Ar. 180« HÖ« IayvH. SierteQttrL tfiO IDU. insnxtl l.üvMl. frei in» Haus. Borau« na�ilfioi.Giiyelne Kummern 10" litmuij. Posibeeuz: gRonamtS, vom Nostscholler abzuholen IAO IRl, Bohr Brirströger mS Hau« ge- bracht l.St Mi. llniei iireuzbano ihr Deutichlai d und Oesterreich' Iluaarn S.— Ml. kür da» übrige SlnZlanb <50 Mi. monatlich flerland in« Feld Bei MteUet Sefielung mohatl. I30®tt vostbestellungen nehmen an Däne- marl, Holland, öurctnburg, Schweden die Schweiz. Singetragen in die und Vosi-FeitungB-weiSIisU. »rlchein. tägii«. Detegramni-«dreff« »Sozialdemokrat Verl!»». Nevlinev VolKsblskt. � IS Pfennig) SluzeigenpreiS» lpalteneAoionelzeileiosiet lcnie Zlnzeigen", da« . WWW W_(zuiSsfia i fettgedruckte Loac). ledc» weitere vor: 15 Pfg. SIcllcngssuchc und Echlafsiellenanzeigen da« erste Wart 80 Pfg.. ledeS weiter« Wort iO Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen sür zwei Worte. Teuerungszuschlag W/n. Familien-ilnzeigen, politische und oewerfschasUilbc Lerein»-«lnzeigen «0 Pfg die geile. Anzeigen sür die Nächste Nummer müssen bi« 5 Uhr nachmittag« im Hauptgeschäft. Berlm 65B.68,««denstrosse 8. abiegebcn werden. Geäffnet von 8 Uhr früh bi» 7»Ihr abend». Zcntratorgan der fozialdcinokratifcbeii Partei Deiitfchlands. Kedoftien: Slv. SS, Linden straße Z. gern'vreldrr:«m, Morinplau. Sir. ISl SN— 151 97. Mittwoch, de» 3. Juli IS18. Expedition: SW. SS» Lindenstraße Z. gernivrecher: Amt Mortevlats, Sir. ISl SV— INI S7. ver Sowjet in Alstliivottok aufgelöst. die öe»liner Lebensmittelration. Berlin, 2. Juli. Ja der heutige« Siyuag de« LebenS- mittel»» rba«des Groh-Berli« wurde beschlösse«, sür den versor» gungsabschnitt bis ld. August«« die Beöl?eru«g 1400 Gramm Nährmittel auSzugrbe«. Hierin ist der Ersatz für die verminderte Brotration enthalte«. In der gleichen Zeit«chalten die Jugendliche« 2S0 Gramm Nährmittel. An Brotaufstrichmittcln (Marmelade und lt» n st h o n i g> werden weitere 1100 Gramm pro Kopf, a« die Bevölkerung zur Verteilung gebracht. Die Gegenrevolution in Sibirien. Souijetnicderlage in Wladiwostok. Schanghai, 30. Jrnii.(Reuter.) Die Tschechen haben den Sowjet von Wladiwostok aufgelöst. Bekanntlich hatte ein Teil der tschecho- slowakischen Truppen, gemäß der Abmachung mit der Näteregierung in Moskau. Wladiwostok erreicht, um dort entwaffnet auf Ententefahrzeugcn eingeschifft zu werden. Diese Einschiffung ist also nicht geschehen. Die tschechischen Truppen sind viel- mehr den gegenrevolutionären Elementen eine akttonsbereite Streitmacht geworden, die das westsibirische Spiel auch tu Ostsibiricn auffährt. Der Schlag in Wladiwostok trifft zweffello» die Sowjet- regierung schwer. Er bedeutet viel mehr als der Schlag in Omsk. Er entlastet vor allem die direkte Aktton der Entente, für die seinerzeit dt« Landung tu Wladiwostok sich als sehr heikel erwteS. «keeto SaUete" tesf/zna ttämM ivv.\\ Oer Tschechen- FtWzvg mSISirfoi Stockholm, 2. Juli. Nach einer Meldung der PekerSburger Tele- graphen-Agentur wurde Koialengeneral D uto w in Westsibirien abgeschnitten und gefangen. Wie dem»Oberschlefischen Courier� im Anschluß hieran gemeldet wird, ist in Weststbirien eine Spaltung der Tichecho-Slowaken eingetreten. Ein Teil von ihnen ist unter dem Namen»Schwarze TodeSgarde� neu organisiert worden und kämpft weiter gegen die Bolschewiki. Stockholm, 2. Juli. Nach einer Meldung über ffinnland wurde der Oberbefehlshaber der Tichecho-Slowaken, Misenikow, bei Sa- mara von den Bolschewili gefangen genommen. Wie der»Ober- schlefische Courier' hierzu weiter erfährt, haben die Sowjelbehörden in P u n a zweitausend gefangene Tscheche« mit Maschinengewehren hinrichten lasten. Die Tschechen erschießen ihrerseits sämtliche ge- sangenen Roten Gardisten.\ Die Murmanfrage km Unterhaus. Lord Ceeil animiert die Sowjetregieruug zum Frieden?- brach. London, 2. Juli.(Reuter.) Im Unterhause fragte der Ab- geordnete King(liberal) den Slaatssekretär des Auswärtigen, ob ihm folgende Tatsachen bekannt seien: Die russische Sowjet- regierung habe die Unabhängigkeit Finnlands an« erkannt. Dies« Unabhängigkeit wurde einer finnländischen Sowjetregierung gewährt, die deutschfreundlich gesinnt war und Rußland trat ihr Petschenga an der Murmanküste ab, um einer befreundeten, den Deutschen feindlichen Macht einen Ausweg an das Meer zu geben. Nachdem die finnländische Sowjetregierung durch die finnländischen Bürgerlichen mit deutscher Hilfe beseitigt war, lehnte die russische Sowjetregierung ab. die Unabhängigkeit Finnlands zu ratifizieren und legt- bei der deutschen Regierung Protest dagegen ei«, daß deutsche U-Boot« die Murmanküste benutzte» und daß die U-Poote «i» siauläodijchu Unterstützung arbeitete«. Klag stagt»., h Feindliche Fenerüberfälle und Erkun- düngen im Westen, stärkere Augriffe südlich des Oureq und westlich Chatean» Thierry. verli«, 2. Juli 1318, abeud». Amtlich. Bon den Kampffronten nichts Neues. Amtlich. Große« H,»pttz»«rti»r, 2. Juli 1918.(«. T. B.) Westlicher Kriegsschauplatz. Heere«, ruppe Kronpr�»» Rupprecht. An viele» LteÜrn der Front leUeteo starke Feurrübersälle Unternehmungen des Feindes ei«. Sie wurde« abgrwiefe». Heeresgruppe Deutsche, Kreuprt»». Westlich de» O t s e und südlich der B i««» rege Erkundu«,«- tätigkeit. Stärkere Trilangriffe de« FrindeS südlich b e S Ouretz und westlich von Ehateau-Thierrh wurden tu unsere« Kampfgelände zum Scheitern gebracht. Leutnant Met errang seine« 87. und 88., Leutnant Kroll seinen 28. und 29. Luftfieg. Der Erste Grneralquartiermeister. »_ Lubendorfs. Ter österreichische Bericht. Wie«, 2. Juli 1918. Amtlich wird oeriauttart: Dt« Lrtillrrietätigkeit ist an der ganze« italieuische» Front setz» rege. Vi» steigert« st ch heute früh, wische« Breata a«k Pia»» und n der»utereu Pia»« zu»amhaster Stärke. Größere Jusanterirkampfhandluugea find gester« tagS- über unterbliebe». Der Ahes de« Geueralstabe». England»da» dt,«erbündeten de, rnfsifchen Sowjetregierung maritime und militärische Unterstützung angeboten hätten, um Rußland die Häsen der Murmanküste gegen Finnland und den deutschen Einfluß zu erhalten. Lord Robert Cetil antwortete: Die angeführten Tatsachen sind im wesentlichen richtig. Fall» die Sowjetregierung eine Auf- ferdrruag zu maritime« oder militärische« Beistand ergehe» läßt, um russische« Gebiet gegen Deutschland zuver- teidigen, so wird fir eine wohlwollende Erwägung finden, aber ich bin zurzeit nicht in der Lage, weitere Erklärungen abzugeben. Der Animierwink EecilS läuft auf die Einladung hinaus, sich für England abermals in ein gefährliches Abenteuer zu stürzen. ES stellt eine merkwürdige oder auch nicht merk- würdige Antwort dar aus die kürzlich ergangene Sowjetnote, Haß England die Murmanküste verlassen solle, weil das russische Volk Frieden und nichts als Frieden begehre.. Ein Streikverhknüerungsgefetz kn Amerika. Washington, 1. Juli.(Reuter.) Wilson kündigt« dem Reprä- sentantenhaus« an. daß die Regierung Maßnahmen bezüglich deS Telegraphen« und Telephondlenste« plane.— Man wird versuchen, in dieser Woche«in Gesetz durchzubriMgen, daS den Präsidenten ermächtigt, die notwendigen Schritte zu ergreifen, um einem drohenden Streik auf de» großen Telegraphenlinie» zu be- gegnen. Als die amerikanischen Eisenbahnarbeiter vor zwei Jahren den Generalstreik organisierten, um den Achtstundentag zu erkämpfen, sprang Präsident Wilson— es war zur Zeit der Wahlbewegung für die Präsidentschaft— den Arbeitern bei und half ihnen am Tage vor Ausbruch des Streiks zum Siege. Der Achtstundentag wurde Gesetz. Der Präsident hat also praktische Erfahrung, wie Streiks wirksam verhindert werden können. Er kann nun zeigen, ob er auch zu andern als Wahlzeiten in ArbettSkämpfen den richtigen Weg zu finden und zu Ende zu schreiten weiß. Jetzt etwa den bekannten Kriegsgesichtspunkt geltend zu machen, wäre jedenfalls gewagt bei der Hilfe, die von den amerikanischen Gewerkschaften seiner Kriegspolitik in schrankenlosem Umfange zugestanden wird. Ueber das geplante Gesetz verlautet kurz, daß es in der Uebernahme der Kontrolle über den Telegraphen- und Telephondienst durch die Regierung bestehen werde. Ter Ausschuß des Repräsentantenhauses habe sich bereits für ein Gesetz erklärt, durch das der Regierung die Ermächtigung zu einer solchen Maßregel erteilt wird. Die Maßregel würde der Regierung bei Differenzen der Angestellten mit den Unternehmern von vornherein eine Position geben, die ihren Einfluß auf die Erledigung der Streitfrage sicherstellt und die ihr bisher nicht ohne weiteres zustand. Bei dem jetzt drohenden Ausstand kommt eine der große» Telegraphengejellschaften in Betracht. Der konservative Kampf für das VreiklaffenVahirecht. Am heutigen Tage tritt das Abgeordnetenhaus nochmals zusammen, und am Donnerstag kommt die 5.(in Buchstaben: fünfte) Lesung der Wahlreform an die Reihe. Zur noch- maligen Abstimmung steht der in vierter Lesung zum Beschluß erhobene Antrag Heydebrand- Lüdecke- Lohmann- Hagen, dessen wesentliche Bestimmungen hier nochmals kurz zusammengefaßt seien. Kein gleiches Wahlrecht, sondern zwei Zusatz- stimmen, eine für die über SOjährigen und eine für alles, was über dem„gewöhnlichen Arbeiter" steht. Kein allge- meines Wahlrecht, sondern die unmögliche Bedingung zwei- jähriger Ortsansässigkeit. Schließlich die Forde- rung einer Dreiviertel-Mehrheit für alle künftigen Ber- fassungsänderungen. Es läßt sich begreifen, wenn diese Karikatur einer ernst- hasten Wahlreform die Zustimmung der Konserdativen findet. Aber man würde doch irren, wenn man in den Beschlüssen der vierten Lesung das e i g e n t I i ch e Ziel der Konservativen erblicken wollte, wir meinen Ziel in dem Sinne eines ernst- haften politischen Strebens, dessen Verwirklichung man sich etwas kosten läßt. Das sind die Beschlüsse ganz und gar nicht. Die Konservativen stimmen wohl für sie, weil sie im Augenblick nichts anderes haben, aber ihre innerste Absicht ist eine ganz andere: die Aufrechterhalt ung des, in- famen Dreiklassenwahlrechts. Darüber darf man sich jetzt nicht mehr täuschen. Dm Kon- servativen komint es nur darauf an, daß im Endiesultat aller Verhandlungen, Abstimmungen und Wiederabstiminungen kein positives Resultat Herauskommt, was praktisch die Beibehaltung deS Dreiklassenwahlrechts bedeutet. In dieser Erkenntnis darf man sich auch dadurch nicht be- irren lassen, daß theoretisch jetzt das Dreiklasscnwahlrecht von den Konservativen preisgegeben wird. Allerdings, wenn man Herrn von Heydebrand heute daran erinnert, daß er vor gar nicht so langen Jähren das Dreiklassenwahlrccht als das„ideale Wahlrecht" bezeichnet hat, so zieht er den Kopf zwischen die Schultem und wehrt ab. Aber das ist nur Taktik. In Wirk- lichkeit weiß Herr von Heydebrand, weiß jeder seiner Anhänger, daß kein Wahlrecht so wie das Dreiklassenwahlrecht die k o n- servative Vorherrschaft in Preußen und Deutschland sichert, und deshalb birgt jeder von ihnen in der innersten Herzenskammer den Wunsch, daß dieses wunderbare Muster eines Kastenwahlrechts bestehen bleiben möge bis in alle Ewig- ketten. Doch als kluge Politiker wissen Herr von Heydebrand und die Seinen auch, daß sich heute das Drciklassenwahlrecht nicht mehr retten läßt, indem man es laut und öffentlich als das „ideale� preist. Diese Taktik des Kampfes— mit offenem Visier— mußte preisgegeben werden. Aber mich nur die Taktik, nicht das Ziel. Das erstrebt man jetzt auf andere Weise: indem man das Wahlrecht zwar für reformbedürftig er- klärt, aber jeder positiven Reform Knüppel zwischen die Beine wirst. Das ist die Taktik des Hinterhalts. Bei dem komplizierten Apparat, der in Preußen für eine Verkassungsänderirng in Gang gesetzt werden muß, ist diese Taktik de? Hinterhalts gar nicht schwer durchzuführen. Von den zwei Faktoren der Gesetzgebung, die in Uebcrcinstimmung mit der Regierungsabsicht gebracht werden müssen, beherrschen die Konservativen den einen, das Herrenhaus, ohnehin, den anderen, das Abgeordnetenhaus, haben ihnen die nationalliberalen De- serteure um Fuhrmann und Lohmann und die Zentrumsdeser- teure um v. Spee und v. d. Hagen in die Hand geliefert. Die Konseiv'tiven beherrschen also zurzeit den ganzen Apparat und haben die Wahl, den Mechanismus nach zwei verschiedenen Seiten hin versagen zu lassen: entweder lassen sie Abgeordneten- haus und Herrenhaus nicht miteinander in Ucbereinstimmung kommen, oder aber sie führen beide auf eine Linie zusammen, die aber nicht die Linie der Regierung ist. So oder'so, beide- mal ist daS Resultat Scheitern der Wahlrechtsvorlage und damit — vorläufig— Weiterbestehen des Dreiklassenwahl r e ch t S. Wer die Taktik der Konservativen bei früheren Wahl- reformversuchen beobachtet hat, muß sogar zugestehen, daß hier nur eine vom konservativen Standpunkt„erprobte und be- währte Taktik" zur Anwendung gelangt. Denn genau nach dieser Methode haben es die Konservativen seineszeit zu ver- hindern gewußt, daß wenigstens die öffentliche durch die ge- Heime oder die indirekte Wahl durch die direkte ersetzt werde. Auf welche der beiden angedeuteten Weisen die Konser- vativen den Gesetzgebungsmechanismus diesmal verwirren wollen, ist nicht mit Sicherheit zu entscheiden, bevor das Herren- HauS sich mit der Sache befaßt bat. Wahrscheinlich wollen sie eS ans jede Weise. Haben sie doch schon im Wgeordnctenbaus da? Skandalstück der dreimaligen verschiedenen Be- schlußfassung und der fünfmaligen Lesung pro- duziert. Und hoben sie doch schon hier die Sache bewußt aus ein toteS Gleis geschoben, indem sie einen Antrag zum Beschluß hoben, den die Negierung als unannehmbar bezeichnete. Sie können jetzt getrost das Herrenhaus ihren Beschlüssen zu- stimmen lassen, eine Wahlreform kommt auf diesem Wege auf keinen Fall zustande, d. h. das D r e i k l a f f e n w a h l r e ch t bleibt. Die Konservativen selber werden natürlich mit Bieder- mannsmiene die Schuld an diesem Scheitern der„Hartnäckig- keit" der Negierung zuschieben, die sich weigerte, auf den Boden ihres Beschlusses zu treten. Aber man kann mit ruhiger Bc- stimmtheit sagen, daß sie dem Abbau ihres ursprünglichen Siebenstimmenwahlrechts auf ein DreistimmenwnMrecht überhaupt nur zugestimmt haben, weil sie genau wustten, daß die Regierung auch diesem Antrag nicht zustimmen könne, ohne wortbrüchig zu werden. Wie wenig ernst es ihnen niit allem ist, beweist die Forderung einer Dreiviertelsmehrhcit für alle künf- tigen Verfassungsänderungen, womit sie selber die R e v o l u- t i o n als den einzig möglichen Weg einer Fortentwicklung des Staatswesens proklamieren. Aber glauben sie im Ernst, daß eine preußische Negierung die Revolution zum Staatsprinzip erheben wird und kann?! Wenn also die Konservativen am Donnerstag wieder für die Beschlüsse vierter Lesung stimmen werden, so ist für sie der Sinn dieser Handlung: das Dreiklassenwahlrecht beizubehalten und trotzdem so zu tun, als hätten sie etwas wie eine Reform gewollt. Da- durch unterscheiden sie sich von ihren Gimpeln der Couleur Lohmann, die sich mit ihnen verbunden haben in der Absicht und dem Glauben, durch dieses Bündnis eine„gemäßigte" Reform herbeizuführen. In Wirklichkeit sind die Lohmann und Ge- nossen nur die übertölpelten Helfershelfer bei der A ufrechterhaltung des Dreiklassenwahl- rechts. Als solche werden sie sich dereinst zu verantworten haben. Für die Regierung aber muß die konservative Sabotage des Versafsiingsapparates eine doppelte Lehre sein: einmal muß sie erkennen, wie gefährlich es wäre, diefen Leuten künftig ihre Sabotagearbeit noch zu erleichtern, indem sie die Vorschrift qua- stimme nlassen, eine Wahlreform kommt auf diesem Wege auf dann aber zeigt sich klar, daß die Durchsetzung jeder Reform dwen abhängb daß den Konservativen das Lenkrad''es Appa- rates aus der Hand gewunden wird, und daS kann nur geschehen durch Auflösung und Neuwahlen. Krieöensarbeit üer dänischen Sozialiften. Einladung der Franzosen und Engläudcr«ach Kopen- Hägen. DaS französische Minderheitsorgan„Le Populaire' deröffent- licht einer, Brief des dänischen Parteivorsitzenden Genossen Stau- n i n g. in dem dieser die französischen Sozialdemokraten zu einer Aussprache über die Friedensfrage nach Kopenhagen«inladet. Ein Brief gleichen Inhalts ist an Henderson und Macdonald als Vertreter der englischen Arbeiterpartei abgegangen. Stanning teilt in diesem Briefe mit, daß ursprünglich die Absicht bestand, ihn und einige andere dänische Genossen nach Frankreich und England zu schicken, die Regierungen jener Länder hätten sich aber geweigert, däe dazu nötigen Pässeauszu st eilen. Die ruPfthe SchNarZmeerflotte. London, 1. Juti. Unterhaus. In Beantwortung einer Anfrage über die Versenkung r u ssi s ch e r S ch i ffe imSchwarzen Meer durch die Besatzung, um sie nicht in die Hände der Deutschen fallen zu lassen, sagte Bonar Law: Wir haben Grund an- zunehmen, daß einige russische Schiffe in dieser Weise zerstört wurden, aber eS ist eine Tatsache, daß ein großer Teil der russischen Schwarzmcerfiotte iu deutsche Hände gefallen ist. §?ieöenskunögebungen in tzollanÜ. Amsterdam, 2. Juli. Die Gruppen deS nirf>erländischen Anti-Oorlograd und die Abteilung des Dre-do Doorrecht werben a in 1. A u g u st eine allgemeine Propaganda in ganz Holland veranstalten. Es soll der Ausbruch des Krieges am 1. August 1914 und die Lehren, die der Krieg gebracht hat, in die Erinnerung gerufen und die Aufmerk- samkeit auf die Arbeit der Friedensbewegung, die den Krieg zu verhiiten sich bestrebt, gelenkt werden. Auf den Straßen und in den Lokalen werden Friedensblumen und Broschüren gegen den Krieg verkauft werden. Der Rücktritt des holländischen Marine- Ministers. Da« Haager Korrespondenzbureau teilt mit: Der Vorsitzende deZ Ministerrats Cort van der Linden hat auf Anfrage des Abgeordneten Voort van Aiip schriillich geantwortet, daß der Ministerrat deshalb beschloß, die Ausfahrt des Regie- rungslonvois nach Indien zu verschieben, weil die britische Regierung wegen eines kleinen Teiles der Ladung des Dampfers Noordam Schwierigkeilen machte und weil auch nock> einige andere Punlle von geringerer Bedeutung untersucht werden mutzten. Der M a r i» e nr in i st e r fand, datz der Besch l u tz des Mini st errat» sich mit seiner Berant- wortlichkeit nicht vereinbaren laste und war der An- ficht, daß der Konvoi trotz der Schwierigkeiten ausfahre« mäste. Sein Beschlutz, seine Entlassung anzubieten, stand unerschütterlich fest. Der Ministerrat fand, al» inzwischen da« DemisfionSangebot des MarineministerS in die Oeffentlichkeit gedrungen war. datz eS nicht im Jnteresfe deS Landes gelegen wäre, dem Ansuchen keine Folge zu geben. Der Marineminister ging und man lietz ibn gehen, weil keine Aussicht ist, datz die Regierung weitere.Schwierigkeiten", die von Seilen Englands nicht ausbleiben werden, anders als jetzt erledigen wird. Troelstra warnte neulich,.um der Kolonien willen Ententepolitik zu treiben". Er sagte das in Erwägung deS politischen Verhältnisses ju Deutschland und forderte.eine wirkliche— nicht scheinbare Neutralitätspolitik". Von deren Wegen aber ist die holländische Regierung abgewichen und deshalb gab der Marine- minister sein Amt auf. Die holländische Volksvertretung wird natürlich zu der Angelegenheit des Geleitzuges nicht schweigen. Wie das Haager Korrcspondenzbureau erfährt, hat der Abgeordnete van Hamel die Frage an die Regierung gerichtet, ob sie der Kammer zur vollständigen Besprechung der Interessen des Landes so schnell wie möglich. den Notenwechsel vor- legen wolle, den sie mit dm anderen Regierungen wegen des Konvois geführt habe, sowie andere dafür bedeutsame Schriftstücke.. Der Geleitzug, der einen Wert von 7� Millionen Gulden darstellt, soll heute— ohne die deutschen Farbstoffe— die Reise nach Indien antreten. Der Kampf um üen Durgfri'eöen üer eng- lifthen Arbeiterpartei. Amsterdam, 2. Juli. Die eben hier eingetroffene „Nation" vom 29. Juni gibt eine etwas andere Darstellung von dem Beschlüsse der Arbeiterpartei, den Burgfrieden auf- zuheben, als die Reutertelegramme dies getan haben. Henderson hätte dem Blatt erklärt, daß die Maßregeln nur dazu dienten, um der Partei Gelegenheit zu geben, bei den Ersatzwahlen Kandidaten aufzustellen. Die Debatten be- wiesen jedoch die UnHaltbarkeit dieser Auffassung. Vertreter wie Gegner der Resolution betrachten den Beschluß als eine zeitliche Ueberganasmaßregel auf dem Wege zu einer öffentlichen lOp Positionspolitik. Das war die Meinung von S m i l Ii e, der die Resolution verteidigte und von Barnes und C l y n e s, welche sie bc- kämpften. Nach der Meinung der beiden letzten ist die Neso- lution eine Kundgebung gegen die Kriegspolitik der Regierung. Das war auch die Absicht der meisten Anhänger der Resolution, die, wie Ben Furner es ausdrückte, „ein kräftiges Streben nach Frieden" forderten. Die meisten Redner bedauerten es. daß die Resolution nicht noch weiter ging. Einige stimmten sogar gegen die Resolution, weil sie ihnen nicht weit genug ging. Englifthes hofpktalstbiff versenkt. London, 1. Juli.� „Die Okknpationsbehörde ist völkerrechtlich als einzige berufen, während der Dauer der Besetzung Verordnungen zu erlassen. Mit dem Aufhören der Besetzung unterliegen diese Verordnungen der Bestätigung oder Aufh-chung durch die dann eintretenden gesetz- gebenden Körperschaften. Man erinnert sich, daß di« kurländisch« Nr. 1$0— 1918 Unterhaltungsblatt des vorwärts Milkvoch, Z. 7oN per Hunger im Sprichwort. Bon T h. T k o m a s. NeuliK sagte mir einer:.Such du wirst dein Fett nocb kriegen", worauf ich zurückrief:»Wärst du, wo der Pfeffer wächst!" Da haben wir uns beide angeschaut und herzlich gelacht; dabei kam es uns zum Bewußtsein, wie doch der Krieg so gündlich auch im seien Sprickworlswatz zermürbt hat. Wem fiel eS wohl noch ein, vom»aufgewärmten Kohl" zu reden, wer würde nicht etwa»»für ein Bullerbrot" oder gar»um ein Linsengertchl" hergeben? »Hopfen und Malz ist längst verloren", viele würden sich heute so- gar dazu verstehen,»Kastanien onS dein Feuer zu holen", wenn es nur welche zu holen gäbe. Sogar»glühende Kohlen auf dem Haupie sammeln" wäre in der Zeit der Kohlennot ei» Gewinn, man könnte Koks davon machen.»Wie kann ein»eigner Herd Golde» wert" fein, wenn kein Brennmaterial drin ist.»Oel ins Feuer zu gießen" geht nicht, selbst wenn Mutter»auf heißen Kohlen fitzt". Wenn sie nur»mit Wafier kochen wollte, blieb eS »zäh wie Sohlleder". Da aber niemand»von der Luft leben' kann, so muh man»in den sauren Apfel beißen" und sich sogar»um ungelegt« Eier kümmern". Ein Vorteil ist es, wenn man jetzt»Grütze im Kopf" dat. Wer»einen Bock schießt" oder»den Braten riecht", der ist »ein richtiger Glückspilz". In diesem Falle gilt da? Wort:»der kann mehr wie Brot effen"; kommt so einer mit einem»Backfisch" zusammen, dann wäre»das ein Freffen für ihn".»Mir wäffert schon der Mund." Aber leider, auch die Fische sind rationiert. Wo ist der, der noch»große Nofinen im Sack" hätte?, den würde»der Haser stechen", die Welt riefe ihm zu:»Prost Mahl« zeit denn die Rosinen sind beschlagnahmt. Da ist es schon besser, man bekommt»Brei um das Maul geschmiert". Wer noch»ein Hühnchen zu pflücken" hat, der kann sich damit»das Maul stopfen", denn»selber essen macht fetr". Fraglich blieb immer noch, ob ihm das Geflügel nicht angerechnet würde,»er führte dann ein Leben wie ini Schlaraffenland". DaS Kriegsernährungsamt will un» davor schützen, deshalb sammelt eS nur»Kraut und Rüben" zum freien Verkauf, aber»dazu gehört ein guter Magen". „Bleib mir nur mit dem Quark vom Leib," hören wir schon rufen. Trotzdem:»Er schabt sich ein RübScn", kommt heuer wieder mehr zur Gellung, weil»in der Not auch der Teufel Fliegen frißt". Dow„das sind olles brotlose Künste", gehen wir»nicht um den beißen Viei verum"? Heute»nimmt jeder Hund ein Stück Brot von uns". Wen man fragt, der»sehnt sich nach den Fleischtöpfen Aegyptens", gar nickn zu reden von der»jut jcbratnen Jans". Em bekanntes Sprichwort sagt:»Er ist ein dicker Mann, folg- lich ein guter". Das ist heute sehr gewagt, besser schon:»Er ist niwts wie Haut und Knochen", oder»er hat keinen Saft und keine Kraft".»Nicht Fleisch nicht Fisch" trifft jetzt mit gransamer Ironie zu, ebenso»daß lein Hase mehr im Pfeffer liegt". Es ist ganz unmöglich, wenn noch jemand»mit Speck Mäuse fangen" wollte. Dagegen trifft auf verständnisvolle Mienen, wer die Behauptung aufstellt, daß überall»Schmalhans Küchenmeister' ist. »Lbioarten und Tee trinken" hat noch seine Berechtigung, be- sonders im Streit zwischen Kühlmann und Westarp; nicht so sehr aber:»Er weiß, wo Barthel den Most holt", denn es ist keiner zu haben.»Kaffee und Zucker machen den Beutel lucker", scheint auch einmal im Kriege entstanden zu sein, nicht aber:»Gott, der Zähne gibt, gibt auch Brot", dazu braucht jeder seine Brotmarken; auch „uifler täglich Brot gib uns heute" hat nunmehr seinen guten Ruf verloren. »Soviel Lärm wegen eines Eierkuchens". DIeS Sprüchlein stammt aus dem 17. Jahrhundert, der es aussprach, war jedenfalls der Meinung, daß eS nickt der Rede wert ist, um einen Nerkuchen ein Wort zu verlieren. Ich kenne Leute, die einen Purzelbaum schlügen, wenn sie ihn bekämen: es ist jetzt sogar schwer,»Basilisken- eier auszubrüten", von dem schönen Spruch:»Jedermann ein Ei. dem frommen Schweppermann aber zwei" gar nicht zu reden.»Wir kochen breite Bettclsupven" bekommt mit jedem Tag mehr Gültig« teil.»Die Milch der frommen Denkungsart' ist sauer geworden; „in jeden Quark seine Nase stecken", wäre ein Hochgenuß, leider lostet das Pfund fünf Mark, und es gibt keinen. Da kann man schon„zu Eisig werden". „Wer Butter auf dem Kopfe hat, braucht nicht an die Sonne zu gehen". Das soll für Hamsterer gellen, die für das Piund M M. zahlen, sie scheuen alle da« Tageslicht.»Honig um da? Maul schmieren" ist ein« schwere Sache; ebenso rate iÄ niemand, seine Nachbarin eine»dumme Gans" zu nennen, sie könnte sonst das Verdienstkreuz für Kriegshilfe bekommen. Wer kann heute noch-»mit der Wurst nach dem Schinken schmeißen" oder»klaren Wein einschenken?" Das ist ebenso unmöglich, als wenn ich sagen wollte:»Gib deinen Senf dazu".»Woher nehmen und nicht stehlen?" möchte ich fragen. Wer jetzt sagt,»eS ist mir Wurst" und hat keine Fleischkarte, fällt schon auf. Wer»einen Schwamm im Magen hat", ist in diesen Zeiten nicht zu beneiden;»ein voller Magen studiert nicht gern", kann füglich gestrichen werden, auch»wenn'S am besten schmeckt, soll man aufhören", weil man ja kapm antewen kann. »Ins Fettnäpfchen treten' müßte heute ein Hochgenuß auch für Vegetarier sein; wer könnte sich verletzt fühlen, wenn ihm gesagt würde,»du hast dein Fett weg?' Sicher niemand.»Du altes Karnickel' bewirki nur einen sehnsüchtigen Augenaufschlag, weil eS markenfrei ist, und wenn man»Trapp, trapp' sagt, wird man gleich gefragt: Wo gibt's das denn?»Dem Gaul steht man sicher nicht inS Maul". So ändern sich die Zeiten.»Aus dem Herzen heran« frflch und frei reden", ist reinweg unmöglich, weil immer ein Haken dahinter sitzt.»Der Hunger ist der beste Koch", mag noch angehen, obgleich ich mit dem»Salz und Brot macht Wangen rot" schlechte Erfahrungen gemacht habe. Jeder möchte der dümmste Bauer wegen »der größten Kartoffeln" sein, heute gilt kaum da» Weberlied: Kartoffeln in der Früh, de» Mittag« in der Brüh, des Abends in dem Ehrenkleid, Kartoffeln in alle Ewigkeit, weil mit einem Pfund täglich dieser schöne Grundsatz nicht durch- zuführen ist.»Das stinkt wie Käse", Hörle ich neulich auf der Straße, gleich blieb die Elektrische stehen und die Schaffnerin fragte: Wo haben Sie denn den Käse her? Diese Woche gibtS doch keinen. lleberall stößt man an. Ein Sprichwort aber bat heut« noch seine volle Berechtigung, Vater, Mutter und die Kinder, Bürger- meister und RatSherreu bestätigen e», nämlich:»Vogel friß oder stirb!"-__ veutsihes Opernhaus:„Die fthöne Helena�. QffenbochS parodistiiche Operelten bedeuten eine Wiederspiege- lpng Frankreichs unter Shpolcon Hl. Ihre Texte verhöhnen nicht bloß Götter und weltliche Allgewaltige auf Thronen und Thröncken — der Kampf gegen jegliche Autoritär war ihr Leitmotiv. Wir schweben zwischen Bor- und Mitwelt. Mythologische oder legendäre Einkleidungen geben den Rahmen für modern-zeitliche Handlungen. Historische Figuren, Mumien vergangener Weltanschauungen werden mit allen Requifiten der Gegenwart ausstafsisrt, mit neuen Ideen erfüllt. Sie alle aber beseelt Ofsenbach durch reine Mufik. Mit ihr persifliert er das Musikschaffen jener Epoche, insbesondere insoweit eS im Theater als schwere herorische oder leichtere Oper zutage trat. Was Daumier, der große Meister der Karikatur im Reiche der darstellenden Kunst, das war Offen- bach in der Operette: der erste und, wir dürfen es ruhig aussprechen, der einzig gebliebene Satiriker im Reich tönender Gedanken. Dies macht, vom rein historischen Standpunkt betrachtet, seine Bedeutung aus. Man mag nun darauf hinweisen, daß die Farben jenes pariserischen Leben« und Treibens der gegenwärtigen Generalion verblaßt erscheinen, ja daß wir heute wenig Interesse dafür aufm- bieten imstande seien. Das überhöbe uns aber nicht der Pflicht, dem Genius Offenbachs gerecht zu werden, will sagen: seine Werke in dem ihnen eigentümlichen Eharakter und Darstellungsstil zu geben. Von der Helena-AuMhrung im Deutschen Opernhaus, mit der man die Sommerspielzeit einleitete, läßt sich derlei nur mit geziemender Einichräntung behaupten. Sie tri»g überwiegend einen akademischen Zuschnitt, hatte langweilig gespreizte, statt straff konzentrierte Szenenabwicklung mit ei»- schläfernd gedehntem Rhythmus im Musikteil. Das prickelnd satirisch-lustige Element fehlte beinah bollkommen. Der Auftakt zumal war von tödlicher Steifleinigkeit Da«»Volk" auf der Bühne machte seine traditionell ledernen Armbewegungen und sang desgleichen farblos. Hernach wurde es ja etwas lebendiger. Das erfreulichste Bild bot zu Beginn des Mittelaktes da» Ballett mit seiner frischen, frei entfalteten Tanzleistnng. Meta Seinemaqer, sonst gesanglich gut geschult, mit aus- reichend kräftiger Stimme in höheren Registern, offenbarte doch zu wenig Temperament und berückende Sinnlichkeil. In der großen Traumszene, und zwar im Duett, gab sowohl fie als namentlich ihr Partner Bernhard B ö t e l jParisj das Beste. Dem Taucha» Eduard K a n d l s mangelte es am bezwingenden Humor. Selbst Harry Steier, dem sonst doch eine gesunde Dost« dieses Göltergeschenks eigen ist, wollte es diesmal als Menelau« nicht sonderlich damit glücken. Hingegen zeigte er den alten Spartaner doch in einer vorzüglichen Troiteln.aske. Die Anordnung der einzelnen Bühnenbilder ging an. Die Strandszenerie im Schlußakt war die gelungenste— ausgenommen die hingerekelten Griechinnen und Griechen allda.' sk. Lelm aus Sakterleu. Der deutschen Biochemie ist eS gelungen, die Leimknappheii au» der Welt zu schaffen: aus einer Bakterienart wird jetzt nach einem neuen Verfahren«in Leim gewonnen, der ganz ausgezeichnete Eigenschaften haben soll. Neber diese bedeutende Erfindung teilt Dr. Hans Wernsr-Gera im.Prometheus" einiges mir: Die Weit der Bakterien liefert nicht nur menschliche Nahrung und Heilmittel, sondern auch Leim, einen Stoff, der volkSwirtschafrlich wie mili- tärisch von großer Bedeutung ist. Man hatte gefunden, daß bei geeigneter Ernährung und richtiger Pflege ein bestimmter Stamm von Bazillen durch Lrtmischung mit ihm taum verwandten anderen Klcinwesen eine ebenso überraschende wie industriell wertvolle Ber- Wandlung durchmacht. Er entwickelt dabei Eigenschaften, die er vorher auch nicht einmal andeutungsweise zeigte. Nach Abschluß des ganzen Veränderungsvorganges' zeigten die Bakterien die auf- fallende Fähigkeit, die verschiedenartigsten Stoffe sehr fest mitein« ander zu verbinden, was sonst nur bei Anwendung von heißem Knochen- leim oder teurem Sondcrütt möglich war. Unler der Leitung des Erfinders wurden zunächst in größeren Versuchsanlagen au«- gewählte Stämme jener sich merkwürdig verändernden Lebewesen ernährt, und nach etwa dreimonatiger Bersuchsdauer war ein glas- klarer, geruchloser, blanker, glänzend durchfichtiger Stoff entstanden, der als Sanitor-Klebstoff bezeichnet wurde. Bis zum Jahre 1313 flössen aus Deutschland gewallige Summen ins Ausland, mit denen Klebstoffe aller Art, Binde-, Schlicht- und DurchtränIungSmittel der Industrie bezahlt weiden mußten. Die Entdeckung des Saniior- ktebstoffeS erspart dem deutschen Volksvermögen diese Summen, und der Hecresbedars wie die Ansprüche der Industrie können durch diese glänz-iide Leistung der deutschen Biochemie befriedigt werden. WaS die IZigensäiaflen deS neuen Klebstoffes angeht, so ähnelt er in Ausseben und Anwendung dem altbekannten, aber teuren Gummiarabikum, doch ist er ganz erheblich billiger und soll an Klebfähigkeit überlegen sein. * Notizen. — Der Theaterkulturverband für freie Kunst. In- Mannheim ist Büchners heirer-phaniasievolles Lustspiel „Leoncx und Lena" Gegenstanh eines TheaterskimdalS mit dem üblichen Gefolge öffentlicher Entrüstung gegen die Theatcrleitung (statt gegen die Radaumacher) und Absetzung des Stückes vom Spielplan. Die Mannheimer Ortsgruppe des Theaterkulmrver- bandes hat daraufhin eine Entschließung angenommen, worin gegen diese das Anseyen Mannheim« als Kultursiadt hevabsetzende Banauserei protestiert wind. — Aus der Bühnenwelt. Emfl Lefstng, Brahm« Rc- giffeur, ist ans Trianontheater berufen worden, wo er Stucken» neues Schauspiel»Myrrhe" zuerst inszeiiiieren wird. — Ein Siebensprachen-Wörterbuch ist im Auf- trage des Oberbestblshabers Ost(im Buchhandel durch Dtto Spame-r, Leipzig, zu beziehen) herausgegeben worden. Die bisher m Rußland untevdrückten Sprachen der RandvWer sind darin für praktische Zwecke lexikographisch zusammengefaßt. Man findet russische, litauische, lettische, polnische, weißvuthenische und jüdische Uebersetzungen der deutschen Snchwövter. Da ein Teil dieser Sprachen als Schriftsprachen besonders für abstrakte und moderne Diuge wenig entwickelt ist, bereitere die Schassung diests besonders für Amtszwecke beirimmten 5 lach schlage wer kes erhebliche Schmie- rigkeiten. Für die einzelnen Sprachen sollen besondeve Detlbcarbei» riiiigen erfolgen. Loöz. 263 Das gelobte Lanö. Roma» von W. St. Rehmont. „Dr. der Homöopathie und des VegetarianiSmuS. Der Vudel kost' mich viertausend Rubel jährlich, raucht meine teueren Zigarren und verspricht mir. mich entweder zu heilen. oder ich werde sterben." Ter Doktor wollte widersprechen, aber Frau Buchholz bat mit einer ganz leisen Stimme zu Tisch, und die Lakaien begainzen die Speisen herumzureichen. DaS Gespräch wurde deutsch geführt. „Sie sind nicht Vegetarianer?" fragte Hammerstetn. „Nein, Herr Doktor. Ich bin vollkommen Herr meiner Funktionen." erwiderte Borowiecki schrosf. Unsympathisch er- schien ihm diese Gestalt, die wie eine Masse hingegossen da- saß mit einem mächttgen Bauch, einem mächtigen Gesicht und einem riesigen Schädel mit glänzender Glatze, wie ein blank geputzter Topf. Hammerstein bewegte sich ungeduldig, warf einen der- ächtlichen Blick hinter der gewölbten blauen Brille hervor und sagte trocken:„Jede Wahrheit wird am Anfang de- lächelt." „Haben Sie viele Anhänger in Lodz?" „Sich und meine Hunde, die räudig sind, weil ihnen der Veterinär kein Fleisch geben läßt," spottete Buchholz, der nichts aß, außer Hafergrütze und Milch. „Was ist denn Lodz, was ist denn ganz Polen? Barbarei!" „Deshalb sind Sie auch wohl hergekommen. Für Apostel ein gutes Feld."' „Ich habe ein Buch über den Vegetarianismus geschrieben nnier dem Titel:.Die natürliche Ernährung'. Ich kann es Ihnen zuschicken." Danke, ich werde es mir Interesse lesen, ich zweifle aber, daß Sie in mir einen Anhänger finden." „Herr Rat sprach am Anfang genau so. uttd jetzt..." „Und jetzt bist du ein Dummkopf, mein Hammer, weil du nicht begreifst, daß wenn einer krank ist und ihm die ganze blöde Medizin nicht hilft, dann entschließt sich der Mensch, den Schafhirt aufzusuchen, zu Pfarrer Kneipp zu fahren, ja endlich sogar auch zu deiner» elcktrisch.homöopathisch-vege- tarianischen Arscnikmerhode." „Weil sie einzig und allein hilft, weil das Prinzip der Homöopathie: kiuülis. sirnilibus ourantur ein Prinzip ist, das der menschlichen Natur am meisten entspricht, weil es eben das einzig wahre ist. Herr Rat sind das beste Beispiel dafür." .Bi« jetzt schon, aber wenn eS sich verschlimmern sollte, dann kannst sicher sein, Doktor, daß ich dich verprügle und dich mit deiner ganzen Aufschneiderei die Treppe'runter schmeißen lasse." „Wer neue Wahrheiten bringt, wird zum Märtyrer; das ist sein Lohn," sagte er feierlich, in die Milch pustend. „Laß mal gut sein mit dgm Martyrium, du kriegst als Lohn viertausend Rubel und dein Gesicht glänzt vor Fett wie'ne Laterne." Der Doktor schaute nach oben, als ob er die Decke zum Zeugen anrufen wollte, waS er leiden müsse, und aß seine Milchgrütze weiter. Eine Schüssel mit Salat und eine zweite mit Kartoffeln standen vor ihm. Sie schwiegen. Die Lakaien huschten wie Schatten geräuschlos umher. Einer stand hinter Buchholz und reichte ihm sofort da«, wo- rauf sein Blick fiel. „Pudel!" brüllte manchmal Buchholz, wenn er ihn nicht rasch genug oder schlecht bediente. An der anderen Seite deS Tische? saß Frau Buchholz und beteiligte sich gar nicht am Gespräch. Sie aß sehr langsam, mit den Lordcrzähnen kauend, und lächelte mit den blassen Lippen wie eine Wachsmaske. Wenn sie etwas brauchte, winkte sie dem Lakai und sprach zu ihm mit fast unhörbarem Flüstern, oder zeigte mit dem Finger. Wie eine Mumie saß sie da, die nur in den zurück- gebliebenen automatischen, am längsten währenden Bewe- gungen lebte. Das Mittagessen war sehr einfach, auf deutsche Art. Bloß Brorowiecki wurde ein Glas Kognak gereicht und verschiedene Weinsorten, die ihm Buchholz persönlich ein- schenkte, ihm zuredend:„Trinken Sie, Herr Borowiecki, das ist ein guter Wein." Der Schluß der Mahlzeit verlief still und langweilig. Es herrschte eine erdrückende Stille, bloß ab und zu schrie der Papagei:„Pudel!" wenn er nichts vom Tisch fassen konnte. Jedes Wort, jeder Laut hallte wider, brauste fast in diesem großen Eßsaal, in dem zweihundert Personen Platz finden konnten. Ringsherum flanden Kredenzen aus Eichenholz, im altdeutschen Stil geschnitzt, und altdeutsche Stühle. Durch das große venezianische Fenster, das auf die Fabriksmauern ging, drang nur wenig Licht, bloß das Ende des Tisches, an dem sie saßen, war erhellt, das übrige Zimmer verschwamm in einer rostigen Dämmerung, aus der ab und zu die Lakaien wie schwarze Schatten hervortauchten. Durch die Seiterflügel eines Fensters drang die Nach- Mittagssonne ein und ergoß einen rötlichen Strahl über einen Teil des Tisches. „Vorhang zu!" schrie Buchholz. Er mochte da« Sonnen- licht nicht und blickte mit Wohlbehagen auf den Lüster, der im Augenblick aufflammte. Endlich war das Mittageffen deendet, zu Karl» Er- leichterung, den diese Stille und Langeweile schläfrig gemacht hatten. Wiederum küßte die alte Buchholz ihren Mann auf die Stirn, reichte ihm die Hand zum Kuß und streckte sie dann mit einer automatischen Bewegung zu Borowiecki. der nicht mehr lange dablieb, ein paar Worte noch leise mit dem Doktor wechselte und hinausging, ohne sich von Buchholz, der im Fauteuil schlief, zu verabschieden Das Eßzimmer wurde ganz leer, nur der im Fauteuil schlafende Buchholz blieb zurück und ein Lakai, ein paar Schritte hinter ihm, regungslos vor sich hinstarrond, auf jeden Wink bereit. Borowiecki atmete mit dem Gefühl einer großen Er- leichterung auf, als er auf die Straße hinaus kam, in die frische Luft, in den hellen, sonnigen Tag. Den Buchholzschen Wagen, der auf ihn wartete, schickte er weg und ging zu Fuß durch den Park. Bei den Fabriken bog er von der Piotrkower �Straße in eine kleine, un- gepflasterte Gasse ab, die in die Felder hinauslief und au der einen Seite mit langen, düsteren Arbeiterkasernen um- stellt war. Traurig sah eS hier aus und häßlich. Er schlich sich unter den Häusern durch, auf engen Stegen und Steinen, und trat in einen kleinen Garten ein, der an die weithin sich erstreckenden Felder grenzte, auf denen in der Ferne Fabrikmauern rot schimmerten und hier und da ojn- same Häuser verstreut lagen. Im Garten stand ein hohes, einstöckiges Haus, in dem sein Hilfsarbeiter Murray ivohnte. Auch Borowiecki hatte die Fabrik eine Wohnung hier angewiesen, ein ganzes Stock- werk oder das Parterre, nach Wahl. Borowiecki mochte die Lodzer Landschaft nicht und zog eS vor, in einer recht unbequemen Mietswohnung zu wohnen. So lebte er in der Stadt und mit seinen Freunden zu- summen, mit denen ihn nicht so sehr Freundschaft» als lang- gewohnter, vertrauter Verkehr verband. Die ganze Studien- zeit hindurch wohnten sie zusammen in Riga, zusammen fuhren sie ins Ausland und fanden sich vor ein paar Jähren in Lodz wieder. Worts, solgt) J. F.'I1™li(dens,r- 164 Ecke Brunnenstrate 1Sl?er vorzügl. 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Meld, mtt Migado der EintrilUtermins snAbtg. 2a erbetu.' ttt.lSO ♦ ZS.�ahkgakg J.jit öes Vorwärts Mittwoch, z.�uNi�is Mbeiterforöemngen und öranntwemmonopol. Bon Gustav Hoch. In dem ReichstagSauSschutz zur Beratung deS Brannt- weinmonopols ist die Beratm� der Arbeiterfragen, über die am Sonnabend im.Vorwärts" berichtet wurde, bezeichnend dafür, wie die Reichsleitung und die meisten bürgerlichen Parteien in Wahrheit zu dem ersten Entwurf stehen, der einen großen Gewerbezweig dem Staatsmonopol ausliefert. Da derartige Entwürfe das deutsche Volk noch öfter beschäftigen werden, hat jene Auseinandersetzung eine allgemeine Be> deutung. In der ganzen Beratung des Branntweinmonopolentwurfs haben die Wortführer des BrennereigewerbeS Limmer wieder erklärt, daß nur dann ihr„Gewerbe" dem Monopolamt und damit der Reichsleitung ausgeliefert werden könne, wenn es in dem Gesetze selbst sichergestellt sei. Unter ihrem„Gewerbe" verstehen sie aber einzig und allein die Unternehmer. Daher enthält schon der Entwurf des Branntwein- Monopolgesetzes eine fast unübersehbare Reihe von Be- stimmungen zum Vorteile der beteiligten Unternehmer. Von den beteiligten Arbeitern und Angestellten dagegen ist— abgesehen von dem Abschnitt über die Entschädigung der durch die Durchführung deS Monopols geschädigten Personen— gar nicht die Rede. Im Ausschuß wetteifern die meisten bürgerlichen Parteien darin, die einzelnen Gruppen der beteiligten Unternehmer noch mehr zu begünstigen; und die Vertreter der Reichs- leitung helfen dabei, soweit es ihnen irgend möglich ist.— Als aber durch die Anträge der Sozialdemokraten der Aus- schuß sich auch mit den Rechten der beteiligten Arbeiter und Angestellten befassen mußte, war plötzlich der Eifer jener Herren für ihr„Gewerbe" verschwunden. Zunächst handelte es sich um die oberste Leitung der ge- samten Monopolverwaltung. Nach dem Entwurf soll dafür ein Monopolamt in Berlin gebildet werden. Dieser Behörde stehen zur Seite ein Beirat mit beschließender Stimme und ein Gewerbeausschuß als sachverständiger Gutachter. Der Beirat sollte bestehen aus Vertretern des Bundesrats, Reichstaas, der Branntweinbrenner und deS Monopolamts; in dem GewerbeauSschuß sollten die andern beteiligten„Ge- werbe" vertreten sein. Die Sozialdemokraten beantragten in erster Linie, baß in dem beschließenden Beirat nur Vertreter der Ge- samtheit. des Bundesrats und des Reichstags, mitwirken, die Vertreter der Brenner, ebenso wie nach dem Entwurf die Vertreter der anderen beteiligten Gewerbe, nur dem Gewerbe- ausschuß angehören, vom Beirat aber ausgeschlossen sind. Daher verlangten die Vertreter der Sozialdemokraten, daß als Vertreter deS Gewerbes nicht nur Unternehmer sondern auch Arbeitervertreter hinzugezogen werden müssen. Diese Anträge wurden jedoch abgelehnt; die Bestimmungen des Entwurfs wurden angenommen, wobei die Mitarbeit im Beirat auf größere Kreise der Unternehmer ausgedehnt, und der Gewerbeausschuß bestätigt wurde. Im Anschluß hieran beantragten die Sozialdemokraten folgende neue Bestimmungen: Z SO». Die Ausübung des gesetzlich gewährten vereine» und Versammlungsrechts darf den Arbeitern und Angestellten der Be trieb«, die diesem Gesetz unterstellt sind, durch keine besondere Ab machung oder Anordnung beeinträchtigt werden. Den Arbeitern und Angestellten dürfen aus ihrer Fugehörig keit zu einer Vereinigung oder aus der Ablehnung der Anordnung der Betriebsleitung und ihrer Vertreter, einer Bereinigung bei- zutreten, keine Nachteil« erwachsen. Z 90b. Die Arbeits- und Lohnderhältnisie find für die Ar beiter und Angestellten tariflich für da» gesamte Gewerbe ein- schließlich der Brennereibetriebe zu ordnen. Die tarifliche Vereinbarung wird von einem AuSschufi« fest- gesetzt, der auS zehn Personen besteht, für die der Beirat der Monopolverwaltung eine gleiche Zahl von Mitgliedern bestimmt, wie die Arbeiter resp. Angestellten. Di« Kommission verständigt sich über die Berufung eine» Vorfitzenden außerhalb de« Kreise» des AuSschufie«. Kommt«ine Einigung nicht zustand«, so ernennt der Bundesrat den Vorsitzenden. 8 SOo. Für die Tarifverhandlungen find, soweit fi« die Arbeiterverhältnifie regeln. Arbeitervertreter, soweit Angestellten verbälmisie in Betracht kommen, aul diesen Kreisen dl« Ver trewngen zu bestimmen. ES ist ferner bei Tarifabschlüflen für einzelne IverufSarten de« Gewerbe« dt« Vertretung der Arbeiter bezw. Angestellten auS diesen Betrieben zu berufen. Die Arbeiter resp. Angestellten wählen ihre Vertretung ge- sondert. Für die Wahl finden die Bestimmungen de» Gesetze» über den Vaterländischen Hilfsdienst 8 11 entsprechende Anwendung Die Ausführungsbestimmungen erläßt der Beirat der Monopol- Verwaltung. Zu den Verhandlungen de» TarifauSschufie» find auf ihren Antrag die Vertreter der Organisation der Arbeiter resp. An- gestellten und der Betriebsleitungen hinzuziehen und gutachtlich zu hören. 8 S0ä. Werden Uebelstände im Arbeitsverhältnis von der Betriebsleitung auf Beschwerde der Arbeiter resp. Angestellten nicht abgestellt, so steht den Beteiligten die Berufung an den Tarifausschuß zu, der, sofern die Beschwerde al« berechtigt an erkannt wird, die Beseitigung der Uebelstände anzuordnen bat. Desgleichen entscheidet der Tarifausschuß aus Anrufung über Be schwerden, betreffend ungerechtfertigte Entlassung. Der konservative Abgeordnete Kreth suchte die Anträge mit einer freundlichen Handbewegung abzutun: Die Siche rung des Vereins- und Versammlungsrechts sei unnötig, da dieses Recht ohnedies bestehe und niemand daran denke, anzutasten. Wenn aber in der Sache durchaus noch etwas geschehen solle, könnte ja§ 90» angenommen werdem Aber die anderen Bestimmungen, die die Tarifabschlüsse mit den Arbeitern und Angestellten erzwingen und ein Beschwerde- verfahren festlegen sollen, seien undurchführbar, da in den landwirtschaftlichen Brennereien nur ganz wenige Arbeiter und Angestellte beschäftigt werden. Tatsächlich aber gibt es genug landwirtschaftliche Brenne- reien. für die eine tarifliche Regelung der Arbeits- und Lohn- Verhältnisse nicht nur möglich, sondern auch dringend not- wendig ist. Außerdem werden in den Monopolbetrieben zur Reinigung des Branntweins, zur Herstellung des Trink- branntweins, zur Verteilung der Waren viele Arbeiter und Angestellte gebraucht. Die Hauptsache jedoch ist. daß die Unterscheidung, für welche Betriebe die tarisltchen Ab- ist. hat alle der den Ein- machungen gelten sollen, nicht Aufgabe des Gesetzes sondern in den Tarifen erfolgen muß. DaS Gesetz nur festzulegen, daß Tarife vereinbart werden müssen; Einzelheiten der Tarife— und dazu gehört auch Geltungsbereich jedes einzelnen Tarifs— werden in Tarifen geregelt. Das Zentrum kam denn auch mit einem andern wand gegen die sozialdemokratischen. Anträge. Abg. Dietz (Konstanz) versicherte, daß ihm die Anträge nicht— weit genug gehen. Die in den Anträgen verlangten Rechte müßten nicht nur einzelnen Gruppen, sondern allen Arbeitern und Angestellten gesichert werden.' Daher genüge es nicht, wenn in dem Monopolgesetzc besondere Bestimmungen nur für die am Monopol beteiligten Arbeiter und Angestellten eingefügt werden; die Sache müsse vielmehr in einem allgemeinen Gesetz für die ganze Industrie und den ganzen Handel erledigt werden; und das könne nicht— jetzt, sondern erst später geschehen. Soweit aber die Betriebe unmittelbar der Monopol- Verwaltung unterstellt sind, ist es ohne weiteres klar, daß die Monopolverwaltung die Grundzüge dafür festlegen muß. wie die Lohn- und Arbeitsverhältnisse der beteiligten Ar- beiter und Angestellten zu regeln sind. Für die Tätigkeit der Monopolverwaltung schafft das Monopolgesetz die Grundlage. Daher sind in dem Gesetz auch die Rechte dieser Arbeiter und Angestellten zu sichern.— Die Betriebe dagegen, die der Monopolvcrwaltung nur unmittelbar unterstellt sind, stehen in engster Verbindung mit ihr. Für die Unternehmer dieser Betriebe sind in dem Gesetze alle Bestimmungen ent- halten, die ihnen einen möglichst hohen Gewinn sichern sollen. Haben demgemäß nicht auch die Arbeiter und Auge- stellten dieser Betriebe den Anspruch darauf, daß ihre Rechte in dem Gesetz berücksichtigt werden? Die lange Aussprache hierüber veranlaßte schließlich die bürgerliche Mehrheit des Ausschusses zu einigen Zugeständ- nissen.<;hre Sorge ging jedoch dahin, ja nicht zu— viel zuzugestehen. Sie lehnte die beiden letzten Anträge ab, die die Wahl der Tarifausschußmitgliedcr und daS Beschwerde Verfahren regeln; affgenommen wurden also nur die beiden ersten sozialdemokratischen Vorschläge: 1. Sicherung des Vereins- und Versammlungsrechts und 2. tarifliche Ordnung der Arbeits- und Lohnverhältnisse. Die zweite Bestimmung wurde aber auf die Betriebe beschränkt, die mehr als drei Arbeiter beschäftigen und nicht Nebenbetriebe sind. Durch die letzte Verschlechterung sind alle landwirtschaftlichen Brenne- reien ausgenommen, auch wenn sie noch so groß sind.— Endlich wurden die neuen Bestimmungen nur den Arbeitern gewährt, die Angestellten davon ausgenommen: angeblich, weil sie gar nicht durch das Gesetz geschützt sein wollen. Eine besonders klägliche Rolle spielte in dieser VerHand- lung der Vertreter deS Reichswirtschaftsamts, dessen Aufgabe sein— sollte, für die berechtigten Forderungen der Arbeiter auch gegenüber den Rücksichten der anderen Reichsämter ein- zutreten. DieS geschah bisher nicht genügend in dem alten Reichsamt des Innern. Dafür wurde der Umstand verant- wortlich gemacht, daß der leitende Herr zu viel zu wn habe und deshalb die einzelnen Fragen nicht ausreichend über- sehen könne. Jetzt aber, nachdem das neue ReichswirtschaftS- amt geschaffen und mit sozialpolitischen Aufgaben betraut worden ist, ist es— auch nicht besser. Der Vertreter deS ReichSwirtschaftsamtS versagte vollständig. Er trat nicht für, sondern gegen die Arbeiterforderungen auf und mit solchen Scheingründen, daß sie gar nicht ernst genommen werden konnten. Die Arbeiter und Angestellten sehen hieraus, wie wenig selbst ihre berechtigtsten Forderungen von den bürgerlichen Parteien und den Regierungen gewürdigt werden: nur aus eigener Kraft, nur durch unermüdliche Verstärkung ihrer Ver- bände und durch nachdrückliche Unterstützung ihrer Vertreter werden sie die notwendigen Fortschritte erringen. in keinem Fremdwörterbuch. Aber auf der Speisekarte stand es und kostete eine Mark. LapskauS ist ein durch den Wolf gedrehtes Etwas. Unser Mann, der Bezwinger der„Kartoffelpuffer" und der „Bockwurst", aß drei Gabeln Lapskaus— dann packte ihn ein heftiger Widerwillen gegen alle weltliche Lust, er flüchtete sich in ein stilles Kämmerlein und schüttete sich aus. Wenn er nicht gestorben ist, lebt er noch heute. Es ist aber sehr unwahrscheinlich. Die spanische Grippe hat seit einigen Tagen ihren Einzug auch in Groß-Berlin gehalten. Die Krankenziffcr bei den Krankenkassen ist plötzlich in die Höhe geschnellt. In allen Schulen fehlten zahlreiche Kinder, Knaben und Mädchen. In den Warenhäusern, städtischen Bu- r e aus, bei den V e r k e h r S a n st a I t en, unter den städ ti- fchen Arbeitern, ferner unter den Arbeitern und Arbeite- rinnen in den MunitionS- und RiistungSbetrieben, sowie unter dem Eisenbahn- und Po st personal sind Krankheitsfälle beobachtet und gemeldet, so daß mit einer weiteren Ausdehnung schon gerechnet wird. Die Mehrzahl der Fälle wurde übrigens aus den westlichen Vororten gemeldet- Auch aus Potsdam, NowaweS, Spandau sowie au» Neu- kölln, Tempelhof und den Orten der Oberspree lagen zahl- reiche Meldungen von Erkrankungen vor, die fast sämtlich aus die schon hinlänglich bekannlen Symptome der Grippe hindeuten. Die Mehrzahl ddr Fälle ist leichter Natur, die eine längere Dauer oder eine KrankenhauSbehandlung nicht angezeigt erscheinen läßt. Bemerkenswert ist noch, daß die Krankheit sich mit der größten Schnelligkeit verbreitet. Kaum hatte sie fich in Brandenburg, Pots- dam und Spandau gezeigt, da war sie auch schon in den westlichen Vororten und an der Oberspree, während im 5treise Niedcrbarnim noch keine Fälle beobachtet worden sind. Bei der leichten Ueber- tragbarkeit wird eS nicht lange dauern und auch die bisher ver- schont gebliebenen Gegenden werden den ungebetenen Gast ein- treten sehen. Wenn eS übrigens ein Trost ist, Gefährten im Leide zu haben, so wird der deutschen ReichShauptstadt der Trost diesmal im reichsten Maße zu teil. AuS allen Gegenden Deutschlands lauten Nach- richten ein über den plötzlichen Ausbruch und die rapide Ver- breitung der Epidemie: in München, Köln, Karlsruhe, Jena, Straßburg, Mannheim, Ludwigshasen, Landsberg a. ö. W,, Görlitz usw. ist sie aufgetaucht. Aber überall nimmt sie einen gutartigen Verlauf, und wenn tödliche Fälle bis jetzt nirgends gemeldet worden sind, so liegt daS nicht, wie boshafte Zungen vielleicht behaupten werden, an dem gegenwärtigen Lerztemangel, sondern an dem wirklich gutartigen Charakter der Krankheit. Ihre Symptome sehen allerdings bedrohlich genug au» hohes Fieber bis 40°, Kopfschmerzen, Halsentzündung, Kaskaden- schnupfen und zuweilen auch Brechdurchfall— aber zu fürchten im allgemeinen ist nichtS, und wenn man keine llnvorstchtigkeiten be- geht, sondern fich rechtzeitig ins Bett legt, so Pflegt die Geschichte in 2— g Tagen erledigt zu sein. Wir können dieses auS eigener Erfahrung bestätigen, denn auch auf der Redaktion deS„Vorwärts" hat die Grippe eine Anzahl Erkrankungen hervorgerufen, die aber alle den geschilderten leichten Verlaus genommen haben. GrofrBerlin der Mann und sein Appetit. Es war einmal— doch halt, da muß vorweg gesagt werden, daß eS kein Märchen ist, von dem hier die Rede sein soll, sondern Wahrheit, bittere Wahrheit. Also: ES war ein- mal ein Mann, der stand am Belle-Alliance-Platz, blickte die lange Friedrichstraße hinunter und wußte nicht, wo und was er essen sollte. Denn er hatte einen ausgewachsenen Hu—, Verzeihung— Appetit. Der Leser meint, er sollte zu Kem- pinSki gehen. Nein, der Mann hatte bloß zwei Kartoffel- marken und obendrein gehörte er zum besseren Mittelstand — er konnte also nicht zu Kempinski gehen. Er lief also ein wenig zu und kam an einen Laden. Auf einem Rostblech lagen graue Fladen und schwitzten. Weil der Mann seine Kartoffelmarken hingab und 1 Mark bezahlte, erhielt er drei Fladen auf einen Teller und erfuhr so beiläufig, das seien Kartoffelpuffer. Wie gesagt, er hatte großen Appettt, darum würgte er die rohen Kartoffel- fasern, die zwischen den Zähnen schnurpsten, hinunter und entfernte sich schweigend, im Innersten ergriffen. Gefühle be- mächtigten sich seiner, die ihn auf den Gedanken brachten, er habe die Spanische Grippe. Weil er aber noch Appetit ver- spürte, tröstete er sich. Die Friedrichstraße ist lang, so kam unser Mann an das Schaufenster einer Speisewtrtschaft.„Bockwurst" gab es da. Unser Mann aß Bockwurst. Als er damit ferttg war, wandte er sich an den Wirt und erteilte diesem mehrere Auf- klärungen. Erstens sei es allgemein anerkannt, daß der männliche Vertreter einer gewissen Tierart nicht als Bock, sondern als Hengst bezeichnet werde. Zweitens müsse be- achtet werden, daß besagter Hengst nach Beendung seines Erdenwallens im Gegensatz zu einem gewissen Parlament sich aufzulösen pflege, und auch wieder im Gegensatz zu vor- genanntem ziemlich schnell. Nachdem der Wirt diese Belehrung mit einigen unwiedergeblichen Berlinismen beant- wortet hatte, verließ unser Mann das Lokal. Die Friedrichstraße ist länger, als man denkt. Mancher Appetit ist größer, als man denkt. Unser Mann ging in einen Keller und ließ sich die Speisekarte geben.„Wiener- fleisch" stand da drauf,„Kaiserfleisch" und„Lapskaus". LapskauS steht nicht im Duden, nicht im Petri— überhaupt Wer ist Dienstvorgesetzter der städtischen Beamten? In der VerwaltungKstreitklcge des Magistrats Neukölln gegen Oberbürgermeister Kaiser, in der tä sich um die Frage handelt, ob der Magistrat oder der Oberbürgermeister Dienswor- gesetzter der Mag! straiSmirg bieder und städtischen Beamten ist, hat gestern das Oderverwaltungsgericht endgültig zugunsten de» Oberbürgermeisters entschieden. In Verfolg der bekannten ErnährungSdenkschrist de» Magi- stratS Neukölln richtete das KriegSwucheramt an den Obenbürger- meister von Neukölln das Ersuchen, die städtischen Beamten be« Zeugenaussagen in dem aus Grund dieser Denkschrift gegen! andere Gemeinde» und Gesellschaften wegen Höchstpveisübeir- schreitung eingelei toten Verfahren von der Verpflichtung der AmtS- Verschwiegenheit«u entbinden. Durch Beschluß vom 19. Dezember 1917 lehnte der Magistrat«S ab, den Magistratswittgliedern und Beamten diese Genehmigung zu erteilen. Der Regierungspräsident zu Potsdam ersuchte'daraufhin auf Anweisung deS GtaatSkommis- lars für Volksernährung am 4. Januar d. I. den Qberbürger- meister von Neukölln, den Magistratsbeschluß zu beanstanden. In dem darauf vom Magistrat Neukölln gegen'die Beanstandung deS Oberbürgermeister» eingeleiteten VerwaltungSstreitverfahven be.» W»»W»W.»W»»----- m..mmmmmmm. � m Aufsichtsbehörde, aber nicht Vorgesetzter des Magistrats. � Der Magistrat beantragte, die Beanstandung de» Oberbürgermeisters auf- zuHeben. Der Bezirksausschuß zu Potsdam hat am 5. Februar die Klage abgewiesen. Auf die dagegen eingelegte Berufung des Ma- gistratS fand gestern vor dem II. Senat des ObsrveriraltungS- gericht» mündliche Verhandlung statt, in der der Magistrat Neu- kölln durch Stadtrat Lindner vertreten war. Dieser betonte an der.Hand der Entstehungsgeschichte der Ttädtsordnung erneut den Standpunkt, daß der Viagistrat unmittelbarer Vorgesetzter der städtischen Beamtem sei. Der Magistrat selbst habe dagegen als oberste Spitze der kommunalen Selbstverwaltung überhaupt keinen Vorgesetzten. Als Vertreter deS Oberbürgermeisters beantragte Rechtsanwalt Walter Fabian, die Berufung des Magistrat» al» unbegründet zurückzuweisen._ Das Oberverwaltungsgericht verkündete nach längerer Be- ratung folgende Entscheidung: Auf dne Berufttn« des Kläger, wird die Vorentscheidung des Bezirksausschusses bestattgt und den AuSführung-n bei Bezirksausschusses beigetreten. Der Be- schlich des MagsstvatS hak sich nicht innerhalb der Befugnisse des Magistrats gehalten. Für die Ansicht, daß'der Oberbürgermeister D ien st Borge setzt« t der städtischen Beamten ist, sind die gefttzlichert Bestimmungen im§ 108 der früheren Städteordnung, in der In- struktion für die Stadtmagistrate von 1835 und im tz 53 der revi- Merten Slädteovdmma von 1853 enthalten: für die gegenteilig« Ansicht fehlen alle gesetzlichen Unterlagen. Der Oberbürgermeister ist auch Vorgesetzter der Magistratsmitglieder. Der Magistrat war daher nicht befugt, darüber zu bestimmen, ob die Genehmigung zur Aussageertetlung zu erteilen sei oder nicht. Deshalb unterlag iein Beschluß mit Recht der Beanstandung. Die Besprechung über die Verfassung Grost-Berlius, die gestern im Ministerium des Innern unter dem Vorsitz deS Minister« Dr. Drews stattfinden sollte, ist. wie wir erfahren, auf Sonnabend, den 6., verlegt worden. Warum der Hauswirt steigert. Die Mietsteigerungen werden"von den Hauseigentümern da- mit begründet, daß jetzt die Unterhaltung eines Hauses mehr als ftüher kostet, weil alles im Preise gestiegen ist, und daß auch Hypotheken jetzt nckr gegen höhere Zinsen zu haben sind. DaS sagen nicht nur Eigentümer, die in der KriogSzett tatsächlich schon höhere Hypothekenzmfen bewilligen mußten und umfangreiche AuS« Sesserung-'arbcltcn nn ihren Häusern vornehmen keßen, so daß ff« erhebliche Mehrausgaben hatten. Auch arideve. am deren Häusern !n den lehren Jahren kaum etnxrs getan woÄ>sn ist und die sich noch ihrer alten Hypotheken zu mäßigem Zinsfuß erfreuen, be- »eiligen sich eifrig an den Klogen über die teure Zeit, die sie urin- .stens an den Müllabfuhrkosten und ähnlichen Ausgaben spüren, — und steigern nach Herzenslust mit. Ein neuer Eigentumer aber, der erst jetzt sein Haus erwirbt, kann sich wieder auf etwas anderes berufen,.nämlich auf den hohen Kaufpreis, den er an- legen muß,— und auch er ist dann nicht in Verlegenheit um einen lürund zur Mietsteigerung. In Neukölln hat über das HauS D o n a u st r. 4 0, das vor kurzem den Eigentümer wechselte, sich jetzt ein Regen von Wohnungsküudi�ungen ergossen, von dem der neue Hauswirt eine befruchtende Wirkung aus den Ertrag seiner Mietkaserne erwartet. Er ist bereit, bisherigen Mietern ihre ge- l injiglen Wohnungen weiter zu überlassen, aber zu ganz außer- :•.Mitlich erhöhten Preisen, die er fordern zu müssen behauptet. i. Mei war in demselben Hause schon im vorigen Jahr so flott ge- i>ert worden, daß die Bewohner dachten, nun werde es für«ine Seile genug sein. Mündliche Erklärungen, die jetzt von dem Ver- Walter und von seiner Frau vorläufig abgegeben worden sind, bissen erkennen, daß d i e neuen M i e t f o rder un gen zum ll eil bis 50 Prozent über die bisherigen hinaus- gehen werden. Da nicht alle Bewohner des Hause» dies« Stei- erungcn der Mieten ruhig hinnehmen wollen, so wird da» von ihnen anzurufende MeeeimigungSamt zu entscheiden haben. Be- gründet werden die Steigerungen damit, daß der neu« Eigen- ! ümer das Haus, auf das er selber eine Hypothek hatte, teuer erworben habe. Von„teuren" HcruSkäufen werden wir in der vi.hitcn Zeit wohl öfter hören, wenn ein Hauseigentümer schon bald nach seinem Herrschaflsantritt dazu schveitet, di« Wohnung?- mieten zu steigern. Häuser könnten setzt, wo WohroungSknappheit levorsteht und jeder Hauswirt unbedenklich die Mieten steigern darf, wieder zu einer sehr begehrten Kapitalanlage werden. Weil ioher Ertrag winkt, wird sin reichlicher Preis angelegt, und hinrer» der muß dann durch Miotsteigerungen so viel herauSgewirtsch a itet werden, daß der neue Eigentümer kriegt. waS er erwartete. Die S!.- rungen der Wohnungsmieten im Hause Donaustr. 40 der- "irnen'Beachtung auch deshalb, weil sie ein Beitrag zu der Woh- rungsnot und Mietsteigerungsdebatte sind, di« wir in der letzten Ztadrverordnetensitzung Neuköllns hatten. Gegenüber der Angabe sozialdemokratischer Stadtverordneten, daß Steigerun- gen bis zu 50 Prozent vorkommen, erklärten die Redner der Alt» bürgerlichen und ein Mitglied de» Magistrat», vom Neuköllner Eigentüniern seien ihnen so bedeutende Stetgevunge» nicht bekannt geworden. Einer dieser Redner glaubte dt« Shre� Neukölln» dadurch r'tien zu sollen, daß er hervorhob, bisher feien die über 15 Prozent bin ausgehendem Steigerungen fast nur bei solchen Eigentümern vorgekommen, die außerhalb Neuköllns wohnen. Er wird vielleicht Genugtuung �darüber empfinden, daß auch der neue Eigentümer des Hauses Donaustr. 40 nicht in Neukölln wohnt. Solche lächer- lichen Einwendungen sollen wohl ein Trost für die Mieter fein, die von den Wohnungskündigungen und Mietsteigerungen betroffen werden? Für mehvcre Mieter des Hause» in der Donauftraße kommt zu den Metsteigerungen noch«m Verbot, an Schlafburschen usw. zu vermieten, so daß«S ihnen unmöglich ist, hierdurch die Mehrkosten heranzuschaffen. Die Zunahm« de» Widerstandes, mit cm manche Hauswirte sich gegen da? Abvermieten wehren, ist wich ein Zeichen der Zeit. Di« HauSagrarier haben jetzt die Macht und dürfen die Notlage der Mieter auSnu�n, wenn nicht durch gefstzgeberiscke und sozialpolitische Maßnahmen ein Riegel vorgeschoben wird._ Die Kleidcrnot. Der Reichskommissar für bürgerliche Kleidung, Geheimrat Dr. Beutlet, sprach gestern in einer nach dem Berliner Rathaus einberufenen Versammlung über:.Aufgabe« und Mah- nahmen der ReichSbekleidungS stelle*. Wegen der tri der Bevölkerung entstandenen, durch den Mangel am Webstoffen hervorgerufenen Unruhe, die sich in scharfer Kritik von Maßnahmen der Reich sbr kl. i dungSstelle geäußert hat, wünschte der Vorstand sich mit diesem Vortrag an die sCeffentlichkeit zu wenden. Beutler begründete die Notwendigkeit, mtt den vorhandenen Stoffen spar- sam umzugehen und rühmte, daß in den Großstädten und namentlich auch bei der Bekleid-ungssielle Berlin da» Bezugscheinverfahren von vornherein im semer Bede utung erkannt und mit Strenge und Eewissenhaftiakeit durchgeführt worden sei. Zu den Beschwerden iiber die Geschäftsführung der Komm«nen bei An- und Verkauf getragener Kleidung und Wäsche sagte er, daß manche Gerüchte über schlechte Bezahlung beim An- ' kauf und unangemessene PveiSforderung beim Verkauf in der Oefsentlichkeit verbreitet worden seien, die einer Prüfung nicht standgehalten hätten. Er gab aber zu, daß Winzeln« Miß- griffe vielleicht vorgekommen fein können", weshalb gut tun- lichsten Vermeidung von Schädigungen die ReichSbeklefldungSstell« durch neuerliche Anordnung di« Möglichkeit geschaffen hob«, die hin- gegebene Kleidung zurückzuerhalten, wenn der gebotene Preis nicht vs friedigt. Daß dies« Maßregel, die ein« einfach« Forderung der Gerecki-igkeii war, erst durch die.Kritik der Press« erzwungen wor- den ist, überging der Vortragende mit Stillschweigen. Beachtung verdienen besonders die Aeußerungen. mit denen er die Ein wen- äugen gegen das Verfahren der jetzt im Gang befindlichen Ein- sammlung von Kleidern für Aroeiter kriegs» wichtiger Betrieb« abzutun suchte. Unter ainderm sagt« er, e Reichsbekleidung? stelle begnüge sich selbst bei wohlhabenden und kleidergesegneten Personen mit Hergabe mrr«ine» An.zuge», weil die Abschätzung de» Inhalt» der Kleiderschränke zu mnständ- lich und zu zeitrauibend fei, hc sondere Rechtsmittel notig machen würde und auch sonst noch erhebliche Bedenken erregen müsse. Da- b.a erwähnte er, daß irgendein jemand an die ReichSbekleidungS- stelle hohnvoll geschrieben habe, er besitze 42 Anzüge, wolle aber kvhwn abliefern, sondern zunächst warten, was man tan werde. Beutler ist noch immer überzeugt, daß die meisten Kommunen di« vrfovderten Kleidermengen auch ohne Zwang und Weg- nähme werben aufbringen können, zumal da daS vielen schon gelungen fei. Wo es etwa nicht gelingen sollte, ist geplant,.die Säumigen an die Erfüllung ihrer vaterländischen' Pflicht zu mahnen". Folgen wird übrigen» noch ein« zweite freiwillige ' Kleidereinsammlung, die für di« ärmeren der bei der De- Mobilisierung zu entlassenden Soldaten be- stimmt ist und in vielen Gemeinden schon begonnen hat. Große Hoffnungen setzt man auf die Ersatzstoffindustri«, deren neueste Fortschritt?— versicherte Beutler—.ermöglichen werden, auch bei noch so langer Dauer des Krieges ohne die früher eingeführten Rohstoffe durchzukommen._ Neue Schweineumstvertrage. Nachdem infolge der im letz den Herbst und Winter vorgenom- rnenen Schweineabfchlachtungen sich der Schweinebestand auf 5.7 Millionen Tiere vermindert hat, soll jetzt die Schweinehaltung durch neue Verträge wieder gehoben werben. Es soll bezweckt werben, daß nicht nur Hausschlachtungsschweine, sondern auch Schweine zur Mast für da? Heer und die Bevölkerung eingestellt werden. Der Staatssekretär des KriegSernährungSamtS hat zu diesem Zweck die Bundesregierungen ermächtigt, durch die Landes- ober Provinzialfleischstellen Schwei nehaltungsverträge abzuschließen mit der Maßgabe, daß für die abzuliefernden Schweine statt der geltenden Preise für Schlachtschweine«in höherer und ein- beitlicher Preis von 130 Mark für den Zentner Lebendgewicht gezahlt wird. Die solche Verträge abschließenden Schweinehalter haben sich nur zu verpflichten, die Schweine zur Verfügung der Landes- oder Provinzialfleischstellen zu stellen. Falls es im Herbst - infolge einer stbiochten Fuitermittelernte nicht möglich sein sollte, den veriragichließ-nden Schweii»shaktern Kraftfutter zur Mast der auf der Weide vorgemästeten Tiere zur Verfügung zu stellen, und inpt.'gsdessen die Schweine schon vor dem 30. Zlovember vorzeitig abgerufen werden müssen, wird den Schwei«»ehaltern zur Entschädigung für den ihnen durch den Verzicht auf di« Ausmast ent- Gehenden Gewinn ein Zuschlag von 35 M. für das Tier zugesichert. Kirschen ohne Höchstpreise. Wie sich die Preisverhältmsse sogar in Ueberschußländern entwickeln, wenn auf die Festsetzung von Höchstpreisen verzichtet wird, zeigt sich in der U! r a i n«. Trotz der dort vorhandenen reichen Mengen von Frischobst koster ein Pfund russischer roter Kirschen im Kleinhandel in Kiew gegenwärtig— 7 M. Ein Pfund Glaskirschen kostet sogar 9,50 M. Der Preis für Erdbeeren beträgt 0,60 M. für das Pfund. Die Reichkstelle für Gemüse und Obst hatte beabsichtigt, Obst aus der Ukraine getrocknet nach Deutschland einzuführen, sah sich aber angesichts solcher Preise genötigt, die Aufkäufe einzustellen. Dieser typische Fall, der sich gleichen Vorgängen in Belgien, in Ungarn, in der Türke: anreiht, beweist, daß nicht nur bei knapper, sondern auch bei reicher Ernte der automatische Ausgleich von Angebot und Nachfrage zu normalen Marktpreisen, den weite Kreise noch immer bei uns von einer Beseitigung der Höchstpreise fälschlich erwarten, sich zurzeit nicht berstellen läßt. Erst vor wenigen Togen hat übrigens eine maßgebende amtliche Stelle in Wien sich dahin ausgesprochen, daß die Freigabe des Frühobst- Handels in Oesterreich, und zwar auch in seinen obstreichen Bezirken, zu einer vollständigen Verödung der Märkte geführt hat. Angesäuerte Milch scheint, nach den un? zugehenden zahlreichen Beschwerden zu ur» teilen, jetzt zu den täglichen Genüssen des Groß-Berliner Kinder- lebenS zu gehören. Wir geben zu, daß die Milchknappheit und die Notwendigkeit, die nötigen Mengen von weither heranzuschaffen, in Verbindung mit den TranSportichwierigkeiten Ausnahmezustände geschaffen hat, gegen hie schwer anzuknipsen sein mag. Trotzdem meinen wir, daß es bei einiger Gewckwbtheit möglich sein sollte, die Organisation und den Betrieb so zu gestalten, daß die Groß- Berliner Kinder nicht ausschließlich minderwerlige Milch zu trinken bekommen. Be'onder» schlimm scheinen die Verhältnisse in Friedrichsfelde zu liegen, wo die Gemeindeverwaltung auf eine Beschwerde den Bescheid erteilte, sie könne an dem Zustand nichts ändern, weil all« Beschwerden beim Landrat erfolglos gewesen seien. Eine mit 12 Nnterschristen versehene Beschwerde, die daraufhin im ersten Drittel deS April direkt an den Landrat abgesandt wurde, ist bis heute unbeantwortet geblieben._ 3« dem lv erfahre« Wege» HöchstpreiSüderschrettuug. da» gegen den Oberbürgermeister und einzeln« Magistratsmttglieder von Neukölln eingeleitet ist, wird un« mitgeteilt, daß dt» neu» BundeSratSverordnung vom S. Mal 1V18, wonach der Käufer(also auch eine Gemeinde) fich nicht strafbar macht, wenn er beim Weiterverkauf den gesetzlichen Höchstpreis und die Rationierung«» Vorschriften nicht überschreitet, auf die Angelegenheit von de- deutendem Einfluß sein dürste. E« wird in den städtischen Kreisen angenommen, daß der BundeSratSverordnung rückwirkende Kraft beizulegen ist und von einer strafrichterlichen Durchführung der Sache abgesehen wird._ Dt« Verpflichtung«« d«S Arbettgedert für die Kleider« ablag«. Ueber die Verpflichtung des Arbeitgeber» für die Kleiderablage der Arbeiter in größeren Betrieben hat da» Gewerbegericht Berlin verschieden« bemerkenswerte Entscheidungen getroffen, die jetzt amt- lich zusammengestellt worden find. Der Arbeitgeber ist verpflichtet zur Bereitstellung geeigneter, gesicherter Räum« für die llnterbrin- gung der«chgelegten Sachen. ES gilt dies besonder», wenn die Sachen außerhalb d«S Arbeitsraumes abg'iegt werden müssen. Im allgemeinen besteht Bewachungspflicht, in Großbetrieben sogar ver- wahrungSpflicht. Bei Verletzung dieser Pflichten ist der Arbeitgeber zum Ersatz de» Schadens verpflichtet. Die Haftung wird aber be- schränkt oder ausgeschlossen bei einem Mitverschulden de» Arbeiters, wenn dieser zum Beispiel Kostbarkeiten einbringt»der die Ordnung für die Kleiderablage nicht beachtet. Di« Haftung wird auch ein- geschränkt, wenn der Arbeiter mit einer bestimmten Art der Unter- hringiing einverstanden ist oder ein« Miibewachung durch dr« Ar- beiterschaft eingeführt ist. Eine bloße Ablehnung der Hastung in der Kleiderablageordnung entbindet nicht von der Haftung. Di« Hastung geht aus dem Arbeitsvertrag hervor. Es bedarf leine« be- sonderen Verwahrungsvertrages. Säsesrrteiknnz. In der Zeit vom 4. vi« 7. Jull wird an die- jenigen Kunden die in die Speiiefetikundenlisten der in den Be- zirken der 91.-90., 112., 123.— 124, 127., 128, 194., 200., 219., 227. und 226. Broikommisstvn— Norden Berlins— eingetragen sind, pro Kopf 125 Gramm Käs« in den bekannten Geschäften verteilt. Zu« Sch»? der Gr,§. Berliner Wildsee». Der Meterbund Groß-Berlm telli mit: Di« öfientliche Prot«sto«rsammlu»g gegen die Randbebauung de» Müggelsee« am heutigen Mittwoch, abends 8 Uhr. im LebcervereinShaus am»lexanderplatz wird gleich- zeltig Regierung, Verband Groß-Berlin und Gemeinden auffordern, Maßnahmen zu lreffen, um der Randbebauung der Groß-Berliner Wald'een überhaupt endgültig vorzubeugen. Die Boriräge werden durch Lichrbilder erlemert Wersen. Die Staats- und Gemeinde- behörden find zur Teilnahm« an der Versammlung eingeladen worden. Insbesondere ist auch der Staatslommissar für das Wohnungswesen gebeten worden, zu erscheinen. Der Arbeiter-Schwimwverein Berlin(Mitgl. d. A.-W.-B.) der- anstaltet am Sonntag, den 7. Juli, im Siudentenbad, Berlin 80. Ratiborstraße 14, nachmittag» 3 Uhr, sein diesjähriges Schau« schwimmen. Dae» ihm troy der Kriegs zeit gelungen ist, ein gutes Programm aufzustellen, sei die Arbeilerichaft Gioß-BerlinS, die den Wasiersvorr leider noch sehr wenig beachtet, am diese ver- anstallung ausmerksam gemacht. Der verein teilt zugleich mit, daß er regelrechie UebuugSstunden abhält: für den Osten und Südosten im Studentenbad, Rairborstr. 14, allabendlich von 7 Uhr ab, für den Norden Dienstags und Freitags im Seebad Wilhelmsruh, von 7 Uhr ab, für den Nordwesten in Plößensee, Badeanstalt„Wellenbad*, jeden Miliwoch mid Sonnabend von 7 Uhr ab. In allen UebungSstunden werden Schwimmer und Nichtschwimmer auf- genommen. Die Diensträüme der Schwerarbeiterzentral« werden heute von Molkenmarkl 5 nach Spandauer S'.r. 17/13 verlegt und bleiben am Umzugstage geschlossen. Die Fernsprechanschlüsse bleiben un- verändert. Ein Volkskonzert des Philharmonischen Orchesters findet heute in der Philharmonie, Bernourger Straße 22/23, statt. Beginn des Konzerts 8 Uhr, Kasseneröffnung 7 Uhr, EinlrittSpreiS 80 Pf. Rosetheater, Die Erstanüilbrung de? heiteren SvielS mit®e|ana tn 8 Akten„Die Prinzessin vom Nil' von LandSberge er und Toinelw«, Mufil von Viktor Holländer, ist aus Sonnabend, den 6. d. M. verlegt DauenNten.Plilast. Freitag, den 6., findet dl« Aufführung bei Detektiv-Films.Die Knukaflertn' statt. Neue Ausnahmen aus der Schlacht zwischen AiSne und Marne werden im Programm gezeigt, sowie Bilder, die vom.L SS' ausgenommen find. Ein schwerer Unfall ereignete fich gestern vormittags 11 Uhr in den Städti'chen Elektrizitätswerken, Zentrale Moabit, Südufer. Während zwei Monleure im Kabelraum des Werkes an der Hoch- stromleitung arbeiteten, trat Kurzschluß ein. Der eine der Mon- teure, Richard N o a ck, war sotort von Flammen eingehüllt, so daß man ihm die brennenden Kleider vom Körper reißen mußte. Der andere. Lausch, rrug leichtere Brandwunden im Gesicht da» von. Beide wurden ins Krankenhaus geschafft, wo Noack hoffnmtgS- los daniederliegt. Wilmersdorf. Stiefclsohlcn. In Ergänzung der kürzlich ge- brachten Notiz über Abgabe von aus Kernlederstücken zukommen- geletzten Stiefelsohlen an die Wilmersdorfer Bevölkerung teilt der Magistrat mit, daß der Preis jür ein Paar Sohlen fich auf 2 bis SM. stellt. Di« vi« fetzt veim Magistrat eingegangenen schriftlichen Anträge können nicht erledigt werden, da persönltches Erscheinen im Rathause, Braudenburgische Straße 2, Zimmer 33, werktäglich zwischen 9 und 2 Uhr. erforderlich ist. Einer Legitimation bedarf es nicht. Die Sohlen können, bei Angabe der Größe, sofort in Empfang genommen werden. Pankow. Lebensmittel. Vom 2. Juli ab gelangen in den be- kannten Geschäften gegen Abtrennung de» Bezugs- und OutttungS- abschnitts 39 von der gemeinsamen Lebensmittelkarte 800 Gramm Graupen zum Verkauf. Der Preis beträgt für 500 Gramm 0,30 M., für 800 Gramm 0,22 M. Spandau. Margarine ist auf Feld IV der Lebensmittelkarte noch in folgenden Geschäften zu babent Sübring, Pichelsdorfer Straße 27, Kellner, PichelSdvrser Str. 118, Wöllmer,, Kurstr. 6, Saskowsli, Ruhlebener Str. 19, Buchholz, Streiowplatz 10, Wandelt, Neueizdvrfer Str. 14, Albrecht, See burger Str. 82. Kleinert, Zimmer- straße 18, Bergan, Klosterstr. 5», Wendland, Weitzenburger Str. 13, Wienke, Märkischer Steig 11._ Weißeuse«. Lebensmittel. Auf die Abschnitte 40 und 41 der allgemeinen Lebensmittelkarte entfallen insgesamt 150 Gramm Teigwaren oder Graupen und 250 Gramm Suppen, Die Entnahme der vorbezeichneten Nährmittel kann zngheich mit den Nährmitteln er- folgen, die als Epiatz für die Kartoffeln vom L. Juli ausgegeben werden. Für die beiden letzten Wochen, vom 17. bis 80. Juni, werden als Ersatz für zusammen 8 Pfund Kartoffeln 400 Gramm Hüssenkrüchte und 150 Gramm Graupen vom Dienstag ab an die Inhaber der Karioffelkarte verabfolgt. Die Entnahme der vor« bezeichneten Waren muß in dem Geschäfte erfolgen, in welchem der Inhaber der Kartoffelkarte fich auf Grund der allgemeinen Lebensmittelkart« zum Bezug« von Nährmitteln angemeldet hat. Neben der Kartoffelkart« ist deshalb auch die allgemeine Lebens- mittelkart« vorzulegen. Es tosten 500 Gramm ungeschält« Erbsen 05 Pf., je 500 Gramm geschälte Erbsen, Wicken, Ackerbohnen sowie Hülseniruchtmehl 78 Pf„ und 500 Gramm Graupen 88 Pf. Auf die Abschnitte 15 und 10 der Lebensmittelkarte für Jugendliche ent- fallen 250 Gramm Suppen. Die obere Hälfte der vorgenannten Abschnitte find in einem für die Ausgabe von Nährmitteln auf die allgemeinen Lebensmittelkarten zugelaffenen Geschäfte am 2. und 3. Juli abzugeben. Der Tag der Ausgab« der Nährmittel wird noch bekanutgegeben._ Adler»hos. Dt» Grateiudev em e ntaz hat sich gegen di, am 1. Juli in Kraft getr«t«n« FahrpretSerhöhung der Eöpenicker städtischen Straßenbahn ausgesprochen und beschloffen, beim Ver- band Groß-Berlin dahin vorstellig zu werden, daß für Fahrten innerhalb des OrteS SdlerShof nach wie vor nur 10 Pf. erhoben werden. Der Gemeindevorsteher Bürgermeister Dr. Sporleder führte au», es sei bedauerlich, daß die Borortbewohner im Osten Groß-BerlinS, die ohnehin schon genug belastet seien, nun auch auf den Straßenbahnen mehr bezahlen sollen als die Berliner, da der DurchschnittSfahrprei» auf den Cöpenicker wie auf den Berliner Ost« bahnen 13.8 Pf. gegen 12,5 Pf. in Berlin betrage. Obwohl der Verband Groß-Berlin bereits seine Zustimmung zu dem neuen Vertrag mit der Stadt Töpenick beschlossen und die Fahrpreis- erfjöhung bewilligt bat, will Adlershoi den Versuch machen, auf dem Wege erneuter Verhandlung eine Ermäßigung der Fahrpreise für SdlerShof zu erwirken._ NowaweS. Lebensmittel. Di« Ausgab« von 100 Gramm Haferflocken für Jugendliche erfolgt auf den Kartenabschnitt 17 (nicht 10) der Groß-Berliner Lebensmittelkarte für Jugendliche. Hroß-Serliner parteknachrichten. Der Bezirkstag für die BezirtSorganisation Droß-Berltn (S. P. D.) findet am Sonntag, den 7. Juli, vor- mittags 9 Uhr, im GewerkschastShaufe, Saal 4, statt. Tagesordnung: 1. Geschäftliche». ») Bericht de» Bezirksvorstand»» und der Revisoren. d) Beschlußfassung über die vorliegenden Anträge. «) Wahl der 2 Vorsitzenden, de« Schriftführer«, de» Kassterer», der Revisoren und der Vertretung der Frauen. 6) Bestätigung der von den Kreisverenten vorgeschlagenen BezirkSvorstandSmitglieder. 2. Das Agitationsprogramm der Partei. Referent: Genosse Heinrich Cunow. S. Die preußische WahlrechtSftag«. Referent: Landtag« abgeord- neter Konrad Harnisch. Die Parteigenossen und Genossinnen haben zu den ver- Handlungen freien Zutritt, wenn ste fich durch ihr Mitglieds- buch legitimieren._ «Serichtszeitung. Die Leidensgeschichte eine» unehelichen Kindes, welches, wie die Anklage behauptet, von der etgenen Mutter und dem Stiefvater in einer geradezu unmenschlichen Weise gemartert und mißhandelt worden war in der Absicht, eS langsam zu Tode zu quälen, liegt einer Snllag« wegen versuchten Morde« zugrunde, welche da» Schwurgericht des Landgerichts III beschäftigte. Angeklagt waren der Schriftsetzer Johannes H a r l o ff und dessen Eheirau. Agne» H. au» Spandau.— Die Anklage hatte ursprünglich auf Korperverletzung mittel» einer das Leben gefährdenden Behandlung gelautet. In der ersten Verhandlung vor dem Schöffengericht Spandau kamen jedoch so haarsträubende Dinge zur Sprache, daß da? Gericht zu der Anficht gelangte, daß die Angeklagten die deutlich erkennbare Absicht gehabt hatten, da« Kind, ein vor der Ehe geborenes sechsjährige» Mädchen, durch fortgesetzte brutale Be« Handlung langsam zu Tode zu quälen. Da» Schöffengericht erklärte fich deshalb, da Mordversuch vorliege, iür unzuständtg und verwies die Sache an das Schwurgericht.— Wie die Verhandlung vor dem Schöffengericht ergab, war die Anzeige von einem Schloffer F. erstattet worden, der die Leiden des Kindes nicht mehr mit ansehen konnte. Nach Bekundung mehrerer Zeugen war das Kind oft halbnackt am Fenster erschienen und hatte um Brot gebettelt, da eS die Eltern hungern ließen. Geschlagen wurde daS Kind mit einem Gummiknüppel und einem dicken Stock. Frau F. fand eines Tage» das Mädchen mit zusammengebundenen Füßen mit dem Kopf nach unten an der Ofentür hängen. Einmal hatte das Kind große Wunden an den Fingerspitzen, die angeblich vom Frost Herrübren sollten. Wie da« Kind selbst angab, hatte es jedoch, um sich das Raichen abzugewöhnen, Streichhölzer so lange halten müssen, bis sie heruntergebrannt waren. Als endlich ein Polizei« beomter erschien, lag das Mädchen, mit Lumpen bedeckt und nur noch schwache Lebenszeichen von fich gebend, in der Oiettecke auf der blanken Diele. Auf Anordnung des Geh. Medizinalrats Dr. Jänicke wurde das Kind sofort in das dortige Krankenhaus überführt, da eS bis zum Skelett abgemagert und voll« ständig mit Beulen und Striemen bedeckt war. Der leitende Arzt der äußeren Station, Dr. Ulrichs, der als Sachverständiger geladen war, hatte schon vor dem Scböffengericht bekundet, daß das Kind so verhungert und ichwach war, daß es sich nicht auf den Beinen holten konnte.— In der Verhandlung vor den Geschworenen machten der Schlosser Fricke und dessen Ehefrau, die ftüher freundschaftlich mit den Angeklagten verkehrt hatten, über ihre Wahrnebmungen Angaben, welche bei den Geschworenen und im Zuhörerraum wiederholt AuSrufe der Empörung ver- ursachten. So bekundeten diese Zeugen u. a., daß die An- geklagt« von ihrem Kinde nie anders als von dem„alten S—?* gesprochen hake, welche?.hoffentlich bald verrecke�. Da? Kind habe spliiternackt bei der größren Winierlälte im Klolett zu« bringen muffen. Dann habe es der Ehemann in einen Kohlen» sack gesteckt und auf den heißen Kochherd gelegt, so daß das Mädchen lauie Schmerzensrufe ausstieß. Als fich da? bedauernswerte Keine Geschöpf vor Angst beschmutzte, sei eS von der Angeklagten gezwungen worden, den Urin aufzulecken. Einmal habe sie auch dem Kinde einen ganzen Löffel Pieffer in den Mund gesteckt. Schlafen mußte die Kleine splitternackt auf dem kalten Korridor, als Kopfkissen diente ein Stück Holz, welches die An» geklagten höhnisch als.rollbares Kopfkissen" bezeichneten. Als Nahrung erhielt es meist nur rohe Kartoffeln, io daß das Kind häufig nackend am Fensf�: erschien und um ein Stück Brot bettelte. AuS dem ärztlichen Befund ging auch hervor, daß die Angabe der Zeugen. daß das Kind stets mit einem Gummischlauch und einem dicken Stock in der rohesten Welse mißhandelt worden war, stimmte, denn der Körper des Kindes wies an mehreren Stellen Striemen und Wunden von der Größe eine? Fünfmarkstücks auf.— Die Zeugen Fricke bekundeten ferner, daß die Angeklagten wiederholt geäußert halten, sie möchten fich am liebsten de« KindeS gewaltsam entledigen.— Die Angeklagten erklärten die Bekundungen der Belastungszeugen teils für über- trieben, teils für ganz erfunden und beriefen fich auf eine Reihe von Entlastungszeugen. Sie wollen, da das Kind— übrigens ein febr niedliches kleine» Mädchen— sehr naschhaft gewesen, da? ihnen zustehende Züchtigungsrecht nicht überichritlen haben. Staatsanwalt van Hont ließ die Anklag« auf versuchten Mord fallen und plä- dierte auf Schuldig wegen schwerer Körperverletzung. Rechtsanwalt Dr. Kantorowicz verkannte nicht, daß die Angeklagten sich durch ihre sonderbare.Erziehungsmethode" fede Sympathie verscherzt haben, er beantragte aber die Zubilligung mildernder Umstände und degründete dies damit, daß der Angeklagte schwer verwundet aus dem Felde zurück- gekehrt und leicht erregbar sei, und daß die Ehefrau, die während der Verhandlung wiederholt in hysterische Schreikrämpfe verfiel. eine überaus nervöse Person sei.— Die Geschworenen sprachen die Angeklagten der schweren Körperverletzung mittel« grausamer, das Leben gefährdender BehanMtng schuldig und befahten das Vor- liegen mildernder Umstände. DaS Urteil lautete auf je 1'/, Jahre Gefängnis. «afferstandSnachrtchten der LandeSanffatt für«ewüffervm»«» mitgeteilt vom Berliner Wetterbureau. Tonn rrstag mittag. Zunächst ziemlich kühl, vorwiegend trübe, mit locttverbreitcten, stellenweise stärkeren Rcgcnjällcn, später im Osten lang- famc Aufheiterung und Erwärmung. 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KöntggrJherstr. 8 Uhr: Die fünf Frankfurter. Komödienhaus 8 Uhr: Die Zarin. BerllnerTheater 7"ü.: Blltabtane« Blnt. Natlonal-Thrater 31® Mäuschen >! S ilO Trianon-Theater BW. Friedrlohetr.Ztr 4927.2891 8 U. Zum 306. Male: Der Sebensschfiler. Kaiser-Titz, Bildt, Flink. Sonn ab nachm.'1,4 U. kl. Pr.: Schneewittchen. Sonntag 4 Uhr: Gespenstar. BiLlFraiikliirterÄllefiSlT. Der Riesenerfolg desThaliar Theaters Über 500 Male! Fuppehen. (Du bist mein Aagenster»...) Ges.-.P. i. 3 Akt v. Jean Kren u. Kurt Kroate. Mns.: Gilbert. Anfang täglich 7ll, Uhr. Sonntag 4 Ohr: Bunte BOhae. Rose-Theater. SMeliAi. Eaitenb.: Bitte rechttreundlich I Berlier PruMeater Kgitamenallee 7— 9. Täglich 5 Uhr in vollständig neuer Bearbeitung: W Allmiiilmelrl. Große Possen-Reouc in 5 Bildern Dazu die groSart. Spezialitäten sarrasani Zirkus-Busch-Gebsude. Täglich V/, Uhr abends. Sonntags 8 Uhr. Die Werft explodiert! un Masson-Manege- Bc ha astück Torpedo— los! Oer grobe artistische Teil. Turmseilläuter, Bambuskünstler. 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Arendt zutreffend die Lnge schilderte, als er gestern erklärte, daß trotz der Steuer Geschäfte gemacht würden, wenn sich Gewinn- Möglichkeiten zeigten." Reichsstempelgefetz und Umsatzsteuer im hauptausschuß. Der Sitzung vom Dienstag lag ein Antrag des NnterauS- fchusses vor. demgemäß Erwerbs- und Wirtschaftsgenossenschaften, deren Geschäftsbetrieb nicht über den Kreis ihrer Mitglieder hin- ausgeht, ferner Sparkassen, die keine Bankiergefchüfte betreiben, nur die Hälft« der Steuer euirichk.n sollen. Tie Reich»dank und die Ä-aatsbanien genießen Steuer-freiheit für die Haben- Zinsen, die sie für die ihnen überlassenen Reichs- und Staats- gelder berechnen. Berichterstatter Keil gab die Verhandlungen des Unteraus- fchusses bekannt. Ueber eine Präzisere Fassung des Artikels 19 ist ein Einverständnis erzielt worden, der Beschluß über die Spar- lassen ist ein Mehrheitsbeschluß, der gegen die Stimmen der Sozialdemokraten und des Pertrebers der Deutschen Fraktion ge- fahr worden ist. Beide Parteien wollten die Sparkassen von der Steuer gänzlich befreien. Kei� verlangte nochmalige Abstimmung über seinen Antrag, wonach öffentliche Sparkassen von der Abgabe ganz befrcil sein sollen; er stellte einen weiteren Antrag, demgemäß der aus Bankverkehr usw. entfallend« Teil de? Umsatzes der Spar- lassen von der Ermäßigung ausgenommen sein soll. Bei der Ab- stimmung fiel der Antrag Keil gegen die sozialdemokratischen Stimmen; der erwähnte Abänderungsantrag Keil wurd.- angenom- men, worauf den Beschlüssen deS Unterausschusses zugestimmt wurde. Es folgte die zweite Lesung der Umsatzsteuer. Gothein{Vp.) wandte sich ausführlich gegen den Antrag Irl und Genossen, der die �konzentrierten Betriebe schärfer be- steuern will.— Staatssekretär Graf R o e d e r n bezeichnete eine Differenzierung, wie sie der Antrag Irl und in anderer Weise ein Antrag Gothein erstrebt, für undurchführbar.— Schiele lk.) erklärte sich für den Antra! Irl.— W a l d st e i n{Vp.) sagte. seine Freunde würden auS taktischer. Gründen für den Antrag stimmen, damit er auf der Tagesordnuna bleibt. Der'Antrag Irl lourde dann angenommen.— Auf eine Anfrage erklärte der Ver- treter der Regierung, daß zwar die Zahnärzte und anderen Aerzte gleichgestellt werden sollen, also von der Umsatzsteuer nicht erfaßt werden, wohl aber sollen die Zahntechniker diese Steuer be- zahlen. Die Abgg. Keil und Dr. S ü d e k u m{So.z.) wandten sich gegen dies« Ausnahmestellung der Zahntechniker, die auf eine Deklassierung hinauslaufe.— Waldstein{Vp.) stellte einen Abänderungsantrag. der jene Unterscheidung beseitigen soll; er wurde jedoch abgelelint. Der Z 1 wurde dann in der Fassung der ersten Lejung angenommen. Zu§ L Ziffer 9 stell!« Abg. BJa Idstein einen kibänderungsantrag, dessen Zweck sein sollte, daß nicht alle Verkäufe der ländlichen Genossenschaften stcuerfrei blerben. Ter Änlragsteller begründet« das damit, daß sonst der freie Handel allzu sehr bcnachtciügt würde.— Unlcrstaatssekceiär Schiffer erklärte sich für den Antrag, der dann auch einstimmig angenommen wurde. Zu§ 3 beantragen Zentrum. Nationalliberale. Konservative und Teutschc Partei einen Zusatz, wonach bei der Steuerberechnung «ine Summ« aus dem eigenen Betrag bis zur Höhe von 20 000 M. außer Ansatz bleiben soll, wenn die gesamten Entgelte ldOOO M. nicht überschreiten W a I t> st e i n{Vp.) bekämpft den Antrag sehr cntfchlxden. dessen Wirkung sein würde, fast die»csamtr Land. Wirtschaft von der Steuer zu befreien.— Tr. Südekum{Soz.) begründet indem er der Kritik Waldsteins beipflichlet, einen so- zialdemokratischen Antrag, die Bestimmung wiederherzustellen, dem» gemäß Reich, Bundesstaaten und Gemeinden und gemischt-wirt- schaftliche ilnternchniurgen bei der Lieferung von, Wasser, Gas und elektrischem Strom von der Steuer frei bleiben sollen. Es würde ein doppeltes Unrecht gegen die Stadtbewohner fein, die Landwirte so zu bevorzugen und gleichzeitig die Siädter noch auf einem neuen Gebiete zu belasten. Mehrere Redner der Konser- valiven sucken den gemeinsamen Antrag zu veneidlgen.— K c> l {Soz.) führt aus. daß mit der Anna-Hme des Antrags dem Gesetz der Stempel der Gehässigkeit ausgedrückt würde. Ter städtische Konsument solle belastet, der Landwirt aber freigelassen werden. In der Mstimiruna wird nach Ablehnung eine? abschwächenden Unterantrags Waldstein der Antrag der vier Parteien angenom- men. der Antrag Keil aber abgelehnt. Bernstein sU. Soz.) Nimmt den tn der ersten Lesung abgelehnten Antrag Meerfeld und Genossen auf, wonach die Steuer auf notwendige Nabrungsmlttel nur 1 vom Tausend betragen soll. Im Anschluß daran wird geklagt, daß zadlreiche Erwerbszweige während de? Krieges mit einem so geringen Nutzcn arbeiten müßten, daß sie die Belastung mit B vom Tausend unmöglich trogen könnten. DaS gelt« im yeson- deren für di« gebundenen Preise rationierter LebmSmiitel. Ein Regierungsvertreter bemerkt, daß ja der Bun- d e? r a t ein Recht zu S ie u e r n a ch l ä f f e n Hab«, lieber die!« Bemerkung äußert Dr. Südekum fein Erstaunen; ein solches Ncchi.sei nirgends begründet und nirgendwo schriftlich niedergelegt.— Unterstaatssekretär Schiffer nimmt dieses Recht als ein alieS Souveräriitätsprivib. g in Anspruch, wogegen Gröber lZ.) betont, daß e? sich nur um Anwendung dieses Privilegs in Einzelfällen handeln könne. Der von Bernstein wieder aufgenommene Antrag Meerfeld wird gegen 9 Stim- men abgelehnt. Bei§ 7 LuxuSsteuer werden einige AbänderungSanträge angenommen, darunter die Be- freiung wertvoller Brillerffassungen. Nachdrücklich wird betani, daß entgegen der Auffassung eines Regierungsvertreters der Kom- mifssonStzandel mit Kunstwerken nicht getroffen werden dürfe, da der Kommissionär eine unentbehrliche Hilfe für noch unhe- kannte Künstler sei. Wi« steht eS mit dem Buchhand-'l, der doch ausschließlich durch Kommissionäre vertrieben und durch die mehr- fack»e Bfftcuerung gewaltig verteuert werden würde? Wald- stein, Gothein, Dr. Südekum, Bernstein fordern eine Klarstellung dieser wichtigen Streiifrage. Nach langer Debatte wird eine mehr dehnbare Fassung de? zweiten Absatzes der Ziffer 2 beschlossen. Die Techatte zeigt immer wieder, wie ungemein schwierig die scharfe Umgrenzuna des Begriff? Lutzus ist. Zu Ziffer 10 lBesteuerung der Teppiche) beantrag! Waldstein, für Teppiche nicht die untere Preisgrenze von S00 M. festzusetzen, sondern die LuruSsteuer dann zu erheben, wenn der Quadratmeter mindesten? 80 M. kostet. Der Antrag wird angenommen, ein Antrag Pfleger{Z.), der die Teppiche ohne Unterschied des Preises besteuern will, wird abgelehnt, Ein Antrag Waldstein, mich während de? Krieges fiir die in Artikel 1 bis 8 aufgeführten Gsgenstände nur 19, nicht aber 20 Prozent zu erheben, wird mit kleiner Mehrheit angenom- men und der ganze Paragraph hieraus genehmigt. SO Pf« im Tag für Granatenfüllen. Beamten- und Arbeiterfragen in Militärbetricben. Der HauptauSschuh de? Reichstags hatte die Erörterung der Beamten- und Arbeiterfragen in den Betrieben des Heeres und der Marine einem Unterausschuß überwiesen, der sich mit diesen Fragen in einer Reihe von Sitzungen befaßte. Darüber bestand Einigkeit, daß von einer Reform der gesamten militärischen Ver- Wallung jetzt während des Kriege? keine Rede sein könnte, ebenso einmütig war aber auch die Auffassung, daß mit dieser Reform nach Beendigung deS Kriege? nicht weiter gezögert werden dürfe. In der Beamtenfrage handelt es sich vor allen Dingen darum, zu cr- reichen, daß die Beamten aus den unteren Stufen in di-e höchste Stufe hinüberkommen können. Der Ausschuß faßte schließlich seine Beratungen in eine Resolution zusammen, die den Reichskanzler ersucht, dachin zu wirken, daß eine durchgreifende Reform der Heeres- und Marineverwaliung zur Durchführung nach dem FinedenSschluß sckwn jetzt vorbereitet werde. Im Anschluß daran gab es eine Besprechung der Arbeiter- angelegenheiten. Abg. S ch ö p f l i n{Soz.) besprach die Lohn- frage, worauf der Feldzeugmeister General v. Coupette erklärte, das Gerücht, wonach die Heeresverwaltung mit der PrivatWvistrie ein Uebereinkomincn getroffen habe, um die Löhne über eilff- gewisse Höhe nicht hinanSkomnien zu lassen, iei dnrchanS falsch. Solche Abmachungen mi! der Privatindustrie beständen nicht und werden niemals bestehen.— Ahn, Stü ckl e n{Soz.) brachte insbesondere die Beschäftigung von Soldaten mit dem Füllen v o n G r a- n a t e n zur Sprache und wies darauf hin, in welcher Weise diese Beschäftigung gesundheiiSzerstörend wirken muß. Er forderte, daß diese Soldaten möglichst rasch ausgetauscht werden, um größere GesundheitSschädigungen hintanzuhalten. Unser Redner kritisierte außerdem, daß man den zu dieier Arbeit kommandierten Soldaten zumutet, diese Arbeit für B9 Pf. für den Tag zu verrichieii. Von militärischer Seit« wurde zugesagt, daß so rasch als möglich eine Aenderuna in den ArbeiiSverhälinissen eintreten solle. Die Reso- lution soll nunmehr dem Hauptausschuß unterbreitet und zur Er- Lrterung im Plenum des Reichstags gebracht werden. Ein Wendclprozess in Wien. In der Wiener„Arbefterzeiwng" hatte Abg. Gen. Hermann Wendel ein Buch des Verfechters der K. und K. Serbenvolitik, Mandl, kritisiert und dabei von einem „Skribler" und„offiziösen Soldschreiber" gesprochen Mandl ver- klagte den verantwortlichen Redakteur Gen. Fritz Austcrlitz wegen „Vernachlässigung der pflichtgemäßen Obsorge". Austerlitz wurde wegen des„offiziösen S o l d s ch r e i b e r s" zu 40 Kronen Geldstrafe, ziemlich dem Mindestsatz, verurteilt, abgleich er wegen des gleichen Delikts unzäbligsmal vorbestraft ist; wegen des „S k r i b l e r s" wurde er freigesprochen. Mandl hat auch versucht, Wendel in Deutschland zu belangen. Kartoffel und Kaliseifen. In der gestrigen Sitzung des Bunde». raieS wurden der Entwurf eines Gesetzes betreffend Äenderung des G.esetzes über den Absatz von Kaliseifen und der Entwurf einer Verordnung über die Kartoffelversorgung angenommen. Lekte NackriÄZcn. Brotkartenfälscherbaude. Hannover, 2. Juli. Hier sind dreißig Personen� darunter Bäckermeister aus Hannover und Linden, wegen Broikarlenfälschung verhaftet worden. GewetWWtMMMg Loeöcsmigen öer rheinisch-weftfälifthen LNetall- arbaker. Am Sonntag tvgte in Essen eine bon mehr als 3k)VS Ver- twusnölsuten der freien, christlichen und Hirsch-Dunckerschen »Organisationen im rheinisch-westfälischen Industriegebiet besuchte Versammlung. Neben Regierungs- und Gewerbe raten waren eine Anzahl Landräte und Städtevertreter erschienen. Wegen Mangel an Personen hatten sich entschuldigen lassen das General- kommando in Münster und das Kriegsamt in Berlin.(Die letztere Mitteilung wurde auS der Versammlung mit den Zu- rufen quittiert: Die wollen mit unS nichts zu tun haben!) Aus- führlich wurde die Lohnfrage besprochen und festgestellt, das; Lohne von 5,4V M. bis 10,80 M. für ungelernte Arbeiter, 00 Pf. bis 1,25 M. Stundenlohn für gelernte Arbeiter und 9,60 M. bis 12,30 M. für Feuerarbeiter die überwiegende Regel seien. Die mangelhafte Versorgung der Arbeiter mit Kleidungsstücken, die enorme Steigerung der Krankenziffern u. a. wurden ans- föhrlich besprochen. Im Mittelpunkt der Erörterungen stand die Frage der Arbeitszeitverkürzung, insbesondere des freien Sonn- abendnachmittqgs. Mitgeteilt und lebhaft begrüßt wurde die Mach rieht, daß 80 Proz. der Arbeiter des Wsttener Gußstahl- Werks nach ergebnislosen Verhandlungen ani letzten Sonnabend sich den freien Nachmittag auf eigen« Faust geholt haben. Die Stimmung in der Versammlung war äußerst erbittert und er- regt. Die Organisationsleiter hoben ausdrücklich hervor, daß sie bei Nichterfüllung der Wünsche der Arbeiter jede Verant- Wartung ablshnen müßten. Einstimmig wurde eine Reso- lution angenommen, welche fordert: 1. Daß die Löhne der Arbeiter der fortschreitenden Verteue. rung der Lebensmittel, insbesondere aber der Skrkuerumg der Bekleidungs- und Haushattungsgegenstände entsprechend erhöht werden. Gegen die vielfachen tendenziösen und bewußt über- triebencn Behauptungen von den hohen Arbeiterlöhncn wird nachdrücklichst protestiert. 2. Muß jegliche Verschlechterung in der LebenSmittelversor. gung hintangeholtcn werden. Angesichts der an sich schon unzu- länglichen Ernährungsbedin918 auf 1964 gestiegen. ES ist also ein« Zunahme von 74 Mitgliedern vorhanden. Die.Unabhängigen" haben bis jetzt mit ihrer Partei- spaltung im Wahlkreise wenig Glück gehabt, obwohl von Jena und von Gera aus versucht wird, der„unabhängigen" Bewegung Boden zu verschaffen. Beschlossen wurde, vom 1. Oktober 1918 ab Wochenbeiträge ein- zuführen, und ztvar für männliche Mitglieder 1b Pf. und für Weib- liehe 10 Pf. Den Bericht über den Stand der„VolkSzeitung" erstattete De- nasse Stritzke. Trotzdem während der langen Kriegszeit den Krieger- frauen ein AbonnemcntZbetrag von 29 000 M. nachgelassen worden ist, steht das Unternehmen günstig da. Die Zahl der Abonnenten ist um 420 gestiegen und beträgt gegenwärtig 6756. Reichstagsabgeordneter Genosse K ä p p l e r sprach über„D i e gegenwärtige politische Lage". Seine Ausführungen gipfelten darin: Solange die Feinde uns bedrohen, zu�/cinem Ver- ftändigungsfrieden nickit geneigt sind, muß die Fraktion die. Ver- teidigung des Landes hochhalten und die Kriegskredit« bewilligen. Folgende Resolution, die in der Sitzung des erweiterten Bezirks- Vorstandes für Groß-Thüringen angenommen ist, fand einstimmige Annahme: „Der Bezirksvorstand spricht die Erwartung aus, daß die Reichs- tagSfraktion, der Parteivorstand und Parteiausschuß im Hinblick auf die zweideutige Haltung der Reichsregierung, die offenbar unter dem annexionistischen Einfluß der Militärpartei handelt, die ReichSregie. rung mit allen Mitteln veranlaßt, die drohende Herrschaft der Militärpartei zu vereiteln, und die Reichsregierung anspornt, die in der Reichstagsentschließung vom 19. Juli 1917 enthaltenen Forde- rungen zu erfüllen. Wenn die Verweigerung der Mittel zum Kriege dazu beiträgt, die Haltung der Regierung in diesem Sinne zu be- einflussem so hat die Fraktion die weitere Geldbewilligung abzu- lehnen." Mit der Resolution erklärte sich Genosse Käppier ebenfalls ein« verstanden. (Wiederholt, weil nur in einem Teil der gestrigen Auflage.) Ein Jahr„Freie Presse" in Leipzig. Nachdem zu Ostern des vorigen Jahres ein Teil der deutschen Parteigenossen sich absplitterte und die Fahne der Sozialdemo- krati schien Partei verließ, hatten sich auch die Organisationen im Leipziger Bezirk der neugegründeten Unabhängigen Partei ange- schlössen und damit war anch das Organ der Sozialdemokratie, die -Leipziger Volkszeitung", in den Besitz der neuen PartK über- gegangen. Daraus ergab sich tu« Nottvendigkeit der Gründung eines neuen Parteiorgans, und dieser Notwendigkeit trugen die Leipziger Parteigenossen durch Gründung der„Freien Presse" Rechnung. Die„Freie Presse" blickt nun auf das erste Jahr ihres Wirkens zurück. Unter unsäglichen Anstrengungen, aber in zäher Aufopferung ist es den Parteigenossen gelungen, der„Freien Presse" Bahn zu schaffen. Zwar sind die raschen Erfolge, die einige Optimisten voraussagten, nicht eingetroffen; aber auch die Pessi- misten haben nicht recht bebalten. Der Erfolg lag, wie immer, in der Mitte. Die Leipziger Parteigenossen haben nach einjährigem Bestehen die Gewißheit, daß ihre„Freie Presse" auf festem Grunde steb! und dam st euch di? a!t- Sozialdemokeatische Partei in Leipzig i st verankert ist. Personalien. Die sozftllbsmokraftsche Organisa st cm stellte als Reichsictgstandidaten für den Reichstagswahlkreis Dresden-Land, der jetzt von dem Unabhängigen Horn vertreten wind, den Genossen Parteisekretär K a h m a n n auf.— Rsdafteur Julius Franz von der„Schlestsehen Bergwacht" in Waldenburg wird Bezirksleiter des Bergiirbeiterverbandes für Oberschlesien. An seine Stelle tritt Genosse Georg D i ck r e i t e r, früher in Würzburg und Altenburg. Anöuftrie unö tzanöel. Aus dem Berliner Wirtschaftsleben. Die Aklumulatorvnfabrik Att.-Gef. in Berlin-Hagen kann von einer erheblichen Sboigerung des Umsatzes berichten. Der Ueber- schuß ist aber infolge Unkostensteigerung von 3 876 867 M. auf 3 589 298 M. zurückgegangen. Es wird vorgeschlagen, hieraus wieder 25 Proz. Dividende zu zahlen. Im Geschäftsbericht teilt die Vermaltung mit, daß die Beteiligung an per Akkumulatoren- fabrik Oerlikon i. d. Schweiz vorteilhaft abgestoßen werden konnte; über die Unternehmungen in Feindesland konnte Zuverlässiges nicht erfahren werden.— Das Unternehman in Ungarn hat bei Ausführung von langfristig rn Kriegsaufträgen durch inzwischen emgetretsne ganz außergewöhnliche Vsrteuerung und durch be- hördlich angeovdnete Erhöbung von Gehältern und Löhnen mit V«rlust gearbeitet.— Zur Erweiterung der Fabrikanlege in Hagen ist ein benachbarte? Gelände mit aufstehenden Gebchrden erworben worden.— Die Erfüllung der JnstandhaliungSverpflichtungen für Batterien habe der Gesellschaft durch die eingetretene Teuerung auf allen Gebieten Lasten auferlegt, an die bei Abschluß der Ver- träge nicht gedacht werden konnte. Die Gesellschaft strebt neu«, den verändkrten Verhältnissen Rechnung tragande Vereinbarungen mit den Kunden durch frsundschaftliche Verständigung an und hofft, diese zu erreichen, ohne von dem in den Verhältnissen begründeten Rücktrittsvecht vom Vertrage Gebrauch machen zu müssen. Die JaHreseinnaHmcn haben die Aufwendungen nicht gedeckt, so daß der Prämienbestand eine Verminderung erfahren hat. Soziales. Fahrpreisermäßigung für Kriegsbeschädigte. Die deutschen Eisenbahnverwaltungen haben, was nicht all- gemein bekannt ist, die Vereinbarung getroffen, Kriegsbeichädigten die Schnellzugsergänzungsgebühr, die das Reisen in Schnellzügen um das Doppelle verteuert, zu erlaffen, soweit ste in die Fürsorge einer öffentlichen oder bebördlich anerkannten Organisation für Kriegsbeschädigte aufgenommen sind. In Betracht kommen dabei Reisen a) von dem Wohn- oder Aufenthaltsort de« Kriegsbeschädigten 1. zur Behandlung durch Fachärzie, zur Unterbringung in Heil- oder AuSbildungsansialien, zum Beiuch von Kurorlen oder AusbildungSlehrpingen für Kriegsbeschädigte, zu den von der amtlichen bürgerlichen KriegSbeschäbigtenfürsorge oder von Gewerkschaften eingerichteten Beratungsstellen und zum Arbeitgeber zwecks Vorstellung, 2. zum Stellenanlrilt; b) von dem Wohnort des Facharztes zur Weiterfahrt nach Heil- oder AusbildungSanftalien oder zum Beiuch von Kurorten oder Äusbilduiigslehrgängen für Kriegsbeschädigte; o) von den Beralungsstellen zur Weiterfahrt 1. zum Arbeilgeber zwecks Vorstellung, 2. zum Stellenantritt; ck) nach Auienthalt in Heil- oder SuSbildungSanstalten oder Kurorten im Falle nochmaliger Untersuchung zunächst nach dem Wohnort des Facharztes; e) zur Rück'ahrt von den unter a 1 und 2, b, o und d genannten Reisen nach dem Wohn- oder Aufenthaltsort der Kriegs- beschädigten. Braucht der Kriegsbeschädigt» einen Begleiter, so wird diesem für die Hin- und Nüiksahrl die gleiche Ermäßigung gewährt. Er« torderlich ist, daß sich die Kriegsbeschädigten mit den nötigen Aus« weisen ausrüsten._ Die Vereine der Dienstherrschafte» stir Krankheitökostcn-Enlschädigung an die Dienstboten kommen nirgends auf einen grünen Zweig. In Leipzig besteht eben- 'alls ein solcher Verein; Mitglieder sind jene Her- schoflen, die ihre Dienstboten von der Mitgliedschaft bei der Allgemeinen Ortslronken- äffe„befreit" haben und die nun eigentlich ielbst die Kranken- nnterstützung für ihre Hausangestellren zu beschaffen baben. Statt messen muß eben der Verein eintreten. Nach dein Geschäftsbericht auf das Jahr 1917 hatte der Verein einen Fehlbetrag von über 30 000 M. Der Bericht behandelt weiter die„zunehmende Schwierigkeit der Haltung von Dienstmädchen", die hervor- gerufen sei durch den tatsächlichen Mangel an Dienst« boten, sowie durch die Ernährungsschwierigkeilen, unier denen die Herrschaften zu leiden hätten. Infolgedessen ist die Zahl der Dienstherrichafren, die dem Verein angehört, um 650. die der angemeldeten Dienstboten um 787 zurück« gegangen. Dadurch rrat eine erhebliche Abnahme der Mit- gliederbeiträge ein. Andererseils seien die Kosten der Kranken- bebandlung sehr gestiegen, insbesondere die für Verpflegung in Krankenhäusern, aber auch die für Krankengeld. Tie Haupiver- sammlung des Vereins be'chloß deshalb eine Erhöhung der Kassenbeilräge an den Verein. Nachdem die Krankenversicherungspflicht der Dienstboten ein- geführt ist und diese Mitglieder der allgemeinen staailich organi- fierten Krankenkassen sein sollten, haben die privaten Vereine wie der Leipziger keine Existenzberechtigung mehr, und sollten ste auch, wie dieser, schon 33Jabre bestehen. Die Reschsversicherungsordnung enthält eine große Lücke, daß sie die„Beireiung" der Dienstboten von der VersicherungSpflicht zuläßt und damit die Möglichkeit des Fortbestandes solcher privater Bereine gibt. Die Lücke sollte recht bald beseitigt werden._ 5?auen-Leseabenüe. Lichterfelde. Morgen Donnerstag, den 4., abends 8'/, Uhr, bei Dräger Hindenbu i-Damm 45: Frauen-Leseabend. Foitsctzung über: Tolstoi, der russische Dichter und Voltssteand. Gäste willkommen. ?ugenüveranftaltungen. Bezirk Süden: Am Freitag, den». Juli, DtStutfionsabend. Resercnt Genosse Haß. � ilm Sonntag, den 7. Juli: Tageswanderung nach Wannsee— BotS- am— Cladow. Treffpunkt 61/, Uhr am Potsdamer Wannseebahnhos. Fahrgeld 1 M. Um rege Beteiligung unserer Mitglieder wird gebeten. Neuaufnahmen für den Verein Arbeiter-Jugend bei allen unseren Ver» anstallungert._ Arbeiter-Samartterbilnd. Kolonne Groft-verltn. vdontag, de» 8. abends 8'/, Uhr. in Schulz' Feitlalne, Am Köuigsgraden 2: Vor« trag. Nach dem Vortrage prallische Verbandübungen Gäste haben einmaligen sreien Zutritt.— Sonntag, den 7.: Dampferpartie nach »rampcnburg. Fahrkarten sind zu haben beim Genossen Soffmann, Neichenberger Str. 167, 4 Tr., Abfahrt morgens 8 Uhr. Waiscnbrücke, Kaimt u. Hertzer. VerantwortN» für Pollttk: Erich«nttner, Berlin: für den übrigen Teil de« BlatleS: Alfred«chol», Neukölln: für Anzeigen: The-d-r Glocke, verlin. Verla«! LorwärtS-Verlag G. m. b. H., Berlin. Druck. BorwärtS-Buchdruckerei mr» vnlaasanstau Paul Einser u. To. in Berlin. Lindenttratze s. tittf X vriiaae■»* OtUrcOal tan««Matt