|tf+195. 35. Jahrg. Bezugspreis: äSteitelifiljrL 4.503RI, monafl. 1,502)21. frei ins HauS, vornuszahwar.Einzelne Nummern 10 Bfennig. Posibezng: Moncunch.vom Vostfchalier abzuholen 1,60 Mb, vom Briefträger ms Haus ge- brach! 1,54 Mb Unter Kreuzband für Deulfchiard und Oesterreich- Ungarn 3,— Ml. für das übrige Ausland 4,60 Mb monatlich, Lerland ins Seid Bei direlier Bestellung monatl. IM Mi. Postbestellungen nehmen an Däne- Marl, Holland. Luxemburg, Schweden und die Schweiz, Eingetragen in die Post-ZestungS-Preisliste. Erscheint täglich. Telegramm- Adresse: .Sozialdemokrat Berlin-, Verlinev Volksblcrkk. (lopkSNNlg) Anzeigenpreis: Die Nebengefvastene Kolonelzeilekostet S0 Pfg,„Kleine Anzeigen", das feiigedruckie Wort 30 Pfg,(zuläfsig 2 fetigedruckie Worte), fedcs weitere Wort 16 Pfg, Stellengesuche md Echlafsiellenanzeigen das erste Wini 20 Pfg.. jedes weitere Wort 10 Pfg. Worte über 16 Buchstaben zählen für zwei Worte, Teuerungszuschlag 20°/» Familien-Anzeigen, voliiische und gewerlschaftliche Vereins- Anzeigen 60 Pfg, die geile. Anzelgen für die nächste Nummer müssen bis 5 Ubr nachmittags im Hauvigeschäfi, Berlin ©SB. 68, Lindensiraste 3, ab reg eben werden. Geöffnet von 8 Uhr früh bis 7 Uhr abends. Zcntralorgan der fozialdemokratifchcn partcS Deutfchlatids. Reöaktion: SN. 6$, Linöenstraße Z. Fernivrecher: Amt Morittvlall, Skr. 181 S0— ISI S7. Donnerstag, de« 18. Juli 1S18. Expeüitioa: SM. öS» LinSenstcaße 2. Fernsprecher: Amt Morittplatz, Rr. 181 SV— 181 S7. erbitterte Gegenangriffe fttdlicb der Ein öeutjcher Seückentopf südlich der Narne. B e r l i n, 17. Juli. Ter den Franzosen trotz hartnäckigen Widerstandes ahgerungenc neue deutsche Brückenkopf südlich der Marne steht in einer Breite von 12 Kilometern und mit einem Flächeninhalt von über 70 Quadratkiloinetern fest um- rissen da. Tie dem Gegner so unbequeme deutsche Fest- sctzungander Marne selbst hat sich hierbei durch die Er- oberung der das Marnctal weithin beherrschenden Hügel u m rnnd 8 Kilometer erweitert. Gegen die Westflanke des neuen Brückenkopfes brandeten bereits am Vor- mittag des ersten Angriffstagcs die Gegen st öste des Feindes mit einer Erbitterung, die bezeugt» dast der Gegner sich über die� Bedeutung der Schaffung eines deutschen Marne-Brückenkopfcs schnell klar geworden ist. Die Auswahl der Osthälfte der Marnefront für den trotz de? hart- nackigen Gegenwehr so schnell erzwungenen deutschen Marne- Übergang erlegt dem Feinde eine Ausdehnung gegen Osten auf. � Bisher suchte der Franzose den Schwerpunkt seiner Abwehr am Westflügel seiner Kampflinie. Er ist fortan gezwungen» auch i in, O st f l ü g c l volle Kraft zu entfalten und be- reit zu halten,_ Der Lebergang über öle Marne. Telegramm unseres Kriegsberichterstatters. Westfront, 16. Juli mittags. Zeit gestern früh 4 Nhr 56 Minuten steht deutsche Infanterie zwischen der lchthin erkämpften Marnelinie und dem alten Cham- Vagncschlachtfcw mit den durch Amerikaner und Italiener verstärk- tcn 6. und 4. französischen Armeen in schwerem Kampfe. Dw 166 Kilometer lange Front wird durch den ausgesparten, nicht an- gegriffenen Bogen zu beiden Seiten von Reims in zwei selbständig operierende Schlachtfiügcl geteilt. Die Armee v. Bochn griff in 36 Kilometer Breite zwischen Marncschlcifc bei Jaulgonnc und dem Asdretalc südwestlich von Reims die 6. französische Armee unter General Dnchcne an. Der rechte Flügel schlug in dichtem feindlichen Sperrfeuer und unter starkin Fliegerangriffen zwischen P assy und Dorm ans mehrere Brücken über die Marne, erstürmte gegen Amerikaner und Franzosen die steilen U f c r h ö h c n und drang bis gestern abend gegen starken Widerstand 7 Kilometer weit südlich jn die Wälder jenseits des Flusses vor. Durch- schnittlich bis zu derselben Tiefe gelang der Stost der Armee v. Bochn nördlich der Marne, wo der 25 Kilometer breite, reich mit Schluchten versehene Bcrgwald von Reims ein starkes natürliches Hindernis darstellt. Durch diese Fortschritte hat sich der Sack von Reims noch eillimif verengt. Während gegenüber der Armee v. Bochn die Berbandsheere sich aus neuen, erst seit Juni entstandenen Stellun- gen verteidigen mußten, stießen die Truppen des öst- lichen deutschen Schlachtflügels auf die in vier- fach er. Staffelung sich hintereinander auf- bauender Grabenwällc und Drahtwälder jähre- langer Abwehrarbeit. Trolidem springt seit gestern Abend auch hier die deutsche Linie zwischen drei und sechs Kilometer tief in die feindliche Front hinein. Der rechte Flügel hat die Bahn Reims— Chalons überschritten und kämpft unter starkem Flanken- fcucr vom Bcrgwalde bei Reims her im oberen Besletal beiderseits Beaumont. Bon der starken Römcrstraßenstellung ist der westliche Kopf gebrochen. Die Mitte der östlichen Schlachtsront steht süd- lich Auberive vor dem befestigten Lager ChalonS. Tie feit gestern tobenden Kämpfe werden außer durch unge- wöhnliche Zähigkeit der gegnerischen, teilweise auch amerikanischen Infanterie gekennzeichnet durch eine neue Abwehrincthodc Fachs. Während er bei der März-, April und Maioisenstvc seine erste Stellung— sogenannte Lignc de Snippes— zäh verteidigte, hat er gestern das Borfctd zwischen der ersten und zweiten Stellung gr- räumt und das Hauptgewicht seiner Abwehr vott vorn- herein in die zweite Wider st andslinie— Liane de Sontien— verlegt. Dadurch wird naturgemäß die erste Wirkung der deutschen Artillerie etwas abgeschwächt, zumal die Hauptmassen der feindlichen Batterien so tief gestaffelt standen, daß ihr Sperr- fcuer den deutschen Angriff nicht vor der ersten, sonder« erst vor der zweiten Linie traf. Diese neue, Hindcnburg abgelauschte Tefcnsivaktion, die Foch schon bei den letzten Kämpfen bei Com- picgne ausprobiert hatte, erfordert naturgemäß eine neue An- griffsmethodc, die nicht lange auf sich warten lassen wird. Tie Schlacht geht, nach den eben einlaufenden Mittags- Meldungen, besonders bei der Armee v, Bochn günstig vor- w ä r t s. An einigen Stellen sind deutsche Stoßtrupps dort in die zweite französische Stellung des Reimscr Bcrgwaldcs eingedrungen. Anderswo machen stärkste und mit zahlreichc-u Tanks geführte Gegenangriffe uns den gewonnenen Boden streitig. Dr. Ad. K ö st e r, Kriegsberichterstatter. Der offizielle Ziltrierapparat. Hindernisse der Völkerverständigung. Der liberale„Manchester Guardian" schließt einen Auf- fatz, in dem er die Paßverweigerung an Troelstra scharf kriti- siert, mit folgenden ausgezeichneten Bemerkungen: Mr. Troelstra hätte unserer Arbeite nvelt Mitteilungen auZ Heftige feindliche Gegenangriffe südlich der Marne— Erweiterung der Erfolge nördlich der Marne— Befestigte Höhen bei Massiges genommen— Ueber 18 000 Gefangene. Berlin, 17. Juli 1918, abends. Amtlich. Erneute Gegenangriffe der Franzosen auf dem Südufer der Marne wurden abge« wiesen. Im übrigen ist die Lage unverändert. Amtlich. Großes Hauptquartier, 17. Juli 1918. fW. T. B.> Westlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht. Die Kampftätigkcit lebte erst in den Abendstunden auf. In Erkunduugsvorstößcn südwestlich von D p c r n machten wir Gr- fangene. Südöstlich von H e b« t c r n e hat der Feind seine Angriffe ohne Erfolg wiederholt. Heeresgruppe Deutscher Kronprinz. Oertliche Kämpfe am SaviärrS- Grunde und westlich von Chatean-Thierry. Südwestlich von Conrtemont schoben wir nnscre Linien bis o» den Surmelin- Abschnitt heran. Heftige Gegenangriffe führte der Feind mit starken Kräften gegen unsere Front auf, dem Südufer der Marne. Seine Angriffe brachen unter schwersten Ber- lüften teilweise nach erbittertem Kampf vor unseren Linien zusammen. Auf dem Nordnfer der Marne wurden die Erfolge des ersten Angriffstages erweitert. Nach Ab- wehr französischer Gegenangriffe stießen wir dem Feinde bis auf die Höhe nördlich von V e n t e u i l nach und kämpften nns durch den Rodemat- nnd Königs- w a l d hindurch. Beiderseits der A r d r e warfen wir den Feind ans das Reimser Bergland zwischen Ran- t e u i l und nördlich von P o« r c y zurück. O e st l i ch von Reims ist die Lage unverändert. Wir hielten die feindlichen Linien unter starkem Feuer und verbesserten an der R ö m e r st r n st e und an der Snippes unsere Stellungen. Nordwestlich von Massiges nahmen wir einige befestigte Höhen. Die Gefangenenzahl ist auf mehr alSlLOOV gestiegen. Ueber dem Kampsfelde wurden gestern von neuem 36 femd- liche Flugzeuge und 2 Fesselballone abgeschossen. Leutnant Menkhoff errang sriurn 37. und 38,, Leutnant Loewrnhardt seinen 37,, Oberleutnant Loerzer seinen 26,, Leut- naut Bolle feinen 22. und Bizefeldwcbel Thom seinen 21. Luft- fieg. » Der Erste Generalqnartiermeister. Ludendorff. Der öfterreichifche Bericht« Wien, 17. Juli 1918. Amtlich«ird»erlautbart: Südlich von A s i a g o vermochten zwei englische Kompagnien vorübergehend in unsere Gräben einzudringen. Sie wurden nach kurzem Kampf zurückgeworfen. Im Brentatal brachte ein Patrouillenuntcrnehmen 36 Gefangene und zwei Maschinen- gewrhre ein. Die Berlnste des FeindcS in den letzten Kämpfen auf dem S o l a r o l o erweisen sich als außerordentlich schwer. Jn schmalem Frontabschnitt wurden über 506 italienische Leichen gezählt. Jn Albanien ist die Lage unverändert. Der Chef des GeneralstabeS. erster Hand über die Auffassungen der deutschen Sozialdemokraten überbringen können— eine Sache von der allergrößten Bedeutung! Aber gerade darum, weil er r i ch- ti g e Informationen hatte, ward ihm zu kommen nicht erlaubt. Die Meinungen der deutschen Sozialdemokraten müssen erst den offiziellen Filtrierapparat passieren, bevor sie uns erreichen. Nichtsdestow«irigcr find wir offiziell immer noch ein sich selbstregierendes Volk, das für Freiheit und Sslbstbestünmung kämpft gegen Autokratie und Offizialität. Damit ist eine allgemeine Wahrheit sehr treffend aus- gesprochen. Wer die Völker durch offizielle Filtrierapparate und Gewaltmatznahmsn am freien Austausch der Meinungen hindert, lügt, wenn er behauptet, er kämpfe für Freiheit und dauernden Völkerfrieden. die Nationalisierung öer russischen Znöustrie. Von A. Grigorjanz. Unser russischer Mitarbeiter wendet sich in den folgende,»' Ausführungen gegen unfern Leitaufsatz vom 16, Juli. Wir geben ihm, einem überzeugten Sozialisten, gern da? Wort, um seine den unseren entgegengesetzten Auffassungen darzulegen. Red. d.„Vorw.". Ein neues Dekret der Moskauer„Volkskommissare", �da- tiert voni 28. Juni, ordnet an, daß eine große Reihe von Jn- dustriebetrieben in das Eigentum des Staates übergehen. Be- troffen davon sind alle Industriezweige, innerhalb dieser � in- dessen fast ausschließlich Gesellschaften auf Aktien und Anteilen, die größere Kapitalien besitzen. Die Betriebsleitungen sind angewiesen, die Arbeit der„nationalisierten" Unternehmungen fortzuführen, sie wie früher zu finanzieren und sind weiter be- rechtigt, die Gewinne an sich zu nehmen. Bis auf weiteres befinden sich die Unternehmungen, strie das Dekret bestimmt, in jt nentgeltlicher Pachtnutzung ihrer alten Besitzer. Der„Vorwärts" vom 16. Juli widmet dieser Per- ordnung einen Leitartikel und feiert darin den angeblich aus- gesprochenen sozialistischen Charakter des neuen Dekrets. Dieser Auffassung muß meines Erachtens unbeoalgt entgegengetreten werden. So wenig wie der Sozialismus überhaupt mit allem, was jetzt in Rußland geschieht, zu tun hat, ist auch die neue Maßnahme vom sozialistischen Geist berührt. Fürs erste taucht die Frage auf: was bedeutet die Nationalisierung? Es ist merkwürdig, daß diese früher in vulgärwissenschaftlicher Sprache gebräuchliche Bezeichnung von derjenigen Partei ins Politische übernommen worden ist, die alles Nationale mit Füßen tritt und für die die reine Partei- diktatur über allem anderen steht. Ist die proklamierte Na- tionalisierung etwa die marxistische Vergesellschaftung der Pro- duktionsmittel mit dem Ziele, die Ausbeutung der Arbester- schaff und die Produktion von Mehrwert ans der Welt zu schaffen? Ist sie bloß eine Verstaatlichung einer Anzahl von Industriezweigen und Betrieben, was lediglich eine Erweite- rung der Staatswirtschaft bedeutet, mit der Vergesellschaftimg aber im obigen Sinne nichts zu tun haben würde? Ist sie viel- leicht nichts anderes als die Einführung von Staatsmonopolen? Aus dem eingangs wiedergegebenen Inhalt des Dekrets ist zu sehen, daß die„N ationalisierung" eher eine Ver- staatlichung einer großen Anzahl von Betrieben und einer An- zahl von ganzen Industriezweigen(z. B. Platin-, Gummi- industrie usw.) darstellt, daß dadurch lediglich die Staatswirt- schast im Prinzip enorm erweitert würde. Im Prinzip— das muß betont werden, denn das Dekret überläßt es den bis- herigen Besitzern, ihre Fabriken nach wie fort zu finanzieren, weiterzuführen und die Einnahmen einzustecken, d. h. den Mehr- wert zu erzeugen. Das alles— im Prinzip! Jn Wirklichkeit aber gibt es ja in Rußland keinen einheitlichen Staatswillen und noch weniger eine bestimmte Wirtschaftspolitik. Wer das Gegenteil bc- haupten wollte, würde nur zeigen, daß er sich durch die Dekrete, — die ins Deutsche übersetzt, in sprachlicher Hinsicht, viel ge- Winnen—, blenden läßt. Der erwähnte„Vorwärts"-Arffkel beruft sich darauf,, daß das Nationalisierungsdekret eine Abkehr von der früheren Politik der Bolschewiki bedeutet, die ihre Stütze in der Allmacht der A r b e i t e r a n s s ch ii s s e hatte. Diese.Annahme ist falsch. Die sogenannte Arbeiter- kontrolle bleibt bestehen und wie sollte es denn anders sein, angesichts der Tatsache, daß die Arbeiterausschüsse bei aller Fragwürdigkeit ihrer Legitimation den Bolschewiki die ein- zige Berechtigung liefern, sich noch„die Regierung der Arbeiter" zu nennen! Um sozialistische wirtschaftliche Maßnahmen durchführen zu können, ist vor allem notwendig, daß sich die vollziehende Ge- Walt auf geschulte Arbeiter Massen stützt, die selbst Träger der neuen Wirtschaft sein müssen. Nur Ignoranten können behaupten, daß die russischen Arboitermastcn imstande sind, die hier angedeutete Aufgabe zu vollbringen. Ihre ge- werkschaftliche Schulung ist— und das ist der springende Punkt — minimal. Die Bolschewiki selbst haben die nacki der Re- volntion entstandenen und erstarkenden gewerkschaftlichen Or- ganisationen stets in den Hintergrund gedrückt und die Arbeiter- ausschüsse zu ihrem Werkzeug zu machen gesucht. Nach dem bolschewistischen Putsch gerieten die Gewerkschaften vollends in Mißgunst, und so kam ös vor, daß das Petersburger GeWerk- schastskartell mit etwa zweimonatiger Unterbrechung sich ver- sammelte. Und wozu eigentlich die Gewerkschaften, wenn der „Sozialismus" selbst da ist und durch so berufene Berkündcr wie die Rotgardisten mit Maschinengewehren zu der Oeffent- lichkeit spricht? So ist es zu erklären, daß die Fabriken in Hände der am wenigsten berufenen Elemente gerieten. Dem, was durch den Gang der Ereignisse noch nicht ganz totgeschlagen war, gab die tolle Wirtschaft der UNhäiWgen bolschewistischen Behörden den Rest. Die ganze Industrie ist lahmgelegt. In Petersburg arbeiten nur wenige Fabriken und auch die nur zum Teil. Nicht besser ist es' in Moskau und im Moskauer Tertilrayon. Dann bleibt noch die Uralindustrie die ebenfalls fast ganz stillsteht. Man darf wicht vergessen, daß die Haupt- sitze der ruffischen Industrie(Donezbecken, Russisch-Polen, bal- tische Provinzen usm.) airsterharb des Machtbereiches der Bol- schswrki liegen. Und wenn ongunommen wird, daß die gegen- wartige Urbeit der Jridustrie. die in dem Machtbereiche der Sowjetregierrmg noch übrig bleibt, 10 Pro z. der Frie- d e« S l e i st u ng S f ä h i g k e i t erreicht, so ist das eher zu hoch als niedrig gegriffen! Diese Arbeit kann dazu noch nur dadurch einigermaßen aufrechterhalten werden, daß die Betriebsmittel staatlich zur Verfügung gestellt werden. Diese Subventionen erreichen eine schwrndelhafte Höhe und über- treffen die eigenen Kapitalien der Fabriken sehr oft um das Mehrfache. Um nicht Unbesviesenes zu behaupten, erwähne ich einige Beispiele. Es wurden im Momst März allein u. o. Subventionen an folgende Textilfabriken des Moskauer Rayons verteilt: Tertilmamifaktur in Jwanowo-Wosnossensk 10 Mill. RiwcU I. S. Tsenkofs 2 Mill.; Starogorkinskische Manusaktur 3 Mill.,' Golutwinsiische Manufaktur in Moskau l�t Mill.: Franz Rabeneck II Mill.: Kostromaer Leinenmann- saktnr 1,5 Mill.: Alexander Schterbakow u. Söhne 1,5 Mill. Rubel usw. usw. usw. Einen solchen Z e r f a l l d e r I n d u st r i e hat die Welt noch nicht gesehen. Angesichts dieser Tatsache mutet es wie Hohn au, wenn in idem Dekret von einer„Finanzierung" ge- sprochsn wird. Die Fabriken sind längst nicht mehr in der Lage, sich zu halten, sie sind schon seit langem faktisch„natio- nalisiert" in demVN Toten und Verwundeten erkaufte und was 39 seiner besten Divisionen in der zweiten Aprilhälfte 1917 mit Opfern errangen, die dem damaligen Oberbefehlshaber Nivclle den Namen B l u t- s ä u f c r eintrugen, das alles gab er fast kampflos an einem ein- zigc» Tage auf. Der Kern der buntgemischten Vcrbandshcere räumt das Schlachtfeld vor dem(Ncgner. Eindringlicher kann das Anerkenntnis deutscher Waffenüberlegonhcit nicht sein. An der Marne konnte selbst zährstrr Widerstand drn Ncbcr- gang der deutschen Sturmtruppen über den mächtigen Flutz nicht Iiindern. Der breite Strom, dcr auf srincm Siidufcr meisterhaft eingegrabene Feind bildeten kein unüberwindliches Hindernis für den drutschcn Angriffswillcn. In ungestümem Vorwärtsdrängcn nahmen die Truppen der Armee v. Bochn ihrem Gegner allein hier mehr als 8999 Gefangene ab. Weiter wird gemeldet: Ter Angriff des 1o. Juli hat den Franzosen da? gesamte erste S t e l l u n g s s h st r m in der Champagne, von dem Zirrgmassiv der Keilhälie und des.Hochberges bis in die Gegend bon Tahnre gekostet. Die Witterung war ungünstig. Trotzdem wurden die französischen Batterien so vollkommen niedergekämpft, daß die deutsche Infanterie mit geringen Verlusten die erste Stellung nahm. Der Widerstand dcr Franzosen war überall rasch gebrochen. Tic französischen Stützpunkte wurden eben- falls schnell gefasit. To dicht auf folgten die Deutschen dem Feuer, das, sie die Stollcnausgängc besetzten, ehe die Franzosen heraus konnten. Ohne Widerstand zu versuchen, ließen sich Hunderte ge- fangen nehmen. Bereits am Mittag hatten die Deutschen sich in dem gewonnenen Gelände eingerichtet und sichere Verbindungen nach rückwärts durch das Trichterfeld geschaffen. Der ltebergang über die Marne. Berlin, 17. Juli.(W. T. B.) Fast überall gelang daS Ueberfetzcn auf Pontons ohne Störung. In den frühen Morgen- stunden wurde D o r m a n s erstürmt und gleich diesem Ort fielen trotz heftigster Gegenwehr die Marnedörfcr Rcuillp, Sanvigny, Courthiezy, Soill», Chavenah, Bafsh, Bonquigny und Trais?». In hartnäckigem Ringen mit dem tapfer sich wehrenden Feinde wurde in einem Anlauf der Höhenkamm erstritten und kämpfend da? Vordringen gegen Süden und Osten fortgesetzt. B r- r e iT? um die Mittags stunde war ein großer Brückenkopf geschaffen, Marcui!-lc Port genommen, nordöstlich an- schließend das a»f einem Bcrgkegel liegende Cbatillon-sur- Marnt umkreist und bald daronf zu Fall gebracht. Die Gr- fangencn äußern sich sehr niedergedrückt. Einige von ihnen geben an, daß seit acht Tagen täglich ein Angriff erwartet sei. Ave Vor- Französischer Heeresbericht v o m l 5. I u l i. abends. iBerspätet eingetroffen.) Der om Morgen bei Reims losgebrochene deutsche Angriff wurde den ganzen Tag über mil gleicher Heftigkeit fortgeietzt. Westlich von Reims wurden erbitterte Kämpfe in der Gegend Reuilly— Courthiezy— Vaffy südlich von der Marne geliefert. Es ge- lang dem Feinde, den Fluh an einigen Punkten zwischen F o s s o y und D o r m a n s zu ü b e r s ch r e i t e n. Ein von amerikanischen Truppen lebbaft geführter Gegenangriff vermochte Teile des Feindes, welche das Ufer südwestlich von Fossoy erreicht hatten, auf das Nord- ufer zurückzuwerfen. Zwischen D o r- m a n s ii n d ReimS leisten französische nnd. italienische Truppen auf der Front CSatillon-sur- Marne— Cuchcry—Narfaux — Bouilly noch hartnäckigen Widerstands O e st l i ch von Reims ist der feind- liche Angriff, der sich von Sillcry bis Main-de-Massiges erstreckte, auf unwiderstehlichen Widerstand gesiotzen. Der Feind hat feine Anftrengimgen in der Richtung auf P r u n a y lind Les Marguises in der Gegend nördlich von ProSnes und S o u a i n verstärkt, konnte aber trotz wiederholter Angriffe unsere Kampsstellung nicht erschüttern. Französischer Heeresbericht vom 1 9. I i« l i nachmittags. sVer- zögerung infolge Unterbrechung der tele- graphischen Verbindung mit Paris.) Die Schlacht dauerte gegen Ende des gestrigen Nachmittags und abends mit verdoppelter Heftiaicit an. Zwischen Chatcau-Thicrry und Reims erhöhte der Feind seine Anstreiiguiigen, um seine Vorteile auszubauen, und unter- iwhm wütende Angriffe. Die Kämpfe waren besonders südlich der Marne in der Gegend von Eljatillon erbittert. Die französischen und amerika- ni scheu Truppen hielten sich prächtig. Der Feind machte wiederholte kräftige Gegen- angriffe. � Südlich der Marne vermochten die Deutschen die Linie Saint Aguan— La Chapellc— Moni Landon— Südrand des Waldes von Bouquigny nicht zu überschreiten. Die Franzosen machten in dieser Gegend etwa kausend Gefangene. Mareuil-le Port wird von den Franzosen gehalten. Nördlich der Nkarne hielten die Fran- zosen den Feind auf vom Südrande von Chatillon bis zum Südost- rande des Waldes von Rodmnat. Auf der übrigen Linie kein be- merkcnÄvcrtcr Wechsel. Im Verlauf der Nacht unternahmen die Deutschen keinen Angrifssversuch. Auf der Front östlich Reims konnten die durch den gestrigen fruchtlosen Kampf erschöpften Deut- scheu die französische Deckungszone in der Linie Prnnh— Südrand des Waldes nördlich der R ömerstraße nicht überschreiten. Die Kampfstellung wurde nirgends angegriffen. Nack» den� Aussagen der Gefangenen sind die deutschen Verluste am ersten Schlachttage außerordentlich hoch. Französischer Heeresbericht vom 16. Juli abends. Im Verlaufe des 16. machten die Deutscken, die ihren gestern abend von uns gebrochenen allgemeinen Angriff nicht hatten wieder aufnehmen können, heftige Versuche zur Erweite- rung ihrer örtlichen Erfolge. Am Morgen und Nach- mittag war die Schlacht besonders südlich der Marne erbittert. Feindliche Streitkräfte versuchten, den Flußlauf aufwärts zu gehen, unsere Truppen erschwerten das Vorgeben, machten dem Feinde den Boden Schritt um Schritt streitig und hielten ihn auf der Linie N e u i l l y— L euvrfgny fest. Unsererseits haben wir Gegenangriffe auf der Front St. Agnan— Chapelle— Monthion unternommen. Unsere Truppen nahmen zwei Ort- schaften und legten ihre Linien wieder auf die das Marnetal be- herrschenden Höhen. In der Gegend von Bourdonnerie und Clos— Ski ton, zwischen Marne und Reims, haben französische und englische Truppen verschiedene AngriffSvcrsuchc ab. gewiesen und ihre Stellungen gehalten. O c st l i ch Reims haben die Deutschen heute früh wieder heftige Artillerie- Vorbereitungen eingeleitet, denen an verschiedenen Punkten der Front Angriffe folgten: Ein mächtiger Angriff in der Richtung auf Beaumont an der Besle hat nicht über Prunay hinaus ge. langen können. Im Suippes- Abschnitt scheuerten in unse- rem Feuer zwei westlich des Flusses geführte Angriffe. Nicht weniger heftig war der Kampf in den Gegenden nördlich Pros- nes und östlich Tahure, wo der Feind gleichzeitig angegriffen hat.. U eberall waren seine Angriffe vergeblich und wurden seine Sturmtruppen mit schweren Verlusten zurückgeschlagen. Nach den bei den Gefangenen aufgefundenen Befehlen bestätigt es sich, de'; der auf der Champagnefront mit 15 Divisionen in erster Linie und 19 Divisionen in der llnterstützungslinic geführte Angriff einen Fortschritt von 29 Kilometern am ersten Tage zu verwirklichen und die Marne zu erreichen versuchte. hcreitungen zu seiner Abwehr seien getroffen nnd verstärkt worden. Dir Erfolglosigkeit aller Abwchrmaßnahmcn bedrückt die Gefangenen schwerer als es ein reiner Ucberraschungserfolg vermocht hätte. Dir rechte Flnnkc von Reims � deckt das waldige Berggeländc von Nanroh— MoronvillierS, das von einzelnen kahlen, im Anfang des Krieges weltbekannt gewordenen Gipfel» Cornillct, Höchberg, Keilbcrg, Pöhlberg, Fichteibcrg über- ragt, einen festungsartigen Stützpunkt bietet. Hier hatte sich 1917 N i V c l 1 c s Frühlingsoffensive totgelaufen. Immerhin war eS um den Preis ungeheurer Verluste der feindlichen Heber- macht gelungen, nach wochenlangcn hin- und hcrtobendcn Kämpfen vom 17. bis 39. April 1917 sich in den Besitz der belimschende» Berggipfel zu setzen. Diese Höhen gestatteten den Franzosen eine dauernde Beobachtung dcr Vorgänge bis weit in unser Hinterge- lande. Außerdem übte der Gegner von den Eckpfeilern der S t c l l» n g, dem M o n t E o r n i l l c t und dem F i ch t« l b e r g, ständig eine überaus lästige flankicrende Wirkung a» unsere Linien am Langen Rücken und bei Baudcsincourt aus. Zur Lcrteidigling ist dieses ganze Gelände, mit seinen zahlreichen, muldenartigen Wellen, durchsetzt bo» vereinzelten Waldstücken und überragt von vorzüglichen Veobachtungspunkten, schon von Natur besonders ge- eignet Ucberall findet dcr Verteidiger Deckung gegen de» Angreiser, dcr über freies Schußfeld anlaufen muß Dieser taktischen Beden- lung entsprechend ist das ganze Bergmaffiv von de,, Franzosen in mehr als einjähriger Arbeit aufs stärkste ausgcliaut worden. Trotz dieser Schwierigkeiten ist den angesetzten Truppen dir Erstürmung dcr Höhen im ersten Anlauf gelungen. Heute sieht unsere Führung von den schwammartig von Granaten durchlöcherten Höhenfämmen bis weit in den Beslegrund und hat Einblick in die Truppciibcwegungcn des Gegners im Raum der großen Lager und Magazine von Mourmelon-Le-Grand. Tie Kämpfe nördlich Beaumont sur Beste. B e r t i n, 17. Jnli. kW. T. B.) In den deutschen Ausgangs- stellnngen, die sich südwestlich Reims, hart nördlich dcr Römerstraßc, an der MagentahSbe hinziehen, staliden deutsche Truppen in dcr Frühe des 15. zum Sturm bereit. Tie Be- rcitstcllnng hatte fast ohne Verluste stattfinden können, trotzdem die feindliche Artillerie lebhaft schoß. Schwerstes Minenfeuer hatte das f e i n d l i ch c D r a h t hi n d e r n i s niedergelegt und wo die« nicht geschehen war, öffneten Pioniere den stürmenden Truppen die Gassen. Ter erste Widerstand des Feindes in den vorderen Gräben war gering. Mit Maschinengewehren jedoch verteidigte er auch einzelne Stützpunkte i» der S» m p f n i c d c r u n g d c r B c s l e und den P r o s n r s a b s a> n i t t Oestlich Wez hatten die Franzosen in dcr Voraussicht eines allgemeinen Angriffs schon lange vorher planmäßig dir Stellung bei Beaumont, süd- lich des Aisnekaiials, zur nachhaltigen Verteidigung eingerichtet, und sich tief gestaffelt aufgestellt. Dem Zusammenwirken aller Waffen mit dcr Infanterie, in- sondcrheit dcr Pioniere, sowie dem schnellen Vorkommen dcr Ve- gleitbatterien war es zu verdunten, daß die Division, von den Höhen überall vom Feinde eiiigcsehen, in die Niederung herabsteigend, den- noch Pruna» einnahm und schon um 9 Uhr vormittags eine Linie westlich Sillcry über Pruna» hinaus erreicht hatte. Am Abend war das eroberte Gelände in einer Tiefe von durch- schnittlich 3 bis 4 Kilometer fest in der Hand der Division. Die �aager �ustausthvereinbarung. Zu den Haager Verhandlungen, die nach auswärtiger Mel- dung zu sehr befriedigendem Abschluß führten, gibt Wolffs Bu- reau bekannt: Die im Haag am 14. d. M. von deutschen und britischen Delegierten unterzeichnete Vereinbarung über Kriegsgefangene und Zivilpersonen lehnt sich in der Hauptsache an die kürzlich in Bern zwischen deutschen und französischen Delegierten ge- troffenen Abmachungen an. Die Vereinbarung soll den beider- fettigen Regierungen zur Genehmigung vorgelegt werden. Diese. Genehmigung wird, wie von den deutschen Telegicns-e durch einen bei der Unterzeichnung gemachten Vorschlag aus- drücklich festgestellt worden ist, auf deutscher Seite da- von abhängen, daß die L ah e. d e r. D e u t s ch e n in China unter Mitwirkung dcr Großbritannischen Regierung eine befriedigende Regelung erfährt. Die Annahme ües Grunügesetzes der Sowjetrepublik. Beendigung des Sowjetkongresies. Nach Beendigung der Arbeiten wurde der V. Allrnsin'ch? Sowjet-Kongreß am 10. Juli geschlossen. Der vom Zentral- Exekutivkomitee gebilligte Entwurf der Verfassung wurde e i n st i m m i g angenommen. Der Kongreß nahm fol- gcnde Resolution an: „Die im Januar 1918 von dem Allrussischen Sowjct-Kon- greß bestätigte Deklaration der Rechte des arbei- tenden und ausgebeuteten Volkes bildet zusammen mit der von dem V. Sowjet-Kongreß bestätigten Konstitut tion der Sowjct-Republik das einzige Grund- g c s e h dcr-Russischen Sozialistischen Föderativen Sowjet- Republik. Dieses Grundgesetz tritt in Kraft mit dem Augenblick seiner Veröffentlichung in endgültiger Form in den„Nachrichten des Zentral-Exekutivkomitees". Es muß von allen örtlichen Organen der Sowjet-Regierung bekannt gemacht werden und in allen Instituten der Sowjets an sichtbarer Stelle ausgehängt werden. Der fünfte Kongreß beauftragt den Kommissar der Volks- aufklärung, in allen Schulen und Lehranstalten per Russischen Republik die H a u P t e l e m c n t c diesez: Kon- stitution bekanntzugeben und zu erläuter n."' Die Hegenrevolution in Rußlanü. Tie Tfchecho-Itowaken gegen Jrkntsk. London, 16. Juli. Tie„Times" erfährt aus Peking vom 13. 7.1 General Horwat hat an Generat Tiederichs, den russischen Offizier, der die Tschecho-Stowaien, seitdem diese einen Teil des russischen Heeres bilden, geführt hat. einen Sendboten gesandt. T-as Ergebnis war, daß gestern beide Offiziere eine srenndschastlichc Zusammen- tunft in Grodelovo hatten. Horwat erklärte sich bereit, den Tschechow Seilaae öes vorwärts donnsrstag, 1 S. Juli 1 H 1 S nc.1�5 ❖ ZS. Jahrgang WätSS�T�ah!LJmm�m!t3�� GroßSerüu Der KriegsgeVinnle?. Siehst du ihn. goldbekleckt und fettgeschenkelt, mit seist vor Dünkel ausgeblähtem Hals? Er hat's geschafft! und ist doch keinesfalls von des Gedankens Bläffe angekränkelt. Ein fleischern Evangelium der Satten, von des Erfolges Glorie umsonnt. steht er als Sieger in der Heimatfront. Wo Opfer fallen, mästen sich die Ratten. Paulchen. das Herline? Brot. Im Gegensatz zu früheren Veröffentlichungen über die Be- schaffenheit des in Berlin zur Herstellung und zum Verkauf ge- langenden Brotes hat der Artikel im„Vorwärts" vom 7. Juli alle jene Kreise in Bewegung gesetzt, für die er berechnet war. Neben einer grasten Anzahl zustimmender Zuschriften aus den Kreisen der Verbraucher erhielten wir auch solche von Bäckermeistern und anderen Sachverständigen. Ferner ging uns ein Schriftsatz des Berliner Magistrats zu, und im„Berl. Tagebl/r. med. l-aabs bch. schnell, gründl., mögt. schmerzlos u. ohne Berussstör. Gesehlechtskrankhelt., geheime Haut-, Harn-, Frauenioiden, Schwäche. Erprobteste Methoden Harn- und ßtutuntarsuohung. Bahnhoj Alexonderpl KöDigstr. Sil Svr. 10— lu. 5— 8, S onnt. 10— 1 Spezialarzt Dr. med. Hasche, Frisdrichstr.SO ÄÄ Behandl. vonSYPHtlis. Haut- Harn., Jrauonleiben, jpez.: chron.Fälle. Schmerzloie, kürzeste Behandlg. ohne Bernfsstörung. Biutuntersuchung. Mätz. Preise Teilzahlung. Sprechstunden 11 bis 1 und 5— 8, Sonnt. 11— 1. Deutsches IUetaüarbcIter• Verband. Verwaltungsstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, datz unser Kollege, der Schlosser Paul Hildsbrandt Schömberg, Feurigftr. 45 am 14. Juli gestorben ist. Die Beerdigung findet am Donnerstag, de» 18. Juli, nachmillags 6 Uhr, von der Leichenhalle des Paul Ger» bardllirchhoses, Hauptstratze, aus statt. Den Mitgliedern ferner zur Nachricht, datz unser Kollege, der Schmied Karl Thiel «Ärüner Weg 88 am 16. Juli gestorben ist. Die Beerdigung findet am Freitag, den 19. Juli. nach. mittags 6 Uhr, von der Leichenhalle des Garnison- Kirchhofes, Haseuheide, aus slalt. Liege Beteiligung wird er- wartet._ 115/6 Nachrufe. Den Mitgliedern serner zur Nachricht, datz unser Kollege, der Dreher Paul Schlicht R eichen berger Str. 84 am 6. Juli gestorben ist. Den Mitgliedern ferner zur Nachricht, datz unser Kollege, der Schlosser fmz Zlana Nomin�ener Str. 4 am 8. Juli gestorben ist. Ehre ihrem Andenken: Tie Ortsverwalrung. Vctband der Brauerei� und tiiiSölcnarbeiter und verwand tcr Bcrüfsgenoncn. Zahlstelle Berlin. Wir bringen den Kollegen zur Kenntnis, datz unser Mitglied, der Invalide Julius postier (zuletzt Schultheiß II) gestorben ist. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet beule DonnerSIag, den .18. Juli, nachmittags 5 Uhr, auf dem JerusalemS-Kirch- hos in Neutölln. Hermann- ftratze 84—90, statt. Um zahlreiche Beteiligung wird ersucht. 42/6 Tie Lrtsverivaltnug. a�x�-JOBATsmssiismxi. Deutscher Cranspertarbcitervcrband. Bezirksverwall. Grotz-Berlin Den Mitgliedern zur Nach- richt, datz unser Kollege, der Industriearbeiter Otto Lteiaicke am 13. Juli im Alter von 23 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenke«! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 18. Juli, nachmittags 5 Uhr, von der Leichenhalle des Thomas- Kirchhojcs, Neutölln, Her- mannstratzc, aus'statt. Um rege Beteiligung wird ersucht. 62/11 Tie Ortsverwaltung. sass! Zentral-Kranken- und Sferbckosse der deutschcnWagcnbauer (Zahlstelle AdlcrShos.) Aachruf. Am 11. Juli verstarb in einem Thorner Lazarett unser Mitglied 257/2 Lrnst 8!urm. Ehre feinem Andenken! Die OrtsvorwaltuRg. (('Allen Freunden und B:- | kannten die traurige Nach- richt, datz meine liebe Frau und unsere gute Mutter ids Paschke geb. Gohlke nach langem und schwerem Leiden am Montag, den 15. Juli, verstorben ist. Dies zeigt in lieser Trauer, um stille Teilnahme bittend an, der trauernde Gatte Leo stzranz Paschke nebst Kindern, Kopcnhagener Straße 38. Die Beerdigung findet am Freitag, den 19. Juli. nachmittags 7'/« Ubr, aus dem slädt. AnstaltS-Friedhos in Buch statt. Verband der fabrlltarbeiter veutichlandk. Verwaltung GroL-Berlin. Xachrnfe. Am Sonntag, den 7. Juli, verstarb unser Mitglied Karl Maruhn, am Mittwoch, den 10. Juli, um er Mitglied Franz Kursen. Ehre ihrem Andenken! 55/8 Ole Orlsrerwaltung. »MW Verband d. ffialcr.Cacftiercr, Mtreicber. Filiole Berlin. Den Kollegen zur Nach- richt, datz unser Mitglied, der Maler 134/11 tasnn Schneider am 14. Juli verstorben ist. Ehre seinem Audcukeu! Die Beerdigung sindet am Freitag, den 19. Juli, nachmittags 4'/� Uhr, von der Halle des Kirchhofs der Katser-Friedrich- Gedächtnis- kirche in Plötzcnsee aus statt. Die Ortsverwaltung. Am Sonnlag, den 14. 7., verstarb nach schwerem innere» Leiden der Buch» binder S4A i�iaxlleubei* im Aller von 50 Jahren. Die Beerdigung findet am Freilag, den 19. Juli, uaiffmitragS 3 Uhr, von der Halle des Andreas-Kirch- hoses. Hohenschönhausen, auS statt. Im Namen der Hinter. blicbcncn L. Hiller, Britz, Bilrgcrst.14. ljj ijn.UL.au l.vmi'supai'.am» vbcct Nachruf. Am 11. Juli verstarb im Lazarett unser licbcrKollege. der Dreher 17iA mm Feibig. Wir verlieren in ihm einen braven, pfiichttreuen Kollegen und werden sein Andenken stets in Ehren halten. Die Funktionäre von Derxmann E. W., Rosenthal. ! Fem von der Heimat ! flSMÄ starb am 8. Juli aus dem Transport nach der Heimat infolge I Verwundung'durch Granat- ! iplitter unser einziger, innig- j geliebter, herzcnsgutcrSobn. > Bruder, Schwager undNefie, j der MuStetier 53A Friiz Gafert geb. 25. 8. 99. Im größten Schmerz: Die tieidetrüdten Eltern MM Gafert nehsl Frau MsriE geb. Pawlowski neiist allen Verwandten. Berlin, Boxhagencr Str. 5/6. Schlafe wohl! VanksagunF. Für die herzliche Teilnahme bei der Bestattung meines gc> liebten Bruders, des Schlossers Paul Renner sage ich allen Verwandten, Freunden und Bekannten, be- sonders den Arbeitskollegen und -kolleginnen der Dculichen Te- Icpboriwcrkc, dem Deutschen Metallarbeiter- Verband und Herrn Günlbcr, dem Rendantcn des FeuerbeslattungsocremS, für die trostreichen Worte am Sarge des Entschlafenen meinen herz- lichsten Dank. A I-uiae Renner. SpeÄlapgf Dr. med. Keeken für Geschlechtskrankheiten, Haut-, Harn-, Frauenleiden, nervös. Schwäche, Beinkranke. Behandlung schnell, sicher u.sohmerz- los ohne Berufsstörung in Dr. Konicycr<& Co. konz-Labor. f. Blutunters., Fäden im Harn usw. FiitlrieM, athaus. Spr. 10-1 n. 6-8, Sonnt. 10-1. Honorar mäßig, a. Teilzahl. Separates Damanziwmer. z ür Aeldsoldaten! Vealsch-Poinisch. 15 Pf. Deutsch-IranzösischlSpf. Suchtzandl»»g honpötU, Vectia Nr. 1$5— 1*1$ Unterhaltungsblatt öes vorwärts Donnerstag, IS. Mi Das liebe Gut auf öer Straße. Von Dr. Johannes Klein Paul. Jeder weiß, was es mit der Redensart auf sich hat: ,�das liebe Gut liegt auf der Zrraße!" Darin handelt.es sich um etwas, das in erster Linie Mund und Magen angeht. Wir vermeiden es jetzt im allgemcineii, Nahrungsmittel mit dem Erdboden in Berührung zu bringen; unsere Ähnen küßten die Brotkrume, die ihnen der- scbentlich unter den Tisch fiel! Aber in der Urzeit lebte man„von der Erde bis in den Mund". Man saß auf der Erde! Erst im Mittelalter wurden bequemere Sitzgelegenbeiten geschaffen, zuletzt, wie es scheint, in den Kirchen; in den russischen Kirchen kennt man sie heute noch wicht. Und man aß von der Erde. Das war in der Zeit, a!s man, in Ermangelung künstlicher Trinkgefäße, auch noch cuS Schädeln trank. Und auch das tu», hier und da, die gebildet- fren Leute heute noch. So nehmen die Ostfricsen ihr Lieiblings- getränk, den Tee, aus Köpfen, tileincn, henkellosen Tassen:„Kopie Tee". Man aß jedoch auch gelegentlich die Erde selbst. Die„Leipziger Pflastersteine", eine leckere Art kleiner Pulsmtzcr Pfefferkuchen, er- wähne ich, zum Beweis dafür, nur nebenbei; denn dies gilt nicht bloß in übertragenem Sinne. Im Jahre 1617 erhielt Kurfürst Johann Georg I. von Sachsen Kunde davon:„es quelle zu Kliecken im Fürstentum Anhalt Mehl aus der Erde, und daß man dasselbe zum Backen gebrauchen solle". Um nähere Nachricht hierüber ein- zuziehen, schickte er seinen Boten an den Hauptmann zu Wittenberg mit dem Befehl,„er solle eine bcglaubte Person dahin abordnen, von dem Mehl ein Mühlmaß voll übersenden, und da man auch Brot und Kuchen davon backen solle, einen Kuchen und Brot mit überschicken". Der Bote kam zwar ohne Kuchen, aber mit einem Stück Brot und und einer Probe des angeblichen Mehls nebst einem längeren /Berichte des Hauptmanns Daniel v. Koseritz zurück, in dem es u. a. heißt:„daß anfänglich zwar ein groß Gcschrey davon gewesen, das Volk auch haufenweise von vielen Orten dahin- gelaufen,— itzo aber befinden diejenigen, so etwas geholt, daß dos Brot, so davon gebacken wird, zu essen gar untauglich, wenn sie es schon ziemlich mit anderm guten Mehl vermengen, daß es also fast nichts mehr geachtet wird". Einer späteren Mitteilung ist zu eni- nehmen, daß sich die Meblerde„nesterweise im lehmigen Sandboden am Ufer eines Sees"(des alten Elbufers) fand;„sie ist sehr leicht, fein und weiß, und wenn sie ganz rein ist, im Ansehn kaum vom feinsten Weizenmehle zu unterscheiden". Der Versuch, Brot daraus mit Mehl vermischt zu backen, ist auch später in Zeiten der Not, so im Jahre 1772, noch wiederholt gemacht worden. Auch im Mittelalter spielte sich das Leben noch großenteils in voller Oeffentlichkcit ans offener Straße und freien Plätzen ab. Erinnerungen daran haben sich bis auf den heutigen Tag erhalte». Bei Gelegenheit von Jahrmärkten und Schützenfesten breiten viele Händler immer noch ihre Kramware„auf ebener Erde" aus; früher schlachtete man allgemein außen, bor den Häusern, heutzutage wird bei großen Volksfesten immer noch unter freiem Himmel gekocht, gebacken, gebraten und gegessen. In der„guten alten Zeit" wurden bei festlichen Anlässen ganze Ochsen im Freien gebraten und dann an die zusammengeströmte Menge ausgeteilt, auch ließ man dazu roten und„blanken" Wem springen, Goethe schildert uns in„Wahr- heit und Dichtung" in seiner Beschreibung einer Kaiserkrönung mit anschaulicher Ausführlichkeit, wie es dabei zuging. Wie zuerst der Erbtruchseß mit einer silbernen Schüssel durch die Schranken bis zu der großen, auf dem Römevbcrge zu Frankfurt a. M. errichteten ..Bretterkstchc" ritt und ein Stück von dem gebratenen Ochsen zu holen kam. Wie darauf der Erbschatzmeister, ebenfalls hoch zu Roß, aus großen Beuteln Gold- und Silbermünzen rechts und links frei- gebig ausstreute, wie aber doch zuletzt das eigentliche Volk anschei- nend wenig von dem saftigen Broten abbekam, da sich die Metzger und die Weinschrötcr— alter Gewohnheit gemäß— darum bälgten. In andern Fällen, bei bürgerlichen Festschmäuscn, zu denen * man nicht„Jan und alle Plann" zu Gaste laden konnte, sollte bat Volk doch wenigstens seine„Augenweide" haben. Da wurden„Schau- geeichte" herumgetragen und es war dafür gesorgt, daß jedermann sie sehen konnte. So trugen in Zittau die„Fleischerknechtc" im Jahre 1726 eine 62S Ellen lange Wurst durch die ganze Stadt, hinterher einen rechten Freudenschmaus. Ausführlicheres über eine solche Veranstaltung erfahren wir aus Königsberg, wo die'Fleischer schon im Jahre 1558 eine 198, und im Jahre 1583 eine 596 Ellen lange Wurst gemacht hatten, die sie ebenfalls in festlichem Aufzuge herumiührten. Die letztere wog ganze 434 Pfund; nicht weniger als 36 Schinken waren in sie hincingehackt, und 91 Mann mußten sie tragen. Der Erste und Letzte schlangen sich die Enden ein paarmal um den Hals, so daß noch ein Stück auf den Rücken herunterhing, die übrigen trugen sie aus ihren Schultern; so ging es im Gleich- tritt aus das Schloß des Markgrafen. Dort verzehrten die Fleischer die Wurst— in Gesellschaft der Bäcker. Denn die Königsbergcr Bäcker hatten gleichzeitig fünf große Striezel gebacken, die sich eben- falls sehen lassen konnten; in jeden buken sie drei Scheffel Weizen- mchl. Diese Striezel wurden nachmals so berühmt, daß heute noch die Leute in Ostpreußen sagen, wenn es mit ihren Christstollen zu Ende geht: ja, so groß wie der Königsberger Striezel kann unser Striezel nicht sein! Die Memeler Stadtchronik erzählt aber auch eine launige Ge- schichte, daß man dort einmal einem feindlichen Heer trotzte, indem man ibm einen großen litauischen Quarkkäse vor die Füße warf. Damals stand König Erik von Schweden vor der Stadt, und da er sie nicht erobern konnte, wollte er sie aushungern. Tatsächlich gingen der Besatzung nach und nach alle ihre Lebensmittel ans; zuletzt hatten sie nur einen einzigen„Glomssack". Da warfen sie den kurz entschlossen über die Mauer, woraus die Belagerer den Schluß zogen, daß sie immer noch ui rechtem Uebcrfluß lebten, und dcs- balb rückten sie wieder ab. So war Mcmel befreit. Zur bleibenden Erinnerung daran wurde später der„Glomssack" in Kanonengut gegossen und diente dann jahrbundertelang an derselben Stelle als Gegengewicht beim Ocsfnen und Schließen der Zugbrücke zum Schloß. Was dem Norden recht ist, ist dcm Süden billig. Vielleicht aus ähnlichem Anlaß hingen die Wiener an ihrem Roten Turme— der im Jabre 1781 abgebrochen wurde, so daß jetzt nur noch der Name der„Roteturmgasse" an ihn erinnert— einen Schinken auf. Der Volkswitz hat sich später die Sache anders ausgelegt, wie der da- neben angeschriebene Reim bekundete: Befind't sich irgend hier ein Mann, Der mit der Wahrheit sprechen kann, Daß ihn seine Heirat nicht gerauen, Und fürchisi sich nicht vor seiner Frauen, Der mag diesen Backen herunterhauen. Der Schinken blieb unangerührt hängen, bis er nicht mehr be- gchrenswert war. Tann wurde er aber gleichfalls durch eine natur- gefteuc Nachbildung— in Holz mit verlockender Bcmalung— ersetzt, und nun war außerdem dabei zu lesen: Welche Frau ihren Mann oft rauft und schlagt, Und ihn mit solchen kalten Laugen zwagt, Der soll den Backen lassen henken, Ihm ist ein anderer Kirchtag zu schenken. Gute alte Zeit, in der man Wein und saftigen Braten, duftige Würste und Christstollen, Käse und Schinken— oder das nötige Kleingeld, um sich alles zu kaufen,„was das Herz sich wünscht und der Sinn begehrt".— von der Straße auflesen konnte, wo bist du geblieben!? Und du spätere, in der man sich vor mit Leckerbissen aller Art gefüllten Schaufenstern„satt sehen" konnte, kehrst du uns wieder? Die Murmanküsie. Die Murmanküste ist unter den am Eismeer liegenden Gebieten Rußlands sicher das Wichtigste. Im Norden der Halbinsel Kola gelegen, bildet sie, wie Kola überhaupt, geographisch eine Fort- setzung Skandinaviens und auch die Art ihrer Besiedelung läßt dies erkenne». Die„Nurman-", d. h.„Normannenküste", bieß sie nr- sprünglich, und Norweger, Finnen und Russen bilden ihre Bevölke- rung. Was zuerst die Menschen veranlaßte, sich an dieser unwirt- lichen Küste.niederzulassen und zugleich das, waZ ihr, von rein politischen Momenten abgesehen, auch jetzt noch eine besonders Bedeutung der- leiht, ist der außerordentliche Fischreichtum des Eismeeres in diesem Gebiet. Neben Heringen, Dorschen, Schollen und anderen Fischen ist eS in erster Linie der Kabeljau, den man hier fängt, und wenn die Murmantüste fchzir heute die Hauptquelle für die der russischen Bevölkerung unbedingt nötigen Klippfische und Stockfische ist, so kann sie bei einem planmäßig organisierten Fang in noch viel höherem Maße als bisbcr eine geradezu unermeßliche Ausbeute bringen. Im Frühjahr strömen die Fischer hier zusammen. Ellva 1V Millionen Stück allein des Kabeljau werden jährlich an der Murmanküste erbeutet. Leider ist alles in den Händen von Unter- nehmern, die nicht nur für Unterkunst, Nahrung usw. der über, den Sommer hier weilenden Fischer ivgeir, sondern denen ouch Boote, Netze und was sonst nötig ist, gehört. Sie verleihen alles und heimsen auch schließlich den hauptsächlichsten Profit ein. Die vielen Tausende von Fischern stammen aus Norwegen und Rußland und müssen schon Mitte August— spätestens— wieder abziehen. Man hat in Nußland seit einigen Jahrzehnten daran gearbeitet, die Aus- nützung des gewaltigen Fischreichlunis auf einer gesünderen Basis zu organisieren und der Ausbeulung der Fischer durch die gewissen» losen„Faktoristen" möglichst zu steuern. Neben dieser rein durch das Problem der Volkscrnährung gc- botenen Aufmerksamkeit auf die Murmanküste drängte sich aber mehr und mehr das politisch- Interesse in den Vordergrund. Die Möglichkeit, hier eisfreie Häfen zu gründen, lenkte schon vor zwei Jahrhunderten den Blick auf das öde Küstengebiet. Nowgoroder Seefahrer hatten zu Anfang des 11. Jahrhunderts die kleine Stadt Kola gegründet, die 1559 als. Verbau nungsort für Verbrecher bc- stimmt wurde und aus der Peter I. einen befestigten Kriegshafen machte. Die Bedeutung de? OrtcZ, der tief am inneren Ende der Kolabucht liegt, für die russische Weltmachtstellung wurde von jeher auch im Ausland erkannt, und eS ist bezeichnend, daß die Engländer schon zweimal, 1899 und 1854, Kola bombardierten, ohne sich aber dann dauernd festzusetzen. Katharinenhafen am Ausgang der Kola- bucht— von Katharina 1780 begründet— war ursprünglich als Mittelpunkt für die Besiedelung gedacht, gewann aber diese Be- deutung erst, als die russische Regierung vor nunmehr 29 Jahren daranging, die Stadt und vor allem den Hafen ziclhcwußt auszu» bauen, Freilich ist dort Nun nexh alles im Werden, aber gerevde die gegenwärtige Lage Rußlands ist ganz dazu angetan, der Murman- küite eine erhöhte Bedeutung zu verleihen. Ihre besonders günstigen .klimatischen Verhältnisse haben zur Folge, daß die Küste während des Winters zum Teil ganz eisfrei, teilweise aber doch nur so wenig vereist ist, daß die Schiffahrt das ganze Jahr hindurch aufrecht- erhalten werden kann.__> Weibliche Titelsucht. In der Frauenbeilage der„Köln. Zig." lesen wir: Die Weib- liche Titelsucht lebt nicht nur in Süddcutschland, wo die Frau Land- krankenkassenkontrolleur, die Frau Steuereinnehmer und Anna Patzlbuber, Metzgermeistcrstochter wie Uebcrblcibsel aus der Reif- rockzeit anmuten. Auch bei uns blübt und gcdeibt die weibliche Titelsucht. Es ist z. B. heute gar nicht selten, daß Frauen sich den militärischen Rang ihre? Gatten, beilegen, den jener, der nie oitiv war, sich im Felde erworben hat. Oder, wie es in einer Eingabe von Frauen städtischer Schuldiener an den Magistrat hieß, als jene in Anerkennung ihrer zwölfjährigen Dienstzeit mit in die Anwärter- schaft auf. den Rang des Offs zic r stellve rtre ters einbezogen würden, daß die Stadt ihnen, den Frauen Zulagen gewähren möge, damit sie dem„Rang ihres Mannes, entsprechend standesgemäß auftreten" könnten. Vielleicht lag es nur au dem� abschlägigen Bescheid, daß sie sieb nicht auch„Frau Offizierstellvertretcr" zu nennen begannen. Sie hätten es mit demselben Recht tun können, wie es die Frau Lberpostinspektor, die Frau Geheimer Oberregicrungsrat„ die Frau Professor, die Frau Aktuar, Frau Assessor und Frau Baurat, Frau Oberpostsekrckär, Frau Rcchnnngsrot, Frau Studienrat und Frau Doktor für richtig erachten, sich mit dem Titel ihres Mannes zu schmücken, den er sich durch seine Einstellung in eine Bcrufskatcgorie oder gar in Verfolg persönlicher Leistungen erworben l�it. Die Titulatur ist im Grunde als die Frau �„des".Oberpostinspektors, die Frau des Professor?, des Aktuars Soundso gedacht. Das aber widerspricht doch eigentlich sehr dcm sonstigen Streben nach„Recht auf Individualität", dcm Streben, sich selber und nicht als„Frau ihres Mannes" Geltung zu verschaffen. Unsere gesellschaftlichen Gepflogenheiten schätzen den Menschen nicht nach seinen persönlichen Eigenschaften ein. Der Kastcruzcist besteht hartnäckig auf dem An?-. hängeschild von Amt und Würden. Wen stimmte das Bild nicht heiter, das uns die Damen eines(großstädtischen!) Gyinnasialkollc- gium? bieten, wie sie, nach Titel und /Dienstalter des Gatten abgestuft, mit der Nadelarbeit beim Kaffeeklatsch sitzen?... Notizen. — Die Roscggcr-Gedächtnisfcier des Schutzver- bandes Deutscher Schriftsteller findet Sonnabend, abends 8 Uhr, im Meistersaal(Köthener Str. 38) statt. Auf eine Gedenkrede werde» Vorlesungen charakteristischer Proben aus Roscggers Werken und Gcsangsvorträge folgen. Bernhard Bötel, Elsa Wagner und Her- mann Kienzl wirken mit. ,— Neue Denkmäler i n Rußland. Infolge Wer- ordnung des Kommissars des Unterrichtswesens werden in Petrograd und Moskau, sowie in einer Reihe anderer Städte, den früheren großen Revolutionären und literarischen Berühmtheiten Rußlands und Europas Denkmäler errichtet werden.(Gibt es keine bpsscre Form der Ehrung— als Denkmäler?) 39] £o9j. Das gelobte Lanö. Roman von W. St. R e y m o n t. vra. „Ich komme sofort. Auf Wiedersehen!" rief Borowiecki wütend ins Telephon. Lucy bat ihn, er möchte sofort nach Milsch in den Wald kommen, sie hätte ein furchtbar wichtiges Anliegen. „Jetzt noch da raus zu fahren? verrückt ist sie, weiß Gott," sagte er wütend. Seit sechs Uhr saß er schon im Kontor, hatte keinen Augenblick freie Zeit. In der Fabrik mußte er den Druck . von neuen Mustern überwachen, er mußte ins Zcntralbureau fahren, wegen Mißbräncyen, die Buchholz im Hauptmagazin aufgedeckt hatte, er lief herum, schrieb, gab tausend Aufträge, tausend Sachen wirbelten ihm durchs Gehirn, tausend Leute warteten auf seine Dispositionen, die Maschinen warteten auf Befehle; er stritt mit Buchholz, war nervös, weil er seit mehreren Tagen das Telegranim von Motttz erwartete, wie es mit der Baumwolle stehe, war ermüdet von der Arbeit, von dem täglichen furchtbaren Joch, das er als Vertreter Knolls sich aufgeladen hatte, betäubt von dem Umfang und der Menge der Geschäfte, die er durchführen mußte,— und da verlangte diese verrückte Frau, er solle sich mit ihr hinter der Stadt treffen. Er regte sich immer mehr auf. Heute hatte er nicht einmal Zeit, seinen Tee auszutrinken, weil Buchholz sich trotz seiner Krankheit. ins Kontor hatte herübcrtragen lassen und sich in alles hineinmischte, alle an- schrie und nur Schrecken um sich verbreitete und Verwirrung unter den Beamten hervorrief. „Herr Borowiecki," rief er, mit den umwickelten Beinen im Fauieuil sitzend, eine ausgewetzte Pelzmütze auf dem Kopfe und den Stock über den Knien.„Telephonicrcn Sie zu Marx, man solle Millner in Warschau nicht für einen Rubel Ware liefern. Er hatte Kredit bei uns und ist schon zu viel schuldig, und da Hab' ich grad' ein Auskunft über ihn, daß er sich der Pleite rapid nähert." Borowieciki telephonierte hin und prüfte dann einige riesige Ziffernreihen. „Herr Horn! Lassen Sie die Fracht kommen, da ist ein Versehen, die Bahn hat zu viel berechnet. Sie müssen da nach einem anderen Tarif gerechnet haben," rief er zu Horn. der schon seit einigen Tagen, auf Buchholz' Wunsch, aus dem Nebenkontor der Druckerei in sein Privatkontor versetzt worden war. Ganz blaß, mit vor Müdigkeit und Schlaflosigkeit ge- röteten Augen, rechnete Horn'mechanisch, irrte sich fortwährend und konnte sich nicht konzentrieren. Die Ziffern- reihen tanzten ihm vor den Augen, wie aufgewirbelter Ruß. Er gähnte fortivährend und schaute mit gelangwcilten Blicken auf die Uhr; sehnsüchtig erwartete er die Mittagspause. „Dem Weib, das Sie protegieren, sollen zweihundert Rubel ausgezahlt werden, und sie soll sich totsaufen. Sie ist zusammen mit ihrer Brut nicht fünfzig wert!" „Hat die juristische Abteilung also die Sache erledigt?" „Ja, sie soll das vor der Behörde quittieren. Bauer, sorge sür die Erledigung, das soll mal ein Ende haben, sonst wird noch jemand das Weib bereden, daß sie uns vcr- klagt." Horn senkte den Kopf tiefer, um ein bösartiges, triumphierendes Lächeln zu verdecken. „Haben der Herr Rat seinen Wagen zu Hause?" „Brauchen Sie ihn? Nehmen Sie ihn nur� nehmen Sic, so oft Sie ihn brauchen. Ich iverde gleich den Stall anrufen, Pudel, rück' mich an." rief er zum Lakai, der den Stuhl ans Fabrikstelephon schob. „Den Stall!" schrie er, heftig läutend.„Gleich vor- fahren. So oft Herr Borowiecki den Wagen verlangt— vorfahren! Buchholz spricht. Pudel!" schrie er der Telephonistin zu, die fragte, wer spreche. Der Lakai schob ihn wieder an den Schreibtisch und stellte sich nehmen ihn. „Horn, setzen Sie sich neben mich, ich werde diktieren. Rascher, bitte, wenn ich zu Ihnen spreche," schrie er wütend. Horn biß die Lippen zusammen, setzte sich hin und schrieb nach dem Diktat, das ihm Buchholz rasch hinwarf; nebenher erledigte er noch andere Sachen und ab und zu schrie er: „Schlafen Sie nicht! Fürs Schlafen� zahle ich Ihnen nicht;" er klopfte mit dem Stock auf den Boden. Horn regte das so auf, und übrigens war er heute so nervös, daß er sich nur mit Mühe beherrschen konnte; es kochte in ihm. Das Telephon klingelte. „Baron Oskar Meyer frägt an, ob er den Herrn Rat in einer halben Stunde antrifft." „Herr Borowiecki, sagen Sie ihm, daß ich niemand empfange. Ich liege zu Bett." Karl richtete es sofort aus und hörte weiter zu. „Was will er denn noch?" '„Er hätte ein wichtiges, persönliches Anliegen. „Ich empfange nicht!" schrie Buchholz.„Baron Oskar Meyer kann ein wichtiges Anliegen an meinen Hund, aber nicht an mich haben, Pudel! Bauer!" brummte er, weiter diktierende Meyer konnte er nämlich nicht ausstehen und spottete-in Lodz über seinen Barontitel, den er, sein früherer Weber und heute großer Wollwarcnfabrikant und Millionär, sich irgendwo gekauft hatte. „Beeilen Sic sich!" rief er wütend zu Horn. „Mit beiden Händen kann ich doch nicht schreiben." „Was heißt das „Ich kann nicht rascher schreiben als ich schreibe." Buchholz diktierte weiter und etwas langsamer, weil Horn wie aus Trotz furchtbar langsam schrieb und immer mehr die Brauen ärgerlich zusammenzog. Im Kontor wurde es still. Borowiecki stand im lleberzieher schon am Fenster irnd wartete ungeduldig auf den Wagen. Die Beamten arbeiteten fieberhaft, die Gesichter an die Pulte gefesselt. Sie wagten nicht laut zu atmen oder ein Wort miteinander zu wechseln, weil Buchholz anwesend war, der allen Schrecken einjagte, außer Bauer, seinem alten Freund und Vertrauten, denisckben, der— wie Karl annahm,— jenes Telegramm«Zucker heimlich verkauft haben mußte. Endlich fuhr der Wagen vor. Buchholz rief Boroiviccki nach: „Kommen Sic mittags noch mal vorbei!" Jener antwortete nichts, fluchte bloß leise. Er ließ sich nach Milsch fahren. Vor einer alten Brauerei, cinent riesigen, halb einge- stürzten Gebäude, ließ er halten und befahl zu warten. Er schritt uni die verlassenen Mauern mit den einge- schlagenen Fenstern, ohne Türen, ohne Tore und mit ein- gestürzten Dächern und gelangte in den Wald. „Der Teufel hole die hysterischen Weiber!" Er fluchte immer energischer, weil die lehmige, aufgelveichtc Erde so an den Sohlen klebte, daß er nur mit Mühe weitergehen konnte. „Jerusalemer Romantik!" fügte er wütend hinzu. Er fühlte sich lächerlich in der Rolle eines Liebhabers, der im März zu einem Rendezvous bis ans andere Ende der Stadt, bis zum Wald, durch den Schmutz waten muß! Der Tag war düster, die Wolken zogen ganz niedrig über der Eide dahin und sickerten langsam als seiner, durch- dringlicher Regen herab. (Forts, folgt.) 1 �ln Bastfopf ♦Süi�VSä Obst- u.Waldparzellen 25 M. p. O--R�, 200 M. Anz�, lOi. Hhp. Näh. Anrui Steglitz 2394" k!.tiüIssn,Steglitz,Trcllschkest.l5» Ansknnft nmsonft bei il Obpgvpäuseli, nepv. OKpscbmepz über uns. tnusendf.— n,t bewährten, Patent- (itntl. gcschütz. Hör- trownioin. 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MM ZiMllAiMl.------- Slowaken alle möglichen Erleichterungen bei ihrem Aufmarsch nach Transbaikalien auf der chinesischen Lsteisenbahn zu gewähren, da sie beabsichtigen, sofort den Versuch zu machen, Jrkutsk zu erreichen. Um die Verbindung mit ihren Landgenossen herzustellen, wird wohl an die chinesische Regierung das formelle Ersuchen gestellt werden, den Durchzug durch die Man- dschurei zu gestatten. Amsterdam, 16. Juli.„Times" erfährt von zuverlässiger Seite, daß sich vermutlich nicht weniger als 80 666 Tschecho-Slowaken in Sibirien befinden. Tiefe scheinen jedoch nicht bewaffnet zu sein. Im europäischen Rußland befinden sich vielleicht noch 3 666 6. die jedoch ebenso wie ihre Kameraden in Sibirien in verschiedene Gruppen verteilt sind. Das Interesse konzentriert sich jedoch auf Sibirien, wo außer den Tschecho- Slowaken unter General Diederichs noch eine ansehnliche russische Truppenmacht zur Verfügung von General Horwat und Oberst Semcnow steht. Da die Alliierten in aller Deutlichkeit erklärt haben, daß die gegen die bolschewistische Regierung gerichteten Bestrebun- gen in Rußland auf ihre Hilfe zählen können, braucht nicht bezweifelt zu werden, daß die chinesische Regierung den „Tichecho-Slowaken" die Erlaubnis zum Durchzug geben wird. Das würde den Kampf der Gegenrevolution zunächst auch in Mittelsibirien erheblich unterstützen. Es kommt den Alliierten darauf an, die sibirische Bahn in ganzer Erstreckung in die Gewalt ihrer Parteigänger zu bringen. Zusammenschluß üer Kaukasuegebiete. Konstantinopel, 18. Juli.(Meldung der Agentur Milli.) Wir erfahren aus berufener Quelle, daß die ciskaukasifchen Ab- geordneten, jederzeit durchdrungen von der Notwendig. k e i t, für die neuerdings geschaffene Regierung des nördlichen und des südlichen Kaukasus sich zu einem Bunde zu vereinigen, um den Kaukasus vor fremden Intrigen zu schützen, ihn innerlich zu festigen und ihm die Mittel zu geben, sich frei zu entwickeln, die n ö t i g e n S ch r i t t e in diesem Tinne unternommen haben. Der Untergang öer Koningin Regsntes. Tie Untersuchung ergibt Torpedierung. Wie die holländischen Blätter melden, fand am Dienstag vor dem Schiffahrtsrat die Untersuchung über den Untergang des Post dampsers Koningin RcgcnteS statt, der seinerzeit die englischen Delegierten zur Haager Austauschkonfercnz nach Holland brachte. Bei der Zeugenvernehmung erwähnten sowohl der Kapitän der Koningin Regent es, wie der Kapitän der Zeeland und des Vmdoro als eine ausfällige Besonderheit, daß sie schon vor der Abfahrt von dein Naval Commander in B o st o n schriftlich befragt worden seien, ob sie über die Fahrt- route besondere Weisungen aus Rotterdam er- halten hätten. Auf diese Frage antworteten die Kapitäne der- neinend. Bei den früheren Fahrten wäre diese Frage nie an sie gerichtet worden. Von den Zeugen sagte der Kapitän der K o n i n g i n R e g e n t e s, die Explosion sei nicht so heftig ge wesen, wie bei einer Mincnsprengung, auch sei das Schiff nicht, wie es bei Minensprengungen die Regel sei, in die Höhe gehoben worden. Das Schiff blieb„stehen". Der Kapitän des Dampfers Vmdoro erklärte, daß auf der Lemans- Sandbank ein U-Boot gesichtet wurde, das dem Lotsen zufolge ein englisches Unterseeboot war. Der Schiffs- Zimmermann und der Mntrose van der Est der Koningin Rezentes erklärten, kurz vor der Explosion einen Torpedo ge- sehen zu haben, der sich in einem Winkel von 45 Grad blitzschnell nach der Backbordseite de« Schiffe? bewegte. Auch die beiden Quartiermeister der Koningin Rezentes sahen ein Torpedo an- kommen. Der eine Ouartiermeister de KIcrk hat außerdem i n einer Entfernung von 466 bis 366 Metern einen kleinen grauen Mast, wie ein Periskop, gesichtet. Andere Mitglieder der Besatzung sagten teils aus, einen verdächtigen Gegenstand auf das Schiff zukommen gesehen zu haben, teils in den Mc�nnschaftsquartieren ein Surren, wie von einem niedrig fliegen- den' Flugzeug gehört zu haben. Ter Matrose des Dampfers Zeeland 2. van der Klooster und der Zimmermann desselben Schiffes glauben vor der Explosion den Turm eines U-Bootes wahrgenommen zu haben. Ebenso der Matrose P. Vantc- vogel der Zeeland. Kapitänleutnant z. C. C. I. Canters, der als S a ch v c r- st ä n d i g e r zu der Verhandlung der SchisiahrtSratS zugezogen war. sprach die Anficht aus. daß nach diesen Erklärungen nicht mehr daran gezweifelt werden könne, daß die Koningin Rr- genteS torpediert wurde. Der Wahrspruch des Schiffahrtsrats wird später bekannt gegeben werden. vorbehalte gegenüber öer polnischen Lanütagsverfaffung. Warschau, 16. Juli.(W. T. B.) In der StaatSratSkommission für die polnische LandtazSverfassung wurden nach erschöpfender Diskussion und nach einem Bericht des ehemaligen Referenten der LandtazSkommission, deS provisorischen Staatsrate? SiemicnSki, bei der Abstimmung für das Zweikammersystem achtzehn Stimmen abgegeben, darunter fünf mit Vorbehalten, für da? Einkammersystem zwei. Dazu teilt Przeglad mit. daß das StaalSratsmitglied Gustav Simon von der Liga des polnischen Staatswesens, welchem sich Krzyckowski von der nationalen Vereinigung und Humnicki von der polnischen demokratischen Partei anschlössen, den schriftlichen Vorbehalt machte, dag der Senat eine gerechte, aus wirkliche Verdienste gestützte Teilnahme sämtlicher Volksschichten verbürgen müsse, welche ihn zu einer schöpferischen, harmonischen Ergänzung des Abgeordneten- Hauses mache. Auch zwei weitere, mit Vorbehalt stimmende SraatSrat-milglieder machten ihre endgültige Entscheidung von der Art der Organisation deS Senats und seiner Wahlordnung abhängig. De? Prozeß Nalvp. Paris, 16. Juli.(Havas.) Die erste Sitzung des Staats- gerichtshofes im Prozeß Malvy begann heute nachmittag nach der Senatssitzung. Die Tribünen für das Publikum waren durch- au? nicht voll. Von 212 Senatoren, die dem Ruf zu den vorher- gehenden Sitzungen entsprochen hatten, waren heute viele abwesend. Dubost führte den Vorsitz. Generalprokurator Merillon vertrat die Anklage. Der frühere Minister Malvy trat in Begleitung seiner Rvchtsanwälte Bourdillon und Guillain ein. Nach dem Namen?» aufruf verkündigte der Präsident, daß 66 Senatoren abwesend wären und 16 andere Entschuldigungen geschickt hätten. Ter Be- richterjtatter der Untersuchungskowmission PereS versicherte, daß die Kommission sich bemüht habe, in unparteiischer Weise Licht in die gegen Malvy gerichteten Anklagen zu bringen,. nämlich erstens den Feind über militärische Pläne unterrichtet zu haben, hauptsächlich über den Angriff am Damenwege, und zweitens, den Feind durch Hervorrufung von Meutereien be- günstigt zu haben. Der Bericht bemüht sich, die Haltlosigkeit der beiden hauptsächlichsten Anklagepunkte zu beweisen und bezeichnet die Tragweite und den Charakter der militärischen Meute- reien vom Mai und Juni 1617, die eine gewisse Zahl von Regimentern ergriffen hatte, als nicht gegen das Ober- kommando, sofern gegen die Regierung gerichtet. Diese Meutereien wären verursacht worden durch pazifistische Flug- blätter, die in der Armee wie im Lande verbreitet worden wären. « Der Hauptangeklagte des Bonnet-Rouge-Prozesses, Duval, wurde gestern früh h i n g e r i ch t ei. �merikanisther Truppentransporter versenkt Berlin, 16. Juli. Bon unseren Unterseebooten sind im westlichen Teil des Kanals 3 Dampfer und 1 Segler von zusammen über 31666 Br.-R.-T. vernichtet. Darunter befand sich der amerikanische Truppentransporter Ciucinnati <16 3 3 9 B r.- N.- T.j, der aus einem großen Transportcrgelritzug unter starker Sicherung herausgeschossen wurde. Der Chef des AdmiralstabrS der Marine. Das üeutfche Rückgrat Oesterreichs. Seidlers Rede im Reichsrat.— Die Erklärungen der Parteien. Die Rede, die Ministerpräsident v. Seidler beim Wieder- beginn der Reichsratsverhandlungen am 16. Juli hielt, ist, wie schon aus der gestrigen Meldung hervorgeht, auf den Ton gestimmt, ohne und gegen die Deutschen lasse sich in Oester reich nicht regieren. Herr v. Seidler führte zu diesem Thema weiter ausi „ES ist ein kaum verständlicher Irrtum, wenn vielfach ange- nommcn wird, d?* Zusammenschluß der nichtdeutschen Parteien könne an sich zur MajoritätSbildung führen. Rückgrat dieses viel- gestaltigen Staates ist nun einmal das deutsche Volk und wird es immer bleiben. Die Regierung ist entschlossen, an dem eingeschlage- neu Kurs festzuhalten und sich in seiner weiteren Verfolgung nicht beirren zu lassen. Für jene Parteien, die heute abseits stehen, bleibt die Tür einer Verständigung stets weit geöffnet. Ueber dieser Tür aber steht geschrieben: Willkommen alle, die treu zur Dynastie, treu zum Staate- hallen!(Anhaltender stürmischer Beifall und Händeklatschen links.) In dieser Stellungnahme liegt selbstverständ- lich nicht die geringste Gehässigkeit gegen andere Volksstämme. Frivol und töricht wäre eine Regierung, welche solcher Gehässigkeit sich schuldig machen würde, um so törichter, als eine derartige Ge- sinnung ganz und gar undeutsch wäre.(Stürmischer Bei- fall.) Die Deutschen Oesterreichs verlangen mit vollem Recht ledig- lich Anerkennung der Grundsätze, daß unter den glcichberech- tigten Nationalitäten dem deutschen Volke die ihm nach seiner Geschichte und Kultur gebührende Stellung gewahrt werde.(Beifall.) Die Deutschen Oesterreichs fordern für sich nicht mehr, als in Ruhe leben und in Ruhe sich entwickeln zu können." Von G a l i z i e n sagte der Ministerpräsident vorsichtig, es sei nicht wahr, daß er den Lebensbedingungen de« polnischen Volkes ohne Interesse gegenüberstehe. Die Regierung werde sich bestreben, dem nationalen Bedürfnis der in Galizien wohnenden Volks- st ä m m e volle Gerechtigkeit angedeihen zu lassen.(Er hat sich mit dieser Erklärung offensichtlich mehr auf die ukrainische, als auf die polnische Seite gelegt.) Der Ministerpräsident bat um Annahme des Budget» Provisoriums und der Kriegsanleiheermächtigung und sagte, wer dem Staat die Mittel zur Fortführung des Krieges verweigere. spreche sich gegen den Staat selbst aus. Er verwahrte sich gegen die Behauptung, daß er auf ein 8-14-Regim«nt hinsteuere und schloß unter stürmischem Beifall der Deutsch-Bürgcrlichen mit einem Wunsch für die Arbeitsfähigkeit des Hauses. T u s a r(Tschcch. Soz.) sagte, Herr v. Seidler habe sich als deutschnationaler Dtinistcrpräsident vorgestellt und werde nur neue Kämpfe hervorrufen. W a l d n e r(Dt. Nat.) bezeichnete Seidler gleichfalls als deutschen Ministerpräsidenten, er habe sich als solchen mit Sätzen bekannt, wie sie monumentaler und er- qnickcndcr noch nie aus dem Munde eines ö st er- reichischen Ministerpräsidenten gekommen seien. Ellenbogen(Deutsch. Soz.) besprach das Verhältnis der Monarchie zu Deutschland, wobei er daß Ueberwuchern deS auncxio- nistischcn Fanatismus in Deutschland bedauerte. Die Sozial'demo- kraten verlangten von der Regierung, daß sie ihren ganzen Einfluß bei der deutschen Reichs leitung dagegen geltend mache. Bezug- lich der österreichisch-polnischen Lösung erklärte der Redner, daß die Sozialdemokraten gegen jede Lösung seien, die die Gefahr künftiger Konflikte in dem Lande hervorrufen könne. Die österreichisch-polnische Lösung berge eine solche Gefahr in sich. Die Sozialdemokraten seien für Einberufung des polnischen dcmlckra- tischen Parlaments. Der Redner vertrat die Notwendigkeit der Umwandlung Oesterreichs in einen Bundesstaat freier Nationen. Die Sozialdemokraten würden gegen das Budget stimmen. Eingegangen ist ein tschechischer Antrag betreffend Anklage gegen die Ms ni st er wegen Erlasses der Kreisderordnung. Der Vergleich der Rede Seidlers mit jener unseres Ge- Nossen Ellenbogen zeigt, daß Herr v. Seidler nicht als Ministerpräsident der Deutschen schlechthin, sondern nur als Ministerpräsident der Deutich-Bürgerlichen gesprochen hat. Ob die Basis,.die er sich damit geschaffen hat, breit genug ist, um die Regierung tragen zu können, wird die nächste Zukunft lehren müssen._ Frankreich? Ernährungslage. Paris, 17. Juli.(Havas.) Ein Erlaß hebt die fleischlosen Tage ab 2 6. Juli auf. Japanisches Linienschiff gekentert. Eine Depesche aus Tokio meldet, daß am 12. Juli in der Bucht von Tokujama auf dem japanischen Linienschiff Kawatschi(21 866 Tonnen» eine Explosion stattgefunden habe und daß das Schiff gekentert sei. Man zähle mehr als 666 Tote. Tie Beschießung der Gegend von Paris durch das weittragende Geschütz wurde am Dienstag fortgesetzt. De? Streit um Giesberts. „Gefährliche Nachgiebigkeit"—„Starke Männer". Die Auseinandersetzungen zwischen dem Abgeordneten Gies- b e r t s und der Redaktion des„Zentralblattes der christ- lichen Gewerkschaften" begannen damit, daß die letztere ihren Freund Giesberts eines„unsteten Verhaltens" in der preu- ßischen Wahlrechtssrage beschuldigte. Darauf stellte Giesberts an die Parteileitung seines Wahlkreises Essen die Vertrauensfrage, über die wohl nächstens die Zentrumssunktionäre— natürlich zugunsten Giesberts— entscheiden werden. Aus der Antwort, die die.,ZentralbIatt"-Redaktion auf eine Erwiderung Giesberts er- gehen ließ, ging offensichtlich hervor, daß der Streit ziemlich weit gediehen ist. Die Herren vom„Zeniralblatt" beschuldigten Gies- berts, er habe dadurch, daß er als„ein an exponierter Stelle stehen- der christlicher Arbeiterführer" sich für ein Pluralwahlrecht ins Zeug legte,„Mißtrauen in die Haltung der christlich-nationalen Arbeiterbewegung zur Wahlrechtsfrage" hervorgerufen. Der Wech- sel in dem Verhalten Giesberts in der Wahlrechtssrage, der offen zutage liegt, sei weiteren Kreisen zum A e r g e r n i S g c. worden. Alle christlichen Arbciterabgcordneten des Reichstags und des Landtags hielten Giesberts Verhalten für verfehlt, und es werde von keinem namhaften Arbeiterführer im Lande gebilligt. Die christlich-nationalc Arbeiterbewegung müsse von den aus ihren Reihen hervorgegangenen Abgeordneten er- warten,„daß sie nicht zur unrechten Zeit eine gefährliche Nachgiebigkeit an den Tag legen". Im Gegensatz zu allen anderen christlichen Arbeiterabgeordneten glaube nur Giesberts „mehrfach, sich in die für die christliche Bewegung nicht einfache Gesamtsituation nicht einordnen zu können". Die Funktionäre der christlichen Arbeiterbewegung im Lande seien aber„begreiflicherweise auf die Dauer nicht gewillt, ibrc mühsame Arbeit durch politische Aktionen" der gekennzeichneten Art erschweren zu lassen. Ta vorausgegangene persönliche Erklärungen nicht zum Ziel geführt hätten, habe über diese Dinge öffentlich geredet werden müssen. Die Erwiderung, die Herr Giesberts am Montag in der „Köln. Volksztg." und in dem Essener Zentrumsorgan erscheinen ließ, ist sehr schwach. Er beschwert sich, daß die„Zentralblatt"- Redaktion ihre„Ehrenpflicht" versäumt habe, gewisse„unwahre Darstellungen" zu berichtigen. Er sei„stets und überall" für das gleiche Wahlrecht eingetreten; nicht aus einer Geringschätzung des gleichen Wahlrechts,„sondern im Hinblick auf die schweren innerpolitischen Folgen, die aus einer Auflösung des Landtags und den erneuten Kämpfen im neugelvähltcn Parlament jetzt am Ende des Krieges" entstehen müßten, sei er für die Vcr- ständigung auf dem Boden der Alters- bzw. Familien-Mehrstimme eingetreten. Das„Zentralblatt" spreche ja selber von einem„für die breiten Volksschichten allenfalls erträglichen Pluralwabl- recht"(l). Giesberts erwähnt dann wiederholt die„autzerordent- liche Schwere der Verantwortung" für die Entwicklung der inner- politischen Zustände. Die Wahlrcchtsgcgner und Voltsfeinde machen sich wegen dieser Dinge nicht die mindeste Sorge; sie bestehen auf ihrer Macht; der A r b e i t e r abgeordnete Giesberts aber glaubt, diesen Gewaltmenschen zuliebe aus das klare Recht des Volkes ver- zichten zu dürfen. Er höhnt gegenüber den Leuten vom„Zentral- blatt", diese bevorzugten das„S ta r k e m a n n sp i e l e n" im Hinblick darauf, daß man„uns im Kriege so notwendig hat". Wer Gelegenheit hatte, Giesberts Enttvickelung zu beobachten, der hat seit je mit Bedauern feststellen müssen, daß dieser in mancher Hinsicht tüchtige Mann einen starken Hang hat, den dem Volkswohl entgcgenstrebendcn Jntereffentengruppcn über Gebühr Zugeständ- nisse zu machen. Macht unö Verantwortung. Das Tohuwabohu der auswärtigen Politik. „Es gibt nur eine Reform der äußeren Politik; sie besteht in der Reform der inneren Politik I" Zu diesem Schluß kommt die „Frankfurter Zeitung" in einem Artikel, in dem sie sich übev den Fall Kühlmann äußert. Wenn Graf Hertling versichert habe, er mache die deutsche auswärtige Politik, so verrate diese Behauptung nicht nur eine merkwürdige Selbsttäuschung, sie widerspreche auch dem wirklichen Sinne unserer Verfassung. Selbst Bismarck habe, so stark seine Despotcnneigung gewesen sei, niemals gesagt, er und nur er allein mache diese Politik. Am wenigsten dürfe heute einer so reden, und das Verlangen nach verantwortlichen Reichs- ministern könne gar keine bessere Unterstützung finden als„dieses Tiktum eines 76jährigen Herrn, der bis vor einem Jahre durch Amt oder Beruf nicht genötigt ge- wesen ist, über den nichtdeutschen Teil der Erde nachzudenken". Auch daß Graf Hertling die bindenden und für die Reichspolitik maßgebenden Erklärungen durch Herrn Kühl- mann habe abgeben lassen, zeige, daß er ihn früher nicht„als einen expedierenden Beamten angesehen" habe. Jedenfalls habe es sich für den Grafen Hertling, als er die Versicherung, er mache dw Politik, abgegeben habe, nur darum gehandelt,„in einer peinlichen Situation eine Formel zu finden, die dem Wagen das Weiter- trotten bis zum nächsten Umfall möglich mache". Ter Artikel behandelt dann die Zustände in unserem aus- wärtigen Dienst.„Haufenweise wachsen die guten Diplomaten nirgends, aber unser System verschwendet die vorhandenen in kin- bischer Weise." Das Blatt kennzeichnet dann durch eine Anzahl von Beispielen aus der Zeit der Berufung Kühlmanns, aus der Zeit der Entlassung Marschalls und des Tauschprozesses die Z e r- fahrenheit und Ziellosigkeit in unserer auswärtigen Politik und kommt zu dem Schlüsse:„Die auswärtige Politik, wie sie bei uns getrieben wird, ist ein Tohuwabohu gegeneinander kämpfender und intrigierender Strömungen; Schrecken würde das deutsche Volk ergreifen, wenn es wüßte, was da alles für Geister mit regieren." Am verderblichsten sei es, so schließt der Artikel, wenn Macht und Verantwortlichkeit auf die Dauer getrennt blieben. Am wenigsten sei dies zulässig in der Stunde der Gefahr.—___ Der Prügelhelö vsn Roggow— begnadigt! Die„Mecklenburgische Volkszeitung" teilt mit:„Der Junker v. Oertzen-Roggow, der. wie in aller lebendigster Erinnerung ist. einen Schnitter sich nackt ausziehen keß, ihn an den Baum band und dann auspeitschte, wurde bekanntlich von der Rostocker Straf- kammer zu zwei Monaten Gefängnis verurteilt. Er wurde iu- zwischen zu drei Wochen Festungshaft begnadigt." Wenn man an viele andere denkt, die nicht begnadigt sind, überkommen einen Gefühle, die zu schildern man besser unter- läßt...1___ Kühlmann und Eliatz-Lothringen. Offiziös wird erklärt: Die in der„Deutschen Zeitung" wiedergegebene Behauptung, Staat?- sekretär v. Kühlmann habe im Kreise seiner Intimen ausgesprochen, Elsaß-Lothriugen sei und bleibe das beste Kompensation«- objckt, ist frei erfunden. Der echte Miiiiici! Ein Histörchen, das für den früheren Kommunisten und späteren uationaltiberal-konservativen Minister Miquel überaus kennzeichnend ist, erzählt Prof. Lujo Brentano in seiner Schrift:„Ist das System Brentano zusammengebrochen?" (bei Erich Reiß, Berlin). Miquel nahm in den achtziger Jahren oft an den Ausschußsitzungen des Vereins für Sozialpolitik teil: „Als wir nach einer solchen Sitzung beim Weine saßen, erhob er sich zu einer Rede, in der er sich zu dem Ausspruch verstieg:„Das infam st e Gesetz, ein Gesetz, das uns um 36 Jahre zurückgeworfen hat, ist das Soziali st engesctz"— und, als wir staunend, solches aus seinem Munde zu hören, auf- blickten, fügte er unter unserm schallenden Gelächter hinzu:„W e n n sich aber einer der Anwesenden darauf beruft, daß ich das gesagt habe, so leugne ich eS.' GewerffchafisbewEung Verhandlungen über Forderungen der Bergarbeiter. Wie die„Bergcrrbeiterzeitung" mitteilt, habe» kürzlich mehrere Konferenzen mit Negierungsvertretern stattgefunden, bei denen die Vertreter der Bergarbeiterverbändc die Wünsche und Beschwerden der organisierten Bergarbeiter vorbrachten. Einer Aussprache zwi- sche-n Sachse und Minister Dr. Sydow folgte am 20. Juni eine Konferenz im preußischen Handelsministerium, an der Arbeiterver- treter der verschiedenen Richtungen und einige Ciberbcrgräts teilnahmen. Bei beiden Besprechungen handelte es sich um die Löhne in Schlesien und namentlich inr Braunkohlenberg- bau. Auch die maßrcgelungSartigen Einziehungen von Vertrauensleuten im Senftenb erger Revier nah- men dabei einen breiten Raum ein. Das KriegSamt bat zugesagt, diese Leute wieder zu entlassen, wenn sie ohne stichhaltige Gründe seitens der Arbeitgeber zur Einziehung gebracht seien. Tie Unter- suchung ist noch nicht abgeschlossen. Hoffentlich ist.das Drängen auf Abhilfe in dieser ebenso wie in der Lohnfrage nicht ohne Erfolg. Am 6. Juli verhandelten die Vertreter der vier Verbände mit dem Vizekanzler über eine Eingabe, welche folgende Forderungen enthält: t. Für Hauer und Lehrhauer einen Durchschnittslohn von tö M. pro Schicht, ausschließlich Kindergeld und etwaiger anderer Teuerungszulagen. 2. Für erwachsene männliche Schichtlöhner unter und über Tage «ine Lohnerhöhung von mindestens 2 M. pro Schicht. 3. Für weibliche und jugendliche Arbeiter eine Lohnerhöhung von mindestens 1 M. pro Schicht. 4. Eine Verdovpcilung des Kmdergeldes. Um dieselbe Zeit fanden auch Verhandlungen statt mit dem Kriegsamt und dem Vizekanzler, die sich hauptsächlich mit der B e- wcgung im ober schlc fischen Kohlengebiet beschäf- tigten, wo es wegen der Schichtverkürzung und der Lohnfrage sowie wegen Kartofselmangels zu ernsten Differenzen gekommen war. Im Laufe der ausgedehnten Verhandlungen befürworteten alle Ber- treter der Bergarbeiter Lohnerhöhung und Verkürzung der Schichtzeit für Oberschlesien, auch wurde die man- gelhafte Lebemsmittelversorg mg scharf kritisiert. Ferner wurden die Einschränkungen des Versammlungsrechts im Bereich des 0. Armeekorps besprochen und Abhilfe verlangt. Kriegsamt � und Kriegsmiuisterium sagten Erleichterungen zu. Ohne Wirkung ist jedenfalls die Konferenz nach alle:, Seiten hin nicht geblieben. Hoffentlich kommt man den Arbeiierwünschen nun etwas besser entgegen. Freilich in bczug auf Schichtverkürzung und Einschränkung von Ueberschichten wurden Einwendungen ge- macht; weil jedes Kilo Kohle fehle, müßte auch in bezrrg auf die Schichtzeit usw. das möglichste geleistet werden. Während der Kriegszeit solle man die Frage der Schichtverkürzung ruhen lassen. Die Lohnfrage wurde auch als schwierig deshalb hingestellt, weil dann Kohlenpreiserhöhungen folgen und alle Waren folglich noch mehr verteuert werden. Die Arbeitervertreter wiesen demgegenüber auf die teuren Anzüge, Schübe, Wäsche usw. hin. ebenso jnif die vielen sehr guten Werksabschlüsse, die beweisen, daß Lohnerhöhungen noch ohne Preis erhöhunge n möglich sind. Namentlich seien in Ober- schlesten die Auslandspreise jetzt, auch in Niederschlcsien die Im landspreise kürzlich erhöht worden. Trotzdem sei die Lohnerhöhung dort, ebenso wie in anderen Revieren, noch ungenügender als die in Westfalen. Da selbst der Lohn in Westfalen noch als völlig un- genügend zu erklären, und die neue Forderung berechtigt sei, wurde arbeiterseits dringend baldige Abhilfe als unbedingt für alle Reviere erforderlich evklärt. Die Regierung sagte zu, ihr Möglichstes dabei •mit zu tun, aber mit Zwangsmitteln könne sie. dabei nicht vorgehen. Wir wollen hoffen, daß diese gründlichen Aussprachen gute Früchte für die Arbeiter tragen werden. 3lvVeits«chen während der Kündi'gungszeit. Klagen auf Lohnentschädigung wegen kündigungsloser Entlassung sind keine seltene Erscheinung beim Gcwerbegericht. Wenn cS dem Kläger gelungen ist, nachzuweisen, daß er überhaupt Kün- d-gung zu beanspruchen hat, so ist damit seine Forderung auf Lohn- Zahlung für die Kündigungszeit noch nicht begründet. Er muß auch beweisen können, daß es ihm nicht möglich war. in dieser Zeit andere Arbeit zu finden. In Zeiten schlechten Geschäftsganges, wo'es viele Arbeitslose gibt, wird das Gericht vielleicht ohne Beweiserhebung glauben, daß der Kläger keine Arbeit finden konnte. Anders ist es gegenwärtig. Jetzt gilt es für die meisten Berufe als gerichts- notorisch, daß es den Arbeitern nicht schwer fällt, Beschäftigung zu finden, sondern daß die Unternehmer froh sind, wenn sie die be- nötigten Arbeitskräfte bekommen. Die beklagten Arbeitgeber bc- rufen sich in der Regel auf diesen Umstand' und verlangen vom Kläger den Nachweis, daß er sich vergebens um Arbeit bemüht hat. Dieser Bewds ist nicht leicht zu führen tu den Fällen, wo durch persönliche Anfrage in den Betrieben Arbeit gesucht wird, denn wer kann wohl als Zeuge vor Gericht mit Bestimmtheit sagen, daß ein ihm gänzlich Unbekannter vor einigen Wochen bei ihm um Arbeit angefragt hat. In den Berufen, wo die Arbeitsvermittlung in der Hauptsache durch einen Arbeitsnachweis erfolgt und andere Arten der Arbeitsuche kaum in Frage kommen, ist der Beweis durch Be- schemigung des betreffenden Arbeitsnachweises leicht zu führen. Bestehen aber für ein und denselben Beruf mehrere Arbeitsnach- weise, dann wird die Sache schon schwieriger. In dieser Lage be- fand sich eine Anliegerin in einer Buchdruckerei,-die mit ihrer Klage auf Bezahlung der Kündigungszeit vom Berliner Gcwerbegericht abgewiesen wurde. Für die Abweisung war neben einem anderen Grunde auch der Umstand maßgebend, daß sich die Klägerin nur an den städtischen Arbeitsnachweis gewandt hatte, aber nicht an den Arbeitsnachweis des Verbandes der Buch- und Steindruckereihilss- arbeite r. Dieser Arbeitsnachweis ist für das Hilfspersonal im Buchdruck- gewerbe allerdings der matzgebende. Partemachrichten. Rückgang der Unabhängigen. Auf der kürzlich abgehaltenen Kreisversammlung der Unab- hängigcn des Kreises Teltow-Beeskow-Storkow-Charlottenburg mußte ein scharfer Rückgang der Organisation zugestanden werden. In dem von Lachmund erstatteten Geschäftsbericht heißt es: „Auf Grund der eingelaufenen Fragebogen, von denen allerdings wiederum etliche Orte fehlen, haben wir einen Mitgliederbestand von 5885(4017 Männer und 1368 Frauen) gegen 8628 im Vorjahre zu verzeichnen. Neüaufgenommen und überwiesen wurden 436 und 122 Mitglieder, so daß ein Verlust von 2191 Mitgliedern zu buchen ist, der aber nach den Berichten zum grossen Teil auf die vielen Einberufungen zurückzuführen ist." Tie Unabhängigen machen selbst die Einberufungen nur„zum großen Teil" für den rapiden Mitgliedcrschwund verantwortlich. Aber auch das ist eine Bemäntelung, da die alte sozialdcmokratiscke Partei trotz der vielen Einberufungen ihren Mitglicderitand vielerorts beträchtlich vermehrt und den toten Punkt längst überwunden hat. Niemals. In der Erklärung der Unabhängigen zur Verweigerung der Kriegskredfte, die diesmal der alte Geher verlas, wird ausge- sprachen, daß dieser Krieg für Teutschalnd niemals ein Ver- teidigungSkrieg gewesen sei. Niemals!? Aber die Unabhängigen haben ja, die einen zweimal, die anderen dreimal, einzelne fünfmal � die Kriegskredite bewilligt und nachher immer zu beweisen gesucht, j daß der Krieg seinen Charakter geändert hätte. War er wirklich ni«malS ein Verteidigungskrteg, so waren die Unabhängigen schon! immer, als fie Ärie�kredUe bewilligten, schnöde Opportunisten. Aus den Organisationen. Eine am Sonntag in Greiffcnberg abgehaltene Kreiskonferenz für den Wählkreis Löwcnbcrg entschied sich für eine Beitrags- erhöh ung in der Weise, daß ab 1. Oktober d. I. vierzehntägig für männliche Mitglieder ein Beitrag von 25 Pf., für weibliche Mit- glieder von 15 Pf. erhoben wird.— Die„Unabhängigen". Sie im Vorjahre durch eine von ihnen abgehaltene Konferenz von sich reden machten, sind jetzt, wie festgestellt wurde, wieder aus dem Wghl- kreise verschwunden. Industrie und Kandel. Tckrct betreffend die Nationalisierung der Naphthaindustrie. Als Staatseigentum werden alle Unternehmen der Naphtha- gewinnung erklärt Die kleinen Betriebe werden von der Geltung dieses Dekrets ausgenommen. Grundlage und Ordnung dieser Ausnahme bestimmen sich nach besonderen Vorschriften, deren Aus- arbcitung dem Hauptnaphthakomitee obliegt. Als Staatsmonopol wird erklärt der Handel mit Naphtha und seinen Produkten. Die Verwaltung der nationalisierten Unternehmen im ganzen Umfange, ebenso die Festsetzung des Versahrens der Ausführung der Ratio- nalisierung wird dem Hauptnaphthakomitee bei der Heizungsabteilung des obern Bolkswirtschastsrates übertragen. Das Verfahren der Einrichtung von örtlichen Verwaliungsorganisatio- nen für die nationalisierten Unternehmen und die Grenzen ihrer Zuständigkeit werden durch besondere Instruktionen des Haupt- naphthakomitees nach ihrer Bestätigung durch das Präsidium des Obern Volkwirtschaftsrates bestimmt. Bis zur Ucbernahme der nationalisierten Unternehmen in ihrem ganzen'Umfange in die Verwaltung des Hauptnaphthakomitees sind die genannten Unter- nehmen verpflichtet, ihre Tätigkeit fortzuseetzn, das Nationalver- mögen zu erhalten und die Geschäfte fortdauernd in Gang zu er- halten. Die bisherigen Verwaltungen werden zur Rechnunglegung verpflichtet. D-as Hauptnaphthakomitee hat das Recht, ohne die Vorlegung von Bilanzen abzuwarten und vor der vollständigen Uebergabe der nationalisierten Unternehmen in die Verwaltung der Organe der Rätegewalt seine Kommissare in alle Verwaltungen der Naphthaunternchmen, ebenso in alle Zentren der Gewinnung, Produktion, des Transports und des Handels mit Naphtha zu ent- senden. Dieses Dekret ist eine sehr anschauliche Ergänzung zu den bisherigen Veröffentlichungen über die Wirtschaftspolitik der Räte- rcgierung. Es zeigt, daß die Bolschewisten nicht bei der bloße» Beschlagnahme des kapitalistischen Eigentums balt machen und die Kapitalisten nicht in ihren wirtschaftlichen Funktionen belassen, sondern daß die formalrechtliche allgemeine Beschlagnahme des in- dustriellen Eigentums nur ein vorbereitender Schritt für eine plan- mäßige Soziali sserung ist, wie sie das eben angeführte Dekret über die Sozialisierung der Naphthaindustrie beispielhast' vorführt. Soziales. Zur Förderung der Säuglingspflege. Em zeitgemäßes und verdienstvolles Werk wird zurzeit vom Kaiserin-Auguste-Viktoria-Haus herausgegeben. Seit Jahren schon hat diese Anstalt der Volksbelehrung auf dem Gebiete der Kinder- pflege große Dienste geleistet und seine Merkblätter über die Pflege und Ernährung des Säuglings uird des Kleinkindes haben manchen althergebrachten Irrtum zerstören helfen, indem sie wirkliches Wissen verbreiteten. Auch das Museum für Säuglingskunde, das mit dem August c-Viktoria-HauS verbunden ist, hat schon viel Segen gestiftet, zumal seitdem es gewissermaßen auf Reisen gegangen ist, wo in Wanderausstellungen-das wcsenrlichstc in allgemein verstand- licher Form weiten Schichten des Volkes zugänglich gemacht wurde. Fast in allen Provinzen Preußens, ferner in Anhalt, Baden, Braunschweig, Mecklenburg-Schwerin, Oldenburg sind-diese Aus- stellungen gewesen, ebenso in Oesterreich und selbst in det Türkei. Trotzdem waren sie nur einem beschränkten Teile der Bevölke- rung zugänglich. Was deshalb zu bedauern ist, weil Belehrung auf diesem Gebiete all-erwärts dringend not tut und— neben der Erfahrung— die Anschauung immer der beste Lehrer ist. Das hat den Gedanken wachgerufen, die Gegenstände und Bilder dieser Wanderausstellung in Tafeln herauszugeben, und so ist das Werk entstanden, auf das wir heute hinweisen wollen, der„Atlas der Hygiene des Säuglings und Kleinkindes", der jetzt im Berlage von Springer, Berlin, erscheint. Auf 166 Tafeln wird das wesentlichste der Säuglings- und KleiniinderKhgiene anschaulich dargestellt, und es ist wünschenswert, daß dieser Atlas möglichst weite Verbreitung findet. In dem Bor- wort wird gesagt, daß eine sorgfältige Auswahl schon deshalb ge- troffen worden ist, weil vermieden werden mutzte, durch diese Tafeln ein gefährliches medizinisches Halbwissen zu züchten, das eine Mutter, die die Belehrung aus den Bildern schöpft, in Wider- spruch zu dem Arzte bringen könne, der sine auf den Einzelfall sich gründende abweichende Meinung hat. Ernährung, Pflege u-n-d Krankheitsverhütung sind es vor allem, die in den Bildern dar- gestellt sind, nicht aber Krankheitsbhre. Da eS sich nickt um ein ge- bundencs Werk, sondern um Tafeln bandelt, kann das Material, das es bietet, je nachdem we-'chem Kreise es zugänglich gemacht wer- den soll, ausgewählt und nutzbar gemacht werden. So kann es dem Anschauungsunterricht in den weiblichen Fortbildungsschulen ebenso zweckdienlich sein, wie de- Belehrung der werdenden Kinder- Pflegerin und der Mutter. Die Absicht, dem Atlas einen Leitfaden beizufügen, hat de? Krieges wegen leider noch nicht verwirklicht werden können. Er wird deshalb erst später erscheinen. Entwicklung der schweizerische« Konsumvereine. Die sckweizeriicken Konsun, vereine, soweit sie dem Verband an- gehören, zeigten im Jahre 1917 folgende Entwicklung: 1916 1917 Zahl der Vereine...... 421 434 „, berichtenden Vereine. 467 4--2 ,. Mitglieder..... 805 326 324 948 ., Läden...... 1 491 1 570 ,, Gemeinden mit Läden 756 767 ,, Angestellten.... 5559 6031 Fr. Fr. Umsatz......... 159 799 945 197 435 555 Bilanzsumme....... 102 020 197 107 357 862 Reinüberschuß....... 9 851 797 12 452 856 Rückvergütungen...... 8 093 155 9 336 473 GenossemchaflSvermogen... 14 299147 15 601368 Anteile......... 4 994 051 6 832 948 Steuern uslo........ 848 463 775 387 Durchschnittsumsatz pro Verein. 392 628 467 357 „ Laden. 125 755 107176 „ Mitglied 523 37 607,59 Die Koniumgenossenschast Genf, die gegenwärtig 23 060 Mit- glieder und damit zu den größten des schweizerischen Verbandes zählt, feiert Heuer das Fest ihres öOjährigen Bestehens. Insgesamt gehören dem Verbände nur 9 Vereine an, die vor 1868 errichtet wurden. Zu Ehren der Feier wird der diesjährige GsnossenschaftS- tag des Verbandes schweizerischer Konsumvereine in Genf ab- gehalten.__ Das neue Dienststrafverfahren gegen profestor Henkel. Vor dem Obsrverwaltungsgericht Jena begann gestern unter dem Vorsitz des Präsidenten Ebsen die Verhandlung in zweiter Instanz gegen den Leiter der Jenaer Frauenklinik Prof. Henkel. Eine?lnzahl Professoren der Jenaer Univeffität wohnt der Ber- Handlung bei. Aus Befragen des Präsidenten erklärt Prof. Henkel, daß ihm in keiner Weise vor Beginn des Dienststrafverfahrens von irgendeiner Seite zu verstehen gegeben worden ist, daß man bchöck. licherseits mit seiner Dienstleistung nicht zufrieden sei,— Präs.: 'Von anderer Seite wird behauptet, daß einer Ihrer Kollegen mit Ihnen darüber gesprochen habe.— Prof. Henkel: Das ist nicht der Fall.— Präs.: Prof. Rötzler hat 1915 Anzeige beim Bezirksarzt gemacht, daß der Tod zweier Frauen fahrlässig von Ihnen ver- schuldet worden sei; aus das Gutachten des Pros. Bier wurden Sie damals außer Verfolgung gesetzt. An dieses Versahren hat sich aus Hhren Antrag das Dienststrasverfahren angeschlossen.— Professor Henkel: Ja; von dieser Anzeige erfuhr ich erst, als ich ig. die Klinik kam und den Untersuchungsrichter vorfand.— Daraus wird das Ur Heilder ersten Instanz verlesen. Hiernach hat Professor Henkel 1910 die Leitung der Großherzoglichen Frauenklinik nebst Entoindungs- und Hebammenlehranstalt in Jena übernommen und bald daraus auch den Lehrstuhl für Gynäkologie an der Universität vcma. Zwischen ihm und dem Leiter des parbologisch-anatomischen Instituts Prof, Dr. Röhler, der seit Juli 1911 dieses Amt angc- treten hatte, stellten sich bald schwere persönliche und sachliche Gegensätze heraus. Prof. Rößler bemängelte nach dem Urteil die ausfallende Beschaffenheit des Obduktionsmaterials der Frauen- klinik. Die Todesursache bestand in den meisten Fällen in In- sektionen und postoperativer eiteriger Bauchsellentzündung; in manchen Fällen auch in unsorgfältiger, fehlerhafter Ausführung der Operationen, Schnittverletzungen von Blase und Darm, ungenügen- der Unterbindung von Blutgefäßen, zurückgebliebenen Tuvfen und Anzeuhen mangelhafter Asepsis seien zutage getreten. Dieselben peinlichen Wahrnehmungen hätte auch schon sein Vorgänger, Prof. Dürck, �gemacht, der über Mißstände in der Frauenklinik geklagt und später als einen der Gründe seines Weggangs von Jena an- gegeben hätte, für Henkel nicht weiter sezieren zu können. Dazu kam die auffallend große Kindersterblichkeit in der Entbindungs- anstatt, die auf ungenügende Pflege der Säuglinge bmdeutete. Als im Februar 1915 kurz nacheinander die Leichen von zwei Frauen aus der Frauenklinik eingeliefert waren, deren Sektion als Todes- Ursache eitrige Entzündung der Rückenmark- und Gehirnhäute er- gab, die nach Ansicht Dr. Rößlers nur durch schuldhafte Asepsis ent- standen sein konnten, habe er sich veranlaßt gesehen, dem Bezirks- arzt Prof. Dr. Giele dienstliche Mitteilung zu machen. Auf dessen Anzeige hin wurde Untersuchung eingeleitet, Prof. Henkel aber auf Antrag der Staatsanwaltschaft außer Verfolgung gesetzt, da nach dem Gutachten des Geheimrats Prof. Dr. Bier-Berlin ein Ver- schulden Henkels an der Infektion nicht mit Sicherheit nachweisbar gewesen sei und die Voruntersuchung, die allerdings Mißstände in der Frauenklinik aufdeckte, nur auf diese beiden Fälle beschränkt war. Es wurde aber gegen Prof. Henkel, der als Staatsbeamter verpflichtet war, die Dienstpflichten nach bestem Wissen getreu zu erfüllen, die Einleitung des Dienststrafverfahrens verfügt. Während manche ehemalige Assistenten des Angeklagten ihn als einen un- gewöhnlich gewandten, ja glänzenden Operateur bezeichnen, haben andere Sachverständig« und Zeugen erklärt, daß er aus Vorliebe für den operativen Weg diesen auch ohne Not beschritten habe, auch habe er viel zu oft Zangengeburten herbeigeführt und den Kaiser- schnitt vorgenommen. Auch habe er seinen Assistenten für die Zeit seiner Abwesenheit nicht die nötigen Weisungen hinterlassen. Schwangerschaftsunterbrechungen seien viel zn oft vorgenommen worden, auch schon bei Krankheiten, die diesen Eingriff keineswegs erfordern, der nur bei erwiesener unaufhaltsamer Lungensckwind- sucht angezeigt sei. Zahlreiche Frauen seien unnötigerweise un- fruchtbar gemacht worden. Auch durch viele Jndikationsstellungen habe der Angeklagte seine Pflicht als Arzt verletzt. Er habe sich zum Handlanger des oft nur aus Mitleid und Rücksicht aus persön- liche Wünsche zur Einleitung der Frühgeburt neigenden Hausarztes gemacht. In ewem Fall nimmt das Urteil auch an. daß ein zur Rettung der Patientin notwendiges Eingreifen von dem Angeklagten gegenüber dem Assistenten telephonisch ab- gelehnt worden sei, weil die Patientin nur Kassen- Mitglied gewesen wäre. In manchen Fällen seien ohne Zustimmung der Patientinnen schwere Operationen vorgenommen worden, und zwar in einer Weise, daß ein hierbei anwesender Arzt unter dem Eindruck dieser Vorkommnisse später die Gynäkologie ganz aufgegeben, ein anderer(Dr. Bley) Henkel als den größten Verbrecher bezeichnet habe. Der Beschuldigte habe sich auch davon leiten lassen, dem prinzlichen Zuschauer seine Kunstfertigkeit rasch noch in einem sä koe herbeigeholten Falle zu zeigen und dieser Frau sei zum Zwecke der Operation das unmittelbar zuvor eingc« nommene Frühstück aus dem Magen gepumpt worden. Weiter habe der Beschuldigte Operationen vorgenommen, die überflüssig gewesen seien und ihm als Gynäkologen auch nicht zugestanden hätten; in zwei solchen Fällen sei der Tod der operierten Frauen die Folge gewesen. Die Krankengeschichten seien vielfach mangelhaft gewesen, zu den Obduktionen sei der Beschuldigte nur ganz selten erschienen und habe ihnen gegenüber Teilnahmslosigkeit bewiesen. Damit habe er die Pflicht verletzt, die Wissenschaft über alles Persönliche zu stellen. Dagegen habe die Verhandlung leinen genügenden Be- weis für Vernachlässigung der Säuglingspflege ergeben. Darauf trägt Berichterstatter Oberlandesgerichtsrat K n a u t h aus dem Gutachten des Geheimen Medizinalrats Dr. M. Bumm-Berlin vor. Der Direktor der Königlichen Univcrsitäts-Fraucnklinik Berlin führt in der Hauptsache auS: In den letzten Jahrzehnten ist die Auffassung dahin gemildert worden, daß die Schlvangcrschastsunterbrechung auch dann als zulässig gilt, wenn zwar direkte Lebensbedrohung nicht vorliegt, die Schwanger- schast aber schwere Erkrankungen der Mutter veranlaßt hat. Tie Frage, ob Pros. Henkel Schwangerschaftsunterbrechungen und andere Operationen ohne genügende wissenschaftlicke Notwendigkeit vorgenommen habe, wird dahin beantwortet, tmß mit drei vereinzel- ten und nicht ganz aufgeklärten Ausnahmen den Anforderungen Genüge geschehen ist, welche an eine wissenschaftliche Begründung dieser Eingriffe gestellt werden müssen. Zu der Frage, ob der Bc- klagte keimendes Leben nicht genügend geschont habe, wird in dem vielbesprochenen Fall Frentzel ausgeführt, daß der Operateur mit der Mutter zu sehr beschäftigt gewesen sei; die Fürsorge für das keimende Leben hätte den anwesenden Assistenten obgelegen, sei aber von ihnen nicht ausgeübt worden. Die dritte Frage, ob Professor Henkel in vier bestimmten Fällen die Interessen einer Patientin vernachlässigt bzw. Leidende nachlässig behandelt habe, wird in zwei Fällen verneint; zivei andere dieser Fälle seien die einzigen Ueber- griffe Henkels in chirurgisches Gebiet, die aus seiner fünfjährigen Tätigkeit in Jena gefunden wurden, also könne man nicht be- hautpen, daß er solche Uebergriffe häufig und systematisch vorge- uommen habe. Würde Henkel, nur um einem anwesenden Prinz- lichen Zuschauer noch ein technisches Paradestück vorzumachen, einer nichtvorbereiteten Mld widerstrebenden Frau das Frühstück aus dem Magen habe pumpen lassen, um sie zu operieren, so würde das ein schwerer Verstoß gegen die ärztliche Kunst und Moral sein. Die Aktendurchsicht macht es aber zweifelhaft, ob der Fall sich so abge- spielt hat. Gerade wegen des überaus peinlichen Eindrucks dieses Falles wäre seine genaueste Aufklärung dringend erwünscht. Die vierte Frage, ob sich der Beklagte überhaupt in ärztlich-ethischer Beziehung tadelnswert verholten habe, wird nach weiterer ein- gehender Untersuchung gleichfalls verneint. Im Verlaufe der Verhandlung äußert sich Prof. Henkel zur Frage der Genauigkeit der Krankengeschichten und führt aus: Ich gebe zu, daß die Krankengeschichten mangelhaft sind. Bei eiligen Fällen ist es unmöglich, im einzelnen schriftlich klar zu machen, warum operiert werden mutz, die Patienten wären inzwischen darüber zugrunde gegangen. Als zur Besprechung der Einzelfälle übergegangen werden soll, hebt Präs. Dr. Ebsen hervor, daß hierbei intime Einzel- heften aus dem Privatleben der Patientinnen zur Sprache kommen müßten. In erster Instanz war zwar die Oefsentlichkeit nicht aus- geschlossen, das Oberverwaltungsgericht ist aber dadurch in seiner Entschließung nicht gebunden.— Das Gericht beschließt, über die Einzelfälle in tatsächlicher Beziehung nichtöffentlich zu ver- handeln. Aus einem besonderen Grunde sieht sich das Gericht auch gezwungen, nicht, wie sonst üblich die Vertreter der Presse zuzu- lassen. Nur den drei Vertretern der Universität wird die Anwesen- heit gestattet._ Verantwortl. f. Politik: Dr. Franz Tirtnriöi, Perlin- Friedenau: für t». Lbriaen Teil des Blattes: Alfred Sitialz, Neukölln: für Anzeigen: Theodor Glocke. Berlin. Verlag: Borwärts-Veelag G. m. b. H.. Berlin. Druck: Borwärts-Buchdruckerei und Berlagsanltalt Paul Singer u. Co. i» Berlin, Lindenstraße 3. Hierzu 1 Setlagc und Untrrhaltnngsviatt.