Ur. 179. 35. Ia�rs. Bezugspreis: Blerieljcihrl. t.50 MI. monatl�.SVMU ftei ins Haus, voraus, ahlbar. Einzeln« Nummern 10 Vfennig. Postbezug: Monaluch, vom Bostlchalter abzuholen vom Briefträger ms Haus ge- bracht l.St Ml. linier Kreuzband flir Deurichlar d und Oesterreich. Ungarn S.— Ml» fflt das übrige ülusland 4,50 Ml. monatlich. L erlaub ins Feld bei direkter Seslelluna tnouaU. 1�0 Ml. Boltbeltellunzen nehmen an Düne- Marl, Holland. Luxemburg, Schweden und die Schweiz. Stnaerragen in die iosl-Zeitungs-BreiSIiste. Erscheint tiiglich, Telegramm- Adreff«: «Sozialdemokrat Berlin�, Verlinev Volksblstk. �Ivpfvnnl»� Anzeigenpreis: DiesiebengelbaUeneKolonelzeilelollet 80 Pig.»Kleine Anzeigen", das fettgedruckte Wort 20 Pfg.(zulüssig 2 fettgedruckte Worte!, jedes weitere Wort 15 Pfg. Stellengesuche und Schlafstellenanzeigen das erste Wort 20 Pfg., jedes weitere Wort 10 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Teuerungszuschlag 20«/» Familien-Anzcigen, volitijche und gcwerlschaslliche Vereins- Anzeigen 50 Vsg. die Zeile. Anzeigen für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags im HauPtgeschäft. Verlm SW.K8, Lindenstraxe 3, ab:«geben werden. Geöffnet von 8 Uhr früh bis 7 Uhr abends. Zcntratorgan der fozialdemoltrati fcben Parte» Deutfcblands. KeSaktion: ctD. 68, Lwöenstraße Z. pfernivrecher:«Ml Moriadlav- Rr. Ik» UV— 151 S7. Dienstag, de« Ä. Juli 1S18. Expeüition: SM. 68, Linöenstraße Z. shernsprecher: Am« Mori?viap. Nr. 151 9g— 151 S7. Schweres Ringen auf der HochMhe«»» Schiegen. Die Beute seit 21, März: 191454 Gefangene, 3476 Geschütze, 15 034 Masdiinengewehre— Rege feindliche Crkundnngstätigkeit an der Arrasfront und zwischen Aisue und Marne— Französischer Angriff bei St. Pierre- Aigle. Berlin, 1. Juli 1918, abends Amtlich. Oertliche Teilkämpfe südlich des Curcq. Amtlich. Große? Hauptquartier, 1. Juli 1918.(SB. T. B.> Westlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht. Tie Gescchtstätigkeit lebte am Abend an vielen Stellen der Front auf. Lebhafte ErlundungStätigkeit hält an. Englische Teilangriffe nördlich von Albe r t wurde» abgewiesen. Heeresgruppe Deutscher Kronprinz. Zwischen Aibue und M n r u e rege Tätigkeit des Feindes. Mehrfach stieß Infanterie zu starken Erlundungrn vor. Bei und südlich von St. Pierre-Aigle griff der Franzose gegen Mittag nach heftiger Feuervorbcreitung an. Er wurde abgewiesen. Ebenso scheiterten hier nächtliche Borstöße des Feindes.__ Leutnant Löwcnhardt errang seinen 32. Luftfieg. Nach Abschluß der Prüfungen beträgt die Zahl der seit Beginn unserer Angriffsschlachten— 21- März 1918— bisher über unsere Sammelstellen abgeführten.Gefangenen (ausschließlich der durch die Krankenanstalten zurück- geführten Verwundetens: 191454. Davon haben die Engländer 94939 Gefangene, darunter 4 Generale und etwa 3199 Offiziere, die Franzosen 89 999 Gefangene, darunter 3 Generale, und etwa 3199 Offiziere verloren. Der Rest verteilt sich auf Portugiesen, Belgier und Amerikaner. Bon den Schlachtfeldern wurden bisher 2476 Geschütze und 15 024 Maschinengewehre in die Bcntesammelstellen zurückgeführt. Der Erste Grneralquarticrmcistcr. Ludendorfs. » In der Zahl von 191 454 Gefangenen sind, wie der Heeresbericht hervorhebt, lediglick) dieunverwundeten Gefangenen inbegriffen. Zählt man die verwundeten Gefangenen hinzu, so steigt die Gefangenenzahl, wie er-- gänzcnd gemeldet wird, um Tau sende über das zweite Hunderttausend. Bei der Schnelligkeit, mit der die deutschen Sturnitrupps vordrangen, fiel ein groster Teil der feindlichen Verwundeten in deutsche Hand. Die gemeldete Beute an Geschützen und Maschinengewehren um- faßt gleichfalls nicht die cngliich-französischen Gesamt» Verluste. Geschütze und Maschinengewehre fielen au zahl» reichen Stellen den deutschen Eroberern nicht nur völlig un- versehrt in die Hände, sondern auch mit allem Zubehör, Nicht» mittein. Protzen, Bespannungen und vor allem mit überreicher Munilionsausstattung. Hunderte von Geschützen, tausende von Maschinengewehren wurden so von der kämpfenden Truppe un- mittelbar in Gebrauch genommen. Der österreichische Bericht. Wie«, I.Juli 1918. Amtlich wird verlautbart: Südöstlich von?l s j a g o kam es erneut zu heftigen Kämpfen. Da der C o l d c l R o s s o und der M o n t e d i B a l B e l l a sich nur nnter großen Opfer» hätten behaupten wurde» die Besatzungen dieser Punkte iu die frühere Hsuptstellung am Walde von Stenfle zurück» genommen. Südlich von Canod« but Asiago wiesen wir feindliche Erkundungen ab. Unsere Land» und Seeflieger imternehmen im Mündungsgebiet der P i a v e erfolgreiche Flüge gegen militärische Anlagen des Feindes und kehrten vollzählig zurück. Der Chef des Generalstabes. Die Crkunöungskämpfe im wefte«. Berlin, 1. Juli.(W. T. B.) Tie SR e r v o s i t ä t der F o ch- schc» Heeresleitung hält an. An der gesamten Front vom Nieuwport-Kanal bis Mülhausen suchte sie am 39. Juni und in der Nacht zum 1. Juli durch Vorstöße von Patrouillen und Er- kundnngsabtcilungen Einblick in die deutschen Abtei- l u n g e n z u b c k o m m c n. Sln der Amicnsfront versuchten Engländer und Franzosen bei Albert und Castel durch größere Vorstöße ihre Linien zu verbessern. An allen Stelle» wurde der Zlngreifcr verlustreich im Handgranaten- und SNaschinengewehrfcner abge- wiesen, oder im Gegenstoß völlig zurückgeschlagen. Gefangene blieben zahlreich in deutscher Hand. Der hollänöische Geleitzug unü öie deutschen Farbstoffe. Die holländische Regierung gibt in einer langen Erklärung bekannt, daß der Verlauf der sich nun über mehrere Monate hinziehenden Verhandlungen mit England wegen Ab- sendung eines holländischen GeleitzugcS nach N i e d e r l ä n d i s ch» I n d i e n sie zum Nachgeben in einer Frage gezwungen hat, die nicht nur für sie, sondern auch für die deutsche Jndustrv wichtig ist. Ein Geleitzug sollte vornehmlich Rcgierungsbeamte und staatliche Güter nach Indien bringen. Nach lieber» Windung der Schwierigkeiten, die zunächst der Absenkung eines Geleitz nges überhaupt bereitet wurden(neutralen Staaten könne das Recht der Geleitung von Handelsdampfern nicht zuerkannt werden), wurde ein Kapitel der Schwierigkeiten wegen des Transportes deutscher Farbstoffe er- öffnet. Die englische Regierung stellte sich auf den Standpunkt, daß sie gegen solchen Transport an und für sich keine Einwendung erheben würde, wenn sie sich über» zeugen könnte, daß die Farbstoffe nicht aus anderen als feindlichen Ländern bezogen werden könnten. Daß der holländische Geleitzug nicht zur Abfahrt gelangte, hing mit dem Hin- schleppen der Entscheidung in dieser Frage zu- sammen, und jetzt hat die holländische Regierung erklärt, aus einer englischen Antwort vom 29. Juni ergebe sich, daß keine Uebereinstimmung erzielt werden konnte. Daraus aber zieht sie die Folgerung, daß die deutschen Farbstoffe wieder ausgeladen werden niüssen, um endlich ein Abfahren des Geleitznges möglich werden zu lassen. Ein neuer Gewaltakt also, der den Handelskrieg der Entente und in diesem Fall besonders Englands gegen die Neutralen kennzeichnet. Um die Verbindung mit seinem indischen Kolonialbesitz zu sichern, entscheidet sich Holland für ein Untcrducken unter die Faust des englischen See- absolutismus. Daß ber ebeiz erfolgte Rücktritt des holländischen M a r i n e m i n i st e r s, des Konteradmirals R a m» b o,n n c t, mit diesem Entschluß der Regierung zusammen- hängt, wird in holländischen Blättern offen ausgesprochen und bitter glossiert. In der Amsterdamer„Tockomst"� wird gesagt:„England greift einfach ein, als ob wir die Neger- republik Liberia oder ein kleiner mittclamerikanischer Bau- ditenstaat wären.... Der Verband droht und wir geben nach." Das Blatt sagt, die Liquidation Hollands sei in vollem Gange. Morgen finden in Holland die Wahlen zur Zwei- ten Kamnier statt, die nach dem neuen Wahlgesetz— bei allgemeinem und gleichem Stimmrecht mit Stimmpflicht und nach dem Verhältnissystem— vollzogen werden. Eine Rede, die T r o e l st r a vor einigen Tagen hielt, ließ erkennen, wie sehr die internationale Politik Hollands,- insbesondere seine Keillage zwischen England und Deutschland, die Geister im Wahlkampfe beschäftigt.___ Duögetabstimmung in üer franzö'stschen Kammer. Die Sozialisten fordern Bekanntgabe der Kriegsziele. Brrn, 1. Juli. Bei der Erörterung der provisorischen Budget- zwölftel in der französischen �Kammer am vergangenen Donnerstag gab Mistral namens der Sozialisten folgende Erklärung ab: Wir wollen die Abstimmung über das Budget nicijt verzögern und werden deswegen eine Debatte über die äußere Politik nicht aufwerfen. Wir behalt«» uns dies für später vor. Mistral verlas sodann ein Manifest der Confederation Gene- rale du Travail und wies nachdrücklich auf die Forderung des Manifestes bezüglich der Bekanntgabe der KriegSzicle hin, wo- bei er sagte, es werde bald die Initiative zur Erörterung des Mani- festes in der Kammer ergriffen werden, was lebhasten Bestall bei der äußersten Linken auslöste; rechts wurden Protestrufe laut. Die provisorischen Zwölftel wurden schließlich mit 481 gegen g Stimmen angenommen, Schiffahrt und Schiffbau. Von Paul Müller(Hamburg). Der Besuch, den der Deutsche Reichstag in so stattlicher Zahl am 15. und 16. Juni Hamburg als der Metropole der deutschen Schiffahrt und des deutschen Schiffbaus zu Studien- zwecken machte, hat das Augenmerk der großen deutschen Oefsentlichkeit nicht nur auf die ungeheure national- und Welt- wirtschaftliche Bedeutung, sondern auch auf die durch den Weltkrieg 1914— 1918 erklärlicherweise stark beeinflußte Lage der deutschen Seeschiffahrt und des deutschen Schiffsbaus ge- richtet. lieber die national- und weltwirtschaftliche Bedeutung der deutschen Seeschisfahrt und des deutschen Schiffbaus in Frie- denszeiten konnten Zweifel nicht bestehen, was bei dem Um- fang und Einfluß dieser Industrie erklärlich ist. lieber ihre gegenwärtige Lage machen sich weite Kreise der deutschen Oefsentlichkeit" in den verschiedensten Richtungen falsche und irrige Vorstellungen, denen zu begegnen mir aus Wirtschaft- lichen und politischen Erwägungen heraus dringend erwünscht erscheint. Die Lage der(neun Zehntel der deutschen Reederei über- Haupt repräsentierenden) Groß reedcrei in Hainburg und Bremen während des Krieges ist der großen Oefsentlichkeit deshalb unbekannt geblieben, weil die sämtlichen Großreede- reien— und zwar nicht nur in Hamburg und Bremen— von der Verpflichtung zur Vorlage ihrer Jahresabschlüsse in den Kriegsjahren 1914— 1917 von der Regierung entbunden svor- den sind. Feststellen will ich aber, daß die gesamten deutschen transatlantischen Groß- und auch die Mittel reedereien unter dem Druck des Krieges ungemein schwer zu leiden haben. Zur Illustration diene die Feststellung, daß abgesehen von den riesigen Schiffs- und S ch i f f s r a n ni v e r- lusten, Großreedereren, die in den letzten Friedensjahren Durchschnitts d i v i d e n d e n von 5— 6 Proz. erzielten, in den Kriegsjahren größtenteils mit erheblichen Verlusten arbeiten oder im günstigsten Falle Dividenden bis zu 3 Proz. erzielen, die in den meisten Fällen nicht durch Handelsschis- fahrt, sondern durch anderweitige geschäftliche llnternehmun- gen erzielt sind. Die Schiffahrt, die sie betreiben, betreiben sie entweder mit Verlust oder mit Gewinnen, die nur die Be- triebsunkosten decken, da diese nanientlich für Großreedereien mit Riesenschiffen, die sich für die Nord- und Ostsoefahrt recht wenig eignen, enorm gestiegen sind. Wenn trotzdeni die allermeisten deutschen Reedereien an nicht unwesentliche Erhöhungen ihres A k t i e n k a- p i t a l s herangetreten sind oder herantreten müssen, so nicht zuletzt deshalb, weil sie mit ihreni bisherigen Aktienkapital trotz der ihnen nach dem Wiederaufbaugesetz zukommenden Reichsbeihilfen einen durchgreifenden Wiederaufbau ihres Schiffsparks bei den heute und nach dem Kriege herrschenden— um 390 bis 350 Proz. gestiegenen— Schiff- banpreisen nicht herantreten können. Der Wiederaufbau der deutscheu— namentlich transatlantischen— Handelsflotte wird den Reedereien trotz der Reichsbeihilsen größere Lasten aufbürden, als sie der Neubau der verlorenen deutschen Handels- flotte in Frieden.'Zeiten ansinachte. Wenn trotzdem auf dem deutschen Geldmarkte eine zeit- Keilige tollkühne Spekulation auf Schiffahrts- aktien einsetzt, so haben die Großreedereien diese unsinnigen Börsenmanöver weder inszeniert, noch haben sie die Macht, sie zu verhindern. Sie können nicht mehr als heute schon vor- aussagen, daß die Spekulanten arge Enttäuschungen erleben werden. Günstiger als die deutsche Großreederei für transatlan- tische Fahrten, steht sich in den Kriegsjahren 1916 bis 1917 die K l e i n r e e d e r e i für Nord- und O st s c e f a h r ten, die zumeist ihren Sitz in den Ostseehäfen von Flensburg bis Königsberg hat. Auch im Elbe- und Wesergebiet haben einige dieser Reedereien ihren Sitz. In der Fahrt an den deutschen Küsten, nach skandinavischen Häfen, und insbeson- dere in der Erzfahrt, erzielten sie Frachten und Mieten, die ihnen trotz der hohen Betriebs- und Versicherungskosten einen nicht unerheblichen Nutzen ließen. 15 bis 20 dieser Reede- reien konnten 1916 Dividenden von 5 bis 25 Proz. ans- schütten, und haben es 1917 auf 10 bis 40 Proz. Dividende gebracht, soweit Aktiengesellschaften in Frage kommen.� Die Privat- und Partenreederei stand sich nicht weniger günstig. Daneben sind selbstverständlich bei allen diesen Reedereien respektable Abschreibungen gemacht worden. Der allgemeine Schisfsraummangel, die enorm gestie- genen Schiffbaupreise und die Spekulation auf hohe Zu- kunftsfrachten, haben auch in Deutschland die Preise für alte Dampf- und Segelschiffe ganz enorm gestei- gert: im In- und Auslande. Schiffe zum Friedenspreise voh 200 Mark Im Tonne, erzielen heute 6—700 Mark pro Tonne« Das sind Folgen des Krieges, die nur ern verschwindend kleiner Teil der deutschen Reederei zu genießen vermag, unge- fähr ein Zehntel der gesamten Reederei. Neun Zehntel der deutschen Reederei, namentlich in den Nordseehäfen, stehen heute vor förmlichen Trümmerhaufen ihrer einstigen mari- timen Herrlichkeit. Glänzend hat sich gegenüber der deutschen Großschiffahrt die Lage des deutschen S ch i f f b a n s in den Kriegsjahren 1914—1918 gestaltet. Kaum eine zweite deutsche Industrie befand sich in den letzten Friedensjahrcn in einer so prekären Lage wie der deutsche Schiffbau, soweit die Gewinnerzielung in Frage kommt. Die Krieg hat darin eine grundstürzende Acnderung bewirkt. Konkurrenzlos produzieren die deut- scheu Wersten fast ausschließlich für die Marine, in Neubau, Umbau und in Reparaturen. Riesig schwellen ihre Aufträge für Neubauten nach dem Kriege an. Ihre Bilanzen nehmen erhebliche Dimensionen an, und Aktionäre deutscher Werften, die in Friedenszeiten sich mit 9—5 Proz. Dividende abspeisen lassen mußten, oder gar mit Verlusten zu rechnen hatten und vor der Pleite standen, quittieren heute über Dividenden von 19—29 Proz. bei starken Abschreibungen, beachtlichen Be- triebkapitalserhöhungen und riesenhaften Betriebserweite- rungen. Tie Folge ist, daß lebhafte Spekulationen in der deutschen Schiffbauindustrie einsetzen. Neben den 22 alten deutschen Sseschiffwerften sind bereits 14 neue Werften ge- gründet und zum Teil bereits im Entstehen begriffen, und die Gründung von 6— 7 weiteren neuen Seeschiffswcrften steht noch zu erwarten. Also ein reines Gründungsfieber. Ohne Frage: Auch die Zeit nach dem Kriege wird der deutschen Schiffbauindustrie eine glänzende Baukonjunktur für den Handels- und Kriegsschiffbau bringen. Diese Konjunktur kann aber naturgemäß nur für einige 5— 6 Jahre anhalten, dann muß ein Sinken der Baukonjunktur eintreten, und der Krach muß über die meisten der heutigen neuen Werftgründungeu hereinbrechen, die heute wie Pilze au? der Erde hervorschießen. Ich habe hier ein knappes aber getreues Bild von der Lage der deutschen Seeschiffahrt und des Schiffbaus quasi als Nachwort zu der Hamburger Tagung des Reichstages entworfen. Ernst ist demnach die Lage der deutschen Reederei in ihrer übergroßen Mehrheit, und zum mindesten zweifelhaft find ihre Zukunftsaussichten, namentlich wenn wir uns die wirtschaftlichen Kriegs*! cle der Entente vor Augen führen, die sehr ernste Miene m/cht, dem Waffenkrieg in einem Wirt- fchaftskriege ein äußerst bedenkliches Nachspiel zu geben. Das sind Tatsachen und Möglichkeiten, auf die Regierung und Reichstag bei ihren zu treffenden Maßnahmen der See- ichiffahrt gegenüber auch im Interesse der Arbeiterschaft Rück- ficht zu nehmen haben. Die Monarchiefrage Zinnlanös. Svinhnstmd gegen Ednnrd Dav'd. Stockholm, 39. Juni.(Eig. Drahtbertcht de?„Vorwärts".) Aus Helsingfors wird gemeldet: Senator Svinhufvud erklärt gegen den deutschen Reichstagsabgeordrieten Dr. David, Ursache des Aufruhrs in Finnland seien nicht mon- archistische Pläne der Bourgeoisie, denn der Senat schlug im Dezember die republikanische Regierungsform vor. Die Ent- sckeidung lag bei den sozialistischen Landtags- Männern, welche den Aufruhr vorzogen. Vorher dachte niemand in Finnland an ein Königtum.„Hufvudstads- blad" fügt hinzu, David heiße selber ein Volksköntgtum in Deutschland gut. Die auf Grund des nationaldemokratischen Wahlsystems gewählten Sozialisten seien nicht vom Landtage ausgeschlossen. Gegen Svinhufvud ist einzuwenden, daß die Sozialisten nicht den Aufruhr vorzogen, sondern ablehnten und erst, als dieser vollzogene Tatsache war, eine Regierung bildeten.„Hufvudstadsblad" argumentiert sophistisch, da im Landtag nur zwei Sozialisten übrig blieben, die übrigen aber teilweise verhaftet sind. Tatsache ist, daß der Landtag jetzt statt 209 110 Mitglieder hat, wovon fast die Hälfte republi- lanisch ist. Die finnischen Monarchisten haben die Hoffnung aufgegeben, die Monarchie derzeit durchzusetzen, da selbst im jetzigen zusammen- geschmolzenen Landtag nur 58 Abgeordnete für Monarchie find, was die für eine Verfassungsänderung notwendige Zweidrittel- Mehrheit ausschließt. Ein Referendum ist eben darum schwierig. besonders da die Monarchisten selbst einen republikanischen Ans- gang deö Referendums befürchten. Darum halten die schwedischen Finnen, welche mit den Allfinnen die Monarchie verfechten, eine Königswahl vor ILM für unmöglich. Die Anwendung der von feiten der Rechten vorgebrachten juristischen Konstruktion, daß Finn- land gemäß der Verfassung von 1772 noch Monarchie sei und der König einfach gewählt werden könne, ohne die Verfassung abzu» Ludern, liefe auf einen Staatsstreich hinaus, welchen die Mon- archisten selbst angesichts der fortdauernden, durch Hungersnot der- schärften Jnnenkrisis ablehnen. Vorläufig soll der Rechtsblock regieren, es ist aber fraglich, ob die Mehrheit solange beisammen- bleibt, wenngleich die Altfinnen derzeit den schwedischen Finnen in der Sprachenfrage Konzessionen machen wollen. Jedenfalls lehnen fic die administrative Zweiteilung ab. Die Monarchisten werfen den Republikanern vor, daß sie unter Einfluß der Entente arbeiten. Tatsächlich sind bei den Linksparteien antideutsche Strö- m u n g e n bemerklich, die aber just der Befürchtung enistammen. daß Finnlands Selbstbestimmungrecht in der Monarchiesrage be- schränkt werden könnte. Das polnische yeeresgesetz. Warschau, 29. Juni. Der Entwurf deS polnischen HcereS- gefetzeS, welcher dem Staatsrate vorliegt, sieht nach den Blättern aktiven Heeresdienst und Hilfsdienst vor. Die Dienstpflicht beginnt mit dem 18. und endet mit dem 50. Lebensjahre. Der Dienst i m st e b e n d e n H e e r e ist zweijährig, sodann Reserve. Landwehr und Landsturm. HilfSdienftpflich- t i g(nur im Kriege) sind alle nicht unter die Waffen Gerufenen vom IS. bis 60. Lebensjahre. Befreit vom Heeresdienst sind die geweihten Kapläne und Mönche, Pastoren der evangelischen Konfessionen sowie die Vorsitzenden der jüdischen und anderen Kultusgemeinden. Abiturienten der Mittelschulen oder solche, die mindesten« sechs Klassen mit Erfolg besuchten, können einjährig- f r e i w i l i g dienen. Der Staatsrat oder Landtag setzt das jedes Jahr einzuziehende Kontingent fest. Aus den Uebergangsvorschristen sei erwähnt, daß der Dienst in den polnischen Legionen oder anderen polnischen Truppenteilen während dieses Krieges als Heeres- d i e n st gilt. Die Dienstzeit im russischen Heere wird a n g e- rechnet. Russische Reserveossiziere können nach entsprechender ergänzender Susbildung übernommen werden. Der Prozeß gegen ö!e polnischen Legionäre. MarmaroS Sziget, 30. Juni. Am 28. Juni sagte Legion?- oberleurnant Gliniecki aus, er habe am 15. 2. Pen Befehl erhalten, seine Batterie nach Walawa zu verlegen. Vor Walawa habe ihm LegionSfähnrich Uziemblo gemeldet, daß alle Geschütze bis auf eins schon in Walawa seien. Er sei daher nach Kotzmann zu- rückgcgangen, um dieses Geschütz besichtigen zu können. Da habe er zwei Automobile bemerkt, auS denen österrcichisch-ungarische Offiziere ausgestiegen seien. Die Beschuldigung, daß er Untergebene zur Auflehnung aufgewiegelt habe, wobei die einschreitenden t. und k. Offiziere mir schußfertigen Waffen umstellt und zum Halten gezwungen seien, stellte der An- gellagte in Abrede. Er habe die Aufforderung deS Hauptmanns Knapp, nach Suchowerkow zurückzukehren, damit beantwortet, daß er dies nicht tun könne, weil er den Befehl seines Abteilungs- kommandantcn ausführen müsse. Er vermutete, daß eS sich um eine politische Demonstration bandle. Dann habe er über Czernowitz nach Sadagora fahren wollen. In Czernowitz sei er verhaftet und in die Kaserne geführt worden. In der Verhandlung am 29. 6. wurden alle Offiziere der ersten Feldkanonenbatterie vernommen. Legionsleutnant Anton B i l i n S k i Ostrowski sagte ähnlich auS wie Gliniecki. Er fei gleichfalls unweit Czernowitz mit seiner Batterie von einer starken österreichisch- ungarischen Patrouille umzingelt und verhastet worden. Dort habe er erfahren, daß die Infanterie ju Musnicki Lberzchcn wollte- Fähnrich Uziemblo gestand, daß Lei den Legionären viel über MuSnicki gesprochen wurde. Von dem ihm zur Last gelegten Vor« haben will er jedoch nichts wissen. Skanölnavifche Nmifterkonferenz. Auf Einladung der dänischen Regierung fand vom 26. bi� 28. Juni 1918 in Kopenhagen eine gemeinsame Beratung deS dänischen Minister» der auswärtigen Angelegenheiten und der Staatsminister und Minister der auswärtigen Angelegenheiten Norwegens und Schweden? statt. Man stellte vollkommene Ueber- einstimmung fest in bezug auf einer Politik unparteiischer Neutralität. Auf der Grundlage bereits gemachter Erfahrungen einigte man sich über einen Versuch, die Mittel für ein gemeinsames bandelSpolitifcheSWirken auch nach demKriege aus« findig zu machen. Ferner wurde die Frage einer gemeinsamen Tätigkeit der drei skandinavischen Länder auf dem Gebiet der Sozialpolitik erörtert und eine Kundgebung de? intcrparla» mentarischen Rate? führte zu dem Beschluß, Vertreter der drei Regierungen zu ernenenn, um die Möglichkeit einer solchen Zusammen« arbeit zu prüfen. Man erörterte noch die folgenden Fragen: Bestimmungen über ine Einschränkung des Zuzugs Fremder in die drei Länder mit Rücksicht auf die Schwierigkeiten der inneren Ordnung, der Ernährung und Ilnlerbringung. Man einigte sich über einen Versuch, entsprechende Maßregeln über die Frage zu treffen, in welchen Fällen Fremde der Steuerpflicht unterworfen werden sollen. ES handelt sich hierbei um da« bei Kriegsschluß aktuell werdende Problem, die kapitalistischen Elemente zu erfassen, die sich den ungeheuren Steuerlasten, denen di� Länder des Krieges aus- geliefert sind, durch Abwanderung entziehen werden. der Kampf um üeu Monte valbella. Italienischer Bericht vom 80. Juni. Auf der Hoch- fläche von A s i a g o, wo der heldenmütige Widerstand unserer Truppen am 15. Juni den Ansturm der an Zahl überlegenen feindlichen Massen brach und wo italienisch«, französische und englische Truppen der tapferen S, Armee in täglichem Wett- eifer an Tapferkeit sich im Kampfe verbrüderten, lebte der Kampf gestern früh, durch starkes Artilleriefeuer genährt und unter- stützt� durch DiversionSunternehnuingen der Artillerie und Truppen, energisch von den Alliierten geführt, wieder auf. Unsere Truppen griffen den Monte Valbella an und eS gelang ihnen. ihn dem Feinde nach hariein Kampfe fortzunehmen. Tag und Nacht wurden große Massen des Feindes vergebens zu Gegen- angriffen und zuih Massenmord vorgeworfen, wurden aber durch unsere Infanterie zurückgetrieben und durch konzentriertes Artillerie« feuer und durch. kühne Kampfflieger mit Maschinengewehren de- zimrert. Die eroberte Stellung wurde durch uns siegreich gehalten. Wir machten 21 Offiziere und 783 Mann der feindlichen Truppe, die zu vier verschiedenen Divisionen gehörten, zu Gefangenen. Wir eroberten außerdem Kanonen, Mörser und zahlreiche Maschinengewehre.'Mehr nach Osten zwischen dem Frenzela-Tal und der Brenta nahm eine unserer Ab- teilungen einen starken Stützpunkt und einen feindlichen Beob- achtungSposten auf den Südabhängen de? S a f f o R o f s o im Sturm und machte dabei zwei Offiziere und 81 Mann zu Ge- fangcnen. Auf dem übrigen Teil der Front führte unsere Artillerie wirksames Störungsfeuer aus. Bei Capo Sile brachten uns Patrouillenunternehmungen Gefangene ein. Der U-Boot-Krieg in der Irischen See. TaS unter dem Kom- mando des Kapitänleutnants Jeß stehende U-Boot hat in der Irischen See und deren Zufahrtsstraßen drei besonders wertvolle Dampfer von je 5000 bis 6000 Br.-R.-T. Größe versenkt. Zwei dieser Dampfer wurden auS starken, nach England einlaufenden Geleitzügen herausgeschossen. Im Ganzen nach neu eingegangenen Meldungen unserer U-Boote: 20 000 Br.-R.-T. Der Lockspitzel Dagajetv ermordet. Wie die.Prawda' vom 28./13. April 1918 berichtet, soll der berühmteste aller russischen Lockspitzel, S. T. Tagajew, kürzlich in Amerika auf Beschluß einer Gruppe internationaler Terroristen ermordet worden sein. Der Petersburger Wintcrpolast al? Maifeier-Festl-kal. Der Rat der Kommissare der Petersburger Arbeiterkommune hat be- schlössen, das Gebäude des WinterpalasteS künftig zur Veranstaltung von Maifeiern und Ämlichen Festen deS Volkes zu verwenden. Tie Ermordung Wolodarskis. Wie„Politiken" auS Peters- bürg erfährt, teilte dort Uritzkh hei dem Zusammentritt der Sow- jetS am letzten Sonnabend mit, die Polizei habe sichere Beweise da- für, daß die Ermordung WolodarskiS von Sozialrevolutio- nären der Rechten mit Unterstützung englischer Gelder or- g a n i st i e r t worden sei. Wolodarski wurde am Sonntag unter großen Feierlichkeiten begraben. Kriegsgericht über die griechischen Offiziere in Görlitz. Wie der„Tcmps" berichtet, wird dos Kassationsgericht von Athen diese Woche den Fall der griechischen Offiziere m Görlitz aburteilen. Der Staatsanwalt verlangt Bestätigung der Todesstrafe. Die vereitelte Autonomie des Pcloponnes. Bern, 1. Juli. Vor dem Kriegsgericht von Sparta erschienen zwei Deputierte sowie ein chrmaliger Staatsanwalt und ein Oberst, d:e versucht hatten, vor der Einsetzung der Regierung Venizelos die Autonomie des P-loponneS zu verkümden. Das Gericht verurteilte sie sowie ncorn ihrer Genossen zu acht Jahren Zwangsarbeit. DaS Wrack der Koningin RegenteS vergeben? gesucht. Amsterdam, 1. Juli. Die� Niederländische Telegr.-Agentur meldet aas dem Haag, daß der Seeschleppdampfer Zeeland. der am Sonnabendmittag zur Untersuchung des Wracks der Koningin RegenteS ausgefahren war, vorläufig wieder nach Nieuwe Deep zurückgekehrt ist, da man von dem Wrack keine Spur mehr entdecken konnte. Seetreffcn an der Flanbernküste. London, 29. Juni. Reuter. Die britische Admiralität teilt mit: Am Abend deS 27, Juni sichteten vier englische Zerstörer, während sie an der belgischen Küste pa- trouillicrien, acht feindliche Torpedobootszerstörer. Unsere Zer- stöver fuhren mit. ostlichem Kurs und voller Geschwindigkeit und verwickelten den Feind auf großen Abstand in ein Ge- fecht. Nach einviertelstündigcm Kampf stießen drei wettere Tor- psdozerftörer zum Feinde, worauf sich unser Geschwader auf die Hauptfront zurückzog(wörtlich: kell baclc on their supperts). Der Feind folgte nicht und das Gefecht wurde abgebrochen. Kein? unserer Schiffe wurde beschädigt. Gstmarkenpolitik im verorünungswege. Anfiedlungsunternehmen Kurland. Kowno, 27. Juni.(W. T. B.) Generalfeldmarschall v. Hindcn- bürg als Chef des Generalstabes des Feldheeres bat, wie die„Bai- tisch-Litanischen Mitteilungen" erfahren, unter dem 17. Juni eine Verfügung über die Bodenfrage in den Gebieten der östlichen Militärverwaltungen erlassen, die in großzügiger Weise die Besiedelung Kurlands anbahnt. Sie hebt hervor, daß, wenn die von Rußland jahrhundertelang ver- nachlässigtem Randstaaten in den schützen.den Kreis des deutschen Wirtschaftslebens treten, das ganze Volk, die Allgemeinheit, den, Nutzen davon haben soll.„Volkswohlstand besteht nicht in einer kleinen Zahl von Großkapitalisten, son- dern einer möglichst großen Zahl leistungsfähiger, selbständiger, heimfester und heimfroher Staatsbürger, die dem Staate da? liesern, was er in allererster Linie braucht: Menschen, gesund an Leib und Seele. Solch ein Geschlecht von Siedlern läßt sich nur be- gründen, wenn die Spekulation ferngehalten wird." Durch zielbewußte Handhabung der vom Generalquartier- meister und vom Oberbefehlshaber Ost erlassenen Verordnungen sind die gemeinschädlichen Gefahren der Boden- Preissteigerung zu bannen und einer gesunden Besiedelung des Landes die Wege frei zu halten. Di« vom gleichen Tage datierte Verordnung des General« quartiermeisters Hahndorff über diese Landabgabe und Siedelung in Kurland verpflichtet jeden kurländischen Ritte-rgutSbesitzer, dessen Gesamtgrundbesitz die Größe von 1000 Löf- stellen(gleich 860 Hektar) erreicht, an die Landgesellschaft„Kur- land" als Trägerin des Ansiedelungsunternehmens ein Drittel feine? Gesamtareals, und zwar für Zwecke der Besiedelung geeignete? Land im Wege des Kaufvertrages zu überlassen. Der Erwerbspreis für die Landgesellschaft„Kurland" hat dem Friedenspreis des JahreS 1914 zu entsprechen. Die Verpflichtung ist zunächst in dem Umfang« zu erfüllen, daß jedes beteiligte Gut 25 Proz. seiner Fläche an die Landgesellschaft„Kurland" verkauft. Die restlichen 81tz Proz. sollen nach Möglichkeit freihändig zum Friedens- preis des JahreS 1014 durch die Landgesellschaft„Kurland" er- warben werden. Die Verordnung gilt auch für die im Herzogtum Kurland gelegenen Fideikommiss«. 4 Es scheint uns aus verfassungsrechtlichen Gründen, nicht mög- lich, die Frage der Siedelung in Kurland so kurzerhand auf dem Verordnungswege zu erledigen, wie das anscheinend ge- schehen soll. Die baltischen Barone sollen ein Drihel ihres Grundbesitzes gegen Bezahlung hergeben,— der Plan einer u n- entgeltlichen Hergabe, wie sie diese Kreise selber ursprüng- lich als Dank für die Einbeziehung Kurlands in die deutsche Machi- spbäre in Aussicht gestellt haben, ist offenbar als zu„bolschewistisch" fallen gelassen worden. Sollen aber die Güter bezahlt werden, so ist es doch das Reich, das zunächst mittelbar oder unmittelbar die Gelder dazu hergibt. Daraus ergibt sich ganz von selber Recht und Pflicht deS Reichstages, in dieser Sache mit- zureden. Aber auch abgeseheu vom rein Finanziellen handelt es sich um eine Frage, die für t-aS Geschick von vielen Hundert- tausend Reichsangebörigen entscheidend werden kann. Auch deshalb ist eine Ausschaltung deL Reichstages bei ihrer Lösung nicht angängig. Schließlich hat die" ganze Frage aber noch eine hochpolitische Bedeutung: Es wird hier eine neue O st m a r k e u- Politik inauguriert, die mit der preußisch-polnischen Ostmarken- Politik gewisse Parallelen aufweist. Nicht zuletzt aus diesem Grunde ist eine scharfe parlamentarische Kontrolle des Unternehmens notwendig. Die Verfügung des Generalfeldmarschalls v. Hindenburg legt auch noch einige weitere Fragen nahe: Ist die Bodenspekulation und der agrarische G-roßkapitalismus nur in Kurland ein Uebel? Warum werden nicht auch iunerhalb der deutschen Grenz- Pfähle die„gemein schädlichen Gefahren der, Boden- Preissteigerung" Arbannt, anstatt wie bisher durch eine ver- kehrte Gesetzgebung gesteigert zu werden? Wird auch bezüg- lich des o st e l b i s ch e n Großgrundbesitzes eine ähnliche Maßregel wie in Kurland geplant? Und warum werden Fidei- ko m m i s s e nur in Kurland angegriffen, während man in Preußen mit immer neu tu Schutzbestimmungen ihr entlvicklungs- feindliches Wachstum zu stärken sucht? Kurze Anfrage Nr. 600. Auch ein Jubiläum. Haupt- und Stichwahlen im Januar 1912 waren darüber. Neu- und wiedergewählte Abgeordnete rüsten zu neuer Arbeit. zu parlamentarischer Tätigkeit. Die Geschäftsordnung des Reichstags ist nicht mcbr zeitgemäß, sie muß geändert werden. Zentrum, Freisinnige, Nationalliberale und Sozialdemokraten verlangen in der Zeit vom 9. bis 13. Februar 1912 durch gesonderte Anträge die Wahl einer besonderen Kommisston zur Prüfung und Neufassung der Geschäftsordnung, in tvelcher vor allem eine Bestimmung enthalten sein soll, durch welche die Stellung„Kurzer Anfragen" ermöglicht wird. In der sechsten Plenarsitzung am 15. Februar 1912 bei Gelegenheit der ersten Beratung des Reichshaushaltsetats führt der Abg. Dr. Junck u. a. folgendes aus Meine Herren, wir wünschen ferner, daß eS diesem Rei-bStag gelingen möge, das Antragsrecht bei Interpellationen einzuführen. ES ist unerträglich, daß der Reichsiag sich durch seine eigene Geschäftsordnung gerade bei den wichtigsten Angelegenheiten selbst einen Maulkorb vorbindet. Wir wünschen ferner, daß das Institut der kurzen Anfragen eingeführt werde, die ganz besonders geeignet sind, eine nähere Verbindung zwischen Par- lament und Exekutive herzustellen, ein Recht, daS um so er« giebiger sein wird, wie offen bekannt werden möge, je zurück- haltender und klüger der Reichstag bei Ausübung seines Fragerechtes sein wird. Die Kunst de« Fragens in Angelegenheiten namentlich der auswärtigen Politik und die >wlige Zurückhaltung bei Ausübung deS FragcrechteS muß natür- lich gelernt werden. Wir sind aber überzeugt, daß der Deutsche Reichstag das nötige VerantwortlichkeitSgesühl haben wird. Nr.l7H ❖ Z5. Jahrgang Keilage öes vorwärts Dienstag, 2. Mi Lpie wohnsn öie kinöerreichen Kamillen? Wenn man von Wohnunci§nöten spricht, so trifft man diese im berstärklcn Matze bei den kinderreichen Familien. Die kinderarmen Familien können immer noch über alle Wofinungsschwierigkeiten verhältnismäßig leicht hinwegkommen. Die kinderreichen Familien dagegen leiden doppelt und dreifach. Nun ist zwar die Zahl dieser Familien in Verlin leider nicht sehr groß. Das ist auch eiue Folge de» Berliner Wohnungselends. Dann die durchschnittliche Berliner Mietkaserne ist eigentlich auf kinderreiche Familien gar nicht be� rechne:. In den engen Höfen, um die herum sich viele Dutzende von Wohnungen befinden, können Kinder kaum untergebracht werden. Kinder bedürfen einen Auslauf wie die Hühner um den Stall . herum. Einen solchen Auslaut bieten die Berliner engen Höfe aber nicht, auf denen außerdcin den Kindern der Aufenthalt grund- sätzlich noch verbalen ist. Wir haben daher in Berlin im Durch« schnitt nur noch 11 Kinder auf die Familie. Um so schlimmer sind aber die kinderreichen Familien daran. Diese sind fast wie Frösche auf trockenes Land gesetzt. Sie können nicht gedeihen. Ihrer sich anzunehmen, ist die Hauptaufgabe aller Wohnungsfürsorge. Leider haben wir über die Berliner Wohnungsverhälinisse kinderreicher Familien noch keine besonderen Studien. ES sind aber neuerdings über verschiedene rheinische Städte recht gute Be« schreibungen der kinderreichen Wohnungen bekannt geworden. Das beste Buch darüber hat Dr. Marie Baum veröffentlicht unter dem Titel »Wohnweise kinderreicher Familien", bei Carl Hetzmann in Berlin. Auch über M.-Gladbach, über Köln-Ehrenfeld und verschiedene badische Städte sind recht gute Tarstellungen erschienen. Was ist nun das Gemeinsame bei allen diesen Veröffentlichungen? Eins ist durchgehend: Je kinderreicher eine Familie ist, umso weniger kann sie für die Wohnung auswenden, da in erster Linie Essen und Trin.ken, Kleider und Schuhe Anforderungen stellen. Die kindcr- reichen Familien wohnen alio nicht ohne weiteres teurer als ihre kinderarmen Genossen, aber entschieden bedeutend schlechter. Die Mietpreise bleiben im Durchschnitt unter ein Fünftel des Ein- kommens. Dabei müssen kinderreiche Familien das einzelne Zinimer oder dieselbe Wohnung meist noch teurer bezahlen als die kinderarmen. Die Hauswirte lassen sich sehr häufig die zu- weilen stärkere Abnutzung der Wohnungen und den größeren Kinder lärm besonders bezahlen. Man kann sich also darüber ein Bild machen, wie zusammengepfercht die Kinder in solchen Familien auf- wachsen, auf deren Fülle der Staat doch besonders stolz sein inuß Besonders überfüllt sind die Schlafräume. Die baupolizeilichen Bestimmungen, wonach Schlafräume als überfüllt gelten, wenn noch nicht Ii) Kubilnieter Luft auf die Person kommen, sind dabei völlig unzureichend. Rechnet man doch in Gefängnissen 20 Kubikmeter Luft auf die Person. Vor allem genügen die Schlafräume nicht, um die Geschlechter auch nur einigermaßen zu trennen. In Düsseldorf sind in dieser Beziehung sast die Hälfte der in Betracht kommenden Wohnungen überfüllt. Auf ein Bett kommen dort 2,5 Personen. In M.-Gladbach und Ehrenfeld ist es kaum besser. Uni einigermaßen an Miete zu sparen, sehen sich die kinder- reichen Familien gezwungen, in die schlechtesten Wohnungen zu ziehen, die sonst gemieden werden. Sie ziehen häufig die Wohnungen im Innern der Stadt bor, auch wenn sie modernen Ansprüchen nicht mehr entsprechen und oft feucht und sehr stark abgewohnt sind. Dabei werden die Frauen noch von dem Bestreben geleitet, daß sie im Innern der Stadl am ehesten Gelegenheit haben, etwas hinzu zu verdienen. Die kindergesegneien Familien zeigen sich meist sehr seßhaft. Etwas, was dem großstädtischen proletarischen Wandertrieb durch- aus fremd ist. Das sind sie freilich auch nur der Nor gehorchend. S:e scheuen das Wohnuugsuchen, weil sie wissen, das bringt recht starke Folterqualen mit sich. Ich kenne das aus Erfahrung. Denn ich habe seit Jahr und Tag recht vielen kinderreichen Familien beim Anklopfen nach Wohnungen ein wenig zu helfen versucht. In Berlin die Wohnungsverhältnisse der kinderreichen Familien zu studieren, wäre eine sehr dankbare Aufgabe für die zahlreichen studierenden Frauen der Volkswirtschait. Nur die Berliner Orts- krankenkasse hat unter ihrem verdienten Direkior Albert Kohn bisher einiges Material über die überfüllten Wohnungen gesammelt. Das Material bezieht sich aber nur auf die Wohnungen der Kranken. Danach berauden sich beispielsweise iia Jahre 19l4 3Z Proz. der kranken Männer und 3l.t>5 Proz. der kranken Frauen in über- füllten Schlafräumen. Das heißt in solchen, die weniger als zwanzig Kubikmeter Lukt je Kops" haben. In den meisten Fällen dürften sich die beireffenden Kranken in kinderreichen Familien be- finden, wiewohl diese sich am wenigsten dazu eignen. Aber sie sind gezwungen, von ihren knappen Räumen noch das Erdenklichste zu vermieten, um die Miele herabzumindern. Die OrtSkrankenkasse hat Räume gezählt, worin 8. 9, 10 und 11 P-rsonen Hausen. Was ist nun zu tun? In verschiedenen rheinischen sowie in badischen und hessischen Städten hat man neuerdings Wohnungs- füriorgevereine für kinderreiche Familien begründet. Dr. Marie Baum hat in ihrer obengenannten Arbeit folgendes Programm sür diese Vereine ausgestellt: Achren auf Verteilung der Räume. Be- legung der Schlaszimnier und Betten, Lüften, Anlage der Aborte, baulichen Zustand des Hauses und Anordnung der Mittel zur Be- seitignng baulicher Mißstände. Die Aufsicht hat sich sowohl gegen die Mieler wie gegen die Hanswiite zu richten. Das letztere ist auch deshalb wichtig, weil die kinderreichen Familien sich meist scheuen, gegen die Hauswirte scharf aufzutreten aus Angst vor der Kündigung. Solche Vereine haben entschieden schon bedeutende Erfolge auf- zuweisen. In einem Drittel aller Fälle haben sie durchgreifend geholfen. Sie haben z. B. auch die Kiydersterblichkeit sichtlich herabgemindert. Einen Punkt muß man aber sicher noch hinzufügen, nämlich städtische Mielbeihilfen, wie da? auch einige großstädtischen Gemeinden schon angefangen haben. Das weitgehendste Beispiel liefert in der Beziehung Amsterdam, wo die kinderreichen Familien je nach ihrem Lohn Mletbeihilfen bekommen, und zwar so viel, daß sie auf keinen Fall teurer wohnen als die k'nderarmen. und doch viel mehr Zimmer haben. Daneben muß Wohnungsreform im großen gehen. Man muß die kinderreichen Familien in billige Familienhäuser mit Gärten bringen, wie das z. B. auf den 573 Hektar fiskalischen Waldrandes um Berlin herum geplant ist. Die kinderreichen Fa- Milien find der Stolz und die Zukunft des Volkes. An kinder- armen Familien kann uns nichts liegen. Einer der wichtigsten Punkte abeA den Familien Freude an zahlreichen Kindern zu er- möglichen, ist es, ihnen ein Heim zu schaffen, wo sie sich wohl fühlen können. H. K ö t s ch k e. \mi •cWaafc'aSs ISBÜISI |>3C frmndc untrer Zeitung werden gebeten, bei ibren Husf lugen und Reifen an allen Terbaufsktellen, bekoizders auf den BabnbSfen den„Vorwärts" zu häufen und Ihn in den GafthSfen, Reftaurants urd Cafes stets zu verlangen. Wenn der „Vorwärts" irgendwo nicht zu haben ift, richte man gütigst eine hurze fflitteilung an„Vorwärts"-Verlag 6. m. b. Bf Bauptexpcdition, Berlin SÄl 68, Luidcnftr. 3, GroMerün Schieber-Moral. Wenn du noch was ergattern kannst, wenn's auch verboten ist zumeist— erwirb's und fülle deinen Wanst! Hauptsache ist, daß du gedeihst. Es ist dir sicher unbeliebt, daß du in Holzpantinen laufst— drum: wenn dir einer Stiefel schiebt, beeile dich, daß du sie kaufst. Denn heute kommst du nicht mehr weit, wenn du nach den Gesetzen fragst— verkneif dir die Bescheidenheit, eh du am letzten Zipfel nagst. Greif, was du kannst! Und häng sodann den Wahlspruch über's volle Nest: Zum Lumpen wird der Ehrenmann erst, wenn er sich erwischen läßt! � P a u I ch e n. Zur Verteilung der Kinderwäsche. Man schreibt uns: Ob die Groß-Berlinec Windelwoche die in sie gefetzten Erwartungen erfüllt bar. ist in der Oeffenttichkeit nicht bekannt geworden. Wie auch das Ergebnis sein mag, wäre zu wünschen, daß die erlangten Bestände möglichst rationell ausgenützt Uli Holl Eure Kohlen jetzt od. damit Ihr nicht im Winter frieren müßt. Kohlenverdand Sroh-Berlln IlDln».-•ollll und einer möglichst großen Zahl von Kindern bcdürfliger Familien zugute kommen mögen. Zu diesem Zwecke sei eine Anregung gegeben, die dem Verfahren der Woblfahrtszentrale der Stadt Barmen entspricht. Dieselbe gibt die Säuglingswäsche nicht geschenkt, son- dern leihweise, und zwar auf folgender Grundlage. Die Wäsche wird in der Regel auf 6 Monate gegen eine Grundgebühr und ein monatliches Lcihgcld verabfolgt. Ausstattung I und II enthalten je 12 Windeln, 2 Tücher, 4Jäckchen. 6 Hemdchen, 4 Unterlagen, 2 Wickelbänder. 4 Nabelbänder, Ausstattung III nur ö Windeln, sonst dasselbe. An Frauen, die einen Teil der Kinderwäsche schon besitzen, werden halbe Päckchen ausgegeben oder 6—8 Einzelstücke nach eigener Wahl. Die Grundgebühr beträgt 30, 20, 10 reip. 5 M., die monatliche Leih- gebühr 6, 4, 2,50 M. resp. 1 M. Wird die Wäsche in gebrauchs- säbigem Zustande zurückgeliefert, so wird bis zur Hälfte der Grundgebühr zurückerstattet.— Wir halten den Gedanken dieser Einrichlung für äußerst glücklich. Schon die Möglichkeit, bei frühem Tode des Kindes andere Säuglinge mit der Wäsche versorgen zu können, trägt dazu bei. unsere knappen Wäschebestände zu strecken. Sehr gut ist auäi. daß es den Frauen freigestellt wird, stall des ganzen oder halben Päckchens sich durch Auswahl einzelner Stücke die vorhandene Wäsche zu ergänzen. Der erz'ehliche Ein- fluß auf die Frauen, die Wäsche gut zu behandeln, ist ebenfalls mihi zu unterschätzen. Eine Ueberlragung dieses Systems aus die in der Groß-Berliner Windelwoche gesammelten Bestände wäre drincftnd zu empfehlen. �Ob die Höhe der Beträge den hiesigen Verhältnissen entspricht, wäre zu erwägen. Zur Er- gänzung möchten wir vorschlagen, die Päckchen nur gegen Bezug- scheine und unter der Bedingung auszugeben, daß sie nicht verkauft oder verschenkt werden dürfen. Die Wäsche müßte zu diesem Zwecke gestempelt werden. Bei Rückgabe der den Kindern zu klein ge- wordenen Wäsche müßte dieselbe in größere umgetauscht werden können oder die Frauen hätten dann bei der Rückgabe eine Be- scheinigung zu erhalten, damit sie sich dje erforderlichen Bezugscheine für größere Wäsche beschaffen können. Die Bewirtschaftung der neuen Kartoffelernte in den Groft-Berliner Landkreisen. Im Kreise Teltow erfolgt die Bewirtschaftung der Kartoffel- ernte 1918 nach einer gestern in Kraft getretenen Bekanntmachung des KreisauSschuffeS in derselben Weise wie im Vorjahre. Nach dem 1. Juli werden alle in feld- oder gartenmäßigem Anbau ge- wonnenen Kartoffeln, und zwar sowohl die für die menschliche Er- nährung geeigneten Früh- und Spätkartoffeln wie die sür Futter- und technische Zwecke verwendbaren Kartoffeln bei den Kartoffel- erzeugern des Kreises zur Versorgung des Kreises Teltow in An- spruch genommen. Die ausschließliche Versorgung des Kreises Teltow mit Kartoffeln wird wiederum der Teltower Kriegswirt- schaflsgesellschaft m. b. H. in Berlin übertragen. Von der Bean- spruchung freigelassen werden die Kartoffeln d-ttenigen Erzeuger, deren Gesamtanbaufläche kleiner als 200 Quadratmeter ist. Im Kreise Niederbarnim beginnt mit dem I.Juli die öffentliche Bewirtschaftung der Früh kartoffeln. Durch die Früh- lartoffeln soll der Bedarf der Kreisbevölkerung für den Rest des Wirtschaftsjahres bis zum 15. September 1918 gedeckt werden. Die gesamte Frühkartosseleriile des Kreises mit Ausnahme der dem Kartoffelerzeuger zu belassenden Mengen werden für die öffentliche Bewirtschaftung durch den Kreis in Anspruch genommen. Die Aus« fuhr von Kartoffeln aus dem � Kreise ist ausdrücklich verboten. Die auswärts wohnenden Kartoffelerzeuger können ihre Ernte nach dem Wohnort befördern, und zwar bis zu einer Anbaufläche von 200 Quadratmeter die volle Ernte, bei einer größeren Anbau- fläche ihren Eigenbedarf. Der Erzeugerhöchftpreis beträgt vorläufig 10 M. für den Zentner. Beffere Obstverteilung. Man schreibt unS: Die Berliner bekommen kein Obst. Daran ändern die vollen Waggons, die man den Pressevertretern gezeigt hat, nichts. Aus ihrem Artikel»Obstver— sagmigsstellen" geht aber hervor, daß immerhin ein wesentlicher Desi per begehrten Ware in die Hände der Berliner Verwaltung gelangt. Dann gebt sie an die Händler. Von da ab ist dann plötzlich alles verschwunden. Das ist nicht wunderbar, denn der Händler verbruacht den einzelnen Korb Kirschen oder Beeren zuerst mal für seine eigene Familie, darüber hinaus aber warten Freunde, Verwandte, gute Kunden. der � ebenfalls mal gefällige Gevatter Schlächter, Bäcker, Kurzwarenhändler und Schuhmacher- meister auch auf ein paar Pfund Obst. Da bleibt für die große Masse des Publikums natürlich nichts übrig. Wie wäre diesem. Uebelstande abzuhelfen? Obst ist eine leicht verderbliche Ware, und lange Bekanntmachungen, Eintragungen in die Kundenliste, Auf- speichern der Ware, bis für jeden ein Pfund da ist usw., sind hier nicht angebracht. Aber auf folgende Weise ließe die Verteilung sich regeln. Eine Bekanntmachung sagt: Die Nummer..... der Lebensmittelkarte gilt für ein Pfund Kirschen, Stachel- oder Johannisbeeren. Jeder kauft dort, wo er für Kar- toffeln eingetragen ist, gegen Abgabe dieser Marke. Die einzelnen Händler werden beliefert, soweit die Ware jedesmal reicht. Da die Belieferung auf Grund der Kartoffclkundenliste erfolgt, läuft nie- mand Gefahr, kein Obst zu erhalten. Eine weitere Bekanntmachung erfolgt nicht. Jeder Konsument muß selber aufpassen, wann sein Kartoffelhändlcr das Obst bekommt. Die beir. Nummer bleibt so- lange gültig, bis sämtliche Bezirke einmal mit Obst beliefert sind. Ist erst einmal diese Bekanntmachung erfolgt und wird danach per- fahren, dann regelt sich der ganze Betrieb von selbst und auch die Händler sparen das Anstehen._ Die Vollmilchkarten kommen in den nächsten Tagen in den zur Fett st ekle Groß« Berlin sMilch) gehöre ri den Gemeinden zur Ausgabe. Die Inhaber von Vollmilchkarten haben die Augustkarten bis 17. Juli einschließlich dem Kleinhändler vorzulegen. Den Kindern, die nach dem 1. Juli. 1917 geboren sind, ist ein Vorzugsrecht derart eingeräumt, daß bis zum 14. Juli einschließlich nur Anmeldungen auf diese Karten zulässig sind. Nach Ablauf dieser Anmeldefrist haben sich die übrigen Milchberccktigten in der Zeit vom 15. bis zum 17. Juli anzumelden. Die Milwkarten dürfen von den Händlern nicht in Gewahrsam genommen werden, sondern verbleiben in Händen der Bezugsberechtigten. In Berlin sind die Vollmilchkarten für August von den Brotkommissionen abzuholen, und zwar für Kinder im 1. und 2. Lebensjahre vom 8. bis 9. Juli, für Kinder im 3. und 4. Lebens- fahre vom 10. bis 11. Juli und für Kinder im 5. und 6. Lebens- jähre vom 12. bis 13. Juli. Jedoch werden denjenigen Haus- Haltungsvorständen, denen Karten sür Kinder verschiedener Alters- stufen zustehen, die sämlliwen Milchkarten an e i n e m Tage ausge- händigt. Karten für Kranke werden wie bisher von der Zentralstelle für Krankenernährung zugesandt. Soweit sie sich bis zu den vor- stehend festgesetzlen Änmeldeterminen bereits in den Händen der Empfänger befinden, ist die Anmeldung ebenfalls innerhalb der Frist zu bewirken. Die nach Ablauf der Frist übersandten Karten tragen den Stempel.Nachanmeldung" und können jederzeit an- gemeldet werden. Den am 1. Juli 1916 und später geborenen Kindern werden im Monat August Nährmittel, und zwar insgesamt bis l Pfund gewährt. Die Austeilung der Bezugsscheine erfolgt zusammen mit der Ausßabe der August-Milchkarten. Eiscnbahnunfall auf dein Bahnhof Strausberg. Als Sonntag nachmittag ein Zug der Sirausberger Kleinbahn in den Bahnhof Vorstadt einfuhr, entgleiste die Maschine und darauf auch die beiden folgenden Wagen. Dabei wurden zwei Fahrgäste aus den bereits geöffneten Türen geschleudert und gerieten unter die Räder: der 17jährige Handwerker Willi L a u s ch k e aus Lichtenberg, der sofort tot war. und der 18jäbrrge Arbeiter Gustav Ilster aus Berlin, dem beide Beine abgefahren wurden. Nebet die Kontrolle der vom Heeresdienst Ausgcschloffenen gibt eine Bekanntmachung der Berliner Bezirkskommandos im Anzeigen« teil dieser Nummer nähere Anweisung. Kleine Notizen. Im Rahmen der Akademischen Unterrichtskurie für Arbeiter spricht am Mittwoch, den 3., abends 8tz, Uhr, im Museum für Meereskunde. Georgcnstr. 34/36, der Naturwissenschaftler Engelbert Gras über das Thema:„Abstammung— Kindbeitstage des Menschengeschlechts" mit Lichtbildern.— Eintritt 20 Pf. Gäste willkommen.__ Steglitz. Aus der Gemeinbevertretung. Eine neue L u stch a r- keitssteuerordnung würbe beschlossen, die allein aus der Besteotetung der Kinos statt der bisherigen 20 000 M. pro Jahr 66 000 M. Einnahme bringen soll. Zur Veranstaltung einer Aus- stell ung von Möbeln für die minderbemittelte Bevölkerung (hergestellt von der Gesellschaft„Hausrat") wurden 5000 M. be- willigt unter der Bedingung, daß ä>er hiesigen Tischlerinnung gestattet wird, eine von ihrem Mitgliedern hergestellte Wohnungsein- richtung gleichfalls anszustellen. Zur Nenpflasterung der Kieler Straße wurden 20 000 M. bewilligt. Damit wird end» lich das„geräuschlose" Straßenpflaster, das vor Jahren aus Rück- ficht auf den Gottesdienst in der dort neuerbauten katholischen Kirche hergestellt wurde und das sich stets in einem skandalösen Zu- stände befand, verschwinden, da nunmehr Steinpflaster gelegt wird. Für Ferienausflüge der Gcmeindeschulen wurden 900 M. bewilligt. Nach Schluß der Tagesordnung gab es noch eine lebhafte Aussprache, über die Lebensmitteln ot. Gasstraf- Felder und die Teuerungszulagen der Volksschul- lehrer. Der letzte Punkt zeigt wieder einmal die„Srlbstverwal- tung" in Preußen im glänzendsten Lichte. Die Gemeindevertrewirg hotte beschlossen, dem Volksschullehrern die Unterschiedsbeträge zwi- scheu der den Lehrern gezahlten staatlichen und der den Gemeinde- beamten gezahlten gemeindlichen Teuerungszulage aus Gemeinde- Mitteln zu gewähren. Und was tut die Regierung? Sie verbietet das i>er Gemeinde, indem sie dem Beschluß die Genehmigung ver- sagt. Die Versammlung protestierte einmütig gegen diese Lehrer- freundlichkeit der Regierung und beauftragte den Gemeindcvorstand, beim Kulttisminister in der Sache vorstellig zu werden. Neukölln. Ersatz für die ausfallenden Kartoffeln. In dieser Woche dürfen ans die 6 Abschnitts 27a— c der Neuköllner Kartoffelkarte nur 3 Pfund Kartoffeln entnommen werden. Auf die 8 Ab- schnitte 276—? werh«m von einem noch zu bestimmenden Tage ab als Ersatz für Kartoffeln auf jeden Abschnitt 50 Gr., zusammen also 400 Gr. Hülsenftüchte in denjenigen Geschäften abgegeben, bei welchen die Anmeldung zum Bezüge von Kolonialwaren erfolgt ist. Als Ersatz für die etwa nicht zu erlangenden 3 Pfund Kartoffeln können ebenfalls auf die Absöhnitte 27a— c je 50 Gr., zusammen also weitere 800 Gr. Hülsenfrüchte bei den bezeichneten Kolonial- Warenhändlern entnommen werden. Der Zeitpunkt der Abgabe von Hülsenftüchton wird noch durch besondere Bekanntmachung ver« öffentlicht werden.__ Weißensee. Lebensmittel. Vom 1. bis 6. Juli wird in der Ver- kaufsstelle Cafeler st r. 2 der Verkauf von Eiern fortgesetzt. Auf Abschnitt 26 der aufgerufenen Eierkarten werden 3 Eier ver- abfolgt zum Preise von je 38 Pf.— In der Verkaufsstelle Pistorius- straße 24 gelangen Salzheringe zum Verkauf. Als Ausweis sind die allgemeinen Lebensmittelkarten vorzulegen. Auf jede der vorstehend aufgerufenen Karten wird Vi Pfund Salzheringe verabfolgt. 1 Pfund kostet 1,20 M. Tüten, Einwickelpapier oder dergleichen sind mitzubringen. — Die Mictstcigcrungcn für den Oktober haben erwiesen, daß die organisierten Hauswirte unter Führung des Schöffen Mew.s die Notlage der Mieter ausgenutzt und die Steigerungen nach einem von ihm herausgegebenen„Merkblatt für unsere Mitglieder" borgenommen haben. Früher war der ortsübliche Preis für eine Zweizimmerwohnung mit Bad 36 bis 38 M. monatlich, die jetzige Steigerung bringt dagegen diese auf 46 bis 50 M. Die Gemeinde- Verwaltung schießt über dieses Ziel noch bedeutend hinaus in feai von ihr verwalteten Nietzbrauchhäuseru! das sind Häuser, die auf früheren Grund und Boden der Gemeinde erbaut sind, in Zwangs- Versteigerung kommen sollten und, um größere Verluste zu ver- meiden, nunmehr von ihr verwaltet werden, zirka 40 an der Zahl. Die VerMIiek, meistens Temeindebeamke, muWen die Meigemm» gen mich einer bestimmten Beifügung vornehmen. Danach muß eine Wohnung von I Aimmer mit Bad mindestens 440 M., desgl. 2 Limmer 660 3R., desgl. 3 Zimmer 880 M. usw. bringen. Die gleichen Zimmer außerdem mit Warmwasserversorgung mindestens 496 M., 715 M., 108S M., mit Bad, Warmwasserveriorgung und Zentralheizung dagegen mindestens 550 M., 825 M. und 1240 M. pro Jahr. Für Wohnungen ohne Badeeinrichmng können die Miet- preise um 36 M. jährlich ermäßigt werden. Nach dieser Verfügung sind Steigerungen von über 50 Proz. zu verzeichnen. Daß der Ge- meindevorstand hierbei Vorspanndtenste für die Hauswirte leistet ist ihm wohl noch nicht zum Bewußtsein gekommen; der nächste Kündigungstermin wird aber beweisen, daß die Hauswirte den „Tarif" der Gemeinde auch zu dem ihrigen machen. Das Miet- einigungsamt anzurufen halten die meisten Mieter �Ür zwecklos aus berechtigten Gründen. Der Unterzeichner der erwähnten Ber- fügung ist zu gleicher Zeit Borsitzender deS MieteinigungsamteS, fein eigenes„unterschriebenes" Dokument wird er als Mietwucher nicht anerkennen wollen, trotzdem er unseren Genossen in einer Gemeindevertoetersitzung erklärte, nicht befangen zu sein. Ein weiterer Beisitzer ist der Schöffe Mewes, der Hauptanteil nimmt an diesem Tarif. Trotzdem wäre ein Entscheid des� Mitteinigung Samtes erwünscht, damit unsere Genossen Gelegenheit finden, die Ange- legen hcht weiter zu verfolgen. Cöpemck. Neue Kundenkartcn sollen auSgegrben werben für stadtseitig beschaffte Waren, wie: I. Eier für alle hiesigen Ein« wohner, II. Kolonialwaren für alle hiesigen Einwohner, III. Teig- waren für alle hiesigen Einwohner als Zusatz. II. Kolonialwaren für alle hiesigen Jugendlichen vom begonnenem 8. bis vollendeten 17. Lebensjahre, III. Teigwaren für alle hiesigen Jugendlichen vom begonnenen 8. bis vollendeten 17. Lebensjahre, zur geregelten Zu- teilung dieser Lebensmittel an die hiesigen VerkaufSgefchäft«. Die Kundertkarten l, II und III für alle hiesigen Einwohner werden verteilt mit dem neuen Cöpcnicker Lebensmittelkarten durch die Brotkommissave bzw. Hauswirte oder deren Stellvertreter. ES er- hält jeder Hausstand für jedes empfangsberechtigte Hausstands mit- glted«ine Kunden karte für die Warenforten I, II und III. MS Kundenkarte gilt die braune Kundenkarte mit dem Aufdruck„Haupt- Kundenkarte". Jugendliche, welche in der Zeit vom 1. Juli 1901 bis 80. Juni 1911 geboren find, erhalten als Zusatz je eine Kunden« karte für Jugendliche(mit rot aufgedrucktem I) für die Waren« forden II und III. Jeder Hausstand, welcher im Besitz von LebenS«' mittelkarten des Kreises Teltow für Jugendliche ist, hat' diese Karten in der Zeit vom 3. bis 5. Juli während der Dienststunden von 8 bis 3 Uhr im Bureau, Schloßftr. 22 Hof-Seitengebände, links, vorzulegen und erhält auf jede dieser Lebensmittelkarten für Jugendliche je 1 Kundenkarte für die Warensorten II und III. Bor der Anmeldung zur Eintragung in die Kundenliste wird ersucht, auf jede Kundcnkarte sowie Handlerabschnitt des HauShaltungS- vorftandeS Vor- sowie Zunamen und Wohnung in Tinte leserlich einzutragen. Jeder Haushalt meldet sich mit sämtlichen vorschriftS- mäßig ausgefüllten Kundenkarten(einfchließl. Händlerabschnitten) zur Eintragung in die Kundenliste vis 11. Juli in den Geschäften an, in welchen er die Warensorten I, II und III zusammen oder getrennt beziehen will. Em Hausstand kann in drei Geschäften feine drei Kundenkartensorten anmeldm, wenn er die genannten städ- tischen Waren tn drei Geschäften beziehen will.__ Reinickendorf. Lebensmittel fllr Kinder. Auf den Jukiabschnitt der Zkinderkarle A gelangen vom 6. ab 500 Gr. NährmÄtel(Haferflocken in Paketen) in den amtlichen Verkaufsstellen zur Ausgabe. Auf Abschrritt A 8 wird 1 Paket und auf Abschnitt Juli der Kinder- karten L C und D werden je zwei Pakete Zwieback ausgegeben. Außerdem werden Malzpräparate und Kindermehle/ auch Apfelmus und kondensierte Milch für schwache und kranke Kinder abgegeben X vorherige Lösung eines Bezugscheines(Zimmer 23 deS Er- ing Samtes), NowaweS. Lebensmittel. In dieser Woche werden ausgegeben: Nudeln, 150 Gr. zum Preise von LS Pf. auf den Kartenabschnitt 41 der Groß-Berliner Lebensmittelkarte; Graupen, 250 Gr. zum Preise von 18 Pf. auf den Kartenabschnitt 42 der Groß-Berliner Lebensmittelkarte; Marmelade, 500 Gr. zum Preise von W Pf. auf den Kartenabschnitt 6 der Groß-Berliner Lebensmittelkarte; Hafer- flocken, 100 Gr. zum Preise von 10 Pf. auf den Kartenabschnitt 16 der LebeiiSmittelkarte für Jugendliche. Die Karteninhaber haben bis 2. Juli die LebenSmittelkartenabschnitte 41, 42, 6 und 16 bei dem Kleinhändler abzugeben, bei dem sie die Ware zu beziehen wünschen. Di« Waren sind gegen Abgabe der vom Kleinhändler ausgestellten Bescheinigung vom 5. bis 7. Juli in Empfang zu nehmen.— Auf den Kartenabschnitt 42 der Zuckerkarte und auf den Kartenabschnitt 20 der Zuckerzusatzkarte findet die Ausgabe von Zucker statt. Di« Karteninhaber haben vom 1. bis 8. Juli die Kartenabschnitte bei dem Kleinhändler abzugeben, in dessen Kunden- Verzeichnis sie eingetragen sind. Die Karteninhaber haben gegen Rückgabe der vom Kleinhändler ausgestellten Bescheinigung den Zucker vom 6. bis 12. Juli in Empfang zu nehmen. Jugenöveranftaltungen. Arveiter-Jugend Gefundbrunnen-Wedding. Heute Dienstag, abends 8 Uhr, Zusammenkunst Im neuen VerkehlSIolal Bückert, Gott- schedstr. 33. Neukölln. Morgen Mittwoch, abendS S Uhr, im Jugendheim, Berliner Str. 86. Vortrag des Genossen Domnick! Arbetterleben in der Dichtung._ Eingegangene Druckschriften. Ratgeber für Bücherkönfer, Lager-Katalog Wiener Volksbuch- Handlung Jgnaz Brand u. To., Wien VI, Gnmpendorserstr. 18. Preis: 20 Heller._ Srlefkaften öer Neüaktkon. V. 100. 1. Wenn die Mutter ein Tinkommen über gm M. hat, ist sie steuerpflichtig. 2. Nein.— Lehrvertrag. Leider ist der Lchrherr nur ver- pflichtet, nach den im Lehrvertrag« sestgesetzten Bedingungen zu zahlen. Die Anrusung des KriegSauSschusseS wird nicht angängig sein, da er sich sür nicht zuständig erklären wird.— Ttube 58. Sie müßten sich mit einem Gesuch um eine besondere Unterstützung an den Nationalen Frauen- dienst wenden.— A. G. L. 1. Nein, nur der Sohn war eibbcrechiigt, das Erbe geht nicht aus die Frau über. 2. Nein.— 00. B. Darüber ist noch nicht» bestimmt.— Nr. 7. Dseld. Der Vertrag ist rechtsgültig. Er mutz gestempelt werden. Die Chiffre ist unleserlich, hoffenllich haben wir sie richtig erraten.— M. 3. 1. Nein, einem solchen Gesuche wird ge- wähnlich nicht stattgegeben. 2. Nein.— W. it. 21. Berlin-Mitte, Neue Frtedrtchstraße,— M. 9. 99. Fa.— Landsturmmann im Osten. Wenn Sie Beiträge nicht wettergezahlt haben und die Krankheit nicht innerhalb dreier Wochen nach Ihrem Austritt auS der versicherungspflichtigen Beschcistigung erfolgt ist. haben Sie keinen Anspruch aus Krankengeldbezüge. — E. B. 8. DaS ist vom Einkommen nicht abzuzSiählg.— Ldstrm. Treptow. Die Mutter hat keinen Anspruch aus Altersrente, da sie viel zu wenig Marken geklebt hat, Sie mutz 12M Marten nachweisen können. — Waffenmeister Kursus. DaS Honorar sür den Arzt erhallen Sie in diesem Falle nicht zurückerstattet.— Feldgrauer O. L. Wer grundlos vom Verlöbnis zurücktritt, mutz die VerlobungSgeschenke zurückgeben.— B. M. 8. Die Wirtichast erbt die Frau in kinderloser Ehe im voraus, der übrige Nachlaß geht zur Hälfte an sie, zur Hälste an die Eltern. 2. TaS Testament wird genügen, es mutz beim Amtsgereichr eingereicht werden. Die Ellern haben Anspruch aus den Pflichtteil.— Tegel. 100. Nein. — M. W. 100. 1. Ja, zur Hälfte. 2. Ja. 3. ES mutz zunächst ver- sucht werden, den Erbanspruch auf gütlichem Wege bei dem Ehegatten geltend zu machen.— R. F. 100. Die Wirtschaft erben Sie als über» lebender Ehegatte im voraus, nur am übrigen Nachlatz der Frau haben die Eltern bezw. die Geschwister zur Hälste Anspruch.— W. D. 201. Urlaubsverweigerung wegen Bestrafung soll nicht stattfinden, sühren Sie dagegen Beschwerde.— 100. Tchönebcrg. DaS sind rein militärische Zeichen der Vorstellungsliste usw., die wir nicht kennen.— Gf. 100. Der Kommandeur hat daS Recht dazu.— R. T. L.») Anspruch aus Unter- stützung besteht nur. wenn Bedürstigkeit vorliegt, die In solchen Fällen ge> wähnlich verneint wird, b) Beschwerde wird zwecklos fein, sie wäre an den Regierungspräsidenten zu richten.— P. L. X, Wenn die Partei den Haussrieden stört, so wird ihr bei einer Kündigung die Anrusung de» MietseinigungSamtS nichts nützen, sie mutz ziehen. — W. O. Marine. Daruber können wir Ihnen Näheres noch nicht sagen, da der Gesetzentwurs ja noch nicht Gesetz ist.— T. 29. 1. Nein. 2. Ja, die Frau kann sich aber an daS MietseinigungSamt wenden. 3. Ja. — M. D. 22. Nein, nur bei zwei Kindern.— K. K. 1897. 1. Wenn die teuren Lebensmittelpreise anhalten, so wird auch dieser Satz sür Ali« mente bestehen bleiben, der übrigens bis auf SO M. erhöbt werden kann. 2. Ja. 8. Ja, event. entscheidet daS VormundschastSgericht auf Ihren Wunsch darüber. 4. Ja, die Differenz zwischen Alimente und Unterstützung. — M. K. 878. Eine nähere Adresse ist un» zurzeit nicht bekannt. Wenden Sie sich an den Magistrat der Stadt Berlin.— G. St. 1. Da der Vermieter nur kündigen kann, so können Sie auch nur durch den Hauswirt gesteigert werden. «afferstandSuachrichten der LandeSauftalt für Vewäfferkuude, mitgeteilt vom Berliner Wetterbureau. Mittwoch mittag. Weitere Erwärmung, im Norden, besonders an der Küste größtenteils heller, im Süden vielfach wolkig und strichweise Ge- witter. Allen Verwandten, Be« tanntcn und Freunden die tiestraurig« Nachricht, daß mein lieber guter Mann, unser treusorgender Vater und Grotzvater, mein lieber Bruder und Schwager, der Schuhmacher Julius Wasislewski am 28. Juni, vormittag» 8 Uhr, nach langer Krank- heit im 55. Lebensjahre enb schlafen ist. 0öA In größtem Schmerz«! Fr. Marie WastelewS« geb. Glade. Eri,�. Erwin. Walter und Artnr als Kinder. Familie Josef WastelewS« Willi ZielezinSki u. Frau Margarete geb. Waste- lcwskt u. Tochter Margot. Familie Leo APzinS«. Die Beisetzung findet am Mittwoch, den 8. Juli, nach- mittags 4 Uhr, vom Ge- meinde- Friedhos, Berlin- Weitzensee, Roelckestratze, aus statt. Mtaclii'Rrf. I VILtzlich und unerwartet verstarb unser, erst Kerze Zelt | alS Spediteur sür Weitzensee bei uni beschäftigter Genosse »Julius Wasielewski. vir werden ihm ew dauerndes Andenten bewahren. Dl« DauptexpeeUtlon«>v»„VoerrOe-tH". SozIaldemoMeberTerein für den ffafilkreis blederbarDlni Benlrk Welßenaee. Ganz plötzlich verstarb unser langjährige» Mitglied, der ZettungSspediteur Julius Vasilewski an einem Blutsturz Im Alter von 54 Jahren. Ehre seinem Aud-nken! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den'S. d. Mts., nachmittag» 4 Uhr, von der Leichenhalle de« Gemeinde- ftiedhose» in der Rölcke- stratze au» statt. 249/4 Rege Beteiligung erwartet Die Bezirksleitung. yerdünck der Brauerfl- und lüülsknarbeiter und ver wandter Berufsgenoften. Zahlstelle Berlin. Wir bringen den Kollegen zur Kenntnis, daß unser Mitglied, der Flaschenkeller- arbeiter Heinrich Möllenberu gestorben ist. Ehre seinem Andenken! ■ Die Beerdigung findet heute DienStag, den 2. Juli, nachmittags i'/i Uhr. aus dem AuscrstehungS-Ktrchhos in Weitzensee. Lichtenberger Straße 110. statt. Um zahlreiche Beteiligung wird ersucht. 48/11 Die OrtSverwaltung. r Deutfdier Cransportarbeiterverband. BeztrkSverwalt. Grotz-Berlin Den Mitgliedern zur Nach. richt, daß unser Kollege, der Droschkensührer Edmund Gotsch am 24. Juni im Atter von 53 Jahren verstorben ist. Die Beerdigung findet heute DienStag, den2. Jult, nachmittag« 3 Uhr, von der Leichenhalle de» Lazarus- KirchhoseS in AhrenSseldc au» statt. Zfoclu-nk. Ferner starb unser Kollege, der«rbettStutscher Christian Wiegeleben am 19. Juni im Alter von 72 Jahren. K2/9 Ehre ihre« Andenken 1 Die Bezlrkeverwaltung. Verband der Gaft« und Schankwirte Deuttcblands. Zahlstelle Berlin. DenMttgliedern zur Nach- richt, daß der Kolleg« Ferdinand Habermann, Neu« Hochstr. 49, Bez. 8, im Garnison-Lazarett Lübeck am 25. Juni verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mittwochs den 8. Juli, nach- mittag» 5 Uhr, vom Trauer- hause, nach dem Dorotheen- städtischen Kirchhos statt. vie Orievenraliung. Am 25. Juni nachmittag» verstarb plötzlich und un- erwartet an Herzschlag in der Garnison Lübeck mein wnigstgelieblcr, herzensguter Mann. Bruder, Schwager und Onkel, der Gastwirt Ferdinand Habermann im 48. Lebensjahre. Die» zeigt mit der Mit- um stille Teilnahme ties- betrübt an 2588b die trauernde Wittwe Berta Hahcrmann geb. Wilzeck. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 3. Juli, nachm. 5 Uhr, vom Trauer- 'hause, Neue Hochstraße 49, aus nach dem Dorotheen- städtischen Mrchhose, Liesen. strotze, statt. Ganz plötzlich und un- erwartet verstarb am 30. Juni er. In Danzig unser lieber, guter Sohn und Bruder, der Mustetter Rudolf Sehntdt im kaum vollendeten 18. Le- benSjahre. In tiesstem Schmer, Artur Scheidt, z. Z. im Felde, tied«Ig Scheidt geb. Engleri, Käthe Scheidt, 2532b Körnerstr. 8. Preuß.-Südd.Klaifenloie IHwU d. Lqw pre Klais»! «cht»! Saft T., 6 m Blettci,...10-0». Halb«.,;.20 9». »an�.... 40 DK. Zieh»»« 1. Klaff» 9.-10. 3*It. Ludwig Müller B«rli» SQ. 66. Kgt. i'olt-tinr. W erb ericher Markt 9, aegenüber Herrm. Terioa. «olticheck�onta 31068 Spezialarzt Dr. med. HaschO, FiiedrlclisMO ÄÄ. Behandl. vonSihphilis, Haut- Harn-, Frauenleide», spez.: chron.Fälle. Schmerzlose, lürzeste Behandlg. ohne BenijSstöruna. Blumniersuchung. Mätz. Preiie Teilzahlung. Sprechstunden 11 bis 1 und 5— 8, Sonnt. 11— 1. 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Welche Bollmtlchmenge auf die Kinderkarten im August verabfolgt werden wird, wird später noch besonders bekannt gegeben werden. Es gelangen sür August zur Ausgabe: a) für die nach dem 1. Juli 1917 geborenen Kinder rote mit einem Krei» und mit den� Buchstaben„AI" gelenn- zeichnete Milchkarten,•»■f b) für die in der Zeit vom 1. Jult 1916 bis zum 30. Juni 1917 geborenen Kinder lila mit dem Buchstaben„All" gekennzeichnete Milchkarten, c) für die in der Zeit vom 1. Jull 1914 bii zum 30. Juni 1916 geborenen Kinder blaue mit dem Buchstaben„B" gekennzeichnete Milch karten, d) für die in der Zeit vom 1. Jult 1912 bis zum 80. Juni 1314 geborenen Kinder braune mit dem Buchstaben ,C" gekennzeichnete Milchkarten. Den roten Karten, die mit einem KretS und mit dem Buch- staben„AI" gekennzeichnet sind, ist ein Vorzugsrecht bei der An- Meldung derart eingeräumt, daß bis zum 14. Juli d. I. einschltetzlich nur Anmeldungen aus diese Karten zuläsng find. Die Ver- käufer von Milch dürfen daher bi» zum 14. Juli d. I. einschüetz- lich nur die mit einem roten Kreis gekennzeichneten „.AI" Karten annehmen, und zwar haben sie die Karten an- zunehmen, ohne Rücksicht daraus, ob die Milch bisher von ihnm bezogen worden ist oder nicht. Nach Ablauf dieser Anmeldefrist haben sich die übrigen Mllckiberechtigten in der Zeit vom 15. bi« 17. Jult anzumelden. Der Milchhändler bat die Kontrollabschnitte abzuschneiden, den einen(links unten) bewahrt er aus. den anderen(rechts unten) sendet er wie bisher der Fettstelle Groy-Berlin(Milch) ein. Die Milchhändler werden daraus aufmerksam gemacht, daß die Kontrollablchnitte bis zum 21. Juli 1918 bei der Fett- stelle Grost-Berlin(Milch). Poststr. 6. Abteilung Klein« HSndler, eingegangen sein müssen Die Milchkarten dürfen von den Händlern nicht w Ge- wahrsam genommen werden, sondern verbletbeit in den Händen der Bezugsberechtigten. Tie Milchkarten find täglich vorzulegen; täglich hat der Händler den gültigen TageS- abschnitt abzutrennen und an sich zu nehmen. Berlin, den 1. Juli 1918. Fettstelle Grost-Kerlw(Milch). Die Vollmllchkarten sür August 1918 find I« verlin von den Brotkommisfionen abzuholen, und zwar für Kinder im 1. und 2. Lebensjahre von Montag, den 8., bis DienStag, dm 9. Juli, für Rinder im 8. und 4. Lebensjahre von Mittwoch, den 10., bis Donnerstag, dm 11. Juli und für Kinder im 5. und 6. Lebensjahre von Freitag, den IL., bis Sonnabend, dm 13. Jult. Jedoch werdpn denicntgen HauShalwngzoorstSndm, denen Kartm für Kinder verschiedener Altersstufen zustehen, die sämtlichen Milchkarten an einem Tage ausgehändigt. Karten für Kranke werden wie bisher von der Zentralstelle für Krankenernährung zugesandt. Soweit sie sich bis zu den vorstehend sestgesetzten «nmeldetermmen bereits in den Händen der Empfänger befinden, ist die Anmeldung ebenfalls innerhalb der Frist zu be« wirken. Die nach Ablauf der Frist übersandten Karten tragen den Stempel.Nachanmeldung" und lönnm jederzeit an» gemeldet werden. Den am 1. Jult 1916 und später geborenen Kindern werden im Monat August Nährmittel, und zwar WSgesawt le ew Pfund gewährt. Die Austeilung der Bezugfchewe erfolgt zusammen mit der Ausgabe der August-Milchtarten. Berlin, dm 1. Juli igig. Magistrat der Köaigl. Sa»?t- und KefideuMt. Tge..Nr. IV, 1« S- Mi. _ 5 Jahre Garantie. bei Bci-ellung o. Gebissen gratis. ________________________ Zäh«« ohne r denstratze 8, Laden. S amn enpl. Mvem. eedt. rrleöeos�lilsedlllc S,S0 M. __ Zahnziehen m. Betäubung Goldkronen v. 20 M. an. Spez. Danzlger Straße 1 >• Eck« Schönh-Alle«., tu.m— i9i« Unterhaltungsblatt öes vorwärts Dienstag, 2. �utt Oer Laubenkolonist. Gartenarbeiten im Juli. Endlich hat das Wetter ein Einsehen gehabt und»ml den nötigen Regen gebracht. Und dieser tat so not und kam gerade noch zurecht, um gute Folgen zu zeitigen. Ueöerraschend schnell hebt sich das Wachstum der Kartoffeln und aller Gemüsearten, und bekommen wir bald auch noch etwas mehr Wärme und weniger Wind, dann ist die Hoffnung auf eine gute Gemüse» und Kartoffel- ernle wieder etwas wahrscheinlicher. Freilich die zumeist arg zurück- gefrorenen Frühlartosfeln können nicht mehr einholen, was sie durch den Frost eingebützt haben, dazu war er denn doch zu grob gewesen. Darum wird sich auch die Ernte der Frühkartoffeln um mehrere Wochen hinausschieben. Vor Mitte August wird eS in diesem Jabre nicht ratsam sein, mit der Kartoffelbuddelei anzu» fangen. Ja, ich rate ganz entschieden vor dem zu frühen Ernten der Kartoffeln ab, denn dadurch schadet man sich viel mehr, als man gemeinhin annimmt. Reiht man die Knollen in unreifem, unauZgewachsenem Zustande aus der Erde, so betrügt und schädigt man sich selbst. Ein Hinausschieben der Ernte um 1t Tage der- mag unter Umständen das Gewicht mehr als verdoppeln. Und das will heute gcwih viel bedeuten. Ueberwindung wird das manchmal sicherlich kosten, aber eS gereicht ja zum eigenen Vorteile. Und waS ich hier von den Frühkartoffeln im besonderen sagte. bezieht sich in gleicher Weise auch auf alles Gemüse im allgemeinen. Ich glaube, unzählige Hausfrauen werden in diesen Wochen schon ratloS vor dem gekauften jungen Gemüse gestanden und nicht gewußt haben, waS mit ihm anzufangen. Ich nenne zum Beispiel nur den Kohlrabi und die Karotten, die zurzeit hin und wieder einmal nach schweren Hinderniffen zu erhaschen find. Man sehe sich dieses Zeug einmal richtig an,— die Hausfrau tut'S ja sowieso— und überleg« sich, WaS übrig bleibt, wenn der Kohlrabi geschält, die Karotten geschabt sind. Es lohnt manchmal nicht der Mühe. Sind doch die Kohlrabi oft von der Stärke einer Daumenkuppe und die Karotten von dem Um» fange eines abgenutzten Bleistiftendchens. Handelt«S sich um gekaufte Ware, dann ist das Motiv verständlich. Blinder, habgieriger Wucher hat hier gewütet. Sehe ich aber, wie so mancher Lauben» kolonist dabei ist. sein Gemüse herauszureihen, wenn eS noch in den ersten Entwicklungsstufen ist, dann könnte ich vor Zorn über solchen Unverstand das Zeug dem Toren um den Kopf schlagen, damit er auswacht und endlich begreift, welch unverzeih- liche Torheit er mit diesem vorzeitigen Ernten beginnt, welch schwere Schädigung er sich vor allen Dingen selbst beibringt. Darum noch einmal: eilet nicht mit der Gemüseernte, laßt alles richtig ausreifen, damit alles wohl aus- genützt wird. Not tut es, daß wir unserem Stückchen Erde soviel in Menge als auch in Güte abringen, als nur irgendwie möglich ist. Und das ist nur dann möglich, wenn wir uns mit Geduld beherrschen können. Gewiß schmecken die jungen, halbentwickelten, grünen Erbsen bester, süßer, als völlig ausgewachsene. Vergleicht man aber den Nährwert dieser zwei Entwicklungsstufen, dann ist der der völlig ausgewachsenen, wenn auch noch nicht ausgereiften Erbse ein vielmals höherer, als der des zarten, jungen Korne». Und aus die Höhe deS Nährwerte» kommt«» heute doch einzig und allein an. Der Regen hat dem Boden also die nötige Feuchtigkeit gebracht. Hiermit sind die Wurzeln der Gemüsepflanzen für» erste reichlich versehen. Nun sorgen wir dafür, daß sie die Luft, die sie zu gutem Gedeihen gleich nötig haben, auch erhalten. Zu dem Zwecke müssen wir die Erde sorgfältig hacken, lockern. So tritt die Luft in die Erde, erwärmt sie und begünstigt so noch die guten Folgen der Feuchtigkeit. E» kann gar nicht häufig genug gehackt werden, besonder» im schweren Boden: indirekt wird damit ja auch da» Unkraut vertilgt. Denn überall da, wo häufig und gut gehackt wird, kann sich da» Unkraut gar nicht erst entwickeln. Das ist aber selbstverständlich, daß«in Gäitchen auch stet« sauber, unkrautfrei sein muß. Ebenso soll auch das Ungeziefer bekämpft werden, von dem zurzeit die Raupe de» Kohlweißlings wohl am gefährlichsten ist. Wer jedoch die Mahnung befolgt, alle Kohlarten daraufhin öfter durchsieht und die gelben Eierhäufchen vernichtet, wird auch durch den Fraß der Raupen aum zu leiden haben. Vorgesehen ist auch hier bester al» nach» gesehen. Wem irgendwie die Möglichkeit geboten ist, Jauche der- wenden zu können, tue dieS jetzt in ausgiebigster Weise. Alle Kohlarten, Gurken, Kürbis und Tomaten sind sehr erkenntlich für solche Gaben. Auch Sellerie verträgt sie gut. Alle sonstigen Wurzel- gemüse, wie Karotten. Petersilie, auch Zwiebeln und alle Hülsen- flüchte, sollen nicht mit Jauche bedacht werden. So wie die Ernte des Frühgemüses vor sich geht, werden auch wieder Beete zu neuer Best eilung frei. Man nütze sie recht ausgiebig aus. Jedes Fleckchen Erde wird wieder mit einer Gemüseart bestellt. Alle Kohlarten, frühe Sorten, können anfangs de« Monats noch gepflanzt werden, bis Ende des Monats auch noch Rosen- und Blätterkohl, Kohlrabi, Kohlrüben Kopfsalat, Kurorten wer- den noch ausgesät, und die ersten Aussaaten von Spinat für den Herbstverbrauch erfolgen jetzt. Rote Beete können noch gepflanzt werden. In warmen Lagen, mit warmen, leichten Böden mag man diesmal auch noch am Anfang des Monats Buschbohnen aus» legen. Eine gute Bearbeitung späterhin sichert uns noch eine gute Herbsternte, sosern nicht ein allzu strenger Frühftost uns einen Strich durch die Rechnung setzt. Der Liebhaber sorge jetzt durch Aussaat von Winterrettig für den Winter vor. Die Tomaten müsten beachtet werden: durch regolmäßige« Ausschneiden der Nebentriebe ist für einen kräftigen Hauptttieb zu sorgen, der fortlaufend mit dem Wachstum an den Pfahl gebunden wird. Durch reichliches Gießen in Trockenheit, auch durch Jauchen, ist für flottes Wachstum Sorge zutragen. Letzteres bezieht sich auch auf die Gurken, denen beim Gießen möglichst luftwarmes, ob- gestandenes Master gegeben werden soll. Rhabarber st auden, die jetzt mit dem Wachstum nachlasten, sind kräftig zu jauchen, auch zu düngen, damit sie Reservestoffe sammeln für das nächste Jahr. Reife Steckzwiebeln, Perlzwiebeln und Schalotten werden bei trockenem Wetter herausgenommen, zum Nachtrocknen an lustigem, regensicherem Ort ausgebreitet und später gereinigt. Von Perlzwiebeln und Schalotten werden dabei die kleinen zur Nachzucht für das nächste Jahr ausgesucht und trocken aufbewahrt. Jetzt, wo die Ernte der Beerenftücht« und anderen Obste» im Gangeist, muß auf sorgfältiges Pflücken bingewiesen werden. Wie häufig ist zu sehen, daß nach dem Pflücken deS Obstes eine Menge Blätter, Triebe und selbst größere Zweige am Boden liegen. DaS ist natürlich ganz ungehörig, da hierdurch Bäume und Sträucher leiden, auch durch Abbrechen des Fruchtholze» die nächste Ernte vermindert wird. Besonders lasten sich Sauerkirschen schlecht pflücken. Man schneidet darum die Früchte mit einer Scheere ab. Die» schützt den Baum und erhält ihm viel Fruchtholz. Kernobst ist bei Trockenheit reichlich zu wästern, zu dicht sitzende Früchte sind zu dünnen, wurmstichige abpflücken und in der Küche zu verwerten oder dem Vieh zu verkochen. Dasselbe gilt auch für das Fallobst, da? unter keinen Umständen liegen bleiben darf. Sonst wird da« lft-geziefer vermehrt I Ueberhaupt mutz beim Obstbaum andauernd nach dem Ungeziefer Ausschau gehalten werden, WaS sich im kleinen Garten, wo eS sich ja meist nur um wenige Bäume handelt, ge- wohnlich leicht ausführen läßt. Reich tragende Bäume müssen gestützt werden, um Abbruch zu verhindern. Letzteres tritt auch dann oftmals ein, wenn bei der Ernte des Obstes in den Aesten jüngerer Bäume herum« geklettert wird. Das sollte natürlich nie vorkommen, denn dazu sind schließlich Leitern vorhanden. Die Gesundheit und Unversehrt« heit der Bäum« mutz stets allem anderen vorgehen. Weinspaliere werden wiederholt gegeizt, die Nebentriebe diesjähriger Reben sind auszuschneiden, wie auch Formobstbäume nochmals deS Sommer« schnitteS wegen durchgesehen werden müsten. Die Erdbeerernte ist vorbei. Ich schneide nun alle» Blattwerk bis an den Erdboden zurück, entferne alle» Unkraut und alle Ranken bis auf die, die ich zum Nachpflanzen nötig habe. Dann bringe ich guten, alten Kompost oder verrotteten Dung auf die Beete und wästere durchdringend. So machen die Erd beeren ein neue», gesunde» Laub und kräftigen sich für die nächst- jährige Ernte. Den Blumen muß auch etwa» Zeit und einige Kosten ge» gönnt werden. Verblühte Stauden, Rosen werden zurückgeschnitten. Goldlackpflanzen werden gepflanzt, Stiefmütterchen, Vergißmeinnicht werden ausgesät. Hochwachsende Stauden, Dahlien, Gladiolen müsten angebunden werden. Daß auch ring» um die Blüten» pflanzen Sauberkeit herrschen mutz, ist doch selbstverständlich. Von vorhandenen Eommerblumen bezeickme man die schönsten Blüten und sammle ihren Samen. So bringt der Garten auch reine Freuden mit. Kol». vom schmerzlosen Gebären. Dr. Helene Stöcker, die Vorkämpferin der Mutterschutzbewegung, veröffenilicht in der»Neuen Generation" das Ergebnis einer an viele bekannte Frauenärzte gerichteten Umfrage über ihre Er» fahrungen mit dem ,Dämmerschlas"-Verfahi:en, das zuerst von den Freiburger Professoren Krönig und Gauß eingeführt wurde. Durch daS im Jahre 1904 zuerst in der Praxis angewandte Verfahren werden den Gebärenden mehrere Einspritzungen von Morphium mit Scopolamin gegeben, worauf sich ein dämiuerschlafariiger Zustand einstellt, in dem zwar da« Bewußtsein ausgeschalter wird, die zur Vollendung des Geburtsaktes notwendigen Muskelbewegungen aber nicht zum Stocken gebracht werden, sodaß der Wehenschmerz also nicht betäubt, sondern nur nicht empfunden wird. Von den 17 Frauenärzten, die sich zu der Frage äußerten, sprachen sich im großen ganzen sieben zugunsten der Methode aus, darunlcr in erster Linie die früheren Mitarbeiter des inzwischen verstorbenen Krönig, Gauß und Pankow: ablehnend verhält sich nur Dr. Kirstein iMarburg-Lahn), der die»hohe moralrsche Bedeutung des Geburtsschmerzes" hervorhebt und aus diesem Grunde nichts von einer Erleichterung der schweren Stunde der Frau wissen will. Die übrigen Beanlworter der Umfrage stellen in teils sehr ein« gehender Weise die von ihnen beobachteten Schäden der Krönigschen Methode ihrem unzweifelhaften Nutzen gegenüber. Fast einig sind sich alle Aerzte darüber, daß der Dämmerschlaf nur von besonders geschulten Spezialärzten und möglichst in Kliniken und Einzelzimmern ausgeführt werden kann, so dag es laum möglich sein wird, auch den ärmeren Klassen seine in vielen Fällen unzweifelhaft großen Er- leichterungen zugute kommen zu lassen. Auf die Frage, ob von der allgemeineren Einführung des Dämmerschlafes eine Steigerung der Geburtenziffer zu erwarten sein werde, lauten die Antworten daher in den meisten Fällen ver- neinend. Was die Schädigungen für die Gesundheit von Mliticr und Kind betrifft, die beobachtet wurden, so gehen die Ansichten noch ziemlich weit auseinander. So spricht Piof. Bumm (Berlin) geradezu von einer ungesunden Wirkung auf die Frucht, und auch Dr. Dietrich(Köln) ist der Meinung, daß das Gift unter Umständen schädlich auf daS zarte Gehirn de§ Neugeborenen ein« wirken könne, während man jetzt dazu gelangt sei,»inter Wahrung gewister Vorsichtsmaßregeln der Mutter geumdhsitlichcn Cckadcu zu ersparen. Prof. Gauß, der den Dämmerschlaf selbst aus der Taufe gehoben hat, äußert sich naturgemäß in sehr empfehlendem Sinne über die Methode. Freilich gibt er auch zu, daß sie eigentlich nur im Krankenhaus gut anwendbar ist.»Das sollte aber", so schreibt der Freiburger Frauenarzt,.kein Grund zur Ablehnung sein. Im Gegenteil, e» hat den Anschein, als ob in der Geburtshilfe jetzt alle« auf eine stärkere Inanspruchnahme der Gebäranstallcn hin- dränge; sollt« da« nicht zugleich auch Grund und Anlaß sein, die Vorteile de« Dämmerschlafes mehr Fronen zukommen zu lassen, als eS bisher möglich war?"— Auch Prof. Dr. Stumbach (Tübingen) gibt sich als Anhänger de« Dämmerschlafes zu erkennen. Er schreibt:»Richtig angewandt, ist er ein großer Segen für die Gebärende. Der Staat und die Gemeinden werden sich nach dem Kriege sowieso entschließen müsten, Entbindungshäuser, Wöchne« rinnenheime usw. in größerer Zahl als früher einzurichten. Da wird dann auch der Dämmerschlaf zu seinem Rechte kommen." Notizen. — Theaterchronik. Die Winterspielzeit des Deutschen Theaters beginnt am 1. September. Mir Aeschylos .Orestie" wird als dritte Bühne der umgebaute Zirkus Schumann, der voraussichtlich den Namen»Großes Schauspielhaus" führen wird, eröffnet werden. — Im Münchener DlaSpalast wird auch dieses Jahr ein« große Kunstausstellung zu sehen sein, an der alld wichtigeren Münchener Künstlergruppen beteiligt sind. Sie wurde am Montag eröffnet. — Da» neuest« schwebische Verkehrsmittel ist der sogenannte»Landsträßenzng". Die erste dieser neuartigen Bahnen, die hauptsächlich für die Beförderung von Bauholz uiw. gedacht sind, ist soeben in Betrieb gesetzt worden. Als Lokomotive dient ein Lastauto von 7ö Pferdekräflen, das vier mit 4» Tonnen belastete Wagen ziehen kann, jedoch nur auf guten Wegen. Als gefährlicher Konkurrent der Eisenbahn ist dieses langsame Be- förderungSmittel nicht anzusehen, sondern nur alS eine gute Er- gänzung dasür. 25] Lodz. das gelobte Kanö. Roman von 28. St. Rehmont. „Blind waren sie!... Ich kenne ihn, jede» Jahr schreibt er. wenn die Aprilzahlungen Herannahen. Lesen Sie'S nicht weiter, ich weiß, was drin steht. Bitten um Geld und Be- schwörungen, ein Edelmann müsse seine Stammesgenossen unterstützen. Dummkopf! Ins Feuer!" Und so ging's weiter. Es waren Brief« da von Witwen mit Kindern. ohne Kinder. mit kranken Männern und Müttern, von Waisen, von Leuten, die in der Fabrik verstümmelt wurden, von Leuten, di« Anstellungen suchten,� von Technikern, Ingenieuren, von verschiedenen Erfindern, die Umwälzungen in der Baumwoll- Wdustrie versprachen und unterdessen um ein Darlehn nach- suchten zur Beendigung ihrer Studien und Ausführung ihrer Modelle: es war sogar ein Liebesbrief dabei, das Geständnis einer früheren Bekannten, die in ihrem augenblicklichen Elend das frühere Glück nicht vergessen konnte. „Ins Feuer I Ins Feuer I" schrie er. sich vor Lachen schüttelnd; er wollte die schwulstigen, pathetischen Ttraden, die flehentlichen Bitten und Beschwörungen, die mit dem Er- suchen um ein Darlehn schlössen, nicht mehr anhören. „Merken Sie, wie die Leute mich hochschätzen! Wie sie meine Rubel lieben." ES waren auch Briefe drunter mit schmählichsten Be- schimpfungen; Karl hielt inne, er wußte nicht, ob er sie lesen sollte. „Lesen Sie. die beschimpfen mich, da» Hab' ich gern, daS ist wenigstens aufrichtig, oft sogar amüsanter, wie daS andere. Karl las einen Brief, der mit den Worten anfing:„Du Rädelsführer der Lodzer Diebe", und eine ganze Skala von Flüchen und Beschimpfungen enthielt, von denen die sanftesten lauteten:„Schwein! Schurke! Verbrecher! Blutegel! Ge- meiner Hund!" und mit dem Satz schloß:„Wenn dich GotteS Rache nicht erreicht, dann trifft dich sicher der Menschen Strafe, du elender Hund und Schinder!" Der Brief trug keine Unterschrift. „Der hat Humor. Ha. ha. ha I Ein lusttgeS Vieh." „Wissen Sie. Herr Rat. ich Hab' genug, es ist mir schon ekelhaft." „Lesen Sie. Trinken Sie nur mit vollen Zügen diese» Spülwasser der Menschheit, und weiden Sie sich an dem Mcnschenpack, das ist gut zur Ernüchterung. Das gehSrt zur Lodzer Psychologie und zu Eurer unbeholfenen Unfähigkeit." „Nicht alle Briefe sind ja von Polen, eS sind auch deutsche Briefe da. die Mehrzahl ist sogar deutsch geschrieben." „DaS beweist eben, daß sie alle von Polen stammen. Ihr habt ein Talent für fremde Sprachen und zur Bettelei, daS macht Ihr gut", sagte Buchholz mit Nachdruck. Karl schaute ihn mit Augen an, in denen grüne Zorne«- funken sprühten und Haß aufflackerte, laS aber weiter. Eine Denunziation gegen den ersten Lageraufseher, daß er Ware stehle. „Geben Sie'S mal her, daS muß man feststellen." Er schob den Brief in die Tasche. ES waren noch Beschwerden über Meister, Drohungen Entlaffener, auch solche Denunziationen: einer hätte von Buchholz gesagt, er sei„ein Schwein mit auS- gebrannten Augen",„ein alter Dieb". Diese waren mit Bleisttft auf Fetzen Packpapier geschtteben. „Geben Sie den Brief her, der ist wichttg, ein teueres Dokument, was von mir meine Leute reden." Er lächelte verächtlich.„Glauben Sie, daß ich jeden Tag solche Briefe lese? Ha, ha, ha! August macht Feuer damit, dazu allein sind sie gut. diese Witze." „Und doch geben der Herr Rat einig« tausend Rubel jährlich für verschiedene wohltätige Zwecke." „Ich geb' sie, ich geb' sie, weil man sie mir rauswürgt, weil ich dem Gesindel, um Ruh« zu haben, einen Knochen vorwerfen muß." „DaS alte Pttnzip: Kobleaso obll«, heißt heut«: die Mllionen verpflichten." .Ein dummes nihilistisches Prinzip; wa» schert e« mich. daß sie Hungers sterben, mögen sie vor Hunger krepieren. Stets muß ein Teil der Menschen nichts haben. Mir hat kein Mensch einen Pfennig gegeben, alle« mußte ich mir zu- sammenscharren, zusammenderdienen, Warum soll ich heut andern was geben, wofür? Es ftjj[ mir einer nachweisen, daß ich es tun muß. Wem soll ich denn geben? Den Herren, die ihre Vermögen verpraßt haben. Der Teufel hol' sie. Hier bei euch möchte jeder nehmen, aber keiner will arbeiten. Wäre doch einer von euch hergekommen nach Lodz, wie ich, hätte sich an die Arbeit gemacht, er hätte gerade so wie ich ein Vermögen gemacht. Und warum geschah das nicht? Weil ibr in dieser Zeit bei unS Revolutton gemacht habt... Ho, ho, ho l Don Quichotten I" Verächtlich spuckte er au», gerade auf seine Füße, und lachte lange, tn glänzender Laune. Karl ging im Zimmer auf und ab. Er wollte nicht mehr sprechen. Obwohl alles vor Zorn in ihm zitterte, schwieg er und tat gleichgültig. Buchholz würde er nicht' überzeugen, daS wußte er. und er wollte sich auch nicht mit ihm überwerfen. Buchholz merkt« die Drangsal, die er vorowiecki zufügte, und sagte ihm immer schmerzlichere Sachen. Mit Neber- legung marterte er ihn. Ein ungewöhnliches Vergnügen machte eS ihm, andere zu quälen und die menschliche Seele anzuspetcn. Er lag" fast ausgestreckt im Fanteuil. An dem ständig geschürten Feuer, in dem er andauernd herumscharrte, brannten die Beine beinahe an. Da» graugelbo Gesicht, in dem die bluttgen Augen bissig und höhnisch leuchteten, sah aus wie daS einer tn Fäulnis übergehenden Leiche. Der runde Schädel mit den Resten weißer Haare hob sich von dem dunkleu Hintergrund deS Fauteuils grell ab. Ohne aufzuhören, spie er mit immer größerer Wut auf alle? und zertrat alles. Wie ein Götze sah er aus, der in Lumpen und Fetzen eingewickelt in der Tiefe seines goldenen Tempels auf Millionen kauert und scheinbar sehr mächtig alle verhöhnt, der Schwäche spottet, den Gefühlen Hohn spricht und die Menschheit verachtet, die sich nicht zu Millionen er- hoben hat. Endlich unterbrach ihn der Lakai mtt der Meldung, eS fei angerichtet. Zwei L�ute hoben ihn mtt dem Fanteuil auf und trugen ihn ins Eßzimmer, da» am anderen Ende' des HauscS gelegen war. „Sie verstehen zuzuhören; Sie sind ein kluger Mensch," sagte er zu Karl, der dicht neben ihm ging. „DaS war alles sehr interessant, was Sie gesagt haben, eS hat mich sehr interessiert, als Materialien zur Pathologie der Millionäre," erwidette er ernst, ihm scharf in die Augen blickend. „Herr Borowiecki!... Wackel nicht 1* brüllte er den links neben ihm gehenden Lakai an und schlug ihn mit dem Stock auf den Kopf.„Herr Borowiecki, ich schätze Sie sehr, geben Sie mir Ihre Hand. Wir verstehen unS, wir können gut miteinander auskommen. Sie können stets auf mich rechnen." Im Eßzimmer stand schon Frau Buchholz; als man ihren Mann an den Tisch geschoben hatte, küßte sie ihn auf die Stirn, reichte ihm die Hand zum Kuß und setzte sich ihm gegenüber. Der Doktor war auch da. Al« erster trat er an Boro- wteekt heran und stellte sich vor. „Hammerstetn, Dr. Juliu« Gustav Hammerstein," wieber- holte er mit Nachdruck, sich den großen, flachsblonden Bart glättend, der bis tief auf die Brust herabwallte. lLortj. folgt.) Dentmcb««» Tb+ater. Mit M9x Palren(Wrg Dienstag', Mittwoch S Ulir: Familie Schlmek. Donnerstag 8: IlSbikoff. Karamepspicle. Mlabendlich'i'i, Uhr 5 lako�nlto.(Operette.) \'o!k«biihne,Th.a. Sülowpl. Allnbentllicli 71/; Uhr: General"Vorek. TSieatsr des Westens Ailabendlich T'/j Uhr: Lsopoldine Konstantin � Die Tänzerin. Theater Ii. Königgrätzerstr. 8 Uhr: Rie Scliwestern und der Fremde. Komödienhaus 8 Uhr: Ric Zarin. BerlinerTheater 71' U.: Eeiltzblancs Illat. j Xatlonal-Theater 3!48 Män seilen Trianon-Theater Phf Friedrlohstr. Ztr. 4927. 2391 H U. Zum 305. Male; Wer Ssbettssshföler. Kaisor-Titz, Eildl, Flink. Sonnab. nachm. 1/24 ü. Icl.Pr.: Scimeewlttehen. Sonntag 4 Uhr: Gespenster. Theater ffir Dienstag, 2. Juli. Central-Theoter vi. uhn Bie Csarilasiiirstiii. Oentsches Opernheas 'Uhr: flig seine fieleoa. FricUricli-Willielmst. Theater U/aUHr: Ijnstspielljnus 78,4 Uhr: DieiilondEniliiels v. Llnrisntiof Neues Dpsrettenhens Tv.uhr�erSßlilatilerMarlfi. Kleines Theater 8 Uhr: Arietid und seine Fehler mit Bassermann. Komliiiche Oper phrasOTsniUmSH "ti I(o U.: Metropol-Theater uiir; Oie Rose W StaffilhiL Renlden a-Theater uw: FüMEF-KIgfetieii. fhchllier-Th. Chart. u/-u.: Oer leilelieniresser. Thalia-Theater JMWÄntoJM Theater am Nollendorfplatz 71/, Uhr: Rose-Theater. y'i, m ZLSKIzAlj. ffiotienB: Bitte rechtfreundlich! TiL P.rt'tonicnallcc 7—9. Täglich 5 Uhr in vollständig neuer Bearbeitung: P! Tli.i.il.Frailü!ler Allee 313. Dt Riesenerfolg dös Thalia- Theaters über 590 Male! FnppeKen. (Du bist mein Augenstern...) Ges.-.P.!. 3 Akt. r. Jean Kren u. Kurt Kraats. Mus.; Gilberfc. Anfang taglich 7'/a Uhr. Sonntag 4 Uhr: Bunte Bühne. DER„HIAS 66 Täglich 71/j Uhr abends Morgen Mittwoch, nachmittag 3'/, Uhr V| FamilicR- nnd Schiilcr-Vorstelliing zu kleinen Pi eisen Walhalla*™� Oranien-falast Oranienstr. 40— 41(Oranienbrücke) Konzert- Kaffre-Kabarett. 71/, Uhr. Ijeopold Itöroh. Sonnt. 41/, Uhr. EliC 3Jercny. Erich Carow. lHiJde V Gr. Kapelle Dirk van Erp. 1. Stock Weinklause mit Barbüfeft. Thim&SSSi Jn Dcvpcn-, Ze-b�asnutJci-, Obü-iiriä SimuscJiamüufUieaaiiaUlidi Ttlzcga-Seseilschaft ni.b.9., Berän-Cmweäiqf lü M iSroijc Possen-Reouc in 5 Bildern Dazu die großert Spezialitäten '. ra■ 3.T r:,«'--r?'"""*.'—.■- Reiciishailen- Theater. I Ailabendlich T'/j Uhr; |$tefiinsr Sänger. I | Reichshallen-Saal T1/* Dr-"| Großes Blöthgen-Konzert. Msr der Friedriclistadt. Ecke Friedrich- u. Linienstx. Täglich 7»/. Uhr; Die erste Keige. Sehnt, nachm. 31/, kloine Pr.: Jugend. MMzMSZNWSSMMs" Admiraäspalasl. Die Prinzessin von Tragant| Sajdah Deutsche Tänze 7'l, Uhr. 2, 3, 4. 5, 6 M. Schaveizergarten Arn.«önigsror Am Friedrichsboin SD— ZS. GröHter und schönster Natur» garten Berlins, lieber 5000 Sitz- hiäde. Sani filc 1000 Personen. Täglich: Konzert. Theater. Svezialitatenvorstellnng. Ansang Wochentags 4 Uhr. sonntags!t Uhr., SAfiRASAM Zirkus- Busch-Gebäude. Täglich 7'/. Uhr abends. Sonntags 3 Uhr. U=Boote auf hoher See im Massen-Manoge- Schaustück Torpedo— los! Der groSe artistische Teil. Turmseilläufer, Bambus- künstler, Luftmenschen, Mastturner, Massenchöre, Ballett. Aufzüge. Vorverk,: Zirkuskasse ab 10 U. vm. u. A. Wertheim. Tie Bekanntmachung des Oberkommandos in den Marken, betreffend Bestandscrhebung von Wismut, tritt am 2. Juli 1918 in Kraft. Die vollständige amtliche Bekanntmachung erfolgt an den Anschlagsäulen und in der„Norddeutschen Allgemeinen Zeitung". (272. I. 4. 18.) Berlin, den 2. Juli 1918. Ter Polizeipräsident. Mit 7 Abbildungen im Text Von Dr. I. Zadel Preis 1 Mk. Vereinsausgabe 25 Pf. Porto 5 Pf., in gescklosse- nem Brief 30 Pf. Das Heft bebandelt die be- sonderen, der Frau eissenlümliri.en Krankheiten, namentlich die der weiblichen Geschlechtsorgane. Buchhandlung Vorwärts Berlin 2W. 68. Linden ftrag« 3 In den Ausgabestellen des„Vorwärts' erhältlich Für die Reise! «-yelourhiite jetziger Vorverkauf billiger! I iHtlpIni" Oftifen- L1I1IUCK.U, thalerstr. 36. 2. Wcschäft: Grunewaldstr. 56. Ecke Bayrischer Platz.' Bekanntmachung. Es sind Zweifel entstanden, ob ai die zu Zuchthausstrase Verurteilten. b) die durch Straferkenntnis aus dem Heere oder der Marine Entsernten und c) die mit Bcrluft der bürgerlichen Ehrenrechte aus bestimmte Zeit Beilrastcn, soweit sie sich im wcbrpflichligen Alter bcstndcn. der militärischen Kontrolle unterliegen. Die vorbczeichneten Personen sind zwar nach§ 20, 11 der Wehrordnung von der Heranziehung zur Er« gänzuug des Heeres und der Marine ausgeschlossen, unletliegen aber, wie alle Landstutmpstichtigcn im Kriege der militärischen Kontrolle. Damit diese bezüglich aller im webrdflichtigen Alter stehenden Personen restlos durchgeführt wird, erhalten alle im Eingange genannten Personen, soiveit sie gedient haben, Anweisung, sich binnen 14 Tagen zu melden. Wegen der ungedienlcn gleichartigen Personen, die durch die Ersatzkoni mzssion zu tontrollieren sind, ergeht durch diese be« sondere Bekanntmachung. Berlin- Zchöneberg, den 1. Juli 1918. Deiiti5!toramiK!ö§ I— VI Berlin. KW Pr®. XinssenlDiterie Ziehuag der 1. K3.: S. und 10. Juli tAchtel-Lose SM.- Viertel-Lose 10 M. Kalbe Lose 20 M.- Ganze Lose 40 M. noch zu haben bei Kröger, ÄÄÄ Berlin Friedrichstr. I93a, EcHe Leipziger Str. Ii um if wiii iiiiii Llndenstr. 3, Vorderhaus 1. Etage, sofort z. vermieten. Pelzgarn itureu aller Art, jetzt zu herabgesetzten Preisen! llhrci-.vcrkaus, Stlberlaschen. Leihhaus, Warschaucrstr. 7.* Psaudleihhaus,, Hermann- platz 6. A.asscnauswahl! Pelz» fachen! 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Co., Fricdrichstraße 36._ 25906 Rcinigungssrau für Laden und Kontorräume von 8—12, eventuell auch von 8—6 Uhr verlangt Paul Rudolph, Breite. straße 29.____ 25876 Mamsellen auf bessere Pale- tots und Kostümjacken außerm Hause verlangt Stamnitz, Weserstr. 299, Neukölln.-sT99* Tüchtige Bleriizeugraachcr, Epeziaiistcn aus Schnitte und Stanzen,(74/12* s°wie iß|>apa(urScl)lofScr UiiKcfcincufabrik ffiacklol, Stettiner Strafte 38. TÄchtige Former für Hand- und Mas©®«L>teu erprojekt haben Aenderungcn grund.egen„cr Art er» fahren. Uebcrall hat die d e m o k r a t i s ch e Mehrheit mehr oder weniger ihren Willen durchgesetzt und ohne großen Kampf. Noch niemals hat es eine so»achgrehige Regierung gegessen'. Die Mehrheit ssetrachtek sich als ihr Gläubiger, und die Regierung kommt wie einer, der einmal an« gefangen hat, Wechsel zu schreiben, auS ihren Verpflichtungen nicht mehr heraus. Diese Daumenschrauben werden der Staat?« gewalt ebenso in der auswärtigen Politik angelegt. Hier mag zwar mancher von der Reichstaasmehrheit im Grunde des Herzens anderer Meinung sein als die Matzgebenden dieser Parteigemein. schaft, aber ihre innerpolitische Abhängigkeit lätzt sie sich nicht end- gültig freimachen von der kleinlauten Friedensresolution. Letzten Endes ist es also die Sozialdemokratie, von der da? Schicksal de? Deutschen Reiches ab- hängig gemacht wird. Denn die inner- und autzerpoli- tischen Abhängigkeiten in der Reichstagsmehrheit selbst beruhen doch auf der Befürchtung, daß die Scyeidemann und Genossen eines schönen Tages nicht mehr mittun. Natürlich arbeitet die„Kreuzzeitung" bei dieser Dar- stellung aus agitatorischen Gründen mit starken Ueber- treibungen. Hinter dem Ganzen aber steht die sehr er- klärliche Wut, daß die Konservativen im Reichstag fortgesetzt „das bittere Brot der Minderheit" essen und alles gegen ihre Wünsche geht. Als die Konservativen noch in der Mehrheit saßen, haben sie selbstverständlich alle Regierungsvorlagen unverändert angenommen und nie versucht, sie nach ihren Wünschen umzugestalten, genau so, wie sie das jetzt im Preußischen Abgeordnetenhause mit der Wahlrechtsvorlage tun..,, �_ Schnelle Hilfe! Anläßlich der Ludendorffspende ist davon gesprochen worden, datz den Kriegsbeschädigten oft schnellere Hilfe zuteil werden mutz, als dies auf dem bureaukratifchen Weg möglich ist. Datz der Amtsschimmel kein Rennpferd ist, mutzten wir längst, aber das sollte doch unmöglich sein, datz ein Kriegsbeschädigter dreimal eine Antwort erhält, wie sie einem Kriegsbeschädigten R. W. in Mainz zuteil wurde. Dieser hatte am 8. und 18. August 1317 ein Gesuch an seine Versorgungsabteilung gerichtet, auf das zunächst jede Antwort ausblieb. Auf dringende Vorstellung hin kam endlich folgender Bescheid auf Postkarte: Zu J.-Nr.� 4843/3 17. C2 R. Das Schreiben vom 8. u. 18. 8. 17 betr. höhere Rente be- findet sich noch in Bearbeitung. Kriegsministerium. RentenabteilunH, I. A.:(Unterschriften). Diese Postkarte erhielt W. auf jede Mahnung, im ganzen dreimal; uns liegen die drei Karten im Original vor. Die erste ist datiert vom 18. 1. 18, die zweite vom 2S. 3. 18, die dritte vom 13. b. 18! Also dreiviertel Jahr nach Einreichung des Gesuchs, nach dreimaliger dringender Mahnung nichts als der lakonische Bescheid.noch in Bearbeitung". Dabei ist W. bereit» seit 13 Monaten(1. Dezember 1318) als d. u. entlassen. Er hat überhaupt noch keine Rente erhalten und das unbeantwortete Gesuch vom 8. und 13. August 1317 ist nicht da? erste, sondern W. ist bereits im Januar 1817 um Rente ein- gekommen. Auf der Versorgung« ab teilung in Mainz wurde W. gesagt, er werde Rente bekommen, das Geld gehe ihm nicht verloren, er solle nur.Geduld' haben. W., der seit Juli 1317 fast ständig krank und häufig arbeitslos gewesen ist, war inzwischen gezwungen, seine gesamten Habseligkeiten, Kleider und Wertsachen, zu der- äußern. In welcher Gemütsverfassung er sich befindet, ist unschwer zu erraten. Könnte nicht die Bearbeitung solcher Sachen etwa? rascher vor sich gehen? HertltngZ Reise nach Wien. Ueber den Termin einer Wiener Reise des Reichskanzlers steht vorläufig, wie die„Norddeutsche All- gemeine Zeitung" hört, nicht? fest. Verlängerung der ReichstagS-LegiSlaturperiode und Aufwands- entschädigung des Präsidenten. Dem Reichstag ist der Entwurf eines Gesetzes über die abermalige Verlängerung der Legislaturperiode— bis zum 12. Januar 1828 zugegangen. In der Begründung des Entwurfes wird gesagt, datz die gleichen Gründe matzgebend sind wie bei den früheren Verlängerungen. ES wird vorgeschlagen, die neue Verlängerung wiederum auf ein Jahr auszusprechen, wobei eine frühere Beendigung der Legislaturperiode durch Auflösung vorbe- halten bleibt, wenn es die Kriegslage gestattet.— Eine Ergänzung zum Etat steht 88 888 M. AufwandSgelderfürdenPräfi- deuten vor. die Steuervorlagen im Hauptausschuß. Der Hauptausschutz begann am Montagnachmittag die zweite Lesung der Steuervorlage. Zunächst beriet er den Eni- Wurf über die Erhöhung der Post- und Telegraphen« gebühren. Bei§ 2a(Aufhebung der Portofreiheit der Fürsten) bat StaaiSsekretär Rüdli», den Beschluß der ersten Lesung rückgängig zu machen und den von ihm angekündigten Gesetz- e n t w u r f abzuwarten, der diese Portofreiheit noch erheblich ein- schränkt. Die nicht zu bestreitenden Auswüchse würden durch die angekündigte Vorlage beseitigt. Inzwischen ist ein Antrag auf Streichung des§ 2a eingelaufen. Abg. Südekum(Soz.) kennzeichnet an einzelnen krassen Bei« spielen nochmals den bisher mit der Portofreiheit getriebenen Un- fug. Wenn jetzt die gesetzliche Beseitigung des Privilegs nicht durchzusetzen sei, dann müsse die Einbringung des Postgebühren- gesetzes die Aussicht geben, datz binnen kurzem auch mit dem Reste dieses Privilegs aufgeräumt werde. Die Streichung des§ 2a wird hierauf beschlossen. Die übrigen Bestimmungen der Borlage werden nach dem Beschluß der ersten Lesung unverändert angenommen. Ein Antrag Meyer- Herford will unter die bevorzugten Postsendungen, die von der Erhöhung des Portos ausgenommen bleiben sollen, auch die vervielfältigten Zeitungskorrespondenzen auf- nehmen. Der Antrag wird angenommen. Die Aenderung de? Wechsel st empelgefetze« wird nach kurzer Aussprache in der Fassung der ersten Lesung einstimmig ge- nehmigt. ES folgt die zweite Beratung deS Entwurfs über die Aendc- rung des Reichs st empelgefetze S. Ein Antrag Gothcin auf Milderung der Talonsteuer in besonderen Fällen wird angenommen. Ein gemeinsamer Antrag aller Parteien mit Ausnahme der Fort- schrittler und der Unabhängigen zu Artikel 8 schlägt vor, denjsteuersotz von 1 vom Tausend auf 2 vom Tausend zu erhöhen, während der KriegSzeit aber auf 5 vom Tausend. Obwohl die Nationalliberalen der Vereinbarung zugestimmt haben, wendet sich Abg. Rießcr dagegen. Abg. Dave(Vp.) bekämpft gleichfalls diese Erhöhung, die ihren Zweck, die wilde Spekulation an der Börse zu unterbinden, nicht erreichen werde. Abg. Dr. Pfleger(Z.) führt diese Spekulation zum Teil darauf zurück, daß die Kurse nicht veröffentlicht werden. Gegen die Erhöhung hat er auch j,» Gegensatz zu seinen Partei- freunden Bedenken. Schatzsekretär Graf Rocdcrn weist darauf hin. datz eine Ueberspekulation tatsächlich bestehe und eine Er- Höhung der Steuersätze durchaus angängig fei. Abg. Bernstein (U. Soz.) ist gegen das Kompromiß. Abg. Keil(Soz.) erklärt die Zustimmung seiner Partei zur Erhöhung, die von Bankleuten als durchaus erträglich bezeichnet werde. Allerdings dürfe der erzieherische Zweck der Steuer nicht in den Vordergrund gestellt werden. Abg. Mayer-Kausbeuren(Z.) beantragt für die Kriegs- dauer den Steuersatz von 8, für die Friedenszeit von 1 vom Taufend. Bei der«vstimmung wird der Vermittlungsantrag Mayer- Kaufbeuren abgelehnt und der gemeinsame Antrag der fünf Parteien angenommen. parteinachrichten. Ein Bezirksparteitag für die obere Rheinprovinz, der erste während der KriegSjahre, fand am 23. und 38. Juni in Köln statt. Er war aus den Wahlkreisen des großen Gebietes zwischen Köln und Saarbrücken gut beschickt. Bezirksparteisekretär Zoergiebel konnte berichten, daß sich die Organisationen von den schweren KriegSverlusten zu erholen beginnen. Der Mitglieder- stand war in den Jahren 1314: 15 463. 1315: 6283, 1316: 3334, 1317: 3342, am 31. März d. I. aber 6841. Die Parteispaltung hat im Be- zirk keinen nennenswerten Umfang angenommen. Nur in Köln hat die U. S. P. eine kleine Organisation. Im ganzen Bezirk ist nicht eine Organisation geschlossen übergetreten. Seit dem 1. April d. I. ist überall ein Wochenbeitrag von 15 Pf. festgesetzt. In den sehr klerikalen und meist wirtschaftlich noch wenig entwickelten Gebteten spielt die„Religionsfeindschast" der Sozialdemokratie die größte Rolle. Die katholische Geistlichkeit treibt Säle ab. Einzelne Geist- liche suchen bei den Unternehmern die Entlassung„roter" Arbeiter zu bewirken. Trotzdem macht die Partei und die Parteipresse gerade in ländlichen Orten überraschende Fotschritte. Besonders erfreulich sind die Berichte aus dem bis vor einem Jahre fast ganz unzugäng- lichen Saagebiet. Die Freie Jugendbewegung ist zurzeit nur in Köln und Bonn vertreten. Der Kölner JugendauSschutz er- hielt im vorigen Jahre 758 M., in diesem Jahre 588 M. auS dem staatlichen JugendpflegefondS für die Jugendheime. Irgendwelche Bedingungen wurden an die Bewilligung des Betrage? nicht gestellt. Ein Vortrag deS Reichstagsabgeordneten Meerfeld leitete eine ausgedehnte Aussprache über die politische Lage ein. In den Grundfragen und in der entschiedenen Ablehnung der „unabhängigen" Taktik herrschte volle Einmütigkeit. Der wachsende Unmut des Volkes über die Verhältnisse im Innern entlud sich aber in einer Reihe von Distussionsreden, die schärferes Auftreten unserer Fraktion im Reichstage und rücksichtslose Anprangerung der Miß- stände im Lande und in den besetzten Gebieten forderten. Dringend erhoben wurde der Ruf nach einem Agrarprogramm. Viele Bauern seien für uns zu haben, wenn man ihnen klare Antwort über unsere Stellung zur Landwirtschaft, besonders zu den Klein- betrieben, geben könne. Eine einstimmig angenommene Entschließung verlangt von der Regierung Abkehr von den jetzigen Methoden und fordert die Fraktion auf, bei einer etwaigen Gcsamtabstimmung über die Stcuergcsctze diese abzulehnen, wenn es nicht gelinge, die Volks- feindlichen Massenverbrauchssteuern daraus zu ent- fernen. Ferner wird die Fraktion ersucht, gegen die neue Ver- längerung der Legislaturperiode deS Reichstages zu wirken. Man wolle keinen achtjährigen Reichstag. Das Volk sehne sich danach, die Gegner des Verständigungsfriedens und de? gleichen Wahlrechts vernichtend zu schlagen. In einem ferneren Antrag wird die Fraktion aufgefordert, ihre Bemühungen zur Her- beiführung von internationalen Vereinbarungen gegen die Flieger- angriffe außerhalb des Operationsgebietes fortzusetzen. Ter Parteitag verlief ohne jeden Mißklang. Letzte Nachrichten. Der Zeitpunkt für Verhandlungen. Genf, 1. Juli. Der Abgeordnete P r e s s e m a n e ver- langt im„Populaire", daß die amerikanische Hilfe als Argu- ment für die diplomatischen Verhandlungen zur Beendigung des Krieges benutzt werde. Der Zeitpunkt für Verhandlungen sei gekommen, da der wirtschaftliche Druck als Kompensation für die Kriegslage verwendet werden könne._ Paßverwcigerungsbeileid. Amsterdam, 1. Juli. Der sozialdemokratischen Zci» tung„Het Volk" zufolge erhielt Troelstra aus London ein von Henderson, Brantlng, Albert Thomas, Rc- naudel, Longuet, HuvSmans und andeben Dele- gierten der Arbeitcrkonfcrcnz unterzeichnetes Telegramm, in dem das Bedauern ausgesprochen wird, daß T r o e l st r a der Reisepaß nach England verweigert wurde und die Delegierte« infolgedessen außerstande waren, mit ihm„zur Erreichung des gerechten Frie- dens, den alle wünschen" zusammenzuar- beite«. Hierzu ist zu bemerken, daß über«in« die Paßverweigerung angreifende energische Debatte und einen ebenso energischen Be> schluß deS Kongresses der englischen Arbeiterpartei der Draht noch immer nicht berichtet. Gründung einer kriegerischen Arbeiterpartei in England. Rotterdam, 1. Juli. Der„Nicuwe Rotterdamsche Courant" meldet aus London: Am Sonnabendabend fand eine Versammlung von Gewerkschaftsmitgliedern des äußersten rechten Flügels statt, in der beschlossen wurde, gegen die Kündi- gung de? politischen Burgfriedens durch die Arbeiter- Partei und gegen die allgemeine Haltung von Männern wie Henderson Widerstand zu leisten. ES wurde eine neue Partei gebildet, die nur auS Mitgliedern von Gewerkschaften besteht und keine Nur-Politiker aufnehmen wird. Den-Daily News" zufolge hat eS die neue Partei offenbar auf die Bekämpfung der Pazifisten abgesehen und darauf, guten Patrioten wie Roberts ihr« Sitze in der Regierung zu erholten. Der Londoner Korrespondent des „Manchester Guardian" meldet, datz es ihm nicht gelungen sei, ein maßgebendes Mitglied der Arbeiterpartei zu ent- decken, da» der. neuen Partei irgendwelche Bedeutung zuschreibt. In der Leitung der Arbeiterpartei, bei deren Wahl die Gewerk- schasten den Ausschlag gaben, seien— um die Terminologie der Franzosen anzuwenden— die Mehrheit s- und Minderheitssozia- listen jetzt ungefähr gleich stark, und in der Partei scheine die Minderheit allmählich die Oberhand zu erlangen. Kabinettskrise in der Ukraine? AuS der Ukraine teilt Wolffs Bureau mit: Am 27. Juni emp-, fing der H e t m a n eine Delegation des allukrainischen Se M stwo kon gresse s, die eine Denkschrift überreichte über die Organisierung der Regierurig in der Ukraine. Darin heißt eS, daß die Politik des jetzigen Kabinett» Unzufriedenheit und Unruhen im Lande hervorruft, und daß daher ein neues nationales Kabinett gebildet werden müsse, welches bald die konstituierende Versammlung und den Staatsrat, der noch vor der Versammlung in Tätigkeit treten soll, einsetzen müsse. In ukrainischen Regierungskreisen spricht man von bal- diger Kabinettsänderung. E» werde» bereits mehrere Kandidatenlisten geummt. Die spanische Grippe in Danzig. Danzig, 1. Juli. Tie spanische Grippe ist jetzt auch in den Danziger Garnisonlazaretten festgestellt worden. Wie die„Danziger Zeitung" meldet, ist der.Verlauf der Krarckheit bisher harmlos, j GeweekjWÄetvVung Tic Aufwärtöbeiveguilg der t>)eivcrkschastc». Tie jüngste der von der Geiieralkominissioii velniistalteten Er- Hebungen über den Stand der Zentralverbände weist wiederum eine erfreuliche Vermehrung der Mitglieder�ahl auf. Es hallen am Scklust des ersten OuarlalZ 1918 die der Generalkommissron an- geschlossenen Zenlralverbände lohne die Verbände der Chorsänger und dculschen Elscnbabner) zusammen 1336 519 Milglieder, dar- unter 981783 männliche und£31786 weibliche. Gegen das 1. Quarlal 1917 hat sich die Mitgliederzahl uni 59 887— i,7 Proz vermehrt. Am Schlüsse des 2. Ouartals 191i. also kurz vor Ausbruch des Krieges, zählten die gleichen Verbände 2 289 511 männliche, 221971 weiblilve, zusammen 2 510 585 Mirglicder. Ende des Jahres 1916 war mir 919 633 Milgliedern der tiefste Stand erreicht. Von da ab ging eS ständig auswärts. BereilS im ersten äCuartal 1017 wuchs die Zahl der Mitglieder auf 1 606 285 und stieg dann bis zum Schlust des Jahres auf 1 276 632. Die stärkste Mitglieder- zunähme, und zwar um 111509= 10,5 Prozent trat ein vom zweiten zum dvitlen Quartal. Bemerkenswert ist, daß die Zahl der weiblichen Mitglieder gegenwärtig um 133 715 höher ist als vor dem Kriege. Die seit An sang des Vorjahres eingetretene kräftige Aufwärtsbewegung der Mirgliederzahl. der Zenlrnlverbände, die sich mit den besten Enltvicrlungöperioden der Gewerkschaften messen kann, be- rechtigt zu den scböusten Hoffnungen für die künftige Machtenlfaltung der Gewerkschaften nach dein Kriege. An Ilnlerstützungen veraus» gabten die Verbände seil Beginn des Krieges bis 31. März 1913 zusammen 72272715 M. Tavon kommen auf Arbeitslosenunter- sttitzung 25 435 589 M. und auf die Unterstützungen für Familien von Krtegsteilnehmern 26.205 493 M. Der erheblichste Teil der Arbeitslosenunterstützung, und zwar 21558056 M., lourde im ersten Knegöjahr verausgabt. Ter gegenwärtige Stand der Arbeitslosig- keit ist gering, es halten die berichtenden Verbände am Ende des ersten Quartals 1918: 3615 männliche— 0,4 Proz. und 7231 weib liche= 2,1 Proz. arbeitslose Mitglieder, von denen 3833 aus Ver bandsmitteln unterstützt wurden. Hungerlöhne in, mitteldeutschen BrannkohlenbergSan. Aus Bergarbeilerkreisen wird uns geschrieben: Krampshaft sind Lcbensmittelwucherer und Kriegsgewinnler sowie ihr Anhang in der Presse bemüht, die Aufmerksamkeit der Oeffcntlichkeit von sich abzulenken. Zu diesem Zwecke werden die uitglaublichsken Müteilutigeir über hohe Arbeiterlöhne verbreitet. Wie es in Wirklichkeit in sehr wichtigen Industrien aussieht, zeigt die Lobnstalisti! des ersten Quartals 1918 sür den Oberberg- Amtsbezirk Halle. Nach derselben wurden folgende Löhne verdient: Zahl der c:, Durchschn.- Durchschm Beschäf- b■_ Lohn pro Lohn pro 'igten �er Schicht Stunde Eigentl. Bergarb./ t unterirdisch).. 1601 9.1 Std. 7,71 M. 82,3 Pf. Eigentl. Bcrgarb. sim Tagebau). 9291 11,5, 7,17, 62,3, Sonsttge Bergarb. lunlerirdisch).. 1917 9,4, 6,19. 65,8. Sonstiae Bergarb. fim Tagebau). 2388 11.5. 6,23. 57,7. Tngesarbeiler.. 13004 16,9, 6,18, 56,6„ Jugendliche unter 16 Jahren.. 1359 10.9. 3,51. 82,2. Arbeiterinnen.. 1738 iu.9_ 1.12„ 37,7„ Im Durchschnitt aller Beschäftigt. 36734 16,9 Std. 6,28 M. 57,6 Pf. . Nur.4601 Arbeiter haben einen Stnndenlobn von 82 Pf. im Durchichnill erreicht, der bei den heriligen wirtschaslllchen Verhält nissen nicht ausreichend ist. Alle anderen sind sogar noch weit darunter geblieben. Die Arbeiterschaft dieser in der Kriegswirtschaft äufferst Wichilgen Industrie befindet sich in einer Notlage, wie sie schlimmer nicht ieln kann. Wenn hier nicht bald Hilfe erfolgt, so bestehr die Gefahr, das; die Arbeiterschaft gesundheitlich und fviri- schaftlich zusammenbrechen tnust. Die elenden Löhne dieser Arbeiter schafr bedeuten auch eine groffe Ge'ahr für den Staat und' die Kriegswirtschaft: schon deshalb tsr es dringend notwendig, daß seitens der- Behörden«chrftte zu einer schnellen und ausreichenSen Besserung unternommen werden. Luhnherabsetzung in der Krieflsmduftrie. Die Offensive gegen zeitgemäße Löhne, die schon seil Monaten in der Unlernehmerpresse in Aussicht gestellt wurde, hat, wie es scheint, jetzt auf der ganzen Front eingesetzt. Aus den verschieden- stcn Betrieben der Rüstungsindustrie komnicn Nachrichten über Lohn- Herabsetzungen. Einen wuchtigen Vorstoß gegen die derzeitigen Lohnsätze hat die Betriebsleitung der Pulverfabrik Gartenfelde, eine Abteilung der Siemens-Schuckertwerke, unternommen. Durch An- schlag vom 27. Juni gab die Betriebsleitung bekannt, daß sie sich wegen verringerter Aufträge und bedeutender Herabsetzung der Preise leider gezwungen sehe, den Betrieb einzuschränken und eine „geringe" Reduzierung der Akkordlöhne vorzunehmen. Vom 1. Juli ab treten neue Akkordtabellen in Kraft, welche sich zu den bisherigen Akkordlöhnen wie 7 zu 5 verkalten. Das heißt also, ein Arbeiter, der bisher 76 M. in der Woche verdiente, wird von jetzt ab nur noch 56 M. verdienen, lind das nennt die Belriebsleituitg der Pulverfabrik eine„geringe" Lohn- Herabsetzung. Die Lohnkürzung wird damit begründet, daß der Auftraggeber der Fabrik, das Waffen- und Munilionsbeschaffungs- amt die Preise herabgesetzt habe. Wenn das schon zutreffen mag. so ist schwerlich anzunehmen, daß die Preisherabsetzung ebenso be- deutend ist wie die Lohnkürzung. Jedenfalls können Betriebe der Rüstungsindustrie nach den N'.esengcwinnen, die sie seit Jahren ge- macht haben, eine geringe Herabsetzung der Preise ohne Nachteil vertragen. Dagegen kann man den Arbeitern billigerweiie nicht zumuten, daß sie in der Zeit steigender Teuerung eine Herabsetzung ihres Lohnes um 36 Proz. hinnehmen sollen. Textilarbcitrrstreik in Plaue» i. V. Bei der Firma Deutsche T e p t i l w e r k e A.- G. in Plauen i. V. stehen seil mehreren Wochen zirka 366 Arbeiter und Arbeiterinnen wegen Lohndifferenzen im Ausstand. Im August vorigen Jahres entschied der Plauener SchlichtungsauSschuß aus Anrufen dahin, daß der wöchentliche Lohn sür 53 geleistete Arbeits- stunden sür männliche Arbeiter 27 M., für Arbeiterinnen 26 M. betragen soll; sür Arbeiterinnen, die noch nicht in der Branche be- schäft'gt gewesen sind, sollte ein niedrigerer Lohn gezahlt werden. Obwohl der Spruch wesentlich hinter den Forderungen. der Arbeiter zurückblieb, nahmen ihn diese an. Die Firma unterwarf sich jedoch dem Schiedsspruch nicht, sie hat im Gegenteil die Löhne gedrückt. Schon am 29. April kam es durch die fortwährenden Lohn- brückereien zu einem Streik in einem Teil des Betriebes. Die llr- sacke war eine lllprozeütige Lohnkürzung. Durch das Kreis- ret'erat Planen der Kriegsamtsstelle Leipzig wurde damals die Differenz beigelegt, indem die Dircklion erklärte, von ihren Maß- nahmen Abstand nehmen zu wollen. Die Direktion hat aber nur scheinbar das gegebene Versprechen gehalten. Durch Abschaffung der Akkordarbeil und Einführung der Lohnarbeit bat die Firma trotzdem die Lohnkürzung durchgesetzt. Ja. sie hat noch weitere Lohnkürzungen durchgeführt, indem bisher bezahlte Vergütungen nicht mehr gewährt wurden. Die Kriegsrohstoffstelle hat sich der Forderungen der Arbeiter angenommen. ES sollen jetzt Kalkulationsprüfungcn an Orr und Stelle stattfiitdcn. so daß zu erwarten ist, daß trotz aller scharf- niachLlischen Allüren die Arbeiter doch zu ihrem Recht gelangen werden. � Tie Verschmelzung der Technikerbnndc beschlossen. Der Vorstand des Bundes der technischen Angestellten hat seinen Mitgliedern die Einignngsvorschläge, die als Ergebnis der Ver- Handlungen mit dem Bund der techmsch-indristriellen Beamten gewonnen worden sind lind über die wir seinerzeit berichtet haben, zur Annahme einpiohlen lind zur Ermittlung des Mitgliederwillens eine Ilrabstimmung Veranstalter. Das Ergebnis liegt jetzt vor. Wie der„Technische Angestellte" initteilt, haben 80 Proz. der Mitglieder an- der Abstimmung teilgenommen und nur ein einziger hat sich gegen die Annahme der Vorftbläge ausgesprochen. Die Einigung ist also von einer sehr großen Mehrheit gutgeheißen worden, ein den'.- liches Zeichen, wie sehr die von der Leitung des Bundes der technischen itogestelllen wiederholt auSgeiprochene Einigungsbereitschaft von den Mitgliedern geteilt wurde. Da die Verschmelzung in der Weise durchgeführt werden soll, daß die gesamte Mitgliedschaft des B. t. A. in den B. t. r. B. übergeführt wird, ohne daß gegenwärtig an dem Bestände oder der Verfassung des letzteren etwas geändert wird, war es nicht er- forderlich, die Mitglieder des Bundes der technisch-industriellen Be- amten ebenfalls um ihre Meinung zu befragen. Es ist aber wohl als gewiß anzunehmen, daß der EinigungSwrlle der Mitglieder des B. t. i. B. hinter demjenigen in B. l. 2l. nicht zurücksteht und daß daher die Vereinigung der beiden Mitgliederbestände mehr bedeuten wird als die bloße Beseitigung einer höchst bedauerlichen Organisalronszersplitlerung. In diesem Sinne schreibt der„Tech- nische Airacstelllc" irr seiner Schlußnirmmer: „Vom 1. Juli ab gibt es wieder nur einen gewerkschaft- lichen Berufsverein für die technischen Angestellten. Die Slbranken sind beseitigt, die während dreier Jahre die machtvolle Entfaltung vereinter Willenskraft verhindert haben, und ivir find überzeugt. es sind nicht nur die äußeren Schranken, die förmlichen Scheide- wände zweier nebeneinander bestehender selbständiger Organi- sationen, die mit dem 1. Juli fallen. Wir haben den zuversicht- lichen Glauben, daß mit dem Erstarken des Einigungswillens eine weit liefergehendc Umwandlung hervorgerufen worden ist und . daß die Zeit der Trennung ihre heilende" Kraft auch an den Köpfen und Herzen der technischen Angestellten bewährt bat." Am Ende wird noch besonders hervorgehoben, daß die Einigung keine Unterdrückung abweichender Ansichten zur Voraussetzung habe. Sachliche Gegensätze seien dazu da, um ausgetragen zu werden, nur müsse dies in sachlicher Forin und ohne Vermengiing mit per- iönlichem Streit geschehen. Es wäre zu wünschen, das; diese Er- kenntnis Gelneingui aller technischen Angestellten würde. Denn damit wäre zweifellos die beste Grundlage sür eine neue Blütezeit der gewerlschaftlichen Tcchnikerbemegung geschaffen. Werkswohnungen und Kriegsteilnehmer. Die Werkswohnungen waren schon immer ein Schmerzenskind für die Gewerkschaften und erwiesen sich namentlich bei Lohnkämpsen als Hindernis. Um so erfreulicher schien es, als wenigstens bei Kriegsausbruch die Werkswohnungen z. B. den Glasarbeitern einen Vorteil zu bieten schienen: Die Unternehmer verzichten in vielen Fällen auf die Miete der in Werkswohnungen wohnenden Krieger- fraucn. Jetzt zeigt aber auch dieses Entgegenkommen seine Kehrseite: wenn die Kriegsteiluehmer zurückkehren, versuchen Glasindusiriclle nachträglich die Miete einzuziehen. Der Verband der Glasarbeiter bat darüber wiederholt mit den Glasindustriellen verhandelt und am 4. Juli. 1916 unter dem Vorsitz des Regierungspräsidenten von Frankfurt a. d. Oder in KotlbuS ganz bestimmte Vereinbarungen init ihnen getroffen. Die anwesenden Industriellen erklärten sich bereit, keine nachträgliche Einziehung der Wohnungsmiete vorzu- nehmen und die übrigen Industriellen im gleichen"Sinne zu be- eiustusseil. Aber diese Abmachungen werden jetzt nicht eingehalten. Unter den Firmen, die das Versprechen abgegeben hatten, befand sich auch die Adlerhütte in Penzig bei Görlitz. Der Direktor ist inzwischen gestorben, der Regierungspräsident hat gewechselt, und ungestört zieht die Firma den Kriegsteilnehmern, die inzwischen von ihr reklamier! wurden, in jeder Woche 16—15 M. an rückständiger Wohnungsmiete ab. Die Arbeiter wagen es nicht, dagegen auf- ziureten, weil sie ihre Wiedereinberufnng zum Heeresdienst be fürchten. Bei allen Lohnforderungen der Glasarbeiter baben die In dustriellen sich darauf berufen, daß die freie Werkswohnung die Unternehmungen sehr stark belaste und höhere Löhne deswegen nicht bewilligt werden könnten. Vergebens haben die Arbeiter wieder- holt erklärt, sie wollten lieber einen den Teuernngsverhältnissen enl- sprechenden Lohn und würden dann selbst die Wohnungsmiete für die Kriegerfrauen durch Sammlungen zusammenbringen. Die Industriellen blieben dabei, daß sie den Kriegerfrauen die Wohltat deS Mieterlasses zuwendeten, während sie es doch in Wahrheit auf Kosten der Arbeiter taten. Jetzt werden noch nachträglich die Mietskosten wieder eingetrieben. Am schlimmsten geht es dabei den Glasarbeitern, welche den Betrieb wechseln. Ein solcher Kriegsteilnehmer, der drei Jahre im Felde gewesen war, bekam unmittelbar nach Aufnahme der neuen Arbeit einen Zablungs- befehl über 760 M. rückständiger Miele und 37' M. Kosten. Erst das energische Eirchreisen der Gewerkschaft veranlaßte die Firma, wenigstens den Zahltingsbeschl zulückzunehmen. Aber die Wohltat der Werkswohnungen hat sich auch jetzt wieder als so zweifelhaft erwiesen, daß die heimgekehrten Kriegsteilnehmer deswegen ihres Lebens nicht froh werden. MetaUarbeiterstreik in der Schweiz. Aus Zürich wird uns geschrieben: Die Arbeiter der drei großen Maschinenfabriken in Winierthur, Gebrüder Sulzer, Lokomotivfabrik und Akliengesellschast Nieter, haben Donnerstagabend beschlossen, am Freitazmorgen in den Streik zu treten, nachdem sich die Verhandlungen über die Erhöhung des Stundenlohnes und der Rednltion der Arbeitszeit ans neun Stunden zerschlagen und auch ein Versuch des staatlichen Einigungsamtes, eine Vermittlmig zwischen den Parteien herbeizu- rüdren. vertagt hatte. An dem Streik werden ungefähr 18— 20000 Arbeiter beteiligt sein. Er dürfte an Zahl und Umfang der größte Streik sein, der sich seil Kiiegszeit in der Schweiz abspielte. dessen Schutz die LandesbersichcrungZanstakt Brandenburg über« nommeu hat, ist erheblich größer. Er erfaßt alle Kriegsbeschädigten, gleichviel, ob sie versichcruitgspflichiig, versichert oder nicht versichert find, sofern sie nur sozial dem Kreise der Vcrsicherutizspflichtigen nahestehen. Es wird bei diesen Fürsorgeinaßnahmen auch nicht unterschieden zwischen Heilbaren und Unheilbaren. Nur be! der Kostendeckung wird ein linterschied gemacht. Bei den heilbaren lungeitkraiikeit Kriegsbeschädigten übernimmt die Landesversichc- rungsanstalt die gesamten Kosten, toährend sie bei den Unheilbaren die Kosten nicht allein, sondern im allgemeinen nur bis zu cmem Drittel trägt, während der andere Teil von dritter Seite mit auf- gebracht werden muß. Dabei kommen in Betracht erstens die Kriegsbeschädigten selbst, die die ihnen zustehende Invalidenrente— nickt die Militärrentc, die ihnen zugebilligt worden ist— ganz oder teilweise der Laiidesversickcrungsanstalt überlassen sollen, nament- lich, soweit sie nicht verheiratet sind: zweitens die Geinciiiden und blemeilideverbände, drittens die Beihilfen der provinziellen Kriegs- beschädigtenfürsorge. Bei der Unterbringung soll daraus Bedacht genommen werde»!, daß der Kriegsbeschädigte in seinem bisherigen oder, wenn dies nicht möglich ist, in einem anderen für ihn gceia- neten Beruf zurückkehrt oder darauf vorbereitet wird. Eine Auf- gäbe, die im wesentlichen den örtlichen Kriegsveschädigtenftirsorge- stellen zugewiesen wurde, die sich dabei im weitgehendsten Maße der Mithilfe der zuständigen Luiigcnsürsorgestcllc zu bedienen haben. Die mit der Landesversickierungsanstalt Brandeburg getroffenen Vcrciiibaruiigeii gehen so erheblich über daS hinaus, was mit dem Ausschuß der LandesversicherungSalistalien abgemacht worden ist, daß nur bedauert werden kann, daß diese besonderen Abmachungen nicht zur allgemeinen Regel geworden sind. Soziales.. 'Heilbchandlnitg für lungcukrankc Kriegsbeschädigte. Zwischen dem Kriegsministerium und dem ständigen Ausschuß der Landesoersicherungsanstalten sind jetzt die Verhandlungen über die Heilsürsorge für die versicherten Kriegsbeschädigten zum-Abschluß gekoiiimen, die zunächst nur für die Kriegsdauer gelten. Auch bei Limaeiileideaden ist.in der Regel die Fürsorge der Heeresverwaltung bei den Kriegsbeschädigten mit ihrer Entlassung beendet, da die jetzigen gesetzlichen Vorschriften die Gewährung von Heilbehandlung nach der Dienstentlassung nicht kennen. Um die dadurch entstehenden Härten auszugleichen, haben sich die Laudesvcrsicherungsanstalten zur Uebcrnahme der Fürsorge bereit erklärt. J�er bereits ent- lassene Kriegsbeschädigte, der ein Heilverfahren wünscht, hat seine Anträge beim zuständigen Bezirkskommando einzubringen, und wenn die Heersverwaltung die Einleitung eines Heilverfahrens elfist ablehnt, so wird von ihr der Antrag an die zuständige Landes- Versicherungsanstalt weitergegeben, die dann für die sofortige Ein- lcitung des Heilverfahrens Sorge trägt. Tie früher mit der Landesversicherungsanstalt Brandenburg ge- trofsenen weitergehenden Vereftibarungen sind durch die neuen, all- gemeinen Abmachlingen nicht berührt worden. Der Personenkreis, Arbeitsmoterinl sür kriegsblinde Korbmacher Die Korbmacherei ist eines der Gewerbe, die von jeher a.». sür Blinde geeignet gegolten haben. Auch viele Kriegsblinde sind diesem Berufe zugeführt worden. Es stellt sich jedoch immer mehr und mehr heraus, daß das erforderliche Weidenmaterial im freien Handel kaum zu beschaffen ist. Deshalb hat die Kriegsrohstoffabteilung des Kriegsamts ihre aintlich bestellten Aufkäufer angewiesen, dafür Sorge zu tragen, daß Ztriichsblinden, gebrechlichen und erblindeten Korbmachern das zur'Ausübung ihres Berufs notlvendige Material vorzugsweise zugewiesen wird. Für den Bereich der Provinz Brandenburg und für Berlin kommen dabei folgende Aufkäufer in Frage: 1. Joses Wilde. Berlin, Märkischer Platz 1, 2. Weidenbau- und Verwertungsgenosscnschaft Lugau in Lugau. Kriegsblinde wenden sich jedoch am besten nicht an die Genannten, sondern direkt an den Direktor der Königl. Blindenanstalt in Berlin-Steglitz, der sowohl bei der Materialbeschaffung als auch bei der Erteilung von Aufträgen aus Geschoßkörbe das Weitere veranlaßt. In anderen Landcsteilen wenden sich die Kriegsblinden am besten an die Rc- gierungsprösidenten.___ Bautätigkeit und Wohnungsnot in deutschen Stödten. Von den deutschen Siadt- und Landkreisen werden gegenwärtig die Ergebnisse der Ende Mai d. I. veranstalteten Reichswohmings- Zählung bearbeitet, die nähere Aufschlüsse über die weitere Gestal- fnng der Wohnungsfrage während der Kriegszeit bringen wird. In- zwischen veröffentlicht das Reichsstatistische Amt in einer Sonder- beilage zum„Reichs-Acbeitsblatt" die Ergebnisse seiner alljährlichen Erhebungen über den Wohnungsmarkt in deutschen Städten.� Es liegen diesmal Antworten von 93 Städten vor. Was zunächst d'.e allgemeine Lage des Baumarktes anlangt, so hat die Beschäftigungs- losigkeit der Bauarbeiter im Jahre 1917, wie die Arbeitsnachweis- zahlen und die Beschäftigungszahlen der Betriebskrankcnlassen zeigen, weiter zugenommen. Auf der anderen Seite hat sich der Umsatz an Grundstücken, besonders an bebauten, fast ausnahmslos gehoben. Die Bautätigkeit selbst hat, wie die Zahlen der Bau- genehmigung sür Wohnhäuser erkennen lassen, im Jahre 1917 einen weiteren scharfen Rückgang genommen. Die. Höchstzahl� der erteilten Baugenehmigungen wies München mit 37 auf, dann folgt Berlin mit 35. Die meisten deutschen Städte haben eine noch geringere Bautätigkeit für Wohnhäuser zu verzeichnen; in Bremen, Breslau, Charlotten bürg. Chemnitz, Hannover. Leipzig. Lübeck und Mannheim war im vorigen Jahre überhaupt kein ein- ziger Fall einer Baugenehmigung für ein Wohngebäude zu ver- zeichnen. In ganz Baden wurden 1917 nur 14 neue Häuser mit 24 Wohnungen hergestellt. Der Anteil der Wohngebäude an den neu errichteten Bau- teu ist verhältnismäßig niedrig; z. B. in Cborlottenburg mit nur 8,33 gegen 55,56 Proz. im Jahre 1915. In diesem Jahre war noch in 41 deutschen Städten mehr als die Hälfte der neuen Gebäude Wohngebäude, 1916 jedoch nur noch in 33 und 1917 nur noch in 14 Gemeinden. Die Bautätigkeit hat sich also tretz steigender Woh- nungsnot immer weniger der Errichtung von Wohngebäudcn zu- gewendet. In 37 Städten, für die vergleichbare Angaben vorliegen, wurden 1914 noch 5667 Häuser mit 32 336 Wohnungen errichtet, 1917 dagegen nur 428 mit 1712 Wohnungen! Tie Lage wird da- durch verschlimmert, daß die Zahl der Leerwolmungen sich überall ver- ruigert hat. Nur eine einzige Stadt von 41. von denen mit dem Vorjahre vergleichbare Zahlen vorliegen, weist eine kleine Zunahme der Lcerwohiiungen auf: Essen. mit der Zunahme von 6,2 auf 6V Prozent. In Groß-Berlin sind die Vomhundertzahlen für leere Wohnungen durchweg gesunken: in Berlin von 6 Proz. im Jahre 1916 aus 5,1 Proz. im Jahre 1917; in Lichtenberg von 4V auf 3,1 Proz., in Schöneberg von 4,4 ans 3V Proz., in WilmerS- docs von 4,1 auf 2.7 Proz. und in Charlottenburg von 4V auf 2,6 Prozent. Dieser erhebliche Rückgang muß die Besorgnisse, es könnte in abschbarec Zeit eine dringende Wohnungsnot auftreten, aufs höchste steigern. Den größten Wohuungsvorrat hatte Hamburg mit 6,4 Proz. leerer Wohnungen. 17 Städte haben dagegen nicht ein- mal 1 Proz. Leerwobnungen. In den Groß-, namentlich den In- dustrie- und Festungsstädten herrscht ein so empfindlicher Wohnungs- Mangel, das; dagegen beschleunigte und durchgreifende Maßnahmen am Platze erscheinen. Die Verschlimmerung hat von Jahr zu Jahr weiter um sich gegriffen und dürfte, wenn nicht sofort tatkräftige Maßregeln getroffen werden, noch weiteren Umfang gewinnen. Für Kleinwohnungen allein berechnet stellt sich die Leerwobnunas- ziffer in 32 von 61 Gemeinden etwas höher als die Leerzisser sür Größwohnungen und zwar u. a. in Lichtenberg mit 3,1 sür Klein- und 1,8 Proz. sür Großwohnungen. Dagegen ist das Verhältnis umgekehrt und daher für K l e i n w o h n u n gen u n g ü n st i g e r u a. in B e r l i n mit 3,4 Proz. leeren Klein- und 9,4 Proz. leeren Wohnungen von 5 und mehr Räumen, in Schöneberg mit 2,4 gegen 5V Proz., in Wilmersdorf mit 2 gegen 3,8 Proz. und in Charlottenburg sogar mit 1,8 gegen 5,5 Proz. an leer- stehenden Großwohnungen. Inöustrie und Handel. Suezkanal und U-Boot-Krieg. Aus Paris wird gemeldet: Nack dem Berichte des Verlvaltungs. ratcs des Snozkanals erreichte im Jahre 1917 der Verkehr im Kanal 8 369 666 Tonnen gegen 29 633 884 im Jahre 1913. Die Ein. n a h m e n f ü r K a n a I t a x c ii gingen auf 61 676 418 Frank zurück gegen 122 989 367 Frank, und dies trotz einer 36 prozentigen Erhöhung der Kanalgebührcn. Die mittlere Tonnage betrug 3557 Tonnen, was einen Rückgang von 466 Tonnen gegen 1916 bedeutet. Dies ist aus den Tonnagemangel zurückzuführen, der notwendig macht, baß inan kleine und kleinste Einheiten heut- zutage überseeische Fahrten machen lassen muß. Verantwortlich für Politik: Erich fluttnrr. Berlin I für den übrigen teil des BlatleZ: Alfred Scholz, Neukölln: für Anzeigen: Theodor Glocke, Berlin. Verlag: VorwärlZ-Berlag G. in. b. H., Berlin. Druck. VorwärtS-Buchdruckerei und Lerlagsanilolt Paul Singer u. Co. in Berlin, Liudenslrohe 2. Hier»» l Beilage und NnterhaltungShla«.