Ur. 183. 35. Jahrg. Bezugspreis: VisrleljShrl. Ml. monaU.l.K0M� frei WZ Haus, voraus, ah Idar. Einzelne Nummern 10 Pfennig. Polibczug: Monatlich, vom PosifchaUer abzuholen IM Mb, vom Briefträger ins Hau? ae» bracht l.St Ml. Unter ÄreujbanS rfit Deuts chiard unv Oesterreich. Ungarn 3,— Ml, für das übrige Ausland 4J>0 Ml. monatlich. Lersand ins Feld «ei direkter Bestellung monatl. lSllMl. Poslbeslellungen nehmen an Däne- marl. Holland. Luxemburg. Schweden und die Schweiz. Eingetragen in die Post-Zeitungs-Breisliste. Erscheint täglich. Telegramm-Adresse: »Sozialdemokrat Berlin* Vevlinev VolKsblstt. \ Zentratorgati der rosialdemohratifdicn partes Deutfchlands. ( 10 Pfennig j Anzeigenpreis: DiessebengestialteneKolonelzeil-kofiei 80 Psg.„Sletae Aiiteigen". das feiigedruckie Wort 30 Pfg.(zulässm, 2 fettgedruckte Körle), ledes wettere kort lb Pfg. Stellengesuche und Schlafstellenanzetgen das erste Wort 20 Big, jedes weitere Wort 10 Psg. Worte über 16 Buchstaben zählen für zwei Worte. Teuerungszuschlag 20°/». Familien-Anzeigen. volilische und gewerlschastliaie Bereins- Anzeigen 60 Pfg. die geile. Anzeigen für die nächste Nummer müssen bis s Uhr nachmittags im Hauvtgeschäft Berlin EW. 6g, Lindenstraße», abiegebcn werden. Geöffnet von S Uhr früh bis 7 Uhr abends. Neüaktion: EW. 68, Linöenstraße 3. Fernivrecker: Amt Morinplatz. Str. ISS S«— 151 97. Sonnabend, den 6. Jnli 1918. «Expedition: EW. 68, Lindenstraße 3. sskernfprecher: Amt MoritzPIatz, Str. 15190-15197. Ruffen marfchferen gegen Engländer «kntentetruppen an derMurman- küste. Die Sowjetrcgierung entsendet Truppen.— Keine finnischen Transporte. MoSkau, 3. Juli. Die Presse veröffentlicht folgenden Be- fehl TroykiS: Im Murman ist fremdes Militiir gelan- d e t»mrdrn, trotz deS ausdrücklichen Protestes des Kommissars für auswärtige Zingelegenheiten. Der Sowjet der BolkSkommiffare schreibt mir vor, dorthin die nötigen Streitkräfte zu entsenden, um die Küste des Weihen Meeres vorder Besitzergreifung durch ausländisch« Imperialisten zu schütz rn, daher befehle ich folgendes: 1. Wer dem auswärtigen Militär Hilfe leistet, ob direkt oder indirekt, wird als Landesverräter betrachtet und nach Kriegsgesetz hingerichtet. 2. Ter Transvort nach Archangelsk von Kriegsgefaogeuen, ob in bewaffneten oder unbewaffneten Abteilungen oder einzelner Leute, ist unbedingt verboten, jeder, der hiergegen verstößt, wird nach dem Kriegsgrsetz gerichtet. 3. Zur Fahrt an die Wcihmeerküste benötigen russische wie ausländisch« Bürger nnbrdingt die(Zrlanbnis deS nächsten KreiSkrirgSkommiffariats. Passagiere, welche ohne eine derartige Erlanbn!? die genannte Küste reifen, sind zu verhaften. . Lui:. ü>Lr Rat der BolkSkomnitssaee hat folgende erlab' Der Vorsitzende des Nkurmanschen Sowjets � L urjew. f-Iäjcz zu den anglo-französifchen Imperialisten über- gegl»..?!!'.rt ur:. an den feindlichen Handlungen gegen die Sowjet- republik teilgenommen hat, wird als Feind derselben erklärt und als außerhalb des Gesetzes stehend betrachtet.— Wie die Presse meldet, ist über Archangelsk der Kriegszustand ver- hängt worden. Kopenhagen, 8. Juli. Zu der Meldung von finnischen Truppen« transporien nach der Miumanliiste und Russisch-Karclien und der Ausweisung englischer Untertanen auß Finnland kann die hiesige finnische Gesandtschast erklären, daß diese Meldungen jeder Grnndlagc entbehren. Um Sakv. Nordascrbeidschan. Konstantinopcl, 3. Juli.(Agentur Milli.) E m i n B e h, der Vorsitzende t« republikanischen Nationalversammlung von A s e r- b e i d s ch a n, gegenwärtig in Konstantinopel in der Eigenschaft eineS ersten Abgeordneten, gewährte einem Vertreter der Agentur Milli eine Unterredung über die Republik Nord-Aser» b e i d s ch a n. Sie erklärte ihre Unabhängigkeit am 28. Mai und umfaßt die Provinzen Baku, Elisabcthpol, einen Teil der Pro- vinz Tiflis und Erivan. Der Flächeninhalt beträgt 100 000 Quadratkilometer, die Bevölkerung beläuft sich auf ungefähr drei Mil- lionen, von denen 72 Proz. bollständig türkisch und muselmanisch sind. Die Volksvertretung aus 44 Abgeordneten Aserbeidschans, früherenMitgliederndeSsüdkaukafischenReichS. tags, bildete unter dem Vorsitz von Fetith Ali Khan ein Kabinett von 12 Mitgliedern. Dieses Kabinett führt gegenwärtig die Re- gierunz des Landes. Die gesetzgebende Versammlung wird sechs Monate später zusammentreten und Entscheidung tresfen über die spätere Form der Republik Aserbaidschan. OSmanische Lehrer sind jetzt damit beschäftigt, die Organisation deS Heeres vor- zunehmen, Polizei und Gendarmerie werden organisiert, der Sitz der Regierung Aserbeidschans ist Bäk u, aber da diese Stadt in Händen der Bolschewikibanden ist, befindet sich die Regierung vorläufig in Elisabethpol. Tie os manische Armee in Elisa- dethpol leitete mil militärischen Kräften die Opcrationeri Äser- beidschanZ zur Befreiung Bakus ein. Die Bevölkerung Aserbeidschans ist sehr steißig und sehr handeltreibend. Von Anfang deS Welt- kriegeS an waren ihre Sympathien stetZ auf feiten der brüderlichen Türkei und ihrer Verbündeten. Ms vor Monaten die Besetzung der Stadt Baku durch die Bolschewisten gemeldet wurde, prophezeite der„Vorwärts" folgendes: man würde demnächst von Hilferufen hören, aus- gehend von der kaukasischen Republik, diese Hilferufe lviirden sich zu Gesuchen an die Mittelmächte verdichten, und daran würde dann das schon öfter erlebte Schauspiel des militärischen Einmarsches wie in Finnland, Livland, Estland usw. sich an-, schließen. Dabei handle es sich aber nur um die Befreiung der Bevölkerung, die Stellung Bakus als Zentrum der russi- schen Petroleumerzeugung spiele keine Rolle. Diese Prophezeiung ist nun eingetroffen. Nur daß nicht die inzwischen zerfallene kaukasische Repliblik um Hilfe gerufen hat, sondern einer ihrer Trümmer. Aserbeidschan war bisher der Name der nördlichen Provinz PersienS, hier aber handelt es sich um das nordwärts daran angrenzende bislang russische Gebiet, das sich unter den: Namen„Nord-Aserbeidschan" selb- ständig machen will. Das heißt ein Teil dieses Gebietes, das Englische Angriffe beiderseits der Somme, ans dem Nordnfer, östlich von Hamel und Villers Bretonneux zurückgewiesen— Erhöhte Gesechtstätigkeit an Avre«nd Aisne— Fortdauer der Piavcschlacht— Erbittertes Ringen um die Mnndnugs- insel— Italienische Angriffe ans den Monte Solarolo abgeschlagen. Berlin, 5. Juli 1918, abend». Amtlich. Von den Kampffrouten nichts Neues. Amtlich. Großes Hauptquartier, 6. Juli lSl».vas die Regierung zu unternehmen gedenke im Hinblick auf die Reichstagserklärung des Staatssekretärs von Kühlmann über die deutschen Kriegsziele. Ter Unterstaatssckretär für Auswärtige Ange- legenheiten Lord Robert Ce c i l antwortete, er könne nicht ein- sehen, daß es nützlich wäre, aus eine so unbestimmte und unentschledene Erklärung hin etwas zu unternehmen. Unsere Kriegsziele, fuhr er fort, sind all- gemein bekannt, aber wir warten vergeblich aus eine klare und unzweideutige Feststellung der KriegSziele unserer Feinde. Schließlich ersuchte Mason darum, eine Erörterung der Kühlmannschen Erklärung zu eröffnen. Aber kein einziges Mitglied des HgM erhob sich zu semer Unterstützung. die Protestbewegung der Sörse. Bon Wilhelm Keil. Seit dem Bekanntwerden des Beschlusses des Hauptau?- schnsses, den Stenipel für den Umsatz von Dividendenpapiereu während der Kriegsdauer auf 5 vom Tausend, im Frieden auf 2 vom Tausend festzusetzen, wird an allen Börsenplätzen eine geräuschvolle Protestbewegung inszeniert. Der Börsen- betrieb wird künstlich eingeschränkt, die Börsenvcreinigungen halten Versammlungen ab, beschließen, daß der erhöhte Stempel den Ruin der Börse, die Gefährdung der Existenz des Bankier- gewerbes, die Bedrohung unseres ganzen Wirtschaftslebens bedeute, richten Eingaben über Eingaben an den KeichStag, telegraphieren die einzelnen Reichstaa'abgsardneten«n und d r o- h e n mit dem M a s s e n st r e i k. Man muß gestehm: Die Pörsonleutz» Acftchm sich«tfs Agitieren und demonstrieren. Tie Arbeiter und die breit? Masse der von den Verbrauchssteuern hart betroffenen Volks- schichten könnten von ihnen etwas lernen. Die nnnderbemittcl- ten Volksinassen werden jetzt tvährend des Krieges bereits von der dr i t t e n Serie enlpfindlich wirkender Verbrauchssteuern betroffen. Hätten sie dieselben Mittel zur ZlbweHr angewandt wie die Börsenleute, so wäre unser Wirtschaftsleben initten in: Kriege stillgelegt, der ReichNag in einem Meer von Eingaben ersäuft worden und den bürgerlichen Parteien wie der Regie- mag wäre es wohl vergangen, eipe Massenbelastung auf die andere zu häufen. Als die Regierungsvorlage, die den Stempel auf 3 von: Tausend festsetzte, Mitte April erschien, wurde sie von der Börse verhältnismäßig ruhig ausgenommen. Die besonnene Kritik. die sich auf den Boden der Provinzbankiers stellte, bezeichnete den Steuersatz zwar als zu hoch, aber 2 vom Tausend hielten nüchtern urteilende Fachleute für durchaus erträglich. Als Be- richterstatter für das Stempelgesetz schloß ich mich bei der ersten Ausschußberatung dieser Auffassung infofern an, als ich die Be- denken gegen 3 vom Tausend für die Fnedenszeit als berechtigt anerkannte. Für die Kriegszeit schien mir dieser Satz aber nicht zu hoch zu sein. Die Regierung und der Reichsbankpräsi- dent wiesen in diesen Beratungen auf das tolle S p e k u- lations treiben an der Börse hin, das immer krassere Formen annahm und das auch in der Börsenpresse nicht nur zugegeben, sondern mit zunehmender Heftigkeit gegeißelt wurde. Man konnte in dieser Presse lesen, wie die Kriegsgewinnler daS Börsenspiel als Sport betrieben, wie sie die Kurse hinaus- peitschen, wie die höchste Steuer und selbst ein hoher Eintritts- preis zu den Börsensälen die Spielwut nicht einzudämmen ver- möchten. So verdichtete sich der Gedanke imnier mehr, wenig- stens für die Kriegszeit ein« höhere Ilmsatzstcuer, die man als eine ergänzende Kriegsgewinnsteuer ansehen kann, zu erheben. Die Regierung wollte bis zu 1 Proz. gehen, fand aber dafür keine Mehrheit, auch der Satz von 5 vom Tausend wurde in erster Lesung abgelehnt und auf den starken Einfluß von Ab- geordneten hin, die dem Bankfach nahestehen, beschlossen, den Steuersatz aus 1 vom Tausend herabzusetzen. Daß das, vor allem während der'Kriegszeit, doch eine zuwcitgehende Rücksichi war, sah man selbst in solchen Kreisen ein. die dem Bankkapital die größten Sympathien entgegenbringen. So kam es, daß so- gar der nationalliberale Führer S t r e s e mann namens der Mehrheit seiner Fraktion den Antrag mitunterschrieb, der nun in zweiter Ausschußlesung angenommen wurde. Und in der Tat: Wenn man der Familie des im Schützengraben liegenden Handwerkers und Arbeiters, dessen Existenz tatsächlich durch den Krieg ruiniert wurde, das Brot, die Kartoffel, das bißchen Fleisch und alles, was des Lebens Notdurft erfordert, mit einer Umsatzsteuer von 5 vom Tausend verteuert, die so oft er- hoben wird, als die Ware umgesetzt wird, dann kann wahrlich während des Krieges mich der spekulierende Kriegsgewinnler bei Aktisnkäufen eine einmalige Umsatzsteuer von 5 vom Tausend zahlen. Die Börsenleute sollten bei ihrer Protestaktion aber nicht verschweigen, daß sie selbst von diesem Satz garnichtbetroffenwerden, denn für Ge- schäste zwischen Börsenbesuchern untereinander— sogenannte Kulissengeschäfte— beträgt der Stempel nur fünf Zehntel vom Tausend! Sie sollten ferner, wenn sie ans die Schonung der Börse in England hinweisen, nicht übersehen, wie schonend England auch die breiten Massen im Kriege be- steuert und wie rücksichtslos es zugreift in der Erfassung der großen Einkommen und Vermögen. Von besonderem Reiz ist, daß die Protestbewegung der Börsenleute sich der kräftigsten Unterstützung der„U n a b- h ä n g i g e n" erfreut. Eduard B e r n st e i n sieht sich veran- laßt, in der unabhängigen Presse gegen die Sozialdemokratie zu schreiben, weil sie dem erhöhten Börsenstcmpel zu,«stimmt hat. Es ist schwer, sich mit Beru stein aiiseinanderzusetzeu, denn man weiß nie in dem Auge»blick, in dem man ihm antwortet, ofe er die Meinung noch vertritt, die er soeben entwickelt hat. Born- stein war bekanntlich 1306, als die Fraktion unter Bebels Führung die Ajg�Mest�M bMiZigte, prinzipieller Gegner bcrfcIBon. In feiner diesjährigen Generalrede im Vlemim irvr ihm die van S auf 20 Proz. erhöhte Tantiemostener nicht-v.rrj xenua.. Im Ausschuß bezeichnete er unsere Ansuche auf pro. archm r Lerschürsuna dieser- Steuer.als--„Äünir-trei". Ichtutz aber stiininte er. ohne einen eigenen Antrag zu st,'-'--i, f ü r diese„Stümnerei". Gegen den tluiseysteiup. hatte Bern- i stein im Plenum r einerlei v r i n z i p i eile n E i n w a n d -n'echebe::. chr erllüxtr, seine Irattiun stehe, der Perchge„u u- i r f e r e) f i c r t" gegenüber, sie werde aber»ich techtchrün.-.r sein'wie die Lwp'teliOen selber. Ibuleich er diesen lucherea in! Ausschuß immer wieder r,ts-richtung,-'d'NS für �'nne'.Haltung bezeichnete, uiiunst Benrstein s ch.t doch den erhittertsten Ltampf gegen' die Äanitalisten Stresernemi. Iunck.. Achs eru. usw.. weil diese der Meinuug sind, die Böneuwe-n. l wren könnten die ihnen zugemutete Äeuer gau r moM tragen. Ewige. Anreichert sprechen dafür, � daß die Nn.ibl ängigen ein Hyar m der Tnpve d e Verwerfung, der Kriegezewinnsteuer gefunden häsfen und in- der Stenerfrage chnleuten wollt en- » Eine Proteftversammlung in Verliii. ?-'r Percin für-dch.chUsrchsen.der'ch-ondshöpse--u Terkly gntern itechiuiUM eine Protesivcrsainmlung ab, in.der- de-, G>!>. �smmcrzienizt F.r.r teu Vorsitz süKrtc. Äach andcru Rr.ncru rabm der Zt-:rekti»t der T-ulschc-n V-dnk, Ata r. k.: ew l t? da? nSart. -.u erKarc», daß die Großbank-en gcfchwsseu gegen die Stempel- erhühnng seien. Eine Ue-er-pek'.:la!iön sei nich: verbanden. SchütUieh wurde«nftilnmig iolge! de-t>i so.'tziion.'anMiomnie:-.: -,,Tcr vom Hauptaui-schuß. des Rei.ch-.-tags in.Mriret-. Lei nag «gxfzhte VefchliM.- den Aktienrinsatzücmpi l auf dac-ch? f.a ch e. de c- b shcrigen Satzes K» erhöhen, würde im valk seiner An- nehme durch den Reichstag-nicht nur von.verhangns--vötl>tA>'Kolgen für l, r ser- �Zrrtscktartc leben'ein..sondern'auch den'aus der Vö.-se»- rmiatzslever crwa:-Re» Ate'-rer.'rag- rcreilcln. Außerd-e-m aber N urden.eine große Än.-ahl'tleinrrer mid-iaitrlerer' Äantbetriebe und l-bre Angcftxvten-in ibrcn'Taseinsbediu.nmge.n aufs schwerste ge- fäbrder werden. Tie Berwmnllunz'verwirft jxden Kricgs-uschle? und erwartet, daß der Reichstag dem Beschlüsse der ersten Lesung des Hauptausschussco. der den Steuersatz auf 1 vom Tausend— also aui das SZ� fache des jcnigen Satzes.— erhöht, folgen wird, Tiefe Erliödung stellt, auch unter dem' Gesichtspunkt- des fstkau» ziellen- Erfolges, chie äußerste. Grenze bis Erträglichen dar." Akilitärffches Einschreiten gegen den Börscnstreik in Hambnrg! Mamburg, 5. Juli. Ja den Börsenrä u m e n wurde von der Handelskämmer folgende Kundmachung des'Stellvertretenden Ü ominandierrud-en Generals n. Falk den- BörfcubesucterN zur ktrmitn-iS gebracht:„Da aus Mitteilungen in-der Pi e-'e tervo gel-!. Saß die Mitglieder der Hamburger Wdr-tpavierbör-se-beschlossen babeiüsden Börsenverkehr ei-n-ustell-en, so entfällt dir BarauSseyung für die' ZnetlSfielluns der Firr-envertreter und angestellten Mit- g' eder der Wertpavierbör'-'. Ich werde daher anordnen, baß, >!-.'NN.Nicht sofort der Börfr,! verkehr wieder aufgenommen wird, dst znrnckgcstellteu Wehrpflichtigen zum Heeresdienst einzuziehen sind. Ich ersuche, diese Mitteilung umgehend-durch Änschl ig iu den Börsen räumen zur Kenntnis der Betsiügkn zn bringen." Äitf Grund dieser Bekanntmachlinz beschloß die Versammlung der Mitglieder der Hamburger WerHapi-erbörfe, de» Börsenverkehr uiioe�uglich wieder anfz uttehmeu. Breche«,'S.' Juli" Wie NcesmännS ie-legräpbiscbcS Buread hört. . ch�en'. Hie Kurrnölierüngeit an-der'hiesigen' BZrfe M-' msrg'tzdn Tege w:der aufgenommen. Kdczssansaren pr amsrikaK-iMsn Mabha'ngzKkezLsfezer. Wilson: Auf Leben und Tod— Churchill.:'.ein Frieden ohne Sieg. New?)ork, 4. Inli. sReutcr.l Wilson sagte in feiner Rede a m r a b e Washingtons in Mannt N.'uion cm Donnerstag nachmittag:„Das Grab Washingtons ist keine Stätte des Todes. l ondern eiiie Stalte der Tai. Es ist sehr bezeichnend für- Washington und seine Hel'er, daß sie nickt für eine Kla'sie'prackeu. i andern für ein Volk. Fvr bewußtes Ziel war, die Men'cken aller Klassen zu befreien und Amerika zu ciueni Znflucktsort für die- Menschen aller Länder zu machen, wenn sie den Wunsch hatten. die Reckte und Privilegien freier Mqnner zu teilen. Wir heben d i c i e l b e u Ziele loie sie: wir in Amerika glauben, daß unsere Teilnahme am Kriege nur die" Frücht ist von dem. was sie'gesagt"haben. lllmerc »iiKasinrg von dem großen Streit, in den wir vcr- wstcketl sind, ist folgende: Aus der einen Seile sieben die Völker der Welt, nicht nur die, die an dem Kampfe teil- nehmen, sondern auch viele andere, die unter-der Oberherrschaft leiden, Volker vieler Rassen und' aller Teile der Weil, aum Ruß- land. Ihnen gegenüber sieht eine isolierte Gruppe frc.indloser Rc- gierungen, die keine gemeimckafklichen Ziele vor Äugen haben, ion- dein nur ihren eigenen selbstsüchtigen Ehrgeiz zu befriedigen.suchen, ivöhrend ihre Völker nur Brand st off in ihren Händen Regierungen, die mit einer vrimitiven Mack: bekleidet sind, die aus einer Zeit stammt, die uns vollkommen fremd und feindlich ist. Vergangenheit und Gegenwart sind in eine» Kampf ailf Leben nnd Tod vcrntckclt-, daS Ergebnis mun endgültig sei». Wir würden keinen Vergleich, keine halbe Entscheidung'dnkdrn können: es würde auch keine halbe Entscheidung möglich sein. Tic verbündeten Völker kämpfen für die folgenden Ziele, die verwirklicht sein müssen, che Friede werden kann: 1. Vernichtung jeder Willkür und Macht, die für sich allein und deuniit, den Flieden der Well sivreii tann, und wenn ihre Ve'.nichtiing p.tzr inchl möglich ist, mindestens ihre Herabd rückung zu rarsäch- tick er M a ck 1 1 o s i g k e i l. 2. Regelung aller Fragen sowohl der territoriale» wie der Souveräninitsfragen, der wirischafilicken und politischen Fragen aus der Grundlage einer freien hin- u ahme dieser Regelung durch daS Lolk, da? u u- mittelbar dabei betroffen ist und nicki aus der Grund- läge- des materiellen Inieresscs oder Borteils rrgendcines an deren Volkes, da? eine andere Regelung zur Ausbreitung seines Einflusses oder feiner Herrschaft wünscht. Ä. Einwilligung aller Völker, in ihren Beuälmiskn zueinander sich von den» leiten Arnudiätzen der Ehre und der Achtung vor dem Gewohn- beltsrcchr der zivilisierten Gescllschasr leiten zu lassen, wie sie für de cinzelneu Bürger moderner Staaten gelten, dergestalt, daß alle Versprechungen und V e r r r ä g e g e w i j s e n h a f l- b e- ob achtet, daß keine Sonderanickläge nnd. Verschwörnngen an- ge-ertetr werden und daß weckielseitigoS Vertrauen geschaffen wird .'Ii- der Basis wccb'elseitiger Achtung vor dem Recht. 4.-Saar- suug einer Friede n-e o r g a u i s a t i o n. die«erbütgt. daß die gesamlc Machr. der freien Kationen jede ÄechtSverletzung verhüteir.wird, und die ein Schiehsgerscht einrichtet» dem allestnrcr- «aiionalcn Eegcilsäxe unterbreitet werden soll.cn. Ties-' greßeff- Ziele können wie in einen Gedanken zusammen» jafcu:' LH:r'streben nach' fcf Herrschaft-des Rech res, ge- g.r ü>i d e r auf die Z n st i m in in: n der R e g i e r r e n und gestützl durck i k o r g a uisierre'..'i e i n u n g de r M e n s ch» h e i t. Tic verblendeter. Machthaber Brechens toben Kräfte ins Leben gerufen, lue sie wenig tm i-.ten,.'-raste, die. wenn üe einmal erweckt, rieinol- w.... zu' Voorü genhiagen wer. n iöitnen. Tenn- sie l-rützen e'.x in i.ei und ci:;:n Endzweck, die unsterblich sind und den Triün pd reß.nrge::. .Lvvd'oi-, 4.'F..li.- Reuter ü In einer zur Feier deS Amerika«!- ichcu llnabhäin igkeitstäge.s abgehaln-nen Verigimiilung. der»Änglo- Saxatz-Felhowstip" nr L'hesiütilksrxr hielt i.miiionin-.inisicr E h u r- ckiil eine Rede, iu der er'a sie, die»n:cr- kani sck e l ina bbängigkeits- erklärung von» 4. Lull l7l-i sei»ichl.nur ein amerikanisches T ufnxnciit; sie.sei einer der großen- i.leckistitcl. ans denen die Hreiteileii der-englischen- Völle v begrün.«r seiet!- Rachdem Churchill den gegenwüriigen Krieg als ei-Nem Kamps zwischen Zivi- l ifa t i o n und wis j e n s r, a s l l i w e r arb ar c i, zwischen Staaten, wo die Völker Reg erungen besitzen und Staaten, Ivo'die Regierungen. die Völtrr.beß z» veze.chnet Halle, fuhr er fort, eines dir beiden Sa•.nie mlisie c 1 1 che i d c u d kie c c n. Teutschland msißc geschlagen wert-n und u isseu, daß es geschlagen sei. Aber das deutsche Volt muß wissen, daß wir für uns selbst keine grund» legenden natütlichrn Rechte bc.'.t.st iu-chcu. die wir nicht, bereit sind, i h m j a zusi ch c r in Alle in der UnabhängigleitSerktärung entboltenrn Rechte werden die scrueu sein. Air wollen beule Amerika unsere treue Kameradschajl auSst're.ck.-u Kein Kompromiß i« unseren Haaptziele», kein Friede ohne Si.p, wine Lereindaryngei:,. wen« das Uneecht-nicht bereu!'wir», daS ist die Ert.ärckchg vvnr 4. Fsli 1318, nicht nur eine lluabbängig. ke::: er. i äruii g, jondcr» auch ciuc Erklärrmg der Zuf ii mn: c u.gch örigkeit. Genf, 4.'Juli. Der aiwerilanifchs Ilnabhängigkeitsiag wurde nach einer Hävasmeldur.g in ganz Frgnkre.ick festlich be- gang eil. Eine Pariser Straße lwräm aus diesem Anlaß den Nämeu Avenue Wilson. Picvc» und Tetchanel hielten bei der Einweihungsjeier die ül-licyen, Phrase für Phrase sattsam bekannten Reden. »». Die Reden Wilsons und Chuttlills können in keiner Weife-dem Frictzeil dienen. Wenn beide- Sta'atHnAnner dein Fried ensfÄslnß die Bedingung des eigenen entfchei- d e n d c w W äffe u s i e'g'e tz vorausietzens so hat das.deutsche Volk gegenüber einer solchen Iu'lnutunz' nur ein glattes Un- annehmbar. Alle Ve' ficherungen, daß Teutschland nach seiner Vcsieaung gar nichts Scklimtlles, sondern nur„Ge- rechristetl* lvidersahrei werde, sind hinfällig für den. der auch nur über vincn blaüen Schimmer geschichtlicher Kennt- nisse verfügt. Tie �Gerechtigkeit? drs schrankenlosen Siegers bat.noch immer für den wehrlöseu Venegten der fchsimmsten Ungerechtigkeit, Ausbeutung Nltd Unterdrückung verzweifelt gleich gesehei». Tie Versicherung, daß mau nur gegen d ic Regierung, nicht gegen das Volk Krieg führe, ist auch schon xu unzän'men. Malen abgegeben worden, hat aber nie gehindert, daß- am Schluß das besiegte Volt für seine Regierung büßen mußte. Wenn gar Wilson den„s- amps twif Leben uns Tod" proklamiert, so- kann urcinStid Sem- dcutsthen Volk' istmuten,-daß es freistnlli'g sich mir dem Tod einöerfünti'- e;.erklärt':- bei- solcher Ggsinnimg der lvei.uc'r bleibt ihn: nur der e rii s ch l o s s e n.e B er tei d i- guugskamp-, bis aum sie i-n, rchcrauot haben, daß nicht der„Endsieg",.sondern, nur die Sevständigstng die Möglichkeit einer.gedeihlichen Zukunft der ß. Menschheit bietet.- Hoffnungen uu) Lll'- Achtungen in Rußland. Hunger lß s zur Ernia.'—..'-'-..e bolschewistische Staats- univerfttär.— Ter für ntchr crmorder. „Politiken" veröffentill! eine Unterredung mit Lenin, die der Vertreter des Blatt, ß in Pete:-.würg hattö. Danach gebe Lenin zu, daß die Lage schwer sei und-daß besonders die nächsten Woi an bis zur Ernte Gefahren mit sich brach. tcn. doch sei die' gc g'cm r e v'o l u'! i o n ä'r e Liga der reichen Bauern und Offiziere' offne fremde Unter- slützung machtlos. Die Op»osition innerhalb der Volschewiki- parte: gegen den Brester Frieden habe sich gelegt, da man be- griffen habe, daß derselbe notwendig sei, um-diel? r stickung der K e v o! u t i o n d n r ch D eu tschla n d zu verhindern. an der Ukraine sei d er Bolschewismus durch die deul'che Dkku- p.rtioir eine Art Na t i ona! de» e st ti n g getdorden. Zum Sichln ß s. räch Lenin die Hostn-mg ans eine allgemeine. R e v o Iu t i o n in Europa- ans. „Nasche Seiowo" vom 3. chnli teilt mit, daß im Rate der Volks imnmissare die Gründung einer sozialistischen Akademie erwogen wurde. Einstimmig raurden zu Mitgliedern erwählt Bucharin, L a r g i n, S t u t s e d k a, Rädel, Ria- sanow', Bog l da n-o tv und Lenin.(Lenin lehnte die Wahl ab.) Aus D.eu4s-ch ln n d wurden gewählt: Rosa Luxemburg, Georg Ledebour, Karl Kaut skr, Franz Mehring und Karl Liebknecht: aus Oester» reich-Ungarn: Ost'to Vau er. Tß aleichfalks als Mitglieder ersehenen dUi'ien Koni, K r a v o tk in und(der inzwischen verstorbene)- Pl-echanow beben, kategorisch abgelehnt. Nach Meldung der.„National'tldends" ans Stockholm er- klarte Lenin in einer Unl.rredt-.'.g r-nt dem Moskauer Ber» treker des'StoSffolmer-Stindikalii-.enblltttes'„Folkes Dagblad" aufs b e st i m nk t e st e- die Meldnsig für ki n r i ch t i g', daß d. e r Za r erm o r'det sei. Der fünfte allrussische S o w j e t- K o n g r e ß ist auf den 16. Julf, einberufen. Auf der Tagesordnung stehen Berichte, Wahle:!, V.nm'-.nas- und Ermchrungsfragen. Wien-, k. Juli. Am-k. Juli fand in Berti in der Austausch der Ratifikationsurku-nden-u rem Friedensvertrag zwi» sch.-n Oestcrreich-ll»-.a.irn und der russis.» Sowjetrepublik sowie dem dazu gehörigen Zusatzvertrag statt. Der Austausch wurde voll- zogen durch d..i ön.--.-rc'.Hisch»Ungarische:l Geschäftsträger Botst:-- ast- rat Grasen Arisch in Berlin- und- den dortigen bevollmäch» t'zteu Vertreter der russischen Sowjetrepublik Joffe, lieber den Austausch der Sta:' ftkcvti.- tw urtuuden wurde ein Protokoll auf- gsttommeü. „Streik ist Berrot!"— Der--.impf gegen die Tschecho- Slowaken. , Moskau, 8.. Juli. Nach Meldung der Presse hat gestern eine Sitzung der Konferenz der FabxZkauZschüsse zusammen mit dem Moskauer Rat sowie Vertretern der örtlichen' Eisenbahnkomitees und der. Bezftksräte über den angekündigten Eisen- bahne-. st rc i k stattgciunden. Die Versammlung hat die Rc- salutton Eg: idow ttfKb'angen.nniiteii. wonach die gesamte Industrie gemäß Dekret.vom LR. Juu' unter. die Leitung des obersten Wirt- scka'täratxs an die Arbeiterklasse übergeht, ein- Streik somit als Verrat zu betrachten s e i. Mo-Zkau, 3. Juli. Tie htznoc Presse meldet: Das Militärkom» missariat hat die sowriige'.-vormicruug von Batterien zum Kampf gegen die Tschecko-Slowakeii verfüg:.. Tie W e st- U r a t b. dir:V von Gegenrevolutionären gesäubert. Aus dem Abschnitt Slatoust baden sich die Gegen- revolutionäre naw Ustikinsi zurückgezogen. Tic Naphthauntevstchinrn!n Jarostaw, Rybinsk, Kineschma, Wvloada befinden sich im Ausstand. Tie Naphthaversorgung der Nordbahn und der Schisfabri der oberen Wolga ist eingestellt. D.V hollänSkschsn Wahlen. Amsterdam, 5. Juli. Das Organ der sozmldemokratischen Arveilerpartei„H c t Voi" begtüssi in einem Leitartikel über den Ausgang- der Wahlen die Tatsache, daß die Partei mit 22 Mandaten atzt- zweit stärkste an-- dem Wohlkaniv-e hervorgegangen ist. Mit'Bezug ans die auswärtige Politik erklärt- das Blatt, daß die Partei auch in.Zpftiüsl ibr--; eist der strengen Handhabung der niederländischen Neutralität widmen loird. Sic wird alles, was in ihper Macht steht, au'b-eicn, um zu verhüten, daß Holland in den Krieg hineingezogen wird. Ein wiener Kaiierbrief an Wilhelm II. Tie Vitte um Brot. Das Wiener K. K. Tclegrapffendureau meldet vom 3. Juli: T a die gegenwärtige PerpRcgungZIage zu geradezu unlösbaren Schwierigkeiten führte, hat Kaiser K a rl an Kaiser Wilhelm ein- Schreiben gerichtet, welches- am 24. Juni durch. Generalmajor Max Egon Fürst Fürstcnberg überreicht wurde. Auf Grund der nach Empfang disicS Handschreibens durch den Deutschen Kaiser erteilten Weisuua m fanden im Großen Haupt- gaucticr und bei den zuständigen Stellen in Berlin Besprechungen statt, an welchen her ungarisch e Erna! rungsminister Prinz Windisch- grätz und ein Vertreter des K. und K. Oberkommandos teilnahmen. Die dank der Initiative beider Monarchen eingeleiteten Berhand» luNgen haben zu vollem Einvernehmen bezüglich ge- n: e i n s a m e c, planmäßiger Verwertung al l e r G e- t rc i d e v o r r ä t e bio zur neuen Ernte geführt. Die österreichische Regierung hätte durch rechtzeitige Maß- nahmen dafür sorgen sollen, daß der Welt dieses sehr merk- würdige Schauspiel erspart blieb. Die Wiener offiziöse Notiz ist dazu bestwmit, in Oesterreich Stinvnung zu machen, in Teutschland wird sie aber nur- Mißstimmung erzeugen. Wir hoben fünf dünne Schnitten Brot im Tag und 70 Gramm Kartoffeln! deutsch-ö'sterreichischss Wirl'schsftsbünönis. Berlin, 4. Juli.(W. T.®.) Am 4. Juli 1318 fand im Reichs- wirtschastsamt eine im einzelnen streng vertrauliche Besprechung über die wirtschaftliche Annäherung zwischen Teutschland und Oesterreick'Ilngarn statt. Geladen waren Vertreter der Wirtschafts- verbände der Landwirtschaft, des Handels und der Industrie. Räch einleitenden Worten des Staatssekretärs des Reichswirtschaftsamts wurde von Vertretern der Regierung ein kurzer Ueberdlick über die bisher geleisteten Vorarbeiten gegeben, welche teils zu Vorhand- langen, der maßgebenden deutschen Stellen unter sich, teils zu Vor- vesprechungen mit unseren Bundesgenossen gediehen sind, und welche die"Erstclttmg.f ejnes' e i n he i.t I ich e.n I o klg c s c tz e Z und- Z ö 1 4 1 ch ehtM-t'- ssowie die- Tarchf«h«ung c.-acr Einheit» lichcn Z'öl'ivarfahrenS umfassen, sernrr die B-reinheit- lichung der gesetzlichen Regelung auf dem Gebiete des Gewerbes und Handels, in weiterer Linie de i e w e r b! irbT-e. Rechts- f ch u tz e s, der S t a t i st i t und de.. c r t c h r s- u n d S ch i f s- f a h r t s b e r h ä.l t n i s s c anbahnll.ii. In einer für den 8. Juli 1918 in Salzburg ai eiaunii.n ftusanonentunft von Vertretern Deutschlands und Oestci-.rio llitgari-i. sollen nunmehr die Grund- sätze festgelegt werden, nach weichen die späteren Einzelverhand- lungen erfolgen sollen. ELplvsionsunglllck in Grenoble. Bern., l. Juli.„Progrös de Lyon" meldet, daß in Grenoole am 29. Juni abends infolge Sprengung in einem TchießdebarfSlager alle Lagerschuppen in der Umgebung des Zeughauses ausgeflogen seien.- Ter niedrrläildifchc Eon von auspefahrc». Haag. ö. Juli. DaS Korrespondenzbureau meldet, daß nach hier eingegangenen Berichten der Eonvoh heute früh ö'A tlhr die Reise nach Nicderländisch-Jndien angetreten habe. Der Mbeits�lsn öes Z�sichsLsges. Ter Aelicstcnrat des Reich: isgö trat gestern mittag zur Be- sprechung de? Arbeitsplanes für die nächsten Tags zusammen. Sonnabend, den C. Juli, soll die Sitzung um 1 Uhr beginnen, mit der Tagesordnung: Erste Lesung des Gesetzentwurfs beireffend Ab- änderuug des Gesetzes über den Absatz von Kalisalzen, erste Lesung des EntivurfS gegen Unfruchtbarmachung und S ch w a n g c r s cha f t s u u t c r b r e ch u n g— diese beiden Entwürfe sollen ohne Aussprache an Ausschüsse verwiesen wer- den—, Berichte des E r n ä h r u n g s a u s s ch u s s e s und des Ausschusses für Handel und Gewerbe über Kohle uver- s o r g u n g. Montag, den 8. Juki, soll die Sitzung ebenso um 1 Uhr beginnen, mit der Tagesordnung: Erste evcnt. zweite Be- ratung des Entwurfs betr. abermalige Verlängerung der Legislaturperiode des Reichstags, erste eventz zweite Beratung des Entwurfs betr. den Landtag für Elsaß- Lothringen, zweite Beratung des Entwurfs über die Zu» sammcnsetzung d c s' R e i chö! a g s und die Verhält- niSwahl in großen Reiche tagswahtti-eisen. Dienstag, den 9. Juli, soll die Sitzung bereits um 10''Uhr beginnen, mit der Tagesordnung! Erste Lesung der Kriegskredite in Vcr- bindung mit der zweiten Beratung der Steuervor- lagen.?ln den folgenden Tagen sollen die Sitzungen ebenfalls frühzeitig beginnen, und man hofft, bis Donnerstag, spätestens bis Freitag die Stcuervorlagcn und die Kriegsrreditc endgültig er- ledigt zu haben. Alsdann wird die Sommerpause des Reichstags eintreten. Letzte Nachrichten. Japan liebt Amerika! New Kork, 4. Juli.(Neutc-e.) Ter japanische Botschafter sh ii hielt in Fairhave»(Mas'-e.- Aeitss eine Rede,'n der er versprach, daß Japan seinen vollen Anteil am Kriege in der Weise tragen werde, die seiner Ansicht nach am wirksamsten u«it am meisten zum Erfolge beitragen könnte. Er bezeichnete die G«» rüchte über die Möglichkeit einer W i e d e r a n n ä h e» r u n g Deutschlands an Japan als deutsche Intrige, die dazu bestimmt sei, die Alliierten von einander zn trennen.. Jshii teilte dann folgende Botschaft des japanische» Volkes an das Volk der Vereinigten Staaten mit: Wir vertrauen euch und lieben euch, und wenn ihr das gestattet, werden wie in loyaler guter Kameradschaft alle kommenden Jahre euch zur Seite wandeln, Nr. ISA ❖ ZS. Jahrgang Fertigstellung üer Steuergefetze im �aupt- aussthust. Rcichsfinanzhof und Gesetz gegen die Zteuerflucht. Ter Hauptausschuß bccudigie am Freitag die Beratung der ihm üderVicscmen Stcucrgcse�e. Es wurden zunächst die letzten Para- graphen des Gesetzes über den ReichSfinanzhof durchderaten> Bei§ 13 macht der Vertreter Württembergs starte Bedenken dagegen geltend, daß dem Rcichssinanzhof auch die Recht- sprechung in Fragen der Toppclbesteuerung übertragen werden solle.— Graf R o e de r n erkennt diese Bedenken teilweise als vcrechtigt an, man werde aber im Bundesrat durch entsprechende Vorschriften vorzubeugen suchen.— Eine längere Aussprache ein- steht bei der Beratung der§§ 19 bis 22, die die R c i ch s a u f s i ch t regeln. Gras C a r m c r(t.) erblickt darin einen Unberechtigten Eingriff in die Befugnisse der Einzelstaaten.— Graf R oe d e r n bemerkt, daß diese Bedenken auch im Bundesrat laut geworden seien.— Berichterstatter Dr. I u n ck: Der Widerstand im Bundes- rät scheine von jenen Stellen auszugehen, die am liebsten das ganze Gesetz scheitern ließen.— Preußischer Finanzminister H c r g l: Es müsse zugegeben werden, daß bisher das Äufsichtsrcckt ein etwas stumpfe Waffe gewesen sei. Den 8 29 bitte er zu streichen.— Gröber(Z.) verteidigt den 8 29, der nicht entbehrt lverdcn könne. Tie Aufsubtsbeamte« des Reich» seien denen des Staates nicht koordiniert, sondern übergeordnet.— Erzberger: Obnc den 8 29 werde das Aufsichtsrecht des Reiches eine taube Nuß sein. — Die Vertreter Bayerns und S a ch s e n z ersuchen um die Streichung des§29.— N o s Ic(Soz.) tritt entschieden für die Beibehaltung ein. An den partiklilaristischen Bedenken werde der Bundesrat das Gesetz, an dm die ganze Steuerreform hänge, un- möglich scheitern lassen. Nack fast zweistündiger Debatte wird derZ29m!t ISSiim» m c ii angenommen und darauf der Rest der Vorlage nach un- erheblicher weiterer Aussprache genehmigt. Ter Haupiausschuß beendigte dann noch, ohne wesentlich« neue Beschlüsse zu fassen, die Beratung des Gesetzes über die Steuer- flucht. Damit hatte er sein Steuerpensum erledigt. Am Sonn- abend will der Reichsschatzsekretär im Ausschuß eine allgemeine Tarlegung über d.'n Stand der ReichSfinanzcn geben. Das �rbeitskammergefetz. Um die Arbeiter-»nd AngesteNtenansschiisse. Ob die Arbeiter- uud Angestelltcnaucschüsse im vorliegenden Gesetze geregelt werden sollen, wurde in der Freitagsitzung des ReichStagSausschusseS erörtert. Abg. S i l b r r s ch m i d t(Soz.) wies eingehend nach, daß e? einer der bedenklichsten Mängel der Vorlage iit. daß sie die im Hilfsdienstgesetz geschaffenen Arbeiter- und AngestelltcnauSschüsse nicht sicherstellt. Sie seien vorn Eiiri- gungSwcscn gar nicht zu! rennen und im besonderen in der lieber- gangszeit nicht zu entbehren; selbst wenn die Regierung bcabsich- iige, solche Ausschüsse dauernd zu schaffen, müsse befürchtet werden, daß sie bei Ablauf des Hilssdienstgesetzcs noch nickt gesichert sind; solche Leere müsse verhütet werden. Der Antrag Bender u. Gen. bezwecke daß.— Sin Regier»ngsvcrtreter erklärt, daß für � ein besonderes Gesetz über Arbeiterausschüsse bereits Vorarbeiten � aufgenommen sins; sie sind in nicht allzu langer Zeii abschlußreif: die bestehenden Schwierigkeiten wcrden da? Zustandekommen des Ardcitsramnicrgcsetzes sehr verzögern.— Abg. S ck i f f e r(Z.) erklärt die Regelung im vorliegcNlwn Gesetz für notwendig, nach- dem die Regierung selber das Einigungswasen einbezogen habe.— Abg. Wein banse n lBp.) will gcgen die sofortig« Regelung 'stimmen, wenn der besondere Gesetzentwurf bis zum Herbst an den Reichstag gelangt. Die Angestelltenausschüsfe gehören ins Ange- slellicnkammergesetz.— Abg. Trimborn(Z.) bejaht die Schaffung von Arbeiter- und Angestelltenausschüssen, erachtet aber ein besonderes Gesetz für erforderlich.— Abg. Schiel«(!.) hält Ar- beiteranSschüsse als Unterlage des EinigungSwesenS für zweck- mäßig; ihre Regelung erfolge am besten durch eine Novelle zur Sonnabenö, ö. 1918 Gewerbeordnung.— Abg. Giebel(Soz.) tritt sehr entschieden für die sofortige Regelung ein, weil das Einigungswesen ein wertvoller Teil des Entwurfs sei; solche Ausschüsse seien die Grundlage, denn Arbeitern und Angestellten müsse dafür eine ge- setzlich anerkannte. Vertretung im Betriebe gewährt toerden. Tie Regierung weiche anscheinend vor Schwerindustrie»nd Grohgrund- bcsitzrrn zurück. Der Hinweis auf eine entsprechende Novelle zur Gewerbeordnung lasse als Absicht vermuten, solche Ausschüsse von vornherein aus gewerbliche Betriebe zu beschränken; Seeleute, Landarbeiter und viele Angestellte gingen dann leer aus. Wende aber das Einigungswesen im vorliegenden Entwürfe allgemein ge- regelt, dann sei es nur richtig, die Angestellten nicht wicderum auf ein besonderes Gesetz zu vertrösten.— Ein Regierungsvertreter malt die schlimmen Gefahren an die Wand, wenn Ar- beitcrausschüssc für den Personenkreis zu schaffen sind, der für die Arbcttskammern zuständig ist; cS fei gefährlich, z. B. in der Schiff- fahrt den Obmann des Arbeiterausschusses neben den Kapitän des Schiffes zu stellen.— Abg. W i ld g r u be(!.) verneint, daß zum Eiiiigungsiveseii überhaupt A rdei terausschüsse gehören, die er nicht ablehne.— Abg. Bender(Soz.) tritt den Uebertreibungen des Rcgierungsvertreters hinsichtlich der Schiffahrt entgegen.— Ter Ausschuß beschloß mit allen gegen 3 konservative Stimme«. die Arbeitcrausschüsse im Gesetz zu regeln, lehnte indessen mit allen gegen die sozialdemokratischen Stimmen ab, mit dem Einigungs- Wesen in diesem Gesetz gleichzeitig die Bngcstclltenausschüffe zu schaffen._ Das Schutzhastgesetz. Fn der sorigesetzten Beratung der Novelle zum Schutzhastgesetz tciite zu Beginn der Sitzung General v. Wrisberg mit, daß seit Inkrafttreten des Gesetzes 955 ausgewiesene Personen nach Elsast-Lotbringen zurückkehren durften, davon seit dem 1. November 1917 bis jetzt rund 399 Personen. Im folgenden drehte sich die Debatte in erster Reihe um die Frage, ob den Militärbefehlshabern die Möglichkeit zu nehmen sei, durch Ausführung des sogenannten üriegs not rechts da? Schutzhaftgesetz nach Belieben zu durch- löchern. Tiesem Zwecke soll ein Antrag Wald stein(Bp.) in Verbindung mit einer Resolution, ein Antrag Landsbcrg und in Antrag Rießer dienen. Bei Begründung seines Au- trags führte Abg. W a l d st e i n ein Urteil de? Reichsinilitärgerichts an, das Anordnungen gemäß 8 9b des Belagcrungszustandsgcsetzcs nicht als Schutzhaft im Sinne des Gesetzes erklärt, und zwar mit folgender Argumentation:„Es wird nicht zwangsweise ein Zustand der Freiheitsbeschränkung hergestellt und aufrcchterbalten, sondern es wird dem einzelnen nur die Verpflichtung auferlegt, bei Mei- dung einer Strafe ein bestimmtes Gebäude, einen bestimmten Be- z;rk nicht zu verlassen. Die Strafe steht also lediglich auf der Uebertretung des Verbots. Ein Zwang zum Gehorsam, wie er für den Begriff der Schutzhait und Ausenihalisbeschränkung im Sinne des Gesetzes notwendig ist, bestebt nicht." Gegen den Antrag Landsberg, in das Gesetz den Passus einzusägen:»Unter das Gesetz fallen auch die nicht lediglich vorüber- gehenden, aus Gründen, die in der Person des Betroffenen liegen, erfolgten Ausweisungen, sowie die Untcrsagung der Rückkehr an ihren Wohnsitz oder Aufenthaltsort", sowie gegen Rießer und Wald- stein, die sachlich das gleiche wollen, wendet sich Unterstoätssekretär Lcwald und erklärt wiederholt, daß die verbündeten Regierungen eine Einschränkung der Befugnisse der Truppenbesehlsbliber auf dein tlricgsscheuplov nicht zugeben könnten und das Gesetz an dieser Bestimmung scheitern werde. Auch Abg. Nchbcl /kons.) wendet sich gegen den Vcrsuck, das KriegSnotrecht einzuengen. Abg. Haust(Eisässer) betont, nicht die Militärbesehlsbaber seien allein schuld, sondern auch gewisse Zivilbchördcn in Elsast-Lothringen. Den Krcisdirektoren habe der Krieg die er- wünschte Gelegenheit gegeben, gegen ihre politischen Widersacher vorzugehen. Dazu käme der Autoritätsdünkel der Militärs. Bei einem.Schutzhaftprozcst habe der Gouverneur von Straßburg durch seine Adjutanten dem Reichs'iiilitärgcricht sagen lassen:„Seit einige von ihm Ausgewiesene auf Grund eines Erkennttiisses des Reichsinilitärgerichts nach Straßburg zurückgekehrt seien, sehe man Leute mit freudigen Gesichtern herumgehen, die früher niedergeschlagen waren. Sie freuten sich offenbar über die Einschränkung seiner Autorität, durch das Rcichsmilitärgericht."— Abg. Landsbcrg (Soz.) meint, wenn die Regierung die Novelle aus den vom dem Unterstaatzsekretär Lewald angeführten Gründen scheitern lassen wolle, so sei das bedauerlich, aber ohne ausreichende Einschränkung der militärischen Befehlshaber sei die Novelle ohnehin wertlos. Abg. Herz seid(II. Soz.) tritt dafür ein, daß auch Angehörige« neutraler und verbündetec Staaten der Rechtsschutz des Gesetzes zu- teil werde. Tie Abstimmung über den Artikel 1 wird ausgesetzt. Bei der Beratung der die. E n t sch ä d i g u ng s p fl i ck t regelnden Bestimmungen erklärt Landsberg: Der in Schutzhaft Genommene oder Ausgewiesene ist ein Opfer des Krieges, bei dessen Entschädigung wie bei der Enteignung vorzugehen ist, denn auch er wird seiner Arbeitskrast und Freiheit enteignet. Deshalb ist allen Häftlingen und Ausgewiesenen, und zwar vom 28, Juni 1911 ab Entschädigung zu zahlen, gleichgültig, ob die Maßregel berechtigt war oder nicht. Er führt den Fall eines Deutschen aus Rußland an, der unter vielen Mühen und Gefahren nach Deutschland gc- laugte und sich hier dem stellvertretenden General- sta b z>ir Verfügung stellte, um sofort t it Schutzhaft genommen und 16 Monate darin behalten zu werden. Die Abgg. Haegy(Eis.), Herzfeld und Waldsiein stellen sich hinsichtlich der Entichädi-'ungssrage aus denselben Stand- Punkt wie Landsbcrg, während Unterstaatssekretär Lewald nicht in Aussicht stellen kann, daß die Regierung die Entschädigungspflicht annehmen wird. Auch hierüber wird am Sonnabend abgestimmt. Jü? stbleunige Desterstellung öer Kriegs- befthaKigten und Unterbliebenen. Beschluß des Rcichstagsausschuffes. Der Militärausschuß verabschiedete am Freitag nach kurzer Aussprache diesen Gesetzentwurf, wobei von feiten der Re- gierung erklärt wurde, daß die Kapitalabsindung den Witwen bei Wiederverheiratunz setzt schon möglich ist. Das Kapitalabfindungs- gesetz wird nunmehr auch auf die Teilnehmer von früheren Kriegen ausgedehnt.— Von allen Seiten wurde bei dieser Gelegenheit gefordert, daß die neuen Versorgungsgesetze dem Reichstag bei seinem Wicdcrzusammentritt vorgelegt werden möchten.— Dieser Wunich kam in der e i n st i m m i g e n An- nähme einer sozialdemokratischen Resolution zum Ausdruck, die lautet: 1. Dem Reichstag noch im Laufe dieses Jahres einen Gesetz- entwurf vorzulegen, durch den eine allgemeine Revision de? Biannschaftsversorgungs- und Hinterblie- benengesetzes, durch die insbesondere die Bezüge der Kriegs- beschädigten und der Kriegshinterbliebenen sowie drp Rechtsweg in Frage kommen, herbeigeführt wird. 2. Daß bis zur gesetzlichen Neuregelung zu de» bisherigen Be- zügen für Kriegsbeschädigte»nd Hinterbliebene Zuschläge von 199 Prozent der Reute festgesetzt werden. Das Gesetz gegen Unfruchtbarmachung unö Schwangerstbastsunterbrechung. Ilm ein« Lücke, die die beiden großen bevölkerungspolitische« Gesetzentwürfe zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten und gegen die Verhinderung von Geburten noch gelassen hatten, aus- zufüllen, hat das Reichsamt de? Innern ein drittes Gesetz ent- worfen, da? am 4. Juli die Billigung des Bundesrate? gefunden hat. Die hauptsächlichsten Bestimmungen des neuen Gesetz- entwurfes lauten so: Eingriffe oder Verfahren zum Zwecke der Beseitigung der Zeugungs- oder Gebärfähigkeit eine? ande- ren oder der Tötung der Frucht ctner Schwangeren sind nur zur Abwendung einer schweren, anders nicht zu beseitigenden Gefahr für Leib oder Leben der behandelten Person zulässig und nur einem staatlich anerkannten(approbierten) Arzte erlaubt. Ter Arzt hat die in Satz 1 bezeichneten Eingriffe oder Vcr- fahren unverzüglich nach ihrer Vornahmie dem zuständigen be- antteten Arzte schriftlich anzuzeigen. Die Anzeige muß Vor- uuv Zuname, Wohnort und Wohnung der behandelten Person sowie Tag und Grund des Eingriffes oder Verfahrens enthalten. Bei Er- krankungen ist Grad und Verlauf der.Krankheit anzugeben. 29) e»sz. Das gelobte£ond. Roman von W. St. R e y m o n t. „Irgend etwas bloß ans gemeinsames Konto einkaufen, nm jenen blauen Dunst borzugmachen. und so viel wie möglich auf eigenes Konto," das war die Idee, die seit dem Morgen ihm das Gehirn marterte. Er warf Ziffernreihen auf die Marmorplatte des Tisches hin, addierte, strich alles wieder durch, wischte es ab und schrieb es noch einmal von Anfang, unermüdlich, ohne auf das, was um ihn her vor- ging, zu achten. � Hände wurden ihm entgegengestreckt, über die Köpfe der daneben Sitzenden hinweg; er schüttelte sie, ohne zu ahnen, wer es war. „Morgen!" warf er zur Begrüßung und zum Abschied denen hin, die er bemerkte, und versank in die unmöglichsten Kombinationen, fand aber keinen AnSweg und wußte nicht, wo er Geld auftreiben sollte. Sein Kredit war erschöpft und von der Agentur in An- spruch genommen. Wechsel konnte er auch nicht mehr aus- stellen, ohne ein gutes, solides Giro. ..Wem soll man ein Giro abknöpfen?" Jetzt peinigte das sein Gehirn. Eine Kuckucksuhr rief eins. Langftny flutete es aus der Konditorei heraus auf die Straße, zur Promenade. Moritz saß immer noch da. Plötzlich blitzten ihm die Augen auf. er fuhr sich mit den Fingern durch den Pracht- vollen Samtbart, klemmte den Kneifer auf der Nase fest und begann schnell mit den Augen zu zwinkern. Der alte Grünspan kam ihm in den Sinn, der Bruder seiner Mittler, Inhaber einer großen Wolltüchcrfabrik, unter der Firma:.Grünspan u. Landsberg'. Er beschloß, zu ihm hinzugehen und ihm, wenn's ging, ein Giro abzuknöpfen, wenn nicht, ihn in ein Kompangie- geschäff mit reinzuzieben. Der Freudenrausch über die Entdeckung währte nicht lange, weil er sich Plötzlich erinnerte, daß Grünspan schon' zweimal seinen eigenen Bruder ruiniert und schon ein paar- mal akrordiert hatte. Mit so einem Geschäfte zu machen war nicht ganz sicher. „Pleitemachcr, Betrüger, der!" brunimte er aufgeregt, und fühlte, daß er ihm sein Giro nicht würde abknöpfen können, beschloß aber, trotzdem hinzugehen. Er schaute in der Konditorei herum, in dem engen, dunklen, langen Raum, der schon fast ganz leer war. Nur am Fenster saßen ein paar junge Leute, in riesige Tages- blätter vertieft. »Herr Rubinroth!" rief er zu einem jungen Burschen, der, in der einen Hand ein Glas Wasser, in der anderen einen Kuchen, unter dem Spiegel saß. über eine ausgebreitete Zeitung gebeugt. „Ich stehe zu Diensten," schrie jener und sprang aust „Js' was da?" „Nein, nichts." „Ich hätte es in der Früh wissen sollen." »Es war nichts da, und deshalb habe ich Sic nicht be- nachrichtigt. ich dachte.. „Zu gehorchen haben Sie, und nicht zu denken, das ge- hört nicht zu Ihrer Tätigkeit. Ein für allemal habe ich Ihnen gesagt, daß ick jeden Tag nach meiner Wohnung Nachrichten verlange. Ob was da ist oder nicht, geht Sie nichts an; Ihre Pflicht ist. es mir mitzuteilen. Dafür zahl' ich Ihnen. Zum Zeitungslesen und zu Ihrem Kuchen wären Sie immer noch früh genug gekommen." Nubinroth begann sich eifrig zu entschuldigen. „Schreien Sie nicht, hier ist keine Synagoge! warf er seinein Kontorangestellten� schroff hin, drehte ihm den Rücken und lief schnell auf die Straße hinaus. Die Sonne brannte immer heißer. Die Arbeitermaffen waren verschwunden, andere Massen füllten jetzt die Bürgersteige. Eine elegant gekleidete Menge, Damen in modernen Hüten und kostbaren Umhängen, Heiren in schwarzen Mänteln, Juden in langen, dreckigen Röcken, Jüdinnen— alles schöne Frauen— in Samt, mit dem sie die Straßen fegten. Getöse füllte die Straße, lachend drängte man sich vor und schlenderte die Straße aufwärts, bis zum Przejazd oder Nawrot und zurück. An der Ecke der Dzielnastraße stand eine Gruppe junger Kontoristen und musterte die vorbeiflutende Frauenmenge. Laut machten sie Bemerkungen und zogen noch weniger höfliche als dumme Vergleiche. Jeden Augenblick ertönte lautes Gelächter über die gewöhnlichen Witze Leo Kohns. der selbst am meisten über sie lachte. „Moritz, komm her zu uns rief Leo, als er den heran- nahenden Moritz erblickte.. „Laß mich, ich mag Narren auf der Straße nicht." er- widerte er mürrisch, ging vorbei und verschwand in der Menge, die gegen den Neuen Markt flutete. Hinter dem Markt wimmelte es von Inden und Arbeitern, die zur Alt' stadt eilten. An dieser Stelle verändert die Piotrkower Straße zum dritten Male ihr Aussehen und ihren Charakter. Von deni Geyermarkt bis zum Nawrot ist sie Fabrikstraße; vom Nawrot bis zum Neuen Markt— Handelsstraße, und vom Neuen Markt abwärts bis zur Altstadt jüdische Tandclstraße. Der Straßenkot war hier schwärzer und schlüpfriger, die Bürgersteige vor jedem Haus ganz anders, einmal breit und aus Steinen, dann enge, ausgetretene Betonstreifen, manch- mal waren eS bloß kleine, schmutzige Pflastersteine, die in die Sohlen stachen. Jn den Rinnsteinen flössen die Abwässer aus den Fabriken und schlängelten sich wie fahlgelbe, rote und blaue Bünder. Aus einzelnen Häufern und Fabriken war der Zustrom so niächtig, daß das Wasser aus dem Ninnstein austrat, den Bürgersteig mit farbigen Fluten übergoß und bis zu den aus- getretenen Schwellen der unzähligen kleinen Lüden floß, aus deren schwarzem, kotigem Innern Schmutz und Fäulnis. Geruch von Heringen, von faulendem Gemüse oder Fusel hervorquoll. Wie Gespenster standen in scheußlichen Reihen alte, ab- gebröckelte, schmutzige Häuser, mit abgefallener Tünche oder aus rohen Ziegelsteinen, klaffend wie blutige Wunden, aus Holz. oder aus rohem einfachen Mauerwerk, das überall platzte und Türen und Fenster überschüttete, mit schiefen Fenster- rahmen, krumm, ausgedorrt und dreckig. Dazwischen drängten sich neue, dreistöckige Kolosse, mit unzähligen provisorischen Fenstern, noch nicht übertüncht und ohne Balkons, und doch schon von Menschen wimmelnd und vom Gepolter der Weberwerkstätten■ erfüllt, die selbst am Sonntag arbeiteten, widerhallend vom brausenden Geraffel der Maschinen, die Schundlvarc für den Export anfertigten, und vom durch- dringlichen Geknirsch der Spinnräder. Bor dieser endlosen Häuserreihe, die mit ihren roten, düsteren Mauern über das Meer der absterbenden Ruinen und des Krämerlebens emporragte, lagen ganze Haufen Ziegel und Holz und engten die schmale Gaffe noch mehr ein. die schon vollgestopft war mit Wagen, Pferden, Waren, mit Getümmel und Lärm, den Ausrufen der Händler und den tausend Stimmen der Arbeitermaffen, die in Mengen zur Altstadt fluteten, mitten aus der Straße oder neben dem Bürgersteig. Die bunten Schals, die sie um den Hals ge- wickelt trugen, erhellten ein wenig den grauschmutzigen Ton der ganzen Straße. Gorts. folgt.) EJcr als zuständiger beamteter Llrzt anzusehen ist, bestimm! die oberste LandeZbehörde. Wer vorsätzlich die Zeugung?« oder Gebärfähigkcit eines andc- ren mit dessen Einwilligung beseitigt, ohne nach Satz 1 hierzu be- sugt zu sein, wird mit Zuchthaus bis zu drei Jahren, bei mildernden Umständen mit Gefängnis nicht unter einem Mo- nat bestraft. Wer vorsätzlich seine Zeugung?- oder Gebärfähigfcit durch einen anderen beseitigen lästt. ohne nach Satz 1 hierzu befugt zu sein, wird nut Gefängnis bestraft. Ter Versuch ist strafbar. Wer die im Satz 2 vorgeschriebene Anzeige unterläßt oder nicht rechtzeitig erstattet oder vorsätzlich unrichtige oder unvollständige Angaben macht, wird mit Geldstrafe bis zu 3000 M. oder mit Gc- fängnis bis zu 0 Monaten oder mit Haft bestraft. GroßSerlln Tic Berliner Kartosfelnot. Tie Herabsetzung der wöchentlichen Ä a r i o f f e l r a t i o n auf — sage mrd schreibe— c i II Pfund wird heute durch eine Mit- tcilung des Berliner Magistrais offiziell bestätigt. Tiefes be- schämende Ereignis durfte eintreten angesichts einer Kartoffelernte, die von vielen Sachverständigen als„glänzend", von den fl! engsten Beurtcilcrn zum mindesten als„überdurchschnitt« l> ch" bezeichnet worden ist. Dieses Ereignis durfte eintreten, ob- gleich vor nicht zu lnnger Zeit an maßgebender Stelle noch eine Erhöbung der Kartoffelralton ernsthaft diskutiert lvurde. Denn allenthalben im deutschen Vaterlande sind Kartoffeln in Fülle vorhandrn, nur nach Berlin, dem gonverdammten, kommt seil bereits vierzehn Tagen nichts von dem Ucberfluß hinein. Wir werden nun, wie es in solchen Fällen bisher immer geschah. wahrscheinlich das erbauliche Schauspiel erleben, daß die Verantwortlichen Stellen sich gegenseitig die Schuld an dem skan- dalösen Zustande in die Schuhe zu schieben suchen. Aber ob der agrariiche Nährstand oder das Kriegscrnährungsamt oder sonstwer der schuldige Teil ist. ob einer-mangelhaften Organisation oder einer unfähigen Bureaukratie die Verantwortung zufällt— die Ungehelicrlichkeit bleibt besteben, daß inan eS wirtlich und wahr- hastig fertig gebracht hat, trotz einer vorzüglichen Ernte und trotz reichlich volhandcner Vorräte die deutsche ReichShauptstadt in kriii- Icher Zeit ohne daS ihr am dringendsten nötige Nahrungsmittel zu lassen! Ein historisches Faktum, das die zukünftigen Geschichl- schreiber der„großen Zeit" sedenfalls zutreffender würdigen werden, als es uns gegenwärtig gestattet ist. Berliner Lebensmittel. Ter Magistrat reilt mit: Da in der kommenden Woche noch nicht mit Sicherheit auf den Eingang genügender Mengen Früh- iartoffcln gerechnet werden kann, werden für die Woche vom 3. bis 11. Juli Karioffetu nur in Menge von einem Pfund, daneben ober zum Ersatz für die fortfallenden Kartoffeln 000 Gram m Hüliciiftüchle auf den Kopf der Bevölkerung zur Verteilung gc- bracht. Die Ausgabe der Hülsensrüchte erfolgt vom 9. Juli an. Für die am 3. Juli beginnende Fletichlarteuperiode lüimen die F l e i s ch k a r t e n in Berlin in der Zeil vom 8. bis 10. Jult bei den zuitäudigen Brolkommissionen gegen Bezugscheine auf Graupen ooec Teigtoaren umgelauscht werden. Auf ciue Vollkarle werden wöchentlich 2ö0 Gramm, auf eine Kinderkarte 122 Gramm dieser Nahrungsmittel ausgegeben. Der Warenbezug erfolgt wie bisher aus den bekannten, besonders kenntlich gemachten Geschäften. Zum Umlau'ch„berechtigt sind diejenigen, die sich auf Grund der Bekanntmachung des Magistrats vom 12. September v. I. bei ihrer Brolkommlision zur Eintragung in die Liste gemeldet haben oder nachträglich von der Abteilung für Flnschversorgung zum Umtausch zugelassen worden sind. Wer die Anmeldung seinerzeit ohne sein Verschulden iz. B. infolge Krankheit oder Abwesenheit) versäumt har, kann den Umtausch ebenfalls in der Zeit vom 8. bis 10. Juli von 8 bis 1 Uhr im Bureau für Fleischversorgung, Neue Fricdrichstr. 1, Zimmer 7, bewirken._ Tas Schicksal eines Kohlcnknnden. Tie von der Kohlenstelle Groß-Berlin angeordnete lieber« Weisung vieler Kohle n künden an a n de re Händler als die von ihnen selber gewählten bat den. be- lieffeiiden Kunden mitunter recht große Unbequemlichleltcn gebracht. Einem auf dem Wedding in der Malplaquetstraße wohnenden Ar- beiter, dessen Frau bei ihren Versuchen, in die Kundenliste eines Händlers zu gelangen, zunächst kein Glück hatte, ist es hunerher mit einer ZwaiigSzuwcisuug besonders schlimm ergangen. Um sich alle weiteren Schwierigkeiten zu ersparen, wandle er sich an cmen Kohlenhändler, der zwar in der von ihm sehr fernen Schönhauser Vorstadt wohnt, aber sein Schwager ist. Der nahm ihn bereitwillig in seine Liste ans und sagte ihm auch bezüglich des Transports ein weitgehendes Entgegenkommen zu. io daß der unglückliche Kunde seine Belieferung mit Kohlen für gesichert hielt und aller Sorge überhoben zu sein glaubte. Nun fand aber die Kohlenstclle, daß dieser Händler mehr Kunden in seine Liste eingetragen hätte, als er würde beliefern können. Weil er ihr über feine Leistungsfähigkeit hinaus belastet schien, nahm sie ibm Kunden ab und wies sie anderen Händlern zu, darunter auch den Schwager aus der Malplatquetstraße. Hätte sie diesen an einen dortigen Händler abgeschoben, so wäre ihm daS vielleicht nicht»n- lieb gewesen,' weil dann die Heranschaffung seiner Kohlen ihm nicht viel Mühe gemacht hätte. Aber die Kohlenstelle, die von feinen verwandtschaftlichen Beziehungen nichts wußle, überwies ihn an einen anderen Händler der Schönhauser Vorstadt. Der unangenehm überraschte Kohlenkunde halte es jetzt mit einem ihm ganz fremden Händler zn tun, der ziem- lich vier Kilometer von ihm entfernt wohnt und zu Fuß in ellva einer Wegstunde zu erreichen ist. Mit Schrecken dachte er daran, auf welches Entgegenkommen er unter solchen Umständen bei jenem Händler zu rechnen halte und wie da der Transport seiner Kohlen bewerkstelligt werden sollte. Der Zwangskunde richtete an die Kohlenstelle die Bitte, ihn bei dem von ihm gewühlten Händler zu belassen, und gab unter Hinweis auf die verwandtschaftlichen Beziehungen an, weshalb er gerade dort sich hatte eintragen lassen. Nach sehr langem Warten erhielt er auf die in der zweiten Hälfte des Mai abgesandten Eingabe endlich Anfang Juli einen Bescheid, der kurz und bündig e-klärte: „Dem Ihrerseits gestellten Antrag auf Umschreibung Ihrer Ein- lragung in die Kundenliste eines anderen Händlers kann trotz Beiücksichtigmig aller Umstände nicht entsprochen werden." War es wirklich unbedingt nötig, den Mann abzuweisen? Er halte sich doch nicht aus Uebermut einen so fern wohnelideu Händler ousgestichst sondern notgedrungen und aus ganz bestimmten Gründen, Sie sielen weg, nachdem die.Kohlenstelle ihn dort ge- strichen hatte. Warum aber dann nicht Eintragung in die Liste eines ihm nahe wobnenden Händlers verfügt wurde, vermag er nicht einzusehen. Unseres Trachtens hat er geradezu ein Recht auf Ueber Weisung an einen Händler seines Stadtteiles, und er sollte in einer neuen Eingabe das fordern. In dein Schreiben, das feine Zwangszuweisung an ftnen fremden Händler ihm meldete, stand zu lesen, bei dem von ihm gewühlten Händler icheine feine Versorgung gefährdet. Ihm muß das wie Hohn tlingen. denn gerade die über ihn verbängie Zwangszuweisung erfüllt ihn mit banger Sorge, daß sie für ihn die Kvhlenbelieferung tiicht güitfliger gestalten wird. Tie Grippe. Gestern wurden in Groß-Bcrlin mehrere Schulen und Semiilarc vorzciiig geschloffen. Tie Lehrpcrsonen und Schüler feblien zum größleu Teil, so daß ein geregelter Schulbetrieb nicht aufrecht zu erhaltcii war. Bei der Berliner Feuerwehr ist der Krankenbestaud ganz erheblich in die Höhe geschnellt. Wer hohe Temperatur bei den Messungen auf den Wachen zeigte, konnte sich nach Haus be- geben. Bei den städtischen Sparkassen ist der Betrieb nur mit Auf- bietuiig aller Hilfskräfte aufrecht zu erbalten. Im Beiricbe der Post, Enciibahncri und anderen Verkebrslnstitulen fehlten gestern Tauiende van Beamten, Angestellten und Arbeitern. Die Zahl der Kranlemneldungen bei den 230 Orts- und Betriebskrankenkassen steigt täglich. Visher wurden nach den vorliegenden Meldungen bereits mehr als 30 000 Erkrankte ermittelt, toovon der größere Teil auf die 28 Ortskrankenkasien entfiel. Auffallend groß ist die Zahl der erkrankten weiblichen Personen in Fabriken und Bureaus, in den Warenhäusern und Hanshaltungen. Aus Aerztekreisen wird uns übereinstrmmend mitgeteilt, daß die Epidemie bis jetzt zu ernsten Befürchtungen keinen Anlaß bietet. Wenn die Kranken die Anordnungen und Ratschläge genau be- folgen, soll die Dauer wesentlich abgekürzt werden können, indem vann keine Komplikationen und Nachwirkungen zu befürchten sind. Bedenklich ist es, jetzt eine längere Reise zu unternehmen. Es werden uns mehrere Fälle gemeldet, in denen Kinder und Er- wachsen« plötzlich während der Fahrt unter hohen Ficbererschei- nungen, Schwindelanfällcn, Herzaffsltioncn, Kopf- und anderen Schmerzen erkrankten und infolgedessen die Reise nicht fortsetzeii konnten, was heute natürlich besonders unangenehm ist. Die Krankenanstalten sind gezwungen, diese Kranken zurückzuwciftn und ambulatorisch zu behondeln. Ueber so viel Betten, wie sich setzt erkrankte Personen täglich melden, verfügen die Krankenhäuser iialürttch nicht. Schwerkranke werden indes, wie zu anderen Zeilen, stets aufgenommen. Turnverein„Fichte" Berlin. Anläßlich des 2öjährigen Bestehens des Arbetterluriierbundes finden auf dem„Fichte"- Sportplatz Treploio. Cöpenicker Landstraße, am Sonntag, den 7. Juli, sporl- liche Wetlkämvfe statt. Freiübungen, Dreitampf, Sondcrwettkämpfe in Speer- und Diskuswerfen, Slafettenläufe und Spiele wechseln eiiiander ab. Auf dem vorderen Play findet ein Schiller- und Schülerinnenschauturnen statt. Beginn 2Vz Uhr nachmittags. Erschossen wurde der Zuchthäusler Friedrich, ein 30jähriger Schweizer aus Zerbst, der sich hier in Berlin aufhielt und die Mark mit anderen Verbrechern heimsuchte. F. wurde bei Wildau von einem Soldaten erwischt, als er dort dem 3. Garde-Regiment aus dessen Herde Schafe stehlen wollte. F. widersetzte sich und versuchte den Soldaten zu erwürgen. Als ein Genosse des F. diesem zu Hilfe kam, zog der Soldat einen Revolver. Der erste Schuß traf den F. ins Bein und der zweite ging in den Bauch und war tödlich. Der zweite Spitzbube ist entkommen, soll aber inzwischen in Berlin er- ivischt worden fein. Spandau, Tie Wohnungsnot. In der letzten S i a d t v e r- ordnete n vcr sammlung kam es vor Eintritt in die Tages- ordnuNg zu ciuer längeren Debatte über einen Protest der Span- dauer Fischwarenbcmdler wegen zu schlechter Belieferung seitens der Stadt seit Errichtung der städtischen Fischhallc. Die Fischhändler behaupteten, daß einzelne Großgefchästc 60—80 M. in der Woche zugesetzt hätten. Stadtv. Mathias slrb.). der Vorsteher der städ- tischen Fischhalle, weist auf Grund amtlicher Zahlen nach, daß im letzten Monat, trotz sebr schlechter Belieferung, die Unterzeichner der Bcschwerdeschrift 896, 806 und 277 M. Reinverdienst erzielt haben. Es könne daher von einem Ruin der Fischhändler nicht ge- sprochen werden.— Die Beschwerde wurde nach einstündiger De- battc fast einstimmig abgelehnt.— Nach Erledigung einiger weiterer Vorlagen beschloß die Stadtverordnetenversammlung, die reget- mäßigen Ergänzungswahlcn auf ein weiteres Jahr zu verschieben. — Bei der Vorlage des Magistrats um Bewilligung von 1 392 000 Mark zum Bau von 106 Wohnungen in 22 zerleg- baren Holzbarackcn an der Gatower Straße kam es zu einer Debatte über die Wohiiungsnot. Grnosse Stahl er- klärte namens seiner Fraktion, daß sie der Vorlage zustimmen würde, obwohl er diese Wöhnbaracken zu dauerndem Wohnen nicht für geeignet halte. Leider sei die Stadtverwaltung viel zu spät an die Abstellung des Wohnungsmangels herangetreten. Schon vor Jahren, als der starke Zuzug nach den Staatsbetrieben einsetzte, hätte die Stadtverwaltung eingreifen müssen. Die Mietsteigernngen seit Beginn des Krieges nehmen kein Ende und nichts werde seitens der Stadtverwaltung dagegen getan. Täglich erschienen Annoncen in den Spandauer Zeitungen, in denen 20, 72 und 100 M. Beloh- ming demjenigen augeboten würden, dar eine Ein- oder Zweizim- merwohnnng nachweise. Dabei sei vorgekommen, daß Verwandte von Hausbesitzern bei WohniingSvakanzen die Belohnungen einsteckten. Auch sei ibm ein Fall bekannt, wo ein Hausbesitzer zu lxr Mietsteigeruna noch verlange, daß jeder Aftermieter an ihn, den Hausbesitzer, 3 M. pro Monat ertra abliefern mützie. Derartige Auswüchse seien»Ut bei der schrecklichen Wohnungsnot möglich, ebenso das- zurzeit herrschende Schlafstellenunwescn. Taufende be- kommen kein Nachilogis und müssen tage- und wochenlang suchen, um ein llnterkommen zu finden. Sehr zu verurteilen fei natürlich, daß sich ganz findige Wohnungsinbaber dazu verstanden, ihre Bellen Tag und Nacht an verschiedene Personen, selbst verschiedenen Geschlechts, die abwechselnd Tag- und Nachtschicht haben, zu der- mieten. Da hätte sofort scharf eingegriffen werden müssen. Die Wohnungsnot sei in Spandau weit größer wie in jeder anderen deutschen Stadt, deshalb sei die Magistratsvorlage nur ein Tropfen auf einen heißen Stein, die geplanten Baracken reichen jetzt bei weitem nicht aus, wie viel weniger nach dem Kriege. Schnellstens müsse an maßgebender Stelle gefordert werden, daß Baumaterial und Arbeitskräste freigegeben werden, besonders, wenn man beob- achte, wie die Militärverwaltung riesige Fabrikneubauten in mo- dernster, stabilster Bauart ausführen läßt, wie wenn der Krieg sich ins Endlose ausdehnen solle. Redner forderte daher weitgehendste Bereitstellung staatlicher und städtischer Mittel zum Bau von Arbeiterwohnuugen. Schnelle Hilfe sei nolwendig, weil die Masseneinqnartierungen von gmizen Familien in der alten Schule in der Birkenstratze mit ihrem Schinutz, Ungeziefer und das Fehlen jeder sanitären und hygienischen Einrichtung das Wohnen zu einer Qual machen, abgesehen von den sittlichen Gefahren.— Tie Stodivv. Groß, Mund(k.) und Rupke(lib.) betrachteten es als ihre Aufgabe, die angebliche Notlage der Hausbesitzer zu schildern.— Der Oberbü rge rme ister Kolze verwahrte sich gegen den Vorwurf, daß die Stadtberivaltung bisher nichts in der Wohnungsnot getan habe.— Die Stadtvv. Bartels und Fortenbacher(Kom.) stimmen im wesentlichen den Ausführungen unseres Genossen zu und teilt letzterer einen Fall mit, wo ein Hausbesitzer, der erst im vorigen Jahre eine erhebliche Steigerung seiner Mieter vorgenommen, jetzt wieder für eine Zweizimmerwohnung eine solche von ll M. Pro Monat vor- nehme.— Der Referent, Stadib. Steil(lib.), teilte mit, daß die Holzwohnungen nur für die heimkehrenden Krieger reserviert werden sollen. Genosse Stahl antwortet auf die Angriffe der Haus- besitzer und fragt an, was denn für die Linderung der jetzigen Wohnungsnot getan werden solle, worauf Herr Steil erwiderte, daß dafür 600 000 M. flüssig gemacht worden seien, um massive Bauten zu errichten.— Die Vorlage des Magistrats wurde ange- nommen.— Eine weitere Vorlage, der Genossenschaft Eigenheim 90 000 Quadratmeter städtisches Waldgelände � an der verlegten Nsuerrdorfer Straße, anschließend an das Gelände der Waldsied- lung, zum Preise von 2,50 M. pro Quadratmeter zu überlassen, wird, nachdem die vom Genossen Pieck beantragte öffentliche Beratung abgelehnt war, der nächste Woche stattfindenden geheimen Sitzung überwiesen._ Neukölln. Lebensmittel. Ende nächster Woche gelangen in den Kolonialwarengeschäften voraussichtlich zum Verkauf: 200 Gramm Hasersabrikate oder.Gerstenmehl oder Nudeln aus Abschnitt 40 der allgemeinen LebenSmitelkarte, 200 Gramm lose Suppen oder Mor- gerurank oder Suppenwürfel auf Abschnitt 41, 200 Gramm Graupen auf Abschnitt 12 und 100 Gramm Graupen auf Abschnitt 44.— Soweit die aus die Kartoffelkartenabschnitle 27 a bis g entfallenden 700 Gramm Hülsenfrüchte noch nicht geliefert sind, werden dieselben in den nächsten Tagen verkauft. In der nächsten Woche werden pro Kopf 3 Pfund Kartoffeln und als Ersatz für die ausfallenden 1 Pfund Kartoffeln 100 Gramm Graupen bzw. Grütze abgegeben werden.— Der Verkauf von 1000 Gramm Kindergerstcnmehl und 1 Büchse Malzextrakt aus die Vollmiichkarten A I und II wird hentc geschlossen.— Bis einschließlich den 11 darf aus Abschnitt 19 der Eierkaric ein Ei entnommen werden.— In den städtischen Fisch- hallen' und Räuchcrtvarengeschäftcn werden Marinaden snorwegische Fischkonseryen) markenfrei abgegeben. Wilmersdorf. Lebensmittel. Von beute bis einschließlich den 13. wird auf Abschnitt 35 der allgemeinen Lebensmittelkarte ein halbes Pfund Kunsthonig zum Psundpreise von 72 bzw. 73 Pf. abgegeben.— Auf Abschnitt 11 und 12 der allgemeinen Lebens- miitelkarje kommen in den Tagen vom 6. bis einschließlich 13. zu- stimmen 500 Gramm Gerstengraup.n oder Grütze zum Psundpreise von 36. Pf. zum Verkauf.— Auf Grund besonderer Bezugscheine werden in Wilmersdorf ausgegeben: vom 18. bis einschließlich 21. eine Tose kondensierte Vollmilch zum Preise von 1,25 M, für alle in der Zeit vom 1. Juli 1901 bis 30. Juni 1913 Geborenen. Die Aus- händigung der Bezugscheine ersolgt in der Zeit' vom 15. bis ein- schließlich 18. Juli durch die Brotkommissionen straßenweise aus Grund der bekannten Ansgabcordnung. Personen im Alter von 03 Jahren und darüber lgeb. am 15. Juli 1850 oder früher) wird eine Tose kondensierte Magermilch gewährt. Tie Aushändigung dieser Bezugscheins erfolgt vom 8. bis 12. im Lebensmittelamt, Wilhelmsaue 111/115, Eingang I.— Den 9., 10., 11. und 12. Juli gelangen durch die Brotkommissionen für Kinder bis zu 6 Jahren (geb. am 1. Juli 1912 oder später) Vollmilchkarton ltür August) ulw Näbrmiltelbezugscheinc(Juli) für Kinder bis zu 2 Jahren(geb. am 1. Juli 1916 oder später) zur Ausgabe. An diesen Tagen haben sich die beteiligten Haushaltungsvorstände gemäß der bcson- deren Ausgabeordnung zwischen 9 und 2 llhr in den Geschäfts- räumen der für sie zuständigen Brotkommissionen«inznfinden und gegen Vorlegung geeigneter llrkunden die Milchkarten in Empfang zu nchmep.— Tie Ausgabe der auf Grund ärztlichen Zeugnisses bewilligten Vollmilchkarten für August an Kranke und Genesende erfolgt durch die Abteilung für Krankenernäbrung, Wilhelmsaue 114/115, in den Tagen vom 8. bis 12. Juli, zwischen 854 und 2 ilhr, nach besonderer Ansgabcordnung. Pankow. Lebensmittel. Vom 5. Juli ab gelangt gegen Ab- trennung des Bezugs-' und Ouittungsabschnitles 15 und 16 von der Lebensmittelkarte für Jugendliche Gerstenmebl zum Verkauf. Auf den Bezugs- und Quittungsabschniit 15 der Lebensmittelkarte für Jugendliebe enisallen 150 Gramm, aus den Bezugs- und Quittungs- abschnitt 16 der Lebensmittelkarte entfallen 100 Gramm, also zu- stimmen auf beide Abschnitte 250 Gramm. Ter Preis beträgt für 250 Gramm 38 Pf.— Vom 5. Juli ab gelangen in den bekannlcn Geschäften gegen Abtrennung des Bezugs- und Ouittungsabschnitles 40 von der gemeinsamen Lebensmittelkarte 200 Gramm Teigwaren (Wasserware) zum Verkauf. Tie Milltärurlauber erbalten die Ware nur gegen Vorlegung des Urlaubspasscs und gegen Abtrennung des Bezngsabschnittes 2 von der Lebensmittelkarle für Militärurlauber. der 27. Woche. Ter Preis beträgt iür 500 Gramm 60 Pf., sür 200 Gramm 24 Pf.— Voni 5. Juli ab kann in den bekannten Geschäi- ten gegen Abtrennung des Bezugs- und QuittungSabschnittes 117 der Paukower Lebensmittelkarte ein Ei entnommen werden. Die Militärurlauber erhalten die Ware nur gegen Vorlegung des llr- laubspasses und gegen Abtrennung des Bezngsabschnittes 1 von der Lebensmittelkarte für Militärurlauber der 27. Woche. Der Preis beträgt 38 Pf. für das Stück. Reinickendorf. Lebensmittel. Auf Abschnitt 157 der Lebens- mitteitarte der Gemeinde werden 250 Gramm Dörrgemüse zum Preise von 1,35 MI. und ans Abschnitt 158 derselben Karte 1 Tose Blutkonserven zuin Preise von 2,75 M. abgegeben. Tie Anmcl- düng bei den Kleinhändlern und den amtlichen Verkaufsstellen hat bis einschließlich 8. zu erfolgen.— Als Ersatz für die im Laufe dieser Woche nicht gelieferten Kartoffeln werden Nährmittel verav- folgt. Es entfallen auf die Abschnitte a bis g zusammenhängend 550 Gramm Ersatzmittel(Haferflocken, Teigwaren, Hülsenfrüchte usw.). M-itteilungeu über die Preise ergehen noch. Ter Tcltowcr Kreistag irat zu einer Sitzung zusammen, auf deren Tagesordnung eine Reihe kriegsn-irtschaftlicher Vorlagen stand. Ein von den Kreistag? abgeordneten Bürgermeistern Dr. Behendorsf, Dr. Köster, Holle, Walger, Brohm, Spcrle und Schösse Lange eingebrachter Antrag ersuchte den Krcisausschuß,„gegebenen- falls zuständigerorts dahin vorstellig zu werden, daß die öffentliche Bewirtschaftung der zur Lcbenshaltuna dienenden Gegenstände, ferner auch Eingriffe in das Eigentum, in die Vertragsfreiheit und jn sonstige verfassungsmäßig gewährleistete Persönlichkeiisrechte auf das im vaterländischen Interesse unbedingt erforderliche Maß be- schränkt bleiben und, wo sie unerläßlich sind, nur gegen volle Eni- schädigung vorgenommen werden". Ter Antrag wurde einstimmig angenommen.— Ferner beschloß der Kreistag, die Gewährung von Kriegsteuerungszulagen an die Kreisbeamten und An- gestellten entsprechend dem Vorgehen des«taates und mit Wirkung vom 1. April ab neu zu regeln. Die Teuerungszuschläge werden durchweg erhöht. Zugunsten der im Heeresdienst stehenden Be- amten trurde beschlossen, eine höhere Teuerungszulage dann zu ge- währen, wenn sich eine solche bei der Berechnung nach den staat- lichcn Bestimmungen ergibt. Auch den Empfängern von Ruhegebalt und Ruhclohn sowie von Witwen- und Waisengeld sollen nach den für Staatsbeamte geltenden Bestimmungen Kriegs teuerungszulagen gewäbrt werden, Ter Kreistag beschloß, entsprechend einem Antrag des Kriegsausschusscs einen weiteren Kredit von 30 Millionen M. sür F a m i l i c nu n t e rst ü tz u n g e n zur Verfügung zu stellen. — Die Abgabe des Kreises und der selbständig vertretenen Gemein- den Köpenick, Friedenau, Lichterfelde und Sieglitz an den Ver- band Groß-Berlin, die für 1918 zusammen 46 286 M. beträgt, soll wie bisher aus den Zuwachssteueranteilen des Kreises gedeckt wer- den. Zu Ersatzmännern in der Verbandsversammlung Groß-Berlin wurden Gemeindevorsteher Busch- Johannisthal und Direktor Brähmer(Svandauer Berg), zum Mitglied'des Kreisausschusses Bürgermeister W i e s e n er- Tempelhof und zum Provinzialland- tagsabgeordncten Bürgermeister S ch a b l o w-Treptow gewählt. Jugenöveranstaltungen. Arbeiterjugend Schöneberg. Sonntag: �pielabend, Anlang 7 Ubr, Mi t I w o ch: Mitgliederversammlung. Ansang 8>/, Uhr. Mit- glieder werden auf jeder Veranstaltung ausgenommen, Arbeiterjugend Moabit. Morgen, Sonntag, Wanderung nach Potsdam Besuch der bislorischeu Stätten, Treffpunkt'/«? Ubr Strom- straffe. Ecke Turmstraffe(Diesdner Banl), Führer Genosse Gaffen. Fahr- geld zirka 1 M,_ Lnefkasten der Neöaktion. Waiseulind 25. Das Kind würde nur Waisenrente bekommen, wenn der Vater verstorben wäre,— M. M. 100. 1. Ja, 2. An daS Vor» mmldschastsgericht in Neukölln. Die Begnindung. daff der Vormund an einem anderen Orte wohnt als das Mündel, genügt. 3. Ihr Ehemann kann als Vormund in Vorschlag gebracht werden,— M. R. 1018. 1. Nein, das soll der Ebcmann selbst tun, 2. Die gettnge Steigerung werden Sie annehmen müssen,— C. B. 17. Nein,— Bummelei. Wenn die dortigen Bebörden auf Jb>e Mahnungen nicht antworten, dann wenden Sie sich an das tgl. Kriegsministerium, Vcrsorgungsabteilung, Berlin, Budapcsler Str. 1s._____ Si>cticrnii9Urt)tcn tür das mittlere Norddeuttrt-lunr vis Sonntag»it. tag. Mäßig warm, zeitweise beller, jedoch überwiegend bewöiil, im Bmnelilaiidc meist geringe, an der Küste etwas starlere Regensälle. b*ni*eh*> T%e»t«r. Mit Mu Ptllenberj � BonnabenA, Sonntag 8 Dir: Familie Schlmek. Kammerssptole. AUabondUoli l'l, VAi: Inkognito.(Operette.) Volksbühne, Th.a.BfllovifpI. Allabendlich T/t tThr: IScneral Vorck. TheateF des Westens Allabendlich 71/, TJhr: Isopoldine Konstantin m Bis Tänzerin. tiieater Ji.Könlggratzerstr. 8 Uhr: Die fünf Frankfurter. Komödienhaus 6 Uhr: Die Schwestern und der Fremde. BerlinerTheater 7u>U.: ItlitxMnnes Itlnt. Theater für Sonnabend, 6. Juli. Centrai-Theater 7v. uhr: nie Csartlasflirstiii. Deutsches Opernhaus 7 ü�: Die setiöne fieiei. Frledrlch-Wilhelmst. Theater Zum 875. Male: 7'/. uhr: BasDrESaäöeritüyis. Kleines Theater 8 Uhr; Aristid und seine Fehler mit Bassermann. Komische Oper T'lou.: SehwamlilÄl. Morg. S'/.U: Die Kinokünigin. Metropol-Theater VI, Uhr: Bie Eose m Mol. Dastsplclhans 7'/. Uhr: DletilondenHäilels i.lMeißi Neoes Operettenlinus 7'/>uhr:B8rSol!latii8rMarie. Resldena-Thcnter 7'/. �r: Fiiniiiier-Kiäretisa. Schiller-Th. Charl. u,. uhr: fiit-ieiileüiarp. Thalia-Theater Z'OütenlsrliigiiiiEiiLi'riie Theater am Nolleadorfplatz S1/. Uhr: schuldig. 7'/, Uhr: ESTE ÄBEHD«IS]8/4ohr Kational-Theater Cöpenicker Str. 68 fJauno- •n-itzbrücke).— Täglich'i,8: Koch nie dagewesener Dacbcrfolg! Wnsehen. Militärhumoreske in 3 Akten. Musik von Walter Bromme. Vcrverk. 10 U. ununterbroch. Trianoa-Theater Ehf. Friedrlchstr.Ztr 4927.2391 B U. Zürn 339. Mide; I>er Setsensschüler. Kaiser-Tiiz, Biidt, Flink. Heute nachm.'f,! U. kl. Pr.: Sehne c wittc Isen. Sonntag 4 Uhr:__ Gespenster. fB.LlFr2EÄrterillfieil3. Der Riesenerfolg des Thalia- Theaters über 500 Male! Pnppchen. (Du bist mein Augenstern...) Ges.-.P. i. 3 Akt. v. Jean Kren u. Kurt Kraam. Mus.: Gilbert. Anfang täglich 71/, Uhr. Eonntag 4 Uhr; Bunte Bühne Erter Prättr-Mer Staftanicnatlee 7— 9. Täglich B Uhr in vollständig neuer Bearbeitung: DER„ H I A S' Täglich 7'/, Uhr abends Riesenr Erfolg Borgen Sonntag 2 Anfitthrungcn S1;, und 7,/j Uhr Walhalla r Theater Weinbergsweg Kabarett Tivoli ------ Bunte Vorträge------ Spiclfolge vom 1.— 15. Jnli: Alois KrSmcr, Alice Dorville, Runkel-Rappo's komische Spiele, Walter Sleincr, Marzella Vclly, Carl Eperny, Krämer-Wolff. Täglich zwei Kapellen. Anfang wochent. 7, Sonntag nachm. 4 Uhr. Kottbuser Damm 95 O'rojzcPossen-Nevue in 5 Bildern Dazu die crofiart Spezialitäten Beichsyien- Theater.| Allabendlich 71/, Uhr; | Keich§hallon-Saal T1/, U.:| Grolles Blüthgen-Konzcrt. •*35». A Von der Oberbaumbrücke-Falckensteinstraße 1�. fägl. euller Sonnad. nach Tfvltorsd. Schleuse und Reu-Heriugsdorf. Slbsahrt: Sonntags waSiaSeiiäite» 8 U. vm.. 21/. 11. nchm., wochent. nur 9 H. vm. 3fn(;crbcm nach den Havelsee» über Pfancninse.-Potsdam: jeden DienStag nach den Glindower SUpen, feden Mittwoch nach Ferch am Schwielowsce, jed. Tonncrotag nach?iedlil? u. Mramvniv am Krampnttzsce. Abs/S Uhr vorm. vom NcichstagSujcr beim Bhf. Aricdrichstratic, . 9'/, II. von Cbarlbg., Tegeler Weg. nahe Bhs. Jnngsernh. Heeders! kleok, Falckensteinstr. 43. Telephon: Kstpl. 8197. fheätei' öpp FPie�ielickl!!. E-cks Priedrich- u. Dinienstr Telephon: Horden 8650. Tägiioh Uhr: Die erste Seige. Sonnt, nachm. 31/, kleine Pr.; .9 ngend. ymiraispalasl. ! Die Prinzessin von Tragant| Sajdah Deutsche Tänze VU Uhr. 2, S, 4. 5, 6 M. Rose-Theater. 7'/, Uhr: Zum ersten Male. Tie Prinzessin vom Nil. Marienb.: Litte rechffreundlich! kau BMirmssim] Zirkus-Busch-Cebäude. Xägl. 71/a Sonntag 3 u, 7l/2 �ssscn'Maness- Sciiausiück „Torpedo— losl" 9 Bilder. I Die gr. artistischen Einlagen I wie Turmsciliäufer, Bambus- 1 künstler, Luftmenschen, Lanzenreiter. Vorverkauf: Zirkuskasse| und A. Wertheim. Zahngebisse, Platin, Gr. 7,60, ftetten, tMugc, Bestecke lauft Frau IVagner, Kaisersir. 18 I(Äleranderplatz) Speziaiarzt Dp. med. Daabs deh. schnell, gründl., mögl schmerzlos m ohne BernsSstor. Gescbleobtskrankbelt., geheime Haut-, Harn-, Frauenleiden, Schwäche. Erprobteste Methoden Harn- und Blutuntersuchung. PülgStF. W. Aäxandelp. Epr. 10— lu.5— 8, Sonnt.10— 1 Mm Kaimt fiBsrtzer�a&j _,°mhrte�ab°' Waisenbrücke, f Bis auf j g uhr. XeiipitZ(Tornows Idyll) "sonntag J 8'/, und 2 Uhr: Krampeisburg. j MödeMe Mlle- beii-StnoiltnfM e. G. m. Ii. 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Die Beerdigung finde! am Sonnabend, den 6..Juli, nachmittags 4 Uhr, von der LeichenhalledeS neueitJalobi. KirchhoseZ, Neukölln, Her« mannslrafte, aus statt. Ehre ihrem Zlndenken! Die Borspstzverwaltung. Danksagung. File die herzliche Teilnahme bei der Bestatiunz meines lieben Mannes, unseres guten Vaters und unseres lieben � Sohnes und Schwiegersohnes, des Drehers 26196 füll Reimann '(igen wir allen Bei wandten, , Freunden und Betannten, inZ- > besondere den Kollegen der � 3t. G.®. Tiirbinensabrik, Hutten- itrafte, unseren herzlichsten Dank. Um.(}. Iifimatin nebst Kindern. Dauhfagung. Allen, die tinserm lieben. guten Vater das' letzte Geleit gaben und ihn mit Kranzspenden so reich bedachten, unseren aus-- richtigsten Dank. 95A Wifwe Marie Wasieiewski und Kinder. Speziaiarzt Di', med. Koeben für Gsschlechtskrenkheiten, Haut-, Harn-, Frauenleiden, nervös. Schwäche, Bein- kranke. Behandlung schnell, sicher n.schmera- 16s ohne Borufsstörung in Dr. Domcyer& Co. konz.Labor. f. 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Präsiden: Fchrcnbach eröffnet die Sitzung um 2 Uhr 15 Min Anfragen. Abg. Sckwabach inail.i weist darauf hin. daff der Verkehr don deutschen �iviipersoneu nach Kurland und tziiguen nicht nur von dem Besitz eines Passes, sondern auch von einer militärischen Ein- reiseerl anbnis abhängig gemacht wird. Er fragt, ob auf diese Einreiseerlaiihnis setzt nicht verffchlet werden könne. General v. Wrisberg erklärt, daß aus militärischen Gründen vorläufig darauf noch nicht verzichtet werden könne. Abg. Marquart lnatl.s fordert Unterstützung stellenloser An- gestellten aus der Tabakiabrikaiion. Gebeiinrat Wiirnicling verweist auf die Kricgswohlfahrtspflege der Gemeinden. Abg. Dr. Miiller-Meiningen lVp.) weist auf die Verwilde- rung der Jugend hin und forden Entlassung aller nur garnilonverwendungsfähigen und arbeitsverwendungsfähigen Lehrer für Hoch-, Mittel- und vor allem Volksschulen, sowie der älteren Jahrgänge der kriegsverwendungsiähigen Lehrer. Oberst v. Braim: Schon im Jahre llllS wurde eine Verfügung erlassen, wonach garniwn- und arbeitsverwendungsfähige Lehrer, soweit mnlich, entlassen sind. Abg. Stückien sSoz.) weist darauf bin, daß der Stellvertretende kommandierende General des zweiten Armeekorps von Vietinghoff das Halten des„Vorwärts" für sämtliche Lazarette seines Befehlsbereichs verboten hat. General v. Wrisberg: Der General von Vietinghoff hat in feiner Eigenichafi als Truppenbefehlshaber den„Vorwärts� für Latarettc und Kasernen vcrbotcu. Das Recht, ein solches Verbot zu erlassen, kann ihm nicht bestritten werden. Das ist auch in einem Schreiben an den„Vorwärts" ausdrücklich zum Ausdruck gebiachl worden. Das Kricgsministcrium ist nicht in der Lage, eine Aushebung des Verbots zu verfügen. Auch der Militär- oöerbe'ehlshaber ist nicht zuständig, da eS sich nicht um eine Anordnung auf Grund des Belagerungsgesetzes handelt. Das Kriegsministertum hat sich an den Stellvertretenden kommandierenden General mir dem Ersuchen gewendet, seinen Standpunkt darrul.cgcn. Abg. Dr. Miiller-Meiningen(Vp.): Ist dem Reichskanzler be- kannr. daff hervorragende technische Beamte, Ober- ingenieure, die qroffe lechnische Belriebe leiten, in einzelnen Fällen um den gemeinsten Arbeiten sKlosellreinigen, Spucknäpfe säubern, Kartoffelnschälen usiv.s in demütigender Weise beschäftigt werden, und waS gedenkt er zu tun, um die in solcher Weise vcr- leyle„Oelononiie der Kräfte" gegenüber den geistigen ArbeitetN besser als bisher durchzusetzen? General v. Wrisberg: Wenn dem KnegSministor solche Fälle bekannt weiden, wird er eingreifen. Abg. Trimborn(F.) weist darauf hin, daß nach einer Be- hauviung der feindlichen Presse Paris am Fronleichnamstage be- schössen worden sei. Genelal v. Wrisberg: Paris ist auf Befehl der Obersten Heeresleitung am Fronleichnamstage ani 2. Juni nicht beichossen loordeu. Die Frauzoscil feiern dos FroiileichnamSfest nicht an demselben Festtage, sondern an dem darauf folgenden Sonntag. Auf diele Taliachc hatte Kardinal von Hartmann die Oberste Heeres- leituiig rechtzeitig aufmerksam gemacht. Abg. Giebel lSoz.) weist darauf hin. daß die Kriegsamtstelle Leipzig den Arbeitgebern eine Verfügung zugestellt hat, mit der ihnen die Einziehung von Arbeitskräften angekündigt wird, sofern den vom Heeresdienst zurückgestellten Angestellten mehr als sieben Tage Urlaub und den Arbeitern mehr als einige Tage Erholungsurlaub gewährt wird. Königl. Sächsischer Mililärbevollmächtigler Oberst Schulz: Der fragliche Erfaß der Kriegsamistelle Leipzig ist bereits am 17. Juni 1918 außer Kraft gesetzt worden. Tic Strafverfolgung des Abg. Bonin. Der Erste Staatsanwalt in Köslin fordert die Genehmigung zur Strafverfolgung des Abg. v. B o n i n sk.) wegen Steuer- Hinterziehung. Abg. Stupp sZ.s berichtet über die Verhandlungen des Ge- ichäsisördnungsausschusses. Der Ausschuß schlägt aus grundsätzlichen Erwägungen vor. die Genehmigung zur Sirasverfolgung nicht zu erteilen. Abg. u. Boitin(f.): Ich bitte die Gsnehmigung z u erteilen. ES muß festgestellt werden, ob au der Beschuldigung etwas ist oder nicht. Ich kann unmöglich dieie Anschuldigungen vielleicht noch zwei Jahre aus mir sitzen lassen. Benagt der Reichstag die Ge- nehiniguiig, so muß ich mein Mandat niederlegen. Es kann für den Reichstag nicht gleichgültig sein, ob gegen einen Volksvertreter e»ie solche Beschuldigung erhoben wird oder nicht. Abg. Gröber lZ.): Der Ausschuß hat auch jederzeit A u S- nahmen zugelassen. Ich bm dafür, daß in diesem Falle eine Ausnahme gemacht wird. Abg. LandSbcrg lSoz.): Der Reichs'.ag hat ein Rechl daraus, daß solange er lagt, seine Mitglieder v o l l st ä n d i g zusammen sind. Au diesem Grundsatz müssen wir festhalten. Die Konicquenz eines Beschlusses im Sinne des Herrn von Bonin wäre, daß später jeder Abgeordnete, gegen den ein Strafverfahren nicht politischer Art ich webt, hier selbst den Antrag aus seine Auslieferung stellen inüßle, damit nicht aus seinem �Schweigen nach- teilige Schlüsse für seine Ehre gezogen würden. Wir stnnmcn deshalb dem Konimissionsantrag zu. Aach weiterer Ausspraa.e stimmen die Sorialdemokraten, die Unabhängigen, ein Teil der Forlichritller und Nationalliberalen so- wie vereinzelte Abgeordnete anderer Parteien für den Ausschuß- antraa. Präsident Fchrcnbach ordnet den Hammelsprung an. Der Kommissionsanlrag wird Mll 12l gegen 118 Stimmen angenommen, die Genehmigung zur Strasverfolgung ist also nicht erfolgt. Runmehr sindet die gestern Abend wegen zu schwacher Besetzung des Hauies zurückgestellte Abstimmung über einen An- wag Dr. Arendt(D. Fr.) statt, der verlangt, daß zunächst die Sparmetalle in öffentlichen Gebäuden beichlagnahmt iverdcn sollen, bevor man an die H a u s w i r t s ch a f l e n heran- g-he- � � Auch hier macht sich Hammelsprung notwendig. Per Antrag wird mit 151 gegen 85 Summen angenommen. Darauf wird die dritte Lesung des Etats fortgesetzt beim Militäretat in Verbiltduna mit der zweiten Leiung des Gesetze? betr. Heran- ziehuilg von Hccrcsunsähigen zum militärischen Arbeitsdienst und deS Gesetzes betr. Milderungen im Militärstrafgesetzbuch. Abg. Dr. Wirth(F.) fordert, daß für genügende Ernährung und Erholung der jüngsten eingezogenen Jahrgänge in den Garnisonen geiorgt wird.— Das Verfahren, daß die Zivilkleidung der Eingezogenen von der Militärverwaltung beschlagnahmt wird, ist unzulässig.(Sehr richtig!>— In der zweiten Leiung hat man den Ton mancher unserer Reden kritisiert. Das pflegt man immer dann zu tun, wenn man sachlich nichts erwidern will.(Sehr richtig I) Abg. Stücklcn(Soz.): Dem Geich über die Viilderung der Slraken stimmen wir zu. W/iiere Milderungen werden hoffelriltch folgen. Dem Gesetz über die Hecresuniäklgcn dagegen können wir nicht zu stimmen. Wir sind damit einverstanden, wenn diese Leute, die einmal eine Zucht- hausstrafe sich zngezogeit haben, für die Verteidigung des Landes herangezogen lverden. Das kann geschehen durch Aenderung er Wehrvrdnung. indem die Heeresverwaltung das Rechl �erhält, diese Leute zum Dienst einzuziehen wie jeden anderen. Jeder dahingehender Antrag ist aber in der Kommisfion abgelehnt worden. Dos Geietz wie es vorliegl. trägt einen reine» Polizei- charalter. Alle Leute, die einmal Mit Zuchthaus bestraft worden, müssen tich jeyr melden. Dadurch wird ihre Strafe in vielen Fällen erst bekannt. Das kann zu ganz unglaublichen Härten fnbren. Die Hauptsache ist iür uns, daß man Leuten, die einmal gestrauchelt sind, die Hand reichen sollte, sich empor- zuarbeiten, während man hier Tausende, die sich emporgearbei- tet haben, wieder hinab stößt.(Sehr wahr! bei den Sozial- demokraten.) Nun zum Militäretat. Tic Wünsche, die uns aus den Kreisen der Soldaten zugehen, sind äußerst zahlreich. lieber unsere Anträge, die der Niederschlag der Wünsche der Heeres- angehörigen find, sind die Vertreter der Militärverwaltung in der zweiten Lesung stillschweigend hinweggegangen. Wir sind zwar Zeuge gewesen einer Entrüstungsoffcnsive des Kriegsministers gegen den Ton de? Abg. Miiller-Meiningen, die ober dann zu einem Berständigungssrieden zwischen den beiden Herren geführt hat. Jedenfalls liegt zu dem gereizten Wesen, das der Kricgsminister hier zur Schau trägt, wenn chm etwas nicht paßt, kein Anlaß vor. denn wenn wir hier Beschwerden vorbringen, so tun wir das, um Besserung herbeizuführen. Ich sandte dem Kriegs- Ministerium ein Päckchen Tabak, das Häcksel statt Tabak enthielt; es stammte von der Firma Hermann zu Jakobsmühle in Köln-Mühlheim. Die Firma bestritt, daß in ihren Paketen Häcksel gewesen sei,'was aber ganz zweifellos der Fall sei und das Kriegsministerium antwortet mir, es könne weiteres nicht veranlassen.(Hört! hört! b. d. Soz.) Die Löhnungserhöhung steht in gar keinem Verhältnis zur Erhöhung aller Preise. Man sollte nach der Länge der Dienstzeit die Erhöhung geben. auch sollten mehr Leute befördert werden. Besonders schlecht ge- stellt sind die aktiven Unteroffiziere, ganz ausnahmsweise schlecht die- jcnigen, die über 40 Jahre alt werden. Tie preußische Eisen- bahnverwaltunq stellt solche Leute nicht mehr an, aber für den Schützengraben sind sie noch gut genug. Die Soldaten erhalten bei Selbstverpflegung' nur 2 M., eine Erhöhung hat das Kriegsministerium abgelehnt niit der Begründung, daß die Preise im Sinken bearisrcn sind.(Lebh. Hört! hört!) Es ist ganz unwürdig, daß die Soldaten unter einer Brieszensur stehen wie Gefangene. Politik wird heute in starkem Maße in die Armee getragen, dann müßte es auch den Sozialdemokraten frei- stehen, den Soldaten Borträge zu halten. Bei manchen Armecteflcn hat man abstimmen lassen, ob die Soldaten für oder gegen einen Ver st ändigungS frieden sind. Ein Offizier erließ allerdings einfach den K o m p a g n i e b e f e h l, der den Stand- punkt der Kompagnie festlegen sollte. Vor Hamburger Landsturm- leuten erlaubte sich ein Offizier das Andenken Belcls zu schmähen als eines Mannes, der, ohne je gearbeitet zu haben, eine Million Mark Vermögen aus Acbeitergroschen erworben bat. Das An- denken Bebels steht in Arbeitcrkreisen viel zu hoch, als daß es durch die Dreckschleuder eines solchen Offiziers beschmutzt werden könnte.(Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Wer bezahlt die Agitation für die Vatcrlandspartei, die unter dem Namen„Aufklärungsdienst" geht? Ich habe hier eine Empfang-Zbescheinigung, wonach derartige vom Major bestellte Broschüren aus dem Kantinenfonds, aus den Spargroschen der Soldaten bezahlt werden.(Lebhaftes Hört! hört! bei den So- zialdemokraten.) Die Lektüre der Soldaten wird überwacht, in schlimmster Weise wird Gesinnungsschnüffelei getrieben. General Vietinghoff in Stettin verbietet in den Lazaretten, die ihm unterstchen, den„Vorwärts", und das KriegLministerium erklärt, dazu h a t er das Recht. Wo liegt denn die Grenze des Rechts eines tommandicrcnden Generals? Wir haben die unver- hüllte Militärdiktatur, der kommandierende General kann machen was er will, das KriegSministerilim ist machtlos gegen ihn. Und wenn General Wrisberg sagte, der General sei aufgefordert, seinen Standpunkt nachzuprüfen, so bat das gar keinen Zweck. Wahrscheinlich wird er sagen: Jetzt erst recht! Aber täuschen Sic sich picht über die Erbitterung und den Groll, der dadurch aufgespeichert wird und über die Auf- hetzung der Massen, die dieses Vorgehen hervorruft. Selbst ein A r m e e p o st i n s p e k t o r hat sich da§ Recht herausgenommen, Nummern des„Vorwärts" teilweise zu beschlagnahmen, teilweise zu vernichten.(Lebhaftes Hört! hört!) Die Llevormundung der Sol- dateu bezüglich ihrer Lektüre paßt für Schulbuben, nicht aber für reife Männer. Tie vvlitische Schnüffrlci hat die unangenehmsten Formen angendmmen. Geldzeich- n un gen für einen Verst'ändigungsfrieden sind den Soldaten verboten, sie sind sogar dafür eingesperrt worden. lHört! hört! b. d. Soz.) Die Bezirkskommandos haben von den Jndustriesirmen Listen der politisch verdächtigen Leute eingefordert, wobei auch die Leute angegeben wurden, die an Lohnbewegungen teilgenommen haben. Bei Ein- tritt einer Lohnbewegung lverden sofort Gestellungsbefehle vcr- schickt, und bann bestreitet man noch, daß Einziehungen aus Politischen Gründen Wege» Teilnahme an Lohnbewegungen statt- finden. Im Juni ist ein Erlaß ergangen, der pazifistische Bcstre- Hungen auf eine Stufe mit Landesverrat stellt. Tie Soldaten sind empört über die Mehrheit des preußischen Landtags, die das Wahlrecht verweigert. Das hat eine ungeheure Erbitte- rung bei den Feldgrauen ausgelöst.(Lebhaftes Sehr richtig! h. d. Soz)— Man spricht immer von der Sparsamkeit. Ein Bei- spiel aus der Praxis: Im Generalstabsgebäudc braucht man die Wohnung des Chefs zu Bureauzwecken; ihm steht ein WohnungS- geld von 15 000 M. zu. Aber das genügt nicht. Man will eine Villa am Kurfürstendamm zunächst für 25 000 M. mieten und sie für den Herrn noch umbauen, mit einem Kostenaufwand von 40 000 bis 50 000 M. Nach Ablauf des Mietvertrages wird man dann sagen: Nachdem wir soviel hineingebaut haben, müssen wir die Villa kaufen. Hoffentlich wird der Reichstag diese Sache verhindern.— Erholungsurlaub bekommen jetzt nur Schwer. verwundete, und wir können nichts daran ändern. Kein Reichstagsabgeordneter ist in der Lage, Urlaub oder Entlassung für einen Soldaten auszu. wirken. Das sollte die Bevölkerung beachten.— Auch über sogenannte schmerzlose Mißhandlungen mutz ich wieder berichten. Ein Hauptmann hat ciüen Soldaten mit der Reitpeitsche geschlagen. Das Kriegsministerium schreibt mir zu dem Fall, nach der Aussage des Soldaten hat der Hauptmann ihn nicht mit der Reitpeitsche ge- schlagen, sondern ihn nur getroffen, als er ihm andeuten wollte, daß er gemeint sei. Der Offizier wurde denn auch freigesprochen, der Soldat aber erhielt dafür, daß er seinen Eltern davon ge- schrieben hatte, 14 Tage strengen� Arrest.(Hört! hört! b. d. Soz.)— Man sollte auch verbieten, den Soldaten die Zivilkleider abzukaufen. die sie später wieder gebrauchen; greifen Sie lieber in die Schränke der reichen Leute hinein.— Wir begrüßen es, daß der Jahrgang 1869 entlassen ist. Aber man sollte auch mit der Ent- lassultg des Jahrgangs 1870 beginnen. Ferner sollte überhaupt jeder, der das 4 8. Lebensjahr erreicht hat. ent- lasset! werden. Das würde eine große Freudigkeit auslösen.— Tic in der Ukraine stehenden Soldaten klagen darüber, daß sie Bütteldienste verrichten müssen; sie müssen die Bauern, die ibre Waffen nicht abliesern wollen, Prügel n. Tic ukrainische Re- gierung soll jich für solche Dienste andere Leute aussuchen als deutsche Soldaten.(Sebr richtig! b. d. Soz.) Die Militärverwaltung soll die Wünsch« des Rcichslags beachten, dann wird sie den Sol- baten helfen.(Beifall b. d. Soz.) Abg. Dr. Miiller-Meiningen(Vp.): In der Kommission haben wir eine Fülle von fach- lichcn Beschwerden vorgebracht, und zwar geschah das von ollen Parteien. Antwort wurde fast gar nicht erteilt. Die Art. wie die Wünsche der Feldgraue,?, die wir hier vertreten, von der Mili- tärbchördc behandelt werden, wirkt geradezu d e p r i n: i c r e n d.— Klarheit müssen wir darüber da den, ob der deutsche Soldat daS Recht hat, sich mit einem Volksvertreter in Verbin- dungzu setzen oder nicht. Es mutz klipp und klare Antwort dar- auf gegeben werden.(Zuruf b. d. Soz.: Da können Sie lange warten!> Abg. Held(nl.) wünscht, daß«in Unterschied geschaffen wird zwischen Auszeichnungen, die für Verdienste an der Front ge- wäbrt werden und solchen, die in der Etappe oder Heimat verliehen werden. Abg. v. Gräfe(k.) protestiert gegen di« Angriffe auf den kom- mandierenden General v. Vietinghoff.(Bravo! rechts.) Die Ernte- Urlaubsgesuche sollten in der Tat mehr Berücksichtigung finden. Abg. Behrens(D. Frokt.l bringt eine Reihe Einzelwünsche vor. Die Börsen leute, die jetzt gegen Reichstag und Reichsleitung streiken, sollten emgezogen werden. Kriegsminister v. Stein: Die in Rußland gesangen gewesenen Soldaten können selbstverständlich wieder an der Front verwendet werden. Die Bebauptungen, sie hätten einen Schein unterschreiben müssen, nicht wieder an der Front zu dienen, sind Ententemache; darauf babcn wir nichts zu geben.— Bei den Urlaubsgesuchen werden manch- mal leider aus Gutmütigkeit zu weitgehende Versprechungen ge- wackit, die dann aus Heecesnotwendigkeiten nicht erfüllt werden können. In der Frage der Ordensauszeichnungen wird es niemals möglich sein, allen Wünschen gerecht zu werden. Die Sorgen für die Zukunft können mich jetzt nicht berühren, ich werde von der Gegenwartsarbeit voll in Anspruch genommen. Die Tätigkeit für unser Volk, diesen Krieg zu Ende zu führen, nimmt uns derart in Anspruch, daß wir für anderes jetzt keine Zeit haben.(Bravo!) Mg. Korfanth(Pole): Auf den oberschlesischen Gruben haben in den letzten Tagen Streiks stattgesunden, wozu die Arbeiter durch Hunger, Mangel an Kleidung und Ilcberanstrcngung gezwungen wurden. Tarauf wurden die Betriebe militarisiert und man suchte die Arbeiter durch krasseste Maßregeln zur Acbe't zu zwingen. Diese aber erklären, lieber verhungern zu wollen, ehe ste die ihnen aufgezwungenen Bedingungen annehmen. In der zweiten Lesung wurde schon das Los der 700 villi polnischen Arbeiter hier vorgebracht, die man aus Polen herausgelockt hat, teilweise durch Vorspiegelung falscher Tatsachen und Betrug gewissen- loser Agenten. General Scheuch erklärte damals, daß in dieser Frage lediglich das deutsche Interesse maßgebend sei. Wir kennen kein deutsches Interesse, das die Gebote der Moral, der Menschen- rechte und des Christentums verletzten dürfte.(Sehr wahr! bei den Polen.) Zwingen sie uns nicht, die schärfste Konsequenz daraus zu ziehe». Die Arbeiter werden von Amts wegen ausgesogen und ausgeplündert.(Unruhe.) Präsident Fehrcnbnch: Ausgesogen und ausgeplündert wird von Amts wegen in Deutschland niemand.(Stürmt. scher Widerspruch links. Abg. Ledebour wird wegen eines Zu- rufes vom Präsidenten zur Ordnung gerufen.— Erneuter Zuruf de? Abg. Ledebour.) Ich rufe Sic zum zweitenmal zur Ordnung. �Jch verbitte mir jede Kritik, Sie haben das Recht von§ 46 der Geschäftsordnung Gebrauch zu machen.(Große Unruhe b. d. U. Soz.) Abg. Korfanty(sortfahrend): Ich wollte sagen: die polnischen Arbeiter werden ausgesogen und ausgeplündert durch gewissen- lose Arbeitgeber.(Heiterkeit.) Der Redner geht weiter aus die Verhältnisse in den besetzten polnischen Gebieten und in Litauen ein. Präsident Fehrenbach: Sie dürfen diese Dinge hier nur er- orten,, soweit sie mit dem M i I i t ä r e t a t zusammenhängen. (Abg. Korfanty: Herr Präsident, ich...) Auf Zwiegespräche lasse ich mich nicht ein.(Abg. Ledebour(II. Soz.): Und für den Mann haben Sie gestimmt!) Abg. Rorflinkn(Pole): Das Vorgehen der Militärbehörden in ienen Gebieten erinnert an das frühere Vorgehen der russischen Behörden. Aus Grund all dieser Vorgänge und der Behandlung, die man uns in Preußen zuteil werden läßt, werden wir diesmal zum erstenmal in unserer parlamentarischen Geschichte nicht für den Gcsamtetat stimmen, fondern uns der Stimme enthalten. (Bravo! b. d. Polen.) Chef des Kriegsamts General Scheuch: Mit den streikenden Grubenarbeitern aus Obcrschlesien finden zurzeit Besprechun- gen hier im Kriegsamt statt. Ich hoffe, daß dabei viel mehr heraus- kommt, als wenn ich mich hier mit dem Herrn Vorredner weiter über diese Tinge unterhalte. Was die Behandlung der polnischen Arbeiter in Deutschland anlangt, so habe ich nur getagt, daß neben all dein, was uns Billigkeit und Gerechtigkeit gebietet, derartige Angelegenheiten vom deutschen Standpunkt entschiedeit werden, und dabei bleibe ich.(Bravo! rechts.) Gegenüber dem Abgeord- neten Stücklcn bemerke ich, daß wir die Streikvermerko in den Be- zirkskommandolistcn unbedingt brauchen. Es ist aber angeordnet, daß sie in die Bücher, die an die Front gehen, nicht mit aufge» nommen lverden dürfen. General v. Wrisberg: Der Abg. Cohn hat letzthin über einen Major Contzen behauptet, er habe allerlei Umtriebe in Ungarn sich zuschulden kommen lassen und auf Beschwerde beim deutschen Generalkonsul sei erwidert worden, ein Major dieses Namens existiere in der deutschen Armee nicht. Der Abg. Cohn fügte hinzu: „Das Dementi sei richtig getvesen, denn der Major habe sich inner» halb 24 Stunden aus einem preußischen in einen türkischen Major verwandelt." Inzwischen haben wir festgestellt, daß der betreffende Contzen Landsturmmann und Vertrauensmann der dortigen Ar- bciter ist. Abg. Hüttmann(U. Soz.): Dem Gesetzentwurf über Milde- rungen des Militärstrafgesetzes stimmen wir zu; da» Gesetz da- gegen, das Militäruntaugliche zu allerhand militärischen Dienst- leistungen heranziehen will, lehnen wir ganz entschieden ab. De? weiteren bringt der Redner Beschwerden über Mißstände beim Heere vor, besonders über die Verpflegung und bei der Urlaubs- erteilung. Abg. Erzbcrgcr(Z.) fragt, ob die Zentralpreisprüfungsstelle bereits errichtet ist. und beklagt sich über die zwangsweise Abführung eines erzbischöflichen Administrators in Wilna. General Scheucht Die Preisprüfungsstelle ist bereits errichtet und hat auch bereits eine Sitzung abgehalten. Abg. Dr. Davidsohn(Soz.): Tie Frage der Heeresunfähigen hätte man längst im Laufe des Krieges großzügiger lösen sollen, durch Amnesticrung der Leute, die sich früher solche Strafen zu» gezogen haben. Draußen hat man Kreuze errichtet mit der In- schrift:„Hier starb den Heldentod der Soldat 2. Klasse..." (Hört! hört!)— Die Zuständeinden Nervenlazaretten sollten weiter genau geprüft werden. Ein unhaltbarer Zustand ist es, daß das KriegSministerium auf hier vorgebrachte Fälle, wen« es ihm nicht paßt, einfach nicht eingeht.(Abg. Schöpflin: Bei der Marine ist das besser!) Die Klagen über die Ernährung ün Heere würden sofort verschwinden, wenn die Küchcnkommissionen wirkliche Rechte bekämen. Abg. Dr. Haas>Bp.) betont, daß cs ihm seinerzeit ferngelegen habe, allen Kricasberichterstattern Uebertreibungen und Geschmacklosigkeiten vorzuwerfen. Die Herren hätten da» Stenogramm meines: Ncde naHprüsen sollen. Vor allem Üätie da? KriegspresseamI niK ohne vorherine Prüfung des Sachverhalts diesen Protest verbreiten dürfen. Ein Vertreter des Kriesgvrcsscamts erwidert, daß das Kriegs- Presseamt in dem svalle nur als ausführende Behörde gehandelt habe. Die Debatte j�icht sich bis in die späten Abendstunden. Ein um Hd Uhr gestellter Pertagungsantrag der U. Sog. findet nicht genügende Unterstützung. Bei der weiteren syortsetzung der Debatte über den Militär- etat bleibt Abg. Lohn sU. Soz.) auf seiner früheren Darstellung des Falles Contzen bestehen. Beim Marineetat macht Staatssekretär v. Capelle An- gaben über die Erfolge des deutschen U-Boot-Krieges uud weist die Behauptungen der Feinde über die angeblich hohen U-Boot-Verluste zurück. Der Macineetat und eine Reihe weiterer Etats werden an- genommen. Beim Reichspostetat beschwert sich Albg. E m m e I sSoz.) darüber, daß für llliü Ihausen jeder Paketverkehr eingestellt sei. Man könne doch Mülhausen nicht vom Reiche abschneiden. Staatssekretär des Rcichspostamts Rüdlin führt die Maßnahme auf militärische Gründe zurück und sagt erneute Prüfung zu. Die Etats der Re i ch s s ch u l d e n v e r w a l t u n g und der allgemeinen F i n a n z v e r w a l t u n g werden bis zur nächsten Woche zurückgestellt. Tikv Resolutionen werden zur Ertvägung gestellt, die Petitionen für erledigt erklärt. Darauf vertagt sich das Haus. Nächste Sitzung Somrabend 11 Uhr.(Kleine Vorlagen, Debatte über Ernährungsfragen und Kohlendersorgung). Präsident Fehrenbach ermahnt die Redner des morgigen Tages in längeren Ausführungen, sich kurz zu fassen. Schluß S Uhr 55 Min. GewerffchBsbewVUNg Jubiläum des Lederarbeiterverbandes. Auf ein fünfundzwanzigjähriges Bestehen kann der Verband aller in der Leder- und Lederhandschuhindustrie beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen Deutsch- lands zurückblicken. Die neueste Nunimer der.Lederarbeiter- Leitung' gedenkr dieses Ereignisses in einem Artikel, dem wir ent- nehmen, daß der Verband am 1. Juli 1893 durch Verschmelzung der beiden Organisationen der Weißgerber und der Lohgeber ent- standen ist. Der Weißgerberverband bestand schon vor dem Sazialisten- geictz. Vor dem Schicksal der Auslösung, dem fast alle Gewerk« schaflen in der ersten Zeit des Sozialistengesetzes zum Opfer fielen, blieb der Weißgerberverband verschont. Zu Weihnachten 1884, unter der Herrschafr des Sozialistengesetze?, wurde der Zentralverband der Gerber und Lederzurichter gegründet, der im März de? folgenden Jahres seine Tätigkeit aufnahm. Zu jener Zeit, wo alles, was noch an Arbeiterorganisationen bestand, unter dem lähmenden Druck des Sozialistengesetze? niedergehalten wurde, konnten sich die beiden Organisationen der Gerber nicht so betätigen, wie cS im Interesse der Bcrufsangehörigcn erwünscht gewesen wäre. Trotzdem führten sowohl die Wcißgerber als auch die Lohgerber in jener Zeit Lohn- kämpfe durch. Wenn beide Gerberorganisationen da? Sozialisten- gesetz überdauerten, so mag das darin seinen Grund haben, daß ihnen wegen ihrer verhältnismäßig geringen Mitgliederzahl von der Polizei keine Bedeutung beigemessen wurde und weil die Mit- glicder viel stärker von gewerbezünftlerischen Ideen als von den Idealen der klassenbewußten Arbeiterschaft beherrscht waren. Die Solidarität galt den Kollegen und dem Berufsintereste, aber nicht den allgemeinen proletarischen Interessen und dem Klastenkampf. Doch die Zuspitzung der wirtschaftlichen und politischen Verhältnisse, die Verschärfung der Klassengegensätze lenkte auch daS Fühlen und Denken der Gerbergesellen in die Bahnen, welch« die Arbeiter anderer Berufe längst beschritten hatten. Als das Ausnahmegesetz gefallen war und sich neue? Leben in den Organisationen der modernen Arbeiterbewegung regte, al? sich der Halberstädter Gewerkschaftskongreß für die Gründung von Jndustrieverbänden entschieden hatte, wurde auch in den Reiben der Lederarbeiter die Frage einer Verschmelzung der beiden Organi- sationen der Gerber und der Organisation der Handschuhmacher erörtert. Das praktische Ergebnis dieser Diskussionen war. daß der Weißgerberverband 1892 beschloß, alle in der Lederindustrie Be- schäftigien aufzunehmen. Dadurch war den Lohgerbern der Weg zur Verschmelzung geöffnet. Sie beschlossen die Auflösung ihrer Organisation und den Uebertritt in den Weißgerberverband. Am 1. Juli 1893 nahm die neue Organisation als Lederarbeiterverband ihre Tätigkeit auf. Nach einer Reihe von Jahren schloß sich dann auch der Handschuhmacherverband dem Lederarbeiterverbande an. Die fünfundzwanzig Jahre seit dem Bestehen des Leder- arbciterverbandeS waren erfüllt von Kämpfen für die wirtschaftliche Besserstellung der Berufsangehörigen, von Aufklärungsarbeit, von dem Bestreben, die Organisation auszubauen nnd zu festigen. So kann der Verband auf ein Vierteljahrhundert erfolgreicher gewerk- ichaftlicher Arbeit zurückschauen und mit der Hoffnung auf weitere Erfolge der Zukunft entgegengehen. Wiederaufbau der Steinindustrie. Die Leitung des Zentralverbande« der Stein- a r b e i l e r hat an das Kriegsministerium und andere Reichs« bchörden eine Eingabe gerichlet, die in dem Antrage gipfelt: Zum Zwecke der Wiederaufrichtung der deulschcn Stein- industrie, um vorwiegend genügend Bau- und Pflasterstein- Materialien produzieren zu können, Abräumer, Steinbrecher, Pflastersteinmacher und Steinmetzen setzt schon, soweit es die militärischen Interessen einigermaßen gestatten, beurlauben zu wollen. Ferner erscheim es uns dringend nötig, daß bei der allgemeinen Demobilmachung auf die ungeheueren Aufgaben, welche die Sleinindustrie zu lösen hat, dementsprechend Rücksicht genommen wird. Zur Begründung des Antrag-S wird in der Eingabe unter anderem gesagt: Die Steinindustrie hat 79 Pro,, ihrer Arbeiter iür den Heeres- und Kriegsdienst abgegeben. Von den 32 009 Mit- gliedern des Berbandes sind sogar 74 Proz. eingezogen. Unter diesen Umständen hat die Steinindustrie während des Krieges stark gelitten, weil sie mehr auf menschliche als aus maschinelle Arbeits- tröste angewiesen ist. Nach dem Shiege wird im ganzen Reiche großer Mangel an Bau- und Slraßenbaumaterial hercichen. Um diesem Mangel abzuhelfen und dem Baugewerbe die nötigen Materialien zu liefern, müssen Steinbrecher und Steinmetzen möglichst frühzeitig ihre Arbeitstätigkeit ausnehmen. Unter dem Einfluß des Krieges ist die Betonbauweise stark ge- fördert iverden. Sie wird nach dem Kriege noch weiter ver- breitet worden. Das bedingt einen ungeheuren Bedarf an Kalk- steinen für die Zementproduklion. Auch an Schotler» und Pflaster» steinen wird ein starker Bedarf eintreten. Wenn die deutsche Sleinindustrie die ibr dadurch gestellten Aufgaben erfüllen soll, müssen schon jetzt die nötigen Vorbereitungen getroffen werden jkönnen. Die Organisation der steiniiiduftriellen Arbeiter hat ein großes Interesse daran, daß die Militärbehörden alles tun, damit entweder jetzt schon Arbeiter der Stemindustrie entlassen, beziehungsweise be- urlaubt werden, oder wenn dies nicht angängig sein sollte, daß mindestens bei der Demobilisierunz genügend Rücksicht aus die Steinindustrie genommen wird. Znöustm und Kandel. RcichSbank imb schwebende Reichsschuld. Am Ende des ersten Halbjahres 1918 hat die Neichsbank ihren Goldbestand gegen die gleiche Vorjahrszeit um III Millionen Mark verringert, da Gold zur Stützung der Währimg ans Ausland abgegeben werden mußte. Tie Kassen- scheine haben eine Vermehrung von 400 Millionen Mark auf 1800 Millionen Mark erfahren. Der Wechsel- und Schatz- anweisungsbestand hat sich von 11 auf 16 Milliarden Mark er- höht. Der Notenumlauf ist von 8,7 auf 12,5 Milliarden Mark gestiegen. Im Frieden sollte der Notemimlauf im wesentlichen zu einem Drittel metallisch, zw den anderen zwei Dritteln durch gute Geschäftswechsel gedeckt werden. An die Stelle des Ge- sckfästswechsels ist die sogenannte unverzinsliche(der Zins wird in Form des Diskonts vom Nennwert abgezogen) Schatz- anweisnng getreten, die metallische Deckung ist im Kriege durch die von Darlehnskassenscheinen ergänzt worden. Das Ausland hat das vielfach zum Anlaß genommen, die Solidität der deut- schen Währung zu bezweifeln, weil durch die Tarlehnskassen- scheine, die durch Kriegsanleihe mindestens gedeckt sein können, die Notendcckung durch Schuldtitel in großem Um- fang herbeigeführt wird. Am bemerkenswertesten im' Reichsbankausweis ist die starke Vermehrung der Reichsschatzanweisungen um nahezu sechs Milliarden. Allerdings ist der Notenumlauf nicht in der- selben Weise, sondern nur um rund vier Milliarden ge- stiegen, weil die hereingenommenen Schatzanweisungen zu einem beträchtlichen Teil auch durch die Vermehrung der bei der Reichs- dank hinterlegten Depositen ausgeglichen wurden. Aber aus der Vermehrung der Reichswechselschuld geU doch hervor, daß die schwebende Schuld des Reichs so gewaltig anschwillt, daß sie auch durch die glänzenden Ergebnisse der Kriegsanleihezeichnungen nicht in langfristige Schuld umgewandelt werden kann. Dabei stellen die bei der Reichsbank ausgewiesenen Reichswechsel nur einen Teil der kurzfristigen Schuld des Reiches dar, da auch Banken und Sparkassen ihre großen flüssigen Gelder in Reichswechseln anlegen. Im ganzen wird die schwebende Reichsschuld auf 30 bis 35 Milliarden geschätzt werden können, zu deren Abbiirdung die Vermögensabgabe nach dem Kriege unbedingt geboten ist. Diese wird also vor allem zur Be- seitigung der schwebenden Reichsschuld— in zweiter Linie erst zu einer effektiven Verminderung der Kriegsanleihen führen— und dadurch die Reichsbank wohl wieder zur Diskontierung von Geschäftswechseln sähig machen. Da billiger und genügender Kredit eine Grundbedingung guten Geschäftsganges ist, berübrt das schwierige Problem der schlvcbenden Reichsschuld aufs stärkste die Arbeiterrnteressen und steht mit der Frage der Arbeits- beschaffung nach dem Kriege in innigem Zusammenhang. Erhöhung der Kalipreise. Die Novelle zum Kaligesetz ist dem Reichstag nunmehr zu- gegangen. Sie sieht folgende Preise vor: Gesetz«ender.*"'"3«Ä9 iom ia a i7 Synd. der Re- 1919 1S.S.17. 14\18 gi„ung Carnaklit 9/12%..'. 8.5 18.9 L2.9 29.9 Rohsalze 12/15°/,... 19.9 18,9 25.9 23,9 Düngesalze 29 22°/,.. 14,9 23.9 31.9 28,5 39/32°,,.. 14,5 23.5 33,9 39.5 49/42%.. 16,5 25,5 37,5 35,0 Ehlorkalium 50/60%.. 27,0 37,0 42,5 41,5 über 60°/0. 29,0 40,0 45,0 44,0 Schwefels. Kali über 42°/, 35.9 43,9 55,9 55,9 Schwefels. Kalimagnesium 31,9 49,9 53,9 53,9 alles in Pfennigen für 1 Proz. HzO in Doppelzentner. Als Gel- tungsdauer ist die Zeit vom 1. Juli 1918 bis 81. Dezember 1919 vorgesehen. Gerichtszeitung. Ter antisemitische Irrenarzt. Zahlreiche Acrzte und Pfleger der städtischen Irrenanstalt Herz- berge waren vor das Schössengericht Beclin-Schöncberg als Zeugen gegen den früher an der Anstalt beschäftigt gewesenen und seit 1919 an einer auswärtigen Anstalt tätigen Arzt Dr. med. Karl Robert H o e f f t geladen worden. Dieser war der verleumderischen Be- leidigung des Leiters der Anstalt Herzbcrge, Pros. Dr. L i e p m a n n, beschuldigt. Zwischen dem Angeklagten und dem Direktor Dr. Liep- mann herrschten ein ige Differenzen. Nachdem Dr. Hoesst aus seiner Stellung an der Anstalt entlassen worden war, hatte er verschiedene Schreiben beleidigenden Inhalts an Prof. Dr. Liepmann gerichtet. und als dieser daraui persönlich nicht reagierte, machte der Ange- klagte längere Eingaben an das Lberpräsidium der Mark Branden- bürg bzw. Kriegsernährungsamt und machte darin heftige Ausfälle gegen die Leitung der Anstalt. Er behauptete, daß in der Irren- anftalt Herzberge sich während des Krieges unglaubliche Zustände entwickelt hätten. Sie sei das Opfer wucherischer Ausbeutung ge- wprden, die, durch die fehlende Energie des Direktors begünstigt, die Anstalt auf einen sehr großen Tiefstand gebracht habe. Die lden Kranken und Pflegern gebotene Kost sei eine offenbare Gefahr für deren Leben und Gesundheit. Mehrfache Beschlocrden Berliner Bürger seien unter lächerlichen Ausflüchten zurückgewiesen worden, die Direktion»stehe wohl den Händlerkreisen nicht fern", usw.— Obgleich dem Angeklagten vom Obecpräsidium ausdrücklich- eröffnet worden war, daß Direktor Dr. L i e p m a n n mit der Verpflegung gar nichts zu tun habe, diese vielmehr von der Deputation für die städtischen Krankenhäuser festgestellt und geregelt werde, hat er in dem Schreiben an daS Kriegswuchcramt seine Behauptungen»durch- aus aufrecht" crhalieu. Die Zustände in Herzberge seien skandalös, die Aerzte sähen sich einer»Judenwirtschast" gegenüber, die ihnen die Schamröte ins Gesicht treibe. Prof. Liepmann habe»den offen- sichtlichen Schwindel und die niederträchtige Gaunerei nicht ausge- deckt",»eS gehe in Herzberge nicht mit cechlen Dingen zu". Der Angeklagte erklärte hierzu, daß dicke Aktenbündel über die erhobenen Beschwerden existierten. Er habe dem Nebenkläger Prof. Dr. Liepmann nur vorwerfen wollen, daß er seine Pflichten als Letter einer so, großen Anstalt nicht energisch genug erfüllt habe. Der Vorwurf, daß er materielle Jntereffen verfolge, habe nicht er- hoben werden, sondern nur angedeutet werden sollen, daß Liepmann aus einem Bankhause stamme und als Jude nicht anders könne als händlerisch denken. Tie Mißstände in Herzberge hätten seinerzeit schon die Tageszeitungen beschäftigt, sie seien in Hejermanns be- kannter Broschüre behandelt worden, Moll habe die Behandlung der Aerzte als standesunwürdig bezeichnet. Die städtisch« Deputation babe wiederholt Verbesserungen in Aussicht gestellt, es sei aber nich:s geschehen. lieber die aufgestellten Behauptungen fand eine mehrstündige Beweiserhebung stait durch Vernehmung der Aerzte Sanitätsrat Dr. Falke nberg, Dr. Vieregge, Dr. Sä nun er, Oberarzt Dr. K l i p p st e i n und mehrerer Pfleger. Das Ergebnis ist dahin zusammenzufassen, daß mehrere von dem Angeklagten cusgestellle Behauptungen sich auf Vorgänge beziehen, die vor dem Amtsaniritt des Prof. Dr. Liepmann sich abgespielt haben. Aus den Zeugen- aussagen ging weiter hervor, daß nach dem KriegZbcginn die Klagen über die Ernährung sehr häufig gewesen seien, aber in den Kon- ferenzen der Oberärzte und der Direktion in dem Umfange nicht als gerechtfectigt angescben werden konnten. Keiner der Zeugen konnte im übrigen dem Prof. Dr. Liepmann die Schuld für die Er- nährungsmängel aufbürden; im Gegenteil wurde erklärt, daß dieser sich ernstlich um das Essen bekümmert und crforderlichcnsalls Bericht an die Deputation erstattet hat.— Prof. Dr. Liepmann selbst betonte, daß er mit den Belieferungen überhaupt nichts zu tun habe, sondern der Oekonomicinspektor, dem die Nahrungsmittel von der städtischen Behörde zugewiesen werden. Er habe niemals zu irgendeinem Lieferanten Beziehungen gehabt. Das Essen habe cc vielfach geprobt und einige der Beschwerden für übertrieben gc- funden. Der Angeklagte Dr. Hoesst habe schon vor seinen hier in Frage stehenden Eingaben eine Reihe beleidigender Briese an ihn geschrieben, die von ihm an die städtische Deputation für Irren- pflege weiter gegeben worden seien. Der Nebenkläger verwies u. a. auch auf vorhandene Protokolle, auS welchen hervorgeht, daß eine Pflegerin sittlichen Anstoß an der Art genommen habe, welche Dr. Hoesst bei der Aufnahme weiblicher Patienten befolgte. Auch seien wiederholt Klagen darüber erhoben worden, daß der Angeklagie dienstlich seinein Antisemitismus die Zügel schießen ließ. Ter An- geklagte bestritt, solche Aeußerungen getan zu haben.— Der Nebenkläger trat schließlich noch energisch dem Vorwurf entgegen, daß er die jüdischen Ansbaltsärzte anders behandle als die arischen. Der Amisanwalt vertrat den Standpunkt, daß sich der Angeklagte nicht der Beleidigung wider bessere? Wissen, sondern der üblen Nachrede 18 186 St.G.B.) schuldig gemacht habe. Der Au- geklagte stehe offenbar unter der Monomanie und Idiosynkrasie gegen alles, was der jüdischen Rasse angehört und diese psvchologische Disposition spiegele ihm die Möglichkeit unlauterer Machenschaften vor. Unter dieser Zwangsvorstellung habe er augenscheinlich ge- handelfl Der Amtsanwalt beantragte 599 M. Geldstrafe, da die Behauptungen des Angeklagten in keiner Weise erweislich seien. — Geh. Jusbizrat Dr. von Gordonr der den Nebenkläger ver- trat, hielt eine ganz nachdrücklich« Bestrafung mr notwendig, da der Angeklagte außerordentlich schwere, völlig in der Luft schwebende Beleidigungen ausgesprochen habe und auch schon wegen Beleidi- gung mit 399 M. Geldstrafe vorbestraft sei. Sein ganze? Borgehen sei darauf zurückzuführen, daß er sich an dem Nebenkläger rächen wollte.— Der Verteidiger Rechtsanwalt Dr. Karras beantragte eine milde Strafe, da der Angeklagte sich in«ine falsche Idee ver- rannt gehabt, aber geglaubt habe, der Allgemeinheit einen D-enst zu leisten.— DaS Gericht verurteilte den Angeklagten zu 1999 M. Geldstrafe eventuell 100 Tagen Gefängnis, wobei es feststellte, daß auch nicht ein Schotten von Beweis für die Angriffe deS Angeklagten auf die Person des Dr. L. erbracht sei. Berantworlllch Ii>r PoliNk: Erich Gntlncr, Berlin; für den übrigen?>>!! de» Plattes: Alfred SÄalj, Neulalln: für Zlnzeizen. ZHe»d»» Mackr, Perlin. Verlag: Berwärls-Verlag G. m. b. H., Perlin. Druck. Vorwärls-Vuchdruckerei und Verlagsanstalt Paul Singer u. Co. In Berlin. Lwdenstrabe 3. Hirrz» 1 Beilage NN» Nulerdalmnasdlart. NöbsILokn Im osien Gr. Frankfnrter Str. 58 Im Norden: Eaästrasse 47-48 M6bel"'ftstdit an jedermann. Gsrlngste Anzahlung, kleinste Abzahlung. 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