Kr. ISS. 88.|«fo. lv«t«sSpreiSt BteNQatd. UX Ml. monttll. 1,50 MI. ftel w» Hau«. dorauSzahlbar.Einjelne Stmmnern 1»»sennig. Postbezug: Monatlich, vom»ostschalter abzuholen ILO Ml-, vom Brlesträger ins Haus ge> bracht 1,54 MI. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn S.— Ml. für das übrige Ausland 4JS0 Ml. monatlich. Versand ins sseld bei direkter Bestellung monatl. lLv Ml. Postbestellungen nehme» an Däne. marl. Holland, Luxemburg. Schweden und die Schweiz. Eingetragen üi die Post-ZeitungS-Preisiiste. Erscheint täglich. Delegramm- Adresse: »Sozialdemokrat Berlin" Vevlinev Volllsülcltk. (ivpksnnl»� Anzeigenpreis: DiefiebengespaltencKolonelzeileloslet L0 Psg.„Ztletne Üinzcigeu", das settgedruüle Wort iiv Psg.(zulässig L setigcdruckte Worte), jede? weitere Wort 1b Psg. Stellengesuche und Schlasstellenanzeigen daS crile Wort 20 Pfg., jedes weitere Wort 10 Psg. Worte über 1b Buchstaben zählen für zwei Worte. 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Dcr Kanzler Uicrdc am Donnerstag vormittag in Berlin eintreffen und sich mit dem Voifilzeilden des AuSschuffes sofort über die Stunde des Beginns der all- gemeinen politischen Aussprache vcrsiündigcn. Eine definitive Ernennung des Herrn v. H i n tz e zum Staatssekretär ist bisher nicht erfolgt. Die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" hat ganz richtig herausgefunden, daß es sich in den augenblicklichen politischen Auseinandersetzungen weniger um die Personen des geweseneu und des künftigen Staatssekretärs bandelt, als vielmehr uni die Politik des Reichskanzlers. Sie schließt einen Artikel über„Reichskanzler und Staatssekretär" mit folgenden Sätzen: „Die Frage lautet deshalb erst in zweiter Linie: Welches Vertrauen vordient der neue Staatssekretär? Ausschlaggebend bleibt, ob man dem Reichskanzler das Vertrauen schenkt, daß er die Politik'des Reiches weiter so führen wird, daß im Innern die Stimmung erhalten bleibt, die es uns er- möglichen wird, den Krieg siegreich wie bisher auch zu Ende zu fichrsn." Wir gehen mit Vergnügen auf diese Untersuchung ein. Der Fall des Reichskanzlers Michaelis im Herbst des vorigen Jahres hatte aller Welt bewiesen, daß es mit dem bisher geübten System des Regierungswechsels nicht weiter � geht. Die Mitwirkung des Reichstags bei diesem wichtigen politischen Geschäft wurde angenommen, und es sollte, diesmal wenigstens, kein Kanzler ernannt werden, ohne daß er sich zuvor mit den Parteien ins Benehmen gesetzt hätte. Als der Name des Grafen H c r t l i n g auftauchte, wur- den von sozialdemokratischer Seite die stärksten Bedenken geltend gemacht. Nach der ersten Fühlungnahme schien die Mission Hertlings vollkommen gescheitert, und der bayerische Graf hatte sich bereits aus Nichtwiodersehen verabschiedet, als der jetzt entlassene Staatssekretär v. Kühlmann mit seiner Rettungsaktion einsetzte. Um die neue Regierung der sozial- demokratischen Partei annehmbar zu machen, wurde Herr v. Payer zum Vizekanzler ernannt, und der nationalliberale Führer Dr. Friedberg versprach als künftiger stellvertre- tender Ministerpräsident für die rascheste Einführung des gleichen Wahlrechts in Preußen wirken zu wollen. � Diese rasche Einführung des gleichen Wahlrechts war ein Punkt, der wichtigste des tnnerpolitischen Programms, dem sich die Aufhebung des§ 133 und die Einführung von Arbeits- kammern anschlössen. Sollten Zensur und Bclagerungszu- stand auch nicht gleich aufgehoben werden, so war doch ihre Milderung zugesagt. Auf dem Gebiet der auswärtigen Politik versprach der Reichskanzler sich die A n t w o r t n o t e a n d e n P a p st zur Richtschnur zu nehmen, die unter Mitwirkung der Reichstags- Parteien zustande gckoinmen war und sich für einen V e r- ständigungsfrieden ohne Vergewaltigung fremder Völker und für internationale Schiedsgerichtsbarkeit im Sinne eines Völkerbundes aussprach. Von all diesen Zusagen ist eine einzige erfüllt worden, und zwar die kleinste: der längst fällige§ 153 der Gewerbe- ovdnung wurde abgeschafft. In der Frage der Arbeitskam- mern dagegen ist die Regierung in einen Gegensatz zu den Gewerkschaften und zur Zkeichstagsmehrheit geraten, der vor- läusig unlösbar scheint. Das Schicksal der W a h l r e f o r m- v o r l a g e ist allgemein bekannt. Es sei nur daran erinnert, daß wir heute den Jahrestag der königlichen Wablrechtsbot- schaft feiern können, die am 11. Juli 1917 das gleiche Recht allen Preußen verhieß. ' � Mit dem Belagerungszustand und dcr Zensur wurde es nicht besser, sondern ärger, wie di� fortgesetzten Klagen im Reichstag beweisem Der Berliner Streik wurde der- schleppt und schließlich mit Hilfe der außerordentlichen Kriegs- . gerichte„beigelegt", nachdem sich die Regierung, im schreien- den Gegensatz zu einsichtsvolleren Provinzialbchörden gewei- gert hatte, mit den Vertretern der Streikenden zu verhandeln. Ein ganz besonderes Kapitel sind ferner die Vorgänge in Elsaß-Lotbringen: man lese den heutigen Bericht aus dem Hauptausschuß und beantworte danach die Frage der„Nordd. Allg. Ztg.". ob der Reichskanzler„die Politik so führt, daß im Innern die Stimmung erhalten bleibt" usw. wie oben. Soviel in ein paar Strichen zur inneren Politik, wobei die Ernährungsfrage ganz ausgeschaltet bleibt, aus der billigen Er- wägung heraus, daß eine andere Regierung in dieser entsetzlich schwierigen Frage vielleicht auch nicht zu besseren Resultaten ge- kommen wäre. Der Regierung Hertling kann aber der Vor- Wurf nicht erspart bleiben, daß ihre'gesamte innere Politik wirklich wenig geeignet war, die durch die Nahrungsnot ge- reizte Stimmung der Bevölkerung zu beruhigen. Auf dem Gebiet der auswärtigen Politik ist die Zusage, sich nach der Antwortnote an den Papst halten zu wollen, glatt nicht gehalten worden. Heber den Frieden von Brest- Litowsk und die ganze unheilvolle Ostpolitik soll hier hundert- mal Gesagtes nicht noch einmal wiederholt werden. Heute ist vollkommen klar, daß dieser Frieden, der keiner ist, eines der schwersten Hindernisse für den wirklichen Frieden darstellt, nach dem das ganze Volk sich sehnt. Tie Bestimmungen dieses Friedensvertrages und die ganze deutsche Ostpolitik mit der Antwortnote au den Papst in Uebereinstimmung zu bringen, wäre allenfalls eine Aufgabe für Humoristen. Wer, so wurde von Verteidigern der Regiernngspolitik gesagt, durch den Frieden von Breft-Litowsk habe sich Deutsch- land nach Osten hin saturiert, es könne nunmehr desto maß- voller gegenüber dem Westen austreten. Da Rußland durch diesen Frieden für alle absehbare Zeit zum Feind des Deutschen Reiches gemacht sei, ergebe sich die Notwendigkeit, sich mit Eng- land und Amerika zu verständigen, diese Notwendigkeit werde auch anerkannt und in ihrem Sinne werde gearbeitet. Wir möchten fragen, wie und wo? Bestimmte Anzeichen sprechen dafür, daß der unerschütterliche Kriegswille der Entente nur Fassade ist, hinter der sich der lebhafte Wunsch der Völker ver- birgt, das Spiel unentschieden endigen zu lassen, und daß es nur einer entsprechenden deutschen Politik bedürfe, um jene Fassade zu durchstoßen und einen Verständigungsfrieden herbei- zuführen. Sind niemals Versuche in dieser Richtung gemacht worden? Doch! Ein ganz kleiner, ganz schüchterner und vorsichtig tasten- der Vor versuch ist gemacht worden durch die Rede des Staatssekretärs v. Kühlmawn vom 2 4. Juni. Diejenige Richtung aber, die von einem Ende des Krieges vor der vollständigen Niederwerfung Englands, Amerikas und ihrer Bundesgenossen nichts wissen will, handelte sofort nach dem Grundsatz„Wehre den Ansängen!" und setzte die Entlassung des Staatssekretärs durch. Diese Entlassung wird von dcr ganzen Welt als Beweis dafür aufgefaßt, daß es einem deutschen Staatsmann von heute nicht einmal erlaubt ist, mit dem Ge- danken eines diplomatischen Friedens, der vor der völligen Ausblutung eines der Gegner geschlossen wird, auch nur zu spielen, geschweige denn, ihn ernstlich sind mit aller Energie zu vertreten. Weil wir diese Wirkimg voraussahen, und wahrhaftig nicht aus persönlicher Vorliebe für den Staatssekretär v. Kühlmann, haben wir vor seiner Entlassung unter den gegenwärtigen Ver- Hältnissen dringend gewarnt. Derselbe Standpunkt ist auch nicht nur von der sozialdemokratischen Fraktion, sondern auch von der Reichst ag smehrheit vertreten worden. Als die„Germania" ihren bekannten Artikel veröffentlichte mit der apodiktischen Uebcrschrist„Kühlmann bleibt!", durfte man an- nehmen, daß der Kanzler eingesehen habe, welcher ungeheure Fehler es wäre, sich jetzt von seinem Mitarbeiter zu trennen. Am Dienstag aber erfuhren die Reichstagsmehrheit und der Vizekanzler v. Payer durch ein Telegramm aus dem Haupt- quartier, daß Kühlmann entlassen und schon ein Nachfolger für ihn in Aussicht genommen sei. Dieser Nachfolger gilt allge- mein als der Mann der Alldeutschen, nnd das versteht sich von sechst, denn wer stark genug ist, Minister zu stürzen, der und nur der allein ist stark genug, Minister zu machen und zu halten. Man erklärt uns nun, daß Herr v. Hintze ein gllter Many sei und daß die Politik des Kanzlers dieselbe bleiben werde. Wir können daraus schließen, daß es mit der Zensur und dem Belagerungsgesetz weitergehen wird wie bisher, daß dem preußischen Landtag weiter gestattet werden wird, mit der Wahlreform Schindludcr zu spielen, daß im Westen ein ähnlicher Frieden angestrebt wird wie im Osten und daß auch künftig jeder Mi- nister davongejagt werden wird, der mir entfernt anzudeuten wagt, es könne anders kommen. Tie sozialdemokratische Fraktion ist seinerzeit dem Grasen Hertling mit so wenig Vertrauen entgegengekommen, daß sie seine Regierung nur unter der Voraussetzung bestimmter „Sicherungen" für erträglich hielt. Diese Sicherungen aber— nehmen Sie es nicht übel..Herr v. Payer!— haben sich als un- zureichend herausgestellt, und so mußte der Tor der sozial- demokratischen Kritik von Tagungsabschnitt zu Tagungsab- schnitt und von Sitzung zu Sitzung schärfer werden, bis zu den: Punkt, an dein Sche idemann erklärte, dieser Regie- rung könne die Fraktion nickt einmal den Etat bewilligen. Das war vor Kühlmanns Entlassung. � Es ist also nicht so, wie es die Osiiziösen darstellen, als ob bis zum Fall Kühlmann die schönste Harmonie geherrscht hätte und als ob dieser niedliche kleine Zwischenfall im Kämmcrchcn der Freundschaft erledigt werden könnte. Auch in den Reihen des Zentrums und der Volkspartci herrscht keineswegs eitel Wonne und Zufriedenheit, obwohl zu befürchten, ist, daß diese Parteien den ganzen E r n st der Situation noch nicht recht erkennen. Wollten sie es, so müßten sie gemeinsam� mit dcr Sozialdemokratie, frei von persönlichen Rück- s i ch t e n, wo es doch um die größten Schicksalsfragen des Volks gcht, einen neuen Weg suchen, der aus dieser verworrenen und gefährlichen Lage herausführt. Die„Frankfurter Zeitung" bezeichnet die Verabschiedung Kühlmanns als den Beginn einer Krise, welche die gesamte Regierung und ihre Stellung zum Reichstage in ihren Be- reich ziehen werde. Es werde sich darum handeln, ob die Politik, die seit dem deutschen Friedensangebot vom Dezember 1316 unter dem Kennwort der Verständigung als die Politik Deutschlands vertreten worden ist, weiter geführt und zur Tatsache gemacht werden soll, oder ob sie von einer Politik p h a n t a st i s ch c r Machtgedanken abgelöst werden wird. Zum Unterschied gegen die Vorgänge beim Rücktritt Bethmann Hollwegs sind dies- mal die Meinungen der Mehrheitsyartnen nicht eingeholt worden. Tie Zeitung tritt dafür ein, daß die Angelegenheit nicht im Haupt- auSschutz, sondern im Reichstag selbst behandelt werde, da- mit nicht wieder ein Halbdunkel über die Verhandlungen, gebreitet werde, und verlangt, daß der Reichskanzler sich nicht auf die all- gemeine Versicherung beschränkt, daß er auf dem Boden der Ver- ständigungspolitik stehe, sondern sich konkret über die praktische Anwendung einer solchen Politik ausspreche und den Reichstag auch von der Möglichkeit ihrer Durchführung überzeuge, sowie die Bürgschaft übernehmen könne, daß der Reichstag nicht wieder in. eine solche Lage wie jetzt gebracht werde, und sie meint, ohne/ solche bindende Verbürgung müßten die Mehrheitspartcien,», speziell die Volkspartei, aufhören, sich als Mehrheit hinter die Regierung zu stellen. Tasselbe gelte für den Stellver- treter des Reichskanzlers als Vertrauensmann der Linken. Das bedeute nicht den Uebergang zu einer grundsätzlichen Opposition, sondern daß die Verantwortung von denen getragen werden soll, die die Politik machen, und daß die Linke freie Hand hat, den einzelnen Akten dieser Politik je nach ihrer Art zuzustimmen oder sie abzulehnen. Das Blatt warnt schließlich vor einer Politik, die eine Atillioncnpartei wie die So- zialdemokratie in die Opposition treibe. ?n öenStunöen öer Entscheiöung Worauf es zunächst ankommt! Aus Kreisen dcr sozialdemokratischen Reichs- tagsfraktion wird uns geschrieben: Seitdem die Fraktionen ihre erste Beratung über den Rücktritt Kühlmanns und die Nachricht gehabt haben, daß ohne jede Fühlung mit dem Reichs- tag Herr von Hintze als n e n e r S t a a t s s e k r c t ä r für das Auswärtige in Aussicht genommen ist, spricht die ganze bürgerliche Presse immer deutlicher davon, daß der neue Staatssekretär fertig, d. h. so gut wie ernannt ist. Es wird nicht nötig sein, alle die verschiedenen Redeäußerungen, die dies andeuten und die je nach der Stellung des einzelnen Blattes zu den Parteien variieren, wörtlich anzuführen. Als fest- stehender Schluß aus allen diesen Aeußerungen darf das Eine gezogen werden: große Bestandteile der Reichstagsmehrheit suchen mehr oder weniger verblümt Stimmung dafür zu machen, daß man es wieder einmal mit dem von der Krone in offenbarer Ueberemstimmung mit dem Hanptynartier bezeich- neten Nachfolger Kühlmanns„versuchen" soll. Da darf wohl die Frage aufgeworfen werden, ob die Lage Deutschlands solch einen.neuen der schon so vielfach gescheiter- ten„Versuche" gestattet, der gut, aber auch schlecht ausfallen kann. Ein kdreis unserer Fraktionsgenossen verneint diese Frage schon deshalb, weil die Notwendigkeit, in dieser größten aller bisherigen Weltkrisen alle Kreist eines Landes einheitlich zu- sammeuzufassen und für neue Reibungen und gefährliche Ent- täuschungen nicht Tür und Tor geradezu geflissentlich zu öffnen, solche„Versuche" von vornherein ausschließt. Wir können nur dann hoffen, aus dem Krieg bald, ehren- voll und mit wirtschaftlichen Zukunftsmöglichkeiten heraus- zukommen, wenn Krone, Reichsleitung, Hauptquartier und Reichstag zusammenarbeiten und eine einheitliche Kraft darstellen, die nickt fortgesetzt durch innere An- stimmigkeiteu Zerrissen wird. Das letztere tritt aber unfehlbar ein, wenn die Volksvertretung als die Verkörperung unserer Volksmasscn und der eigentliche Träger der Landesverteidi- gung und Kriegssteuern wiederum bei der Wahldcs auswärtigen Ministers ausgeschaltet und in die Rolle des Mannes versetzt wird, der nachträglich„Ja" sagen darf. Das haben auch die Wähler der bürgerlichen Parteien gründlich satt. Und wenn große Teile der Reichstags- Mehrheit aus bänglicher Rücksichtnahme auf die Kriegslage und andere Faktoren sich jetzt bemühen, uns und der Bevölke-. ttmg draußen einen eigentlich schon ernannten Staatssekretär iür eine der wichtigsten Kriegsarbeiten nachträglich schmackhaft zu machen, so müssen wir sie endlich einmal vor die Frage stellen, ob sie das gerade im, Reichsinteresse noch verantworten können. Tas Reichsinteresse verlangt, daß ein nach seiner politi schsn Richtung dein Reichstag bekannter und von dem Wohl' orientierten Vertrauen der Reichstagsmehrheit getragener Mann die Führung des Auswärtigen übernehme, kein Po litisch unbeschriebenes Blatt, auf dem in der langen Sommerpause des Reichstags Plötz lich zur allgemeinen Ueberroschung diese o d e r j e n e S ch r i f t c r s che i n e n k a n n. Und der Krieg bat die Krone und die Heeresleitung dem Reichstag mit seiner Mehrheit nal)e genug gebracht, daß ihnen eine vorherige Verständigung über einen solchen Mann mit den Parteiführern der Mehrheit weder formell noch sachlich schwer fallen kann Bei einer solchen vorherigen Verständigung braucht sich weder der eine noch der andere Teil etwas z» vergeben. A b e r f ü r überraschende Plötzlichkeiten und die Erge- bungins Ungewisse ist kein Raum und keine Z e i t m e h r. Da die Ernennung des neuen Mannes formell noch nicht vollzogen ist, kann die Unterlassung noch beseitigt und ausgebessert werden. In der Einigung von Krone, Reichstag. Volk und Heeresleitung auf einen neuen Mann, der der"wirkliche Vertrauensmann aller dieser Machtfall toren ist, würde dann eine unüberwindliche Stärke liegen, die wir in diesen entscheidenden Tagen nicht missen können. Haben der Reichskanzler und der Vizekanzler versäumt, diese Gesichtspunkte an der richtigen Stelle geltend zu machen. m muß es die R e i ch s t a g s m e h r h e i t besorgen. Und wollen innerhalb der Reichstagsmehrheit die bürgerlichen Parteien wieder über diesen Hauptpunkt der Kriegspolitik binweggleitcn und ein faules Kompromiß schließen, so muß ihnen und ihren Wählern draußen im Lande unsere Fraktion erklären, daß wir nicht mehr mitmachen können— im Reichs interefse! Holfentlich besorgt unser s5rektionSvorstand diese nicht angenehme, aber sehr notwendige Arbeit in diesen entschei denden Stunden, in denen dies geschrieben wird und in denen eine Fraktionsbesprechung nickt stattfindet. Erst wenn be richtet werden müßte, daß alle unsere Anstrengungen nach dieser Richtuna vergeblich gewesen wären, kann die Fraktion die weiteren Konsequenzen der so geschaffenen Lage disku tieren und entscheiden!___ M. Q, Oesterreich und Rußland. TLiedcranknahme diplomatischer Beziehungen. Wien, Ist.'Juli. Die„Neue Freie Presse" erfährt aus unterrichteten Kreisen: Die Entsendung diplomatischer und konsularischer Vertreter nach Rußland konnte solange nicht in Erwägung gezogen werden, als der Friedensvertrag nicht ratr n ziert war. Mit der nunmehr vollzogenen Rati- s i z i e r u n g ist die Frage der Aufnahme diplomatischer und konsularischer Beziehungen aktuell geworden und es be- tasten sich hiermit bereits die amtlichen Stellen. Die Ernennung des diplomatischen Vertreters wird stattfinden, nachdem eine Reihe von Formalitäten, die Einholung des Agrements der russischen Regierung, die Ernennung des Vertreters durch den Kaiser usw. erfüllt sein wird. Rußland und Hulgarlen. Ratifikation des Friedensvertrags. Zwischen dem russischen Gesandten und dem' bulgarischen Geschäftsträger hat am TienStag der Austausch der Rati- sikationsurkunden des Brest-Litowsker Friedens stattgefunden. Die Salzburger verhanblungen. din Salzburg sind seit wenigen Tagen Vertreter Oesterreich- Ungarns und Deutschlands zuc Besprechung der au? der Idee eine? engen wirtschaftlichen Zusammenschlusses auftauchenden Probleme versammelt. Deutschland ist durch Untcrstaatssekretcir Dr. b. Körner der- ireten, der schon unter Biilaw als geschickter Unterhändler und guter Kenner des Zolltarifs im Vordergrund stand, dann durch den Mi- nisterialdirektor Luscnslb und Gcheimrat Stockmann. Schon die beschränkte Zahl der TclegationZmitgliedec, da? Fehlen repräsentativer Vemctcr dir Rcichsleitung. weist darauf hin, daß das Arbeitsgebiet von vornherein sehr eng abgesteckt wurde. Zunächst wird nur an die Ausstellung eines ArbeitSpro- g r a mm s gedacht, so daß sachlich wichtige Beschlüsse in nächster �eit überhaupt nicht gefaßt werden dürften. Aber auch wenn diese Vorarbeiten bewältigt und die eigentlichen Beratungen äufgenom- men sind, dürften die Ziele nicht allzu weit gesteckt und manche vor- eiüge Enthusiasten enttäuscht werden. In Salzburg soll Mittel- europa noch nicht begründet werden, es soll nur formale, allerdings lehr wicbtige Vereinheitlichungen im Zollgesetz. Zollschema, Zollver- fahren, im gewerblichen Rechtsschutz, der Statistik und den See- und Schiffahrtsverhältnissen durchgesetzt werden. Von österreichischer Seite werden an die beginnenden Beratungen allerdings weitgehende Hoffnungen geknüpft, die viel- leicht auch von wohlmeinenden Zeitungsschreibern der Bevölkerung als Trost in den Nöten dieser Tage zugedacht sind. Oesterreich- Unoarn scheint tatsächlich den zollfreien Verkehr mit Lebensmitteln im Rahmen Mitteleuropas vorge- schlagen zu haben. Leider wird nickt gesagt, wie hoch die öfter- reickisch-ungarische Regierung den gemeinsamen Getreidezoll gegen das Ausland plant und wie sie sich zu der volkswirtschaftlich so not- wendigen Angliedcrung der agrarischen Balkanländer stellt. Tie nachdrückliche Befürwortung euiec agrarischen Hochschutzzollpolitik durch den einflußreichen Grafen TiZza im ungarischen Abgeordnet cnhausc mahnt zur Vorsicht. Dagegen scheint in Oesterreich wenig Lust zu einem durchgreifenden Abbau der industriellen Zölle m bestehen. Als Geltungsdancr für das Abkommen wird eine Frist von 20 Jabrcn geplant; nach je 5 Jahressoll der Vertrag hmrch- gesehen werden. Außerdem wachen in Oesterreich immer neue Hoffnungen auf eine baldige Hilfe Teutschlands zugunsten der öfter- r e i ch i s ch e n Währung auf, die um S0 Proz. entwertet ist. Da aber Deutschland mit seiner eigen. n Währung sehr viel zu tun hat, das Problem überdies aufs engste mit dem staatlichen und privat- wirtschaftlichen Kredft zweier bisher doch recht verschiedener Wirt- schastSgebiete zusammenhängt, so eilen diese Erwartungen den Tat- fachen wohl voraus. Tie wirtschaftliche Annäherung steht im engsten Zusammen- bang mit der politischen Wertung deS deutsch-österreichisch-unga- rischen Bündnisse?, mit dem lebhaften Wunsche, die alte Donaunion- archie politisch, wirtschaftlich und militärisch voll bündnisfähig zu sehen, mit der Neugestaltung Oesterreichs und Ungarns, mit der Bei- legung der verwüstenden nationalen Kämpfe, mit der Lösung der polnischen und südslawischen Frage. Diese außerordentliche Kam- Erkuudungsstr und Teilangriffe im Westen— Zurüttnehmen der österreichi- sche»t Südfront in Albanien« L e r l i u. 10. Juli 1918, abends. Amtlich. Von den Kampffronten nichts Neues. Amtlich. Großes Hauptquartier, 10. Juli 1918.(SB. T. B.) Westlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht. Im K e m in e l- G e b i c t, an der L y s und® o m m e lebte die Gcscchtstätigkeit in den Abendstunden auf. Nächtliche ErkundungSvorstößc des Feindes. Heeresgruppe Deutscher Kronprinz. Der Franzose setzte seine heftigen Teilangriffe fort. Süd- westlich von N o y o n und südlich der A i s n c stieß er mehrfach mit starken Kräften vor und setzte sich in den Gehöften Porte und deS Logek westlich A» t h e u i l sowie in alten franzö- fischen Gräben nördlich von Longpont fest. In den an. schließenden Abschnitten wurde rr durch Feuer abgewiesen. Bei örtlichem erfolgreichen Borstoß westlich von C h a t e a u- T h i e r r tz machten wir Gefangene. Rege ErkundungStätigkcit deS Feindes beiderseits von Reims. Heeresgruppe Herzog Albrecht. Im S u n d g a u brachten Stoßtrupps aus französischen Gräben nördlich von Largitzcn Gefangene zurück. Der Erste Eeneralquarticrmeister. Ludendorff. Der österreichische Bericht« Wien, 10. Juki 1918. Amtlich' wird verlautbart: Im Brenta-Tal schlugen unsere SicherunqStruppe» einen italienischen Borstoß ab.— Unsere albanische Süd- fr o« t wurde vor dem Drucke starler fciudlicher Kräfte über die Linie Berat-Fjeri znriickgenommen.' Die GcfcchtSberührung war seit gestern früh nur sehr locker. Ter Ehcf de? GcnrralstabcS. plizieriheit und weittragende Bedeutung der auftauchenden Probleme mahnen zur Vorsicht, besonders da starke Jnteressentengruppen Mitteleuropa zu einem Bollwerk ihrer rückschrittlichen und selbst- süchtigen Politik machen wollen.. Die Sozialdemokratie wird vor diesen großen Widerständen nicht kapitulieren und ihren Einfluß daran setzen, die Idee Mittel- europaS, die in der Zeit der großen Wirtschaftsimperien so nahe liegt, vor Verfälschungen zu bewahren. Noch immer gilt, waS Dr. Renner im Verlaufe der Verhandlungen zwischen den deutschen und österreichischen führenden Parteigenossen am ö. Januar lölö ausführte:„Die Bourgeoisien schließen keine sozialistische Gemeinschaft miteinander, sondern eine' Kapitalgcmeinschaft. Sie schließen die Gemeinschaft, um die Arbeiterschaft, um ein Wirtschaftsgebiet aus» zubeuten. Aber wa? an uns liegt, müssen wir tun, um zu verhüten. daß eine historische Notwendigkeit ausgebeutet werde, ausschließlich im Interesse einer profttgierigen kapitalistischen Bourgeoisie." Die Gegenrevolution in Rußlanö Ter Moskaner Aufstund beendet. Moskau, 8. Juli. In einer Bekanntmachung der Re- giernng wird der Aufstand der Linken Sozial- revolutionäre als niedergeschlagen bezeichnet. Die Stadt zeigt wieder das normale Bild. Es sollen etwa tausend Verhaftungen vorgenotmue» worden sein. Der Eisenbahnverkehr ist vorläufig unterbrochen. Auf dem am 6. Juli eröffneten S o tu j e t- K o u g r e ß ganz Rußlands lvurde beschlossen, daß von russischer Seite keine Uebertretung der mit der Ukraine vereinbarten Deniarkatiouslinie stattfinden darf. Tie Linken Sozialrevolutionäre drückten ihren Protest da- gegen durch Verlassen des Saales aus. Tie Landung in Archangelsk.— Tie Kämpfe im Südosten und in Wladiwostok. Moskau, 8. Juli. Die Presse meldet: Am 28. Juni landeten im Hafen von Archangelsk elwa 10000 Franzosen und Serben. Der kommandierende General erklärte, er wolle Stadt und Land vor einem ll eberfall deutscher Kriegs- gefangener schützen. ES werden NahrnngSmitiel an die Be- völkerung verteilt. Die Bahnen im Gouvernement Samara sind in Be« agerungSzn stand erllärt. In der Richtung Jekuterinburg— Tscheljabinsk rücken die Rötetruppen gegen Tschechen und Kosaken siegreich vor. Ebenso in der Richtung auf Tobolsk. Im Kubangebiet wurden die Stationen Weliko-KnjaiheS- u j a und'T o r g o w a j a von Kosaken besetzt. Amsterdam, 0. Juli. Nach einem hiesigen Blatt meldet„Times* auS Tokio: Der Korrespondent der japanischen Zeitung„Nish" in Wladiwostok berichtet, daß bei den Kämpfen in Wladiwostok heftiges Artilleriefeuer gewechselt wurde. Es waren Maschinengewehre aufgestellt, und eS kam zu erbitterten Straßengefechten. Ter Dampfer Simbirsk der russischen Freiwilligenflotte, der zahl- reiche Treffer«rbielt, entkam ans dem Hasen. Berlin, 0. Juli. Das Bureau der Petersburger Telegraphen- Agentur meldet: Die sogenannte sibirische Regierung. die sich auf die T'checho-Slowaken stützt, hat bekannt gemacht, daß alle Jndusirieunternehmungen. die durch den Sowjet nationatisiert worden sind, von der Regierung denationali» i e r t und den früheren Privateigentümern zurück- gegeben werden. Amsterdam, 10. Juli. Tie„Times" meldet ans Tokio: Das Blatt„Asahi" erfährt aus Wladiwostok, daß die neue vorläufige Regierung Sibiriens die Absicht hat, eine konstituierende Per- sammlung einzuberufen und die Ordnung im ganzen Lande wieder herzustellen. Ihr Programm umfaßt: Befreiung Sibiriens von den Bolschewiki, wenn möglich, Vermeidung ausländischer Jntcr- vention, allgemeines Stimmrecht, Einrichtung von Provinzialröten und Arbeitsbörsen. Verteilung von Land an die Besitzlosen und taatsaufficht in Wirtschaftsangelegenheiten. Die Regierung wird ihren Grundsätzen entsprechend den Kampf gegen die Mittelmächte ortsetzen. Kereneki in Vans. Für neuen Kampf auf russischem Boden. Paris, 10. Juli.(HavaS.) Ter parlamentarische Ausschuß für ausländische Angelegenheiten hat K e r e n S k i empfangen. Äerenski erklarte, er habe einfach als rufsischer Bär * t.•* ger Ken Wunsch, sich mit Politiker«'aller P'arkeke'n zu berftändigen über die besten Mittel, seinem Vaterland die volle Stärke des Han- delns wiederzugeben. Er schilderte die Lage Rußlands und zählte die Maßnahmen auf, die im gemeinsamen Interesse Rußlands und der Alliierten sofort zu ergreifen seien. KerenSki wies auf die Gefahr hin, die Rußland laufe infolge des Friedens von Brest. Liiowsk, dessen Folge gewesen sei, daß Teutschland seine Hand täglich.schwerer auf daZ Land lege. Er befürwortete ein soforti- geS brüderliches Einschreiten der Zllliierten, um den gemeinsamen Kampf gegen die Mittelmächte auf russischem Boden fortzusetzen. Der Vorsitzende Franklin-Bouillon dankte dem Red» ncr und versicherte ihn unter einmütiger Zustimmung der An- wesenden des einmüiiAen Willens aller Parteien, Rußland weiterhin als Alliierten zu betrachten. Er fügte hinzu, daß alle diejenigen in Rußland, die den Kampf wieder aufnehmen wollen, des absoluten Beistandes Frankreichs versichert sein können. Trodftra über Krieg und Irieden. Amsterdam, 10. Juli. Ein hiesige? Blatt erfährt aus Paris: Troelstra weist in einer Unterredung, die er mit einem Vertreter des Blattes„Information" hatte, den Verdacht von sich, daß er mir einer der kriegführenden Parteien sympathisiere. Er stellte sich auf den speziell niederländischen Standpunkt, daß ein Abkommen mit der Entente zum bewaffneten Eingreifen Deuischlands führen würde. Troelstra erinnerte an seine Unterhaltung mit Zimmermann, der prophezeit habe, daß Frankreich, Belgien und Holland einer Zollunion beitreten würden. Troelstra zufolge hat Holland bei einem entscheidenden Siege einer der kriegführenden Parteien nur zu verlieren. Ein demo- kratischer dauerhafter Frieden könne Holland, welches nicht imstande sei, sich zu verteidigen, für seine nationale Entwicklung von Nutzen sein. Troelstra erflärte, daß er den An- stoß zur Abhaltung einer Konferenz in Stockholm gegeben habe. Er sagte, daß Deutschland damals schon einen Frieden wollte, da die deutsche Regierung den Minderheit?- sozialisten auf ihr Ersuchen Pässe auegestellt habe. Heute sei das Verlangen nach Frieden in Deutschland wenig zwingend, doch der Stillstand der Offensive würde eine Reaktion hervorrufen, welche die Möglichkeit schaffen kann, wenn nicht die Sozialistcnkenferenz zu- sammenzuberufen, so dann doch sie vorzubereiten. Troelstra ist der Meinung, daß die Vorteile, welche die kriegführenden Mächte erringen, eine Gefahr darstellen und daß dieser Krieg nur durch Vergleich endigen könne. Albert Thomas, der dieses Interview bespricht, sagt, daß Troelstra ausgesprochen prodeutsche Sympathien habe, daß er jehoch als Bürger eines neutralen Landes nützliche Aufschlüsse geben könne. Die tzaager Gefangeneneonferenz. London, 10. Juli.(Reuter.) Die unionistische KriegSkommisfion beschloß, Lloyd George zu ersuchen, sofort einen Kabinetts. minister, der jede Vollmacht hinsichtlich der Kriegsgefangenen habe, zu ernennen. Gleichzeitig fprack die Verfamm- lung ihr Bedauern aus, daß Staatssekretär C a V e aus dem Haag zurückgelehrt sei, bevor die Verhandlungen mit den Deutschen zu einem befriedigenden Abschluß gekommen seien. Die Leiche deS Grafen Mirbach, die auf dem rheinischen Stammsitz der Familie in Harsf beigesetzt wird, traf gestern in Berlin«in und wurde sofort weitergeleitet. Ein Sowjet zur Lösung von Fragen deS FriedenSvertragvs. Zur Bearbeitung der Fragen, die mit dem in Brest-LitowSk be- schlossenen Friedensvertrag in Zusammenhang stehen, ist bei dem Volkskommissariat für auswärtige Angelegenheiten ein Sowjet ins Leben gerufen worden. Der Vorsitzende dieses Sowjets wird vom Volkskommissariat für auswärtige Angelegenheiten ernannt. Die Verhandlungen mit den Vertretern der Zentralmächte und die Durch- fübrung des Brester Friedensvertrags durch die einzelnen Aemter geschehen nach vorheriger Fühlungnahme mit dem Volkskommissariat für auswärtige Angelegenheiten. Ter neue englische LebcnSmittelkontrolleur. L o n d o n, 9. Juli. (Reuter.) Das Mitglied der Arbeiterpartei, C l Y n c s, bisher Parla. mentssekretär des LebenSmittelministeriumS. wurde als Nackfolgec von Lord Rhondda zum LebenSmittelkontrolleur ernannt. Ter N-Beot-Krieg im Mittelmcer. Berlin, 9. Juli. Von unseren U-Booten wurden im Mittelmeer versenkt: S Dampfer und 1 Segler von rund 15 000 B. R. T. Der Chef des AdmiralstabeS der Marine. Dia Ersatzwahl für Kacmpf. Im 1. Berliner ReickStagSwabl- kreis findet, wie die„Freisinnige Zeitung* hört, die Ersatzwahl für den verstorbenen Abgeordneten und ReichStagSpräsidenten Dr. Kaempf am 15. Oktober statt. Tic Frauen und die 10. Reichstagskommission. Zu unserem gestrigen Bericht wird uns mitgeteilt, daß die dort irrtümlich Dr. Mari? Baum zugeschriebene Rede von Dr. Marie Kaufsmann gehalten worden ist-__ Leiste Nachrichten. Dxx Mörder dcs Grafen Aiirbach ergriffen? Frankfurt a. M., 10. Just. Ter..Franks. Ztg." wird auS Moskau unterm 7. Juli gemeldet: Tie Nachricht von dem Attentat, das politische Fanatiker auf den Cbef der deutschen Mission Grafen Mirbach verübt haben, verbreitete sich in Moskau bereits in den Nachmittagsstunden des 6. Juli. Tie schwer- wiegende Nachricht, daß Rußland am Rande eines neuen Krieges stehen würde, wurde von der Bevölkerung Moskaus mit Resignation aufgenommen. Die Mörder wurden angeblich heute nachmittag ergriffen. Paris unter deutschem Feuer. Amsterdam, 10. Juli. Ein Telegramm de-Z Retterschen Sonderkorrespondenten meldet aus Paris: Am 10. Januar begannen die heftigen Luftangriffe auf Paris, während die Fernbe- s ch i c ß u n g am 28. März ihren Ansang nahm. Bis zum 10 Juni sind 20 L u f t a n g r i f f e gemeldet, während in fünf Fällen zweck- los alarmiert wurde. An 39 Tagen wurde die Stadt durch da! Ferngeschütz beschossen. Die ermittelten Ziffern in der Pe- riode vom l. Januar bis 30. Juni betragen 141 Tote und 152 Per- wundcto, mit eingerechnet die Toten, die infolge ihrer Verletzungen gestorben sind, und 68 weiteren Personen, die den Tod im Gedränge fanden,' als sie sich nach unterirdischen Räumen begaben wollten. um Schutz vor den deutschen Bomben zu suchen. Ttrrik der englischen Flugzeugarbeiter. Haag, 10. Juli.„Dailv Exvrcft" berichtet,, daß iich der Streik in der englischen Flugzeugindustrie ausbreitet. 22 00 0 Personen habej» jetzt die Arbeit niedergelegt.„ Vonnerstag, GroMerün Hinterpommerschcs vom Teltoivcr 5krcistag. Einen in seiner naiven Unverfrorenheit recht erheiternd tvirkenden. Vorkämpfer" besitzen, wie es scheint, die Interessen des Agrarier- und HändlertumS in dem Lankwitzer Bürgermeister Beyendorfs. Auf dem letzten Teltower Kreislag hat dieser Herr eine Rede gehalten, der wir folgende Geistesblitze ent- nehmen. Von den wichtigsten Nahrungsmitteln könnten wir selbst hinreichende Mengen ausbringen, aber man habe leider die Pro- duklion zu stiefmütterlich behandelt, und der bäuerliche Selbst- V e r s o r g e r sei aus dem Verordnungswege zum Teil schlechter gestellt, als der industrielle Schiv er st arbeite r. Von ganz besonders verderblicher Wirkung sei das Sststem der H ö ch st p r e i s e gewesen. Ein dankbares Gebiet, wo viel- leicht eine Preisrcgelung hätte erfolgen dürfen, seien die Arbeits- löhne der Munitionsarbeiter, die eine Höhe erreicht hätten, die lange nicht mehr als angemessen bezeichnet werden könne. Wozu aber seien z. B. Höchstpreise für Spargel, Erdbeeren und Gäule nötig? Es sei doch in der Tat ganz unerheblich, ob jeder Haushalt in der Lage sei, Spargel, Erdbeeren und Gänse zu ver- brauchen! Der Schleichhandel sei eine„naturnotwendige Nebenerscheinung de? Kommunismus", und die Kunden liste führe zu einer„unwürdigen Abhängigkeit des Käufers vom Ver- käufer." Wir.ormten dem Redebukett des Lankwitzer Kommunalober- baupls noch mehr Blüten entnehmen, möchten aber in dieser ernsten Zeit dem Ulk nicht einen allzu breiten Raum gewähren. Erstaunlich bleibt es auf olle Fälle, dah im Kulturkceise Berlins nach den Ersahrungen der letzten vier Jahre derartig Hinterpommersches produziert werden konnte. Rückgang der Grippe. Die Grippe hat, wie es scheint, ihren Höhepunkt in Groß- Berlin überschritten. Es kommen zwar noch neue Erkrankungen, sogar Rückfälle vor, indes waren nach den Angaben von Kranken- kasse», Kranke>kassenürzten, Krankenanstalten, Privatärzten und Kliniken usw. gestern schon mehr Krankenabmeldungen als-An- Meldungen zu verzeichnen. Bösartige und schwere Komplikationen sind bei der jetzigen Evidcmie nur in vereinzelten Fällen festgestellt worden. In der Mehrzabl der uns von Aerzlcn mitgeteilten Krankenziffern beirug die Dauer der Krankheit 4—10 Tage, selten 8— 10 Tage. Nur bei Lungenkranken ist eine längere Dauer beobachtet worden. Todesfälle an Grippe wurden bisher in Groß- Berlin nur ganz vereinzelt angemeldet. Tie Uebersiedlung des OberPrLsidmms nach Eharlottenburg ist nunmehr erfolgt. Im Dienst- gebäude des Eharlottenbnrger Polizeipräsidiums am Kaiserdamm 1 befinden sich neben den allgemeinen Dienststellen de? Ober- Präsidiums noch die Prozinzial-Kartoffelstelle, die Prodinzial-Heu- und Scrobstelle und die Nationalstiftnng für die Hinterbliebenen der im Kriege Gefallenen. In Potsdam dagegen verblieben sind die Abteilung für die freiwillige Krankenpflege und die mit dieser zipammeiihänFende Abteilung des Roten Kreuzes. Um zahlreiche Irrtümer zu vermeiden, sei noch betont, daß nicht sämtliche Ge- schäitsstellen der Regierung von Potsdam nach Charlottenburg über- gesiedelt find. In Charlottenburg befindet sich lediglich das.. Dberpräsidium der Provinz Brandenburg, während die königliche Regierung für den Regierungsbezirk nach wie vor ihren Amtssitz in Potsdam hat. Es treten nun vcelsach Verwechselungen in der Adressierung von Eingaben irnd anderen Schriftstücken'zu- rage, indem Sachen, die für die Regierung in Potsdam bestimmt sind, an das Obervräsidium in Charlotienburg gerichtet werden. Das Publikum wird ersucht, alle Sachen, die das Obervräsidium betreffen, einfach mit der Adresse„An den Oberpräsidenten in � Charlotienburg", Sachen dagegen für die Regierung in Potsdam „An das Regicrungspräsidinm in Potsdam" zu adressieren. Namen und Titulaturen wolle man möglichst vermeiden. Personen, die ihre Angelegenheiten im Oberpräsidinm mündlich erledigen wollen, haben sich im Zimmer 329 bei dem Regiernngsboten anzumelden. Marmelade. Gemäß dem Beschluß des LebenSnsittelverbandeS Groß-Berlin gelang! demnächst in Berlin auf Abschnitt 52 der Lebensmittelkarte der Stadt Berlin 225 Gramm und auf Abschnitt 53 200 Gramm Marmelade zur Ausgabe. Die Voranmeldung findet in den durch ein Aushängeschild gekennzeichneten Geschäften am 11., 12. und 13. Juli statt. Sobald die Ware den Kleinhändlern zu- gerollt ist-, wird mit dem Verkauf begonnen. Zur MetallScichlagnahme. Alle Zuschriften an den Magistrats- kommissar find portofrei einzusenden. Unfrankierte' Briese müssen an den Absender wieder zurückgehen, da solche Sendungen von der Post mit Strafporto belegt werden. Das Kriegsministerium hat lediglich für die von der beauftragten Beschlagnahmebcbördc a u s gehenden Briefe Portosreiheit durch eine besondere Ablösung erwirken können. Auch ein Rekord! Die Zahl der Gesetze, Verordnungen usw., die in der ersten Hälfte dieses Jahres, vom 1. Januar bis zum 30. Juni erlassen und im„ReichS-Gesetzblatr" veröffentlicht worden sind, betragen nicht weniger als 1631 Diese Gesetze eines halben Jahres beanspruchen einen Raum von fast 700 Seiten der großen Ouartseite des„Reichs- Gesetzblattes". Tie friedliebenden Berliner. In der Provinz ist der Berliner noch heute vielfach als„Rauhbein" verschrien. Daß er in Wir'- lichkeit besser ist als sein Ruf. lehrt eine statistische Zusammenstellung, die der Poiener Oberlandesgerichtspräsident Lindenberg soeben über die Tätigkeit der preußischen Schiedsmänner veröffentlicht. Danach ist die Zahl der BeleidignngssoÄen, mit denen sich die Schiedsniänner zu befassen batten. im Jahre 1917 um rund 10 Prozent gegen das Vorfahr gesunken, und zwar von 127 000 aus 115 000. ES ist mithin ein Rückgang der onhmigig gemachten Streitsachen in Höhe von über 12 000 fest- zunellen. An diesem Rückgang der Prozeffe hat Berlin den größten Anteil, nämlich 2400, während im Bezirk deS OberlandeS- gerichts Kassel die geringste Abnahme zu verzeichnen war. Berlin bat also dem Rufe:„Seid einig und prozessiert nicht", von allen preußischen Städten am meisten Folge gegeben. Auch der Erfolg der schiedsmänmschon Sühneversuche ist ein wenig gestiegen. 29 Proz. aller Händel konnten nämlich vor dem Schiedsmann fried- lich beigelegt werden, wobei wieder die Reichshauptstadt hervor- ragend beteiligt ist. Immerhin blieb noch die stattliche Gesamtzahl von 82 000 Beleidigungsprozessen übrig, mit denen die ordentlichen Gerichte belastet wurden. Liebesgaben für rusinchc Kriegsgefnnqene. Bei der Abteilung für Kriegsgefangene in der bicffgen rusfischen Botschaft sind in dielen Tagen Liebesgaben ans Rußland emgetroffen: 8 Wagen Wäsche, 16 Wagen Zwieback. 8 Wagen Konserven, je 1 Wagen Tee, Zucker und Tabak und 7 Wagen mit Einzelvaketen. Die Abteilung ist an der Arbeit, um diese Liebesgaben möglichst rasch unter die russischen Kriegsgefangenen in Deutschland zu verteilen. In, Zldmirnlö-Tbcater findet am Freitag die Erslaustührung der .Clandi vom Äciserboj" statt. NcichSliollcn. Tbeatcr. Am 16. Juli treten die Stettin er Sänger idrc UrkaUbsreise an; wahrend dieier werden fie durch die vom vorige» Jahre bekannten Leipziger Seidel-Sänger vertreten. Der„Hias« im Walhalla-Theater. Jeden Mittwoch und Sonntag. ll23 11 dr nachmittags, finden Volksoorstellungen zu halben Preisen statt. Die Abendvorstellungen beginnen um'1,8 Uhr. „Feuer im Berliner Rathaus!" Dieser Ruf alarmierte am Mittwoch nachmittag kurz vor Bureauschluß die Berliner Feuer« wehr. Sofort eilten fünf Löschzüge mit einigen 20 Fahrzeugen nach der Jiidenstr. 1/9. Dort sind zurzeit Arbeiter mit der Aus- besserung der Dächer beschäftigt. Hierbei war ein Kessel mit Teer übergekocht und hatten einige Dachsparren usw. Feuer gefangen. Durch Aniwerfen von Sand gelang es die Gefahr bald zu beseitigen. Die im Rathaus tätigen und dort berkehrenden Personen hatten zum größten Teil von dem Fcuerlärm wenig oder gar nichts be- merkt. Der Schaden ist unerheblich. Auf der Straße gestorben ist unter bedauerlichen Umständen die 26jShrige Arbeiterin Agnes T i e tz aus der Garde-du-Corps-Str. 18 in Charlottenburg. Wie die„Neue Zeit" hierzu meldet, erlrankte das Mädchen am vorigen Freitag unter heftigen Ficbererscheinungen an der Grippe. Da sich Komplikationen einstellten, begab sie sich nach dem Krankenhaus Westend, wo aber ihre Aufnahme aus irgend einem Grunde nicht sianfinden konnte. In der Absicht, Auinahme im Cecilienhause nachzusuchen, bestieg sie einen Straßenbahnwagen, brach aber aus der Fahrt zusammen. Man half ihr au? dem Wagen und setzle sie am Luisenplatz auf eine Bank, wo sie kurz darauf starb, Die Leiche wurde nach dem Schauhause gebracht und nach Feststellung der Personalien wurde dem in Friedenau wohnenden Vater Mit- teilung von dem Tode seiner Tochter gemacht. Eharlottenburg. Beratungsstelle für Geschlechtskranke. Die Sprechstunden der städtischen Beratungsstelle für Geschlechtskranke im Charlottenburger Krankenhaus, Kirchstraße 19/20, finde» sowohl für Männer wie für Frauen, nach Geschlechtern getrennt, viermal wöchentlich, und zwar Montag? und Donnerstags von 8—9 Uhr abends und Mittwoch? und Sonnabends von 12—1 Uhr mittags statt. Beratungsbedürfttge werden hier unentgeltlich untersucht und beraten; eine Behandlung findet nicht statt. Schöucbcrg. Gemeinnütziger Nachweis von Schlafstellen. Der Magistrat teilr mit; Der Städtische WohnungsnartiweiS. der sich bisher aus Wohnungen jeder Größe, leere und möblierte Ziminer, erstreckte, hat jetzt die Vermittlung von Schlafstellen neu in sein Tätigkeitsbereich aufgenommen. Er will durch diese Einrichtung hauptsächlich den zahlreichen alleinstehenden Arbeiierinnen der Kriegswirtschaft dienen und ihnen die Suche einer einwandfreien Schlafgelegenheit in der Nähe der Arbeitsstätte oder mit guter Verbindung zu derselben in jeder Werse erleichtern. Daneben will er aber auch bei Vermietung der Schlafstellen hygienische Forde- rungen berücksichtigen. Die polizeiliche Genehmigung zun. Halten von Schlafgängern" wird erst dann erteilt, wenn die betreffende Schlafstelle vorher beim Wohnnngsnachweis gemeldet ist.— An- geböte von Vermietern und Nachfragen von Mictsuchenden werden in der Sprechzeit des Städtischen Wohnungsnachweises, Schöncberg, Grunewaldstr. 10, täglich von 9—1 Uhr und Montag und Donners- tag abends von 7—8 Uhr entgegengenommen. Die Vermittlung ist für beide Teile kostenlos. Wilmersdorf. Abgabe von Frühkartoffeln. Al? VorauSbeliefe- rung fiir die Woche vom 15.— 21. Jul, dürfen bereits vom 10, Juli an auf die 4 Abschnitte 29 o und 29 b der Houptkartoffelkarte je Vz Pfund, zusammen also höchstens 2 Pfund Frühkartoffeln, ent- nomine» werden. Auf Sonderkartoffelkarteii dürfen Kartoffeln nicht verabfolgt werden. Die endgültige Festsetzung der Kartoffel» derbrauchSmenge für die nächste Woche erfolgt durch besondere Be- kanntmachung._ Pankow. Lebensmittel. Es gelangen in den bekannten Ge- schäften als Ersatz für fehlende Kartoffeln: ausländische Haferflocken, Teigwaren sWasserwarej und Peluschken zum Verkauf. Es eiilfallen: auf die Abschnitte 115o der Kartoffelkarte je 50 Gramm ausländische Haferflocken, also zusammen 100 Gramm, aus die Abschnitte 115iZ je 75 Gramm Teigwareii. also zusammen 150 Gramm, auf die Ab- ichnitte 115s. f und g zusammen 250 Gramm Peluschken. Der Preis für lOOGiamrn ausländische Haferflocken beträgt 0,21 M., für 150 Gramm Teigwaren iWasserware) 0.13 M., für 500 Gramm Peluschken 0,75 M., für 250 Gramm Peluschken 0,88 M.— Auf Sondcrabkchnitt V der neuen allgemeinen Zuckerkarte können zwei Pfund Einmachezuckcr entnommen tyerden. Eine Ausgabe von Kunsthonig findet mangels verfügbarer Bestände in unserem Orte nicht statt. Die Sondcrabschnitte V verlieren mit dem 25, Juli 1918 ihre Gültigkeit._ Mariendorf. Kartoffelverkauf. An Kartoffeln können an die Bezugsberechtigten vom 8.— 14. Juli mir die bei einzelnen Händ- lern verbliebenen Restbestände und eine geringe Menge der von den hiesigen Landwirten gebuddelten Frühkartoffeln verteilt werden. Im Höchstfalle cnlsallen auf jeden Bezugsberechtigten 3 Pfund, die je nach Maßgabe der Borräte von hiesigen Händlern oder von be- sonders bestimmten Landwirten zu beziehen sind. Abzuschneiden ist für jede« ausgegebene Pfund ein Dovpelabschnit; 28 a, b, o. Als Ersatz werden für jedes ausfallende Pfund Karioffeln 100 Gramm Hülsenfrüchte verabiolgt. Für je 100 Gramm Hülsenfrüchte ist ein Doppelabschnitt der Nummer 28 a— g der Kartoffelkarte abzutrennen, Der Preis für je 100 Gramm Hülsenfrüchte beträgt 15 Pf. Die als Ersatz ausgegebenen Hülsenfrüchte werden vom 10. d. M. ab durch die Kartoffelhändler verteilt. Gleichzeitig können bei dem zuständigen Kartoffelbändlcr die für die Abschnitte 27 k und g der Karrvsselkarle für bic_ Zeit vom 1.— 7. Juli noch zustehenden 200 Gramm Hülsenfrüchte zum Preise von zusammen 42 Pf. empfangen werden. Die Frühkartoffeln kosten im Kleinberkauf 15 Pf. je Pfund._ Eövenick. Ausgabe von Süßstoffknrten. Die ab Juli gültigen Süßstoffkarten, a) K-Karten für HauShalmngen, b) G-, Karlen für Gastwirtschaften usw., gelangen in der Zeit vom 10. bis 19. Juli von Va�— 12 Uhr vormillags in der Karicnausgabestelle, Grünstraße, Laden, zur Ausgabe. Die Ausgabe der Süßstoffkarten an die einzelnen Vorstädte erfolgt an folgenden Tagen; den 10. für die Haüshaliungen der Altstadt, den 11. und 12. für die Haus- Haltungen der Kietzvorstadt, einschl. Wendenschloß,-den 13. nur Ans- gäbe von G-Karten an Gastwiriswaften usw. sämtlicher Vorstädte. Den 16. und 17. für die Haushaltungen der Köllnischen Vorstadt. Den 18. und 19. für die Haushaltungen der Dammvorstadt einschl. Uhlenhorst. Am 15. findet leine Süßstoffkartenausgabe statt. Die Ausgabe der Süßstoffkarten für Haushaltungen erfolgt nur gegen Vorlegung der neuen, gelben Cöpenicker Hauptlebensmittellarte lSerie XIV). An Kinder werden keine Süßstoffkarten verabfolgt. Kreis Teltow. Kar-offclhöchstprcisc für de» Kleinhandel. Der KreisauSschuß machr belaunt: Der Pieis von 1 Pfund Sveise- kartoffeln der Ernte 1918> Frühkartoffeln), gleichgültig, ob sie in- ländischen oder ausländischen Ursprungs sind, darf im' Kreise Teltow im Kleinhandel 15 Pf. nicht übersteigen. Ergibt sich beim Klein« kauf von Kartoffeln unter Zugrundelegung' des Höchstpreises ein Kaufpreis mit Bruchteilen von Pfennigen, so darf der Preis auf volle Pfennige erhöht werden. Als Kleinhandel im Sinne dieser Verordnung gilt der direkle gewerbliche Verkauf an den Ver- braucher, sobald er nicht mehr als 600 Kilogramm zuin Gegenstande hat. Groß-öerliner parteinachrichten. Einverständnis mit dem Aktionsprogramm. Der sozialdemokratische Wahlverein für Berlin IV erörterte am Dienstag in einer Mitglieder- Versammlung den Entivurf des neuen A k t i o n s- Programms der Partei. ReichStagsabgeordneter W i s s e l l gab in seinem Vortrag einen lleberblick über die Forderungen dieses Programms, mit dem die Partei aus den unter dem Einfluß des Krieges geänderten politischen und wirtschaftlichen Verhält- nissen die notwendigen Schlußfolgerungen ziehe. Es solle nicht etwa, wie vielfach angenommen worden ist, das bisherige Programm ersetzen, sondern nur eine vorläufige Ergänzung dazu sein. Gewij; sei das Erfurter Programm abänderungsbedürftig, aber der gege-- würtige Zeitpunkt wäre für die Schaffung eines neuen Program-.iis nicht geeignet. Das Aktionsprogramm wolle nur Gr un d lagen und Richtlinien für die wichtigsten Aufgabe» bieten, die uns die nächste Zeit stellt. An den Auf- gaben des Gegenwartsstaates, führte Genosse Wisjcll aus, müsse? wir mitarbeiten, auch wenn dieser Staat uns nicht zusagt. Wir müssen die Macht, die wir haben, im Staat ausüben und sie zu er- weitern suchen. Solange wir aber nicht die Mehrheit haben, werden wir gewisse Zugeständnisse machen müssen, wie auch die bürgerlicher» Parteien sie uns machen. Wir müssen versuchen, positive Erfolge zugunsten der arbeitenden Volks- schichten zu erreichen. Die Partei habe das auch vor dem Kriege schon lange und immer mehr getan, indem unsere Vertreter in den Parlamenten gegenüber den Regierungsvorlagen die Vorteile und Nachteile abwogen und danach ihre Entscheidung trafen. Dagegen sehe man bei der Gruppe der Unabhängigen ein Festhalten an der reinen Negation, wie sie es bei ihrer Ablehnung der Kricgsgcwinn- steuer gezeigt habe. Der Redner erläuterte die Forderungen des Aktionsprogramms, die demokratische Durchdringung des Staates zur Turchsiihrung der Volksherrschaft, die planmäßige Ucberleitung der Kriegswirtschaft in die Friedenswirtschaft zur Sicherstcllung der Lebensmittel- und Rohstossversorgung, die Fürsorge für den Arbeitsmarkt nach Friedensschluß zur Verhütung von Arbeitslosig- feit und Lohndrückerei, die beratende und entscheidende Mitwirkung der Arbeiterschaft an der Uebergangsorganisation, die Maßnahmen gegen monopolistische Wirtschaftsgebilde des privaten Kapitals, die Wiederherstellung und künftige Gestaltung der Handelsbeziehungen zum Ausland, eine die Abtragung der Kriegslasten ermöglichende und dabei die breite Masse deS Volkes schützende Finanz- und Steuerreform des Reiches, zur Erueueru.ng der durch den Krieg geschädigten Volkskraft den jetzt besonders notwendigen Ausbau der sozialpolitischen Gesetzgebung, schließlich eine Reihe kommunal- politischer Forderungen. Wenn, schloß Genosse Wissel!, alle Forde» rungen dieses Aktionsprogramms von uns durchgesetzt werden könnten, so dürsten wir froh sein. Unsere Vertretungen in den Reichs-, Staats- und Gemeindeparlamenten ioerden um so mehr davon verwirklichen, je mehr die Macht der Arbeiterklasse hinter ihnen steht. Dazu ist erforderlich, daß sie sich auf starke und leistungsfähige Organisationen der Arbeiter- k l a s s e stützen können. An den mit lebhaftem Beifall auf- genommenen Vortrag knüpfte sicksteine längere Erörterung, in der fast alle Redner ihre volle Zustimmung aussprachen. Gegenüber der Forderung staatlicher Monopole machte Genosse K i r s ch n i ck den Vorbehalt, daß man im Hinblick ans die heutige Regierung hier doch Bedenken haben müsse. Genosse K ö b b e l betonte die Not- wendigkeit praktischer Arbeit, von der die Sozialdemokratie keines- Wegs die Umwandlung in eine bloße Reformpartei zu fürchten habe. Zu einer Bemerkung des Genossen Gebhardt, schon vor dem Kriege sei die Revision des Pregramms nötig gewesen, stellte Genosse K a y s e r fest, daß es sich bei dem Aktionsprogramm noch nicht um eine Programmrevision handelt. Eine solche könne sick' nur auf richtige Erkenntnis der neuen wirtschaftlichen Verhältnisse dründen, die aber jetzt noch gar nicht stabil seien. Das Wichtigste indem Aktionsprogramm sei der Grundgedanke praktischer Mitarbeit, in der auch ein Merkmal der Unterscheidung von den Un- abhängigen liege. Die Sozialdemokratie werde nicht zu a l l e in Ja und Amen sagen, sondern durch ihren Einfluß die poli- tische und wirtschastliche Entwicklung zugunsten des arbeitenden Volkes zu gestalten suchen. Genossin Martha Hoppe begrüßte die Forderung wertgehenden Mutter'cbutzes. der nach den Bkutoprern dieses Kriegs- und nach seinen auch die Frauenkraft verwüstenden Wirkungen dringender als jemals nötig sei. Zu wünschen sei, daß die Frauen dem politischen Leben und den Arbeiterorgcmisationen mehr Teilnahme entgegenbringen. Eine Frage des Vorsitzenden Genossen Klingler, was von der Befürchtung zu halten sei, daß aus dem parlamentarischen System sich parlamentarische Korrup- tion entwickeln könnte, wurde vom Genossen W i s s e I l in seinem Schlußwort beantwortet. Die beste Kontrolle deS parlamentarischen Systems sei eine die Massen tief erfassende Organisation der Massen selbst, in der Frankreich, England und Amerika noch weit hinter Deutschland zurückstehen. Auch das Bedenken gegen Staatsmono- pole werde hinfällig, sobald die demokratische Durchdringung des Staates dem Volk entscheidenden Einfluß auf die Regierungsgewalt sichert. Spandau. Freitag, den 12., abends 8 Uhr, Mitgliederversamm- lung bei Steinmetz, Bismarckstr. 8. Tagesordnung wird in der Ver- sammlung bekanntgegeben. Erscheinen aller Mitglieder dringend notwendig. Alle Vovwärtsleser und Freunde der S. P. D. sind zu der Versammlung eingeladen. Lichtenberg. Sonntags den 14. Juli, Familienausflug des Bezirks Lichtenberg(Sozdem. Verein Niederbarnim) nach der Oberspree. Besichtigung des Bootshausss des Rudervreins„Vor- wärts" in Oberschönelvcidc. Gelegenheit zum Kaffeekochen ist vorhanden. Treffpunkt Platz am Sprcetumiel bzw. am Lokal von Zenuer vorm. Knape nachmittags 254 Uhr. Zahlreiche Beteiligung sehr erwünscht.'__ Soziales. Zulagen zu Verletztenrenten aus der Nnfallvcrsichcrung. Auf Grund der Bekanntmachung des Bundesrats vom 17. Ja- nuar 1918 erhalten diejenigen Verletzten, die auf Grund der Be- stimmungen der Ulffallversicherung eine Rente von 6654 Proz. beziehen, von der Berufsgenossenschaft eine Zulage von monatlich 8 M. zu ihrer Rente. Die Zahlung ist nur auf Grund eines An- träges der Verletzten zu gewähren und darf nicht länger als drei Monate vor Eingang des Antrages nachgezahlt werden. In§ 1 der Bekanntmachung wird ausgesprochen, daß die Gewährung nur abzulehnen ist. wenn Tatsachen' die Annahme rechtfertigen, daß die Zulage nicht benötigt wird. Der Unfallverletzte W. erhielt von der Lagerei-BerusSgenoffen- schaft für die Folgen eines am 3. N»v«mber 1897 erlittenen Be- triebsunfalles die Vollrcnte. Er stellte ans Grund obiger Bundes- raisvcrordnung den Antrag auf Geivährung des Zuschusses. Der Antrag wurde von der Genossenschaft abgelehnt, weil„W. die Zu- läge nicht benötige". Die Genossenschaft erklärte zur Begrün- dung, daß der Betrag der Unfallrente 886,29 M. betrage, W. aber außerdem noch Privatvermögen besitze, aus dem er.einen ansehn lichen Zinsgenuß habe. Gegen die Ablehnung wurde Einspruch beim Königl. Oberversicherungsamt Groß-Berlin erhoben. Die Spruchkammer IV— U. 1563/4 18. IV.— verurteilte die Genossenschaft zur Zablung:„Das OberversicheruNgsamt� sieht Kläger trotz eines Kapitaleinkommcns von 762 M. jährlich während der Kriegs- zeit als bedürftig an und hat ihm daher die Zulage vom U Februar 1818 an zugesprochen." Diese Entscheidung entstseicht d«» tatsächlichen Verhältnisse» weit mehr als die Stellungnahme der Berufsgenossenschaft, die wohl das Einlommen de? Klägers zusammengerechnet hat, nicht aber die Allgemeinen Verhältnisse auf dem Wirtschaftsmarlte bc- rücksichtigt. Tie Bekämpfung der Tuberkulose durch Schularzt und Lcchrcr. In der Zeitschrift für Mcdizinaldcamte, Heft 8, 19:18, kriisiert Medizinalrat Dr. Wengler die gegenwärtige Methode der Tubcr- Zulöfencrnährung, Er bezeichnet sie als nicht ötonanissch und wenig aussichtsreich, da die für den Tuberkulösen bestimmten Zusahmittel seinem Haushalt zufliessen. Ter Tuberkulöse erhält nur soviel da- von, als seiner mehr oder weniger dominierenden Stellung in Er- näbrungsfragen im Haushalt entspricht. Die Tuberkuloscbeiämp- fung muß, soll sie aussichtsreich sein, bei der heranwachsenden Jugend im schulpflichtigen Alter einsehen. Eö sind für tuberkulöse- gefährdete Schüler öffentliche Schulspeisungen besonderer Art zu empfehlen, Achnliche öffentliche Speisungen sind auch für erwachsene Tuberkulöse Porzusehen. Dadurch ist Gewähr gegeben, daß der Bc- treffende die Zusohmittcl auch richtig bekommt. Sericktszeituna. Fm Dämmerzustände will der Kaufmann Walter Döring, der ein Spezialist in der Ausübung von Hoteldiebstählen ist und im Jahre 1N2 wegen eines solchen zu 6 Jahren Gefängnis verurteilt wurde, die Tat verübt haben, welche ihn wiederum vor die 7, Straf- fr-;nec des Landgerichts I führte. Der Angeklagte würde am ■ November v. I. nachmittags dabei betroffen, als er aus einem Schlafzimmer, in welchem die Stubenmädchen des Hotels Efplanade schlafen, herauskam. In dem Zimmer waren samt- liche Schränke erbrochen und ein Karton befand sich dort schon zum Mitnehmen verpackt; darin waren zwei GeMaschen, Geld, eine gol- dene Damenuhr, Seife usw. enthalten, Gegenstände, die den Zimmer- mädchen gehörten. Auf die Frage, was er in den? verschlossen ge- wesenen Zimmer zu suchen habe, erklärte der Angeklagte:„Er sei der Dachdecker und habe keinen anderen Ausgang gesunden." Es ist dies dieselbe Ausrede, die er auch in den früheren Fällen in An- Wendung gebracht hat. Er suchte dann schleunigst zu entkommen, wurde aber festgenommen und der Polizei übergeben. Im Termin behauptete der Angeklagte, daß er die Tat im Dämmerzustände be- gangen haben müsse; er will sich nur erinnern, daß er die Tür un- verschlossen vorgefunden habe, wisse aber gar nicht, was e>r in dem Zimmer getan habe. Er sei Alkoholiker, habe an jenem Tage viel gewunken und habe mich gar keine Vorstellung davon, daß er zu gend einem bestimmten Zweck in das Hotel gegangen sei. Seine Behauptung, daß er erblich stark belastet und auch schon in Dalldorf und Herzberge wiederholt untergebracht gewesen sei, bestätigte sich; er ist aus diesen Anstalten auch wiederholt entflohen. Nach gerichtS- ärztlichem Gutachten ist er ober mir als minderwertiger Mensch an- zusprechen, aus den der§ öl Str.-G.-B. keine Anwendung finden könne. Ter Verteidiger meinte, daß hier einer der Fälle vorliege, wo man das Fehlen einer Zwischenstufe zwischen Irrenhaus und Gefängnis bedauern müsse.— Der Staatsanwalt beantragte zwei Jahre Zuchthaus. Das Urteil lautete auf drei Jahre Gefängnis. „Liebe und Trompetcnblasen." Nach 1t Jahren ist der MusiluS Mar Neuendorf,' der sich wegen eines Aktes des schnödesten lln- daistj vor der 1. Strafkammer des Landgerichts III zu verantworten laue, seiner gerechten Strafe verfallen. Der Angeklagte, der mit einem nicht guten Führungszeugnis vom Mil'tär entlassen worden war, lernte im Jahre 1901 einen Beamten kennen, der großes Jnter- sse an dessen Fortkommen nahm, ihm Unterkoinmen in dem von ihm verwalteten Hause gewährte, ihm mit allen Mitteln förderlich •'7t und auch den Verkehr in seiner Familie gestattete. Anfangs ' 1808 erhielt der Angeklagte Anstellung bei der Kapelle des W'iter« gartcns, wo er die Trompete blies. Die Frau seines Wohltäters hatte, wie man zu sagen pflegt, eine musikalische Puschel und e? ge- lang dem Angeklagten sehr bald, mit seinen Kunstleistungcn auf der Trompete das Herz der Frau zu erobern. TaS Pärchen faßte den Entschluß, gemeinschaftlich nach Amerika durchzubrennen, wo eine Angehörige der Frau Ivohnt. Dazu brauchten sie Geld. Die ver- l'cbte Frau wüßte, daß'hr Ehemann ans der Depositeukasse einer hiesigen Bank ein Konto hatte und sie begleitete den Angeklagten eines Tages nach dem Kassenlokal. Dort überreichte der Angeklagte eine Quittung über 1319 M., die er mit seinem Namen und' dem Vermerk:„für Rechnung des... iNamc des Kontoinhabers)" vec- sah. Er erhielt das Geld auch durch ein Verscben des Bankbeamten ausgezahlt. Auf der Depositenkasse batte nämlich noch ein anderer Neuendors ein Konto und der betr. Beamte hielt den Ucberbringec der Quittung für diesen Kontoinhaber und da er den Vermerk„für Rechnung.." übersah, konnte der Angeklagte die 1319 M. einstreichen. Für den Betvag ist der Bankbeamte ersaßpslichtig gcwor- den. Noch während seines Verkehrs in der Familie seines.Wohl- täters hat der Angeklagte von diesem eine Uhr zum Gebrauch er- halten, außerdem hat der gutmütige Mann ihm auf seinen Wunsch ein Eello gekauft, dessen Kaufpreis nach und nach abgezahlt werden sollte. Alle d'ese Wohltaten lohnte der Angeklagte damit, daß er mit der Frau auf und davonging, ja, sogar auch den Sohn mitnahm, den der Vater nach Einreichung der Ehescheidungsklage erst nach vieler Mühe zurückerhalten konnte. Die Durchbrenner lebten dann zusammen in PittSbiirg in Nordamerika, bis der Angeklagte, der mit einer häßlichen Krankheit behaftet war und auch die Frau krank gemacht hatte,'m Jahr? 1913 nach Berlin zurückkehrte, da er wohl glaubte, daß über die Sache schon Gras gewachsen wäre. Das war aber nicht der Fall, da die Verjährung durch gerichtliche Akte stet? unterbrochen worden war. Im Oktober 1913 verurteilte das Cchös- fcngericht den Angeklagten wegen Unterschlagung in drei Fällen zu 3 Monaten und 1 Woch-' Gefängnis. Hiergegen wurde beiderseits die Berufung eingelegt Die Termine mußten aber wiederholt ver- lagt werden, u. a. auch weil Rechtsanwalt Bahn für den Ange- klagten den � 81 St.G.B. geltend machte. Msdizinalrat Dr. Stör- in e r begutachtete nun gestern, daß der Angeklagte zwar nervenkrank sei, aber nicht unter den§ 81 falle.— Die Strafkammer erhöhte die Stvase auf 6 Mokiate Gefängnis. Mus aller Velt. Zusauimenstoh zweier auierikttnischer Personenzüge. Nashville, 19. Juli. Reuter. Bei einem Zusammenstoß zwischen zwei Personenzügen wurden Kundert Personen getötet. Das Hospilal ist überfüllt. Mehr als 89 Personen wurden ver- wundst. In einem Waggon wurden alle Reisenden getötet. Die Maschinisten und Heizer beider Züge sind tot. Die Ursachen des Zusammenstoßes sind unbekannt. Srzsfkssten üer Neüaktkon. A. I. 190. Wenden Sie sich an die Obervostdlrcktion. 0. 2, König- strahe 61.— Welt 1001. Nein.— M. P. 46. Die Kirchhossver« wallung hat natürlich das Recht dazu, wenn Sic sich nicht mit ihr einigen löirncii.— Landsturm 100; In.— Ilnio» 1018. Wir daben in dieser Zeit mebr zu tun, als uns den Kvps über Ihre Kinkerlitzchen zu -erbrechen.— Ofririi 135. Ein solches Gesuch halten wir für aussichtslos. A. I. 200. Wenden Sie sich an daS Kriegsministcriunr.— X. Ja. — F. K. 100. Nein.— Ldstrm. L. Sch. Allgemeine Körper- schwäche, Krankheiten der Harn- oder Geschlechtsorgane.— vir. 53728. i. Ja. 2. DaS würde nicht erheblich sein; wenn die Mutter für den Bruder Unterstützung erhalten hat. wird ihr setzt auf Antrag das Kriegselterngeld gewährt werden. 3. Bis zu 250 M. im Jahr. 4. Ja. 5. Er kann sonst bestrast werden.— P. W. 153. Sie bzw. Ihre Frau körmeu ein solches Gnadengesuch machen. Ihre Frau könnte um Strasaustchub in Rücksicht auf die dringenden Familienoerhältnissc bei der Staatsanwaltschait ein- kommen.— Beriias. Es wird sich in diesem Falle nur um einen Schreib- ichler handeln. Uebrigens ist das durchaus nicht zu Ihren Gunsten, das-, die Waren erst 1916 bezogen wurden, Sie sind deshalb doch zur Zahlung verpflichtet.— M. H. 36. ES empfiehlt sich, wenn Sie ichon vor der ??icdcrlunst sich jür die RcichSwochcnhilje anmelden, und zwar bei der Krankenkasse, bei der Ihr Ehemann vor Einziehung zum Heeresdienst Mit- glied war. Wasserstandsnachrichte» der Landesanftalt für Gewässerkunde. mitgeteilt vom Berliner Wclterbureau. Freitag niitiag. Ziemlich warm, zeitweise heiter, jedoch überwiegend be« wölkt, mit leichten Regcnjällen, strichweise Gewitter. G-»»wnanszng der 12, PrenMch- Süddenisas«»» (Ä38. Königlich preußischen) Klalseulotterie 1. Klasse 2. Ziehungstag 10. Juli IV1S Auf jed» g?ilui!it«r find zwei glilch linde GoiOrni«»«fuli-», uud zwar j« einer auf die twfe xletcher Stummer iu den ieideu »tbleiluusen I und II (Ohne Gewähr A. St.-A. f. Z.)(Nachdruck verboten) In Ver VormittagS-Ziehnng wurvcn Slewüme Lcher SV Mk. gezogen: 2 Gewinne zu 50 000 Mt. 1025Ö6 2 Gewinne zu 30 000 Mk. 42068 2 Gewinn« zu 10 000 Mk. 24782 S Gewinne zu 400 Ml. 91409 149281 185217 191517 10 Gswiime zu 200 Mk. 15290 7S137«54S1 107918 116959 18 Gewinne zu 200 Mk. 32514 53772 S612S 72726 100507 115993 183640 192205 206006 60 Gewinne zu 100 Ml. 6362 10200 10676 11807 1Sll9 87939 48653 556S0' 79096 90058- 95154 102793 104071 106619 107008 107854 108363 111886 114198 114339 1x5022 132489 133654 143166 161425 165794 171490 180613 198426 207781 In der Nachmittags-Ziehung wurden Gewinne über 89 Mt. gezozen: 2 Gewinne zu 3000 Mk.�l445S3 2 Gewinne zu 1000 Mk SüdduUlcht»«I-Isn! fsid««m'w. uüb 1*.«uzust 191» statt. 137081 158146 103562 143392 gagaBKUiutKMw�naaMwBaaBaa Deutftfter f aietaliarbcttir- Verband. J Verwaltungsstelle Berlin. ™ Den Mitgliedern zur Nach- ! s richt, daß unser Kollege, der y Ziseleur Waldemar MolUor Schönblick b. Erkner am 7. Juli gestorben ist. Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 11. Juli, nachmittags 6 Uhr, von der Ikeichenballe de? Gemeinde- Friedhofes in Woltcrsdorf aus statt. Den Mitgliedern serner zur Nachricht, daß unser Kollege, der Maschinen- arbeiter GuZta? Henkel Neukölln, Mainzer Str. 5 am 7. Juli gestorben ist. Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 11. Juli, nachmittags 2 Uhr, von der Leichenhalle des Neutöllncr GemcindefriedhosS, Marien- dorfer Weg, aus statt. Den Mitgliedern ferner zur Nachricht, daß msser Kollege, der Drücker AM Sasse Gr. Frantjurler Str. 107 am 8. Jiüi gestorben ist. Die Beerdigung findet am Freitag, den 12. Juli, nach- mittags 3Vj Uhr, von der Leichenballe des Markus- Kirchhofes in Wilhelmsberg- Hohenschönhausen aus statt. Den Mitgliedern scrucr zur Nachricht, daß unser Kollege, der Arbeiter August Zedel Elbinger Str. 12 am 6. Juli gestorben ist. Die Beerdigung findet am Donnerstag, den N. Juli, nachmittags i'l, Uhr, von der Leichenballe des Aus- erstehungS- Kirchhofes in W-ißenjce, Lichten berger Straße 110, aus statt. Rege Beteiligung wird er- wartet.__ Nachruf. Den Mitgliedern ferner ! zur Nachricht, daß nnfer s Kollege, der Schlosser fßax Schröder istenbcrg, Finowstr. 26 ; im 4. Juli gestorben ist. Ehre ihrem Andenken! 1 114/17 Die Orisvorwaltung. Am 5. Juli starb nach I langem Leide» mein lieber� Mann, unser guter, treu- i sorgender Vater, Bruder, I Schwager, Schwiegervaters und Onkel, der Böttcher cm® Haß im 48. Lebensjahre. Um stilles Beileid bitten die tiefbetrübten Hinter- bliebcncn' S4A Witwe Anna Nah geh. Reese nebst Kinder«. Die Beerdigung findet am Donnerstag, nachmillags 4'/, Uhr, ans dem Friedhos Maricndorser Weg statt. tfxtam* i Ifi III Iinim II min Iiji Zeotralwerband der BSttciier, SJcinhiiter u. ssilssarbdker Deutscfilands. Filiale Berlin. Ten Mitgliedern zur Nach- richt, daß unser Kollege Otts NaK am 5. Juli im Alter von 43 Jahren gestorben.ist. Die Beerdigung findet heute Donnerstag, nach- mittags 4'/- Uhr, von der Leichenhalle des städtischen Gemeinde-Fricdhoss in Neu? kölln, Maricndorser Weg. aus statt. 22/11 Um rege Beteiligung er- sucht Der Borstand verband der Gemeände? und| Staatsarbeiter. Filiale GnE-Eerlin. Den Mitgliedern geben wir hiermit Nachricht vom Tode deS Kollegen Otto tte�olä von der LS. Rcvierinspcktioit. Beerdigung am Freitag, den 12. Juli, nachmittags 41/, Uhr, von der Halle des Markus-Kirchhoses' in Wil- hclmSberg aus. Ehre seinem Andenken 1 Um rege Beteiligung bei der Bestattung des Kollegen ersucht 32/15 vis Ortsverwaltung, Sitz Berlin. Gegr. 1905. Am 5. d. MtS. verstarb! unser Mitglied, der Ober- 1 Postschafiner a. D. Otto Hexdricd Schöneberg, Cranachstr. 14. 1 Ehre feinem Andenken! Die Einäscherung finde!« am Freitag mittags 12 Uhr z im Krematorium Gerich i- s'.rnße statt. Um zahlreiche Beteiligung j ersucht 298/8[ Der Borstanv. Spezialant Ur. med. Hasche, Friedriciistr.SO s�ILZ,. Rehanbi. vonTvt'hiliS- Haut- Harn-, Froncnleide», spez.: chron. Fälle. Schmerzlose, kürzeste Bebandlg. ohne Bcricksstörung. Biutuntersuchung. Maß. Preise Teilzahlung. Sprechslundcn 11 bis l und ö— S. Sonnt. 11— 1. Kichung; itchonäO. Jnil SubilänmS' Lsttsris 3007 Gewinne— llarkwort t'i SO 300 10000 � i£ I ftf" K_ Slf Porto u. Liste Lua s, la. 45 k>;. extra. 10 Ijoae für 30.- M. einschl. Porto und Liste. H. C. Hahn's Wwe., Aloxenilrincnst. 70 '. 79. Dorün v Iii Slvxeiulrinens' Dci)!li ö l'*([i. Frinzenstr. Jeckkrätze versehwindet in wenigen Tagen durch ReichelsKrätze- balsam. dar auch in den hartnäckigsten Fällen vollkommen sioherwirkt. Fl. 4.50. Otto Reichel. Berlin 43, EisenbalmstraSe 34. j/nnfp nur Freitag, den 12. Ii H f.!! C undSonnabond, den 13. Juli, von 10— Ö Uhr, alte. auch zerbrochene[* Zahn-Gebisse so w. alte Koizbrennstifte im Hotel„Zlmii grünen Raum", Kransenstr. 56-58, Zimmer 1, pari, Vi il f n pro Zahn bis 4,00 51. udslilC Platin proGr. 7,80, Frau Wagner. Bekanntmachung. Marmelade. Gemäß§ 5 der Verordnung über Lebensmitlelkarten vom 18. Oktober 1916 wird für den Gemeindebeztrk der Stadt Berlin bestimmt: 1. Ans ASsrbnitt Nr. SS der Lebensmittelkarte der Stadt Berlin entfallen S2S Gramm, aus Absthnitt»3 der Ledeiisinittelkartc Ä00 Gramm Marmelade. Der Kleinbandclshöchftptcis bewägt 92 Pfennig sür das Pfund. ES kosten hiernach. 225 Gramm 42 Pf. und 200 Gramm 87 Pf. Eine Ucberschreitung des Höchstpreises ist strafbar. 2. Die Abschnitte 52 und 53 sind nur in den durch ein AUS- hängcichild: »Berkauf von Marmelade auf Lebensmittelkarte» der Stadt Berlin« gekennzeichneten Geschäften gegen Empsangsbclcheinigung abzuliefern, und zwar am II.. 12. und 13. Juli. Nach- trägliche'Anmeldung findet nicht statt. ES ist unzu- lässig, die Kartenabichnitte in Geschäften abzugeben, i» druen nicht das vom Magistrat ausgegebene Ans- bängefchtld angebracht ist. Geschäften, die nicht int Besitze des Aushängeschildes find, ist die Annahme von Karten- abschnitten verboten. 3. Die Kleinhandels.eschästc haben die von Ibnen angenom- mcncn Kartenabschnilte an einen der ihnen bekannt ge- gcbenen Großhändler bis zum 13. Juli einschließlich abzulicscru. Jeder Kleinhändler muß. sobald die Ware zur Sielle ist. mit dem Verkauf beginnen und durch Anschlag anzeigen. Da die Marmeladesabriken bäuflg nicht in der Lage find, die volle Menge aus einmal zu lieicrn, ist es möglich, daß in ein- zelncii Klcinhandelsgelchäjtc» sich der Vertaus der Marmelade hinauszögert. Auch bei einer solchen Verzögerung der Lieferung ist jedoch eine Nichtlieferung keinesfalls zu befürchten. Berlin, den 10. Juli 1918. Magistrat der König!. Kaupt- und RestötnMdt. Abteilung für Obst- und Gemuseversorgung. Runge. 2132120 i Qrojte Sartairiiig iifiigiiskajk i Vorderhaus 1. Stege sejärt r; venmetn Lungsn und Hatskrunke. Verlangen Sie toltensrei belehrende Broschüre über Öeilmcthodc ohne Berufsstörnng. Aerztl. Heilanstalt Sanavil», Venn. Sanitölsrat Dr. Weise's, Ambul. Berlin!17. 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Stückchen Natur, an daS sich zwischen Stein und Holz und Ge- riimpel das sehnende Menschcnange klainmert jeden Tag. Und die Zehnlausende, die dort drüben gepfercht hinter den dunstigen Mauern hausen, nennen sie die Zirkuswiesc. Ihr gilt morgens und abends mein erster und mein letzter Blick. Gerade über den, saftigen Grün dort zwischen den eng- geschmiegten beiden Kirchtürmen taucht der Sonne blutroter Ball erlöschend in den Horizont. Wiese, wie wunderlich siehst du mir au?! Ein NeueZ, Plötzliches ist gekommen in dein bescheidenes Grogstadtidhll. lieber Nacht zwischen Wachen und Träumen. Hinter dem öden Zaun wölbt es sich massig wie der Riescnbuckel einer grauen MauS, um- ipielt von den Strahlen der Morgenionne. Schirmend bilden gelbe, draune und blaue Wagen um die RiescnmauS einen weiten Kreis. In der Stille der Nacht zog er ein in sein neues kurzlebiges Wuuderreich, der Wanderzirkus. In den bunten Wohnkarren regt es sich langsam. Aus dem schmalen eisernen Küchenschlot kriecht gemächlich ein grauweitze? Rauchwölkchen. Eine dicke die schwammigen Reize in der Wiesencinsamkeit mehr enthüllend als verbergend, schleppt einen Kübel Kaffee von Wagen zu Wagen. Bc- gehrend strecken sich nackte Arme, schnecweisie und dunkelfarbige, sehnige. Nach der langen Landsahrt und der harten Nachtarbeit, dem Wohle der gelehrigen Vierbeiner geioidmet, niundet der Heisie Morgentrank dopvelr gut. Schnell kommt frische? Leben in da« ungewohnte Wiesenbild. Noch heute abend soll gespielt werden. So künden es seit Wochen die grellfarbigen Anschläge in lausend Schaufenslern. Werden sie es schaffen, so förmlich auS dem Nichts auf der grünen Wieie? Zeit ist Geld. Auch bei Zirkusleuten. Wie in ein Uhrwerk pasit ihr halsbrecherisches Handwerk hinein. Die über Nacht geborene graue Riesen- maus, das ist ja nur der schwache Anfang all der volkstümlichen Herrlichkeiten, die Wohnung deS Kostbarsten, was der Wanderartist besitzt: seiner Tiere. Hunde bellen, Pferde wiehern, Raubtiere brüllen. Ein Pech- schwarzer, schlanker Gaul hat den Weg aus dem schützenden Zelt auf die Wiese gefunden. Kläffend jagt die Hundemeute hinterdrein. Wie tollwütig rast der schwarze Teufel am Zaunrand entlang. Ein Lasso schwirrt durch die Luft... ein Ruck... und der Gaul wälzt sich mit allen Bieren nach oben am Boden. Eine köstliche Freiheit«- dressur wie im echten Wild-West haben die Anwohner, die auS den Fenstern schauten, erlebt. Kommandoworte schollen. Mächtige Eisenpflöcke bohren sich unter wuchtigen Hammerschlägen in den Boden. Zwei haushohe, bewimpelte Mastbäume schwanken als Hauptstützen deS werdenden VorführnngSzelies wippend zu kerzengerader Höbe. Um sie herum breitet sich wie eine riesige Fuchbaut, wie die Hülle eines entgasten Luftballons, das zusammengekrochene Zeltdach des Wanderzirkus. Jeder ist an seinem Posten. Ein halbes hundert Hände fassen geübt in ein Gewirr von Leinen und Drähten. Eins... zwei! Eins... zwei I Ruck um Ruck schwillt die Haut, legt sich in wohlabgemcssene Falten, strafft sich, nimmt Gestalt an, bläht sich stolz im Winde, als sei sie sich der Kunst, die unter ihrem Schutze Triumphe feiern soll, bcwusit. Aus den Beiwagen schälen sich kunterbunt Hürden und Krippen, Stangen und Reisen, Klappsitze und Stoffballen und alle die hunderterlei Diinze, die zum eisernen Bestände ouch des kleinsten Zirkus gehören. Wanderartisten sind Raumknnstler. Nur nicht Platz und Arbeit verzetteln. In dein scheinbaren ChaoS herrscht plan- mäsiige Ordnung. Freilich... da« Schönheitsauge kommt nicht � aus seine Rechnung. Alleö ist.Bruch", zeugt von jahrzehntelangem Gebrauch, vom Staub auf der Landsirasie, vom Nomadenleben des „fahrenden Volkes". WaS schadet'S denn? WaS verschlägt'S der Volkstümlichkeit sener ursprünqlichcn Zirknskunst, deren Poesie- nmwobener Schimmer auch das anspruchsvolle Grosistadilcben noch nicht zerstören konnte? Ich sah schlechtere ZirkuSkünste, schlechtere Dressuren inmitten deS trügerischen, augenblcndendcn Glanzes. Mit dem Herzen gehe ich zu diesen beicheidcnen Künstlern, die so verschlossen find, wie das harre, unstete Wanderleben sie von Jugend aus formt, und die doch so anziehend zu erzählen wissen, werrn nicht Blasiertheit ihr reiche« Können belächelt. Nein, sie sind keine Anfänger und Stümper. Wisit ihr denn, ihr vorn hochverehrlichen Publikum, dasi hier im ZeltzirkuS die Kuiruwiege der meinen Berübsriheiten der Manege stand? Die auf der Galerie und auf de/r änderen billigen Plätzen wissen es. Die haben einen scharfen Blick für Kcafrlcistungen auf dein gelben Sande. Ein bitterhartes Ringen ist es um Brot und Ruhm. Bis irgend ein fixer Agent die Sterne entdeckt und von der Landsirasie auf die Weltbühnen entführt. Oft freilich auch wandelt beste Zirkuskunst den umgekehrten Weg. Eine verblühte Pferderückenschönheit, ein Artistenvater mit steif gewordenen Knochen, ein Spasiniachcr, dem die dickste Schminke das hohe Alter nicht verdeckt, findet immer noch mitleidige Unterkunft in einem Zelt- zirknS und berauscht sich in stillen Slnnden an längst vertrocknetem RuhnieSgemüse. Es ist das Schicksal des auZgehienlen Zirkusgauls, der sich vor dem Lastwagen auf das Tänzeln besinnt, wenn er einen Leierkasten hört. Und der Direktor... ach. dieser noch gar nicht so olte lieben?- würdige Direktor! Artisten sind sparsame Leute. Ein Landhau«, eine Lebensrente. daS Direktivnsszeptcr, wenn'S hoch kommt— daS ist ibr GlückStraum. Ihr glaubt ja gar nicht, was in so einem ZeltzirkuS für ein Vermögen steckt Mit hunderttausend Mark ist noch nicht viel anzufangen. Drei Brüder waren es, die Tausender auf Tausender legten. Ja, hier blüht echter Familiensinn, ein enge«. Iviindcrbar herzige« Zusammenhalten. Der eine fiel im Kriege, der zweite stehr noch drausien bei der Kavallerie, dem dritten, der niit dem Eisernen Kreuze geschmückt wahrhafte Meisterdressuren zeigt, hat der Feind da« Bein lahmgeschossen. Wehmütig führt mich der Direktor in den Stall. Von einem halben Hundert edler Rosse ist kaum ein Drittel geblieben, die anderen hat der Krieg geholt und verschlungen. Und diese hübschen, fast gemütlichen Wohnwagen! Nein, ich sehe hier nichts von der nach alter Ueberliefcrung auch noch dem modernen Wanderartiftcnleben angehängten Schlamperei. Vor den kleinen Fenstern Topsblumen und weisie Gardinchen, ein Kanarienvogel und ein Papagei, der mich begrüsit mit einem schelmischen„Hopla Cousin... hopla Cousin, kannst du noch... kannst du noch?" Ich frage, wie alt der buntgefiederte Plapperkerl ist. Er frißt jetzt das Gnadenbrot. Den hat der Direktor schon von seinem Vater übernommen. Wohl io alt ist er wie die würdige ZirkuSmntter. die abends an der Kasse sitzt und einstmals eine viel- bewunderte Panneaureiterin war. „Alles ginge noch, und mit dem Kriegsbesuch könnte man zu- frieden sein, wenn nur die schauderhaft hohen Futterkosten nicht wären," klagt der Direktor.„Ich kann doch keine halbverhungerten Schindcrmärcn in die Manege lassen. Und Raubtiere, die in der Gefangenschaft Heu statt Pferdefleisch fresicn, sollen auch erst noch gebore» werden. Dieser Krieg, der verdammte Krieg!" Pauken. Trompeten, Lachen, Beifallklatschen /.. Abend für Abend. Ich sehe den klapprigen, alten Spaßmacher trübselig über die Wiese schleichen und die jugendlichen ZirkuSkünstleriirnen elastisch in die Umkleidewagen springen... jeden Abend. Und als ich eines Morgens ivieder hinübcrblickc... Wiese, wie wunderlich siehst du mir au« I Wieder die alte Wiese ist e« in ihrem saftigen Grün. Rur ein großer runder Sandfleck noch zeugt von ver« schwundencin fadenscheinigen Glanz. lieber Nacht, wie er ge- kommen, bat der Wanderzirkus seine Zelte abgebrochen, llelier die vertraute Landsirasie ziehen sie in der bunten Wagenburg— Iva« weiß ich, wohin? Zu neuen Triumphen, zu neuen Sorgen um das Noinadenbrot... GesanSte. Wie wichsig die Aufgabe des Gesandten im heutigen Leben der Völker erscheint, zeigt die Tatsache, daß der setzt einem Verbrechen zum Opfer gefallene Graf Mirbach trotz aller Unsicherhoit der Zu- stände in Rußland sofort nach dem Fviedensichlutz entsandt wurde, um auf vorgeschobeuem Posten die schwere Aufgabe der Wiederau- knüpsung d.r Beziehungen zu erfüllen. Trotzdem ist die Einrichtung der Gesandtschaften noch keineswegs so alt, wie wir danach an- nchmon möchten. Lange Zeit sind die Völker ohne diese ständige Vertretung ausgekommen. Bei den alten Völkern gab c« immer nur vorübergehende diplomatisch!? Beziehungen. Da für diö Grie- chen und auch für die Römer die fremden Völker Barbaren oder Feinde waren, dachten sie nicht an eine dauernde Vertretung. Be- stimmte Regeln über die Aufnahme von Gesandten, die ihnen Bot- schaften überbrachten, gab es nicht. Wenn man sie im allgemeinen auch gut aufnahm und schon damals ihre Person als unverletzlich galt, so kamen doch Ausnahmen vor. Manchmal faßte man ihre Votschaften als Beleidigungen auf, oder das Volk, daS sie entsandte, erschien als unwürdig jedes Verkehrs. 'Die ersten, die sich bei fremden Herrschern dauernd vertreten liehen, waren die Päpste, und vom 12. und 13.! Jahrhundert an be- gannsn die italienischen Staaten, ihrem Beispiel zu folgen. Gleich im Beginn dieser Entwicklung einer eigentlichen Diplomatie er- eignete sich ein Attentat aus einen Gesandten, das berühmt gewor- den ist. Der Venezianer Dandolo, der 1171 als Gesandter nach Byzanz an dgj Hof des Kaisers Manuel gegangen war, wurde, als er die Rückgochc geraubter Schiffe und Bürger forderte, an ein Feuerbccken gestellt, so daß er fast völlig geblendet wurde. Im 13. Jahrhundert bildete Venedig feste Regeln für seine Vertretung im Auslände ans. 1268 wurde ei» Befehl des Senats erlassen, nach dein alle Gesandten der Republik die Geschenke, die sie während ihres Aufenthalts im Auslande erhalten hatten, bei ihrer Rückkehr dem Staatsschatz zuführen mußten. Die sorgfältig aufbewahrten Berichte der venezianischen Diplomaten bilden honte eine wertvolle Quelle für die Geschichte jener Jahrhunderte. Freilich findet man darin auch bittere Klagen, daß es unmöglich wäre, mit den geringen Summen, die ihnen bewilligt wurden, auszukommen. Gegen Ende des 16. Jahrhunderts, als die ersten stehenden Heere auskamen, fingen auch die übrigen europäischen Staaten an, Gesandtschaften im Ausland zu unterhalten. Diese Gesandtschaften hatten allerdings mehr den Zweck, die Streitkräfte des anderen Staates zu überwachen, als für die Anfrechterhaltung guter Be- Ziehungen zu sorgen. Sie sandten ihre Briefe, so oft es nur mog- sich war, bis zur Einrichtung, regelmäßiger Posten im!6. Iahe- hundert' in der Regel durch Kaufleute. Nach dem Westfälischen Frieden wurde die Einrichtung der Gesandtschaften in ganz Europa allgemein, und es kam die Zeit, die einen gewissen Höhepunkt in ihrer Geschichte bedeutet. Sie wurden die eigen tsichen Leiter der politischen Unternehmungen, sie hatten die Macht, Verträge abzu- schließ«!, BedawZiingcn zu stellen, kurz, zu tun, was ihnen unter de» gegebenen Bedingungen richtig schien. Talent und Geschicklich', eit hatten den freiesten Spielraum, und der Erfolg rechtfertigte alle Schritte«Se? Gesandten. Kühnes, ja gewaltsames Auftreten führte oft am ehesten zum Ziel. Seit jener Zeit hat sich mit der allgemeinen Verwendung de? Telegraphie und der diplomatischen Geheimschrift die Stellung des Gesandten verändert und sein Einfluß vermindert. Der Gesandte ist zum Sprachrohr seiner Regierung geworden, alle eigenmächtigen Handlungen sind ihm verwehrt. Zwar wird er feine Ansichic»! lx'' seiner Regierun« zum Ausdruck bringen, aber nicht immer wird darauf gehört. Ihm bleibt die schwierige Aufgabe, sich persönlichen Einfluß zu verschaffen, um die Anschauungen und Wünsche seiner Regierung durchzusetzen._ Nstizen. — Neuland an der Friesischen K ü st e. Auf friedliche fgeiss wird Deutschland um 1750 Hektar vergrößert. Etwa ,ebn Kilometer nordwestlich von Emden entfernt springt die friesische Küste mit der Landspitze Knock weit in den Unterlauf der Ems vor. Südlich von diesem Boriprung breitete sich die Wybelsumer Bucht anS. die mit der benachbarten Larrelter eine Fläche von 1750 Hektar umfaßt. Die Fläche wird gegenwärtig dem Wasser abgerungen und eingedeicht. Die Gejamtlosten der Eindeichung waren ursprünglich mit 6 100 000 M. veranschlagt, die höheren Löhne aber werden diesen Betrag erheblich steigern. — Ein wandernder Märchenerzähler. In Däne- mark ist unlängst ein im ganzen Lande bekanntes Ordinal, der umherwandernde Geschichten- und Märchenerzähler P. Havmand, gestorben. Er war ursprünglich Volkshochschullehrsr gewesen, hatte dann aber alle feste Tätigkeit aufgegeben. Wahrend eines Menschen- alters ivanderte er. all fein irdisches Hab. und Gut sin Ruck'äck mit sich tragend, die Pfeise im Mund und den Stock in der Hand, von Ort zu Ort, um den Erwachsenen Geschichten und den Kindern Märchen vorzutragen. Er hatte eine besondere Gabe, die historischen Persönlichkeiten so zu schildern, daß sie gleichsam lebendig geworden vor den Zuhörern standen, lleberall strömten ihm denn auch dieie in Massen zu. Wenn er in eine neue Gegend kam, galt sein erster Gang stets der Schule. Dann bat er um die Erlaubnis, den Kindern Märchen zu erzählen, und seine Ankunft war für die Schüler immer ein Fest. — Kunffchronik. Prof. August Gaul arbeitet zurzeit an Steinfiguren für einen Garten. Tue elfte dieser Figuren ist für kurze Zeit im Hause Paul Eaisirer aiisgestellt. — Vorträge. Die„Deutsche Gesellschaft zum Studium Rußland?" veranstaltet am Freitag. 6 Uhr. im Abgeordnetenhaus. Saal 8. einen Vortrag von Dr. Artur Luther, früher Professor in Moskau, über:„Die g e i st i g e und politische Vor- stellungSwelt der B o l s ch e w i k i." Auch NichtMitglieder haben Zuiritt. 33] LoöZ. Das gelobte Lanö. Roman von W. St. R e y m o n t. Bloß Moritz beteiligte sich nicht an dem Geschrei, saß unter der Palme neben Fischbein, der im Stuhl ausgestreckt eine Zigarre rauchte und von Zeit zu Zeit rief: „Still. Juden!" „Das ist keine lustige Operette," sagte Moritz ermüdet, gab das Geschäft init Grünspan vollständig auf und ging Melg suchen. Er traf sie bei der Großmutter an. die die ganze Familie mit besonderer Ehrerbietung und Pflege umgab. Tie Großmutter saß auf»einem Rollstuhl am Fenster. Eine fast hundertjährige Greisin, gelähmt und ganz kindesch; das Gesicht war ausgetrocknet und so in Falten zusammen- gezogen, daß jeder Ausdruck verschwunden war— ein Stück gelbgrauer, faltiger Haur, aus der schwarze, glanzlose Augen wie Glaskorallen hervorstachen. Auf dem Kopf hatte sie eine schwarze Perücke, eine Art Haube aus bunten Samtstücken und Spitzen, wie sie die Jüdinnen in kleinen Städten tragen. Mela goß mit einem Kinderlöffel Bouillon in den ein« gefallenen Mund; wie ein Fisch öffnete die Großmutter die Lippen und schloß sie... Er verneigte sich vor ihr— sie hörte auf zu effen. schaute ihn leblos an� und fragte mit einer dumpfen, wie aus der Erde dringenden Stimme: „Wer ist das, Mela?" Sie erkannte niemanden mehr wieder, außer ihren nächsten Angehörigen. „Moritz Welt, der Neffe meiner Mutter, Welt," wieder- holte sie mit Nachdruck. „Welt, Welt!" sie kaute mit deu zahnlosen Kiefern und öffnete breit die Lippen, zwischen die Mela wiederum Bouillon goß. „Zanken sie noch?" � „Der reinste jüngste Tag." „Der arme Albert." „Tut er dir leid?" „Wie soll er's nicht, seine eigene Frau und seine Familie verwehren es ihm. ein anständiger Mann zu sein. Regina entsetzt mich geradezu mir ihrem Krämertum." Sie seufzte traurig. „Er sollte lieber ein guter Fabrikant sein. Er leidet bißchen an Idealismus, aber er wird nach der ersten Pleite schon wieder gesund, wenn er mal gut dabei verdient." „Ich verstehe weder den Vater, noch die OnkelS, noch dich, noch Lodz. Alles kocht in mir, wenn ich zusehe, was hier vor sich geht." „Was geht vor? Es geht gut, Geld wird gemacht, und basta." „Aber wie, mit welchen Mitteln I" -„Das ist gleichgültig; die Mittel, wie man zu einem Rubel kommt, verringern nicht seinen Wert." „Du bist ein Zyniker," flüsterte sie. beinahe vorwurfsvoll. „Bin nur ein Mensch, der sich nicht geniert, die Tinge mit ihrem richtigen Namen zu nennen." „Lassen»vir das, ich bin so nervös, daß ich nicht mehr Kraft zum Streiten habe." Sie war mit dem Füttern der Großmutter fertig, richtete ihr die Kissen, von denen sie ganz umgeben war, und küßte ihr die Hand. Die Alte hielt sie leicht zurück, streichelte ihr Gesicht mit ihren ausgetrockneten Skelettfingern und fragte wiedmim, Moritz anstarrend. „Wer ist das, Mela?" „Welt, Welt! Komm doch für einen Augenblick mit niir, Moritz, wenn du Zeit hast." „Für dich hält' ich ja immer Zeit, Mela, wenn du eS nur wolltest." „Welt, Welt!" wiederholte dumpf die Alte, öffnete breit den Mund und starrte mit leblosen Blicken ins Fenster, hinter dem die Fabrikmauern lagen. „Moritz, ich Hab' dich doch schon gebeten, mach' keine solchen Redensarten." „Glaube es mir, Mela, ich red' offen, ich geb' dir mein Ehrenwort als anständiger Mensch, daß ich, wenn ich mit dir zusammen bin, wenn ich dich höre, wenn ich dich anblicke, dann muß ich nicht nur anders reden, lvie zu anderen Frauen, aber ich fange sogar an, anders zu fühlen und zu denken. Du hast eine so eigentümliche Weichheit in dir, du bist wirk- lich eine Frau. Mela; solcher gibt's wenig in Lodz." Er sprach ernst und folgte ihr auf ihr Ziinmer. „Begleitest du mich zu Rosa.?" fragte sie, ohne ihm zu erwidern. „Ich hätte dich' darum gebeten, wenn du eS nicht selbst wolltest." Sie lehnte ihre Stirn an die Scheibe und schaute den Sperlingen zu. die an diesem ersten frühlinglichen Mürztag wie toll im Garten sich jagten. „Woran denkst du?" fragte er leise nach einer Weile. „An Albert. Ob er es so macht,>vie er es beschlossen, oder so, wie jene es haben lvollen." „Ja. er wird sicher Konkurs anmelden und sich mit seinen Gläubigern vergleichen." „Nein, ich kenne ihn und bin sicher, daß er alles bezahlen wird."•? „Ich wette mit dir, daß er sich vergleichen wird." „Ich könnte schwören, daß er es nicht tut." „Weißt, Mela, Großniann hat manchmal seinen philo- sophischen Rappel, den hat er, aber sonst ist er ein kluger. Mann. Ich würde mein ganzes Vermögen einsetzen/ daß er' nicht mehr zahlen wird, wie fünfundzwanzig Prozent." „Ich würde ja sehr, sehr wünschen, daß es anders kommt." „Da fällt mir grad' ein, du hättest ihn heiraten solle,!. Ihr würdet zueinander passen. Mela. Ihr hättet zwar nichts zu beißen, aber ihr würdet so anständig sein, daß man euch im Panoptikum zeigen könnte." „Ich Hab' ihn gern, aber heiraten würde ich ihn nicht, er ist nicht mein Typ." „Wer ist denn dein Typ?" „Denke nach und rate." Sie lächelte wiederum jenes blasse, subtile Lächeln. „Borowiecki, ja, ganz sicher. Alle Lodzer Frauen sind in ihn verliebt." „Nein, nein: er schien mir trocken und unempfindlich, stolz und ein Streber. Nein, übrigens ist er euch allen viel zu ähnlich." „Oskar Meyer, der Baron, Millionär und ein schöner Mann, freilich, so ein Baron von der Mecklenburger Rasse, dafür aber ein richtiggehender Millionär." „Einmal Hab' ich ihn gesehen, und er kam mir wie ein verkleideter Knecht vor. Das muß ein furchtbarer Mensch sein. Ich Hab' viel von ihm gehört." „Das ist ein wilder Kerl, ein Wüterich," sagte er mit Haß. „So, so? Das ist ja interessant." „Reden wir nicht mehr von diesem Lump. Und Bern-! hord Endelmann, vielleicht gefällt dir der?" „Ein Judenbcngel." flüsterte sie verächtlich. '''-...- LLortj. folgt.) Denfsches Theator. Mit Max Paüenberg 8 Uhr: Fan« illc Sclämek. Preitag; Bibikort. Sonnab.; ratrilie Sobimek. Sonntag: Famiiia Scbiraek. Montag;: familio Schimek. KajnmerBpioIe. AilabcntUich 7J/( Uhr: InkosrnHie.(Operette.) VolknbUiieao.Th.a. iiüowjii. Uetzts Woche. Ällabondlie-h 71/, Uhr: L37L» Möbol-Rath liefert in großer Auswahl koniplette Wohnung?- Etnrichluuaen sowie reizende moderne Küchen bei bequemer An- und Abzahlung. Rath, Elsasserstraße 44, am Oranien- burger Tor._ 133ft* Möbel-Groß, Große Frankfurter Straße 141, zweites Ge. schüft: Invalidenstraße 5, Ecke Ackerstraße, liefert stets zu bil- I'gen Preisen gute Möbel gegen bar od-r bequeme Teilzahlung. 5irteg?besch»digte erbalUn Na- mitbringen. batt. 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Tas Herrenhaus erledigte gestern zunächst den KultuS- etat, wobei sich der frühere Preußische Finanzmüiister von Rheinbabcn sehr entschieden sür die Annexion von Longwy und Briey aussprach. Pros. v. Wilamowitz- Mollendorf beklagte die Ueberftutung. der Universitäten mit Frauen, was dem Kultusminister Dr. Schmidt Anlaß gab. sich zu modernen Auffassungen zu bekennen. Dem Wunsch des Oberpräsidenten V. P a t o c ki. in den östlichen Pro- vinzen an den höheren Schulen das Französische durch das Russische zu ersetzen, sagte der Minister wohlwollende Prü> sung zu. Es folgt der Etat de! Miuisteriittns de» Znnern. Minister Tr. D r e w s ist nicht anwesend, erscheint aber wäh- rend der folgenden Ausführungen. Graf V. PosadowStb: Nicht nur daZ preußische Volk, sondern ganz Deutschland rich- tet den Blick auf das preußische Herrenhaus. Uns liegt eine Bor- lag« vor, die unier Umitänden eine ganz neue Grundlage für unser Dtaatsleben sein und dazu beitragen wird, es vollkommen uinzu» modeln. Eine so hochimchtige politische Frage kann nicht sang- und klanglos in eine Kommission gelangen, sondern eine Aus- spräche ist unbedingt notwendig, denn die Kommission muß wissen. wie die verschiedenen Stimmungen im Hause sind.(Zurufe Tages- ordnung!) Gewiß gehört das zur Tagesordnung, denn sür die Wahlrewrm ist in erster Linie der Minister des Innern verant- wortlich. Das Treiklassenwahlrccht wurde zur Zeit seiner Ein- tührung. als in Preußen noch nicht die ungeheueren Reich- tümer einzelner angesammelt waren, nicht als etwa» Drückendes empfunden. Seitdem ist die Volksbildung wesentlich gestiegen. Man hat vielfach Arbeiter in Schiedsgerichte, Gewerbe- gl-richte usw. berufen, die Arbeiter haben sich politisch organisiert. und wer jetzt Arbeiterversammlunoen beiwohnt, wird sich über» zeugen, welches große Maß geistiger Bildung in diesen Köpfen wohnt. Dadurch, daß der leitende Staatsmann> cS nicht tür richtig gehalten hat. die Wahlreform auf seine persönliche Ver- antwortung zu nehmen, sondern dem Monarchen den Rat gegeben hat, die Forderung deS gleichen Wahlrechts in einer allerhöchsten Botschaft zu verkünden, ist die Frage schwieriger geworden. Man kann mit einigen» Recht befürchten, daß in Preußen das allgemeine, gleiche Wahlrecht radikaler wirken wird als im Reich, wenn man nicht die nötigen verfassungsmäßigen Garantien schafft. Wenn ein Reichskanzler erst ernannt wird, nachdem die Reichs- tagSmehrheit zugestimmt hat. wenn auch andere Ernennungen in gleicher Weise erfolgen, so ist das doch schon ein gewisser Krvpto- Parlamentarismus.(Sehr richtig?) Nun ist inan im Reichstag verstimmt, daß der Kaisrr einen Ttaatssekretilr entlassen hat. ohne daß man die Stimmung der MehrheiiSparieien darüber gehört hat(Hört! hört!) und man wünscht, wie ich gelesen habe. den Nachfolger erst kennenzulernen und feine Stellung zur Politik der Mehrheit, bevor er ernannt wird. lHört! börtü Unter dem gleichen Wahlrecht würde die nicht großstädtische Bevölkerung immer mebr zurückgedrängt: auf diese fcobenstündigen konservativen Schichten kann nicht verzichtet werden. Wechselnde politische Auf- regungen wie in Frankreich und Ftalien können wir uns nicht gestatten. Man könnte ja die Abgeordnctenzahl auf etlva 400 beschränken, wovon ZW nach der Seelenzahk, die andern nach der Fläche gewählt würden, so daß die ländlich«-Bevölkerung trotz fort- gesetztem Rückgang doch eine dauervde angemessene Vertretung behalten würde. Di« vom Abgeordnetenhaus bc- schlos jenen Sicherungen genügen wir nicht. Zu den dankenswerten Sicherungen mr Kirche und Schule muß auch «tne Sicherung dafür kommen, daß bei der zukünftigen Gestaltung der Gemeinde-, Kreis- und"Vrovinzvertretun g auch die Steuerleistung berücksichtigt wird. Da» im anderen Hauke beschlossene Pluralwahlrecht ist kein echte» politische« Material, da» ist Putz--ich bedauere nur die Be- Hörden, die ei durchführen sollen! Die Regierung aber sollte doch intz Kompromiß herbeiführen, denn Wahlkämpfc müssen uns jetzt erspart bleiben.-Beifall.) Graf Vehr-Bebrenhoff: AIS Vorsitzender der konservativen Frat- tion kann ich erklären, daß Nur un» durch die interessanten AuSfüb- rangen des Borredners nicht verleiten lassen werden, in eine Ans- spräche über das Wahlrecht jetzt einzutreten. Wir halte» an den ge- troftenen Vereinbarungen fest, daß diese Frage erst später erörtert werden soll. Herzog zu Trachendcrg: Auch die neue Fraktion hat beschlossen. von einer Besprechung der Wahlrechtsvorlage zurzeit abzusehen und dies« Erörterung auf eine spätere Zeit zu verschieben. B-szepräsident des Staatsministerium» Dr. Friedberg: Nach. dem die großen Fraktionen de« Hercenhaufe» übereingekommen sind, die Diskussion über die Wahlrecktsvorlagc jetzt nicht statt- rinden zu lassen, hält sich auch die töniglick»« StaaiSregierung an dieses Abkominen für gebunden und wird auch ihrerseits das Wort zu der Rede des Grafen Posadowsky nicht nehmen und das,»vaS sie zu sagen hat, auf eine spätere Zeit veotagcu. W'l einem Wort will ich nur ein Mißverständnis auf- klären. daS dem'Grafen Posadowskb unterlaufen ist. Ick- habe nicht in meiner gestrigen Rode erklärt, daß e» notwendig sei, Fackiminister dirrch Parlamentarier zu ersetzen. Fachininisterien müssen durch Fachminister geleitei werden. Graf Pork von Wartenburg bespricht die poln'sche Frage und die Verhäl-tnisse in Cberschlesicn. Sammerherr von Oldenburg-Fanuschau: Tie Auiorität der preußischen Minister iit darin begründet, daß sie Mlnistsc de» Königs sind. Minister, die-Bertretcr bestunmter varlamenlarischcr Richtungen sind oder Herren, die die Passion haben, nach Damaskus zu gehen fHeiterkeit). können nicht Anspruch erheben auf den Respekt, den jeder preußische Untertan jedem Minister zu zollen gewohnt ist. Wir kommen jetzt in eine Situakioi», bei der e» um Kopf und Kragen für Preußen gehen kann. Ich hatte inich aber zum Wort gemeldet in einer Sache, V Ä'v.1 aewaftig ernst halte: Das ist der Schluß des Erlasses deS Ministers des Innern an die Beamten, der dahin geht, daß e-eine Majestät der König sich den breiten Volksmassen gegenüber verbindlich gemocht hätte.(M-t stark erhobener Stimme): Herr Minister! Ich habe öfter erlebt, daß die Elemente, die dauernd aeneigt sind, an dem Purviirmantel de« Königs und Kaisers zu zerren in dem Gedanken: Fällt der Mantel, so fällt der Herzog nach, daß die m:r Konigsworten operiert haben. Daß aber ein Mi- n i st e r da? in dieser Form tut. habe ich noch nicht erlebt. Bismarck bat immer vor dem Konrg gestanden, aber sich nicht mit dessen Au- torität gedeckt,-selbstverständlich bekommt jeder Preüßc einen Ruck, wenn sein Konig gesprochen hat. aber das enthebt uns nicht der Verpflichtung, nach unserer Ueberzeuguna zu handeln.«Bravo!) Möge der Minister erwägen, in welche Situation et unsere Roha- listen mit seinem Erlaß gebracht hat.(Beifall.) Minister des Innern Dr. Drews: Die Bedeutung der St-aatsmsiiister beruht allerdings darauf. daß sie nach eigener Ueberzeugung handeln und nicht auf Befehle von außen hin. In diesem sinne habe ich mein Amt übernom- meg.. Nach dem Streit im Februar dieses Jahres wurde die Meinung kolportiert, daß es setzt au der Zeit sei. das, was vorhin über die Einbringung deZ gleichen Wahlrechts gesagt worden war. nickt medr gelten zu lassen. Diesen Gerüchten gegenüber hielt ick- mich als Minister des König? für verpflichtet, im Jnter. eise des Königs entgegenzutreten und meinen politischen Be. amten. die die Politik der Staatsregierung zu vertreten haben. daz mit aller Bestimmtheit zum Ausdruck zu bringen. Dies Ee- 1 rächt ist falsch. eS bleibt Lei dem, was gesagt wurde.- Wenn ich dann zum Schluß gesagt habe: Jeder politische Beamte muß sich dessen bewußt sein, daß die Politik, die gemacht wird, die Politik des Königs von Preußen ist, so st i m m t das durchaus mit de n p r e u ß i s ch e n T r a d i t i o n e n ü b e r e i n, und mit dem, was Bismarck im Jahre>852 im Reichstag zur Rechtfertigung seine? Beaintenerlasfes gesagt hat. Denen gegenüber, die Bis- marck damals vorwarien. er hätte sich hinter der Person des Königs versteckt,� hat er deutlich genug geantwortet. In, übrigen war»> der Botschaft vom Zl. Juli nicht einfach nur gesagt, eS solle eine Vorlage gemacht werden wie andere Vorlagen, und wenn sie ab- gelehnt ist. sieht man. wie man sonst weiter kommt. Nach der Zeit und den Umständen, unter denen diese Botschaft damals in einer für unser Waterland ernsten und unruhevollen Zeit erlassen worden»st, geht hervor, daß diese Vorlage mit allen ver- s a s s u n g s in ä ß! g e n. der R e g i er n n g zu Gebote stehenden Mitteln vertreten werden sollte. Sa tvar die Bot- schaft gemeint, so ist sie aufgefaßt worden.«Widerspruch.) Wenn Zweifel darüber beständen, daß das, was mit der Botschaft g-c- meint war, mich tatsächlich zur Ausführung kommen würde, so müßte das die unheilvollsten Folgen haben, nicht bloß für die augenblickliche Konstellation oder für die Regierung— die könnte ja verschwinden—, sondern eJ würde später das Gerücht im Lande umgehen: WaS vom König gesagt worden ist, ist nicht ausgeführt worden. Diesen Vorwurf mußte ick vom König fernhalten, ich mußte ver- hindern, daß«in Keil zwischen König und Volk getrieben wurde, woraus später schwere Schädigungen für daS Königtum eintreien könnten. Ich habe all? mit dem Erlaß nur meine Pflicht getan. Tie polnischen Bestrebiingen auf Losreißuiig von Teilen Preußens verfolgen wir mit größtem Ernst. Mit de» Polen, welche diesen Tendenzen huldigen, wird die preußische Regierung niemals Frieden machen können. Wenn unsere Polen nicht dafür Sorge tragen, daß diese Tendenzen, zurückgedrängt werden inner« halb der preußischen Grenzen, werden sie sich-die Folgen selbst zu- zuschreiben haben.«Bravo!) Dr. Hillebrand-BreSlau: Ter Erlaß des Minister» gegen die Vaterlan-dSpartei fiel wie ein Mehltau auf die freudigen Schapen, die von allen Seiten der Vaterlandipartei zuströmten. GewerkschaftSsekretär Stege rwald: DaS gleiche Wahlrecht ist auch möglich ohne Wassenhmsckast und parlamentarisches System. Die parlamentarischen Systeme des Auslands wollen wir uns nicht zum Muster nehmen. Ich wünsche, daß das Herrenhaus die Wabl- rechtsvorlag« aus dem Bereich der Halbheiten und taktischen Winkel- züge heraus zu einem großen staatsmännischen Werk a-nS einem Guß gestaltet. Oberbürgermeister Wermnih-Berlin: Die WahlrechtSftage soll zunächst im Ausschuß und erst dann hier besprochen werden. Nun ist unerwarteterweise eine Aussprach: schon jetzt entbrannt. Ich will mich daran nur in einem Punkte beteiligen. ES darf nicht die Meinung aufkommen. alZ ob e-S die Ansicht de« Hausei wäre, daß der allerhöchste Erlaß vom IL. Juli tvl? nichts andere« gewoll! habe, als die Ei-nbrinaung einer Vorlag« über das gleiche Wahlrecht, und daß er damit erfüllt sei. DaS Volk hat mit großem Ver- trauen die königliche Zusage dankbar entgegengenommen, daß schon die nächitcn Wahlen zum Abgeordnetenl>ause unter dem gleichen Wahlrecht stattfinden werden. Bei dem Erlaß handele es sieh also nicht um die Ankündigung einer parlamentarischen Aktion, sondern um einen Akt von entscheidender Bedeutung. Als volitische Tat de-Z Monarchen sieht die Zusage im Gedächtnis deS Volkes. Eine solche Tat zn solcher Zeit geschehen-, wie-der versinken zu lassen, ist unmöglich.«Beifall.) v. Buch: Di« Osterbotsckmlt verhieß da» geheime und direkte Wahlrecht, die Iulibatschaft da» gleich«. An diesem Unterschied ist festzuhalten. Ter Monarch kann nur versprechen di« Ausarbeitung und Einbringung einer Vorlage, welche Schritte weiter erfolgen, muß von her politischen Entwicklung abhängen und von dem Ergebnis der Beratungen der berufenen Vertretungen deö Volke?.«Sebr richtig!) v. Oldenburg: Tie Ausführungen de» Ministers stehen im Widerspruch zur preußischen Verfassung und zur preußischen Tradi- tion. Ich halte diesen Gestensatz zwischen un? für unüberbrückbar und lehne e» ab. daraus einzugeben. Donnerktag 12 Uhr: Kleine Vorlagen. Erat, ßleschäftliche Behandlung der WahlrechtSvorlag«.— Schluß H8 Uhr. Stsuerarbeit im Reichstag. 1SZ. Sitzung. Mittwoch, 10. Juli, nachmittags 1 Uhr. Am BundeSratstifche: Graf Roedern. Di« Fortsetzung der Steuerdebatte beginnt beim Gesetzentwurf zur Sleuderung des ReichSstempelgesetzes. § 1 setzt den Stempel bei Errichtung von Gesellssiasten auf 5 Proz. fest. , Abg. Bernstein(U Soz.): Wir lehnen auch diese» Gesetz au» volkswirtschaftlichen Gründen ab. e» muß den Verkehr übermäßig belasten: gerade für die solide» Gesellschaften ist der vorgeschlagene Stempel zu hoch, bei ihnen beträgt der gesamte A-Ivinn oft kaum 5 Proz. Soweit e» si» um Kapital- abgaben handelt, behalten wir uns die Stellungnahme in jedem einzelnen Falle vor und werden ev. Anträge aus Erhöhung stellen. Z 1 wird angenommen. De» Ninsaystempel bei Börsengeschäften Hot der Ausschuß auf 2 vom 1000 festgesetzt, sür die Kriegtdauer auf b vom 1000. Ein Kouipromißmitrag will ihn auf 3 vom 1000 festsetze» und den Bundesrat ermächiigen. ihn auf 4 vom 1000 zu erhöhen und auf 2 vom 1000 zu ermäßigen. Abg. Keil(Soz.j: Dem Kompromißanirag stimmen wir zu. Wir verkennen die Volkswirt, chaftliche Bedeutung der Börse keines- wegS, aber solange die Besitzsteuerquellen nicht erschöpft sind, sann man uns als Vertreter der breiten Volksmassen nicht zumuten, die Interessen der Börscnkreise schützen zu helfen. Es bandelt sich »n um Schichten, die die Not des Krieges noch nicht am eigenen Leibe spuren, dafür aber b-steisterte Anhänger überspannter Krieg». ziele»nd.(-sehr ivabrl bei den Sozialdemokraten.) D a s T r« i. hen an d er Börse zeigt, daß die KriegSgewinn» steu er noch lange nicht scharf genug wirk!. Wir glauben zwar nicht, daß durch eine Steuer die SpekulationSwut eingedämmt werden kann: wenn e» aber die Kriegsgewinnler nach diesen Börsengeschäften gelüstet, so liegt kein Grund vor, sie nicht scharf zu besteuern. Nach weitere» Bemerkungen der Abgg. Pfleger(Z.). Dave (Vp.l. Zimmermann lnall.), Brockhausen(k.). War- muth D. F.>. Bernstein(U. Soz.). Rießer(natl.) wird der Komprom ißantrast angenommen. Abg. Keil(Toz.j besürworttt bei der Dividendensteuer und der Taiitiemenstcuer sür AufsichtZräte eine starker« Staffelung und höhere Sätze. Staalssekretär Graf Reedern bittet, es bei den von der Kom- missic-n beschlosienen Sätzen zu belassen. Abg. Bernstein«U. Soz.> erklärt sich ebenfalls für den Antrag. Ter Antrag wird abge>ehnt. Abg David(Soz.) begründet einen Antrao. das Einkommen ans F> d e i k o m m i f s e n-benfall« mu 20 Proz. zu besteuern. Für die besondere Schonung des landwirtschaftlichen Einkommen? liegt kein Grund vor. An den Fi-Seikcmmissen vorbeizugehen, sei um so weniger gerechtfertigt, als die Fideikommißbesitzer �amt und sonders Kriegsgewinnler feien. Abg. Wolvstri»n beiden Teilen durch Hammel» spruitg mit 102 gegen 117 resp. mit>50 gegen 128 Stimmen ang> nommcn: damit ist der Antrag Antrick erledigt. Der Rest deS Gesetzes wird angenommen. Der Entwurf zur Aendcrung des Wechselstempelgesehe? ist vom ?lusschuß unverändert gelassen; er wird dedatielo? angenommen._ Ten Entwurf über die K r i c g S ste u e r d er Ge s e l l s ch a f- tcn hat der Ausschuß umgeändert in ein Gesetz über eine ausicrordcntliche Kritgsabgasie für IlUfy wobei auch für die einmalige Kriegk-abgabe der Einzelpersonen be- sondere Bestimmungen getroffen sind. Abg. Bernstein«U. Soz,) begründet einen Antrag, da? gesamie Mehreinkommen als Kricgsgewinn im Jahre 1013 wegzusteuern. Der Antrag wird abgelehnt., Die Abgabe vom Mehreiniommen betragt für die ersten 10 000 M. 5 Proz. und steigt für über 100 000 M, bis auf 80 Proz. Abg. Bernstein(1l. Soz.) begründet einen Antrag, diel- Sätze zu erhöhen, und ebenso einen Antrag, die Kriegsabgabe vom Vermögen, die für die erste» 200 000 M> 1 vom 1000, für- über eme Million b vom 1000 beträgt, zu erhöhen. � Der Antrag wird gegen die Stimmen der U. Soz. und Soz, abgelehnt. � Tie Kriegsabgabe der Gesellschaften betrag- 80 Proz. Ein Antrag Albrecht«tl. Soz.) will dafür 80 Proz. setzen. Abg. Keil lSoz.): Obwohl e? angebracht wäre, d'e Gesellschaften höher zu besteueren, können wir diesem Antrag nicht zustimmen, denn im vorigen. Jahr beim SicherungZgeseß hat man die Ge- sellschaften nicht zu höb-wen Rücklagen verpflichtet. Der 30 Proz. übersteigende Gelbinn ist also bereit? aubge schüttet. � Abg. Bernstein(U. Sog.): Es handelt sich um sehr kavstalS- kräftige Gesellschaften, die trotz der Ausschüttung dieses Gewinnes die Steuer recht gut zu zahlen vermögen., Der Antrag Antrick wird gegen die Stimmen der II. Soz. abgelehnt.. �. Die übrigen Bestimmungen des Gesetzes werden nach den Be- fchlüssen der Kommisston angenommen. Hierauf vertagt»aS Haus die Beratung der anderen Steuer- gesetze aus Donnerstag, 2 Uhr. Schluß 7'/z Uhr. Der elfWfche Bn�eütungsjkanüal. Protest der ReichStagSparteien. Der Haushaltsausschuß setzte am Mittwoch die Verhandlungen über die..Sandgesellscgaft Weslmark" fort. Abg. Emme l i Soz.) stellt fest, daß der Straßbur-zer Burger- meister Schwander mit den beabsichtigten Maßnahmen nicht«-in- verstanden ist. Gegen die Verwendung der ljguidierten(sumr im nationalen Interesse ist nichts einzuwenden, aber in d.e Art der Ausführungen muß die elsaß-tothringische Volksvertretung oe- stiniinend eingreifen können. Mit polnischen Methoden erreicht man in den Reichslanden nin>ls. Ein Antrag des Zentrums will, daß süddeutsche, rheimiche und reichSländische Interessenten die Mehrheit des Stammkapitals erhalten. Im AufsichtSrat sollen auch Vertreter des R-ichetazs und des elsoß-lothringischen Landtags sitzen. Dem Reichstag soll. regelmäßig Rechenschajt abgelegt werden. Vel der Ansiedelung sollen vorwiegend süddeutsche Ansiedler, unter Wahrung de! kon» fessionellcn Besitzstandes, bevorzugt werden.— Von Rednern der verschiedensten Parteien wurde der AnsicdelungSplan lebhaft kriti» siert. Abg. Licsching(Vp.) betonte besonders, daß in der npuen Landgesellschaft die Streife den maßgebenden Einfluß haben, die der VaterlandSpartci nahestehen. Als national zuverlässig gelten offenbar mir Leute, die a u f d e m S o d e n d c r B a t e r l a n d S- parte» stehen. Tic ganze Sache ist wieder einmal im Großen Hauptquartier ausgeheckt worden und die Regierung soll diesen bedenklichen Plan nun vertreten.— Rur der Redner der Konservativen, Gras E a_ Y..._v I 1 1 l Y.*> � r T-'i yy TS V. � vi I w—..-*.4-�1 I p w_ Lohnerhöhungen in den städtischen Irrenanstalten. Eine harte Geduldsprobe hatten die Ardeiter und Angestellten der städtischen Jrrenpflegeanstalten zu bestehen, bis ihnen endlich die so notwendige Lohnzulage bewilligt wurde. Im Oktober vori- gen Jahres wurden die Anträge der Arbeiter mtd Handwerker, und im November die des Haus- und Pflegepersonals der Deputation übermittelt. Kurz daraus erhielten die Gutsarbeiter eine Zulage von 30 M., die Handwerker eine solche von 12 M. pro Monat. Das Pflegepersonal ging bei dieser Lohnerhöhung völlig leer aus, während das Hausi unv Küchenpcrsonal Zulagen von 3 bis 5 M. monatlich erhielt. Die Teuerung war leider so drückend, und die gewährten Zulagen so unzureichend, daß auf Beschluß einer Protest- Versammlung im Januar dieses Jahres die Anträge dem Ma- gistrat direkt zugestellt wurden. Monate vergingen. Es wurde verhandelt, beraten, aber nichts bewilligt. Das Personal wurde wegen ber Verzögerung ungeduldig, es drohten Alibeitsniederlegun- gen auszubrechen, man beschloß, sich an den Kriegsausschuß zu wenden. Jetzt endlich teilte die Deputation für die städtische Jrrenpflege dem Bureau des Gemeindearbeiterverbandes mit, daß mst rückwirkender Kraft vom 1. April dieses Jahres folgende Lohn- erhöhungcn für die Jrrenstation bewilligt sind: Guts- und Feldarbeiier(außer Wnhlgarten) 1,10 M. pro Tag; Arbeiter und Handwerker 50 M. pro Monat; Pilcger 30 M. monatlich, Pflegerinnen, männliches und weibliches Haus- und Küchenpersonal 9 M. pro Monat. Damst ist, abgesehen von der Zulage an die Gutsarbeiter, so ziemlich das bewilligt, was im Oktober resp. November gefordert worden ist. Weshalb gmade die G llsarbeiter von Wuhlgartcn, deren Tagelohn vor einem Jahre von 4 aus 5 M. erhöht worden ist. bei dieser Lohnaufbesserung ausgeschlossen bleiben sollen, ist nicht recht einzusehen._ Die Bureauhilfsarbeiter und Hilfsarbeiterinnen der Stadt Neuköllu beschäftigten sich in einer zahlreich besuchten Versammlung mit ihren jetzigen Gehaltsverhältinssen. Krüger vom Verband der Lureauangestellten wies daraus hin, daß die den Hilsoarbeuern zurzeit gezahlten Gehälter in stbreiendem Mißverhältnis stehen zu der wirtschaftlichen Teuerung. Nach einer Statistik, �die am I. Juni d. I. aufgenommen wurde, erhalten von 107 männlichen HilsS- arbcilern 5 ein Monatsgehalt bis 150 M. und 56 ein solches zwischen 150—200 M. Die Gehälisr schwanken überhaupt zwischen 96 bis L75 M. pro Monar. Dabei sind von diesen Hilisarbeitern nur 2 im Alter bis zu 13 Jahren, 2 sind über 18—21 Jahre alt, 4 über 21—25 Jahre alt und 99 über 25 Jahre all. Zwei verheiratete Hilfsarbeiter erhalten 130 M., einer 160 M., neun 170� M., 80 erhalten 180 M. usw. Von 305 Hilfsarbeiterinnen erhielten 82 ein Gehalt bis 100 M.. 199 ein solches über 100—150 M. und der Rest von 74 ein Gehalt zwischen 150—200 M. Bei einer im Februar dieses Jahres vorgenommeneii Ausbeffernng, die in den angeuchrten Gehältern beteils einholten ist, wurde im allgemeinen nur eine Ausbesserung um etwa 10 M. pro Monat gewährt, während verschiedene HilfSkräile überhaupt nichts erhielten." Die Bersamm- lung, in der die stärkste Unzufriedenheit zum Ausdruck kam, beauf- tragte die Verbandsleitung, dem Magistrat Neukölln folgende Forderungen zu unterbreiten: Ausbesserung der Gehälter um 40 M. monatlich für Aiigssicllle unter 18 Jahren und 50 M. monatlich iür solche über 13 Jahre», ferner für die Verheirateten Gewährung einer monatlichen Familien- beihilfe von 25 M. und für jedes Kind unter 16 Jahren 10 M. und entschieden werden sollten. Nach mehrtägigen Verhand lungen ivurde mit 13 gegen 13 Stimmen beschlossen, entgegen der Regierungsvorlage die Arbeitskammern räum- lich und nicht fachlich abzugrenzen. Mit dieser Stimmenzahl kommt jedoch nicht die volle Mehrheit der Kom- Mission zur Geltung, die für die erstere Art des Ausbaues der Arbeitskammern ist. Es lag ein Antrag der nationalliberalen Kommissionsmitglieder vor, nach denr neben den räumlich be- grenzten Arbeit-rammern da, wo sich das Bedürfnis nach dein Stande der gewerblichen Entwicklung ergibt, sachliche Kammern errichtet werden sollten. Da der Antrag der Gewerkschaftsver Uinstand zu danken, daß es nicht gelang, die Angestellten- organisationen auf eine einheitliche Forderung zu vereinigen. Wenn dies bis zum Herbst gelingen sollte, würde sich wahr- scheinlich eine Mehrheit in der Kommission dafür finden, auch die Angestellten in den Geltungsbereich des Arbeitskammer- gcsctzes einzubeziehen. Tie Kommission hat, immer entgegen den Wünschen der Regierungsvertreter, weiterhin beschlossen, daß die im Hilfs- dienstgesetz enthaltenen Vorschriften über die Arbeiteraus- s ch ü s s e in das Arbeitskammergesetz aufgenommen werden sollen. Tie in der Regierungsvorlage enthaltenen Vorschriften, trcter solche nicht vorsah, sondern nur fachliche Abteilungen in! daß für die DerkehrSanstalten des Reiches und der Bundesstaaten den allgemeinen Arbeitskammern forderte, so stinimten die � die Arbeiterausschüsse die Arbeitskammern bilden sollen, wurden Unterzeichner des oben genannten Antrages zunächst gegen die! von der Kommission nicht angenommen, sondern bestimmt, daß räumliche Begrenzung der Arbeitskammern, anderenfalls wäre j auch �hier� Arbeitskammern zu errichten sind, für die sinngemäß die Mehrheit für diese wahrscheinlich um 4 Stimmen größer ge-' Wesen. Der Regierungsvertreter nahm schon nach diesen; Be- schluß Veranlassung zu erklären, daß ein so gestaltetes Arbeits- kanimergesctz die Zustimmung der Verbündeten Regierungen kaum finden werde. Da der Reichstag und seine Kommissionen nicht dazu da sind, einfach die Vorlagen der Verbündeten Regierungen anzu- nehmen, sondern die Aufgabe haben, sie so gestalten, wie es| ihre öffentlich-rechtliche Vertretung erhalten, den Anforderungen nach ihrer Meinung den Interessen der in Frage kommenden; der Arbeiterschaft entsprechen. Der Staatssekretär hat am Bevölkerungsschichten dient, so nahm die Kommission von der! Schluß der Verhandlungen der Kommission noch einmal betont. Erklärung Kenntnis, ohne sie des weiteren zu erörtern. Sie daß nach den gefaßten Beschlüssen eine Verständigung mit den die Wahlvorschriften des Gesetzes zu gelten haben. Ferner wurde beschlossen, daß zur Beratung der die Gesamtheit der Ar- beiterschaft berührenden Fragen die Fachkammern zur allgemeinen Arbeitskammer Vertreter zu entsenden haben. Diesen Beschlüssen der Kommission entsprechend, soll der Unterausschuß den Gesetzentwurf gestalten. Er würde, abge- sehen davon, daß die Angestellten durch ihn nicht gleichzeitig beschloß, ihre Verhandlungen abzubrechen und den Fraktionen Bericht zu erstatten. Ein Antrag, einen Bericht dem Plenum des Reichstags zu geben und dessen Entscheidung anzn- rufen, fand keine Mehrheit in der Kommission. Es wäre meines Wissens ein solcher Beschluß auch eine Neuheit in der Geschichte des Reichstages gewesen, wenngleich er durchaus der Meinung der Kommission entsprochen hätte. Tie sozialdemokratische Reichstagsfraktion wurde sich dahin schlüssig, ihre V e r- trcter aus der Arbcitsk am m e r g e s e tz k o m- Mission zurückzuziehen, falls die anderen Fraktionen ihre Beauftragten verpflichten würden, den Anforderungen der Regierung zu entsprechen. Dieie gingen dahin, daß Fach- kammern zu errichten seien und der Teil der Arbeiterschaft, der in diese nicht einbezogen würde, in allgemernm Ärbeitskammern vereinigt werden sollte. Ein entsprechender Antrag, der sich Verbündeten Regierungen kaum zu erreichen sein wird und der Unterausschuß vielleicht- vergeblich seine Arbeit leistet. Diese Erklärung wurde von der Kommission ohne weitere Erörterung entgegengenommen. Ter Unterausschuß wird seine Arbeiten erledigen. Läßt die preußische Regierung an verhältnismäßig nebensächlichen Fragen den Gesetzentwurf über die Arbeits- kammern zum dritten Male scheitern, so mag sie tun. Die Arbeiterschaft hat in den gewerkschaftlichen Organisationen zwar nickt eine öffentlich-rechtliche, aber eine ihren wirtschaftlichen Interessen dienende Vertretung. Die Ablehnung eines den An- sprüchen der Arbeitnehmer genügenden Gesetzes seitens der Re- dahin, daß Fach- gicrung kann nur dazu beitragen, diese wirtschaftlichen Organi- ' sationen zu stärken und erneut den Beweis zu liefern, daß das Arbeitskanmiergesctz um zwei Jahrzehntc zu spät dem Reichstage vorgelegt worden ist. E. Legten. parteinachrichten. Zu Noskcs 50. Geburtstag schreibt Ernü Seilmann in der Chemnitzer„Volksstimme" einen warmen Glückwunsch:„So frei wie von jeder Euelkeit sind Sie von jeder falschen Bescheidenheit und jeder Selbsrunterichädung. Sie wissen, daß Sie einen tüchtigen Lebensweg zurückgelegt haben und von unten her zu bedeutender Höbe aufgestiegen sind. Dem jungen Korbmacherlehrling in Brandenburg, der unter dem Sozia- listengeseö von den damals noch eifrig ,chnapstrinkenden Arbeits- kollegen die ersten Begriffe tes Sozialismus vermittelt bekam, noch recht unklare und gewalttätige Vorstellunaeu, dem bat es niemand gesungen, daß er dreißig Jahre danach einer der be- kanntesten und bei Freund und Feind geachtetsten Wortführer einer straff organisierten� Arbeiterklasse sein würde, die eine immer größere Rolle im Staatslcben beansprucht und spielt. Von der ersten Anstellung in der Arbeiterbewegung, da Sie für 100 M. im Monat das damals noch kleine Parteiblatt in Brandenburg schrei- den und drucken und versenden balfen. fübrt eine kühne Bahn aufwärts über die Königsbergcr Redaktionsstellung zur Leitung der Chemnitzer„Bolksstimme"." Aus den Organisationen. Auf der Generalversammlung des Wahlvercins Hanau-Gcln- hausen-Orb leitete Genope Rasch die Verhandlungen m:: dem Geichäftsbericht ein. Er wies aus den rücksichtslos wüsten Kamps der Unabhängigen hin, und betonte die Notwendigkeit einer guten geldlichen Rüstung. Die beantragte Beitragserhöhung auf 60 bzw. 30 Pf. im Monat wird angenommen. Genosse Hoch berichtete über die politische Lage. Nicht nur in unserer Fraktion, sondern auch im Reichstag haben in den letzten Wochen lebhafte Verhand- lungen stattgefunden. Sie fanden ihren Ausdruck in der Rede, die Genosse Tcheidcmann am Mittwoch im Reichstag gehalten hat. Wir haben in der Fraktion nicht zuvor darüber gcsprocben. Wir mußten in der Fraktion Stellung nebmcn zu der neuen Fünfzehnmilliarden- Forderung, zu den neuen Steuern und dem rumänischen Friedens- vertrag. Schärfste Erbitterung ist in der gesamten Bevölkerung über daS herrschende Ausbeutungsshstem, sowie über das Treiben der Kriegspartei hervorgetreten. Wir verlangen klare Friedens- Verhandlungen. Die Zeit ist günstig dazu, und wir Sozialdemokra- ten müssen alleS daransetzen— und wenn es hundertmal gegen den Willen der Kriegspartei geht—, den Frieden zu erzwingen. Die neuen Kriegskredite wurden in der Fraktion mit 25 gegen 24 Stimmen angenommen. Meine ab- lehnende Haltung kennen Sie ja. Die Mehrzahl unserer Ge- nassen erklärt, wir müßten uns den Feind vom Halse halten, das liege im Interesse des gesamten Volkes. Auf dem Gebiete der LebenSmittelPersorgung und Teuerung spitzen sick die Verhältnisse von Tag zu Tag ionuer mehr zu. Soweit die Steuern in Frage kommen, treten wir in der Fraktion für die Besitzsteuer und Champagncrsteuer ein, lehnen aber alle übrigen Stcuerarten ab. In der Rede Scheidemanns ist die Gesamtmeinung der Fraktion zum Ausdruck gekommen. Die Generalversammlung der Sozialdemokratischen Vereins für den Wahlkreis Hrnord-Halle fand am 7. Juli in Herford statt. Genosse Schlüter erstattete den Bericht des Vorstandes, aus dem hervorging,?atz hauptiächüch in den Ortsgruppen Herford und Friedenstal ein Fortschritt erzielt worden sei. Hier seien über 200 Mitglieder dem Verein gewonnen worden. Von 1592 Mit- gliedern sind 1158 einberufen, so daß noch 434 vorhanden seien. In den übrigen Städten und Orten haben die noch vorhandenen Ge- nassen leider nicht ibr möglickstez getan. Diese Lauheit müsse fallen, wollten wir bei der LerndtagSwahl, die hoffentlich bald komme, gut abschneiden. Das Kasscnwesen müsse ebenfalls besser werden.— Ter Kreisvorstand wird ermächtigt, die einleitenden Schritte zu einem geschlossenen Landtagswahlkamps für das freie Wahlrecht mit den anderen Parteien zu tun. ?nöustrie unö Handel. Die Börscnsteuer. Die Abwehraktion der Böcsenleule hat ihre Wirkung nicht der« fehlt. Es ist beschlossen worden, den vorgeschlagenen Satz für den Äaui von Aktien von 5 auf das Tausend des ausmachenden Kurswertes während des Krieges aus 3 auf das Tausend herabzusetzen. Dagegen soll nach den bisherigen DiSposinonen der in Aussicht ge« nommene Friedenssatz von 2 aus das Tarnend beibehalten werden. Ter Bundesrat soll die Verechligung erhallen, den erHöhlen Kriegs- iatz um 4 vom Tausend zu erhöhen oder ihn zu ermäßigen, je nach dem Stande der Spelulalion. Wenn man auch, wie bei jeder Steuer, hier davon ausgehen muß, daß dle Steuer nichl so hoch sein darf, daß sie das Slenerobjekl erdrossclr. so würde doch die rege Sveknlatton eine ziemlich hohe Besteuerung rechtfertigen. Es ist nicht anzunehmen, daß sich die Spekulanten so leicht abschrecken lassen. Nicht wenige Banken und Bankiers haben bis zur Ein- ffihrung des Einheilsturses im Dezember vorigen Jahres das kauf- wütige Publikum dlirch Kursschnitt geschädigt, ohne dadurch erheb- lich an Kunden zu verlieren. Es ist geradezu eine Sünde, daß die Böriensteuer erst jetzt erHöhr wird, da viele Unternehmen eine Stabilisierung der Dividende anstreben und dadurch einer lebhaften Kursbewegung wenigstens etwas vorbeugen. Tie Eruteaussichteu. Die Urteile über die Felder lauten fast von überall her wesent- lich hoffnungsvoller und auch das Heu, dessen ersten Schnitt die Regensälle zum Teil noch aus den Feldern trafen, dürste nrcht allzu schwer geschädigl sein. Für das Wachstum des zweiten Schnittes konnte man sich eine bessere Vorbereitung ja nichl denken, als es die gründliche Durchfeuchtung der letzten Wochen war. Von der- schiedeneu Seiten wird dem Bundesrat jetzt nahegelegt, aus der neuen Ernte das Hinterkorn dem Erzeuger zu belassen, oder doS Getreide schwächer, vielleicht auf 85 Proz. ausmahlen zu lassen und dem Landwirte die Kleie zurückzugeben. Es darf aber nicht ver- kannt werden, daß die Reinigung des Getreides, die zur Absonde- rung des Hinterkorns notwendig ist. ein sehr dehnbarer Begriff ist und daß sich bei einer solchen grobe Mißbrauche kaum verhüten lasten würden. Ueber die Ausmablungsgrenze aber zu bestimmen. ehe das Getreide in der Scheuer ist. dürfte den Behörden als Leicht- sinn erscheinen. Ten Feldern Oesterreichs und Ungarns ,st die Regen- Periode ebenfalls zuguie gekommen, jedoch scheint es für die von der österreichischen Presse verbreiteten Ernlcschätzung von 45 Millionen Doppelzentner Weizen, Roggen und Gerste in Oesterreich(die Schätzung von 60 Millionen Doppclzentner für Ungarn wurde jüngst schon erwähnt) noch etwas sehr früh; aus zweien der wich- tigsten Anbaugebiete, Böhmen und Mähren, liegen übrigens Klagen vor, daß die Folgen der Frühjahrsdürre durch die späteren Regen- fälle nicht mehr voll hätten ausgeglichen werden können. Aus Rumänien und Beßarabien kommen keine guten Nachrichten; dort hat die Dürre viele Hoffnungen zerstört. EwgTgangene Druckschristen. Hanseatische Rechts-Zcltichrist, 1. Jabrganq, Nummer 9, er- scheint uionatlich, Preis: vierleljährlich 6 M., Verlag von Veit u. Co., Leipzig, Ter Krieg 1914-18 in Wort und Bild. Wochenschrift. Seit 183 bis 186, Preis: 40 Pf„ Deutsches VcrlagShauS Bong u. Co., Wien-Stuttgart, Berlm-Leipzig. Verantwortl. f. Polittl: Dr. Srniu Ticdcrl«. Berlin-Frievenau: für b. übrigen Teil des Plattes:«tsrrd Schölt. Neulelln:'iir Anzeigen: Tdcob-r GI-ikc, Berlin. Terlllg:-eto: Würts-Bertag(v.!N. 0. H.. Berlin. Droit: Borworts-Buchbru-lerei und Verlagsanstatr Paul Singer u. Co. in Berlin. Lmdenstrotze 3. Hier»» 1 Beilage»IN, Umcrdalisugsbt-tt.