Nr. 194. g3.I«hrg. Bezugspreis z Btert-IjShri. 4.50 M!. monolI.l.BO SKI, frei ins Haus, voraussah ibar.Einzelnc Nummern 1.0 SBfcnnig. Postbezug: Monattich, vom Bosischalier abzubolen ILOSKl,, vom BriesträgerinsHaus ge- bracht i,k4 SKl. Umer Kreuzband für Deutschiard und Oesterreich. Ungarn 3,— SKt, sür das übrige Ausland 4.50 Ml. monatlich, Leriand ins Feld bei direlter Bestellung monall. ILO Mb Boltbestellungen nehmen an Düne- mar!. Holland. Luremburg, Schweden und die Schweiz, aingerragen in die Poft-Zeitungs- Preisliste. Erscheint täglich. Telegramm. Adresse: »Sozialdemokrat Berliu Vevlinev Volksblakt. �entralorgan äev tozfaXdanokvatxtdncn Partei Deutfcblands. ( 10 Pfennig� Anzeigenpreis: DiessebengespalleneKolonelzeileloslet 80 Psg.„ftleine Anzeigen". daS fettgedruckle Wort SO Pfg,(zulässig 2 ietlgedrullte Worle>., ,edeS weitere Wort 15 Psg, Stellengesuche und Echlassiellenanzeigen das erste SBott 20 Pfg., jedes weitere Wort 10 Psg. Worte über 15 Buchstaben zählen sür zwei Worte, Teuerungszuswlag 20°/» Familien-Anzeigen. rolitijche und gewerlschastliche Vereins- Anzeigen 60 Psg, die geile, Anzeigen sür die nächste Nummer müssen bis Z Ahr nachmittags im Haudtgeschäfi, Berlm 6äB.S8, Lindenstratze 3, ablegeben werden. Geöffnet von 8 Uhr früh bis 7 Uhr abends. Reüaktion: SN. Linöeustraße Z. Fernsvrecher: Amt Msribpla«, Nr. 90—151 97. Mittwoch, de« 17. Juli 1918. expcAiüon: EM. 6$, LinSenstroße Z. Zserusprecher: Amt Morissplatz, Nr. 15190—15197. Die Schlacht um Reims. Tie Marne überschritten— Erste feindliche Stellung genommen südlich der Marne, nördlich bis zur Ardre und in der Champagne zwischen Prunay und Tahure— lieber 13 000 Gefangene. Berlin, 16. Juli 1918, abends. Amtlich. An der Marncfront heftige Gegen- angriffe des Feindes. Öertlichc Erfolge südwestlich von Reims. Oestlich von Reims Lage unverändert. Amtlich. Grosses Hauptquartier, 16. Juli 1918.(W. T. B.) Westlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht In einzelnen Abschnitten lebte die Kampftätiglcit auf. Ocst- lich von A y c t t e wurde ein nächtlicher Vorstoß, östlich von Hebuterne eiu stärkerer Angriff des Feindes abgewiesen. Hier haben sich während der Nacht neue örtliche Kämpfe entwickelt. Heeresgruppe Deutscher Kronprinz. Zwischen A i S n e und Marne und östlich von Ch a t e a u- , T h i e r r h lebhafter Artilleriekampf. In kleineren Unternch- mungcn und im Vorstoß über die Marne südwestlich von Jaul- g o u n e brachen wir in die feindlichen Linien ein und brachten Gefangene zurück. Südwestlich und östlich von Reims find wir gestern früh in Teile der franzöfischen Stellungen eingedrungen. An den Vorbereitungen für die artilleristische Kampfführnng hatten Vermcssungstruppen besonderen Anteil. Artillerie, Minenwerfer und Gaswerfer öffneten durch ihre vernichtende Wirkung im Verein mit Panzerwagen nnd Flammenwerfern der Infanterie den Weg in den Feind. Die Armee des Generalobersten v. Boehn hat zwischen I a u! g o u n e und östlich von Dormans die Marne überschritten. Pioniere setzten im Morgengrauen die Sturmtrnppen über den Fluß und schufen damit die Grundlage für den Erfolg des Tages. Infanterie er- stürmte die steilen Hänge auf dem Südufcr der Marne. Unter ihrem Schutz vollzog sich der Brückenschlag. In stetem Kampfe durchstießen wir das zäh verteidigte Wald- gelände der ersten feindlichen Stellung und warfen den Feind auf seine rückwärtigen Linien bei Condö— L a C h a p e l l e— C o m b l i z y— M a r e u i l zurück. Auch nördlich der Marne entrissen wir Franzosen und Jtalicueru ihre erste Stellung zwischen Ardre und Marne. Wir standen am Abend im Kampf östlich der Linie C h a- tillon— Cuchcry— Chaumizy. Die Armeen der Generale v. Mndra und v. Einem griffen den Feind in der Champagne von P r u n a lf (östlich von Reims) bis T a h u r e an und nahmen im Kamps mit dem sich unserem Angriff entziehenden Feinde die erste französische Stellung. Südlich von Nanroy— Maronvillers stießen wir über die Höhcnkette Cornillet— Hoch- berg— Keilberg— P ö h l b c r g dnrch das Trichterfeld der vorjährigen Frühjahrsschlacht bis an die Römer- straße nordwestlich von P r o S n c s und in das Wald- gelände südlich des Fichtelbergcs vor. Oestlich der S u i p p e s entrisse» wir dem Feinde das Kampffeld der Ehampagneschlachten zwischen Auberive nnd südöstlich von Tahure. Auf unserer Angriffsfrout östlich von Reims hält der Feind in seine zweite Stellung nördlich von Prosnes—Sonain— Perthes. Trotz tiefer Wolken und böigen Winden waren die Luftstreitkräfte tätig. In niedrigen Höhen griffen Flieger mit Bomben und Maschinengewehren in den Kampf auf der Erde eiu. Sie schössen gestern über dem Schlachtfclde 31 feindliche Flugzeuge nnd 4 Fesselballone ab. Tie Leutnants Loeweuhardt und Menkhoff errangen ihren 36., Leutnant Bolle seinen 21. Lnftsieg. Tie Zahl der bisher eingebrachten Gefangcen beträgt mehr als 13 VW. Heeresgruppe Herzog Albrecht. In kleinen Unternehmungen in Lothringen, in den B o g e s c n und im Sundgan machten wir Gefangene. Der Erste Gcneralquarticrmeisier. Ludendorff. Der österreichische Bericht. Wien, 16. Juli 1918. Amtlich wird»erlautbart: Im Räume des Stilfser Joches, dann nördlich des Tonale-PasseS, in den Judikarien und auf der Hoch- fläche von A s i a g o steigerte sich der Artilleriekampf zu besonderer Heftigkeit. Im Räume des Monte Pertica und des Monte Solarol» unternahm der Italiener nach heftiger, übersallsartiger Artillericvorbrreitvng vier gewaltige Sturmangriffe. Sie wurden von den braven Truppen der 55. Division teils durch Feuer, teils im Nahkampf abgeschlagen. Die Blut- opser des Feindes sind außerordentlich groß. An der albanischen Front nichts von Belang. Der Chef des GeneralstabcS. Mobilmachung im Murmangebiet. Ankündigung des Maffcnterrors. Moskau, 14. Juki.„Nowaja Shisu" meldet, daß das Gouverucmcnts-Exekutivklimitee im Murmangebiet an- gesichts der offenen Feindseligkeiten der Verbandstrnppen gegeu die Rätcgcwalt die sofortige teilweise Mobil- m a ch u» g nnd allgemeine Mobilmachung aller Artillerie- und Genietruppen befohle«, die gcgcnrevolutionäre Agitation verboten und die Waffenabgabe angeordnet hat. Am 4. Juli sei eine Jacht mit einem englischen Vizeadmiral angekommen. „Prawda" bespricht die Vorfälle in Jaroslaw, wo drei Bokschewiki von gcgenrcvolutiouärcn Offiziereu getötet wur- den und hebt die Notwendigkeit der Anwcnd u« g des M a s s c n t e r r o r s hervor, der nach Beschluß des kürz- lich beendigten allrussischen Rätekongresies als Kamps- mittel gegen die Bourgeoisie angewendet werden müsse. Bis jcvt habe die Rätegewalt die Widerstand leistenden Offiziere und Junker, sogar die Anführer der Monarchisten, unbehelligt gelassen; aber diese Schlangen könnten noch einmal auf der Welle einer Weißgardisten-Bewcgung auf- tauchen und sür die frühere Großmut blutige Rache nehmen. Auch der damals begnadigte General Krasnow zahle jetzt allen, die in seine Hände kommen, mit Blei. Im Ural habe die Sowjct-Herrschaft zahlreiche angeschene Vertreter der Bourgeoisie als Geiseln festgenommen. Die Bublikows und Zerctellis organisieren den Terror gegen uus, wir werden mit Massenterror im ganze» Laude antworten. Die Kriegsgefangenen in Nußlanü. An die Krieg Sabteilung der Sowjets, die lokalen Kommissariate in KriegSangelegenheiten, sowie überhaupt an alle Einrichtungen des Kriegsamtes, denen die Aufficht über die Kriegsgefangenen übertragen worden ist, hat Trotzki vor einiger Zeit folgenden Erlaß gerichtet: 1. In den Lagern der 5driegsgefangenen dürfen Gewalt- tätigkeiten der Kriegsgefangenen gegenein- ander wegen abweichender Ueberzeugungen, ins- besondere aber gegen die k r i e g s g e fa n g« ne n Ossi- ziere, nicht geduldet werden. Um solchen Ausschreitungen vorzubeugen, sind unverzüglich alle Matznahmen zur Entwaffnung der Kriegsgefangene« zu ergreifen, soweit bei ihnen Waffen vorhanden sind. 2. Es ist darauf zu achten,'daß � die Kriegsgefangenen aller Kategorien entsprechend den Regeln der von Rußland cmgenomme- nen ratifizierten internationalen Konventionen und Verträge bc- handelt werden. 3. Im Einklang mit Artikel 2 des Friedensvertrages von Brest- Litowsk, welcher die Sowjetregierung verpflichtet, sich jeglicher Agitation und Propaganda gegen die Regie- rungen und Staatseinrichtungen Deutschlands, Oesterreich-Ungarns, Bulgariens und der Türkei zu enthalten, haben sich die Organe der Militärgcwalt streng jeglicher Uebertretung dieser Verpflichtung zu enthalten. 4. Nur solche fremdländische Freiwilligen sind in die rote Armee aufzunehmen, die russisches Bürger- recht erworben haben. Mehr Klarheit über öelgien! Schon gestern ist hier auf die große Bedeutung hingewiesen worden, die das Berliner Telegramm der Kopenhagener„Poli- tiken" fiir die weitere Entwicklung der belgischen Angelegenheit gewinnen kann. Wenn wirklich eine deutsche„autoritative Stelle" gesagt hat, die Bedingung, an welche die Wiederherstel- lung der belgischen Staatsselbständigkeit geknüpft sei, sei die' Freigabe der deutschen Kolonien und des Weges zu ihnen, nnd wenn die englische Negierung in der Lag�ist, sich auf dem Wege über Kopenhagen Gewißheit in dieser Sache zu verschaffen, dann kann die ernste Bedeutung dieser Nachricht gar nicht übersehen werden. Dieser Eindruck wird durch die Kritik, die von der rechts- stehenden Presse an.jenem Telegramm geübt wird, noch verstärkt. In der„Deutschen Tageszeitung" zeigt sich Graf Reventlow von der Richtigkeit der Nachricht so durchdrungen, daß er selbst einem amtlichen Dementi keinen Wert inehr bei- messen würde. Das Telegramm des dänischen Berichterstatters sei ja niindestens durch zwei Zensuren gegangen, also werde die Sache schon stimmen. Weiter führt der Vorkänipfer des„selb- ständigen Flandern", d. h. der verkappten Annexion Belgiens, aus: Das sind die Gedanken, welche der Staatssekretär des Reichs- kolonialamtes Dr. Solf seit Jahren während des Krieges vertritt und propagiert. Es wäre interessant zu wissen, ob er, oder aber wer sonst, die„wohlunterrrichtcte autoritative politische Seite" ge- Wesen ist____ Der Unterschied der Auffeissung der wohlunterrichteten autoritativen politischen Seite gegenüber den Hertlingschen Er- klärungen liegt auf der Hand: es ist nicht mehr von Sicherheiten gegen Gefahren und Schwierigkeiten die Rede, nicht mehr für freie Luft zur Entwicklung des deutschen Volkes. Belgien soll lediglich als Tauschobjekt gegen Herausgabe der deutschen Kolonien dienen.... Der Reichskanzler hat mit Nachdruck neulich erklärt, daß seine auswärtige Politik ge- macht würde, nicht aber die diejenige des Staatssekretärs des Aus- wärtigen Amtes. Der Staatssekretär des Kolonial- amtcs scheint mithin eine Sonder st eilung ein- zunehmen, die ihn berechtigt, die neuliche Erklärung des Reichs- kanzlers als nur einen der Schritte aus der schiefen Ebene zum völligen Verzichte indirekt zu bezeichnen. Graf Reventlow sagt aber selbst, die Meldung sei mindestens durch zwei Zensuren gegangen, davon dürfte doch mindestens eine die Zensur der Reichskanzlei oder des Auswärtigen Amts sein. Wenn eine solche Meldung von„w o h I u n t e r r i ch t e- ter autoritativer Seite" ohne Wissen des Reichs- kanzlers und gegen seine Absichten hinausgehen könnte, so wäre das geradezu ein toller Zustand. Der Staatssekretär des Kalo- nialamts kann nicht auswärtige Politik ans eigene Faust treiben. Da aber der Versuch gemacht worden ist, die Kopen- Hagener Meldung als den Ausfluß einer Sonderpolitik zu be- handeln, die von einer Nebenstelle betrieben ist, wäre es wichtig festzustellen, daß sich die dort wicdergcgebenc Auffassung mit der Auffassung des Reichskanzlers deckt. Die„Krcnzzeiwng" versucht auf andere Weise, sich aus der Verlegenheit herauszuwinden, die ihr die Kopcnhagener Mel- dung bereitet. Sic führt gegen den„Vorwärts" polemisierend ans: Entweder hat sich die„autoritative politische Seite" u n g e- schickt ausgedrückt, oder der Berichterstatter des dänischen Blattes hat ihre Aeutzerungen schlecht wiedergegeben. In jedem Falle kann sie die Rückgabe der Kolonien med die Freigabe des Weges zu ihnen nur als eine, nicht aber als die einzige Voraussetzung für die Herausgabe Belgiens bezeichnet haben. In seiner ersten Rede hat der Reichskanzler ausdrücklich als weitere. Voraussetzung die Sicherung bezeichnet, daß Belgien nicht wieder, weder militärisch noch wirtschaftlich, zum Aufmarschgebiet für unsere Feinde werde. Unter diesen Umständen wäre es aller- dings besser gewesen, wenn das Wolsfsche Bureau die mißverständliche Auslassung von„Politiken" nicht kommentarlos weitergegeben hätte. An sich war ja diese Weitergabe überhaupt nicht nötig.(!) Denn eine wirkliche Erläuterung bedeuten diese Bemerkungen der „autoritativen politischen Seite" nicht. Die„Kreuzzeitung" vergißt, daß die erste Rede des Konz- lcrs über Belgien, die vom Donnerstag, von sozialdemokratischer Seite die schärfste Anfechtung gefunden hat und daß die zweite Rede, die vorn Freitag, nn Zusammenhang mit dem umstrittenen Kopenhagcner Telegramm eine Abänderung der zuerst gegebenen Erklärung darstellt. Jedenfalls wird die Welt anerkennen müssen,_ daß es sich hier um ein sehr ernstes Bc st reden der Sozialdemo- k ratio handelt, die Schwierigkeiten, die sich in der belgischen Frage aufgetürmt haben, hinwegzuräumen und positive Friedensarbeit zu leisten. Ueber die Größe des erzielten Erfolges zu urteilen, wäre verfrüht, Rückschläge sind denkbar und ein absolutes Vertrauen zu den guten Absichten der deut- sehen Regierung ist hier noch nie gepredigt worden. Immerhin, es handelt sich um einen bedeuffamen Versuch, eine der stärksten Verknotungen dieser blutigen Weltwirren zu lösen, einen Ver-. such, für dessen Gelingen es auf den guten Willen nicht nur der deutschen Regierung, sondern auch der anderen Seite ankommt. Voreilig wäre, zu hoffen, daß er uns schon den Frieden bringen tonnte, aber wenn er folgerichtig fortgesetzt wird, muß er zur Stärkung des Friedenswillens in der ganzen Welt beitragen. *» Nottrrdnm, 15. Juli...Nieuwe Rotterdamsche Courant" zufolge ist„Taily New«" der Ansicht, daß Graf Hertlings Erklärung weitergeht, als irgendeine der bisherigen Erklärungen verantwort- licher deutscher Staatsmänner. Sie bilde eine Annäherung an die Formel, die Lloyd George in Queenshall brauchte, daß die Deutschen lernen müssen, sich an das Wort„Rückgabe" zu ge- wähnen, und daß die Alliierten dann sprechen würden. Diese Punkte brauche man aber weiter nicht zu berühren. Es könne keine Rede davon sein, in HcrtlingS Erklärung eine neue Grundlage für einen fruchtbaren Gedankenaustausch für den Frieden zu finldcn. Wohl aber werde man in ihr ein Anzeichen für den Wunsch in amt- lichen deutschen Kreisen, die Türe für einen möglichen Frieden gut offen zu halten, finden können. Die Ursachen für diesen Wunsch träten täglich deutlicher zutage. Einem Siege Deutschlands stehen den„Daily News" zufolge unüberwindliche Hindernisse im Wege. Auf Cesterrcich-Uilgarn könne man nicht mehr zählen, da eS für den Rest des Krieges nicht mehr zu einer ernsten militärischen Offensive imstande sein würde. Auf jeden Fall sei es als niili- tärischcr Faktor für seine Verbündeten von sehr zweifelhaftem Werte. Seine, wirtschaftliche Lage sei verzweifelt, und die Haupt- sächlichste Funktion Oesterreichs im Verbände der Mittelmächte werde die sein, ans Frieden unter fast jeder Bedingung zu dringen. In Deutschland selbst, wo die Zustände brträchtlich besser seien als in Oesterreich, seien Anzeichen von politischen Unruhen und allgemeiner Temiiralisicrung der Bevölkerung, die gegen eine Fortsetzung deS Krieges nach dem mitleidlosen preußischen Schema sich ernsthaft wehre, vorhanden. Man komme leicht in Versuchung, solchen Fak- toren eine allzu große Bedeutung beizulegen, aber man gelange doch zu dem Schlüsse, daß der Kanzler, als er die Friedensfrage in den Bereich seiner Betrachtung zu ziehen trachtete, einen Kurs eingeschlagen habe, der ihm von den Umständen gebieterisch vorge» sckirieben sei. Wenn diese Auffassung von der Lag«, so fahren „Daily News" fort, richtig ist, ist nicht so sehr das, wa» der Kanzler sagte, von Bedeutung als das, was die Wortführer der Alliierten sagen werden. Augenblicklich ist wenig Aussicht aus eine förmliche diplomatische Annäherung, aber die offiziöse Diplomatie kann jetzt wohl eine Gelegenheit erhalten »M a n ch c st« r Gn a r d i a n" nimmt in Erwartung des vollständigen TcrteS der Rede HcrtlingS an, daß er sich endgültig und unwiderruflich zur Zuriickgabc Belgiens verpflichtet. Allerdings nicht bedingungslos. Aber der Reichskanzler bietet wenigstens als Teil einer allgemeinen Regelung die vollständige unzweideutige Be- freiung an. Bemerkenswert ist an der Erklärung ferner, daß sie keiil« Ansprüche auf dem Gebiete der Kriegsentschädigungen er- hebt. DaS Wichtigste ist. daß Deutschland« Ziele in Ausdrücken dar-. gelegt werden, die mit der ReichStagScntfchließung vom letzten Jahre übereinstimmen. Die Veränderung des Tones feit Februar liegt klar zutage. Sie macht den Eindruck, daß die große Öffenfwe im Westen die Lage nicht wesentlich verändert hat, um so bemerkenS- werter nach einer politischen Krise, die die Alldeutschen ans Ruder -gebracht zu haben schien. Die Rede deutet eine definitive und wich. tige vrnderung in der Haltung der deutschen Regierung an. Tie zwei letzten Reden Lloyd George« brachten mehr negative als positive Wort« über unser« Kriegsziele.„Manchester Guardian" meint, daß trotz aller auf eine Veränderung hinweisenden Anzeichen die Zeit für die Diplomatie noch nicht gekommen ist, wohl aber für eine intcr- nationale Arbeiterkonferenz. London, 15. Juli.(Reuter.) In Besprechung der Ausführungen de« Grafen Hcrtling über Belgien schreibt die„Westminstec Gazette": E? muß von vornherein gesagt werden, daß der Gc- danke, Belgien bei den Unterhandlungen als„Pfand" zu benützen, sämtlichen Alliierten widerstrebt. Belgien ist das Opfer eines un- geheuren Frevels geworden, für den wir Wiederherstellung und Wiedergutmachung ohne Bezugnahme auf irgendeine andere Streit- krage verlangen. Wir wissen ans den Verträgen von Brest- Litowsk und Rumänien, was die Deutschen unter Zurück- gäbe von Land verstehen, wenn sie in der Lage sind, darum zu feil- ichen oder Bedingungen aufzuerlegen. Wenn Deutschland den Frieden wünscht, muß cS seine KriegSfvrmcn ändern und d i c Kriegshetzer entfernen und sich einem zivilisierten curo- päischen System mit gemeinsamer Beaufsichtigung der Rüstungen und gemeinsamer Garantie dce Rechte aller Na- rwnen. aroßer und kleiner, einfügen. Es wird allmählich immer deutlicher, daß eS der einzige Weg ist, um für die jetzt zur Diskussion stehenden europäischen Fragen eine dauernde Lösung zu finden. Unsere Antwort an die Teutsckien muß also dahin lauten, daß unser Ziel die dauernde Pazifierung der Welt ist. Bern, 15. Juli. Zu den Ausführungen des Kanzlers über Del- gien liegen in der heutigen französischen Press« wenige Aeutzcrungcn vor, wahncheinlich wegen Platzmangels infolge der Jcstartikel zur Rationalfeicr. „Petit P a r i s i c n" erklärt. Gras Hertling habe die erste Antwort in etwas bejahenderer Form als srühcr auf die oft gc- stellte Frage der englischen Staatsmänner erteilt, die Entente werde jedoch die Erklärung nicht zufriedenstellend finden, weil es widerspruchsvoll und doppelsinnig sei, warum denn Deutsch- land Belgien als Pfand b«'halte, wenn es Belgien als un- abhängig anerkennen wolle. Nachdem ihm Belgien weiter als Faust- Pfand dienen solle, wie könne man da auf sein Versprechen bauen? Belgien dürfe nie und nimmer als Fcilfchactikel gebraucht werden. Graf Hertling habe sich in der Form gemäßigt gezeigt, die Unabhängigkeit Belgiens dürfe jedoch keinerlei Bedingungen unter- geordnet werden. „TempS" schreibt, die Formel deS Kanzlers fei etwas klarer als diejenige Bcthmann tzollwegs am 5. Apcil 1916 im Reichstag, aber man finde auch in ihr seltsam gefährliche Zwei- deutigteiten wie früher bezüglich der Vasallenschast usw. Der Kanzler hätte gut getan, zu erklären, daß Belgien wirtschaftlich und politisch voll und ganz wiederhergestellt werden müsse. WaS das Wort Faustpfand in der deutschen Diplomatenspcache bedeute, wisse man seit 1863. Wenn Graf Hertling wirklich eine Friedensgestc machen wollte, hätte er einfach die Räumung Belgien» anbieten können. „P o p u l a i r e" findet die Erklärung an sich interessant und bedeutungsvoll, aber trotzdem ungenügend, da zweideutig. ES sei immer noch die Befürchtung vorhanden, daß Deutschland die Souveränität Belgien« zu beschränken gedenke. '„Eclair" vermißt die Erklärung des Kanzlers über die besetzten Gebiete Frankreich«, er folgert auS diesem wohlbeabjichtigten Schweigen, daß die deutsch« Regierung wenigstens teilweis« die Anneltierung eines Teiles des französischen Boden« beabsichtige. öurians Darlegungen zur aus- wärtigen Politik. „Der Genius der Menschheit." Die gestrigen Mitteilungen über Burians Schreibenan die beiden Ministerpräsidenten werden jetzt durch einen ausführlichen offiziösen Bericht ergänzt. Der aus der gestrigen kurzen Wiedergabe erkennbare Charakter des Schrift- stücks wird dadurch nicht verändert. Der k. u. k. Minister des Aeußern versicherte, daß die Mittelmächte nichts anderes er- kämpfen wollen, als den Friedenswillen der Feinde. Die vier Punkte Wilsons vom 4. Juli nahm er,„abgesehen von einigen Hyperbeln", widerspruchslos auf.„Niemand," sagte er,„der- weigert dem Genius der Menschheit diese Huldigung, niemand seine Mitwirkung." Den Frieden von Brest-Litowsk versuchte Graf Burian folgendermaßen zn verteidigen: Unsere Gegner waren ja alle eingeladen an denselben(den Vorhandlungen) teilzunehmen und sie hätten dafür mit sorgen können, daß sie anders ausfallen. Aber jetzt hinterher steht ihre Kritik auf schtvachen Füßen, denn es gibt keine Rechtstitel, aus denen sie berufen wären, FriedenSbedingungen zu verurteilen, die für die Beteiligten an- nehmbar oder unvermeidlich gewesen sind. Unsere anderen Gegner scheinen nach ihren zuversichtlich klingenden Aenßerungen nicht zu befürchten, geschlagen zu werden. Wenn sie trotzdem diese Friedens- schlüsse als ein abschreckendes Beispiel dafür hinstelle», wie wir besiegte Feinde behandeln, so erkennen wir dem hierin liegenden Vorwurf wohl keine sachliche Berechtigung zu, müssen aber daran erinnern, daß keiner der kämpfenden Staaten je in den Fall von Rußland oder Rumänien zu kommen braucht, da wir doch immer bereit sind, mit allen in Waffen gegen uns stehenden Feinden in Friedensverhandlungen cinzu- treten. Gegenüber den feindlichen Sühncfordeningen versicherte der Vertrauensmann des Grafen Tisza:„W i r sind die An- gegriffenen!" Der Minister wandte sich dann gegen die Be- strebungen der Entente, Oesterreich-Ungarn in seine Bestandteile aufzulösen, und lehnte natürlich jede Einmischung in die inneren Angelegenheiten der Monarchie ab. Er sprach dann von der feindlichen Verhetzungstätigkeit, die nicht nur die Völker Oesterreichs gegeneinander aufzureizen versuchte, sondern auch „durch Ausstreuung von ungeheuerlichen niedrigen Verlenm- düngen, Mißtrauen zwischen die Völker der Monarchie und ihre angestammte Dynastie säen" wolle.(Graf Burian spielte damit auf einen bösartigen Klatsch an, wonach die verwandtschaftlichen Beziehungen der Kaiserin nachteilige Folgen für die militäri- scheu Operationen haben sollen. Dieser Klatsch riecht aber mehr nach Wiener Kaffeehaus als nach Ententediplomatie.) lieber die Friedensbereitschaft der Mittel- mächte sagte Graf Burian nach längeren Ausführungen über das Ineinandergreifen von Diplomatie und Kriegführung fol- gendes: Sic wird die unüberwindliche Verteidigung der Verbündeten nicht einen Augenblick hemmen, sie wird aber nach siegreichen Schlachten ebenso, wie in der Zeit der Kampfpausen auch ohne neue F r i e d e n Sa n g-e b at e immer bedacht sein, daran zu erinnern, daß wir diesen Krieg für ein sinn- und zwecklos gewordene« Blutvergießen halten, dem durch das Wiederkehren der Menschlichkeitsgefühle unserer Gegner in jedem Augenblick ein Ende gemacht werden könnte. Sie kämpfen, soweit sie nicht ans Ländergewinn ausgehen, gegen Windmühlen. Sie erschöpfen ihre und unsere Kräfte, um auf den Ruinen der Zivilisation neue Wcltord- nungen vorzubereiten, deren verwirkliÄungsfähige, auch von uns warm gebilligte Gedankcnreihe sie viel leichter und voll- ständiger im friedlichen Zusammenwirken aller Völker in die Tat umsetzen könnten. Wir wenden trotz allem unsere Blicke immer hoffnungsvoller auf die uns jetzt feindlichen Völker, ob denn nicht endlich die Verblendung von ihnen weicht, welche die Welt nach den furchtbaren Heimsuchungen der vier Kricgsjahrc immer weiter in das dn-röy ihren Willen abwendbare Verderben treibt. Gewiß,- wir leiden schwer unter diesem Krieg«, aber liärter als unser Los ist unsere Entschlossenheit, für unser gutes Recht zu kämpfen, bis der Feind abläßt von seinen menschhritSbctörendcn, weil falsch an- gewendeten Ideologien und von seinem anmaßenden Umjturzwillen. Dann kam der Minister des Aeußern auf den Bund mit dem Deutschen Reich zu sprechen, den er natürlich lebhaft feierte. Tie engere Ausgestaltung der Beziehungen solle streng ini Geist des alten Vertrags von 1879 erfolgen, dabei sei oberster Grundsatz„bei sorgfältigster Rücksichtnahme in Form und In- halt die Souveränität, die volle Parität und Unabhängigkeit der vertragschließenden Mächte". Ein Anreiz zu Gegengruppicrun- gen solle damit nicht gesckiaffen werden. Der Minister ging dann in folgenden vorsichtigen Wendungen auf die Frage des Völkerbundes über: Alles was sich in der Zukunft von der hehren Idee eines allgc- meinen Völkerbundes wird verwirklichen lassen, soll in unserem Bündnisse kein Hindernis, sondern einen willigen Kern, eine vorbereitete Gruppe finden, die sich mit jeder auf verwandten Grund- sätzen beruhenden allgemeinen staatlichen Kombination leicht und ihrem Sinne gemäß zusammenschließen kann. E» ist auch nach dem Gesagten kaum nötig zu betonen, daß wir hoffen und erwarten, allen voran mit dem uns verbündeten Bulgarien und der Türkei auch nach dem Kriege in der engsten Verbindung zu bleiben. Die Fortdauer dieses Krieges beruht ausschließlich auf dem einseitigen Vernichtungswillen der feindlichen Staatenlenkcr. Sie halten ihre Völker im Banne von Schlagtvortcn, die aufrichtig gc- meint sein mögen, aber an die falsche Adresse gerichtet und mit Anpreisung de» allerzwcckwidvigsten DurchführungSmittelz propa. giert werden. Unsere Gegner stecken sich dabei auf ihrem blutge- tränkten Wege Ziele, die nur auf den Trümmern einer Welt erreicht werden könnten. Daß dies verhütet werden wird, dafür bürgt unsere und unserer Verbündeten starke Wehr. ES sei zum Schlüsse der Worte unseres erhabenen Herr- scher? gedacht ans seiner Antwort ans die Friedensnote deS Heiligen Baters vom 1. August d. I.: Wir erstreben einen Frieden, welcher das fernere Leben der Völker von Groll und Rache- durst befreit, und der sie auf Generationen hinaus vor An- Wendung der Waffengewalt sichert. Graf Burian hat sich damit der Welt als Diplomat alten Schlages vorgestellt, der mit den bewährten Hausmitteln arbeitet. Der prickelnde Reiz des Modernen. Sensationellen, der die Reden des Grafen Czernin auszeichnete, fehlt seinen Darlegungen voll- kommen und die Verbeugung, die er vor dem„Genius der Menschheit" macht, fällt bei seiner etwas hausbackenen Nüchtern- heit und seinem konservativen Mißtrauen gegen neue Ideen ziemlich schwerfällig aus. Haitis Kriegserklärung an Oeutstblanö. New Jork, 14. Juli. Reuter meldet aus Port-au-Priuce. der Staatsrat vou Haiti habe einstimmig beschlossen, Deutsch- laud den Krieg zu erklären. Eine Bestätigung dieser Meldung liegt nach WolstS Bureau in Berlin nicht vor. Sie wird aber vermutlich nicht auS- bleiben. Da Haiti sich in ein Vasallenverhältnis zur Dollar- republik fügen mußte, war ein Beschlutz, wie �der jetzt gefaßte. immer irgendwann einmal zu erwarten, solche Beschlüsse gehören zu dem Entgelt, mit dem die vielen amerikanischen Staaten die Dollarhilfe, ohne die in der Weltkriegszeit für sie kein Auskommen mehr möglich ist, für sich flüssig machen. §och ist mit Reims sehr zufmüen. London, 15. Juli. Am Schluß der Sitzung im Unterhause sagte B o n a r Law, Lloyd Gcorge sei in telephonischer Verbindung mit dem Hauptquartier gewesen und eS sei ihm berichtet Worten, daß Foch mit dem Ergebnis der heutigen Gefechte sehr zufrieden sei. Der folgende Bericht sei eingegangen: Der Feind hat am frühen Morgen auf einer Front von 7« Kiloutetern östlich und westlich von Reims angegriffen. Die Stadt selbst ist nicht angegristen worden. Westlich von Reims dpangen die Deutschen in die französischen Stellungen von 36 Kilometern Breite in durchschnittlicher Tiefe von 4 bis o Kilometern ein. Südlich von M a r c i e trieben amerikanische Truppen durch glänzenden Gegenangriff den Feind zurück und machten 1(166 Gefangene. (Beifall.) O e st l i ch von Reims wurde der Feind sehr heftig zurückgeworfen, erlitt schwere Verluste und erzielte einen voll- ständigen Mißerfolg.(Lauter Beifall.) Der deutsche Heeresbericht bezeugt, daß dieser„Mißerfolg" auch dort in der Wegnahme der feindlichen ersten Stellung be- standen hat._ Die haager flustauschverhanölungen. London, 15. Juli. Unterhaus. Bonar Law teilte mit, daß zwischen den Delegierten im Haag über den Aus- tausch der Gefangenen eine Einigung erzielt wurde, die aber noch der Ratifikation der beiden Regierungen bedarf. So- bald die britischen Delegierten zurückgekehrt sein würden. würde die Frage des Austausches der türkischen, britischen und indischen Gefangenen in Angriff genommen werden. Das Haager Korrespondenz-Bureau berichtet, es könne vorläufig über die Ergebnisse der abgeschlossenen deutsch- englischen Konferenz über die Gefangencnfrage mitteilen, daß sie sehr befriedigend seien und sich in derselben Richtung bewegten, wie das zwischen Frankreich und Deutsch- land in Bern abgeschlossene Abkommen. Die deutschen Teil-. nehmer an der Konferenz sind nach Deutschland abgereist. Von deutscher Seite liegt noch keine Aeußerung über das Ergebnis der Verhandlungen vor. Man darf aus den deutschen Bericht um so mehr gespannt sein, als von einem Vertreter der britischen Delegation erklärt worden ist, daß die Verhandlungen mit großen Schwierigkeiten verknüpft waren: weil nämlich Eng- land weitverstreut in aller Welt Deutsche interniert hat und weil mehr Deutsche als Engländer interniert sind. Gleickiwohl sollen also die Ergebnisse beftiedigend sein. Bulgarien unö Ukraine. Wien, 16. Juli. Den Blättern zufolge wurden gestern die Ratifikationsurkunden des Brest er Friedensvertrages zwischen Bulgarien und der Ukraine ausgetauscht. Das Protokoll wurde vom ukrainischen Gesandten in Wien und dem bulgarischen Geschäftsträger Djebaroff unterzeichnet. vorörmgen der Engländer im Murman- gebiet. Nene russische Proteste an England und Frankreich. Moskau, 12. Juli.(P. T. A.) Verspätet. Die Stadt S o r o k i an der Küste des Weißen Meeres wurde von den Engländern eingenommen, worauf sie weiter nach Osten vordrangen und den Ort SnmSki Possad besetzten. Der Volkskommissar Tschitscherin sandte dem eng-! lisch«»diplomatischen Vertreter, Lockhard, folgende Note: „Ungeachtet der wiederholten Versicherungen der Regierung Großbritanniens, daß die Landung der englischen Tr-ippen an der Murmanküstc keine seindlichc Aktion gegen die russische Sowjet- regierung sei, Hot die englische Regierung nicht nur unsere elementare Forderung, ihre Truppen aus dem Sowjet-Territorium abzurufen, n ich.t erfüllt; vielmehr sind ihre Truppen in Verbindung mit französischen und serbischen Hilfs- kräften weiter nach Süden in daS Innere des Landes vor- gerückt. Tic Amtspersonen der Sowjet-Regierung wurden verhaftet und zuweilen sogar nieder- geschossen. Tic Eifenbahn-Schuvtrupven wurden entwaffnet; über die Eisenbahn und den Telegraph wurde eine Kontrolle errichtet. Nach der Einnahme von Kcm und Soroki rückten die englischen Truppen weiter nach Osten vor und nahmen> Sumski Possad ein, das sich auf dem Wege nach Oncga befindet. Nach solchen Handlungen englischer Truppen kann nur von einer Bescpung des Territoriums der rnffifchrn Sowjet-Regierung gesprochen werden, denn das Vorrücken der eng- lischen Truppen kann durch keinerlei andere Motive erklärt werden. DaS Volkskommissariat des Aeußeren drückt feinen entschiede» ne» Protest gegen diese durch nichts gerechtfertigte Gewalt- tat gegen die Sowjet-Regierung aus. Wir haben schon erklärt und erklären nochmals, daß die Sowjettruppcn alles, was in ihren Kräften steht, aufbieten werden, um da« russische i Territorium zu schützen, und dem ausländischen bcwassncten Vordringen einen entschiedenen Widerstand leisten � werden. Wir machen besonders auf die Erregung aufmerksam, die große VolkSmasse» Rußlands bei dem Anblick des von unserer Seite durch nichts hervorgerufenen englischen N ebersall» zeige», und ebenso auf die Folgen, welche diese bei den Massen anwachsende Erregung in der Zukunft zeitigen kackn." Glcichzeftig hat der Volkskommissar T s cht t sich eri n dem französischen Generalkonsul in Moskau eine Note folgenden Inhalts zugejondt: „DaS Volkskommissariat der äußeren Angelegenheiten kann nicht umhin, die Aufmerksamkeit des französischen Generalkonsuls auf nachstehende Tatsache zu lenken. Nachdem der französische Vertreter an dem Abschluß des Vertrages mit dem Mnrman-Sowset gegen den Willen der Sowjet-Regierung Rußland» teilgenommen hatte, um den ausländischen Ueber- fall auf russisches Territorium zu erleichtern; ferner, nachdem die Ht.m ❖ ZS. Jahrgang Seilage öes Vorwärts Mittwoch, 17. Juli 1918 Groß'�erlln Nährmittelvorfrcuden. Man sagt� daß die Vorfreude cruf einen Gcnu� oft angenehmer und beglückender als der Genuß selber ist. Gilt das auch von den Nährmitteln, die als Ersatz für die entzogenen Brot- und Kartoffel- mengen gedacht sind? Einer, der für Vorfteuden auf solche Gc- nüsse offenbar kein rechtes Verständnis hat, klagt uns, daß er auf seine Berliner Lebensmittelkarte zurzeit für nicht weniger als elf bereits eingereichte Abschnitte noch die vcrsproche- neti Nährmittel bzw. Marmelade zu erhalten hat. Lieber als die Anwartschaft auf diese Nährmittel, von der er nicht satt werden kann, wären ihm die Nährmirkl selber. Er hätte sie besonders in der vorigen Woche gut brauchen können, wo er auch die Hülsen- frischte, die ihm auf seine Kartoffeltarte zu liefern waren, noch nicht erhielt. Der in Berlin-Ost am Markgrafendamm wohnende Beschwerdeführer meint, er müsse die Verzögerungen auf Nachlässigkeit der Händlerin zurückführen, bei der er als Kunde eingetragen ist. Wenn's?hm ein- Trost ist, Gefährten im Leid zu haben, so wollen wir ihm sagen, daß er mit seiner reichhaltigen Sammlung von Nährmittelanweisungen keineswegs allein dasteht. Uns ist bekannt. daß in Berlin auch Leute, die bei anderen Händlern eingetragen sind, den auf die elf Zlbschnitte zu liefernden Waren noch erwar- tungsvoll entgegensehen. Wir vermuten, daß selbst bei den ältesten dieser Abschnitte die Lieferung der Waren an die Kleinhändler noch gar nicht beendet ist. Gewiß kann niemand verlangen, daß in einer Stadt mit 2 Millionen Einwohnern alle alles zu gleicher Zeit er- halten. Aber uns scheint, daß einige der noch nicht erledigten Ab- schnitte doch schon ein bißchen weit zurückliegen. Es handelt sich im ganzen um die Nummern 4l1 bis 4? sowie 52 und 53. Die Abschnitte. 40, 41, 42, aus die man uns 250 Gramm Graupen, 250 Gramm lose Suppen oder 5 Suppentafeln und 100 Gramm Teigwaren liesern will, mußten schon in den Tagen vom 26.— 28. Juni abgegeben werden. In den Tagen vom 5.— 7. Juli folgten die Abschnitte 43, 44. 45, die einen Anspruch auf 200 Gramm Graupe«, 100 Gramm Suppen oder 2 Suppentafeln und nochmals 200 Gramm Graupen gewähren. Sodann kamen in den Tagen vom 11.— 13. Juli die Abschnitts 52 und 53 heran, von denen wir 445 Gramm Marmelade zu erwarten haben. Und schließlich wurde für die Tage vom 14. bis 17. Juli zur Einreichung der Abschnitte 46, 47, 48 aufgefordert, die »ms 150 Gramm Graupen oder Grütze und 250 Gramm lofe Suppen oder Morgentrank verheißen. Muß einem nicht bei dem Gedanken an so viel Eßbares, selbst wcnn das meiste davon nur Graupe ist, das Wasser im Mnude zusauirnenlaufen? Ach, wcnn wir nur erst alles hätten! Wcnn nur die„Organisation" der Nähr- mittelverteilung auf schnelleres Arbeiten eingerichtet wäre! Wenn wir nur die versprochenen Nährmittel noch kriegten, solange die Einschränkung der Brot- und Kartoffel- ratio neu fortdauert! Es ist eben mit der Vorfreude doch ern eigenes Ding. Sie kann wohl den Gaumen kitzeln, aber der Magen läßt sich von ihr nicht betrügen. Weil„die Akten noch nicht da" waren! Kriegsbeschädigte haben die Heilbehandlung mit allem Drum und Dran kostenfrei zu heanspruiben. Es versteht sicb von selbst, daß die Lieferung künstlicher Glieder oder ähnlicher HilfS- mittel noch zur.Heilbehandlung gehört. Ebenio ist nichr zweifei- hail, daß auch bei- Ausbesserungen solcher Vorrichtungen dem Kriegsbeschädigten keine Kosten aufzulegen sind, wenn ihm nicht böswillige Zerstörung zur Last fällt. Niemals sollte eiu Kriegs- bcschädiglcr auch nur in die Lage gebracht werden, einstweilen aus eigener Taiche die Kosten einer Ausbesserung decken zu müssen, die zur Aufrechlerhallung seiner ArbeilS- und Erwerbsfähigkeit not- wendig ist und keinen Aufschub duldet. Gezwungen sab sich dazu ein Kriegsbeschädigter, der Ende Mai d. I. aus dem Lazarett entlassen worden war. in �inem großen Betrieb als Bureaubote eiinra: und dann die Slützvorrichtung für sein durch eine Granate verletztes Bein nicht gebrauchen konnte. An der schon im Lazarett. mehrfach� geänderten Vorrichtung wurde wenige Tage nach seiner Entlassung eine erneute Aeiidcrung nötig, aber der Kriegsbeschädigte erhielt bei der Versorgungsstelle den Bescheid, er müsse sich gedulden, seine Akten seien noch nicht da. Weil er nickt die Arbeit bis auf weiteres äussetzen wollte, was ihm vielleicht Entlassung aus dein Betrieh eingetragen hätte, entschloß er sich, die Ausbesserung zunächst selber zu bezahle,, und hinterher Kostenersatz zu fordern. Der Bandagist, den er aufsuchte, verlangte im voraus "0 M.. einen Betrag, den der damals noch auf Entscheidung über seine Reute wartende Kriegsbeschädigte nicht sofort auf den Tisch zu legen vermochte. Sein Vater inußtc die 50 M. vorstrecken. damit die Stützvorrichtiuig schleunigst ausgebessert werden konnte, und es wurde auf diese Weise eine längere Arbeitsuulerbrechung vermieden. Der Kriegsbeschädigte verlangte dann den Ersatz der Kosten, der ihm selbstverständlich nicht verweigert werden wird. Er kann von Glück sagen, daß ibm die rasche Ansbriiigimg de§ Betrages gelang. Wer weiß, wie lange er sonst hätte„Geduld" haben müssen. Neue Seifenkartcn. Tie zurzeit gülkigen Seifcnkarten laufen am 31. Juli ab. Die neuen Seisenkarten, deren Gültigkeit aus weitere 6 Monate, also aut die Zeit vorn 1. August 1018 bis 31. Januar 1010 sich erstreckt, sind in diesen Tagen zugleich mit anderen Karten an die Bevölke- rung verteilt worden. Jede in Berlin polizeilich gemeldete Person, die bis zum 31. Juli keine neue Seifenkarte durch thrcn Haus- eigentümer oder dessen Bertrelcr erhält, fordere die neue Seifen- karte sofort von ihm uud'wende sich, wenn dies keinen Erfolg hat, an die zuständige Brotkommrssion. Die neuen Seifenkarten unterscheiden sich von den alten be- sonders dadurch, daß die bisherigen drei Abschnitte über Seifen- pulvcr für jeden Monat m einen Abschnitt über 250 Gramm Seifen- Pulver zusammengefaßt sind. Bis aus weiteres berechtigen diese aus Seifcnpulver lautenden?lhschnitte der Seifenkarten sowie die darüber ausgestellten Gutscheine nur zur Abgabe der Hälfte der darauf verzeichneten Menge, d. h. für jeden Monat also auf 125 Gramm Seifenpulver. Es wird auch wiederholt darauf auf- merksam geinacht. daß die Scifenkarte für das gesamte Reichsgebiet gilt und daher bei einem Wegzüge nicht abgenommen oder nbge- geben werden darf. Für Kinder, die am 1. Februar 1017 oder später geboren sind, also auch die nach dem 1. August 1018 geborenen Kinder, kann bei der Brotkommission eine Zusatzseifeukartc erfordert werden, wenn dort für sie ans einem ebenfalls in den Brorkommissionen erhält- lichen Formular ein entsprechender Antrag gestellt wird. Zllle am 1. August 10l8 oder später geborenen Kinder erhalten auf besonder- Meldung von der Brotkommission auch eine Stamm- seifenkarte. Die Vordrucke für Anträge auf Bewilligung von Zusatzseife»- karten für Aerzte, berufsmäßig mit Krankheitserregern arbeitende Personen, Zahnärzte, Tierärzte, Zahntechniker, Apotheker, Hebammen und Krankenpfleger, für mit ansteckender Krankheit sowie Tuber- kulose behaftete Personen, für in gewerblichen Betrieben, vor dem Feuer oder mit der Kohleubewegung ständig beschäftigte Arbeiter und für Schornsteinfeger, ferner für Land- und Schiffskesselreiniger, endlich für Arbeiter, bei denen infolge der Einwirkung von Schmier- ölersatz Erkrankungen der Haut eintreten, find nach wie vor bei den Brotkommissionen erhältlich. Diese Vordrucke sind alsdann aus- gefüllt an die Seifenversorgung des Magistrats, Rathaus, Zimmer 62, einzureichen. Nur von dort au» werden alsdann Zu- satzseifenkarten erteilt; die Brotkommissionen dürfen an solche Personen keine Zusatzseifenkartcn aushändigen. Die Varliner Obstcingänae aus dem Havelobst babcn— wie die Rcichsstcll- für Gemüse und Obst mitteilt— am 12. Juli mit 2866 Zentnern die bisher höchste Tagesziffcr in diesem Früh- jähr erreicht.— Diese amtliche Mitteilung mag fiir den Statistiker von Interesse sein, das Berliner Publikum möchte aber bor allem gerne wissen, wo dieser„Rckord"-Eingang an Obst eigentlich geblieben ist. Denn zu bemerken ist von ihm nichts gewesen. Käscvcrteilung In der Zeit vom 18. bis 24. wird an diejenigen Kunden, die in die Speisefettkundenliste der in den Bezirken der 140.— 143., 150., 151., 183., 134., 100.. 206.. 215., 231.. 233.. 234., und 237. Brotkommission— Nordwesten Berlins— eingetragen sind, pro Kopf 125 Gramm Käse verteilt in denjenigen Geschäften. die durch ein Aushängeschild:„Verkauf von Käse der Fettstelle Groß- Berlins" gekennzeichnet sind. Ter Sportpark Treptow veranstaltet nicht wie beabsichtigt, am Donnerstag, sondern am Mittlvochabend den zweiten Tag seines großen Rennens„Tie Hundert". Außerdem finden Fliegerrennen statt, ein großes Handikap und ein Prämien fahren. Die Rennen beginnen nm TA Uhr. Tie Unschuld vom Lande. Kurzen Prozeß machten, wie die Charlottenburger„Neue Zeit" berichtet, Charlottenburger Haus- frauen mit zwei naiven Spreewälderinnen, die mit großen Kiepen und Eimern von auswärts kamen und gerade in einem Hause in der Kantstraße verschwinden wollten, um die darin befindliche Hamstcrwarc zu verschieben. Eine Schar Hausfrauen, die den Vor- elöpoft�Monnenten O Wer üas Abonnement auf öen„vor- wärts" noch nicht erneuert hat, muß sofort 1,SS!N. an öen vorwärts-verlag G. m. b. H., Serlin Sw, Linöenstr. 3, ober an Sie bekannten Ausgabestellen einfenben, um sich öie pünktliche Weiter- liefsrung für Monat flugust au stchern. Q gang beobachtet hatte, stürmte im Nu die Kö-rhe und Eimer. Die verschobene Ware, Blaubeeren und Weichkäse, wurde auf allgemeinen Beschluß an die Ilmstehenden verkauft. Eine Schlächtersfrau gab ihre Wage her, so daß keiner im Gewicht zu kurz kam. Die beiden Spreewälderinncn standen beschämt dabei und sahen zu, wie ihre schöne Ware zu angemessenen Preisen verkauft wurde. Ei» schwerer Straßenbahnunfall, bei dem mehrere Personen, darunter eine t ö d l i cd, verletzt wurden, ereignete sich gestern nachmittag an der Ecke der Kvniggrätzer- und Prinz-Albrecht-Straße. Hier waren zwei Wagen der Linie 17 und des StadtriugS 1 zu- somtnengestoßen. Die Feuerwehr befreite die Verletzten und be- seitigte das Verkehrshindernis. Wem die Schuld an dem Unfall, der eine Verkehrsstörung verursachte, beizumessen ist. steht noch nicht fest. Die Plattformen der beiden Triebwagen waren demoliert, die Fensterscheiben zertrümmert. Verletzt wurden u. a. der Gefreite M. N i g i s ch an den Händen, der Kaufmann Alfred aus Treptow, Harzer Str. 17, Theodor Gerson, Berlin, Schinidstr. 7, am Bein, Frau A. Kampe, Berlin, Annenstr. 6, eine Fahrerin und ei» Fahrer von der Straßenbahn. Der Tote konnte noch nicht rekognosziert werden. Es war ein Fahrgast, der vorn auf der Plattform des einen Wagens gestanden hatte mcd gequetscht wordeit war. Tödlicher Straßen ilnfell. Die 65jährige Frau Anna Tulke aus der Barbarossastraße 4 versuchte in der MomMsenstraße in Steglitz unmittelbar vor einem herannahenden Straßenbahnwagen der Linie V das Gleis zu überschreiten Obwohl die Fahrerin sofort nack Kräften bremste, vermochte sie auf so kurze Entfernung den Wagen nicht mehr zum Stehen zu bringen. Frau T. wurde nmge- stoßen, geriet unter den Schutzrahmen und wurde eine Strecke mit- geschleift. Als. man die Verunglückte durch Anheben des Wagens befreite, war sie bereits tot; ihr waren beide Beine abgequetscht worden. Die Führerin des Straßenbahnwagens trifft cm dem Un- fall keinerlei Schuld. Ein gefährlicher Verbrecher wurde gestern von der Neuköllner Kriminalpolizei wieder einmal hinter Schloß und Niegel gebracht, nachdem er schon sechsmal entwichen war. Beamte erschienen abends überraschend in der Schankwirtschast von Bade in der M a hlo wer Straße 78, um sich die Gäste, die schon länger Verdacht erregt hatten, einmal genauer anzusehen. Bei einer Durchsuchung fanden sie im Abortraum einen scharfgeladenen Revolver und einen Schlagring. Beides gehörte, wie bald festgestellt wurde, einem angeblichen Gefreiten Hermann Pethenick, der in bürgerlicher Kleidung erschienen mar. weil er seit Jahresfrist als Fahnen- flüchtiger gesucht wird. Die Beamten machten sich gleich auf die Spur dieses als gewalttätig und gesäbrlich bekannten Menschen, und es gelgng ihnen auch, seiner habhaft zu werden. Pethenick lebte unter dem Namen ,.W i l I i K r e p p i n" schon länger ausschließlich von Fälschungen. In seiner..Flebbenfabrik" fertigte er besonders Militärpapiere an, die er an Fahnenflüchtige zu sehr hohen Preisen verkaufte. Vor einiger Zeit wurde er in der Uniform eines Vizefeldwebcls der Jntanterie festgenommen. Als er heftigen Widerstand leistete und tätlich wurde, erhielt er einen Schuß in den Unterleib und wurde nach dem Earmsonlazarett in Tempelbos gebracht. Sobald er geheilt war, entsprang er. Bald daraus wieder- ergriffen, entwich er gleich wieder aus dem Militärgewahrsam. Der Verhastete weigert sich hartnäckig, seine Wohnung anzugeben. Ohne Zweifel befindet sich dort mancherlei, was ihn schwer belastet. Er muß auch mehrere Uniformen verschiedener Art besitzen, denn man hat ihn wiederholt bald in dieser, bald in jener Tracht radeln sehen. Eine Bande v?» rnssischc» Taschendieben, der wohl an hundert Diebstähle zur Last fallen, wurde gestern durch die Ausmerksamleit eines Fahrgastes auf einem Straßenbahnwagen der Linie 70 un- schädlich gemacht. Nach vielen Diebstählen, die Tag für Tag an- gezeigt wurden, war festgestellt worden, daß sich in der Nähe des Bestohlenen zwei Männer und eine in Seide sehr fein gekleidete schwangere Frau befunden hatten, die deutsch mit russischem An- klang sprachen. Niemand hatte jedoch Verdacht gegen diese feinen Herren und noch weniger gegen die Dame gehabt. Gestern be- obachtete nun ein Fahrgast aus Tempelhof. wie ein anderer seinen Hut abnahm, ihn vor einem Herrn in Bauchhöhe in der Hand hielt und, durch den Hut gedeckt, mit der anderen Hand dem Ahnungslosen Uhr und Kette abknöpfte. Er ließ den Dieb fest- nehmen, erregte aber damit starken Anstoß bei einer Tarne, die mitfuhr, und einem Herrn, der sich ebenfalls für den Verdächtigten ins Zeug legte. Der Herr ließ sich jedoch, iveil er seiner Sache sicher war, nicht beirren, sorgte vielmehr dafür, daß alle drei Per- \onen nach der Wache gebracht wurden. Jetzt ergab sich bald, daß man einen guten Fang gemacht hatte. Die drei, ein 21 Jahre alter Isidor Silbermann aus Lodz, seine 22 Jahre alte Braut Mascha S t r u c z e k, ebenfalls ans Lodz, und ein 27 Jahre alter Josef B i e n st o ck. gehörten eng zusammen und betrieben Tag für Tag gewerbsmäßig den Taschendiebstahl. Alle Bestohlenen werden ersucht, sich vormittags im Zimmer 70 des Polizeipräsidiums zu melden, um dem Dreiblatt gegenübergestellt zu werde». Mehr als 50 Diebstähle find den Verhafteten schon nachgewiesen. Neukölln. Kartoffclvcrsorgung. Die Gültigkeit der Kartoffel- kartenabschnitte 28a— c der Neuköllner Kartoffelkarte wird bis ein- schließlich 18. Juli verlängert. Die Kleinhändler sind verpflichtet, Kartoffeln an Vorzeiger dieser Karten zuerst, ohne auf die Reihen- folge der etwaigen anderen Käufer zu achten, abzugeben. In der Woche vom 15.— 31. Juli dürfen auf die 6 Abschnitte 20a— c der Neuköllner Karioffelkarte 3 Pfund Kartoffeln abgegeben und en!- nomrnen werden. Sollte die Zufuhr von Frühkartoffeln nicht der- art ausfallen, daß die betanntgemachte Menge bis einschließlich 21. Juli entnommen werden kann, so wird wegen etwaiger Verlan- gerung der Kartoffelkartenabs chnitte 23a— c noch besondere Bekanntmachung ergehen.— Auf die zwei Abschnitte 206 werden von einem noch zu bestimmenden Tage ab als Ersatz für Kartoffeln auf jeden Abschnitt 50 Gramm— also zusammen 100 Gramm— ausländische Haserfabrikate und ein Brühwürfel und auf die 6 Abschnitte 20e— g auf jeden Abschnitt 50 Gramm, also zusammen 300 Gramm, Hülsen- früchte in denjenigen Geschäften abgegeben, in welchen die Anmeldung zum Bezüge von Kolonialwaren erfolgt ist. Pankow. Lebensmittel. Die Znckermenge, die auf den Abschnitt Nr. 14. gültig für die Zeit vom 16. bis 31. Juki entnommen werden darf, beträgt: Für die hellroten und dunkelblauen Znckerkarten 375 Gr., hellblauen Znckerzusatzkartcn 125 Gr., Zuckerznsatzkarten für Kinder im 2. Lebensjahre auf Abschnitt.14a und K zusammen 250 Gr., Zuckerzusatzkarten für Kinder im 1. Lebensjahre aus Ab- schnitt 14a, b und c zusammen 375 Gr.— Vom 16. Juli ab gelangen in den bekannten Geschäften gegen Abtrennung des Bezugs- und Quittungsabschnittes 42 von der gemeinsamen Lebensmittcl- karte 100 Gr. Teigwaren lAnszngware) und lose Suppen zum Verkauf. Die Militärnrlauber erhalten die Ware nur gegen Vor- legung des Urlaubspasses und gegen Abtrennung des Bezngs- abschnitws 1 von der Lebensmittelkarte für Militärnrlauber der 20. Woche. Der Preis beträgt fiir 500 Gr. Teigwaren 0,82 M., für 500 Gr. lose Suppen 0,90 M. Reinickendorf. Zucker. Auf Sonderabschnitt V der allgemeinen Znckerkarte können vom 10. bis einschließlich 31. d. M. zwei Pfund Einmachezucker von demjenigen Kleinhändler, in �dessen Kundenliste der Empfangsberechtigte eingetragen ist, entnommen werden. Mariendorf. Lebensmittel. Diejenigen Einwohner, die vor- säumt haben, sich mit den Abschnitten 34 und 35 zum Bezüge von Marmelade anzumelden, könne»! die Marmelade vom 16. ab in den drei Gemeindeläden in Empfang nehmen. Aus jeden Abschnitt ent- fällt 1 Pfd. zum Preise von 02 Pf. Für die bis zum 20. nicht ein- gelösten Abschnitte erlischt das Bezngsrecht.— Für die Woche vom 15.— 21. dürfen auf die 4 Doppelabschnitte 20a— 6 der Kartoffel- karte je 1 Pfd., zusammen also 4 Pfd. Kartoffeln, abgegeben und ent- riommen werden. Es ist damit zu rechnen, daß je nach Eintreffen weiterer Sendungen, einigen Händlern noch weitere Kartoffeln zur Verteilung überwiesen werden. In erster Linie werden hierbei die- jenigen Händler berücksichtigt, die in der vergangenen Woche keine Kartoffeln verteilen konnten. Bezugsberechtigte, die für die Ab- schnitte 20e— g oder für einen Teil dieser Abschnitte keine Kar- tosssln beziehen können, erhalten als Ersatz für jedes ausfallende Pfund Speisekartoffeln 100 Gr. Hülsenfrüchte vom zuständigen Händler. Im Höchstfalle also auf ein- Karte 300 Gr.— Der Preis für 100 Gr. Hülsenfrüchte beträgt 15 Pf. Für je 100 Gr. Hülsen- früchte ist ein Doppelabschnitt der Nr. 20e, k, g von der Kartoffelkarte abzutrennen. Die Ansgaibe der Hülsenfrüchte beginnt am 18. nachmittags. Nowawcs. Verkauf von Zucker.?luf den Kartenabschnitt 43 der Znckerkarte, gültig vom 16.— 31. Juli, und auf dcu Kartenabschnitt 20 der Zuckcrzusatzkarte, gültig für den Monat Juli, findet die Ausgabe von Zucker statt. Die Karteninhaber haben vom 16. bis 18. d. M. die Kartenabschnitte bei dem Kleinhändler abzugeben, in dessen Knndenverzeichnis sie eingetragen sind. Die Kleinhändler haben dem Karteninhaber über die erfolgte Zuckerkartenabgabe eine Bescheinigung auszustellen. Die Karteninhaber haben gegen Rück- gäbe-der vom Kleinhändler ausgestellten Bescheinigung den Zucker vom 23.— 27. d. M. in Empfang zu nehmen. Mus alter Welt. Absturz eines österreichischen Postflngzeugs. Wien, 16. Juli. Bei Ungarisch-Altenburg ist das Post- flugzeug, das die Strecke Wien— Budapest zurücklegte, infolge einer Bergaserexplosion abgestürzt. Beobachter Oberleutnant Borga und Flugzeugführer Leutnant Wiegez sind tot. Smk?aften der Redaktion. A. M. 38. Sie müssen erst abwarten, ob gegen Sic Anklage er- hoben wird. Wenn nachgewiesen ist, daß der Verdacht gegen Sie wider besseres Wissen erhoben wurde, könnten Sie gegen den Vetrefsenden Stras- antrug wegen Verleumdung stellen. Sonst lönnen Sie dagegen nichts unteriiehmen.— Merlenbach. Das kommt aus die dortigen Bestim- münzen des Landrates an, die wir nicht kennen. Erkundigen Sie sich danach.— 3ch. 45 und A. B. 106. Nach einer Entscheidung des Lber- landesgmchts in Köln sind Teuerungszulagen nicht steuerpstichttg, beriiscu Sie sich darauf.— 51. 1. Wenden Sie sich mit einem solchen Antrag an Ihren Truppenteil.— Zngliist 77. 1. Die Firma müßte wegen Erlcdi- gung der Rcilamation mahnen. 2. Das würden wir nicht cinpsehlen, sondern den angegebenen Weg sür vorteilhaster halten. 3. Rein. 4. Fahr- preisernräßigung können Sie nicht erwirken. 5. Herzlcidend.— Nr. 7481. Nein.— Wacht im Osten. Ein solches Beisetzungsgesuch müssen Sie durch Ihrer, Truppenteil einreichen. Op es Ersolg haben wird, erscheiiit uns allerdings zweiselhaft.— M. R. Da« hat keinerlei Einflu« aus Ihre eventh Reute oder Unterstützung.— P. 1V7. Sic müssen dw Adresse des Schuldners aussindig machen, Zahlung von ihm verlangen und cventt. einttageu. Ein Recht aus den Verlaus der Sachen steht Fhucii ohne weiteres nicht zu.— R. S. 27. Es besteht lein Anrecht aus Urlaub nach sechs Monaten. Es soll den Mannschaften inöglichst alle Jahr Urlaub gelvährt werden.— A. iUt. 74. Stein.— E. BS. Ja. Wasserftandsnachrichten der LandeSanstalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Weltcrbureau. Tonncrstag mittag. Ziemlich warm und schwül, zeitweise heiter, jedoch überwiegend bewölkt, im Noidofteu verewzelte, in den anderen Gegenden zahlreiche Gewitterregen. Deutscher snetallarbeiler- Verband. Verwaltungsstelle Berlin. Den Mllgliedrrn zur Nachricht, dajj unser Kollege, der Schlosser Ä'ild. Kurowsky Reiuickendors, Thuner Sir, 7 am 14, Juli gestorben ist, Die Beerdigung sinket am Mittwoch, den 17, Juli, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des Wcmeinde- sriedbojcs in Reinickendorf, Humboldtstraße, aus statt, Den Mitgliedern serner zur Nachricht, daß unser Kollege, der Schlosser tlgzepkNippImser Wcißensce, Prenzlauer Promenade 10 am 13. Juli gestorben ist, Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 17, Juli, nach- mittags EL/, Uhr, von der Leichenhalle des St.HedwigS- Kirchhofes in Weißcnlce, Sörlhstraße 17, aus statt. Den Mitgliedern ferner zur Nachricht, daß unser Kollege, der Dreh-r Hermann Lott Wiclesstr, 44 am 13. Juli gestorben ist. Die Einäscherung sindet am Donnerstag, de» 18, Juli, nachmittags 4 Uhr, im Sit e- matorium Gcrichistraße statt. Ziege Beteiligung wird er- wartet._ 115/5 Nachrufe. Den Mitgliedern ferner tur Nachricht, daß unsere Kollegin, die Atbeilcrin Fr°u Leißler Maxslr, 25 am 3. Juli gestorben ist, Den Mitgliedern ferner zur Nachricht, daß unser Kollege, der Schlosser Uv\ Hentze Schwcdcnstr, 12 am 9. Juli gestorben ist. Den Mitgliedern ferner zur Nckchricht, daß unser Kollege, der Hilssmonleur Paul HvHmann Neukölln, Wartheftr. 73 am 8, Juli gestorben ist. Ehre ihrem Andenke«: Die Qrisverwaltung. Deutscher Buchbinder-Verband. (Zahlstelle Berlin.) Unseren Mitgliedern die traurige Nachricht, daß die Falzerin littiiie Mnke am 14. Juli verstorben ist. Ehre ihrem Andenken! Die Beerdigung sindet am Donnerstag, den 18. Juli, nachmittags 3'/, Uhr, von der Leichenhalle des Heilig- Kreuz-KirchboseS, Marien- dors, Eisenacher Straße, aus statt, Um zahlreiche Beteiligung ersucht 23/10 via Ortsverwaltung. Deutscher Cransportarbcltervcrband. BeziekSverwait. Äroß-Berlin Den Mitgliedern zur Nach- richi, daß unser Kollege, der Autosllhrcr Mi Jungk von der Firma Lemke am 14. Juli im Alter von 41 Jahre» verstorben ist. Die Beerdigung sindet am Freilag, den 19, Juli, nach« mittags 2 Uhr, von der Leichenhalle des Städtischen Friedhojcs in Buch auä stall, Um rege Beteiligung wird ersucht, Den Mitgliedern ferner zur Nachricht. daß unser Kollege, der Industriearbeiter Karl Kutschkau am 13. Juli im Alter von 64 Jahren verstorben ist, Die Einäscherung findet am Freitag, den 19, Juli, nachm. 4 Uhr, im Krcma- tornun in Berlin, Gericht- sliaße 37/38, statt, Um rege Beteiligung wird ersucht,_ 62/17 Xachraf. Den Mitgliedern serner zur Nachricht, daß unser Kollege, der Industriearbeiter Otto Wieds von der Firma A, E, G, Zuibinensabrik am 3, Juli im Aller von öS Jahren verstorben ist, Ehre ihrem Andenken! Die Bezirksverwaltung. mwsmtBumzmmtmmmmm Turnverein 2. Männer- 1 Ablcilg, Mitgl. d, A,-T,-B, Den Mitgliedern zur Nach- richt, daß unser lieber Turn- genösse Otto Sieinicke am Sonnabend, den 13. Juli, an Lungenentzündung ge- storben ist. Ehre sctnem Andenken! Die Beerdigung sindet am Donnerstag, den 18,'Juli, nachmittags 5 Uhr, Von der Leichenballe des St, Thomas- Kirchhoscs, Hcrmannstraße, ans statt, 185/2 Der Borstand. Bei den schweren Kämvsen im Westen starb am 27, Juni insolgc eines Volltreffers unser lieber guter Sohn und Bruder 29YA Kenrad 8chniller. Dies zeige» iicsbetrübt an Riohaill Schnitter, zurzeit Nußland, Frau Sohnitter Brich und Willi, als Brüder, Am 9, Juni d, Ii siel im Weilen uuier lieber Freund und langjährig, Milnrbeiter. der Schriftsetzer 2721b Hoher! Lange Landsturmmann in einem Jns.-Regt. Wir verlieren in dem- selben einen bravenKollegen, dem wir ein ehrendes Ge- denken bewahren werden, Das Personal der Birma Otto v. Holten, Berlin. SWerM.(9p»n| mit 17. Juli zum Geburtstage meines[ lieben, unvergeßlichei�Bräv- tisjams, des einzigen Sohnes 1 seiner untröstlichen Eltern, deS MustetierS Alfred Seidel gef. 30. 4. 1917. Im April 1917 nahm der Weltkrieg mir mein ganzes Glück, du, mein Geliebter, kehrst nicht mehr zu mir zurück. Ich kann eS immer noch nicht fassen, daß du mußtest für fremde Schuld dein junges Leben lassen, Fern ruht dein Leib in fremder Erde, Lb ich den Ort wobt jemals sehen werde'< Möchle legen einen Lorbeerlrnnz aus die Stätte, wo du. Gel ebler, nieder- sankst. 171A In stiller Liebe und tiesem Schmerz Elly Bohnert nebst Eltern und Geschwistern. Familie Adolf Seidel ols Eltern, Zum 20. Geburtstage. Hart und ichwer tras uns die' Trauerkunde, daß am 5. Mai 1918 in einem Feld- lazarett i, West, insolgc seiner ichwer, Verwundung(Bauch- schuß), die er bei den schweren Kämpsen am 4, Mai erlitt, unser einziger, heißgeliebter, lebensfroher, uiivergeßlicher Sohn und guter Bruder. der Kanonier 2714b (korx Kaiinka Feld-Artillerle-Negt. 271, Im blüheiidsii Aller von noch nicht 20 Jahren den Helden- iod gestorben tst. Das Eiserne Streu? tonnte ihm nicht mehr angebestet werden, eS wurde uns übetsandt, Dies zeigen schmerzerfülli an Oie tiefbetrübten Eltern und Schwester Frieda, Bert» N, Choriner Str. 61. Der große Schmerz, ach ist taunt zu sassen,— Daß Du nie mehr lehrst zurück, so jung mußtest Du Dein Leben tasten,— Herst öut ist unser ganzes Glück,— Nicht ein- imit In Urlaub fonnteit Du gehen,— Wir haben Dich nie als Soldat gesehen. Kklianiltmachlliig W. kiimUMii Vom Mittwoch, den 17, Juli, bis Sonnabend, den 20, Juli, gelangt mit dem laufenden Zucker aus Abschnitt 14 der allgem, guckerhauptkarte auch gleichzeitig der Einmachezucker zur Aus- gäbe. Die Zuckermenge, welche in diesem Jahr durch Verfügung der Landeszuckerstelle zur Verteilung gelangt, beträgt für jeden Inhaber der Zuckerkarte 2 Pfund, so daß aus Abichnitt 14*/4 und 2 Pfund= 2'/4 Pfund verabfolgt werden. Die Zuckerkarten- abichnitte sind bis zum Mittwoch, den 24, Juli, seitens der Händler im Einwohner-Meldeamt abzugeben, 60L Berlin-FriedrichSfelde. den 15, Juli 1918. Der Gemeindevorsteher. In Vertretung: G o g g r. Bekanntmachung. Vtrordnnng üb. Kuttkrhöchstpreise im Kleinhandkl Aus Grund der 18, 29, 30, 32, 39 der Bekanntmachung des Reichskanzlers über Speisefette vom 20, Juli 1916(Reichs- Gesetzblatt«reite 755) und der Belanittmachung über Preise für Butter vom 25, August 1917— Reichsgesetzblait Seite 731— wird bestimmt: l. Der Preis iür Butter dars im Kreise Niederbarnim im Kleinhandel nicht übersteigen: für Handelsware I 45 Pf. für je St) Gramm, Der Vreis sür Margarine dars im Klein- hattdel 81 Pf. jür je 20 Gramm nicht übersteigen, 2. Die Wochemnenge an Speisefett beträgt vom 15. Juli d, J, ab für Butter 50 Gramm, für Margarine 20 Gramm. Für die zum Versorgungsverband Liebenwalde gehörenden Ortschajten' wird die Butterwochenmenge von der LrtSbchörde jestgeletzi. Diese Verordnung tritt mit dem 15. Juli d. I. in Kraft, Berlin, den 12, Juli 1918. Namens des KreisauSschusses des Kreises Niederbaruim. I. 8t.: Freiherr v. Zedlitz n. Xcnkirch, Mi. 458. Negierungsasseffor. Veröffentlicht Berlin-Friedrichsfelde, den 13, Juli 1918. Ter(Semeindevorsteher. In Vertretung: Ooger._ MM'MgmWWsl jctaüies" Betila S. 6.ni. 0.9. GeWsWM: BoMoil hei(StSnou I E Bureauzeit täglich außer Donnerstag von 9—11 Uhr vormittags, Donnerstag von 5—8 Uhr abends, Montag, abends von 5—7 Uhr, Manteuffelstr. 77 bei Schulze, Montag, den 30. Juli, abends«Nhr, im GewerkschaflS- Haufe, Engelufer 15: 16. ordentliche General»Versammlung. Tagesordnung: Geschäftsbericht, Vorlegung der Bilanz nebst Gewinn- und Veriuiirechuung, Bericht der Revisoren und Genehmigung der Bilanz so- wie Beschluß-assung über die Verteilung des Gewinnes oder Verlustes. Beichlußjaffung über Bau von Kleinhäusern zum Eigen. eiwerb aus dem Gelände vom Waltersdorser Weg bis zur Kleinbahn. Neuwahlen: a) des Vorstandes, b) Ersatzwahlen zum Aus sich israi, Even«. Anträge der Genosse«. Verschiedenes, __ Evenil, Anträge der Genoflen müssen bis Montag, den 22. Juli, beim Vorstand eingegangen sein,— Nur Mit- glieder haben Zutritt.— Ohne Mitgliedsbuch lein Einlaß, Die Bilanz nebst Gewinn- und Verlustrechnung sind in unserer Geschäftsstelle in Bohnsdorf in den Geschäsisstunden von abends 5—8 Uhr einzusehen, Nee'Voi-sta.nd. 104/15 0. Dorner. P. Schiffke. Fr. Hoppe. I. 3. 6. 6. An Droschkenbesitzer, die selbst fahren, I find noch mehrere Pferde zu verleihen. Bedingungen einzusehen: Mgmeliie Belltet SMldiis SeleOWIt, Berlin W, Krausenstr. 10, 10922* | und in den OmnibuS-Depois: Gneileuauftr. 18—14, VSattftr. 88—84, Marienburger Str. 41—46._ Versuchen Sie das einen prächtigen, steifen, haltbaren Schaum gibt. llose 1.50.* J. W. Xlminer. Frankfurt a. 51. Verband dtr Stftneider, Scbneiderinnen u. WSIche- arbeiter Deutichlands. Filiale Berlin. Unseren Mitgliedern hiermit zur Nachricht, daß der Wüschezuschneider, Kollege Eiduard Koppe am 14. Juli im Alter von 61 Jahren verstorben Ist. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 17, Juli, nach- mittags oft, Uhr, am dem Friedhof Iii in Schönholz, Gerinanenilraße, statt. 162/10 Die Ortsverwaltung. manncrgefangvcreln „Corbeerüranz 1879". Stach langem, schwerem Leiden starb unser lieber Sangesbruder Hudoll Oieeh. Ehre seiiiei» Andenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 17. Juli, nachmittag» 4% Uhr. von der Halle des Heiltg-Kreuz- KirchhoseS in Muriendors, Eisenacher Straße 62, aus statt, lim rege Beteiligung er« sucht 2720b Der Borftand. I, A.: E m i t S ch m i d t, wMevle pelaMel!! Steiü Electric 1200, 1500 usw. Echter Persianer, lang, la 6000, 7500 usw. WM MM! 121 i. aus 1» matter Bchimselde 215, 260. Haatelkleider 150, 135 usir. MMoitome Pracbtstotle 250, 825 usw. Seiden-Kostüme 188. 215 usw. PIDscHntel 400, 500 Rücke aus Btott, Seide 63. 65 usw. Uilanese-Seidene Strickjacken 166. Westmann 1. Geschäft: Berlin W, nohreestrafie 37a Bonntags geöffnet 8—10 Uhr. BB Kksondkres Aufbot in a nfpinern Eiche! 1 Schrank, Steilig, Ansicht mit Kristallglas, Hutboden, Stange, geschliffene Verglasung 1 Waschtoilette mit Kristallspiegel und Marmor 2 Nachtschränke mit Marmor 2 Bettstelle» 2 Patentböden 2 Steil. Auflege-Mairatzen m. 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Man versieht die Wagen mit einer neuen Bremse, und die Wirkung ist. daß sie sortab schneller werden fahren können. Trotz aller Äriegsnöte ist der preußische Staat imstande, für diese Neueinrichtung nicht weniger als Z4d Millionen Mark auszugeben. 245 Millionen für eine Bremse! Da sieht wohl jeder ein, daß es sich um etwas ganz Besonderes bandeln muß. Und das ist auch der Fall. Es wird nämlich nach Einführung der neuen Brenlsc die seit langem in den Fachkreisen bitter genug empfundene Tatsache verschwinden, daß die langsam fahrenden Güterzüge auf vielen wichtigen Strecken der deutschen Bahnen die dringend erforderliche Verdichtung des Verkehrs sowohl für Personen wie für Güter hemmen. Tag und Nacht folgen auf den großen Linien die Zü�e einander in engstem Zwischenraum. Ueberholungsgeleise. die in � immer steigender Zahl angelegt werden, können doch nur mit Mühe ein Durchbringen der Schnellzüge ermöglichen. Tie Schiencnpsadc sind an vielen und gerade den wichtigsten Stellen am Ense ihrer betrieblichen Leistungsfähigkeit angelangt. Darum haben allmäh- lich die Stimmen derer immer mehr Bedeutung gewonnen, die eine grundsätzliche Trennung des langsamen Güter- vom schnellen Per- sonenverkehr verlangen. Sicherlich wäre auf sehr vielen Strecken die Verlegung dritter und vierier Geleise binnen kurzem unabwcnd- b�r geworden, wenn nun nicht die sichere Aussicht bestünde, durch eure grundsätzliche Beschleunigung des Güterverkehrs eine durch- greifende Entlastung der Strecke herbeizuführen Die Fahrgeschwindigkeit, die ein Zug haben darf, ist nämlich nicht nur von der Leistung der Lokomotive, sondern auch von der Bremse abhängig. Jeder kennt ja das Bild der auf dem fahrenden Güterzug hockenden Bremser. Sie haben die Aufgabe, auf den durch die Dainpfpfcise gegebenen Befehl des Lokomotivführers die Bremsen anzuziehen. Das geschieht aber höchst unregelmäßig, da durchaus nicht alle Bremser gleichmäßig arbeiten. Die Folge ist ein starkes Stoßen im Zug und Reihen an den Kupplungen, da die loser gebremsten Wagen auf die bereits mehr verlangsamten auf- laufen und dann von den Pusferfedern wieder zurückgeworfen werden. Einen schnell fahrenden Zug auf diese Weise zum Halten zu bringen, ist nicht möglich, ohne fortwährend die dringende Gc- iahr einer Zugzerrcißung heraufzubeschwören. Nur aus diesem Grund kriechen bis jetzt die Güterzüge so langsam über die Strecken. Naß sie nicht schneller fahren, liegt seltsamerweise nicht an der Zugkraft, sondern an der Bremse. Die ausgezeichnet wirkende Druckluftbremse, die bei Personen- und Schnellzügen ganz allgemein im Gebrauch ist, konnte bisher für Güterzüge nicht verwendet werden. Es hat dies seinen Grund in der sehr viel größeren Längenausdehnung der Lastzüge. Tie Apparatur der Druckluftbremse braucht vom ersten Anstellen des Führer-Bremsventils bis zum Eintreten der vollen Wirkung eine gewisse Zeit. Und diese Zeit tvächst sehr stark mit der Entfernung der einzelnen Wagen von der Lokomotive. Bei einfacher Ueber- iragung der Schnellzugbremse auf den Güterzug würde der vordere Zugteil schon vollständig festgebremst sein, während die Hinteren Wagen noch ihre volle Geschwindigkeit beibehalten haben. Das würde wiederum zu Zugzerreitzungen führen. Jetzt aber ist durch eins neue Erfindung, um die man sich zwar schon seit mehr als �wölf Jahren bemüht, die aber doch in der Hauptsache während !> e s Krieges im Schoß der preußischen Staatsbahnverwaltung gereift ist, die Möglichkeit der mechanischen Güterzugbremsuna gc- schaffen. Nach einer Reihe von Jahren werden sämtliche Güter- züge bei uns mit Personenzuggeschwindigkeit gefahren werden, was eme ganz außerordentlich wichtige Bctriebsvcrbesscrung dar- stellen.wird. Tic vielen Millionen, welche für die neue Bremse ausgegeben werden müssen, lassen sich also durch Ersparnis der außerordentlich hohen Ausgaben für die Anlegung von Erweiterungsgleisen und den Ankauf der hierzu erforderlichen Geländestreifeu wieder einbringen. Denn es ist klar, daß ein mit 60 Kilometern Stundengeschwindigkeit txchinfahrcnder Güterzug-das Gleis nur halb so lange in Anspruch nimn>f, wie ein solcher, der nur 30 Kilometer Stundcngcschwindig- keit hat. Mit der neuen Vorrichtung, die nach ihrem Erfinder, dem Geheimen Qberbaürat Kunze, und der an ihrer Entivicklung lebhaft beieiligten Knorr-Brcmsc-A.-G. Kunze-Knorr-Bremse heißt, ist ein mechanisches Kunstwerk allererster Ordnung entstanden und zugleich der innere Widerspruch einer beschleunigenden Bremsvorrichtung in Stahl und Eisen greifbare Wirklichkeit geworden. Der Nenfthenkenner. Ich habe einen Freund. Das ist er mir geworden durch einen gar lieben und treuen Dienst, den er mir leistete. So recht kennen gelernt habe ich ihn jedoch soeben erst. Und das kam so: Mein Freund ist der Leiier einer großen Anstalt, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, verkümmerte klägliche Kinder armer und unbemittelter Eltern, Geschöpfe, die nicht Herr ihrer Glieder sind, zu ganzen Menschen zu erziehen. 300 solcher Kinder stehen unter seiner Obhut, dazu noch in dieser bitteren Zeit an die 200 schwer verletzte Soldaten. Und über 100 Angestellte: Inspektoren, Wer- walter, Werkstättenleitcr, Lehrer, Erzieher, Kindergärtnerinnen, Pflcgcschwestcrn, und sonstige Dienstpersonen. Es ist klar: in dieses große bunte Getriebe, in dieses Gekrabbel und Gewimmel Ordnung" zu bringen ist schwer. Schwerer aber Wohl, Ordnung zu halten. Denn die Menscheu. sind doch nun mal so: Einer möchte immer des andern Herr und Meister sein, und jeder möchte gerne ein wenig den Vorgesetzten spielen. Mein Freund aber hals scrtig bekommen, Ordnung zu schaffen und Ordnung zu halten. Wie er das machte, war mir immer ein Rätsel. Nie hörte ich einen Befehlston von ihm, nie sah ich auch in dem großen Gebäude mit den unendlichen Fluren und den vielen vielen Zimmern ein Fitzclchen Papier mit einem Befehl oder einem Verbot:„Eintritt verboten" oder„Eintritt streng verboten" oder„Eintritt bei Strafe verboten". Alles das gab es bei ihm nicht. Nun denn, jüngst habe ich ihn belauscht und um sein Geheim- nis gebracht: Ein kleiner dicker Mann trat in sein Zimmer und sagte sehr ernst und sehr wichtig:„Herr Direkter, wie ist cS denn nun mit dem Nachtwächter? Und auch mit dem Schreiber vor'? Kontor? Wir brauchen sie beide. Sie wissen ja." „Schöll, Bramme", sagte mein Freund,„also dann lassen sie mal eine Anzeige los." „Etwa so, Herr Direkter: Große Anstalt sucht eine Bureauhilfs- kraft sowie einen Nachtwächter. Bewerber mit besten lückenlosen Zeugnissen wollen sich melden. Denn die Zeugnisse, Herr Direkter, die Zeugnisse, die sind das wichtigste." Einen Augenblick nickte mein Freund ernsthaft vor sich hin, dann erhob er sich.und sah mit seinem breiten herzhaften Lachen auf den kleinen würdevollen dicken Mann. „Die Zeugnisse, lieber Bromme, die Zeugnisse sind mir ganz schnuppe, wahrhaftig. Auf den Mann kommt es mir an. An- noncicren Sic also und wenn sich wer meldet, dann führen sie ihn inir bor. Nicht auf die Zeugnisse kommt es an, sondern auf den Mann. Und wenn ich den gesehen habe, dann weiß ich auch, ob ich ihn nehme oder nicht. Den Menschen will ich sehen, den ganzen lebendigen Menschen. Was sind dagegen Zeugnisse...?" Do hält' ich den Mann, der das sprach, umarmen mögen, den» nun wußte ich es, wie er es fertig bekam, in einem solchen riesigen Organismus Ordnung zu halten: nicht durch Schema, Verordnun- gen, Verbote, Paragraphen, sondern durch die richtige Wahl der Persönlichkeit und durch die Freiheit, die im Vertrauen auf das Verantwortungsbewußtsein der Persönlichkeit gewährt wurde. E. W. T. Der Ächtwechsel öes neuen Sterns. Einer der ersten Beobachter des neuen Sterns im Adler, der Gotenburger Kandidat Axel Corlin, veröffentlicht in„Göteborgs Handels- och Sjösartstidning" einige Angaben über die Lichtwechsel- Perioden dieser Nova sowie früherer neu aufgeflammter Himmels- körper Die gemeldete Zunahme der Lichtstärke bei der Nova Aquilac hat sich danach als die eine Hälfte einer, im Vergleich mit anderen neuen Sternen sehr langen Lichtwcchsclpcriode herausgestellt. Wie so mancher früher aufgetauchte neue Stern, ist nun auch die Nova Aquilae in das Stadium der Veränderlichkeit mit abwechselnden Maxima und Minima der Lichtstärke und gleichzeitigen Farbände- rungen getreten. Dieser Wechsel in Licht und Farbe ist charaktc- ristisch für alle neuen Sterne; doch ist der Verlauf und die Regel- Mäßigkeit der Erscheinung bei jedem ganz individuell. Die Nova Aurigae, der neue Stern ocs Jahres 1802, war in dieser Hinsicht sehr launisch- und unregelmäßig, die Nova Persei vom Jahre 1901 dagegen hatte sehr regelmäßige Perioden. Diese umfaßten stets un- gcfähr drei Tage. Tie diesjährige Nova scheint aber viel längeren Perioden der Lichtschwankung unterworfen zu sein; die jetzt abgc- laufcnc erste Periode hat jedenfalls zwei Wochen umfaßt. Ungc- fähr am 28. Juni erreichte die Lichtstärke der Nova Aquilae ein Minimum von fast der vierten Größenklasse, wonach sie ununter- brachen wieder zunahm, am 4. Juli ein Maximum von der Größen- klaffe 1,8 s?) erreichte, aber sehr schnell wieder abnahm und jetzt auf die annähernde Größenklasse 3.o gesunken ist. Inwieweit diese Periode sich regelmäßig wiederholen wird, wie cL bei der Nova Persei der Fall gewesen ist, oder ob sie nur eine zufällige Unter- brechung der allgemeinen Lichtabnahme der Nova darstellt, läßt sie!? selbstverständlich noch nicht bestimmen. Ein großer Unterschied gegenüber der Nova Persei ist darin zu erblicken, daß dieser Licht- Wechsel in so großer Höhe der Größcnskala vor sich geht; die Nova Persei wechselte zwischen der 6. und der 4. Größenklasse, während die Nova Aqnilae zwischen der vierten und zweiten schwankte. Die Verschiedenheit der Lichtstärke wird, wie gesagt, von einem Farben- Wechsel des Sterns begleitet. Während des Maximums ist der Stern blauweiß, zur Zeit des Minimums rötlichgclb. Dies deute: darauf hin. daß weniger heiße Staubmaffcn um die zentralen und leuchtkräftigcn Teile der Nova wirbeln. Wenn diese Staubmajscn (beim Minimum) in die Gesichtslinie zwischen uns und der Jen- tralpartie kommen, verschleiern sie einen Teil von deren Licht und absorbieren die blauen Strahlen. Die Lupine als NahrungSMittel. Eine Verwendung der Lupine als Nahrungsmittel in großem Maßstabe will eine Aktiengesellschaft durchführen, die in Chemnitz mit einem Kapital von drei Millionen Mark gebildet worden ist. Bisher war es nicht möglich, so führt Dr. Ludwig Staby in einem Aufsatz der ZQitschrift„lieber Land und Meer" aus, die weitoev breitete Frucht, die einen starken Prozentsatz an Fett und Ei wer enthält, so zu bearbeiten, daß diese höchst wichtigen Stoffe dirrr: für die Ernährung nutzbar gemacht werden konnten. Sie enthält nämlich einen Bitterstoff, der sie völlig ungenießbar macht. Nach zahlreichen vergeblichen Versuchen war es vor etwa 50 Jahren be- reitS dem Apotheker Simpson in Mohrungen gelungen, ein Bcr- fahren zu entdecken, durch das die Lupine völlig cntbittert wurde. Das ans ihr hergestellte Mehl war sehr nahrhaft, schmeckte gut und eignete sich zur Bereitung von Brot. Da aber das Brotgetreide ge- nügend vorhanden war, wurde dem Verfahren keine Bedeutung zu- erkannt, und es geriet in Vergessenheit, bis man sich jetzt im Welt- kriege bei der großen Nahrungsmittelknapphcil wieder daran e:- innertc. Der bekannte Nahrungsmittelchemiker Pros. Dr. Backhaus hat eindviirglich auf die Lupine als eines der wichtigsten Volksnob- rnngsmittel wie auf den Fuitcrwert der enibitterien Lupine für die Viehzüchuug hingewiesen. Obwohl dem Landwirt die Lupine sehr hoch, mit 40—60 M. für 100 Kilogramm bezahlt werden muß, lassen sich doch Jett uivd Eiweiß in großen Mengen verhältnismäßiq billig«uS ihr gewinnen. Auch der leichteste Boden ergibt durch sie gewaltige Erträge, die sonst nicht entfernt zu erzielen find, bcson- d:rs wenn auch das Stroh der Lupine verwertet wird. Als Mittel- ernte kann man von einem Hektar 20 Zentner Körner und 40 Zen!- ner Stroh erhalten, in guten Jahren sogar 60 Zentner Körner und 120 Zentner Stroh. Bei den heutigen Preisen würde also das Hektar an Lupinen 800 M. und an Stroh 200 M. eintragen. Dabei erfordert der Anbau der Lupine wenig Arbeit und keine Düngung. im Gegenteil bereichern die Wurzeln der Lupinen den Boden noch in reichem Maße mit Stickstoff. In der letzten Zeit war der Anbau der Lupine, der in Deutschland vor wenigen Jahrzehnten noch un gefähr 400 600 Hektar umfaßte, sehr zurückgegangen, und zu Anfang des Krieges ist die Fläche aus die Hälfte davon vermindert worden. Die-deutsche Landwirtschaft wird jedoch durch die Maßnahmen der Reichsgetreidcstellc veranlagt, wieder größere Gebiete mit Lupinen anzubauen._ Porzellan, öas geblasen Wirö. Die meisten GlaSarten haben die für technische Zwecke sehr schätzbare Eigenschaft, daß sie in der Flamme erweicht, gebogen, ge- streökt und durch Blasen in eine beliebige Form, gebracht werden können; Porzellangeräte dagegen sind empfindlich und springen gleich bei Temperaturveränderung. Tics liegt hauptsächlich daran. daß die eigentliche Porzellanmassc und die Glasur sich verschieden stark ausdehnen. Dem Rosentbalschen Porzcllanwerk in Bayern ist es nun, wie die„Naturwissenschaften"- mitteilen, gelungen/ Porzellangeräte herzustellen, die gegen Tcmperaturtvcchscl sehr be- ständig sind. Dieses Porzellan verträgt es, daß mit dem Knallgas- gebläsc Löcher in die Wandung geschmolzen werden, einzelne Porzellauteile können zusammengeschmolzen werden, ja im er- weichten Zustande läßt- sich dieses Porzellan genau so wie Glps blasen. Das Wesentliche bei der Erfindung war es, eine Glasur herzustellen, die die gleiche Ausdehnung hat wie die Porzellanmassc selbst, und die Lösung dieser Ausgabe ist gelungen. 3Sj eoöz. Das gelobte Lanö. Roman von W. St. R e y m o n t. Schaja erhob sich und drehte das Licht aus. Er liebte es. in allem zu sparen, und ging jetzt in dem ganz dunklen Zimmer auf und ab. Ruhelos ging er und dachte an seineu ewigen Alp— an Vuchholz. Mit der ganzen Macht des jüdische» Fanatismus haßte er ihn; er haßte ihn als Fabrikanten und Konkurrenten, den er in nichts übertreffen konnte. Immer und überall war Buchholz der erste, und das gerade konnte ihm Schaja nicht verzeihen, er, der sich für die erste Lodzer Firma hielt. Er, der Führer dieser jüdischen Masse, die ihn mit abgöttischer Verehrung umgab, mit jener Liebe und Achtung der Elenden, die von den Millionen hypnotisiert wurden, welche in SchajaS Händen mit der Gc- schwindigkeit einer Lawine wuchsen. Vor vierzig Jähren, er erinnerte sich genau an jene Zeit, — als Buchholz schon auf dem Wege zu den Millionen war. begann er seine Karriere als Handlungsgehilfe in einer jäminerljchcn Krämerbude der Altstadt; er mußte sich speziell mit dem Herbeirufen und Herreinzerren der Käufer, dem Austragen der Pakete, dem Fegen der Bude und des Bürger- steiges vor ihm abgeben. Ganze Monate lang mußte er auf dem Bürgersteig stehen, vom Froste verzehrt, vom Regen durchnäßt, von der sengenden Hitze verbrannt, von den Vorbeigehenden gestoßen, fast immer hungrig und zerlumpt, immer heiser vom Ausrufen, ohne Geld, für einen Rubel monatlich in einem schrecklichen Schliipfwinkel des jüdischen Elends schlafend, von dem es in den Städten wimmelt. Dann verschwand er plötzlich von dem Bürgersteig, ans dem er lebte. Nach ein paar Jahren Abwesenheit erschien er wieder auf dem Lodzer Pflaster, und niemand erkannte ihn. Er kam mit etwas Geld und begann ein Geschäft auf eigene Rechnung. Mitleidsvoll lächelte er jetzt über jene Zeiten. Er er- innerte sich an den elenden Wagen, mit dem er in- den be- nachbarten Dörfern herumfuhr, an jenes Pferd, das er an den Wegen fütterte oder im Korn der Bauern, an jenes ständige, fürchterliche Elend, das an ihm stets nagte, weil er von fünfzig Rubel Kapital, den Wagen und das Pferd ein- begriffen, sich, daL Pferd, Frau und Kinder ernähren mußte. Und dann die ersten Weberwerkstätten, die er aufmachte, die tausend kleinen Schwindeleien beim Abwägen des Roh- materialS, das er den Webern, die die Arbeit nach Hause mit- nahmen, austeilte, beim Abmessen, bei seinem eigenen Magen und dem seiner Familie, bei allem— bis er es riskierte, eine verlassene Fabrik zu pachten. Als erster führte er, als es ihm anfing besser zu gehen, Agenten in den kleinen Städtchen ein. Er selbst schlief nicht, aß nicht, lebte nicht, er arbeitete bloß und sparte. Als erster gab er jedem, der es nur haben wollte, Kredit und fing selbst mit Kredit zu operieren an, denn Buchholz und die deutschen Lodzer Fabrikanten bedienten sich nach alter Gewohnheit— des Bargeldes. Als erster begann er mit der Anfertigung von Schund- Ware, setzte die Qualität der Lodzcr Produktion herab, die bis zu seinen Zeiten in gutem Rufe stand. Als erster führte er das System der Ausbeutung aller und von allen ein, baute cS aus und vervollkommnete es. Nach dem Brand, der ihn heimsuchte, erbaute er eine eigene Fabrik für tausend Arbeiter. Das Fundament>var gelegt. Und das Glück folgte ihm unablässig; Zehntausende, Hunderttausende, Millionen begannen von allen Seiten in seine Kassen zu strömen; sie kamen aus den Häusern der Reichen und den Hütten der Bauern, aus den von Schmutz starrenden Städtchen und aus den Hauptstädten, aus den Steppen und von den fernen Bergen, sie flössen in immer breiteren Strömen, und Schaja wuchs und wurde immer mächtiger. Andere verloren, starben, sie brachen unter Unglücksfällen und Kälaniitäten zusammen, Schaja stand fest und hart da, immer brannten die alten Pavillons ab, und neue und gc- waltigere erstanden und sogen immer mächtiger die Erde auS, das Material, Menschen, Gehirne und Konkurrenten, und verarbeiteten das alles zu Millionen für Schaja. Buchholz aber war immer noch größer, und Schaja konnte ihn nicht überholen. Schaja wuchs, und immer kräftiger wurde seine Gier, Buchholz zu bewältigen. Um jeden Rubel, den jener vcr- diente, hielt er sich bestohlen und betrogen, er lebte in der eingebildeten Hoffnung, daß er Buchholz über den Kopf wachsen werde, daß er allen über den Kopf wachsen»verde, daß er einmal so hoch über Lodz einporragen»verde wie jener»nächtige Schornstein der Hauptinaschinen, der jetzt in der Nacht in unklaren, ungeheuerlichen Umrissen verschwamm. daß er einmal über dieses Lodz als sein König herrschen »verde. Biichholz aber blieb der erste,»nit»hin rechnete dieöffenK lichc Meinung des Landes, sein Wort galt so viel»nie klingendes Gold, bei ihm holte man sich Rat und Initiative in vielen«llgemcinen Fragen, seine Waren hatten die beste Marke, Achtung umgab ihn. während Schaja selbst von Schwindlern seinesgleichen mit Verachtung und Haß belvorscn Ivurdc. Schaja konnte das»»icht begreifen. Er glaubte, Buchholz beraube ihn nicht nur seines Geldes und nehme ihm alles»vcg, was er für sich»vünsche. sondern beraube ihn auch der Ehre, Herrscher über dieses Meer von Schornsteine!» zu sein. Dafür haßte er ihn noch mehr. Immer noch ging er in dem dunklen ZimMcr ans und ab. blickte durch die Fenster aitf die Fabnkei», auf die erleuchteten Arbeiterhänser, und blieb dann stehen. Er setzte die Brille auf und blickte zum dritten Stockivcrk eineö Hauses hinaus, daS dein Palais gegenüberstand, in drei hellbeleuchtete Fenster, hinter denen"schwarze Silhouetten von Menschen herumhuschten; er»nachte das Fenster auf und horchte. Eine Violine sang zitternd einen sentimentalen Walzer; seufzend begleitete sie ein Cello. Dann verstummte die Musik, das Gemurmel mehrerer Stimmen wurde hörbar, und ein Gelächter ergoß sich»vie eine üppige KaSkade auf die stille Straße. Man vergnügte sich lustig. Schaja klingelte auf den Lakai. „Wer wohnt iia?" fragte er scharf, auf die Fenster zeigend. „Ich»verde mich gleich erkundigen, gnädiger Herr."..... „Ich bin krank, und die ainüsieie» sich da! Wofür amüsieren sie sich? Wo haben sic's her zn solchem Bei- gnügen?" dachte er erregt und konnte seine Blicke von den Fenstern nicht losreißen. „Haus E, dritter Stock, Nr. 56, Ernst Ramisch»vohnt da, der Meister des fünften Webersaales", berichtete rasch der Lakai. „Gut. Du gehst hin und sagst ihm, daß sie nüt dem Spielen aufhören sollen,»veil ich nicht schlafen kann, daß ich eä nicht»vünsche, sie sollen sich amüsieren. Laß a>'.spa»!nen. Ernst Ramisch! Er»nuß»vohl zuviel kriegen, daß er sich solche Unterhaltungen leisten kam»,"»viedcrholtc er, sich den Namen einprägend. H:'."'i.;(Lortj. folgt.) Können Augengläser schaden? Nur, wenn sie schief sitzen, nicht passen, verkratzt oder minderer Qualität sind. Ein schief hängendes Vild ist den meisten Men- schen ein Greuel; aber wenn deren Gläser in un- möglicher Stellung vor den Augen sitzen, so finden sie nichts dabei. Doch können darunter die Augen leiden. Meist wird dadurch Ermüdung und Nervo-- sität begünstigt,-witzen die Gläser schlecht, so ist dies ebenso nachteilig, als wenn sie schlecht passen. Aber häßlich und schädlich sind zerschrammte Gläser, die nicht mehr passen und schief sitzen. Wir haben elegante, fest und gut sitzende Augen- gläser, deren Stellung vor den Augen wir Ihnen ebenso genau anpassen werden wie"die Gläser, die wir Ihnen aus Grund sorgfältiger Untersuchung fertigen. Vielleicht genügt eS schon, werrn Sie sich ein Paar neu«, punktuell abbildende Punktorikgläser für M. 6.— oder ein Paar Sanoskopgläser für M. 8.— in Ihre alte Fassung setzen lassen. Wir richten Ihnen dann das Gestell, wenn irgend möglich, genau grade und sorgen gewifsenhajt für schönen Sitz. 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Fadkeränneat ffiasoü ZigMMOW!. frsnzSsischen MilitärkrZfte stA an kiem z e w a l t- samen Bvrrücken der in das Innere Rußlands vordringenden englischen Armee beteiligt hatten und auf diese Weis« dazu beitragen, dir Unantastbarkeit des russischen Territoriums zu- nicht« zu mache«, erfuhren wir erst von der in sibirischen Blättern erfolgten Veröffentlichung des Aufruf? des Herrn Guine, des Befehlshabers der französischen Mission bei den aufständischen Tschccho- Slowaken, worin eine Begrüßung der kon- rerrevolutionären Aktionen der Tschecho-Blowake« ent- halten ist; ferner wird darin in beleidigender Form der Bruch mit der russischen Regierung gemeldet. Wenn seitens der französischen Negirrung keine Aufklärung über diese Tatsache erfolgt, so müssen wir konstatieren, daß eine B c r- b i n d u n g des konterrevolutionären tschecho-slowakischcn Auslandes mit den Agenten der französischen Regierung dokumentarisch festgestellt ist, wodurch für die Republik eine durchaus unerträgliche Situation geschaffen wird." Tie Räteregierung rechnet bereits damit, daß die fran- zdsische Regierung eine Ausklärung schuldig bleiben wird. Die Achlußwendung der Note an Frankreich gibt kaum mehr der- büllt zu erkennen, daß die Räteregierung auch gegenüber Frankreich vom nutzlosen Protest zu dem„entschiedenen Widerstände", von dem in der Note an England die Rede ist. über- gehen wird. Der Widerstand im Murmangebiet wird ohnehin auch Zusammenstöße mit französischen Soldaten mit sich bringen. Gegenrevolutionäre Zalfthmelüungen. Moskau, 14. Juli.(P. T.-A.) Di« Meldung über das Bor» rücken bewaffneter Bauern unter dem Oberbefehl dos rechten S. Z. Tschernow nach Moskau ist unzutreffend. Die Einnahme von Kasan durch die Tschecho-Slowaken wird ebenfalls kategorisch widerrufen. Die Tschccho-SIowaken befinden sich von Kasan in einer Entfernung von einigen 100 Werst. Der Aufmarsch deS Generals Kaledin nach Moskau, über welchen Schweizer Blätter berichten, ist ebenfalls unwahr. General Kaledin ist getötet und seit einigen Monaten begraben. Die Machinationen der Ruhland feindlichen Presse gehen ioweit. daß die französischen Blätter eine siegreich« Schlacht der Tschecho-Slowaken zwischen TobolSl und Semipalatinsk melden. In Wiillichkeit sind diese beiden Städte mehr als 1CKX) Werst von einander entfernt. Schlietzlich ist die Nachricht darüber, dah der Sowjet der Volkskommissare von einer besonderen chinesischen Garde beschützt werde, widerrufen. Die Petersburger Telegraphen-Agentur. die sowohl alle Er« folge, als auch alle Mißerfolge der Sowjet-Trnppen meldet, ist nicht imstande, alle unwahren Nachrichten, die im Auslände über Rußland verbreitet werden, zu widerrufen. Infolgedessen bittet sie, alle Nachrichten über Kriegsoperationen in Rußland, die keinen offiziellen Charakter tragen, mit größter Porsicht aufzu» nehmen. Moskau, 15. Juli. lP. T.'A.) Die englische Zeitungsnachricht über die Ankunft der tschecho-slowakischen Truppen in Pens« wird dadurch widerrufen, daß in Pensa sich Tschecho-Slowaken nur als Kriegsgefangene befinden. Nicht nur die Stadt Pensa allein, sondern auch der ganze Rahon im Osten von derselben bis zur Wolga ist in Händen der Sowjettruppen. Die Lage in Archangelsk. Moskau, 14. Juli. Räch einer weiteren Meldung der .JSwestia" aus Archangelsk find dort neuerding« einzeln und gruppenweise serbische und italienische Offizier« und Soldaten«in- getroffen. Diese bildeten unter dem Schutze der dortigen englischen und französischen Konsulate eine sich ständig vergrößernde Abteilung von bisher über 300 Mann. Der Zweck dieser Abteilung warnach der engli- schen Murmanlandung außer Frage. Da« Gouvernements- Exekutivkomitee hat deshalb ungeachtet der Proteste der verbündeten Konsulate beschlossen, die serbischen und rralieni schen Trupe n zu entwaffnen und au? Archangelsk zu entfernen, wa« angeblich inzwischen geschehen sein soll. verfthiimmerung der Sowjetlage. Moskau, 16. Juli.(P. T.-A.) Infolge der Tätigkeit der Ukrainer, die ihre Hauptkräfte nach dem Südosten richteten» ist der Berkehr zwischen Zariziu und Jckaterinodar nnter. brachen. Dadurch ist Rußland vom nördlichen Kaukasus abgeschnitten, was eine bedeutende Berschlimmeruug der allgemeinen Lage zur Folge hat. Sturm im Lager der Linkssozialrevolutionäre. Moskau, 14. Juli. Räch einer Meldung der.Jsweftija" hat am 12. Juli eine stürmische AraktionSsitzung der Linken Sozial. revolutionäre stattgefunden, auf der zwei scharf geschiedene Strömungen hervortraten. An der Spitze der«inen Gruppe steht Kalegajcw, der die Taktik des alten Aentral'-Komitecs billigt; die andere Strömung verwirft die Politik des früheren Zentral» Komitees. d>« zu Abenteuern geführt habe. Kalegajcw ließ die Vertreter der Opposition nicht zu Worte kommen. Das Ergebnis der Sitzung war die Bildung eines neue» Zentrol-KomitecS, in dessen Reihen sich die Spiridonowa, Kamkow, Karelin befinden.> Am 12. und 18. Juli wurde eine ganze Reihe verhafteter Sozialrevolutionäre, gegen die kein« Beweise vorlagen, am Aufstand beteiligt gewesen zu sein, darunter K a lc g a j e w, in Freiheit gesetzt. Stockholm, 16. Juli. In einer großen, in der Fabrik von Michelson abgehaltenen Arbeiterversammlung erklärte T r o tz k i öffentlich, daß der Petersburger Kommissar für Presseangelegrn- Veiten Goldstei«, der beste der bolschewistischen Agitatoren und die rechte Hand de« Vorsitzenden des Petersburger Sowjets, Zinowiew, von einem durch Boris Sawinkow gedungenen Mörder getötet wurde. Die Sozialrevolutionäre Partei gibt öffentlich bekannt, daß sie zwar für den Mord des Grafen Mirbach, nicht aber für den Mord Goldsteins aufkomme. Stockholm, 15. Juli. Laut„Nawoja Shisn" wurden i n d e r vergangenen Woche 800 Sozialrevolutionäre verhaftet. 500 foziälrepolutionäre Organisationen wurde« aufgelöst. Unter den Verhafteten befinden sich alle sozialrevolutionären Führer und auch einige Kadetten. Schutz der Moskauer deutschen Botschaft. Moskau, 15. Juli.(P. T. A.) Schon vor einigen Tagen wur. den der deutschen Botschaft in Moskau durch die russische Militär- behörde 200 Gewehre zum inneren Schutz der Botschaft übergeben. Desgleichen wurde der Botschaft das Nachbarhau» über- lassen, um darin die deutschen Kriegsgefangenen unterzubringen. Tie russischen Kriegsgefangencu. In Sowjetkreisen ist man unzufrieden mit der ge- planten Maßnahme, die russischen Bürger, welche wäh- rend des Krieges in Gefangenschaft geraten sind, und von der Eröffnung öes Reichsrats. Rede Seidlers. Wie«, 16. Juli. Nach Viermonatiger Pause hat das A b g e. crdnetenhauZ seine Tätigkeit wieder aufgenommen. Nach einer Ansprache des Präsidenten Groß beschloß das Haus mit Zweidrittelmehrheit, sofort die erste Lesung des Budgetprovisoriums zu beginnen. Ministerpräsident Dr. v. Seidler fvon den Tschechen mit lärmenden Zurufen, von den Deutschen mit lebhaftem Beifall uno Händeklatschen empfangen) verwies zunächst auf die Darlegungen des Ministers des Aeußercn, wobei er erklärte:..Unbeschatrt der unbeugsamen Energie, mit der wir an der erfolgreichen Fort- führung des Krieges festhalien, werden wir nicht verabsäumen, wie bisher auch künftighin alle sich bietenden Möglichkeiten zur Anbahnung de« Frieden« eifrig zu verfolgen.(Lebhafte Zustimmung.) Unentwegt halten wir an dem gemeinsamen Friedensangebot der verbündeten Mächte vom Dezember 1016, an den in der Thronrvde und in der Antwort auf die Papstnote niedergelegten Gedanken fest. Getrost dürfen wir in die Zukunft blicken. Vereint mit unfern treuen Bunde«. genossen(Beifall links) werden wir das Ende dos Weltkrieges zu erzwingen vermögen. Der Ministerpräsident sprach dann über die E r n ä h r u n g s- Verhältnisse. Ungarn werde, soweit als möglich, das Ergebnis des Frühdrusches der Armee und Oesterreich zur Verfügung stellen. In der Zeit von der zweiten Augustwoch« ab werde e« möglich sein. die Brotration in der normierten Höhe auszugeben. Von einem völligen Wechsel des inländischen Aufbringungssystems sei eine radikale Abhilfe kaum zu erwarten. Der legitime Handel müsse in das System ausgiebiger«ingeschaltet werden. In der Besprechung der inneren Politik erinnerte der Minister» Präsident an sein ursprüngliches Programm, welches den politischen Waffenstillstand anstrebe. Je länger die völlige Klärung der ouS- wärtigen Situation sich hinausschob, desto schwieriger gestaltete sich das Festhalten an dieser Methode. In der Hoffnung auf große nationale Vorteile, die sich aus den Friedensbedingungen ergeben könnten, versagten einzelne Parteien konsequent die Mitwirkung am Werke der inneren politischen Verständigung. Der Ministec- Präsident erinnerte an die Weigerung de« Tschechcnklub», an der VcrfassungSrevision teilzunehmen, und erklärte: Wenn die Regierung sich nicht dem Vorwurf der politischen Passivität auS° setzen wollte, mußte sie dasjenige tun, waS sie tun konnte, nämlich ein Programm der nationalen Autonomie zur Durch- führung bringen; so entstanden die Verhandlungen über die KreiScinteilung in Böhmen. Wenn in dem Umstände, daß die Regierung von dem so lange geduldig angestrebten Ein. vernehme» der Nationen endlich absah, die Andeutung eines deut- schen Kurses erblickt wird, so liegt cS mir fern, dem entgegentreten zu wollen, denn wenn es einen politischen Kurs in Oesterreich gibt, so kann eS nur ein solcher sein, daß den berechtigten Interessen deS Volke» Schutz gewährt wird.(Lebhafter Beifall, Händeklatschen linIS.) In Oesterreich läßt sich nicht gegen die Deutschen, ebenso- wenig ohne die Deutsche» regieren, das gilt für jede Regierung. (Lebhafter Beifall bei den Deutschen.) deutschen Regierung gezwungen werden, nach Friedensschluß in deutschen Fabriken zu arbeiten, den deutschen Soldaten gleichzu st eilen. Die Sowjetkreise sind der Ansicht, daß die früheren Kriegs- gefangenen nach Friedensschluß freie neutrale Bürger geworden sind. Wenn sie in der deutschen Landwirtschaft oder Industrie beschäftigt werden, so müssen sie alle Rechte und den vollen Verdien st des freien. Arbeiters ge- n i e ß e n._ MilitarkommWonen längs der russischen Grenze. Moskau, ll. Juli.(P. T. A.) Der russische oberste Militärrat beschloß, russische Militärkommissionen in den Hauptpunkten längs der Demarkationslinie einzusetzen; fünf- zehn Oertlichkeiten für solche Kommissionen sind schon au§- ersehen. Vertreter des Kommissariats für auswärtige Ange- legenheiten werden diesen Kommissionen beigegeben werden. Diese Kommissionen wurden in der Hoffnung geschaffen, daß deutscherseits die Ernennung ähnlicher Kommissionen erfolgen wird, denen es dann vorbehalten sein soll, durch persönliche Fühlungnahme miteinandecr alle sich ergebenden Reibungsflächen zu beseitigen und andere schwebende Fragen zu lösen. Die Ent- scheidung über Fragen von prinzipieller Bedeutung wäre von den höheren Militärinstanzen abhängig. Was man nicht sagen darf. Tie Zensur in Frankreich. „Lc Populaire" vom 7. d. bringt einen Artikel von Amödse Dunoiß über die Denkschrift des Fürsten LichnowSky. Einigen einleitenden Sätzen folgen vier weiße Spalten, deren Text also von der Zensur gestrichen ist, und dann heißt eS weiter: Aber, was bedeuten rückblickend« Vorwürfe, mag man sie nach der«inen ober nach der anderen Seite richten, mag man die Regierungsmethoden als Ganze« an- klagen, da« ganze System der auswärtigen Politik, das auf Rüstungen, Bündnisse. Imperialismus und Kolonialabenteuer ge- gründet ist? Heute nach vier Jahren furchtbaren Kriegs hindern sie da« Gewesen« nicht, gewesen zu sein. Nur ein« Frag« stellt sich dem menschlichen Bewußtsein, die Frage des Frieden«. Der Zusammenhang ergibt deutlich, daß in den gestriche- nen Stellen ausgeführt war. wie groß auch Deutschlands Schuld sein möge/ andere seien darum nicht ganz schuldlos, Und das ist'S, was man heute in Frankreich nicht sagen darf. Heimkehr der verschleppten Elsaß-Lothringer. In Ausführung des Berner Abkommens über Zivilgefangene traf am Mon- tagnachmtttag der erste Transport mit gegen 800 Elsaß-Lothringern in Konstanz ein. Tie Verschleppten, denen ein festlicher Empfang bereitet wurde, werden nach Erledigung der sonitätSpolizeilichen Revision und der Zureiseförmlichkeiten in den allernächsten Tage» in ihre Heimat zurückkehren können. Unter den Zurückgekehrten be- findet sich auch Bürgermeister Cotzmann von Mülhausen,- der seit Beginn des Krieges gefangen war. Feldmarschall Eonrad v. Hoehendvrsf ist auf erneutes Ersuchen seiner Stellung als Befehlshaber an der Tiroler Front enthoben worden. Ein Handschreiben de» Kaisers, das ihm den erblichen Grafsnstand zuerkennt, rühmt, was«r im Frieden und während der ersten ÄriegSzahr« als Chef des Generalstabe« geleistet hat. Bei Regierungsantritt Kaiser Karls verließ er diesen Posten._ Die Beschießung von Pari« durch da? weittragende Ge- schütz wurde am Montag wieder aufgenommen. Die amerikanischen Truppen in Frankreich. Aus Washington wird gemeldet: General March gab bekannt, daß au« den amerikanischen Divisionen in Frankreich endgultiz drei Armeekorps von je 225 000 bis 250 000 Mann or- g a n i s i e r t worden sind. Die Verschiffungen dy: Truppen nehmen ohne Unterbrechung im Tempo der letzten Monate ihren Fortgang. Westlich de« Jordan?, meldet der türkische Heeresbericht vom 15. Juli, entrissen wir dem Feinde in der Nacht vom l3. zum 14. Juli Teile seiner Stellungen und hielten sie gegen äußerst heftige Gegen- angriffe. Der Feind erlitt hierbei schwere Verluste. Ein gleich- zeitiger Angriff von unseren Kräften östlich des Jordans löst« beim Feinde heftige Gegenwirkung aus. Ein« feindliche Kavallerie- division, unterstützt durch Panzerkraftwagen, warf sich unseren Truppen entgegen. Sie wurde beinahe völlig aufgerieben, nur Trümmer der feindlichen Division konnten entkommen. vom Zentralverbanö deutscher Inöustrieller Für starken frieden.— Die ArbeitStammern.— Gegen KriegtzsozialismuK. Der Zcntralverband Deutscher Industrieller hat am 12. Juli eine Tagung abgehalten, worüber die ihm nahestehende Presse jetzt berichtet: Nach dem von Regierungsrat a. D. Dr. Schweighoüer, M. d. 2l.� erstatteten Geschäftsbericht hat der Zentralverband während dos Krieges eine außerordentliche Mitgliederzunahme zu verzeichnen. Die Verhandlungen wurden von dem Vorsitzenden Landrat a.D. Rötger, M. d. A.. mit eingehenden Darlegungen über den unter Ansicholtung der Industrie getätigten Ost frieden und die Verhandlungen über die künftigen deulich-öst-rreichisch- ungarischen WirtschastSbeziehungen eingeleitet. Der Vorsitzende schloß mit einein Ausblick auf die wirlschaftliche Zukunft und er- innerte daran, daß die Interessen der Unternehmer und Arbeiter einander begegnen in der Forderung eines starken Friedens, der uns Rohstoffbezug und Auslandsabsatz sichert. E« ist da« auch der Weg. der zum sozialen Frieden lührt. Soziale Fragen werden nicht durch unausgesetztes Nachgebengegen politische Forderungen, sondern nur dadurch gelöst, daß das Verständnis unserer Arbeiterschaft für die Zusammenhänge des wirtschaftlichen Lebens in weitestem Um- fange gefördert wird.— Diesen Ausführungen stimmte die Versammlung ebenso zu wie den Gründen, die der Geschäftsführer Dr. Schweighoffsr für die Notwendigkeit alsbaldigen und vollständigen Abbaue« der Z w a n g's>v i r t s ch a s t»ach dem Kriege vortrug. In der Frag- einer mitteleuropäische» Wirtschaftsgemeinschaft wurde die Bedeutung deS politischen und militärischen Bündnisses mit Oesterreich« Ungarn voll anerkannt, indessen betont, daß ein engeres Wirt- schaftSverhältnis nicht dazu führen dürfte, daß die tv e l t w i r t s ch o s t l i ch e n Beziehungen Deutschland«. die für den Rohstoffbezrig unentbehrlich sind und den nicht minder unentbehrlichen Auslands- absatz unserer Erzeugnisse ermöglichen, auf« Spiel gesetzt werde». ES steht hier die Frage zur Ent- scheidung. ob Deutschland seine handelspolitische Zukunft lediglich nach kontinentalen GestchtSpuntlen oder aber nach Weltwirtschaft- lichen Bedürfnissen mid Interessen zu orientieren bat. In den nächsten Monaten wird sich die Industrie über ihre Stellungnahme im positiven Sinne schllltstg werden müssen.— Dem ArbeitSkammergcsctzciltwurf gegenüber nimmt der Zentral- verband Deutscher Industrieller grundsätzlich eine ablehnende Haltung ein in der Ueberzeugung. daß die Tätigkeit von Arbeits- kammern den sozialen Frieden nicht fördert, sondern rm Gegenteil schädigt. Für den Fall, daß das Gesetz zustande kommt, muß die Industrie auf folgenden Mindestforderungen bestehen: fachliche Gliederung. Abstufung deS Wahlrecht«. Nicht- Öffentlichkeit der Verhandlungen, ausreichende Bürgschaften für völlige Unparteilichkeit deS Vorsitzenden, der die Verhandlungen lediglich zu leiten, ober kein Stimmrecht auszuüben hat. Es muß mit aller Bestimmtheit erwartet werden, daß die Negierung(ReichswirtschaftS- amt� an ihrem Widerspruch gegen den örtlichen Aufbau und die Errichtung besonderer Arbeitnehmerabteilungen unbedingt festhält.— Im wetteren Verlauf derVerhandlungen wurden neben anderenTageS- fragen auch die Steuerreformen eingehend besprochen. Zum Schlüge teilte der Vorsitzende mit, daß das Direktorium des Zentralverbandes Deutscher Industrieller eine öffentliche Kundgebung gegen den Krieg« sozialiSmu« und für die freie Wirtschaft nach dem Kriege unter gemeinsamer Beteiligung von Industrie und Gewerbe, Handel und Seeschiffahrt, Landwirtschaft und Mittelstand für Okiober d. I. in Aussicht genommen hat. Wüßte man es nicht schon längst, so würde man aus diesem Bericht erfahren, woher in der Frage der Arbeits- kammern der Wind weht. Hier stehen bisher der Zentral- verband der Industriellen und der Bundesrat Arm in Arm gegen die Gesamtheit der gewerkschaftlichen Verbände und gegen die Mehrheit des Reichstags I Der Kampf um da« gleiche Wahsrecht in Preußen. Die ch r i st- lich-sozialen Vertraueiisinänner von Minden- Ravensburg sprachen sich im Einvernehmen n>it dem Hai-ptvorstand der Partei für ein Zusammengeh«» mit der Sozialdemokratie im kommenden Wahlkamps um das gleiche Wahlrecht au«. Letzte Nachrichten. Bon der Reimsfront. Amerikanischer Bericht vom 15. Juli, abend«. Unsere Truppen beherrschen den B e n d- F l u ß. Do ist der deutsche Plan hier vollständig gescheitert. Auf unserem linken Flügel am Bend- Fluß machte eine berühmte deutsche Division den ganzen Tag hin- durch wiederholt Versuche, den Fluß zu überschreiten. Aber alle An- griffe scheiterten unter unserem Feuer und kein einziger Deutscher überschritt hier bis zur Stunde den Fluß. Die Zahl unserer Ge- fangenen bei dem Gegenangriff am Be'ch-Fluß beträgt jetzt zwischen 1000 und 1500, darunter ein vollständiger Brigadestab. De.r Kampf dauert in diesem Bezirk in der heftig st en Weise an._ Friedensforderung der sozialistischen Minderheit in Frankeich. Bern. 16. Juli. Das Komitee zur Verteidigung de« internatio- nalen Sozialismus, daß sich auS Angehörigen der Minderheit der (JonfeWration General du Travail zusammensetzt, veröffentlich! einen Antrag, der dem Kongreß der E. G. T. als Minder- hcitsantrag zur Abstimmung vorgelegt werden soll. Der An- tragt besagt, daß von der französischen Regierung die Revision der Kriegsziele, die Darlegung der Friedens he- dingungen auf Grundlage der Grundsätze der russischen Revolution und Wilsons gefordert werden; ferner soll die französische Regierung sich förmlich verpflichte«, fo- fort in Friedensverhandlungen einzutreten, sobald diese Bedingungen von den Mittelmächten angenommen sind. Die französische Re- gierung soll aus alle imperialistischen Absichten verzichten. Die sozial- demokratische Parlamentsgruppe soll in diesem Sinne handeln. Auch dieser Antrag spricht sich gegen die reaktionären M a ch e n s ch a f te n auS, welche die Intervention in Ru ß» lqnd und die Erdrosselung der russischen Revolution bezwecke». � GewerAhgflsbMWMg Gewerkschaftliche Frauenarbeit. Nicht nur im Erwerbsleben bat die Kric�Snotwendi�leit unae- !te Scharen von Frauen auf die vordem von Männern einge- ninenen Plätze aestellt, sondern auch in den Gewerlschasten haben mcn in zahlreichen Fällen die Lücken ausgefüllt, die dadurch � standen waren, daß Funktionäre zum Heeresdienst einberufen .rden. In all diesen Fällen haben Frauen die Tätigkeit der üntier ausgenommen, obgleich sie keine persönlichen Vorteile, wohl :t eine Fülle ausopfernder Arbeit mit sich bringt, der kein anderer hu winkt, als das— allerdings erhebende— � Bewußtsein, der ganisatiou m schwerer Feit treu zur Seite gestanden, die Lei- mgsfähigkeit der Gewerkschaft durch Sicherung eines ungestörten � rtganges ihrer Arbeiten aufrechterhalten zu haben. Das Jahrbuch des Deutschen Textilarbeitecverbandes macht an d-'r Hand einer im Oktober 1917 veranstalteten Ilmsrage zahlen- � ißige Angaben über die von Frauen innerhalb des Verbandes >!sgeübte Tätigkeit als Funktionärinnen. Obgleich das Ergebnis r Erhebung nur lückenhaft ist, zeigt es doch, daß die geWerk- saftliche Frauenarbeit im Textilarbcitervcrband sehr ausgedehnt c. Im 15 Orten haben weibliche Mitglieder für den eingezogenen ' ieschäftsführer die Verwaltungsarbeiten der Organisation über- � ommen. In 4 Orten mußten neben den von der Einberufung erschont �gebliebenen Angestellten wegen der sich ständig mehrenden � lrbeit 7" weibliche Mitglieder als Hilfskräfte eingestellt werden. 1 �weibliche Mitglieder haben die Verbandsarbeit ihrer eingezogenen Männer übernommen. In 7 Gauvorständen sind zusammen neun frauen tätig, davon 1 als Kassiererin, 5 als Schriftführerinnen und > als Beisitzerinnen. Die engere Ortsverwaltung zählt 641 Weib- iche Mitglieder, und zwar wirken 16 als Vorsitzende, 24 als Kassiererinnen, 35 als Schriftführerinnen 95 als Beisitzerinnen, 11 als Nev isorinnen und 64 als Unterkassiererinnen. In der erweiterten Ortsverwaltung sind 1792 weibliche Mitglieder tätig. Davon sind >17 aktive Arbeiterausschußmitglieder in den hilfsdienstgesetzlichen Albeiterausschüssen. 8 weibliche Mitglieder sind in Tarifkom- nissionen, 163 in Verhandlungskommissionen, 193 in Agitations- .ommissionen tätig. 571 wirken als Betriebsvertrauenspersonen. 167 weibliche Mitglieder wurden in Gewerkschaftskartelle delegiert. Nicht nur in der Gewerkschaft, sondern auch im Krankenkassen- Wesen sind weibliche Mitglieder des TextilcMciterverbandes im Interesse der Versicherten tätig. 326 Frauen sitzen in Kranken- kassenausschüssen, 63 in Kranrenkassenvorständen. 23 sind in Orts- krankenkassen und 129 in Betriebskrankenkassen tätig. In der so- zialen Kriegshilfe arbeiten 66 weibliche Mitglieder init. Im ganzen wurden 3667 weibliche Mitglieder festgestellt, die gewerkschaftliche Funktionen innerhalb des Verbandes ausüben. In Wirklichkeit muß aber deren Fahl bedeutend höher sein, da von den 271 Filialen des Verbandes 143 die Fragebogen nicht beantwortet haben. Immerhin genügen die vorliegenden Angaben, um dem Außenstehenden ein anschauliches Bild von der umfangreichen Gc- werkschaftsarbeit der Frauen im Textilarbeiterverband zu geben. Wenn auch bei dem großen Anteil, den das weeblickse Element an der Mitgliederzahl des Tertilarbeiterverbandes hat, schon vor dem Kriege Frauen und Mädchen Verbandsfunktwnen der verschiedensten Art ausübten, so darf doch als sicher gelten, daß der größte Teil der setzt für den Verband tätigen weiblichen Mitglieder erst während des Krieges an die Stellen ihrer männlichen Kollegen getreten sind. Das ist sa auch in anderen Gewerkschaften der Fall, selbst in solchen, die wenig weibliche Mitglieder haben. Mancher gewcrk- schaftlüche Vertrauensposten wäre verwaist worden, wenn sich nicht eine Frau gefunden hätte, die entschlossen die verantwortungsvolle Gewerkschaftsarbeit des Mannes übernahm. Diese„Kriegsarbeit" im Interesse der Organisation gereicht den Frauen, welche sie aus- üben, zur Ehre._ Statistik gegen Statistik. Gestützt auf eine Erhebung über die Gehälter der kaufmänni- scheu Angestellten in Dresden hat die dortige Ortsgruppe des Zen- tralverbandcs der HaMüngsgchilsen in.zahlreichen Fällen Gehalts- aufbesscrungdn durchgesetzt. Die Erfolge der Angestellten haben den Fentralausschuß der Dresdener industriellen und kaufmännischen Vereine zu einer Gegenaktion auf den Plan gerufen. Er will— wie die„ HandlungSgehilfenzeitung" mitteilt— gleichfalls eine Gehaltsstatistik veranstalten, um durch sie den Nachweis zu führen, daß die den Angestellten gewährten Teuerungszulagen nicht un- genügend seien und daß die vom Konsumverein gewährte Fulage von 37 Proz., die der Handlungsgehilfcnverband als Muster zu nehmen scheine, in den dem Fentralausschuß angeschlossenen Bc- trieben vielfach überschritten würde. „Das dürste möglich sein"— bemerkt hierzu die„Handlungs- gehilfenzeitung"—„ist uns doch aus den letzten Tagen erst ein Fall bekannt geworden, daß ein Angestellter eines bekannten Dresdener Industriebetriebes sogar 157 Proz. Teuerungszulage erhält. Es handelt sich hier um einen verheirateten Angestellten, der monat- lich sage' und schreibe 55 M. Gehalt bezieht und hierzu 86,56 M. Teuerungszulage bekommt. Ueberall ist das Prozcntverhältnis nicht so günstig. Bei derselben Firma gibt es auch einen verheirateten 46 Jahre alten Angestellten, der 125 M. Monatsgehalt und dazu 25 Vi. Teuerungszulage erhält. Dieser Angestellte ist vor acht Iahren in diesem Betriebe mit einem Anfangsgehalt von 66 M. monatlich eingestellt worden. Hier handelt es sich nur um 26 Proz. Teuerungszulage, die allerdings setzt durch das Eingreifen des Fen- tralverbandes der Handlungsgehilfen auf 56 Proz. erhöht worden ist." Wenn die Statistik, welche d'e kaufmännischen und industriellen Unternehmer vorbereiten, noch eine längere Reihe solcher Einzel- fälle ausweisen sollte, dann dürften sich in der Tat sehr hohe pro- zentuale Fulagen ergeben. Hoffentlich wird die Statistik nicht der- schweigen, wie niedrig die Gehälter trotzdem in vielen Fällen find. Soziales. Erweiterung der Sparverficherung bei der Volksfürsorge. Die Volksfürsorge betreibt bis jetzt nur Volksversicherung lkleine Lebensversicherung). Bis vor kurzem waren bei ihren Kapital» Versicherungen nur Versicherungen bis zur HöchstversicherunySsumme von 1666 M. zugelafien. In Konsequenz dieser Beschränkungen konnten bei der Sparversicherung jährlich nur bis zu 66 M. als Svarprämie eingezahlt werden. Nachdem das AufsiStsamt am 26. April d. I. für sämtliche Tarife die nachgesuchte Erhöhung der Versicherungssumme auf 2666 M. bewilligt hat, ist jetzt auch der weitere Antrag des Vorstandes der Volksfürsorge, die sährftche Spar- einlege bei Sparversicherungen von 66 M. auf 166 M. zu erhöhen, genehmigt ivorden. Industrie und Kandel. Ter Lokomotivbau in Deutschland nach dem Kriege. Ter Generalsekretär des Lokomotivverbandes, Rudolf Ditges, schreibt in der„Nordd. Allg. Ftg." über dte Beschäfftgungsaussichten der deutschen Lokomotivfabriken in der Uebevgangswirtschast: Vor dem Kriege ging ettva ein Viertel der Erzeugung, große und kleine Maschinen zusammen, in den Export. Zurzeit ist fast der ganze Anssuhrant.sil für Jnlandsaufträge freigeworden, so daß den beut- scheu Eisen-, Feld- und Heeresbahnen heute erheblich mehr Loko- motiven„zur Verfügung stehen" als im Frieden; wie überhaupt die Verkehrsnot mehr ans Kohlen- als auf Maschinenknappheit, und allenfalls auf die eisen bah irseitige Abgab: von einigen tausend Lokomotiven an Neutrale, Verbündete und besetzte Gebiete zurück- zuführen sei. Diese Mengen werden teilweise, die vielen Hunderte von� Feldbahnlokomotiven aber ganz aus den Operationsgebieten zurückkehren und besonders die Kleinbahnen, Industriewcrke und Bauunternehmer versorgen. Hieraus wird ein fühlbarer Minder- bedarf an kleinen Lokomotiven erwcrrtet, während die abgerissenen Beziehungen zum Weltmarkt erst„sehr langsam und nach lieber- Windung außerordentlich großer Schwierigkeiien im Laufe vieler Jahre sich neu knüpfen lassen. Also wird der Forlfall der Ausfuhr- äufträge und der Aufträge an kleinen Lokomotiven durch den viel- leicht zunächst etwas gesteigerten, aber bald abflauenden In- lands-bedars bei weitem nicht ausgeglichen werden können. Für den Inlandsbedarf ist zu beachten, daß ein unverhältnismäßig großer Teil des Parks Reparaturbedürfnisse hat, daß ferner zwar das Ver- sorgungsgebiet wachsen könne, die Notwendigkeit mit Geldausgaben zu sparen aber auch; der Inlandsbedarf wird also vielleicht nur für eine kurze Zeit zunehmen, d. h. bis zur Wiedererreichung eines normalen Ausbcsserungsstandes. Uebrigens werden die Baustoff- Heranschaffungsschwierigksiten nicht mit einem Schlage verschwin-- den, während umgekehrt der Arbeiterrückstrom von �der Front das Arbeitsbedürfnis der einzstnen Fabriken steigern� dürfte. Tiefe Aussichten dürften weiter dadurch verschlechtert werden. daß Kriegsunternehmen aus Furcht vor Beschäftigungslosigkeit nach dem Kriege sich mit konzentrierier Wucht auf einige sogenannte Friedensmdustrien, z. B. den Schiffbau und den Lokomot'.venbau werfen. Diese letztgenannte Absicht hat z. B. in Deutschland die Rheinische Metallwaren- und Maschinenfabrik A.-G. in Düsteldorf und in Oesterreich die Skoda-Werke A.-G. in Pilsen. Auch die A.E.G. hat in Hennigsdorf eine neue Lokomotivenfabrik gebaut. Gerichtszeitung. Tie neue Tisziplinarverhandlung gegen Professor Henkel. Das Disziplinarverfahren gegen den Direktor der Jenenser Frauenklinik, Professor Dr. Max Henkel, das in erster Instanz vom 23. bis 36. Oktober v. I. vor der Disziplinacstraskammer für das Großherzogtum Sachsen in Weimar verhandelt worden ist, wird heute und an den folgenden Tagen in zweiter. Instanz vor dem ge- meinschaftlichen thüringischen Oberverwaltungsgericht in Jena ver- handelt werden. Die Hauptvocwürfe gegen Prof. Henkel gehen da- hin, Schwangerschaftsunterbrechungen ohne genügenden Grund vor- genommen zu haben, wobei in Verbindung damit in mehreren Fällen ohne Grund eine Unfruchtbarmachung erfolgt sei. In einem besonderen Falle wird Prof. Henkel noch zur Last gelegt, daß ec Operationen durchgeführt habe, ohne auf die Entwicklung der lebens- fähigen Frucht zu achten. Ein Fall, in dem Prof. Henkel die Nicht- achtung der Grundsätze ärztlicher Ethik besonders zum Vorwurr gemacht wird und der in der Oestentlichkeit großes Aufsehen erregt bat, betras die Operation einer Frau, wobei die Strafkammer auf Grund der Bekundung mehrerer Zeugen zu dem Ergebnis kam. Prof. Henkel habe sich in diesem Falle lediglich von dem eitlen Drange leiten lassen, dem als Gast der Operation bei- wohnenden Prinzen zur Lippe eine operative Kunstleistung vorzuführen, bei der der T o d d c r Operierten die unglückliche Folge gewesen sei. Die Verteidiger Dr. Alsberg und Dr. Luetgebrune haben alsbald nacb Abschluß der Verhandlung erster Instanz die dem Beschuldigten nachteiligen Fest- stellungen angegriffen und den Beweis zu führen gesucht, daß die sämtlichen Vorwürfe eines tatsächlichen Anhalts entbehren. Auf ihren Antrag hat inzwischen auch die Vernehmung des Prinzen zur Lippe stattgefunden._ Zigeuner im Warenhause. Daß in Deutschland noch Menschen umherlaufen, die weder lesen noch schreiben können, ja. d ix nicht einmal wissen, wo sie geboren sind, zeigte eine vor dem Schössen- gericht Berlin-Mitte geführte Verhandlung gegen drei„Zigeunc- rinnen" Franz, Schwabergrr und Samlonski wegen Warenhaus- diebstahls. Die Drei hatten einen gemeinschaftlichen Besuch bei Werthcim veranstaltet, angeblich um Strümpfe zu kaufen, weil ihre Strümpfe„zerrissen" gewesen seien; in Wabrheit aber, um dort ihre Geschicklichkeit im Stehlen anzuwenden. Sic gingen aucki sehr bald dazu über, diese Kunst des Verschlvindenlassens von Gegen- ständen praktisch zu verwerten In einem gegebenen Augenblicke wanderte ein Bündel Blusen plötzlich unter das Tuch der einen dieser Damen, während zu gleicher Zeit die andere die Tasche der Vec- käuferin zu revidieren für angebracht hielt. Sie verfielen aber sofort ihrem Schicksal, denn sie waren von einer Detektivin beob- achtet worden und konnten somit auf ftischcc Tat festgenommen werden. Vor Gericht ergab es sich, daß sie nicht lesen und schreiben konnten, auch keine Kunde davon hätten, wann und wo sie geboren sind. Der Staatsantoalt beantragte se 6 Wochen Gefängnis. Rechts- anwalt Bahn meinte, daß die Zigeuner zwar in der Operette sehr romantisch wirken, im Leben aber docki iutelleftuell sehr zurückgebliebene Mitmenschen seien und deshalb mit milderem Maßstabe gemessen werden müßten als andere Menschen. Das Gericht er- kannte auf einen Monat Gefängnis und rechnete die Untersuchungs- Haft an. Verantwortl. f. Politik: Dr. Franz Ti-derich, Berlin-Friedenau: für d. ü lirigen Teil des BiotleS: Alfred Schulz, Neukölln: für Anzeigen: Theodor Glocke, Berlin. Verlag: Vorwärts-Verlug G. m. b. H., Berlin. Druck: Vorwärts-Vuchdruckeret und Verla gsanllalt Paul Singer u. Co. w Berlin. Lindenstrape 3. Hirrz» 1 Bellitae und UntcrbaliunaSdlatt. Oeutsches Theater. Mit Max Pallenberg 8 Uhr: Bihikoft. Donnerstag: bis Sonnabend: Familie Schimek. Kamm erspiele. Allabendlich T3/« Uhr: Inkognito.(Operette.) Volksbühne, Th.a. Bülowpl. Allabendlich 71/, Uhr: Ein ScmniernachtGtraum. Tlieatei'riesWestens Allabendlich 71/2 Uhr: Leopoidine Konstantin m Die Tänzerin. Dir. C.Meinhard— R. Bernauer. Thoator j,-. Königorätzerstr. 8 Uhr: Die fünf Frankfurter. Komödienhaus 8 Uhr: Die Zarin. BerlinerTheater 7I5U.; Uiltzblancs Blnt. Mißnal-Theater 3i&\ Mäüsctien. Tiieater der Friedriefestadt! Ecke Friedrich- u. Linienatr. Telephon; Horden 8650. Täglich 7ft. Uhr: Die erste Geige. Sonnt, nachm. S'/j kleine Pr.: Jugend.' Ädmiraispaiast. r i Die Prinzessin von Tragant f Sajdab Deutsche Tänze �7°/, Uhr. 2, 3, 4, 5, 6 M. BW'PÄ-lir Kastanienallee 7—9. Täglich 5 Uhr in vollständig neuer Bearbeitung: W MUWWfter. GroszePossen-Reouc in 5 Bildern Dazu die großart. Spezialiiäiea Heute sowie jeden Mittwoch: Er.«eisest. TTKester für Mittwoch, 17. Juli. Centrai-Theater vhr- Die CsapdasSirstin. Deutsches Opernhaus nu.: Die siä Beleoa. Friedrlch-Willielmst. Theater T�uhrJasDreilflsillians. Komische Oper TV.: Seiiwarzwaldmiei. Kleines Theater 8 Uhr: Arisfid und seine Fehler mit Bassermann. Metropol-Theater uhr: Oie'üöse von Stamliul. Dustspiclhans 7'/, Uhr: Die spamsciie Fiiep Neues Operettenhaus Tv.uhr: Der Sölilat der Marie. Bcsldonz-Tht-ater 7*/. unr: FlimiBEr-KWeiL Schlilcr-Th. Chart. vi, uhr.: lit-Mdeliierif. Thalia-Theater �DöterderbliendenLiiiflE fWM jrc uja fölLSCh Qcböude inje 1. Manege-Schaustück „Torpedo-los!-' i. artist.T.: Der Radi. a. d. Seil!. schwind. Höhe unter der Zirkuskuppel. Vorverk.: Zirkusk., Werth. Theater am Nollendorfplatz VI, Uhr: demSsi Tägl. 7'/, U. abends. Heute nachmittag 1 3'/. Uhr: Familien- und| 1 Sciiülorvorst. z. kl Pr. Walhalla- 1 Theater, Weinbergswsg 1 Rose=Theater. u,-u.: Die Prißzsssia voraHil. Gmtenb.: Bitte rechtfreundlich! Reiciisiiailen-Theater. Stettiner Stlnger. Gastspiel der Leipziger Seidel-Sänger. Anfang 71/._ Reichshallen-Saal u. Garten Blüthgen- Konzert. Trianoo-Theater Bhf. Frledriohsir.Ztr 4927.2391 8 U. Zum 320. Malo: Der gstasschiler. Kaiser-Titz, Biidt, Flink. Sonnabend nachm. ll,i kl. Pr. Schneewittchen. Sonntag 4 Uhr: Jobanntsfeuer. Täglich l'j, Gesamt-Gastsplel des Kerrnfeld- Theaters unter der Direktion von Anton HerrnfeSd mit dem Schwank faedtidisfcm Berlin nw.7 Uefect für alle eixlenkJicheru ßeglstcaatc-u. Ocdnungs-Ziuecke die pasaensten. Bflcappm Ziehung schon am 20. Juli Jubiläums-Lotterie Gesamtw. d. 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