Verlinev Volksblnkl. der fozia Idem okrati fehen Partei Deutfchlands. (lOPfennta) Anzeigenpreis: »le(leSenBefpaUeneftotonttücCeruflrt 80$fe.»Kletne Anzeigen", da» . leltgedruckle Wort so P!g.(zulässig S settgedruckte Worte), jede» weiter« Wort 1b Pfg, Stellengesuche und ßchlasstellcnanzeigen da» erste Wart 20 Pfg,. jede» weitere Wort tv Psg. Worte über IS Luchstaben zählen sür zwei Worte, Teuerungszuschlag 20°/«, Familien-Anzcigen, volltische und Sewerlschastliche Verein«- tinzeiaen 0 Psg die geile, Anzeigen sür die nächste Nummer müssen bt» 5 Uhr nachmittags im Hauptgeschäft, Lerlm KW,KS, Lindenstratze 3, abtegeben werden. Geöffnet von S Uhr früh bi» 7 Uhr abend». Rebaktion: EW. t$, Liaöeastraße Z. Fernsprecher: Amt Morttrvlat,, Ar. ISl, SV— 151 97. Freitag, de« 1Ä Juli 1V18. Expeöttion: Sw. öS, ilinöenstraße Z. Fernsprecher: Amt Mortnvlatz, Ar. 15199—15197. Kr. 189. 35. Jahrg. Bezugspreis: Bierteljährt. gewundene Erklärungen zu über- kleistern. Graf Hertling vertritt die These, daß der Vernich- t u n g s w i l l e der Gegner noch ungebrochen ist. Es muß er- laubt sein, auf den inneren Widerspruch hinzuweisen, der darin liegt, daß man auf der einen Seite, wie vorgestern noch Herr Friedberg im Herrenhause, behauptet, der Gegner pfeife schon auf dem letzten Loch, auf der anderen aber— in den letzten Tagen des vierten Kriegsjahres— sein Vernichtungswille sei noch ungebrochen. Wir glauben, daß die Gegner nicht mehr weit davon entfernt sind, von der militärischen Unüberwind- lichkeit des deutschen Volkes überzeugt zu sein, daß sie aber noch recht weit davon entfernt sind, einem Frieden zuzustimmen, wie er unseren Machtpolitikern vorschwebt. Darum glauben wir an die Möglichkeit, die Wiederkehr des Friedens durch die Anwendung politischer Mittel zu beschleunigen unter der Vor- aussetzrmg, daß der Verzicht auf machtpolitische Erweiterungs- ziele ebenso deutlich ausgesprochen wird, wie die Entschlossenheit des deutschen Volkes, sich nicht unterkriegen zu lassen. Die Rede des Grafen Hertling konnte unter den gegebenen Umständen diese Klarheit nicht bringen, denn zu diesem Zweck hätte der Reichskanzler noch viel weiter gehen müssen als Kühlmann in jener Rede, wegen der er davongejagt worden ist. Er hat von einer loyalen Durchführung des Brester Friedens gesprochen, ist aber von Scheidemann gleich auf die V o r g ä n g e inEstlandundLivland festgenagelt worden— ganz ab- gesehen davon, daß uns nicht die„loyale Durchführung", sondern nur der Abbau der Brester Verträge dem wirklichen Frieden in Ost und West bald näher bringen könnte. Ueber die Kriegsziele im Westen hat sich Graf Hertling nur vertraulich geäußert. Die Gegner stehen also hier vor einem vernagelten Tor. Nun sagt Graf Hertling freilich. in Uebereinstimmung mit den anderen Faktoren:„Sobald sich auf der anderen Seite ein ernster Friedenswille be- merkbar macht, müssen wir der Sache nachgehen." Die Frage bleibt offen, ob ein„ernster Friedenswille" auf der anderen Seite erst dann als vorhanden angenommen wird, wenn sich diese andere Seite für hoffnungslos geschlagen erklärt und um gnädige Friedensbedingungen bittet. Die gesamte bürgerliche Presse beschäftigt sich mit der Frage, wie sich die sozialdemokratische Fraktion zu den neuen Kriegskrediten stellen werde. Die Fraktion hatte vor den letzten Ereignissen mit allen gegen acht Stimmen die Be- willigung der Kredite beschlossen, wird sich ober wohl mit der Angelegenheit nochmals befassen, und ihrer Beratung soll nicht vorgegriffen werden. Wir möchten dazu heute nur soviel sagen, daß die Partei nach wie vor zur Landesverteidigung steht und daß sie ihre Stellung zum gegenwärtigen Regierungskurse durch die Erklärung Scheidemanns dargetan hat, dieser R e- gierung könne sie den Etat nicht bewilligen. Wäre die Reichstagsmehrheit auf den Standpunkt zu bringen, daß sie erklärte:„Dieser Regierung bewilligen wir überhaupt keine Kredite mehr oder wir bewilligen sie nur unter diesen und diesen Bedingungen," so könnte dk Drohung mit der Kredit- ablebnung ein geeignetes Mittel sein, eine Wendung der Re- gierungsvolitik zum besseren herbeizuführen. Als Mmderheits- aktion besitzt die Kreditablehnung nur die Bedeutung eines Be- kenntnisses. das man— je nachdem— als Bekenntnis gegen die Landesverteidigung oder als Bekenntnis gegen die Reaie- runa ausfallen würde. Wie die Fraktion zur Regierung steht. hat sie schon beim Etat gesagt, und man wurde ihre Zustimmung zu den Krediten nur als eine Fortsetzung ihrer bisherigen von ihr und uns richtig gehaltenen Politik, auf keinen Fall aber als eiye Vertrauenskundgebung für die Regierung auffasten dürfen. Vielmehr wird es in dieser Beziehung bei dem verbleiben-müssen, was beim Etat gesagt worden isü * Die Sitzung. Der Sitzungssaal des Hauptausschusses bot am Donners- tag das bei wichtigen Anlässen gewohnte Bild. Die Abgeord- neten drängten sich in dichten Scharen, die Staatssekretäre hatten sich vollzählig eingefunden, begleitet von einem dichten Schwärm von Regierungsvertretern. Um Uhr stellt der Vorsitzende Abg. Ebert den Entwurf betreffend den 15. Milliarden-Kredit zur Beratung. Einleitend erklärt Vizekanzler von Pah er, der Reichskanzler werde seine Au-führeungen zum Teil vertraulich geben. Nun seien bei früheren Anlässen trotz beschlossener Vertraulichkeit Meldungen hinausgegangen, die verwirrend gewirkt hätten. Des- wegen wünsche er, daß dem vorgebeugt und alles, was der Kanzler als vertraulich erkläre, auch als vertraulich behandelt werde, also nicht in die Presie komme. Nach einer kurzen Geschäftsordnungserörterung stimmt der Hauptausschuß einem Vorschlag Erzberger zu, entsprechend dem früher geübten Versahren die Berichte über die Reden vom Regie- rungstisch von der Regierung selbst geben, die Berichte über die Reden der Abgeordneten durch die Schristsührei' prüfen zu lassen. Reichskanzler Graf v. Hertling: M. H.I Ueber die Vorkommnisse der letzten Tage sind die Herren ja bereits durch die Mitteilungen des Herrn Vizekanzlers unterrichtet. Ich habe mir trotzdem gesagt, daß möglicherweise die Herren den Wunsch hegten, daß ich selbst hier vor Ihnen erscheine und meine Stellung zu diesen Vorkommnissen offen darlegte. M. H.I Der Wechsel im StaatSfetretariat bedeutet keinen Wechsel des politischen Kurses. Die Politik des Deut. schen Reiches führt allein verantwortlich der Reichskanzler. Der Staatssekretär des Auswärtigen hat die auswärtige Politik im Auftrage, im Einvernehmen und unter der Verantwortlichkeit des Reichskanzlers zu führen. Das ist von An- fang an Grundsatz des Deutschen Reiches gewesen. Dieser Grundsatz steht auch heute fest. Meine Herren, an meinem politischen Standpunkte, wie ich ihn in meiner Rede am 29. November v. I. vor dem Plenum des Reichstags festgelegt habe, an diesem meinem Standpunkte, sowohl bezüglich der inneren wie auch bezüglich der äußeren Politik, halte ich meinerseits vollkommen fest. Daran wird sich, solange ick an dieser Stelle stehe, nichts ändern. M. H., bezüglich der inneren Politik habe ich die damals gegebenen Zusagen, soweit es an meinem Willen lag, vollkommen ein. gelöst, und ich werde dafür eintreten, daß auch die weitere Aus- führung der von mir gemachten Zusagen erfolgt und etwaige Hindernisse mit Energie überwunden werden. Was die auswärtige Politik betrifft, so habe ich meinen Stand» Punkt gleichfalls damals am 29. November deutlich markiert. Ich habe den Herren gesagt: Ich stehe auf dem Standpunkt der Kaiserlichen Antwort auf die FriedenSnote des Papstes vom 1. August v. I.; die friedensbereite Ge» sinnung, die diese Antwort beseelt hat, beseelt auch mich. Aber ich habe hinzugefügt, meine Herren, daß die friedensbereite Gesinnung nicht den Zeinden einen Freibrief geben darf zur un. absehbaren Fortsetzung des Krieges. WaS haben wir nun aber er- lebt? Während an unserer Bereitschaft, zu einem ehrenvollen Frieden die Hand zu reichen, seit Jahren gar nicht gezweifelt werden kann, haben wir bis in die letzten Tage hinein die aufreizenden Reden der feindlichen Staatsmänner gehört. Herr Wilson will den Krieg bis zur Bernich» t u n g, und was Herr B a l f o u r gesagt hat. muh jedem Deutschen wirklich die ZorneSröte in das Gesicht treiben. Wir haben doch ein Gefühl für die Ehre unseres Vaterlandes, wir können uns nicht öffentlich unausgesetzt auf diese Weise beschimpfen lassen. Und zwar steht hinter dieser Beschimpfung der Vernichtung«. Wille. Solange dieser Vernichtungswille besteht, meine Herren, müssen wir mit unserem treuen Volke ausharren. Ich bin auch überzeugt, ick weiß es, daß in den weitesten Kreisen unsere? Volkes, daß überall der ernste Wille besteht: solange der Vernichtungswille der Feinde besteht, müssen wir durchhalten, und wir wer- den durchhalten im Vertrauen auf unsere Truppen, im Vertrauen auf unsere Heerführung und im Vertrauen auf unser herrliches Volk, das diese schwere Zeit mit ihren großen Entbehrungen und fortgesetzten Opfern so wunderbar erträgt. Also an der Richtung der Politik wird nichts geändert; denn, meine Herren, auch das muß ich sofort sagen: wenn sich nun trotz dieser feindseligen Aeußcrungen dieser Staatsmanner irgendwo ernsthafte Regungen kür die Anbahnung eines Friedens oder auch nur der ersten Schritte zu dieser Anbahnung zeigen würden, bann würden wir ganz gewiß uns nicht von vornherein ablehnend ver- halten, sondern wir würden diesen ernstgemeinten— ich sage ausdrücklich ernstgemeinten— Anregungen sofort mit allem Ernste nachgehen. Natürlich genügt es nicht, wenn dieser oder jener Agent kommt und uns sagt: Ich kann da und dort Friedensbesprechungen herbeiführen. Sondern es kommt daraus an, daß berufene Vertreter der feindlichen Mächte uns, ausdrücklich autorisiert� von ihren Regierungen, zu verstehen geben, daß Besprechungen möglich seien, Besprechungen zunächst natürlich in kleinem Kreise. Aber, meine Herren, die Staatsmänner, die bisher gesprochen haben, haben von derartigen Möglichkeiten nicht geredet. Wenn solche Möglichkeiten sich zeigen, wenn eine ernste Friedens- neigung auf der anderen Seite hervortritt, dann werden wir sofort darauf eingehen, d. h. wir werden sie nicht zurückstoßen, wir werden zunächst in kleinem Kreise sprechen. Meine Herren, ich kann Ihnen auch sagen, daß dieser Standpunkt nicht etwa nur mein Standpunkt ist, sondern daß dieser Standpunkt auch von der Obersten Heeresleitung ausdrücklich geteilt wird. Denn auch die Oberste Heeresleitung führt den Krieg nicht um des Krieges willen, sondern auch die Oberste Heeresleitung hat mir gesagt: sobald ein ernster Friedenswille sich auf der anderen Seite b»merk- bar macht, müssen wir der Sache nachgehen. Nun wird es die Herren interessieren, wie sich von diesem s Standpunkt aus gewisse Probleme darstellen, die die Gegenwart uns aufdrängt. ES haben über diese Fragen am 1. und 2. Juli im Großen Hauptquartier u n ter dem Vor- sitz Seiner Majestät des Kaisers eingehende Be- sprechungen stattgefunden. Ich kann natürlich nur ganz allgemein die Richtlinien hier angeben, die damals festgestellt wurden. Also zunächst bczüg- lich des Ostens. Meine Herren! Wir stehen auf dem Boden des Friedens von Brest-Litowsk und wollen diesen Frieden in loyaler Weise ausgeführt sehen. Das ist der Wille der dcut« schen Reichsleitung und darin wird sie unterstützt von der Obersten Heeresleitung. Aber, meine Herren, die Schwierigkeit der Aus- führung des Friedens von Brest-Litowsk liegt nicht auf unserer Seite, sondern diese Schwierigkeit liegt darin, daß— wie»Sie wissen— die Verhältnisse in Rußland noch so außerordentlich un- sicher find. Wir sind geneigt, meine Herren, an die Loyalität der gegenwärtigen russischen Regierung uns gegenüber zu glauben; wir sind insbesondere geneigt, an die Loyalität de? Vertreters der russischen Regierung hier in Berlin zu glauben._ Aber, meine Herren, wir werden nicht so unbedingt annehmen dürfen und kön« nen, daß die gegenwärtige russische Regierung auch die Macht hat, die unS gegebenen loyalen Zusagen überall durchzuführen. Wir wollen durchaus der jetzigen russischen Regierung keine Schwierig- ketten machen, wir stellen uns auf den loyalen Boden des Friedens von Brest-Litowsk und tun, was wir können, um diesen Frieden auszuführen. Aber wie die Zustände sind, meine Herren, gibt es unaufhörliche Verwicklungen, unaufhörliche Reibupgeu an den Grenzgebieten, unaufhörliche Uebergrifse dieser oder jener kleinen Heeresgruppe. Aber ich wiederhole, unser Prinzip ist: wir stehen auf dem Boden des Friedens von Brest-Litowsk, und wir loollen den Frieden loyal ausführen, wir wollen mU der gegenwärtigen Regierung loyal verhandeln. Sie alle, meine Herren, stehen noch unter dem Eindruck de? furchtbaren Verbrechens in Moskau, de» Attentats, das an unserem Gesandten dort verübt worden ist— eine völkerrechtswidrige Tat, wie sie ärger-nicht zum Himmel schreien kann. Alle Spuren deuten darauf hin, daß die fluch- würdige Tat auf Anregung der Entente geschehen ist, um unS mit der jetzigen russischen Regierung neuerdings in Krieg zu verwickeln— ein Zustand, den wir auf das eifrigste vermeiden wollen; wir wollen keinen neuen Krieg mit Rußland. Die jetzige russische Regierung will den Frieden und braucht den Frieden, und in dieser friedensgeneigten Absicht unterstützen' wir sie. Auf der anderen Seite, meine Herren, ist ja auch wahr, daß sehr verschieden- artige politische Strömungen durch das russische Reich hindurchgehen, Bestrebungen der verschiedensten Art: monarchische Bestrebungen, Bestrebungen der Kadettenpartei, Bestrebungen der sogenannten Rechten Sozialrevolutionäre usw. Meine Herren, ich sage: Wir stehen so, daß wir loyal mit der jetzigen russischen Regierung ver- handeln, daß wir nichts unternehmen, was die russische Regierung in ihrer Stellung schädigen könnte, daß wir aber unsere Ohren und unsere Augen offenhalten, um uns nicht durch eine plötzliche Umwandlung der dortigen Verhältnisse ins Unrecht setzen zu lassen, überraschen zu lassen. Ich kann nur an das Wart er- Innern, das einmal Gortschakoff gesprochen hat: Wir sind stumm. aber wir sind nicht taub. Wir lassen uns mit gar keinen politischen Gegenströmungen ein; aber wir horchen aufmerksam, wohin die Richtung in Rußland geht. Das ist der Standpunkt, den ich ein- nehme, vaZ ist der Standpunkt, über den auch bei den Besprechungen am 2. Juli im Großen Hauptquartier die vollste Klarheit und das vollste Einverständnis zwischen allen Beteiligten erzielt worden ist. Ich kann sagen, daß der Herr Staatssekretär v. Kühlmann, der selbst bei diesen Besprechungen nicht anwesend war— das Aus- wärtige Amt war aber vertreten durch den Ihnen wohlbekannten Herrn v. Rosenberg, der ja der Gefährte und die sachverständige Stütze des Herrn v. Kühlmann in Brest-Litowsk und in Bukarest gewesen ist— mit diesem Standpunkt vollkommen einverstanden gewesen ist, und daß die Oberste Heeresleitung diesem Standpunkt ebenso vollkommen beigetreten ist. � lieber Einzelheiten kann im Einzelfalle da oder dort eine Meinungsverschiedenheit auftreten, aber die Grundlinie ist die, die ich eben gezeichnet habe. Im Anschluß daran ging der Reichskanzler auf die Beurteilung der potitischen Lage im Westen ein und machte darüber vertrau- liche Mitteilungen. Sodann sprach er von den Gründen, die zu dem Rücktritt des Staatssekretärs von Kühlmann__ r: fuhrt haben. Er wies darauf hin. daß es keine sachlichen, andern Persönliche Gründe waren, die Herrn von Kühl- mann voran laßt haben, um Enthebung von seinem Amt zu bitten. Der Reichskanzler sprach in warmen Worten von den Eigenschaften des Staatssekretärs, dessen politische Erfahrung, treffendes Urteil, unermüdliche Ausdauer und dessen Geschicklichkeit und Gewandtheit im Verhandeln er voll anerkannte. Er habe sich von ihm trennen müssen, da das n 0 t w c«- dige Vertrauensverhältnis zwischen ihm und anderen Faktoren nicht bestanden habe, ein Ver- trauensverhältnis, das für eine reibungslose Führung der Geschäfte nicht entbehrt werden könne., Der Rc-ichSkanzler fuhr dann fort: Der Name des in Autsicht genommenen Nachfitgcr» des Herrn v. Kühlmann ist Ihnen be- rannt. Herr v. Hintze ist ein sehr genauer Kenner russischer Ver- hältmsse. Tr ist vor t>em Kriege bei der Botschaft in Petersburg beschäftigt gewesen. Er hat in dieser seiner Eigenschaft große Reisen durch Rußland gemacht. Er ist mit den Verhältnissen und Personen in Rußland sehr eingehend vertraut, was für die jetzige Lage von großer Wichtigkeit ist.?lber. mein« Herren, es versteht sich von seKst, daß ich meine Kontrasignieruilg oder Unterschrift ?!t der Erneniiuiig des Herrn v. Hintze nur dann gebe, wenn Herr v. Hintze meine Politik macht und nicht seine eigene. Dafür habe ich aber bereits in den Zusagen deS Herrn von Hintze— die Ernennung ist noch nicht erfolgt—, seinerseits dig feite Bürgschaft. Ich mache die Politik: der verantwort- iiche Reichskanzler macht die Politik. Ter Staatssekretär des Aus- wärtigen Amt? hat lediglich seine Politik zu führen.� Davon ist der in Aussicht genommene, aber noch nicht ernannte Staatssekre- tär vollkommen durchdrungen. Meine Herren, ich glaube also, ein Grund zur Beunruhigung ist nicht vorhanden. Der Kurs, mit dem sich die große Mehrheit deS Reichstages im November des vergan uenen Jahres einverstanden erklärt hat, wird weitergeführt werden. Abg. Gröber:(Z.): Die Darlegungen de? Kanzler? waren beruhigend nach den Anftegungen der letzten Tage. Wenn ein so tüchtiger Diplomat wie Herr v. Kühlmann plötzlich aus seinem Amte ausscheidet, dann muß das Aufsehen erregen. Die Stellung Kühlmanns war nach seiner vieldeutigen Rede vom 21. Juni unhaltbar gowovden. In einer Kriegslage wie jetzt mutz man von einem Staatsmann verlangen, daß er sich mit einer Klarheit ausdrückt, die ein Mißverständnis nicht leicht aufkommen läßt. War schon seine erste Red« verhägnisvoll, so hat die zweite dem Faß geradezu den Bodsn ausgeschlagen. Ten Wechsel in diesem wichtigen Amt mutz man bedauern schon weil der Eindruck im Ausland natürlich kein günstiger sein kann. Aber von einer Unfäbigkeit KühlmannS darf man nicht sprechen, denn er hat sich ohne Zweifel durch die von ihm herbei geführten Friedensschlüsse gewaltige Verdienste um das deutsche Volk erworben. Nach den Darlegungen deS Kanzlers find die Zweifel zerstreut, die aufgetreten waren. Wir begrüßen, daß der Kanzler an den Richtlinien festhält, auf Grund deren er sein Amt übernommen tat. Ter Reichskanzler hat ein Recht zu verlangen, daß ihm ge- glaubt wird. Es sind seit seinem Amtsantritt Fortschritte er- reicht worden. Die Frage des KoalftionZrechS ist gelöst, der§ Ib.? ist aufgehoben. Die Wahlvorlage in Preußen wurde eingebracht, an den Hindernissen ist der Kanzler nicht schuld. Wenn nicht sofort die Nutlöfung kam, dann ist das ju verstehen, die Regierung mutz erst die vorhandenen Mittel erschöpfen, ehe sie zu diesem Schritt greifen kann. Da? Ziel wird aber erreicht werden. Da« A r b e i t s k a m m e r g e s e tz ist gekommen, man wird auch einen Ausgleich finden. Erfreulich ist«S, daß der Kanzler sagte, wir sind jeden Augenblick zum Frieden bereit. Das ist es, was not- wendig ist. Daß wir unsere Forderungen nicht sofort in alle Welt bmausrufen, kann man versiehen. Wir können �deshalb von den Erklärungen des Kanzlers befriedigt sein. Von allen Seiten nn Volke wünscht man den Frieden, aber die Feinde zielen darauf bin, uns militärisch zu besiegen. Wir brauchen beide?, militärische Vegc und diplomatische Erfolge. Kbg. Scheidcmann(Soz.): ?? ist bedauerlich, daß diese wichtige Debatte jetzt so kurz vor Toresschluß noch geführt werden muß. Es ist allerdings auch nicht nötig, daß wir schon dieser Tage auseinandergehen, jedenfalls sind wir bereit, noch weiter zu sitzen. Da? Ausscheiden des Staats- le.Zretitr» von Kühlmon« in diesem Moment muhte allenthalben den benkbar schlechtesten Eindruck machen. In weiten Kreisen galt sein Ausscheiden als ein Sieg der EroberungSpolitiker, denen er unbe- auem war. Mit einest: geradezu oufsälligen Schnelligkeit hat die ..Norddeutsche Allgemeine Zeitung" sofort versichert:«Z bleibt alles beim alten. Angesichts dieser Versicherung mutzt? man sich fragen: Weshalb dann der Wechsel/ Uns kommt sS wahrlich nicht auf die Person des Herrn ven Kühlmann an. sondern lediglich aus die Sache. Seine Rede vom 24. Inns enthält nicht? Ueberraschen- de?. Was ihm.übel genommen wird, ist ein Zitat, und dieses Zitat stammt von Woltke. Kurz nachdem diese Rede in den Berliner Zeitungen gestanden war, platzten Mich bereits die Handgranaten der Obersten Heeresleitung in der Konferenz der Pressevertreter. Der Presse wunde direkt ver. dvlen, die einzig mögliche Schlußfolgerung aus der Sache zu ziehen. Kühlmann hätte besser getan, wenn er in seiner zweiten Rede zum kräftigen Gegenstoß gegen seine Widersacher ausgeholt hätte. Statt dessen stehen wir zwei Wochen später vor einer politischen Leickie. Die erste Rede Kühlmanns hat nur auf jene Kreise schlecht gewirkt, die sicb in eine wahre Eroberungssucht verrannt haben. Hat denn »uch etwa bloß Herr von Kühlmann»weidcntig geredet, haben da« andere nicht auch gemacht? lAbg. Dr. David: Tie Anwesenden nicht ausgenommen!) Sie stehen aber fast alle heute noch an ibrem Platz. Daß Herr von Hintze kommt, darf Wohl als feststehend betrachtet werden, nachdem xr bestimmte Zusiche- rangen abgegeben hat. Dem Abg. Gröber gegenüber bemerke ich, das. was wir auf dem Gebiet der inneren Politik erreicht haben. ist in der Tat nur blutwenig. Bei dem jetzigen Wechsel in einer so hohen Stelle, wie es die Leitung des Auswärtigen Amte» ist. hat man das Parlament wieder nicht gehört. Wenn wir aber zu einem vernünftigen Frieden kommen wollen, dann muh im Au?» land der Glaube zerstört werden, daß in Deutschland Volk und Par- lament keinerlei Einfluß haben. Man wird nicht fagen können, daß wir eine rein autokratische Regierung haben, wie man auch nicht ohne weiteres sagen darf, daS deutsche Volk sei völlig rechtlos i aber wir haben eine Oberst- Heeresleitung, die einen ganz überragenden Einfluß ausübt. Die Zauderpolitik, die in Preußen in der WahlrcchtSfrage getrieben wurde und noch ge- trieben wird, hat im Ausland den denkbar ungünstigsten Eindruck hervorgerufen; eine sofortige Auslösung des Landtages hätte er- frischend gewirkt und im Ausland das Bertranen zu unS etwas gefestigt. So aber mußt« sich der Gedanke befestigen, daß in Deutschland nur die Militär? entscheiden. Der Reichskanzler bat versichert, sein Kurs bleibe der alte. Er sprach von anfteizen- den Reden ans der Seite unserer Feinde, hat aber ganz übersehen, daß auf unserer Seite »ufreizende Taten begangen worden sind. Der Redner bespricht nunmehr die Vor» kommnisie im Osten. Ter Kanzler hat vor einiger Zeit erklärt, wir denken nicht daran, uns in Estland und Liuland festzusetzen. Entspricht nun aber unser jetziges Verhalten gegenüber diesen Ge- bieten den Zusicherungen, die damals gegeben worden sind? Welch glänzende Situation hätten wir, wenn wir anders verfahren wären und den Völkern zu dem Maß von Freiheit verholfen hätten, das sie anstrebten! Tieics Verhalten steht im Widerspruch zu einer loyalen Durchführung des Vertrages von B r e st- L: t o w S k. Schon R>ie Antwort auf die Papstnote ließ die uns wünschenswert erscheinende Klarheit vermisse». Immerhin war der Hinweis auf die Friedeiisresolution des Reichstages und daß Bekenntuis zu ihr zu begrüßen. Redner wendet sich nun der belgischen Frage zu und schließt: Was wir verlangen müssen ist rückhaltlose Klarheit. Nicht nur unter den Regierungsstellen ist Vertrauen nötig, auch das Vertrauen des Volkes ist ein Faktor, den man nicht außer acht lassen darf.»Wir verlangen von der Regierung, daß sie nachdrücklich und wiederholt ein klares Bekenntnis zur Friedensresolution ablegt. Abg. Fischbeck CVp.): Man kann darüber zweifelhaft sein, ob dl« letzten Reden Kühl- mann? in allen Teilen geschickt waren, aber er hat klar zum Ausdruck gebrocht, daß eS auch unseren Gegnern nicht gelingen kann, die Entsch-idung allein durch militärische Siege herbeizuführen. Damit hat er dem Ausdruck gegeben, was die lleberzeugung .> v'-/ Y-• Französische Teilangriffe am Villers Cotterets- Walde. Berlin» 11. Juli 1918, abends. Amtlich. Von den Kampffronte« nichts Neues. Amtlich. Ä r o ß e s H n u p t q u a r t i e r, 11. Juli 1918.(28. T. B.) Westlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe Kronprinz Nupprecht. Tagsüber mäßige Gefechtstätigkeit, die am Abend vielfach auflebte. Nächtliche ErkunduagSkämpfe. Ein stärkerer Borstoß des Feindes nordöstlich von B 6 t h u n c wurde abgewiesen. Heeresgruppe Deutscher Kronprinz. Lebhafte Feuertätigkeit'zwischen AiSne und Marne. Erneute Teilangriffe, die der Feint» aus dem Walde von Billers Eotteret» heraus sührtr, drückten unsere Posten an den SaviereS-Grnnd zurück. Bo» einem Geschwader von sechs amerikanischen Flugzeugen, die Eoblenz angreifen wollten, fielen fünf Flugzeuge in unsere Hand. Die Besatzungen wurden gefangen. Der Erste Generalguartiermeister. ' Ludendorff. Ter österreichische Bericht. Wien» 11. Juli 1918. Amtlich wird verlautbart: Auf dem italienischen Kriegsschauplatz keine nennenswerten Ereignisse. In Albanien haben sich unsere Truppen in einer neueu Widerstandslinie eingerichtet. Eine im Devoli-Tale vor- fühlende franzöfische Kompagnie wurde abgewiesen. Der Chef deS Generalstabes. aller vernünftigen Menschen ist. Dem Krieg kann nur durch Verständigung ein Ziel gesetzt werden. Aus ein Einver- nehmen unter den leitenden Stellen ist sicher der größte Wert zu legen, aber daS Borgehen der Obersten.Heeresleitung gegen Kühl- mann geht weit über das erträgliche Maß hinaus. Ergeben sich Differenzen unter den leitenden Kreisen, dann mutz versucht wer- den, durch Verständigung eine Uebereinstimmung zu erzielen. Der Rücktritt Kühlmanns mutz im Ausland einen ganz falschen Eindruck erwecken, nachdem die alldeutsche Presse den Herr» v. Hintze al« den Mann ihres Vertrauens gefeiert hat. Wir glauben dem Reichskanzler, datz er keinen ErolbenuigSkrieg will. Solange er davon festhält, ist er unserer Unterstützung sicher. Wir werden abwarten nnd die Augen offen halten. Trotz der so- zialdemokratifchen Kritik steht fest, datz doch viel ans dem Gebiet der inneren Politik geschehen ist. Man leistet dem deutschen Volke keinen Dienst, wenn man diese Erfolge verkleinert. In der W a h l- rechtSfrage hätte man ein energischeres Eingreifen begrüßt, aber auch die Gründe der Regierung verdienen Aiicrkemulna und wir hoffen, daß sie alle? tut, um das Wahlrecht in Preutzen durch- zusetzen. . Abg. Graf Westarp(k.) hält die Gründe für den Rücktritt KühlmannS für durchschlagend. lieber sein Wirken schon jetzt ein Urteil zn fällen, wäre verfrüht. Mit der inneren Politik des Kanzlers find wir nicht einverstanden, insbesondere nicht mit seinem Vorgehen in der preußischen Wahlrechts frag«. Die Konservativen teilen den Standpunkt, datz man zum Frieden bereit sei, aber es sei bedenklich, immer wieder seine Frisdensbereftschaft vor aller AZelt zu verkünden. Der neue Staats- sekretär muß sich bewußt sein, welche Macht im deutschen Volke liegt, und welche Erfolge er, gestützt auf diese Macht, erzielen kann. Die Verhandlungen werden am Freitag fortgesetzt. Die auswärtige Politik öer Sowjet- regierung. Auf dem Sowjetkongrcß erstattete T s ch i t s ck> e- i i n. der Volkskommissar für auswärtige Angelegenheiten, Bericht über die Beziehungen Rußlands zu den Mächten. Nach einigen Sätzen über das ante Verhältnis zu Bulgarien hebt Tschitsche nn das Wohlwollen, das die Vereinigten Staaten gegenüber dem Sowjetrußlond bekundet hätten, mit Be- tonung hervor. Während der Propaganda für die* Einmischung Japans habe die Stellungnahme der amerikanischen Regierung als das Haupthindernis gewirkt. Im Anschluß daran brachte Tschitscherin zum Ausdruck, welche Linie die auswärtige Politik der Sowjetregiernng zu gewinnen sticht. Er sagte: „Parallel zu drit mit Deutschland schwebenden Verhand- hingen für eine wirtschaftlich« Verständigung. beabsichtigen wir, den Bereinigten Staaten wie auch gleichzeitig Japan ebenfalls eine wirtschaftliche Berständi- gung vorzuschlagen, ungeachtet der Stimmungsmache in einem Teil der japanischen Presse zugunsten einer Einmischung hoffen wir, auch mit Japan eine Regelung freundschaftlicher Beziehungen herbei- führen zu können." Tschitscherin machte nähere Angaben über die Opfer, die von russischer Seite gebracht werden sollen, um mit Japan in ein gutes Einvernehmen zu gelangen. Er sagte, daß Si- airien immer noch unter der Drohung der fremdländischen Einniischung stehe, gab aber zu erkennen, daß gewisse Vor- gänge in Japan— der Sturz des reaktionären Interventionisten Motono— die Hoffnung auf ein Ueberwiegen der Ver- ständigungspolitik in Japan stärken. Tschitscherin legte dar: „Gcaenwärtig tobt in Japan ein Kampf zwischen den Ver- tretern der reaktionären?Nilitärpartei, die es auf eilien Konflikt um jeden Preis mit dem russischen Volke absehen, um unsere Schwäche zur eigenen Bereicherunz auszunutzen, und den Vertretern der geinäßigten liberalen Strömungen, denen daran gelegen ist, von uns gewisse Vorteile auf friedlichem Wege zu erlangen, ohne sich aus Ruhland einen Feind in der Zukunft zu machen, da sie es vor- trefflich verstehen, daß die Einmischung Japans in russische An- gelegenheiten die Entscheidung über die Wechselbeziehungen der beiden Länder und vielleicht über die ganze weitere geschichtliche Entwicklung des fernen Ostens vorwegilebineil könnte. Wir sind bereit, den japanischen Staatsangehörigen, deren Bestreben auf eine friedliche?lusnutzung der natürlicheu Reichtümer Sibiriens gerichtet ist, einen größeren Anteil an unserem Handels- und Jndustrieleben zuzu- gestehen. Wir sind bereit, falls hierzu China seine Zustim- mung geben sollte, aus einige unserer Rechte auf«inen T e i l d e r oft chinesischen Eiseubahnlinien Verzicht zu leisten und Japan den südlichen Zweig dieser Eisenhahnlinien zu verkaufen, sowie ihm auch andere Erleichterungen zur Einsuhr iapanischer Produkte nach Rußland zu gewähren. Wir sind serner bereit, den Handelsvertrag und die eischfangkonvention mit Japan zu erneuern, die eine Quelle de» Wohlstandes de» japanischen Voltes ist. da die russischen Fische nicht nur eine der wichtigsten Nahrungsmittel de? Japaner? sind, sondern auch zur Bewirtschaftung der Reisfelder verwendet ' werden. Wir haben die japanische Regierung bereits in Kenntnis davon gesetzt; gegenwärtig findet ein in- offizieller Meinungsaustausch statt." Die Sowjetregierung schlägt mit dieser Politik deS Ent- gegenkommens gegenüber Japan nicht völligneue Wege ein, sie spinnt die Fäden weiter, die schon die damals mit Japan ver- bündete zarische Regierung angeknüpft upd zu'Vertragsab- schlüssen geführt hatte, nur daß die Sowjetregierung, den jetzigen anderen und dringenden Umständen angepaßt, mit vollen Händen bietend, vorgeht. Daß Frankreich sich gegen die Sewjetregierung feind- lich verhält, wird durch Tschitscherins Bericht erhärtet. Die Forderung, den Gesandten N o u l e n s abzuberufen, blieb ohne Antwort, und Noulens hält sich jetzt in Wologda auf, wo bekanntlich die Zentrale der nordrussischen Gegenrevolution ist. Auch die Forderung, die in Frankreich stehenden russischen Trupven zurückzusenden, ist trotz des Wunsches der Soldaten unerfüllt geblieben. Man hat nur die Invaliden heimgeschickt und übt auf die anderen Zwang aus. Anders immerhin war die Haltung Englands.� Eine Zeitlang wenigstens.„Die englische Regierung hat, im Unterschied zu dem Verhalten der französischen Regierung, davon abgesehen, ihre Grenzen den Vertretern der Sowjet- regierung zu schließen: sie ist vielmehr in geschäftliche Be- zieh un gen zu dem bevollmächtigten Vertreter der russischen Sowjetrepublik, Bürger Litwinow, getreten. Das Recht der Entsendung und des Empfangs von Kurieren und der Be- «utzung einer Chiffre wurde ihm zugestanden." Aber als am 5. April die Japaner in Wladiwostok landeten, war die englische Regierung einverstanden, daß auch fünfzig Englän- der gelandet wurden, und dann kam der Fall Murmansk. Als die Sowjetregierung am 14. Juni von England, Frank- reich nnd den Vereinigten Staaten die Entfernung der immer noch in Murmansk liegenden englischen Kriegsschiffe for- derte, wurden als Antwort zehn Tage später 11 Engländer alldort gelandet. Die Sowjetregierunji forderte deren Entfernung und entsandte Truppen. Tschitscherins Bericht fügt hinzu: „Für die Sowjetrepierung bildet die Wiederherstellung ihrer uneingeschränkten Macht im M u r m ang eb i et e eine vitale Notwendigkeit. Wir wenden jetzt unsere Be- mühungen dieser Aufgabe zu und hoffen, daß diese schwierige Frage eine befriedigende Lösung finden wird. Eine ernste moralische Stütze erhalten wir von der machtvollen und sich unwiderstehlich verbreitenden Bewegung der sogenannten Fabrikältesten, dieser neuen Form der Massenbewegung der Arbeiterklasse Englands, di» zurzeit den stärksten Fortschrittsfaktor in der englischen Arbeiter- bcwegung bilden." Wird diese„moralische Stütze" zum politischen Faktor werden? Der Kongreß der englischen Arbeiterpartei hat kein Zeichen dafür erbracht, soweit sich bisher ans den Berichten erkennen läßt. Jedenfalls bezeugen die Erklärungen Tschitscherins, daß die Sowjetregierung eine Entwicklung ihrer ausländischen Be- ziehungen sucht, die für Deutschland Möglichkeiten birgt, mit denen sich ve r st ändigungs politisch in die Zukunft bauen läßt. Daß Tschitscherin sich über das Verhältnis zn Deutschland eingehender ausgelassen hat, ist anzunehmen. Aber der Bericht des Berliner Bureaus der Petersburger Tele- graphenagcntur. aus dem wir schöpfen, teilt nichts davon mit.. Man erfährt leider auch das Datum nicht, an dem der Bericht Tschitscherin? erstattet wurde. die Gegenrevolution in Rußlanö Ter Sowjetaufruf gegen Streiks. Der bereits in der Presse erwähnte Ausruf des Exekutivkomitees der Sowjets gegen konterrevolutionäre Bestrebungen, der in den amtlichen Nachrichten der Sowjets vom 2. Juli veräffentlicht wurde, lautet vollständig: Laut Dekret des Sowjet? der Volkskommissare vom 08. Juni gehen alle größeren Fabriken und Werke, alle organisierten Pro- duktionskröftr des Landes in die Verwaltung der Russischen Sozia. listischen Föderativen Sowjctsrepublik über. Damit wird den organisierten Kräften der Arbeiterklasse und den Eewerkschaftsverbänden eine neue große und wichtige Arbeit auferlegt. Unter der Leitung des Sowjet» für Volkswirtschaft müssen, nach Verordnung des Allrussischen Kongresses der Volks- ivirtschaftlichen Sowjets, neue Verwaltungsorgane für die Unter- ilehnrnngen geschaffen werden. U eberall unter neuer Führung die Arbeitsdisziplin einführend, werden die Arbeiter die Pro- duktionSkräfte des Landes heben und der Wirt» schaftlichen Zerrüttung ein Ende bereiten. Unter solchen Umständen muß jede Arbeitseinstellung, jeder Streik als Verrat an der Sache der Arbeiterrevolution betrachtet »verden. Sllkr dazu auffordert, arbeitet für die Sache der Feinde der proletarischen Revolution, hilft dem Kapital in seinem Kampf für die Wiederherstellung der Macht, vergrößert den Hunger und die Zerrüttung. Die Sitzung der voreinigten Vertreter der Fabrik- bzw. Werk- komitceS der Stadt Moskau, der gewerkschaftlichen Organisationen. und des Moskauer Sowjet» der Arbeiterdeputierten und der Tepu- tiertcn der Roten Garde erklärt alle Arbeiter, die in den ge- gebenen Verhältnissen die Arbeit einstellen, als Ab» trünnige der Arbeiterbewegung und liefert sie dem Gericht des internationalen Proletariats aus. Die Zeit ist. gekommen, wo die Arbeiterklasse das Recht hat, von den Arbeitern, jedes Unternehmens, jede? Berufes zu erwarten, daß sie im Interesse der allgemein. proletarischen Sache nicht ihre Gruppeninteressen, sondern die Interessen der ganzen Arbiterklasse in den Vordergrund stellen werden. Andererseits erklärt die Sitzung der Vereinigten Vertreter im Namen der Arbeiterklasse und ihrer Zentralargani. sationen. datz die Interessen aller einzelnen Gruppen von Arbeiiern. darunter auch die der Eisenbahner, mit allen Mitteln ge- schützt werden sollen. Die Konterrevolution wird vor keiner versteckten Gewalttätig. keit, vor keiner Provokation, die die Einstellung deS Eisebahnver- kehrs hervorrufen könnte, zurückschrecken. Diese Einstellung deS Bahnbetriebs braucht die Konterrevolution. In diesem Falle, wie in allen anderen, bedient sich die Konterrevolution der Parteien der Menschewiki und der Rechten Sozialreoolutio- n ä r e. Zusammen mit den Eisenbahnern muß die Arbeiterklasse alleix � Provokationen, die den Streik auf der Eisenbahn und in anderen i Produktionszweigen hervorrufen sollen, ein Ende machen Es lebe die Sowjetregierung, es lebe die internationale Re- Volution! « Moskau. 9. Juli. Tie Presse meldet: In den nächsten Tagen wird die Ankunft des englischen Botschafters Buchana« in Wologda erwartet. Am V. Juli hat hier eine Versammlung aller Kriegskommissare und Leiter der Militärabteilungen der Sowjets stattgefunden, Der Ober st e Kriegs-Sowjet wird Nr. 789 ❖ ZS.FahrgtMg Oeilage öes Vorwärts Umsatzsteuer unö öranntwein' monapol im Reichstag. 189. Sitzung. Donnerstag den 11.%nli, nachmittags 2 U�r. Am BundcsratZtisch: Grat Reedern. Die zweite Lesimg der Steuergesehe wird fortgesetzt bei dem Umsatzsteurrgrsetz. Der Ausschuß hat die Besteuerung der Leistungen der freien Berufe gestrichen und nur gewerbliche Leistungen der Steuer unterworfen. Besondere Vergünstigungen stnd für Genossenschaften vorgesehen. Die Steuer auf L u x u s g e g e n st ä n d e hat der Aus- schuh in der ersten Lesung auf 29 Proz. erhöht, in der zweiten wieder auf 19 Proz. herabgesetzt. Von der Luxusstcuer nicht betroffen sind Gegenstände dcS öffentlichen Interesses, msbesondere solche für kirchliche und wissenschaftliche Zwecke. Jedem Bundesstaat wird von der säbrlicken Einnahme in seinem Gebiet eine Echebungsvergütung von 19 Proz. und außerdem noch ein Beitrag von S Proz. gewährt, jedoch nicht mehr als jährlich 99 Millionen Mark, die die Bundes- staaten an solche Gemeinden zu verteilen haben, die für die Lebens- Mittelversorgung Einrichtungen treffen. Die Umsatzsteuern in den Bundesstaaten und Gemeinden müssen bei Inkrafttreten des Gesetzes aufhören. Die Beratung beginnt bei§ 1, der festsetzt, daß der Umsatzsteuer die;m Inland ausgeführten Lieferungen und Leistungen solcher Personen unterliegen, die eine selbständige gewerbliche Tätigkeit ausüben. Abg. Meerfeld(Soz.): Es handelt stch hier um die einschneidendste der neuen Steuern. unter der gerade die minderbemittelten Schichten außer- ordentlich zu leiden haben werden. Zu den Ausnahmen von der Steuer bitten wir dringend, auch die Kohlen mit aufzunehmen, deren Verkauf ja heute bereits mit einer besonderen Steuer von 29 Proz. belastet ist. Die Bestimmungen über die Entnahme aus eigenem Betrieb, die steuerfrei bleibt, werden dahin führen, daß eine große Anzahl von Landwirten die Steuer nicht zu zahlen haben wer- den. Das muß ungemein aufreizend wirken. Eine ganz besondere Härte ist, daß einer Steuer von 5 vom 1999 auch die Lebensmittel unterliegen sollen. Wir beantragen, für Getreide- und Getreidefabrikats, für Milch, Butter, Kactof- feln, Gemüf«, Fleisch und Fett die Steuer auf 1 vom 199 herabzusetzen und werden über diesen Antrag namentliche Abstimmung verlangen. Der Gedanke der Luxus- st euer ist zweifellos gesund und meine Partei ist für die schärfste Heranziehung jedes überflüssigen Aufwandes zu haben. Und eine gut ausgearbeitete, besonders Vorlage über Luxussteuern würde un- sere Zustimmung finden. Diese Vorlage aber erregt unsere stärk- sten Bedenken: sie öffnet dem Schmuggel Tür und Tor. Die beste Luxnssteuer wäre allerdings eine gnnz rücksichtslose Einkommensteuer. iSebr richt gl bei den Sozialdemokraten.) Die mangelhafte soziale Durchbildung des Gesetzes zeigt die Bestimmung, daß nur Selbständige zur Steuer herangezogen werden. Der Leiter eines großen industriellen Betriebes, der etwa 199 999 M. Einkommen hat, bleibt also von der Steuer verschont. Wir erkennen gern an, daß in der Vorlage verschiedene Verbesserungen gemacht sind, aber sie reichen bei weitem nicht aus, unsere schweren Bedenken gegen ihren antisozialen und volkswirtschaftlich schädigenden Charakter zu zerstreuen. Das Gesetz ist der Anfang einer allgemeinen Produktions- steuer. das Beschreiten eines Irrweges, auf dem meine Freunde nicht mitgehen können. lBravo! bei den Sozialdemokraten.) Abg. Waldstein(B?.): Unsere Bedenken haben wir schon in der ersten Lesung dargelegt. Trotzdem noch manche Bedenken bestehen geblieben sind, werden wir dem Gesetz zustimmen. Eine bedeu- lsnde Verbesserung sst ja. daß entsprechend einer Eingabe des Vereins Aerliner Journalisten die freien Berufe aus dem Gesetz heraus- gelassen sind, da es sich hier um eine Warenumsatzsteuer handelt. Abg. Bernstein(II. Soz.): Für uns ist der Gesetzentwurf wegen seiner die Volkswirtschaft schädigenden Wirkung unannehmbar. Den Landwirten ist eine weitgehende Umgehung der Steuer möglich ge- macht worden. Abg. Neumann-Hofer lVp.) erklärt sich gegen die Herauslassung der treten Beruie aus dem Gesetz. 1 wird angenommen: desgleichen Z 2, unter Ablehnung des sozialdcinokratischcn Antrages auf Freilassung der Umsätze von Kohle, KokS und Braunkohle. Bei 8 3 begründet Abg. Keilgrifs in die Rechte der Einzelstaaten bedeute, und beantragt. statt dessen zu beschliehen, daß von Unternehmen, die vorwiegend notwendige Lebensmittel vertreiben, von diesen Waren durch Einzelstaaten und Genieinden eine Umsatzsteuer nicht erhoben werden darf. Abg. Keil(Soz.) tritt für den Beschluß der Kommisston ein. Das Deutsche R.ftch ist eine Wirtschaftseinheit. Die Doppelerhebung solcher Steuern würde auch die Verbraucher doppelt belasten. Im übrigen geht Reichsrecht über Landesrecht. Für den Fall der Ablehnung dieses Absatzes beantragen wir, daß jedenfalls von Unternehmen, die porwiegend notwendige Lebens- mittel vertreiben, in Zukunft von Einzelstaaten und Gemeinden überhaupt keine Uinsatzsteuern mehr erhoben werden dürfen. Wir haben hier vor allem die Arbeiterkonsumvereine im Auge. Abg. Schiele(k.) spricht für Streichung des Abs. 5. Nach weiteren Bemerkungen der Abgg. Schiele(k.), Dr. Junck(natl.), Warmuth(D. F.), Bernstein(U. Soz.) wird der Antrag Nacken angenommen. Das Gesetz soll mit dem 31. Dezember 1928 außer Kraft ttetc-n. Abg. Bernstein(U. Soz.) begründet einen Antrag, das Gesetz statt dessen ein Jahr nach Friedensschluß außer Kraft zu setzen. Dieser Antrag wird abgelehnt, der Rest des Gesetzes in der Kommissronsfassung angenommen. Das Gesetz über die Steuerflucht wird debatdelos angenommen, ebenso das Gesetz über die Errichtung eines ReichSftnanzhofeS. Hierauf wird in die Debatte über das Branntweinmonopol eingetreten, doch sollen heute keine Abstimmungen mchr stattfinden, sondern nur allgemeine Ausführungen zu§ 1 gemacht werden. Abg. Echwarze-Lippstadt(Z.) bleibt auf der Tribüne unver- ständlich. Abg. Brey(Soz.): Meine politischen Freunde sind an und für sich einem Ver- brauchs- und Herstellungsmonopol nicht abgeneigt, halten es viel- mehr für ein erstrebenswertes Ziel. Aber dies Branntweinmono- pol bringt den Verbrauchern eine u n g e h e u r e B e l a st u n g des Genusses, des gewerblichen Lebens, Erschwerung der Krankenpflege und des technischen Fortschritts. Unsere Bemühungen im Aus- schuß, das Monopol auch zu einem Herftellungs Monopol zu gestalten, sind leider vergeblich gewesen. Bei ihrer Aussichtslosig- keit werden wir die dahingehenden Anträge im Plenum nicht wie- derholen, wohl aber die Anträge Albrecht, die darauf abzielen, unterstützen. Wir haben mitgearbeitet an dem Versuchen, aus den Mitteln des Monopols die B'r a n n t w ei n p est zu bekämp- fe n; die Organisationen,' die dies tun, sind die Jugendorganisa- tionen, die Arbeitersportvercine, die Gewerkschaften und nicht zu- sitzt die Sozialdemokratische Partei. Aber gerade weil wir diese Organisationen kräftig unterstützen, können wir den Branntwein nicht so ungeheuerlich verteuern. Dadurch wänden auch die meisten Heilmittel stark verteuert werden. Mindestens müßten dann die Krankenkassen vor der Verteuerung geschützt wenden. Der tech- nische Fortschritt würde heute schon gestatten, bei der Erzeugung von Spiritus und Essigsäure auf Kartoffeln, Getreide, Rüben zu verzichten, die dann der menschlichen Ernährung erhalten bleiben. Dem Ausban dieses Verfahrens stehen die Interesse» starker Kreise entgegen. Wir wollten den Verbrauchern und dem technischen Fort- schritt einen Einfluß durch die Zusammensetzung des Beirats sichern. Leider verhinderten das starke Einflüsse bestimmter Schichten. In der Schweiz, in Schweden, in Norwegen stellt man Spiritus auf den neuen technischen Grundlagen her, der der In- dustric entsprechend billig zur Verfügung gestellt werden kann. Wird der Spiritusindustti« durch das Monopol jedes Risiko ge- iiommen, so müßte man auch an die S i che r st e l l u n g der A n- gestellten und Arbeiter denken. Aber der Ausschuß hat alle unsere dahingehenden Bestrebungen abgelehnt. Wir können daher diesem Monopol unsere Zustimmung nicht geben.(Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. Bacrwinkel(natl.): Die Klagen über die Zwangsbewirt- schaftung beweisen, daß der Monopolgedanke an Beliebtheit nicht ge- Wonnen hat. Man kann sie höchstens als kleineres Ucbel akzeptieren. Aus solchen Zweckmäßigkeitsgründen stimmen wir dem Branntwein- Monopol zu. Abg� Schees(Vp.) betont, daß seine Freunde nur mit schwerem Herzen für das Monopol stimmen könnten, ipcil dadurch viele selbständige wirtschaftliche Existenzen geschädigt würden. In der weiteren Debatte über den 8 1 lehnt Llbg. Wurm(U. Soz.i das Monopol ab. Die Aermsten der Armen werden wiederum am stärksten ausgepowert. Das Monopol verschlechtert die bisherigen Zustände. Freitag 1 Uhr: Kleine Anfragen; Weiterheratnng des Gesetze? über die Reichstagswahlkreije und die Verhältniswahl; eine Reihe von Abstimmungen: dritte Beratung sämtlicher Steucrvorlagen. Schluß: Gegen 9 Uhr. GroßGerün Tie fleischlosen Wochen sind nunmehr zeitlich festgelegt. Sie fallen auf den 19.— 25. August, 9.— 15. September, 29. September bis 6. Oktober und 29.— 27. Oktober. Gleichzeitig erfolgt in der zweiten Augusthälfte die Kürzung der Fleischralion auf 299 Gramm für die Städte mit über 199 999 Einwohner. Die kleineren Städte sollen noch mehr verkürzt werden. Das Berliner Brot. Unser Artikel in Str. 184 hat uns eine Menge zustimmender Kundgebungen aus allen Kreisen der Berliner Bevölkerung ein- getragen. Der Berliner Magistrat freilich ist der Meinung, daß ein Grund zum Mißvergnügen nicht vorliege. Er sendet uns längere Ausführungen, denen wir die Tatsache entnehmen, daß die Abteilung kür Brolveriorgung das Berliner Brot alle zehn Tage auf seinen Wassergebalt untersucht und die Böcker, deren Erzeugnisse eine bestimmte Höchslmenge des Wassergehalts überschreiten, zu- nächst verwarnt und in Wiederbolungsfällen durch Entziehung der Mchllieserung bestrast. Auch ist vor einiger Zeit eine Studien- kommission unter der Leitung deS Berliner Stadt-Medizinalrats in eine Reihe größerer Städte entsandt worden, welche festgestellt hat,„daß das Berliner Brot noch mit in erster Reihe steht". Es scheint, daß diese Studicnkommiision in der Auswahl der von rhr besuchten Städte keine glückliche Hand gehabt hat. sonst hätte sie zu einem Resultat kommen müssen, das für die Berliner Kommunalverwaltung weniger schmeichelhaft, für die Berliner Be« völkerung aber vorteilhafter gewesen wäre, indem es den Herren die Augen dafür geöffnet hätte, daß die Berliner Mxthode der Brotveriorgung schlechterdings nicht länger aufrecht erhalten werden könne. Ails einer rheinischen Stadt wird»ns von einem Such» verständigen zu dem Thema folgendes geschrieben: Die Klagen über das Berliner Brot sind nicht erst seit diesem Jahre vollauf berechtigt, sie haben die Fachorganisarionen schon seit Jahren beschäftigt und wenn immer eine Kommission aus dem Westen die Brotversorgung in Berlin uniersucht, um festzu« stellen, ob eine höhere Ausbeute möglich ist, kommt sie mit einem Urteile nach Hause, das für die Berliner Stadtverwal- t u n g nicht schmeichelhaft ist. Tatsächlich wird wohl nirgends so wasserreiches Brot berge st ellt wie in Berlin. Da stnd wir Provinzler ein erheblich Stück weiter. Vielleicht interessiert es zu wissen, wie die Verwaltung Aachen? die Brolversorgung organisiert hat. Hier sind 39 Betriebe mit der Herstellung des Brotes betraut, alle anderen Betriebe sind ge- schlössen. Die Hersteller dürfen kein Brot verkaufen. Die ge- schlossenen Betriebe und die reinen Brolfilialen besorgen den Verkauf. Die Backbetriebe müssen aus jedem Sack Mehl durchschnittlich 184 Kilo Brot erzielen, wovon 131,5 Kilogramm durch Marken nachzu- weisen sind, während der überschießende Teil als Differenz verbleibt. Aus 499 Brote werden an die Verkaufsstellen 5 Freibrote geliefert. Ferner erhalten die in den Backbetrieben Beschäftigten durchweg pro Tag ein Pfund extra. Herstellung und Verkauf wird vom Vorstand der Bäckerinnung überwacht. Ein Backbetrieb wird für Rechnung der Innung als Versuchs- und Musterbetrieb geführt. Haben Backbetriebe über nrinderwertiges Mehl zu klagen, so kommt solches in den Versuchsbetrieb, und erweisen sich dort die Klagen als begründet, so erfolgt Abhilfe. Sind die Klagen nicht begründet, so ist es Sache des klagenden Betriebes, sür einwandsreies Brot zu sorgen oder des Ausschlusses als Backbetrieb gewärtig zu sein. Wir haben im zweiten und dritten Kriegsjahr vielfach berechtigte Klagen über das Brot gehabt, seit aber die jetzige Organisation durchgeführt ist, sind sie nahezu vollständig geschwunden und wir können heute, ohne uns zu rühmen, erklären, daß Aachen im allgemeinen ein ausgezeichnet gutes Brot hat. Stadt- Verwaltung, Lebensmiitelkommisston und Bäckerinnung haben in nach- drücklichster Weise auf die Erzielung eines guten BroteS hm« gearbeitet und sind auch vor schärfsten Maßnahmen nicht zurück« geschreckt, um ihren Willen durchzuführen. Der Erfolg hat be- iviesen, daß jede Gemeinde ein gutes Brot er- zwingen kann, wenn sie die richtigen Mittel anzuwenden und alle Nebeninteressen auSzu« schalten weiß. Dabei hat dieses System eine sparsame Wirt- schaft ermöglicht, so daß die Stadt im Lauie der Zeit erhebliche Mengen Mehl den Einwohnern als Ersatz für fehlende Kolonial- waren zuführen konnte. Wenn das in Aachen, der„dunklen" Stadt möglich ist. sollten die„hellen" Berliner es doch sicher fertig bringen. Die Berliner Backart— Brot lose geschossen— i st f 2 r W a s s e r sehr zugänglich und die Kürzung der Mehlration unter 75 Kilo für 199 Kilo Brot drängt nach derselben Seite. Aus Wasser läßt sich eben kein Brot backen, und wo der feuchten Zutat zuviel ist, kann kein Brot hergestellt werden, das als bekömmlich bezeichnet werden kann. Keine Erhöhung der �rühkartoffelflreise. Das Kriegsernäbriingsamt teilt mit, daß eine Erhöhung der Preise für Frühkartoffeln über die in der Verordnung vom 9. Mätz 1918 vorgesehene Höchstgrenze von 19 M. hinaus nickt beabsichtigt ist, zumal in wenigen Tagen mit der reicklicheren Anfuhr voll aus- gereister Frühkartoffeln gerechnet werden könne. Der Preis dürfte sich im Kleinhandel auf 15 Pf. stellen. In Gastwirtschaften werden vielfach neue Kartoffeln zu sehr hohen Preisen auf die Speisekarte gesetzt. Die Wirte suchen sich zu jedem Preis die begehrte Frühkartoffel zu verschaffen und verleiten so die ländliche Bevölkerung, noch nicht ausgereifte Kartoffeln aus- zugraben. Daher tritt das Kriegswucheramt gegen diese Gastwirte scharf auf und die Konimunalverbände suchen eine frühzeitige Kartoffelbuddelei zu verhindern. Nur den Laubenkolonisten wird hier und da gestattet, Kartoffeln frühzeitig auszugraben, wenn die Anbaufläche 299 Quadratmeter nicht übersteigt. � DaS konnte geschehen, weil die Ernte dieser Kriegsbauern sowieso nicht in den Wirtschaftsplan einbezogen ist. Ganz ohne Kartoffeln! Was wir mit dieser Ueberschrift vor einigen Tagen aus dem Stadtteil Gesundbrunnen meldeten, wird jetzt durch eine Klage aus' dem Stadtteil W e d d i n g bekräftigt. Auch dort ist es vorgekommen, daß die ganze Woche hindurch gar keine Kartoffeln beim Händler zu haben waren. Eine Frau, die nicht völlig ohne Kartoffeln bleiben wollte, fuhr zu der Berliner Kartoffelversor- gnngsstelle in der Schicklerstraße und trug ihre Beschwerde vor. Ter Ivette Weg, den sie sich wegen der paar Pfund Kartoffeln ge- macht hatte, war vergeblich. An der Kartoffelversorgungsstelle ant- Ivortete man ihr, bis Sonntag m ü ß t e sie ihre Kartoffeln erhalten; aber mit dieser Versicherung war ihr nicht geholfen. Der Händler, habe, schreibt sie uns, an den letzten Tagen der Woche seinen Laden gar nicht mehr aufgemacht. Die.Kundin, die„Kartoffeln erhalten müßte", mußte dann tatsächlich ganz auf sie verzichten. Wir be- greifen die Erregung, in der sie uns darüber berichtet. Berliner Lebensmittel. Da jetzt mit dem Beginn der inländischen Frühkartoffelernte gerechnet werden darf, ist in Aussicht genommen, für die Woche vom 16. bis 21. Juli drei Pfund. Kartoffeln zur Verteilung zu bringe». Für die ausstehenden 4 Pfund Kartoffeln werden in der nächsten Woche 499 Gramm Hülsenfrüchte verabfolgt werde». DaS Nähere ergibt der Anschlag an den Säulen. Der Magistrat bittet uns daraufhinzuweisen, daß die in diesen Tagen in geringen Mengen neben anderen Hülsenfrüchten zur Ver- teilung kommenden Peluschken schon in Friedenszciten in manchen Teilen Deutschlands ein beliebtes Nahrungsmittel bildeten. Die Peluschken sind wie andere Hülsenfrüchte zuzubereiten, insbesondere sind sie vor dem Kochen mehrere Stunden gut ein» zuweichen._ Tie späte Belieferung der Konsumgenoffenschaft. Der Berliner Magistrat hat für seine Nährmittelabteilung bestritten. daß die Konsumgenossenschaft später als private Händler beliefert worden sei. Zu seiner Angabe, die Nährmittelabteilung habe den mit der Verteilung betrauten Großhändlern schriftlich Fuhrwerk bei Bedarf angeboten, erfahren wir jetzt, daß bei der Konsumgenossenschaft eine solche Zuschrift nicht eingegangen ist. Sonst wäre mit Freuden und sofort die Ueberlassung von Fuhrwerk beantragt worden; so aber war die Konsumgenossenschaft genötigt, mit dem ihr zur Verfügung stehenden geringen Fuhrpark unter Heranziehung gemieteter Wagen die ihr zugewiesenen Waren vom Ostbahnspeicher abzuholen. � Bei der Abfertigung gab es dann infolge starken Andranges eine mehrstündige Verzögerung, so daß von sechs Wagen, die für die Konsumgenossenschaft zur Waren- abholung mittags zwischen 2 und 3 Uhr eintrafen, abends um 7 Uhr erst zwei beladen waren. An diesem Abend fuhren die anderen vier Wagen leer davon, weil sie van morgens 6 Uhr unterlvegs waren und die Besitzer sich weigerten, noch langer zu warten. Wir müssen hier doch die Frage auswerfen, ob nicht Einrichtungen ge- troffen werden können, die eine raschere Abfertigung ermöglichen. Die Konsumgenossenschaft mußte die vier Wagen, die vergeblich zur Warenabholung nach dem Speicher gekommen waren, selbstver- ständlich voll bezahlen. Solche sehr verdrießlichen Dinge sind zurückzuführen auf die Erschwerungen der KriegSzeit, unter denen die Konsumgenossenschaft ebenso wie jeder Händler zu leiden hat. Wie zahlreich und groß sie. sind, davon kann der Außenstehende sich keine nur annähernd richtige Vorstellung machen. Aus ihnen erklären sich auch die anderen Verspätungen, über die uns in- zwischen von Mitgliedern der Konsumgenossenschaft aus Char- lottenburg und Lichtenberg noch Klagen zugegangen sind. Seifenversorgung. � er Berliner Magistrat deroffenllichl eine Bekanntmachung über die Abänderung der Bestimmungen über die Bersorgung der Be» »blkerung mit Waschmitteln. Hiernach bleibt die bisherige Be- stimmung, daß Feinseife und Teifenpulver nur gegen Ablieferung des für den laufenden oder nächstfolgenden Monat gültigen Abschnitt der Seifenkarte abgegeben werden dürfen, bestehen. Der Händler kann sedoch. wenn er Feinseife oder Teisenpulver wegen Mangel? an Ware nicht abgeben kann, für die ihm abgelieferten Seifenkartenabschnitte einen Gutschein ausstellen und gegen Rückgabe während der beiden dem Ansstellungsmonate folgenden Monate eine entsprechende Menge Waschmittel abgeben. Diese Neuerung ist mit dem 1. Juli in Kraft getreten. Von diesem Tage ab können im übrigen auch Apotheker bis zu vier Ausatzseifenkarten auf besonderen Antrag, der an den Magistrat, Abteilung für Teifenversorgung. Rathaus, Zimmer SZ, zu richren ist, erhalten; die Vordrucke iblaugestreift) zu den Anträgen sind bei den Brottommissionen erhältlich. Ein Sieg der Bodenspekulation. W>e di« Charlottenburger„Neue Zeit" erfährt, ist die Aus stelluug von Vebouungsvlänei, für Nord-Charlortenburg und N o r d- W e st e n d de» Architekten Möhring, Jansen und Stubben übertragen worden. Diese Pläne sollen eine A b ä n d e« rung der im November löl? erlassencii Bauordnung für diese Gebiete, die bekanntlich die Versetzung der Baullasse von der fünfgeschossigen in"die zweigeschossige vorsah, erwirken. Der M i» i st e r der Denllichen Arbeiten hat d'« endgültige Gestattung der Bauordnung für diese Gebiete auf Grund der Pläne, die Ende dieses Jahres fertig sein werden, be« reilS zugesagt. Man wird sich erinnern, mit welcher Energie die Bodew spekulanten von Nord-Westend gegen jene Bauordnung Sturm liefen. Jetzt haben sie, wie es scheint, ihren Willen durchgesetzt und die privaten Geldkack-Jnteressen haben wieder einmal über die sozialen und volkbhhgienischen Jnteresstn den Sieg davon- gelragen.„„ Eine Erhöhung der Druckpreise um weitere 28 Prozent mit Wirkung vom 1. August und um weitere 18 Prozent, d, h. um Ins- gesamt 40 Prozent, mit Wirkung vom 1. Dezember wurde vom Tarifausschuß am Montag beschlossen. Beim Polksbade SchillingSbrüike wird voraussichtlich am Mon- ta�. den 15., morgens 8 Uhr, der Wannen- und Brausebadbetrieb wieder aufgenommen werden. Ein Bolkskonzrrt de» Philharmonische» Orchesters findet heute in der Philharmonie, Bernburger Straße 22/23, statt. Beginn de» Konzerts ö Uhr. Eintrittspreis 30 Pf., Kasseneroffnung 7 Uhr. Die Lichtspiele Neue Vbilharmonie.(Hpcntcker$tv. 96/97, bringen vom 12, bis 18. das Filmwcrk„Für fremde» Klück", den Detcktlvftlm.Da« Monument" und das Lustspiel„schololadeiibräutc" zur Ausführung. Sarrasani-Gaftspiel im Zirkus-Bnsch-Gebäude. Sonntag finden zwei Vorstellungen statt. Nachmitlags ungctürzte Abendvorstellung, Unbekannte Tote. Am 4. Juli wurde aus dem Tegeler See die Leiche eines anscheinend dem Kaufmanns- oder besseren Hand- Werkerstande angehörenden Mannes gelandet. Die Leiche hatte längere Zeit im Wasser gelegen. Der Mann war etwa ,30 Jahre alt, ist 1,88 Meter groß, hat kräftiges dunkelblondes Haar und ist bart- bis.-Bekleidung: Grünwollener Jackettanzug mit roten Streifen, grauwollene» Hemd, weißes Hemd mit grünen Streifen, wollene Trikolunterhose, schwarze Socken, schwarze halbe Lederschuhe, hell- graue Gamaschen, weiße» Vorhemd und kleine schwarze Schleife. Bei der Leiche defand sich«in Taschentuch mit blauem Rand und «in Batisttoschenmch mit blauen Punkten.— Am 6. Juli nachmittag wurde im Spandauer SchisfahrtSkanal gegenüber der Feh- marnstraß« die Leiche einer Frau gelandet, die ungefähr 8 Tage im Wasser gelegen haben mochte. Beschreibung: 20—28 Jahre alt, 1.70 Merer groß, kräftig, dunkelblondes Haar, volles Gesicht, hohe Stirn, Maügraue Augen, vollständge Zähne, spitzes Kinn. Beklci» dung: Weißes Hemd, weiße Untertaille, schwarze Bluse mit blauen Punkten, blauen Ueberrock, graugestreifter Unterrock, schwarze Strümpfe, schwache hohe Schnürstiefel, grauweih geblümtes Kor- sett. Bei der Lerche wurde ein silberner Ring mit einem roten Stein vorgesrimden.— Zweckdienliche Mitteilungen nehmen die Kriminalpolizei und jede« Polizeirevier entgegen. .1'- Ii- 1111"" M......-.....-.LIJ l III.-JI1IP.L I, f Pankow. Knseverkauf. In den bekannten Geschäften gekangt gegen Ablrennung des Bezugs- und OuittungSabschniltes 118 von der Pankower Lebensmittelkarte ein Posten Harzer Käse zum Der- kauf: Auf den Abschnitt 118 kann ein Harzer Käse entnommen werden. Die Mtlitärurlauber erhalten die Ware nur gegen Bor legung des Urlaubspasses und gegen Abtrennung de« Bezugs abschnittes 2 von der Lebensnrittellarte für Militärurlauber, der 28. Woche. Der Preis beträgt für einen Harzer Käie 40 Pf. Reinickendorf. Marmelade. Auf Abschnitt 86 der Lebensmittel. karte Groß-Berlin wird 1 Pfd. Marmelade zum Preise von 82 Pf, abgegeben. Die Anmeldung bei de» Kleinhändlern und den aml- lichen Verkaufsstellen hat bis einschl. 12. zu erfolgen. Groß-Ser!iner parteinachrkchten. Teltow. Mitgliederversammlung am Sonnabend. den 13. d., abends 8 Uhr, bei Wilh Bonow. Berliner Straße 16. Tagesordnung: 1. Vortrag des Genossen Karl Mücke über:„Das neue Aktionsprogramm und unsere politischen Pflichten". 2, Diskussion. 3. Bericht von der Kreis-Generalversammlung. 4. Bericht der Be- zirkSleilunz. 8. Verschiedenes. Soziales. Das Oberversichcrungsamt Groß-ZZerlin. Die durch die Reichsversicherungsordnung eingenihrten Oberversicherungsämter sollen für jeden Regierungsbezirk die Zentral- stellen für Angelegenheiten der Arbeiterversicherung sein. In der Hauptsache sind sie Spruchbehörben über Sireitigkeilen au! der ge- nannten Versicherung. Auf dem Gebiete der K r a n ke n v e r s t ch e- rung sind sie Berufungsinstanz gegen Urteile der sunteren) Ber- sicherungsämter. in der U n f a l l v e r s i ch e r u n a kann, wenn der „Einspruch" gegen einen Bescheid der Berufsgenosienschaft erfolglos war. gegen einen„Endbescheid" Berufung bei dem Oberversiche- rungSamt eingelegt werden iiind in. der Invaliden- und Hinterbliebenenverircherunq sind gegen die Bescheide acr Versicherungsanstalten die Oberversicherungsämter unmittelbar dnzurufen. Unter den 38 preußischen Oberversicherungsämtern hat das für Groß-Berlin die umfangreichste Tätigkeil zu entfalten. Nack seinem eben erschienenen Geschäftsbericht über das Jahr 1817 batte es in diesem 784 ,B e s ch l u tz s a ch e n" zu erledigen. TaS sind solche Streitigkeiten, die sich um Verwaltungsangelegenheiten, Fragen der Versicherun�Spflicht usw. drehen. Von der Gesamtzahl wurden 851 ohne Zuziehung von Beisitzern aus dem Stande der Unternehmer und Versicherten vom Vorsitzenden allein entschieden. Von der„Beschlußkammer" wurden 138 Sachen erledigt, davon aber 133 ohne mündliche Verhandlung. Eine solche mündliche Verband- lung lmit den Parteien) fand nur in zwei Fällen statt. Die Zahl der Sitzungen der Beschlußiammer betrug nur 10. Ein andere- Bild gibt die Erledigmig der„S p ru ch sa ch e n". Da« sind solche, in denen es sich um UnterstützungS- und Renten- anjprüche der Versicherten oder ihrer Hinterbliebenen handelt. Der- artige Sacken waren 8236 zu erlebigen, worunter sich 4418 im Jahre 1817 eingegangener befanden. Von der angegebenen Gesamt- zahl schieden 140 als„nicht anrechnungsfähig" aus. weil das Ober- versichcrungSamt Berlin weder örtlich oder sachlich zuständig war. Erledigt wurden 4480, unerledigt inS Jahr 1818 übernommen wurden 616. Von den erledigten wurden 4227 durch Urteil be- endet, der geringe Rest durch Vergleich, Anerkenntnis. Zurücknahme usw. Die Spruchsachen wurden zum weitaus größten Tzil in mündlicher Verhandlung unter Zuziehung der Beisitzer erörtert, ob- gleich auch hier der Vorsitzende das Recht hat, in bestimmten Fällen ollein die Berufung zurückzuweisen. Die„Spruchkammern" entscheiden unter Hinzuziehung von je zwei Uuternehmer- und Versicherten-Beisitzer zu jeder Sitzung. Die Spruchkammern hielten 217 Sitzungen ab. Aus dem Bericht ist nicht ersichtlich, wie sich die Sachen auf die einzelnen Versiche.rungSzweige verteilen. Die allgemeinen Be- obachtniigeii ergaben aber, daß gegenüber den letzten Friedenszeiten eine Abnahme der Geschäftsbelastung der Obelversicherungsämter eingetreten ist. Die Invaliden- und Hinterbliebenenremensacken haben zwar zugenommen, dafür haben aber die Unsallrentensachen erheblich abgenommen. Da? ist eine Folge der zahlenmäßigen Ab- nähme der Betriebsunfälle. Tie Zahl der Streitigkeiten aus der Krankenversicherung ist nur sehr bescheiden. Mus' aller Weit. Bestrafung wegen MietswucherS. Kiel, 10. Juli. Kaum ist die Verordnung gegen unerlaubte Mietssteigerungen ergangen, müsien sich auch schon Zuwiderhandelnde vor Gericht verantworten. So verhandelte das hiesige außerordent- liche Kriegsgericht gegen einen Buchdrucker, der ein Haus für 3000 M. gemietet halte und dieses weiter vermietete. Obwohl da? Haus früher nur zu Bureauzwecken gedient halte, die Wohnungen also jede Bequemlichkeit vermissen ließen, ließ sich der Angeklagte eine Zweizimmerwohnung ohne Küche monatlich mit 70 M. bezahle». Ein Sachverständiger taxiert, daß die Wohnung einen monatlichen Mietswert von 34 M. habe, die unerlaubte Mietssteigerung betrug also über 100 Proz. Das Gericht verurteilte den Angeklagten zu einer Geldstrafe von 400 M. öriefkasten Ser Neüaktion. K. Lichtenberg. Da» Urteil wird nicht zugestellt. Sie wüsten e» -ftra beantragen. Berufung ist übrigen« nicht nach Zustellung de» Urteit». iondern innerhalb 8 Tage» nach Fällung nur zulässig. Sin Gnadenaeiuch tinnen Sie einreichen.— K..Ti. Die Gewährung der lliiterltiitzung hänai davon ab, ob Bedürstigkeit als vorliegend erachtet wird. Der Antrag ist beim Magistrat oder Gemeindevorsteher zu stellen.— A. B. Bewirten Sie doch eine Reklamation von der Firma, die In diesem Falle sicher Ersolg haben würde.— M. KS. Die Militärzeit wird mit angerechnet. Die LandeSverstcherungSanstalt kann allerding» nicht gezwungen werden, Fbrem Antrage stattzugeben. Der Antrag selbst ist unter Beibringung eine« ärztlichen Attestes daselbst einzurelchen.— a. v. H. 1. Ja. 2. Sie unter- stehen dem Hilssdienttgesetz, das behindert natürlich Ihre Einberuiung zum Militärdienst nicht. 3. Sie können dagegen nichts unternehmen.— M. ISO. Sie haben keinen Erbanspruch, Sie müssen Lohn «»»machen und aus Nachzahlung des Lohnes dringen.— — Kawihte. E» besteht kein Anspruch aus Unterstützung sür drei Monate. — Oskar IS. 3. Ja. 2. Da» Geld ericheint un« in der Form durchaus sichergestellt.— Schwarzwaid. Nur zur Gemeindeeinkommensteuer könnten Sie eventuell vervflichtet werden.— Well. Chronische Krank» hellen und weientliche Fehler der größeren Gelenke, mit erheblichen, nach- wcikbaren Störungen der Gebrauchsfähigkell.— H. T. im Felde. Ja. Sie können dazu verpflichtet werden.— H. t. 80. Der Betrestende ist in Berlin beimatberechtigl.— M. L. Darüber beilebt keine Dersügung, wenn der Beiehl dazu erteilt wird, muß dem Folge geleistet werden.— G- E. 24 Nein.____ Allgemeine Kranken, und Ttrrbekafle drr Metallardetter. (33.0.(8.), Hamburg. Filiale B a u m i ch u I e n w e g. Den Mit- gliedern, welche in Treptow wohnen, zur Kenntnis, daß am Sonnabend den 13., abends von 8'/,— 10 Uhr, im Lokal von Borch, Elsenstr. 101 Ecke Klefholzstraße, kassiert wird. Zlrbeiter.Zamaritrr.Bnnd Kolonne(Yrost-Berllu.' Montag, den 15., abend» 81/, Uhr, in Schulze» Festsälen, KönigSgraben 2? Vortrag Nach dem Vortlage praktische Berbandübungen. Gäste haben einmaligen sreien Zutritt.— Diese UebungSstunden finden bi« Mitte August jeden Moniag abend statt. WafscrftaudSnachrichtcn der LandeSanftalt für Gewäfferkunde. _ mitgeteilt vom Berliner Wetterbureäu. ZUettrrauSftlkiten kür daS mittlere Siorddrutickiland dl» Sonnabend mittag. Ziemlich warm, zunächst trocken und vielfach heller später im Westen neue Trübung, etwa« Regen uiid strichweise Gewitter veuttchtr I!l«tsIIktt'd«iltt- yert>»nck. Verwilluntzsitelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nack- richt. oaß unsere Kollegin, die Arbeite un Beiene Härtung Britz. Werder Str. LI am 5. Juli gestorben ist. Die Beerdigung findet am Freitag, den 12. Juli, nach, mittag« 3 Uhr, von der Leichenballe des vrcher Gc. meinde-Friedhose» in Britz aus statt. Rege Beteiligung wird er. «artet. Den Mitgliedern serner zur Nachricht, daß unser Kollege, der Graveur Emil Richter Jasmunder Straße 19 am 6. Juli gestorde» ist. Die Einäscherung findet I am Soituabend, den 13. Juli, l nachmittag« 1 Uhr, im Kre- 1 matortum Gertchlstraße statt. Reg« Beteiligung wird er,| wartet Nachruf. Dcn Mitgliedern ferner zur Nachricht, daß unser Kollege, der Einrichter Vitheim Hoppe) Aoldiner Str. 18 am 3. Juli gestorben ist. tfbtt ihrem Wndciekcn! 114/20 Die Ortsyeneallung. Allen Verwandten vnd Le kannten die traurige Nach- richt, daß unser Hoffnung«- ooller. herzensguter, unver- geßlicher Sohn und Bruder Mi Seefeldt an, 13.« 18 au» diciem ?>.itterringen zum Lpser gc- lallen ist. 1S3A In tiesfter Wehmut für sie trauarnsen EtUrn uns Brüder: Hugo Seefeldt, Zcnfra!'U«rb?nd der Zimmerer Deutkdüsnds. Zahlstelle Berlin und Umgegend, Bezirk 16. Den vcrussgenoffen zi Nachricht, daß unser Mt glied Ernst Tiiiner am 0. Juli am Herzschlag! verstorben ist. Vhre seinem S(iifcc»tc»:j Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 13. Juli, iiachmittag» 8 Uhr, mit dem Äeocgenktrchhos in Weißen- see, Rölckestraße, statt. Um rege Beteiligung ersucht Sdj/4 Drr Biorftanb. iZelbnaw. jFrcilttittkUinge (M. d. A.-S.-B.). Tie traurige Nachricht, daß unsere liebe Sangcsichwcster Ms Heyder im blüheiiben Atter von 13 Jahren nach kurzem Kraiiteolager saust erst- fchlasen ist. r. med. I.aabs bch. schnell, grünbl., mögt. schmerzlos n. ohne Berulsstör. öäsohleohtskrankhclt., geheime Haut-. Harn-, Frauenleiden, Ooheekahe. Erprobteste Methoden Harn- und Blutuntorsuohung. Köniptr. 3(38,«SÄ Spr.lO— lu.8— 8, Sonnt. 10— 1 Spezialarzt Dr. med. Hasche, Friedrichstr.SO �ILZ. Behandl. vonSttphilis, Ha«,. f nrn-. Fraueuletdrn, fpez.: ron. Fälle. Schmerzloie.türzcste Bchandlg. ebne Berussstörung. Btutunterluchung. Maß. Preise Teilzablung. Sprechsiunben II bi» 1 und 8— 8, Somit, n— i. Möbelfabrik Roh. 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Diese Shntrmhcit beben tot so wenig einen ästhetischen Mangel der Technik, wie die Stummheit der Malerei. Das unzerstrcute Bewußtsein nimmt die Augeneindrücke nicht nur stärker, sondern auch feiner aus, und da mm alle Assozia- tronen Non ihnen �uS spiciln, auch inniger. Wieviel trägt es zum gsthetischen Gindruck des Wolkenlebens bei, daß wir die Wolken- Bewegungen nur sehen, daß sie lautlos sind! Wer immer ein Fern- glas zu gebrauchen weiß, könnt aber auch die Reiz« absichtlichen „AbblendenS" der Ohrencindrücke. Zweitens: das stumme Bild ist farblos. Auch das braucht ästhetisch so. gewiß keinen Verlust zu bedeuten, wie der Verzicht des Schwarzweißkünstlers auf die Farbe. E? bedeutet, an sich vielmehr wrcderum nur eine noch festere Sammlung de? Fnteresses, auch d'es« Beschränkung also kann eine Ausschaltung von Störungen und dadurch eine Erhöhung de? Genusses verschaffen. Selten wie die Natur lautlos ist, selten ist sie auch farblos, seltener nocki. fast nie. Aber Nachtlandschaften und Tchnoelandschaften können sich der Farblosigteit nähern, dcShalb empfindet jedes für diese besonderen Werte empfängliche Auge ihre„Schwarz-Weiß-Werte" sofort. Nun schließt die Momentaufnahme, mit der das Kino arbeiten muß. vor- läufig noch die ganz rickstige Lichiwert-Wiedcrgabe für Filmbilder aus, das aber mag die fortschreitende Technik ändern, und in man- che? Beziehung können die Mängel auch, wie die technischen Bc- ichräntungeu für Stiche und Radierungen, etwas wie Stilisierung bedeuten. Wir alle kennen die entzückende Schönheit von Kinobil- dern mit ruhig glihcrndeu Wasserflächen sowohl wie Brandungs- welren, Wolken. Ranch, von Blicken in neblige Straßen oder in dämmerigen Wald, aber auch von dem Spielen des bewegten Lichts auf Stoffen und Tierkörpern. All das könnte mit den„natür- lichen" Farben unmöglich noch schöner wirken. Das dritte und wichtigste nun: das stumm«, farblose Bild ist bewegt. Unsere Aufmerksamkeit wird gesammelt auf den An- b ick der von Geräuschen und Farben losgelösten Bewegung, von der größten, die im Bilbraum Platz hat. über das Pantomimische zum Mimischen hin bis zum Lächeln und Augenlidblinken, bis zum Lei- festen, was das Auge aufnehmen kann. Diese Bilder kann es ver- größern. Es kann daS Antlitz eine» Schauspielers oder einer Schau- ivielerin metcrgroß zeigen und dadurch den Ausdruck dar Mimik für einen großen Zuschauerkreis eindringlicher sprechen lassen als im Theater. Es kann all diesen Zuschauern da» Leben in einem Vogelnest mit den fütternbm Eltern zeigen, als wäre der Zaun- köm� groß wie der Strauß, oder das Treiben im Bienenstock und Ameisenhaufen, als blickten wir gescheiten Riesen zu. Ter Eindruck der Bewegtheit entsteht aber erst in unS, in Wahrheit sind alle die Einzelbilder starr. DaS wieder bedeutet: man kann das Tempo verändern, kann verlangsamen und kann, im weitesten Maße, beschleunigen. Man kann die Beweauu- gen auch unterbrechen, kann einen Augenblick fest bannen und so studieren, was früher überhaupt unwahrnchmbar war. Da? be- wegte Lichtbild kann uns die Explosion beim Geschützabfcuern und sogar die fliegende Kugel in der Luft zeigen. Es kann aber auch vor unfern Augen«ine Blume aufblühen und eine Frucht reifen lassen. Vierten»: das Kino kann all daS v e r b i n d e n. E» kann auch perschieden« und verschiedenste Größen verbinden, miteinander fpteien, wachsen und schrumpfen lasseu. ES kann zaubern, daß da» Figürchen in einer Flasche zu leben anfängt, au» ihrem Halse kriecht, zum Menschen wächst, zum gewaltsamen Riesen wächst, der über die Menschen schreitet, wie Gulliver in Liliput, dann wieder abnimmt, wieder am Zwerg wird, und zum Schlüsse wieder in» Fläschlein zurückkehrt oder zum Königs-Halbbilde in einem Karten- spiel erstarrt. Dabei ist alles, wai c» zeigt, unabhängig vom Weiterleben de» Darstellers und des Dargestellten. Was einmal„gefilmt" ist, läßt sich kopieren und ausheben. Kurz: das Kino hat Möglichkeiten, die ins Unendliche gehen, ohne daß eS stillos zu werden brauchte. Ja, und dennoch ist da» Kino heute— wie es ist. Ist es so geworden, daß die Begeisterten von ehedem die Arbeit für dies« ihre alte Liebe meist aufgegeben haben, daß sie seit Jahren sogar die Erörterung jener künstlerischen Ausgaben fast eingestellt haben. Sie haben den Mut verloren und die Wut bekommen, bis zu der Ungerechtigkeit, dieses Kino, da? ist, zu verwechseln ryit dem Kino, daS sein könnte.... Wie sollt«S denn ander» sein, als daß man für feinere Reize erst einstellen, werben, heranbilden muß? Der Mann aber, der sich dort auf die Bank in frische Oelfarbc setzte, der war sofort ein Schlager. Der Detektiv da, der einen Dieb abfaßt, die edle Schön- heit ans der Spelunke dort, die den fcinfeinen Grasen beiratete, das süße Lockenkind in Trippelstrümpfchen, das der treue Karo auffand, bei denen raste der Beifall. Also her mit so Was! Das „Drama" entstand, das„Drama" siegte, das„Drama" ward Allein- bcrrscher. DaS Kino entstand, tvie wirS kennen: als Haupt- und Zugstück ein„Drama", daß der Mensch von gesundem Hirn sich vor» kommt, als verweil er bei einer Sondervorstellung für Blödsinnige. Was man nebenbei an Schönheit findet, sind Fettaugen, die meist der Zufall auf die Bettelsuppe geworfen hat. Di« Allgemeinheit hat sich in der Vertretung ihrer Interessen am Kino mit einer„Aufsicht" begnügt. Die ist im allgemeinen, Gottlob, keine Aufsicht über ästhetische Dinge, sondern über andere. Sie wird natürlich nicht überall von Beamten und Hilfsarbeitern ausgeübt, die reich an Einsicht und frei von Vorurteilen sind, aber ihre Mißgriffe schaden doch schwerlich ebensoviel, wie ihre Gut- griffe immerhin nützen. Auch ästhetische Entgleisungen sind hier so lange noch keine Unglücksfälle, wie sie nur Entgleisungen blei- ben. Die„Dramen"? Man könnte sie sehr wohl auf den reinen Augengenutz hin bearbeiien oder neu machen, ein paar„Zettel" dazwischen würden auch nicht wesentlich stören— und dann: da? „Drama" ist nun einmal der wichtigste Träger der gemütlichen Beteiligung im Kina. Aber, man darf das Kino nicht dem Geschäft allein überlassen. DaS bat man getan, da lag die Dumm- heit und da lag der riesengroße Fehler. Das Kino ist überall Hr- derbt worden, wo man es ausschließlich als kapitalistisches Unter- nehmen entwickelt bat. Das bedeutet Mißstände, die so ungeheuerlich sind, daß viel- leicht gerade durch die Gipfelimg des Widersinnigen die Notwendig- keit einer Volkswirtschaft mit Geistgut doch endlich einmal ver- ständliche-r wird. Heraus aus dem Manchester tu ms her �ur K u l- t u r w i r t scha f!! Im einzelnen und Im allgemeinen ist ja ftirS Kinogebiet schon vieles angeregt worden, aus neuester Zeit erinnere ich nur an den„Biiderbühnenbnnd deutscher Städte". Aller großen, schon aller größeren Erfolge Vorbedingung aber ist die Erkenntnis von der enormen Wichtigkeit der Aufgabe und der Wille der All- gemeinheit, da zu helfen. Sind die Mittel beschafft, so möchte ich für mein Teil zwei Forderungen besonders befürworten: Erstens die nach dem Gründen, Pflegen und vermittelnden Verwalten einer staatlichen Filiyffammlung. Ein Licht- bühnen-Beirieb ohne Filmsammlung ist ein Thcatcr-Bctrieb ohne Fundus, ohne Kulissen und ohne Bücherei. Zweiten? brauchen wir L i ch t b ü h n e n für Gebildete, besser gesagt: für Vorgeschrittene im Geschmack. Lichtbühnen, denen die Staaten, die Städte oder sonst Körperschaften Zuschüsse unter entsprechenden Bedingungen gewähren, wie jetzt schon den städtischen und staatlichen Theatern. Auch die Wiederholung der„abgespielten" besten Filme könnte von ihnen ansbedungen werden. Diele bevor- zugten Bühnen müßten zugleich die Darsteller des besten schon Er- reichten und die Trgger der Entwicklung vorwärts sein. Oer bakteriologische Charakter der„Spanischen Krankheit". Ueber den Erreger der über ganz Deutschland und auch im AuZ- land verbreiteten Epidemie äußern sich auf eine Antrage der „Deutschen Medizinischen Wochenschrift" mehrere ärztliche Autoritäten auf Grund von bakteriologischen Untersuchungen. Professor Pfeiffer in Breslau schreibt:„Sie tragen tclcgraphisch an wegen der neuen spanischen Krankheit und ibrein Verhältnis zu der Epidemie der Jahre 1886 und 1861/62. Ich bin noch nicht in der Lage, ein definitives Urteil zu fällen, da ich eben erst begonnen habe. mich mit bakteriologischen Untersuchungen der neu aufgetauchten Epidemie zu belchäfiigcn und die Zahl der bisher ge- prüfte» Fälle infolgedessen noch klein ist. Nur so viel vermag ich auszusagen: In einer Reihe von Fällen habe ich Bazillen, die ich zunächst mit den seinerzeit von mir als Ursache der damaligen.Jnfluenzacpidemie beschriebenen Mikro- organismen identifizieren möchte, nachweisen können, Während andere Fälle sich negativ verhalten haben. Weitere Untersuchungen werden dieie Widersprüche ausklären." Pros. Äruber in München telegraphiert, daß die Influenza- bazillen bisher nicht gefunden und die Untersuchungen im Gange wären. Prof. Dr. Ulrich Fricdemann, Leiter der JnfektionS- abteilung des Rudolph Buchow-Krankenhauses in Berlin, schreibt: „Bei der gegenwärtig in Berlin herrschenden Epidemie handelt cS sich klinisch zweifellos um eine Influenza. Die beobachteten Krankheitserscheinungen und Komplikationen stimmen vollkommen>nii den Schilderungen ans der großen Epidemie des JahrcS 1889/90 übprein. Ter JnfluenzabnzilluS konnte bisher nicht als Erreger festgestellt werden, doch ist dies eine Erfahrung, die auch bei früheren Jnfluenzacpidemien bereits gemacht wurde. Bei den komplizierenden Lungenentzündungen fanden sich meist Pneumokokken oder Strepio- kolken als Erreger. Es ist möglich, daß die negativen Influenza- bazillenbefunde mit den Schwierigkeiten der Methodik im Zusammen- hang stehen. Ich halte es jedoch für nicht unwahrscheinlich, daß cS epidemische, unier dem klinischen Bild der Influenza verlaufende. Erkrankungen gibt, bei denen der Jnfluenzabazillus nicht der Erreger ist." Prof. Dr. Uhlcnhuth in Straßburg telegraphiert:„Bisher in mehreren Fällen Bazillen, die milroskopisch und kulturell den Pfeifferschen Jnfluenzabazillen gleichen, gesunden: bei anderen Fällen negativer Befund. Untersuchungen werden fortgesetzt." das GewaltWem in Amerika. „Amerika, da? alles im größeren Maßstabe als England tut", so schreibt die holländische Wochenschrift„De Nienwe Amsterdamer", „ist auch in seinen Maßnahmen gegen Pazifisten und Revolutionäre roher, gewalttätiger und willkürlicher. ES ist bereit» mehr als ein» mal daraus hingewiesen worden, daß Amerika weniger als irgend ein anderes Land dazu berechtigt ist, im Namen der Kultur und der Menschlichkeit gegen Deutschland zu kämpfen. Denn Iva- in Amerika an grobem Unrecht, an Bösartigkeit und an Verbrechen nngestrast und sogar durch die Behörden selber gegen die Arbeiter- bcwegung getan worden ist, findet.allein im alten Ruß- land sein Gegenstück. Amerika hat die kapitalistische und geschäst» liche Lebensform aus Europa übernommen und entwickelt, ohne sich zugleich die kulturellen Traditionen anzueignen. Statt dessen herrscht im wilden Westen die Tradition des Lynch- gesetzcS, eine rücksichtslose Jagd nach dem Dollar, die vor der geictz- widrigen Roheit nicht zurückschreckt. So lußt auch die Organisation der Großindustrie in Amerika allein auf der despotischen Willkür einer Gruppe von Geldleuten, die den Staat ausplündern und mit offenberzigstem Egoismus ausnützen. Ab und zu dringen einige Berichte über die Schreckensherrichaft, die gegenwärtig in Amerika Herrscht, nach Europa durch. So wurde beispielsweise vor einem Jahr einer der Führer der Arbeiterorganisation„Jndustrial WorlerS of the World", der gegen den Krieg ausgetreten war, nachlS aus seiner Wohnung geholt und kurzerhand gelyncht. Das ist die Kiiltur, für die Amerika kämpft."_ Notizen. — Der Maler H a n» a m Ende ist an den Folgen einer Kriegsverletzung im Alter von 58 Jahren gestorben. Er gehörte zu der Gruppe der Künstler, die sich in den 60er Jahren in dem nieder- sächsischen Moordorf Worpswede bei Bremen niederließen und die malerischen, schwermütigen Schönheiten des Moores und der Heide entdeckten. Hau» am Ende hat" die zarten wie die ernsten Elim- mungen dieser vorher kaum gewürdigten Landschaft im Sinne der Naturwahrhcit fcstgehalien. — Im Potsdamer Naturtheater findet Freitag, den 12., nachmittags 5 Uhr, die erste Aufführung von„Glaube und Heimat" statt. In den Abendvorstellungen am Mittwoch, S. nv.-: abend und Sonntag, abends 8 Uhr, wird bis aus weiteres die„Ver-- sunkenc Glocke" gegeben. — Die Eröffnung der Universität Dorpat wird in diesem Jahre noch nicht möglich sein. Jedoch besieht die Ab- ficht, mit Hilfe von deutschen Dozenten schon im September einen. Vorlesungibetricb einzurichten. — Der höflichste Redakteur ist zweifellos der chinesische Zu dieser Erkenntnis kommt man, wenn man die Ablehnung eine? Manuskripts von einer Pekinger Zeitung liest.„Wir haben Dein Manujiript mit unendlichem Entzücken gelesen. Niemals zuvor haben low uns an einem solchen Meisterwerk ergötzen können. Wenn wir c» drucken würden, so würden wir den Besohl erhalten. es als Muster zu nehmen, und fortan dürsten wir niemals eine Arbeit, drucken, die schlechter wäre als diese. Da es nun unmöglich sein Ivürde, in den nächsten 10 060 Jahren ihresgleichen zu finden, so sind wir gezwungen, wenn auch gebrochenen Herzens, Dein gölt- liches Manuskript zurückzuschicken, und daß ivir es tun mußten, d»- für bitten wir Dich tausendmal um Verzelbung. 34] Lodz. Das gelobte Lanö. Roman von W. St. R e y m o n t. „Ach. wie könnt' ich nur nicht draufkommcn. Du bist ja in Warschau aufgewachsen, lebtest da in der polnischen Sphäre uipd hast in allen Warschauer Kreisen und Salon« verkehrt, iw* können dir da Juden gefallen, oder Lodzcr Menschen!" riss er ironisch.„Tu hast dich an die langhaai igen zerzausten Studenten gewöhnt, an diese deklamierenden Umstürzler, die auf eine Erbschaft und Bureausinekuren warten, an diese vor- nehme Atmosphäre der Großsstrcchcr und dt« gegenseitigen Sich-Belügens auf eine erhabene, edle Art. Ha, ha, ha! Ich Hab' das durchgemacht, und jedesmal, wenn ich mich an jene. Zeiten erinnere, stcrb' ich vor Lachen." „Latz daö. Moritz. Bitterkeit spricht aus dir. bist also nicht objektiv. Ich will cS nicht hören," rief sie schnell, un- angenehm berührt, denn wirklich lebte sie mit ihrem ganzen Herzen in jener Sphäre, obwohl sie seit zwei Jahrer schon bei ihrem Vater in Lodz wohnte. Sie ging hinaus und erschien nach einer Weile schon fortig zum Ausgehen. Sie gingen gleich fort. Ein sehr eleganter, kleiner offener Wagen wartete vor dem Tore. „Jahre nur bis zum Neuen Markt, da ist cS nicht mehr so schmutzig, ich geh' dann zu Fuß." Die Pferde zogen scharf an. „Trotz allem wunderst du mich. Mcla!" „Warum?" „Darum, daß du so bist— keine Jüdin. Ich kenne unsere Frauen gut. ich verstehe sie zu schätzet, und schätze sie. Aber ich kenne sie gut, derartige Bücherweisheiten nehmen sie nicht ernst, wie du eS tust. Kennst du die Ada Wassereng? Sie lebte auch in Warschau und verkehrte in denselben Kreisen wie du: sie begeisterte sich für alle«, gradso wie du. Sic war in allem tätig, sie stritt mit mir über Gleichheit. Freiheit, Ehre und Jdeald." „Ich streite doch nicht mit dir iiber all dies." unterbrach sie ihn kurz. „Ja. ricktig. aber latz mich doch ausreden: sie war also die idealste Jdealistin. tvie sie ober ihren Rosenblatt geheiratet hat. vergaß sie all diese Dummheiten, der Idealismus war nicht ihre Spezialität." „Gefällt dir das?" „Das gefällt mir grad. Solange sie Zeit hatte, spielte sft mit Poesie, warum sollte sie auch nicht, das wird in pol- »tischen Häusern gern gesehen, gibt einen gewissen modernen Ton, na, und ist nicht so langweilig wie Theater- und Bafr besuche." «Du bist überzeugt, daß das nur ein Spiel war?" „Ich beziehe eS nicht auf die Polinnen und nicht auf dich, daS ist eine andere Gattung, aber auf die Jüdinnen— ja. das weiß ich gewiß. Ucberlcg' doch mal. waL kann sie das alles angehen? Mela. ich bin Jude, ich habe mich dessen nie und nirgends geniert, ich Hab' cö nicht geleugnet— waS für ein Geschäft, es zu leugnen I Mich geht außer meinem eigenen Geschäft ebenso nichts an, als alle unsere Leute, ich Hab' das einfach nicht im Blut. Schau, so ein Borowiccki. das ist ein eigentünilicher Mensch, das ist mein Kollege auS dem Gymnasium in Warschau, mein Kollege aus Riga, mein Freund, seit Jahren wohnen wir zusammen, ich habe mir eingebildet, ich Tenne ihn. das ist unser Mensch. Er hat scharfe Krallen, er ist ganz und gar Lodzcrnicnsch, er ist ein besserer Macher wie ich. und manchmal tut er Dinge, die ich absolut nicht verstehe, die keiner von unseren Leuten getan hätte; er ist ein Lodzermcnsch. und er hat trotzdem seine verrückten Ideen, seine utopischen Träume, für die er eventuell einen Rubel hergibt, wenn er zwei bei sich hat. und für die ich einen Zehner geben würde, tvenn es schon aar nicht anders ginge, ich.. „Wo willst du hinaus»?" unterbrach sie ihn wiederum und berührte mit ihrem Sonnenschirm den Kntscber! er sollte halten. „Daß du grade so etwas in dir hast, WaS jene haben, die Polen." „Heißt daS nicht vielleicht Seele," sagte sie lustig, aus dem Wagen herausspringend. „Das ist ein zu großes Schema." „Gehen wir durch die Mittelstratze, ich möchte bisscl herum- gehen." „Am nächsten wird cS sein: bis zur Widzetvskastraße und von da zur Ziegelcistraßc." „Du wählst den kürzeren Weg. um dich möglichst bald des Frondienstes zu entledigeil!" „Tu weißt doch, Mcla," daß ich dich mit großcjn Vergnügen begleite." „Deshalb vielleicht, weil ich so geduldig zuhöre?" „Ja. und auch deshalb, weil du sehr schön bist mit dieser Ironie auf den Lippen, sehr schön."„ „Dein Kompliment ist weniger schön, du reichst es so en gros dar." „Du ziehst die Warschauer Komplimente vor, so en dötaik, kurzfristig und mit einem guten Giro." „Es genügt die gute Erziehung und die Anständigkeit." „Trotzdem schadet es nichts, sich mit einem Ehevertrag zu verschanzen," warf er ironisch hin mid klemmte den Kneifer fest. „Ah, hier wolltest du hinaus I" flüsterte sie ärgerlich. „Du wolltest es!" „Ich wollte, daß du mich zu Rosa begleitest." Sic sagte cS mit Nachdruck. „Ich würde> dich überall hinbeglcitcn, wenn du es nur Ivolltest!" rief er, die eigentümliche Rührung, die ihn über- fiel, in einem scharfen Lächeln verbergend. „Ich danke dir, Moritz, aber dorthin wird mich schon ein anderer begleiten," erwiderte sie scharf, verstummte uno blickte traurig auf die furchtbar schmutzige Straße und an den schmutzigen Häusern entlang. Auch Moritz schtvieg, denn er war wütend auf sich, und' mehr noch auf sie. Ironisch fing er ihre mitleidsvollen Blicke auf. die sie den lumpigen, abgezehrten, in den Hauseingängen und auf dem Bürgcrstcig hcrümspielcnden Kindern zuwarf. Er verstand sie ein wenig, und sie erschien ihm gerade deshalb sehr naiv, sehr.� Sie regte ihn mit ihrem dummen Polnischen Idealismus auf, tvie er in Gedanken ihren Charakter nannte/ und zugleich tvurde seine harte, trockene Seele durch das bißchen Gefühl angezogen und durch die eigentümliche Poesie! ihres Wesens und ihrer Güte, die sich in dem blassen Gesicht offenbarte. „Hab' ich dich gelangweilt, daß du verstummt bist?" meinte sie nach einer Weile. „Ich wollte dein Schweigen nicht stören, du hättest an sehr wichtige Sachen denken können." „Ich kann dir versichern, daß ich an viel ivichtigcre ge- dacht habe, als deine Ironie erreichen kann." „Auf einmal hast du da zwei Geschäfte gemacht. Mela,— mir hast du einen Rüffel gegeben und dich selbst belobt." „Und doch wollt' ich bloß eines," sagte sie lächelnd. .„Mich treffen, nicht wahr?" „Ja. und ich habe es mit Vergnügen getan." „Du magst mich gar nicht leiden, Mcta?" fragte er, un- angenehm berührt.(Forts, folgt.). Dentsc'hcsi Theater. Mit Max Pallenbarg 8 Uhr: Blbikoff. Ronnab.: Familie Schimek. Sonntag: Familie Schimek. Montag: Familie Schimek. Kitm?ncra»1ele. Aliabendlich 7-'/, OTir: Inkognito.(Operette.) VolkisbtMine.Th.a.Bülowj!. Letzte Woche. Allabendlich T1/? Ohr: tscnera! Y®rch. fheaier des Westens Allabendlich T'/a Uhr: Leopoidiite KoHsiififin Die Tänzerin. Thsatsr � Kfinipfrltzsrstr. 8 Dlir: Die fünf Frankfurter. Komödienhaus 8 Uhr; Die Zarin. BerlinerThcater 7" Uhr; Zum 150. Male; IBUtrhlanc» Bint. MaüonsS-tkealer Cöponicker Str. öS fjanno- witzbrücke).— Täglich•(,8; Moch nie dagrcwcBCner l.actaei-tolg! MNZSKkIZ. Militttrhumoreake in 3 Akten. Musik von Walter Bromme. Vorverk. 10 U. ununterbroch. Tlisater der Frielrfclstiölt. Koke Frietirich- u. Linionstr TeleT)hon: Norden 8650. Taglich 7a/4 Uhr; Li? erste Sonnt, naebm. 3!/2 klein» Pr.; JiäjSrrari. I A�iulrslspstest. DiePriiizesäiiTonTrsgut| Sajdah Deafscbe Tänze TU ühr. 2, S, 4, 5.« M SIS Theater fßr Freitag, 12. Juli. Ceutral-Thoater vu mir;{jig föarWrsfiii Ocntschcs Opern haas 7 ühr: Bie seiBO Heisiia. Friedrich-Wllbelmst. Theater 71/2trhr: öllZ lZfLM.WÜIW. Kleines Theater 8 Uhr: Arisfid und seine Fehler mit ßaesermaim. Komische Oper 7�2 u-- SelwarmIMei. Sonnt. Z'/, 17: IZIe XlnokSninln. .�etrnpol-Theater Uhr': Vis yon StamfeiiL LinstsplelhanM 7'/. Uhr: Die blonden Mädels r. IMenlioI Neues Operetlenhaos f/.ukr�erSriiatilerMarie. Kesidena-Theater ?'/. uhr; FlffliDEr-KIWsn. Schiller-Th. Charl. 7./. vif; ilt-leidellErp. Thalia-Theater uhr'MMMMEDM Theater am Noltendorfplatz 71/, Uhr: '''fiffamcu mm Neukölln SÄ Nur noch 3 Tage. Heute Freitag AbendvorsteSIwng um 73/4 Uhr. Rose-Theater. Z'-. Hiß Friizessla m Nil. Gatleiib.: Bitte rechtfreundlich! g Beictishaiien- Theater. I Stettiner Sänpr Anfang 71/, Ab 16. 7. bis 81. 7.: ! Gastspiel der ILeipziger j Seidel-SänKcr. Trianon-Theater Bhf. Frledrichstr. Ztr. 4927. 2391 SU. Zum 315. Male; S>er MensseliiÜer. Sonnabend 1l1i Uhr kl. Pr.: Schneewittchen. 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T r o tz k i soll auf dem Allrussischen Kongreh der Sowjets erklärt haben, er habe Nachricht, daß an der Front die Einig- knt der Sowjet-Truppen durch snglisch-franzgsische Propaganda ge- l'ttkn habe. Einzelne Teile der Truppen seien zum Feinde übergegangen. Der Kriegszustand wurde über die M u r m a n k ü st c und die Baby bis Sipanka erklärt. Das„tlemeie* Mtteleuropa. Fm ungarischen Abgeordnetenhaus erklärte Dr. Wekerle, daß sich die mitteleuropäischen Verträge ausschließlich auf Teutschland, Oesterreich und Ungarn beschränken sollen. Die � Oesterreichcr und Ungarn wollen in diesem Rahmen Zollfreiheit für landwirtschaftliche Erzeugnisse, dagegen Zölle für Jndustrieprodukte. ZWangsmonarchie für Zinnlanö! Tie finnischen Parteien haben sich gegen die Politik, ihr Land zur Monarchie zu formen, gewehrt. Für den Plan der KonigSmacher war keine Mehrheit zu haben. Jetzt soll Gewalt angewandt werden, sie zur Willigkeit zu bekehren. Von außen ber wird eingegriffen. Man sperrt die Hilfe, um die Wider- strebenden in die Knie zu zwingen. � Wie.�Snenska Dagbladet" aus Helsingfors erfährt, erklärte Senator Setla in Wiborg, daß es für die finnische Re- gier�ingnahezuun möglich sei, eine äußere Stütze zu bekommen, die Finnland brauche. Könne die Frage der Regierungsform nicht in nächster Zeit entschieden werden, so halte die Regierung weitere Arbeit für nutzlos. Am Montag abend besprach die Regierung mit den Land- tagSgruppen in einer geheimen Konferenz die Regierungsform. ' y teilte Regierungschef Paasikivi mit, daß die Regierung beschlossen habe, die Annahme der in anarchischen S t a a t s f o r m zur K a b i n e t t s f r o g e zu machen. Tic Republikaner betonen, dies sei illoyal, und verlangen eine V o l k s a b st i m m u n g, vor der sich jedermann beugen werde. Tie„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" hängt diesen Mit- Mitteilungen des„Svenska Tagbladet" zwei weitere Angaben zur Sache an. Erstens: der Tcniorenkonvent des finnischen Landtages habe in einem Aufruf ermahnt, in der öffentlichen Tiskusswn der Monarchiefrage künftig einen maßvolleren Ton anzuschlagen und den, Gegner keine unlauteren Motive zu unterschieben. Zweitens: der finnische Gesandte in Berlin habe in Helsingfors den Pressevertretern erklärt, Teutschland stehe der Frage der irnnisdien Staatsform gänzlich unbeteiligt gegenüber und mische sich in keiner Weise darein. An welche äußere Stütze, die Finnland braucht und kaum mehr bekommen kann, mag der Senator Setla in Wiborg bei seinen Worten gedacht haben? D?r Lebensmittelkontrolleurast vorhandenen, teilweise bitteren Notlage deS Volke? sogar eine kleine Mebrheit erreichen." Natürlich ist dabei nicht zu vergessen, daß in den konser» vativen Wahlbezirken nunmehr auch die Stimmen der Links- varteien zählen. Denn die Verhältniswahl ist gegenüber der Mehrheitswahl� das gerechter wirkende Wahlsystem, ein Vor- zug, der dies System zur Forderung der sozialistischen Partei- Programme werden ließ. Daß auch die Listenwahl sich in vieler Hinsicht bewährt hat, wird aus folgendem geschlossen: ..Dadurch, daß d:? Reihenfolge der Kandidaten zugleich ihre Vedeutung innerhalb ihOLr Part-c-i angeben muhte— wegen ber Uebertragung überschüssiger stimmen vom ersten auf den zweiten und vom zweiten aus den dritten Mann, also in fortgesetzter Reihen- folge— waren Zufallsergebnisse durch Siege von un- geeigneten Lokalgrößen, die nur einen Anhang im eigenen Wahlkreis hatten, ausgeschlossen. Unter dem neuen System ist jede Vartei natürlich bemüht, in c r st e r L i n r« d i e W a h l ihrer tüchtigsten Fachleute auf politischem, militärischem und wirtschafilichem Gebiete sicherzustellen. Da diese nun an die Spitze der Wahllisten gestellt werden, erhalten sie. wie man«» an den Beispielen der ehemaligen Minister Loeff, HeemS- kerk und Eolijn k u r g, S. Juli. Tie Disikussion über deu Geschäftsbericht zog sich auch noch über den größten Teil des heutigen Tages hin. Sie drehte sich weiter in der.Hauptsache nur um die Reichstarise, wobei all die Fragen der gewerkschaftlichen Tarifpolitik aufgeworfen wur- den.— Ter Verbandstag nahm einmütig eine Resolution zur Tarif- frage an, in der der Verbandstag did Bedeutung des Reichstarifs für Zivilschuhwerk für die gesamte Schuhindustrie anerkennt. Er erblickt in demselben eine geeignete Grundlage, um die Gestaltung der Lohn- und Arbeitsbedingungen weiter zu vervollkommnen. Der Verbandstag erklärt aber, daß die tariflichen Grundlöhne und Lrtszuschläge den tatsächlichen Verhältnissen in vielen Fällen nicht entsprechen. Er bedauert, daß keine weitere Verkürzung der Ar- beitszeit erreickit und die Ferienfrage keine Regelung erfahren hat. Der Verbandstag erwartet, daß bei einer Erneuerung des Ver- träges diese Punkte besonders berücksichtigt un!> ihre Annahme energisch verfochten wird. In die Z e n t r a l- T ar i fko m m i s si o n wurden als ordentliche Mitglieder delegiert Hamacher- Berlin, Weise- Bresluw und We i ck e r s- Nürnberg. Ter Verbandstag trat hierauf in die Erörterung der Anträge ein, die die Sperrung der Beiträge an die �Gcncralkommission ver- langen. Damit verknüpft wurde die Stellung zur Redaktion des FachblattcS. Zur Begründung der Anträge auf Sperrung der Bei- träge wurde auf die allgemeine Krie�spolitik der Generalkom- Mission, auf ihren Beitritt zum Bund für Freiheit und Vaterland, die Teilnahme an der Ludendorffspcnde und die Herausgabe des Flugblatts anläßlich des Berliner Streiks verwiesen. Nach den Begründern der Anträge kamen mehrere Delegierte zum Wort, die die Anträge aufs schärfste bekämpften. Mit der Sperrung der Bei- träge an die Generalkommission würde man der eigenen Organi- sation den größten Schaden beifügen. Die Generalkommission führe auch nur die Beschlüsse der Vorständekonferenzen aus. Sei auch der Anschluß an den Bund fiir Freiheit und Vaterland ein Fehlgriff, so dürfe das aber nicht dazu führen, die Beiträge. zu sperren.— Die Haltung des Fachblattes fand von diesen Rednern scharfe Kritik. Das Verbandsorgan sei kein gewerkschaftliches Blatt mehr, sondern eine politische Zeitung, erfüllt von politischer Ge- hässigkeit gegenüber der anderen Richtung. Die Redaktion habe iich über den Beschluß des letzten Verbandstages hinweggesetzt. Im Fachblatt müßten die Interessen der Gewerkschaften und nicht die einer Partei vertreten werden. Es sei Zeit, daß hier eine Aende- rung eintrete, und daß das Organ von Gotha nach Nürnberg über- geführt werde. Verbandsvorsitzendcr Simon kann es verstehen, daß Anträge auf Sperrung der Beiträge gekommen sind, er könne sie aber nicht billigen und iei darum entschieden dagegen. Es werde die Zeit kommen, wo die Einigkeit und Geschlossenheit der Gewerk- schasten eine zwingende Notwendigkeit sei, darum wolle man sich nicht trennen. Bei den Kämpfen nach dem Krieg seien die Gewerkschaften mehr als je aufeinander angewiesen. Die Politik der Generalkommission verurteile er auf das aller- entschiedenste. Bezüglich des Fachblattes betonte Simon, dem Redakteur könne man nickt versagen, gegen die Generalkommission, gegen die Politik des 4. August, die zusammengebrochen sei, Siel- lang zu nehmen. Seine Artikel seien meist herausgefordert wor- den durch Angriffe von der Gegenseite. W ü r z b u r g, 10. Juli. In der fortgesetzten Debatte über die Anträge bezüglich der G e n e r a 1 k o in in i f f i o n kam heute zunäcksst der Vertreter der Generalkommission, Silberschmidt» Berlin, zum Wart. Er stellte in längerer Rede falsche Auffassungen richtig und recht- fertigte die Haltung der Generaltomnuifion. Durch den Beitritt zum"Bund für Freiheit und Vaterland sei kein Anschluß an bürger- liche Kreise erfolgt; der Bund bedeute lediglich einen Zusammen- schlutz von Kräften zur Erreichung eines bestimmten gleichen Zieles. Die Generalkommission habe bei alle ihren Handlungen' keine Grundsätze aufgegeben; sie. lasse sich'leiten von dem Wohl der Arbeiterklasse. Die Generalkommission handle im Einverständnis und nach den Beschlüssen der Vorständekonferenz. Die Unterstützung oer Ludcndßrsffpende liege nur im Interesse der Kriegsbeschädigten. Einmütigkeit herrsche darin, daß das Reich die Pflicht hat, für die Kriegsbeschädigten ausreichend zu sorgen. B o ck- Gotha verteidigte seine Redaktionsführung des Fach- blattes gegenüber den Angriffen in der Debatte. Der Redakteur könne es nickt allen recht machen; er habe sich bemüht, der Reso- lution des letzten Verbandstages, die Neutralität in politischer Be- ziehung verlangt, zu entsprechen und auch alle Beschimpfungen zu vermeiden. Redner begründete eine von ihm eingereichte längere Resolution, die gewerkschaftliche Grundsätze aufstellt, von der Generalkommission zwar nicht sprickt, aber an ihre Adresse gerichtet ist. Er wünsche nickt, daß man sick von der Generalkommission trenne. Die Generalkommission müsse aber eine andere Taktik einschlagen, Neutralität nach beiden Seiten üben. Die Arbeiter- schaft habe während des Krieges vieles preisgegeben, aber nichts— außer der Aufhebung des§ 1ö3 der Gelverbeordnung— dafür erhalten. Ausschuhvorsitzender Haupt- Magdeburg wandte sich ebenfalls entschieden gegen die Haltung der Generalkommission. Verbandsvorsitzender Simon betonte, man habe den Aufruf der Generalkommission für die Ludendorfffpende dazu benutzt, einen Druck aus die Arbeiter auszuüben. Alle Versprechungen der Re- gierung seien nur gemacht worden, nm die Arbeiterschaft einzu- lullen. Das Proletariat müsse sich auf seine eigene Kraft ver- lassen. Der Abgang Kiihlmanns und die Erennung seines Nach- folgers zeige, wie der Wind wehe. Bei den weiteren längeren Erörterungen kamen Redner beider Richtungen zum Wort. Silber schmidt wies energisch den Vorwurf, die Generalkommission und die Abgeordneten der Mehrheit hätten sich an die Regierung oder an Bürgerliche verkauft, zurück. Es sei kein Tag ins Land gegangen, wo nicht mitderRegierunggekZmpftwordensel. Der Stand- Punkt, durch eigene Kraft Erfolge zu erzielen, sei nickt auf- gegeben worden. Das Zusammengehen mit anderen Richtungen erfolge nur, wo man dadurch einen maßgebenden Einfluß auf die Gesetzgebung ausüben könne, wie beim Arbeitskammergesetz; das entsprach gewerkschaftlicher Taktik. Bei der Abstimmung wurde der Antrag auf Sperrung der Bei- träge an die Gencralkoinmiffion mit 13 gegen 10 Stimmen ab- gelehnt. Vorsitzender Simon erklärte hierzu, daß damit aber nicht die Haltung der Generalkommission gäiilligt werden solle. Gegen zwei Stimmen nahm der Verbandstag dann die R e s o l u- t i o n Back an, die u. a. besagt: „Die Gewerkschaften sind vor allem dazu berufen, den un- mittelbaren Kampf gegen das Kapital zu führen. Eö widerspricht den Grundsätzen der Demokratie und ist geeignet, Zerwürfnisse in die Organisation zu tragen, wenn einzelne Mitglieder, Ver- treter von Mitgliedschaften oder Organisationsleitungen ver- suchen, die Gewerkschaften auf eine Politik zu verpflichten, die mit den anerkannten Grundsätzen in Widerspruch steht und die von der Mehrheit der Mitglieder nicht beschlossen worden ist. Ins' besondere ist kein Ovganisationsangehöriger, allein oder mit mich reren verbunden, berechtigt, Maßnahmen zu treffen, die die Or� gaüisation dritten gegenüber zu taktischen oder politischen Akti» nen verpflichtet, ohne daß zu solchen Bindungen die Organisation ausdrücklich Auftrag erteilt hat. Werden solche Grundsätze mißt achtet, dann tragen die Betreffenden Streitigkeiten in die Or ganisation, gefährden ihre Einheitlichkeit, ihre Schlagkraft und schädigen somit das Interesse des gesamten Proletariats. Mehr denn je ist in der Zukunft die Einheitlichkeit und Geschlossenheit der Organisation unerläßliche Voraussetzung ersprießlicher ge- werkschaftlicher Arbeit."____ Tie Krankenkassen-Angestellten Grost-Berlins hielten am 0. Juli im„LehrerveceinshauS" eine gutbesuchtc Versammlung ab, die sich zunächst mit den durch die Grippenepidemie hervorgerufenen Verwaltungsschwierigkeiten beschäftigte. Der 1. Be- vollmächtigie des Verbandes der Burcauangestellten Krüger wies darauf hin, daß der Krankenstand um 50 bis 70 Proz. bei allen Kassen gestiegen sei. Diese ungeheure Mehrarbeit müsse aber teil- weise von einer verringeren Angestelltenschaft erledigt werden, da ein Teil der Angestellten in Urlaub, ein anderer Teil- ebenfalls er- krankt sei. Teilweise haben die Kassen gar keine ernstbaften Ver- suche gemacht, Hilfskräfte heranzuziehen. Andererseits bilden hier- bei auck die geringen Hilfsarbeitergchältcr der Kassen ein Wesen t- liches Hindernis. Die berechtigte Unzufriedenheit der Kassenmit- glieder über zu langes Warten richte sich zu Unrecht gegen die An- gestellten. Redner schlägt vor, in denjenigen Kassen, wo sich Miß- stände zeigen, sofort mit den Verwaltungen aus Grund folgender Richtlinien zu verhandeln: Keine Verschiebung des Urlaubs, mög- lichst keine Ueberstunden, weitgehendste Heranziehung neuer Hilfskräfte, eventuell unter Erhöhung bisher gezahlter Gehälter, bcschlcu- nigte Anforderung eingezogener Angestellten durch Vermittelung des Kiiegsamts! In der Diskussion wurde besonder? von den Kollegen der All- gemeinen Ortskrankenkasse der Stadt Berlin und der Octskranken- lasse der Mechaniker die ungeheure Belastung dcr�Anaestellten und die ungenügenden Maßnahmen der Verwaltung zur Behebung der Mißstände geschildert. Von anderen Kassen(Charloktenburg, Weißen- ice, Friedenau, Schmargendorf usw.) konnte berichtet werden, daß diese Verwaltungen rechtzeitig genügend Hilfskräfte beschafft baben. Die von Krüger vorgeschlagenen Richtlinien wurden einstimmig an- genommen. Soweit die Verhandlungen keinen Erfolg haben, soll sofortige Meldung an die Ortsverwaltung des Verbandes(0. 27, Dirk'enstr. 4 I) erfolgen. Sodann berichtete Krüger über die Verhandlungen mit den K assenvorftänden wegen Erhöhung der Teuer uugszu- sage. Tic Vertreter der Kassen mußten anerkennen, daß eine Er- höhung der bisherigen Tcuerpngszülagen notwendig sei. Sie wollten dieselbe aber erst nach einjähriger Beschäftigung eintreten lassen. Es wurde schließlich folgende Vereinbarung erzielt: Die Teuerungszulage beträgt ab 1. Juni 1018 für Hilfsarbeiter in den ersten sechs Monaten der Beschäftigung: Verheiratete 80 M., Ledige über 18 Jahre 00 M., Ledige unter 18 Jahren 40 M., fiir jedes Kind 10 M. Für Beamte, Angestellte und Hilfsarbeiter nach sechsmonatiger Beschäftigung soll gezahlt werden: Verheiratete 120 Mark, Ledige über 13 Jahre 80 M., Ledige unter 18 Jahren 50 M., für jede? Kind 15 M. Die Erhöhung soll auch den bereits in Kün- digung stehenden Vcrsonen gezahlt werden, soweit ihre Kündigung nicht aus einem wichtigen Grunde erfolgt ist. Zahlung eines Teils der Teuerungszulage an die Kriegsteilnehmer wurde von den Kassen abgelehnt. Die Versammlung erklärte sich mit den getroffenen Ver- einbarungen einverstanden._ Ter Zentralvcrband der Lederarbeiter konnte im Jahre>017 seine Mitgliederzahl um 1177 erhöhen. En!- sprechend der kriegswirtschaftlichen Situation entfiel' der größte Teil des Mitgliedergewinns, nämlich 1000, auf die weiblichen Mit- glieder. Außerordentlich zahlreich und umfangreich waren die Tarif-, Lehn- und Teuerungsbewegungen. Insgesamt führte der Verband in 1017: 103 Bewegungen in 381 Betrieben mit 13107 Beschäftigten Es wurde fiir 11 377 Personen eine Lohnerhöhung von 51 240 M. pro Woche, außerdem für 005 Personen eine Ar- bcitszeitverkürzung von 1578 Stunden pro Woche erzielt. Bei den Lohnbewegungen wurden 21 Tarifverträge neu abgeschlossen resp. erneuert. Der Kassenahschluß erbrachte eine Mchreinnahme von 15 300 M. Tie JahreLcinnahme betrug 101731 M., die JahreS- ausgäbe 170 322 M. Für Erwerbslosenunterstützuug wurden 00 471 M., für alle Unterstützungen zusammen wurden 71103 M. ausgegeben. Ter Kapenbestand in der Hauptkasse am 31. Dezember 1917 betrug 210 070 M.. das Gesamtvermögen 240 045 M. Die Lokalkassen hatten außerdem noch ein Vermögen von 20 904 M. Da? Gesamtbild des Jahresabschlusses ist ein durchaus gutes und ist nur zu wünschen, daß die Berbandsmitglieder es auch im Jahre 1018 an reger Agitationsarbeit für den Verband nicht fehlen lassen. Parteinachrichten. Fraktion und Kricgskredite. Wir hakten gestern der„Frank- üirter Volksstimme" einen Bericht entnommen, wonach Gen. Hoch in seinem Wahlkreis Hanau gesag: haben soll, die Fraktion habe sich das letztcmal mit 25 gegen 24 Stimmen für die Bewilligung der Kriegskredite entschieden. Das hat Gen. Hoch aber, wie er uns mitkeilt, weder gesagt, noch ist die Behauptung selbst richtig. Das angegebene Stimmenverhältnis bezog sich auf die Abstimmung zu den Bukarester Verträgen. Gegen die Bewilligung der Kriegskre- dite stimmten nur 8 Fraktionsmitglieder. Tie neue sozialdemokratische Partei Finnlands ist unter dem Namen„Sozialdemokratische Refocinpartei Finnlands" gegründet worden. Das Programm der neuen Partei enthält u. a. folgende Punkte: Finnland soll Republik sein, Referendum in Gesetz- gcbungsfragen, Schiedsgerichte zwischen den Nationen, vollständige Rede-, Preß- und Koalitionsfreiheit, Gleichstellung der Frau mit dem Manne in allgemeiner und privatrechtlicher Hinsicht, Religion als Privatsache, Trennung der Kirche vom Staate. Außerdem ist ein besonderes Bodcnreformprogramm beschlossen worden, das darauf hinzielt, den Besitz, die Wälder und Flüsse zu verstaat- licheu und die Pächter zu Sclbstcigentümcrn oder Staatspächtern zu machen._ Heimo Stcinbach. Am Sonntag, 7. Juli, verstarb in dem kleinen lauonburgischen Orte Glüsing, wo sie einige Tage Erholung suchte, Frau Helma Steinibach an den Folgen eines Herzschlages. Hervorgegangen aus einer Kauftnannsfamrlie, in der m<*n mit Opfern und Entbehrun- gen den inneren wrrtschaftlichcn Zusammenbruch den Blicken der bürgerlichen Umwelt zu entziehen trachtete, lernte sie in der frühe- sten Jugend bereits die Demütigungen kennen, die verschämter Armut zu tragen auferlegt werden. Eine kurze, nicht glückliche Ehe wurde von ihr gelöst, und so stand sie jung und unerfahren allein mitten im Leben, ringend um den körperlichen Unterhalt.» Die eigene Mühsal und ungebändigter Freiheitsdrang führten sie in die Reihen derer, die gleich ihr ausgeschlossen waren von den Gütern des Lebens. Hier traf ihre Lebensbahn mit der des ihr im Tode vorausgegangenen Adolph v. Elm zusammen, und mehr denn dreißig Jahre einte diese beiden ungewöhnlichen Menschen seltene Freundschaft zu gleichem Streben und Wirken. Partei, Gewerk- schaft und Genossenschaft, alle drei im weitesten Sinne genommen, waren das groß? Feld, auf dem sie ihre gem: infame Lebensaufgabe suchten. Ihre Liebe galt dem kämpfenden Proletariat. Ihm galt ihr Sorgen und Ringen, und selbst ihre Erholung, die sie in der Dichtkunst und Musik suckite, diente ihr nur dazu, auch andere diese Genüsse teilhast werden zu lassen. Nun schloß auch diesen beredten Mund ewiges Schweigen; nach fast 71 Jahren endete ein sanfter Tod dieses bewegte Leben. Auf die Spuren ihres Wirkens aber werden die Genossen einte späteren Zeit noch vielfach stoßen und mit Recht der Verdienste dieser kampferprobten Proletaricrin in Dankbarkeit gedenken. ?nöustrie unö kanöel. Ein Wirtschaftsansschuß der deutschen Friedensindustrien. Ilm diejenigen Betriebe, die Bedarfsgegenstände für die bür» gerliche Bevölkerung herstellen, der Kriegsindustrie gegenüber zur Geltung zu bringen und ihnen Rohstoffe, Kohlen, Arbeitskräfte zu versckafien, ist unter Führung von Kommer, zienrat Ph. Rosenthrl in Selb ein Wirtschaftsausschuß der deutschen Friedensindustrien zusammengetreten. Ten ersten Anstoß dazu hatte die maugeludc Bcnicksicktigung der gekennzeichneten Industrien bei der Schaffung des Gesetzes über den vaterländischen Hilfsdienst gegeben; dem Wirtschaftsaus- schuß wurde denn auch auf seine Vorstellung hin eine Vertretung im K'riegsamt zugebilligt. Einen weiteren Grund zur Vereinigung bildeten die Klagen über das Kriegswuchergcsetz. Vor allem abcr hat sich der Verband mit der Abhilfe gegen den Mangel an Kohlen und die Klagen über unzureichende Zuteilung zu befassen. Die im Wirtschaftsausschuß vereinigteln Industrien decken sich einigermaßen mit denjenigen, die an der Leipziger Mustermesse vertreten sind. Der Zentralverband deutscher Industrieller und der Bund haben ihre Mitglieder vor dem Eintritt in den Wfttschasts- ousschuß gewarnt, weil sie in ihm einen Wettbewerb gegen den Kriegsausschuß der deutschen Industrie sehen. Zu einem ernsthaften Zwist dürfte es jedoch kaum kommen. Eingegangene Druckschriften. NnslSubische Gesevgebung über Bernfsvereine ukw.. Bearbeitet vom Kaiserlichen Statistsschen Amte, Ladenpreis 20 M/ Karl Hermanns Verlag, Berlin V 8, Mauerstr. 43/44. Tat-Flugschriiten. Nr. 25: Europa? Kapital und Arbeit nach dem Kriege, von H. Mcbmer, 1 M. u. 20 Proz.— Nr.-27: WaS soll sine deutsche Volksbochichnle sein und leisten? Von Eduard Weitich. Preis 0,80 M. und 20 Proz.— Zwangssyndikate, Monopole und Steuern, von Friedrich Wilbelm Fürst zu Nienburg und Büdingen, drosch. 1.20 IN. und 20 Proz.— Jedermann Selbstversorger, von Lebcrecht Atigge, brosch. 1,50 M. u. 20 Proz., sämtlich im Verlage Eugen Diedcrichs in Jena. König Konstantin und Griechenlands Kampf um die Ncuiralität.— Politische llufsaste über Griechenland von Pros. Dr. Philippion, Pros. Frhr. v. Bissing. Pros. Wolters, Dr. K. Strupp. Süddeutsche Monatsheste G. m. b. H., Vlünchcn. Georg Büchners„Leoncc und Lena» von Dr. Ernst Leovold Stahl, 1 M. Mannheimer Vcreinsd: uckerei, Mannheim, Kaiserring 4/6. Stefan George von Will Scheller, geh. 2,50 M., geb. S M. Hesse u. Becker, Verlag, Leipzig. Veraniwortl. f. Politik: Dr. tlfronj TIrdcrIch, Berlin-Friedenau: für d. übrigen Teil des Blattes: Alfred Sibolz, Neukölln: für Anzeigen: Theodor Glocke, Berlin. Verlag: Vorwöris-Perlag G. m, b. H., Berlin. Druck: Vorwärts-Buchdruckerei und BerlagSanstali Paul Tinger u. Co, in Berlin, Lindenstraßc 3. Sterz« 1 Bellagr and Unterhat luaqsdlat«. WM MMkl-ZklM Bezirk Berlin. Heute Freitag, de» 12. Juli, abends 8 Ilhr. im grostcu Saale des Gewerkschastohauses, Engelufer 15: Allgmftne EistNWAl'IstlsMsüiMZ. Tagesordnung: 1. Ist eine Verkürzung der Arbeitszeit möglich? Referent: Verbandssekrctär Kollege Kotxnr. 2. Freie Aussprache. 288/10 Die Beairksl eltnnjj. WM iettMer-BetM. Berwaltungöstelle Berlin. 54, Linienstraste 83—85. Getchästszeit von 9— 1 Uhr und von 4—7 Uhr. Telephon: Amt Norden 185. 1239. 1387, 9714. Achtung! Bauanschläger. Achtung! Am Sonntag, den 14. Juli 1018. vormittags 10 Uhr. im Lokal von Hummel, Sophienstr. 5 i Branchen-Versammlung der Bauanschläger. Tagesordnung: 1. Verbands- und Branchenangetcgenheiicn. 2.. Diskussion. L. Verschiedenes. ES ist dringende Pflicht aller Kollegen, pünktlich und zahlreich zu erscheinen. 114/18 Die Ortsreriraltiinff. LemiMhaftthaus. Sonntag, den 14. Juli 1018: Im groftcn Saale feiert der Mel« sa SWMIW>-» SWgmsesk. Tortrft.sre aller Art— teile 4 HiUtenbealtzer- Cirls In ihrem Tanzqnartett). Im Mahagonifaal: der ÜtMUINkHs„SUkllDCiB* Im herrlichen Natnrgarten— Treffpunkt unter dem Götrerbaum. Lesanx 11. Vortrag von„Adje u. Fiedje", Hamburger Hafentypen. ünd das Humoristische Damentrio. Hühnersuppe Steinbutte Holland. Steinpilze... Schleisorelle blau. Weißkohl bäurisch- Sonntag Mittag: 0,50 2,50 2,50 4,00 ILO '/, KavaUN... Gespicktes Riudersilet Götterspeise Kompott, Salat Käs« . 5.00 . 4.00 »»!. s Abenck-ipeeialität st, Rubn.. Kild. �iralsüricker Spicikaal Portion . 7.50 M. . 4.00. 3 Teite-■" öchentl. 1 M. Plomben 1.50. Golöm- krönen 18 M. Zahnziehen m. Einspr. höchst an schmerzlmtf. Uniarb. schlechts.Gebisse. Rep. ZahnamWoIt got Potsdamer Str. 98. Hocteb. Sprech». 0-7.* Ueber 25 Jahre einzig bewährt! Reichels Spezialmittel in unveränderter enormer Stärke wirken mit vernichtender Kraft. Wanzen-Büi�iilliL" Flasche M. 1.25, 2.25, 3.75 u. 5.50. Schwaben-"'»■* /ck Pack il. 1.—, 2.—. 4.—. Pfund M. 8.—. Pack 90 Pf.. M. 1.75, 3.50, Pfund M. 7.—. Durchgreifende Wirkung jede Brut abtötend Anerkennungen aus aller Welt. 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Ober- kam. in den Marken sowie vom König!. Polizeipräsidium. Einlrstlslarten: Hollmnnn'ir. 2, pari., iowic an der Äbcndkasse a 1,00. 2.00 und 3,00 M.