Pr. 183. SZ.I-Hrg. BezuftspreiS: NierteljährU 4�0 Ml. monatl. I.SOMk. srei ins Haus.»orauSzahlbar.Sinzelne Nummern 10 Lfennig. Postbezug: Monalilch. von» Postschalter abzuholen ILO Ml., vom Briefträger iltsHauS gebracht 1,61 Ml. Unter Kreuzband für Deutichtand und Oesterreich- Ungarn S,— Ml. für das übrige Ausland 4,50 Ml. monatlich. Versand ins Feld bei direkter Vestelluna monatt. 1,80M!. Boschestcllungen nehmen an Däne- marl, Holland, Luxemburg, Schweden und die Schweiz. Eingetragen in dt« Poll-Zeitungs-Preislift«, Erscheint täglich. Telegramm- Adresse: .Sozialdemokrat Berlin" Vevltnev VolkcsblÄkk. �10 Pfennig} Anzeigenpreis: Die stebengespalteneKolonelzeil« lostet 80 Pfg..Klein« Anzeigen", das fetigedrurlte Wort 30 Pfg.(zulässig L fettgedruckte Worte), ledeS weitere Wort 15 Pfg, Stellengesuche mid Echlasstellenanzeigen das erste Wort 20 Pfg., sedes wettere Aorl 10 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. TeuerungSzufchlag 20»/. Familien-Anzcigen, dolinsche und gewerkschaftlilbe Vereins- Anzeigen 00 Pfg. die Zeile. Anzeigen für die nächste Nummer müssen bis ä libr nachmittags im Haudtgeschäft. Berlm SW.08, Lindensirage 3, ablegeben Verden. Gebssnet von 8 Uhr stüh bis 7 Uhr abends. Zentralorgan der rozialdemokratifchen Partei Deutfcblande. Neüaktion: SW. öS, Linöenstraße?. Fernsprecher: Amt Moritzpiatz. Rr. 151 90—151 97. Freitag, de« 5. Juli 1S18. Expeüition: SW. HS» �inücnstraße S. Zhernsprecher: Amt Moritzpiatz, Rr. 151 90—151 97. Die fünfte Cefung der Ashlrechworlage. endgültige Annahme des Pluralwahlrechts. DaZ preußische Treiklassenhaus hat gestern die fünfte Lesung der Verfassungsvorlagen vorgenommen und in drei Ln-bloe-Wstimmungen seine Beschlüsse vierter Lesung be- stätigt. Das Reden blieb dabei ausschließlich den Vertretern der äußersten Linken überlassen, weder die Väter des Kom- promisses noch die bürgerlichen Anhäirger des gleichen Wahl- rechts hielten es für notwendig, ihren Ttandpunkt noch einmal darzulegen. Da auch Ströbel und Hue sich kurz faßten, dauerte der ganze Akt nicht viel länger als eine Stunde. Auf der Rechten herrschte übermütige Siegesstimmung, die sich in wiederholten Heiterkeitsausbrüchen entlud, besonders zum Schluß, als sich von den Bänken der Linken her Rufe erhoben: „Und die Regierung? Die Regierung schweig t!" Tie Herren am Regierungstisch werden sich selber darüber nicht täuschen, daß sie dem König eine Bataille ver- loren haben. Tie Erfahrungen, die seit dem 11. Juli ver- gangenen Jahres gemacht worden sind, bedeuten eine tiefe Erschütterung des ni anarchischen Bewußt- feinZ in den Kreisen, in denen es noch vorhanden war. Durch die Botschaft vom 11. Juli sollte eine Brücke geschlagen werden zwischen Kaisertum und Demokratie: wenn der Monarch selbst als erfolgreicher Förderer freiheitlicher SSoi'?- wünsche in die Schranken trat, mußten vorhandene Gegensätze abgeschliffen, alte Anhänglichkeiten neu belebt werden. An die Stell« dieses erstrebten Erfolgs ist ein entschiedener Miß- erfolg getreten. Für Leute, die politisch noch wenig unterrichtet sind, be- deutet die Art, wie die Abgeordnetenhausmehrheit mit den �Wünschen der Krone umsprang, den wirksamsten Anschau- ungSunterricht. Der M o n a r ch i s m u s, der von ihnen als ein persönliches Treue- und Gehorsamsverhältnis aufgefaßt wurde, offenbart sich als bloßer Zeremonien- und Formel- kram. Dieselben Leute, die sonst erklären, sie wollten eine starke Monarchie und kein bloßes Schattenkönigtuin, haben nun selbst nach dem Grundsatz gehandelt, daß man den König ehrt— und im übrigen tut, was man für richtig und sich selber nützlich hält. Die schlimmste Wirkung für die Monarchie ist aber daraus entstanden, daß die Minister des Königs eine .Haltung einnahmen, die echtes Vertrauen in die Festigkeit ihres Willens nicht aufkommen läßt. Daß das Abgeordneten- haus nach dem, was es dem Volk, dem Land und, wenn man so sagen will, auch dem König angetan hat, mit nüchterner Gcschäftlichkeit zu einer Debatte über den A l t k l c i d e r- Handel übergehen durste, daß es ruhig weitcrtagt und nicht aufgelöst wird, das ist eine Ungeheuerlichkeit, cm der die Schuld die Minister des Königs trifft, so sehr sich auch diese selbst vielleicht auf„höhere Gewglt" berufen inögen. Ta die Regierung unter dem Triumphgelächter der Rech- tcn wort- und tatlos blieb, geht der Entwurf setzt an daS Herrenhaus. Ob, wann, wie er an da? Abgeordneten- hauS zurückgelangt, wissen die Götter. DaS Abgeordneten- Haus hat gestern der Vertagung des Landtags vom 12. Juli bis zum 20. September zugestimmt. In der Zwischenzeit darf der Verfassungsausschuß des Herrenhauses tagen. Ob er es tut, bleibt abzuwarten. Sicher ist, daß im Herrenhaus eine Mehrheit für das gleiche Wahlrecht nicht besteht. Für die Herren von seiner Rechten ist ja jedes Parlament, selbst das auf dem alten Drei- klassenwahlrecht beruhende, eine Art jakobinischer Schrecken, und von ihrem Standpunkt auS mag der Unterschied zwischen den Konipromißbeschlüssen des Abgeordnetenhauses und dem aleicben Wahlrecht der Regierung in der Tat ganz unwcfent- lich sein. Es ist kennzeichnend für die Auffassung, die in einem großen Teil des Herrenhauses herrscht, daß kürzlich, als in einer Debatte vom Pluralwahlrecht gesprochen wurde, der Zwischenruf fiel:„Das wollen wir auch nicht!" Möglich also, wenn auch nicht gerade wahrscheinlich ist es, daß das Herrenhaus aus solchen Gesichtspunkten ein« Ausgleichung zwischen den Abgeordnetenhausbeschlüssen und der Regie- rungsvorlage suchen wird, um die reaktionären Sicherung?- bestimmungen des Kompromisses in den Häfen zu bringen. Das wäre übrigens vielleicht das schlimmste, was passieren könnte, das Volk würde dadurch zu einem Verzweiflungs- kämpf geradezu herausgefordert. Mag nun die Auslösung schließlich doch noch kommen oder nicht, die Abrechnung wird den Wahlrechtsfeinden von den konservativen Parteien, den Rationalliberalen und der Zentrumspartei auf keinen Fall erspart bleiben. Eine R a- dikalisierung der Massen, die, spätestens nach dem Kriege zu einer tiefgreifenden Umwälzung der staatlichen und gesellschaftlichen Verhältnisse führen wird, ist ohnehin nicht aufzuhalten, ein Hauptverdienst an ihr wird aber den Herren um Heydebrand. Lohmann und dem Grafen Spee zufallen. Die Politik dieser Herrschasten hat ja doch nur dann Hand und Fuß, wenn sie mit Bewußtsein darauf ausgeht, die bestehenden Gegensätze auf die äußerste Spitze zu treiben. Mit solchen Absichten wird man rechnen und sich entsprechend vor- sehen müssen. Damit ist zugleich gesagt, daß sich die Massen vor Un- besonnenheiten, ans die ihre Gegner spekulieren, hüten sollen. Das Spiel, das die Wahlrechtsseinde just in einer Zeit spielen, in der das Volk nur wenig Brot und keine Kartoffeln' mehr hat, kann in seiner ganzen Gemeingefährlichkeit gar nicht geschildert werden. Und geradezu fassungslos steht man vor einer Regierungskunst, die in einer solchen Situation für da§ Volk nichts hat, nicht einmal ein paar— ach so billige-- Worte der Vertröstung und Beruhigung. Nichts kann dem Volk die Kraft geben, diese harte Zeit in Fassung und Selbstdisziplin zu überstehen, als die feste Zuversicht, daß sein Tag kommen wird, daß der Gedanke des gleichen Rechts marschiert, sein Sieg trotz alledem gewiß bleibt. Inneren Hader darf, sich die Arbeiterschaft in dieser Zeit nicht leisten, den Losungen Unverantwortlicher darf sie nicht folgen, aber alles muß sie tun, um die Kraft zu sammeln, die sie in künftigen Entschcidungskämpfen unüberwindlich macht! Die Sitzung. ISS, Ditzunz, ÄonnerSlag. den 4. Juli 1018, mittags 12 Uhr. Nm Ministertifch: Friedberg. Hergt. Präsident Graf Schwerin-Löwitz widmet dem verstorbenen Sultan Achmed V. einen Nachruf und seinem Nachfolger De- grüßungSworte. Die fünfte Lesung See Wahlrechtsvorlage. Abg. Ströbrl Juli 1918. Amtlich wird verlautbart: Ter Geschüpkampf ist au zahlreichen Abschnitten der Süd- westfront außerordentlich rege. Bei A s i a g o nnd auf dem Monte Sisemol scheiterten.nglisch« Stoßtruppunternchmcn. Im Mündungsgebiet der Piave dauern die Kämpfe an. Der Chef des Gcneralstabes. wurde zum Sultan der Epoche der imperialistischen Welt- crschütterung, der zwar die Zertrümmerung der europäischen Türkei gelang, nicht aber die von der Entente angestrebte Aufteilung des asiatischen Gebietes des Osmanenrcichcs. Der Anschluß an die europäischen Mittelmächte half bisher dieses Ziel im Wesentlichen hindern. Da seit 300 Jahren immer dem ältesten osmanischen Prinzen die Thronfolge zusteht, wird jetzt Mehmeds jüngster Bruder, W a h i d e d d i n, der 1861 geboren ist, Sultan und Khalif. der nZeöerlänöische Gddtzug nach.Indien, Haag, 4. Juli.(Korrcspondeiizburcau.) Der Convoi nach Indien hat ans Befehl der Regierung noch nicht die Ausreise angetreten. Nach weiteren Berichten waren die Schiffe des Geleitzuzcs bis auf eins bereits ausgelaufen. Sie wurden angeholten und zurückgerufen. Wie däs Haager Korrefpondenzssurcau erlährt, ist die AnSreife des ConvohS vorläufig wieder aufgeschoben worden, da in elfter Stunde sich neue Schwierigkeiten ergeben haben, über die jetzt Besprechungen geführt werden. Die Gegenrevolution in Norörußlanö. Kopenhagen, 4. Juli..Berlingske Tidende" meldet aus Kristiania: Der Bolschewikigrsandte Bettler in Kristiania reiste letzten Montag über Vardö nach Ruhland ab. Bei Kir- kerke wurde der Dampfer, auf dem er sich befand, von einem englischen Torpedojäger angehalten. Beitler und drei andere Russen wurden auf den Torpedojäzer gebracht, der sie in Pctschcnga ans Land fetzte, wo sie interniert wurden. Beitler befand sich auf dem Wege nach Moskau, um sich mit Lenin zu beraten. Washington, 4. Juli.(Reuter.) Der jetzt in Wolo�da befind- liche Botschafter der Vereinigten Staaten. Francis, meldet dem Staatsdepartement, daß die B o l s ch e lv i k i die Mitglieder der ArchangelSIfchen provinzialen Negier ung verhaftet haben. Auch die Duma in Wologda wurde mit der Festnahme bedroht. * Stockholm, 3. Juli.(Eigener Drahtbericht des.Vorwärts'.) Au? Helfingfors meldet»Allchanda", daß die finnisch« Offensive gegen Ost- kare'en und die Murmanbah» unmittelbar bevorstehe. Die unklare Lage Rußlands läßt es ungewiß, gegen wen sich die Offensive direkt richtet. Im nördlichen Ladoga-Onegagebiet ist eine selbständige Republik proklamiert worden. Auch steht ein Teil der ostkarelischen Bevölkerung im Kampf gegen von Russen- soldaten unterstützte finnische Rotgardisten, während nördlich Franzosen, Engländer und Serben stehen. �rtutsk und Wladiwostok. Das Berliner Bureau der Petrogradcr Telegraphen- Agentur teilt mit: Die aus Pariser Quelle stammende Nachricht. Jrkutsk sei von den Tschecho-SIowaken besetzt, nachher aber wieder von deutfchen Kriegsgefangenen zurückerobert worden, ist eine reine Erfindung. Jrkutsk befindet sich in den Händen der Sowjets und steht in direkter Ver- bindung mit Wladiwostok. Die Reuter-Meldung, der Sowjet in Wladiwostok sei von den Tschecho-Slowaken auf- gelöst worden, kann ebenfalls als eine Falschmeldung be- zeichnet werden, denn die P. A. T- in Moskau hat noch am 1. Jnli Nachrichten aus Wladiwostok vom S o iv j e t erhalten, die die Lage des Jrkutsker und Wladi- wostoker Sowjets als eine sehr stabile bezeichnet Wolfis Bureau teilt mit: Das ukrainische Pressebureau in Lausanne hat am 1. Juli eine Meldung aus Kiew gebracht, daß japanische Truppen unter General Kato zur Unterstützung der Tschecho-Slowaken in Wkadiwostok gelandet seien, sowie daß Großfürst Michael Alexandrowitsch zum Zaren ernannt sei und gegen Moskau marschiere. Wie wir von zuständiger Stelle hören, ist diese Meldung von Anfang bis zu Ende reine Erfindung. das Endergebnis der Neuwahlen des Petersburger Sowjets. Das Berliner P. T. A.-Burecm teilt mit: Von 544 neugewählten Deputierten sind 436 Bolschewiki, 51 linke Sozialrevolutionäre und die übrigen 57 De- putierten bestehen aus Menschewiki und rechten Sozial- revolutionären. Einen besseren Beweis für die llu- richtigkeit der Behauptungen der Menschewiki und rechten Sozialrevolutionäre, die Bolschewiki verlieren immer breitere Massen der Petersburger Arbeiter, kann man sich kaum wünschen. In der Zeit vom Februar bis zum August 1917 waren die Arbeiter in ihrer Mehrheit nicht bolschewistisck>, aber bereits Ansang September 1917 hatten die Bolschewiki die überwiegende Mehr- heit der Petersburger Arbeiter hinter stcki und diese letzten Wahlen beweisen gerade, daß die Menschewiki und rechten Sozial- revolutionäre ihren Einfluß noch mehr eingebüßt haben. Liberales Lob der Zensur. Georg Bernhard gegen Tcheidemann. Daß die ganze alldeutsch-konservative Presse über die Rede Scheidemanns von: Mittwoch aus dem Häuschen geraten ist, nimmt weiter nicht Wunder, wir verlieren kein Wort darüber. Einen Reiz eigener Art aber hat es, inmitten dieses Reigens den betriebsamen Direktor des Ullstein-Verlags, Georg Bernhard, auftauchen zu sehen. Herr Bernhard hat mit angeborenem Feingefühl für bestehende Machtverhältnisse längst bei jenen Stellen Anschluß gesucht, bei denen unter den gegebenen Umständen die beste Deckung zu finden ist. und inan höre, wie er jetzt in der„Voss. Ztg." seine Herren gegen die parlamentarische Kritik in Schutz nimmt: Tatz in einem Kriege die Freiheit der Meinungsäußerung außerhalb des Parlaments nicht die gleiche sein kann wie im Frte- den, ist ganz selbstverständlich. Und unter dem Druck der Zensur und den Willkürlilbkeiten, die dadurch selbstverständlich hervorgerufen werden müssen, leidet natürlich auch in Teutschland die Presse. Aber erhebt sich denn nicht dieselbe Klage gegen den Druck der Zensur in allen kriegführenden Ländern? Sind die Zustände in dem als be- sonders demokratisch angestaunten Nordamerika anders als in der pluiokratischen französischen Republik oder im sognannten Militär- staat Deutschland? Die Ausführungen des Abg. Scheidemann mußten in der Oeffentlichkeit den Eindruck erwecken, als ob inner- halb des Rahmend ßtt im Kriege naturgemäß 6er- hältn!»mäßig eng gespannt sein muß(!), die deutsche Presse überhaupt keinerlei Meinung zum Ausdruck bringen dürfe. Tagegen möchten wir im Interesse des Ansehens der deutschen Presse denn doch endlich einmal entschiedenen Widerspruch erheben. Besonders aber scheint es uns angebracht, gegen den Satz in der Scheidemannschen Rede Protest geltend zu machen, daß nach Schluß des Reichstags es der deutschen Presse fürchterlich gehen werde. Tie Ncichstagsabgeorbncten mögen doch endlich einmal aufhören�, die deutsche Presse zu bemuttern. Ein sozusagen liberaler Journalist, der das Parlament bittet, sich n i ch t um die Freiheit der Presse zu sorgen, und der einem Abgeordneten in die Waden fährt, weil er sich der Preß- freiheit annimmt, verdient einen Platz im deutschen Kriegs» museum. Ter Fall zeigt, was„die große Zeit" aus kleinen Menschen machen kann. Ueber Bernhard, den„Politiker", haben wir an dieser Stelle nie etwas gesagt, weil uns Neigung zu Höflichkeit und Abneigung vor überflüssigem Krakeel daran gehindert hat. An Bernhard, dein Kämpfer für die„Würde der Presse", können wir nicht vorübergehen. Der Würde der Presse wäre entschieden besser gedient, wenn sich Herr Georg Bernhard nicht so breit vor sie hinstellte! VundeSratsarbeit. In der gestrigen Sitzung des Bundesrats wurden angenommen: 1. der Entwurf eines Gesetzes gegen Un- f ruch t b a r m a chu n g und Schwangerschaftsunter. b r e ch u n g, 2. der Entwuts einer Aenderung der Bestimmungen über die Bereitstellung von Reichsmitteln für die Entfchädi. gung der infolge Kosslenmangelk- feiernden Ar. beiter und Arbeiterinnen kriegswichtiger Betriebe der RüftungS- und ErnährungSinduftrie, 3. der Entwurf einer Verord- nung betr. Ergänzung der Ziffer VlI 16� der zu dem Gesetz über die Kriegsleistungen erlassenen Ausführungsbestimmungen vom 1. 4. 1876 und 4. der Entwurf einer Verordnung betr. Abänderung des§ 9 des Gesetzes über die Kriegsleistungen vom 13. 6. 1873. Letzte Nacknchten. Der Polcnklub und Dr. Seidler. Wien, 4. Jnli. Wie die Blätter melden, wurde der Obmann de? Polenklubs Dr. T e r t i l gestern von dem Ministerpräsidenten v. Seidler zu einer Besprechung eingeladen, die der Aufklärung über die Frage der Ziveibeilung Galiziens gelten sollt» Tertrl lehnte jedoch die Einladung ab. Wie eZ heißt, hat die parlamentarische Kommission des PolenllubS in einer gestern nachmittag abgehaltenen Sitzung die Haltung des Obmannes gebilligt. Tie englischen Gewerkschaften zur Friedensfrage. London, 4. Juli.(Reuter.) Der Vollzugsausschuß des allge- meinen Gewerkschaftsbundes spricht in dem Bericht, der der heute eröffneten Jahreskonfcrenz in Lcicester vorgelegt wird, über den Fehlschlag der Bestrebungen, eine Arbeiterkonferenz der krieg- führenden Länder herbeizuführen. Der Vorstand des Verbandes ist in seiner Haltung durch die Haltung des amerikanischen Ar- beiterverbandes und der ganzen amerikanischen Nation bestärkt worden. Der Bericht fährt fort: Die Forderung der Arbeiter, auf jeder Friedenskonferenz vertreten zu sein, ist gerechtfertigt. Aber nur die Nationen, nicht die Parteien sind b e r e ch» {igt, Friedcnsbedingnngen vorzuschlagen. Deswegen ist es für jede Arbeiterpartei unmöglich, ihrerseits Friedens- Bedingungen zu bestimmen. Eine Arbeiterkonferenz zur Besprechung der Friedensbedingungen ist sowohl würdelos wie vergeblich, solange Belgien und Serbien, Rumänien und Rußland unter deutschem Druck stehen und Provinzen Frankreichs und Italiens in deutschen Händen sind. Ilm den Völkerbund. London, 4. Juli.(Reuter.)..Daily NewS" schreiben: Der Ab- geordnete Mc. Curdie hat in einem Gespräch mitgeteilt, daß eine Gesellschaft zur Vorbereitung eines Völkerbundes in den letzten Tagen in England gegründet worden ist Zu den Gründern ge- hören H. I. WellS, I. A. Spender, der Abgeordnete H. Thomas, Sir Mark Sykes. Professor Hilbert Mirray. der Abgeordnete Major David Davies und Mc. Eurdie. Die Gesellschaft knüpfte Bezichun- gen mit Veriretern des Auslandes an. Albert Tvomas ist Vize, Präsident. Die Frage wird mit den ausländischen Delegierten, die jetzt an der interalliierten Konferenz in Westminster teilnehmen, erörtert Nr.1S2 ❖ 55. Jahrgang. Seilage des vorwärts Freitag, 5. Mi 191 8 GroMerlm Warnung. Hauptzeugen im Prozeß Kiihlmann-„Deutichs Zeitung" sind drei Chauffeure, die Herrn V. Kiihlmann in Bukarest gefahren haben. So mancher Mann und manche Maid Fing sich an sünd'ger Fleischlust Angel. ?!ur absoluter Zengenmangel Ersetzt hier die Enthaltsamkeit. Man lebt zivar auch in Schrimm und Domst Längst nickt im Stand deZ Paradieses, Doch die Moral entschuldigt dieses, Weil du es nicht zu sehn bekommst.' Den Kragen hoch, Hut uberm Ohr, Tief eingezogen seinen Nischel, So schleicht der Rat von Neutomischel Zum Sündenpfuhl— Er sieht sich vor. Tor aber, wenn du schainlos dreist Im Auto fährst, da die Chauffeure Dann Zeugen sind, und im Verhörs Man leicht dein dunkles Tun beweist. Tor auch, nahmst du dich nicht in acht Vor dreister Zimmerkellner Horchen Hnd vor der Jungfrau, die in Schlorrchcn Des morgens früh die Betten macht. Als Zeugen stchn sie da im Nu: Der roch, der fühlt', der hört', der sah. Und sind erst mal die Zeugen da,— Ein Lohan find't sich stets dazu! _ E i r i ck 5? u u b i. Nur«och ein Pfund Kartoffeln! Wie die Kartoffclstelle deS Berliner Magistrats mitteilt, steht sie sich veranlaßt, die Kartoffclration für die nächste Woche von drei auf e i n Pfund herabzusetzen. AlS Ersatz für die ausfallenden zwei Pfund soll eS 200 Gramm Hülsen- früchte(Erbsen oder Bohnen) geben. AlS am vorigen Sonnabend die Nachricht kam, die wöchentliche Kartoffclration müsse von 7 auf 3 Pfund herab- gesetzt werden, sprach daS KriegSernährungsamt die Hoffnung auS, daß nach lO bis 14 Tagen die Kartoffelversorgung sich wieder bessern werde, und der Magistrat Berlin widersprach dem nicht. ES scheint also, daß die„maßgebenden Stellen" damals noch nicht wußten, zu welchem Schritt sie sich bereits fünf Tage später„veranlaßt" sehen würden. Wir aber wissen nicht, waZ uns mehr imponiert: die Hoffnungsseligkeit des KriegsernährungSamtS oder die Voraussicht des Berliner Magistrats. Berliner Lebensmittel. Der Magistrat Berlin gibl bekannt, daß auf die Abschnitte Ar. 43 und 45 der allgemeinen Lebensmittelkarte der Stadt Berlin je 30 0 Gramm Graupen, auf Abschnitt 44 derselben Karte 100 Gramm lose Suppen oder zwei Suppentafeln sowie auf Abschnitt 15 und 16 der Lebens- mittelkarte für Jugendliche 250 Gramm Graupen entfallen. Die Abschnitte sind in der Zeit vom 5. bis einschl. 7. Juli in den durch besondere Verkaufsichilder gekennzeichneten Kleinhandels- geichäften gegen Empiangsbeicheinigung abzugeben. Die von dem Magistrat in der nächsten Zeit aufzurufenden Nährmittel(nicht Brotansstrichmittelj sind bei dem Händler zu beziehen, bei dem die Anmeldeabschiiitte 43 bis 45 abgegeben sind. Der Kleinhändler hat bei Abnahme dieser Anmeldeabschiiitte daS Mittelstück der Lebens- miltelkarie mit seiner Firma zu versehen. Hände weg vo» den Waldseeufer«! Die Berichandelung de- kleinen Müggelsees durch eine Ncrftanlage, die dort auf einem von der Stadt Cöpenick zum Ver- kauf gestellten Gelände errichtet werden sollte, ist bis auf weiteres verhütet warben. Da« hat den Mieterbnnd Groß-Berlin nicht gehindert, eine Prote st Versammlung zu veranstalten, um aus die den Waldieeuiern Groß-Berlin- allgemein drohende Gefahr der sogenannten baulichen Erschließung aufmerksam zu machen und «ile Bevölkerungikreise zur Abwehr solcher die Lolksgesundheit schädigendenPläne aufzurufen. An der Versammlung beteiligten sich Vertreter von Organisationen für Wohnungsreform, für Siedlungswesen, für Heimatschutz, für Wanderungen usw., von Organisationen der Arbeiter, der Ange- stellten, der Beamten, der Lehrerschaft usw. Der erste Bortragende ObcrverwaltungSgerichtSrat Dertrand nannte die verschande- lung der Waldseeufer einen Frevel an der Mit- und Nachwelt. Welche Reize man am kleinen Müggelsee zersloren wollte, zeigte Schriftsteller Bolle an Lichtbildern der Seeufer. Direktor K u c- z y n s k l vom Schöneberger Statistischen Amt, Vertreter des An- siedlungsvereins Groß-Berlin, forderte zur Bewahrung der Gesund- heit des Volkes und unsere» Nachwuchses ein Gesetz, da? die noch nicht in Privatbesitz getretenen Waldseeufer für die Gesamtheit sichert. Die Bedeutung der Groß- Berliner Waldungen für die Nalurkeniitnls, für Schulunterricht und Erziehung � wurde vom biealghmnasialdirektor W e t e! a m p dargelegt. Im Austrage der Berliner G e w e r k i ch a s l s i o m m i s s i o n erklärte Genosse Ritter die volle Zustimmung zu dem Protest gegen die Waidverschandelungspläne, deren zum Schutz der Volks- geiunoh-lt gebotene Abwehr auch dadurch erleichtert werden könnte, daß der Staat die in der KriegSzeit noiletdend gewordenen und nach neuen Eiunahmegucllen suchenden Gemeinden mit Geldbeihilfen unterstützte. Auf Cöpentcks Wäldern, deren Rettung man jetzt von einem Ankauf durch den Zweckverband erwartet, habe dieser schon vor mehreren Jahren sein Augenmerk gerichtet, doch sei die Preisforberung zu hoch gewesen. In der an die Vorwäge sich anschließenden Erörterung sprachen noch viele Redner, meist Ber- lreter von Organisationen. Für den B ü r g e r a u S s ch n ß Groß- Verlin erklärte sein GetchäffSsührer Noack, daß eS sich bei dem Waldseeuferschutz um ein Groß- Berliner GemeinschaflSinteresse handelt, dessen Gefährdung wieder nur eine Folge der kommunalen Zerrissenheit sei. Reichstagsabgeordneter Genosse Wissel! unter- strich die Forderung, daß der Staat den durch die Ausgaben für KriegSwohlfahriSvflege in Bedrängnis geratenen Gemeinden auf- helfen sollte. ObcrverwaltungsaerichtSrat B e r t r a n d wies noch darauf hin. daß die Stadt Eopenick rhre Wälder durch Bc- bauuugspläne sozusagen„als Bauland frisieren" wolle, um dann Baulandtp-eis- fordern zu können. Einstimmig wurde »ine Entschließung angenommen. Sie eriucht die Staat-- regieuma durch Gesetz die Bebauung der Groß-Berliner Bald- s-euf-r, soweit sie noch nickt in Prlvatbesttz stnd zu verbieten; ferner den Bezirksausschuß, der Stadt Eopemck auch tunuig jede» Waldverkauf zwischen Müggelsee und Dahme sowie»wlsche» Mugge� see und Cöpenick zu versagen; weiter den Zweckberband, dafür«in- � zutreten, daß bis 2000 Meter vom Müggelseeufer durch Bauord- j nungeil und Bebauungspläne die Errichtung industrieller Anlogen jeder Art anZgeschloffen und die Erweiterung schon bestehender ver-' bindert wird. In der Versammlung war nicht vertreten der Zwsckverband, der nur durch einen EntschuldigungSbrief seines Direktors ein Lebenszeichen gab. Die Grippe hat weiter zugenommen. Man reckinst damit, daß heute in Groß- Berlin allein an 80 000 Kinder erkrankt sind. Die Zahl der er- krankten Erwachsenen ist nicht geringer. Die Anmeldungen bei den Krankenkassen waren gestern erheblich größer als in den vorigen Wochen. Bei den 28 OrtSkrankenkasscn und den übrigen 200 Be- tricbskrankenkassen usw. war die Zahl der Krankenanmeldungen so groß, daß mit Sicherheit eine Gesamtzahl von rund 20 000 heraus- kommt, wovon indes die Krankenabmeldungen abgezogen werden müssen. Die Aerzte. besonders die Kaffenärzte, harten in den letzten Tagen ununterbrochen Rat zu erteilen. Wir sind im allgemeinen der Ansicht, daß die Epidemie bald ihren Höhepunkt überschritten haben dürfte. Todesfälle sollen angeblich noch nicht zur amtlichen Meldung gekommen sein. In den meisten Fällen nimmt die Grippe einen gutartigen Verlauf und ist nach fünf Tagen der Fieberzustand verschwunden. Zu irgend welcher Beunruhigung liegt bis jetzt keine Veranlaffung vor. Mit der Besserung des Wetters, dem Eintreffen von schöner, trockener Witterung wird auch zweifellos die Influenza zurückgehen._ Ffür Kriegerfranen keine Wohnung. Unter dieser Ueberschrist brachten wir am 28. Juni eine Notiz, welche die Erlebnisse von zwei Kriegerfrauen schildert, die im Hause des Herrn Reich, Müllerstr. 141, eine Wohnung suchten, von Herrn Reich aber abgewiesen wurden, weil die Wohnungsuchenden Krieger- frauen sind. Diese Mitteilung hat den Kaufmann Karl Reich, der im Hause Müllerstr. 141 ein Putzwarengeschäst betreibt, ver- anlaßt, uns folgende Berichiigung zugehen zu lassen: „Herr Kaufmann Karl Reich ist nicht Eigentümer deS HauseS Müllerstraße 141 zu Berlin. Herr Kaufmann Karl Reich ist auch nicht Nietzbraucher des genannten HauseS. Herr Kaufmann Karl Reich ist lediglich Mieter der Ladenräumlichleiten in dem Hause. Herr Kaufmann Karl Reich unterhält mit seiner Frau eine HäuS- lichkeit in Schmargendorf. Herr Kaufmann Karl Reich beobachtet im Gegenteil zu dem in dem Artikel geschilderten Verhalten Krieger« frauen gegenüber daS geschäftliche Entgegenkommen, daß er ihnen 5 Prozent auf sämtliche Waren gewährt. Ich halte eS deshalb für eine Ehrenpflicht von Ihnen, den in seiner bürgerlichen Ehr» damit zu Unrecht angegriffenen Putzwarenhändler Kaufmann Karl Reich durch einen Widerruf des Artikels in seiner Ehre wieder herzustellen." Die Berichtigung trifft insofern daneben, als wir gar nicht von einem Kaufmann Karl Reich, sondern nur von einem Herrn Reich gesprochen haben, auf dessen Vornamen wir keinen Wert legten. Im übrigen betonen wir, daß alles, was wir über die Erlebnisse der beiden Kriegerfranen mit dem Hausbesitzer Reich mitgeteilt haben, vollkommen zutrifft und wir uns nicht veranlaßt fühlen, auch nur ein Wort davon zurückzunehmen. Der Eigentümer des Hauses Müllerstr.141, auf den sich uniere Angaben beziehen, beißt JonasReich. Er war früher auch Inhaber deS Putzgeschäfts, welches jetzt unter der Firma seine- Sohnes Karl Reich betrieben wird. Herr Jonas Reich soll übrigens auch jetzt noch im Geschäft seines Sohnes Karl Reich hervorragend tätig sein. Eine der von uns benannten wohnungsuchenden Kriegerfranen wurde, als sie an der WohnungStür de» Hausbesitzers Jonas Reich klingelte, von dem Dienstmädchen in den Laden des Herrn Karl Reich geführt, wo Herr JonaS Reich geschäftlich seines AmteS Waltere. Im Laden wurde mit Herrn I o n o S Reich und seiner Gattin über die Wohnung verhandelt, hier wurde auch den Wohnungsuchenden von Herrn Jonas Reich und seiner Galtin erklärt, daß die Kricgerfrau die Wohnung nicht bekomme, weil schon genug Krieger- frauen im Hause wohnen. Als die Kriegerfrau, über diese Ab- Weisung entrüstet, Einwendungen machte, wurde sie von Herrn Jonas Reich in der Art eines ManneS, der hier das Hausrecht hat, aus dem Laden gewiesen. ES ist begreiflich, wenn man unter diesen Umständen den Haus besitzer Reich auch für den Modetvarenhändler Reich hielt. Dock da» ist ein Irrtum, wie uns die Zuschrift deS Herrn Karl Reich belehrt, der sich durch seine„Berichtigung" nunmehr zuungunsten seines LaterS entlastet hat. Ob daS für den Bater eine Annehm lichkeit ist, daS mag die Familie Reich uitler sich ausmachen. Wenn Herr Karl Reich hervorhebt, daß er Kiiegerstaucn, die in seinem Geschäft einkaufen, 5 Proz. Rabatt gewährt, so ist daS bei den Phcmlasiepreisen, die heute für Damenputz gefordert werden, eine Lappalie, deren man sich wahrhaftig nicht rühmen darf. „Die Stelluitg der KriegSbeschSdigte« i» WirffchaftSleben" lautet daS Thema, über das Herr Nikolaus O st e r r o t b in einer heute abend 8 Uhr im Reichenberg er Hof. Reichen- berger Str. 147, stattfindenden Mitgliederversammlung des ReichSbundeS der Kriegsbeschädigten und ehe- maligen Kriegsteilnehmer sprechen wird. Der Referent ist Borsitzender der Ortsgruppe Hamm i. W. Freigabe ven Knochenbrüherzeugnisseti. Bisher gelangten die auf Veranlassung deS KnegSauSschusseS für Oele und Fette her- gestellten Knochenbrüherzcugnisie durch die Gemeinden zur Ausgabe Nunmehr ist der Bsrtrieb dieser Erzeugnisse dem freien Verkehr überlasten, jedoch unter Beibehaltung von Höchstpreisen. Die Ver- braucherhöchltpreise betragen für Knochenbrühwürfel 3 Ps. das Stück. für.Knochenbrühwürfelmasse 6 M. für 1 Kilogramm, für Knochen- brühextrakl 3,40 M. für 1 Kilogramm Inlandsware und 5,35 M. bezio. 5,80 M. für 1 Kilogramm gemischte dänische Ware, für flüssige Würze 3.40 M. für 1 Kilogramm ausschließlich Verpackung. Der KriegSauSichuß für pflanzliche und tierische Oele und Fette. Berlin, Unter den Linden 68»., erteilt aus Anfrage Auskunft über die Fabriken, welche derartige Knochenbrnherzengnisse abgeben. Der„Wahre Jekob" ist erschienen und gelangt heute zur Ausgabe. Ein BolkSkenzert deS Pkilharinonischen Orchester? findet heute in der Philharmonie, Bcrnburger Str. 22/23, statt. Deginn deS Konzerts 8 Uhr, Eintrittspreis 30 Pf., Kasseneröffnung 7 Uhr. ?Mm-Re«Seitcn. Heut« findet in den U. T.- T b e a t e r n und il den Mazartsaal-Lichtspiclen Prozrammwcchscl statt. Wegen eine« Einbruchs bei seiner eigenen Schwester fest genommen wurde ein Arbeiier Oswald Mendt. Dieser traf auf der«traße einen fahnenflüchtigen Soldaten und versuchte, ihn an- zuborgen. Der Soldat erwiderte, er besitze selbst nichts und habe auch sonst immer nur so viel, alz ei durch Einbrüche„verdiene". Er fragte Mende, ob er nicht eine Gelegenheit wisse. Mende be- sahte, hatte aber Bedenken, weil es sich um seine eigene Schwester handelte. Diese Bedenken verscheuchte der Soldat und beide be- gaben sich nach der Wohnung der Schwester in der Kleinen Frank- furter Straße, die ohne Aufficht stand, weil die Inhaberin aus- gegangen war. Sie brachen am hellen Tage ein und stahlen alle Kleidungs- und Wäschestücke. Die Bestohlene vermutete gleich, daß ihr Bruder seine Hand im Spiel gehabt habe, und ließ ihn fest- nehmen, als sie ihn zufällig am Schlesischen Bahnhof trat. Ihr Verdacht bestätigte sich. Der saubere Bruder und der Fahnen« flüchtige, der noch nicht ermittelt ist. haben einen Teil der Beute schon verkaust. Die Sachen wurde» bei einem Hehler noch gismeden und beschlagnahmt. Zu dem geheimnisvollen Todesfall in der Dresdener Straße wird noch mitgeteilt, daß die alle Frau zweifellos durch Selbst- mord auS dem Leben geschieden ist. Ob sie sich selbst erhängt oder ob jemand anders ihre Leiche gefunden und nachträglich an dem kleinen Treppengeländer aufgehängt hat, läßt sich noch nicht sagen. Wahrscheinlich trifft das erstere zu. In den Verdacht, versucht zu haben, den Selbstmord zu selbstsüchtigen Zwecken auszunutzen, ist die Pförlnerfrau Sch. geraten und einstweilen in Gewahrsam ge- nommen. Während zwei Sparkassenbücher der Toten in einem Behältnis lagen, fand man auf dem Tische einen Brief, der 145 M. enthielt und an Frau Sch. gerichtet war. Außer der Aufschrift ent« hielt der Umschlag mit Bleistift geschrieben noch den Vermerk: Erbschaft. Als nun der Verdacht entstand, daß sich jemand in der Wohnung und an der Leiche zu schaffen gemacht habe, ließ die Kriminalpolizei Frau Sch., die der Toten seit längerer Zeit mit Auswartediensten zur Hand gegangen war und auch einen Schlüssel zu ihrer Wobnung besaß, mit einem Bleistift die Worte der Brief- aufschrift schreiben. Da ergab sich denn eine solche Aehnlichkeit der Handschrift, daß man zu dem Verdacht kam. daß Frau Sch. die Aufschrift berstgestellr hat, um sich iu den Besitz des Geldes zu setzen. Sie selbst bestreitet das aber immer noch und will auch die Geldscheine nicht in den Umschlag gesteckt haben. Dazu wird uns in später Stunde gemeldet: Die Behauptung der alten Aufwärtcrin Frau Sch., daß sie mit dem ganzen Todes- fall nichts zu tun habe, scheint richtig zu sein. Man hat jetzt eine Handschrift der Toten gefunden, die der auf dem Briefumschlag vorhandenen Aufschrist vollkommen gleicht. Hiernach bat Frau Koßmehl dock wohl selbst vor dem freiwilligen Tode den Brief mit dem Gelde für Frau Sch. zurecht gemacht und mit der Aufschrift an sie und dem Worte Erbschaft versehen. Eine unbekannte weibliche Leiche ist Mittwoch auS dem Teltowkanal in der Nähe der RnngiuSbrücke in Britz gelandet worden. Die Tots ist etwa 25 bis 30 Jahre alt, mittelgroß und schlank, und hat dunkelblondes Haar. Bekleidet war sie mit dunkelblauem Wollrock, schwarzem Jackett, blauem Unterrock, weißer Leibwäsche, schwarzen Strümpfen, schwarzen Schnürstiefeln und blauer Schürze mit weißen Punkten. Da Ausweispapiere bei der Leiche nicht vorgefunden wurden, konnte die Persönlichkeit der Lebensmüden, denn um eins solche handelt es sich zweifellos, bisher noch nicht ermittelt werden. Eharlottenburg. HalbtagSwanderunge» mit Schulkindern. Wie in früheren Jabren, so sollen auch in diesem Jahre während dec� Sommersericn wieder halbtägige Wanderungen mit Schulkindern nach dem Grunewald bzw. der Jungsernheide stattfinden. Als Sammelplätze sind bestimmt die Spielplätze Goethestraße, Niebuhr- stcaße,©oplne-Chcirlotten-Straße und Olbersstraße. Die Wände- rungen beginnen am Montag, den 8. Juli und endigen ain Sonnabend, den 10. August. Der Abmarsch erfolgt jedesmal nachmittag? 2 Uhr. Die Kinder haben sich zu diesem Zeitpunkt pünktlich auf den Plätzen zu versammeln, wo ihnen das Nähere dann mitgeteilt werden wird. — Die Freien«rbeitcrkurse der Stadt Charlettenburg veran- stalten am Sonntag, den 7. Juli, vormittags 149 Uhr, eine Führung durch die Ausstellung„Berliner Bildnisse aus den Jahren 1848 bis 1913" in der Berliner Sezession, Kucfürstendamm 232. Der Unter- richt in den Kursen beginnt nach den Sommerferien am 12. August und findet abends von 8 bis 10 Uhr in der Arbeiterschule Wall- straße 50, Hof, Zimmer 1, statt. Montag und Freitag: Deutsch, DienStag: Rechnen, Mittwoch: Literatur., Spandau. Lebensmittel. Heute beginnt der Berkauf den städtischen Butter auf Bntterabschnitt I der neuen Lebensmittel»' karte. Auf jeden Abschnitt werden 50 Gramm zum Preise von 49 Pf. verausgabt. Mit Ablauf des 11. verliert Abschnitt 1 sein« Gültigkeit.— Am 6. Juki beginnt der Verkauf der städtischen Mar- garine oder Talg auf Margarineabschnitt I der neuen Lebensmittelkarte. Auf jeden Abschnitt werden 20 Gramm Margarins zum Preise von 8 Pf. oder 20 Gramm Talg zum Preise van 10 Pf. verausgabt. Mit Ablauf deS 11. verliert Abschnitt I seine Gültigkeit. — In einer großen Anzahl von Geschäften in allen Stadtteilen ist noch Marmelade gegen Abtrennung- von Feld 108 der Haupt-. karte und Feld 11 der Karte fiir Jugendliche erhältlich. Neids Felder verlieren mit Ablauf des 6. ihre Gültigkeit. Pankow. Käse statt Kartoffeln. Vom 4. ah gelangt in den nachstehend benannten Geschäften als Ersatz für fehlende Kartoffeln der vergangenen Woche Käse zum Verkauf: in den Bntterhand- lungen:„.Hansa", Florastr. 34, Wollankstr. 107; Reisegcrste Nachf., Jnh. Blessin. Berliner Str. 1, Berliner Str. 49, Wollankstr. 132; Uhly u. Wolfram Nachf.. Florastr. 25. Wollankstr. 27, und in der Kolonialwarenhandlung Löchel, Prenzlauer Promenade 189. Atkf die Abschnitte 113k und g der Kartoffelkarte der Gemeinde Berlin. Pankow entfallen zusammen 250 Gramm Käse. Der Preis bcirägt 1 M._ Reinickendorf. Abzabe von Ferkeln. Der Gemeindevorstantz teilt mit, daß er eventuell in der Lage ist, Ferkel zur Abgabe an Private beschaffen z» können. Interessenten wollen umgehend schriftlich ihren Bedarf beim hiesigen Ernährung-amt anmelden. Lichtenberg. Sonntag, den 7. Juli, findet die Bund es turn- fahrt des Arbeiter-TurnerbundeS, I. Kreis, V. Bezirk, aus Anlaß seines 25sähngen Bestehens in Lichtenberg-Friedrichs- felde statt unter Mitwirkung der Turnerkapelle Neukölln-Britz. Treffpunkt der Vereine und Abmarich: 1 Uhr vom Restaurant Sadbrini, Berlind Stcaße nach dem Festplatz in der TreSkow-Allee am jüdischen Turnplatz. Dort turnerische Aufführungen und Spiele. Die Arbeiterschaft von Lichtenberg-Friedrichsfelde ist hierzu freund» lichst eingeladen._ Eöpenick. Tie AnSgabe der Milchkarten für Kranke, die nach dem Genehmigungsschreiben des Magistrats auch nach dem 31. Juli Anspruch auf Milch haben, findet am Freitag, den 5., und Sonn- abend, den 8. Juli, in der Zeit von 9 Uhr morgens bis 2 Uhr nach- mittags in der Abteilung für Krankcnecnährung, Schloßstr. 27/28, im Eckladcn statt. Die neuen Milchkarten werden nur an folcha Personen ausgegeben, die sich durch Vorlegung des Mittelstücks der für den Monat Juli 191.8 gültigen Milchkarte als empfangsbercch- tigt ausweisen. An Kinder werden Milchkacten nicht ausgehändigt. Die Ausgabe der Sonderkarten ffir stillende Mütter findet nicht statt, da die Vollmilchkarten A mit dem roten Kreis zu 1 Liter voll beliefert werden.___ Gerichtszeitung. vinfilitgreichc Vcraubungrn von Güterwagen auf de« GAter- bahnhof Moabit lagen einer Anklage zugrunde, welche die Straf- kammer des Landgerichts I befchäftigtei Angeklagt wavcn der Zug- abfertiger Wilhelui K ä d i n g aus Hohenneuendorf, der Hilfs- Weichensteller Karl G U t z« i t, der HilfSrcmgierführer Walter Gröpke. der HilsSweichenstell« Wilhelm Raup ach. der Hilfz. rcrngierführcr Karl Lange und der Rangiersührer Hermann G e h s e.— Im Anschluß an eine Anfang Januar d. I. verübte Ne» ranbung eines Güterwagens auf dem Güterbahnhof Moabit wurden von der Eisenbabnbehörde umfangreiche Ermittlungen und Be, obachtnngen angestellt, die zur Ausdeckung ganz ungeheuerlicher Vergehen seitens der jetzigen Angeklagten führten. Eine.Haus» suchung in der Wohnung des Käding brachte ein förmliches Waren» hauslager zutage. Es wurde unter anderem aefunden. und»war blleB in größeren Mengen: Sekt. Wein, Ängnct?. Sprit, Butter, Käse, Wurst, Speck, Schinken, Wolle, Seife, Taschentücher, Stiefel, Kaffes, Militärtuch, Wäsche, Decken, Zigarren, Zigaretten und anderes, außerdem 1241 M. Bargeld, Ferner iuurde auf der Besitzung des K. in Hohenneuendorf in einer Kalkgrube und unter dem Lzüngerhaufen ein Skunkspelz im Werte von ISW M,, fünf Herrenüberzieher, rusfrscher Tee, Schokolade, Konfekt, Wein, Sekt, Kbgnak, Likör, Speiseöl und außerdem 4800 M. bares Geld gefunden. Bei dem Angeklagten Naupach wurde u. a. gefunden: 42 Paar Strümpfe, 48 Pfund frisches Schweinefleisch, 38 Pfund Butter, 88 Pfund Margarine, 8 Pfund Speck, 18 Pfund Schmalz, tz Zentner Hafer, Reis, Gerste, Wein, Likör, Zigarren, Zigaretten. Auch bei den übrigen Angeklagten wurden erheblicki aus den Dieb- stählen herrührende Warenmengen vorgefunden.— Das Gericht war der Austcht, daß gegen derartige Eisenbahnräuber mit strengen Strafen vorgegangen werden müsse, damit die ohnehin schon frag- würdige Sicherheit im Bäbnverkehr nicht noch mebr verrotte. Das Urteil lautete gegen K ä d i n g auf 8 Jahre 4 Monate Gefängnis, 5 Jahre Ehrverlust, gegen Gutzeit auf sechs Monate, gegen G r ö p k e auf 5 Monate, gegen G e h s e auf 9 M o n a t e und gegen R a u p a ch und Lange auf je l'A Jahre .Gefängnis bei"sofortiger Verhaftung. Mus aller Welt. Tie Grippe in England. Haag, 3. Juli. Eine Sondermeldung von„Nieuwe Courant' aus London berichtet von Fortschritten der spanischen Krankheit in England. Danach hat ein einziger Londoner Arzt gestern 184 solcher Fälle behandelt. Die Totcnziffer ist gestern gestiegen. In der Nacht stellen sich lange Reihen vor den Wohnungen der Aerzte an. In den Industriestädten, besonders in Birmingham, droht ernstlicher Mangel an Arbeitskräften, ähnlich in Leeds. In Man?« fielt» und anderen Städten sind Theater und Lichtspielhäuser ge- schlössen. Beim Schichtwechsel eines einzigen Schachtes fehlten in mehreren Gruben 258 Mann. Wäsche- und Schuhfabriken vermissen einen großen Teil ihrer weiblichen Arbeitskräfte. In Middlcs- borough kommen 5888 Kinder und 68 Lehrer nicht zur Schule. In Manchester find 78 Wagen der Straßenbahn ans dem Verkehr ge- zogen worden, weil sich 388 Führer und Schaffner krank gemeldet haben. Disziplinarverfahren gegen Professor Henkel. Jena, 4. Juli. Das Disziplinarverfahren gegen den Direktor der Jenenser Universitäts-Frauenklinik Prof. Dr. Henkel wird dem- nächst in zweiter und- letzier Instanz vor dem Oberverwaltungs- gericht verhandelt werden. Gegen das Urteil der Disziplinar- Strafkammer in Weimar, das auf Strafversetzung lautete, hatten sowohl das thüringische Ministerium wie der Beschuldigte Berufung eingelegt, die Anklagebehörde mit dem Antrag auf Dienstentlassung, die Verteidigung mit dem Antrag auf Freisprechung. In der Zwischenzeit haben auf Antrag der Verteidigung umfangreiche Zeugenvernehmungen stattgefunden, Im Anschluß daran ist von dem Direktor der Berliner Universitäts-Frauenklinik Geh. Medizinal- rat Prof. Dr. Bumm ein eingehendes Gutachten erstattet worden. Neue Zeitrechnung im Osten. Bukarest, 3. Juli. In der Moldau und in Bessarabien ist der Gregorianische Kalender ein- geführt worden. vriefkaften üer Redaktion. F. M. 300. 1. Sie sollen nur nicht im Frontdienst beschästigt werden. 2. Sie haben keine Aussicht, deswegen entlassen zu werden.— Nr. 100. Ihr Brief ist nicht zu entziffern.— Thüringen 08. I. Nur bei besonderer Bedürftigkeit eventuell bis zu 50 Mark. 2. Sie müßten sich mit einem Gesuch an den Nationalen Frauendienst wenden. 3. Anspruch aus Arbeitsurlaud besteht überhaupt nicht. Sie könnten, wenn Sie schon lange im Feld stehen, unter diesen Umständen den Versuch machen. Ver> pflcgimgSgelb erhalten Sie bann nicht.— P. W. 100. Jedenfalls gehört doch Ihre Ehefrau einer anderen Kirchcngemeinschast an: Sie müssen dann auch für sie die Kirchensteuer zahlen.— A. D. I. Zulässig ist monatticher Kontrakt, er ist aber für Wohnungen in Berlin nicht ortsüblich, daher»var es von den Mietern schon recht, wenn sie das Mietscinigungsaint an- genisen haben; warten Sie dessen Entscheidung ab.�— G. W. 100. Tie klägerische Partei mutz allerdings nach fruchtloser Sühne die Ktage beim Schöffengericht einreichen. Wir raten aber sebr zur Einigung vor dem Schiedsrichter.— G. W. 70. Ja.— A. Wasch... Der Vertrag konnte auch innerhalb 24 Stunden nicht mehr rückgängig gemacht werden, Sie werden die 15 M. als Reugeld zahlen müssen.— M. K. 128!). 1. Nein. Es ist darüber übrigens noch keine nähere Anordnung getrosten. 2. Nein. 3. Geschieht ja nicht. 4. Ten Munitionsarbeitern usw. — K.(S. Zürich 22. Sonntag.— 31. B. 100. Das Grundbuchamt befindet sich im zuständigen Amtsgericht.— Friedenau. Wenden Sie sich an die Geschäftsstelle der KriegSbcfchädigtensürsorge, Berlin, Poststr. 5.— Wafferstandsnachrichten der Landesanstalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterbureau. WetterauSüchten kür das mittlere Norddeutlchland vis Sonnabend mittag. Ziemlich warm, westlich der Oder vielfach heiter und größtenteils trocken, nur strichweise Gewiiter, im Osten nach vor- wiegend wollig und an vielen Orten leichte Regenfälle. Kdeotselrv« Tticater. Mit Max Pallenberg Freitag bis Sonntag 8 IThr; Familie Schlmelt. Kammcrspiele. AUabendlioh 1'/, Uhr: Inkognito.(Operette.) TolkBbttJinc, Th.a. Bülowpl. AUabendlioh 71/, Uhr: Cfenerai Yorck. Theater des Westens AUabendlich 7'/« Uhr: Leopoldine Konstantin w Die Tänzerin. Theater Is.Königgrätzerslr. 8 Uhr: Die fflnf Frankfurter. Komödienhaus 8 Uhr: Die Schwestern nud der Fremde. BerlinerTheater TläU.: BUtsblnucs Blut. Yational-Thcate r 8j48 Mäuschen Trianon-Theater Bhf.'FrledrlChstr.Ztr. 4927, 2391 8U. Zum 303. Male: Der Lkdsnsskküwr. Kaiser-Titz, Bildf, Fjink. Sonnab. nachm. l/j4 U. kl.Pr.: Schneewittchen, Sonntag 4 Uhr: Gespenster. fTilFraÄliirterÄllßrsll Der Riesenerfolg des Thalia- Theaters über 5Ö0 Male! Pappchen. (Du bist mein Augenstern...) Ges.-.P. i. 8 Akt. v. Jean Kren u. Kurt Kraats. Mus.: Gilbert. Anfang täglich 7Iit Uhr. Sonntag 4 Uhr: Bunte Bühne. Kastanienallee 7—9. Täglich 5 Uhr in vollständig neuer Bearbeitung: W MWMMM. GrotzePosten-Revue in 5 Bildern Dazu die grvSart. SpezialitSlen Roiohohaiion• Theater. Allabendlich 7'/, Uhr: Stattiner Sänger. Eeichshallen-Saal T'/jü.: GroBee Blflthgen-Konzert. Theater der Friedriehstedt. Ecke Friedrich- u. Linienstr, Täglich Tl, Uhr; Die erste Geige. ßonnt. nachm. 3'/, kleine Pr.: Jugend. Ädmiralspalast. | Die PrlKOSSiuYon Tragant| Sajdah Dentscbe Tänze TU Uhr. 2, 3, 4, 5, 6 M. SARRASANI Täglich Tj, Uhr, Sonntag 3 und TU Uhr; Im innern des U-Bootes betitelt sich das vierte Bild des Massen-Manege- Schaustiicks;.Tcrpetlo— los!''— 9 glänzende Akte. Vorverk.: Zirkus-Busch- Kaase ab 10 Uhr und _ A. Wertheim. Theater für Freitag, 5. Juli. Central-Theater 7v. uhr: ßie CsardastetiD. Deatsches Opernhaas 7 ubr: Die sehie heleoa. Friedrich-Wilhelmst. Theater ��■•DasDremlderihans. Kleines Theater S Uhr: Arlstld und seine Fehler mit Bassennann. Komische Oper 7�.- SehwarzwalioiEdel. Sonnt. 3'/,U.: Die KinokSnigin. Metropol-Theater Die Eose von S(?ÄL 7'/. Uhr; fiastsplelhnns T/, Uhr: DiehlondecKädelsy.lMnlio! Neues Operettenhaus 7vtühr= Der Soldat der Marie. Kesidena-Thenter ?-/. u�: Flimmer- KIWeL Schlller-Th. Charl. 7.,. uhr: AEeideiherg. Thalia-Theater 7'/. Uhr; Theater am Nolleudorfplatz 71/, Uhr: Geöffnet 10-7 Eintritt 1 M., Sonntags bis 2 Uhr Montag» 2 M. flu. Raubtierdressurl HAGENBECK HAMBORG kommt ab SONNABEND, 6. NUR 9 TAGE nach NEDEOELLN Platz Ecke Weserstraßs und RQtHstrafie, 5 Minuten v. Hermannplatz. Bekanntmachung. I. Es entfallen: It 200 tamit Gr«en aus Abschnitt 43 und 4» und 100 Staiiisn Suppen oöet 2 SimeWeln aus Abschnitt 44 der allgemeinen Lebensmittelkarte der Stadt Berlin, sowie 250 Mm Mmen auf die Abschnitte 15 und 15 der Lebensmittelkarte für Jugendliche. DER HIAS 1 Im I. Akt: Hias und das Kammer- ! kätzchen. ES Die Flucht des Hias i aus franzosischer Qefangen- j schaft. B Der Traum des ver- > wundeten Leutnants, m Im II. Akt: ! Der gescherte Alisi. b Das ur- | fidele Front-Brettl, b Im III. Akt: 1 Das Kriegsgericht B Die glänzende Film-Einlage:„Sturm j auf Schloß Mont-PIaisier". Täglich Th Uhr abends Sonntag 2 Vorstellungen: SVe und TVa Uhr Walhalla- Theater ♦ Weinbergsweg. bis 45 abgegeben sind. Der Kleinhändler hat bei Annahme dieser Anmelde- abschnitte das Miltelstück der Lebensmiltelkarte mit seiner Firma zu verschen. III. Unter Ausschluß nackträglscher Annahme sind die An- meldeabschnitte vom 3. bis 7. Juli 1018 bei den Kleinhändlern und von diesen am 8. Juli 1018 bei den Grotzhändlern abzuliefern. I?. Nicht abgeholte Ware verfällt mit dem 8. August 1918. Berlin, den 4. Juli 1918. Magistrat der Köiiigl. Haupt- und Ueßdeuistadt. Abteilung für Nährmittel. Wir kaufen gebrauchte Bindfaden Zelluloid-, jFilm- Hartgummi- Wachswalzen- Schallplatten'Lb- O r d o w er G. m. b. H., Georgenkirchstr. 50 (b. Alexanderplatz) Friedrichsir. 43, Ecke Zimmcrstratze. 9-12-/,, 2'/,— 6'/� Universal« Briefsteller 4,— Mark, Buchhandlung Vorwärts, Lindenstiatze 3(Laden). iMeotidle draüle- Oaii-iSmMMt e. G. m. b. H. Ab Sonnabeud: frische Möhren in den Verteilungsstellen. Geöffnet täglich 0— IS und 4—7, Sonntags 8— 10. 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Heule schon sieht man allgemein ein, dag die Behauptung dieser Talsache durchaus richtig war und noch ist. Selbst der Krieg, durch den das Flugwesen doch einen geradezu staunenswerten Aufschwung erfahren hat, und durch den eine verwirrende Fülle von Spezialkonstruktionen geschaffen wurde, hat das alte Flugzeug- Prinzip nicht umgestogcn. Alle gemachten Fortschritte erstrecken sich lediglich auf Steigerung der Leistungsfähigkeit und Geschwindigkeit. Die Sicherheit und Wirtschaftlichkeit des LuslflugS aber, Faktoren, die bei der Beurteilung der zulünstige» praktischen Verwendbarkeit deS Flugzeugs als Verkehrsmittel für die Allgemeinheit zweifellos an erster Stelle in Frage treten werden, sind trotz aller Neuerungen unverändert gering, und schlecht geblieben. Von neuem werden nun die Stimmen der modernen Forscher laut, die da behauplcit. dag das Flugprinzip von heute auf ganz falschen Grundlagen fuge. So ist zwischen ihnen, den Vertretern des neuen Flugprinzips, das in der Nachahmung des Vogelfluges mittels eine- Segelflugzeugs mit faltbaren, pneumatisch pulsierenden Tragflächen bestehen soll, und den Anhängern des heutigen Normol- flugzeugs, das allgemein noch immer hartnäckig als unübertreff- barer Slandardtiip angesehen wird, seit einigen Jahren ein lebhafter Kampf entbrannt, der immer weitere Wellen schlägt und die Auf- merksamkeit aller Kreise auf sich lenkt. In feinem Verlaufe tritt immer deutlicher hervor, dag die Vertreter der neuen Ziele und Wege trotz heftiger Gegenwehr unbeirrt und erfolgreich weiter- schreiten. Dem grögicn und bedeutendsten dieser Pioniere der neuen Flugwissenschaft, Dr, Raimund Nimführ, dem bekannten Wiener Fluglechniker, ist es nunmehr nach mehr als zwanzigjährigem, mühevollem Studium gelungen, das trotz Anwendung aller Hilfs- theorien bisher ungelöst gebliebene Problem des Segelflugs restlos zu erforschen.. Schritt für Schritt vorwärtsstrebend, fand der ehe- malige Meteorologe unter unzählige» neuen Erkenntnissen vor allem die eine, wichtigste, das alle bisherigen Theorien über den Segelflug ausnahmslos sowohl die Verdichtbarkeir der Luft wie auch ihre innere Reibung, die Kohäsion der Moleküle, irrigerweise außer acht gelassen hatte. Auf diesen Fehler war man verfallen, weil man der Lehre von' der Hydromechanik, also der Wissenschaft von den Kräftevcrhältniffen des strömenden Wassers, bei der die Werte für Verdichtung und Kohäsion unbeachtet bleiben, die Aerodynamik, also die Lehre vom Kräftespiel der Lustströmungen, Punkt für Puukt gleichgesetzt hatte. Dr. Nimfllhrs Untersuchungen ergaben aber nun zum ersten Male, daß die Luftverdichtbarkeit mehr als zehn- tausendmal größer als die des Wassers, und daß ihre innere Reibung— bezogen auf die gleiche Dichte— über vierzehnmal größer'ist. Die Vernachlässigung dieser wichtigen Tatsachen bedingte, daß das große Problem vollkommen neu angefaßt werden mußte; während man sich bisher begnügt hatte, in erster Linie alles auf Luftströmungen und deren Wirksamkeit hinauszuffihren, fand Dr. Nimsühr in den Schwankungen der Luftdichte den Untergrund zum Aufbau de« idealen MenschenflugzeugS. Seine Konstruktion dieser zukünftigen Segelflugmaschine, die frei von jedem falschen. untechnischen Naturalismus ist und in der analogen Uebertragung des Vogelflugs aus den Menschenflug besteht, schließt wohl alle Bauelemente der bisher erprobten Flugzeugarten in sich, unter- scheidet sich aber ganz grundsätzlich von diesen: sie stellt die Schaffung des so lange vergeblich gesuchten rationellen Flügelschlagersatzes dar. wodurch nach dem Borbilde des Bogels von der Fluggeschwin- digkett unabhängige Schwebefähigkeit und Flugsicherheit sowie ein lotrechter Aus- und Abstieg ermöglicht wird. Dr. NimführS Werk, das durch Spenden von vielen Seiten sowie durch die Urteile eines Ernst Mach, Josef Hofmann, Julius von Hann, Wilhelm Kreß und anderer starke moralische Förderung erhielt, geht seiner Vollendung entgegen. Zum Bau seines Zukunftflugzeuges, das die gesamte Technik und Konstruktion unserer heutigen Normalflugzeuge über kurz oder lang beeinflussen kann, ist bereits die Gründung einer deutschen Studiengesellschast mit einem Stammkapital von 200 000 M. Lodz. 281 Das gelobte Land. Roman von W. St. R e y m o n t. Grell schien die Sowre über Lodz, über die tausend Schornsteine, die in der sonntäglichen Ruhe still dastanden und in der reinen, klaren, vom Rauch heute nicht geschwärzten Luft wie mächtige rostige Fichtenstämme emporragten, von einem bläulichen Frühlingsdunst umwoben. Haufen von Arbeitern fluteten im Sonntagsstaat über die Piotrkower Straße, in hellen Sommeranzügen, mit schreiend bunten Krawatten und Mützen, oder mit hohen, längst unmodernen Hüten und Schirmen in den Händen. In endlosen Reihen strömten sie aus den Seitenstraßen herbei. Wie eine dichte, schwere Masse sich teilnahmslos fortstoßen läßt, drängten auch sie sich auf dem Bürgersteig. Lang- sam trippelten die Arbeiterinnen in phantastischen, grellen Hüten, auf Taille gearbeiteten Kleidern, oder mit karierten Tüchern um die Schultern, das Haar glatt gekämmt und von der aufgetragenen Pomade und den vielen Nadeln glänzend, oder auch mit künstlichen Blumen geschmückt. Sie drängten durch die Menge, sich mit den Armen Platz schaffend, um ihre steifen, frisch gestärkten Kleider und ihre aufgespannten Sonnen- schirme zu schützen, die wie große Schmetterlinge in tausend Farben über dem grauen, dahinströmenden Mcnschenfluß wogten. Unterwegs schwoll der Fluß durch den Zustrom aus den Seitengassen immer mehr an. Die Menge blickte zur Sonne, atmete den Frühling ein, mit dem die Luft wie durchsättigt war, und schritt träg weiter; der Sonntagsstaat, die eigentümliche Stille der Straße im Vergleich zum Werktag, die Freiheit und die Sonntagsruhe, mit der sie nichts anzufangen wußte, quälte sie. Die vom Licht geblendeten Augen starrten auf einen Punkt und die kreideweißen, gelben, grauen, erdfahlen, eingefallenen und blutlosen Gesichter— das Blut hatte die tibrif ihnen ausgesogen— sahen heute noch elender aus. ie blieben bei den mit Schundwaren ausgelegten Laden- fenstern stehen, oder fluteten in schmalen Reihen in die Kneipen ab._ Von den Dächern, aus alren Dachrinnen und von den Balkons floß das Wasser in Strömen auf die Köpfe der Vor- beigehenden und auf den schmutzigen Bürgersteig. Der gestrige Schnee taut« und rann an den Fronten der Paläste und Häuser in Angriff genommen, und der bekannte deutsche Flugtechniker Ingenieur Ansbert Vorreiter hat sich bereit erklärt, diese Gesell- schaft zu leiten._ Neuartige Narkose-Versuche. Die Allgenieinnarkosen, in denen die meisten größeren Opera- tionen ausgeführt werden, sind von unschätzbarem Wert, der gerade jetzt bei Patienten und Aerzten immer wieder bestätigt wird. Aber diese Narkosen werden bekanntlich durch Jnhnlafto'nsvergiftungen mit körperfremden Gasen erzeugt, und sowohl Chloroform, Aether und Chloräthyl wie auch Bromäthyl und Lachgas sind Gifte, denen immer schädliche oder zu mindest unangenehme Gegenwirlungen an- haften können. Ein ideales Narkotikum wäre ein Sroff, der gleich- zeilig betäubend und indifferent ist. Da es aber vorläufig kaum möglich erscheint, ein solches Mittel zu finden, ist man wenigstens bestrebt, einen Stoff festzustellen, der sich diesem Ideal mehr nähert, als die bisher gebräuchlichen. Diesem Ziele galten die bisherigen Versuche Vau Professor Capelle, über die der Forscher selbst in der„Deutschen Medizinischen Wochen- schrift berichtet.' Der gesuchte Stoff sollte geruchloser und für die Atmungs- organe reizloser sein als die bisherigen, er sollte ein schnelleres Aufwachen ermöglichen und postnarkotische Störungen von geringerer Wirkung und möglichst kurzer Dauer hinterlassen. Prof. Kapelle wandte nunmehr seine Aufmerksamkeit einem Stoff zu, den jeder ein« und ausatmet, und dessen Wirkung aus zwei Kräften zu be- stehen scheint: einer erstickenden und einer betäubenden. Dieser Stoff ist die Kohlensäure. Bei der physiologischen Atmung wird die Kohlensäurewirkung durch den Sauerstoff vom Organismus ab- gehalten, d. h. bei jedem neuen Atemzuge dämpsr der hinzu- tretende Sauerstoff die Wirkung der Kohlensäure wieder bis zum Nullpunkt ab. Wenn aber der Sauerstoff fehlt, so steigert sich die Wirkung der Kohlensäure, ihre � erstickende und betäubende Kraft macht sich geltend und kann bis zur regelrechten Erstickung und Betäubung anschwellen. Nach diesen Feststellungen war nun die Frage, ob die betäubende, narkotisierende Kraft der Kohlensäure von der erstickenden getrennt zu werden vermag. In diesem Fall, so lautete die Schlußfolgerung, könnte die Kohlensäure vielleicht als Betäubungsmitel verwendet werden. Prof. Capelle versuchte nunmehr, die erstickende Kraft dadurch auszuschalten, daß er auf Kosten des Luftstickstoffes ein Gasgemisch aus Sauerstoff und Kohlensäure herstellte, in dem der Gehalt beider höher war, als in der gewöhnlichen Luft. Beim Einatmen empfindet man diese Sauerstoff-Kohlensäuremischung als ein gernchloses, prickelndes Luftgemisch. Das Gemisch kann ohne Hustenreiz und ohne jegliches„Lufthunger"- Gefühl eingeatmet werden und nach einigen Atemzügen tritt Klopfen und Rauschen im Kopf ein, bei zwar tiefer werdenden, aber im übrigen vollkomnien freibleibender Atmung. Es ist ein Gefühl, wie wenn man auf einem Schiff gegen den Wind atmend anfährt. Nach zwei bis drei Minuten dieser Einatmung beginnt man schläfrig, apathisch zu werde». Die Glieder werden schwer, das Gefühl der Körperober- fläche wird tauber und erlischt endlich auch für Schmerz, und zwar etwas ftüher als das Bewußtsein. Das Gemisch wurde bisher an drei Hunden ausprobiert, die man, ohne Morphiuinvorbereitung, bis zu einer halben Stunde in- halieren ließ. Die Tiere konnten jedesmal in den Zustand der Betäubimg versetzt werden, und die Unempfindlichkeit trat allgemein schneller und mit geringerer Erregung auf, als bei der Kontrolle mit Aether. Auch das Erwachen auS der Narkose mit dem Sauer- stoff-�Kohlensäure- Gemenge erfolgt viel schneller als nach Aether, Brechreiz oder Erbrechen wurden niemals hervorgerufen. Selbst nach einem halbstündigen Schlaf waren die Tiere fast sofort sicher auf den Beinen, und bereits zehn Minuten später fraßen sie da« ihnen gereichte Futter. Durch mehrfache Versuche konnte schließ- lich auch festgestellt werden, daß diese Eirtatmung eine vollkommene Unempfindlichkeit gegen Schmerzen erzeugt. Dies ist das bisherige Ergebnis, festgestellt ist nach diesen Tierversuchen jedenfalls, daß man mit einem entsprechend konzentrierten Gemisch aus Sauerstoff und Kohlensäure narkotisieren kann, also mit einem Gemisch der beiden Gase, deren gegenseitiger Austausch chemisch das Wesen der physiologischen Atmung darstellt. Der moöerne Architekt. Ueber Aufgabe und Beruf des modernen Architekten hat Karl Scheffler, der bekannte Kunstschriftsieller, vor dem Züricher Ingenieur- und Architekten-Berein einen Vortrag gehalten, der auch in Schrift- form erschienen ist(bei Rascher u. Ko., Zürich). Die„Frankfurter Zeitung" gibt folgenden Auszug: herab und grub auf den mit Kohlenstaub und Ruß bedeckten Wänden lange, schwarze Furchen ein. Das holprige und grundlose Straßenpflaster bedeckte ein dicker, schlüpfriger Kot, der unter den Rädern vorbeifahrender Droschken und Equipagen auf den Bürgersteig und die Passanten spritzte. Dichtgedrängt und massig standen an beiden Seiten der Straße, die sich in einer Riesenlinie bis nach Baluty hinzieht, Häuser und italienischen Kastellen ähnliche Paläste, in denen sich Baumwolläden befanden; einfache Mauerkästen mit drei Stockwerken, ohne Tünche; stilvolle Häuser mit Barockbalkons aus vergoldetem Eisen, verschnörkelt, übersät mit kleinen Amoretten am Fries und über den Fenstern, durch die im tnneren Weberwerkstätten zu sehen waren; kleine schiefe olzhäuschen mit grünen, vermoosten Dächern, hinter denen in den Höfen mächtige Schornsteine und Fabrikmassen empor- ragten, schmiegten sich an die Seite mächtiger Paläste im Berliner Renaissancestil aus roten, modellierten Ziegelsteinen, mit steinernen Türangeln und Fensterstöcken, mit einem großen Relief an der Frontseite, das die Industrie darstellte, mit zwei tunngeschmückten Seitenpavillons, die ein schönes Eisen- gitter, hinter dem man in der Tiefe kolossale Fabrikmauern erblickte, von dem Hauptgebäude trennte; mächtige, Pracht- volle Häuser, die wie Museen ausschauten und doch' nur als Magazine für fertige Waren dienten; mit Ornamenten in allen Stilarten überladene Häuser, wo im Parterre Renaissance- karyatiden einen altdeutschen Gang stützten, das zweite Stück- werk im Stile Louis Ouinze in den zierlichen Linien der Fensterrahmen emporschwebte und vollen Spulen ähnliche, bauchige Verzierungen den Abschluß bildeten; Häuser, die mit ihren gewaltigen Mauern wie alte, würdige Tempel emporragten, majestätisch im ernsten Schmuck iljrft Ornamente. In goldenen Lettern standen da ans Marmortafeln: „Schaja Mcndelsohn",„Hermann Buchholz", und andere Namen. Ein richtiger Kehrichthaufen aller Stilarten, von groben Maurerhänden gefertigt, mit kleinen Türmen bespickt, mit ständig abfallendem Stuck beklebt, von tausend Fenstern durch- schnftten, mit steinernen Baikonen, Karyatiden, protzigen Fassaden, Dachbalustraden und mächtigen Toren überladen, in denen Portiers in glänzenden Livreen auf Samtfauteuils schlummerten, und mit einfachen Eingängen, durch die der Straßenkot bis in die scheußlichen, mistgrubenähnlichen Höfe eindrang; voll von Läden, Kontors, Lagern, kleinen, dreckigen Schundbuden, erstklassigen Hotels und Restaurants, gemeinsten Lreitag, 5. �uli „Ich möchte wohl ein Baumeister sein!"— mit diesem bielleicht nicht nur rhetorischen Wunschwort beginnt und schließt Scheffler seine Ausführungen. Nicht ein Baumeister, wie ihn die Bauwut des modernen Unternehmertums, des hastenden Betriebe?«nt- wickelte, der den Architekten zum Opfer der Arbeitsteilung machte, sondern ein Baumeister nach Renaissance- Art, ein Herrscher über ein Ganzes, ein sozialer Organisator, der Maurer, Maler, Handwerker, Bildner unmittelbar in sein Schaffen hineinzieht und so mit einer in seinem Willen geeinten Menschengruppe ein Werk schafft, das als Symbol der Gesamtkultur der Zeit für Jahr- hunderte dasteht. In seiner Person vereinige sich der Künstler, Techniker, der Gelehrte mit dem großen Unternehmer; nur-o sich das Bauwesen von dem kulturmordenden Geist der Spekulation. der billigen, überhasteten SSnellwerkerei. Der heutige gelec,. � akademische Arcbitekt oder Baubeamte, der mit der Reiß- feder und historischen Kenntnissen Börsen als griechisch- Tempel, Miethäuser als italienische Palazzi, Bahnhöfe gußeisernen Korinthersäulen sich zurechlkonstruiert, macht sich oft bestenfalls in einer Fassadenzeichnerei künstlerisch bemerk bar, ohne die notwendige Fühlungnahme mir dem Handwert» lichen des Bauens, aus dessen Kennlnis heraus sich erst eigentlich die tektonischen Ideen entwickeln. Michelangelo baute aus riefstem lünstlerisch-technischen Instinkt seine St. Peterskuppel, die erst nach- trägliche Berechnung wissenschaftlich rechtfertigte. In den neuen kunstgewerblichen L-trömungen sieht Scheffler einen willkommenen siltlichcu Antrieb zur Wiedererweckung de? Handwerkstriebes. Sachlich, organisch, sozial denke der neu» Baumeister. Die Probleme des Städtebaues, die Bedürfnisse de« modernen Geschäftshauses, die Zusammenfaffung der Mietshäuser zur monumentalen größeren Einheit, das Suchen nach neuen Typen für Bauwerke, die aus guten Traditionen herauscntwickelr die gute Tradition weiterleiten— das sind die Hochziele. Die Erfinder neuer Formen, die Romantiker unter den Meistern, regen Umbildung und damit stets Erneuerung des Herkömmlichen an: diese Doppeltendcnz au? neuem Willen und aller Treue läßt als Synthese den„neuen Stil" erhoffen, der dann nicht willkürlich erfunden, sondern lebendig gewachsen ist. Scheffler erhofft vom Kriege einen neuen Geist: die notwendige Sparsamkeit wird dem „Betrieb" ein Ende machen und ausdauernde technische Selbstarbeir des Architekten führt ihn von aller Aeußerlichkeit und Schcindeko- ratio» zum Wesentlichen zurück, gibt ihm wieder die alte Moral der Verantwortung für ein Ganzes, nicht nur für papierne Reiß« brettbauerei oder wesenlose Phantastik. Notizen. — Die Leipziger„Illustrierte Zeitung" hat zur Feier ihres 7Sjährigen Bestehens eine Festnummer herausgegeben lNr. L913), die in Aufmachung und Ausstattung Vortreffliches bietet. Ddr Hauptteil der Nummer ist der Geschichte de? Blattes und der Darstellung seiner Herstellung gewidmet. Die verschiedenen technischen Nachbildungsverfahren werden anschaulich vorgeführl. All die Arbeit, die aufgeboten werden muß, um ein modernes illustriertes Blatt zu schaffen, wird in reichhaltiger Verzweigung aufgezeigt. — DcrS Preisausschreiben für Kleiderder- schlüsse für Armamputierte, das vom Knopfmuseum Heinrich Waldes in Prag-Nrschowitz zur Schaffung von Kleider- Verschlüssen urrd Kleidungsstücken für Armamputierte und Arm- beschädigte ausging, hat 429 Emsendrrngen mit etwa 999 Lösuugni erzielt. — Der Bureaukrat macht alles. IS Monate ist der frühere Ministerialrat Milbenkovich, der wegen seiner gutkatholi- schen Gesinnung auserlesen wurde, Direktor des Wiener Krirg- theaters gewesen. Nun geht's nicht mehr, weil äußer der jurisflschen Vorbildung, die bekanntlich zu allem befähigt, zum Theaterdirektor immerhin noch etwas mehr gehört. Das werden freilich die Hof- leute nicht zugeben� — 29 Millionen Briefe von und an Kriegs- gefangene hat das Kriegsgefangenen-Poftbureau in Bern im Monat Mai verarbeitet und weiter geleitet. Dies ist die höchste bisher im Kriege er»ichte Berkehrszahl. — Todesstrafe und Höchstpreise. Der römische Kaiser Diokletian führte im Jahre 313, als die Preise auf alle LebenSnotwendigieiten fabelhast gestiegen waren, Höchstpreise ein und bedrohle die Uebertretungen mit Todesstrafe. Wenn die Historiker richtig berichten, so verschwanden daraufhin die Waren gänzlich von dem Markte. Viele Todesurteile wurden vollstreckt— aber die Teuerung hielt an. Kneipen, vor denen sich das Elend sonnte, voll von den Mil- lionen, die in glänzenden, mit Amerikanern— das Pferd zu zehntausend Rnbel— bespannten Equipagen durch die Straßen rollten, voll des Elends, das sich durch die Straßen wälzte, Verzweiflung um die blassen Lippen und ewigen Hunger in den scharfen Blicken. „Eine wunderbare Stadt," flüsterte Moritz, an der Ecke der Meyerpassage mit zugekniffenen Augen auf die endlosen Häuserdämme blickend, die die Straßen umklammerten.„Eine wunderbare Stadt, aber— was kann man dabei verdienen?" dachte er höhnisch und trat in eine an der Straßenecke gc- legene Konditorei, die ganz überfüllt war. „Melange!" rief er den umherlaufenden Kellnern zu, wand sich zu einem freien Platz durch, blätterte mechanisch im letzten Börsenknrier und versank wieder in Gedanken. Er überlegte, wo er Geld austreiben könnte, und weiter, wie er eS anfangen sollte, um bei dem Baumwollgeschäft, das er vor ein paar Stunden mit seinen Freunden abgeschlossen hatte, möglichst viel z» verdienen. Moritz Welt war zu sehr ein Lodzer.Gründer', um irgendwelche Gewissensbisse zu der- spüren, die ihn an einem guten Geschäft, selbst auf Kosten semer Freunde, hätten hindern können. DaS Geschäft flog ihm ja zu. Er lebte in einer Welt, in der Schwindelei, hinterlistige Bankrotte, Pleiten, alle erdenklichen Betrügereien und steche Ausnützung— zum täglichen Leben gehörten und Gemeingut aller waren. Man beneidete sich gegenseitig uni geschicktxr ausgedachte Schurkereien. In den Konditoreien, den Kneipen und den Kontoren besprach man die am besten ausgeknobelten Streiche, die öffentlichen Betrüger wurden bewundert, be- wundert und verehrt wurden die Millionen. Niemand scherte sich darum, woher sie einer hatte, ob er sie verdient oder gestohlen. Haikpisache war, daß er sie besaß. Ungeschickten oder denen, die kein Glück hatten, begegnete man mit Hohn und Spott und urteilte scharf über sie, vcr- weigerte ihnen Kredit und Vertrauen— den Glücklichen stand alles offen. Sie konnten heute Pleite machen und fürckmd» zwanzig für hundert zahlen, und morgen früh räumten die, die sie bestohlen, noch größeren Kredit ein, denn sie setßt- konnten ihre Verluste doch auch bei anderen wettmachen un5 fünfzehn für hundert zahlen. Moritz überlegte gerade, was er bei dem Kompagnie- geschäft verdienen konnte, und was ohne das Kompagniegeschäst. Worts, folgt.) Deütfcfter iMaHaf&eäter• Verband. Verwaltungsstelle Berlin. Scn Mitgliedern zurNich- richr, das! unsere Kollegin, die Arbeiterin ÄrndÄsstefiurß Iiemensstr. 4, ant 1. Juli gestorben ist. Ehre ihrem Andenken! Die Beerdignua findet am ??icilag, den Juli. nach. mittags Ithr, uou der Leichenhalle des St. Io- hanniS-KirchhoscS in Plötzen- jce aus statt. Rege Beteiligung erwartet 1 k'c j 114/11 Die Ortsverwaltung. i Verband jder£it5;ograpl)en, Stein- Idrudter und verw. Berufe? BerSn. |(Dcutscii. Senefelder-Bund). I Unseren Mitgliedern geben ! ivir hierdurch die Nachricht, ! dafi der Steindrucker, Kol- | legi 108/9 1 idölf Selmeider plötzlich irrt?lltcr von 66 1 Jahren am 2. Juli an Herzschlag verstorben ist. Ein ehrendes Andenken| ist ihm gesichert. Die Einäscherung ers»!gt! am Sonnabend, den 6. Juli. I mittags i! Uhr, im Krcma- i torium, Gcrichtstratze. Eine rege Beteiligung er- wartet vis Verwaltung.! das urtfetilborc �inmaifianillel 'Stegen-, Lebensmittel-, Obst-arui JitnwJsJmjuliunft* Vteitucfi JllGcga SesclLschaft m.b.Q., 3eclm• Ceti ipelhvf Lindenstr. 3, l'orderliaus I. JEtssc, »ofort z. Ternüeten. Bleasiag, den 9. Juli, pünktllcli abends 7% ühr, im Gewerkschanshaus, Engeiufer 1§: fleneralversamiidmg ml! den Yerlranensleuien und Druekereikasslerera. Tagesordnung: 27/1 i. Berich ierstattiing von der Tarif ausschußsitzung. 2. Diskussion; Zutritt haben nur die Delegierten für die Generalversammlungen, die Teilnehmer nach§ 4 Abs. 5, die Vertrauensleute und dio Druckercihassierer. Ohne Legitimationskarte kein Eintritt. Um pünktliches und vollsfihliges Krsohoinen ersucht Ber kwanvorstand. �ahrptatiändcrung. Im Juli und August vcr- kehren die Dresden- Berliner etchnellzüge DCZ/DKA rägliÄ. Halle(«aale), tm Juli 1918. Mönigl Wjenbahndirektilml Forrl, Pros.?!., Die sexuelle Frage. BolkZanZgabe 5,90 M. Puchhandluiix! Vorwärts, Lin- densiraße Z. Laden.* Preuft.-Südd.Kiaffenlole Vre!-!». S»f» pr» ftlaPe: «tfttl Laie. 5 SHf. Bleuet,...IS»SN. H»!b-....»»»?. Vavje. �. SO Mi. 1.«tafs» 1».?ul>. Z>k,«jANiV Mtiüksi' IBertta tSP. öS. Kai. Lon.-Smv «erderlcher«arti 9. aegavüder Herr»,«ftian. SaiScheS-Kant» 310SS Lwerkschattshaus. Sonntag, den 7. Juli 1918: im große« Saale hat die ** WOIkl-MMW..Zltit ISSSfi u»ea grossen Nnicrhaltiings-Abeüd. Ernste und heitere Vorträge usw. Das Jugendwehr-Drchester hat seine srcundtichc Mitwirkung zugesagt. Eröffnung 5 Uhr. Sonntag Mittag! Hühnersuppe.... Bouillon mit Einlage. Schlei blau.... Gesüllkcr Weiffkohl.. Junger Kohlrabi.. 9,50 9.30 3,50 2,90 1,50 Sauerbraten mit Klögen Kalbsbraten..... Speise Kompott Salat 4,00 3,50 Nachmittags und abends im herrliche» Naturgarten, unter dem Götterbaum: UN« viikdles gitHlRista- Inn.- O weh! Der Schnürsenkel ist schon wieder gerissen. Preise meiner h-rborrag. baitbar., äuffer'i preiswerten reinbaumwollenen, schwarzen Schnürsenkel, kein Ersatz, 1 Paar für Kinder 75 Ps., s, Herren 8b, für Damen 95 Ps. inki. Verpackung u. Lersandkoiten. Unter 5 Paar werden nicht abgegeben. Zahlreiche Nachbestellungen. 217/8* Versandhaus Margot, Abt. III, Eeriin-Zehlendorf. Georgeostr. 7, Poslcheckkoiito: Berlin 38539. Leihhaus Rosenthaler Tor, Liuienstraße 293/4, Ecke Rosen- thalerstraße, nur 1 Treppe, kaufen Sie Pelzkragen, Muffen, Skunks. 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Sitzung, Donnerstag, 4. Juii,«schmittags 2 Uhr. J Am BundeSratStisch: v. Kühlmann. Auf der Tagesordnung steht die zweite Lesung des rumänischen Friedensvertrages. Oberst t>. Fransccki ergänzt seine gestrigen Mitteilungen über das Schicksal der deutschen Kriegsgefangenen in Rumänien. Mg. Noske(Soz.): Ter rumänische Friedensvertrag legt den Rumänen teilweise harte �Bedingungen auf. Aber die Männer, die jetzt Rumäniens Schicksal leiten, hoffen, durch diese Verträge ihr Volk zu Glück und Wohlstand führen zu können. Das rumänische Parla- ment hat den Friedensvertrag mit allen gegen 3 Stimmen an- genommen. Deshalb stimmen anch wir, trotz mancher 23e- denken in der unbefriedigend gelösten Dobrudsebasrage und gegen die Grenzkorrekturen, dem Vertrage zu. Wir verkennen seine Här- ten nicht i aber wir könnten eZ nicht verantworten, deswegen den Friedensvertrag abzulehnen und Gefahr zu lausen, dan wieder der Kriegszustand eintritt. Man dars auch schließlich nicht vergessen, mit welcher Frivolität Rumänien in den Krieg ein- getreten ist. Damals bat eS alle Verträae gebrochen., das voraus- bezahlte Geld behalten, die zugesagten Waren— Brot und Petroleum— nicht(geliefert, eine ganze Menge deutscher Eisenbahn- wagen und Schifie zurückgebalter. Selbstverständlich muß e? diesen Schaden jetzt wieder gutmachen. Das deutsche Volk denkt gar nicht daran, noch eine besondere Geldprämie für den Bruch von Bündnisverträgen zu zahlen. Rumänien muß zurückgeben, was cS uns unter schmäh lichem VeeiragSbruch gestohlen hat. Zustimmung.) Es muß dar über binauS eine ganze Anzahl Vsrpslichtungen auf sich nehmen, und die Meinungen darüber sind geteilt, ob wir ihnen zuviel zu- muten ober ob noch mehr bätte gefordert werden sollen. Wider spruch ist erhoben worden gegen die Berpilichtung Rumäniens, den Juden die staatsbürgerliche Gleichberechtigung zu geben. Darin liegt zweifellos eine Einmischung, ober Rumänien hatte sich b e reits im Berliner Vertrag von)373 dazu verpflichtet. Die Parteien, welche der Regierung vorwerfen, sich in der Lluden frage unberechtigt in innere Anaeleaenbeiten Rumänien? einge mischt zu haben, hätten in der KSnigSfrnge die stärkste Einmischung gebilligt und gewünscht. Wir sind durchaus damit einverstanden, daß die Regierung sich hierin gntz passiv verhalten hat. Wir würden eS durchaus �begreifen, wenn die Rumänen ihren König zum Teufel jagen? aber der deutsche Soldat soll den Rumänen «inen König weder nehmen noch bringen. fSehr rnitP Dos Hauptgewicht legen wir auf die wirtschaftlichen Abmachungen. Wir haben wiederholt gemrhert, daß da? Betroleumabkommen nicht einzelne Banken bereichert, sondern daß eine ausreichende Gewinnbeteiligung de? Reiche? unter allen Umständen gesichert wird. Da? Recht out fortdauernde Re guirierung von Lebensmitteln betrachten wir als eine Wirtschaft« liche SicherbeitSmaßregel gegen die ErdrosselungSabsichten der Entente. Man mag deren Drohungen kür übertrieben halten, niag glauben, daß sie sie selbst beim besten Willen nicht durchs führen kann, aber eS wäre leichtfertig, wenn Deutschland seinen Volksbedarf nicht für alle Fälle sichern wollte, während noch eme Uebermacht von Feinden eS mit Vernichtung bedroht. fSebr wahr!) Wir werden also den Verträgen unsere Zustimmung erteilen. Ihre dauernde Wirkung wird abhängen von dem großen allgemeinen Friedensschluß. Tie deutsche Sozialdemokratie wird «§ nie daran fehlen lassen, auf die notwendige Völkerverständigung hinzuwirken, damit harte Friedensverträge dann nicht mehr not- t-.v.Mg sind. lBravo 6 d. Soz.j Abg. Guihein lVp.) warnt vor Ueberichätzung de? Petro- levmab kommen? ES wäre ganz verkehrt, darau? Riesen- gewinne für Teutschland zu erwarten. Aach Wiederkehr normaler Verhältnisse werden wir unseren Bedarf an mineralischen Oelev besser wieder au? Amerika decken. Ter Redner polemisiert gegen die abfälligen Neußerungen de? Grafen Praschma über die rumänischen Fildern Ein Volk, da? so entrechtet war und so ge- litten hat. kann keine große Anhänglichkeit an sein Land haben. Redner schließt mij der.Hoffnung, daß die alten freundschaftlichen Beziehungen zu Rumänien wiederkehren mögen. Ab�. Alpcrs tWelfc): TaS empörte deutsche Gerech- i i g k e r t S g e f ii b l hat in diesen Verträgen keine Befriedigung gefunden. Auch die Fnteressen der deutschen Kolonisten in Beß- a r a b i« n sind nicht sichergestellt. Wir brauchen eine geschlossene deutsche Kolonie am Schwarzen Meer oder an der Donaumündung. (Beifall recht?.) Abg. Dr. Cohn(II Soz.) greift einige Bestimmungen de? Friedensvertrags mit Rumänien an, da sie verkappte Kontributionen darstellen Diesen Friedensvertrag lehnen wir ab. er ist nicht ein Akt der Notwehr, wie Abg. NoSke es darstellte, sondern verhüllter oder auch unverhüllter Raub.(Präsident Fehrenbach rügt diesen Ausdruck als unzulässig.) Unser Auswärtiges Amt treibt nicht selbständig Politik, sondern fügt sich dem Druck des Militärs. Im Osten rücken unsere Truppen trotz des Friedensschlusses weiter vor. Unser Ziel ist offen in einem Artikel der„Possischen Zeitung" dargelegt worden: weil wir selbst ini Falle de? Siege? im Westen England und Amerika nicht zwingen können.»nS Rohstoffe z» liefern, müssen wir dm Rohstofflieseranten im Osten bis F n di e n hin wirtschaftlich beherrschen.(Zuruf rechts: Sehr vcrnünfttg?) Wir verurteilen diese Gewaltpolitik, die Rußland gegenüber trotz des Friedensschlüsse? fortgesetzt wird.(Beifall b. d. U. Soz.) StckatZsekretär v. Kühlmann: Ueber die Demarkation?- linien im Osten stehen wir in Verhandlungen; wir suchen diese Fragen schiedlich zu lösen. Ueber den Feldzug»ach Indien, der nach dem Vorredner sehr verheißungsvoll für unsere Fleisch- Versorgung wäre, muß ich beinerken, daß er keinen Teil unserer auswärtigen Politik bildet.(Heiterkeit.) Abg. Hanse(U. Soz): Unser Parteigenosse Min st er ist widerrechtlich, obwohl er sich noch auf holländischem Gebt ei befand, von einer deutschen Grenzwache festgenommen worden und wird widerrechtlich festgehalten. Es sind deutsche Agenten an ihn herangetreten, nm ihm Unterstützung für die von ibm in Holland herausgegebene revolutionäre Zeitschrist„Der Kampf" und ihre Verbreitung in Deutschland anzubieten.(Hört! hört! bei den U. Soz.) Es besteht die Vermutung, daß gegen ihn vorgegangen ist. weil er auf diese unsauberen Machenschaften nicht einge- gangen ist. Einen RechtSbeistand zu nehmen hat man dem Minstcr verweigert, angeblich weil er Amerikaner ist: gleich- zeitig aber verwehrt man ibm, sich an die amerikanischen Behörden in Bern zu wenden, weil seine amerikanische StantSzugehörigkeit nicht feststeht. Wir protestieren gegen diese Methoden.(Bei- fall bei den U. Soz.) Die Aussprache schließt. Der Etat deS Auswärtigen Amts wird angenommen, desgleichen der Friedensvertrag mit Rumänien mit den Zusatzanträgen. Es folgt die Beratung des Etats de? RcichSomtS deS Innern. Abg. Hähnle(Vp.) bittet um Unterstützung des deutschen Aus- landSmuseum? in Stuttgart. Abg. Haafe(U. Soz.) führt Beschwerde, daß die„Leipziger V o l k s z e i t u n g" seit vier Wochen dereit» unter Vorzensur stehe. Da» stellvertretende G-u.eralkommando de? 19. Armeekorps richtet sich in keiner Weise nach den Beschlüssen des Reichstage» und den Zusagen, die die Regierung dem Reichstag gemacht hat. Staatssekretär des ReichSami? de§ Innern Wollras: Dem Abg..Haase bemerke ich daß ein auch hier im Hanse bekannter Sozialdernokrat in einer Versammlung gesagt bau Wenn unsere französischen Genossen Ausführungen machen würden, wie wir sie gehört haben, kämen sie überhaupt nicht mehr aus dem Gefängnis heraus.(Zuruf b. d. U. Soz.: Wer hat da» gesagt 1) Ber Eta! tvTrS bewilligs, Beim Etat de? ReichSwirtfchaftSamt» führt Abg. Bell(Z.) aus, die Generalkommando» möchten sich nichl mit der Regelung von Mietssteigerungen beschäftigen, derartige Dinge müßten ihrer Zuständigkeit entzogen werden. Bei den Verordnungen über Kleiderabnahme müsse man sich vor jeder Schablonisierung hüten.— Der Redner begründet dann eine Reso- lution, die verlangt, die Durchführung der Beschlagnahme der Sparmetalle auszusetzen, bis die Sparmetalle, besonders Türklinken und Fenstergriffe, aus allen öffentlichen Gebäuden ab- geliefert sind und bis für Ersatz und spätere kostenfreie Wieder- Herstellung de? jetzigen Zustande? gesorgt ist., Abg. Rießcr(nat.) bittet, den deutschen Nordseebädern zu helfen. In der Uebergan�swirtschaft muß dem freien Handel wieder weiter Spielraum eingeräumt werden. Redner kritisiert das Ueber, maß von Verordnungen. Ein Regierungsvertreter sucht die vom Abg Rießer angegriffene Verordnung über die Regelung der Textilindustrie zu rechtfertigen. Abg. Arendt lD. F.): Die gesamte Bevölkerung, die industrielle sowohl wie die landwirtschaftliche, wünscht jm Frieden sobald als möglich aus der Zwangsorganisation heranSzukommen. Des weiteren tritt der Redner für«inen Schutz der Hau»« b e s, tz e r gegen Verfügungen des Generalkommandos ein. Oberst Koeth sagt zu, daß die öffentlichen Gebäude im Sinne des Antrags Arendt-Bell zu der Lieferung der Sparmetalle heran- gezogen werden sollew Den Hausbesitzern soll durch die Beschlag- nähme der Tür- und Fensterklinken kein Schaden entstehen. Abg. Dr. Junck(nat.): Die Verordnung über die Textilindustrie tällt nicht unter das Ermächtigungsgesetz vom 4. August 1914. Tie Regierung hätte iicb wegen dieser Frage mit dem Reichstag ins Be> nehmen setzen müssen. Abg. Dave(Vp.) und NoSke(Soz.) schließen sich dieser Auf- fassnng an. Die weiteren Verhandlungen ziehen sich bis in die späten Abend- stunden hin. Fortsetzung der Debatte am Freitag. 2 Uhr. der Kühlmann-Prozeß vertagt. Ausschluß der Oeffentlichkeit. In dem Prozeß wegen Beleidigung de? Staat? s e? r e t ä r s Dr. v. K ü h l m a n n begann am Donnerstag die Verhandlung bor der 7. Strafkammer des Landgerichts I unter Vor» sitz de? LandgericktSdirektorS Geh. Justizrats W e st e r m a n n in dem räumlich sehr beschränkten Sitzungszimmer dieser Strafkammer. Die gegen den Redakteur der„Teut'chen Zeitung", Dr. Phil, Max Lohnn und den Redakteur der„Alldeutschen Blätter" Dr. Jull Du mcke erhobene Anklag« lautet aus Beleidigung de? Staat? sekwtärS deS�AuSwärtigen Amts, Wirkl. Geb. Rat? Dr. v. Kühll mann im Sinne des 8 186 de? StrafgeketzbuchS(Behauptung un> erweisbarer ehrenrühriger Tatsachen). Der Strasantrag ist vom Stellvertreter des Reichskanzler? gestellt. Der Anklage liegt folgender Tatbestand zugrunde: In einer am 14. April d. I. stattgeliabten Versammlung des Alldeut» schen Verbandes stellte der Vorsitzende des Verbandes, Justizrat C l a ß. in einer Ansprache die Behauptung auf, daß wir in den wichtigsten Aemtern Persönlichkeiten hätten, die in sittlicher Eignung und nach ihrem Verantwortlichkeitsgefühl den Ansprüchen nicht genügten, die an Führer und Führung gestellt werden müssen. Zwei Tage darauf veröffentlichte das„Berliner Tageblatt" einen Artikel„Alldeutsche Sittenrichter" und forderte darin Herrn Claß auf,'die Persönlichkeiten, die er im Auge habe, deutlicher zu bezeichnen. Als Antwort brachte die„Deutsche Zeitung" am 23. April einen gleichfalls„Alldeutsche Sittenrichter" überrckriebenen Artikel, in welchem Dr. v. Kühlmann als eine der Personen genannt wurde, die unter den Führern gemeint seien. Tiesem wurden in dem Artikel scknr-ere Vorwürfe gemacht und unter anderem gesagt: Gegen ihn liegen ernste und belastende Anklagen wogen eines die Würde des Deutschen Reibe? unter besonder? er- schwerenden Umständen herabsetzenden Verhaltens vor. Abgeord- nete der Parteien, welche ein saubere? öffentliche? Leben als die Grundlage völkischen Gedeihen? ansehen, hätten Veranlassung. die Vorgesetzten de?.Herrn b. Kühlmann entsprechend aufzuklären..Herr v. Kühlmann kommt nicht als politischer Gegner, sondern als Persönlichkeit in Betracht, die die erste Pflicht verletzt hat, die einem Vertreter des Vaterlandes zukommt: die Ehre de? deutschen Namen? zu wahren, deutlicher gesprochen: den deutschen Namen im feindlichen Auslände durch sein Verhalten nicht zu entehren. Gleichzeitig vcröfsentlichten die„Alldeutschen Blätter" einen Artikel„Zur Reinigung nnsere? öffentlichen LebcnS". Darin wurde ebensallk v..Kühlmann» Auftreten in Bukarest behandelt, das„nicht nur die deutsche. Sache geschädigt, sondern auch die Würde des DeutschenNeiches verletzt" habe. Es hieß dann weiter:„Man tollt« denken, daß bei seiner offenbar sehr starken Neigung, sich auszuleben, dem Staatssekretär ein.Dasein fern von den öffentlichen Geschäften erwünschter sein müßte, al? ein von Freund und Feind-beobachtetes Leben im ReichSdienst. Es muß den maßgebenden Stellen klargemacht werden, was«? heißt,� in einem wichtigen Reichsamt eine so unmögliche Person- l i ck k e i t halten zu wollen" usw. An einer anderen Stelle wurde gesagt:„linser öffentliches Leben muß von Persönlichkeiten befreit werden, die in hoben Aemtern«ine Rolle spielen dürfen, die infolge ibrer II»Würdigkeit unseres Volkes unwürdig ist. Was von Konstantinopel bis Stockholm, von Petersburg bis London die Spatzen von den Dächern pfeifen, ist auch in der Berliner Wilhelm- straße gehört worden. Tiefe Kunde bezieht sich aus Herrn v. Kühl- mann??l ii s t r e t e n in B u k a r e st."— Ter klein- Saal 4l3«rweist sich schon vor Beginn der Per- liandluna als völlig unzureichend. Die Verhandlung bc- ginnt mit dem Aufruf der Zeugen. � Beim Aufruf melden sich als anwesend: Justizrat Claß- Mainz, Generaldirektor Rudolf Nollenberg, Direktor der Deutschen Bank v. Strauß, Kam- merzienrat Dr. F r i e dr i ch S-PotSdam, Direktor Dr. Georg V o l m s s e n-Kölu, Major v. Keßler, Wirkl. Geh. Rat und Direktor im AuSwärtiaen Amt Kriege. Gesandter v. Rosen- h e rg. Major Graf. v. P r a f ch m a, M. d. R., Staatssekretär Erz. v. Kühlmann, Kgl. baver, Kämmerer LeqationZsekretär der bavcr. Gesandtschaft beim päpstlichen Stuhl Freiherr v. Gebsattel, Kgl. sächs. Leutnant Herbert Ashelm, Kaiserlicher LegationSrat Dr. v. Hoesch. Chauffeur Gefreiter Knoll, Chauffeur Walter Rademacher, Motorschlosser Paul Wiese, Vizekanzler Exz. v. Paher, Rittmeister Horstmann. Der Vorsitzende ergänzt den Eröffnungsbeschluß dahin, daß auch§ 183 de? StrasgesetzbucheS Anwendung finden könnt«. Ein Vcrgleichsversuch. LandgewichtSdireZtor Dr. Westermann: Bevor ich auf die Sache näber eingehe, halte ich mich für verpflichtet, folaende Frage zu stellen: Besteht vielleicht die Möglichkeit, die ganze Sache durch«ine Erklärung a u S d e r W e l t z u s ch a f s e n? Sie werden sich aus den Akte» überzeugt haben, ob die Tatsachen erweislich wahr find oder nicht.' Ich weiß nicht, wie Exzellenz Kühlmann zu dieser Frage sich stellt, ich handele in keinerlei Auftrag, aber ich beton«, daß ich seit 4 Jahren den Vorsitz in einer Strafkammer führe, vor der viel BeleidigunaSProzesse verhandelt werden und betrachte eZ immer als. meine Pflicht, ein« derartige Anregung zu geben. Angeklagter Dr. Lobitn: llnS liegt wirklich nicht? daran, vor -v,t> st in dl ich- n Ausland, rnst«9 in einer FeitUna stest fibmirv-a» Wo f che zu wafchen oder Brttlakengeheimnisse aufzudecken, dies liegt wirklich nicht im Interesse de? Vaterlandes. Ich würde sehr gern die Hand dazu reichen, die Sache aus der Welt zu schaffen. Der politische Effekt dieser ganzen Angriffe gegen Exzellenz von Kühl- mann, gehk doch aber dahin, Herrn von Kühlmann als Schädling zu beseitigen. Wenn ich die Gewähr hätte, daß Herr von Kühlmann morgen oder übermorgen seinen Abschied einreichen würde, dann würde ich gern eine Erklärung abgeben, den Privatmann von Kühlmann nämlich habe ich als solchen nicht beleidigen wollen, Der zweite Angeklagte Dumcke schließt sich diesen AuSführun» gen an. Vorsitzender: Dann erübrigt es sich ja wohl, Herrn von Kühl« mann über ferne Meinun gzu hören. Dr. Lohan: Ich bedaure es, aber in dem vaterländischen Interesse, welche? ich vertrete, kann ich nichts andere? sagen. Mir hat jedenfalls jede Absicht der Beleidigung des Privatmannes von Kühlmann ferngelegen. Ausschluß der Oesfentlichkeit. Erster Staatsanwalt Rhode: Ich beantrage für die ganze Dauer der Verhandlung die O e f f e n t l i chlk e i t a u s z u- schließen und bitte auch von der Bestimmung der Strafprozeß- ordnung Gebrauch zu machen, nach welcher auch die Begrün- d lt n g dieses Antrages in nichtöffentlicher Sitzung erfolgen kann. Rechtsanwalt Dr. Schwindt widerspricht diesem Antrag mit aller Etttschiedenheit. Es liegt doch gerade im Interesse des Staatssekretärs und auch der Angeklagten, die Sache in vollster Oeffentlichkeit zu klären.— Rechtsanwalt Jacobfen schließt sich diesem Antrage an. Nach längerer Begründung des Antrage? durch den Ersten Staatsanwalt Rhode und Gegenausführungen der Rechtsanwälte! Dr. Schwindt und Jacobsen in nichtöffentlicher Sitzung verkündet der Vorsitzende den Beschluß deS Gerichts dahin: Die Oeffentlichkeit wird während der ganzen Dauer der Verhandlung ausgeschloffen, da eine öffentliche Verhandlung eine Gefährdung der Staatssicherheit befürchten läßt. Drei Beauftragten des Reichskanzler? wird die Anwesenheit gestattet. Ter Antrag, einen amtlichen Stenographen zuzulassen. wird abgelehnt, ebenso der Antrag der Angeklagten, ihren Steno- graphen die Anwesenheit zu gestatten. Vertagt? Nach längerer Beratung verkündet LandgerichtSdirektox Westermann folgenden Beschluß de? Gerichts:.). Die Sache wird vertagt, 2, c? sollen zu der neluen Verhandlung außer den bis jetzt geladenen Zeugen noch die in dem Schriftsatz der Verteidigung vom 3. Juli genannten Zeugen, abgesehen von zwei Herren, ge- laden werden. Ferner soll Exzellenz Peter Carp in Bukarest dort kommissarisch vernommen wenden. Der Ausschluß der Oeffeittlichkeit in diesem Prozeß ist eine Uubegreislichkeit. Ter Hinweis auf die„Gefährdung der Staatssicherheit" erscheint völlig verfehlt. Denn selbst wenn Lohan seine Verteidigung in der Weise zu führen beabsichtigt, wie es die Ladung der drei Chauffeur-Zeugen andeutet, zu denen sich nun vielleicht noch die Frau gesellen wird, die morgens die Betten des Herrn Kühlmann gemacht hat,— selbst dann können wir in dem zu er- wartenden Fortgang des Prozesses höchstens eine Gefährdung des letzten politischen Rufes der Angeklagten, aber nicht der deutschen Staatssicherheit ansehen. Das Deutsche Reich, das vier Jahre Weltkrieg überstand, wird es auch ertragen, wenn Herr Lohan nus Bettlakengeheimnissen politische� Staats- aktioncn macht. Jm übrigen wird durch den Ausschluß der Oeffentlichkeit dem Kläger der denkbar schlechteste Dienst erwiesen, denn das Publikum, dem der Ausschluß der Oeffentlichkeit von anderen Prozessen her al« Folge der Gefährdung der Sittlichkeit in Erinnerung ist, wird leicht dem Glauben verfallen, daß etwas Achnlichcs auch hier vorliege und daß man über irgendwelche nicht zu beschreibenden Vorgänge einen Schleier habe breiten wollen: Aus einem alldeutschen Hintertreppen- tratsch entstanden, wird dieser Prozeß nicht dem Tratsch ein Ende machen, sondern der Ausschluß der Oeffentlichkeit wird dem Tratsch neue Nahrung geben. Die kurze Verhandlung, die dem Ausschluß der Oeffent- lichkeit voranging, hat auf die Angeklagten immerhin ein interessantes Licht geworfsn. Dem Privatmann von Kühlmann will Herr Lohan jede Ehrenerklärung geben. Aber erst fpll der Staatssekretär von seinem Posten zurücktreten, solange er das nicht tut, wird Herr Lohan weiter den Vorwurf unsittlichen Lebenswandels gegen ihn schlendern. Der alldeutschen Kampfesmethode hat Herr Lohan damit selber das Urteil gesprochen.„Danke ab, oder ich greife Dein Privatleben o,nl" Mit dieser Drohung wird dem unbequemen Staatsmann der Revolver auf die Brust gesetzt, wir miiffcn schon das Bild vom Revolver im Zusammenhang mit dieser Art Journalistik brauchen. Es ist dies die Kampfesweise, zu der notwendig eine Partei gelangen muß, die den Sturz von Ministern nicht durch den Volkswillen herbeiführen will, son- dern ans dem Wege einer geheimen Kabinettpolitik, durch unkontrollierbare Einflüsse auf die Person dessen, der das Recht hat, Minister kommen und gehen zu lassen. Ter Kampf um eine Person wird zum persönlichen Kampf und der persönliche Kampf führt dazu, die Kotschleuder dem sachlichen Argument vorzuziehen._ Mfsöienftausschuß. Im Anschluß an den vom Abg. Stückten über seine Reise nach dem lothringischen Sperrgebiet erstatteten Bericht teilte Oberst v. Braun die Maßnahmen mit, die zur Behebung der Mißstände getroffen worden sind. Da? Rcichsmarineamt teilt mit, daß eine Verfügung ergangen ist, die den Betrieben der Marineverwaltung verbietet. Ab- machungen der Privatunternehmer beizutreten, durch welche Auge- stellte und Arbeiter in ihrer Freizügigkeit beschränkt werden. Abg, Giebel berichtet dann über eine Eingabe de» Bundes der t ech n i sch- in du st nelfen Beamten.. 19 der größten Kriegs« betriebein Berlin haben ein Abkommen getroffen, wo- nach sie, falls sie einen aus ihren Betrieben kommenden Beamten einstellen, eine bestimmte Summe in dir Kasse des Brbeitgcberver- bandcs bezahlen müssen. Ausgenommen sind nur Angestellte, denen gekündigt wurde, oder die vom SchlichtungSausschuß den Abkehr- schein erhalten haben. Damit unterbindet man die Freizügig- k e i t und hindert die Angestellten, durch einen Stellenwechsel ihre Lage zu verbessern.— Geheimrat Siefahrt teilt dazu mit, daß das Abkommen strafrechtlich nicht z n b e a n st a n d e n ist, höchsten» sei der Weg der Zivilklage möglich.— General Scheuch erklärt, daß die Generalkommandos angewiesen wurden, darauf hinzuwirken, daß solche Abmachungen freiwillig auf- gehoben werden, andernfalls sind sie, wenn eine Beunruhigung zu besürchten ist. auf Grund des Belogcriingsgesetzes zu verbiete». Nach kurzer Aussprache erklärte sich der Ausschuß mit der Stellung- nähme des KriegSamtes einverstanden. Für die Wersten in besetzten Gebieten hat die Marinever- waltung zwar Angestelltenausschüsse errichtet, hat sich aber daS Recht jederzeitiger Auflösung vorbehalten, weil die gegen- teiliqen Vorschriften deS HilfSdienstaesetze? außerhall? des Reiche? keine Geltung hätten: aus dem gleichen Grunde ist der in Charle- ville errichtete SchlichtiingkauSschiiß nickst als Schlichtungsstelle ein» gesetzt worden. Eine Petition de? Verbandes der Bureauangestell» ten greift diese Maßnahmen an. Die Auffassung des KriegZamtS, daß außerhalb Deutschlands die Gewerbeordnung nicht gelt« unh' fümit§ 11 des HklfÄl en stges e�eS nickit arizuwenden ,'c!, wurde bom klbg. Giebel namentlich mit Hinweis auf � 15 a. a. C. bekämpft, der keine räumliche Grenze ziehe. Ter Ausschuß trat dieser Ansicht bei Und überwies die Petition zur B e r ü ck s i ch t i p u n g. Mit einer weiteren Petition wendet sich der Verband der Burcauangcstellten pcgen die Bcbandlung der Lohnfragcn für die in den Hceresbetricben beschäftigten Betriebs schrciber und S ch r c i b S r inn e n; die Wumba setze unzulängliche Ge- li älter und Löhne fest, entsende dann aber keine verHand- lungsberechtigten Vertreter zu den Verhandlungen vor der Schlich» tungsstelle, habe au.ch weitere Verhandlungen mit der Organisation alz entbehrlich erklärt.— General v. Loupettr erklärte, daß die Wumba auch ferner mit dem Vorband der Bureau angestellten verhandeln werde und inzwischen sei eine Besserung der Löhne zugunsten der Verheirateten erfolgt. Die Petition wurde, soweit st, dadurch nicht erledigt war, ebenfalls zur Berück- sichtigung überwiesen. Von Wichtigkeit ist ein Erlaß, wonach Arbeitgeber solche»- Hilfs- dienstpflichtigen, die ihnen überwiesen wurden, deren Einstellung ober abgelehnt wird, das Fahrgeld und bei einer Entfernung dann ist ihm die R ü ck r e j s c z u bezahlen, Hilfsdienst- Pflichtige, die nach auswärts gesandt werden, sind vorher ärztlich zu untersuchen, wenn sie nicht in den letzten drei Monaten von einem Militärarzt für fähig zum Hilfsdienst erklärt worden sind. Die Sesitzfteuer im tzauptausfthuß. Am Tonnerstog nahm der AuKschutz zunächst die zweite Lesung des Entwurfs über eine außerordentliche Kriegs'- ob gäbe vor. Zwei dem Sinne noch gleichlautende Anträge von fornchrittlicher und nationalliberolcr Seite wollen dem Steuerpflichtigen das Recht geben, an Stelle des Einkommens von 1017 da? Durchschnittseinkommen aller drei Kriegssahre zur Grundlage der Veranlagung zu machen.. Nach längerer Debatte werden beide Anträge abgelehnt. Bei Z li lSteuerpflicht der Offiziere usw.) ersucht Abg. Keil die Regierung um Auskunft, wie es mit der Besteuerung des Dienstaufwandes der Beamten bestellt sei. Gras Reedern antwortet, daß auch Trier der Dien st aufwand von der Steuer defreit sei. Es wird mitgeteilt, daß drei Zehntel des KriegSeintommens der Offiziere als Dien st aufm and s entschädig ung gerechnet würden. Der Ausschuß stimmt dem Paragraphen in der Fassung Gröber zu. Eine sozialdemokratische Resolution ersucht den Reichskanzler, einen Gesetzentwurf vorzubereiten, der zur Ab- bürdung der Reichssckutd eine allgemeine Abgabe vom Vermögen beschließt. Eine Resolution der Unabhängigen ver- langt eine solche Vorlage noch in der setzigen Tagung und ver- langt eine Abgabe bi? zu LO Prozent. Abg. Gothen', ewvfieblt die Zurückstellung dieser Resolutionen, auch jener der Sozialdemokraten aus Einführung einer RcichScrbschaftsstcucr für Kinder und E b e g a t t e n. Die Resolution über die Erbschaftssteuer wird gegen 9 Stimmen(Sozialdemokraten, Un- abhängige und Fortschrittler) abgelehnt; abgelehnt wird dann auch gegen die sozialdemokratischen Stimmen die Resolution über die Vermögensabgahc. � Damit ist die zweite Lesung erledigt. Die Schu�haftkommMon beriet am 4. Juli unter Vorütz des Abg. Tcheidemann die Novelle zum Schutzhastgesetz vom i. Dezember 1919. Es wurde beschlossen, die Generaldebatte mit Erörterung des K 1 zu verbinden. Wg. Waldstein(Fortschr.) begründete unter juristischen Deduktionen einen Abändcrungsantrag, der durch schärfere Fassung die will- ! ü r I i ch e H a ndb a b u n g u n d A u? l e g u n g des Gesetzes unmöglich machen soll. Abg. Wendel>Soze) ergänzte seine Ausführungen im Plenum durch Erörterung der Fälle de? Pfarrers Jean aus Dürkastel, der als Schutzhäftling auf dem DranSvort von Begleitmannschaften schlimm mißhandelt worden iit, de? Vorfitzen- ben der Lorraine Sport ive, S a m a' n, der im Mai 1917 wegen Lähmung beider Beine vom Militär entlassen und in Pol- zin(Pomm.) mit polizeilicher Meldepflicht interniert wurde. Wen- fcel nannte es eine Blamage für den Reichstag, daß er eine Rück- kehr deZ aus seiner Heimat äus-ewiesenen Abg. LövSque immer noch nicht habe durchsetzen könnet'. In der Auffassung de- Falles Levtque stimmten ibm die Abgp. Pttcgg(Elf.) und Richer sNailtb.) bei, während Generalmajor v. Wrisberg als Vertreter des Kriegs- Ministeriums sich im wesentlichen auf Formalien beschränkte. Im übrigen wurde von allen Abgeordneten, von denen sich noch Herz- seid(U. Soz.), v. Tramczpnski(Pole) und Landsberg i-soz.) an der Debatte beteiligten, bedauert, daß die Novelle in dem wesentlichsten Punkt, der vollkommenen Einschränkung der Willkür durch daS Gesetz, so wenig dem Willen des Reichstags Rechnung trage, der in der Resolution vom 11. Oktober 1917 zum Ausdruck gebracht ist. Da Abg. Hcrzfeld(U. Soz.) da? Schutzha.ftgesctz selbst als ein Ausnahmegesetz gegen die unabhängigen S o- zs allsten bezeichnet hatte, wies Abg.'Landsbcrg lsoz.t treffend darauf hin, daß Herzfelds Partei im Plenum für das Gesetz gc- stimmt und also ein Ausnahmegesetz gczen sich selber mit angenom- ■men babc. Nächste Sitzung: 5 Juli.__ KngefteUte and �rbeitskammern. Tie Arbeitskammerkommission des RcichstagcS erörterte in der Sitzung am 4. Juli die Einbeziehung der Angestellten in die Arbeitskammern. Abg. Wiffell begründete eingehend die Notwendig- keit der Einbeziehung. Ter Angestellte sei aus Grund der Ge- staltung der wirtschaftlichen Verhältnisse genau so abhängig wie der Arbeiter. Man könne ihn nicht vertrösten aus ein zukünftiges G.e- setz. Ein Rcgicrungskvmmissar gab bekannt, daß ein Entwurf für eine Interessenvertretung der Angestellten fertiggestellt, aber der Verbündeten Regierung noch nicht vorgelegt sei. Nach langer Beratung wurde die Einbeziehung der Angestellten in das Arbeits- kammevgesetz abgelehnt. Lediglich die Arbcitcrvertreter der Kommission stimmten zugunsten der Einbeziehung der Angestellten. SewerkschoflsbMVUng Tic �rau in dre Geschofttorbindustrie. Frauenarbeit in der Korbindustrie— so schreibt Paul Brückner in der Fraucnbeilage der„Holzarbeiierzeitung"— war in Friedenszeiten eine Seltenheit, nur in den ausgeprägten Heimarbeitevorten von Lbcrsrankcn und Thüringen konnle man solche, und dann meist nur beim Matcrialzurichten und den ein- jachsten Korbflechtarbeitcn finden. Heute hat sich die Situation vollständig verändert. Durch die ins Riesenhafte angewachsene Geschoßkorbmacherei, bei der gegen 50 000 Personen tätg sind, werden m i n de st e n s 39 999 Frauen und Mädckeu beschäftigt, und zwar mit direkten Korbflechtereien. Durch die Einführung der spczialisicrtestcn Teilarbeit und die Anfertigung von Hunderttausenden Körben einer einzigen Sorte ist es ermöglicht worden, Frauenhände für Korbarbeiten zu verwenden, wo sie früher maßgebende Fachleute für unmöglich hielten. Da die Korbslechievei jeder maschinellen Hilfe entbehrt, also lediglich Handarbeit ist, sind es sehr Hobe Ansprüche, die an die „zarten Frauenhände" gestellt werden, ehe sich diese an das oft recht harte und zackige Material gewöhnt hatten, und okt genug baben mir die Mädchen, die früher feine Näbarbeiten oder der- gleichen anfertigten, geilagt, daß sie des Nachts vor Schmerzen in den Fingern erwacr-ten. Doch es hals nichts; am andern Tage mußten dieselben Fingergriffe ausgeführt werden, bis die Haut hart und unempnndlich gowvrden war. Durch die jahrelange Arbeit in der Gcschoßkorbindustrie ist heute ein Stamm weiblicher Arbeitskräfte herangewachsen, der fraglos auch für die FriedcnSzeit der deutschen Korbinduftrie er- balten bleiben wird, um sie auch für die spätere OualitätSarbeit in der Korbindustrie einzurichten. Bei den in Friedenszeiten üblichen Korbmachcrlöhnen war ja nie daran zu denken, weibliche Arbeitskräfte für unfern Berus heranzubilden, erst durch den Reichstarif für Geschoßtörbc, den der Deutsche Hokzarbeiter-Ver- band mit den Korbuuternehmern nach monatelangen Bemühungen zum Abschluß brachte, war diese Möglichkeit gegeben; denn die Kol- leginnen batten noch den ersten Wochen der Lehrzeit die Gewißbeit, einen Wochenverdicnst zu erreichen, der den beuiiacn Tenerungs- Verhältnissen Rechnung trägt. Die Verdienste der Korbmacherinnen können sich wohl gegenüber den Löhnen der in anderen Kriegs- industrien tätigen Frauen sehen lassen. Ich möchte den Frauen und Mädchen, die in der Geschoß» korb macherei tätig sind, bei dieser Gelegenheit ins Gedächtnis rufen. daß. wenn der Geschoßtorbtarif nickt vorhanden wäre, sie sicherlich auch in unserer Jndujtwe tätia wären, aber zu ganz bedeutend niedrigeren Löhnen, denn es gibt ja heute noch Unternebmer, die die tariflichen Abmachungen gerade den Frauen gegenüber um- geben und sich au deren Lohn bereichern. Vor allem in solchen Betrieben, wo unsere Kollegen und Kolleginnen noch nicht den Weg zu unserer Organisation gefunden haben, bat der Unternehmer leichtes Spiel, die Tariflöhne unter allerlei Einwendungen zu kürzen. Unsere Kolleginnen mögen daraus die Lehre ziehen, daß der Nutzen des Geschoßrorbtariss ihnen erst dann voll zuteil wird. wenn sie mit Hilie ihres Verbandes jeden Versuch einer Tarif- Umgehung sofort abwehren können. Erfolge der Gemcindearbciter in