des Auswartizzen Amtes auf seinem Posten verbleiben wird. Ter Ansturm der. Mi n de r hei t im Reichstag hat. ihn nich t zu Fall, bningen können. Wie es dei einem neuen Zusammen- . stoß werden wind, den man mit BestinwnkhM erwarten kann, weil Kühlmamn' kraft soiner �VerpfÄchtünA''für-ben Frieden tätig sein muß und gewisse Kreis« gerade für eine solche Tätig- keit nicht das geringste Berständnis Haiben können, bleibt indes abzuwarten. In dem Artikel wird weiter ausgeführt, daß In- und AuS- land gerade jetzt von der Stärke unserer Regierung überzeugt sein müßten, was aber nicht möglich ist, wenn die Regierung nicht fest aus eigenen Füßen steht. Kühlmann selber würde vielleicht gern persönlich zurücktreten, aber sein Verbleiben werde durch böhcre Umstände gefordert. Mit bestimmten Worten be- tont das Zentruinsblatt die notwendige Solidarhaftung zwischen Reichskanzler und Staatssekretär in dieser Situation: Besonder! fällt i.n die Wagkchste, haß der Kanzler, der bei der Rede am Montag zugegen war, an ihr nichts auszusetzen hatte und auch am Dienstag dem Staatssekretär nicht entgegen- getreten ist. Tiese Worte bestätigen, was wir in unserem gestrigen Leit- artikel schrieben:„Kühlmann-Krise ist Kanzler-Krise". Tiese Feststellung ist der alldeutschen Presse sehr auf die Nerven ge- fallen, und sie wütet darüber in ollen Tonarten, ob sie, wie die „Berliner Neuesten Nachrichten", einen diplomatischen Kniff oder, wie die„Tägliche Rundschau",„eine plumpe Trohung" darin sieht. Die„Post" ist sehr ungehalten, daß wir ihr nicht helfen wollen, Kühlmann zu beseitigen, wie sie anfangs gehofft bat. Aber die„Post" weiß sehr wohl, daß das, was wir an Kühlmann auszusetzen haben, himmelweit verschieden ist von ihren Angriffen. Wir könnten uns hier völlig mit der„Ger- mania" einverstanden erklären, die zu Kühlmanns Dienstag- rede, in der sie einen„teilwcisen Umfall" sieht, folgendes per- merkt: Die MeW>e itspa rteien bätchen c? sicherlich lieber g«- sehen, wen.» der Stoerts-sekrelär anders gegen die frivolen Nnterftellungen und Fälschungen, mit denen gegen ihn gewühlt worden ist, vorgegangen wäre und sich im Namen seines Amte? und seiner Ehre solche Methoden entschieden»ecebetzen hätte. Dadurch hätte er bei seinen politischen Anhängern n u t gewonnen, wälmend er, bei den anderen kaum etwas zu gewinnen und ebensowenig zu verlieren hoben dürste. Kühlmanns Schwäche ist zweifellos, aber das wird uns nicht veranlassen, den Alldeutschen bei ihren Bestrebungen zu bclfen. einen Mann an Küblmanns Stelle zu bringen, der den Alldeutschen gegenüber nicht nur schwach, sondern völlig willenlos ist. Wahrscheinlich bat die„Germania" auch darin recht, daß die Alldeutschen Kühlmann alle Worte und Redewendungen gern vorziehen hätten, wenn er nur in ihrem alldeutschen Sinn von den Kriegszielen gesprochen hätte. Verlängerung der LrgiSlaturveriodc. In der Tonnerstag- Sitzung des Bundesrats wurden angenommen: 1. Ter Eni- Wurf eines Gesetze? über die abermalige Verlängerung der Legis- laturperiode de? Reichstags; 2. der Entwurf eines Gesetzes betr. den Landtag für E l s a ß- L o t h r i n g e n; 3. der Entwurf einer Bekanntmachung der wirtschaftlichen Maßnahmen für die Uebe.rgangswirtschaft auf dem Textilge biete; 4. der Entwurf eines Gesetzes zur Abänderung des 1. Absatzes des Gesetzes betr. Bürgschaften des Reiches zur Förderung van Kleinwohnungen für Reichs- und Militärbedienstete vom Ist Juni 1914; 5. der Entwurf eines Gesetzes betr. Vorlegung eine? Nachtrages zum Reichshaushast für da? Rechnungssahr 1918. Journalistische Anftandsvslicht. Das»Berliner Tageblatt" hat bei Gelegenheit der Kühlmannkrise die Behauptung aufgestellt, daß ein sozialdemokratisches Organ, big.Jntornationalc Korrespondenz", ganz in alldeutscher Manier Herrn'Kühlmann als T e s a i I i st e n angegriffen habe. Diese Behauptung war völlig irrig. Tie„I, K." hatte einen Artikel gebracht unier der Ueberschrift: Küblmann, der „Tefaitist". Das Wort Tefaitist stand in Anführungszeichen, und der Jnbalt des Artikels ergab ganz klar, daß keineswegs die„J.K." selber Herrn Küblmann einen Defaitisten nennen, sondern das Geschrei der Alldeutschen über den„Defaitisten" Kühlmann treffen wollte. Das„B, T." hatte diesen Artikel offenbar gar nicht gelesen, sondern sich durch ein irreführendes Zitat der„Deutschen Tages- zeitung hineinlegen lassen. Trotzdem vermissen mir zu unserer Verwunderung im„B, T.", das ans seinen Irrtum aufmerksam gemacht worden ist. einen klaren und unzweideutigen Widerruf. Welches Interesse das„B. T." daran bat, seinen Lesern den Glauben zu erhalten, als habe irgendein sozialistisches Organ — mag auch seine Anficht oft nicht die der Parteimehrheit sein— die alldeutsche Hetze gegen Kühlmann mitgemacht, ist uns nnver- stöndlich. Das„B. T." möge doch seiner journalistischen Anstands- Pflicht genügen und nicht durch diese ausfällige Hartnäckigkeit dem, was anfangs ein entschuldbarer Irrtum schien, das Aussehen bc- wußter Irreführung geben. Der Numänenvertrag im �auptausschuß. Die Weiterberatung am Donnerstag gilt zunächst noch den wirtschaftlichen Beziehungen der vertragschließenden Länder. Riester(natl.) wünscht ein Abkommen mit Rumänien, das uns auch den Ueberschuß des Lande? an Futtermitteln sichert. — Gothein lVp.s fragt, warum nicht auch der Ueberschuß an Eiern gesichert worden sei. Ter Viehbestand des Landes sei sehr zurück- gegangen; in diesem Jahre sei auch eine völlige Mißernte zu erwarten. Nach dem Einmarsch der deutschen Truppen habe man monatelang mit der Berufung van Fachleuten gewartet und statt ihrer ausgediente Generale schalten und walten lassen.— Ein Rrgicrungsvertrrter verteidigte die getroffenen Maßnahmen. Tie Eierlieferung habe man nicht aufzunehmen brauchen, da alle Nachbarländer großen Ueberschuß an Eiern hätten und Teutschland fast das einzige Einstchrlaxid sei.— Graf Praschma(Z.) wendet sich gegen die Kritik Gotheins. Er selber sei im Besatzungsheer tätig gewesen und Habe sofort Fachleute herangezogen; die Feld- bestellung bade man aus jede Weise gewrdert.— Roesicke(f.): Bemerkenswert sei, daß man der rumänischen Landwirtschaft alles zu- billige, was man der deutschen versage. In Rumänien sei heute nichts mehr, da? Land sei bereits auf die Zufuhren aus Beßarabien angewiesen.— v. Graefe(f.) behauptet, der den Rumänen vertragUch zugestandene hohe Getreidepreis laufe auf eine von Deutsch- land zu zahlende Kriegsentschädigung hinaus.— Noske lSoz.j: Durch alle Reden der Beteiligten wird nicht au? der Welt geschafft, daß die Okkupationsbehörden schwere wirtschaftliche Fehler begangen haben. Herrn p. Graeses Behauptung, daß wir den Rumänen eine Kriegsentschädigung zahlten, ist falsch; überdies gilt ja der hohe Getreidepreis nur für kurze Zeit, da nach dem allgemeinen Friedensschluß der Weltmarktpreis in Kraft tritt. Ge- heimrat Frisch greift wiederholt in die Debatte ein, um die Regie- rungsmaßnahmen zu rechtfertigen. Bei der Abstimmung werden zunächst die Artikel lg und 20 des politischen Friedensvertrages genehmigt, ferner die Punkte 1 bi? 12 des Wirtschaftsabkommens, genehmigt wird auch das Schissahrts- abkommen. Zu dem rechtspolitischen Zusatzvertrag gibt Ministerialdirektor Kriege noch einige Erläuterungen über die zukünftige Tätigkeit der Konsuln.— v. Graefe ik.) bedauert den Artikel 2. der den Konsu- laten die Rechte der meistbegünstigten Nation zugesteht.— Erzberger wünscht für die Konsuln den gleichen Schutz wie für die Diplo- maten.— Em Antrag, der den Reichskanzler um die Errichtung möglichst zahlreicher B e r u s? k o n s u l a t e in Rumänien ersucht, wird angenommen.— Ministerialdirekwr Kriege sagt zu der An- regung Exzberger?, daß schon vor dem Kriege in Aussicht genommen gewesen sei. die Landerrechte der Konsuln auf einem Welkkongreß zu regeln. Die Frage unterliege an- dauernder Prüfung, sei aber recht schwierig.— Bei Kapitel 3 sGe- genseitiger Ersatz der den Konsulaten zugefügten Schäden) führt v. Graefe aus, daß man hier der Gegenseitigkeit geradezu sprachlos gegenüberstehe. Es werde der Anschein erweckt, als ob auch in Teutschland Ausschreitungen begangen worden seien.— Ministerialdirektor Kriege; In Rumänien seien nur zwei deutsche Konsuln behelligt worden; die Gegenseitigkeit sei eben die übliche Form solcher Verträge,— Dr. Haas(53p.): Man solle in der Sache fest, in der Form aber milde sein.— Der Artikel wird angenommen. Kapitel 2 CKriegsschädetu wird vertraulich behandelt. Mi- nisterialdirektor Kriege macht Mitteilung über die finanzielle Belastung Rumäniens sowie über die Behandlung der deut- schen Gefangenen. Der in einer Resolution des Zentrums ausge- sprorbenc Wunsch in bezug ans die Sühnung der Ge- sa n g e n e n m iß b a n dln n g sei größtenteils schon erfüllt, weiteres werde noch geschehen.— lieber diese Vorgänge und ihre Besprechung soll ein ausführlicher amtlicher Bericht herausgegeben werden. Die Sefttzfteuer im tzauptausschuß. Nach der unveränderten Annahme des Rnmänenvertrages begann am Tonnerstagnachmittag der Ausschuß die Beratung der Kommissionsanträge zum Besitzstcucrgesetz. Keil>Soz.) stellt die Frage nach der Stenerpslicht der Landessiirsten. Nach dem Sinn des � Gesetze? könriten die Fürsten zwar herangezogen werden, doch müßten entsprechende positive Bestimmungen hinein. Unterstaaissekretär Schiffer: Tie bisherige Kriegssteuer sei von den BundeSfürstcn auf Heller und Pfennig gezahlt worden.— Liesching(33p.)_ vermißt immer noch zahlenmäßige Angaben über diese Steuerleistungen. Die beiden Paragraphen über die Abgabe- Pflicht der einzelneu werden angenommen; debattelo? genehmigt werden auch die le, 16, die die Abgabe von Mehr- ei»kommen betreffen. Inzwischen ist ein Antrag Liesching, Keil und Genossen eingelaufen, wonach der Bundesrat die für die Steuerveranlagung der Fürsten zuständigen Behörden zu bestimmen bat. Dieser Antrag wird im Zusammenhang mät 8 13 behandelt werden. Mehrere weitere Para- graphen werden nach Ablehnung van AbänderungSanträgen an- genommen. Der Z 11 sagt, daß bei der Feststellung des Ein- kommens der Offiziere nur die Friedensbezüge zu berücksichtigen seien. Das Reichsmilitärgesetz läßt die Kriegs- b e z ü g e ausdrücklich frei. Von verschiedenen Seiten wird auf die darin liegende ungerechte Bevorzugung der Offiziere hingewiesen, von denen sehr viele bei bequemem Dienst ein recht hohes Einkommen hätten. Noske(Soz.) führt dazu au?, Millionen Dienstpflichtiger seien jetzt wirtschaftlich aufs schwerste ge- schädigt, wogegen namentlich die höheren Offiziere schon jähre- lang enorme Bezüge ahne sonderliche Ausgabe» hätten. In diesen Kreisen würden jetzt beträchtliche Summen ausge- speichert.— Ilnterstaatssckretär Schiffer behauptet, daß man differenzieren müsse; sehr vielen Offizieren, namentlich in der Türkei usw., gehe es wirtschaftlich durchaus schlecht. Eine Aenderung werde das Gesetz zu sehr komplizieren.— Gröber CZ.) sagt, eine Bevorzugung der Ofiziere sei angesichts der allgemeinen großen Be- laswng nicht zu rechtfertigen.— Keil(Soz.) betont noch- mal? sehr scharf die Notwendigkeit, die höheren Offiziere heran- zuziehen. Tie Abstimmung wird ausgesetzt, um zuerst noch einen Vertreter des Kriegsministeriums zu hören. Lanüarbeiter unö �rbeitskammern. Wie schon gestern kurz berichtet, bat die Aobeitskammergssetz- kammissiou des Reichstags in der letzten Sitzung bsschlossen, An Rahmsn des A öbsstskamni srgssc tzeS den landwirtschaftlichen SfrSaiferrt eine, öffenklich-vechÄich» JnteressenKerbvs- tarng zu schaffen/ Bei der Bedeutung dieser Frage erscheint eS an- gebracht, etwas näher auf die Verhandlungen der Kommission ein- zugehen. � Es war charakteristisch, daß selbst die Konservativen der Kam- Mission die Berechtigung einer Interessenvertretung der Land- arbo'ter anerkannten. Aber sie wollten die Schaffung dieser Interessenvertretung der Landesgesetzgebung überlassen, und sie verwiesen auch die Versuche, in Preußen nunmehr im Rahmen der Landw.i itschaft s kammern diese Vertretung der land- und forst- wirtschaftlichen Arbeiter zu schassen. Auf den gleichen Boden stellte sich auch die Regierung. Sie batte einen Vertreter des preußischen La itdwir tschaftsmim vster i ums herbeigerufen, der die Absichten der preußischen Regierung dartegem sollte. Er konnte jedoch nur erklären, daß man den Landarbeitern eine Vertretung schaffen wolle» Wie sie aussehen wird, vermochte er nicht anzugeben. Ein albschließender Plan liege nicht vor. Ein Hauptgrund fite eine landesgesetzliche Regelung der Jnter. essenvertretung der Landarbeiter war die Behauptung, daß ja die ganzen Rechtsverhältnisse der Landarbeiter der landesge- setzlichen Regelung unterliegen. In der Kommission wurde das schärfste Mißtrauen gegsn eine zweckmäßige Regelung der Interessenvertretung der Landarbeiter durch die Landesgesetzgebung laut. Es sei gar nicht daran zu den- ken,-daß z. B. die Berufsbeam ten der Organisationen der Land- Arbeiter für wählbar erklärt werden würden. Wer könne auch nur daran.denken, daß man in Mecklenburg zu einer Interessen- Vertretung der Landarbeiter konnmen könne! Falsch sei auch, daß die Rechtsverhältnisse der Landarbeiter nur landesgesetzlich geregelt seien. Für Schleswig-Holstein, Hannover und Hessen-Nassau gelten die A usnahmebe stimm ungem des preußischen Gesetzes von 1854. nicht. Ihre Nechtsberhältei-isse regelten sich nach den Vorschriften des Bürgerlichen Rechts. Um deswillen, weil für allerdings große Gebiete Deutschlands die Landarbeiter unter einem A u snabm c recht ständen, nun für alle Arbeiter der Land- und Forstwirtschaft auch hier ein Ausnahmerecht zu schaffen, fei völlig unbegründet. Es widerstreite das der ganzen auf Zentrati- sterurtg aller da? RechtsverhAtnis der Arbeitnehmsr betreffe ndest Gesetze gerichteten Tendenzen, die sich in der neueren Zeit be- merkbar machten. Vor allen Dingen ober auch schreckten die Pläne der bayerischen Regierung, die eirte Interessenvertretung der Landarbeiter dadurch schaffen, wolle, daß die Landwirtschnfts, kammern bis zuein em Fünftel aus Arbeitern besetzt werden sollen. Die große Mehrheit der Kommission war der Meinung, daß man bei einem Gesetz, das den Arbeitewi eine Interessenvertretung schaffen soll, die Landarbeiter nicht ausschließen könne. Die Berücksichtigung der besonderen Verhältnisse der Landwirtschaft soll nach Meinung der Kommission durch besondere Fachkammern erfolgen. T-äbei bestand aber bei der großen Mehrheit der Kommission U-eber ei nstimmu n g, daß diese Fach- kammern der Landarbeiter nicht von den allgemeinen Kammern völlig losgelöst sein sollen. Die Mitglieder dieser Fachkammeirn sollen bei der Erörterung und Beratung all der allgemeinen und gemeinsamen Fragen de? Aufgaben kreise? der Arbeitskammern überhaupt in die allgemeinen Avbeitskammern eintreten. Die Aufgabe der tandnintschaftliichen Fachkammern beschränkt sich also auf die Spezial-fragen der Landwirtschaft. Letzte Nachrichten. Eürzons Weltstrasbund. Wie Reuker mitteilt, sprach Lord Curzon im Oberhauie über die Frage und den Grundsatz des Völkerbundes und die Bildung eines Tribunals, dessen Anerkennung durch ent- sprechende Sanktion erzwungen worden könnte. Er sagte: Ter Bund des britischen Reiches und der Bund der zwanzig bis fünfundzwanzig verbündeten Nationen, um den deutschen Militarismus zu brechen, existiere bereits und umfasse gegen zwei Fünftel der Menschheit. Inmitten der Aeußerungen Lord Curzons über die Grund- sätze für einen. Völkerbund paradiert der Satz: „Wenn wir einen Weltgerichtshos haben, so ist es theore- tisch selbstverständlich, daß der B u n d alle S t a a t e n� e i n- schließen muß: abtr der Gedanke, daß Teutschland in einen solchen Bund aufgenommen wird, ist schwer zu dcukeu." Es wird angebracht söin, die Kritik des Planes, der von Curzon i m N a m e n der englischen Regierung vorgeschlagen wurde, von diesem Satze aus zu beginnen. Kampf um Turatis Rede. Stockholm, 27. Juni. Turati? Rede in der italienischen Kackmer, worin angesichts der nationalen Gefahr das Aufgeben des Klassenprinzips proklamiert wurde, veranlagte den Vorstand und die Fraktion der sozialdemokratischen Partei, sofort zu Beratungen zusammenzutreten, die teils gemeinsam, teils getrennt stattfanden und zwei Tage dauerten. Die Beschlüsse und der Avantikommentor wurden gänzlich konfisziert. Skoropadskis Agrarreform. Kiew, 25. Juni. Wie„Kiewskaja Mhsl" meldet, erklärte der Hctman bei einem Empfang einer Bauernabordnung aus vier ukrainischen Gouvernements, daß ein Landgesetz in Zlusarbei- tung begriffen sei, daß die Schaffung vernünftiger Reformen abev Zeit erfordere. Tie großen Güter würden verschw'»- den und die staatliche Landbank die Aufteilung an die landarmen Bauern übernehmen. Tie Semstwo» Verfassung würde umgearbeitet werden, um die Bildung eines kräftigen Bauernstande» als bestes Bevölkerungselement herbeizu- führen. Epidemische Influenza. Mainz, 27, Juni. Tie Massenerkrankungen, die seit Tonners- tag unter der Arbeiterschaft eines Rüss elsheimer Großbetriebs eingetreten waren, erweckten trotz des gutartigen Verlaufs der Krankheit allerlei Gerüchte, die dem Abgeordneten Adelung in Mainz veranlaßten, im hessischen Ministerium in Darm- stadt in dieser Angelegenheit vorstellig zu werden. Geheimer Obermedizinalrat Dr. Waltzer erklärte, daß es sich um eine I n- sluenzaepidemie handele, die aber ihren Höhepunkt offenbar bereits überschritten babe. Wenn man auch eine Influenza in gegenwärtiger Zeit nicht gerade leicht zu nehmen habe, sa liegt doch kein Grund zu irgendwelcher Beunruhigung vor.(„Frkf. Ztg.") Zum Tode verurteilt. Wiesbaden, 27. Juni. Das Schwurgericht verurteilte heute den Heizer Ludwig Renno aus Münster im Taunus wegen Raub- mordes zum Tode. Renno hatte in der Nacht vom 30. auf den 31. März den Heizer Fuchs vom Höchster Brauhaus erschlagen und beraubt. GWWffchchsbewegung Die Zersplitterung öer liriegsteilnehmerbewegung. Christliche und Hirsch-Tunckcrsche Doppelzüngigkeit. Aus Kricgsteilnehmerkreiscn wird uns geschrieben: In die Kriegsbeschädigten- und Kriegsteilnehmerbewegung ist in den letzten Monaten ein geradezu tolles Gründung s- f i e b e r hineingekommen, das zu den unheilvollsten Zerfplitte- rungen führen muß. Zu Beginn des Jahres gab es hier nur zwei nennenswerte Organisationen: den„Reichsbund der Kriegsbeschä- digten und ehemaligen Kriegsteilnehmer" und den(gelben) „Essener Verband wirtschaftlicher Vereinigungen". Seitdem ist ein halb Dutzend Neugründungcn dazu gekommen. Der preußische Minister Drews wie Herr August Scherl vom„Lokalanzei- ger", der pensionierte General Vollbrecht, wie einige gänzlich un- bekannte Leute haben plötzlich ihr Talent zum Gründen von Kriegsteilnehmerorganisationen entdeckt, nachdem der Reichsbund gezeigt hat, daß der Gedanke zugkräftig ist. In München wird eine neue Organisation gegründet, von der vorläufig nichts besteht, als ein meist aus Offizieren gebildeter Vorstand und ein Beirat von bürgerlichen Reichstagsabgeordneten, die nie im Felde gewesen sind. In Stuttgart bildet sich eine„Kriegskameradschaft Hinden- bürg" usw. Nun kommen nach der gestrigen Meldung b«» W. T. B. mich noch die Christlichen und Hirsch-Dunckerschen GeWerk- schaften mit einem weiteren Gefolge von Organisationen, ihre eigene Kriegsteilnehmerbewegung zu gründen und damit neue Zersplitterung in die Reihen der ehemaligen Feldgrauen zu tragen. Diese Zersplitterung ist daZ Allerfrivolste, was bisher dagewesen ist; denn diesen beiden Organisationen ist mehrfach sehr entgegenkommend angetragen worden, sich an einer neutralen Kriegsteilnehmerorganisation zu beteiligen, die sich an sämtliche Richtungen und Gewerkschaften der Angestellten» organisationen anlehnen sollte. DaS haben sie st ä n d i g a b g e- lehnt mit der Begründgung, daß sie eine derartige Organisation für absolut überflüssig hielten. Der„Reichsbund der Kriegsbeschä- digten und«themailigen Kriegsteilnehmer" hat mit Schmiden vom 8. Februar die Gewerkchaften aller Richtungen zur Teilnahme an seiner ersten Weimarer Tagung eingeladen. Die christlichen Gewerkschaften lehnten am 28. März durch ein Schreiben des Herrn Adam Stegerwald ab, da? sich auf da? schroffste gegen jede Gründung besonderer Kriegsbeschädigten- Vereinigungen aussprach. Die Hirsch-Dunckerschen GeWerk- schaften zogen am 80. März ihre bereits zugesagt« Vertretung wie- der zurück. In ihrem Schreiben heißt es: „Die wirtschaftlichen Interessen ehemaliger Kriegsteilnehmer, also auch die der Kriegsbeschädigten, können durch die Mit- Wirkung der Berufsorganisationen erfüllt werden und eS bedarf besonderer Vereinigungen hierfür nicht." Am 15. März 1818 fand im ReichStagIgebäude ein« Be- sprcchung Mischen Berweticxn des RetchSbuindeS und GeWerk- schaftsvertretern statt. In dieser Besprechung bot der Reichsbund zur Sichcrstellung eines Zusammenwirkens auch den christlichen und Hirsch-Dunckerschen Gewerkschaften eine Vertretung in seinem Vorstand an. Beide Organisationen lehnten jedoch ab, wiederum mit der Begründung, daß die Fürsorge für die Kriegsbeschädigten lediglich Aufgabe der Gewerkschaften sein und bleiben müsse. Im April 1818 machte der Reichsbund nochmals einen Versuch,«in Zusammenartbeiiten mit den chrPkichen Gewerk- schaften zu erzielen. Wiederum lehnte Herr Steger- Wald ab. Diesmal ging seine Begründung dahin, daß die Z u- sammenfassung von Kriegsteilnehmern und Kriegsbeschädigten in einer Organisation das entscheidende Hindernis sei. Wörtlich sagt ein Schreiben vom 28. April: „Das Entscheidende für das ablehnende Verhalten des Gesamtverbandes der christlichen Gewerkschaften gegenüber dem Bund der Kriegsteilnehmer und Kriegsbeschädigten ist der Umstand, daß in letzterer Organisation Kriegsteil- nehm er und Kriegsbeschädigte dauernd ein- heitlich zusammengefaßt werden sollen... An einer gemeinsamen Kriegsteilnehmerorganisation auf der breiten Grundlage, wie sie«er Bund der Kriegs teÄnishmer und Kriegsbeschädigten vorsieht, kann sich der Gcfamtverband der Cristlichcn Gewerkschaften nicht beteiligen." Dreimal haben diese Herren also feierlichst jede Organisation der Kriegsbeschädigten und Kriegsteilnehmer außerhalb der Gewerk- schaften für gänzlich überflüssig erklärt. Und wenige Wochen darauf gehen sie hin und— gründen selbst ein«. Noch mehr, sie gründen ihre Organisation nach genau derselben Methode, die sie dem Reichsbund gegenüber als den entscheidenden Fehler bezeichnet haben, der sie an der Mitarbeit in diesem ver- hindere: sie fassen Kriegsbeschädigte und Kriegsteilnehmer in einer Organisation zusammen. Ihr doppelzüngiges Verhalten ist damft zur Genüge gekeninzeiichnet. Es war ilhnen von Anfaing an um«ine Zersplitterung der Bewegung zu tun. Aber sie hatten nicht den Mut, das einzugestehen und versteckten sich hinter Vorwänden, an die sie selbst nicht glaubten. Die Kriegsteilnehmer aber werden wissen, was sie von dieser Doppelzüngigkeit zu halten haben. Die Riemenbeschlagnahme in der Textilindnstrie hat 191 Betriebe der Forster Tuchindustrie veranlaßt,«ine Eingabe an daS KriegSamt, das Reiwskanzleramt, ReichSwirtfchastSamt, den ReichStagSauSschuß für Handel und Gewerbe und an die KriegSamtSstelle in den Marken gerichtet, in der gegen die Wegnahme der Treibriemen Einspruch erhoben und darauf hingewiesen wird. daß diese Maßnahme die K a t a st r o p h e in der Textilindustrie besiegele. Die Entnahme der Hauptantriebsriemen auS den jetzt stilliegenden Betrieben be- deute, daß dieselben auch für lange Zeit nach dem Kriege und be« sonders in der wichtigen Uebergangswirtichaft nur noch Wracks seien. Hierbei stünden nicht nur Arbeitgeberinteressen, sondern in viel höherem Maße solche der Arbeitnehmer auf dem Spiele. Denn bei Kriegsschluß würden wieder ungezählte, jetzt noch gebundene Arbeitskräfte frei, die aus natürlichen Gründen wieder ihren früheren Beschäftigungen zuströmen würden. Der größte Teil der jetzt stilliegenden Betriebe würde gar nicht in der Lage sein, diese Arbeitskräfte in absehbarer Zeit wieder aufnehmen zu können, weil ihnen die Wiederingang« setzung ihrer Betriebe zur gänzlichen Unmöglichkeit gemacht worden sei dadurch, daß man ihnen die Hauptantriebsriemen, alsdann auch ämtliche anderen Betriebsriemen genommen habe. Insofern bedeute die weitere Stillegung auch während der Uebergangszeit der jetzt in der Kriegszeit schon stilliegenden Be- triebe die Brotlosmachung von Hunderttausenden von Textilarbeitern. Zu solchen Folgeerscheinungen dürfe es die Reichsleitung wohl nicht erst kommen l«H«. Jeder Industrielle sei bereit, einen Teil seiner RiemenvestZnde gern abzugeben, wenn er nur in dem ihm verbleiben den Rest- bestand die bestimmte Möglichkeit erblicken kann, seinen zwar schon zum Teil zerstörten Betrieb wenigstens teilweise wieder aufnehmen und seine Arbeiter wieder einstellen zu können. Der„Textilarbeiter" betont im Anschluß an die Eingabe, daß die Treibriemenwegnahme im ganzen Reiche eine ungeheure Auf- regung hervorgerufen habe. Nicht nur die Arbeiterschaft gerate ins Verderben, wenn die Mehrzahl der Textilbetriebe ruiniert werde, sondern auch die Geschäftsleute der Orte, in denen die Textilindustrie dominiere. Und das nur. weil es einfacher fei. Riemen wegzu- nehmen, als die Organisation geeigneten Ersatzes rechtzeitig und ausgiebig in die Wege zu leiten. Tie Lohnbewegung i» der Haarhutbranche. Die Verhandlungen zwischen den Vertretern des Verbandes der Hutarbeiter und des Arbeitgeberverbandes in der Hutindustrie haben zu folgender Vereinbarung geführt: Unter Wegfall der bisherigen TeurungSzulagen sollen ab 17. Juni 1813 auch an Heimarbeiter auf die gegenwärtigen Löhne bezahlt werden bei einem Wochenverdienst bis 15 M. 68 Proz.. von 15— 28.M. 58 Proz., von 28-25 M. 45 Pro,., von 25—38 M. 48 Proz., von 38—35 M. 35 Proz., von 35— 48 M. 88 Proz., von 48—45 M. 25 Proz, von 45—50 M. 28 Proz., von 58—68 M. 15 Proz., von 68—88 M. 18 Proz., über 88 M. 5 Proz. Jugend- liche unter 16 Jahren erhalten, wenn sie auf Stundenlohn usw. beschäftigt sind, 25 Proz. Zulage, arbeiten sie auf Stück, erhalten sie dieselben Zulagen wie die Erwachsenen. Stückarbeitern, die in ihrer Abteilung auf Stundenlohn arbeiten müssen, ist der Stundenlohn nach ihrem Stücklohnverdienst zu beZ rechnen— oder es ist für Partien, die sich schwer arbeiten lassen, auf den Stücklohn soviel Zuschuß zu zahlen, daß der Arbeiter keine Einbuße hat. Die Einstellungslöhne sind von den Schlichtungskommissionen, Ausschüssen usw. örtlich zu regeln. Die Gewährung eines Extrazuschlage« für Berlin bleibt der ört- lichen Regelung überlassen. Die Arbeiterinnen erhalten die gleichen Stücklöhne wie die Ar- beiter. Das Nähgarn wird den Garnierern kostenlos geliefert. Die Teuerungszulagen sind in jeder Kalender« oder Lohnwoche nach dem erzielten Wochenverdienst zu berechnen. DaS Recht, bei vermehrter oder schwieriger Arbeitsleistung, ungenügender Bezahlung für einen Artikel für Einzelpersonen oder Einzelabteilungen Lohnforderungen zu stellen, wird durch die vor- stehenden Punkte nicht berührt. Die sonstigen Vereinbarungen find gleich den früheren, neu kommt hinzu: Die Verbandsmitglieder haben die gemeinsamen Einrichtungen iSchlichtungskommissionen) zu respeklieren; gegen Zu- widerhandelnde hat der Verband energisch einzuschreiten. Jeder Aenderung der Teuerungszulagen muß eine gegenseitige vierteljährliche Aufkündigung des Vertrages vorausgehen. Die Zulage beträgt gegenüber 1917 18 bis 15 Prozent. Sie wird, wie das Berbandsorgan„Korrespondent" in seiner neuesten Nummer mitteilt, von der Arbeiterschaft ol« viel zu niedrig an- gesehen. Die Unternehmer haben die Forderung der Verbands« leitung, durchgängig 25 Prozent Lohnzulage zu gewähren, rundweg abgelehnt. Wenn nun trotz aller Opposition über die von den Unternehmern gemachten Zugeständnisse die Vereinbarung die Zu« stimmung der Hutarbeiterschaft erhalten hat, so deshalb, weil die Zugeständnisse der weiblichen Mitglieder, die den Vereinbarungen ihre Zustimmung gegeben haben, nicht gefährdet werden sollen. Parteinachrichten. Aus den Organisationen. Der Sozialdemokratische Verein für den Wahlkreis Hamm-Soest hielt seine Generalversammlung in Kamen ab. Der Verein hat seinen Mitgliederstand nicht nur gehalten, sondern sogar vermehren können. Nach den Beiträgen sind 838 Mitglieder vorhanden; außer- dem stehen etwa 688 im Felde. Die Zahl der weiblichen Mitglieder beträgt 288. Die Arbeiterpresse wie die Jugendbewegung haben sehr gute Fortschritte gemacht; 587 Leser auf die„Arbeiter- jugend" sind im Kreise. Der Kassenbestand belauft sich auf 3172 M. Die Beiträge der männlichen Mitglieder stiegen um 33 Proz., die der weiblichen um 25 Proz. Die Generalversammlung beschloß die Erhöhung der Beiträge von 38 auf 68 Pf. für den Monat. Als Landtagskandidaten wurden Gewerkschaftssekretär O st e r r o t h (Hamm) und Gewerkschaftssekretär Friedrich(Dortmund) auf- gestellt; der erstere wurde auch zum Kreisleiter bestimmt. Nach einem Vortrage deS ReichStagSabg. M. König über.Da« Reich und die Wahlrechtsfrage" wurden Entschließungen gegen die Lebens- mittelteucrung, die indirekte Besteuerung und für daS gleiche Wahl- recht einstimmig angenommen. Der in der Jahreshauptversammlung der Kölner Parteiorgani- sation erstattete Bericht de« Parteisekretärs Runge zeigt, daß der Parteiverein im vergangenen Jahre den Tiefstand überwunden hat und erfreulich« Fortschritte macht. Am 31. März d. I. waren 2681(1951 männliche und 738 weibliche) Mitglieder vor- handen. Eingezogen sind, soweit Meldungen vorliegen, 3894 Ge- nossen. Die Wirkungen deS Krieges auf die Organisation werden durch folgenden Vergleich des letzten JahreS gezeigt: An Eintrittsmarken.. Beitragsmarken.. WahlfondSmarken. Duplikate.... Literatur.... Verflg.-Einnahmen. Sammellisten... Sonstige Einnahmen 1913/14 846,68 M. 37 457,98. 4 828,68. 29,18. 2124,85, 925-. 4 298,68. Annahmen: 1916/17 61,80 M. 9 453,88, 1847,68„ 6.70, 625,30. 41 03,83 1917/18 892,40 M. 18 418,45, 1567,85. 13,80, 933,77, 648,02■„ 2 615,04. 5 418,18, 60 497,55 M. 15 377,08 M. 25 882,46 M. Also auf der ganzen Linie beträchtliche Besserung gegen das Vorjahr. DaS Vermögen des Vereins beträgt 32 895 M. Die Bewegung der Unabhängigen hat in Köln noch keine Bedeutung erlangen können. In der Aussprache regte S o I l m a n n an, ein Shstem von Fabrikvertrauensleuten zu schaffen. Die Diskussion verlief im allgemeinen zustimmend. Einen Geschäftsbericht, der von einer geradezu glänzenden Eni« Wicklung des Parteiblattes zeugte, erstattete Genosse G i l S- b a ch. Die„Rheinische Zeitung" hatte im Jahre 1916 mit einem Rückgang von 8380 gegenüber der Friedensauflage ihren tiefste» Stand erreicht. Seitdem steigt die Bezieherzabl unaufhaltsam, im letzten Geschäftsjahre beträgt der Zuwachs 18 080. Der Straßen- verkauf ist im Durchschnitt 6880. steigt aber bis auf 8888. ES muß häufig rationiert werden. 6.888 Zeitungen geben täglich ins Feld. Die Einnahme auS Abonnements ist um 188 080 M. gestiegen. DaS Abonnementsgeld wurde von 88 Pf. auf 1 M. und dann auf 1,28 Mark erhöht. Die Jnserateneinnabmcn stiegen um 41 888 M. und übersteigen nun das günstigste Jahr im Frieden. Der Zeilenpreis wurde von 28 auf 25 Pf. erhöht. Die Jnseratenspalte wurde zwei- mal vermehrt und ist jetzt 8. Schriftgrad: Kolonel. Der Vorsitzende der Preßkommission Erpenbach dankte dem Verlag, der Redaktion, der Expedition und dem gesamten Personal für das einträchtige Zusammenwirke», dem diese Erfolge zu danken seien. Das Partei- geschäst ist auch seinen sozialen Pflichten gegen da« Gcsamtpersonal nachgekommen. Allein für Löhne sind 56 780 M. mehr aufgewendet worden als im Vorjahre. Soziales. Zur Acrztcbcwegung. E i s e n a ch, im Juni. Am Sonnabend tagte hier der Verband der Aerzte Deutsch- lands zur Wahrung ihrer wirtschaftlichen Interessen, der bekannte Leipziger Verband, und am Sonntag der Deutsche AerztevercinS« bund. Hauptredner auf beiden Tagungen waren die Herren H a r t m a n n und S t r e f f e r vom Leipziger Verband, und in den Erörterungen spielten die Krankenkassen und das Verhältnis der Aerzte zu ihnen die Hauptrolle. Es wurde insbesondere betont, daß, wenn auch einzelne Kassenärzte(„Kassenlöwen") durch un- geheure Ueberarbeit und auch tadelnswerten Betrieb im Kriege viel verdienen, die große Masse der daheim tätigen Aerzte unter dem Krieg schwer litten. Für selbsthilflerische Unterstützungsaktionen wurden über 7 Millionen Mark zentral und etwa ebensoviel noch örtlich aufgebracht. Die neue Alterszulageklasse entwickelt sich gut, eine Wiiwenversorgung soll auch eingeführt werden, daneben be- steht eine groß« Hilfskasse. Die Verhandlungen des Leipziger Verbandes waren großenteils vertraulich. Auf dem öffentlichen Aerztetag am Sonntag wurden nach lebhafter Debatte, auf die einzugehen die Papiernot verbietet, folgende Beschlüsse gefaßt. Nach einer Danksagung für alle Arbeit zur Aus- und Fortbildung der KriegsärAte, sowie zur Wirtschaft» lichen Förderung der Heimat- und Heeresärzte werden Maßnahmen für die llebcrgangszeit gefordert: Rücksichtnahme auf die älteren, verheirateten Aerzte und Familienväter, sowie auf die Dauer der Einziehung, bei der Demobilisierung und Reihenfolge der Eni- lassung, Bereitstellung miltärischer Stellen am Heimatsort für die zurückkehrenden Aerzte, Offenhaltung der Hälfte aller Kranken- Hausassistenzstellen für diese, Schaffung geeigneter und kostenloser wissenschaftlicher Aus- und Fortbildungsmöglichkeiten für die Feld- ärzte, Fürsorge für kriegsbeschädigte Aerzte. Hergabe von irrzt- lichen Bedarfsgegenständen, Pferden, Autos, Gummireifen bei der Demobilisierung zu Enteignungspreisen ohne Zwischenhandel, Zu- gäuglichmachung der Kriegshilfskassen, Beschränkung des Studiums von Ausländern zu deutschen Medizinfakultäten und der Nieder- lassung ausländischer Kur- und Badeärzte in dem wiederholt gc- forderten Maße. Ferner sollen in allen ärztlichen Wartezimmern Aufforderungen an das Publikum ausgehängt werden, dem etwa vor dem Krieg in Anspruch genommenen uno seither eingezognen Arzt das Vertrauen bei seiner Rückkehr wieder zuzuwenden. lieber die Notwendigkeit einer Ergänzungsausbildung der not- approbierten Aerzte im Interesse der Volksgesundheit und der Bevölkerungspolitik hatte Sardemann- Marburg ein Referat erstattet. Auf Grund eines Referats von S t r e f fe r- Leipzig und der anschließenden regen Aussprache wurden folgend? Beschlüsse ge- faßt:„Der Aerztetag hält eine Erhöhung der Grenzen für die Versicherungspflicht und die Versicherungsberechtigung(§§ 165, 178, 814 R.V.O.) oder gar eine völlig unbegrenzte Versichcrungs- bercchiigung, wie sie von den im Reichstag eingebrachten Anträgen (des Zentrums und der Sozialdemokratie. Anm. d. Ber.) beab- sichtigt wird, nicht für notwendig und iift Rahmen der jetzigen kaffenärztlichen Verträge für unvereinbar mit den ideellen und wirtschaftlichen Lebensbedingungen des ärztlichen Standes und er- hebt deshalb entschiedenen Widerspruch dagegen. Findet trotzdem gegen die gewissenhafte Ueberzeugung der deutschen Aerzteschaft eine Erweiterung des Kreises der Versicherten statt und wird da» mit die freie ärztliche Berufstätigkeit weiter eingeschnürt, dann muß die freie Zulassung zur kaffenärztlichen Entschädigung auf eine völlig neue Grundlage gestellt werden. Unter diesen Voraus- setzungen erklärt sich der Aerztetag damit einverstanden, daß die vielfach jetzt schon gewährte Krankenpflege an versicherungsfreie Familienmitglieder der Versicherten(Z 205 R.V.O) zur Erhaltung und Stärkung der Volkszahl und Vokskraft unter die Regelleistun- gen der Krankenkassen aufgenommen wird. Für den Fall, daß die Krankenversicherung in dem geplanten Sinn« ausgedehnt wird. wird der Vorstand deS Verbandes der Aerzte Deutschlands beauf- tragt, eine Normaltax« festzustellen, die die Mindestgrenze dessen darstellen soll, was die deutschen Aerzte als Entlohnung für kasscn- ärztliche Tätigkeit fordern müssen." Die von unserer Reickstagsfraktion geforderte Ausdehnung der Ve.rsicherungSleistungen ist in den Zeitverhältnissen so begründet, daß wir kein Wort der Verteidigung derselben zu sagen brauchen. Daß die Aerzte dagegen sind, ist ja bekannt. Soziale Interessen kommen für ihre wirtschaftliche Organisation nur insoweit in Be- tracht, als dieser davon ein Vorteil erwächst. „Fette Pfründen." In den vom preußischen KriegSministerium herausgegebenen „Anftellungs-Nachrichten"— Amtlich« Mitteilungen für kricgsbe- schädigte oder versorgungSbercchtigte Militärpersonen und für H:n- terbliebene von HeereSang«hörigen— sind für die verschiedensten Arten von Anstelliingsbcrechtigten offene Stellenangebot« zu sin» den. In der Nr. 113 dieser„Anstellungs-Nachrickten" sindjintcr der Rubrik:„Stellenangebote für Kriegsbeschädigte" eine Fülle dieser „einträglichen" Lebensstellungen zu finden, von denen einig« hier wiedergegeben werden sollen: Gemeindevorstand L e h d e(Spreewald) sucht sofort«inen Ge- m«litdeschreiber. Bewerber muß im Besitzer gesunder Arme und auch gut zu Fuß sein. Erwünscht ist Kenntnis aller bei einer Gemeinde vorkommenden schriftlichen Arbeiten. JahrrSgchalt 1688 Mark. Kriegsbeschädigte werden bevorzugt. Archivar mit volkswirtschaftlichem und politischem Ber- ständniS, der daS Archiv selbst in Ordnung zu halten und die Bi- bliothek zu verwalten hat. für unser Prcßarchiv gesucht. Gehalt einschließlich Teuerungszulage nicht ganz 288 Mark monatlich. Handelsvertragsverein Berlin W. 9, Köthener Str. 28/29. Für die städtische Gasanstalt suchen wir zum baldigen Antritt einen Rechnungsführer, welcher später die Führung der ElektrizitätS- und W a s s e rw« rk» r« ch n u n g zu übernehmen hat. Probezeit 3 Monate, danach Anstellung gegen beiderseitige vierteljährliche Kündigung. Gehalt 288 M. monatlich. Bewerbungen nebst ausführlichem Lebenslauf und Zeug- nissen sind bis zum 1. Mai d. I. einzureichen. Bewerber, auch Kriegsbeschädigte, welche in ähnlicher Stellung tätig getvesen sind. werden bevorzugt. Der Magistrat., Northeim(Hannover). Für unsere Stwdtspackass« wiLd zum sofortigen Eintritt ein tückitiger Olegenbuchfiihrn gesucht. Das Einkommen beträgt vor- läufig 1288 M. u n b wird bei befriedigender Arbeit nach und nach erhöht werden. Die Anstellung erfolgt zunächst auf Probe mit gegenseitiger halbjähriger Kündigung, später auf Lebenszeit. Bewerber muß eine Kaution von 1008 M. hinterlegen und im Rechnen und Schreiben tüchtig sein. Die Stelle eignet sich besoii- ders für Kriegsbeschädigte mit Verlust eine? Beines. Bewerber mit Zivilversorgungsschein oder Anstellungsschein werden bevor- zugt. Bewerbungsgesuchs mit Lebenslauf und Zeugnissen find-bis zum 18. Mai d. I. bei uns einzureichen. Der Magistrat. Eldagsen. Solche„fürstlichen" Gehälter in der jetzigen teuren Zeit den Kriegsbeschädigten anzubieten, ist der Gipfel sozialen Verständnisses. Hier wird offensichtlich bei der GehaltSfestsetzung auf die Renten Bedacht genommen, denn sonst könnte man derartige Hungerlöhne nicht anbieten. Wo bleiben da alle die schönen Versprechungen an unsere tapferen Feldgrauen, wenn Behörden schon jetzt solche enormen Gehälter zahlen und daS für Stellungen, die ein bestimmtes Maß von Bildung und Wissen voraussetzen� WaS soll da erst nach dem Kriege werden? Hier bleibt noch eine Riesenarbeit für die Gewerkschaften. Aber auch die gesetzgebenden Körperschaften in Staat und Kommune sollten Vorsorge treffen, daß Lohnvrückereicn nicht vorkommen. Verantworttl» für Volltll: ffrlö Uutwer, Berlin: für den übrigen Teil de« Blatte?: Mkred Scholz, Slenlölln! für Anzeigen: Nieodor Nlockc, Berlin. Verlan' Vorwärls-Berlag G. m. b. H., Berlin. Druck. BorwärlS-BuGdruckerei»n? Lerllizsnnfinlt Paul Singer u. Co. in Berlin. Lindenslrnbe Z. Hierzu 1 ScUage»nd Untrrhalningsdlii«.