Ur. 190. 33. Jahrg. Bezugspreis: Lle�elsahr�.».ov äTcL monotl. 1.50K1. frei ins öaus. voraus �ahlbar.Einzelne Nuruuiern 10 Pfennig. Boilbczug: Monalrch. vom Postichalter abzuholen 3it,tiotn BrieNräger ms Haus gebracht 1.6t Ml. Unter Kreuzband tür Deutlchlard und Oesterreich-Ungarn S.— Ml, tür das übrige Ausland ■t.-eo DU. monatlich. Setfand ins iseld bsi dir elter Bestellung monau. lt-0 iRl. P»ostbestellungen nehmen an Düne- marl, Holland. Luxemburg. Echiveden unb die Schweiz. Singerragen in die Poit-Zeitungs- Preisliste. Erich«iü, täglich. Telegramm- Adreff« , Sozialdemokrat B erlitt", Verlinev Volksblstk. ( 10 Pfennig� Anzeigenpreis: DlestebengesballeneKownelzeiletostet 80 Psg.„Kleine Anzeige«", da! fettgedruckte Wort W Plg. tzulüsstz i fettgedruckte Worte), jedes«euere kort 1B Psg. Stellengesuche und Schlasstellenanzeigen das erste Wort 20 Pfg., jedes weitere Wort 10 Pfg. Worte über lö Buchslaben zählen für zwei Worte. Tem-rungSzufchlag 20%. gamilien-Anzeigen, volitijche und gewerlschaftliche Vereins- Anzeigen 60 Big die Zeile. Anzeigen für die nächste Nummer müssen biS 5 Übe nachmittags im HauHtgeschäft Serlm SW.K8, Lindenstrage 3, abiegeben werden. Geöffnet von S Uhr früh bis 1 Uhr abends. Zentralorgan der roztaldemokratSfchen Partei Deutfchlands. Neüattion: EW. 68, Linüenstraße 5. ffernfHrettiet: Ame Moril«v!a«t, Str. IM»0— IM S7. Expedition: EW. 68» Llnöenstraße 3. Sferaivrecher: vmr Moripplatz, Nr.!S1 S«— 1SI S7. ifi Die Uvskpraebe im Dauptaustckuk. tzintze übernimmt Sie Geschäfte. B e r l i u, 12. Juli. Reichskanzler Graf H e r t l i« g ist heute in das Große Hauptquartier zurückgekehrt.— Herr von H i n tz e begibt sich heute nach Kristiania zurück, um sich dort vom Könige zu verabschieden, und wird wahrscheinlick, im Verlaufe der nächsten Woche die Leitung der Geschäfte des Auswärtigen Amtes übernehmen. Der Rucktritt Kuhimanns vor öem tzauptaussihuß. .In der am Freitag fortgesetzten Debatte sprach zunächst Abg. Stresemann(natl.): �wrlfsllo? bat Herr v. Küblmann sicb Verdienfts erworben, das müsse gewürdigt werdcn, wenn man sich ein Urteil Über sein« Tätigkeit bilden wolle. Die Angriffe, die wegen des O st f r i e- d e ii s gegen ihn gerichlet wurden, waren nicht berechtigt, denn er harte auf unsere Verbündeten Rücksicht zu nehmen. Mit seiner Rede vom 24. Juni, die eine niederdrückende Wirkung aus- losen mutzte, war seine Stellung unhaltbar geworden. Dem Kanzler müsse man dankbar sein, datz er den Wecbiel vollzogen habe. In der inneren Politik habe der Kanzler, eine Lusagen eingelöst. Für die Nationalliberalen war es bei ihrer Stellung zur Industrie, ein grotzes Opfer, der Auf. Hebung oes z löZ zuzustimmen. Die Schwierigkeiten mit dem Ar- veitsramme rgesetz haben die Parteien selbst geschaffen dadurch, datz sie dem(rntwurs der Regierung einen eigenen Entwurf entgegen- stellten. Man dürfe zum Kanzler das Vertrauen haben, datz er Parlament auflösen werde, wenn alle anderen Mittel versagem Wir haben kein Interesse daran, die Wiedererrichtung einer Monarchie i n R u tz la n d zu fördern. Den ;j u fotrant n bruch Rußlands können wir nicht wünschen, wir müssen nn Ge�ntei'l sehen,>dah wir bald mit Nußland zu einem geregelten Handelsvcrkehr kommen. In der Schaffung neuer DemarkationS- ttnien kann man nicht die Absicht der Eroberungen erblicken. Diese �emarlatwnslmien waren eine Notwendigkeit angesichts d-S Auf- tvetens bewaffneter Banden. Redner bespricht dann das belgische Problem. Zwischen Reichsleitung und Oberster HeereSlei» t u n g mutz ein vertrauensvolles Verhältnis bestehen, bei dem In- cinandergreisen strategischer und politischer Momente darf die Heeresleitung nicht beiseite geschoben werden. Es isr unbereöbtigt. wenn immer die verschiedensten Richtungen die Oberste HeereS- leitung für sich in Anspruch nehmen. Tie Heeresleitung muh sich Wöhren und dann wirft man ihr vor, sie mische sich in die Pol'ti? ein.. Wenn die Heeresleitung den Wunsch hat, den preußischen Landtag seht nicht aufzulösen, um innere Kämpfe zu vermeiden so mutz das berücksichtigt werden. Tie Oberste Heeresleitung'hat seinerzeit durch Vertraucusmänncr die Konservativen und die Na- tionalliberalen gebeten, jetzt nicht gegen Bethmann Holl- w e g vorzugeben, um in diesem Moment keine inneren Schwierig- ketten zu schassen. Das beweise die große Sachlichkeit der Obersten Heeresleitung. Dem neuen Staatssekretär stehen die National- liberalen vertrauensvoll gegenüber. Reichskanzler Graf Hcrtling äußert sich noch einmal vertraulich zur belgischen Frage und knüpft daran die Bitte an die Parteien, alles zu tun, um den inneren Frieden nicht zu gefährden. Abg. Warmuth sD. F.) nimmt für-die Heeresverwaltung das Recht in Anspruch, die Beseitigung eines Staatsmannes zu for- dem, der zu den wichtigsten Fragen eine Stellung einnimmt, die geeignet ist, Schwierigkeiten zu schassen. Abg. Lcdcbvur(U. Soz.): Wir stehen der Person Kühlmanns völlig unbefangen gegen- q, d'..®'.* Mittelparteien sind heute enttäuscht darüber, daß er ihre Ko ttik nicht gemacht bat. Längst mußte man erkennen, daß seine Voutik nur eine versteckte Annexionspolitik war. Die u-r!edensrssolut:on des Reichstags ist von den Parteien niemals ehr. ich aufgefaßt worden. Offenbar war Kühlmann zur Uebcrzeugung gekommen, daß eine militärische Entscheidung den Frieden nicht bringen kann, das mußte ihn in Konflikt mit der Heeresleitung bringen. In der Beurieilung der Rede KüblmannS vom 24. Huni hat sich der Kanzler offenbar von den Ansichten der Hecr.'sleitung nachträglich beeinflussen lassen, denn noch am 25. Juni hat er den Staatssekretär im Reichstag gedeckt.' Deshalb müßte eigentlich auch er selber sein Amt niederlegen. Was Kühl- mann zum Vorwurf zu machen ist, das isr der Umstand, datz er selber rcvoziert hat, entgegen seiner besseren Ueberzeugung. S ch e i- demann habe eine Reihe treffender� Bemerkungen gemacht, aber er habe es unterlassen, daraus die nötigen Schlußfolgerungen zu ziehen. Die Entwicklung im Osten habe gezeigt, daß diese Staaten zu deutschen Vasallenstaaten gemacht werden sollen, eine r~•»f..... v:, frrla Htm________ v z u der Poiiiit U � � jlub«iras Westarv von der Politik des Kanzlers befriedigt sei. beleuchte treffend die ganze Situation. Durch den Rücktritt KüblmannS Feuerüberfälle, Erkundungsgefechte, Vor- feldkämpfe im Westen— Amerikanische Flieger gegen Koblenz. Berlin, 12. Jali 1918, abends. Amtlich. Oertliche Kämpfe südwestlich Bailleul und auf dem We stufer der Avre. Amtlich. GroßeS Hauptquartier, 12. Juli 1S18. xan m. Pigisdi l ikhotooroph. Ataliar« ÖlnkO.Zeactkt�iilcMi, imaeaAndmtpUuj »xx WarenhAuacp xxa äHiniurgnrWutsUuXiiFitgrr�sM Bill-8lf»l«i II ,Von».-l.ci.»tk i»VN l II BezugsQueiien-iierzeichnii ttorllw-liopden Dpoeen, Fapben SeMMf�Ä�tzt. Flslsoh- u. INypstw. Wiok.rt-> i Str. lll.| Kolonlntwapon Saegeiiarlli Mfibelmaaaztns> >!.,» j r. KelulekHlorfni 17 1°5° u ID. Tiachlermeistor Günstigste Kaufgelegenheit i ScialziK kmm Wesse biso« mitte Me» üroßc Aaswahl— mäßige Preise Bar— Zahlnn�«erlelchtcrang Neugebaasep, Ctiarlottenburg, Wllmeretiorfer Str. 128 I, Ecke Schlllgrstrafie Der Personenzug 366, der jetzt 8.47 Bormittagä von Berlin Poläd. Bhs. abfährt, wird früher gelegt und verkehrt vom 15. Juli d. IS. ab in folgendem Fahr- Plan: Berlin PoiSd. Bhf. ab 8.30 vormittags. Potsdam ab 9.05. Charlottenhof 9.12, Wildpark 9.17. Werder 9.27. Krohkreutz 9.41. Götz 9.48, Brandenburg 10.06, Kirchmöser 10.22, Graft- ivusterwitz 10.30. Kaderschleuse 10.40, Kentbin 10.53, Bergzow- Pärchen 11.03, Güsen 11.14, Burg 11.29, Moser 11.42, Ger- Wisch 11.50, Biederitz 11.56, Magdeburg Neustadt 12.07, Magdeburg Hbf. 12.21, Magdeburg Buckau 12.27, Dodendorf 12.39, Osterweddingen 12.45, Langenweddingen 12,52, Blumenberg 1.01, HadmerSIeben 1.13, OscherSleben 1.23, Hordorf 1.30, Crottorf 1.36, Nienhagen 1.42, Gr. Ouenstedt l,31,L>aiber- fiadt an 2.01. f262/14 Zläuigl. Eisenbahnbircktion ___ Magdeburg. BKOOnMMBnrtfr Obb-MüMM e. G. m. b. H. Junge frische Möhren und Schoten suuter Höchstpreis) in den Verteilnngsftetten. Geöffnet täglich ii— IL und 4—7. SonntagS S— 10. Glsaffer Str.78(Ecke Ackerstr.), Pankstr. 40(Nähe Badstrafte), iL uchitraste S(beim Virchow- Krankenhaus), Wilbelmshaveuer Str. 70 (Moabit). Kopenftagener Strafe 4 (Tchönbauier Allee), Christburger Strafte 2. (Prenzlauer Allee), Petersburger Strafte 4a (Franksurler Zlllee), Boxhagener Str. IS(Nähe Warschauer Ittafte), Kottbuser Strafte 18(Nähe tzochbahnhof), Bergmannftraftc 21. Rnrnirsteiistrafte 148(Nähe Potsdamer Strafte). Wilmersdorf: Wexstr. 38, am Rtngbahnhof, Cliarlottenburg: Bleibtreu- strafte 1(Bhf. Savignyplatz), KnobelSdorffftr. 50(Nähe Sophie. Chariotte-Platz). Neukölln: Kaiscr-Friedrich- Strafte 15. 79,16' Neue Mitglieder können noch ausgenommen werden. Rur private Bcrbrauch. Zwischen- Handel ausgeschlossen. Näheres in den BertcilungSstellen während obiger GefchästSftunden und im BerwaltuugSbureau der Norddeutscheu Gemüse. bau> Grnoffenschaft. Burg- strafte 27. III. Stock.Zimmer76 (b. Zirkus Busch), tägl. v. 10—7. Allgememe Ortskrankenkajse für den Stadtbezirk Copetttck. Der vom Vorstand am 28. Mai d. I. und in der auftcrordent- Uchen Ausschuß- Sitzung am 13. Juni d. I. beschloflcne III. Nachfrag zur Kassenlatzung, Aenderungen der§§ 19, 20, 33, 48 und 72, die durch Beschluft des VcrsicherungsamtS Cövenlck vom 5� Juni d. I. aus Grund der Sicherung der LeistungSsähigkeit der Kasse ge- maß H 391 der R.-B.-O. sosorf in Krajt geletzt waren, haben unter dem 28. Juni 1918 die Genebmigung des Königlichen OberversicherüngSamtS Groß- Berlin erhalten. 268/ il Druckexcmplare der neuen Bestimmungen sind von beule ab im Kassenlokal zu haben. Eöpenick, den 11. Juli.1918. Der Borstand. Otto Nickel, Fr. Murcken, Vorsitzender. Schriftführer. ZenttsIverbäDll der 1 Steinarbeiter Oeulldilands. Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nach- rich!, daß unser Kollege, der Hilfsarbeiter liiiemnn gestorben ist. Die Beerdigung findet am Tonnabend. den 13. Juli, nachmittags 4 Uhr. von der Leichenballe des Sankt Jo- banncS-KirchhosS in Plötzen- fee auS statt. Um rege Beteiligung er- sucht 172,3 Die OrtSverwaliung. SLZIMHilMl'Zöitf.nlL BerKn-Wfaalon fialenenheitokaufa gg» IfölasifJit-iMIIOi Spezialant Dr. med. l.aabs beh. schnell, gründl., mögl. schmerzlos u. ohne BerusSslör. Oescblecbtskrankbeit., geheime flaut-. 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Juli gestorben ist. Die Einäscherung sindet am Dienstag, den 16, Juli. nachmittags 4 Uhr, im Kre- malorium Kerichtstrafte statt Rege Beteiligung wird erwartet STachrnle. Den Mitgliedern serner! zur Nachricht. daß unser j Kollege, der Schlosser Min Behnke Oderberger Str. 21 am 5. Juli gestorben ist. Den Mitgliedern ferner I zur Nachricht. daß unser j Kollege, der Mechaniker Triedr. Boilmann Baruther Str. 3 am 8. Juti gestorben ist. Den Mitgliedern serner! zur Nachricht, daß unser j Kollege, der Schlosser »ermann Biaguerj Genter Str. 37 am 2. Juli gestorben ist Ehre ihrem Audcukru: 115,1 Die Drtsverwaltung. j Am Sonnabend, den s 6. Juli, verstarb unser Mit- glied pgul Reimer Lrunneustr. 97. Die Einäscherung finde!! am Dienstag, den 16. Juli, i nachmittags 4 Uhr. im Kre-' malorium Gerichtstr. 37,35 a statt. 300,14( SIm Sonntag, den 7. Jult.j verstarb unser Mi! glied Frieda Atißler Wersistr. 7. Die Einäscherung findet! am Montag, den 15, Juli, j nachmittags 5 Uhr, im Kre-! maiorium Gerichtstr. 37/38 1 statt. Am Dienstag, den 9. Juli,| verstarb unser Mitglied �una Bretzke Ehodoivicckistr. 39. Die Einäscherung sindet| am Mittwoch, den 17. Juti, j nachm. 5 Uhr, im Krema." torlum Gerichtstr. 37/38 statt.\ Friede ihrer Asche l Verband der cithograpden. Stein- drucker und verw. Berufe (Deutsch. Senefelder-Bund). Unseren Mitgliedern machen wir hierdurch die traurige Mitteilung, dag der Kollege. Kupsefdrucker 108/ U Reinhold Schreiber am 9. Juli plötzlich an doppel- seitiger Lungenentzündung verstorben ist. Ein ehrendes Andenken ist ihm gesichert. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 14. Juli, nach- mittags 3'/, Uhr, von der Leichenhalle de? Marien- dorsrr Gemeinde-Friedhofes aus statt. Um recht rege Beteiligung ersucht Die Verwaltung. Danksagung. Für die innige Anteilnahme bei der Beerdigung meiner lieben unvergeftlichen grau MartliaViUsniü!li sage ich allen Verwandten, Ireunden und Bekannten meinen erzlichsten Dank. g4A Franz Waehsmutli, Reuköll», Ems er Str.»8. Rc.m— ms Unterhaltungsblatt öes vorwärts Sonnübenö,?Z.5uli i Dsr lebenöige Kunftarm. Bei dem Verlust von Gliedmaßen ist unstreitig derjenige der Arme und Hände am meisten zu-beklagen. Auch die Beine sind ge- Witz wichtig. Aber nwm ist ohne Arme und Hände hilfloser, als wenn das Gehen behindert oder unmöglich gemacht ist; denn diese sind es vor allem, die zum Arbeiten und zum Erwerb dienen. Selbst derjenige, der geistige Arbeit verrichtet, braucht die Hände beispiels- weise zum Schreiben. Darum hat sich aus Änlatzches Krieges die Technik eingehend mit der Herstellung künstlicher Arme und Beine befaßt. Es kann eben nicht jeder mit einem einzigen Arm aus- kommen, wie das Graf Zichy gelernt hat, der �darüber ein lehr- reiches Büchlein schrieb. Der Verein �deutscher Ingenieure hat durch ein Preisausschreiben die verschiedensten erfinderischen Kräfte mobil gemacht, und wir kennen heute Kunswrme, die wirklich mit einem gewissen Recht als„lebeitdig" bezeichnet werden dürfen. Das Fehlen eines Armes-oder gar beider entstellt unstreitig den Menschen, und man Hat darum, früher bielfach sogenannte „Schönheitsarme" geschaffen, die zwar nicht gerade zum Arbeiten taugen, die aber doch den körperlichen Mangel einigermaßen ver- bergen. Bisweilen haben solche Arme, die nian etwa in chirurgi- scheu Geschäften kauft, auch eine gewisse Beweglichkeit. Es läßt sich wohl der Daumen durch einen von außen auf ihn ausgeübten Druck einbiegen und feststellen, so daß die Hamd irgend einen leichten Gegenstand zu halten vermag. Man lcht derartige Arme oder Hände trefflich als„passive" bezeichnet. Uebrigens fyit man schon vor längerer Zeit solche passiven Hände, die also von einer gesunden Hand eingestellt werden müssen, angeferiigt. Es sei nur an die kunstvoll ausgeführte eiserne Hand des Götz von Berlichingen erinnert. Vielfach hat man sich auch mit äußerst rohen uind«infachen Ersatzstücken für die Hand begnügt. Soll etwa jemand befähigt werden, mit den» rechten Arm eine Schreibmaschine zu betätiget:, während die Rechte fehlt, so befestigt er wohl eine Muffe oder Man- schelte am Armstumpf, die einen starken gebogc-nen Draht trägt, der in eine Kugel ausläuft. Auf solche Weise endigt dann der Arm statt in eine Hand mit einem Hammer, der zum Itiedevdrücken von Tasten ben-utzt werden kann. Öder man schnallt irgend eine Klam- mer oder einen Haken an, mittels denen sich bestimmte Arbeiten verrichten lassen. Es ist wohl klar, daß man mit derartigen Vorrichtungen nicht zufrieden sein konnte. Tatsächlich sind wir heute schon viel weiter auf dem Gebiete des Ann- und Beinersatzes fortgeschritten. Oft wird der„CarneS-Avm" an erster Stelle genannt. Aber wir Deut- jchen brauchen dem amerikanischen Geschäftsmann nicht den Ruhm v-a lassen, daß der Gedanke dieses künstlichen Gliedes aus der Fremde sraimne. Es steht hier wohl ähnlich wie hinsichtlich des Fernsprechers. Als dessen„Erfinder" bezeichnet man gcavühnlich den Amerikaner Bell, während der Deutsche Reis den Weg gefun- den und gewiesen hat, auf dem man zur Uebermittlung von Tönen und Lauten kommt. Nicht vergessen werden darf in der Technik der künstlichen Arme und Hände der Berliner Ehinirgie-Mechaniker Paul Ballif, der schon um 1830 eine Kunsthand schuf, die man zu den„aktiven Gliedern" rechnen kam:. Allerdings mußte seine Er- findung noch vervollkommnet werden. Und das ist dem Amerikaner gelungen, dessen Verdienste gewiß nicht geschmälert werden sollen. Die Carnes-Compagnie macht drüben gut« Geschäfte, und es emp- siehlt sie, daß die Earnes-Arme meist von Einarmigen hergestellt werden, die selbst mit solchen Armen ausgerüstet sind. Carnes hat als findiger Geschäftsmann natürlich nicht versäumt, auch deutsche Patente auf seine Erfindung zu nehmen. Man hat aber in ehren- basier Weise von Dc-utschland auS seine Rechte gekauft, so daß der CarneS-Arm jetzt auch bei uns hergestellt werden-darf. Nicht weni- ger als 800 000 M. hat die Erwerbung dieser Rechte gekostet. Beim Ballif- und beim Carnes-Arm, sowie bei-einigen an- deren, die wir alsbald nennen werden, ist nun im allgemeinen die Einrichtung getroffen, daß die Bewegungen der künstlichen Teile ab- geleitet werden von Betvegungen der Schulter, des Rumpfes bzw. Leo Oberkörpers, und bei Einarmigem wohl auch von solchem des gesunden Armes. Der Arm wird mit einem Geschirr von Gurten am Oberkörper des Verletzten befestigt, und von da aus erfolgt dann die Bcwe- aung-der toten Teile mit verschiedenen mechanischen Mitteln. Die Muskeln werden, wie sich leicht denken läßt, durch Schnüre ver- treten. Besonders in der Hand finden sich dann aber noch feiner« Vorrichtungen zur Ilebertragung von Bewegungen. Schnecken, Zahngetriebe, Hebel und Stangen kommen daselbst zur Anwen- dung. Alle besseren Kunstarme ermöglichen ein Drehen der Hand und ein Greifen mit den Fingern. Beim Carnes-Arm steht der Daumen fest, während sich die Finger bewegen können. Bei einer anderen Einrichtung stehen umgekehrt die Finger fest, und es be- wegt sich der Daumen. Ter Arm, den uns die Natur mitgegeben hat, ist so vielseitig gestaltet, daß er für den Leichtarbeit.'r wie für den Schwerarbeiter geeignet erscheint. Beim Kunstarm kann man kaum allen Bedürf- nissen zugleich gerecht werden. So sind denn verschiedene Formen entstanden, die bald diesem, bald jenem Zweck dienen sollen. Man hat den Carnes-Arm als denjenigen des geistigen Arbeiiers be- zeichnet, der nicht gera-d« schwere Lasten hebt, der aber eine sehr vielseitige Beweglichkeit wünscht. Die Aufgabe, einen Kunstarm für den geistig Arbeitenden, für den sogenannten„Intellektuellen" zu erfinden, ist tatsächlich schwic-riger zu lösen als die, einem Schwerarbeiter die Hände und Arme zu ersetzen. Für Schwer- arbeiter empfiehlt sich etwa der„Tannenberg-Arm", der„Branden- burg-Arm" und der„Germania-Arm", mit denen sich die gröbsten Werkstattarbeiton verrichten lassen. Auf einem ganz anderen Gedanken beruht der„Sauerbruch- Arm". Bei den. oben genannten Armen und Händen müssen gesunde Gliedmaßen in Bewegung gesetzt werden, um jene zu steuern. Das ist natürlich ein Mangel. Muß man zwecks Bewegung von Arm oder Hand die Schulter drehen, so ist man zu einer Tätigkeit genötigt,-die vielleicht aus anderen Gründen ganz unerwünscht und störc-nd ist. Das Natürliche ist doch, daß man nur das bewegt, was wirklich bewegt werden soll. Und diesem Gedanken ist Professor Sauerbruch nachgegangen. Der Träger seines Armes muh sich einem Eingriff in den Armstumpf unterziehen, was manchen ab- schreckt. Durch die geschickte Hand des Arztes werden nämlich die Muskelreste, sofern sich solche noch im Armstumpf befinden, mit Elsenbcinstäbchen verbunden, an denen dann Schnurzüge befestigt werden, die zum Regieren von Arm und Hand disncn. Die Technik hat-die furchtbaren Waffen des Krieges ersonnen. Sie leistet Sühne, wenn sie dem Kriegsbeschädigten die verlorenen Glieder wieder schenkt. Wie Ser Türke wirklich P. Die Bahn gegenseitigen Verständnisses sucht der Professor an der Konstantinopeler Universität Dr. Achmed' Emin in. Ausführungen zu eröffnen, die im neuesten Heft der Monatsschrift„Die Islamische Welt" wiedergegeben werden. Er wendet sich hör allem gegen irrige Auffassungen, die man in Teutschland vom türkischen Wesen häufig hat. Man stelle sich, so meint er, in Deutschland unter dem Begriff Türkei oft ein Märchenland vor, in dem vieles anders vor sich gehen muß, in dem wirtschaftliche und soziale Faktoren andere Rc- suktate bringen, in dem es ein Sein, aber kein Werden gibt. Man hak daraus Schlüsse gezogen über die besondere Vorsicht, mit der man die Türken behandeln soll. Wenn der Türke dann Verdacht schöpft und unwillig wird, so schließt man weiter auf seine Emp- sindlichkeit.„Die Türkei ist kein Märchenland, sie ist aber auch nicht ein ganz nwdern ausgestaltetes und modern arbeitendes Land. Sie ist ein Land, das wegen seiner Lage, seiner gemischten Be- völkerung und des ungünstigen Druckes von außen in den letzten Jahrhunderten hinter seiner Zeit zurückbleiben mußte, aber in einem raschen Prozeß der Verjüngung begriffen ist. Es ist noch vieles da, was einen Europäer, der an einen bestimmten Gaitg der Dinge gewöhnt ist, unzufrieden und ungeduldig macht. Diese Un- zufnedenheit liegt aber an der oberflächlichen Betrachtungsweise, von der sich viele leiten lassen. Sie halten sich nämlich vor Augen, wie alles in ihrem eigenen Lande ist, und wie alles nach ihrem Begriff sein soll. Wenn sie das in der Türkei nicht wiederfinden, erscheint ihnen die Lage als trostlos. Wenn sie aber objektiv sein könnten und in Betracht zögen, wie alles in der Türkei war, und wie es in kurzer Zeit geworden ist, würden sie einen ganz anderen Eindruck gewinnen. Ein zweiter Fehler, den man oft macht und der das Verständnis für die Türkei erschwert, ist die Ansicht, daß die moham- medanische Religion ein alleinherrschender Faktor im türkischen Leben ist, dem sich alle? pünktlich zu unterwerfen hat. In dieser Hinsicht müßte man doch bedenken, daß die modernen, jeden blinden Glauben zersetzenden Einflüsse auf die mohammedanische Religion ebenso wirken müssen wie auf jede andere Religion. Es gibt heute unter den Türken wie anderswo völlige Freidenker, dann Leute, welche der Religion gegenüber gleichgültig sind, Leute, welche Glauben und Wissen in Einklang miteinander zu bringen suchen, und schließlich fromme Gläubige. In der letzten Zeit ist, wie ja jede Uebergangsperiode eine Reaktion gegen Althergebrachtes mit sich führt, eine zerstörend wirkende Strömung gegen die Re- ligion bemerkbar. Das kann gefährlich werden, weil nicht genug Faktoren an der Arbeit sind, welche die Religion ersetzen und zur weiteren Festigkeit des sozialen Lebens beitragen können. Dieser Gefahr ist man sich aber schon bewußt und kämpft dafür, einen idealisierenden Glauben in irgeu-deiner Form aufrechtzuerhalten. Was den türkischen Fatalismus anbelangt, den man gewöhnlich als Begleiterscheinung des Islams betrachtet, so ist cr nur eine vorübergehende Erscheinung, die mit dem Gemisch von. schlechten wirtschaftlichen Zuständen, festem Glauben und Primi- tivem Bildungsgrad zusammenhängt. Ebenso sind andere Er- scheinungen des türkischen sozialen Lebens, darunter die Form der Ehe und das Familienleben, dem wandelnden Einfluß der. Zeit unterworfen. Daß der Türke ein Fremdenhasser ist. trifft nicht zu. Im Gegenteil hat er eine zu große Schwäche für die Fremden und allem Fremden gegenüber. Es ist aber wahr, daß man nach den bösen Erfahrungen, die man mit der ausbeuterischen Politik der Fremden gemacht hat, etwas zu vorsichtig geworden ist. Wieviele Iachzeitschristen erscheinen in Deutschlanö! Die hochentwickelte Fachpresse Deutschlands gehört zu den deutschen Einrichtungen, in denen Teutschland sühiend ist. Wie viele Fachzeilschristen erscheinen eigentlich in Teutschland? Diese Frage hat unlängst Wilhelm Diebener in der Hauptversammlung des Deutschen Verlegervereins beantwortet, über die das„Börsen- blatt für den Deutschen Buchhandel" jetzt Bericht erstattet. Danach bestanden vor dem Kriege in Deutschland öö30 Fachzeitschriften. Ihre Menge war bis dahin dauernd angestiegen: in den SOer Jahren waren jährlich 122 neue Blätter erschienen. in: ersten Jahrzehnt unsere? Jahrhunderts kamen durchschnittlich im Jahre 205 dazu, in den Jahren ISII bis 1013 je 232. Die. technischen Zeitschriften stehen dabei'obenan: seil 1800 sind 038 neue Blätter dieses Gesamtzebietes erschienen. In dem gleichen Zeitabschnitt von 23 Jahren haben die Blätter aus dem Gebiete des Handels und Verkehrs 461 Neuerscheinungen auszuweisen. die Rechts- Wissenschaft 458, Theologie und Philosophie 435, Philologie und Pädagogik 383, Natiirwifsenschaften und Medizin 361. Die Zunahme der Un'tcrhaltungs-, Frauen- und Jugendzeitschriften betrügt 340; Land- und Forstwirtschast weisen 309 neue Fachblätter auf. Kunst und Literatur 181, cbenioviele Sport, und da§ Militär und Maiine stehen mit 28 neuen Zeitschriften am Ende der Liste. Mit diesem Reichtum an Fachblättern steht Deutschland an der Spitze oller Kulitirttaaten. Wie in allen Ländern sind aus kricgs- wirtschaftlichen Gründen auch in Deutschland manche Zeitschriften eingegangen, und zwar sind 1503 dauernd' eingegangen, 1171 vor- übergehend; dagegen sind 1319 neu gegründet worden. Gegen- wärtig erscheinen demnach 1335 Zeitschriften weniger als im Jahre 1914. was eine vorübergehende Verminderung von fast bedeutet. Wieviele der vorübergehend eingegangenen Blätter nach dem Kriege wieder erscheinen werden, kann man nicht- voraussagen. Der Turnsaal in ösr Iabrik. i Die Whit-Gesellschaft in Clevcland, eine der größten industriellen Unternehmungen im Lande, bat einen Turnsaal für die Angestellten eingerichtet, in dein sich alle jeden Tag ernsthasten lötperlrcheu Hebungen unter der Leitung eines tüchtigen Turnlehrers hingeben müssen. Man will damit eine Besserung des körperlichen ZustnndeS erzielen, die eS jedem Angestellten ermöglichen soll, bessere Leistungen zu vollsiihreii. In erster Linie wurde die Einrichtung für die selb- ständigen Beamten getroffen, für die Direkioxen, Inspektoren, Abteilungsvorsteher uftv. Diese müssen täglich cniiocder morgens oder nachmittags eine Stunde in dem geräumigen Turnsaal der Fabrik zubringen; sie werden für diese Turnstunde bezahlt und dürfen sich während der Stunde nicht init Geschäften befassen. Für das Verlassen des Turnsaals vor Ablauj. der Zeit sind sogar empsindlichc Strafen festgesetzt. Die Ergebnisse waren so gut. daß die Firma das System imnier weiter, auf alle 5000 Korrespondenten, Buchhalter, Gehilfen, Stenogravhen und Arbeiter ausdehnen will. Wenn ein sozialistischer Utopist dergleichen ersonnen hätte, würde wieder das bekannte Klagelied vom Zuchthans- staate, der auch die Vergnügungen reglementiert, angestimmt worden sein. Das Reglementieren besorgt aber die kapitalistische Anklick- feit so gründlich, daß dein Sozialismus sicherlich eine Besreicnolle zufallen wird. Neben dem Turnsaal chesindct sich eine Duschehalle. Bevor eine Anstellung erfolgt, wird eine ärztliche Untersuchung vor« genommen, nnd wenn dabei Nervosität oder eine andere Störung festgestellt wird, so wird der Angestellte behandelt und weiter genau beobachtet; es werden genaue Tabellen angelegt, in denen GcwichlS- Verlust oder-Zunahme vermerlt werden, seine Ernährung wird ge- regelt usw. Das After der Angestellten schwankt zwischen 32 und 48 Jahren, und alle bleiben lange im Dienst der Firma. Notissen. — K u n st ch r o n i k. Die Ausstellung„Berliner Bildnisse 1343— 1918" in der Berliner Sezession ist-bis auf den 2l. Juli der- längert worden. — Theaterchronik. Das Herrnfeld-Theater trifft zu einem mehrere Wochen umfassenden Gastspie! demnächst wieder in Berlin ein. SSj kloSz. Das gelobte LanS. Roman von W. S r. R e y m o n t. „Nein, Moritz— sie schüttelte den Kopf und lachte bok-hart. „Auch lieb hast du mich nicht?" „Nein, Moritz." „Einen schönen Flirt treiben wir hier," sagte er, durch den Ton ihrer Antwort aufgeregt. „Unter Verwandten kann man sich das erlauben, weil es doch zu nichts verpflichtet." Sie blieb stehen, um einer Bettlerin ein paar Groschen zu geben, die mit einem Kind auf denr Arm an einem Garten- zäun stand und laut bettelte. Moritz schaute höhnisch zu, nahm aber selbst rasch ein Geldstück heraus und gab es der Frau. „Du gibst auch den Armen?" Sie war ganz ver- wundert. „Ich habe mir diese barmherzige Operation erlaubt, weil ich zufällig ein falsches Geldstück hatte." Er begann herzlich über Melas Entsetzen zu lachen. „Von deinem Zynismus wirst du nie geheilt werden l" „Ich Hab' ja noch Zeit, und wenn ich noch Gelegenheit dazu hätte und so einen Arzt wie dich.. „Auf Wiedersehen, Moritz." „ Schade, daß du schon gehst." „Mir tut's gar nicht leid. Bist du heut abend in der .Kolonie'?" „Ich weiß nicht, heut nacht fahr' ich weg." „Geh mal vorbei, grüße die Damen von mir und sage Frau Stephanie, daß ich morgen vormittag zu ihr ins Ge- schüft kommen werde." „Schon gut, dafür grüß' du von mir Fräulein Rosa und sage auch dem Müller von mir, daß er ein Idiot ist." Sie schüttelten sich die Hände und trennten sich. „Verrückt I Ich würde sie heiraten. Grünspan, Lands- berg& Welt, das wäre eine solide Gesellschaft; muß man sich überlegen," dachte Moritz und freute sich über die Idee. vn. „Was hat Moritz nur heut?" dachte Mela, in ein großes, zweistöckiges Eckhaus eintretend, das allgemein Palais Schaja genannt wurde.„Richtig, ich habe hunderttausend Rubel Mitgift. Es muß schlecht mit ihm stehen, und daher die plötzliche Zärtlichkeit." Sie konnte ihre Gedanken nicht weiter ausspinncn, weil ihre beste Freundin, Rosa Mendclsohn, ihr entgegenlief, mit dem rechten Bein unmerklich hinkend. „Ich wollte schon den Wagen nach dir schicken, ich konnte es nicht mehr erwarten." „Moritz Welt hat mich herbegleitet, wir gingen ganz langsam, er sagte mir Komplimente, na und so Iveiter." „Iudenbengel," warf Rosa verächtlich hin. „Er läßt dich höflichst grüßen." „Dummkopf! Er denkt wohl, ich werde ihn auf der Straße wiedererkenne», wenn er mich grüßen wird." „Magst du ihn nicht?" fragte Mela, das zerzauste Haar vor einein großen Spiegel ordnend, der zwischen zwei riesigen künstlichen Palmen stand. „Ich kann ihn nicht ausstehen, weil Vater ihn eines TageS gelobt hat. UebrigenS mag ihn auch Will nicht. Eine schöne Puppe!" „Ist Wilhelm da?" „Alle sind da. und alle langweilen sich, dich erwartend." „Und Wysocki?" fragte sie leise und etwas unsicher. „Ist auch da, und schwört, daß cr sich grad bevor er her- kam ganz gewaschen hat. Hörst du, ganz." „Wir werden's doch nicht feststellen..." Sie faßten sich bei der Hand und gingen durch die Zimmerflucht, die ganz im Dämmerlicht versunken und mit einer außergewöhnlichen Pracht eingerichtet war. „Was treibst du, Rosa?" „Ich langweile mich und mache den Gästen vor. daß sie mich amüsieren, und du?" „Ich mache niemand was vor und langweile mich eben- falls." „Ein furchtbares Leben," sagte Rosa mit einem Seufzer. „Und wie lange soll das so weiter gehen?" „Du weißt es am besten, wie lang, wohl bis zum Tod." „Ach. was gab' ich dafür, wenn ich mich verlieben könnte, was gab' ich dafür." „Dich und die Millionen als Zugabe." „Du wolltest sagen: die Millionen und mich als Zugabe," sagte Rosa schroff und höhnisch. Sie betraten jetzt ein nicht allzu großes, ganz schwarzes I Zimmer. Alles war hier aus schwarzem Plüsch und miti I schwarzen, matten Farben bedeckt, die Möbel, die Bespannung der Wände, die Portieren. Der Raum machte den Eindruck einer Begräbniskapelle. Zwei ganz nackte, nach rückwärts gebeugte Riesen aus dunkler Bronze erhoben mit ihren Herkirlesarmen über ihre Köpfe großer, wundersam verschränkte Orchideenzwcige mit weißen, kristallenen Blüten, aus denen elektrisches Licht ins Zimmer rieselte.„'. Ans den schwarzen Sofas nnd niedrigen Fauteuils saßen einige Personen, schweigend und in den lässigsten Stellungen, ein Mann lag sogar auf dem Teppich, der den ganzen Boden bedeckte. Der Tcppich war ebenfalls schwarz, nur in der Mitte war ein großer Strauß roter Orchideen eingewebt, die wie ungeheuerliche, wundersam verschränkte Würmer im Zimmer umherzuschleichen schienen. Wilhelm Müller, ein blonder Riese in einem anliegenden Radfahrerkostüm, erhob sich vom Fautcnil, warf sich auf den Teppich und drehte sich dreimal in der Lust um. „Bravo, Müller!" rief einer, der auf dem Teppich am Fenster lag. „Mela, komm, küß mich." rief ein stark geballtes Mädchen, das ans einem niedrigen Schaukelstuhl lag, und beugte sich trüg zu ihr herüber. Mela küßte sie und setzte sich aufs Sofa neben Wysocki, der über eine kleine, schmale, rosige Blondine gebeugt, leise etwas flüsterte und immer wieder die Ausschläge seines Rockes abstäubte, die schnlutzigcn Manschetten in die Aermel steckte, den kleinen blonden Bart energisch drehte und behauptete: „Gerade vom feministischen Standpunkt ans sollte niak gar keine rechtlichen Unterschiede zlviichen Mann und Frau machen." „Na ja, aber du bist ja langweilig, Mjetschek!" klagte wehmütig die Blondine. „Rosa, was Hab' ich denn nötig mich zu langweilen?" seufzte Toni vom Schaukelstuhl herüber. „Will, unterhalt doch Toni, hörst du. du Faulpelz!" „Ich mag nicht, ich muß mich strecken, ich habe solche Krcnzschmerzen." „Warum hast du Kreuzschmerzen?" „Weißt, Toni, er hat ans demselben Grund Kreuz- schmerzen, wie du," lachte Fela. „Man muß ihn massieren." ffiPjits. jolgta MWr MWWM-MM Bemvaltunxzsftcl!!: Berlin. öi, Sinicnftrafic 83—85. Gelchästszeit von 0— 1 Uhr und von 4—7 Uhr. Telephon: Amt Norden 483, 1233, 1387, 3714. Montag, de» 15. Juli 1S18, abendS 7 Uhr; Versammlung der Metallschleifer u. Galvaniseure im Gewcrlschaftshnus, Engelufer 15, Saal 3. Tagesordnung: 1. Bericht der Kommission. 2. Neuwahl der Kommission. 3. Vcrhandsangelegcnheiten und Verschiedenes. Mitgliedc-Silch legitimiert. ES ist unbedingte Pflicht aller Kollegen, pünktlich zu erscheine». 114/ i'j____ IHc OrtsTci'waltnng. Die Beiann lmachrmg de? OderkonnnairdoS ht den Warfen betressend Beschlagnahme und Höchstpreise von Papierrundgarn- absällen tritt am 13. Juli 1313 in Krast. Die vollständige amiliwe Bekanntmachung ersolgt an den Anschlagsäulen und in der„Norddeutschen Allgemeinen Zeitung". (287. I. 4. 18.) Berlin, den IS. Juli 1313. Der Polizeipräsident. 2143/4 Die Nachtragsbekanntmachung des Oberkommandos in den Marlen, betreffend Bcstandserhebung von Papierrundaarm- absällen zu der Bekanntmachung vom 20. November 1316, betreffend Bestandserhebung von Natron-(Sulfat-) Zellstoff usw. trilt am 13. Julk 1318 in Krast. Die vollständige amtliche Bekanntmachung ersolgt an den Anschlagsäulen und in der„Norddeutschen Zlllnemcinen Zeitung". (287. I. 4. 18.) Berlin, den 13. Lull 1318. _ Der Polizeipräsident. 2143/3 Spszialarzt Dr. med. Koeben fürB Geschlechtskrankheiten, Haut-, Harn-, Frauenleiden, nervös. Schwäche, Bein- kranke. Behandlung schnell, sich er n.schmerz- los ohne Berufsstörung B in Dr. Homej'ep& Co. konz.Labor. f. Blutunters.. Fäden im Harn usw. FrieÄlr.ll.gsS: RäraMJteSr Spr.lO-l u. 5-8, Sonnt. 10-1. 8 Honorar mäßig, a. Teilzahl. Separates Damenzimmer GGOGWOOGG OGG D < tv'.taha'ifp. Cati üintt« d e Abrsüi am Jleirb.Messina-u.Pwömorts'ank-Kell. C'.2,E. Bartoistl. S's, Forpsp.Kgst.187� O ß. S 1R. Eiaiikö, StraLeUoi* Str. bo. A. U. LsiigOz Brenn enstr. 166 < st er« u. IToni itoreien""� "Otto W olHTr repiofv, Kröliet. 16 4 p' h KaüüiriEii Anz�cgniberstr. 25. f?ori Koppenstr. 93 sämtliche Bäder. Passage-Bad Rc"qrp-Bad, Wiener Str. Ki. 4 erhranegpL., Bierb daBdig. � Kests�sciMellesi-VerisetcIinis Rr!«chein- 2 mal v/ßchentllch. 4 U tkÖTs«, k W't ZA» Untesstehrnde Geschäfte empfehlen sich bei Elnkänfen. fcfiscK-"uT'' Sffur'atTS. jp MOi�liener Braylisgs Berlin und Oranienburg in« ljibMWN eien Sdjröler.R. "T"!<3 Pfrtauf»»telltn 4Z August Holte ■<~ EssiBtäbrilton"V eespfiehit oraton Hang. TiDinsr�Essig Sbopcil«rblltlislil ><. v— 7'~'r fjsryjj ilaI.aa:�J!2»ycrilS£i»iüieäerlii.zl. j Weißbier, C. ßreiüiaapt, Palisadensir.ST TeLKptStSl.MSS �grrgn-H.yawbewBxrd.� jf Badstr. 25, Ecke mSXWZMr Prinzen- ALee. 4 Clahmaschiwsni A BGolinowacr. Ä6 •9 NäliBiaschinec Sisi�ea* Nlhmassitmca Lfidca 2n nüsn Stadtteileil« Otto Kongel, Aite Janobsir. 26. �"Elgen.Staldw, Warf t n, V/er Carl Jimg. Stromstr. Sl. RghliBan o. P. 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ÜZor Eintritt in die Tagesordnung erklärt General V. Wriöberg, datz die Behauptung deS Abg. Scheide« mann in seiner letzten Rede, der Presse sei verboten, über Flieger- angriffe auf offene Städte zu berichten, so daß man in Berlin gar nrcht erfahre, was in Süddeutschland an Krauen und Kindern durch solche Angriffe gemordet würde, der Begründung entbehre.(Wider- spruch links.) Anfragen. Die Abgg. NoSle(Soz i und Cohen(Soz.) verweisen auf die in Warschau und Lodz offen angeschlagenen Aufrufe zu Juden- Pogromen. Diese Aufsehen erregenden Aufrufe konnten drei Tage lang an allen Ecken und Enden prangen, bevor sie entfernt wurden. Den jüdischen Zeitungen Polens wurde von der Zensur verboten, irgend etwas über die Pogromplakate zu schreiben, während eine in Lodz erscheinende polnische Zeitung sie im Wortlaut wiedergeben und hinzufügen konnte, der Inhalt entspreche der Stimmung der polnischen Massen. Unrerstaalssekretär Lewald: Es ist richtig, dast Flugblätter, in denen„zur Vertilgung der jüdischen Bande' aufgefordert wird, in den letzten Monaten wiederholt nachts in Warschau angeschlagen worden sind. In Lodz ist das polizeilich nicht festgestellt worden. Die Flugblätter sind jedesmal so schnell wie möglich ent« f-r nr worden; hierzu war ein ausdrücklicher Befehl ergangen. Bei der Ausdehnung von Warschau und bei der geringen Zahl deutscher Polizeimannschasten ist immerhin möglich, daß an den wenig belebten Stellen der Stadt die Aufrufe nicht sofort entfernt worden sind. Die Behauptung, datz südischen Zeitungen verboten worden ist, irgend etwas über die Flugblätter zu schreiben, ent- spricht nicht den Tatsachen. Abg. Gothein(Vp.) beschwert sich, dah im Bereich deS Stettiner Generalkommandos den zum Heeresdienst in der Heimat einge« zogenen Rechtsanwälten das Auftreten vor Gericht verboten ivird. wenn sie für die Volkspartei tälig sind, und datz thr Auftreten durch untergeordnete Organe kontrolliert wird. General v. Wrisberg bestreitet die Richtigkeit dieser Tatsachen. Abg. Gothein(zur Ergänzung» weist auf verschiedene Fälle hin. in denen einzelnen Anwälten die Genehmigung zum Auftreten vor Gericht versagt worden ist, und auf einen Befehl des Stellvertretenden Generalkommandos in Stettin, wonach das anßerordentliche Kriegsgericht da« Berfahren auch dann nicht einstellen kann, wenn es von der Unschuld eines Angeklagten überzeugt ist.(Stürmisches Hört! hört! links.) General v. Wrisberg: Ich kann darauf nicht antworten, denn das Material steht mir nicht zur Verfügung.(Unruhe links.) Abg. Gothein(zur Ergänzung): Ich habe das Material mi? Namensnennung vor einiger Zeit dem Kriegsministerium übergeben. General v. Wrisberg z Ich habe meiner Antwort nichts hinzu« zufügen.(Große Unruhe links; Rufe: Unerhört!) Soldaten und Reichstag. Die Abgg. Dr. Müller-Meiningen(Vp.). Held(natl.), Stückle» Soz.), Dr. Wirth(Z.) weisen darauf hin, daß in der Sitzung vom 12. Juni seitens der Militärverwaltung gesagt wurde, ein all- gemeine? Verbot des Verkehrs zwischen Angehörigen des HeereS und den Reichstagsabgeordneten bestehe nicht.'Es werden ober von vielen militärischen Stellen An- gehörige der Armee mit kriminellen und dis- trplinarischen Strafen bedroht, falls sie mit lolkSvertretern in V er k eh r treten. Was gedenkt der steichskanzler zu tun, um Offiziere und Mannschaften gegen diese Uebergriffe kurzsichtiger Vorgesetzten zu sichern? General v. Wrisberg: Solchen Fällen kann nur nach« gegangen werden, wenn dem KriegSmimsterium nähere Angaben darüber gemachr werden. Abg. Dr. Müller-Meiningen: Bestehen in einzelnen Truppen- teilen desondere Verbote über den Verkehr zwischen Heeresangehörigen und Abgeordneten? General v. Wrisberg: Der Heeresverwaltung ist nicht bekannt, daß Sonderverbole besteben. Abg. Dr. Müller-Meiningen(zur Ergänzung): In Tausenden von Fronibriefen, Briefen aus der Etappe und äuS den Gamisonen wird Klage über das Verbot des Verkehrs zwischen Abgeordneten und Soldaten geiübrt. General v. Wriesberg: Wenn der Heeresverwaltung solche Fälle vorliegen, werden sie nachgeprüft werden. Jedenfalls lann Bestrafungen nur nachgegangen werden, wenn im Kriegsministcrium nähere Angaben über den einzelnen Fall gemacht werden. Die Abgg. Stücklen und Wels(Soz.) verweisen darauf, daß bei manchen Gefangenen- UeberwachungSstationen allen Mannschaften der Urlaub gesperrt wird, wenn Entweichungen von Gefangenen vorkommen. Oberst v. Fransecki erwidert, daß Fälle, in denen eine all- gemeine Nachlässigkeit der Bewachungsmannschaft festgestellt werden kann, sich wohl ergeben können, und daß eine vorübergehende Wer- schiebung des Urlaubs zum Zweck der Untersuchung angängig sein könne. Nicht zu billigen wäre eine Urlaub-Zuriickstellung aller Mannschaften, ohne daß ein zwingender Grund vorläge. Abg. Ryssel(U. Soz.) führt Beschwerde darüber, daß den in der Ukraine stehenden deutschen Soldaten ihre Löhnung in österreichischer Währung ausgezahlt wird, wodurch sie bei dem Kurssturz der österreichischen Währung geschädigt werde». General v. Oven: Durch eine Verfügung vom 18. April ist angeordnet worden, die Löhnung nicht mehr in Kronen auSzu- zahlen. Präsident Fehrenbach teilt mit, daß einzelne Anfragen, die das Auswärtig« Amt betreffen, zurückgestellt werden müssen, da nie- mand vom Auswärtigen Amt anwesend sei. Es folgt die Fortsetzung der zweite» Lesung de» Sranntweinmonopols. Der grundlegende§ 1, über den gestern verhandelt wurde, wird unverändert angenommen. Eine ganze Reihe weiterer Paragraphen werden ohne Debatte nach den Beschlüssen der Kommission angenommen. § 132 handelt von der Verwertung des Branntweins zu er- mäßigten Verkaufspreisen. Der Bundesrat wird ermächtigt, auch drc Abgabe solchen Branntweins zu ermäßigten Verkaufs- preisen zuzulassen, der in öffentlichen Kranke-, Entbin- du�gs. und ähnlichen Anstalten oder in öffentlichen wtssenschastlichen Lehr- und- Forschungsanstalten verwendet wird. Ein Schlußabsatz dieses Paragraphen besagt, daß den Krankenkassen für jede« Mitglied und Jahr 1 Mark als Rückvergütung aus der Monopolkaffe zu zahlen ist. Mit der Aussprache verbunden wird§ 252b. der die Aufwen- düngen für WohlfahrtS- und Wirischaftszwecke enthält. Ein Antrag Dr. Blunck(Vp.) will den Schlußabsatz des § 132 ganz streichen, dafür aber im§ 2ö2b einfügen, daß 8 Millionen Mark aus der Monopoletnnahme jährlich zur Er- Mäßigung der Kosten für alkoholhaltig« Heilmittel für die min- dcrbemittelten Volkskreise, insbesondere die Mitglieder der Kran- len- und Knappschaftskassen zur Verfügung gestellt werden sollen. Abg. Dr. Blnnck(Vp.): ES handelt sich darum, daß den minder- bemittelten B�völkerungskreifen au» der Verteuerung der Arznei- mittel, die die Vorlage mit sich bringen wird, keine Belastung ent- steht. D>e Formulierung des Ausschusses genügt nicht, weil sie lediglich den Kranken- und Knappschaftskassen eine Rückvergütung gewähren will, während wir der Meinung find, daß diese Rückver- gütung allgemein den minderbemittelten Volkskreisen gewährt wer- den muß. Abg. Becker-ArnSberg(Z.) hält den Antrag Blunck für praktisch undurchführbar und bittet, es bei dem Beschlutz deS Ausschusses zu belassen. Ministerialdirektor Meuschel tritt für den Antrag Blunck ein. Abg. Hoch(Soz.) beantragt, im Z 252 statt 8 Millionen 16 Millionen zu bewilligen. Mit dieser Aenderung wird der Antrag Blunck nach Streichung deS letzten Absatzes in 132 angenommen, so daß also 16 Mil- lionen Marl zur Ermäßigung der Kosten alkoholhaltiger Heilmittel zur Verfügung gestellt werden können. Tie Debatte über die§ß 135 und 146 bis 151 wird verbunden. § 135 bestimmt, datz für die Essigerzeugung der Alkohol zn ermäßigtem Preise von der Monopolverwaltung abgegeben werden soll, um diese wettbewerbsfähig zu erhalten gegenüber der chemi. schen Industrie. In den§§ 149a und b wird die Kontingentierung der Essig- erzeugung eingeführt und dahin geregelt, daß Bezugsrechte für die GärungSessiglndustrie und Betriebsrechte für die Holzessigindustrie gebildet werden. Ein Antrag D r. Blunck besagt: Die Bezugsrechte sind unbeschränkt übertragbar und auf Antrag auf Betriebsrechte an- zurechnen. Abg. Wurm(U. Soz.): Die Tendenz des Entwurfs ist darauf zugeschnitten, die Spirituserzeugung zu schützen gegen die neu auf- gekommene chemisch-technische Industrie, die aus Kohle und Kalt Spiritus machen will. Die Regierung ist bereit, bis zum Preise von 120 M. für den Hektoliter Alkohol zur Essigerzeugung herunter- zugchen gegenüber dem Hektoliterpreis von 1000 M. bei Alkohol sür Trinkzwecke. Außerdem ist die Essigsäure, die auf chemischem Wege erzeugt wird, mit einer Verbrauchs- abgäbe von 160 M. belastet. Das ist d i e F a l l e, in die die Leute, die von den Dingen nichts verstehen, hinerngelockt werden. Wenn diese Paragraphen angenommen werden, wird die Karbidessig- industrie schwer geschädigt zugnnsten der Kartoffelbrennerei. Die Karbidessigindustrie ist dadurch, daß ihre Erzeugnisse von der Heeresverwaltung verbraucht wurden, verhindert gewesen, in der Kriegszcit Speiseessig unter Verbrauchsabgabe zu liesern. DaS wird jetzt dazu benutzt, um sie von der Kontingentierung, d. h. vom Markte auszuschließen, weil wir eben kein Betriebsrecht be- kommen. Wir beantragen daher, damit die Holzessigindustrie nicht der chemischen Karbidessigindustrie die Bezugsrechte wegkauft, die Verkäufe für die Holzessigindustrie zu sperren. Der Antrag Blunck wird angenommen; im übrigen werden die Kommissionsbeschlüsse bestätigt. 8 238 handelt von der Uebertragung von Brennrechten. Abg. PeuS(Soz.) wünscht, unter Bezugnahme auf einen be- sonderen Fall in Dessau, daß auch Betriebe, die bisher noch kein Brennrccht besitzen. Brennrechte erwerben können. Abg. Kreth(!.): Die gewerblichen Brennereien haben«in großes Interesse daran, davor geschützt zu werden, daß auch Zucker- fabriken Brennrechte erwerben. § 238 wird angenommen. Bei§ 252b der u. a. bestimmt, daß aus der Monopoleinnahm« jährlich 4 Millionen Mark zur Bekämpfung der Trunksucht und ihrer Ursachen sowie zur Milderung der durch die Trunksucht herbeigeführten Schäden dem Reichskanzler zur Verfügung zu stellen sino. findet eine Abstimmung durch Hammelsprung statt. Die 4 Millionen werden mit 161 gegen 121 Stimmen bewilligt. Im übrigen wird die Borlage Nach den Kommissionsbeschlüssen angenommen. Es folgt die zweite Beratung des Gesetzes über die Abänderung des Gesetzes über den Absatz von Kalisalzen. Die Kommission hat die in der Vorlage enthaltenen Sätze st- was vermindert. Abg. Brockhausen(k.) wünscht, daß die Sätze der RegierungS- vorläge wieder hergestellt werden, sonst müßten die Arbeitcrlöhne wieder ermäßigt werden. Abg. Gothein(Vp.) wendet sich gegen die Wiederheraufsetzung der Sätze und beantragt Teuerungszulagen für die Beamten. Abg. Dr. Arendt(D. Fr.) unterstützt den Antrag Brockhausen. Ministerialdirektor Müller bittet ebenfalls um Wiederherstellung der Regierungsvorlage. Abg. Brey(Soz.) widerspricht der Auffassung, daß die im Ge- setz genannten Löhne Höchstlöhne seien; es handelt sich hierbei nach der Auffassung des Gesetzgebers und der Kommission um Mindest- löhne.— Dem Antrag Gothein auf Gewährung von Teucrungszu- lagen an die Beamten treten meine Freunde bei.— Die Wiederhcr- stellung der Sätze der Regierungsvorlage sei um so mehr notwendig, als sonst das Gesetz jetzt nicht zustande kommt; die Kaliarbeiter, die schon so lange auf eine Zulage warten, ihrer aber dringend bedürfen. Abg. Albrccht(U. Soz.): Die Kalipreise, die die Kommission festgesetzt hat, genügen. Auch bei ihnen können die erhöhten Löhne den Arbeitern sehr wohl gezahlt werden. Die Anträge Brockhausen(Wiederherstellung der Sätze der Regierungsvorlage für Kali) und Gothein(Tenerungszu- lagen) werden angenommen, der Rest des Gesetzes wird nach den Beschlüssen der Kommission angenommen. Das Gesetz wird darauf sofort in dritter Lesung angenompien. Hierauf wird das Gesetz über die Zusammensetzung öes Reichstags und die Verhältniswahl in großen ReichStagSwahlkreisen in dritter Lesung angenommen. Es folgen Abstimmungen über Resolutionen zur ErnährungS- frage, von denen eine Anzahl angenommen, einige abgelehnt wer- den. Angenommen wird ferner eine Resolution, die eine stärkere Kohlenförderung durch Heranziehung von Gefangenen und von Angehörigen des Heeres zur Kohlenförderung fordert. Weiter ward angenommen eine Resolution, die von der Kl et- derabgabe diejenigen Deutschen zu befreien wünscht, die we- Niger als 1200 M. Einkommen haben ud diejenigen, die in dem vom Feinde besetzt gewesenen Gebieten tOstpreuhen) wohnen. Gras Westarp beantragt zur Geschäftsordnung, die Abstim- mung über die Resolution zur Ernährungsftage zu wiederholen, da das HcmS sich bei dieser Abstimmung nicht bewußt gewesen wäre, worüber es abstimmt.(Hört, hört! und Heiterkeit.) Abg. Haast(U. Soz.) widerspricht der Wiederholung. Es folgt die dritte Lesung der Steuervorlagc. Abg. Keil(Soz.): Die Zeit zur Beratung dieser umfangreichen Steuergesetze war zu kurz. Um Härten zu vermeiden, ist in vielen Fällen dem Bundesrat in übermäßigem Umfange Vollmacht erteilt. Wir sprechen den Wunsch aus, daß uns in Zukunft solche Steusrvorlagen rechtzeitig vorgelegt werden müssen.(Allseitige Zu- stimmung.) Eine neue Erscheinung ist diesmal, daß der Reichstag 1200 Millionen mehr Steuern beschlossen hat, als die Regierung vorgeschlagen hatte. Dabei hat er noch keinen Pfennig zuviel beschlossen. Die Erbschaften werden bei uns steuerlich geschont, wie in keinem anderen Lande Europas.(Sehr wahr! b. d. Soz.) Man belastet fortgesetzt den Verbrauch, ohne die naheliegendsten Besitzstcuern heranzuziehen. Der Resolution, die eine allgemeine Vermögensabgabe zur Abbürdung der Kriegsschulden verlangt, stimmen wir zu. Von der außerovdent- lichen Kriegsabgabe, die beschlossen ist, hat man leider das reguläre Einkommen freigelassen. Dadurch sind wieder sehr große Einnah- men der ReichSkasse entzogen. Immerhin ist es zu begrüßen, daß trotz deS scharfen Widerstandes der einzelstaatlichen Finanzminister eine Besteuerung des Mehreinkommen» und der Vermögen durch das Reich als einmaliger Akt zustande gekommen ist.) ReichSsKatzseZmtör Güff Roedern spricht die Zustimmung der Regierung zu den vom Reichstag über die Regierungsvorlagen hin- aus beschlossenen Steuern aus und erklärt, daß der Reichsfinanzhof nicht in Berlin feinen Sitz haben wird, sondern in Süddeutsch- l a n d. Ich bedauere, daß die Fraktion deS Vorredners gegen den größeren Teil der Gesetze stimmen will. Es ist undenkbar, daß der Bedarf, vor dem wir jetzt stehen, allein durch Besitzsteuern gedeckt werden könnte. Deshalb war es richtig, bei den Verbrauchssteuern jetzt ganze Arbeit zu machen und dies Gebiet ab- schließend zu bearbeiten. Die Debatte schließt. Tie außerordentliche Krieg'Scibgabe wird angenommen. Zum Rcichsstempelgesch liegt ein Antrag Ebert(Soz.) vor, die Einkünfte aus Fideikommisseu mit 10 Proz. zu besteuern. Abg. Scheidcmann(Soz.) beantragt namentliche Abstimmung. ReichSschatzsekretär Graf Roedern: Die Regierung rann diesem Antrage nicht zustimmen. Wenn Sie hier das Einkommen aus Fideikommiß im Börsengesetz besteuern, so wäre die Konsequenz, daß man auch jede andere Einkommensteuer in ein solches Börsen- gesetz einarbeiten könnte. Der Antrag Ebert wird hierauf mit 154 gegen 151 Stimmen bei 2 Stimmenthaltungen abgelehnt. Zu den übrigen Steuern liegen keine Wortmeldungen vor. Die Biersteucr, der Bierzoll, die Weinsteuer, die Steuer auf Mi- neralwasser, die Erhöhung der Post- und Telegraphengebühren, die Umsatzsteuer werden gegen die Stimmen der Sozialdemokraten und U. Soz. angenommen. Gegen die Schaumweinsteuer stimmen nur die U. Soz. Einstimmig angenommen werden die Gesetze über die Steuer- flucht und über den Finanzgerichtshos. Damit ist die Tagesordnung erledigt. Nächste Sitzung: Sonnabend 10 Uhr(dritte Lesung deS Bräunt. Weinmonopols, Kriegskredite). Schluß 7% Uhr. � Kürzere Arbeitszeit für öie Eisenbahner! � Immer, wenn die Eisenbahner eine Verkürzung ihrer Arbeits- zeit forderten— sie beträgt in den Berliner Eisenbahnwerkstätten 10 Stunden— lehnte die Eisen bahnverwaltung die Forderung mit der Behauptung ab, eine Verkürzung der Arbeitszeit sei unmöglich. Vergebens wiesen die Vertreter der Arbeiter nach, datz die Abschaf- fung der Ueberstunden die Leistungsfähigkeit des Betriebes in keiner Weise schädigen würde. Es blieb trotzdem bei der zehnstündigen Arbeitszeit. Nur. die eine Aenderung wollte die Verwaltung ein- treten lassen: An den Sonnabenden vor einem'freien Sonntag sollte eine durchgehende neunstündige Arbeitszeit eingeführt werden. Die Arbeiter erklärten aber, neun Stunden hintereinander könne niemand arbeiten; tue durchgehende Arbeits- zeit sei zu begrüßen, sie dürfe jedoch nicht länger als acht S t u n- den dauern. Darauf ist es auch an den Sonnabenden beim alten geblieben. Gestern Abend wurde im großen Saale des Gewerkjchaftshauses eine vom Deutschen Eisenbahuerverband einberufene, sehr stark be- suchte Versammlung abgehalten, an der auch Genosse Braun als Vertreter der sozialdemokratischen Laudtagssräktion teilnahm. Der Referent, Verbandssekretär Kotzur, betonte, daß eine Verkürzung der Arbeitszeit jetzt notwendiger sei denn je, da wegen der mangelhaften Ernährung der Gesundheitszustanid der Arbeiter bei langer Arbeitszeii auf das schwerste gefährdet werde. In Danzig sei die durchgehende achtstündige Arbeitszeit an den Sonnabenden Eingeführt, also müsse das auch in Berlin möglich fein. Die Versammlung nahm einstim-mig eine Resolution an, welche erklärt, daß die Eisenbahner au den srüher aufgestellten Forde- rungen festhalten! Abschaffung der Ueberstunden und Sonntags- arbeit, durchgehende achtstündige Arbeitszeit am Sonnabend, Ge- Währung einer den Teuerungsverhältnissen entsprechenden Lohn- zulage. Tie Resolutton wird dem Eifenbahnminister telegraphffch übermittelt. Eine Vertretung der Arbeiter der Berliner Eisenbahn- Werkstätten, die heut(Sonnabend) vom Minister empfangen wird, soll die Forderungen begründen und auf endliche Erfüllung der- selben dringen. Unö Roethe sprach...! Bielmehrt er schimpfte. AuS studentischen Kreisen wird uns geschrieben: Ist es indiskret aus einem„öffentlichen" Vortragsabend zu Plaudern? Nein, im Gegenteil, man hat sinngemäg die Pflicht, davon zu erzählen denen, die nicht dabei waren.— Der Verein deutscher Studenten hatte jüngst geladen und seinen alten Herrn Roethe zu seinem Mittler bestellt. Und der Verein deutscher Stu- deuten treibt keine Parteipolitik!— Impulsiv war der Vortrag von Anfang bis zu Ende, sehr im- pulsiv. Der geschichtliche Teil brachte nichts Neue?; aber dann gab es eine Fülle zum Ohrenspitzcn.... Aus dem Marli« in Riga hatte Herr Roethe Juden, Polen und ähnliches östliches Gesindel an- getroffen. Das war betrüblich, und auch der Pulverturm konnte darüber nicht hrnwegtrösten. Da war doch Dorpat ganz anders; denn dort hatte er das größte Ereignis seiner Reise: Ein teutscher Kommers legte Zeugnis ab von teittsch.völkischer Eigenart. Und das alles soll uns verloren gehen? Doch es gibt noch, Gott sei Tank, Männer, die allein eine brauchbare Politik der- treten. Sie werden als Grenze die Gegend des Peipus-Sees be- stimmen und den Geist des unseligen LichnowSky, der leider immer noch umgeht, verschwenden lassen. Könnte nur störend die Gewäh- rung des gleichen Wahlrechts in Preußen wirken. da§ die elendeste, ungccigneistc Masse zu Herren machen würde und böswillige, törichte, kurzsichtige und engherzige Männer wie Scheidemann zur Geltung kommen ließe, Man- nec von einem Tiefstand an Bildung und Geist.— Tann freil'ch möchte man lieber auf eine Angliederung der baltischen Lande verzichten. Aber noch sei es nicht so weit. Die berühmten Zwei werden das verhindern, und schließlich, wie immer die W a h» l e r auch wählen mögen, das deutsche Volk denke doch anders. (Verstehst Du das, einfältiger Leser?) Ihm erklinge noch immer das Lied, das er bei dem Kommers in Dorpat gehört: „VonderMaaSbis an die Narve......." So sprach der Herr Prof. Roethe, und der Verein deutscher Siu- deuten treibt doch keine Parteipolitik!— Der Bundesrat hat am 11. Juli 1918 eine Bekanntmachung zur Ergänzung der Bekanntmachung über die E r r i ch t u n jj v o n Herstellung»- und Vertriebsgesellscbaften xn der Schuhindustrie(17. März 1917) erlassen, um alle Zweifel. daß den Herstcllnngs- und Vertriebsgesellschaften lediglich die Re- gelung der fabrikmäßigen Herstellung von Schuhwaren in einer den jeweiligen Kriegs» erhältni sie n entsprechenden Weise und die Verrechnung zwischen stilliegenden und weiterarbeitenden Betrieben obliegt, daß sie also zur Deckung ihrer Unkosten keinerlei Gewinne beziehen. Durch eine solche einwandfreie Festlegung soll den ein- zelnen Bundesstaaten gleichmäßig« Freistellung dieser Gesellschaften von de>n staatlichen und kommunalen Vermögens-, Einkommen- und Gewerbesteuern ermöglicht werden. Das Herrenhaus vertagte sich gestern, nachdem es zuvor in geheimer Sitzung über den Ausschluß L i ch n o w S k y S beraten hatte. Ucber feinen Beschluß wird nicht berichtet.____; GzwexffchchsbMVUns Vcrbandstag der Schuhmacher. W ü r z b u r g, 11. Juli. Urber den Puntt..Die U e b e rg a n g s w irts ch a f t vom Krieg zuni Frieden und die Aufgaben des Ver» b a n d e s" referierte Simon- Nürnberg'. Redner behandelte eine Reihe wichtiger Forderungen für die Gegenwart und für die Ueber- gangswirtschaft: Wiedereinführung der Arbeiterschutzgesetze und Er- Weiterung derselben, besserer Schütz der Frauenarbeit und der Jugendlichen, rechtliche Sicherung der Tarifverträge, gesetzliche Regelung der Arbeitsvermittlung und der Arbeitslosenunterstützung. freiere Ausgestaltung des Koalitionsrechts, Reform der Wohnungs- frage, Rationierung der Rohstoffe. Zum Schluß seiner Ausführun- gen betonte Simon, daß die Kämpfe der Arbeiterschaft mit dem Unternehmertum an Schärfe zunehmen werden. Für diese Kämpfe zu rüsten, sei Aufgabe des Verbandstages. Frieden, Freiheit und Brot, das sei die Parole, die aufgestellt werde und für die zu kämpfen sei. Der Verbandstag nahm den Vortrag mit lebhafter Zustimmung auf. Eine Debatte knüpfte sich nicht daran. Zur Statutenberatung hielt Simon das einleitende Referat. Er begründete die Vorschläge des Vorstandes zur Reform des Beitrags- und Unterstützungswesens. Nach bicsen sollen die Beiträge nach dem Verdienst festgesetzt und vier Klassen mit 40, 60. 80 Pf. und 1 M. geschaffen werden. Entsprechend der Beitrags- erhöhung sollen auch die Leistungen bei den Unterstützungen erhöht werden. In der ausgedehnten Diskussion erkannten die Redner die Notwendigkeit einer wesentlichen Erhöhung der Beiträge an. die Meinungen gehen aber darüber, ob die Beiträge nach dem Ver- dienst festgesetzt werden sollen, sehr auseinander; der Vorschlag des Vorstandes dazu wird lebhaft bekämpft. Es solle auch ferner jedem Mitglied freigestellt werden, welcher Klasse er beitreten will. Vor- geschlagen wird, es bei drei Beitragsklassen zu belassen und in der höchsten Klasse nicht über 80 Pf. hinauszugehen. Jahresbericht der Gcwerkschaftskommisfio«. In der am Dienstag abgehaltenen Vollversammlung der Gewertschaslskommission für Berlin und Umgegend besprach Genosse Rilter den Jahresbencht der Kommüsion. Er gab zunächst einen Ueberblick über die Kasscuvcrhältnisfc, die er als günstig bezeichnete. Während verschiedene Arbeitcrielretariate im Reiche wegen ungünstiger Finanzlage ihre Täligkeit einschränken mußten, tonnle das Berliner Sekretariat seine Tätigkeit in vollem Umfang forlsetzen, weil noch aus denFriedensjahren ein hinreichenderKaifenbestand vorhandenist.— Die Herberge des Gewcrkschaflshauscs arbeilet während der Kriegs- jähre mit eniem erheblichen Defizit. Man hatte deshalb erwogen, sie bis zum Eintritt besserer Zeilen zu ichließen, ist aber zu dem Entschluß gekommen, die Herberge mit Rücksicht auf die soziale Be- deutung dieses Unternehmens lrotz der ungünstigen Verhällnisse weiterzuführen. Bei der Einrichlung des städtischen Arbeitsnach- weises wurde den Wünschen der Gewcrkschaslen Entgegenkommen seitens der städtischen Verwaltung zugesagt. Die Vorgänge in den letzten Wochen lassen aber erkennen, daß diese Zusage in mancher Hinsicht nicht erfüllt worden ist. Mit den Arbeitsvermittlern, welche die Siadt von den angeschlossenen pariiäiischen Arbeitsnach- weisen übernommen hat, sind Privatdienstverträge abgeschlossen, die für die Arbeitsvermitiler ungünstige Bestimmungen enthalten. Die Vermittler find mil einmonailicher Kündigung angestellt, die Ver« günstigungen de»§ 616 des B.G.B, sind ausgeschlossen, in Krankheits- fällen wird das Gehalt nicht fortgezahlt. Gegen diese Vertrags- bestimmungen, die den bei der Uebernohme der Facharbeitsnachwcii'e vereinbarten Grundsätzen nicht entsprechen, wird an zuständiger Stelle Einspruch erhöben werden. Mit den in den Vororten bestehenden Untcrkommissionen haben sich keinerlei Schwierigkeiten ergeben. Eine Ausnahme machte nur das Verhältnis zu der Unterkommission sin Spandau. Diese bat »sich in letzter Zeit nicht mehr ats eine gewerkschaftliche Körperschaft, sondern als ein politisches Konventikel gefühlt und Anträge an die Gewerkschaftskommission gestelll, die diese ablehnen mußte, weil sie nicht im Rahmen der gewerlschastlichen Aufgaben liegen. Die Geschäfts- und Kassenführung hat die Unlerkoinmission Spandau sehr vernachlässigt. Weil den Anträgen der Unlerkonimiision nicht stattgegeben wurde, ist sie aus der Gewerkschafiskommission aus- getreten. Inzwischen haben einzelne Gewerkschaften in Spandau. namentlich die Gauleiter, den Wunsch ausgesprochen, loieder eine Unterkommiision ins Leben zu rufen, die in bisheriger Weise mit der GewerktchaftSkainmission in Verbindung stehen soll. Dahin- gehende Verhandlungen sind im Gagge und werden das gewünschte Ergebnis bringen. Den am l. April 1917 durch Verordnung des Oberkommandos eingeführten Sparzwaug der jugendlichen Arbeiter haben die Gewerk- schatten von Anfang an als unzweckmäßig und verfehlt bezeichnet. Die mit dem Sparzwang bisher gemachteii Erfahrungen beweisen. daß die Stellung gegen denselben berechiigt ist. Die Befürworter des Sparzwanges führen große Zahlen an. um damit seine guten Ergebnisse zu beweisen. Es sind 4 621000 M. Spargelder eingezahlt, wovon 1620 000 M. aus be'onderen Gründen aus- gezahlt wurden. Das hört sich groß an, ist aber nur eine 5tleinigleit, wenn man bedenkt, daß sich die nach den Rückzahlungen verbleibende Summe von 2 606 000 M. auf 63 000 Sparer verteilt. Auf den einzelnen kommen im Durchschnitt nur 48 M. als Sparergebnis eines ganzen Jahres. Im Durchschnitt hat demnach jeder nicht mebr als 92 Pf. in der Woche erspart. Das Ergebnis ist die Verwallungskosten nicht wert, die es ver- ursacht. Wenn sich jetzt eine Strömung bemerkbar macht, die den Sparzwang auch in die Fricdenszeit hinübernehmen möchte, so kann nicht scharf genug dagegen protestiert werden. Arbeitcrickretär Link gab eine Uebersicht über die Tätigkeit des Arbeiieriekretariats. In der Diskussion gingen einige Redner auf Einzelbeiten der Ausführungen Ritters ein. Die Versammlung erllärle sich durch einstimmigen Beschluß mit der Tätigkeit des Äusschusies ein- verstanden und. vollzog dann die Neuwahl des Ausschusses, die folgendes Ergebiüs halte: M l e y �Baugewerbes, Czech (gtaphisches Gewerbe), Schnitze lLederindüstrie), Siertng lMetallindustrie), UtheS lTransportgewcrbei, H o d a p p(Nah- rungsmittelgewerbe). G r u h l lBekle'dungsgewerbe), M a a ß