gt. 196. Ni.I«hrs. Bezugspreis: SlctteqS�rl. 460 SKt. monall. 1,50 SRI, ttcl tnS Haus, voraus zahlbar, Einzelne Nummern 10 Pfennig, Postbczug: Monatlich, vomPostfchalter abzuholen 1�0 Mb, vom Briefträger ins Haus gc- bracht 1,64 MI. Unier Kreuzband tu: Demlchtar d und Oesterreich. Ungarn S,— Ml. für da? übrige Ausland Delegierte teilnahmen, sich für eine' Intervention der Ententemächte ausgesprochen habe. Es läßt sich nicht nach- prüfen, welche Bedeutung dieser Meldung beizumessen ist. Auf jeden Fall erscheint die Lage sich dermaßen zu kennzeichnen, daß die bürgerlichen Parteien und alle nichtsozialistischen Kreise in Rußland sich mehr und mehr mit dem Gedanken der Intervention befreun- den. Diesem Gedanken bleiben nach wie vor aus prinzipiellen Gründen allein die demokratischen Gruppen und speziell die sozial- demokratische Partei(die Menschewiki) abhold. Auch K e re n s k i s Auftreten kann darin nichts ändern. Kcrenski war nie ein Partei- mann, und sein Auftreten kann nicht maßgebend sein zur Bcur- teilung der öffentlichen Strömungen, als deren Sprachrohr er keinesfalls angesehen werden darf. Kereuskis Einfluß in Rußland. Zu diesem Thema eine immerhin beachtenswerte Aeußerung. Das Berliner Bureau der Petersburger Telegraphen-Agentur ver- breitet- die folgende Mitteilung: Das Zentralorgan der Kadetten- Partei„Nasch Wck" schreibt über das Auftreten von Ke- r e n s k i i n Paris:„Wenn KerenLki wenigstens Scharfsichtigkeit besäße, so müßte er alle Maßnahmen treffen, um in Vergessenheit zu bleiben. Wenn die russische öffentliche Meinung um etwas ärmer geworden ist, so jedenfalls nicht in ihrer verneinenden Haltung gegenüber Kerenski. FastalleParteienundZeitungen jeder Richtung gedenken der Rede von KerenSki mit der größten Mißbilligung und drücken in diesem ein- zelnen Falle ihre Entrüstung einstimmig aus." Diese Nachricht des Kadettenblattes über die Stimmung der Bourgeois- presse zeigt, daß Kerenski keine Anhänger mehr hat, weder in den Volksmassen noch in den Bourgcoiskreisen. Die Debatte im österreichschen fibgeorönetenhaus. Die polnische �rage. Bei der fortgesetzten ersten Lesung deS Budgetprovisoriums äußerte der Deutschnationale Haber namens einer Gruppe von Dcutschnationalrn gegen die österreichisch-polnische Lösung die aller- größten Bedenken, begrüßte die entschiedene Haltung' der Deutschen und erklärte, diese könnten dem einseitigen Diktat der Polen nicht entsprechen. Der Obmann deS Polenklubs, T e r t i I, führte aus, die gestrige Rede des Ministerpräsidenten sei vorn Standpunkte aller Parteien zu bedauern. Ebensowenig wie gegen die Deutschen lasse sich auch gegen die Polen und die anderen Völker regieren. In Besprechung der ö st erreichisch- polnischen Lösung er- klärte der Redner: Die Worte des Ministers des Aeußern erledigen zlvar unsere Sache nicht, sie berühren sie sehr behutsam, aber sie sind doch als ein erster Anfang von dem, was unter dem Grasen Czcrnin geschehen ist, geeignet, die Hoffnung zu begründen und das Vertrauen anzubahnen.. Die geplante Zweiteilung Ga- I i z i e n s werde nie zustande kommen. Die Polen seien bereit, mit den Ukrainern von Volk zu Volk zu verhandeln, aber nur auf Grund der Einheit des Landes. Der Redner erklärte schließlich namens des Polenkluds, daß er die Abstimmung über das Budget- Provisorium vom Vertrauen zu jener Regierung abhängig machen werde, die zur Zeit der Abstimmung bestehe.(Beifall bei den Polen.) Eonci(Italiener) drückte seine Sympathien für Tschechen und Südffawen aus und erklärte, gegen das Budzetprovisorhim stimmen zu wollen. Der Deutsche H a r t l erklärt, das deutsche Volk sei nicht der Meinung, daß mit denen, die den Staat und die Dynastie ver- raten haben, eine Verständigung gesucht werden solle. Ter Allpole Gloinbinsky erklärte, das polnische Volk werde sein politisches Ideal, das j n der Zusammenfassung aller polnischen Länder und in dem Zugang zum Meere bestehe, stets aufrechterhalten. Das polnische Problem sei eine internationale Frage. Die deutsche und östcrrcichi- sche Politik gegen Polen habe allen Kredit verloren. Ter Sozialdemokrat Daszinsky erklärte im Verlause-seiner Rede im Abgeordnetciihansc, daß Oesterreich infolge mangelhafter Vorbereitungen für den Krieg in Abhängigkeit von Teutschland, das seine Arme« gut vorbereitet in den Kampf marschieren ließ, gekommen sei. Zwei Drittel dieses Staates seien nicht deuffch, sie müßten in der Abhängigkeit vom Deutschen Reiche ein n a t i o- nales, politisches und wirtschaftliches Unglück sehen. Das Ergebnis der sogenannten Vertiefung des Bündnisses mit Teutschland sei, daß Oesterreich militärisch, politisch und Wirt- schastlich vollständig seiner Selbständigkeit beraubt und zu einem Vasallenstaat Deutschlands bcruntergcdrückt werde.(Beifall bei den Partctgenossen, den Tscheche:: und Südslaweu.) Man trete gegen Südslawcn, Tschechen und Polen auf, weil sie Deutschland nicht Untertan sein wollten. Das ukrainische Volk wäre glücklich, wenn es die deuffchen Soldaten nicht auf sich hätte, wenn ihm seine Schweine und Ochsen nicht geraubt würden.(Der Ruthen« von Smal Stockyj rief:„Ueberlassen Sie das lieber dem ukrainischen Volkel") Nach der von der Obmännerkonferenz der Abgeordneten ge- trosfenen Vereinbarung soll der tschechische Antrag auf Er- Hebung der Anklage gegen die Minister am Montag zur Verhandlung gelangen, woraus am Dienstag die Verhandlung über die dringlichen Anfragen betreffend die militä- r i s ch e n Ereignisse folgen soll. Der Ministerpräsident er- klärte, daß die Regierung der Erörterung der militärischen Ange- legenbeiten nur zustimmen könne, wenn dies in geheimer Sitzung geschehe. Es wurde weiter vereinbart, sämtliche dringlichen An- fragen militärischer Natur in e:nen von allen Parteien einge- brachten Antrag umzuwandeln. In der Debatte hierüber sollen alle Parteien zu Worte gelangen. Am 26. Juli soll die zweite Lesung des Budgetprovrsoriums beginnen. He. 196 ❖ 35. Jahrgang Oeilage öes BsrWZrts 5reltag,19.�ulil91S . Das neue Dienststrafverfahren gegen prsfesto? Henkel. Der Präsident Dr. Ebsen bemerkte� es handle sich jetzt um den Fall Reichenbach, ured da dieser Fall in der Vorinstanz öffent- lich verhandelt worden ist und damals das meiste Aufsehen erregt hat, halte sich das Gericht für verpflichtet, ihn auch jetzt öffentlich zu Verhandelp. Dieser Fall betrifft die sogenannte Prinzen- o p c r a t i o n. Nach den Angaben der Assistenten in der vorigen Instanz sollte der Prinz Bernhard zur Lippe im Operationssaal erschienen sein und es wurde zunächst eine Operation vorgenommen, nämlich die Entfernung einer 40 Pfund schweren Wucherung, die glänzend verlief und dann, als die OperationZsälle erledigt gewesen seien, habe Prof. Henkel gefragt, ob nicht noch etwas Interessantes zu operieren sei. Darauf sei ohne Vorbereitung ejne Frau herciri- gebracht worden, die an Gebärmutterkrebs litt. Diese Frau sei dann eiligst operiert worden, nachdem ihr zuvor das vor kurzem eingenommene Frühstück aus dem Magen gepumpt worden sei. Die Assistenten batten nach ihrer Aussage in der Vorinstanz den Ein- druck, als ob hier eine Kunstleistung vor dem Prinzen gezeigt wer- den sollte. Die Frau ist denn bald darauf gestorben, dem Prinzen sei aber von Prof. Henkel nichts von dem Tode gesagt worden. Der Prinz habe sich sehr anerkennend über die Operation ausgesprochen und gesagt, nun könne er ja ruhig eine Bekannte— die Zeugen glaubten, es handle sich um seine �Schwester— auch zu einer gleichen Operation mitbringen. Der als Gast anwesende Dr. Bleh soll nach der Angabe des Assistenten Dr. Teilhaber gesagt haben:„Henkel ist doch der größte Verbrecher." Frau Reichenbach war eine 42 jährige Landwirtsfrau.— Prof. Henkel bestreitet, daß die Frau Neichenbach in Gegenwart des Prinzen operiert wor- den sei. Er habe nie eine überstürzte Operation vorgenommen.— Es wird nun die Aussage des durch einen beauftragten Richter ver- nommenen Prinzen Bernhard zur Lippe vorgetragen. Er sagt aus: Ich sprach den Wunsch aus, gelegentlich einer Opc- ration beiwohnen zu können. Die Gelegenheit dazu bot sich bei einem Fall von durch Röntgentherapie behandelter Krebserkrankung, wofür ich mich besonders interessierte. Bei der Frau wurde eine Geschwulst von bv Pfund entfernt. Außerdem wurde in meiner Gegenwart nur noch eine leichtere Operation vorgenommen. Der Operation der Frau Reichenbach kann ich- nach den ganzen in Be- kracht kommenden Umständen nicht beigewohnt haben. Nach meiner Erinnerung ist keine der Frauen, die ich habe operieren sehen, ge- starben.— Darauf wird die Aussage des Stabsarztes Dr. B l e st- Dresden verlesen. Sie lauter: Gegenüber der Aussage des Prinzen zur Lippe mutz ich meine Darstelluiig aufrechterhalten. Eines Tages erschien ein Herr, der von Professor Henkel als Prinz zur Lippe mir vorgestellt wurde. An diesem Tage wurden reichlich viel Fälle operiert. Der Prinz dürfte mehreren Operationen.beige- wohnt haben. Eine von den Frauen, die in Gegenwart des Prinzen operiert worden war, wurde einige Zeit, nachdem sie hinausgebracht war, als gestorben gemeldet. Davon, daß die Frau unvorbereitet operiert und ihr der Vkagen ausgepumpt worden sei, habe ich nichts bemerkt.— Prof. Henkel: Ich habe nie eine Patientin ohne Einverständnis operiert und auch nie eine Schauooeration vorge- nommen.— Es folgt die Vernehmung des ZZ:. Felix Teilhaber, derzeit Oberarzt im Felde. Er war von April bis Sep- tember lgll Privatasfistent bei Prof. Henkel und ist, wie er zu- gibt, im Unfrieden von ihm geschieden. Der Zeuge bekundet,.daß Prinz zur Lippe mehrfach bei Operationen dabei gewesen sei, er erinnert sich sonst niemals Privatleute in Kliniken gesehen zu haben.?tllgemein werde, das auf deutschen Kliniken auch nicht Brauch sein.— Präs.: Ter Prinz soll, sich aber tatsächlich mit trtedi- zinischen Dingen beschäftigen.— Zeuge Dr. Teilhaber: Ja, er hat mir erzählt, daß er in Afrika Neger behandelt hat. Es war, als der Prinz da war, nichts mebr zu operieren da und da fragte Prof. Henkel, ob nichts mehr vorhanden sei. Er sprach dann mit Dr. Busse, dem Assistenzarzt, hin und her und ich hörte, wie Busse ablehnte, weil die Frau nicht vorbereitet sei. Aber Henkel gab den Befehl, die Frau �vorzuführen. Jedenfalls ist die Frau eine halbe Stunde nach der Operation gestorben. Ich wurde von der Schwester herausgerufen und fand die Frau ganz blau. Ich gab ihr noch eine Spritze und machte Henkel Mitteilung, hörte aber, wie er nachher ganz ruhig mit dem Prinzen sprach, als dieser ihm seine Aerkennung fiir die glänzende Leistung aussprach und dafür, wie großartig er overiere. Als ich dem anwesenden Frauenarzt Dr. Blest von der Sache Mitteilung machte, war er ganz empört Ukid sagtet„Henkel ist doch der größte Verbrecher."— Präs.: Dr. Bley hat das in Abrede gestellt.— Zeuge Dr. Teilhaber: Ich habe es noch ganz genau in Erinnerung.— Referent Oberverwaltungs- gertchtsrat K n a u t hält dem Zeugen entgegen, daß er als möglich zugegeben hat, daß Frau Reichenbach schon früher etnnial operiert worden sei und daß dieser Ilmstand doch auch gegen eine Schau- overation spreche.— Der Zeuge kann darüber keine Auskunft geben, bleibt aber dabei, daß es sich um eine bloße Schauopcration vor'bem Prinzen gehandelt habe.— Zeuge Dr. Busse- Jena war Assistenzarzt bei Henkel. Es handelte sich um eine Patientin, die nach dem Frühstück eiligst operiert wurde und der dazu der Magen ausgepumpt suurde. Ter Zeuge war der Meinung, daß die Patientin infolge mangelhafter Unterbindung gestorben fei, hat aber nachher festgestellt, daß der Tod eingetreten ist infolge Ein- spritzung des Narkotikums in das Rückenmark. Diese Einspritzung hat aber Henkel nicht selbst vorgenommen.— Praktischer Arzt Dr. W e h n e r- Orlamünde, der nächste Zeuge, war gleichfalls früher Assistenzarzt bei Henkel und bekundet, daß das Magenaus- pumpen einer Patientin in keinem Zusammenhang mit der Ope» ration vor dem Prinzen gestanden habe. Frau Reichenbach wurde als erste operiert und kc neswegs unvorbereitet.— Rechtsanwalt Dr. Luetgebrunc: Es erscheint der Verteidigung notwendig, zur Feststellung der Glaubwürdigkeit Dr. Teilhabers aus einem Urteil des Amtsgerichts Weimar festzustellen, daß Dr. Theilhaber eines Nacbts auf dem Wege von der Kneipe in den Krankensaal, der Fräulein Dr. Kusing unterstand, noch Licht gesehen hat. Er begab sich hinein und hörte von der Hebamme, daß gerade eine Patientin entbinde. Darauf hat er sich über die Kranke gebeugt und ihren Leib gepreßt, so daß ein Damlnriß entstand. Er hat am nächsten Tag Kollegen gegenüber sich in burschikosem Ton gerühmt: „Wissen Sie, was ich heute nacht geleistet habe? Ich legte mich einer Patientin auf den Bauch, bumms, gab es einen Dammriß und das Kind war heraus!" Fräulein Kusing war auch empört, daß Dr. Theilbaber sich über die Diagnosen in Gegenwart der Kranken ungeniert unterhielt. Sie erklärte, daß sie mit Dr. Theil- Haber nicht mehr rusanimenarbeiten könne. Dr. Theilhaber wurde vom Landgericht Weimar wegen Körperverletzung damals zu zwei Wochen Gefängnis verurteilt.— Nach Vernehmung des Sachver- ständigen Prof. L e z e r schränkt der Zeuge Dr. Theilhaber seine Aussage in wesentlichen Punkten ein und gibt die Möglichkeit zu, daß ein anderer Todesfall in Betracht kommt. GroßBerün Der städtische Lehrer als Hauseigentümer. Eigentümer des Hauses F ü r b r i« g e rst r. 11 ist der städtische Lehrer M a n i g. Im Jahre 1914 bezog die alleinstehende Arbeiterin F. in diesem Haule eine aus einem einftnstrigeu Zimmer, Küche und mit einem Fenster versehenen Gang bestehende Wohnung zum Preise von 31 M. pro Monat. Nach ihrer Angabe sei die Wohnung seit Jahren nicht renoviert worden. Als nun die Bewegung der Hauswirte» auf Mietssteigerung einsetzte, benutzte Herr M. die Ge- legenheit und steigerte den MietSzins ab I.Oktober 1917 auf 39 M., also um 8 M. Das Mieteinigungsaml entschied, daß nur ein Miels- preis von Sä M. zu zahlen sei. Bereits nach einem halben Jabr, zum 1. April 1918, erfolgte eine weitere Steigerung auf 43 M., das Mietseinigungsamr erhöhte die Miete auf 39 M. Herr M. hatte also, wenn auch erst ein halbes Jahr später, seinen Willen durchgesetzt und eine Erhöbung des Mielszinses um 8 M. erreicht. Der Appetit kommt beim Essen. Herr M. kam zum drittenmal und nahm zum 1. Oktober 1918 eine Steigerung auf 46 M. vor. Das erschien dem Mietseinigungsamr unbillig, es entschied, Fräulein F. brauche eine Erhöhung der Miete nicht zu zahlen, der Mietspreis von 39 M. sei angemessen. Uns dünkt dieser Preis für die kleine Wohnung sehr, sebr hoch. Herr M. wollte aber innerhalb eines Jahres durch drei Steigerungen den Mietspreis um 13 M.. nämlich von 31 auf 46 M. erhöhen, also eine ca. 30 prozenlige Erhöhung vornehmen. Wäre man hier nicht berechtigt, von einem Wobnungswucher zu sprechen? Ausbesserungen der Wohnung sind nicht erfolgt, die anderen Lasten lwomit die Haus- Wirte ibr Borgchen rechtfertigen) haben aus keinen Fall eine der artige Steigerung erfahren. Wäre es hier nicht angesichts der artiger Fälle angebracht, daß das Oberkommando eingreift und die Kündigung einer Wohnung von der Genehmigung einer unpartei ischen Stelle abhängig macht? Da? Vorgehen derartiger Hauswirte grenzt' doch an Gcmeingefährlichkeit und ist geeignet, Ruhe und Frieden zu stören. Die Lehrer- und Beamtenvereine wenden sich— ebenso wie die Gewerkschaften— gegen die unverschämten Miets steigerer. Was sagen sie zu dem dargelegten Fall i h r e s K o l l e g e n? � Ter Verband zur Bekämpfung der Wohnungsnot. Vom Berliner Magistrat wird uns geschrieben: Die Beratungen der Groß-Berliner Gemeinden über Hie Gründung eines Beibandes zur Bekämpfung der Wohnungsnot sind gestern einen wesentlichen Schritt vorwärts gediehen. Es bestand Einverständnis sowohl über den Charakter des Verbandes als auch über den Charakter der Maßnahmen, die zur Bekämpfung der durch den Krieg hervorgerufenen Wohnungsnot zu ergreifen sind. Ferner be Wer üas Abonnement auf öen»vor- wärts" noch nicht erneuert hat, muß sofort l,SS kN. an üen vorwärts-verlag G. m. b. H., Herlin SM, Utnöenstr. 3, oüer an Sie bekannten Ausgabestellen einsenüen, um sich üie pünktliche Weiter- lleferung für Monat August zu sichern. e 3 stand Uebereinstimmung über den örtlichen Umfang des Verbandes und die zeitliche und finanzielle Begrenzung seiner Aufgaben. Ueber einzelne Punkte der Organisation wird am kommenden Donnerstag endgültig beraten werden. Ten Beratungen wohnle ein Vertreter des Oberpräsidenten bei, welcher das lebhafteste Interesse der Staatsbehörden, insbesondere des Wohnungskommissars, an dem erfolgreichen Ausgang der Verhandlungen bekundete. Tie Z?lut saurer Milch. Zu den Klagen über angesäuert« Milch erfahren wir jetzt, daß die Fettstelle Groß-Berlin tatsächlich, wie wir in Nr. 194 andeuteten, «diese Milch ririt Kenntnis ihrer Beschaffenheit an die Händler ge- langen läßt. Auch das trifft zu, daß die Fettstelle die Händler an- weist, für Kranke und Schwangere solvie für die über 4 Jahre alten Kinder die'angesäuerte Milch zn verkaufen und die noch einwandfreie Milch den jüngeren Kindern vorzubehalten. Aus den Kundenlisten wird für jeden Händler abgezählt, wieviel Liter angesäuerte Milch und wieviel Liter nicht angesäuerte ihm zustehen, und beim Verkauf bat dann jeder Händler die ihm gegebene Anweisung zu befolgen. Die Milchkunden, deren Erregung in vielen Zuschriften an uns zum Ausdruck gekommen ist, tun den Händlern unrecht, wenn sie ihnen die Verantwortung für die Beschaffenheit der jetzt in den Handel gebrachten Milch aufbürden. Die Händler müssen nehmen, was ihnen zugeteilt wird und können Milch, die schon an- gesäuert bei ihnen eintrifft, nickt in einwandfreie verwandeln. Das Verfahren der Fettstelle Groß-Berlin, gegen das man vom Stand punkr der Gesundheitspflege die schwersten Bedenken haben muß. erscheint geradezu unglaublich. Sie meint aber, dazu genötigt zu sein, weil auch sie nehmen muß, was zu kriegen ist. Für besser hält sie, die Bevölkerung zum Teil mit angesäuerter Milch zu ver- sorgen, als auf diese Milch zu verzichten, und so die hierher ge-- langende Milchmenpe noch weiter zu verringern. Damit die Liefe- rung auch der angesäuerten Milch den Berlinern„gesichert" wird. bezahlt man sie den Milchbauern ebenso hoch, wie die einwandfreie Milch. » Zu demselben Thema teilt der M a g i st r a t Berlin folgendes mit: Wie bereits verschiedentlich hervorgehoben, wird die Milch auf dem Lande nicht mehr so sachgemäß wie früher behandelt, ins- besondere infolge Mangels an Arbeitskräften nicht den gebotenen Erfordernissen enisprechend gereinigt und gekühlt. Die hierdurch gesteigerte Empfindlichkeit der Milch hat in Verbindung mit der seit einiger Zeit herrschenden Gewitterluft dazu geführt, daß annähernd ein Drittel der gesamten, in das Gebiet der Fettstelle Groß-Berlin eingehenden Milch in sauerem Zustande hier ankommt. Es läßt sich daher nicht vermeiden, auch einen Teil der sauren Milch in den Verkehr zu geben, zumal auch ihr ein erheblicher Nährwert zu- kommt. Die Ferlfielle Groß-Berlin hat jedoch angeordnet, daß saure Milch. an Kinder bis zu vier Jahren nicht ausgegeben werde und den Kleinhändlern entsprechende Anweisungen erteilt. Sollten trotzdem diese Altersklassen saure Milch erhalten, so liegt eine Un- regelmäßigkeit bei der Abgabe vor. Die Fettstelle Groß-Berlin (Milch) legt Wert darauf, von derartigen Vorfällen durch eine An- zeige Kenntnis zu erhalten. Die Fettstelle bleibt im übrigen weiterhin bemüht, die Ausgabe der sauren Milch nach allen Kräften einzuschränken._ Die Nährmittelstelle Predigt Geduld. Zu unserer in Nr. 194 veröffentlichten Betrachtung über .Nährmittelborsreuden" äußert sich die Nährmittelstelle des Berliner Magistrats. Die Zuschrift ist verfaßt nach dem Rezept, das wir von mancher ouS dem Rathaus gekommenen Antwort zur Genüge kennen. Sie schickt eine weitschweifige Aufzählung von allerlei nicht bemängelten Selbstverständlichkeiten voraus und endet verschämt mit dem Eingeständnis des gerügten Fehlers, lleber- stüisigerweiie setzt sie auseinander, daß für die Nährmittelverieilung eine Voranmeldung verlangt wird, daß diese dem Vcrbraucker die Belieferung sichern soll, daß nach Einreichung der Kartenabschnitte es nicht ohne eine Wartezeit vo« in der Regel 10 Tagen abgehen kann und daß bei der Mehrzahl der eingereichten und noch der Belieferung harrenden elf Abschnitte an eine Erledigung noch gar nicht zu denken war. Ja. das alles wußten wir selber— uns wir selber nannten alle Einreichungstermine, damit jeder sich ein Urteil darüber bilden könnte, wieviel Kartenabschnitte wohl endlich belieferungsrcif wären und wieviel noch nicht. Zu- geben muß die Nährmittelstelle das, worauf es uns ankam, nämtich die Tatsache, daß auch die schon in den Tagen vom 26.-28. Juni eingereichten Abschnitte 40—42 der Berliner Lebensmittelkarte noch nicht in allen Bezirken beliefert find. Sie erklärt die Verzögerung aus Erkrankungen des Personals der zufahrenden Händler, ver- spricht aber, daß auch diesen Bezirken im wesentlichen am Donners- lag der laufenden Woche die Waren geliefert sein werden. Der Zusatz„im wesentlichen" läßt die Möglichkeit offen, daß selbst der hier angegebene Zeitpunkt noch überschritten werden kann. Wir sind geipannt darauf, wann die lange„Vorfreude" aus die aus den Kartenabschniltcn 40— 42 winkenden Genüsse wirklich und wahr- hastig für alle Einwohner Berlins vorüber sein wird. Völlige Sonntagsruhe in Charlottenburg. Das von der Charlotteüburger Stadtverordnetenversammlung vor etwa einem Vierteljahr beschlossene Ortsstatul über die Ein- führung der vollständigen Sonntagsruhe im Handelsgewerbe, mit Ausnahme der Lebensmittelgeschäfte, ist jetzt vom Bezirksausschuß genehmigt worden. Die Verordnung wird demnächst zusammen mit der gleichlautenden der Stadt Berlin und einiger anderer Groß- Berliner Gemeinden veröffentlicht werden. Die völlige Sonntags» ruhe in Charlottenburg tritt mit dem 1. August ein. Neue Straßcnnamen in Charlottenbtwz. Der Charlottenburger Polizeipräsident hat 13 neuen Straßen, drei öffentlichen Plätzen, zwei Brücken und einem Park neue> Namen gegeben. So heißt die Straße 6 in Abteilung V jetzt„Am Volksbause", die nördliche Grenzstraße längs des Hohenzollernkanals„Saatwinkler Damm", serner gibt es jetzt eine Rognitzstraße, eine Königin-Elisabeth-Slraße. eine Meerscheidtstraße. Mehrere der neuen Siraßenzüge tragen Namen, die an Ostpreußen erinnern, so die Ostpreußcnallee, die Soldauer Straße und die Masurenallee. Neu sind die Bezeichnungen Salierallee, Waldeckallee, Reußallee und Soorstraße. Der Platz an dem Südende der Oldenburgallee Hot den Namen Oldenburgplatz. der Platz am Südende der Straße 17s. der Abteilung V den Namen Soorplay erhalten. Ein weiterer Platz führt die Bezeichnung Siemensplatz. Die Fußgängerbrücke am Nordcnde des Bahnhofs Witzleben heißt jetzt Witzlebensteg, die Brücke über die Ringbahn im Zuge der Neuen Kantstraße.Ostpreußenbrücke". Der städtische Park an der Scharrenstraße ist nach dem früheren langjährigen Charlottenburger Oberbürgermeister„SchuhsteruSpark" benannt worden. Esdgültige Regelung der Explosionsschädeu in Adlershsf. Die seinerzeit erfolgte große Explosion der Kahlbaumichen chemischen Fabrik in AdlerShof hatte in diesem Ort und den benachbarten Ge- meinden umfangreiche Schäden angerichtet, über deren Regelung es zu weitläufigen Auseinandersetzungen gekommen war. � Jetzt hat sich' nach eingehenden Verhandlungen der Reichsfiskus bereit erklärt, die in den Gemeinden Adlershof, Alt-Glienicke und JobannlSthal an- gerichteten Schäden zu ersetzen, ohne jedoch eine rechtliche Lerpflich- tung hierzu anzuerkennen. Ueber die spanische Grippe hat in der letzten Sitzung der Berliner medizinischen Gefellschaft Piof. Lubarfch, Direktor des Pathologischen Instituts, berichtet. Er stellte fest, daß es sich um eine Abart der Influenza handele und daß die Talsache, daß gerade die jüngeren Leute so schwer unter ihr zu leiden haben, daraus erkläre, daß diese Jugendlichen noch nicht durch Ueberstehen von früheren Jnfluenzaerkrankungen Schutzstoffe in ihrem Körper gebildet haben. „Der Wahre Jacob" ist eingetroffen und gelangt heute zur Ausgabe. Die Lichtspiele Neue Philharmonie, Cöpenicker Straße 96/97, bringen vom 19. bis 25. das Filmwerk„Rizoletto". Aufklärung eines großen Schwindels. Im August v. I. wurde eine Danziger Großfirma durch Machenschaften mir einem Geldbrief und mit Giro-, Scheck- und UebcrweisnngSkonten bei der Sparkasse um 123 000 Mark geschädigt. Der Fälscher, der sich Walter von Lindner nannre, und nach Einzahlung von 30 Mark ein Scheckbuch erhielt, erhob auf Grund der erschwindelten Konten 23 000, dann 70 000 und endlich dann noch 8000 Mark. Erst bei der Verrechnung der Sparkasse mit der Großfirma kam der Schwindel ans Licht, zu- gleich auch die Machenschaften mit einem Geldbrief, die das Ge- ichäsl 20 000 Mark kosteten. Die Ermittelungen ergaben, daß sich hinler„WaIter von Lindner" ein 27 Jahre aiter Bureauaisistent Bruno Kunz verbarg, der bei der Firma angestellt gewesen war und ein gewisses Vertrauen genossen hatte. Kunz war durch seinen Hang zum Wohlleben auf die schiefe Bahn geraten. Er unterschlug erst die 20 000 M., verließ dann seine Stellung und setzte nun die Schwindeleien bei der Sparkasse ins Werk. Seine Dreistigkeit ging so weit, daß er, obwohl er dort nicht unbekannt war, noch eine Weile in Danzig blieb und den Lebemann spielte. Als .Husarenleutnant" besuchte er die vornehmsten Wirlschafteu und machte einmal an einer Stelle mit einer Sängerin eine Zeche von 2000 M. Ein zweites Verhältnis knüpfte der Schwindler mir einer früheren Zigarettenarbeiterin Elsbeth Schulz aus Neu-Bcelitz an. Abwechselnd mit ihr und der Sängerin, zuweilen auch allein, kam er nach Berlin, um auch hier den großen Mann zu spielen, bei dem es auf Geld nickt ankam. Die weiteren Ermittelungen ergaben, daß er sich nach Neu-Beelitz gewandt hatte, wo er unter dem Namen Waller Sckwarz als Ehe- mann der Schulz auftrat. Aus Papieren, die er hier sehen ließ, schien hervorzugehen, daß sich Herr Schwarz als Kriegsbeschädigter in einer Auseinandersetzung mit der Militärbehörde über seine Rente befand. Unterdessen richtete er sich in Bromberg eine feine Wohnung ein, um sich dort unter dem Namen Schulz häuslich niederzulassen. Bevor er fedoib dazu kam, ermittelte ihn aber ein Wachtmeister in Neu-Beelitz. Außer Kunz wurde auch seine Ge- lftbre Elsbelh Schulz festgenaninien. Eine Anzahl Papiere, die der Schwindler benutzte, haben, wie die Ermittlungen weiter ergaben, Schwestern der Schulz angefertigt, die in Danzig und anderen Städten, in behördlichen Stellungen waren. Ein folgenschwerer Straßcnbnhnzusammcnstoß hat sich am Königs- tor zugetragen, wo schon mehrfach solche staltgefunden haben. Ein gut besetzter Wagen des OsrringS 4 fuhr aus einen haltenden Wagen des StadtringS I von hinten auf. Beide Wagen wurden stark be- schädigt und ein Dutzend Fahrgäste mehr oder weniger schwer verletzt. Sie wurde« im Krankenhaus Friedrichshain ver- Kunden und dann zum größten Teil entlassen. Unter den Ver- letzten befanden sich eine Fahrerin. SanitätSrat Dr. Gumpert, Greissivalder Str. 188, Freut M. A. Rückert. Koppenstr. 15 und Johann Kopplin, Steinmetz, Transvaalstr. 44. Ferner Willi Klein, Petersburger Str. 38. Otto Gallar, Carmen-Shlva-Slr. 26, Ernst Mühlke, Frankfurter Str. 10 und Fr. Schmidt, Lichtenberg. Ailwcrsdorf. Käseverteiluag. In der Zeit vom IS. bi« 24. werden an diejenigen Einwohner, welche in die Speisefett-Kunden- listen der in den Bezirken der Brotkommissionen 1, 4s. 4d, 6d, 7 und 8 in Wilmersdorf gelegenen Geschäfte(Filialen. Verkaufsstellen) eingetragen sind, je 125 Gramm Faustkäse verteilt. Die Geschäfte sind durch ein Aushängeschild:„Verkauf von Käse der Fettstelle Groß-Berlm" geiennzerchuet. Der Läse darf awc auf die zurzeit gültigen Speisefettlarten für Groß- Berlin abgegeben und ent» nommen werden. Eine besondere Anmeldung zum Bezüge des Käses findet nicht statt. Der Preis für 1 Pfund Faustläse wird auf 1,79 M. festgesetzt._ Neulöll». Gcmüsevcrsorgmig. Der Magistrat richtet an die Bevölkerung und an die Händler im Anzeigenteil dieser Nummer die Aufforderung, die gegenwärtige günstige Gelegenheit zu be« nutzen und sich reichlich mit Gemüsevorrälen zu versorgen. Reinickendorf. Lebensmittel. Ersatznährmittel auf Abschnitt 28 können noch bis zum 20. d. M. bei allen Händlern, auch solchen, die nicht Kartoffeln führen, bezogen werden. Es entfallen auf jedes ausgefallene Pfund Kartoffeln 190 Gramm Nährmittel'(Hülsen. fruchte, Teigwaren, Suppen usw.), auf jeden Einzelabschnitt dem- nach.50 Gramm. Ein Anspruch auf eine bestimmte Warengattung steht niemand zu.— In der Bekanntmachung über die Abgabe von Grütze mutz es heißen:»die für 100 Gramm Grütze 8 Pf., Pfund- preis SS Pf/_ Groß-Serlmer parteinachrichten. Lichtcrfelde. Am Sonntag, den 2/l. Juli, findet ein Ausflug nach der Pfaueninsel statt. Treffpunkt in Wannsee an der Bahn- Hofshalle um 1 Uhr., Abfahrt Lichterfelde>West 12.89. Mitglieder und Gäste sind willkommen. Allgemeine Kranken- und Sterbekafie der Metallarbeiter. a. G.. Hamburg. Filiale Neukölln.) Mitgliederversammlung morgen, den 20. d. M., abends S>/, Uhr, bei P. Kramer, Ziethenstr. SS. Gerichtszeitung. Wte'S gemacht wird. Der Betrieb einer Brotkartenzentrale, in welcher Umsätze von etwa 100000 Stück Brotkarten erzielt wurden, wurde in einer Verhandlung vor der 3. Ferienstrafkammer des Landgerichts I unter Vorsitz des Geh. Justizrats Wille auf- gerollt. Angeklagt wegen Diebstahls bzw. gewerbsmäßiger und ein- facher Hehlerei waren angeklagt: der Buchbinder und Maschinen- meister Gustav G r ö s ch k e, der Drucker Friedrich I u n g b l u t h, der Maschinenmeister Paul P a b st, die Frau Berta B r u s ch k e, Frau Charlotte C i s i e l s k y und deren Mutter, die Frau Klara H i I s ch e r. Die drei Angeklagten Gröschke, Jungbluth und Pabst waren in Gemeinschaft mit einem gewissen Max N o w o t n i k, gegen den das Verfahren abgetrennt worden ist, bei der Buchdrucke- rei Faßbender, welche wegen Ueberlastung der Firma Hermann Fleisch- und Brotkarten zu drucken hatte, beschäftigt gewesen. Wie der Angeklagte Gröschke behauptete, hätten in der Druckerei die Brotkarten überall herumgelegen, seien ausgefegt worden«usw. Der Verteidiger des G., Justizrat Z a u ck e, stellte den Antrag, mehrere Zeugen darüber zu vernehmen, daß der Inhaber der Firma Faß- bender, Fieling, sobald die Angestellten an ihn wegen einer Lohn- erhöhung herantraten, nicht nur habe durchblicken lassen, sondern ganz offen geäußert habe, sie sollten sich Brotkarten nehmen und zu Geld machen. Tatsächlich habe sich jeder Angestellte der Firma ohne weiteres 2—3 Brotkarten pro Woche nehmen können. Wie der Angeklagte Gröschke weiter behauptet, habe Nowotnick, der etwa 80 000 Brotkarten entwendet habe, zu ihm geäußert, er habe keine Angst, daß etwas passiere, denn er müsse ja ein Paket Brotkarten auch in die Privatwohnung des Chefs bringen, — Durch diese höchst eigenartigen Verhältnisse wollen die drei An- geklagten der Versuchung erlegen sein, es ebenso zu machen Die gestohlenen Brotkarten wanderten in ganzen Paketen durch die Mitangeklagte Bruschke, mit der Gröschke ein intimes Liebesver- hältnis unterhielt, an einen gewissen C i s i e l s k y, der damit einen schwunghaften Handel trieb. Hunderttausende verdiente und seine Frau, die jetzige Angeklagte C. mit einer dicken Tasche voll Tausendmarkschcincn nach Triberg schickte. Frau C. spielte dort die Rolle einer Millionärin, unterhielt u. a. auch ein Liebesverhältnis mit einem Studenten Herz, dem sie 6000 M. lieh. Cisielsky wurde später, wie seinerzeit gemeldet, don einem Komplicen der Handels- zentrale furJSrotkarten Nammens A ff e l d t in einer Kaschemme nach einem Streit über den Erlös erschossen.— Vor Gericht waren die Angeklagten nur zum Teil geständig. Der Staatsanwalt be- antragte mit Rücksicht darauf, daß durch das höchst gemeingefährliche Treiben der Angeklagten die Volkscrnährung gefährdet worden sei, gegen Gröschke 3 Jahre 6 Monate, gegen Jungbluth IM Jahr, gegen Pabst 1t- Jahre, gegen die Bruschke 2 Jahre und gegen Frau Cisielsky und deren Mutter je IX Jahre Gefängnis. Das Gericht erkannte gegen Gröschke auf 3 Jahre Gefäng- n i S. Von den Rechtsanwälten Justizrat Dr. Werthaucr, Bahn und Dr. Curt Pincus wurde für die übrigen Angeklagten um mildere Strafe gebeten, die das Gericht bei Jungbluth auf IJahrSMo- n a t c, bei Pabst ebenfalls auf 1 Jahr 6 Monate, bei der Bruschke auf 6 Monate 1 Woche, bei der Cisielsky auf 4 M o- nate 1 Woche und schließlich bei der Htlscher auf 7 Wochen Gefängnis bcmaß. Bis auf die letztere wurden allen anderen 6 Monate auf die Untersuchungshaft angerechnet und die Frauen aus der Haft entlassen. Snefkaften öer Redaktion. Die juristische Sprechstunde findet für Abonnenten LIndenstr. 3, 1. Hos Uni«, parterre, am Montag bis Freitag don 4 bis 7 Uhr, am Sonnabend von b bis V Uhr stall. Jeder sür den Vrieslasten bestimmten Anfrage ist ein Luchstabc und eine Zahl als Mcrlzeichcn beizufügen. Briefliche Ant- wort wird nicht erteill. Anfragen, denen leine Abonnementsguittung bei- gefügt ist, werden nicht beantwortet. Eilige Fragen trage man in der Sprech, stunde vor. Lrrträgc, Schrislftückc und drrglclajen bringe man in die Sprech» stunde mit. Ldstm. Sch. 1. Sic können jetzt schon Antrag aus Rente stellen. 2. Sie können eine Bejchlvcrdc natürlich wir auf dem Dienstwege einreichen.— Alter Abonnent 1. X. 10. Der Antrag ist beim Magistrat zu stellen.— O. U. 50. Etwa des Einkommens bat die Frau aiS UnterdaltungSgeld zu beanspruchen, sür jedes Lind müssen bis 50 M. monatlich gezahlt werden.— B. 53. 1. Wenn Bedürftigkeit vorliegt. 2. An die KdegS-Kinderspcndc deutscher Frauen, Prioatkanzlei der Krön- Prinzessin, Potsdam, Neuer Garten.— 8. 25. Der Kursverlust geht zu Ihren Lasten.— F. G. 1..Daz ist u. D. gestattet. 2. Das ist wohl möglich, Sie mutz aber die Genehmigung des dortigen Gouverneurs und der hiesigen Polizeibehörde haben. Darüber musz sich die Frau in ihrem jetzigen Wohnorte erkundigen, i. Nein.— Globus. Die Fortsetzung der Invalidenversicherung empfiehlt sich. Anspruch aus Altersrente haben Sie mit vollendetem 65- Lebensjahr, wenn Sie 1209 Markeil nachweiseu können. —®. S. 29. Es würde sich cmpsehlcn, datz durch die Firma noch- mals beim Generalkommando Beschwerde eingelegt wird.—'8. 8. Ja. Wasserstandsnachrichtcn der Landesanstalt für Gcwäffcrkunde. mitgeteilt vom Berliner Wcttcrbureau. So»nabend mittag. Zunächst etwas kübler, üordöstlich der Oder noch vielsach Gewitterregen, in den anderen Gegenden noch ziemlich heiter, später im Westen langsame neue Zunahme der Bewölkung und strichweise Gewitter. Uvutsckv» Theater. Mit Max Pallenberg Freitag u. Sonnabend: 8 Uhr; Familie Schlmek. Sonntag: Bihikoff. Kammerspiele. Allabendlich 7'/4 Uhr: Inkognito.(Operette.) Volksbühne, Th.a. Biiiowpl. Allabendlich 71/, Uhr: Ein Sommernachtstraum. Theater des Westens AUabendlich 71/, Uhr; Die Tänzerin. IheatBr Ii. Königgrätzerstr. Dir.C. Meinhard— R. Bernauer. 8 Uhr; Die fünf Frankfurter. Komödienhaus 8 Uhr: Hie Zarin. BerlinerTheater ""U.; Blltsblanes Blut. flieater der FrieirieMt Ecke Friedrich- u. Uinienstr. Telephon: Norden 8650. Täglich TU Uhr: Sie erste Seine. Sonnt, nachm. S'U kleine Pr.: Jugend. Admiralspalast {Bi; Prinzessin von Trayantl Sajdah Deutsche Tänze 7*/4 Uhr. 2, 3, 4, 5, 6 M. Berier Frater-teler Kastanienallee 7—9. Täglich 5 Uhr in vollständig neuer Bearbeitung: W WMlMeftl Grotze Possen-Revue in 5 Bildern Dazu die groBari Spezialitäten 1. Manege-Schaustück „Toppedo-loe!" i. artistT.: Der Radf a. d. Seil I. schwind. Kühe unter der Zirkuskuppel. Voryepk.: Zirkusk., Werth. fiMsaßt »tTi mit dem Schwank Tägl. 7»/,. Sonnt. 3'/, u. 7'/, Großer Uacheriolg! Gesamt-Gastsplel des> Herrnfeld-Theaters Die Kriegsgewinnler. Hauptroll.: Dir. A. Herrn- feld. Ferd. Grüneckor. DER„RIAS | Im I. Akt: Hias und das Kammerkätzchen.■ Die Flucht des Hias aus französischer Gefangenschaft.■ Der Traum des verwundeten Leutnants. B Im II. Akt: Der gescherte Alisi. a Das ur- fidele Front-Brettl. 99 Im III. Akt: Das Kriegsgericht, b Die glänzende Film-Einlage:„Sturm auf Schloß Mont-Plaisier". Täglich 71/, Uhr abend« Sonntag 2 Vorstcllnngen: S'I, n. 7'/, I hr WALHALLA Theater ♦ Weinbergsweg. „Torpedo— los!'' das gr.nancge-Schaastttck 8onntag L Vorstellungen 3 u. 71/, Uhr. Ewerkschaftsham. Sonntag, den 21. Juli lS18t Im grosieu Saale feiert der MWK..ZU gliise« sein 35 sahrtges Stiftungsfest. Gesangs» und Humor. Borträge. Berliner Sinfonie-Orchestcr. Im herrlichen Naturgarten: limzeil iMtm WM. Sontt. Sonntag mittag: Blumenkohlsuppe... 0.50 Spickaal...... 4, CO Blumenkohl, Holland... 2,00 Edelkarpfen in Bier.. 4,00 Champignon k la maitre 3,00 Kabeljau auf SeemannSart 2,50 Gänjeleber i Topf Roastdeej... Poularde.. Käse Speise Kompott, Salat . 5.00 . 4,00 . 5,00 Ari«! Heute und morgen: Hühnerbrühe, a Liter 60 Pf., und darin gekochte Fetthühner, ili Fetthnhn 10 M- Gemüseversorgung. Die Zufubren an Frühgcmüse aller Art, insbesondere an Möhren und Karotten, sind in den letzten Tagen sehr grotz ge- wcsen, sodatz es dem Magistrat nicht möglich war, alle Mengen an die Bevölkerung zum Frischverbrauch abzusetzen. Die Ueber- lieserung ist teilweise darauf zurückzuführen, datz die Landleute zurzeit noch nicht mit der Getreideernte begonnen haben und daher ihre Arbeitskräfte zum Ernten des FrühgcmüseS in An- spruch nehmen, und teilweise, und das ist wahrscheinlich der Haubtgrund der augenblicklichen Ueberlieferung— daraus, datz die Preise für Gemüse zurzeit uns einer Höhe stehen, wie sie im Lause des Jahres nicht wieder erreichen werden. Hierdurch an- gereizt, find die Landleute dazu übergegangen, Gemüse, das sich noch Weiler entwickelt hätte, aus der Erde zu reitzcn und an diejenigen Stellen, die mit ihnen Verträge abgeschlossen haben, abzusetzen. Da nun in den nächsten Tagen wobt überall mit der Getreideernte begonnen wird und andererseits die Preise für Betniiie immer weiter heruntergehen, wird die Zufuhr, die bis jetzt überreichlich war, ganz gewaltig nachlassen, ja sogar zejt« weilig auibören. Mit Rücksicht hierauf liegt eS im dringendsten Interesse unserer Bevölkerung, wenn sie von dem zurzeit reichlichen Gemüseangebot auSgiebig Gebrauch macht. Insbesondere möchten wir unserer Bevölkerung dringend empfehlen, die von uns be- schassten jungen Möbren und Karotten in grötzeren Mengen abzunehmen und für spätere Zeit aufzubewahren. Die jungen Möhren und Karotten eigneik sich ganz besonders zuin Einwecken und können aus diese Weise viele Monate lang haltbar gemacht werden. Sie find ganz vorzüglich im Geschmack und haben ein hcrvorragendss Aroma. Hinzu kommt, datz sie von allen Ge» müsen wohl am meisten Nährstoffe in sich tragen. Da jede HauS- srau mit dem höchst einlachen Verfahren deS EinweckenS ver- traut ist, glauben wir, datz cS nur dieses Hinweises bedars, um unsere Bevölkerung zu veranlaffen, sich sür eine spätere, gemüse- arme Zeit möglist mit dem autzerordentlich nahrhaften Gemüse einzudecken. Die Gemüsehändler ersuchen wir, sich an der städtischen Gcmiise-Ausgabestclle geschlossen einzufinden und mit Gemüse reichlich zu versorgen, damit sie in der Lage sind, die Nachfrage unsererer Bevölterung zu befriedigen. Diejenigen Händler, die diesem Ersuchen nicht nachkommen und auS dem Grunde den Wünschen ihrer Kunden nicht gerecht werden können, werden von der weiteren Belieferung von Gemüse und Kartoffeln aus- geschlossen werden. L2L � Neukölln. 17. Juli ISIS. Der Magistrat. «V»»«OO»«OO»OO»OG !to'G!i8yisn-'Mös. Gastspiel der leipziger Seidel-Sanger. Anfang �l|, Ab I.Aug. Stettiner Sänger. Reicluhallen-Saal u. Garten Blüthgen- Konzert. 15 000 M. Belohnung!! Demjenigen für Wieder. herbeischaffung der uns in der Nacht zum 15. Juli durch Einbruch gestohlenen Teppiche. OLL 5000 M. für den Nach- weis der Täter. ' Quantmeier& Eicke, Wilhelmstr. 55, Telephon; Zentrum 1524 oder 8803. Trianon-Theater Bhf. FHedriohstr.Ztr. 4927.2391 8 U. Zum 322. Male: Der Sebensschüler. Kaiser-Titz, Bildt, Flink. Sonnabend nachm.'(,4 kl. Pr. Schneewittchen. Sonntag 4 Uhr: Johannisfeuer. Kaufe nur Freitag. 19. u. Sonnabend, den 20. Juli, von 10 613 0 Uhr, alte, auch zerbrochene 80/5' Zahngebisse sowie alte Holzbrennstiste, im tötet zum grünen Baum, rausenstr. 56/58, Zimmer 1, pl. Zahle pro Zahn von 0,50 an bis 4 M., Platin pro Gramm 7,80 M, Fran Willig. Nach fast sechsjähriger schwerer Dienstzeit starb am 4, Juli 1918 im Feldlazarett im Westen an den Folgen seiner schweren Verwundun- gen(Kops- und Brustschutz) mein lieber guter Mann, Vater seines Töchterchens, unser inniggclicbler Sobn, Bruder, Schwiegersohn, Schwager und Onkel, der Unterosftzicr 2734b Herm»nn Bischof Jnh. deS Eis. Kr. II. KI. | im Alter von 28 Jahren. In tiefem Schmerz j Hartha Biechok, gb. liebirg, nebst Klein-Gertrud. August und Ida Bischof, alä Estern. Allen Freunden und Be- kannten die traurige Nach- richt, datz meine liebe Frau und unsere gute Mutter Ida Paschke geb. Gohlke nach langem und schwerem Leiden am Montag, den 15. Juli, verstorben ist. Dies zeigt in lieser Trauer, um Hille Teilnahme bittend an, der trauernde Gatte Leo Franz Paschke nebst Kindern, Kopenhagener Stratze 38. Die Beerdigung findet heute Freitag, den 19, Juli, nachmittags Ist, Uhr, aus dem ftädt. Anstalts-Friedhoj in Buch statt. Deutscher Ilietallar&elter- Verband. Verwaltungsstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, datz imsere Kollegin, die Metallarbeiterin SSsMrele ksnslcc SIettiner Stratze 24, am 18. Juli gestorben ist. Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 20. Juli, nachmittags 5 Uhr, von der Leichenhalle des Elisabeth- kkirchhoseS, Pankow, Wollank- stratze, aus statt. Rege Beteiligung wird er- wartet. 115/7 Nsclirufe. Den Mitgliedern serner zur Nachricht, datz unser Kollege, der Mechaniker rricdricd Behrens i Steglitz), am 14. Juli gestorben ist. Den Mitgliedern ferner zur Nachricht, datz unser Kollege, der Rohrleger Boherl Halzky Eharlottenburg, Usnaustr. 4, am 14. Juli gestorben ist. Den Mitgliedern ferner zur Nachricht, datz unser Kollege, der Arbeiter Moll Metzentien Andersenstr. 3, am 11. Juli gestorben ist. Den Mitgliedern ferner zur Nachricht, datz unser Kollege, der Schlosser Gnslsv Schubert Niederschöncwcide, Berliner Stratze 49, am 22, Juni gestorben ist. Ehre ihrem Andenken! Tie Ortsverwaltung. DeuUcber j Cransportarbcitervcrband. BczirkSverwalt. Grotz-Berlin 1 Den Mitgliedern zur Nach. I richt, datz unser Kollege, der f Icschästsdiencr Karl Sumpf von der Firma Ullstein l am 10, Juli im Alter von 155. Jahren verstorben ist. 1 Die Beerdigung findet am I Sonnabend, den 20. Juli. j nachmittags 5 Uhr, von der 1 Leichenhalle des Gethsemane- I kirchhoseS, Nordend, Blanken- > selber Str. 5, aus statt. Um rege Beteiligung wird Ü nsucht., 6249 Nachrufe. Den Mitgliedern feiner 1 zur Nachricht, datz unser j Kollege, der GeschäslSkutscher Ärtur Freund I am 5. Juli im Aller von j 65 Jahren verstorben ist. Den Mitgliedern serner zur Nachricht, datz unser Kollege, der GeschästSdicner Felix Rottmann am 14. Juli im Aller von 31 Jahren derstorben ist. Ehre ihrem Andenken! Ute Bezirksverwaltung. Dcuficber Bauarbeiter-Verband. Zweigverein Berlin. Bezirk Wilmersdorf. Am 16. Juli starb unser Mitglied, der Maurer Paul Penxler. Ehre seiuem Andenke»: Die Beerdigung findet heute Freiiag, nach- mittags 21ilJ Uhr, au! de�n Gcmeinde-Friedhos, Berliner Stratze 101— 103, stall. Um rege Beteiligung ersucht j40/12 Ter Vorstand. Am Freitag, den 12. Juli, verstarb unser tangjährigeS Mitglied und Mitbegrün- derin, Frau Gertrud Dietrich Neukölln, Kaiser- Friedrich- Stratze 197. Die Einäscherung findet am Sonnabend, den 20. Juli, nachmittags 6 Uhr, im Kre- matorimn Gcrichtstr. 37/38 statt. 300/15 Friede ihrer Asche! l»ank8agnng. Zurückgekehrt vom Grabe meines herzensguten Mannes sage ich unseren Bekannten, Nachbarn, sowie seinen Kollegen sür die Beweise herzlicher Teil- »ahme meinen innigsten Dank. 'Tie trauernde Witwe Emma Kurse h, Stephanstr. 50. 20011 Nachruf. Als Opfer des Weltkrieges starb am 5. Mai 1918 an den Folgen einer schweren Verwundung unser treuer Kollege und langjähriger Milardeiter in der Arbeiter- jugcnd Roscnthaler Vorstadt Georg Kaliaka im Alter von 19 Jabren. Wir werden sein Andenken allezeit in Ehren halten! Hie Ardeilerjupil Beriin. Danksagung.• Für die vielen Beweise herz« sicher Teilnahme und Kranz- spenden bei der Beerdigung unserer siebeil Mutter und Schwiegermutter /Marie Großmann und unseres lieben Bruders und Schwagers Karl Großmaoa sagen wir allen, welche ihnen die letzte Ehre erwiesen, unseren herzlichsten Dank. 192'Zl Die trauernden Hinterbliebenen. Nr. 196— 1H1S Unterhaltungsblatt öes vorwärts 3m OahnWärterhäuschen. Von Wilhelm S ch a r r e l m a n n. ES waren.Sommertage, die wie ein einziges Lächeln Gottes waren. Wochen und Monate hatte ich über meiner Arbeit gesessen und kein Auge für die Sck-önheit des Sommers gehabt. Der alte Virn- bäum unier meinem Fenster rauschte vorwurfsvoll'im Winde, und die Wollen wanderten unter dem Himmel hin, hell und licht wie selige Geister. Aber die Nächte! Jene hellen Sommernächte, die voll don tausend Geheimnissen durch Gassen und Gärten gehen und in uns eine Sehn- sucht wecken, die ruhelos und schwebend ist wie der Flügelschlag eines Reihers. Und eines Morgens, das erste Sonnenlicht spielte seinen brausende» Morgenchoral, hielt mich's nicht länger. Ich mußte hinaus und fort. Aber wohin nur? Wohin? Meine Träume schweiften bis in die nordischen Fjorde, kreisten mit sehnsüchtigen Flügeln um die Berge Tirols. Denn Träume und ungestillte Wünsche sind eigensinnig wie Kinder und wollen ihre Freiheit und ungehemmten Flug. Aber sie werden auch müde wie Kinder und kommen von selbst zurück. So wurde es wiederum nur eine kurze Fahrt in die Heide, eine Wanderung an schweigenden Fö.hrenwüldern entlang, durch summende Einsamkeiten, wahllos ins Blaue hinein. Aber mit mir die Wolken, mit mir die Sonne, mit mir der Wind. In einem einsamen Bahnwärterhäuschen blieb ich nach einigen Tagen zur Nacht. Ein Giebelzimmer, drei Schritt im Gebiert, Kammer und Stube zugleich. Ein Fenster, bequem mit den Schultern anszusüllen, dar- unter, der Garten: ein bunter Zipfel im braunen Kleide der Heide, ein grüner. leuchtender Wimpel. Unter dem Bahndamm Sonnen- blumen. Rittersporn und Feuerlilicn in unerhörter Pracht. Da- neben die Schienenstränge wie ein Paar gleißender Schlangen und dahinter Wald, dunkel und ernst, lieber allem aber der leuchtende, blaue Sommerhimmel und Wolken, lauter und schimmernd weiß wie die Ewigkeit. Hier den Abend verleben, wie der schmale Mond hinter den Föhren aufkommt und die Nacht ihre Lampen anzündet Unten kramt die Frau noch mit ihren Milcbschüsseln, meckert die Ziege im Stall. Und dann die große heilige Stille, in der alles um einen versinkt. Nur haS Summen der Telegraphendrähte. Wie Sterne hängen die Signallampen in der blauen Lust. Langsam kriecht von weitem ein Zug heran, wächst mählich ins Große, rattert und stampft, daß das Haus erbebt und das Wasser- glas auf dem Tisch hinter mir klirrt. Nun ist er vorbei und eine blasse Wolke von Dampf, die er hinler sich gelassen, hängt unschlüssig in den Wipfeln, weiß nicht, wohin, und zergeht darüber in dem zagen Winde. Um Mitternacht kommt der letzte V-Zug. Er rast unter meinem Fenster vorbei, als müsse er.das Dunkel, das auf den Schienen lastet, zerschmettern und zerstampfen. Fliehende Lichter unter meiner Zimmerdecke wie huschende Arme, mit denen er ins Dunkel langt. Dann, langsam wie die Ringe eines Wassers verebben, in daS jemand einen Stein geschleudert, kehrt die Stille zurück, schwingen die Stunden wieder ihren lautlosen Reigen. Und je länger die Stille dauert, um so tiefer wird ihre Sehn- sucht nach dem, was ihr Erfüllung gibt. Denn alle Stille will Klang, will Rhythmus, will Gesang. Aber hier ist niemand, der ihre Sehnsucht stillte. Der Klang einer Flöte könnte es vielleicht, eine dunkle, weiche Melodie... Aber die Nalur weiß besser, was in diese Stille paßt. Ein Ziegenmelker beginnt zu spinnen, fast wehmütig klingt's, immer die kleine Terz, geheimnisvoll, als hätte die Stille selbst Stimme bekommen und sänge ins Dunkel. Da, über mir, plötzlich ein silberner Streif. Eine Sternschnuppe. Als löste die Nacht einen der Sterne aus der Flut ihres dunklen Haares und würfe ihn ins Uferlose hinab. Wieder eine— jetzt dort— schon wieder eine— mehr— eine königliche Verschwendung an Schönheit und schimmernder Pracht— und doch nur ein Brosamen von dem Ucberfluß an Licht und Glanz da oben. Wie die Blätter von dem Blütenmeer des Himmels, das auf den dunklen Fluten kreist. Der Mond ist höher gekommen. Deutlich erkennt man in seinein blassen Licht den Weg durch die Föhren, die lautlos im Dunkel stehen. Schöner kann der Himmel auch über den Tiroler Bergen nicht sein, schöner nicht über den Fjorden des Nordens, tiefer nirgends die Stille, geheinmisvoller nicht der Wald und demütiger nirgends die Nacht. Plötzlich singende Stimmen, Gitarrenklänge, Gleichschritt von Füßen. Wandervögel, die eine Nachtfahrt machen und auf der fernen Landstraße vorbeiziehen. Und dann ist alles wieder mein: Licht und Weite, Himmel und Erde, die Stunde jetzt und die Stille, die wie ein ruhender Glockenhainmer wieder schweigend uitler der Kuppel des Himmels hängt. Wie die Schienen im Dunkel gleißen. Denken, daß sie durch das Dunkel der Nacht bis in die Berge gehen, an Wäldern und Hängen vorbei, an Gletschern upd Strömen, über rauschende Schlnchren hinweg und mondlichtcrsüllle Wasser- stürze, von einer Einsamkeit in die andere reichen, die alle das Land schweigend in seinen Armen hält, fest nnd ruhig, wie eine Mutter ihre Kinder. Und rings an den Grenzen brennt der Krieg.-- fluf dem Unken Marne-Ufer. Da, wo die Armee des Generalobersten von Boehn nach dem Ueberschreiten der Marne das linke Flußufer gewonnen hat, liegt eine Landschafe, die der Franzose als.Lauie-Brie" zBris Pouilleuso) bezeichnet. Während an der Nordseite des Flusses die günstigen, nach Süden schauenden Hänge dem Weinbau dienen, finder sich auf dem Südufe» in dem schwach gewellten Hügellande zwischen der Marne und dem Kleinen Morin vorwiegend Acker, Wiese und Wald, selten Wein-, aber stellenweise viel Obstbau. Der Hauptverkehrsweg der die Landschaft nach Süden durchzieht, ist die Eisenbahn, die etwas wesllieb von Jaulgonne von der Marnetalbahn abzweigt; man erreicht sie, wenn man sich von Jaulgonne auS südwärts wendet, in der Gegend von Crbzanch; hier beginnt die eigentliche Lause- Brie, und Crözancy ist einer ihrer Hauptorle. Es ist ein großer Flecken, an dem wenig Vemerkensweites ist, abgesehen von der landwirtschasllichen Schule. Hier erreicht die von der Marne komniende Bahn auch den Surmelin, dessen Tal sie ein Stück folgt. Es ist ein verhältnismäßig stattliches Flüßchen, denn der Surmelin nimmt beinahe alle Wasserläufe auf, die aus der Lauiebrie nach Norden abfließen. Man braucht dem Flllßefien nur ein Glück weiter aufwärts zu folgen, so kommt man nach Condb-en-Brie. Er be- deutet dasselbe, wie das deutsche 5ioble»z, nämlich Zuiammenfluß. Hier nimmt der Surmelin den Dhnis und Kwei andere Bäche auf. Condb ist ein schmuckes, recht altes Städtchen? der Lauf des Dhuis durchzieht es; unmittelbar an seinem User liegt ein Schloß mit einem reizenden Park? allenthalben wird das Wasser des DhuiS lünstlich verteilt, denn Conds baut in großem Maßstabe die Kresse an, die vielen Wassers bedarf. Auch der Dhuis ist hier Verhältnis- mäßig wasserreich, denn die Flüßchen, die nicht dem Surmelin selbst zuströmen, vereinigen sich mit ihm. Es fließt in einem Bette mit zahl- reichen Windungen durch eine Wiesenlandschaft dahin? wenig weiter aufwärts aber findet man wohl noch das Flußbeit, aber es wird dann erstaunlich wasserarm, und wer den Zusammenhang nicht kennt, fragt sich verwundert, wie es möglich ist, daß der Fluß im Unterlaufe so viel breiter und wasserreicher ist, als dem Ober- lause entspricht. De? Rätsels Lösung findet man bei Pargny, einem kleinen Dorfe: der Dhuis ist es, der die Stadt Paris mit Wasser versorgt. DaS reiue Wasser aus den Hügeln der Lausebrie wird gesammelt und in einer kunstvollen Wasserleitung, die im ganzen eine Länge von 131 Kilometern hat, nach Paris geleitet. Sei: dem 13. August 1863 ist diese Wasserleitung in Betrieb. So weit es sich um die Wasiennenge» handelte, hat sie nie versagt, ja ein Teil de« Wassers strömt von Pargny aus nordwärts im Bette des Dhuis der Marne zu, und nur ein Teil wird nach Paris ge- leilet. Während des Deutsch-Französischen Krieges mußten die Pariser das Wasser der Lausebrie freilich entbehren. Im Sep- tember 1870 leitelen die deutschen Truppen das Wasser aus dem Sammelbecken in das eigentliche Bette des DbuiS, und bis zum 18. April nächsten Jahre? führte der Bach die Wassermenge, die ihm von Natur zugemessen ist. Kriegsfürforge im Altertum. Die Fürsorge zur Unterstützung d��ingchörigen der Einge- zogen-cn, der Kriegsbeschädigten und Wi Hinterbliebenen der Ee- fallencii, die iiil heutigen Staat organisiert ist, Ivar bis vor einem Jahrhundert unbekannt. Noch die Invaliden aus den Kriegen Friedrichs II, zogen mit Leierkästen umher, und auch nach den Bc- freiungskriegen ivurdc für die Kinder der Gebliebenen noch wenig getan. Eine solche Fürsorge kann sich nur bei einem Volksheer cnt- wickeln, und deshalb ist auch daS einzige geschichtliche Vorbild für die heutige Kyiegsfürsorge im griechischen Altertum zu finden, wo ebenfalls Bürgerhecre für die Freiheit des Vaterlairdes kämpften. Die wichtigsten Beweisstellen für diese Kriegsunterstützung im klassischen Altertum stellt Dr. I. Merr in der„Oeftcrreichischc» Rundschau" zusmnmen. Ter erste entscheidende Hinweis findet sich in der berühmten Rede des Pcrikles, die dieser bei der Totenfeier für die Gefallenen des ersten Jahres des Pelopouncsischen Krieges hielt. Am Schluß dieser Rede heißt es nach der Wiedergabe bei Thukydides:„Ihre Kinder aber wird von nun an bis zur ihrer Volljährigkeit die Stadt auf ihre Kosten erhalten." Als Dcmosthencs die Trauerrede für die bei Chäroncia Gefallenen hielt, brachte er denselben Gedanken zum Ausdruck. Zwar ist die ihm von der Ueberlieferung zugeschriebene Grabrede bestimmt unecht, doch ist an der Richtigkeit dieser Worte in deni Schlußteil nicht zu zweifeln.„An Stelle des kurzen Lebens", heißt es da,„das sie geopfert, ist der Ruhm, den sie für die ganze Folgezeit hinterlassen, unvcrwclklich. Im Glänze dieses. Ruhms werden ihre Kinder als Erben eines geachteten Namens vom Staat auferzogen werden, ebenso wie ihre Eltern, allgemein geehrt, ihr Altenteil genießen werden." Auch der Redner Jsokratcs führt in erner Rede interessante Einzelheiten über die staatliche Waisenfürsorge in Athen an, indem er erzählt, wie bei den Festen des Dionysos die Kinder der im Kriege Gefallenen ins Theater gc- führt und dort von den andern Zuschauern geehrt wurden. Solche Kriegsfürsorgegesetze müssen bereiis sehr früh im athcni- scheu Staat erlassen worden sein. Sie scheinen weit über tue Perserkrieg« bis ins 6. Jahrhundert hinein zurückzureichen, denn ernste Forscher stritten sich darüber, ob Pifistratos oder Solan zuerst ein solches Gesetz durchbrachten, nach dem die Kriegsbeschädigten und die Kinder der Gefallenen vom Staate erhalten werden sollten. Bon dem etwa um 430 in Milct lebenden Vcrfassungstheoretiker Hippo- damos berichtet Aristoteles, er habe ein Gesetz vorgeschlagen, nach dem die Erziehung der Kinder der im Kriege Gefallenen dem Staat obliege,„gleich als ob dies Gesetz noch nicht bei andern Staaten bestehe, während es in Wirklichkeit sowohl in Athen wie in andern Staaten bereits vorhanden ist." Mit dem Ende der Bürgerhecre und der griechischen Freiheit hörte auch diese Fürsorge auf. Der Staat Rom kümmerte sich nicht um das Schicksal seiner Söldnerheere, bis schließlich während des Kaiserreiches die Wut und Empörung der Legionen die Regierung zwang, den Invaliden und Ausgedienten große Ländereien zuzuweisen. Auf diese. Weise entstanden die Militärkolonien. ein Ansiedlungsllerfahren. das auch jetzt wieder für Kriegsbeschädigte und die Angehörigen der Gefallenen durchgeführt Werda» soll. Notizen. — D i e Statistik der. Treptow- Sternwarte weist ständig eine Zunahme der Besucher auf; so wurden im letzten Iahte die Vorträge von 61 660 Personen besucht, mit dem großen Fern- rohr beooachteten 13 700 Personen und den Führungen durch das Astronomische Museum wohnten 7700 Personen bei. Die Gesamt- besncherzahl beträgt demnach 113 000 Personen im Jahre 4017 (gegen 81'300 Personen im Jahre 1916). — Kaukasischer Tee. In einer englischen Zeitschriit kommt nach einer Mitteilung de»„Neuen Orients" die Besorgnis zum Ausdruck,'daß die Deutschen sich wieder im Bezug ccnrs wichtigen BcdarfSstoffs, nämlich des Tees, vom Wcllmarkt und inS- besondere vom Ueberseehaudel unabhängig machen könvicn. Die Haup.tteeländer, China. Java' und Indien, befinden sich freilich vor- läufig in sicherer Abgeschlossenheit/ aber im südlichen Borland� dcS Kaukasus hat sich längs der Küste des Schwarzen Meeres ein Land- strich gefunden, der für den Anbau des Teestrauchs trefflich geeignet zu sein scheint. Schon vor dem Krieg waren dört einige hundert Hektar erfolgreich mit Tee bepflanzt worden. Lodz. � vas gelobte Lanö. . Roman von W. St. Rcymont. Borowiccki glitt über den Schmutz und den Schnee, stolperte über Baumwurzeln, ging immer weiter und konnte nirgends Lucy entdecke�. Durch das fruchtlose Suchen, die Kälte und die durch- dringliche Feuchtigkeit aufgereizt, wollte er schon zum Wagen zurückkehren, als hinter einem dicken Baumstamm Lucy, die ihm dort aufgelauert hatte, die Hände um seinen Hals schlang, mit solcher Heftigkeit, daß ihm der Hut herabfiel. „Ich liebe dich, Karl!" flüsterte sie, ihn leidenschaftlich küssend. Er erwiderte den Kuß, sagte aber nichts? eigentlich hatte er Lust, vor Wut zu fluchen. Sie nahm seinen Arm,' und so gingen sie zwischen den Bäumen über die schlüpfrige Erde. Der Wald brauste traurig und dumpf und überschüttete sie mit den Nadeln trockener Fichten und Regentropfen, die mit immer lauterem Geräusch aus die Zweige plätscherten. Lucy sprach unermüdlich. Wie ein Kind plapperte sie über alles, sprang von einem Gegenstand zum andern über und begann, ohne einen Satz zu Ende gesprochen zu haben, den nächsten mit einem Kuß. Sie sah reizend aus in dem englischen Frühjahrskostüm und dem großen, schwarzen Pelzumhang mit einem Medicis- kragen aus Straußfcdcrn und dem großen, schwarzen Hut, unter dem ihre ivunderbaren Augen wie zwei Saphire her- vorleuchteten. Diese romantische Begegnung mit; dem Geliebten berauschte sie. Sie wollte ihn nicht in der Stadt treffen, denn sie wollte etwas Außergewöhnliches haben und sie lechzte nach einer schauernden Erregung. Deshalb hatte sie Borowiccki nach dem Wald bestellt und ergötzte sich jetzt mit ihrer ganzen von Langweile drfüllten Seele und achtete gar nicht darauf, daß Karl schwieg, nur einsilbig antwortete und oft auf die Uhr schaute. Was ging sie das alles an. war er doch bei ihr und gab ihr nmnchmal einen Kuß so leidenschaftlich zurück, daß es sich wie weiße Nebel vor ihre Augen legte. Sie konnte ihm von ihrer Liebe sprechen, sie konnte sich ihm in die Arme Wersen und diese süße Erregung spüren, in die sich Angst mischte, semand könnte sie sehen. Er wollte seiner Stimme einen weicheren Klang und seinem Gesicht den Ausdruck eines großen Glückes verleihen, aber es gelang ihm nicht recht, denn seine Schuhe waren ganz durchnäßt, die Gummischuhe voll Wasser und Schmutz, und übrigens hatte er heute noch sehr viel zu tun. Eine Stunde blieben sie beisammen. Sic entschloß sich erst zur Umkehr, als ihr Gesicht und ihre Hände so durchs froren waren, daß Karl sie mit Küssen erwärmen' mußte Als er Lucy beim Abschied fragte, ob sie wirklich ein so wichtiges Anliegen gehabt hätte, wie sie es telephonisch bv hauptete, warf sie sich ühm stürmisch um den Hals. „Ich liebe dich, ich wollte es dir bloß sagen, ich wollte dich bloß sehen." Endlich ging sie, kehrte aber ein paarmal zurück, um sich nochmal zu verabschieden, ihn nochmals ihrer Liebe zu ver- sichern und ihn zu bitten, er möchte den Wald erst verlassen, wenn sie in den Wagen gestiegen sei, der auf sie in einer von allen Seiten umzäunten Gasse ivartete. Tic Mittagspfeifen begannen schon die Lust von allen Seiten zu zerreißen, als Borowiccki zu seinem Wagen gelangt war und fast im Galopp ins Kontor fuhr. Er traf bloß Buchholz und Horn, die anderen waren schon zum Mittagessen gegangen. „Sie akzentuieren Ihre Worte zu scharf", sprach Buch- holz leise, sich im Fanteuil streckend. „Ich verstehe nicht andets zu sprechen", knurrte Horn. „Dann müssen Sie's lernen, ich dnlde das nicht." „Das ist mir schmippe, Herr Rat", erwiderte jener fast ruhig, bloß die Lippen zuckten ihm nervös, und die blauen Augen verdunkelten sich Plötzlich. „Zu wem sprechen Sic so?" Er erhob die Stimme. „Zum Herrn Rat." „Herr Horn, ich warne Sie, ich habe nicht zu viel Geduld, ich werde Sie.. „Es interessiert mich nicht, ob Sie Geduld haben oder nicht. „Unterbrechen Sie mich nicht, wenn ich spreche, wenn Buchholz spricht!" „Ich sehe den Grund nicht ein, warum nicht Buchholz schweigen soll, wenn Horn spricht." Buchholz wollte ausspiingen, zischte aber vor Schmerz auf, streichelte eine Weile die umwickelten Beine nnd atmete tief. Die Augen bedeckte er mit den Lidern. Wut schüttelte ihn, aber er schwieg, er. wollte sich beherrschen. Horn, der ihn nnt vollem Bewußtsein und sogar mit einer gewissen Methode immer mehr reizte, schloß die Bücher, nahm' mit größter Ruhe seine Bleististe, Radiergummi und Federhalter, wickelte sie in ein Stück Papier und steckte sie in die Tasche. Er tat das alles ganz langsam und blickte auf Borowiccki, der über sein Benehmen und diesen unglaublichen Streit be- stürzt nicht wußte, was er mit sich anfangen sollte. Horns Partei konnte er nicht ergreifen, weil er nicht wußte, worum es sich handelte, übrigens hätte er es sowieso nicht getan, denn Buchholz ging ihn mehr an. Verärgert blickte er auf'Horn, der ganz ruhig die Gummischuhe anzog und mit den vor Erregung blauen Lippen lächelte. „Sic sind nicht mehr bei mir angestellt, ich schmeiße Sic raus," flüsterte Buchholz. „Ich pfeif' auf Sie und Ihre Stelle." Horn zog den zweiten Gummischuh an. „Außerdem laß ich dich zur Tür rausschmcißen." „Versuch's mal, Rüpel!" schrie jener, den Mantel anziehend. „Pudel, raus niit ihm!" flüsterte Buchholz noch leiser, nervös den Stock festhaltend. „Laß es bleiben, August, versuch' es nicht, sonst brech' ich dir und deinem Herrn ein paar Rippen." „Verflucht! Raus mit ihm!" „Schweig, Dieb!" brüllte Horn, nach einem schweren Hocker greifend. Er hätte zugeschlagen, sobald ihn jemand berührt hätte.„Schweig, halt's Maul, du Schwab'! Du Schakal!" Er warf den Hocker unter den Schreibtisch und ging hinaus, die Tür hinter sich so fest zuwerfend, daß die Scheiben zersprangen. Borowiecki hatte sich schon vorher hinausgeschlichen. Stöhnend fiel Buchholz in den Fauteuil zurück, fast bc- Wußtlos vor Wut. Er hatte bloß so viel Kraft, daß er auf den elektrischen Knopf drücken und mit erstickter, heiserer Stimme flüstern konnte„Polizei".' Eine tiefe Stille breitete sich in dein leeren Kontor aus. Der erschreckte Lakai stand bewegungslos da und wußte nicht, was er tun sollte. Er blickte aus das blaue Gesicht seines Herrn und auf die vor Schmerz verzerrten Lippen. Endlich kam jener zur Besinnung, machte die Augen auf, schaute sich in- dem leeren Kontor um, setzte sich in dem Fauteuil zurecht und rief nach einer Weile mit sanfter Stimme: „August!" Angstvoll trat der Lakai heran, denn am fürchterlichsten war Buchholz dann, wenn er seinen Tiener bloß mit dem Vornamen rief und den Sanften spielte. lEocts. folgt.)' Zufolge plötzlicher Erkrankung des Unterzeichneten konnte | die auf den 11. Juli anberaumt gewesene Versammlung zur Gründung der 81,'II* liiie glänzende Mnnft v.drd allen erblühen, die die Zeichen der Zeit richtig zu deuten verstehen u. rechtzeitig; ihre Vorbereitungen troffen, um teilzunehmen an dem großen NTirtschaftlichS� leider nicht abgehalten werden. Die betreffende Gründungs-! Aufschwung;, der die sicheroff. � Versammlung findet nunmehr d-finitw Sontttag. de» II. Juli,! vormittags 10 Uhr, im Kaiserliof, Altona, statt. Altona, 13, Juli 1313. CMZiisu doedsksn. lWWM'SeseAW Folge dieses Völkerringons sein wird. Es werden überall gebildete and leistungsfähige Ifekfer-».« sein. Beamte, Lohrer, Angestellte des Handels u. d. Industrie sollten nicht versäumen, jetzt üire Vorbereitungen zu treffen. Das beste Mittel, rasch u. gründlich, ohne Lehrer, durch einfachen Selbstunterricht auf ein Examen vorzubereiten, die Einj.-Freiw.-Prüfung u. das Abitur.-Examen nachzuholen ed. die fehlenden kauf- männ. Kenntnisse zu ergänzen sowie eine vorfcreffl. Allgemeinbildung sich anzueignen, bietet die Selbstunterrichts- Wathade„Rustin". Aus- fiihrl. 60 S. starke Brescliiire kostenlos durch* Bonness& Hachfeld, Potisdaiu. Postfach 224. am ipeziaiarzl Dr. med. llaachd, FHjdriciistr.öO Seljanbl vonZlyphitis, Haut. Harn-, �rauesleiden, fpez.: chron. Fälle. Schtnerzloie.kürzcfie Hebandig. ohne Beiuftstörnng. iSturuntersuchung. Mag. Preiic Teilzahlung,«prechsmnden 11 bis 1 und 5— 8. Somit. 11— 1. sp&iaiam Dr. med. JLiuaba beh. schnell, gründl., inäot. schmerzlos u. ohne Bcrutsflör. lZeschiechtskraakheit,, geheime haut-, harn-,'frauenieidan, Schwäche. Erprobteste Methoden Harn- und Slutantersuohung. Äahnhof Alexanderpl sonnt. 10— 1 OffiSStP. gl1! "iS spr.10— In, ,, foilz, wöchentl. 1 M. Plomben 1.50. Goldin krönen 18 M. Zlahnztcheis m. Einspr. höchs an schmerzlind. Umarb. sohlechts.Gebisae. Rep ZahnarztWoll so f. Potsdamer Str. 55. Hoohb. Sprechz. 0-7/' ä"3 Korken zu den jetzigen erhöhten gesetz- tichen Höchstpreisen kanst Sperber. 236/13» Zehdenicker Str. 13. Nord. 4803. Zügel. Ausfäuser. Wird auch ab- geholt. Empfehle junge, zarte Mohrrüben � 82/4* Pfund 50 Pf. Delika'cssanhaus H. Kästner, Berlin, Potsdamer Str. 115 (nahe Lützowstratzei. Ueber 25 Jahre ewzig bewahrt! Slazschauittslen, 100 Zenti- meter taug, 50 Zentimeter hoch und tief, mit Spiegeln und Türen, für alle Zwecke paffend, dillig zu verkaufen. Krause, Uhrmacher, Garienstraße 405/6. ______ K1213 Schillerpark, 245 Quadral- nieler Pachtlond, Schvtzlaube, Brunnen, mit Ernte verkauft Müller, Ungarnstr. 24. sj-lÄ Dezimalwagen, Tafelwagen, Gewichte liefert ob Borrat Wagner, Eöpenickerstratze 71. 12 1K» Holzräder! aller Größen, Leiterwagen, eigenes Fabrikat, billig. Weidlich. Brunnen- straße� 36.____ I07S* Teppiche, Bettvorleger, Di- wandeckeu, Tischdecken, Tüll- sisres. Potsdamerstraße 103, Fischer._______________ 116K» Zliesstnier, Ersatzteile un!. Zubehör. Kachlin, Alle Jakob- straße 20/22.________________ 184K* Leihhaus lllosenthaler Tor, Linienslrahe 203/1, Ecke Rasen- ihalerstrahe, nur 1 Treppe, kaufen Sie Pelzkragen, Müssen, Skunks, Nerz, Alaska, Blau- fückise und alle anderen Pelz- arten, Taschenuhren, Brillanten, Silbertaschen, Alpakataschen, neue Herrengarderobe. Sonn- tags geöffnet. 140K* Leiterhandwage», Kasten- wagen, eztrastabil, danerhast, Auswahl, Holzräder. Lands- bergerstraffe>3, Schmiede. 5LK* Zelterhaudwagen, größte Aus- Wahl. Holzräder. Schlosserei, Schinidswaffe 43._ 2713b* Psandleihhaus, Hermann- platz 6. Piassenauswahl! Pelz- sache«! Skunlekragen, Skunks- müssen, Alaskafüchse, Rorfüchse, neue Herrenpaletots, Herren- anzüge, Teppichverkaus, Uhren- verkauf. Passende Festgzschcnke! lOlK* Pelzzsrnitnren aller Art, jetzt zu herabgesetzten Preisen! Uhrenverkanf, Silberiaschen. Leihhaus, Warschauerstr. 7.* kRänmmtMekber sofort verkäuflich mehagoni Mnschelbelt- stelle mit Matratze, Waschtoi- litte mir Marmorplatte, Ler- tiko, Spwgclspind und Spie- gel, Tisch, Sofa, Preis 700 M. Auch einzeln. Besichtigung Freitaz, Samiedend s— S, Sonntag 10— 13. Orenien- streße 5, vorn 4 Tr. rechts. 27375 Möbel-Zlath liefert in großer Ausioahl koniplette Wohnungs- Einrichtungen sowie reizende moderne jküchen bei bequemer An- und Abzahlung. Rath, Elsasserstraffe 44, am yranicn- burger Tor. 138K* Möbel- Eohn, im Osten, Große Franksurterstraße 53, im Norden Badstraße 47/48, lie- serl auf Kredit an jedermann bei kleinster An- und Zlbzahlung ganze Wohnungseinrichtungen und einzelne Möbelstücke sowie farbige Küchen-Einrichtungen in bester Ausführnng. Bejichri- gung meiner Möbel ohne jeden Kaufzwang gern gestalwi. Kriegsanleihe nebme gern als Anzahlung. Lieferung frei Haus. Liefere auch nach aus- tr.ärls. Sonntags 8— 10 geöffnet._____ 166K* Möbel-Groß. Große Frank- snrter Straße 141, zweites Ge. schäfi: Invalidenstraße 5, Ecke Ackerstraße, liefert stets zu b!l- ligen Preisen gute Möbel gegen bar oder bequeme Teilzahlung. fUiegsbefiSäbijjtc erhalten Rabatt. Anzeige mitbringen. Wert 5 Mark.____ 14217* Reizende Küchen in allen Farben mid Ausführungen, 7teilig, 525,— Mark. Möbel- haus M. Hirschowitz, SO., Skalitzerstraße 25. Hochbahn: Koltbuser�Tor.______ 14617* Große Kinderbettst-elle, Betten, Schulmappe, Bücher, Reck-' stanze und Diverses verkauft Warm, Möckernstraße 132, I. 27256* Rsichsls Spezialmiitel in unveränderter enarsner Starke wirken mit vamiehiender Kraft. WanS'SS5=5£ä-=55Bi� Flasche M. L25. 2.25, 3.75 u. 5.50. S b G« p�°r Pack M. 1.—, 2.—, 4.—. Pfund M. g.—. Pack 93 Pf.,. M. 1.75, 3.50, Pfund M. 7.—. Durchgreifend© Wirkung Jade Brut abtötend Anei-kermuntien ans a»?Jer VVsii. ce?meia östZARiLN«ti!» SÄl«!' iZlWSl. h&W*W Marke TOf! und T�fSi SM© Reichel, Bcrfin SO, EMahnslr. 4. rcmsprech- Aaschlii'i'-/: M irifzp'atz tT51, 4752. 4753, Lieferant 1. Armee u. Marino. Kün;-1. u. stäül. Behörden. Wirksamkeit wird nur verbürgt durch die Marke 100! entzückende Küchen in allen Holzarten. Aparte An- richteküche, siebentcilig nur 575.—. Besichtigung lohnt! Möbelhans Osten nur An- dreasstraße 30.____ illlOil! Umbauplüschsosas, Chaiselongues, englisckie Bettstellen, Pateutmatratzen, Trumcaus billigst. Tapezierer Walter, Stargarderstraße 18.* ÄlH'ZLii, am 23. Jali, Zieiiung Jubiläams-Loiterie Tj61 Gesamtv. d. Gewinne Mark loi m® l| 50 oo® � Lose zum Oriiinalprsis?. 3 K.W Postgebühr und Liste 45 PI. außerdem. 10 Lose in feiner Banknofsnlasctie für 30 M. einschließlich Postgebühr und Liste Guslair fiaase HeSifg., Inh- NO 43, Neue Känigstr. 86 u. SO 16, Neandorstr. 38. SsaSTSB! Telegr: Schwarz Berlin Neuokänigstr. 88. e■ umsent�'• Mandoliue, Violine, 25 an, Kasfeegeige, Musikschule Prcnz- lanerallce 88. 82/6 Rußbaumplano, elegantes, schwarzes Friedcnspiano, ver- kaust billig, Ernst, Oranien- straße 166, �11.__* Mandoliue, Laute, Wandet- fitattc 40.—, erstklassige 85.—, Unterricht G.— Mcnatshono- rar i zehnstündige Schnellkursc), Künstlerviolinc mit Etuw 85.—, Schüsxrvioline 43.—, Ernst, Oranienstr. 106, III.* Wohnzimmer mit riqcm Bett, Betten, Bettwöiche, Gardinen, Teppich billig Ascher, Elisabethstraße 41, II. 218/3 Harmonivm, neu, gebraucht, verkauft billig Ernst, Oranien- straffe 166, III.* Teppich. Diwandccke, Tüll- bettdecke, lZardincn kaust Herzig, Lottumsirasze 4. fSi* Fahrrabankaus. Linicnstraße 19. Schwandikc, 72; 8* Arbeltsmarkt Schuhmacher, tüchtige, sofort verlaugt. Besohlanstalt, Dran- gelstraße 87. L61* Portier, zwei Ausgänge, ochöncberg, Sedanstraße 44. 2713b Arbeiter für dauernde Be- schästigung gesud/t Lackjabrik, Koloniestraße 107/3. 82/1 Hausdiener verlangt Sarg- magazin Königgrätzerstraße 51. 185/1 Töpferzeselle für privat, Ber- trauens- und Dauerftcllc, ver- langt Krause, Anguststr. 33, t. 1167 Kontrolleur, welcher Ersah- rnng im Nachprüfen von blank gedrehten Schrauben bat,' für dauernde Stellung gesucht. Erd- mann u. Groß, S. 42, Ritter- straffe 11. K123S Fahrftuhlwärtcr sofort gc- sucht. A. Jandorf u. Co., Belle- alliancestraße 1/2. Meldungen im Maschinenhaus. K130/17 Ze>t!mgsausträzcr!n''cn, Tour: Rofinenstraffc, Kamincrstraffe, gesucht.„Vortvärts"- Spedi- tion, Charlottenburg, Sesen- Heimerstraße 1.* VWle VklfWMMel. äpezialisten aus Schnitte und Stanzen, gelacht 17121 TJerfzeugsabrtk Hacklol, Stcttincr Str. 38. ... i" Ii» hui ii■■ Sshlosser Klempner Mgen-ScMIter Äusspsriffiesi werden sofort eingestellt L62* Bfjsatv�s Johannisthal, Flugplatz, Ei«gang 5. Perfekte J?,eKea- a. Roekarbailerinnen sofort verlangt. Meldungen Maffatelwr 61L K!» iVl« Maassen, Oranienstr. 165. Aulomoliii- end lioloren- Schlusser sucht 145 L' Benz& Gie, A.-&. Charlottenburg, Galznfer Ä/is. ElektrGiiionleure erhalten sofort Anstellung.' Meldungen von 9—11 und o— 7 Uhr Boßstr. 8, Technisches Bnkcau. L11L/16* tachtlRC, Zuschlä�er, 81/3* Schulz& EclflcBeiS, s°"'" Fenn str. 1-4. AWge MssMSA für kinewatogroph.«st'paratc, Heeresarbeit, per sofort gesucht lihrl Gejcir, Maschinen- u. Apparatebau G.m.b.H., LG, Harzer Dt?. SS. L60' ffsssNortsrheiter, verheiratet, als.Hausmeister gesucht, Nldf. 1320. 61L* Schriftsetzer sür tzlfzideuz.»Tabellen« und Formui ardruck s. B u ch d tu ckere i Max Brodck, Blücherstr.-22. läi» t»'ei»h«e>»g- Wiaschiaen und TUcblige Sctiiosser wl'■g"Jlr sucht * C, Kärger A.gQ., Krautstr. 52. , Spiizendrelier, StoOe!', Aute-Kep&ratirschlasser seilen sofort ein 62L| Piuto-flerke Motor- und Lokomotivbau G. na. h II., BerUn-Ilol»enscli»uhati»en Wernewchener Ecke Goolestraße. n,"| "_| LyUiUlLtüi/tl für nnscre Werhstatt sUtht zu sofortigem Antritt l D. Riede! i.-S., Xserlln-ItritK. L61/I221* Albkilsdnslljk. mögliclist stadtkundig, für unsere LSarenausgabe t» d. Boflstraste zu sofortigem Autritt gesucht. L61/U16* EVsip- Schrijltichc Angebote mit Stngabc der Lohnansprüche erbeten an Tüchtiger Packer sür Papier- u. Schreibwaren Eiigros sosort verlangt. Kefersteinsche Papicrhdlg., 2738b Lmdeustr. 16/17. KvlllKLI'Z nnri 1161» Schlosser für cnsero Automebil-Reparatcr- Werkstätto für sofort gesucht. Därkoppwerke».-n, Berlin IV vV ö. SL'hüfbaacrdamin 35 37. Arbeiter' und Ardeiterinuetl sucht z« sofortigem Antritt J. D. Riedel Ä.-G., Berlin-Britz. S61/1317* Maurer tur Hennigsdorf verlangt sofort Eugen Müller, Bülow-st.'. 2.1. 2733* .Masch! neu- meiste?. Blerniann. Lienthstr. 8.* sijLh!igsZfZChhjl!t!Ll' ztScschneider) verlangt 8-2/5* Hch. FaSbruder, Michaelkirchslraffe 17. Ealzleisiesplierer und-Abpul-er verlangt Karl Pfrimer, 2733b � Zlirtcrstr. 26. Tüchtige VAlskSKlÄA TecheWrM hsS SUMMkkikÄM stellt sofort ein & Gross, S 42,-623 Nitterstraße 11. Laaffflädehen, Tochter achtbarer Estern, verl. Nur schriftl.Angebotem.Gehalts- ansvrüchen a. EMannel Fried- tuender 8, Ed., Uhler den Linden 8. 185/2* Junge Kontoristin sür Kontar u. Lager sucht Feilcnfaörik, Rcinickendoi-f, � Aaldcrseesw. 13. WlkeliltllSh. AHMMAihM. geübte,' 82/3 verlm«gl ZiMÜWfzüM kurM. Eöv'nicker Str. 126. für den„Vorwärts"■ Motorpflugführer, aber nur solche, die mir Motoren vollständig vertraut sind, eventuell auch gelernte Dampfpslugführer sucht zum so- fort ige» Antritt- 623 WA TailfCr I.ohüpfiijf;- Großbetrieb, . ü. I-wtlnCi, Litsithwitz. Kalserüvlthelm-Ztr. 17. 50 Schwangere, 50 Srnstftiilende, 50 kinderreiche Mütter, 50 Sernfsnätzermnen und eine Zuschneiderin werden für Munitions- Näharbeiten, teils in Heimarbeit kleineren und größeren Umsangs, teils in Werkstatt sojorl ein- gestellt. Persönliche' Vorstellung 8— i Ubr täglich im 273G6 Kurean drr Däh-, Lrhr- n. Sfülstuden, �0 u/i?. iCr,aiifülirB@r gel. Schlosser, durchaus zuveriäsfig, sür den elellrischeu Kohlen« tran unserer Bctriebostellc Charlottenburg zum soforligeip Antritt sür dauernde Beschäftigung ges. Meldungen abends 6— 7 Uhr. (Anthracitschulze, 612* Charlottenburg. Quedlinburger Straße. Für den Wiederaufbau Ostpreußens werde» gesucht: Maurer, Zimmerer. Nähere Auskunft über Unterkunft uirb Verpflegung erteilt Arbeitsnachweis für das Baugewerbe, Königsberg i. Pr., Klapperwiese 3. Fernruf 7342/7343. L62 MM!!' WM. ilülK, NM i°Äs MMM stellen dauernd ei» 81/12* Llojö Dpamowerke A.-G., Breasn, werden eingestellt in folgendenEilialen Poplill* Markusstr. 36. Lau.sitzerPL14;13. ÜCi l-.l» PoiersburgerPlatz4. LindeneSr.3. Blumcntlmlstr. 8, Hof parterre. Wilholmshavenor Str. 48. Müllerstr. 34 a. SeliOaelierg: Charlottenburg: Meininger Straße 9. LRevierOsnabrüoker Str. u. Eosineubtr. ■Wilhelmsaue 27 bei Schubert. Wlimersdirl: Meuküln: si.g4io4str. 26/29. I iohtunbarn* Wartenberg-Straße 1 y• nnd Alt-B oxh-agen 56. PailkSW I Mühlenstr. 7a ÜmVjmlfo. Kienast, Käusch-Str. 10. SehweißeriDQen für Teilscfalosserei sofort gesucht. Sßblatnig Flugzeugbau, licrliu SO, Sclileailscho Stralie Li». 6 IL Meideioit von 11 bis Ifl, Uhr und 4 st, bis 7 Diu, vom velkswirtjchaftlich Ter„Vorwärts" hat am Juli„Leitsätze der Nationali- siemng" veröffentlicht die vom Genossen L a.r i n, Mitglied des Präsidiums des Obersten Volkswirtschaftsrates in Rußland, der- faßt sind, Genosse L a r i n teilt uns folgendes dazu mit: Die Leit- sätze sind in den„Jswestia"(dem Zentralorgan der Sowjetregie- rung) vor drei Monaten(am 17. April) veröffentlicht worden. Vieles von dem, was damals erst geplant wurde oder sich im An- fangsstadium befand, ist jetzt bereits verwirklicht. 1. Die völlige Verschmelzung der Banken zu einer einzigen und die Verschmelzung der laufenden Rechnungen ist bereits in den größeren Zentralen durchgeführt; so funktionieren zum Beispiel in Petrograd 15 Filialabteilungen der einheitlichen Volksbank der Sowjetregierung. 2. Das Staatsmonopol für Außenhandel ist bereits bestätigt. Zu seiner Durchfühtung ist eine Organisation(der Sowjet für Außenhandel) geschaffen worden, in welcher bereits Sektionen für die wichtigsten Waren gebildet wurden: für Leder, Bürstenwaren, Naphtha, pharmateutische Artikel, Flachs, Baumwolle, Wolle, Holz, Butter, Papier, Rauchwaren, Musikalien, wissenschaftliche Jnstru- mente, wiffenschaftliche Hilfsmittel. 3. Alle statistische« Kräfte Rußlands sind gesammelt worden (in jedem Gouvernement befindet sich ein statistisches Amt) und es wird energisch gearbeitet, um zu Beginn des Herbstes eine Er- Hebung über die russische Industrie(die erste während des tausend- jährigen Bestehens Rußlands) vorzubereiten. 4. Vollkommen durchgeführt ist(unter vollkommener Ausschaltung des Kapitals) die Nationalisierung der Dampfschiffahrt auf Flüssen und Binnenseen(die Eisenbahnen befanden sich auch früher de facto in Staatsverwaltung), der Naphthaindustrie, der Kohlenförderung, der Holzgewirtnung in den Wäldern. Somit gingen in die planmäßige Verwaltung durch den Staat diejenigen Industrien über, die beim Aufbau der inneren Volks- tvirtschoft als Grundlage dienen müssen: die Banken, der Tränst Port, die Heizmittel, der Außenhandel. 5. Es wurde ein Netz von Radiotrlegraphcnstationen geschaffen, welche bereits in Funktion getreten sind. Es wurden mehrere tau- send Postämter in Kreisen des europäischen Rußlands eröffnet, in welchen sie bisher nicht bestanden hatten. Es wird eine Organisation des Luftpostdienstes vorbereitet. 6. Durch Bildung von Gouvernements- und Bczirkssowjets für Volkswirtschaft ist allmählich eine Organisation zur Verwaltung der Volkswirtschaft des Landes geschaffen worden.' Diese Sowjets werden von den Verbänden der Arbeiter und Angestellten gewählt und durch Berufung von Spezialisten(Volkswirten und Technikern) ergänzt, welche etwa ein Viertel aller Mitglieder bilden dürfen. Diese Sowjets funktionieren bereits ordnungsgemäß in 37 Gou- vernements(ganz Rußland besteht de jure(rechtlich) aus 68 Gou- verneinents, wenn man zum Bestände Rußlands folgende Gebiete mitrechnet: Estland, Livland, Weißrußland, Krim, Dongebiet, Ge- uvgien und Sibirien). Der Oberste Volkslbirtschaftsrat, der diese Sowjets leitet, hat seine Tätigkeit am 21. Dezember 1917 begonnen. 7 Es sind bereits mehr als 20 staatlich: Zentralen ins Leben gerufen, von denen jede ein Organ des Obersten Volkswirtschafts- rates ist und gleichzeitig ihre Provinzialabteilung bei den Pro- vinzialsowjetS für.Volkswirtschaft hat. Jede staatliche Zentrale hat die Leitung einer Industrie in den Händen, indem sie diese In- dustrie für. die tatsächliche Nationalisierung vorbereitet. De jure sind sämtliche mittleren und Großunternehmen der Industrie zum Staatseigentum erklärt worden.(In Uebereinftimmung mit Punkt 3 der Leitsätze.) In den meisten Fällen jedoch sind die früheren Besitzer bis zur Schaffung einer eigenen staatlichen Ver- w?ltung als Leiter belassen worden. Tatsächlich sind bereits der proletarischen Staatsverwaltung nicht nur ausnahmslos die Banken, Transportmittel und die Gewinnung der Heizmaterialien unter- stellt, sondern auch die Zuckerindustrie, die Förderung von Platin, die Herstellung von Eisenbahnlokomotiven, Schienen und etwa 496 einzelne Großuntcrnehmungen verschiedener Industriezweige. 8. Auch die tatsächliche planmäßige Leitung der Produktion ist bereits in die Wege geleitet. So wurden z. B. für den Bau von landwirtschaftlichen Maschinen anstatt vierzig verschiedener Typen von Pflügen, die früher die verschiedenen Fabriken hergestellt hatten, nur sieben Normaltypen von Pflügen festgesetzt. 9. Das System der Finanzierung der Industrie ist bereits in Anwendung. Dabei wird es der Verwaltung jedes nationalisierten Unternehmens onheimgestellt, die Kredite innerhalb ihrer Budgets für einen anderen Punkt zu verwenden, als bei der Beantragung genehmigt ivar, wofür die Verwaltung selbst die Verantwortung zu tragen hat. Dadurch wird überflüssige Aktenarbeit vermieden. Die Verwaltung der nationalisierten Unteonehmungen wird auf folgende Weise zusammengesetzt: ein Drittel der Mitglieder wählen, die Arbeiter und Angestellten, ein Drittel wählt der all- m Aufbau in Rußland. russische gewerkschaftliche Arbeiter- und Angestelltenverband der betreffenden Industrie und«in Drittel wird vom Volkswirtschafts- rat ernannt. Vor diesem ist die Verwaltung verantwortlich. 19. Das System der Staatseinkäufc und StaatSaufträge be- ginnt bereits Wurzel zu fassen; u.a. wurden aus Staatsmitteln für den Anrauf von Baumwolle(zum Weiterverkauf) 599 Millionen Rubel verwendet. Der Ankauf fand in Turkestan statt(wo die Bolschewiliregierung sich noch ungehindert ihres Daseins erfreut und mit Rußland über das Kaspische Meer in Verbindung geblieben ist). Für den Ankauf von Wolle wurden 259 Millionen Rubel ausgegeben, für den Ankauf von landwirtschaftlichen Maschinen 499 Millionen Rubel, für Textilwaren beinahe eine Milliarde Rubel usw.(Natürlich sind diese Ausgaben nur buchmäßig zu beträchten.) Außerordentlich vervielfacht ist die Zahl der konsumgenosscnschaft- lichen Verkaufsstellen(es sind bereits über 39 999 vorhanden). Dank dieser und anderer Maßnahmen stirbt der private Handel allmäh- lich ab. Die Ausschaltung des privaten Handels, welche bis zum Ende des nächsten Jahres durchgeführt werden soll, wird auch der Spekulation ein Ende machen, unter der Rußland mehr leidet als andere Länder. 11. Zum erstenmal im Laufe der letzten zwei Jahre wird ein genaues Budget aufgestellt. Weder der Zarismus im Laufe der letzten Periode seiner Herrschaft noch Kerenski veröffentlichten ein Budget. Das proletarische Regime hat die Finanzen des Landes geklärt und die unproduktiven Ausgaben außerordentlich einge- schränkt, insbesondere die Ausgaben für das Heer. Von den Ar- besten zur Vermehrung der. Produktivkräfte sind folgende in An- griff genommen: Die Bewässerung der„Hungersteppe" in Tur- kestan zur Vergrößerung der Anbaufläche der Baumwolle(um über 599 999 Hektar); der Bau zweier Ueberlandzentralen auf den Flüssen Swieri und Wolchoff zur Belieferung Petrograds mit Elektrizität, sowohl für die Industrie als auch für den Eisenbahn- knotenpunkt; Melioration von beinahe einer Milliarde Deßjatinen im Gebiet von Moskau zur Vergrößerung der Anbaufläche von Brotfrucht; der Bau eines Kanals von der Wolga nach dem Don. 12. Zur richtigen Verteilung der Arbeitskräfte ist«in bisher kaum vorhandenes Netz von Arbeitsbörsen in Rußland ins Leben gerufen worden(unier Leitung von Arbeitern). Die Versicherung gegen. Arbeitslosigkeit ist bereits tatsächlich durchgeführt. Von den gewerkschaftlichen Arbeiterverbänden sind Grundsätze der Arbeits- disziplin ausgearbeitet. Die zwangsmäßige Neueinteilung der Wohnräume wird in die Wege geleitet; geräumige Wohnungen der Bourgeoisie werden Arbeiterfamilien, welche in engen Woh- nungen lebten, zur Verfügung gestellt. Für alle Arbeiter, ist ein- mal im Jahre ein Urlaub unter Auszahlung des vollen Lohnes festgesetzt usw. Und trotz dieser sozialen Gesetzgebung werden die landwirtschaftlichen Pflüge aus Rußland in der Ukraine billiger verkauft, als gleichartige Pflüge aus Deutschland. Eine Arbeits- Pflicht besteht nicht, jedoch h-at nach den russischen Ge- setzen jeder Arbeiter in Petrograd und Moskau Anspruch auf zwcieinhalbmal soviel Lebens- mittel als der Bourgeois. 13. Im Frühjahr und zu Beginn des Sommer? war die provi- sorische Verteilung der bei den Gutsbesitzern konfiszierten Lände- rcien unter die Bauern durchgeführt. Alle Länder kamen in Staatsverwaltung. Etwa tausend landwirtschaftliche Großbetriebe mit kollektivistischen Anfängen wurden gegründet. Die Aussaat ist in beinahe normalem Umfange vor sich gegangen. Der allgemeine Unterricht für die Bauern wird tatsächlich durchgeführt. Zum ersten Male in der Geschichte Rußlands übersteigen die Ausgaben für'Volksbildung die Ausgaben fitr die Armee. Die Trennung von Kirche und Staat ist in ganz Rußland ohne irgendwelche Er- schüttcrungen durchgeführt; die Bauern fanden sich ohne weiteres mit der bürgerlichen Ehe ab. 14. Der Klassenkampf wurde in das Dorf getragen, wobei die Frage der Versorgung der Städte mit Lebensmitteln zum Aus- gangSpunkt genomnien wurde. An Stelle der Erhöhung der Preise, wie sie in anderen Ländern geübt wurde, an Stelle der Gewährung von Prämien für schnelle Lieferung und ander« Liebesgaben an die reichen Bauern, wurden gegen diese reichen Bauern die ärmsten Schichten des Torfes mobil gemacht und durch bewaffnete Ab- tcilungcn städtischer Abteilungen unterstützt. Je nlehr Brot die armen Bauern in einem Kreise von den reichen Bauern für die Städte herausholen, desto mehr Manufakturwaren und andere Jndustrieprodukte erhält dieser Kreis. Nur dank diesem System ist das städtische und industrielle Rußland noch nicht Hungers gestorben, trotzdem die Tschechoslöwaken es vom Getreidegebiet Sibirien und die deutschen Truppen vom Getreidegebiet des Nordkaukasus durch die Besetzung von Rostow abgeschnitten haben. 15. Aus der gesamten Arbeit auf dem Gebiete der Volkswirt- schaft resultiert jene unerschütterliche Lage der Sowjetregierung. Der Prozeß Mn!o;r. Paris, 18. Juli.(Havas.) Im zweiten Teile seines Berichtes vor dem Obersten Gerichtshof tadelte Peres in scharfer Weise das Vorgehen Malvys als Mini st er des Jnyern. Er warf ihm seine Beziehungen zu Almereyda und anderen Defaitisten vor und seine schuldhafte Nachgiebigkeit gegenüber>dcn Anarchisten, welch« in den Jahren 1915 und 1916 unbeschränkt eine vergiftende Propaganda betreiben konnten, und verliest hierzu Blätterstellen paziftftischer und anaränsstscher Richtung, die den Unwillen der Senatoren und Richter hervorrufen. Er wirft dann Malvy weiter vor. die maximali st ische Propaganda in Frankreich geduldet zu haben. Einer der gefährlichsten Parteigänger Trotzkis sei nicht ausgewiesen worden, trotz des Ersuchens des D-irektorS'. der allgemeinen Sicherheitspolizei; Malvy habe dem widersprochen infolge eines Schrittes des Abgeordneten Moutet. Gewisse russische Anarchisten durchzogen Frankreich und erklärten, daß Frankreich und England es gewesen wären, die die belgische Neutralität verletzt hätten und in Deutschland eingebrochen seien. Der Minister des Innern, der für die nationale Sicherheit verant- wörtlich wäre, fei nicht berechtigt, sich hinter der Verantwortlkchkeit -der Regierung zu verstecken, denn er„babe niemals seinen Kollegen Fälle dieser Art. die ihm von seinen Beamten unterbreitet worden seien, vorgelegt. Mit starker Erregung schildert der Berichterstatter nochmals die Anstrengungen der Defaitisten, um Einfluß auf die französischen Frauen und damit mittelbar auf die Soldaten an der Front zu gewinnen. Er spricht der bewunderungswürdigen Haltung der französischen Frauen während des Krieges auf den Feldern, in den Fabriken und in ihrem Heim seine Anerkennung aus. Verhaftung tschecho-slowakischer Zuzügler m Moskau. Warschau, 15. Just. TaS Kiewer Polenbloit„Przeglad PolSki" ubernimmt aus dem amtlichen Bolschewikiorgan „Js-wjestja" die Nachricht von der Verhaftung zahlreicher polnischer und tschechischer Offiziere in Moskau. Danach erhielt die Kom- Mission für den Kampf mit der Gegenrevolution am 1. Juli die Nachricht, daß auf dem Jaroslauer Bahnhof zwci Wagen mit an- geworbenen Polen und Tschechen bereitständen, welche abends abfahren sollten. Als die angeworbenen Freiwilligen die Waggons bestiegen hatten, ließ die Kommisston die Waggons ab« hängen und verhaftete die Insassen. Man fand bei ihnen D o k u- mente, welche von der französischen Mission her- ausgegeben sind. Es wurden 45 Personen verhaftet. Der Moskauer Vizekonsul Labon sandte an Tschitscherin eine Note, in der er darauf hinwies, daß die Tschechen und Polen zwecks Zu- tcilung zu nationaltschechischen und polnischen Truppen an die französische Front gesandt werden sollten. Es seien dies nicht die ersten Abteilungen, welche zur französischen Armee abgingen. Ihre Abreife sei durchaus nicht geheimgehalten worden. Tie acht« österreichische Kriegsanleihe. Nach vorläufigen Fest- stellungen erreichten die bisher eingelaufenen Zeichnungen aus die achte Kriegsanleihe den Betrag von 5763 Millionen Kronen. Die endgültigen Ziffern können erst zu einem späteren Zeitpunkte ermittelt werden. Tie Erplosion des japanischen Schlachtschiffes. London, 18. J'.sti. Reuter. Nach einer Tokiomeldung vom 13. Juli wurden 4 99 Mann von der 1199 Mann starten Besabung an Bord deS Schlachtschiffes K a w a t s ch i, das infolge Explosion im Hafen doo Tojatva gesunken ist, gerettet. Zur vorgeschickte KerLichnowskp-denkjchrift Mitteilungen Eduard Bernsteins. In dem Verfahren des Preußischen Herrenhauses gegen den Fürsten Lichnowsky, über dessen Ergebnis noch immer nichts bekannt geworden ist, hat es Eduard Bernstein, tote er jetzt im„Berliner Tageblatt" darlegt, für seine Pflicht gehalten, dem Vorsitzenden des einschlägigen Ausschusses zwei Briefe des Fürsten zu übermitteln. In dem ersten warnt der Fürst davor, daß durch eine Kritik unserer Politik Uneinigkeit ins deutsche Volk gebracht werde, solange dieses um sein Da- sein kämpfe. Die Frage, ob unsere Politik vor dem Weltkriege die richtige gewesen sei, müsse bis nach dem Kriege zurück- gestellt werden. In dem zweiten Briefe macht Lichnawsky die Mitteilung, daß er gehört habe, ein Mitglied der Partei Bernsteins habe die Absicht, die bekannten Aufzeichnungen Lichnowskys in Tausenden von Exemplaren. zu verbreiten und fährt fort: Ein derartiger Schritt wäre im höchsten Grabe be- bäuerlich. Er würde nicht nur mich in meiner Eigenschaft als Beamter ernsten Schwierigkeiten aussetzen, sondern auch im gegen- wältigen Augenblick eine schwere Schädigung Vater- ländischer Interessen bedeuten. Für die Abrechnung über die Kriegsursachen ist es noch Zeit nach Beendigung des Krieges. Vorläufig handelt es sich doch lediglich darum, mit Anstand herauszukommen, und da hilft es uns nichts, selbst wenn die Schuld Bethmann Hollwegs und seiner Berater einwandftei festgestellt wird. Ich wäre Ihnen daher zu besonderem Danke ver- pflichtet, wenn Sie einen derartigen unüberlegten Schritt eines Ihrer Parteifreunde und jede weitere Erwähnung der Denkschrift von dieser Seite verhindern wollten. Bernstein ist sodann von Lichnowsky gebeten worden, das Stockholmer Blatt„Politiken" zu ersuchen, den Abdruck der Broschüre einzustellen. Er. hat dies auch getan, aber in einer Form,„die erkennen ließ, daß es sich lediglich um eine Bitte des Fürsten handle"._ verfaftungsfturm im waßeeglafe. Um Mecklcnburg-Ttrelitz. Es ist wiod«.r. einmal ein Ausschuß gegründet worden, dies- mal„zur Erhaltung des Großherzogtuins Mecklenburg-Strelitz". Da jeder Ausschuß zuerst einen Aufruf erläßt, so schallt es jetzt von dort, es sei die erhabene staatsbürgerliche Pflicht eines jeden Mecklenburg-Strelitzers, für die Selbständigkeit Strelitz' zu kämpfen! Tie Strelitzer Linie sei nicht„verloschen und gäntzlich abgegangen", wie es im alten Hamburger Vergleich der beiden Mecklenburg« so schön heißt, und in der„um ihr staatliches Dasein bangenden Bevölkerung" zeige sich lebhafteste Beunruhigung. Der Leser wird sich erinnern, daß nach dem Selbstmord deS letzten Throninhabers der Russe Karl Michael zur Nachfolge be- rufen war, eine heikle Sache, zumal dieser Herr seinen Degen gegen Deutschland geführt hatte. So entstand der Plan, M.-Strclitz zu M.-Schwerin zu schlagen, was weltpolitisch etwa der Eingemeindung Reinickendorfs in den Verband Groß-Berliy an Bedeutung gleichkäme. Eine Sache, die ganz und gar nichts Aufregendes an sich hat. Im Gegenteil. Die deutsche Volkswirtschaft ist so reichlich mit Hof- Haltungen beglückt, daß die Zusammenlegung direkt auf der Linie der angestrebten Sparsamkeit liegt, und sollte das selbständig« M.-Strelitz verschwinden, so würde kein Hahn danach schreien. Höch- stens die Wappentiere auf dem Schild« der Hoflieferanten von M.-Strelitz! Diese aber sind nicht das einzig« Gerümpel, das der Sturm der Weltgeschichte auf den Müllhaufen schleudert, sie haben vornehmere Schicksalsgenossen und dürfen sich mit ihnen trösten. Aus Fuhrmanns Vergangenheit. In der letzten Ikummer der„Weltbühne" bringt ein Aufsatz des Pseudonymen Johannes F i s ch a r t neben mancherlei Interessantem aus Fuhrmanns Vergangenheit auch einen Btief Dr. Webers, eines Mttglieds des geschäftsführenden Ausschusses der national- liberalen Partei zum Vorschein, der ein besonderes Licht auf die Rolle wirft, die Fuhrmann schon früher in seiner Partei gespielt hat. Fuhrmann gilt als Hauptmacher des„Altnationalliberalen Reichsverbandes", jener Partei in der Pariei, die sich gegen die jungliberalen Tendenzen im Parteikörper richtete. Ter Brief Dr. Webers datiert vom 28. Juni 1912, also kurze Zeit nach dem natio- nalliberalen Parteitag, der auch der GründungStag der Sonder- vcreinigung war, erhebt den Vorwurf gegen Fuhrmann, seine Stellung als Generalsekretär der Partei zu deren Nachteile und zum Vorteile der reaktiv- nären Sondergründung benutzt zu haben. Diese Feststellung ist von besonderer Bedeutung, wenn man sich vergegenwärtigt, daß heute der„Liberalismus" Fuhrmanns neben dem eines Lohmann bei den Wahlrechtsdebattcn im höchsten Glänze steht. Normallohn für Acrzte. In der„Deutschen Tageszeitung" wird„für ein aufblnhendes Landsiädichen an der holländischen Grenze" ein praktischer Arzt und Geburtshelfer gesucht, der sich dorr niederlassen soll. Um den Herren Medizinern die Sache„schmack- hast" zu machen, schließt.die Anzeige so:'„Hohes Einkommen ge- währleistet, vorzügliche Lebensmittelversorgung garantiert, eventuell in natura gewahrt."—Da von Pfarrern für geistliche Verrichtungen immer noch ab und zu Gäule und ähnliche Dinge als Honorar ge- fordert werden, liegt der Gedanke nahe, den Aerzten das Leibes in gleicher Weife zu dienen. Aber was sagen die Kriegs- Verordnungen dazu Z Di« Arbeitszeit in den Bäckereien. In der gestrigen Vollsitzung deS Bundesrais wurde der Entwurf eines Gesetzes über die Arbeits- zeit in Bäckereien angenommen. LeSte Nachrichten. �apan opponiert gegen öie Interventkon.> London, 18. Zstrli. Reuter.„Times" erfährt aus Tokio vom 15.: Der diplomatischeBcirat sollte heut« zusnmmentrctcn, um die Entscheidungen der Regierung, die sich auf die amerikanischen Vorschläge einer gemeinsamen. amerikanisch-japanischen Intervention beziehen, zu bewilligen. Aber er vertagte sich infolge der Opposition von zwei Mitgliedern, die die Lage in Sibirien nicht für kritisch genug hielten, um ein s a p a» i» schcs Vorgehen notwendig erscheinen zu lassen. London, 18. Juli. Reuter. Wie die„Times" aus Peking erfährt, dringen die Tschecho-Slowaken von I r k u t s k aus an der Eisenbahn s ü d l i ch d e s Baikalsees vor. Somonow liegt wieder im Kampfe mit den Bolschewiki. Tic Anklage gegen Brantianu beschlossen. Bukarest, 18! Juli. Die rumänische Kammer hat den aus der Initiative des Parlaments hervorgegangenen Antrag auf Erhebung der Anklage gegen die Regierung Brantianu mit- 115 Stimmen angenommen. Der Abstimmung enthielten sich die n a t i o n a l i st i s ch e n �Abgeordneten Guza und Cordeanu. Das Ergebnis der Abstintmung, die durch Namensaufruf und mündliche Erklärung erfolgte, wurde mit st ü r- mischem Beifall aufgenommen. Ein aus sieben Mit- gliedern bestehender Ausschuß wurde beauftragt', die Vorunter- suchungen vorzunehmen. Dem Ausschuß gehören die Devu- tierten Lasear Antonio, Brisiorian, Mitescu, Paupeson, Petto- vici, Razilu und Gr. P. Carp, ein Sohn Peter Carps, an. Tic Cholera in Petersburg. P e t e r s b u r g, 15. Juli.(Verspätet eingetroffen.) In Petersburg ist die Cholera ausgebrochen. Gestern wurden übcrdvö Fälle gemeldet. • GewerffchlMbewEUNg Tie Teuerungszulagen der Buchbinder. Der Buchbinderverband hatte der Unternehmerorganisation den ltrag unterbreitet, die bisherigen Teuerungszulagen zu erhöhen, .tb zwar um wöchentlich 2V M. für männliche Arbeiter, 15 M. für übte Arbeiterinnen, 10 M. für ungeübte Arbeiterinnen. Weiter urde gefordert Erhöhung der Akkordpreife um 30 Proz., Bercch- ung des Stundenlohnes nach dem Gesamtwochenverdienst ein- hließlich der Teuerungszulagen. Auf die fo berechneten Löhne sind A U eberstunden die tariflichen und die Ueberstundenzufchlägc zu ihlen. Verkürzung der Arbeitszeit auf 51 Stunden in der Woche, � ionnabcnds darf die Arbeitszeit nur 6 Stunden betragen. Die lerhandtungen mit-dem Verband deutscher Buchbiudere-ibesitzer find ürzlich zum Abschluß gekommen, lieber das Ergebnis derselben erichtete Würzberger am Mittwoch in einer sehr stark besuch- .en Versa mm l un g der Berliner Buchbinder. Er be- merkte, daß die Verhandlungen manche Schwierigkeiten boten. Zu einer allgcm-cin-en Erhöhung der Akkordpreise waren die Unter- nehmer nicht jj-u bewegen, obgleich die Vertreter der Arbeiter sich bemühten, diese Forderung durchzusehen. Bisher waren die Teue- rungszulagen nach der Höhe des Wochenberdienstes abgestuft, so daß die Zulage bei den höheren Löhnen geringer war. als bei den niedrigen Löhnen. Diese Staffelung, die bei den Arbeitern lebhaste Unzufriedenheit hervorgerufen hat, ist jetzt beseitigt. Die Zulagen werden nunmehr ohne Rücksicht aus die Höhe des Verdienstes ge- währt und unterscheiden sich nur für Arbeiter und Arbeiterinnen sowie für Verheiratete und Ledige. Die jetzt vereinbartem Zulagen betragen in Berlin vom 10. August ab wöchentlich 30,S0-M. für verheiratete, 28,50 M. für ledige Arbeiter, 18 M. für Arbeiterinnen. Vom 8 0. November ab erhöhen sich die Zulagen aus 35,50 M. für verheiratete, 33,50 M. für ledige Arbeiter, 20 M. für Arbeiterinnen. In Leipzig und Stuttgart sind die den Arbeitern bewilligten Zulagen um 3,50 M., in München um 5,50 M. und für die Arbeite- rinnen in diesen drei Städten um 3 M. niedriger als in Berlin. Ferner kommen noch die folgenden allgen�-einen Bestimmungen in Betracht: Die Zulagen sollen nicht höher sein, als der wöchent- liche Verdienst, wenn dieser in Berlin bei voller Arbeitszeit für Arbeiter nicht mehr wie 32 M., für Arbeiterinnen nicht mehr wie 17 M. beträgt.— Der für Handfalzarbeiten bisher übliche Aus- schlag aus den Akkordprers ist von 20 aus 30 Proz. erhöht worden. Die bisherigen tariflichen und Kric-gszuschläge für Uebersiunden-, Sonntags- und Nachtarbeit werden verdoppelt. Die geforderte Verkürzung der Arbeitszeit bzw. die Freigabe des Sonnabcndnachmittag haben die Unternehmer abgelehnt, während des Krieges sei an eine Arbeitszeitverkürzung nicht zu denken. — Der Referent bemerkte, es sei zu bedauern, daß die VerHand- lungert kein günstigeres Ergebnis gehabt haben, aber es sei trotz aller Bemühungen nicht mehr zu erreichen gewesen.— Die Forderungen seien auch-dem Verein der Berliner Äuchdruckereibcsitzer eing-ercicht worden, der Verhandlungen in Aussicht gestellt, bis jetzt aber solche noch nicht eingeleitet habe. Die in den Berliner Buchdruckereien beschäftigten Buchbinder haben bisher die Teuerungs- Anlagen nur tu der Höhe bekommen, die den mit den Buchdruckern vetieinbarten Teuerungszulagen entspricht. Das ist wesentlich weniger als die Zulage, welche in den Buchbinderbetrieben gezahlt wird. Bei den bevorstehenden Verhandlungen mit den Buchdruckereibesitzern müsse gefordert werden, daß die> von ihnen beschäs- tigten Buchbinder dieselben Zulagen erhalten, die in den Buch- btndereien gelten.. In diesem Sinne sprachen auch die Disfufitonsredner. Schueß- lich wurde die folgende Resolution einstimmig angenommen: „Die Versammlung bedauert lebhaft, daß die weitergehenden vollbegründeten und berechtigten Forderungen der Arbeiterschaft nicht die erwartete Berücksichtigung gesunden baben. Die Versamm- lung erkennt an, daß durch' Wegfall-der �Staffelung in den Teue- rungszulagen ein Stein des Anstoß-es in den Mitgliederkreisen aus dem Wege geräumt ist. Dagegen hat die Ausschaltung der Teue- rungszulage für Ueberstunden keine beftisdigende Lösung gefunden. -Die Versammlung nimmt mit Entrüstung Kenntnis von der Verzögerung der Verhandlungen mit den Buch- druckcreibe sitzern, obwohl die Forderungen bereits am 17. Juni eingereicht wurden Die Versammlung beauftragt die Branche nlci hing, bei den Verhandlungen mit dem Verein Berliner Duchdruckereibesitzer dahin zu wirken, daß ein Abkommen aus gleicher Grmndlage wie mit den Buchbinderei- besitzern getroffen wird und erteilt den Vertretern Vollmacht zur eventuellen T a r i s k ü n d i g u n g, falls wider Er- warten eine solche Verständigung nicht möglich sein sollte.* Die Sägereiarbeiter Sachsens hielten kürzlich in Dresden eine Konferenz ab, die— wie wir a-us dem Bericht der„Holzarbeiterzeitung" sehen— hauptsächlich dem Wunsch nach Schaffung eines Tarifvertrages mit einheitlichen Lohnsätzen Ausdruck gab. Zur Begründung dieses Verlangens wurde ausgeführt, daß gegenwärtig für gleichartige Arbeit sehr verschiedene Löhne gezahlt werden. In Königstein beträgt der Stundenlohn für Brettschneider 85 Ps., im benachbarten Schandau nur 05 Ps. In der Lausitz sowie in der Döbeln er Gegend loerden gar noch 55 Ps. gezahlt, und im Erzgebirge gibt es Betriebe, wo der Lohn noch unter 40 Ps. pro Stunde heruntergeht. Fast alle Be- triebe arbeiten sedoch für den Heeresbedarf und werden die Unter- nehmer auch nach einheitlichen Grundsätzen für die gelieferten Produkte bezahlt. In der Arbeitszeit herrscht ein ebensolches Durchein- ander. Während in Dresden in einem Betrieb 53 Sturwen ge- arbeitet wird, wird in entlegenen Gegenden noch bis zn 06 Stunden gearbeitet. Die Unternehmer mußten selbst ein Interesse daran haben, diesen ungeregelten Verhältnissen entgegenzuarbeiten. Die Konserenz beauftragte die Gauvorstänide des Deutschen Holzarbeiterverbandes in Dresden und Leipzig, dem Verband säch- sischer Holzindustviellen folgende Forderungen einzureichen: Sofortige Gewährung einer Teuerungszulage von 20 Pf. für männliche Arbeiter� über 13 Jahre, für jugendliche und weibliche Arbeiter 10 Ps. pro Stunde. Schaffung eines Tarifvertrages mit vorgesehenen Mindest- löhnen nach vier Lohnklassen und Arbertszeitverkurzung mit Lohn- ausgleich. Zeitgemäße Zuschläge sür U-eberstundenarbeit. Partswachrichten. Betriebsvertraucnsleute für die Partei. Im sozialdemokratischen Verein für das Kölner Gebiet ist kürz« lich die Anregung erfolgt, in den großen industriellen Betrieben besondere Vertrauensleute sür die Partei zu ernennen. Man könsse diese Arbeit nicht den Gewerkschaften überlassen, weil dies sofort zu Streitigkeiten in der Partei und in den Gewerkschaften führe. Es sei für die Partei notwendig, enge Fühlung mit den Massen zu erhalten, um deren Stimmungen kennenzulernen. ES könne dann nicht zu derartigen Ueberraschungen kommen wie im Januar dieses-Jahres bei Ausbruch des großen Streiks. Dies? Vertrauensleute tmißten vor allem auch suchen, Frauen für die Orggnisalion zu gewinnen, und diese seien jetzt in der Industrie in großen Massen beschäftigt. Es konnte dabei auf verschiedene Be- zirke in Deutschland hingewiesen werden, in denen derartige Ein« richtungen schon bestehen._ Ein sozialdemokratischer Senator in Altona. In Altona wurde der Sradtverordnete Thomas auf die Bauer von sechs Iah»»« zum unbesoldeten Senator der Stadt Mona gewählt. ES ist das erste Mal, daß ein Mitglied der sozialdemokratischen Partei in das Magistratskollegium eintritt. Senator Thomas gehörte seit dem Jahre 1910 dem Stadtverordneten- kollegium an._ Von der italienische» Partei. Die italienische Partei hat ihren diesjährigen Parteitag auf den 27. bis 30. Juli festgesetzt; sie scheint sich aber, im Hinblick auf die entsprechenden Ersahrungen der letzten Jahre bereits damit abgefunden zu haben, daß er wieder verboten wird, denn es wird gleichzeitig mit der Einladung zu der Tagung vom Parteivorstand bekanntgegeben, daß im Falle sie aus irgendeinem Grunde nicht stattfinden könne, der Parteivorstand Schritte ergreifen wird, andere Einrichtungen mit den entscheidenden Kompetenzen des Parteitags auszustatten. In einer unlängst verfaßten Resolution sprach sich der Parteivorstand über seine Stellung zur internationalen politi- schen Lage aus. Die Resolution ist von der italienischen Zensur stark gekürzt. In dem Rest heißt es:„... die letzten Erklärungen des deutschen Kanzlers, wenn sie auch diplomatische Zweideutigkeiten und unersättliche Appetite aufweisen, enthalten doch das Einge- ständnis des mächtigsten und ausschließlichsten Militarismus, daß Waffengewalt nicht allein dem Krieg ein Ende bereiten kann.* Andere Bruchstücke weisen darauf hin, daß die Partei sich weiterhin zu den Prinzipien von Zimmerwald(so wie sie sie auffaßt) bekennt. Erweiterte Aufgaben öer Niet- einigungsämter. Wir erhalten folgende Zuschrift: .Die zum Vierteljahrsschluß in fast allen größeren Städten er- folgten Massenkündtgnngen von Wohnungen haben die Mieter- bzw. Mietcinigungsämter vor neue, bedeutend erweiterte Aufgaben gestellt, die um so. schnellerer Erledigung bedürfen, als in den meisten Fällen die Umzüge spätestens am 1. Oktober erfolgen sollen. Die Stellvertretenden Generalkommandos des 1., 2., 7. und 20. Armeekorps sahen sich aus diesem Grunde bereits veranlaßt, für einzelne Teile bzw. für ihren ganzen Befehlsbereich zu verfügen, daß Wohnungskündigungen nur noch mit Genehmigung der Kommunalverwaltung bzw. der E i n i gu n g s ä m ter statthaft sind. Diesen wurde dadurch bereits eine bedeutend erweiterte Aus- gäbe zuteil, wenn auch anzunehmen ist, daß infolge dieser Maß- nahmen der Militärbehörden manche beabsichtigte Kündigung unter- blieben ist. Weit zahlreicher werden dagegen ohne Zweifel die Einigung?- ämter in denjenigen Bezirken belegt sein, in welchen dem Ver- mieter in bezug aus Steigerung und Kündigung freie Hand gelassen wurde. Der kleinere Teil der Bevölkerung, darunter vornehmlich die Kriegsgewinnler, Heereslieferanten usw., werden einer ange- messenen Mietsteigerung allerdings entsprochen haben, also von einer Kündigung verschont geblieben sein. Weite Kvoise der Mieterschaft dagegen, und ganz besonders die Kriegerwitwen und Kriegerfrauen, werden aber durchweg gar nicht in der Lage sein, überhaupt eine nennenswerte Mieterhöhung zu bewilligen und schon aus diesem Grunde Einspruch gegen die ihnen deshalb auferlegte Kündigung erhoben haben, zunial be- sonders die Kriegerftanen ohne Erhöhung der Familienunierstützung nicht einmal imstande sein werden, auch nur auf einen Teil des ihnen für die Kciegsdauer gewährten Nachlasses zu verzichten. In allen diesen Fällen werden somit die Miet- bezw. Einigungsämter eingreifen müssen, eine Aufgabe, deren Bewältigung in der kurzen Frist von drei Monaten aussichtslos erscheint. Zur Erleichterung dieser Tätigkeit wurde allerdings die Fest- setzung einheitlicher Richtlinien angeregt. Die diesbezüglichen Bor- schlüge der beteiligten Kreise gehen aber zurzeit noch so weit abs- einander, daß eine Einigung schwerlich zu erzielen sein dürfte. So erachten z. B. die Führer der Berliner Hausbesitzer eine Mietsteigerung von 05 Proz. für erforderlich, während der Mieterb und Groß- Berlin eine solche von 5 bis 15 Proz. als angemessen bezeichnet, und zwar 5 Proz. für gewöhnliche Woh- nungen, 8 Proz. für solche mit Warmwasserversorgung und 15 Proz. für jene mit Warmwasser- und Zentralheizungsanlage. Mit einer angemessenen Mieterhöhung erklärt sich auch der Mieterver- ein zu Hamburg einverstanden, verlangt aber die Berücksichti- gung der Leistungsfähigkeit der einzelnen Mieter sowohl wie die der wirtschaftlichen Lage der Hausbesitzer. Diese Forderung entspricht der bisherigen Gepflogenheit der Mietämter und den Vorschriften der Bundesratsverordnung vom 20. Juli 1917. Weite Bevölkerungskreise find durch'das Vorgehen der Vermieter aufs äußerste beunruhigt, zumal auch billigere Wohnungen heute nicht zu finden sind und der Umzug selbst mit außerordentlichen K o st e n verbunden ist, welche die meisten Mieter, und darunter ganz besonders die Kriegerftanen, aus eigenen Mitteln nicht be- streiten können. Die Mietämter werden deshalb nicht nur bei der Zurück- Weisung der Kündigung die Frage einer angemessenen Mieterhöhung zu prüfen, sie werden vielmehr auch die Auf- gäbe haben, Maßnahmen zu treffen! die eine Wiederholung derartiger Massenkündigungen für absehbare Zeit ausschließen. Es wird sich mithin nicht umgehen lassen, in jedem einzelnen' Falle durch Vergleich oder Spruch den migernesse- neu Preis für jede Wohnung auf Grund der Leistungsfähigkeit des derzeitigen Mieters festzusetzen und einen neuen Mietvertrag auf längere Daner zu tätigen. Unter allen Umständen mutz aber.für die Folge der Mieter gegen die Möglichkeit, durch die Drohung mit Kündigung, durch die Forderung einer Mieterhöhung beunruhigt zu werden, geschützt fein. Weiterhin ist aber auch Vorsorge zu treffen, daß Mieter, und ganz besonders solche mit größerer Kiuderzahl, im Falle oiner mehr oder weniger freiwilligen Räumung ihrer bisherigen Wohnung anderwärts ein entsprechendes Unterkommen ffnden. Verschiedentlich ist zu diesem Zweck die Errichtungeines amtlichen Wohnungsnachweises gefordert, welchem jeder Hausbesitzer seine leerstehenden und frei werdenden Wohnun- gen unter genauer Angabe des Mietzinses anzumelden hat. Diese Wohnungen müssen naturgemäß an den ersten sich mel- denden Reflektanten vermietet werden, trn.andern Falle kinderreiche Familien überhaupt kein Unterkommen finden würden. Sowohl Vermieter wie Mieter und auch die Allgemeinheit haben ein gleiches Interesse an einer möglichst eingehenden Prüfung eines jeden Falles durcki die Mictämtcr. Sind dieselben in ihrer jetzigen Besetzung außerstande, alle bei ihnen er- hobenen Einsprüche gegen Kündigungen rechtzeitig zu be- urteilen, so werden Umzügezum 1. Oktober, soweit sie nicht die Genehmigung der Mietämter erhalten oder im Einverständnis mit dem betr. Mieter ausgeführt werden, allgemein ver- boten werden müssen. Die Allgemeinheit hat ein großes Interesse daran, daß die Mieter nicht länger wie nötig darüber in Ungewißheit bleiben, ob ihnen ihr bis- herigeS Obdach zu angemessenen Bedingungen-erhalten bleibt. «-«.»- �----- voo vre fywiafcpfif oer öö w«M lutfmunyw«W schließen können. Wir betör»» jedoch»och«iSdrtliffiich dM Folgende: Die Verordnung zum Schutze der Mieter erweist sich harte»cht mehr als ausreichend. Zu dem gleichen Ergebnis ist auch z. B. der Leiter des Stettiner MieteinigungSamtS, Dr. Dittrich, gekommen. In Nr. 32 des.Preußischen Verwaltungsblattes" regte er an, dies« Verordnung derart abzuändern, daß nicht der Mieter gegen eine Steigerung oder Kündigung das MieteinigungSomt anrufen solle, sondern daß der Vermieter seinerseits verpflichtet sein soll, vor einer etwaigen Steigerung oder Kündigung die Entscheidung deS Einigungsamts einzuholen. Damit würde die Miete rschutzverord- nung gewissermaßen gerade umgekehrt und die Grundsätze der in der Zuschrift oben erwähnten Verordnungon einiger Generalkom- mandos zur Regel gemacht werden. DaS erscheint uns dringend geboten. Heute versuchen die Hauswirte in fast allen Fällen eine Steigerung der Miete durch die Androhung der Kündigung zu erreichen. Das von manchen Haus- Wirten beliebte Verfahren grenztheute schon ge-' radezu an Erpressung. Durch eine Umkehvung der Mieter- schutzverovdnung würde sich der Hauswirt es vorher überlegen, ob er auch mit der von ihm beabsichtigten Steigerung bei dem Miet- etnigungsamt durchdringen würde. In der ganzen Sachlage nicht begründete Steigerungen der Miete oder eine nicht aus zwingenden in der Person des Mieters liegenden Gründen erfolgte Kündigung wurden dann vermieden und die heute ja zu verzeichnende lieber- lastung der Mieteinigungsämter eingeschränkt werden. Durch eine Verordnung dieser Art wurde auch ctne klare und sonst einwandfteie Rechtslage für das ganze Gebiet des Deutschen Reiches geschaffen werden. Inöustrie unö hanöel. Aus dem Berliner Wirtschaftsleben. llnter Mitwirkung de» Rheinislb-Westsäliichen Äobleniyndikats, der Friedrich Krupp A.-G., der Phönix A.-G. für Bergbau, der Deutsch-Luxemburgischen Bergwerks- und Hütten A.-G. ist mit dem Sitz in Berlin und einem Kapital von 300 900 M. eine neue Ge- sellschaft unter dem Namen Neuland A.-G. gegründet worden. Die erwähnten Unternehmungen hoben vordem Kapital je 10 000 M. übernommen. Gegenstand ist u. a. die Beteiligung an Siedlungs- und verwandten Unternehmungen, insbesondere in den Ostlands- gebieten. Darlehns- und sonstige Geldgeschäfte mit Siedlungs- und verwandten Unternehmungen. Die Tätigkeit der Gesellschaft ist ge« meinnützig. Mit dem Sitz in Berlin und einem Kapital von 1 Million Mari ist die Borhm-Wcrke A.-G. in Berlin gegründet worden. Von den fünf Gründern ist das Kapital folgendermaßen Übernommen worden: Fabrikbesitzer Wilhelm Boehm(Charlottenburg) 400 000 M., die Firma Hardy u. Co.(Berlin) 300 000 M., Bankdirektor Wilh. Daus (Charlottenburg) 200 000 M., Kaufmann Robert Behrens(Berlin) 50 000 M. und Ferdinand Meyer(Berlin) 50 000 M. Gegenstand ist die Herstellung und Verwertung von BeleuchtungSartikeln und deren Bestandteilen sowie ähnlichen Artikeln. Die Rumplcrwerke Akt.-Ges. in Berlin-Johannisthal schließt das erste Geschäftsjahr nach Abschreibung von 1 444 640 Mark mit einem Reingewinn von 1 015 346 Mark. Daraus wird eine Divi- dende von 12 Proz. auf 3s4 Millionen Mark Aktienkapital zur Ver- teilung gebracht. Die Verwaltung stellt fest, daß nach Ucberwim düng mehrfacher Störungen ein befriedigendes Ergebnis erzielt werden konnte. Da die nunmehr ausgebaute Gesamtanlage einen Umfang angenommen habe, der für die Bedürfnisse des von der Gesellschaft hergestellten Maschinen« rrikels in der Friedenszeit z u groß seinSwird, hält die Verwaltung eine vorsichtige Beurteilung der Aussichten für angebracht, obgleich die Gesellschaft bisher infolge der Fortdauer des Krieges noch mit Aufträgen ausreichend ver- sehen ist. Die Zukunft des Stahlwcrksverbandcs. ... kürzliche Meldung, daß angesichts der geringen Aussichten fiirj&ie Erneuerung des Stahlwerksverbandes auf einen Zeitraum von" mehrjähriger Dauer die Regierung einzugreifen beabsichtige und daß der VcrbandÄeitung in einer Art von Ultimatum erklärt worden sei, dieses Eingreifen werde zu erwarten sein, wenn nicht bis zum 30. September d. I. die Werke ihre Enffcheidung ausge- sprachen haben würden, ist, nach Informationen der„Franks. Ztg.", unzutreffend. Der Wunsch nach einem Wiederzusammcn- schluß ist allgemein; es handelt sich lediglich darum, eine geeignete Form zu finden, um dem Stahlwerksverbande wesentlich erweiterte Grundlagen zu geben. Man glaubt diese in dem Vorschlafe ge- funden zu haben, der jetzt verschiedene Kommissionen beschäftigt. Er sieht ein schärferes Erfassen des Begriffs Stahlwerksverband durch Einbeziehung der gesamten Rohstablerzeugung, also auch der Rohprodukhon, vor, und zwar derart, daß die �-Produkte und wahr- scheinlich auch die Gruppe Stabeisen den Verband als solchen aus- füllen sollen, während für die übrigen L-Produkte(Röhren, Bleche, Draht uff.) Sonderverbände in enger Anlehnung an den Stahlwerksverband errichtet werden würden. Demnächst sollen in Anlehnung an die Ende d. M. stattfindende ordentliche Mitglieder- Versammlung des Stahlwerksverbandes Besprechungen in der An- gelegenhoit in Düsseldorf geführt werden. Irgendwelcher Druck von amtlicher Stelle ist bisher nicht ausgeübt worden. E» ist lediglich im Hauptausschutz des Reichstags die Frage aufgeworfen worden, ob nicht angesichts der Möglichkeit, daß bei einem Mißerfolg der Er- neuerungsvevhandlunge-n die Gefahr einer Auflösung in Rechnung zu setzen sei, es Aufgabe der Regierung sein müsse, hier vermittelnd cinzngveifen. Die sächsische Metallindustrie im 4. Kriegsjahr. Eine interessanten Aufschluß über die Entwicklung der M e- tallindustrie im Königreich Sachsen gibt der soeben er- ichienene Bericht der Sächsisch-Thüringischen Eisen- und Stahl- Berufsgenossenschaft für das Jahr 1917. Die Zahl der Betriebe nahm nur wenig zu, nämlich von 6550 im Jahre 1916 auf 6559 im Jahre 1917. Dagegen vermehrte sich die Zahl der versicherten Per- sonen in der gleichen Zeit von 166 648 auf 294 286; es wird damit der höchste Bestand in der Friedensezit, nämlich von 195 306 im Jahre 1913, erheblich Überschritten. Der Durchschnitts- jahreAohn auf die versicherte Person erhöhte sich von 1277 M. im Jabre 1913 auf 1325 M. im Jahre 1915, 1450 im Jahre 1916 und 1795 M. im Jahre 1917, was angesichts der Teuerung sehr wenig ist.— Die Zahl der Betriebsunfälle fand eine Zunahme, und zwar von 13 808 im Jahre 1916 auf 15 896 im Jahre 1917. Wie die Kriegsverhältnisse die Unfallgefahren erhöhen, geht daraus hervor, daß im Jahre 1913 aus 1000 versicherte Personen 66,67 gemeldete Unfälle, im Jahre 1917 aber 78,25 entfielen. Die Zahl der ver- letzten weiblichen Personen erhöhte sich von 1823 im Jahre 1916 auf 3223 im Jahre 1917. Auch die Zahl der Verletzten, die eine Ent- schüdigung festgesetzt erhalten mußten, die also länger als 18 Wochen an den Folgen des Unfalls geschädigt waren, vermehrte sich, und zwar von 1121 im Jahre 1916 auf 1430 im Jahre 1917 oder von 6,72 auf 7,00 je 1000 versicherten Personen. Unter den im Jahre 1917 Enffchädigten befanden sich 271 weibliche Vorletzte. Eine er- schreckende Zunahme fand die Zahl der Getöteten, nämlich von 38 im Jahre 1914 auf 77 im Jahre 1916 und 81 im Jahr« 1917. Verantworll. s. Politt?: Dr. Franz Xlrtcrirti, Verlin-Frirdriia»: für d. üfttwen Teil des Blattes«lfred Schal», Neulolln: für Anzeigen: Therdor vilacke, Berlin. Verlag: Vorn-ärtS-Berlag®. in. 6. Berlin. Druik: VarwärtS-Buchdruckerei und VerlaaSanltaU Baal Singer u. Eo. in Berlin. Lindcnftrabc 3. türm 1 Beilage NN» UnteryaUnngSdlatt. /