Ar. 18«. 3S. Jahrg. Bezugspreis: k'iertsljkihrl. t�o M!. monatl. 1,50 TOI. fc(t inSHauS. voraus, ahldar. Einzelne Nummern lv Pfennig. Postbezug: Monaillch. vom Postschalter abzuholen IioVMl, vom Briefträger inSHauS gekracht t.St Ml. Unier Kreuzband für De»atfchtar d und Oesterreich- Ungarn Ml. für das übrige Ausland <50 Ml. monatlich. Versand inS Feld bei direkter Bestellung monaU. lMMl. Postbestellungen nehmen an Däne- marl. Holland. Luxemburg. Schweden und die Schwei,. Eingetragen in dt« tvst-ZeitungS.PreiSllste. Erscheint täglich, Telegramm- Adresse: .C»zialdemotrat Beriw». Vevlmev Vollrsblclkk. Zcntralorgan der fozi aldcmokrati fchen Partei Deutfchlands. ( 10 Pfennig) Anzeigenpreis: Die fieiengespalleneKolonelzeilekost et so Pfg.„Kleine Anzeigen", da« fettgedruckte Wort 30 Pfg.(zulässig S fettgedruckte Worte), sedeS weitere Wort tb Pfg. Stellengesuche und Schiasstellenanzeigen das erste Wort 20 Pfg., jede» weitere Wart 10 Pfg. Sorte über 15 Buchstaben zählen fchr zwei Worte. 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Die Bolschcwiki haben bedingungS- lose Unterwerfung gefordert. Die Sozialrevolutionäre sollen sich auch mit der Aufforderung zum Streik au die Eisenbahner gewandt haben. Sie haben anscheinend eine Absage erhalten. Gerüchte, daß in Petersburg, Jaroslaw und in anderen Städten der Auf st and losgebrochen sei, werden von der Regierung als unbegründet bezeichnet. Die Linksrcvolutionäre haben gestern nacht ein B« l- lrtin herausgegeben, in dem sie mitteilen, daß Gras Mirbach von der Terror! st ensrktion der LinkS-Sozial- revolutionäre getötet worden sei. Nach einer Mitteilung der Regierung haben die bisher verhafteten Führer der Linken So- zialrevolutionäre, worunter sich die S p i r i d o n o w a befindet, zu- gestanden, daß das Attentat mit Wissen der Parteileitung ausgeführt worden ist, um den Bruch des Brester Friedens zu erzwinge». Soweit bisher festzustellen, hat das Attentat und die feiten? der Grgenrevolutionäre ausgegebene Parole:„Krieg gegen Deutschland" diesen viele Anhänger und Helfer abwendig ge- macht, infolgedessen besteht begründete Aussicht, daß die B» l s ch e- wiki der Lage in Moskau Herr werden. Die über den Gesandtcnmord«»gestellte Untersuchung hat weiter ergeben, daß das Verbrechen offenbar von langerHand vorbereitet worden ist. Der ungarische Graf Robert Mirbach wurde nämlich vor ungefähr vier Wochen als Bewohner eines HotclS, in dem eine- schwedische Artistin in angeblich gegen- revolutionärem Zusammenhang Selbstmord verübt hatte, verhastet. Er war, wie die übrigen verhafteten Hotelbewohner völlig un- schuldig. Indessen blieb er, während die anderen freigelassen wur- den, verhaftet. Die ganze Angelegenheit ist höchstwahrscheinlich von Mitgliedern der Kommission zur Bekämpfung der Gegenrevo- lution künstlich geschaffen worden, um einen Borwaud zu haben, zu dem Gesandten persönlich vorzudringen. Moskau, 8. Juli.(Meldung der Petersburger Telegraphen- Agentur.) Ter Moskauer Sowjet hat beschlossen, dir den Parteien der Sozialrevolutionäre und der Mensche» wiki ungehörigen Mitglieder aus seiner Körperschaft auSzu- stoßen. » Moskau, 8. Juli. Die Kämpfe in Moskau sind bisher zugunsten der Bolschewiki ausgelaufen. Aufruf der Bolschewiki von Moskau. Moskau, 7. Juli.„Prawda" veröffentlicht über die Ermordung des Grafen Mirbach eineu Aufruf, in dem u. a. folgendes gesagt wird: „Gegen 3 Uhr nachmittags sind zwei Agenten des russisch- englifch-französischcn Imperialismus zum deutschen Gesandten, Grase» Mirbach, auf Grund einer gefälschten Unter- schrift deS Genossen DserjinSki mit falschen Be- glaubigungspapicren vorgedrungen und ermordeten unter dem Schutze dieses Dokuments den Grafen Mirbach. Einer dieser Hallunkcn, der diese provokatorische Tat begangen hat, die schon seit langem und verschiedentlich in der Sowjetpresse mit der Verschwörung der Monarchisten und Gegenrcvolutionäre im Zusammenhang gebracht worden ist, ist nach vorhandenen Räch- richten ein Linker Sozialrevolutionär, ein Mitglied der Kommission von Dserjinski, der sich verräterischerweife von dem Dienst der Svwjetregierung lossagte und zum Dienst bei Leuten überging, die Rußland in einen Krieg zu verwickeln trachten und damit Wiederherstellung der Regierung der Guts- besitzer und der Kapitalisten sichern wollen. Ruß- land befindet sich augenblicklich durch die Schuld von Hallunkcn aus den Reihen Linker Sozialrevolutionäre, die sich auf den Weg Sa- winkows und seiner Genossen verleiten ließen, auf Haaresbreite vor einem Kriege. Schon die ersten Schritte der Sowjetregierung in Moskau zur Er- greifung deS Mörders und der Helfershelfer wurden von de» Linken Sozialrevolutionären damit beantwortet, daß sie einen Ausstand gegen die Sowjetregierung begannen. Sie besetzten zeitweilig daS Kommissariat von DserjinSki, verhafteten den Vorsitzenden DserjinSki und das Mit- glied LaziS und die hervorragendsten Mitglieder der russischen kommunistischen Partei(Bolschewiki). Die Linken Sozialrevolutionäre bemächtigten sich sodann der T e- lephonstatio», begannen eine Reihe militärischer Handln». gen, in denen sie mit bewafsneten Kräften einen kleinen Teil Moskaus besetzten und die Sowjetautomobil« abzufangen begannen. Die Sowjctregiernng hat tzls Gesseln alle im Großen Theater befindlichen Delegierte» des fünften Kongresse» der Sowjets aus den Reihen der Linken Sozialrevolutionäre frstgehal- ten und alle Maßregeln getroffen, um die Pläne der Weiße« Gardisten sofort zu unterdrücken und zu liquidieren. Alle, die den Wahnsinn und das Verbrechen einsehen, wodurch Rußland jetzt in«inen Krieg verwickelt würde, unterstützen die Sowjetregierung. Daran, daß der Aufstand schnellstens liquidiert wird, besteht auch nicht der lei- feste Zweifel. Alle auf ihre Posten! Alle zu den Waffen! Nieder mit den Dirnern der Weißen Garde! die Linksrevolutionäre. Die während der Revolution aus der„Partei der Sozia- listen-Revolutionäre" ausgeschiedene Linke, die sich seitdem als eine besondere Partei— die„Partei der linken Sozialisten- Revolutionäre"— konssituiert hat, ging mit den Bolschewiki bis zum Abschluß des Brester Friedens durch dick und dünn. Jetzt bekennt sie, ein Attentat verübt zu haben, das zu den schwerwiegendsten Folgen führen könnte. In diesem Kalkül auf die politischen Folgen des Attentats äußert sich die politische Naivität, die allerdings stets das Merkmal der Partei der Sozialisten-Revolutionäre bildete. Die Partei der Sozialisten-Revolutionäre unterscheidet sich in ihrem Programm von der Sozialdemokratie dadurch, daß sie die materialistische Geschichtsauffassung von Marx und Engels verwirft und nur seine rein ökonomische Lehre vom Mehrwert akzeptiert. Sie lehnte es ab, das Proletariat allein als den Träger des Sozialismus anzusehen und behauptete seit jeher, die russische Bauernschaft stelle dank den ihr angeblich innewoh- nenden Veranlagungen ein nicht minder sicheres, vielleicht über- legeneres Bollwerk des Sozialismus dar. Ihre Argumente aus den Lehren der idealistischen Philosophie schöpfend, predigten sie den Zusammenschluß der Bauernschaft und des Proletariats unter Fichrung des dritten Faktors— der zielbewußten, durch hohe Ideale begeisterten kenntnis- und initiativereichen In- telligenz. Indem sie diesen dritten Faktor eine so hohe Be- deutung beimaßen, traten die Sozialisten-Revolutionäre bnfjir ein, daß durch großartige persönliche Taten, Beispiele von Auf- opferung für die Sache der Revolution und dergleichen eine günstige politische Atmosphäre für die Entfaltung der in der Masse schlummernden revolutionären Kräfte herbeigeführt werde. Daher waren sie stets Terroristen, programmatisch und kon- sequent. Es ist denn aber klar, daß während einer Revolution, in der die revolutionären Kräfte auf das angespannteste wirken, die Weiterführung des terroristischen Kampfes zwecklos ist. So hat die Partei nach Ausbruch der ersten Revolution 1905 und während der Tagung der ersten Duma durch offiziellen Partei- beschluß die terroristische Tätigkeit zeitweise eingestellt. Aehn- lich war es auch während der gegenwärtigen Revolution, und von einem TerrorismuS der Partei konnte daher keine Rede sein. Aehnlich wie bei der Sozialdemokratie vollzog sich inner- halb der Partei der Sozialisten-Revolutionäre vom Standpunkt der Taktik aus eine Scheidung nach drei Richtungen: die Linke, das Zentrum und die Rechte. Während die Linke, wie erwähnt, mit den Bolschewiki zusammenging, gerieten die anderen Strö- mungen in die Opposition, die sie der in Opposition befind- lichen Sozialdemokratie nichtbolschewistischer Färbung näher- brachte. Die„LinkenSozialisten-Revolutionäre" — um sie genau so zu nennen, wie sie sich selbst bezeichnen— waren auch in der Sowjet-Regierung vertreten; sie stellten sieben von den 18„Volkskommissaren"(Minister nach der bolsche- wistischen Redeweise). In allen Fragen der Politik waren sie mft den Bolschewiki einig, und nur der Brest er Friede brachte eine W a nd l u n g. Die linken Sozialisten-Revolntio- näre vertraten die Ansicht, daß das Nachgebenden deutschen Forderungen gegenüber die Durchführung des Sozialismus— wie sie und die Bolschewiki diesen versieben— gefährde, daß die Kavitulation vor dem deutschen Imperialismus unbedingt die Kapitulation vor der einheimischen Bourgeoisie bedeute. Als die Bolschewiki trotz ihrer Proteste den Friedensvertrag unter- zeichneten, sagten sie sich von diesen los»nd traten zur Opposi- tion über, ohne sich mit der Stellungnahme der übrigen sozia- listischen Parteien zu identifizieren. Nicht an der Seite der imperialistischen Entente wollten sie gegen Deutschland kämpfen, sondern sie wollten den Widerstand der Revolution gegen jede Bedrückung durch äußere Gewalt bis zuletzt fortsetzen. Da sie keine anderen Wege sahen, um ihre Ansichten durchzusetzen, griffen sie jetzt zu ihrem früher er- probten Mittel, in dem Glauben daß das Attentat gegen den Botschafter des Deutschen Reiches die von ihnen ersehnten Folgen bringen würde. In einigen Meldungen wird im Zusammenhang mit dem Attentat der Name Sawinkow genannt. Sawinkow, der der Rechten der Partei der Sozialisten-Revolutionäre ange- hört, jvjffr früher KN Spitze der terroristischen Kampf« organisation der Gesamtpartei. Während des Krieges ist er mit Haar und Haut der Sache der Entente ergeben. Die Verquickung der Namen der Attentäter aus dem Lager der linken und rechten Sozialisten-Revolutionäre macht da? Bild unklar und läßt nicht mit Sicherheit erkennen, welchen Ursachen und Motiven die Ermordung des Grafen v. Mirbach entsprungen sein mochte. vor der zweiten Lesung der Steuervorlagen. Die nächsten Tage werden im Reichstag ltec Verodschie- düng der Steuervorlagen gewidmet sein. Es waren ihrer 12, als sie dem Reichstag zugingen. Sie sind durch die Ausschuß- beratungen noch um eine vermehrt worden. An dem Tage, an dem der Reichstag in die Sommerferien geht, wird er also der Regierung ein volles Bäckerdutzend fertiger Steuergcsetze über- reichen, die im ganzen einen Jahresertrag von 4,2 Milliarden Mark liefern sollen. Das neue Gesetz, daS noch hinzugekommen ist, schafft keine neue Steuer, wird aber doch der Reichskasse fehr erhebliche Einnahmen zuführen. Es ist das aus der Initiative des Haupt- ausschusses hervorgegangene Gesetz über die Errichtung eines Reichsfinanzhofes und über die ReichSaufsicht für Zölle und Steuem. Nach der prinzipiellen S e i t e hin drückt dieses Ge- setz der diesjährigen Steuerarbeit des Reichstags das Gepräge auf. Der Bundesrat würde eine solche Vorloge dem Reichstag nimmermehr gemacht haben, und wenn er könnte, wie er möchte, würde er auch dem vom Reichstag ihm vorzulegenden Gesetz seine Zustimmung nicht geben. Aber der Reichstag wird Vorkehr treffen, damit der Bundesrat dieses Gesetz nicht ab- lehnen kann. Er wird entsprechend dem AuSschußantrag eine ausdrückliche Gesetzesbestimmung beschließen, wonach daS Ge- setz über den Reichsfinanzhof und die Reichsaufficht e i n h e i t- lich mit allen übrigen Steuer gesehen in Kraft tritt. Der Bundesrat müßte also die sämtlichen 12 Steuer- gesetze ablehnen und auf die Jahreseinnahme von 4 200 000 000 Mark verzichten, wenn er das Zustandekommen dieses einen Gesetzes verhindern wollte. DaS wird er nun kaum tun. Die Schaffung des Reichsfinanzhofes ist ein grundlegender Schritt in der Richtung einer Vereinheitlichung der deutschen Steuergesetzgebung und-Verwaltung. Der Reichsfinanzhof hat Recht zu sprechen in allen die Reichssteuerverwaltung betreffen- den Streitfragen. Man erkennt sofort die Bedeutung dieser neuen Reichsinstanz, wenn man sich vor Augen hält, daß heute in den Reichs steuerfragen noch die obersten Spruch- und Beschlußbehörden der einzelnen Bundes staaten endgültig entscheiden. Es wird nicht dabei bleiben, daß der Reichsfinanzhof nur Reichs steuerfragen entscheidet. Auch die bundesstaatliche Steuerverwaltung bedarf der Vereinheitlichung. Die Entwick- lung wird, allen Widerständen zum Trotz, ähnlich wie auf dem Gebiete der Zivil- und Strafrechtspflege dahin führen, daß zwar die unteren und mittleren Steuerbehörden bundesstaat- lichen Charakter tragen, die oberste Instanz aber— auch in den Fragen der einzelstaatlichen Steuerpraxis— eine einheitliche Reichsinstanz wird.' Es liegt nicht nur im Zuge der Zeit, daß die großen Verschiedenheiten der Steuergesetzgebung der ein- zelnen Bundesstaaten schwinden müssen, nein, das lawinenartige Anschwellen der gesamten Steuerlasten und vor allem das un- abwendbare Eindringen deS Reichs in das Gebiet der Besitz- besteuerung erfordert gebieterisch möglichst gleichmäßige Be- lastung ohne Rücksichwahme auf die bundesstaatlichen Grenz- pfähle. In der gleichen Richtung liegt die nicht minder bedeutsame reichsgesetzliche Ausgestaltung der Reichsaufsicht über Zölle und Steuern. Aus dem Rudiment, das im Artikel 30 der ReichS- verfassung verborgen schlummerte, wird plötzlich ein entwickelte? Organ. Bisher wurde durch sogenannt« Reichszoll- und Steuer- beamte, die Zwittergestaltcn waren, die Aufsicht über die Er- Hebung der Zölle und Verbrauchsabgaben des ReühS ausgeübt. Diese Beamten hatten keinen klaren RechModen unter den Füßen, ihre Befugnisse waren zweifelhafter Art, sie vegetierten bescheiden neben den Landessteuerbehörden, die sich von ihnen nicht imponieren ließen. Jetzt wird durch Gesetz klar auSge- sprachen, daß die ReichSaufsicht auf dem Gebiete der Zölle und Reichssteuern(vor allem auch der Be sitzsteuern I) durch be- sondere, dem Reichskanzler unterstellte B»Hörden wahrgenommen wird. Diele Behörden haben die gleichen Ueberwqchungsbefug- niste, wie sie den mit der Verwaltung der Reichsabgaoen be- trauten LandeSbShörden zustehen, sind berechtigt, sich an einem Streitverfqhren über einen Abgabeanspruch zu beteiligen und selbständig Rechtsmittel einzulegen. Wenn also der Landrat, der in großen Teilen Preußens noch Bezirkssteuerbeamter ist, mit dei Exhchung dex KrjegSgewmnsteuex betpaut ist, so nmß er gestatten, daß der mit wirksamen Vefugnissen ausgestattetes Reichsaufsichtsbeamte darüber wacht, daß der Steuergesetz- Pflichtige dem Reich auch seinen vollen Tribut zollt. Die Bundesvatsvertreter baben ob dieser angeblichen Unterhöhlung des föderativen Reichscharakters gebebt, aber der Hauptausschuß iü hart geblieben. Tie ausgebaute Reichsaufsicht wird dafür m sorgen haben, daß so ungeheure Unterschiede in dem Auf kommen einer Reichssteuer, wie sie bei der Kriegsgewinnsteuer zu verzeichnen waren, nicht wieder vorkonimen. Nach dem chcaßstab deS Aufkommens in dem Bundesstaat niit der schärf sten StenerZpntrolle, nämlich Württeinbergs, hätte die Kriegs a.Avinnsteuer der Reichskasse statt 3,7 mehr als 9 Milliarden Mark bringen uiüssen. � Nach der materiellen Seite hin ist der Ausschuß arbeit der Stempel aufgedrückt worden durch die beträchtliche E r w e i t e r» n g der B e s i tz b e st e u e r u n g. Tie in� das Gesetz über dse Kriegssteuer der Gesellschaften im t. Kriegs- geschästsjahr durch Beschluß des Hauptausschusses eingefügte Steuer auf das M ehreinkommen und das Vermögen bewirkt, daß dieses OVrfc statt der erwarteten 699 Bkillionen erwa 1690 Millionen Mark Einnahmen liefern wird. Mi saurer Miene haben die einzelstaatlichen Finanzminister auch diese Erweiterung des Bimdesratsprogramnis genehmigen müssen. Ten Trost, daß niit der Abwehr der Besteuerung der reguläTN Einkommen durchs Reich ihr Dogma des blindes� staatlichen Privilegs der Einkommenbesteuerung gewahrt sei, kann man ihnen einstweilen gönnen. Er wird sich als ein Scheintrost erweisen. Tenn nicht nur ist Mehreinkommen auch Einkommen, sondern auch die Erfassung des normalen Ein kommens durch das Reich ist bei dein ungeheuren Bedarf der Reichskasse eine Frage kurzer Zeit. Tie Mehrcinkommensteuer, die erst beginnt bei Einkommen von wenigstens 19 999 M. und bei einem darüber hinaus reichenden Einkommeüszuwachs von mindestens 3999 M, steigt non 3 Proz. für die ersten 19 999 M. bis auf 39 Proz. bei Mehreinkommen von mehr als 299999 M. Tie Vermögens abgäbe läßt Vermögen von weniger als 199 999 M. frei, trifft aber die größeren Vermögen mit 1 vom Tausend für die ersten 299999 M. und steigt bis auf 3 vom Tausend bei Vermögen von mehr als 1 Million. Auf eine Vermögensrente von 5 Vroz. umgerechnet, ergibt das eine besondere Besteuerung des Ver möaenseinkommens von 2— 19 Proz. Das ist gewiß, wie selbst ein Zeiitrmnsabgeordneter aussprach, eine bagatellartige Be lastung im Vergleich zu der Befitzbesteuerung in England. Und wenn man die enormen Vcrmögensverschiebungen durch den Krieg betrachtet und bedenkt, daß in Preußen die Zahl der Ein- kommen von über 199 999 M. von 5215 im Jähre 1914 auf 8926 im Jähre 1917 und das Gefamteinkommen dieser Zensitcn- grnppe von 1263 auf 2227 Millionen angewachsen ist, daß serner bei einer jährlichen Zunahme von 13 Proz. die Zahl dieser Steuerpflichtigen im Jahre 1918 2361, ihr Gesamteinkommen 2561 Millionen lmehr als doppelt soviel wie 1914 auf dieselbe Gruppe entfiel!) betragen wird, so können weder persönliches Mitleid noch volkswirtschaftliche Bedenken irgendwelcher Art gegen dieses Maß der Besitzbelastung wach werden. Man hätte ruhig noch kräftiger zugreifen können, aber vorläufig war eine Mehrheit für eine schärfere Besitzsteiler rncht zu bilden. Vergleicht nian das Erreichte mit den Regierungsvor- schlägcn, so erscheint es auch keineswegs unwesentlich. Wenn man, was unbedenklich geschehen kann, die Börsensteuern zu den Besitzsteuern zählt, so wollte die Regierung bei 2299 Millionen Mark Verbrauchssteuern 899 Millionen Mark Besitzsteuern zugestehen. Nach den Ausschußbeschlüssen werden den 2299 Mil- lionen Verbrauchssteuern 2 9 9 9 Millionen Mark B c- Htzft e u e r n gegenübergestellt. Berücksichtigt man ferner, daß das Branntioeinmonopol vorläufig gar keine, die übrigen neuen �Verbrauchssteuern nur in der zweiten Hälfte des laufen- den Etatsjahres Erträge liefern, so ist int Jähre 1918 nicht ganz mit einer Milliarde neuer Verbrauchssteuereinnahnlen, dagegen mit den vollen 2 Milliarden Mark Besitzsteuereinnahmen zu rewilen. Nach Ablauf des Jahres 1918 fällt aber die Mehr- einkommen- und die Verinögenssteuer, wenn sie nicht erneuert wird, wieder weg, wogegeil die Verbrauchssteuern weiter fließen. Das ist der Kardinalfehler unserer Kriegssteuergesetzgebung, daß bis jetzt alle Besitzsteuern einmalige, die Verbrauchssteuern aber dauernde sind. Wir werden nun freilich auch dauernde Besitzsteuern bekommen, nicht nur in Form der Mehrein konuilens- und Vermögensbesteuerung, sondern insbesondere auch der viel schärferen Erbschaftsbesteuerung, aber Känipfe wird es zunächst noch kosten. Mit wachsendem Erstauneil werden die von den Verbrauchssteuern ljart betroffenen Volksmassen Kenntnis nehmen von der Ablehnung der sozialdemokratischen E r b s ch a f t s st e u e r- R e s o l u t i o n durch die bürgerlichen Parteien im Hauptausschuß. Wenn die bürgerlichen Parteien nickt wollen, daß die Erbschaftssteuerfrage eines Tages in noch viel höherem Grade das Machtverhältnis der Parteien um- schichtet, wie sie es nack den Stenerkämpfen von 1999 tat, so werden sie nicht mehr lange um den heißen Brei herumgehen dürfen. Tie Ziegierimg hat ihre Zustimmung zur Erweiterung des Besitzsteuerprogramms an die Bedingung geknüpft, daß aber nun auch alle steuern mit dem Ertrag, den sie' erhofft, gleichzeitig verabschiedet werden. So kommt es, daß der Aus- fchuß für das Branntweinmonopol in der letzten Woche Tag und Nacht an dem schwierigen und umfangreichen Gesetz gearbeitet bat, um es unter Tach zu bringen: so komnit es auch, daß die Weinsteuer wieder von 19 auf 29 Proz. erhöht wurde. Immer- hin sind einige Verbesserungen bei den Verbrauchssteuern erzielt wordeil, die in der Vollversammlung zum Teil noch umstritten werden dürften. Tie wichtigste und nicht mehr angefochtene Verbesserung ist die beim Unisatzsteuergesetz erreichte, wonach die Gemeinden neben den ihnen in der Vorlage schon zuerkannten Anteil von 19 Proz. des Iteuerertrags weitere 3 Proz. bis zum Betrage von 39 Millionen Mark bekommen sollen mit der Verpflichtung, sie zur Beschaffung billiger Lebens- mittel zu verwenden. Im ganzen ist die sozialdemokratische Kritik an dem Steuer- plan des Reichsschatzsekretärs, wenngleich die Verbrauchssteuern nicht zu werfen waren, nicht vergebens gewesen. Die größten Verbesserungen, die erreicht wurden, sind im Plenum nicht niehr gefährdet._ Artilleriekampf und Erkundungstätigkeit im Westen— Deutsche Seestieger gegen englische U-Boote vor der Themse— Schweres Ringen am Monte Pertica. Berlin, 8. Juli 1918, abends. Amtlich. Englische Teilangriffe beiderseits des La Bassöe- Kanals sind unter schweren Ver- lüften gescheitert. Amtlich. Großes Hauptquartier, 8. Juli 19!8. zu entkommen. Er sei plötzlich zu einem Essen erschienen, das die UnterhauSmitglicder Branting zu Ehren gaben. Entgegen den vielen Gerüchten, die über Kerenski ftit seinem Sturz zirkulieren, ist die Petersburger„Molwa" in der Lage, folgenden Bericht über Kcrenskis Odyssee zu geben: Nachdem der Feldzug gegen Petersburg mißglückt war, rettete sich Kerenski verkleidet als Matrose nach Luga und von dort nach T a g a n r o g, wo er sich dem lokalen Sowjet zu erkennen gab in der Hoffnung, bei den südlichen Sowjets Unterstützung gegen Peters- bürg zu finden. Da Kerenski in Taganrog ein kühler Empfang bereitet wurde, begab er sich zu den Donkosaken. Tort betrachtete man ihn aber als den Schuldigsten an dem Emporkommen der Bolschewiki. Ende November begab sich Kerenski wieder inkognito nach Petersburg. Er fühlte sich aber durch die ständigen Nach. forschungcn gezwungen, eiligst über die Grenze nach Finnland zu reisen. Tort lebte er bis zum Ausbruche des finnländischen Bür- gerkrieges größtenteils in Tamm er so rs. Da er jedoch fürch- tete, in die Hände der Roten Garde zu geraten, flob er durch Finn- land nach Nordkareliem nnd von dort durch Russisch-Karelien und Archangelsk nach Norwegen. Heber die Kornilow- Affäre hat Kerenski in Norwegen eine ausführliche Broschüre der- öffentlicht. die weißruthemsche Unabhängigkeit. Kowno, 7. Juli. Wie die„Baltisch-Litauischen Mitteilungeu" erfahren, wandte sich eine Weißruthenische Abordnung an Rakowski, den Vorsitzenden der russischen Friedensdelegation in Kiew, mit einer Denkschrift über die Unabhängigkeit Weißrutheniens. Die Abordnung berief sich auf die An- erkennung der Unabhängigkeit durch die Mittelmächte. Rakowski nahm die Denkschrift nicht an. Deutsch-öänische Handelsberatungen. Kopenhagen, 8. Juli.(Meldung von Ritzaus Bureau.) Der deutsche aus sechzehn Mitgliedern bestehende Ausschuß, der die Verhandlungen über den deutsch-dänischen Handels- verkehr führen soll, ist gestern abend von Berlin eingetroffen. Die Liga der Menschenrechte an Wilson. Laut„Pavs" forderte die Liga der Menschenrechte den Präsidenten Wilson auf, darauf hinzuwirken, daß die Entente- regierungcn ihre Kriegsziele veröffentlichen und die Erklärung abgeben, daß sie nicht beabsichtigen, ihren Frieden dem be- siegten Gegner aufzuzwingen, sondern daß sie den Frieden aus sich selb st heraus organisieren wollen zum Besten der Menschheit. Es liegt nahe, bei dem Ruf der Liga der Menschenrechte, dieser Schöpfung eines so ideal gesinnten Geistes wie Pressenss es war, aufzumerken, zumal in dieser Phase des Krieges, in der der Schrei nach dem Gewaltfrieden zum Kriegsziel geworden ist. Aber Vorsicht ist geboten. WaS heißt das: den Frieden aus sich selber heraus organisieren? Es ist angebracht, daran zu erinnern, daß die Liga der Menschenrechte vor gut zlvci Jahren— in der Briand-Zcit— mit einem Bekenntnis zu der Forderung nach Wiederausliefe- rung von Elsaß-Lothringen hervortrat. Damit aber sprang sie den Kriegsverlängerem bei, und sie hat von ihrer Forde- rung seither nicht abgelassen. Ter Ruf der Liga rechnet denn auch mit dem Siege der Alliierten. Sie sind es, die die Welt neu einrichten sollen, und bei diesem Werk sollen sie meufchheitlich gnädig ver- fahren. Was die Liga für den Friedensbau, der ihr vor- schweben mag, voraussetzt, trennt ihre Forderung durch eine breite Kluft von dem, was wir Verständigungsfrieden nennen. Mbert Thomas� für üeutfchen Staats- kapitalismus. Wie Lhoner Blätter cins Paris berichten, erörterte die franzö- fische Kammer in der Sitzung' am 2. Jul, die Erneuerung der Pri- vilegicn der Bank von Frankreich auf weitere 25 Jahre. Mehrere Abgeordnete befürivorteten die Vorlage. Albert Thomas legre dagegen dar, eine Erneuerung auf 25 Jahre sei nicht notwendig. Der Kredit der französischen Banknoten sei nicht an die Erneuerung geknüpft, weil der Kredit der Bank von Frankreich nicht von dem Kredit der anderen Banken getrennt werden könne. Der Kredit Frankreichs sei ein Faktor des Sieges an der Front. Uebrigens könnte auch ein Löjähriges Privileg den Notenumlauf von 30 Milliarden nicht herabsetzen. Das Problem gehe weit über die Machtbefugnisse der Bank von Frankreich hin- aus. während für die Kursfrage die Erneuerung nicht genüge. Thomas befürwortete die Schaffung einer kontrollier- ten unab hängigen Bank, da der Wirtschaftskrieg nach Friedensschluß in Frankreich ganz beson- dcrs scharf sein werde. Tic Lösung liege vielleicht in einer sehr kurzfristigen Privilegiencrncuerung. Man müsse sich vorbe- reiten. Teutschland organisiere jetzt schon den un- gchcnerlichsten Staatskapitalismus, der die Reorganisation Deutsch- lands ermöglichen solle unter Berücksichtigung sozialer und Wirt- schaftlicher Bedürfnisse und Wünsche. Diese Organisation sei nachahmenswert. Die Kammer ging sodann zur Erörterung der einzelnen Ar- tikel über, ohne zu einer Abstimung zu gelangen. Das Gesetz wird nunmehr schon seit drei Wochen erörtert. Der Widerstand des französischen Privatkapitalismus gegen die Folgen des schuldentürmenden Weltkriegs, die das Staatsmonopol erzwingen, scheint nicht gering zu sein. Nun sucht Tbomas ihm beizukommen mit dem Hinweis aus die Gefahr, daß Deutschland finanzpolitisch Frankreich überholen könne. Er appelliert an den Patriotismus, aber was läßt sich damit schließlich bei jener Schicht der Gesellschaft ausrichten, deren Patriotismus sich ergibt aus dem Recht, ihr Kapital möglichst staatlich unbeschränkt wirtschaften zu lassen.__ Aufregung in Spanien. Die Annahme des Spionagegesetzes. Da? Reutersche Bureau meldet vom Sonntag aus Madrid: DaS Spionagegesetz hat in der liberalen und Sozia« listenpresse Empörung hervorgerufen, da sie die Maß- nähme als deutschfreundlich ansieht. Sie glaubt, daß eine Kabinettskrise eintreten wird. Die Kammer besprach daS Gesetz in einer sehr heftigen Dis- kussion, die die ganze Nacht andauerte. Der Minister des Aeußern antwortete auf die scharfe Kritik, die von sozialistischer Seite geübt wurde, und leugnete, daß das Gesetz als Maulkorb der Presse ge- meint sei. Der Zweck sei. dir unverschämte Sprache gewisser Organe gegen gewisse Staatshänpter zu mäßigen. Schließlich. wurde das Gesetz angenommen. Die außerhalb des Nr.iss ♦ ZS. Jahrgang Heilage öes Vorwärts dienstags. Ml 1 Hl S GroßSerlin Zur Ernährungsmisere hat die sozialdemokratische Berliner Stadt- berordnetenfraktion folgenden Antrag eingebracht: Die Siadlverordnetenversammlung wolle beschließen, den Magistrat zn ersuchen, bei den zuständigen Stellen mit größter Energie darauf hinzuwirken, daß durch die forlgesetzten Einschränkungen der Brot-, Kartoffel- und Fleischrationen die genügende Ernährung der Berliner Bcuvllerung nicht vollkommen in Frage gestellt und mindestens ein vollwertiger Ersatz in anderen Lebensmitteln uneingeschränkt ge- wäk�t wird. Ernährungsanfragen. Auf unsere Anfrage 1 in Nr. 154 sendet uns der Berliner Magistrat folgende Antwort:„Die Annahme, daß die Konsum- genossenschaft von Berlin und Umgegend später als die anderen bei dem Magistrat, Abteilung für Nährmittel, zur Verteilung von Nährmitteln zugelassenen Großhändler beliefert worden sei, trifft nicht zu. Die VerteilungZstelle hatte die Anweisung zur Empfang- nähme der Nährmittel, die als Ersatz für Kartoffeln bestimmt waren, den Großhändlern wie der Konsumgenossenschaft am 28. Juni übersandt. Gleichzeitig ist denselben Verteilern von der Nährmittelabteilung des Magistrats ein Schreiben zugegangen, in dem ihnen die pünktliche Jnnehaltung der von der Verteilungs- stelle gesetzten Termine zur.besonderen Pflicht gemacht und ihnen für den Bedarfsfall Lastautomobile oder anderes Fuhrwerk zur Verfügung gestellt wurden; es heißt dann weiterhin in diesem Schreiben:„Wir legen auf die unbedingt pünktliche Versorgung der Kleinhandelsgeschäfte bis zum 3. Juli und auf die fernere pünktliche Belieferung nach unseren Vorschriften in den darauf- folgenden für die Ernährung kritischen 2 Wochen so großen Wert, daß wir bei einem Versagen Ihrer Organisation für die Zukunft eine gvundlegende Aenderung des bisherigen Verteilungssystems durch den Großhandel in Erwägung ziehen müßten." Während nun in der Tat�die Großhändlerschnft die Verteilung nach Anord- nung des Magistrats fast ausnahmslos bis zur Mitte der Woche durchgeführt hatte, gelang es der Konsunmenossenschaft leider nicht, die vorgeschriebene Frist innezuhalten. Nach ihrer eigenen Erklä- rung war nur ein Teil ihrer Geschäfte bis zum Donnerstag mit Ware beliefert, und erst am Freitag oder Sonnabend gelangte der Rest in die anderen Geschäfte. Wir dürfen noch hinzufügen, daß auch bei früheren Verteilungen die Warenanweisungen der Konsum- genossenschaft zu dem gleichen Zeitpunkt wie den übrigen Groß- Händlern zugegangen sind."_ Ländliche.Hungerkost für Stadtkinder. Das von den Gemeindebehörden eingeleitete Verschicken der Kinder aufs Land soll, trotzdem die Eltern zu dem Landaufenthalt zuzahlen müssen, eine Wohltat sein, und viele bedürftige Eltern machten auch in diesem Jahre von der Entrichtung Gebrauch, weil ste glaubten, daß ihren unterernährten Kindern draußen auf dem Lande eine kräftige und ausreichende Verpflegung gesichert sei. Daß es aber mit dieser„Wohltat" mitunter noch sehr schlecht bestellt ist, lehren mehrere trübe Erlebnisse, die Neuköllner Kinder in dem Dorfe W e l l m i tz bei Guben durchzumachen hatten. Die Stadt« gemeinde Neukölln hat eine Anzahl schwächlicher Kriegerkinder zn den dortigen Bauern in Pflege gegeben. Die Kinder sollten den Sommer über auf dem Lande bleiben. Bei schwerer Arbeit war qber die Verpflegung so unzureichend, daß mehrere schon nach vier Wochen nach vause gereist sind. Als Beispiel sei die Speisefolgc angeführt, welche die Witwe Möbus dem ihrer Obhut anvertrauten Pflegling, der ISjährigen Jenny B., Tochter einer Kriegerwitwe. verabreichte. Die für das Mädchen, einen Knecht, 2 Mägde und 2 Gefangene extra zubereitete„Leute kost" war folgende: S Uhr ftüh ein Teller Suppe, shg Uhr eine dünne Musstulle,%2 Uhr ein Teller wässerig� Kartoffelsuppe, in der dreimal in der W'che e:n Stückchen mageres Fleisch lag, ö Uhr eine Tasse Kaffee und eine dünne Musstulle, shlO Uhr Kartoffeln in Quark(einmal in der Woche in Fett statt in Quark). Niemals gab es. Obst, niemals auch Gemüse, auch Sonntags kam nichts anderes auf den Tisch. Das ist bei schwerer Landarbeit(Reinemachen, Kartoffelhacken, Unkraut- jäten) ein mehr als kärgliches Essen. Ein im Wachstum befindliches Mädchen, das, durch die großstädtischen Verhältnisi« unterernährt, aufs Land kommt und dann nach dem Genutz einer Musstulle fünf Stunden schwere Landarbeit verrichten soll, um darauf mit einem Teller wässeriger Suppe abgefüttert jju werden, muß vollends auf den Hund kommen. Bezeichnenderweise hatte die Bäuerin für sich und ihren Sohn getrennte Küche, bei deren Zubereitung das Fett natürlich eine große Rolle spielte; für das Großstadtkind war die Hungerkost gut genug. Das Kind wollte seine Not der Mutter schreiben, aber die Bäuerin verwehrte es ihm mit den Worten:„Ach was, hier haben wir keine Zeit zum Briefe- schreiben." Schließlich gelang es der kleinen B. doch einmal, der Mucker Mitteilung zu machen, die dann das Kind unverzüglich nack) Hause kommen ließ. Von einer Erholung war natürlich bei dieier vierwöchigen„Pflege" nicht die Rede. Auch andere Neuköllner Pfleglinge machten in demselben Dorf bittere Erfahrungen; sie haben gleichfalls den wenig gastfreund- li-ben Dörflern den Rücken gekehrt und befinden sich wieder bei ihr-v Müttern in Neukölln. Die Stadt Neukölln wird sicherlich keine Pflegekinder mehr nach Wellmitz schicken. Wie sollen aber Eltern zu dem jetzigen Ver. schickungssystem in der Folgezeit noch Zutrauen haben, wenn das Wohlergehen ihrer aufs Land gegebenen Kinder ein Lotteriespiel ist? Tic Anklageschrift gegen den Neuköllner Magistrat ist den Beteiligten— stehen Magistratsmitgliedern und Beamten— gestern zugestellt worden. Die Anklage lautet auf„Verstöße gegen die Nabrungsmittelbestimmungen." Sollte es wirklich zu einer gerichtlichen Verhandlung gegen die Neuköllner kommen, so werden dabei voraussichtlich Dinge zur Erörterung gelangen, die auch außerhalb der Grenzen Groß-BerlinS und nicht nur in kommunalen Kreisen einiges Aufsehen erregen dürfte». Keine grauen als Standesbeamte. Der Minister des Innern hat. wie wir erfahren, durch-einen kürzlich den Regierungen mitgeteilten Erlaß dahin entschieden,� daß die Ernennung weiblicher Personen zu Standesbeamten und Stell« Vertretern unzulässig sei. Die Verwaltungsbehörden der Stadt- und Landkreise sind infolgedessen ersucht worden, diese Entscheidung bei künftigen Vorschlägen für diese Aemwr zu beachten. 25 Jahre Berliner Wasserwerke am Müggelsee. Durchschreitet man die Hauplstraße FriegrichShagenS, so blitzt uns bald die breit- Fläche des Müggelsees entgegen. Dieses un- entbehrliche Wasserbecken Berlin« hat ein reineS, klare?, durch keine Fabriken getrübtes Wasser. In Berlin erkannte man sehr früh, daß man sich von hier aus mit Wasser versorgen müsse. Schon im Jahre 1826 legte ein Ingenieur Steffens die Notwendigkeit der Errichtung eines Wasserwerks am Müggelsee in einer Broschüre dar. Trotzdem ging man erst an die Havel. Das Wasserwerk am Müggelsee ist erst später erstanden. Am 1. Juli waren es 2ö Iahte, seit es in Betrieb genommen wutde. Es winde in den Iahten 18l1l) bis 33 nach den Pläne» des damaligen Ditektors H. Gill erbaut. Biegt man von der Hauptstraße FriedrichhagenS links in die Seestrabe ein. so steigt bald weithin rotleuchtend ein ganz neuer Orlsteil vor unserem Auge auf. Inmitten schöner Anlagen erheben sich rote Backsteinbauten. Einige Gebäude beherbergen große Moschinenanlagcn, mit deren Hilfe da? Wasser au? dem See ge- schöpft wird. Andere enthalten die Filter zum Reinigen de? WasierS, und in anderen Gebäuden wieder definden sich die Maschinen, die das gellärte Waffer nach der Sammelstelle bei Lichienberg pumpen, von wo es dann in daZ Röhrennetz Berlins geleitet wird. Auch ein Laboratorium ist vorhanden, in dem das Waffer auf Krankheitserreger hin untersucht wird. DaS Werk ist imstande, bis zu 220 Millionen Liter täglich zu liefetn. Bis 1907 nahm man das Waffer nur aus dem See. In den Jahren 1904— 07 wurde eS nach dem Entwurf des 1906 ver- storbcnen BauratS Beer in ein Grundwasserwerk umgebaut. Jetzt nimmt man etwa noch ein Drittel des Bedarfs aus der Müggel. Das Seewasser wird mittels großer Maschinen in die Filter- kammern geleitet, wo es sich durch Sand und Kies ollmählich durch- sickert und dabei reinigt, Solcher Filterkammern gibt eS 34. Da? Wasser, das vor der Klärung im Durchschnitt pro Kubikzentimeter 700 Bazillen— in Wirklichkeit manchmal Millionen— enthält hat nach dem Filtrierungkprozeß nur noch zehn solcher Schädlinge. Den größten Teil des WasierS bezieht man jetzt aus Brunnen bis zu 3ö Meter Tiefe. Die Brunnenanlagen haben zusammen 350 Bohrlöcher»nd erstrecken sich bis nach Rahnsdorf. Vor Millionen von Jahren mag hier ein riesiger Strom sein Bett ge- habt haben, das nach und nach versandete. Dieses Strombett liefert den Brunnen das Waffer. Dasselbe ist sehr eisenhaltig und muß erst vom Eisen befreit werden, da dieses sich in Verbindung mit dem Sauerstoff der Luft zersetzt und die Leitungsrohren verstopfen und zerfressen würde. Das Wasser wird durch sogenannte Spalier« werke, das sind übereinander angebrachte Holzgitter, geleitet, wo es tropfenweise herunterfällt und durch daS Ausschlagen auf das Holz das Eisen zurückbleibt. Durch den Sandfilter werden die letzten Stoffe noch abgesondert. Die stete telegraphische Verbindung mit der Sammelstelle in Lichtenberg ermöglicht es, je nach Bedarf viel oder weniger Waffer zufließen zn lassen. Nur wenige Menschen wissen, welchen umständ- lichen Weg ein Wassertropsen zurücklegen muß, ehe er seinen Zweck, den Bedürfnissen der Welistadt zu dienen, erfüllen kann. Kohlrabi-Prcis. Für Kohlrabi beträgt der Großhandelspreis vom 9. ab 29 Pf. je Pfund und der Kleinhandlspreis vom 11. ab 40 Pf. je Ptund. Gegen Mietstcigerungen hat, wie das„B. T." meldet, das Generalkommando des 20. Armeekorps(Allenstein) eine neue Verordnung erlaffen, wonach die M i e t p r e i s e für Wohnungen bis auf weiteres nur mit Genehmigung d«S MieteinigungS- a m t e S, in Städten, in denen solche Aemter noch nicht errichtet sind, nur mit Genehmigung des Magistrat? und in ländlichen Ortschaften nur mit Genehmigung des zuständigen Amts vor« st e h e r S erhöht werden dürfen. Gegen die Entscheidungen der Magistrate kann bei den zuständigen RegreruiigSpräsidenien und gegen die Entscheidungen der Amtsvorsteher bei den zuständigen Landräien Beschwerde erhoben werden.— In Berlin, wo sich die Miel- steigerungen bereit? zu einer verheerenden Kalamität ausgewachsen haben, ist von ähnlichen Maßnahmen der Obrigkeit bisher nichts zu hören geivesen. Die Patienten der Beelitzer Heilstätten klagen über schlechtes und allzu knappes Esten. Die Verwaltung erkenne zwar an, daß die Beköstigung ungenügend sei, sie erkläre aber, nichts gegen den Ucbelstand tun zu können, da sie zu wenig geliefert bekomme. ES scheint dringend an der Zeit, daß sich die vorgesetzten Stellen um diese Dinge etwas eingehender kümmern, den, wie es scheint, durchaus berechtigten Beschwerden der Patienten nachgehen und für Abhilfe sorgen. Der betrügerische Kartoffelhändler. Der Handelsmann Julius Schreiber, Cöpenicker Str. 22, und seiner Ehefrau Auguste geb. PawlowSki, ist vom Kriegswucheramt der Handel untersagt worden. Bei einer Maß« und Gewichteprüfung war festgestellt worden, daß Schreiber unter die Wnrenscite seiner Wage Eisenstücke und Papve angebracht hatte, um so das Gewicht der Ware zu verkürzen. Er übervorteilte auf diese Weise seine Kundschaft jedesmal um ein Viertelpfund. Bei seiner Vernehmung entschuldigte er sich damit, daß er selbst betrogen würde und daher wieder betrügen müsse, wenn er verdienen wolle. Eine Revolverschießerei, die mit einem Selbstmord endete, rief Sonntag spät abends in dem Hause Neue Hochstraße 43 eine große Auftegnng hervor. Hier erschien gegen abend der 27 Jahre alte Sattler Tbeophil Wilichowski anS der Boyenstratze 36, um seine frühere Geliebte zu besuchen. Deren Wirtin öffnete ahnungslos, weil sie nicht wußte, was der Mann vor hatte. Witichowskl ver- langte nun von deni Mädchen, daß es sich mit ihm wieder vertrage, obwohl es sich unterdessen verlobt hat. Es kam zu einem heftigen Auflrilt mit Tätlichkeiten. Afs der Sattler einen Revolver aus der Tasche zog und mit Erschießen drohte, entfloh daS Mädchen in ein Nebenzimmer und schloß sich ein. Wilichowski richtete jetzt die Waffe auf die Tür, wurde aber von der Wirtin des Mädchens zur Woh- nung hinausgedrängt. Er lief nun zwischen einer benachbarten Schankwirtschaft und der Wohnung des Mädchens hin und her und begehrte wiederholt Einlaß, aber vergeblich. Auch feiner Ausforde- rung. zum Abschied herauszukommen, entsprach das Mädchen nicht. In der elften Stunde feuerte der Verschmähte vor der Tür auf der Trepve zwei Schüste in die Luft ab, dann schoß er sich eine Kugel in de» Kopf und war sofort tot. Der Rosenthaler Mord aufgeklärt. Unter dem Verdachte, am 24. Januar die Frau Ella Hoffmann im Schantraum einer Steh« bierballe in Berlin-Roftnihal ermordet und beraubt zu haben, war der Schneider Karl Paulus au? der Soldiner Straße verhaftet worden. Dieser Hot jetzt da? Geständnis abgelegt, daß er die Hoff- mann nach einem Streit über Geldangelegenheiten mit einem hammerartigen Gegenstande erschlagen habe. Eine Raubabsicht be« streitet er._ Pankow. Lebensmittel. In den bekannten Geschäften gelangt gegen Wtrennung deS Bezug?- und OuittungSabschnfttes 34 von der gemmisainen Lebensmittelkarte 500 Gramm Marmelade zum Verkauf. Der Preis beträgt 92 Pf. Diejenigen, welche auf Ab- schnitt 113 s, d, c der Kartaffelkarte Kartoffeln bisher nicht erhalten haben, können gegen Vorlegung und Abtrennung dieser Abschnitte in den bekannten Geschäften Hülstnftücht« entnehmen. Auf die Abschnitte 113 a, b, c der Kartoffelkarte entfallen zusammen 150 Gramm Hülsenfrüchte. Auf die Abschnitte 114 b, c entfallen gleichfalls zusammen 150 Gramm Hülsenfrüchte. Der Preis für 150 Gramm beträgt 22 Pf. Ferner entfallen aus die Wschnitte 114 6— g der Kartoffelkarte je 100 Gramm, also zusammen 400 Gramm Hülsenfrüchte. Der Preis für 400 Gramm beträgt 59 Pf. — In dieser Woche dürfen auf die vier Abschnitte 115 a. und b der Kartoffel karte je 54 Pfund, zusammen also höchstens zwei Pfund Kartoffeln abgegeben und entnommen werden. Auf die Abschnitte 115 c— g dürfen Kartoffeln weder abgegeben noch entnommen wer- den. Diese Abschnitte dürfen bis auf weiteres von der Kartoffel- karte nicht getrennt werden, auch nicht in Schank- und Spetsewirt- schaften. Als Ersatz für die Kartoffeln auf dt« Abschnitte 115 c— g werden andere Lebensmittel ausgegeben. DaS Nähere wird noch bekanntgegeben werden. Zleinickendorf. Lebensmittel. Auf Abschnitt 42 der Lebens- i, mittelkarte Groß-Berlin werden 200 Gramm Gvaupen oder Grütze- und auf Abschnitt 18 der Lebensmittelkarte für Jugendliche 100 Gramm Graupen oder Grütze abgegeben. Di« Anmeldung bei den j Kleinhändlern und den amtlichen Verkaufsstellen hat bis einschl. 0. zu erfolgen. Verkaufspreis für 1 Pfund Graupen oder Grütze 36 Pfennig.— Wer die auf die Abschnitte 26a— c der Kartoffelkarte festgesetzten 150 Gramm Hülsenfrüchte und 75 Gramm Suppen bei dem Händler, welcher tue Abschnitteung erteilt worden, daß an Stelle der bisherigen persönlichen schriftlichen Mahnnirgen öffentliche(ohno Namensnennung) zulässig sind. Die Gemeinde- Vertretung stimmt dieser Einführung zu. Vom Kreisausschuß ist angeregt worden, die Zuwachssteuer nicht mehr zu erheben. Die Gemeindevertretung ist grundsätzlich damit einverstanden. Ein Be- schluß soll aber erst erfolgen, wenn sich die Ncnregelung der Steuern übersehen läßt. Der Vorsteher der KriegSbeschädigtenfürsorgestelle, Genosse Osmer, berichtet über die Tätigkeit dieser Einrichtung. Im Interesse der Kriegsbeschädigten läge eS, wenn in dem Ausschuß für die Kriegsbeschädigtenfürsorge auch ein Kriegsbeschädigter vertreten wäre. Der kriegsbeschädigte Tischler Walter Noelte wird in den Ausschuß gewählt. Weiter empfiehlt der Berichterstatter einen Vertrag mit dem Oberlin-KreiskrankenhauS, wonach letzteres ein Entbindungsheim für die Gemeinde einrichten wird. Groß-Serliner parteinachrichten. 4. Kreis. Heute abend 8 Uhr findet bei Nowottnick. Lange- straße 30(gleich an der Andreasstrahe) eine M rtg l i e d e r v e r- s a m m l u n g für den ganzen KreiS statt. Genosse Rudolf Wisiell wird über da« neue Aktionsprogramm der Partei referieren. Zahl- reicher und pünktlicher Besuch ist notwendig, da die regelmäßigen Viertelsvcrsammluiigen morgen abend ausfallen. Pankow. Sozialdemokratischer Wahlverein für Pankow und Umgegend. Mitgliederversammlung Dienstag. 9. Juli, abends 8'/-, Uhr,.Zur Hütte", Breitestr. 16. Um recht zahlreiche« Er- scheinen wird gebeten. Gäste sind willkommen. Mariendorf. Wie bereits mitgeteilt, siegte bei der Gemeinde� Vertreterwahl am 80. Juni die Kandidaten der„Unabhängigen". Durch Bekanntmachung de« Gemeindevorstandes ist der eine der Gewäblten nicht als Angesessener zu betrachten. Die auf diesen abgegebenen Stimmen sind ungültig.— Als gewählt wird vom Gemeindevorstand erklärt: W i t t i g(Unabh.) und Knauer(Soz,). Nur dadurch, daß es den Unabhängigen nicht möglich war. zwei Angesessene ausstellen zu können, ist der Sozialdemokratischen Partei ein Mandat zugefallen. Hätten am Wahltage alle Wähler ihre Pflicht erfüllt, so mußten unbedingt beide Mandate von un? erobert lverden. Es wird Aufgabe der sozialdemokratischen Gemeinde- Vertreter sein, die Interessen der Bürgerschaft nach jeder Richtung hin zu vertreten, um für die Partei neue Anhänger zu gewinnen. Die Pflicht der Parteigenossen aber ist, die„Lanen" und„Zag- haften" aufzurütteln, damit wir beim nächsten Wahlkampf gerüstet dastehen. Röntgental-Zepernick. Zusammenkunft de? Wahlvereins findet am Donnerstag, den 11., abends Si/i Uhr, bei Marx, Röntgental, Bärwolfstraße, statt._ flus aller Welt. Deninglückte Hochtouristen. München, 8. Juli. Bei einer Besteigung der Zugspitze sind sechs Personen, welche trotz schlechten Wetters und Warnung die Tour machten, tödlich verunglückt. Bis- der sind drei Leichen geborgen. Unter den Verunglückten befindet sich ein Leutnant Fischer mir Frau und ein Ehepaar Drechsler aus Dresden.__ Eingegangene Druckschriften. Biologische Hygiene von Dr. Bachmann, Verlag der Aerztlichen Nundschau, München, I,A> M, Tie Matdcnkschrift aus dem Jahre lV16 von Dr. Wolsgang Kapp, 1 M„ Verlag de» Heimatboten, Gera-Langenberg-Reuß, Hyazinth von Eduard von der Hellen, geh, 2,50 M,, geb, 4 M., I. G, Cottasche Buchhandlung Nachfolger, Suttgart. Wasserstandsnachrichten der LandeSanftalt für Gewässerkunde, initgeteilt vom Berliner WeUcrbureau. Sriefkasten öer Reüaktion. E. P. 71. I und II öä- III Zum Schadenersatz sür die Scheibe ist der Mieter verpflichtet In duiem tfadc wird die Klage sich allein gegen die Frau richten. IV. Der überlebende Mieter mutz in diesem Falle für den ganzen Vertrag hasten.— K. L. 100. Sie können erst wieder Slntrag aus Unterstützung nach Strawerbützung stellen.— M. K. 110. Sie sind zum Schadenersatz verpflichtet.—£. Ä. 58. Der jetzige Pächter tonnte bei Kündigung des Vertrages das Einigungsamt zur Entscheidung anrufen. Wenn, wie Sic selbst angeben, seine Existenz davon abhängt, würde die Kündigung des Vertrages wohl nicht ausgesprochen werden. Wir raten deshalb zur Vorsicht.—(?. 25. eie müssen die irrtümlich zu wenig gezahlte Miete nachzahlen.— L. 4. Tie sür den Lebensunterhalt not- wendigsten Sache». 2. Ja.— Ernst 38. In der von Ihnen angeiragtcn Form tonnen lvir Ihnen eine Antwort nicht erteilen. Es fragt sich, ivie- viel ärztliche Hilfe geleistet worden ist.— A. G. LS. 1. Fa. 2. Wenn Sie kein Testament urachen, würde das zu Ungunsten Ihrer Frau aus- fallen, da die Anverwandten dann mehr als den Pflichtteil zu beansvruchen haben.— S. 2. Sie können beim Generalkommando nochmalige kommissarische Untersuchung beantragen.— C. W. 1000. Nein. 43. F. Welche ÄundesratSverordnung?— Feldgrauer 5. Auszahlung der Beiträge bei Verheiratung erfolgt nicht mehr.— F. O. 25. Nerven- leidend, zeitig dienstuntauglich.— St. II. 73. ES gibt keine andere und keine bessere Verwertung der geklebten Marlen, als datz Sie durch Kleben von mindestens 20 Marken innerhalb zweier Jahre die Anwarlschasl aus Rente bei evtl. eintretender Invalidität aufrecht erhalten.— Jsralicht. Militärische Bezüge stehen Ihnen nicht mehr zu.— Urlauber F. K. 1. l. Sie können zunr Frontdienst verwendet werden. 2. Nein. 3. Ja. — Grodno. 1. Hautkrank, landsturmpslichtig. 2. Gehört zu Preutzen. 3. Nein.— 50 Kaiser-Friedrich-Str. Die 1. Kasse mützte zahlen.— Elite 1916. 1, 2 und 3. Ja. 4. Diese Gründe könnten zur Ehescheidung ausreichen. 5. Möglichst ja.— Ttest 04. Die Meisterprüfung mutz vor der Prüfungskommission der Handwerkskammer abgelegt werden. 2. An die Handwerkskammer, Teltower Str. 1—4. 3. Eine solche Fachschrift lenncn wir nicht, sie wird Ihnen dort genannt werden können. 4. An die Reichsanftalt sür die Angestclltenoersicherung. Bilmersdorf. Hohenzollcrn- dämm.— Flz. 92. 1. Sie sind zur Zahlung der Kohlensteuer oer- pflichtet. 2. Ja. 3. Der Wirt ist zur Bornahme der Nevaratur mit Gas- kochcr nicht verpflichtet, das müssen Sie aui Ihre Kosten tun lassen. — E. ÄS. 109. Sic könnten mit einem solchen Gesuch an den nächsten Borgesetzten den Versuch machen.— llnglücksehe 27. Das ist jetzt nach- trägiich kein Scheiduiigsgrund, wenn der Ehemann vor der Ehefchlietzung davon Kenntnis hatte.— H. T. 7. Nur soweit es der Dienst zulätzt.— — Stade 13. Eine zuverlässige Antwort können wir Ihnen in dieser schwierigen Nachlatzsache auf schriftliche Anfrage hin nicht geben. Sie mutzten steh schon unter Vorzeigung des Testamentes am Orte bei einem Rechts- anwalt befragen. >l»vut»c>ie»« Theater. Mit Max Rallenberg heute, Mittwoch, Donnerst. 8 Uhr: Familie Schimek. Freitag: BibikolT. Kamin erspiele. Allabendlich 7'h Uhr: Inkognito.(Operette.) Volksbühne. Th.a. Bülowpl. Letzte Woche. Allabendlich T'/j Uhr: CJeneral Vorck. Thgaterles Westens Allabendlich- 71/, Uhr: Leopoldine Konstantin m Die Tänzerin. Trianon-Theater Bhf. Frledriohstr.Ztr.4927. 2391 8 U. Zum 312. Haie: Der Sebetisschüler. Kaiaer-Titz, Bildt, Flink, Sonnab. nachm.'/,4 U. kl.Pr.: Schneewittchen. Sonntag 4 Uhr: Hedda Gabler. Iii. Lil. Frankfurter Allee§13. Der Riesenerfolg des Thalia- Theaters über 500 Male! Fnppchen. (Du bist mein Augenstern...) Ges. P. i. 3 Akt. v. Jean Kren u. Kurt Kraats. Mus.: Gilbert. Anfang täglich 7 st, Uhr. Sonntag 4 Uhr: Bunte Bühne. Mtr Pratrtii Kastanienallee 7— 9. Täglich 5 Uhr in vollständig neuer Bearbeitung: Zm Mlle»!iiliiillelll. GrotzePossen-Revue in ö Bildern Dazu die greiiart. Spezialitäten Beiciishallen- Theater. Allabendlich 71/, Uhr: Stetüner Sänger. Reichshallen-Saal IT.: j Großes Blüthgen-Konzert. Theater der FriedriedM. Ecke Friedrich- u-Linienstr Telephon: Korden 8650. Täglich 7'/« Uhr; Sie erste Geige. Sonnt, nachm. S'/j kleine Pr.: Jn�end. Rose-Theater. 7-/, Uhr: Tie Prinzessin vom Nil. Gartenb.: Bitte rechttreundlieh! Admiralspalast. I Die Prinzessin von Tragant| Sajdah Deutsche Tänze 73/, Uhr. 2, 3, 4, 5, 6 M. ISARHASANI Zirkus-Busch-Gebäude. Täglich 7-/,; Da« gewaltige Massen-Manege- Schaustuck „Torpedo— los!" 9 Bilder. Die gr. artistischen Einlagen wie Turmseilläufer, Bambuskünstler, Luftmenschen, Lanzenreiter. Vorverkauf: Zirkuskasse und A. Wertheim. Theater für Dienstag, 9. Juli. Centrai-Theater 7v. mm: ßie CsarMrsÜD. Dentsche« Opernhaas 7 mtr: Die Mg Deleiia. Friedrich-Wilhelmst. Theater 7'/su�: DssDreiiÄrte. Kleines Theater 8 Uhr: Aristid und seine Fehler mit Bassermann. Komische Oper riou.: SehwarmlWitei. Theater'„-.Königgrätzerstr, S Uhr; Die Schwestern und der Fremde. Komödienhaus 8 Uhr: Die Zarin. BerlinerTheater y»ü.; Blitzblnnc»»Int. "National-Thefiter Cöpenicker Str. 68(Janno- j witzbrücke).— Täglich:| Koch nie dagewesener Lacberfolg! Gänschen. Militärhumoreske in 3 Akten. Musik von Walter Bromme. Vorverk. 10 U. ununterbroch. Metropol-Theater � Die Rose von StaiM Uhr I-astsplelhans 7'/» Uhr: Die blonden Mädels v.Lindenhol Neues Operettenhaus 7v8uhr: Der Snlilatiler Marie. Kesidonz-Theater v/.uhr: Flimer-KlSrelieii. Schilier-Th. Charl. 71lt Uhr; Thalia-Theater �MerAeMMenllniii! Theater am Nollendorfplatz 7V, Uhr: Bekanntmachung. Für beträgt der GrotzhandelspreiZ vom 9. Juli 1918 ab 29 Pf. je Pfund. der Kleinhandelspreis vom 11. Juli 1918 ab 49 Pf. j- Pfund. Berlin, den 8. Juli 1918. Magistrat der Konigl. Haupt- und Rkstdeu;ltadt. Abteilung für Obft- und Gcmüsedcrsvrgung. Runge. Spezialarzt Spezialarzt DER„HI AS" Täglich T'/j Uhr abends Morgen Mittwoch, nachmittags 31/, Uhr Familien- und Schüler-Vorstellnng zu kleinen Preisen Walhall a-TÄ Geöffnet 10-7 Eintritt 1 M., Sonntags biö 2 Uhr u. Montags 2 M. Dr. med. Kochen für Geschlechtskrankheiten, Haut-, Harn-, Frauenleiden, nervös. Schwäche, Bein- kranke. Behandlung schnell, sicher u.schmerz- los ohne Berufsstörung in Dr. Homcyer dt Co. konz. Labor, f. 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Ntrein für Sellin I. bei Glane, Kommandantenstr 88. Tagesordnung: 1. Vortrag des Genossen Bartels. 2. Diskussion. 3. Vereinsangelcgen- heilen. Der Vorstand. SochldkmoKr. Nerein für Sellin II. Mitgliederversammlungen: I und II Abt. Westen bei Wickert, Steinmetz, strafe c 36a. III, IV. und V. Abt. Friedrichstadt und Süd» wcsten, Lindenstr. 3. II Hos III VI. Abt.«Lüdweslen bei Schuster, Chamissoplatz 4. VII u. Vm. Abt. Süden bei Reim. Urbanslr.29. In allen Abteilungen: Bericht vom Bezirlstag. Der Vorstand. SostnldemaKr. Serein für Serlinlll. im Gewerkschaftshaus, Engcluser 15. Tagesordnung: 1. Bortrag des Reichstags- abgeordneten Rndolf Wisfcll über das neue Allionsprogramm der Partei. 2. Vereins- angelegcnheiten. Der Vorstand. Sotialdtmoltr. Verein für Serlin IV. Tie regelmässigen Biertelsversamm- luugen fallen in diesem Monat aus. An deren Stelle ffudet heute Dienstag, den 9. I u l i. abends 8 U b r. bei Rowottnick, Langestraste 3V, eine Mit- g l i e d e r v e r f a m m l u n g statt, in der Genosse Rudolf Wissell über das neue Aktionsprogramm referieren wird. Zahlreiche Beteiligung erwartet Der Vorstand. SostnldemoKr. Verein für Sellin V. 1. u. la Abt. bei Rösner, Jmmanuelfirchstr. 25. th Abt. bei Schwanfterz, Naugarder Sir. 3. 2. u. 3. Abt. in Stemunds Festsälen, Linien- stratze 8. 4.. 5. u. 6. Abt. bei Vickert. Linienstr. 198. 7. Zlbi. bei Lt'ibig, Schiffbaueldanmi 22. Der Borstand. ZoMdemliitr. Verein für Serlin Vl. 1. u. 2. Abt. bei P. Dobrohlaw, Swinemündcr Stratze 11. 3. u. 4. Abt. bei Bnrg. Prenzlauer Allee 189, Ecke Ranmerstr. 5. Abt. bei Gruna«, Stahlheimer Str. 30, am Humarmplatz. 6. AbL bei Goldschmidt. Stolpiiche Str. 36. 7. Abt. bei Korn, Gleimstr. 10, Ecke Faltplatz. 8. Abt. bei Hoffmann. Swmemünder Str. 47. 9. Abt. bei Qbiglo. Stralsunder Str. lt. lg. Abt. bei CaruS- Voltastr. 37. 11. Allt. bei Paul. Gartenstr. 101. 12. u. IS. Abt. bei Bauer, Birkenftr. 29a. 13. n. 14. Abt. bei Kletnert, Lcvetzowstr. 21, Ecke Jagowttratze. 16., 17. 20.. 21. u. 22. Abt. bei Lachse, Lindower Stratze 26. 18. und 19. Abt. im„Schwedcuzelt Excrzierstratze und Schwedenitratzc. Der Vorstand. Ecke ZllMldkmokrat. Verein für Teltow- SeeskoV-Storkow-Tharlottenblirg. Mitgliederversammlungen: .4Jt-<ü1lenieke- Falkenberg bei H. Meier, Stratze a.m Fallenberg 19—20. Dohnsdorl 8'/, Uhr, bei Heimann, Riedel- itratzc. Dritn-Dnekow bei Ctto Bahr, Britz, Werderitratze 37. Bericht von der Kreis- Gencralveriammiung und vom Bezirkstage. Cbnriottenbnrg, BolkShauS. Roiincn- ftratzc 3(kleiner Saal). Tagesordnung: Bericht von der Krcis-Generaloeriamintung und vom Beziikstage, Neuwahl des ge- samten Vorstandes, wichtige geschäftliche Mit- tcilungcn. McnkOlln. 1. und 2. Bezirk bei Schulz, Rcutcrstr. 47. 8. und 4. Bezirk bei Karl Müller, Weser- stratze 200. 5. Bezirk bei Schittler. Weichselstr. 5. 6. Bezirk bei Noack, Weserstr. 41. 7. Bezirk bei Rodert Jdcn, Boddinstr. 58. 8. Bezirk bei Kleiner», Stuttgarter Str. 7. 9. Bezirk bei Nitiiche, Berthelsdorser Str. 8. 10. bis 12. Bezirk im.Turnerheim-, Böhmische Str. 13. 13. bis 17. Bezirk bei Cenkel, Hcrmannstr. 178. 18. bis 20. Bezirk bei Rtchnow, Prinz-Hand- jery-Stratze 69. 21. bis 23. Bezirk bei Hentschel, Herrsurlh- stratze 27. 24. Bezirk bei Bähr, Karlsgartenstr. 4. !8cb«nel»erg bei Obst, Martin< Luther. Stratze 69. Tagesordnung: Bericht und Neuwahl des Vorstandes. Steglitz bei Louis Element, Düppesstr. 7. Tagesoronung: Vortrag heS Redakteurs Genossen Arno Franke über:'„Unser neues Aktionsprogramm." Tempelhet bei Paul Schade, Berliner Strasse I2t. Tagesordnung: Vortrag des Genossen Kempkens über:.Das Zentrum'. Bericht von der Kreis-Generalvcrsammlung. TVUdnn bei Schumann, Schwartzkopssstr. 120. Wllme.rsdort bei Mar Schäfer, Branden- burgische Str. 69. Bericht von der.Kreis- Generalversammlung und vom BezirlStagc Grotz-Bcrlins. Der Borstand. Aomldkmokratifchkr Vtrein für Vitderbarnim. Frkner bei Eichhorn, Wilhelmstratze. Ml- gliedsbüchcr sind mitzubringen..Vorwärts'- Leier sind hierzu eingeladen. Knnludork bei Hauivcl. Hönower Str. 5. Die Leier des.BorwärtS" sind freundlichst eingeladen. I-lchtenberg. Die Versammlung im Monat Juli fällt aus. Dhersehllnewelde bei Ladewig, Lau- senerstr. 5. WeiBensee bei Stärke» Charlottenburger Stratze 3. KelnlekendorT- TVest bei Schiller, Antonienstr. 10. 1. Bericht von der Bczirs- konsercnz. 2. Diskusston. 3. Vereins- angelcgcnbcilen. 4. Verschiedenes. Partei- freunde sowie.Vorwärts"-Leser find ein- geladen. 202/8 Ju alle« Veranstaltungen Aufnahme neuer Mitglieder und Entgegennahme der Beiträge.„Vorwärts"- Leser sowie auf dem Boden der Mehrheit stehende Anhänger sind eingeladen. Speziatarzl Dr. med. Laabs bch. schnell, gründl., mögl. schmerzlos u. ohne Berussstör. GeschleohtskrankbelL, geheime Haut-, Harn-, Frauenleiden, Schwäche. Erprobteste Methoden Harn- und Blutuntersuchung. Koüigstr. M, ÄÄ spr. 10— lu. 5— 8, Sonnt. 10— 1 Trauer jSeMeMnns fttr Damen und Maddsera. Siels wohlaus- gestatlel« moderne Lager. |OsKarWolibnrg | Brnnnenstr. 56 ti.57 f QegrQndet 1896. � Cigaretten 1000 I E 88 M.' 1000 I B 130. a M. 1000 I F 135, m.Gold Versand gegen Nachnahme oder Vorhereinsendung nur sortiert zu gleichen Teilen. Auch von 100 Stück an. Nur an Verbraucher und Gastwirte. Fredy,CigareUen- Vertrieb Norden, Berlin N 54, Drauncnstrafie 17. Fernruf Norden 2343. Siy Geöffnet ununterbrochen von V.S— 6 Uhr. igngb Kennen Sie C Z3 die Wohltat jS* einer I,eibblnde? Sämtliche Systeme am Lag. resp.nachMaßanfertig. sowie Bruchbandagen � Artikclz. Gei-undhcits- und Krankenpflege. Pollmann, Bandagist, Berlin N., Lotliringer Str. 60.• Lieferant für Krankenkass. Ungentanle j Erwerbs-' NOgüchbehen Wetet die nächste Zukunft Eine tfef« greifende Änderung unseres gesamten Wirtschalislebens. ein gewaltiger Aufschwung unserer Industrie u. des Han- deU steht bevor, und es werden überall geschulte KräFte gesucht sein. Angehörige technischer Beruf« u. Handwerker sollen nicht versäumen� ihre Kenntnisse und Fertigkeiten de« kommenden Zeit anzupassen, um teil« zunehmen an den wirtschaftlichen Er� folgen, die naturgemäß das Ergebnil des gewaltigen Ringens sein müssen. Das beste Mittel, rasch und grundlich, ohne Lehrer, durch einfachen Selbst« vnte nicht eine gründliche Ausbildung In technischen Wissenschaiten zu er« werben, sind die technischen Selbst« unterrichtswcrke„Syst.Karnack. Haotifeld". 80»tarko Broschüre kostenlos. Bonness l Hachfsld, Polidair rostfacii 167 Kranzspenden sowie sämtliche Vlumcuarrangemeuts lielcrt schnell und billig Fn.nl Gi-ohh, Lindenstr. 69, Sich.; Herrn. Apel. Tel. Mp�. 7203 n?.?8H— 1918 Unterhaltungsblatt öes Vorwärts dienstag, 9.Mi Die wiöerspenstige Zunge. „Nehmen Sie gefälligst Platz� Dauert nicht lange. Fünf Mimaen.* Mit diesen Worten empfing mein Barbier, der Stephan Mraziczewsky heifit und aus Bromberg stammt, den Gast, der nach mir in die Stube tra.. Ich wartete bereits eine gute Viertelstunde, und es waren noch ein Feldgrauer und zwei Herren vor mir; alle aber wünschten nur rasiert zu werden. „Vonwegen fünf Minuten,' sagte der Neuankömmling. Die janze Stube voll, und nur fünf Minuten. Na, aber ich habe Zeit. Ick komme gerade vom Arzt. Er hat mich krank geschrieben. Sie müssen mich noch mal rasieren, bevor ich sterbe." Er hängte seinen Hut an einen Haken und setzte sich bedächtig auf einen alters« schwachen Stubl. Nur der war noch freu „Werden Sie doch nicht gleich sterben," sagte der Barbier, der sein Messer abzog. „Wenn ich mich erst io richtig ins Bette packe, dauert's nicht lange, und ich bin ab. Gesagt bat er mir. ich brauche Bettruhe. Aber ich bin nicht for's Liegen. Und für meine Madame wär da? schon jar nischt, wenn ich mich hinlegen würde. Ich sterbe im Stehn, wenn S soweit ist. Wenn Sie mich aber lieber als Toten rasieren wollen, dann geh ich wieder. Drei Mark würde Ihnen meine Frau schon dafor geben." Er blickte zur Decke hinauf und rieb sich heftig da? schwarz- borstige Äinn. „Könnte sie mir noch so viel geben, rasier ich Toten nicht." „Nanu I Warum nicht? Wenn ich Barbier wär, mächt' ich nur Verstorbene rasieren. Das bringt doch was ein. Sie haben wohl Angst vor einer Leiche. Sie— Hosenmatz hätt' ich bald gesagt. Mich würden Sie also nickt rasieren, wenn ich tot wär, loa Sie doch schon seit Jahren die Ehre haben, mich zu kennen?" Ich steckte das Buch, darin ick, um mir die Zeit des Wartens zu vsrlrciben, gelesen hatte, in die Tasche und begann mich zu amüsieren. „Nein," sagte der Barbier und schüttelte seinen grauen Kopf. „Sie auck nicht. Rasier ich Toten für alles in der Welt nicht. Habe ich seit meine Lehrzeit keinen mehr rasiert." „Seit Ihrer Lehrzeit," fragte verwundert der Gast, den er unter dem Messer hatte." „Ja. Ist das schon ganze Ecke her. Hab' ich nur einmal Toten rasierl und nie wieder." „Der wollte Sie wohl beifien," fiel der Feldgraue lachend ein, und wir lachten mit. „Beinahe", antwortete der Barbier. Und nun lachten wir erst recht. „Sie wollen uns wohl'n Bären aufbinden, Sie alte Märchen- tante", brummte der Mann, der noch ein Mal vor seinem Tod rasiert sein wollle.„Vor acht Tagen haben Sie hier noch so'nc unwahrscheinliche Oper erzählt. Von een Heiligen, den sie in Prag ins Wasser geworfen haben und der nicht untergegangen ist, trotzdem sie ihm'n Mühlenstein an's Veen gebunden hatten. „Js wahre Geschichte, die ich erzählt habe," ereiferte sich der Barbier und klatschte mit Wucht ein Klümpchen abgeschabten Seifen- sckaums in einen Eimer.„Tod von heilige Nepomuk. Js keine Märchen. Haben Sie Ahnung!" Tagtäglich„rennt" mein Barbier zur Morgenandacht. Er ist sehr fromm, und gern erzählt er im Tone eines Predigers von den Wundern und Legenden, deren die Geschichte seines Glaubens voll ist. „Aber wie war das mit dem Toten, der Sie hat beifien wollen", fragte der kranke Gast.„Ist das ooch'n Heiliger gewesen?" „Nein. War da? nur ein Handwerker, Spieler und Saufkopf. Schlechte Kerl gewesen. Gröfite Radaubruder in ganze Stadt. Ist er schliefilich so auf Hund gekommen, dah er sich eines Tags auf Boden erhängt hat." „Und den haben Sie wohl rasieren müssen f „Ja." Ich wollte lächeln, hielt aber inne, betroffen von dem un« gewöhnlichen Ausdruck in meinem Gesicht, das ich wie von ungefähr in dem Spiegel gegenüber erblickte. „Wie ich in Stube komme," erzählte nun der Barbier,„wo der Tote liegt, bindet ihm seine Frau gerade Tuch ab von Mund. War mir bifichen bange, bin ich doch noch junge Kerl gewesen, Hab' mir aber weiter nichts Böse« gedacht. Wie ich aber anfange, den Toten einzuseifen, springt ihm Zunge aus dem Mund— ein Meter lang." Uns allen platzte ein lautes Lachen aus dem Munde. Der Sterbenskranke warf die Fühe in die Höhe und klatschte sich vo Vergnügen auf die Schenkel. „Und darum also wollen Sie keinen Toten mehr rasirenl" Der Barbier nickte. „Luftig!ist ja die Geschichte, aber—. Sie sind bekannt dafür, dafi Sie einem gerne die Hucke vollsckwindeln." „Gibt's gar nicht. Rede ich immer reine Wahrheit. Kann mir kein Mensch nicht nachsagen, dafi ich lüge." „Und sind Sie ausgerückt, als der Tote die Zunge raus« gestrcckr hat?" Der Barbier hielt ein Weilchen in seiner Arbeit inne, wiegte seinen Oberkörper, lachte kurz auf und sagte schliefilich:„Mir ist Schreck so in alle Glieder gefahren, dafi ich ausgerückt bin, als ob ganze Hölle wär hinter mir bsr. Und wie ich nach Hause komme, ohne Hut, mit Seifnapf in Hand und bleich wie Tod, gibt mir Meister eine Backpfeife— war mir, als ob ich geweckt werde aus schrecklichem Traum." „Und was ist mit dem Toten geschehen?" fragte der Gast, der gerade erledigt worden war. „Was soll geschehen sein mit ihm? haben sie ihm Seife und Rasierzeug in Sarg gelegt und begraben. Soll er sich auf jüngste Tag, wenn aufersteht, selber rasieren." „Alter Ouatschkopf!" Der Nächste, bitte I" ck. A, wieviel Regen fällt in veutfchlanö! Von Regen, Regen und abermals Regen wird ans allen dent- scheu Gauen berichtet. Der Himmel scheint das, was er in den Frühlingsmonaten versäumt hat,� jetzt in der Sommerzeit gründlich nachholen zu wollen, und viele Ferienreise»de fürchten schon, es gäbe wieder einen verregneten Sommer, wie sie dieses Jahrhundert schon so zahlreich gebracht hat. Wieviel Regen steht uns in Deutschland denn eigentlich zu? Denkt man sich allen Regen und alle anderen Niederschläge, die im Laufe eines Jahres aus die Erdoberfläche niederfallen, gesammelt, so ergäbe sich eine Wasserschicht von S1 Zentimeter Höhe. Deutschland bleibt mit einem Durchschnitt von 71 Zentimeter jährlicher Siegenhöbe hinter dieser Menge um eine Kleinigkeit zurück. Die Wassermengen, die jährlich aus dem Himmel auf das deutsche Land herniedersallen, würden ausreichen, ganz Mecklenbuvg-Schlverin in einen See von beinahe 30 Metern Tiefe zu verwandeln oder einen See von IM Metern Tiefe zu bilden, der die siebenfache Ausdch- nung des Bodensees.hätte. Je nach den Landesteilen ist aber die Regenmenge, auf die man zu rcckmcn hat, verschieden. Am gröfiten ist sie in den Gebirgen; so erreicht sie in den südlichen Bogesen 2.10 Meter, und die höchste Erhebung Norddeutschlands, der Brocken, hat eine jährliche Negenhöhc von 1,70 Metern, Für das Niesen- gebirge ist auf eine Negenhöhe von 1.30 Metern zu rechnen; Böhmcnvald und Bayerischer Wald bleiben mit 1.20 Metern nur wenig dahinter zurück. Die sogenannten„trockenen" Gegenden Deutschlands erreichen die Durchschnittshöhe von 71 Zentimetern im Jahre nicht; in vielen Gebieten östlich der Elbe fällt nach nicht einmal 60 Zentimeter Regen, an der unteren Saale und um Warthe und Weichsel. herum fallen tv.'niger als 50 Zentimeter Regen. Das östliche Posen, das inittlere'Westpreufien, der Unterlans der Oder Und das Gebiet westlich vom Harz und Rheinhessen haben sogar nur eine Regenhvhc von 40 Zentimetern. Die Regenhöh., die als wissenschaftliche Mafizahl in der Wetter- künde von Bedeutung ist, sagt einem gewöhnlichen Sterblichen aber wenig; ihm liegt viel mehr daran, zu erfahren, zu welcher Jahres- zeit der meiste Regen fällt und wie lange die einzelnen Regengüsse anhalten. Auch darüber vermag die Wetterkunde auf Grund lang- jähriger Beobachtungen Auskunft zu geben. Deutschland Hat ein „gut ausgeprägtes Sommermaximum der Niederschläge", so sagt die Wetterkunde. Im allgemeinen nehmen(nach Eckardts die Früh- jahrs- und Sommerregen landeinwärts zu, und zwar in iwrdwest- lich-südöstlicher Richtung. In ganz Norddeutschland mit Ausnahme der Mste, in Mittel- und Süddeutschland ist der Niederschlag- reichste Monat der Juli; an der deutschen Nordseeknste fällt die gröfite Regenmenge im August, in Schleswig-Holstein fällt die regen- reichste Zeit in die.Monate August, September und Oktober, im nördlichen Ostpreufien in den Oktoher, im südlichen Ostpreußen in den August. Das kontinental gelegene Ostprouficn vom Pregel bis zur russischen Grenze hat dagegen ebenso wie der Hauptieil Deutsch- lands im Juli die meisten Niederschläge. Was die Dauer der Regen- güsse angeht, so kann sie vom minutenlangen Platzregen bis zum stundenlangen Dauerregen alle Stufen.durchlaufen; in Mittel- Deutschland muß man ans Regengüsse von 4VL Stunden rechnen, in Süddeutschland gibt es Regendauern von 6 Stunden. Der Streit um Islands flagge. Das Verhältnis Islands zu Dänemark ist in der letzten Zeit öfter berührt worden in Meldungen, die von den Selbständigkeits- besixebungen der Isländer sprachen und dabei betonten, daß der englische Einfluß dahinter zu spüren wäre. Es ist richtig, daß Eng- land auch den Isländern gegenüber mit der„nationalen Selb- ständigkeit" arbeitet, um seinen gewaltsam eingesetzten und schon sehr starken Einfluß zu sichern; aber es benutzt hier sehr klug nur einen alten Wunsch der Bevölkerung; diese isländischen Bestrebungen reichen schon längere Zeit zurück urtd sie haben ihren Ausdruck in dem Kampf um die eigene Flagge gefunden, dessen nun. schon 30jährige und merkwürdige Geschichte Fritz Max Cahen im letzten Heft der„Deutschen Politik" erzählt. Schon im Jahre 1873 entstand in Island Unzufriedenheit mit dem alten isländischen Wappen, einem Berg fisch, mit Krone, silbern in rotem Feld. Ein neues Wappen, das der Kunstmaler GNdmunds- son entworfen hatte, uud das einen fliegenden Jslandsalken, silbern ans blauem Grund, darstellte, fand allgemeinen Beifall, so daß das neue inoffizielle Wappen bielsach als isländische LandeSslagge be- nutzt wurde. Im Jahre 1884 reichte dann das isländische Per- sassungskomitee dem Altthmg einen Vorschlag über eine eigene is- ländische Handelsflagge ein. der jedoch unerledigt blieb. 1897 wurde von dem Redakteur Benediktsson wieder eine neue Flagge vorge- schlagen; aber erst am 3. Oktoher 1905 wurde vom dänischen König das neue Wappen anerkannt, das statt eines fliegenden einen sitzen- den Silberfalken auf blauem Grund darstellte. Kurz darauf setzte eine neue Agitation für die eigene isländische Handelsflagge ein. Am 22. November 1913 stellte der dänische König eine Resolution aus, die den Isländern die Erlaubnis zur Führung einer. eigenen Flagge innerhalb ihres Territoriums neben der dänischen Flagge gewährte. Die isländischen Wünsch« gaben sich mit der Er- langung einer Lokalflagge nicht zufrieden, sondern wollten'eine eigene vollgültige Nationalflagge als anerkanntes Zeichen einer besonderen Nationalität und einer Sonderstellung innerhalb der däni- scheu Monarchie. Das Verhältnis zwischen Dänemark und Island muß also in seiner Gesamtheit neu geregelt werden. Praktisch hat Island während des Krieges eine Sonderst.llung innerhalb des dänischen Staatsverbandes in einen: gewissen Grade erlangt, indem ein provisorisches Gesetz vom 24. Mai 1916 dem Mi- nister für Island Bollmacht gab, Mafiregeln über den Handel mit Island zu treffen,„die für notwendig erachtet werden, um die Zufuhr von Waren zu sichern". So war die Grundlage für die is- ländisch-englischen Unterhandlungen gegeben, die sich freilich von englischer Seite wie gewöhnlich mit dem Prinzip des Ultimatums abwickelten. England? Politik geht zielbewußt darauf aus, sick überall in den nördlichen Gewässern Stützpunkte zu schassen; die Nachteile aber, die es für ein so kleines und in seiner Wirtschaft- lichen Widerstandskraft beschränktes Staatswesen wie Island hat. mit den Gvotzen Kirschen zu essen, haben sich in den letzten zwer Jahren bereits deutlich gezeigt. Notizen. — Diegefährliche Ulrike. Carl Sternheims Erzählung „Ulrike" ist durch die Leipziger Staatsanwaltschaft beschlagnahmt und gegen den Verfasser gleichzeitig ein Verfahren wegen Verbrci- tung unzüchtiger Schriften eingeleitet worden. So wenig uns. diese manirierte. für einen Normaldeutschen kaum genießbare und auch für Freunde artistischer Wortwürste schwer verdauliche Nrlx'it zusagt, der Staatsanwalt scheint uns dabei ganz fehl am Orte zu sein, Carl Siernheim leistet hier schon von sich aus da? mögliche, um sich selbst zu verhietcn. — Eines Künstlers Schrei nach Brot. Der groß- russische realistische Maler Jlja R j e p i n befindet sich, wie der „Voss. Ztg." über Stockholm gemeldet wird, in bitterster Note Der hochbetagie Künstler, der sich in einem Häuschen an der russisch- finnischen Grenze aufhält, ist buchstäblich in Gefahr, Hungers zu sterben. Sollte da? Mütterchen Rußland, da? schwergebcugte, nicht auch für diesen Sohn Brot und Hoffnung haben? — Die„Deutsche D'chter-Ged.ächtniS- Stiftung" in Hamburg hat 1917 an Lazarette, Truppenteile und deutsche Kriegsgefangene im Auslände 194 967 Bücher verteilt; damit ist die Anzähl der Bücher, die sie seit Kriegsausbruch unentgeltlich verleilt hat, ans 649 709 angewachsen. Im einzelnen haben vom August 1914 bis zum Ende 1917 Lazarette 124 434 Bücher erhalten; mit dem Löwenanteil von 452 814 Büchern stehen Truppenteile und. Wachtkommandos an der Spitze; der Rest kommt auf die deutschen Kriegsgefangenen. 31j e»»z. Das gelobte Land. Roman von W. S t. R e y m o n t. Schweigend begrüßte er alle und setzte sich in eine Ecke auf ein rotes, von einer großen Fächerpalme überschattetes Sofa. „Wozu streiten, man kann alles ruhig besprechen," sprach langsam Grünspan; er ging, ein Samtkäppchen auf den grau- niclierten Haaren, im Zimmer auf und ab. Ein langer Bart umrahmte das weiße, fette Gesicht mit den kleinen Augen, die fortwährend mit einer blitzartigen Geschwindigkeit von einem Gegenstand zum anderen flogen. In der mit einem Siegelring geschmückten Hand hielt er eine Zigarre, machte selten einen Zug, schob dann die schwülstigen roten Lippen vor und beroch sie aufmerksam. „Franz," rief er ins Vorzimmer,„bringen Sie nnr aus meinen: Arbeitszimmer die Zigarrenkiste; die da ist ganz feucht. Ich lege sie auf den Ofen, passen Sie auf. Franz. daß sie nicht verloren geht." „Wenn sie nicht verloren gehen soll, dann wird sie auch nicht verloren gehen," brumnite Franz. „Was ist denn das für ein Fest hier?" wandte sich Moritz an Felix Fischbein, der mit zur Familie gehörte; er saß auf einem Schaukelstuhl, Rauchwolken ausstoßend und sich eifrig schaukelnd. „Groß-Familien-Pleiten-Fest," warf er hin. „Ich bin zu dir gekommen, Vater, daß du mir einen Rat gibst, ich habe alle aufgefordert, daß sie auch kommen, sie sollen sich's ansehen, sie sollen meinem Mann sagen, wenn er auf mich nicht hören will, daß wir alles verlieren, wenn er das Geschäft so weiter führen wird," begann energisch eine junge, stattliche, elegant gekleidete Brünette, die älteste Tochter Grünspans. „Wieviel habt ihr auf Lihatschewo?" warf kurz ein junger Student hin, mit einer ausgeprägt semitischen Nase und fast rotem Haar und Bart. Er kaute an einem Bleistift. „Fünfzehntauscnd Rubel." „Wo sind die Wechsel?" fragte der Alte, mit der Uhrkette spielend, die über seinen dicken, von einer Samtweste umspannten Bauch hing; unter der Weste hervor flatterten zwei weiße Schnüre. „Wo die Wechsel sind! Ueberall sind sie! Ich Hab' mit ihnen bei Großglück gezahlt, Ware Hab' ich mit bezahlt, Kolinski Hab' ich mit bezahlt für die letzten Arbeiten. Was soll man da viel reden, jener hat Pleite gemacht, dann kommen sie an mich wieder zurück, und wir müssen sie bezahlen. Ich Hab' sie giriert." „Hör' doch mal zu, Vater! So red' er in:mer. Was soll das heißen? Das ist ein Geschäft! Das ist ein Kauf- mann! Das ist ein anständiger Fabrikant, der sagt: ,ich bin es schuldig und ich bezahle es'. So red' ein dununer Bauer, der nichts von Geschäften versteht," schrie sie, und Tränen traten ihr in die großen, dunkelolivfarbenen Augen, vor Kummer. Acrger und Entrüstung. „Es wundert mich, Regina, es wundert mich sehr, daß du so klug bist und doch diese einfachen Sache»,• auf die sich nicht nur der Handel, sondern auch das ganze Leben stützt, nicht verstehst..." � „Ich verstehe es, ich verstehe es nur zu gut, bloß kann ich es nicht verstehen, warum du die fünfzehntausend Rubel zahlen willst, Albert." „Weil ich sie schuldig bin," flüsterte er und senkte daS blasse, müde Gesicht auf die Brust. Ein eigentümlich ironisches, trauriges Lächeln huschte über die schmalen Lippen. „Er bleibt dabei! Du nahnist rohe Ware auf Kredit. bist schuldig, gut; aber du gabst doch auch Ware auf Kredit und andere sind dir schuldig, und wenn die dir nichts zahlen, wenn sie Pleite machen, was sollst du da anfangen? Dann mußt du wohl zahlen? Du sollst also deshalb verlieren, weil Frumkin was verdienen will, was?" schrie sie, ganz rot in: Gesicht. „Unfähiger Krüppel!" „Ac großer Kaufmann. Aj! Aj!" „Du sollst akkordiercn, du sollst dabei verdienen fünfzig Prozent!" „Regina hat recht!" „Spiel' dich nicht mit der dummen Anständigkeit auf, hier handelt sich's um schweres Geld." Alle schrien auf einmal, mit den Händen umherfuchtelnd. „Ruhig, Juden!" warf nachlässig Felusch Fischbein hin, auf dem Stuhle schaukelnd. „Zahlen! Zahlen! Das kann jeder Dummkopf, jeder Pole kann da? auch. Große Kunst!" „Aber laßt unS doch � zu einer Verständigung kommen, meine Herrschaften!" überschrie alle Sigismund Grünspan Sohn, der Student. Er. klopfte mit dem Messer ans Glas, knöpfte seine Uniform auf der Brust auf und wollte unbedingt zu Worte kommen; aber niemand hörte auf ihn, alle sprachen und schrien durcheinander, bloß der alte Grünspan ging schweigend umher und blickte verächtlich auf den Schwiegersohn, der, auf die Ellenbogen gestützt, mit den Augen sich mit Moritz verständigte; dieser wartete ungeduldig auf den Schluß der Beratungen, musterte den Alten und überlegte, ob er ihn: das Geschäft vorschlagen sollte oder nicht. Er hatte große Lust dazu, aber je länger er wartete, um so kühler wurde er, er besann sich, und eine gewisse un- erklärliche Scham faßte ihn, als er an Karl und Max dachte. UebrigenS hatte er nicht den Mut, Grünspan Vertrauen zu schenken. Er prüfte sein rundes, listiges Gesicht und die kleinen, umherflatternden Augen; mit einem gewissen taxierenden Ausdruck musterten sie der Reihe nach alle An- wescnden, blieben auf der hellen Hose des im Fautenil aus- gestreckten Fischbein hasten, schienen daS Gewicht der goldenen Uhrkettc Albert GroßmannS einzuschätzen; endlich betasteten sie die dicke Brieftasche, in der Landau, ein alter Jude mit einem langen, rötlichen Bart und einem Seidenkäppchen, fieberhaft etwas suchte. Großmann saß jetzt mit zurück- geneigtem Haupt da und starrte in die Decke, als ob er den drohenden Lärm nicht beachtete, den seine Frau mit Hilfe der nächsten Verwandtschaft schlug; nur deshalb waren sie zu- sammengekommeu, um ihn an der Einlösung der Wechsel zu verhindern und gctvissermaßen zu einer Pleite zu zwingen. Nein, immer weniger Vertrauen hatte Moritz zu Grünspan. „Sch! sch! Herrschaften, wollen wir jetzt Tee trinken," rief dieser, als das Mädchen mit dem siedenden Samowar erschien.„Bitten Sie das gnädige Fräulein Mola herein", warf er hochmütig Franz zu. Es wurde etwas ruhiger. Mcla erschien, nickte allen init dem Kopf zu und schenkte den Tee ein. „Ich werde noch krank von all den:, das Herz schmerzt mich schon, und da hat man noch keinen Augenblick Ruh'." flüsterte Regina, die verweinten Augen trocknend. „Fährst ja jedes Jahr sotvieso nach Ostende, jetzt wirst du wenigstens einen Grund haben." „Großmann, red' du nicht so, das ist mein Kind!" rief Grünspan energisch. „Tu hast mich nicht begrüßt, Mela." flüsterte Moritz, neben der jüngsten Tochter der Firma Grünspan& Landsberg Platz nehmend. lLortj. folgt.) Durch den unerwarteten Tod des Hoblers Gustav Henkel haben wir einen schweren Verlust zu beklagen. Wir werden dem fleißigen, tüchtigen Mitarbeiter ein stetes Andenken bewahren. Berlin SW 48, den 8. Juli 1918. Friedrichstr. 233. 2840b Man Joro". I inbest.Auslührg. Teilzhlg. Zahnziehen durch Einspritzung schmerzlos. Goldinkronsn 18 M. Reparat,»ei. Umarbeitg. schlecht sitz. Gebisse. v.3 M.aa oiinePI. Kahnarsst Wolf, Potsd.Str. 55(Hoehb.) Tel. Nach kurzem Krankenlager entschlief sanft am 7. Juli 1918 mein lieber Mann und unser herzensguter Bater Gustav Henkel im 44. Lebensjahre. Dies zeigen tiesbetrübt an Anna Henkel geb. Krüger nebst Kindern, Neukölln, Mainzer Str. ö. Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 11. Juli, nachmittags 2 Uhr, von der Halle des Neuköllner Ge» meinde-FriedhoseS, Marien- dorser Weg, auS statt. 2S49b Hn L Am Sonnabend, den 8. Juli, verstarb nach langem, schwe- rem Leiden im 58. Leben?- jähre unser lieber Bruder. der Tischler LKlOb Fritz Brunn Kloedenstrafie 3. Die trauernden Hinterbliebenen Otto Rrmin, Hermann Brunn. Die Beerdigung findet Donnerstag, den 11. Juli, nach, mittags 41(, Uhr, aus dem Heilig-Kreuz-Kirchhof, Ma- riendors, statt. Der Inhaber der Elektrotechnischen Fabrik Paul Reichardt, Curt Müller, hat das Ver« dienstkreuz für Kriegshilfe erhalten. ES zeichnet: Lurt jVlllllei'. Die Beerdigung unserer teuren Verstorbenen findet am Mittwoch, nachmittags 4 Uhr, aus dem ssriedbos der Elias- Wemeindc in Niederschönhausen, Nordend, statt. 2843 b Gle trauernd. Hinterbliebenen Franz Fietzke nebst Familie. Spezialarzt Dr. med. HasehA, Friedrichstr. 90 Behandt. von Syphilis, Haut- ?ar«., Frauenleiden, spez.: ron.Fälle. Schmerzlose, kürzeste Behandlg. ohne BerusSslöruna. Bluturttersuchung. Mag. Preise Teilzahlung. Sprechstunden 11 bis 1 und 5— 8, Sonnt. 11— 1. Was iS if? in vor der Ehe von der Ehe Von E. Gerling.— 81. Tausend. 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Zum Nachtrag des italienischen Heeresberichtes vom 6. Juli bemerkt das Kriegspressequartier: Wenn die Italiener aus ihren Fortschritten im Piave-Telta möglichst viel Kapital schla- gen, so sei darüber kein Wart verloren. Tagegen verdienen ibre Gefangenen- und Beutezahlen schärfste Ab- Weisung. Die Zahl der durch sie eingebrachten Gefangenen ist durch die letzten Kämpfe an der Gebirgsfront und an der Unteren Piave böchstens um 3000 Mann, das ist seit Beginn der Schlacht in Veneticn von 12 000 auf 15 000 gestiegen. An dieser Tatsache än- dert auch der 23 911. Gefangene nichts, der italienischerseits ,.ge- zählt" worden ist. Tie dem k. u. k. Armeeoberkommando gemeldete Geschützein- büße belauft sich seit dem 15. Juni auf insgesamt 12 Geschütze. N-Boot-Arbcit im Mittelmeer. Unsere Unterseeboote versenkten im Mittelmeer 4 Dampfer, 3 Segler von rund 10 000 B.-R.-T. Sie Reichstagswahlreform. 186. Sitzung des Reichstags Montag, den 8. Juli, nachmittags 1 Uhr. Am BundeSratstisch: v. Paher. Auf der Tagesordnung steht zunächst die Vorlage betr. die Verlängerung der Legislaturperiode des Reichstags um ein weiteres Jahr. Abg. Scheidemann lSoz.): Diese Verlängerung unserer Mandats- dauer ist uns natürlich unangenehm, und wir würden es an sich sehr begrüßen, wenn endlich Neuivahlcn stallfinden könnten, zumal wir von ihnen eine Vergrößerung unseres Einflusses erhoffen können. In dieser Zeit sind aber Neuwahlen im Reich schwer durchführbar. Die Soldalcn können nicht wählen, außerdem muß jeder Wahl eine intensive Aufllärungsarbeit vorangehen, und wer soll diese Arbeit im Kriege leisten? Wir stimmen daher der Vorlage zu. Abg. Albrccht lll. Soz.): Wir lehnen die Vorlage ab. Ein� Verlängerung der Legislaturperiode um ein weiteres Jahr bedeutet gleichsam eine Verlängerung des Krieges. Vor allem liegt in der Vorlage eine Umgehung der Verfassung. Ich bestreite den Ab- geordneten das Recht, ihre Mandate dauernd zu verlängern. Die Vorlage wird hierauf in allen drei Lesungen angenommen, ebenso das Gesetz über die Verlängerung der Manbatsdauer des Landrags für Elsaß-Lothringen. Es folgt die zweite Lesung der Reichstagswahlreform. Abg. Landsberg(Soz.): Die Kommission hat nur unwesentliche Aenderungen an der Vorlage vorgenommen, und wir stehen ihr nach wie vor sehr kühl gegenüber. In verschiedenen Parlainenten sind zurzeit Be» strebuvgen auf Aenderung deS Wahlrechts im Gange. Italien will den jungen Soldaten das aktive Wahlrecht geben. England, Holland und Dänemark führen das Frauenwahlrecht ein. Holland und� Dänemark auch die Verhältniswahl. Es ist kein Zufall, daß so weitgehende Wahlrechtsänderungen in diese Zeil fallen, in der nichts mehr festzustehen scheint. All diese Reformbestrebungen sind getragen von der Erkenntnis, daß der Staat die beste Äussichl bat, sich zu behaupten, der fest im Herzen seiner Bürger verankert ist. Staatsbürgerliche Gesinnung hat aber zur Voraussetzung, daß jeder Einzelne Einfluß hat auf die Ge- staltung der Verhältnisie im Staate, und diesen Einfluß kann er nur ausüben vermittelst des Wahlrechts. Die Borlage läßt nicht erkennen, daß die Regierung zu dieser Erkenntnis durchgedrungen ist. Die Reform ist außerordentlich mager und trotzdem von der feierlichen Versicherung begleitet worden, die Regierung sei entschlossen, in absehbarer Zeil über das hier Zugestandene nicht hinauszugehen. Diese Versicherung ist dann in der Kommission noch einmal verstärkt worden, als auf konservativer Seite ein Widerspruch zwischen ihr und einer Aeußerung des Vizekanzlers erblickt wurde, wonach die Verhältniswahl in den Großstädten Gelegenheit geben werde. eine Probe ans die Verhältniswahl überhaupt vorzunehmen. Wie wenig sachlich aber dieser konservative Vorstoß gegen den Vizekanzler war. ersieht man daraus, daß, als von uns der Antrag aus Einführung der allgemeinen Verhältniswahl gestellt wurde, die Konservativen nicht etwa gegen ihn stimmten, sondern sich der Abstimmung enthielten. lHört! hört!) Der Entwurf be- rücksichtigt wesentliche Forderungen nicht, die wir erheben müssen. ES fehlt die Herabsetzung des Wahlalters, es fehlt die Zulassung der Frauen. Wie lange will man denn die Frauen noch vom Stimmrecht ausschließen? Warum muß denn Deutichland hinter anderen Ländern zurückbleiben? Wir baben unfern Antrag auf Einfübrung der allgemeinen Verhältnis- wohl wieder eingebracht. Das Parlament mutz ein Spiegelbild de? Volkes sein, und deshalb muß jede Minderheit vertreten sein. Darum legen meine Freunde den größten Wert auf den von der Kom- Mission neu eingefügten tz 5a., wonach in jedem Wahlkreis, dessen Einwohnerzahl über 300 000 wächst, für jede weitere angefangenen 200 000 Einwohner je nn neuer Abgeordneter zu wählen ist. Daß die gebundenen I i st e n eine Knechtung der Wähler bedeuten, üavon kann gar keine Rede sein. Wir stimmen dem Gesetz zu als einem Mittel zum Kampf für die Einführung des Frauenstimm- rechts und ddr allgemeinen VerhälMiswahl. lBeifall bei den Soz.) Abg. Müller-Moiningen