Ur. 197. 35. Jahrg. Bezugspreis: ÜierleljÄhci. 4,60 Ml. monall. frei ins Haus, voraus, ahwar.Einzelne Nummern ia Viennig. Postbezug: LNonallich. vom Postichalter abzuholen I �0 Ml. vom Briefiräger ms Haus ge- brach! i,K4 Ml. Uniei ttreuzband iüt Deuiichiar 0 und Oesterreich. Ungarn 8,— Ml. für das übrige Ausland 4,50 MI. monatlich, Perland ins Feld bet dlrelter Bestellung monatl, IM Ml. Postbestellungen nehmen an Düne- marl, Holland, Luxemburg, Schweden und die Schwei,. Singerragen in die Post-Zeiiungs-Prelsliste. Erlcheuit täglich. Telegramm» Adreffe: .Sozialdemokrat Berit»-, Verlinev VolKsblclkk. ( 10 pksnnlg) Anzeigenpreis: DiefiebengeipalteneKolonelzeilelostet SV Pig,.itletne Anieigea", das fettgedruckte Wort 30 Piz,(zulässig 2 settgedruckie Worte), jedes weitere Wort 15 Pfg, Stellengesuche und Schlafstellenanzeigen das erste Wort 20 Pfg., jedes weitere Wort 10 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte, Teuerungszuschlag 20°/» Familien-Anzeigen, voliiische und oewerischastliche Vereins. Anzeigen 60 Psg. die geile, Anzeigen für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags im Hauptgeschäft. Berlin 6®. 68, Lindenstratze 3, abregeben werden.(Beäffnet von 8 Uhr früh bis 7 Uhr abends. Zentralorgan der fozialdem okratS f eben Partei Deutfchlands. Neöaktion: 6tD. 68, Linöenstraße Z. Zhernivrecher: Rmt Mortttvlat,. Rr. ISl SO— 151 97. Sonnabend, den 20. JuZi 1918. Expeüitto«: EW. 68» Kinüenstraße Z. Zhernivrectier: Tlmt Morivvlap, Nr. 151 SO— 151 S7. Die langerwartete französische Gegen- ossensive— Nereitelter Tnrch brach— Feiadiiche Teilangriffe bei Marenil» beiderseits Ponrcy» an der Snippes and bei Perthes— Bisher über 20000 Gefangene. Berlin, 19. Juli 1918, abenbs. Amtlich. Oertliche Kämpfe nördlich der L h s. Auf dem Schlachtfelde zwischen Aisne und Marne ist ein erneuter französischer Durch- bruchsvcrsuch unter schwersten Verlusten für den Feind gescheitert. Amtlich. GrogeS Hauptquartier, 19. Juli 1918. lW. T. B.) Westlicher Kriegsschauplatz., Heeresgruppe Kronprinz Rupprechr, Die Kampftätigkeit lebte am Abend auf. Bei Erkundungeu inachtcn wir mehrfach Gefangene. Heeresgruppe Deutscher Kronpriu». Zwischen Aisne und Marne ist die Schlacht von ucucin entbrannt. Der Franzose hat dort seine lang- erwartete Gegenoffensive begonnen. Durch Berwendung stärkster Geschwader von Panzer- kraftwagen gelang es ihm zunächst überraschend au ein- zelnen Stellen in unsere vorderste Infanterie- und Artillerielinie einzubrechen und nnsere Linien zurückzu- drücken. Weiterhin haben unsere Stellungsdiviffonen im . Verein mit bereitstchendeo Reserven einen feindlichen Turchbruch vereitelt. Gegen Mittag waren die fran- zösischen Angriffe in der Linie südwestlich von S o i s s o n s— N c u i l l y— nordwestlich von C h a t e a u- Thicrry zum Scheitern gebracht. Am Nachmittage brachen an der ganzen Angriffsfrout sehr starke Teil- angriffe des Feindes an unseren neuen Linien zusammen. Die dem Kampffelde zustrebenden feindliche« Kolonneu waren das Ziel unserer erfolgreichen Schlachtfiieger. Unsere Jagdflieger schössen 32 Flugzeuge des Gegners ab. Leutnant Loewcuhardt errang seinen 38. und 39., Leut- nant Bolle seinen 23. und 24., Oberleutnant Goehring feinen 22. Luftsieg. Gegen die S ü d f r o n t der Marne hat der Frau- zose nach seineu Misierfolgeu am 18. und 17. Juli nur noch Teilangriffe südöstlich von Marenil geführt; sie wurden abgewiesen. Zwischen Marne und ReimS und östlich von Reimö blieb die Gefechtstätigkeit auf örtliche Kampf- Handlungen beschränkt. Feindliche Angriffe im Königs- walde und beiderseits von Ponrcy scheiterten. Bei erfolgreichem Vorstoß nordwestlich von P r o s n e s und bei Abwehr feindlicher Teilangriffe an der SnipPcS und beiderseits von Perthes machten wir Gefangene. Die Zahl der seit 1». Juli eingebrachten Gefangeue» hat 2 9 9 9 9 überschritten. Der Erste Generalquartiermeister. Ludeudorsf. Ter österreichische Bericht. Wie«, 19. Juli 1S18. Amtlich wird verlautbart: Im Räume beiderseits von Asiago wurden artille- ristisch stark vorbereitete Bornöße der Feinde teils durch Feuer, teils im Gegenstoß zurückgeschlagen. Ebenso scheiterte � im Brenta-Tal ein italienischer Angriff.— In Albanien Plänkeleien der Sicherungstruppeii. Der Ehcf dcS Gencralstabe». Fliegerangriff gegen üie holfteinisthe Küste. Berlin, 19. Juli. Bei einem heute früh von mehreren feinidlichen Flugzeugen auf unsere Luftschiffanlagcn bei T o n d e r n ausgeführten Angriff« würbe nur einiger Sachschaden, kein Personalverlust verursacht. Ringkjöbing, 19. Juli. Zwei- englische Flieger sind heute früh infolge Benzinmangels und Motorschadens an derjütländischen Westküste gelandet. Zochs Durchbruchsversuche. Verlin, IS. Juli.ate» gebildete Schutznxche in der russischen Hauptstadt gebildet worden. Gewisse Blätter der Rechten sind sehr erbost, daß die Sow- jetregierung noch nicht melden kann, daß die beiden Mörder des Grafen Mirbach hingerichtet wurden. Zwar seien 13 Personen erschossen worden, die»üt dem Verbrechen in Zusammenhang standen, darunter der Hauptführer des Putsches, aber die beiden Mörder seien, wennschon man sie kenne, doch nach nicht einmal verhaftet. An maßgebender Stelle in Berlin wisse man noch nichts davon, daß der eine Mörder, Andrcjew, wie die Peters- burgcr Telegraphen-Agentur meldet, hingerichtet wurde. Un- bedingt müsse der Gesandtenmord gerächt werden, und zwar an beiden Attentätern. Ter„Tag" will das als einen besonderen Beweis der Stärke der Sowjetregierung ansehen. Immerhin gibt er zu, daß das, was sie hishsr getan, für ihren guten Willen spreche. Reichstag unö Reichsfinanzen. Mit frohem Stolz hat sich Graf Roedern in seiner Dank- rede an den Reichstag gerühmt, daß er ein stattliches Steuer- bündel nach Hause bringe. Er hat mehr Steuern bewilligt er- halten, als er verlangt hat. Der Reichstag sah die Finanzlage des Reiches gewissenhafter und skrupelhafter als das Reichs- schatzamt an, das vor den verfassungsrechtlichen Schwierigkeiten_ in der bisherigen Steuerverteilung zwischen Reich' und Bundes- staaten ängstlich zurückgewichen war und die Vorlage direkter Steuern im wesentlichen vermieden hatte. Der Reichstag hat statt der angeforderten drei Milliarden Mark neuer Steuern mehr als vier Milliarden be- willigt— eine Ziffer, deren Bedeutung auch bei der Gewöhnung an die Riesenmaßstäbe dieses Krieges bewußt bleiben muß und die recht eigentlich bei einem Vergleiche mit dem letzten Fric- denshaushalte des Reiches offenbar wird, der 1,8 Milliarden Mark betragen hat. Der Reichstag ließ sich bei der Genehmi- gung einer so großen Summe von drei Gesichtspunkten leiten: Die Vorschläge des Reichsschatzamtes sorgten, so erstaunlich eS auch klingen mag, nur für eine buchmäßige Deckung, in- dem Erträge aus Steuern als Einnahmen in den Staatshaus- halt eingestellt wurden, die erst nach der Uebergangswirtschast zu erzielen sein werden. Der Reichstag verlangte, daß der Fehl- betrag im Staatshaushalte wenigstens annähernd tatsächlich gedeckt wird. Ein aus allgemeinen Wahlen hervorgegangenes Parlament konnte auch nie und nimmermehr der e i n s e i t i- gen Belastung vom Verbrauch und Verkehr zu- stimmen, während die Besitzenden frei von jeder empfindlichen steuerlichen Last blieben, und drittens trieb— und das ist wohl keine Uebertreibung— das Schamgefühl dazu, in steuerlicher Opferwilligkest nicht hinter den Engländern zurückzubleiben. Der Gegensatz zur britischen Steuerpolitik wurde um so krasser, als das englische Budget den tatsächlich erzielten Einnahmen ent- sprach, während in Deuffchland die Ansätze aus dem letzten Friedensjahr schlankweg übernommen wurden. Es wurden also Erträge aus Zöllen und indirekten Steuern verbucht, die längst keine oder nur sehr geringe Erträge lieferten. Die neuen Stcu- ern, die während des Krieges beschlossen wurden, bedeuteten also keine tatsächlichen Neueinnahmen, sondern zum Teil nur den Ersatz einer ausgefallenen Einnahme durch eine andere. Unter diesen Umständen mußte sogar mehr als die Hälfte de r Kriegs gewinnst euer, die ursprünglich zur Verringe- rung der Reichsschuld bestimmt war, für die Deckung der tatsächlichen Fehlbeträge verwendet werden, obwohl das ordentliche Budget sowieso durch die Uebernahme der bekannt- lich sehr beträchtlichen militärischen Auslagen ans den Kriegs- fonds wesentlich entlastet wird. Man darf billig zweifeln,»b auch durch die neuen Steuervorlagen eine Deckung des tatsäch- lichen Fehlbetrages erzielt worden ist, und ob nicht wiedxr die Kriegsgewinnsteuer für diesen ihr eigentlich als eine einmalige Steuer fernliegenden Zweck herangezogen wurde. Jedenfalls hat der Reichsschatzsekretär die Kriegssteuer der Gesellschaften von vornherein für diese Aufgabe bestimmt. Wie ungenügend die deutsche Reichsfinanzpolitik, besonders unter dem unglückseligen Regime Helfferichs ihre Aufgaben erfüllte, lehrt ein Vergleich der bisher beschlossenen dauernden Steuern mit dem Bedarf. Würde nwrgen Frieden geschlossen, so hätte das Reich wohl mindestens zwölf Milliarden Mehreinnahmen gegen das letzte Friedensjahr zur Leistung des Schuldendienstes, zur Ver- sorgung der Kriegsopfer und zur Ueberführung der Volks- und Staatswirffchast in den Friedenszustand aufzubringen. Vis- her wurden beschlossen: im Jahre 1916 6S9 Millionen, im Jahre 1917 1200 Millionen, im Jahre 1918 4200 Millionen Mark neue dauernde Steuern. Das Mißverhältnis springt in die Augen, und wäre es nach dem Wunsche des Reichsschatzamtes gegangen, so hätte sich das Reich ausschließlich mit Steuern ans die Getränke, den Tabak, den Personen-, Güter- und Poswer- kehr und den Warenumsatz begnitaen müssin. Das Interesse der Ard eiterschaft an der Ge- stalhmg der Reichsfinanz«! wird n»chimmer»ieI,ueNg gefaßt und nur auf die Verteilung der steuerlichen Lasten be- zogen. Es ist aber in Wahrheit dreifacher Raffir: Die Arbeiter- klaffe muß verlangen, daß der größte Teil der Kriegskosten schon während des Krieges durch möglichst langfristlgeRenten aufgebracht wird und daß mindestens die verbleibende schwebende Schuld durch einegroßeVermögensabgabenach dem Kriege abgebürdet wird, damit die Belastung des Geldmarktes nach dem Kriege durch Reich, Staate» und Gemeinden zugunsten von Handel und Industrie möglichst eUgeschrankt wird und damit die Reichsbank durch Wiederaufnahme der Bar»»hlimgcn in absehbarer Zeit zur vollkommenen Wiederherstellung der Währung sckiresten kann. Die Arbeiterklasse muß ferner fordern. daß mindestens der totsächliche Fehlbetrag nn Staatshaushalte durch Steuern gedeckt wird, uin die Kreditwürdigkeit des Reiches zu erhöhen und damit die Bedingungen einer später etwaigenfalls aufzunehmenden großen Ausländsanleihe zu verbeffern. Und endlich muß die Arbeiter- floffe e in e sozial gerechte Tteueröerteilung verlangen, die die tragkräftigen Volkskreise am stärksten belastet. Tiefe Forderungen decken sich mit den Prinzipien einer gesunden Finanzwirtschast. Ein Staatsmann, der nicht nur vom Äugen- blicke lebt, wird auf die Mitarbeit der Arbeiterschaft unter diesen Bedingungen den größten Wert legen, schon um zu vermeiden, daß künftige Wahlen statt von großen politischen Gesichts- punkten beherrscht zu sein, mit dem Ziele ausgefochten werden, für sozial ungerechte Stenern Revanche zu nehmen. Leider entspricht auch dos diesmalige Ergebnis der steuer- lichen Gesetzgebung des Reichstages diesen Anforderungen nur in lächerlich geringem Maße. Es wurden Milliarden Steuern auf Verbrauch und Verkehr beschlossen, obwohl aus einer aus- gebauten Erbschaftssteuer ungeheure Summen her- auszuholen und der parasitärste Nerinögensgenuß einzuschränken wäre. Zwar wurde eine Steuer auf die großen Ver- mögen und auf die Eiukommcnsvermehrun- gen jetzt vom Reichstag beschlossen, aber die großen ständigen E inkommen sind nach wie vor steuerfrei geblieben. Der Wider- stand der bundesstaatlichen Finanzministcr war nicht zu über- winden, welche den Daumen fest auf die Kasse halten, obwohl die Bundesstaaten ibre Existenz und die Sicherung ihres Wohlstandes ausschließlich dem Schutze des Reiches verdanken. Sie wollen im besten Falle später aus-den Ertrügen ihrer direkten Steuern dem Reiche einen Anteil ßbtreten, aber einmal ist die Rolle des Kostgängers für das Reim unwürdig und dann schließt eine solche Politik für die wirtsckxrftlich wenige? entwickelten Bundesstaaten die Gefahr einer übermäßigen Belastung ein, wenn! die Hilfe wirklich ausgiebig sein soll. Schließlich ist darach' zu verweisen, daß die Brindesstaaten an und für sich zu einer Vereinheitlichung ihrer Gesetzgebung üb-er die direkten Steuern kommen müssen, weil die Steuern künstig einer der wichtigsten Kalkulationsfaktoren sein werden, und die bestehenden merklichen Unterschiede der Grund- auffassung des Deutschen Reiches als eines einheitlichen Wirt- schaftsgebieies widersprechen. Diese Vereinheitlichung wird am besten durch eine neue einverständliche Verteilung der Steuer- rechte zwischen Reich, Staaten und Gemeinden durchgeführt. > Die steuerliche Gesetzgebung des Reichstages ist, da die Vor- lagen viel zu spät eingebracht wurden, in wilder Hast erfolgt. Vorlagen, die in früheren Jahren die gewissenhafteste Prüfung verlangt hätten, wurden in wenigen Stunden oder bestenfalls Toacn absolviert. Die Kriegswirtschaft mag solche Belastungen ziir Not ertragen aber der leichte Ucbcrgang in die Friedenswirtschaft wird durch eine so mechanische Gesetz- gebung bedenklich erschwert. Der Wunsch, daß die Steuern zum jwecke- ihrer besseren Durchberatungen an möglichst viele Aus- schüsse verwiesen werden, ist sachlich durchaus gerechtfertigt. In Wirklichkeit steht ihm aber ein gewichtiges Hindernis entgegen. Infolge des Widerstandes der bundesstaatlichen Finanzminister gegen einen Eingriff in ihre Rechte hat sich c i n e r e g e! r e ch r e .K o m p e n s a t i o n s p o l i t i k entwickelt, die im Aushandeln von direkten Steuern gegen indirekte Steuern besteht. �Sie würde wesentlich erschwert, wenn die Steuervorlagen in einer Vielheit von Ausschüssen durchgearbeitet würden, die ohne inne- ren Zusammenhang miteinander stehen. Auch in dieser Reichs- -lagstagung war dieser Mißstand empfindlich genug und wurde nur dadurch überwunden, daß sich die bekannten Mehrhcitspar- teien in sozusagen privaten Verhandlungen auf eine gemeinsame Mindestforderung an direkten Stenern einigten. Eine ReKe öes Grafen Gzernin. Ter frühere Minister des Auswärtigen für Oesterreich- Ungarn. Graf Czcrnin. hat am letzten Tonnerstag im öfter- reichischev Herrenhaus eine Rede.gehaltem die große Beachtung findet, weil sie gewisse kranke Stellen der österreichischen Politik aufdeckt. Graf Czerniu wies auf den Widerspruch zwischen der auswärtigen Politik Ocsterreich-Ungarns hin, die„Gott sc'. Tanst' den deutschen Kurs steuere und der inneren Politik, die ein planloses Herumlapieren sei. Auch die innere Politik müsse sich auf eine Mehrheit stützen, die ihrem Wesen nach deutsch sei, und nur die Ausscheidung Galiziens könne einen entscheidenden Schritt vorwärts bedeuten. Graf Czcrnin nähert sich damit dem alten deutsch-radikalen Schönerer-Progcainm, welches das AuL- scheiden Galiziens und Dalmaticns zwecks Herstellung einer deutschen Mehrheit forderte. Ter Redner wandte sich scharf gegen die Richtung, die„Los von Teutschland" predige, Oesterreich-Ungarn könne in diesem Kriege n'cht neutral werden, cö bekäme Frieden mit der Entente nicht ohne die Bedingung, keine deutschen Truppen und keine Rohstoffe für Dentschlanid mehr durch sein Land zu lassen. Daö vedcutc den Konflikt mit Teutschland.„Gemeinheiten sind in der Weltgeschichte genug dagewesen, aber wenn sie nebenbei blödsinnig sind, dann..." Hier unterbrach Graf Czernin seinen Satz unter Heiterkeit und Zustimmung. Graf Czernin fuhr fort: Unsere innere Politik hat auch das Bündnisverhältnis geschä- digt. Wie soll man einem österreichi scheu Minister des Acüßern beispielsweise in Berlin Glanben schenken, daß dieses Oesterreich ein dauernder und treuer Freund Deutschlands sein wird, wenn man die tschechische»nd südslawische Bewegung sieht, wenn man den haßgeschwängerten Angriff der Slawen gegen alles, was deutsch ist, liest und daneben eine österreichische Re- gierung thront, die all diese Vorgänge mit der gleichen väterlichen und unparteiischen Liebe umfaßt. Eine innere Politik, die sich n?chi auf dem gleichen Kurs wie die äußere bewegt, schädigt auch unseren europäischen Einfluß aus die Erreichung des Weltfriedens. Ter Krieg ist in letzter Instanz ein Duell zwischen Deutsch- I g n d und England.- In dem Augenblick, wo Deutschland und England sich verständigen, ist der Weltkrieg zu Ende, trotz der sran- mischen und italienischen Eroberungsutopien. Wir haben keine direkten Reibungen mit England. Auf diese Weise sei Oesterreich zum Vermuiler prädestiniert, wenn es in Berlin rückhaltloses Vertrauen besitze. Ucber die dcut- scheu Kricgszielc sagte der Redner: Ich hoffe von ganzem Herzen, daß der Minister des Aeutzern die Kricgszirle Teutschlands kennt, daß sie nach wie vor rein defensiver Natur sind und daß der Charakter des Verteidigungskrieges unversehrt aufrechterhalten ge- blieben ist. Niemals würden es die Völker Oesterreichs verstehen, daß wir diesen schrecklichen Krieg für Eroberungswünsche eines fremden Staates verlängern sollten. Die Zumutung allein wäre imstande, das Bündnis zu gefährden. Ick, habe mit großer Befrie» digung die letzten Ausführungen des Reichskanzlers betreffend Bcl- gien vernommen, und ich glaube sicher hoffen zu können, daß der abgeklärte Geist des hervorragenden Staatsmannes die Bürgschaft dafür auch in Teutschland bietet, daß der Krieg in dem Augenblick sein Ende erreicht haben wird, wo der Feind auf seine utopischen Eroberungsabsichten verzichtet haben wird. Sowohl der Reichskanzler als auch Lloyd George und unser Minister des Aeußern sind nach ihren Erklärungen geneigt. Vor- schlüge zu prüfen, aber keiner will sie machen. Aus diesem Dilemma wäre doch ein AuSweg zu finden, wenn jede der beiden Mächte- gruppen ihre Friedensvorschläge schriftlich einer neutralen Macht übermitteln würde, die sich durch Vergleich der beiderseitigen Frie- densvorschlägc ein Bild machen könnte, ob eine Einigung möglich sei oder nicht. Wenn nur die geringste Aussicht auf eine Ver- ständigung vorhanden ist, sollte der Versuch unternommen werden. Ob der Moment jetzt dafür gekommen ist oder nicht, kann man wohl nur an kompetenter Stelle beurteilen. Bezüglich der austro-polnischcn Lösung/ sagte Graf Czcrnin, er glaube nicht mehr an diese. Die Vorbe- dingungen sein zwischen Wien und Berlin herzustellen, die Polen müßten noch viel Wasser in ihren Wein schütten und würden nie die Grenzen bekommen, von denen sie träumen. Er persönlich halte die austro-polnische Losung noch immer für die beste. sWoraus hervorgeht, daß die Schwierigkeiten in der Unmöglichkeit einer Ver- ständigung zwischen Berlin und Wien liegen.) In Besprechung des Brcster Friedens wies Redner den Vor- Wurf zurück, daß er durch Abschluß des Friedens sich in Widerspruch gesetzt hätte mit dem, was er in der Theorie verkündet habe. Der Anschluß der westlichen russischen Provinzen an Deutschland ge- schah, führte Graf Czernin aus, auf den direkten Wunsch und auf das direkte Verlangen von Kurland und Litauen und nicht gegen ihren Willen. Die russische Anarchie hat die Randprovinzen in die Arme Deutschlands getrcebcn und niemand anders. Die russische Regierung hat das freie Selbstbcstimmungsrecht der einzelnen Völker proklamiert. Die Provinzen zogen die etivas schwere aber schützende deutsche Faust der russischen Anarchie vor, und Deutschland selbst wünschte den Anschluß. Wie hätte ich mich dazwischen stellen sollen und erklären, ich könne den Anschluß nicht zugeben? Das war ein Ding der Unmöglichkeit., Die großen deutschen Siege, die märchenhasten Erfolge der deutschen Armee wären nicht eingetreten, wenn der Brest- Litowskcr Friede es nicht ermöglicht hätte, die Truppen an die West- front hmzuzichen. Wenn die Herren, die den Friedensschluß in Brest tadeln, wüßten, welche Anstrengungen die Entente gemacht hat, ihn zu verhindern, dann ivürdcn sie vielleicht milder über unsere Tätigkeit denken. Und der scheußliche Gcsandtcnmord an dem Grafen Mirbach? Ist er nicht ein neuer Beweis dafür, welche Anstrengungen die Entente macht, um den Frieden im Osten wieder durch den.Kriegszustand zu ersetzen?? Eine unmittelbare Folge des Brester Friedens war der rumänische Frieden. Auch der rumä- Nische Frieden war ein Berständigungsfrieden, und der beste Be- weis dafür ist, daß Rumänien am lautesten dagegen protestieren würde, wenn dieser Frieden annulliert werden sollte, und es B e ß- arabicn wieder herausgeben müßte. Die Rede des Grafen Czernin weist mit schmerzhafter Teut- lichkeit darauf hin. daß die Slawen Oesterreichs erbitterte Feinde des Bündnisses mit Dentschfand sind. Tie Frage bleibt offen, ob diese Feindschaft durch eine dentsch-nationale Minder- heitsregierung unwirksam gemacht oder durch den Beweis ent- kräftet werden soll, daß auch in cincnl Teutschland eng per- bundenen Oesterreich freier Raum für die EntWickelung der slawischen Nationen gegeben sei. Graf Czernin neigt offensicht- lich zu der ersten der beiden Lösungen bin. wannt freilich noch nicht bewiesen ist, daß sie möglich und auf die Dauer heilsam ist. Die Salzburger Verhandlungen. Budapest, 18. Juli. Im Abgcordiietenhausc erklärte Minister- Präsident Weierle in Beantwortung der Interpellation Barter betrefferrd die S a I z b u r g c r Verhandlungen, daß in Salz- bürg bloß Vorder tungcn stattfind.en. Die inzwischen in Deutschland vollzogenen Veränderungen haben die Vereinbarungen der leitenden Staatsmänner bezüglich der Grundprinzipien einiger- maßen hinausgeschoben, so daß jetzt in Salzburg auch in dieser Richtung Verhandlungen gepflogen werden. Eigentlich bezichen sich die Salzburger Verhandlungen jedoch hauptsächlich auf Tarif- und Z o ll sch c in a fr a g>e n. Es handelt sich vorläufig bloß um Beratungen der Referenten, die' jedoch nicht als endgültige Ab- machungcn betrachtet werden können, denn sie werden erst Geltung erlangen, wenn sie von den betrestcrtdcn Regierungen genehmigt werden. Der Ministerpräsident versicherte, daß die Gesetz- g c b u n g weder in betreff der Beziehungen zu Oesterreich noch zu Teutschland vor eine vollendete Tatsache gestellt werden wird. Im Herrenhaus erklädte Handclsminister Wiesen„Wir müssen unsere Selbständigkeit wahren. Innerhalb dieser Grenzen wollen wir soweit gehen, als möglich ist."_ Das österreichische Budjetprovisorium. Wien, IS, Juli. Im Abgeordnetenhaus sagte Pclruszcwicz sUkrainer), es handle sich nicht um eine Regierungskrise, sondern um eine Staatskrise. Wenn Seidler gehe, würden die Ukrainer in die Lage gedrängt, die geue Regierung mit verschärften Mitteln zu bekämpfen. Seit jeher sei es das Prinzip der Polen, die Regierung.zu stürzen, die den Ukrainern freundlich gesinnt wäre. Die Ukrainer haben festes Vertrauen in den guten Willen des Deutschen Reiches, einen selbständigen ukrainischen Staat anzubahnen. Wien, IS. Juli. Das Abgeordnetenhaus erledigte die erste Lesklng des Budgetprovisoriums und verwies diese? an den Budget- ausschuß. Im Laufe der Debatte appellierte der Pole Ja w o r s k y an die deutschen Parteien, die Polen nicht in Opposition zu treiben und dadurch der Entente den Triumph der V e r lo e i g e- rung der Kriegskreditc zu bereiten. Er drückte die Ucber- zcugung aus, daß die österreichisch-polnische Lösung für Oesterreich der einzige Weg sei, wenn es seine Großmachts�llung nicht verlieren wolle. Graf Burian, der sich zum austro-polnischcn Programm bekennt, diene dadurch den Interessen der Monarchie und der Dynastie am besten. Die Awangsmonarchie für Kinnlanü. Die Rc.gierung droht mit Niicktritt. Stockholm, 19, Juli. Die finnische Regierung hat einer Abordnung des Landtags mitgeteilt, daß sie abgehen werde, wenn die monar-chischc Rcgiernngs- form nicht durchgeführt werden könne. Die Regierung sei nämlich der Ansicht, daß allein durch Einführung der Monarchie die Selbständigkeit des Landes ver- bürgt iverden könne und müsse daher bei abschlägiger Ent- scheidung des Landtags die Verantwortung ablehnen. Der Prozeß Malvp. Pari?, 18. Juli. Nach oiner Havas-Meldung hielt heute der Staatsanwalt vor dem Obersten Gerichtshof eine heftige Anklagerede, die zu dem Schluß kam, daß die Mitschuld Malv.yS an dem Verrat, der die Existenz des Landes bedroht habe, unzweifelhaft fei. Malvy habe sich eines Verbrechens schuldig gemacht, das bei Zubilligung mildernder Umstände mit einer Höchststrafe von ö Jahren Jnternicrung in einer Festung be-' droht sei. Er, der Staatsanwalt, fei überzeugt, daß der Gerichtshof den Angeklagte� schuldig sprechen werde. Peres berichtete sodann über die Handhabung der Polizei nn Landesinnern während Malvys Amtsperiode. Er bedauerte vor allem, daß Malvy zu Kriegsbeginn 2500 der Mobil- machungssabotage verdächtige Arbeiter und Ar- beiterführer nicht verhaften ließ. Gewiß solle man gegen die Arbeiter keine Verdachtspolitik durchführen, aber diese Rädelsführer, deren Sabotagepläne der Regierung am ersten Mo- bilmachungstage bekannt waren, hätten mit der Arbeiterschaft nichts gemein. Ganz besonders scharf äußerte sich sodann der Bericht- erstatter über die Tätigkeit der Polizei, besonders des be- rüchtigten zweitenBureansin Sachen von Spionageaffären und verschiedenen Skandalafsären. Der Bericht enthält sehr tendenziöse Ausführungen, die vor allem Caillanx belasten sollen, sie werden zwar als Anklagegrund gegen Malvy borge- bracht, sind aber offensichtlich zur Stimmungsmache gegen Caillaux bestimmt. � Nach Lhoner Blättern hob Senator Peres hervor, daß die Frontrevoltcn im Frühjahr 1917 nicht ans pazifistische Propaganda zurückzuführen waren. Unter lebhaftem Widerspruch einiger Senatoren, die Ausschluß der Oeffenilichkeit verlangten, welchem Ansuchen Dubost nicht nachgeben konnte, da es rcglementswidrig sei, erklärte Peres, es seien 7ö Jnfantcricregimentcr und 23 Jägcrbatailloue von der Be- wcgung ergriffen gewesen. Die meisten Regimenter waren vollkommen desorganisiert, verweigerten in vielen Fällen den Gehorsam, sangen beim Defilieren die Internationale und waren für die Front vollkommen un- verwendbar. Das Große Hauptquartier habe erklärt, daß die Uk- fachen der Bewegung, die sich gegen die Regierung' richtete, in der pazifistischen Propaganda durch Flugschriften, IM in ganz Frankreich verteilt wurden, durch Fühlungnahme mit den russischen Truppen, durch Lobartikel der Presse auf die russische Revolution und aus Zunahme der Trunksucht in der fran.zösifchen Armee zu- rückzuführen waren. Die Bewegung sei. vom LandeSinnern ausgc- gangen. Der damalige Generalissimus Potain habe ver- langt, daß man die Verteilung von Flugschriften verhindere. Maß- nahmen gegen mobilisierte Arbeiter sowie Offiziere oder Soldaten, die pazifistischer Neigungen verdächtig waren, ergreife und sie über- wache und unverzüglich die Unterdrückung der Bewegung anordne, die auf die ganze Front zwischen Bcrdun und Aisne über- gegriffen habe, ohne daß man-eine einheitliche Leitung der B e w e g u n g c n�i d c ck e n konnte. Die Verteidiger Mq�lvhs brachten den Mitgliedern des Gerichtshofes eine von Malvy in Erwiderung auf die Rede des Staatsanwalts verfaßte Denkschrift zur Kenntnis, in der Malvy nach Prüfung der Anklage auf Verrat sowie des gegen ihn angestrengten politischen Prozesses die Beschuldigung zu- rückweist, pazifistische Propaganda geduldet zu haben, besonders bei Streiks und militärische» Meutereien. Am Schlüsse der Denkschrift legt Malvy sein« Politik der heiligen Einigkeit dar und erklärt, er habe sich das Ver- trauen der Arbeiter erworben, und tvenu dieses herzliche Einver- nehmen mit einer ganzen Bevölkcrungsklassc das Gebaren eines Aufruhrers darstelle, so sei es Sache des Gerichtshofes, dies aus- zusprechen und dessen eingedenk zu sein, daß, wenn er Mitschuldiger an einem Vergehen gegen das Vaterland sei, er es mit allen denen sei, die w i e c r an der B e r u h i g u n g de r fieberhaften Ungeduld und � der phantastischen Aufregung gearbeitet hätten. Volksabstimmung in Süökaukasten. Gro�e Mehrheit für Anschluß an die Türkei. y .Konstantinopel, 18. Juli. Laut Seman sind bei der auf Grund deß Friedensvertrages von Brcst-Litowsk in den Bezirken Bakum, Kars und U r d a h n n vorgenommenen Volksabstimmung 83 000 Stimmen für und bloß 2000 gegen die Anglicderung an die Türkei abgegeben worden. Veränöerungen im britischen Ministerium. Loj�a Ceeil gibt das Vlockadeministerium ab. London, 19. Juli. lReuler.) Der ParlamentSsekrelär des Munirionsininisteriilms Sir Wanhington Evans ist zum Blockade- minister, Lord Robert Cecil, der bisherige Blockademinister, zum beigeordneten Sekretär für auswärtige Angelegenheiten, General- major Seely zum Parlamentssekretär beim MunitionSministcrium ernannt worden, und wird als Stellvertreter des MunitionSininisters fungieren. Major Walter A st o r ist zunk' Parlamentssekretär beim Lebensmiltelministerium und zum Stellvertreter von Clynes er- nannl worden. ES wird mitgeteilt, daß B a I f o u r mit Rücksicht auf die ver- mehrte Arbeitslast im Kriege gewünscht habe, daß Cecil einen größeren Anteil an der Führung der auswärtigen Angelegen- heilen übernehme. Deswegen sei Cecil als Blockademinister zurückgetreten. Englands Ernährungslagc. Der Lebensmittelkontrolleur Clynes sagte in einer Ansprache in Manchester, daß Englard �'-t ein Stadium erreicht habe,' wo die We i z c n r e s« r> e,, q wenn der Krieg noch erhebliche Zeit fortdauern sollte, ge- sichert fei. Kaincoew. Petrograd, 16. Juli. sP. T. A.) Die Nach- richt, daß Finnland den russischen Botschalter in Oesterreich, Ge- nassen Kamenew, befreit hätte, wird dementiert. Kamenew befindet sich noch im finnischen Gefängnis in der Stadt Uleaborg. Proteststreik englischer Lehrerinnen. Amsterdam. 18. Juli. Wie„Algemcen Handelsblad" aus London erfährt, droht ein Protest- streik der Lehrerinnen, weil der Grafschaftsrat sich geweigert hat, die Gehälter zu erhöhen. Ungefähr 12 000 Lehrerinnen sind an der Bewegung beteiligt und 1200 Schulen werden geschlossen werden müssen. Der Odcssaer Arbeiterrat hat beschlossen, sich aufzulösen, da feine Tätigkcituntcrdcnjetz igen Vorhält rissen ergebnislos, und feine Existenz daher zwecklos ist. Lekte Nachrichten. General Horba t und die Tschcchoslowaken. London, 18. Juli.(Rcuier.) Ein Telegramm aus Charbin be- richtet, daß die Regierung in Wladiwostok Horvat als Ver- r ä t e r und die Regierung Horvats als gegenrevo» l u: i o. n ä r angeklagt hat. Nur die Extremisten sind damit einverstanden, während die besseren Elemente die Beschuldigung als unbegründet ansehen. Die ziemlich unfreundliche Haltung, die an- fänglich von den Tschechen gezeiiüoer Horvat eingenommen wurde, ist größtenteils der Propaganda der Regierung von Wladiwostok zuzuschreiben. In jedem Augenblick kann erwartet werden- daß zwischen Horvat und den Tschechen Einigkeit erreicht wird, Nr. 197 ❖ Z§. Jahrgang Sonnabenö, 20. Mi191s Das neue Dienststrafverfahren gegen Profestor henke!. Die weitere Verhandlung beschäftigte sich mit dem Verhältnis zwischen Pros. Henkel und der Leitung des anatomisch- pathologischen I n st i t u t s. Der Berichterstatter Obervcr- ivaltungSgerichtsrat Dr. K n a u t h schildert in seine« Aktenreferat, wie die Leiter dieses Instituts, Pros. Duerck und nachher Professor Rößlc, Beschwerde darüber geführt haben, dast Hektkel mit seinen Assistenten sich nicht genügend um die Sektion der in seiner Klinik gestorbenen Frauen gekümmert haben. Geheimrat B u m m° Berlin hat in seinem Gutachten zu dieser Frage dargelegt, daß die Be- Handlung des lebenden Mensche« dem toten Material vorzugehen habe. In Jena hätten sich die Verhältnisse so gestaltet, dah man es verstehen könne, wenn Henkel nicht zu den Sektionen des Jnsti- tut? erschien.— Zum Beweise dafür, welcher Ton schon vor 1314 zwischen Henkel und den Anatomen geherrscht habe, stellt der Ver- teidiger Dr. L u e t g e b r u n e folgeudcn Briefwechsel zur Ver- fügung: Prof. Rötzle hat schon 1313 den Direktor der Frauenklinik ersucht, die Leichen mehrerer Kinder dem pathologischen Institut zu übergeben. Darauf antwortete Henkel, er vermöge nicht das patholagisch-anatomiiche Institut als diejenige Instanz zu erkennen, der er Rechenschaft schuldig sei. Ten Versuch beträfe er als unstatthaft und weise ihn zurück.— Prof. Henkel: Selbstverständlich erkenne ich das Schreiben an. Es ist einer der vielen Streit- punkte, die ich mit Prof. Rötzle hatte. Den Fernstehenden mag der Tatbestand befremdlich erscheinen, aber für den geburtshilflichen Unterricht bin ich verantwortlich und kann diesen Unterricht nur er- teilen unter Zuhilfenahme der Leichen neugeborener Kinder. Das ist an allen geburtshilflichen Kliniken Deutschlands üblich. Kein Direktor eines anatom.ischlpatholischen Instituts hat ein Recht auf diese Kinderleichen. Ich muß die Leichen ganz frisch erhalten. Sie werden durch Einspritzungen präpariert und es wird alles Menschen- mögliche getan, um die Uebertragnng von Leichengift und In- fektionsstoffen auf die gebäcenden Mütter fernzuhalten. Das ist aber im pathologischen Institut unmöglich. Dort können Leichen nicht mfcktionsfrei erhalten werden. Eine Leichenhalle ist eben eine Leichenhalle. Solche neugeborenen Kinder sind auch absolut kein pathologisch-anatoniisches Studienobjekt. Sie bieten hierfür kein Interesse, sind nicht ein wertvolles Material, wohl aber sind sie wichtig für die geburtshilfliche Ausbildung des Arztes, die mir als die allerwicktigste erstfioint. Wenn der junge Arzt in einem Welt- fremden Ort zum erstenmal die Zange bei der Geburtshilfe ge- braucht, dann mutz ich mit meinem Gewissen dafür haften können, bevor ich ihn auf die Menschheit loslasse, daß er. das auszuüben imstande ist und die Frau nicht dabei ver- blutet. Das Verhältnis zwischen uns hat sich aber so gestaltet, daß schließlich auch die Logik darunter gelitten hat. Zeuge Professor Rötzle gibt zu, mit Henkel nicht im besten Einvernehmen gelebt zu haben und daß das Verhältnis später em direkt feindliche? geworden sei. Als Leiter des. pathologisch-ana- . tomischen Instituts habe er bcr den Sektionen von Leichen aus der Frauenklinik erhebliche Mißstände vorgefunden und fortwährend festzustellen gehabt.— Präsident: Haben Sie einmiA Henkel per- söniich darüber Vorstellung-n gemacht?— Zeuge: Ja, bei einem der wenigen Male, wo Henkel in meinem Saal erschien. Da machte ich ihn auf ein eitriges großes Loch in der Brust einer Leiche aufmerksam, ein Fall, wie ich. ihck noch nie gesehen hatte. Ich sagte ihm, daß ich einen Fehler eines seiner Assistenten annähme. Er erwiderte mir, daß er mir für solche Müteilungen sehr dankbar wäre, gab nijv aber auch später keine Aufklärung und ich dachte zunächst, daß er iraendein Verschulden eines Assistenten decken wollte.— Präsident: War das die einzige persönliche Unterredung zwischen Ihnen über die Mißstände?— Zeuge: Ja; unser Verhältnis hat sich dann so verschlechtert, daß. ein persönlicher Verkehr unmöglich tvar.� Ich beschränkte mich darauf, der Frauenklinik von den Sektionsdiagnosen Mitteilung zu machen, und diese Mitteilungen enthielten fortgesetzt Beschwerden.— Prof Henkel tritt den Dar- legungen Prof. Räßles in sachlichen Ausführungen entschieden ent- gegen.— O b e r st a a t S a n w a l t: Die beiden Herren waren A n g e h ö r i g e v o n zwei Verbindungen, die in einem KartellverbältniS- zu einander stehen, daher bestand freundschaftlicher Verkehr zwischen ihnen, bis die Spannung eintrat.— Prof. R ö h l e: Es waren rein geschäftliche Differenzen, die zum Abbruch der Ve- Ziehungen führten, nachdem ich erkannt hatte, daß ich Henkel als Menschen nicht mehr achten konnte infolge der Dinge, die ich bei den Settionen erkannt hatte. Im weiteren Verlauf der Beweisaufnahme kommen die Eingriffe in die Schwangerschaft zur Sprache. Wie der Referent und Beisitzer Oberverwaltungs- gerichtSrat Dr. Knauth in seinem Aktenreferat hervorhebt, kommen 47 Eingriffe in Frage, die in 31 Fällen zur Unfruchtbar- machung führten. Der Sachverständige, Geheimrat B u m m, ist der Meinung, daß aus den Zahlen allein ungünstige Schlüsse für ben_ Beschuldigten nicht gezogen werden können. Die" übrigen Sach- verständigen stimmen im wesentlichen mit Bumm überein. Es werden darauf Fälle aus der Privatpraxis Prof. Henkels erörtert, und zwar in nichtöffentlicher Sitzung. GrofrBerlm Auf der Suche«ach einem Kohlenhändler. Vor Einführung der Kohlen kundenliste war es für manche Hausfrauen ein schweres Stück Arbeit, einen Kohlenhändler zu finden, der Kohlen für sie hatte. Als dann die Kundenliste kam. d:e jedem Haushalt die Versorgung mir Kohlen sichern sollte, gab es wieder um die Eintragung ein wildes Rennen, wobei viele Taufende wegen Listenschluß abgewiesen wurden. Für die nicht Untergekommenen mußte die Kohlenstelle sorgen, die nun daran ging, ihnen Händler auszusuchen und die Eintragung in deren Kundenliste anzuordnen. Daß die Aufgabe nickst immer sehr glücklich gelöst wurde, daß manche Familie sich einem sehr entfernt wohnenden Händler überweisen lassen mußte, wissen unsere Leser. Es soll zugegeben werden, daß es nicht möglich ist, bei der Unter- bringung dieser Taufende von Nachzüglern eine Verteilung auf die noch nicht genügend mit Kunden versorgten Händler zu finden, die den Wünschen aller Kunden entspricht. Was wir acher schwer verstehen, ist die ganz außerordentliche Langsamkeit, mit der manch- mal die Erledigung der Unterbringungsaniräge der noch nach Händlern suchenden Kohlenverbraucher sich vollzieht. Man möchte fast nicht glauben, daß selbst jetzt noch nicht alle Haus- baltungen ihre Händler haben, die ihnen ihre Koblenration liefern sollen. Eine Berliner Hausfrau schreibt uns, sie hübe das Menschen- mögliche versucht, von der Kohlcnstelle die Zuweisung an einen Händler zu erreichen, aber der Effolg sei ihr bisher versagt ge- blieben. Nachdem'sie in der ersten Häiite des. Monats April drin Magistrat �gemeldet hatte, daß ihr die Aufnahme in eine Kunden- liste nicht geglückt war, wurde am 1ö. April geantwortet, die Kohlen- stelle werde sie bis zum 15, Mai einem Händler zuweisen. Der Bescheid fügte binzu, bis dahin möchte die Antragitellerin zur Er- sparung von Parier und Arbeit sich gedulden; aber ihre Geduld wurde auf eine harte Probe gestellt. Auf einen am 22, Mai dem Magistrat übersandten Mahnbrief kam am 27. Mai die Antwort. � ihr Brief sei an die Kohlenstelle weiiergekeitet worden. Am 11. Juni ging die immer noch wartende Frau zur Kohlenstelle, mußte mit einer Schar von Leidengefährten ewig lange stehen, konnte endlich ihr Anliegen vorbringe» und wurde nach Aufnahme eines Proto- kolls entlassen mit dem Trost, die Zuweisung werde wahrscheinlich „fn den nächste» Tagen" erfolgen. Weil die Erfüllung des Ver- sprechens ausblieb, ging die Ungeduldige am 18. Juni wieder zur Kohlenstelle. Wieder mußte sie lange stehen, bis sie vorgelassen werden konnte, wieder nahm man dann alles gewissenhaft zu Proto- koll und wieder erhielt sie zum Abschied die Zusicherung, nunmehr werde sie ,,in den nächsten Tagen" endgültig einem Händler zuge- wiesen werden. Seiidem ist'schon wieder ein voller Monat ver- strichen— aber noch immer soll die Frau„sich gedulden", denn noch immex ist die Zuweisung nicht erfolgt. Im Frühjahr mußte sie. acht Zentner d.w ihr für den Winier 1917/18 zugcbilligleui Kohlenration verfallen lassen, weil sie keinen Händler fand, der liefern konnte. Sie fürchtet, daß auch ihre neue Kohkenkarte ve'- fallen wird und daß sie mit ihrer Familie im Winter 191cht3 w.rd frieren müssen, wenn die Knhlenstelle mir der Suche nach ernem K' luen Händler für sie nicht bald zu einem Ergebnis gelangt. Ist diese Langsamkeit, die hoffentlich einzig dastebt, nur ans ein Versehen zurückzuführen? Nachdem die Frau seit ihrer ersten Meldung reichlich drei Monate gewartet hat, hat sie sich'gy mit einem verzweifelten Bries an uns gewendet. Wir haben ihr zunächst nur raten können, nochmals bei der Kohlen- stelle zu mahnen. Ueber das Ergebnis weüden wir berichten. Wo bleibt der Zni�se? Zu unserer Notiz in Nr. 195 teil! uns das Kriegsernäh- r u n g s a m t mit, daß die Elbrrfelder„Neue Presse", das Stutt- garker«Neue Tagblatt", der Berliner„Vörfen-Courier" und die Danzigrr„Neuesten Nachrichten" das Kriegsernährvpgsamt seiner- zeit richtig dahin verstanden haben, daß nur an eine e-i n- m o n a t i g e Zuckerverteilnng gedacht worden sei. Bei der löblichen Sorgfalt, mit der das Kriegsernährugsamt alle Zeitungsäußernngen von Elberfeld bis Danzig verfolgt und registriert, wird es ihm nicht entgangen sein können, daß ein großer Teil der deutschen Presse jene Erklärung wesentlich anders auf- gefaßt hat. Es drängt sich daher die Frage auf: Weshalb hat das Kriegsernährungsamt den betreffenden Zeitungen nicht gleich da- mals eine Richiigstelluog zugehen lassen und die Oeffentlichkeit unzweideutig darüber belehrt, daß die mit Aplomp ange- kündigte Ersatz-Zuckerlicferung in der einmaligen Ausgabe von lumpigen iVi Pfund besteben solle? Da ,es aus uns nicht bekannten Gründen diese Aufklärung zu geben unterlassen hat, wird sich das Kriegsernährungsamt nicht darüber wundern dürfen, wenn ein sehr großer Teil der Bevölkerung sich wieder ein- mal— wir wollen es sehr milde ausdrücken �— enttäuscht fühlt und in eine Stimmung gerät, die der Obrigkeit nicht gerade günstig ist Aus diesem neuesten Mißverständnis erwäck'st einer gewissen- haften Presse jedenfalls die Pflicht, das Publikum gegenüber allen amtlichen und halbamtlichen Beüheißungen des KriegSernährungs- amts zur äußersten Vorsicht zu ermalmen. Wir werden Uns dieser Pflicht in Zukunft stets bewußt bleibeni „Sammelt Kirschkerne!" Na ja, sammelt sie mal! Ohne Kanitz keine Kähne, sagten einst die Konservativen zur Flotten- Vorlage. Obne Kirschen keine Kerne, antworket Groß-Berlin dem Saimnelruj des Kriegsausschusses für Oe!e und Fette. In Bres- lau dagegen scheints anders zu sein. Dort wurden in 14 Tagen 11 090 Kilogramm Kirschkerne abgeliefert und für jedes Kilo gibts ein Viertelpfund Zucker als Lohn. Ansstellung„Sparsame Vanstoffe". Unker Förderung des Kriegsamtes und des Reichswirtschaftsamtes veranstaltet der „Reichsverband zur Förderung sparsamer Bau- weise E. V." in den Ausstellungshallen am Berliner Zoologi- schen Garten und aus angrenzendem Freigelände vom 2. November bis 8. Dezember eine Ausstellung, auf der diejenigen Baustoffe lund die darauf beruhenden Konstruktionen und Bauiveisen) ver- einigt werden sollen, mit denen die /beste Bauwirtschaft in der Uebergangszeit zu erzielen ist. Im Zoologischen Garten kostet an diesem Sonntag der. Ein- tritt 39 Pf. ohne Unterschied des Alters und während des ganzen Tages; ebenso für das bis 9 Uhr. abends geöffnete Aquarium. Von 4 Uhr nachmittags ab großes Konzert. An allen Wochentagen Konzert von 5 Uhr an. Eine gründliche„Kostprobe". Der Kellner Hermann K. war von der Geschäftsleitung eines Wewkabavetts beauftragt Wörden, mit zwei anderen Kellnern einen größeren Posten Wein von den Lagern iwtch dem Geschäftslokal.zu transportieren, wobei K. die Aufsicht führen sollte. Da die drei an dem vollbeladenen Hand- wagen ziemlich schwer zw schieben hatten, so schlössen sich unter- Wegs noch drei Personen zur Hilfeleistung an. Einer dieser frei- willigen Helfer schlug, als es Zeit zum Frühstücken war, vor, eine Weinprobe vorzunehmen. Dies geschah so gründlich, daß, als K. mit stiner Kolonne endlich das Lokal des Kabaretts erreichte, sieben Flaschen Portwein und 23 Flaschen Sekt, die einen Gesamtwert von 1999 M. batien, fehlten. Die Kost- probe trug allen Beteiligten eine-Anklage wegen Mundraubes ein. Das Schöffengericht verurteilte' die sechs Angeklagten zu 159 M. Geldstrafe. K. hatte sich bei diesem Urteil beruhigt, verlangte aber jetzt vor dem Gewerbegericht noch von der Beklagten Restlohü. Die Beklagte begründet ihre Weigerung, zu zahlen, da er gerade auf die anderen aufpassen sollte. Das». Gewcrbegericht beschloß, über diese Behauptungen Beweis ßu erheben, und vertagte deshalb den Rechtsstreit. E-n großes Hamsternest wurde in Neukölln entdeckt und ausgehoben. In einer Straße des nördlichen Teils der Stadt zog vor lauerer Zeit eine Frau zu, die von kleinen Handelsgeschäften zu leben schien. Gestern hatte die Neuköllner Kriminalpolizei Ber- anlassung, sich in ihrer ans zwei Stuben und Kücbe bestehenden Wohnung uinzusehen. Zu ihrer Ueberraschnng fand sie alle Räume von unten tns oben vollgefüllt mit Lebensmitteln asser Art und den verschiedensten anderen Sachen. Das Lager, das die Frau ge- bamstert hatte, um es im Schleichhandel nach und nach zu hohen Preisen wieder abzusetzen,«nthielt in großen Mengen Zucker und Katf-ce. Speck und Schinken, der zum Teil schon verdorben war, ganze Töpfe voll Schmalz und Talg, zum Teil ebenfalls schon ver- darben, gestocktes Mehl,. inner gewordene Marmelade, eingemachtes Schweine» und Hämimlsleisch. im ganzen für 39 999 M..Lebens- untiel, dazu noch für 19 999 M. Herren- und Damenwäsche, Stoife, Gardinen, einige 39 Paar Stiefel. 50 Stück Kernseife. Außer diesem Warenlager, das beschlagnahmt wurde, fand man bei der Harn swrin noch 20 009 M. bares Geld, die sie durch ihren Schleich- Handel schon erworben hat. Für 139 999 M. Tcppiche erbeuteten Einbrecher, wie erst nach- träglich bekannt wird, in dem Geschäft von O. uantmeher& E i ck e in der W i l h e l m st r a ß e 55 in der Nacht zum vergangenen Montag. Das Geschäft liegt ganz in der Nähe der Leipziger Straße, also in einer Gegend, die auch zur Nachtzeit belebt ist und ständig von Wächtern begannen wird. Begünstigt wurde der Einbruch da- durch, daß vor dem Hause ein großer Koksbaufen lag. Dieser Ilm- stand bat wahrscheinlich auch däzil geführi. daß die Täter, die ihre große Beute, mit einem Fuhrwerk weaschafien mußten, mit diesem nicht aufgefallen sind. Man hat Wohl geglaubt, daß die Männer mit der KokZanWbr zu tun hätten. So konnten sie ungestört das Eisengitter vor der Ladentür in der Wilhelmstraße zerschneiden und dann die Ladentür mit einem' Dietrich öffnen. Sie stahlen 39 Teppiche, von denen einige durch besondere Zeichnung ans- fallen: Ein großer kupser-farbigcr Seidenievpich mit drei golde- neu großen Medaillen in der Mitte, ein schwarzer Messul mit silberweißem Medaillon in der Mitte, sowie Afgans mit sechseckigen schwarzen Karos und dergleichen mehr. Für die Wiederbeschaffung des gestohlenen Gutes hat das Geschäft eine Belöhnung bis zu 15 999 M. ausgesetzt.__• Neukölln. Stndtvcrordnetcnvcrsammlnng. Der für den aus- geschiedenen Siadiral Arlari gewählte Beigeordnete Brunn-Kreuz- nach wird als besoldeter Stadtrai eingeführt. Stadlrat Mi er be- grüßt in Vertretung des Oberbürgermeisters das neue Maginrals- mriglied. das das Dezernal der Armcnverwaliung und der Waisen- pflege, der Krippenfürsorge und der Wobliahrisoinrichiungcn über- nehmen werde. Namens der Stadtverordnelenveriammlung begrüßte Stadiv.-Vorsteher. S a n d e r Herrn Stadtrat-Brunn. Er beioute besonders die Schwierigkeit der neuen Aufgaben, die der Stadt durch den Uebergang von der Kriegs- zur Friedenswirtschafl er- wachsen. Stadirat Brunn dankte den beiden Vorrednern für ihre Begrnßungsworte. Er verkenne die Schwierigkerlen nicht, die sein neues Ann mit sich bringe; eS liege ihm aber fern, der Versamm- lung ein fertiges Programm vorzulegen. Hierzu gehöre Vertranl- heit mit den einschtägigen örtlichen Bestimmungen und längere Arbeit mit den Kommiisionen und Deputationen.— Der Wahlausschuß hat die Wiederwahl der bisherigen Vertrauensmänner für die Wahl von Schöffen und Geschworenen vorgeschlagen. Air Stelle des Stadiv. G r o g e r wird Stadiv. Scholz in Vorschlag gebracht. Der Ausschuß bestebt mithin ans folgenden Mitgliedern: � Stadirat Witsch ke, Stadtvv. Tries, Scholz und Schmidt Die Versamnilung stimmt dem Vorschlage zu.— Eine geheime Sitzung schloß sich an. — Lcbensmiticl. 299 GrammM armelade gelangen im Laufe der"nächsten Woche auf Abschnitt i3 der allgemeinen Lebens- miltelkarte zur Verteilung.— Milchdauerware wird vom Montag ab in den städtischen Verkaufsstellen ans die Warenbezugs- karte abgegeben, und zwar erhalten Personen über 79 Jahre(vor dem 1. Juni 1848 geboren) ans Abschnitt 129a je 2 Büchsen ton- densierte Milch oder 2 Flaschen sterilisierte Milch oder. 2 Fla'chen Sahne oder 599 Gramm lose Milchpnlver oder 3 Beiitel Milch- Pulver. Alle übrigen Personen ausschließlich der Kinder, die nach dem 3t. Mai 1912 geboren sind, erbalten auf Abschnitt 129j und e je 1 Büchse kondensierte Milch oder 1 Flaiche sterilisierte Milch oder 1 Flaiche Sahne oder 259 Gramm loie Milchpulver oder 4 Beutel Milchpulver. Der Verkauf erfolgt serienweise. Am Montag irnd Dienstag sind zunächst die Personen über 79 Jahre kaufberechtigr, vom Mittwoch vis Freitag die Inhaber der Haiishaliungskarten Serie I. Weiteres ist aus der amilichen Bekanntmachung zu er- sehen.— Der Verkauf von 499 Gramm losen Suppen aus Abschnitt �43 und 45, 200 GrammTeigwaren aus Abschnitt 46 und 43. 299 Gramm Hülsenfrüchten aus Abschnitt 47 wird bis einschl. Mittwoch jorlgeictzt. Kartoffelversorgung. Auf die Abschnitte 39a— e der Kar- toffelkarte entfallen 5 Psund Kartoffeln, von denen zunächst jeboch nur 3 Pfund abgegeben werden; über die Verteilung der reüliche» 2 Pfd. ergeht noch besondere Bekanntmachung. Auf die Abschnitte 39 k—Z werden 299 Gramm Näbrmi'ttel verteilt.— Die Gültigkeit der Abschnitte 2Sa— c der Kartoffelkarte wird bis ein-- ichliehlich Mittwach, de» 24. verlängert.— Der Verkank von ff« Pfund Heringe auf Abschnitt 118 der Warenbezugskarte wird fortgesetzt._ Wilmersdorf. Gerstengranpen und Morgcntrank. In der Zeit vom 19. bis einschl. 27. gelangen auf die altgemeine Groß-Bcrliner Lebensmittelkarte mit dem Aufdruck Berlin-Wilmersdorf zuni Verkauf: auf Abschnitt 43: 299 Gramm Gerftengraupen zum Pfund- preise von 9,36 M., auf.Abschnitt 44: 199 Gramm Morgentrank zum Preise von 9.18 M. Die Entnahme der Waren hat in dem- jenigen Berlin-Wilmersdorser Kolonialwarengeschäft zu erfolgen, wo der Inhaber der zum Bezüge der Ware berechtigenden Lebens- mittölkarte sich durch Abgabe der Anmelde-Abschnitte 43 bzw. 44 zum Warenbezüge angemeldet hat. Schöneberg. Graupen. In allen durch Anschlag kenntlich ge- machten Geschäften findet in der Zeit vom 20. bis 23. Voranmeldung statt für 399 Gramm Graupen zu 22 Pf. zusammen auf die Ab- schnitte 48 und 49 der Groß-Beriiner Lebensmittelkarte. Für Jugendliche findet in derselben Zeit in allen Geschäften Vor- nmneidung statt für 259 Gramm Graupen zu 18 Pf. zusammen auf die Abschnitte 17 und 18 der Groß-Berliuer Lebensmittelkarte für Jugendliche. Der Verkauf beginnt etwa 8— 10 Tage nach der An- meidung.— Vom 24. Juli bis 3. August-findet eine Sonderver- teilung von Zwieback, Malzextrakt. Puddingpulver und Dauermilch an die Kinder bis zum 19. Lebensjahr statt. Die näheren Angaben -erfolgen am 24. Juli durch besondere Bekanntmachung. Pankow. Zur Knsevcrteilung wird uns geschrieben: Wie schon in der vergangenen Woche, so stellt auch in dieser Woche die Ge- meirtde Käse zum Verkauf, und zwar Harzer Käse vro Kopf auf die Lebensmittelkarte ein Stück zum Preise von 9,49 M. In Friedenszeitcn bekam man von der Sorte drei Stück.für 19 Pf. Einzelnen Händlern ist es nun unmöglich, den gelieferien Käse stückweise abzugeben, da derselbe sich schon im Stadium der Auf- lösung befindet. Sie verkaufen ihn daher nach Gewicht, und zwar sseben sie 80 Gramm für 40 Pf. Das macht pro Pfund 6.79 M., während der. zulässige Höchstpreis für diese Sorte im Kleinhandel 9,99 M. beträgt.— Mau muß hier fragen: In wessen Interesse- liegt eine Verteilung so minimaler Mengen Käse, wie sie 39 Gramm darstellen, zu einem Preise, der den Höchstpreis um das 7— 8-fache überschreitet? Nicht das Interesse des Konsumenten kann hier maßgebend gewesen sein, sondern ausschließlich das Interesse der Käseproduzenten, der Groß- und KIcinbändkerl Vielleicht hat die Lebensmittelabteilung der Gemeinde Pankow einmal die Güte, sich über diesen Fall zu äußern. Weißens«. Lebensmittel. Auf Abschnitt 54 der allgemeinen Lebensmittelkarte entfallen 259 Gramm Kunsthonig. Die Entnahme des Kunsthonigs muß in dem Geschäfte stattfinden, in welchem der Inhaber der jetzt abgelaufenen Lebensmittelkarte sich zum Bezüge von Nährmitteln angemeldet hat. Es entfallen: Je 200 Gramm Graupen oder Grütze auf die Abschnitte 43 und 45 und je 199 Gramm Graupen und Grütze ans die Abschnitte 44 und 46 der allgemeinen Lebensmittelkarte der Gemeinde Berlin-Weißensee. Die Enjnahme der vorbezeichneten 699 Gramm Nährmittel muß in dem Geschäfte stattfinden, in dem der Inhaber der jetzt abgelaufenen Lebens- Mittelkarte sich zum Bezüge von Nährmitteln angemeldet hat. Bei der Entnahme der Ware ist neben der neuen Lebensmittelkarte auch das Mittelstück der alten Karte vorzulegen. Zugleich mit den Nährmitteln können auf Abschnitt 43 zwei Schachteln Zündhölzer zum Gesamtpreise von 59 Pf. abgegeben und entnommen werden. Lichtenberg. Lebensmittel. Für die Bevölkerung stehen Zwie- backe zur Verfügung. Dieselben dürfen nur an Kranke gegen ärzt- � liches Attest, sowie an Personen, die den Nachweis bringen, daß sie über 70 Jahre alt sind, abgegeben werden. Ueber 79 Jahre alte Leute, die in Berlin-Lichtenberg versorgungsberechtigt sind und Zwieback beziehen wollen, können gegen behördlichen Ausweis in dcr� Krankenernährungsstelle. Möllendorsstr. 1l7, einen Bezugs- schein abholen.— Es gelangt jetzt ein weiterer Posten Käse(Tüsiter Käse) zur Verteilung und werden ohne vorherige Anmeldung gegen Abtrennung der beiden gleichlaufenden Abschnitte 248 K,-G, J der Lichteribcrger Lebensmittelkarte je 125 Gramm abgegeben. Der Verkaufspreis beträgt 0,55 M. für 125 Grmm. Ncinickcndorf. ScScttSmtifel. Auf Abschnitt 45 der LeLenZmittel- larie für Groiz>Bcrlin werden MO Gramm, auf Abschnill 46 166 Gramm und auf Abschnilt 47 266 Gramm Graupen abgegeben, Auf Abfchnitl 17 der LcbenZmittelkarle für Jugendliche werden 156 Gramm braune Suppen abgegeben. Die Anmeldung bei den Kleinbändlern und den amllichen Berkaufsstellen hat bis' einschlief;- lich 21. su erfolgen. Verkaufspreis für 1 Pfd. Graupen 36 Pf, und für 156 Gramm braune Suppen 28 Pf. Pfundpreis 92 Pf. Auf Abschnitt 54 der Lebcnsmitlelkarie für Groß-Berlin werden 225 Gramm Kunsthonig abgegeben. Die Anmeldung bei den Klein- Händlern und den amtlichen Verkaufsstellen hat bis einstblicstlich 22. �u erfolgen. Verkaufspreis für 1 Pfd. 73 Pf,, für 225 Granim 33 Ps, � Auf die rnil Kartoffeln nicht belieferten Abschnitte 29 ent- fallen für jedes nicht gelieferte Pfund Karioffeln 166 Gramm Nähr- mittel, also auf jeden Einzelabichnitt 56 Gramm. ?ugenöveranftaltungen. Srbeiter-Jugeudlicim, Sindenstr. 3. Sonntag, den St, d, M,: Spielsalul nach Faltenhagen— Seegefeld, Treffpunkt 7 Uhr Lehrter Bahn- Hof, Unkosten 1 M,— DienZtag und Donnerstag:' Spielen im Treptower Park, Platz 6. Arbeiterjugend Neukölln. Morgen Sonntag, abends 8 Uhr, im Jugendheim, Berliner Straffe 86/87: Vortragsabend. Vortragender: Herr Zicklcr. Srhöneberg. Arbeiter-Jugend. Morgen Sonntage Fahrt nach Wannsee, Potsdam, Treffpunkt: 7 U h r morgens Bahnhos Schöneberg,— Mittwoch: Bortragsabend. Anfang 8 Uhr. Gäste sind herzlich willkommen. Allgemeine Kranken, und Tterbekasje der Metallarbeiter. Fiilialc Berlin 3. Heute Sonnabend, den 26,. abends 81/, Uhr, bei Kayser, R eich enbergcr� Str. löl: Mitgliederversammlung.— Filiale Berlin 4. Heute Sonnabend, den 20. d. M,. abends 3'/, Uhr, bei R, Heinrich, Groffe Frankfurter Straffe 30: Mitgliederversammlung.— Filiale Berlin 7. Heule Sonnabend, den 20. d. M., abends von 6 bis 10 Uhr, findet im Lokal von Herrmann, Schcrerslr. 1l, die Wahl von Delegierten zur Generalversammlung statt. Jedes Mit- glied muff sein Wahlrecht ausüben,— Während der Wahl werden Beiträge entgegengenommen,— Die Zahlstellen in der Oftendcr und der Kolberger Straffe bleiben am Wahltage, geschloffen, Wafferstandsnachrichte« der Landesanstalt für GewSsserkunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterburcau, WetteranSstchte» kür das mittlere Norddeutkllllant dtS Sonntag mittag. Ziemlich warm, zunächst heiter, strichweise Gewitter, sonst trocken; später im Westen neue Zunahme der Bewölkung. ü)el!t!,i» Trianon-Theater Bhf. Frledrlchstr. Ztr. 49*27. 2391 S XJ. Zum 323. Male; üer £elsenssshiler. Kaiser-Titz, Bildt, Flink. Heute nachm.'IA kl. Pr. SchAeewlttcken. Sonntag 4 Uhr; Johannisfeuer. Rose-Theater. 7:;2u.:[üe Friözessia vom Nil. ffinitcnB.: Bitte recht krcundlich! CöpenicSbr Str. 68 5 Min. v. Jannowitzbr. Tägl.'1,8: Oraler Laciierfolg! Museken. Musik von Walter Bromme. Vorrerk. 10 ü. ununterbroch. Theater für Sonnabend, 20. Juli. lLiiNtepIclhans 7"/. Uhr Die spolselie Fliege Neues Operettenhans Tv.uir: Oer Soldat öerMariß. Central-Thenter vu uhr: dsb Csardasfilrsön. Dentsches Opernhaus Die ssiiöiie Helena. Frieckrich-Wllhelmsl. Theater �LUhr.jasBreiiaüiiepItiaus. Komische Oper 7 V: Seiiwarzwaliimäilei. Sonnt. S'/j U.; Die Kinokönigin. Kleines Theater 8 Uhr: Aristid und seine Fehler mit Bassormann. Metropol-Theater Die ßese m Slamlnil. 7'/. Uhr; Ilesldenz-Theuter ?-/- �r- Fimer-KISreiieD. »chiller-TU. Charl. Tl, Uhr : Äit-Eeidsilierg. Thalla-TJieater uh'rDßterdeFlliendeBLiniie Theater am Nollcndorfplatz 71/, Uhr: „Torpedo— los!" das{rr.üanei-e-Schanstttck »onntue Ä Vorstellungen 3 u. 71;, Uhr, Kabarett Tivoli ------ Bunte Vorträge------- Splclfolge vom 10.— 81. Juli: Duett Faßbender X Alois Krämer Marzella Velly X Hansi Sacher X vtto Jülich Krämer-Wolff X Runhel-Rappcsts. Täglich zwei Kapellen. A ing woohent. 7, Sonntag nachm. 4 Uhr. Kottbuser Damm 95 Morft�Misss Bockbrauerei(jetzt PatzeDiioierj Chausseestraße 64. t Sonntag, 21. Juli, ab 4 Uhr: Großes Militärkonzert ausgeführt von der gesamten akt. Kapelle der Garde-Füsiliere(Maikäfer) zurzeit auf Urlaub aus' dem Felde. 293/7 Königi. Musikdirektor Dippel. Dir. Tonkünstlerhelm Augsburger Str. 74. Bezussqueilen-uerzelcünls Berlin-Osten S* Butter, Eier, Klsa xs yjaerm. 8 Filialen d � neu Mehlhandlung som SP, SJaliJietsfliE��n A Bezugsqueiien-uepzeichnis Barlln-llorJan_ Drogen, Farben biMoiü""" tnth.Schulzondorfsl 2 Flelcoh- u. Wurstw. Wlekert- Sit. ISi.l 293/7■ Zufolge plötzlicher Erkrankung des Unkerzcichneien konnte \ die auf den 14. Jnli anberaumt gewesene Berfanimlung ! zur Gründung der 81/11 MM«lM'Ae!Wsl leider nicht abgehalten werden. Die betreffende GründungS- Versammlung findet nunmehr definitiv .am ÄoNNtag. de« 31. IuU, L vormittags 10 Uhr, im Kaiserhof, Altona, statt. Altona, 13. Füll 1918. Qoedeken. Speziatarzt Dr. med. Liaabs beh. schnell, gründl., mögl. schmerzlos u. ohne Berussstör. Leschieeh'.skraakhelt., geheime haut., Harn-, Frauenleiden, Schwäche. Erprobteste Methoden Harn- und Blutuntersuchung. lOMpir. 34:18,«Äiw ®pr. 10— lu. 5— 8. Sonnt.16— 1 Spezialarzt Dr. med. Hascht, Fri8iinchstr,90 ÄS. Behandll oonDyPhiliö, Haut» Harn-, Frauenleiden, fpezk: chron. Fälle. 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Die Beerdigung findet am Sonnabend', den 20. Juli, nachmiitags U/s Uhr, von der W Leichenhalle des neuen Ja- kobi- KirchboieS, Neukölln, Hermannnraffc, aus stakt. Rege Beteiligung wird er- wartet._ Den Mitgliedern ferner zur Nachricht, daß unser Kollege, der Mechaniker Karl Keller Reinickendorf, Scharnwcber- straffe 122, am 18. Juli ge- starben ist. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 21. Juli, nachmittags 3 Uhr, von der Leichcnballe des Gemeinde- Friedhofes in der Humboldt. straffe aus statt. Rege Beteiligung wird er- wartet. iZeuttcher küchbiitder-verbaml. (Zahlstelle Berlin.) Ten Mitgliedern zur I Nachricht, daff unser Mit- 1 glied Em Kurzeuberg| geh Böhme verstorben ist. Ehre ihrem Andenken i Die Beerdigung findet am I Sonnabend, den 20. Juli.! nachmittags 3 Uhr, auf dem j Emmauskirchbof statt. Um zahlreiche Beteiligung I ersucht 23/11 j Die Drisverwalturg. Vachrnf. Den Mitgliedern ferner zur Nachricht, daff unser Kollege, der Dreher Hermann Grunert Britz, Werder straffe 6, am 11. Juli gestorben ist. Ehre ihrem Andenken k Tie Ortsverwaltnng. ZZcutldier Bauardelter-Verdand. Zweigverein Berlin. Bezirk Pankow.» Am 16. Juli starb unser Mitglied, der Maurer Herrn. Meltzow genannt Müller. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Sonnabend, nachmittags 3 Uhr, aus dem dritten(Bemeiiide- Friedhos, Schönholzer Heide, statt. Um rege Beteiligung er- sucht 140/13 Der Borstnnd. tJentral-Verbanä der Zimmerer Deulfchiands. Zahlstelle Berlin und Umgegend, Bezirk 1. Den Berufsgenossen zur Nachricht, daff unser' Mitglied, der BczirkSlassicrer krit? Schmeling am 17. Juli au Lungenentzündung verstorben ist. Ehre seinein Andenken! Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 20. Juli, nachmittags Sst. Ubr.aus dem neuen Jakobi- Kirch hos in Neukölln, Hermannslr. 100, statt. Um rege Beteiligung ersucht 254/5 Der Borstand. Danksaguug. Für die Beweise hcrzlichcrTcil- nähme beim Hinscheiden meines lieben Mannes sage ich allen Freunden und Bekannten meinen herzlichsten Dank. 82/11 Cbarlottcnburg. Juli 1918. Kll-suheth I-lndstUdt geb. Papenfuß. Verband der Gemeinde- und Staatsarbeiter. Filiale Groß-Serlin. Den Mitgliedern geben ivir hiermit Nachricht vom Tode des Kollegen �Vilhelm Lange vom Zentralmagazin. Ehre seinem Andenken; Beerdigung heute Sonnabend, den 20. Juli, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichenhalle öer Andreas, (Gemeinde in Wilhelms- berg aus. Um rege Beteiligung bei der Bestattung des Kollegen ersucht 32(17 Die Ortsverwaltnng. .Soiilen«"Sandalen1 in S. Buchenholz, zweiteilig, für Wiederverkauf, billigst. Frohe Dtz. in Kr. 24— 39 um. Nachnahme von 8,98 Mark inkl. Verpackung. L62 Korken zu den jetzigen erhöhten gesetz- lichcn Höchstpreisen taust Sperber, 286/19» Zehdenicker Str. 13. Nord. 4803. Zügel. Auskäuser. Wird auch ab- geholt. Pelzmantel, kurz und Inns Seal Electric, kurz 860/ lang 1M0 usw. 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Ich war dagegen ganz farblos, mein Beruf ließ mir für dergleichen Schnickschnack keine Zeit, und sie fand, jeder Beruf hindere jede Kultur und haßte darum jeden Beruf und bedauerte m ich, und ich fand, daß ihre äußere Kultur auf die innere nicht abfärbte und sie innerlich so farblos Ivar, wie nur irgend möglich sei, und bedauerte sie. So bedauerten wir uns gegenseitig, und wenn wir uns mal aneinander rieben, dann stellte.sich heraus, daß sie zwar die Glattere war, ich aber desto mehr Farbe aufzutragen verstand. so war es vor dem Kriege und so blieb es auch in der ersten Zeit des Krieges, aber dann fanden die Cltern meiner Cousine, daß die Kultur ihrer Tochtea- ungemein viel Geld kostete, und bewilligten ihr nicht mehr die gewünschten Summen für Kleider und all den Krimskrams, und mit den bisherigen Summen kam sie nicht mehr aus. Zum erstenmal entdeckte da meine Gousine,, daß ein Beruf doch erwas ganz Schönes sei, daß er Unabhängigkeit(sie verstand darunter die von den Eltern), Selbständigkeit schasse und stets Geld in den Beutel dringe. Und zum erstenmal sagte sie mir, daß sie mich beneide. Ich sagte ihr,„mach's ebenso" und sah sie dann längere Zeit nicht mehr. Neulich sah ich sie wieder und war erstaunt über die teure Eleganz, die ich mir trotz meines langjährigen Berufes nicht leisten konnte, ohne Einnahmen und Ausgaben in einen argen Wider- sprucb zu bringen. „Ja," erklärte sie auf meine erstaunte Frage,„jeder Mensch muß das eben ausnutzen, was er kann, dann findet er schon seinen richtigen Beruf." „Was hast Du denn für einen Beruf?" „Einen, der bequem ist und mich nicht allzusehr fesselt. Ich gehe seil dem Frühjahr mit einer Freundin regelmäßig einmal in der Woche aussLand und kaufe dort auf. was>mr kriegen können. Gier, Butter, Fleisch, Speck, Schinken. Das schicken wir lmnn zum doppelten Preise nach Berlin, dort wird uns alles abgenommen, wir haben dort unsere festen Kunden und machen ein schönes Geschäft dabei.".' „Tu machst Geschäfte in Butter, Eier, Käse...", mir blieb bor Erstaunen der.Mund offen stehen,„ja, wer gibt Euch denn nur etwas?" Verächtlich sah sie mich an.„Ich trage die Kultur aufs Land und keine Frau ist so dumm, daß sie' nicht lernen möchte..., und außerdem lobe ich ihre Kinder, wenn sie auch Rotznasen haben, lobe ihre Wirtschaft, wenn sie auch dreckig ist, und kriege das Ei zu 40 Pfennig, die Butter zu 4 oder b Mark und'das Fleisch zu 4 Mark das Pfund." Ich begriff, beneidete sie nicht, bedauerte sie nicht, sie war ja sie selbst. Verführt. Bis vor kurzem war s i c als Stütze nur in besseren Häusern tätig gewesen. Sie hatte schöne Zeugnisse, hatte aber ein noch schöneres Gesicht und eine feine ebenmäßige Gestalt. Bis dahin hatte niemand etwas dabei gefunden, und bei einer Stellung mit Familienanschluß war auch nicht viel dabei herausgekommen/Aber dann kam ein Flieger, einer von denen, die alles sehen, alles finden und alles verschieben, was nicht nier- und nagelfest ist. Seit s i e ihren Flieger-Unteroffizier kannte, fand sie auch, daß sie ein viel zu hübsches Gesicht habe, um hinter Küchenmauern zu vertrauern, und ging gar zu gern auf den Vorschlag ihres Fliegers ein, ihm bei seinen umfangreichen Geschäften behilflich zu sein. Als ich sie kennen lernte, saß sie auf der Anklagebank des Gerichts und �sollte sich wegen gewerbsmäßiger Hehlerei verant- Worten. Ihr Flieger wurde auch hereingeführt, und zwar von zwei Katneraden mit aufgepflanztem Bajonett, er sollte als Zeuge gegen sie auftreten. Er hatte, da er auf der Bekleidungskammer tälig war, mal aus Mangel an anderer Schieberwarc für 6000 bis 7000 Mark Militärtuche verschoben, was ihm unter Mitlvirkung von zwei Feldwebeln und gefälschten Papieren glänzend gelungen war, und nichts wäre herausgekommen, wenn er nicht durch seine Braut hätte 70 Mark für das Meter Stoff im Hausierhandel verlangen lassen. Er wollte auch zu schnell reich werden, und das hatte man ihm verdacht und die Verkäuferin der Tuche zur Anzeige gebracht. Sie bekam eine erhebliche Gefängnisstrafe, er bekam vom Kriegsgericht noch viel mehr. Beim Hinausgehen fragte er Sie: „Tu bist mir doch nicht' böse und oerzeihst mir den Streich?" Und sie antwortet»:„Ich bleibe Dir hxcu und warte auf Dich!" Mein Freund und der Zeitungsschreiber. Neulich traf ich nach längerer Zeit meinen Freund von der gleichen Fakultät, aber von der gebundeneren Richtung, bcj seinem Anblick blieb das übliche und so nichtssagende„Na, wie gehts?" im Halse stecken. Brillant sah der Mensch aus, ich brauchte gar nicht mehr zu fragen, gut ging es diesem Menschen, das war offen- bar, viel besser als mir. „Ja, da schaust." begann er urgemütlich und zwinkerte tielsagend mit den Augen. Aber mir brauchte er gar nichts mehr zu sagen, ich wollte gar nichts wissen, der Neid stieg h»iß in mir auf und brachte so etwas wie Wut über sich. „Seit ich lvcitz," begann m.cin Freund,„daß meine Chefs nicht mehr hungern, hungere ich auch nicht mehr." „Soooooooo?" entfuhr es mir. „Nein, viel weicher, viel zarter, viel leiser, viel heimlicher. sfssssoo," sagte er und begleitete dieses Gehänfel mit einer leichten anmutigen Handbetvegnng. Ich starrte mein Gegenüber an. Der aber lachte schon wieder und sagte:„Ich habe es la stets gesagt, ein richtiger Zeitungs- schreiber werden Sie mal nicht; Sie sind auch gar nicht ein bißchen findig, denn sonst müßten Sie schon wissen..." „Was soll'ich wissen?" fuhr ich gereizt auf,„fahren Sie mit ihrer D�issenschaft zum Teufel. Ich sehe, Sic pflegen den' Körper, bewahren sich vor dem Zusammenbruch und verlängern Ihr Ldjen um einige Jahre, aber opfern „Halt," rief är da,„tvas wollen Sic, wenn das nicht mehr geht, gebt was anderes,, aber hungern will ich nTcht mehr; wenn ich sehe, daß es andere auch nicht tun und ich es auch nicht brauche, wenn ich nicht will."» „Aber die Ehre," warf ich erregt dazwischen. „Was ist das?" lachte mir mein Gegenüber höhnisch ins Gesicht. „Für dieses Gebot gibt es keine Erklärung mehr, ich habe davon nur so viel oder so wenig, als ich sehe, daß die vor nnr haben, die mich bezahlen. Wissen Sie, der Kurs dieses schönen, leuchtenden Dinges steigt und fällt bei mir jetzt mit meinem Hunger!" Da kam seine Elektrische. Er nickte mir nochmals zu: „Ich gebe Ihnen derweile das schöne glitzernde Ding in Der- ivahrung, halten Sie's blank und hungern Sie weiter, Sie Tummkopf, Sie," sprachs und fuhr davon. E. B. tief auf und schieben vor sich den Sand her. Nach dem Abtauen des Eises bleiben diese Schuttwälle, die häufig langgestreckt und mehr oder weniger bogenförmig sind, auf dem Strande liegen. Sie haben große Aehnlichkeit mit den Erdmoränen der Gletscher und des Inlandeises, das zur Eiszeit unsere Gegend bedeckte und als dessen Reste auch die Müggelberge anzusehen sind. An einer Holzablage vorbei kommen wir zum Freibad Müggel- sce. Wir wandern jetzt auf der Chaussee weiter. Rechts liegt das Forsthaus Müggelsee. Wir erreichen Rahnsdorfer Mühle, eine freundliche Landhaussiedlung. Die alte Mühle steht auch noch, leise plätschernd rauscht das Rahnsdorfer Mühlcnfließ über das Wehr. Ein seltsam stilles, beschauliches Bild, das uns die Mühlenpöesie unserer alten Volkslieder erleben läßt. Südlich der Rahnsdorfer Mühle liegt Rahnsdorf, am Einfluß der Spree in den Müggelsee. Sein hochragender Kirchturm dient den Schiffern als Fahrtzeichen, das sie ansteuern müssen, i'.m die rechte Fahrstraße über die Müggel zu halten. Rahnsdorf ist ein Runddorf oder Rundling. Die Gehöfte liegen um einen runden Anger herum und lassen nur einen Zugangsweg' offen. Eine der- artige Torfanlagc, die die älteste Form in der Mark ist, finden wir überall da, wo sich Landerhöhnngen halbinselartig in sumpfige Niederungen erstrecken, die in früheren Zeiten fast ausnahmslos mit schwer durchdringlichen Bruchwäldern bestanden waren. Des Nachts und in Zeiten der Gefahr wurde das Vieh auf den: Anger zusammengetrieben und der einzige Zugang zum Dorf versperrt. «o konnte ein solches Dorf verhältnismäßig leicht gegen'feindliche Ucberfälle verteidigt werden. Auf der Westseite des Rahnsdorfer MühlcnfließeS zieht sich ein schnialer Fußsteg gen Nord hin. Dem klaren, munter eilenden Bach wandern wir entgegen. Eine schöne Waldlandschnit zeigt uns die Talniederung. Der Fußpfad bringt uns bis zur Bahn, etwas öst- lich vom Bahnhof Rahnsdorf. Von hier fahren wir«zurück nach Berlin... cli. von IrieSrichshagen nach Nahnsöorf. Vom Bahnhof Fricdrichshagen gehen wir gen Süd durch die Friedrichstraße zur Brauerei Friedrichshagen. Alsdann durch die Seestraße nach Osten zu den umfangreichen Bauten der Berliner Wasserwerke. Diese blicken auf ein 25 jähriges Bestehen zurück, sie wurden am 1. Juli 1833 in Betrieb genommen. Oestlich der Wasserwerke liegt das Königliche Institut für Binnenfischerei, in 'dem die künstliche Züchtung und Veredlung der Fischarden auf wissenschaftlicher Grundlage, betrieben wird. Wenn wir an dem sich än das Institut anschließenden, um- zäunten Gelände des Versuchstrupps der Artillerieprüfungskom- Mission vorüber sind, wenden wir rechts ab durch den Wald an das Ufer des Müggelsees. Vom gegenüberliegenden Ufer grüßen uns die Müggelberge. Ter Müggelsee oder die Müggel Hai ihren Namen vom slawisckjen mögl— Nebel. Er ist einer der umfang- reichsten Seen unserer Mark. Seine Fläche ist 7S3 Hektar groß. Zwischen der Wasserfläch.' und dem mehrere Meter hohen, ziem- lich steil aufsteigenden Ufer liegt ein flacher Sandstrand. Er ist fast ohne Pslanzenwuchs, nur eine spärliche Grasnarbe gedeiht hier. Das Südufer der Müggel zeigt dagegen einen breiten Verlandungs- gürtel, ein,: sich weit in den See erstreckende Schilfzone. Das Fehlen des Pflanzenwuchses auf dem Nordufer wird durch das Eis verursacht, das fast in jedem Winter die Müggel bedeckt. Tritt im Frühjahr Tauwetter ein, dann werden die großen Eisschollen weit auf das Ufer hinaufgetrieben. Sie wühlen den Sanduntergrund . Notizen. — Theaterchronik. Im Fricdrich-Wilhelmstädiischen Theater wird Sonntag nachmittag 3 Uhr zu volkstümlichen Preisen Verdis Oper„V i o l c t t a" aufgeführt. —„Der Kriegsgewinnler". Das Herrufe ldiheatcr wartet im Palasttheater am Zoo mit einem neben Schwank auf. der sich wahrscheinlich einige Zeit auf dem Spielplan halten wird Zwar ist die„Idee" sehr mager, aber eine Situationskomik löst d». andere ab, HerHnfeld und Grünecker haben sich mit Erfolg die Rollen auf den Leib gepaßt— Seele, was willst du noch mehr? Allerdings, der jähe Schluß verblüfft, wenn man aber bedenkt, wie sehr die Auflösung in das bekannte allgemeine Wohlgefallen, ab- gewirtschaftct hat, gibt man sich gern damit zufrieden. —„Das deutsche Kind" wird' sich ein neues Museum nennen, das in einer niitieldcuischen Stadt, wahrscheinlich in Braunschweig, gegründet werden soll. Es soll all die Dinge'erörtern lz. T. in einer Zeitschrift) und veranschaulichen, die mit diesem um- fassenden Problem verbunden sind. Ein besonderer Verband ist für das Museum in Aussicht genommen. — Das Alter des Industriearbeiters. Eine in diesen Zeiten des preußischen Wahlrechtskampfes und der Zusatz- stimme recht beacbtenswertie Feststellung hat das Reichsstatistische Amt vor einiger Zeit gemacht. Unter den Arbeitern von 1ö In- dustriegruppen stellte es festi daß der Gesamtdurchschnitt aller dieser Gruppen für die Altersklassen bis zu 33 Jahren 47,6 Proz. aus- macht, während in den höheren?lltcrsklasscn 62 Proz. der Arbeiter zu finden sind. Auf den ersten Blick erscheint diese Statistik für die älteren Arbeiter recht günstig, da indessen das Jahrzehnt von oreißig bis vierzig Jahren die höchste Prozentziffer aufweist, bleiben für die Altersklassen von 41 bis 63 Jahren nur 27 Proz. übrig. Das ist mit anderen Worten nur ein, starkes Viertel der Industrie- arbeiter, das über das vierzigste Jahr im Berufsleben hinaus- kommt.., — Die Wiedereröffnung der Universität D o r p a t im bevorstehenden Wintersemester ist gesichert. Die Vor- lesungen werden am 16. September beginnen. Der Lehrbetrieb wird an sämtlichen 5 Fakultäten aufgenommen. Zur Uebcrnahme van Lehraufträgen haben sich 21 Dorpater Dozenten bereit'erklärt, während noch 32 Lehrstellen aus den Reihen der reichsdeutfchen Umversitätslr'hrer lksetzt werden müssen. 41] Das gelobte Lanö. Roman von W. St. Reymont. „Wo ist Herr Horn?" „Der gnädige Herr haben ihn rausgeschmissen, da ist er halt gegangen." „Gut, und wo ist Herr Borowiecki?" „Er war bloß einen Augenblick da und ging gleich wieder, Wohl zum Essen, es ist schon nach zwölf, schon lange haben die Fabrikspfeisen zu Mittag gerufen." Absichtlich dehnte er die Antwort. „Gut. stell' dich neben mich." Der Lakai zuckte zusammen, kam aber dem Befehl nach. „Zu Diensten!" sagte er mit sehr demütiger Stimme. „Ich Hab' dir befohlen, diesen Hund rauszuschmeißen, warum hast du nicht gehorcht, was?" „Gnädiger Herr, er ist ja selbst rausgegangen." Er entschuldigte sich mit Tränen in den Augen. „Schweig!" schrie Buchholz-und schlug ihn kräftig mit dem Stock übers Gesicht. August taumelte zurück. „Bleib stehen, komm näher!" Und als der Lakai aus lauter Angst wieder nähergetreten war, hielt er ihn an der Hand fest und schlug mächtig zu. August versuchte nicht einmal, sich. loszureißen, wandte bloß das Gesicht ab, um die Tränen zu verbergen, die über die glattrasierten Wangen in Strömen herabflossen. Als Buchholz mit dem Schlagen aufhörte und tödlich ermüdet und stöhnend im Fautcuil lag, wickelte der Lakai ihm den Flanell um die Beine, der bei diesen heftigen Bewegungen herabgerutscht war. Unterdessen hatte sich Borowiecki, der nicht Zeuge dieser Szene sein wollre, herausgeschlichen und war zum Mittag- essen gefahren. Er aß gewöhnlich in der sogenannten.Kolonie' in der Promenadenstraße. Die.Kolonie' bestand aus einigen Frauen. Polinnen, die das Geschick aus verschiedenen Gegenden deS Landes auf das Lodzer Pflaster verschlagen hatte. Meist ivarcn es solche, die im Leben Schiffbruch gelitten hatten: Witwen, gewesene Gutsbesitzerinnen, gewesene Ren- tieren. gewesene Damen, alte Jungfern und junge Mädchen, die hier Arbeit finden wollten. Die Armut hatte sie vereint und die Armut hatte die verschiedenen gesellschaftlichen Unter- schiede ausgeglichen. Sie bewohnten an der Promenadenstraße eine ganze Etage, die hotelmäßig eingerichtet war. Karl und Moritz aßen dort zu Mittag zusammen mit einigen Kollegen. Heute kam Borowiecki etwas später, der große runde Tisch war schon besetzt. Man aß nasch und schweigend, keiner hatte Zeit zum Plaudern, alle erhoben jeden Augenblick die Köpfe und horchten, ob die Pfeifen sie nicht schon riefen. Karl schüttelte schweigend ein paar Hände, nickte den weiter ab Sitzenden mi.t dem Kopfe zu und begann zu essen. „War Horn noch nicht da?" fragte jemand über den Tisch herüber. „Er verspätet sich heute etwas." „Er konimt erst abends," berichtete ein junges Mädchen mit kurzgeschnittenem Haar, das sie sich fortwährend aus der Stirn schob. „Warum, Kama?" „Er wollte heute Buchholz einen Krach machen und ihm kündigen." „Hat er es Ihnen gesagt, Kama?" fragte Karl lebhaft. „Es war sein Plan." „Er tut nie etwas ohne Plan, wie ich sehe— die personifizierte Methode." „Ein hitziger Deutscher!" meinte Sierpinski,„ich'habe ihn mal gesehen, wie er bei uns im Kontor sich mit Müller raufte." „Und ich habe ihn soeben in einer ähnlichen Situation bei Buchholz verlassen." „Was ist denn passiert, Herr Karl?" fragte Kama leb- hast, lief zu Borowiecki, vergrub ihre kleine, noch fast kind- liche Hand in sein Haar und rief mit verzärtelter Stimme, seinen Kopf schüttelnd:„Tantchen, Herr Karl soll es sagen!" Die Köpfe hoben sich von den Tellern., „In meiner Gegenwart ist noch nichts passiert, was nachher,— weiß ich nicht. Es ging scharf zu. Mit aller Herzlichkeit versuchte Horn, Buchholz zu überzeugen, er sei ein Dieb und ein Lump!" „Ha, ha, bravo! Horn, ein tüchtiger Junge." „Adliges Blut, Verehrtestcr, so oder so, einmal kommt'S immer zuni Vorschein," brummte SicrpinSki befriedigt und wischte sich seinen mächtigen, geschwärzten Schnurrbart ab. „Nicht so sehr ist es Tüchtigkeit bei Horn, als einfach sinnlvse Händelsucht," sagte Karl unwillig. „Wir verbieten, so von Horn zu sprechen," riefen die Frauen, auf Kama blickend, die Karl losgelassen hatte. Plötz- lich von ihm weggetreten war und ganz rot, mit glühenden Augen ihn ärgerlich maß. „Ich nehme nicht zurück, was ich gesagt habe, und werde es auch weiterhin behaupten. Die Stelle hat er aufgeven wollen— er hätt's tun können; mit Buchholz kann man flch viel leichter verständigen, wie mit anderen, weil Buchholz vernünftig ist. Wozu" aber gleich so einen Krach schlagen? Doch wohl nur, um sich zu brüsten, damit alle in Lodz von ihm sprechen. Ja, kleine Jungens werden seine Kühnheit und seinen Mut bewundern. Ein großer Held— einen kranken Mann zu beschimpfen. Das wird ihm Buchholz nie verzeihen, er wird sfch an ihm bis zu seinem Tode rächen, er hat ein gutes Gedächtnis." „O, dann wird's ja nicht lange dauern, er soll ja sehr krank sein," rief Kama erregt. „Kama, was redest du da?" „Uebrigens, einen Schmarren kann er ihm antun. Horn wird nach Warschau fahren, nach Hause, und Buchholz auslachen. Nicht wahr. Tantchen?" „Buchholz hat lange Arme, er wird ihn auch in Warschau erreichen. Er wird schon ein Mittel ausfindig niacheu, um die Aufmerksamkeit auf ihn zu lenken, er wird es so machen wie Müller mit Obremski, und Horn kann sich einen tüchtigen Schnupfen holen, Zeit Ivird er ja haben." Irgendwo ganz nahe ertönte entsetzlich schrill eine Fabrikspfeife. „Krzcczkowski, deine Nachtigall lockt dich." Einer lachte. „Stumm soll sie werden." meinte, ein hoher, magerer, blonder Mann mit einer Brille auf der Nase. Er erhob � sieh und ging rasch hinaus. „Ging es wirklich so scharf zu, Herr Karl?" fragte Frau Stephanie, sich zu ihm sehend. Heute>var sie wieder so ganz in lila Farben, wie Sonnabend im Theater. „Mehr als scharf. Horn hätte sich beinahe au? Buchholz geworfen." „Ein kecker Junge, Verehrteste, er hätte ihn nur am Haar packen und von beiden Seiten verdreschen sollen." „Herr Sierpinski, er hatte es nicht mit einem Ackerknecht zu tun." „Ja, was denn, bekanntlich behandelt Buchholz alle wie Hunde, Verehrteste. Verflucht noch eins!" er hielt sich heftig den Mund zu.„Verzeihung, Verehrteste, Hab' mich vergessen, da brüllt ja schon mein Vieh nach mjr," sprach er rasch und küßte eiligst allen Damen die Hände. Ein voller, heulender Pfiff drang durch die Scheiben und rief ihn zur Arbeit. Und so sprangen alle der Reihe nach rasch vom Tisch auf, ließen das Essen stehen, nickten mit den Köpfen, liefen hinaus, auf der Treppe die Mäntel anziehend, und eilten in die Fabriken.<(Forts, folgt.) Bekanntmachung. betr. Vertretung vom Brotbczirk I uud 28. Für den Vorsteher des Brotbezirkes 1, Herrn Krüger, Berliner Str. 127, haben Herr Zl. Nidein, Berliner Str. 22, und für den Vorsteher des Brotbezirkes 28, Herrn Werner, Krausestr, 28, Fräulein I. Plagens. cbendaseldst, für die Dauer der Ferien die Geschäfte dieser Bezirke übernommen.; [ TiiBBer-Essig . Bbcrail erbaiHEch! Hdraaänu lioy er�ahiVSSeiair 81" Ott« Kangel, Alte Jacoh»tr. 26, � feige u. S itliiw, w'atnÖ n,'.'Te; kz7�> Carl ocrosascr 81. RBhlntaan�P�MtllgrGt�tli.E.Seftst i �?füte,l�dt�yn, Fola waren �; Ve«t«fi*,lE73SÄ i jSethke, Georg, SFE �etköQa, llbc»tr.3J, Kaiser- PriwlT. Str. 64, Wessritr. 189, Fhetkiikr. 23 __ Trtycir. Onlx-tirtlB 14. Gaegc, Otto Ch V�."' Alt« Wrangrelstr. 75 Jllli Ecke Currj'str. ■fflcitr. jHoofcgwIjtar» i»ert, Ca«�. S k n.!te«rt« tr. 1 45 4(SVr«w». ► LekaMini, Alb.. A-a u�TTTM e o 49 Meleml :c. SoiSe |B8!linm2lhlSr� Ältester und grösster j Miicb�piftachaftlicker■ i == Grgsabetrieb zrrz M 4?! atsgr. Änparata � MfllWjkf SO. Kottbüser Str. 3. . KlWclät auchGelegenbeitskf. � Waiae, f-rKSre/Fraditsäfte ► 1 M'tAUS» g| 5'Ä» Fftiitlen in alleii..�tadfcfeilen. I lErOWi�Ifl ict.5jOYerbi�t£ll. liri-Bfifl. j dmpichic junge, zarte Mohrrüben 82/4* Pstind 50 Pf. Dolikafessonhrus H. Kästner, Berlin, Potsdamer Str. 115 (nahe Lühowstraste). Möbel jeder Art sowie ganze Nachlässe kaust böcbstzadiend Frosch, Neukiill». Steinmetzstr. 4.* Telephon: Ncnkölln 1045. HiNNll«ctu.. zahlt bis 600 18. |}(UUv Schlafzimmer, gebt. bis 800 M., Speisezimmer, gebr. bis 1000 M., Möbel jed. Art kaust Ego. Neukölln. Berliner Sir.29.* Itarfton 1 dnn o. Bill, ßasdori tlUllfvll Obst- u.VValöparzeileM 25 M. p. O.-R.. 200 At. Anz., lOj. Hhp. Näh. 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Unsere Leser gewinnen mit Giesen geschichtlichen Dokumenten die Grundlagen zur eigenen Beurteilung der DiMlission über die Tätigkeit der Bolschewik'., die sich in diesem Blatt entsponnen hat. Red. d.«Vorwärts". Allgemeine Bestimmung über üie verfastung üer Russischen Sozialistischen Koöerativen Sowjet- Republik. Die für die jetzige Uebergangszeit berechnete Grundaufgabe der Verfassung der Russischen Sozialistischen Föderativen Sowjet- r-publik besteht in der Errichtung der Diktatur des Stadt- und Dorfproletariats und des ärmsten Bauerntums zum Zwecke der vollständigen Niederwerfung der Bou-rgeoifie, der Beseitigung der Ausbeutung des einen Menschen durch den anderen und der Einführung des Sozialismus, in dem es weder eine Einteilung in Klassen, noch eine Staatsmacht geben wird. 1. Die Russische Republik ist eine freie sozialistische >i> e l l s ch a f l der werktätigen Bevölkerung Rußlands, die in Stadt- itnd Dorfsowjets vereinigt sind. 2. Die Sowjets derjenigen Provinzen, die nach ihrem natio- nalen Bestände und nach ihren Volkssitten zusammengehören, wer- den in autonome Provinzialverbände vereinigt, an deren Spitze die Provinziallongresse der Sowjets und deren Vollzugsorgane stehen. 3. Di« Provinzialsowjelsverbände schließen sich auf f ö d e r a- t r v e rGrundlage zusammen zur Russischen Sozialistischen Repu- blik. an deren Spitze der Allrussische Kongreß der Sowjets und— in der Zeit zwischen den Kongressen— das Allrussische Zentral-Exekutivkomttee stehen. Die rusfischen Sowjets. Erstes Kapitel. Vom Wahlrecht. I. Das Recht, in die Sowjets der Deputierten zu wählen und gewählt zu werden, haben folgende Bürger der Russischen Sozia- listischen Sowjetrepublik beiderlei Geschlechts, die am Tage der /Wahl das achtzehnte Lebensjahr erreicht haben: l. Alle, die die Mittel zu ihrem Unterhalt durch produktive oder gemeinnützige Arbeit erwerben und Mitglieder der Gewerkschaftsverbände sind, wie: a) Arbeiter und Angestellte aller Art, die in Handel, Gewerbe und Landwirtschast beschäftigt werden; b) Bauern und Kosaken, die Land besitzen und keine Tagelöhner beschäftigen; c) Angestellte der Sowjets-institutionen; 2. Soldaten der SowjctSarmee und-flotte; ' 8. Bürger, die zu den im Punkt 1 und 2 des Paragraphen 1 aufgezählten Kategorien gehörten und ihre Arbeitsfähigkeit teil- weift oder ganz verloren haben. II. N i ch l wählen und nicht gewählt werden dürfen, selbst wenn sie zu einer der obengenannten Kategorien gehören: l. Personen, die andere anstellen, um einen Vorteil daraus zu gewinnen; 2. Personen, die arbeitsloses Einkommen haben, wie z. B. Prozente vom Kapital, Einnahmen vom Vermögen usw.; 2. Privathändler, Handelsvermittler; 4. Diener der religiösen Kulte; 5. Angestellte und Agenten der früheren Polizei, des Gen» wrmenkorps und der politischen Abteilung, ebenso die Mitglieder des russischen ZarenhauseS; 6. Personen, die auf gesetzlichem Wege als geisteskrank oder irrsinnig erklärt sind, ebenso Taubstumme; 7. Personen, die wegen eigennütziger und ehrloser. Vergehen verurteilt worden sind. Zweites Kapitel. l. In Ansiedlungen(Dörfern, Kosakendörfern jStanizaj. tleineiz Ortschaften, Farmen jChutori, Gehöften sAulj usw) werden die Deputiertensowjets so gewählt, daß auf 100 Mann der Bevölkerung ein Deputierter kommt, jedoch dürfen nicht weniger als drei und nicht mehr als 50 Tepulierte auf eine Au- fiedlung kommen. Anmerkung: In denjenigen Ortschaften, in denen es durchzu- fuhren ist, werden die Verwaltungsfragen unmittelbar durch die allgemein« Versammlung der Wähler der Ortschaft entschieden. 2. Zur Ausführung der laufenden Arbeit wählen die Sowjets aus ihrer Mitte ein Vollzugsorgan, das aus nicht mehr als fünf Mitgliedern besteht. 3. Die Wahl der Sowjetsmitglieder gfst für 8 Monate. 4. Der Dorfsowjet wird durch das Vollzugsovgaiv. mindestens zweimal im Monat einberufen. 5. Eine außerordentliche Versammlung des Sowjets beruft das Vollzugsorgan entweder von Amts wegen oder auf Verlangen von mindestens% der Sowjetsmitglieder«in. 6. Das Vollzugsorgan der Sowjets ist dem Sowjet voll und ganz verantwortlich. 7. In den Grenzen seines Ressorts ist der Sowjet d fte ober st e Gewalt in seiner Ortschaft. Anmerkung. Wo Verwalwngsfragen unmittelbar durch die allgemeine Versammlung der Wähler entschieden werden, stellt diese Versammlung die oberste Instanz dar. Drittes Kapitel. 1. Der Brzirtstongrefi der Sowjets besteht aus.Delegierten aller Dorfsowjets d�s betreffenden Bezirks, und zwar so, daß auf 10 Sowjeismitglicder ein Delegierter kommt. Anmerkung. Sowjets, die weniger als 10 Mitglieder zählen, entsenden zum Beziriskongreß je einen Vertreter. 2. Der Bezirkökongvetz wird von seinem Vollzugsorgan minde- jtens einmal im Monat' einberufen. 3. Die außeroÄentlichen Bezirkskongresse der Sowjets werden vom Bollzugsorgan entweder von Amts wegen oder auf Verlangen von mindestens Vi der Mitglieder der Bezirkssowjets einberufen. 4. Der Bezirkskongretz der Deputierten wählt ein Bollzugs- organ von nicht mehr als 10 Mitgliedern. 5. Das Vollzugsorgan des Bezirkskongresses ist dem Kongreß voll und ganz verantwortlich. 0. In den Grenzen seines Refforts ist der Dezirkskongreß die oberste Gewalt im Bezirk. In der Zeit zwischen den Kongressen ist daS Vollzugsorgan die oberste Instanz. Viertes Kapitel. Von den Stadtsowjets der Deputierteu. e 1. In Städten werden Deputiertensowjets so eiliderufen, daß auf 1000 Köpfe der Bevölkerung je ein Depu- Sowjet-Republik. tierter kommt; jedoch darf die Zahl der Deputierten nicht unter 50 und nicht über 1000 betragen. Der Stadtsowjet wählt aus seiner Mitte ein Bollzugsorgan, und zwar auf je 50 Mitglieder 1 Vertreter; jedoch muß dieses Voll- zugsorgan aus mindestens 3 und höchstens 15 Mitgliedern bestehen. (Variante zu Punkt 2.) Der Stadtsowjet wählt auS seiner Mitte ein Exekutivkomitee, und zwar auf je 25 Miglieder einen Vertreter; jedoch muß dieses Komitee aus mindestens 5 und höchstens 40 Mitgliedern bestehen. 3. Die Wahl der Mitglieder des Stadtsowjets gilt für drei Monate. 4, Der Stadtsowjet wird von seinem Vollzugsorgan mindestens einmal m der Woche einberufen. 5. Eine außerordentliche Versammlung deS Stadtsowjets wird von seinem Vollzugsorgan einberufen entweder von Amts wegen oder aus Verlangen von mindestens einem Drittel'der Mitglieder des Sowjets.' 6. Das Vollzugsorgan ist dem Stadtsowjet voll und ganz ver- antwortlich. 7. In den Grenzen seines Ressorts ist der Stadtsowjet die oberste Gewalt im Bezirk der Stadt. Fünftes Kapitel. Von den Krciskongrcssen der Sowjets. 1. Ter Kreiskongreh der Sowjets besteht aus Vertretern der Dorfsowjets, und zwar kommt ein Delegierter auf 1000 Einwohner, doch nicht mehr als 300 Delegierte aus den ganzen Kreis. Anmerkung 1. Tie Torfsowjcts derjenigen Ortschaften, die weniger als 1000 Einwohner haben, werden für die Wahl der Dele- gierten in den Äreissowjel miteinander vereinigt. Anmerkung 2. An den Kreissowjets nehmen Vertreter der Sowjets solcher Städte teil, deren Einwohnerzahl nicht über Ii) 000 beträgt. 2. Ter Kreiskongretz der Sowjets wird von seinem Exekutiv- komitee einberufen, und zwar mindestens einmal in drei Monaten. 3. Ein außerordentlicher Kreiskongretz wird vom Exekutiv- komitee entweder von Amts wegen einberufen oder, wenn eine An- zahl Sowjets und Ortschaften es verlangen, deren Einwohnerzahl nicht weniger als ein Drittel der Einwohnerschaft des ganzen Kreises beträgt. 4. Der Kreiskongreß wählt ein Exekutivkomitee von nicht mehr als 20 Mitgliedern. 5. Das Exekutivkomitee ist dem Kreiskongreß der Sowjet» voll und ganz verantwortlich. 0. In den Grenzen seines Ressorts ist der Kreiskongreß d i e höchste Gewalt im Kreise; in der Zeit zwischen den Kongreßsitzungen ist das Exekutivkomitee die höchste Instanz. Sech st es Kapitel. Bon den Gouvcrnementskongressen der Sowjets. 1. Der Gouverncmcntskongres« der Sowjets besteht aus Ver- tretern der Krciskongresse, doch nicht über 300 Tele- gierte für das ganze Gouvernement. Anmerkung. Wenn dem Gouvernemenistongreß kein Kreis- kongretz vorausgeht, werden die Mitglieder für den Gouvernemcnts- kongreß unmittelbar durch die Bezirkssowjcts gewählt. 2. Ter Gouverncmentskongreß der Sowjets wird von seinem Exekutivkomitee mindestens einmal in drei Monaten einberufen. 3. Der außerordentliche Gouvernemcntskongretz der Sowjets wird von seinem Exekutivkomitee entweder von Amts wegen ein- berufen, oder auf Verlangen von mindestens einem Drittel der Be- völkerung des Gouvernements. 4. Ter Gouvernemcntskongretz der Sowjets wählt ein Exe- kutivkomitee von höchstens 25 Mitgliedern. 5. Das Exekutivkomitee ist dem Gouvernementskongreß voll und ganz verantwortlich. 6. In den Grenzen seines Ressorts ist der Gouvernements- kongretz der Sowjets die höchste Gewalt im Gouverne- m e n t, in den Zeiträumen zwischen den Kongressen stellt sein Exekutivkomitee die oberste Gewalt dar. Siebentes Kapitel. BvU den Provmzialkongresien der Sowjets. 1. Der Provinzialkongreß der Sowjets besteht aus Vertretern der Stadtsowjets und der Kreiskongresse, und zwar so, daß in den Kreisen auf 25 000 Einwohner, in den Städten auf 5000 Wähler ein Delegierter kommt, doch darf die Gesamtzahl der Telegierlen 500 nicht übersteigen. Anmerkung. Wenn der Gouvernementskongreß der'Sowjets dem Provinzialkongreß vorangeht, so werden die Delegierten für die Provinzialkongresse direkt vom Gouvernementskongreß gewählt. 2. Der Provinzialkongreß wird von feinem Exekutivkomitee mindestens einmal in drei Monaten einberufen. 3. Der außerordentliche Provinzialkongreß wird vom Exekutiv- komitee entweder von. Amts wegen einberufen oder auf Verlangen der Sowjets von Ortschaften, deren Einwohnerzahl ein Drittel der Einwohnerzahl der ganzen Provinz beträgt. 4. Der Provinzialkongreß wählt ein Exekutivkomitee von höchstens 25 Mitgliedern. 5. Das Exekutivkomitee ist dem Preovinzialkongreß der Sowjets voll und ganz verantwortlich. 6. In den Grenzen seines Ressorts ist der P r ö.v i n z i a I- kongretz der Sowjets die höchste Gewalt in der Provinz. Zn den Zeiträumen zwischen den Kongreffen stellt das Exekutivkomitee die oberste Instanz dar. Achtes Kapitel. Vom Allrussischen Äongresi der Sowjets. l. Der Allrussische Kongreß der Sowjets jetzt sich zusammen aus Vertretern der Stadtsowjets, und zwar kommt ein Dele- giertet auf 25 000 Wähler, und auS Vertretern der Gouvernementskongresse der Sowjets, von denen ein Delegierter auf 125 000 Einwohner kommt. Anmerkung 1. Wenn der Gouvernementskongreß dem All- russischen Kongreß nicht unmittelbar vorangeht, sso kann der All- russische Kongreß von den Kreiskongressen beschickt werden. Anmerkung 2. Wenn der Provinzialkongreß dem Allrussischen Kongreß unmittelbar vorangeht, so kann er letzteren beschicken. 2. Der Allrussische Kongreß wird von seinem Exekutivkomitee mindestens zweimal im Jahre einberufen. 3. Der Außerordentliche Allrussische Kongreß wird vom All- russischen Zentral-Exekutivkomitee entweder von Amts wegen ein- berufen oder auf Verlangen der Sowjets von Ortschaften, deren Zahl mindestens ein Drittel der gesamten Bevölkerung der Repu- blik beträgt. 4. Der Allrussische Kongreß wählt ein Allrussisches Zentral. Exekutivkomitee(A. Z. E. K.) von höchstens 200 Mitgliedern. 5. DaS A. Z. E. Ä. ist dem Allrussischen KongWß der Sowjets voll und ganz verantwortlich.' 6. Der Allrussische Kongretz der Sowjets ist die höchste Gewalt der Republik. In den Zeiträumen zwischen den Tagungen stellt das A. Z. E. K. die höchste Instanz dar. Scheiöemann in Cjsen. Protest gegen die unabhängigen Versammluugssprenger. Essen, 19. Juli.(Eig. Drahtbericht des„Vorwärts".) Die Nachricht, daß gestern in Solingen eine Versammlung des Ge- nassen Scheidemann durch planmäßigen Radau vereitelt worden war(wir berichten darüber unter„Parteinachrichten". Red. d. V.), hatte hier großes Aufsehen und lebhafte Entrüstung hervorgerufen. Die Folge davon war, daß die Versammlung, in der heute abend Scheidemann hier sprach, womöglich noch stärker besucht war, als sonst erwartet werden konnte. Die Zahl der Erschienenen ist mit 7000 niedrig geschätzt. Noch ehe Scheidemann zu seiner Rede über„Krieg und Sozialdemokratie" das Wort ergriff, setzte gleicb bei seinem Erscheinen st ür mischet Beifall ein, der sich während der Rede steigerte und einige sehr vereinzelte Zwischen- rufet zum Schweigen brachte. So antwortete die Essener Arbeiter- schaft auf den. Solinger Skandal! Reichskanzler unö Helgien. , Ein zcntrumsofstziöser Kommentar. Die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" gibt an leitender Stelle eine Erläuterung der letzten Kanzlererklärungen über Belgien wieder, in der gesagt wird, der Kanzler habe sich, namentlich in seiner zweiten Erklärung,.so klar und un- mißverständlich geäußert, daß er gar nicht mißzuverstchen sei. Allerdings sei es hinwiederum„grundfalsch", einen Wider- spruch zwischen der ersten und zweiten Erklärung zu finden, beide bildeten vielmehr ein Ganzes.„Die Erklärungen besagen klipp und klar, daß Deutschland bereit ist, die volle Selbständigkeit Belgiens wieder herzustellen unter der Vor- aussetzung, daß gleichzeitig politisch und tvirtschastlich gebotene Sicherheiten für das Deutsche Reich geschaffen'werden." Weiter heißt es: Wenn also der Reichskanzler Graf Hertling gefordert hat, daß Belgien keinem anderen Staate hörig sein darf, so liegen in dieser Forderung die militärischen und wirtscbaftlichen Siehe- rungcn begründet; denn ein wirklich selbständiges Belgien bietet tatsächlich die grbvtene Sicherheit. Also wirkliche, volle Selbständigkeit! Gegen die Vaterlandspartci, die sich in einer Resolution gegen die Kanzler- erklärungen gewandt hat, wird ausgcsührt: Wir wallen uns auf erne.Auscinaiiderjetzung mit der Deutschen VaterlandSparter nicht einlassen, sondern begnügen uns mit dem Hinweis darauf, daß der Reichskanzler Graf Hertling sich in seinen Forderungen bezüglich Belgiens mit der Oberste» Heeres- lcitung im vollen Einverständnis besindet. Wenn beide maßgebenden I n st a n z e n deS Reiches in den vom Reichs- kanzler aufgestellten Forderungen die genügende Gewähr für die Sicherheit des Reichs erblicken, dann sollte das u. E. auch der Deutschen VaterlandSparter genügen. Im übrigen aber ist es ein mehr als müßiges Beginnen, den klaren und u n z lv e i d e u t i g c ir Erklärungen des Reichskanzlers Deulungen zu geben, die. wie wir oben auSsührten, in nichts begründet sind. Damit sind die Versuche gemeint, die Erklärungen in 'annexionistischem Sinne auszulegen. Noiitifthsr Wdtbück. Wettrüsten und Krieg. In der„Kreuzzeitung" glaubt ein Herr Proelß den politischen Weitblick der Sozialdemokratie in* Zweifel ziehen zu muffen. Er beruft sich aui eine Rede N o s! e S im Reichstage vom Juli 1013. Noske sagte u. a. in dieser Rede, daß ein wirklich ernster Grkund zum Kriege zwischen den großen curopat- schen Kulturnationen nicht bestehe, daß die Sicherheit Teutschlands nicht ernstlich bedroht sei, daß.keinerlei politische Spannungen be- ständen. In diesem Sinn« bekämpfte er die Militärvorlagc. An dieses Zitat knüpft der Verfasser die Schlußfolgerung, daß sich die Sozialdemokratie ein Verständnis der Außenpolitik nur an- maße. Was Noske seinerzeit sagte, traf für jene Zeit vollstänidig zu. Der Kampf der Partei gegen die R ü st u n g e n war geradezu diktiert von der sehr weitsichtigen Erkenntnis, daß die Furcht vor der Katastrophe und das darauf abzielende Wettrüsten die eigent- lüfte Ursache des Krieges werden würden, die Bereitstellung des Zündstoffes, nicht der Funle allein machten den Krieg möglich. Für die Partei bestand im Interesse des Friedens die doppelte Auf- gab«, einerseits auf die Gefahr hinzuweisen,' andererseits abev mit diesem Hinweis die Gefahr nicht selbst heraufzubeschwören. So tat sie das Möglichste, und wenn die sich ihr entgegenstellen- den Kräfte stärker waren, so ist das nicht ihre.'Schuld. Schoden wird es ihr aber gewiß nicht« wenn daran erinnert wivv, wie sie für die �2 r h a lt u n g des Friedens gekämpft hol. Der neue Kriegseuf öss?anuschaue?s. Raus aus dem Zuchthanse! Das Zuchthaus ist die deutsche Zwangswirtschaft und heraus will der Januschauer. So rief er wenigstens in einer Versammlung der preußischen Landwirte in Danzig und schloß: Der Dogen ist überspannt und es wird auf der Landwirt- schaft hcrnmgclrampslt. eines Tage» wird es aber den Kladdera- datsch geben. Ich fürchte, daß aucki die heutige Kundgebung nichts nutzen wird, weil in unserem Vatevlande nicht mehr die Vernunft gilt, sondern die Furcht vor der Straße. Im Innern deZ Landes werden wir nicht eher zu guten Verhältnissen kommen, bis wir einen Mann v o n b o d e n l o s e r R ü ck- s i ch t s l o s i g k e i t gefunden haben. Reaktionäre Fanatiker von diesem Schlage möchten durch „Rücksichtslosigkeit" auf der Straße zum Weltkrieg auch noch den Bürgerkrieg herbeiführen. Wehe der Regierung, die ihren irrsinnigen Ratschlägen folgte! München s!s Sitz öes Reichsfinanzhofs. Annahme der Stcncrgeschc im Bundesrat. Ossiziös wird gemeldet: In der gestern unter dem Vorsitz des Stellvertreters des Reichskanzlers, Wirtlichen Geheimen Rats von Payer, abgehaltenen Vollsitzung des Bundesrats wurde den vom Reichstag angenommenen Sienergesetzeniwürfen zustinrml. Als Sitz de» R e i ch S f i n a n z h o f e s lvnrde M ii n ch e n in Aussicht genommen. Herr v. Bonin Hot sein RcichstagSmandat niedergelegt. � Gegen den konservativen Reichstagsabgeordneteir von Borrin schwebte be- kanutlich eine Untersuchung wegen Steuerhinterziehung. Bonin hat daraus den Reichstag gebeten, die Genehmigung zur strafrecht- l'chen Verfolgung zu geben.. Dies lehnte der Reichstag ab. Darauf- hin hat Herr von Bonin sein Mandat niedergelegt. Tie Schuld an der Behelligung der Wähler mit einer Neuwahl, so laßt jich der Abgeordnete m seinem Schreiben vernehmen, trefft die Mehrheit des Reichstages, die aus den guten Ruf der Reichstagsmitglieder keinen Wert zu legen scheine. SswsrffchsflsbewMng Arbeitsverhältnisse der Berliner Sattler. In der Generalversammlung der Filiale Berlin des Verbände. der Sattler und Portcfeuiller berichtete der Vorsitzende S ch u l tz e. daß der Mitgliederrückgang, i>er sich schon im vorigen Quartal bemerkbar machte, weiter anhält. Die Mitgliederzahl ist von 3349 auf 3538 zurückgegangen, davon sind 2264 männliche und, 1274 weib- liche Mitglieder. Der Rückgang der Zahl beträgt bei den Männern 235, bei den Frauen 116. Er ist darauf zurückzuführen, dah die Avbcitszelegenheit in der Milttärbranche, besonders in der Konfek- tion, seit einiger Zeit erheblich nachläßt. Dadurch verschwinden die berufsfremden Arbeiter und Arbeiterinnen mehr und mehr aus den Sattlerbetriebcn und infolgedessen auch aus dem Verband. Diese Entwicklung wird auch in der Zukunft noch anhalten. In allerletzter Zeit wivd in verschiedenen Betrieben eine sehr lebhafte Tätigkeit entfaltet. Doch das ist nur vorübergehend und hat seine Ursache darin, daß die Unternehmer angewiesen sind, die Aufträge, welche sie vor längerer Zeit erhalten haben, bis zum 1. August fertigzu- stellen. Aus diesem Anlaß werden sogar Ueberstunden verlangt, die aber von den Arbeitern mit Rücksicht auf die nicht günstige Gesamt- läge auf dem Arbeitsmarkt entschieden abgelehnt werden. Neue Aufträge stehen nur in verhältnismäßig geringem Matze in Aus- ficht. Zweifel sind darüber entstanden, ob die im Sattlergewerbe be- schäftigten Maschinennäherinnen unter die Verordnung fallen, wo- nach die mit Heeresnäharbeiten Beschäftigten einer Ausweiskarte bedürfen. Wie Schultze betonte, kann die Ausweiskarte nur für die Konfektionsarbeit, aber nicht für die eigentliche Sattlerarbeit in Frage kommen. Also die Arbeiterinnen, welche Schwellkissen, Satteltäschen usw. nähen, brauchen die Ausweiskarte nicht. Einzelne Unternehmer sind zwar anderer Meinung, aber die beim Polizei- Präsidium bestehende Kommission füp Heeresnäharbeiten, die als Beschwerdestelle in Sachen der Ausweiskarte fungiert, steht auf dem Standpunkt, daß die bezeichneten Arbeiterinnen nicht der Aus- weiskarte unterstchen. Diesen Standpunkt müssen auch die in den Betrieben Beschäftigten vertreten�_ Die Filiale Berlin des TextilarbeitcrverbandcS führte im zwei- ten Outrtal in verschiedenen Betrieben 7 Lohnbewegungen durch, an denen 643 Personen beteiligt waren. Diese erzielten dadurch ins- gesamt eine Lohnaufbesserung von 5843 M. pro Woche.— Das Quartal schloß mit einem Mitgliederbestand von 2237, davon �sind 773 männliche und 1437 weibliche Mitglieder. Die Zahl der männ- lichen Mitglieder ist gegen das erste Quartal um 39 zurückgegangen, die Zahl der weiblichen Mitglieder hat sich um 17 vennehrt, so daß also die Gesamtzahl um 22 zurückgegangen ist. Die genügsamen Gelben. Im„Bund", dem Organ der gelben Werkvereine, lesen wir in einem Bericht über eine Vertreter- konfevenz des Bezirksvcrbandes der Chemnitzer Werkvereine: „Allgemeiiie Anerkennung fand das Vorgehen der Kappler Maschinenfabrik. Daselbst bekommen Arbeiter, die 15 Jahre im Werke tätig sind, einen Urlaub von 6Tagen unter Fortbezahlung des Lohnes, berechnet nach der Tabelle � der Krankenkasscnbeiträge." Jakob bekam als Belohnung für eine siebenjährige Dienstzeit als Hirt eine Frau. mit einer nach damaligen Begriffen fthr reichen Mitgift. Der Maschinenfabrik Kappel mntz man 15 Jahre als Arbeiter gedient haben, um 6 Tage Ferien zu bekommen. Und diese „Wohltat" findet allgemeine Anerkennung bei den Vertretern der gelben Werkvereine. Run ja, sie geizen nie mit ihrer Anerkennung, wenn ein Unternehmer einmal so tut, als ob er den Arbeitern eine „Wohltat" zuwende.— Wie viele Arbiter mag es in der genannten Fabrik wohl geben, die in den Genutz der Ferienwoche kommen. parteinachrichten. Sprengung einer Scheidemann-Vcrsammlung in Solingen. Am Donnerstagabend hatte der sozialdemokratische Verein S o- lingen der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands eine öffent- liche Versammlung einberufen, in der Genosse Abgeordneter Scheidcmann über das Thema„Die Sozialdemokratie im Kriege" reden sollte. Diese. Absicht wurde aber von einer Minderheit der Un- abhängigen und Spartakuslcute planmäßig verhindert. Die Unab- hängigctt hatten vor der Ankunft Scheidemanns folgendes anonyme Flugblatt in ihren Kreisen verteilt: „Scheidemann kommt! Endlich haben wir Gelegenheit mit dem Verräter abzurechnen. Arbeiter, denkt an die niedergehende Bewegung in Deutschland, denkt an die zahlreichen Genossen und Genossinnen in den Gefängnissen und beweist Scheidemann, daß Ihr keine Kälber seid. Scheidemann kommt in seiner unglaublichen Dreistigkeit hierher, um Euch trotz allem einzuseifen. Das soll und darf ihm nicht gelingen. Genossen, was ist zu tun? Die Schützen- bürg ist durch Arbeiter rechtzeitig zu besetzen, Scheidemann darf unier keinen Umständen zu Worte kommen. Es wäre eine Schande, wenn Scheidemann nochmals in Solingen zu Arbeitern reden konnte. Genossen, hört um 6 Uhr mit der Arbeit aus und besetzt den Saal, soweit Ihr könnt, bezahlt kein Eintrittsgeld." Nach dieser Parole wurde verfahren. Schon kurz nach 6 Uhr guckten bekannte Personen als Führer der Stotztcupps auf und eine Stunde vor Beginn der Versammlung war da? Riesenkokak nahezu gefüllt. Schon um 8 Uhr wurde der Saal, der inzwischen über 3333 Menschen besetzt hatten, polizeilich abgesperrt. Als darauf Genosse Scheidemann im Saal erschien, wurde er mit wüsten Zu rufen: Raus, Verräter, Volksverräter, Schauspieler! empfangen. Am tollsten produzierten sich hierbei die Führer der Unabhängigen, welche mit möglichst lauter Stimme die Stichworte gaben, die dann von den anderen nachgerufen wurden. Man tobte, schrie. Pfiff auf Haus- schlüsseln. In der Mitte der Krachmacher saß stumm wie ein Fisch der geistige Qberleiter des Krakeels, der Reichstagsabgeordnete Dr. Erdmann. Ihm machten diese Szenen offenbar Vergnügen, denn sonst wäre es ihm ein leichtes gewesen, seine Parteigenossen auf- zufordern, sich anständig zu betragen, wie es in der Sozialdemokratie seit jeher üblich gewesen ist, wo wir politischen Gegnern gegenüber- standen.' Inzwischen war es Scheidemann gelungen, durch daS Menschen- gewühl hindurch auf die Tribüne zu gelangen. Dort wurde er von der Mehrheit der Versammlung stürmisch begrüßt, mindestens drei Viertel der Anwesenden stimmten in ein aus der Versammlung ausgebrachtes Hoch auf Schcidemann ein, worauf die Minder- heit mit einem Hoch auf Dittmann und Liebknecht ant- wartete.> Der Vorsitzende, Genosse Schaal, ersuchte sich Gehör zu verschaffen, was ihm jedoch nicht gelang, da die Störenfriede jedesmal mit dem Gesang der Internationale einsetzten. Ungeachtet des Protestes der großen Mehrheit, die Scheidemann hören wollte, vollführten die Radaubrüder' einen derartigen Skandal, daß der Ueberwachende schließlich die Versammlung auflöste. Für heute sei zu diesem Skandal'nur soviel bemerkt: Hätten die Solinger Radaumacher wirklich an„die Genossen im Gefängnis" gedacht, so hätten sie sich auch dessen erinnert, mit welcher Eni- schiedenheit gerade Scheidemann stets für diese Opfer des Belagerungszustandes eingetreten ist, und sie hätten sich geschämt. Jedes politische Kind weiß zudem, daß solch ein planmäßig ange- zettelter Skandal für die Stimmung der Massen gar nichts beweist. Wie wenig die Massen mit antisemitischer Radautaktik zu ge- Winnen sind, hat sich in Berlin gezeigt. In Solingen wird es, wenn die Probe aufs Exempel gemacht wird, nicht anders sein! Die badischc Sozialdemokratie. Der Bericht des badischen Lanidesvorstandes der Sozialdetno- kraii scben Partei Badens an den am 23. und 21. d. M. zu Offen- bürg stattfindenden ordentlichen Landesparteitag umfaßt die Zeit vom 1. April 1914 bis 31. März 1918, also volle vier Jahre, dar- unter 44 Kriegsmonate. Die Mitgliederbewegung zeigt die erschütternden Eingriffe des Krieges in das äußere Gefüge der Partei: nahezu 18 333 von den 25 333 zu Kriegsbeginn organisierten Genossen stehen heute usitec den Fahnen, nur etwt 5830 Mitglieder l da runter 1803 weibliche) sind heute in den 136 Mitgliedschaften noch vorhanden, die von den 226 des Frühjahrs 1914 übrig geblieben sind. Immerhin: der tieffte Stand der zahlenmäßigen Bewegung scheint auch in Baden über- wunden: bereits hat das Geschäftsjahr 1317/18 an verkauften Bei- tragsmarken mit rund 195 330 das unmittelbar vorangegangene 1916/17 um rund 6333 übertroffen, ein Erfolg, der allerdings fast ausschließlich dem 11.(Mannheimer) Kreis zu verdanken ist. Er- freulicherweise kann festgestellt werden, daß„die überwiegende Mehr- heit der Parteimitglieder in Baden die Spaltung mit aller Eni- schicldenheit verwirst", und daß ihnen„die Einheit und Geschlossenheit der Partei höher stehen als kleinliches Gezänk und Rechthaberei". Nur ganz wenige Orte im Lande sind es, wo die Partei der Partei- zecstörer Fuß fassen konnte, deren Arbeit wohl auch nächsten Sonn- tag in Qffenburg die gebührende Kennzeichnung erfahren wird. Ein Kapitel wehmütigen Gedenkens und pietätvollen Erinuerns ist das mit der Ueberschrist„Unsere Toten". In schlechten und doch tief von Herzen kommenden Worten wird da der Opfer gedacht, die der Weltkrieg aus den Reihen unserer badischen Streiter gerissen, in erster Linie unseres Dr. L. Frank, dessen freiwilliges Heldentum auch für seine Partei noch lange nicht alle seine Früchte getragen hat. Der Kassenbericht, dessen einzelne Ziffern naturgemäß die verwüstenden Wirkungen der langen Kciegsjahre aus das Partei- leben getreu widerspiegeln— in den vier Kriegsjahren zusammen gingen nur rund 4333 M. aus Mitgliederbeiträgen mehr ein als im Jahre 1913/14 allein—, stellt immerbin fest, daß da und dort, trotz aller Kriegsnöte, für die Partei hat.e mehr geschehen können. Der Landeskasse müssen ausreichende Geldmittel zur erfolgreichen Durchführung der bevorstehenden Wahlkämpfe zugeführt werden. Das richtige Verständnis für die großen Aufgaben, welche die Svial- demokratische Partei während und nach-dem Kriege zu lösen be- rufen ist, läßt erwarten, daß der Landesparteitag deit� Antrag auf Erhöbung der Mitgliederbeiträge einmütig die Zustimmung erteilt. Die eingehende Darstellung der materiellen Lage unserer bctdi- schen Partei presse(„Valksstimme"-Mannhe!m,„Volksfreund"- Karlsruhe,„Freie Presse"-Pforzheim und„Volkswacht"-Freiburg) vermag erfreulicherweise eine nicht unwesentliche Besse- rung im letzten Berichtsjahr 1917/18 gegenüber den beiden vorher- gegangenen Kriegsjahren festzustellen, die vornehnisich in einer teil- weise recht bemerkenswerten Steigerung der Zahl der Leser zum Aus- druck kommt. Inöustrie unö ßanöel. Die Beschäftigung der Waggonsabriketu Das Eisenbahn-Zentralamt hat vor kurzem einen weiteren und voraussichtlich letzten zur Winterlieferung 1918/19 gehörenden Auftrag auf Eisenbahnwagen mit rund 6333 Güterwagen hinaus- gegeben, der' die Beschäftigung der Waggonfabriken ergänzen soll bis Anfang Sommer 1319. Soweit die Perbälinisse derzeit über- schen werden können, ist die Auslieferung aller bisher ergangenen Staatsbahnbestellunge'n mit Sicherheit bis Mitte Mai nächsten Jahres zu erwarten; ob eine größere oder geringere Zahl der Werke schon früher neue Staatsbahnbestellungcn in Angriff nehmen kann, hängt von Umständen ab, die außerhalb des Machtbereichs der Waggonfabriken liegen. Aus dem Berliner Wirtschaftsleben. Die Bcrlin-Anhaltischc Maschinenbau-A.-G. in Berlin hat nach der„Voss. Ztg." im abgelaufencn ersten Halbjahr etwas größere- Umsätze erzielt, als zur entsprechenden Vorjahrszeit. Doch läßt sich noch nicht sagen, wie dieser Umstand auf das Gesamtergebnis ein- wirken wird. Die steigenden Löhne und die Arbeiterverhaltnisse im allgemeinen sind zu berücksichtigen. Die Gesellschaft ist zurzeit gut beschäftigt und vorläufig liegen noch reichliche Bestellungen vor. Enteignung deutsche« Eigentums. Der Verwalter des feindlichen Eigentums teilte mit, daß die den Deutschen gehörende Becker-Steel-Co. von der Regierung der Vereinigten Staaten übernommen worden ist. Die Regierung wird dadurch in den Besitz eines geheimen Verfahrens kommen zur Ver- fertigung einer bestimmten Ätt Stahl, von der man erwartet daß sie für die Hetstellung starker Flugmotoren von erheblichem Nutzen sein wird. Die meisten Aktien der Gesellschaft befinden sich in deutschen Händen. Die englische Kaltindustrie. Der Direktor der engliichen Kaligesellschast Kenneth sagte in einem Vortrag: Die anfänglichen Schwierigkeiten der Kaliindustrie sind überwunden und nach unserer Schätzung sind wir imstande. genug und reineres und billigeres Chlorkali als die Deutschen zu produzieren und allen unseren Bedürfnissen zu genügen. Es wäre ein Wunder, wenn Deutschland das Kalimonopol für immer verbliebe. Besonders Spanien wird künftig wohl in Wettbewerb treten. Die Aeußerungen des englischen Direktors sind aber offensichtlich reklamehast. Auch ist bei allen feindlichen Mit- teilungen über Kaliiunde der Wunsch wohl zu beachten, den Kom- pensationswert deutscher Kalilieferungen bei künftigen VerHand- lungen zu drücken._ Gerichtszeituna. DicbeSfahrtcn im Auto. Eine Diebesbande, welche zu ihren nächtlichen Raubzügen einen Kraftwagen der Heeresverwaltung benutzt hatte, ist vor einiger Zeit von der Berliner Kriminalpolizei wenigstens zum Teil unschädlich gemacht worden. Gegen ein Mit- glied dieser„fliegenden Einbrechcrkolonne" hatte die 1. Straf- kammer des Landgerichts I zu verhandeln. Es war dies der Kla- vierträger Hermann Kühn, ein vielfach, zuletzt mit 3 Jahren Zuchthaus vorbestrafter Mensch, der, nachdem er sich einige Zeit von jeder strafbaren Handlung ferngehalten und gearbeitet hatte, nun doch wieder rückfällig geworden war. Ter Angeklagte hatte in Ge- meinschaft mit dem zurzeit fahnenflüchtigen Kraftwagenfahrer Erwin Sänger und einem Heilgehilfen Schulz am 7. Januar d. I. das Zigarrengeschäft von Berg in der Schützenstraße zu Steglitz zum Teil ausgeräumt. Die Ware wurde in dem Militärkraftwagen, den Sänger widerrechtlich benutzt«, verladen. Von Steglitz ging es nach Schmargendorf,'wo am Bahnhos aus dem Zigarrcngeschäft von Sturm für 6333 M. Zigarren und Zigaretten gestohlen wurden.— Vor Gericht war der Angeklagte anscheinend reuevoll geständig. Unter Hinweis auf die Tatsache, datz der Angeklagte sechs Jahre lang sich straflos gehalten hat und offenbar setzt nur der Verführung erlegen sei, bat Rechtsanwalt Dr. Kurt'Pincus, den Angeklagten durch Zubilligung mildernder Umstände vor dem Zuchthause zu be- wahren. Das Gericht blstigte dem Angeklagten, da er offenbar nur der Verführte sei, auch mildernde Umstände zu und erkannt« aus 1 Jahr und 3 Monaten Gefängnis unter Anrechnung von 3 Monaten der erlittenen Untersuchungshaft. Eingegangene Drucksckriften. Die aufgeführten Bücher sind durch die Buchhandlung Vorwärts, Berlin SW. 63, Lmdenstraße 3, zu beziehen. Abstammungslehre und Tarwinistiius von N. Hesse, geb. l.S0M., geb. 1.50 M., Teuerungszuschlag 30 Proz. Verlag B. fö. Tcubner, Leipzig- Berlin. (Älückliche Finder von Rudols Prcsber.— Deutsche Revue, eine Monatsschrist. Preis vierteljährlich 6 M., beide Deutsche Vcrlagsanslalt, sstuttgart, Neckarftr. 121/123. Veraniworll. f. Politik: Dr. Franz Tkdmch, Berlin-Friedenau; für d. übrigen Teil des Blattes: Alfred Scholz, Neulölln; für Anzeigen: Throdor Glocke, Berlin. Verlag: Vorwärts-Verlag G. m. d. H., Berlin. Druck:«orwärls.Puchdruckerci und Verlagsanstalt Paul Singer u. Co. tn Berlin Lindenstrave 3. Hierzu 1 Beilage und Unterhat tungslilait. 1111111111!'.= Warenhaus Wilhelm Stein 1 Chausseestrasse 70-71 BERLIN N. Chausseestrasse 70-71 i \= Wirtschafteartikei 3 Vorratsbüchsen,>>u°t uieeh, ca. Vi Pfund Inhalt............. 1 qr Napfkuchenform. 1 ..., f t sammen 1 kl. Napfkuchimform. J 1 Briefkasten............ s.. 1.45 1 Springform.....\. 4f- /.( sammen' 1 Komgskuchenform■> 1 Bratpfanne m'' stiel-->> 1.45 2 Scheuerbürsten....... i...• 1.45 1 runöes Hackbrett>-1«u-< �.....( sammen 1 Wurstbrett.........> 1 Kleiöerbürste............. 1.45 1 Toilette- Papierhalterl< AP- -r.«t, r-i tx 1 sammen 1 Toilette- Papierrolle J 1 Scheuerbürste 8"el\* ac 1 Pack Blitzblank...../ 8ammen' 1 Besteckkasten 2-«a-i atemg... 1,45 5 r-;nöe Brotteller........... 1.45 Emaille 1 Reibeeisen•...........-..- 1.45 1 Milchkanne.... e........... 1.45 1 Kaffeeflasche..........1.45 3 Trinkbecher............. 1.45 Lampen 1 Rasierapparat t.45 10 Rasierklingen...... 1.45 Tasdienlüdier 2 Glühstrümpfe Mr Hängegas.... 1.45 4 Zylinöer kllr................. 1.45 Damen-B. tist-Tücherm« Hohlsaum. und gestickter Ecke.,,. 2*»...... li�rO Damen- Batist-Tüdier k«ln-m. farbigen Rand................ Damen-Tücher mit Langette»aä g«- stlckier Ecke............. 1.46! Porzellan 2 Paar Tassen w»». sirohmuster.. 1,45 6 Kaffeebecher>>nnt.......... 1.45 2 Paar Tassen mit Botenkan»«.... 1.45 l Kaffeekanne"«>»».......... 1.45 6 Obertassen"«>»»............ 1.45 l Kaffeekanne du-«........... 1.45 1 Zuckerdose 1/*«--,45 1 Milchtopf 1\ sammen".� 3 Paar Kaffeetassen vun«...... 1.45 4 Paar Kaffeetassen mitbiao.iund 1.45 1 grosse Gemüseschüssel..... 1.45 3 Gewürztönnchen m» Goiaetempei 1.45 Schreibwaren Briefkassetten 2Z Bogen, 25 Kuyert 1.45 Briefmappen 1,45 Briefkassetten 1.45 Parfümerie| 1 Flasche Mundwasser....... 1.45| 1 Zahnbürste-">« 1 Tube Zahnpasta..................... 1.45| 1 Flasche Haarkraff wasser..1.45| 6 Pakete Manbelkleie....... 1.45 f 1 Tube Haufbleichcreme..... 1.45| 1 Frisierkamm und 1 Staubkamm 1.45| 1 Dose Trock. Eau öe Cologne| und 1 Tube Hautcreme..... 1.45| Weisswaren| Kinder-Garnitur au, gestickt. Batist 1.45 g Blusen- und lacken- Kragen 1.| in verschiedeneD Ausführuagen..... li�rO � Herren-Artikel �Herren-Hosenträger......... 1.45| Kinöer-Slrohhüte............ 1.45|