itr.199. 35.I«hrg. Bezugspreis: ÄierieljShrl. t�v MI. monall. l.KVMl. frei WS Haus, voraussah lba'.Etnzclnc Nummern 10 Bfcimig. Polwe, ug: Monallich, vom Bostschalter abzuholen 1�0 Mk, vom Brieströger ins Haus gc- bracht I.S1 Ml. Unter Kreuzband sii: Teuttchland und Oesterreich-Ungarn S.— MI., für das übrige Nuslanb LBO M!. monatlich. Bcriand ms Feld bei diretter Sestellung nwnali. l,S0Ml. Postbcstellungen nehmen an Tüne- mark, Holland. Luremburg, Tchwcden und Sie Schweiz, eingetragen in die Psst-Jeitungs-Preisljste. Erscheint täglich. Telegramm- Lbresse: »Sszlaldemokrat Berli»�, VerlineV VolksblAkk. Anzeigenpreis: DiesicSengesbalteneKolonelzellesostet 80 Psg.„Kleine Anzeige»", das settgedrucllc Wort SO Psg.(zuISistg 2 seltgedru-kte Worte). icdcS weitere Worr lö Psg. Stellengesuche und Kchiaistcllenanzetgen das erste Wort 20 Pig. jedes meliere Wort 10 Pf«. Wonc über!5 Buchstaben zählen sür zwei Worte. Teueruygszuichlag 20"/» Kamilicn.ülnzeigen, voliiifche und gewertichastlichc Lerebis, Anzeige» SO Dlg. die geile. Anzeigen sür die nächile Nummer müssen bis 5 Uhr nachinittags im Haudlgeichüst. Serlm EW.SZ, Lindcnstraste il. abicgeben werden. iLebstnet von S Uhr srüh bis 7 Uhr abends. Zentralorgan der fosialdcmokratifchcn Parte? Oeiätfchlands. Reöaktion: SV. öS, Linüenstraßs Z. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Nr. IS1 90— 15197. ÖS3 Montag, de» 22. Juli 1918. eepsöttion: Sw. CS, tinöenftraße 3. Keruivrechrr: Amt Moritzplatz, Nr. ll>1 SO— lul S7. -T -TUf- �rrrv Reue Kämpfe Milchen Dlsne und Ourco. Vergebliche Durchbruchsanstürme nördlich und südlich des Ourcq— Die Deutsche Verteidigung hinter Chateau- Thierry zurückverlegt— Nene seindliche Angrisfe südwestlich von Reims— Englische Angriffe an der Anere., B e r l i«, 21. Juli 1918, abends. Amtlich. An der Schlachtfront zwischen Aisne «nd Marne sind französische Angriffe ge- scheitert. Am Abend haben sich zwischen Aisne und Ourcq neue Kämpfe entwickelt. Amtlich. Große? Hauptquartier, 21. Juli 1918.(W. T. B.) Westlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe Kronprinz Rnpprecht. Heftigem Artillerickampf an der A» c r e folgten zwischen Beaumont und Hamel englische Jnfanterieangriff«, die unter großen Berlustcn für de» Feind abgewiesen wurden. (fbenso scheiterten am Abend Angriffe der Engländer östlich und südostlich von Hebuternes. Tie tagöüber sonst mäßige Ge- fechtstätigteit lebte am Abend wieder auf. Heeresgruppe Dentfcher Kronprinz. Nördlich der AiSne führte der Feind örtliche An- griffe zwischen N» u v r o n und F» n t e n o y, die wir im Gegenstoß abwehrten. Zwischen AiSne«nd Marne suchte der Feind gestern unter Einsatz neuer Dibisioncn die Entscheidung der Schlacht zu erzwingen. Ter Feind wurde zurückgeschlagen. Er hat große Einbuße erlitten. Hilfsvölker der Franzosen, Al- gcrier, Tunesier, Marokkaner und Sencgalnegcr trugen au deu Brennpunkten dir Hauptlast des Kampfes. Scnrgalbataillone, als Sturmböcke auf französische Divisionen verteilt, stürmten hinter den Panzerwagen den weißen Franzosen voran. Ameri- kanck— auch schwarze Amerikaner—, Engländer und Italiener kämpften, zwischen den Franzosen. Nach zwei schweren Kampftagen kam gestern die Angriffs- kraft unserer Truppen in Gegenstößen wieder voll zur Gel- tung. Sie hat sich dem � unter Verzicht auf Artillcrievorberei- tung, auf den Maffrnemsatz von Panzerwagen gegründeten AngriffSverfahren des Gegners, daS am Anfang überraschte, angepaßt. Der gestrige Schlachttag reiht sich in seinen Leistun- gen von Führung und Truppe und in seinem stegreichen AuS- gang ebenbürtig den in diesem Kampfgclände früher errunge- neu großen Schlachtcrfolge» an. An den Höhen südwestlich von SoissonS brachen die gegen die Stadt nach stärkstem Trommelfeuer gerichteten Angriffe des Feindes znsammen. Unter Führung von Panzerwagen stieß feindliche Infanterie bis zu siebenmal siegen die Straf, e Soisson ä— Chateau-Thierrh nördlich des Ourcq zum Angriffe vor. Nordwestlich vtzn H a r t e ii n e 8 brach der feindliche Ansturm meist schon vor unseren Linien völlig zusammen. Südwestlich von Har- t e n n e s warfen wir im Gegenangriff den anstürmenden Feind zurück. Seine hier in dichten Haufen zurückflutende Infanterie wurde vom vernichtenden Feuer unserer Artillerie, Infanterie und Maschinengewehre wirksam gefaßt und zusammengeschossen. Auch südlich des Ourcq brach unser Gegenangriff den feindlichen Ansturm. Nordwestlich von Chatea«- Thierry haben sich ssle in den letzten Wochen immer wieder vergeblich «ugegriffenen Regimenter auch grstern gegen mehrfach- starke Angriffe der Amerikaner siegreich beyaaptet. Der Ameritaner »rlitt hier besonderö höh, Aerlastr. In der Nacht legte« wir, vom Feinde ungestört, die Verteidigung in da? Ge- lande nördlich und nordöstlich von Chateau- Thierry zurück. Auf dem SüduserbcrMarne führte der Feind gegen die von uns in vergangener Nacht geräumten Stellungen gestern vormittag nach vierstündiger Artillerievorbereitung un- ter dichtem Feuerschutz und mit zahlreichen Panzerwagen ein- heitliche Angriffe, die an leeren Stellungen verpufften. Unser vom Nordnfcr teilweise flankierend geleitetes Artilleriefeuer fügte dem Feind Verluste zu. Auch südwestlich von NeimS setzte der Feind starke Kräfte zum Angriff gegen die von uns eroberten Stellungen zwischen Marne und nördlich der Ardre ein. Eng- länder waren hier den Ftanzosen und Italienern zu Hilfe ge- kommen. In unserem Feuer und an unseren Gegenstößen sind sie unter schweren Verlusten für den Feind gescheitert. Schlachtfliegcr griffen wiederholt mit Maschinengewehren und Bomben in den Kampf gegen angreifende Jnfantcrie und Versammlungen von Panzerwagen und Kolonnen erfolgreich ein. Wir schössen gestern 2t feindliche Flugzeuge und 3 Fesselballone ab. Hauptmann Berthold errang seinen 39., Oberlcut- mint Locrzer seinen 28. und Leutnant Biller seinen 21. Luftsieg. In der Ch a m p a g n e entwickelten sich zeitweilig örtliche Jnfaiiterirgescchte. � Der Erste Generalquartiermcister. Ludcndorff. Der österreichische Bericht. Wie», 21. Juli 1918. Amtlich wird verlautbart: Auf dem Z u g n a- R ü ck e n wurden feindliche Sturm- truppen durch Fener, teils im Handgranatenkampf zurückge- trieben. Bei Asiago scheiterten englische Vorstöße. Tie Kämpfe in A l b a n i e n dehnen sich allmählich auf den ganzen Abschnitt zwischen dem oberen D.evoli-Tal«nd dem Meer aus. Ter Chef des Gcneralstabes. Zrieöensentschließung öer französisihen Gewertsihasten. i Der Kongreß der Confederation Generale du Travail fC. G. T.), das heißt der Kongreß der französischen Gewerk- fchaftsverbänd«, hat in seiner Schlußsitzung eine Resolution zu den Kriegszielen angenommen, durch die er sich mit Eni- schiedenheit auf den linken Flügel der französischen Friedens- bewegung stellt. Leider liegt der genaue Wortlaut dieses wichtigen Dokuments noch nicht vor, nach einer Meldung der „B. Z. a. M." ist sein Inhalt folgender: Der Kongreß verurteilt die Fortsetzung der Geheimdiplomatie und verlangt als Bedingung einen allgemeinen demokra- tischen Frieden, keine Annexionen, S e l b stbest i m- muivgSrecht der Völker, Wiederherstellung der Unabhängig- keit und territorialen Integrität der besetzten Länder, keine Kriegs- entschädigungen, kein Wirtschaftskrieg nach dem Kriege, Freiheit der Meere und Meerengen, rnternationalies Schiedsgericht, Gesell- schaft der Nationen. Es wurde dngeregt, die Negierung nötigenfalls mit allen Mitteln zu zwingen, den Delegierten sür eine internationale Konferenz die Pässtz auszuhändigen, und jede Einmischung der Entente in Rußland verworfen. Die Friedensresolutson fand Annahme mit 998 gegen 233 Stimmen bei 46 Enthaltungen. Weiter wird über den Kon- greß berichtet: � Der Kongreß der ConfSderation Generale du Travail hak ein- stimmig eine Entschließung angenommen, die die Empö- r u n g darüber ausdrückt, daß der Staatsgerichtshof die Arbeiterklasse in ihrer Ehre angreife und daß die Elenden, die dieses unsaubere Werk durchzuführen wagen, der öffentlichen Verachtung preiszugeben seien. Der Kongreß sei ent- schloffen, eine Campagn« gegen die Freiheit der Arbeiter und gegen die Ehr« d« Atbeitei: picht zuzutgssen. In den weiteren Sitzungen des Kongresses appellierte vorgestern M e r r h e i m als Führer der Minderheit a n d i e K a l t- blütigkettderArbeiter, die jetzt, wo die Offensive sich ab- spiele und der Malvyprozeß durchgeführt werde, notweuldiger sei als je. Merrheim forderte die Delegierten auf, sich mit der Mehrheit zusammenzuschließen. An die äußerste Linke gewendet, führte er aus. man dürfe nicht für einen Frieden um jede« Preis feinz'aber man müsse jetzt klar Stellung nehmen. Jouhaux, Sekretär des Kongresses und Führer der Mehr- heit, verteidigte sodann in mehrstündiger mit Beifall aufgenomme- ncr Rede seine Amtsführung und erklärte, daß er viel dazu beige- tragen habe, ernste Konflikte zwischen der Arbeiterschaft und der Negierung beizulegen. Die Erregung über die Affäre Molvy zittert auch durch die Spalten der französischen Presse. Die„Humanitö" ver- öffentlicht einen Aussehen erregenden Artikel SembatS, in welchem Clenienceau scharf angegriffen wird wegen seiner Ab- ficht, Caillaux zusammen mit Malvy vom Senat aburteilen zu lassen. Der Artikel schließt mit der Bemerkung, die Ge- Werkschaftsverbände hätten auf dieses Regierungs- manövcr die einzige richtige Antwort gegeben, die einem Fußtritt gleich zu erachten sei.' Schon aus ihrem Weihnachtskongreß von 1317 haben die französischen Gewerkschaften eine Haltung eingenommen, die zu Hoffnungen berechtigte. In scharfem Gegensatz zu ihr stand und steht das Verhalten der Rechten in der sozialistischen Kammerfraktion. ES kann keinem Zweifel unterliegen, daß hinter den Gewerkschaften die stärkeren Volkskräfte zu suchest sind, aber auch sie find durch den Terror der Kriegshetze ge- Kunden und haben keinen unmittelbaren Einfluß aiif den Staatswillen. Den könnten sie nur auf dem Wege über E n g- l a n d und Amerika gewinnen, wo jetzt die Entscheidung über Krieg und Frieden ruht und wo gerade jetzt der Kriegs- Wille breiter Bevölkerungskreise erst zum Fanatismus ge- diehen zu sein scheint. Äe französischen Zlrbeiter können nur dann ernstlich für den Frieden gewinnen, wenn sie in ihrem Sinne aus die englischen und die amerikanischen Arbeiter zu Wirken i>»st»nde sind. Die«Seträvkesteuern. Von Hermann Müller- Reichenbach. Der Reichstag hat ii b e r 4 M i l l i a r d e n n e u e Steuer n bewilligt, davon entfallen 1299 Millionen Mark aus n c'u e oder auf Erhöhung bestehender G c- t r ä n ke sie u e r n. Im vorliegenden Artikel soll dargestellt werden, in welcher Form die Bier-, Wein-, Schaumwein- und Mineralloasscr- usw.-Steuergesetzentwürfe den Reichstag der- lassen haben. Vorausbemerkt werden kann, d«ß da? R e i ch S s ch a tz- amt seinen Willen durchgesetzt hat. Die Getränke sind fast so vollständig erfaßt, wie eS die Regierung beabsichtigte. Nur Kakao und Schokolade sollen von einer Zollerhöhung zu- nächst»erschont bleiben. Im Veh«rrun>sz»st«n>»er künftigen Friedenszeit werden die Getränke»en Mehrbetrag von 1299 Millionen Mark bringen, den die verbündeten Regierungen aus ihnen ziehen wollten. Während des Krieges und in der Zeit der Uebergangswirtschaft werden die Erträge allerdings bei den meisten Getränken niedriger sein. Die Stoffe zur Bier- und Vranntweinbereitung werden zum großen Teil zunächst noch für Nahrungsmittetzwecke gebraucht werden. Die Regie- tung rechnet ferner zunächst ni i t einem Kon- sumrückgang von 25 Proz. beini Bier, 15 Prozent be iin Wein und 59 Proz beim Brannt. wein! Beim Wein und den weinähnlichen Getränken wird aber allgemein angenommen, daß die Ertragsbe- rechnung von 193 Millionen Mark viel zu niedrig ge- schätzt ist und daß in Anbetracht der gestiegenen Weinprcise die W e i n st e u e r in der nächsten Zeit mindestens das Doppelte de.s geschätzten Betrages ein- bringen wird. Wenn die Getränkesteuern in der geforderten Höhe schließlich eine Mehrheit fanden, so nicht zuletzt deshalb, weil die Regierung ihre Zustimm ung zn dem im Hauptausschuß verhandelt en Besitz. steuerantrag davon abhängig machte, daß die Getränke steuern ohne wesentliche Ertrags- Minderung Annahme fänden. Bei der V i e r st c u e r, die 3 3 9 Millionen Ma r k Mehrcrtrag bringen soll, sind zwar die Stasfelsötze zu- gunsten der kleinen und nuttleren Brauereien etwas geändert, aber da der Höchstsatz von 12,59 Mk. bestehen bleibt, wird der Biertrinker davon nicht berührt werden. Der Bierpreis richtet sich nach dem Höchstsatze. DaS Liter Vollbier wird mit 12 Pf. Steuer belegt werden, das Liter Einfachbier mit G Pf. und Starkbier mit 18 Pf. Nach dem Negierungscntwurf sollte es dem Bundesrat überlassen bleiben, zu bestimmen, welche Mere als Einfach- und als Starkbiere zu gelten haben. Der Reichstag hat das im Gesetz selbst bestimmt. Einfachbier ist Bier mit einem Stammwürzgehalt bis 4,5 Proz.. Nollbier solches von 8 bis 13 Proz. und Starkbier ist Bier mit einem Stammwürz- gehalt von mehr als 13 Proz. Bier mit einem Stammwürz- gehalt von 4,5 bis 8 Proz. darf also nicht in den Verkehr gebracht werden. Der Reichstag hat die für die Konkingentsüberschreitung und für neue Brauereien vorgesehene Erhöhung der Steuersätze noch. gesteigert. Neue Brauereien sollen in den ersten fünf Jahren nach Inkrafttreten deS Gesetzes das Dreifache und in den zweiten fünf Jahren das Doppelte der normalen Steuersätze zahlen. Im Ausschuß war eine Bestimmung angenommen worden, nach welcher neueBranereien.dicvonGast- Wirten auf genossenschaftlicher Grundlage errichtet werden, von diesen erhöhten Sä tz e n nicht betroffen werden sollten. Di? von Gast- Wirten gegen die Ueber macht des Braukapitals gegründeten Genossenschaften erfreuen sich aber bei den bürgerlichen Par- teien nicht der gleichen Beliebtheit wie z. B. die Winzer- genossensthaften. Dem schwer notleidenden Gastwirtsstanhe etwas Ellenbogenfreiheit zu schassen, wäre dringend geboten. sonst s i nXv l< Wirte in den zehn Jahren, für die die Kontingentieruus»ilt, auf Gnade und U i! g n a d e dem organisierten Brau- kapital überantwortet. Im Plenum hat die bürger- licke Mehrheit diese zugunsten der Genossenschaftsbrauereien getroffene Bestimmung aberwiederbeseitigt! Ebenso wurde ein sozialdemokratischer Antrag, der nach dieser ungeheuren Erhöhung der ReiihSbiersteuer wenigstens die kommunalen Biersteuern Abschaffen wallte, abgelehnt. Ein kleiner Fortschritt ist, daß da? von den Brauereien an ihre Angestellten und Arbeiter gegen Entgelt oder unentgeltlich als Haustrunk abgegebene Bier steuerfrei bleibt. Ferner wurde in das Gesotz auch eine Bestimmung aufgenommen, über die Entschädigung von Arbeitern und der- s i ch e r u n g s p f l i ch t i g e n Angestellten, die infolge von Kontlngcntsichertragnngen beschäftigungslos wer- den oder eine Verminderung ihres Ve.r- dienstes erfahren. Der so entstehende Einnahineansfall soll auf die Dauer von 26 Wochen»setzt werden. ; D i e s o z i a l d' e m o t i s ch e n A b g e ör d n e t o n l, u b c n gegen d i e B i e r st e u e r g e st i m n? t. Es war in: iibrigen bezeichnend, daß gegen die hohen Sätze des Regierungs- entwurfs� ans Interessentenkreisen im Gegensatz zu früheren Zeiten keine energische Opposition gemacht wurde. Das rührte daher, daß das Braukapital mit noch höheren Sätzen gerechnet hatte! -»* 4i„ Wechselvoll war der Kmnps um die Weinsteuer. Hier hatten Winzer und Wcinhändler erklärt, daß cher Wein aller- höchstens Ist Proz. Steuer vertragen könnte. Mit überwältigen- der Mehrheit hatte die Kommst sion in erster Lesung auch be- schlössen, die nach dem Wert zu bemessende Steuer von 20 Proz., wie die Regierung vorschlug, auf 10 Proz. herabzusetzen. Gegen diesen Beschluß arbeitete die Regierung mit Hochdruck, und siehe da, in zweiter Lesung bewilligten auf Grund von Frakt i o n 8 b e schlüs s en die Ver- treter der bürgerlichen Parteien die vorher ni r u n a tt n e hm: bar erklärten 20 Proz. Die Gründe des Umfalls waren einerseits die Verhandlungen über den Be- iitzsten.erkompromiß und andererseits in einzelnen Fraktionen der Wille, die Höhe der Weinsteuer in eine gewisse Relation ins- besondere zur Biersteuer zu bringen. Darin waren sich alle bürgerlichen Parteien einig, daß eine. Weinsteuer angesichts der Finanzlage des Reiches diesmal nicht zn vernieiden sei. 189-1 und 1908 wurden die Weinsteuergesetzentwürfe des Bundesrats bekanntlich im Reichstage abgelehnt. Die soziall>enio- "ratischen Fraktionsinitglieder waren' einer Besteuerung der teuren Weine nicht abgeneigt. Bei den hohen Weinpreisen der KriegSze.it ist Wein ein Objekt geworden, in dem Kriegszetvinnler ein Vermögen anlegen. Warum sollen solche Objekte dauernd der Steuer entzogen werden können? Die Sozialdemokraten verlang- ten aber die Freilassung der billigen Konsum- weine und der O b st w e i n e von der Steuer. Ihr Antrag, nach dem Wein- und Traubenmost in: steuerpflichtigen Werte bis zu 4 Mark das Liter steuerfrei bleiben sollte, wurde aber abgelehnt. Sie stimmten deshalb gegen den W e i n st e u e r g e s e tz e n t w u r f, w i e e r j e tz t V o r l i e g t. Ein in zweiter Lesung angenommener Antrag, nach welchem i-er Bundesrat ermächtigt und auf Verlangen des Reichstags oerpflichtet ist, nach Beendigung des Krieges den Steuersatz für Seine im Werte von nicht mehr als zwei Mark für das Liter aus 16 Proz. herabzusetzen, ist erstens ungenügend und für die Praxis wertlos, denn ersten? werden wir Weine im Werte von 2 Mark das Liter sobald nicht mehr zu trinken bekommen, und zweitens wird sich für den Steuerausfall, wenn die Steuer ein- mal besteht, nicht so leicht Ersatz schaffen lassen. Die Ersah- rangen mit der Fahrkarten- und der Znckersteuer haben das in den vergangenen Friedensjahren zur Geniige bewiesen. Des- balb hat es anch wenig Wert, daß das Wcinstencrgesetz am 1. Juli 1923 außer Kraft treten soll. Denn wer glaubt daran, daß die Weinsteuer 1923 außer Kraft treten wird? Die Weinsteuer wird- hauptsächlich in Sil d d e utsch la n d böses Blut machen, wo billige offene Weine im Frie- den Volksgetränk waren. Dieses Umstandes wegen gelang es durchzusetzen, daß Wirte und Kleinverkäufer, die lediglich inländischen Wein vom Faß verschänken, als Verbraucher im Sinne des Gesetzes anzusehen find. Zur Ent- richtung der Steuer ist nach dem Gesetz verpflichtet, wer Wein an einen Verbraucher abgibt.__ Hingegen werden imZollptstkagraöhen die'Satze der Regierungsvorlage noch um 10 Mk. erhöht. Praktisch wird dieser Zollparagraph allerdings erst nach Ablauf des Handels- Vertrages mit Oesterreich-Ungarn Beden.tnng erlangen. Einstimmige Zustimmung fand im Ausschuß die Erhöhung der S cha u m w ei:: st euer, die 20 Mil» Das Mmulett der Rujfln. Von Max Jungnickel.*> In ein?m dreckigen Ruffennest, das im Negenwind zusammen- lauert zwischen zwei Hügeln saß wie ein frierendes Bettelweib, rand ich in einer Dreckpfütze etwas golden�, �chiAUnerndes: ein So groß.unL NtÜd wie ein Talerstück.' W' Auf der Vorderseite die Jungfrau Mackia mit dem Kinde im 0er Brust; herausblickend aus förmigem Wolkengewimmel. Auf der Hinterseite einen Baum, der ästestark, vogelum- zwitschert in die Bläue de? Himmels steigt. 5ieine Schrift auf dem billigen, blechernen Amulett; nur ein liedloser Haken, der es hielt. Etwas Rührendes sang um fh$ Ding, da? trne eine goldene Träne der Ewigkeit in der schwarzen Dreckpfütze gelegen hatte. Sagenlieblichkeit. Wie ein wehmütiger Akkord aus einem russischen Volkslied, das die Gefangenen singen, wenn sie müde in den Abend hineinwandern nach ihrem Sirohsack.; ß Das Amulett hatte einer jungen Russenmutter gehört. Sie hatte es sich in irgendeinem Trödlerladen nach der Geburt ihres ersten Sohnes gekauft. Sie trug das Wunderschildchen immer auf ihrer Brust, damit die Fruchtbarkeit ihres Leibes nicht aufhöre.-- Uebers Dorf hin jagt der Wind; lauert pfeifend auf den Herd- rauch, der aus den Schornsteinen steigen soll, mit dem er sich haschen und jagen will. Aber das Dorf iß kalk und kot. Heiliges Rußland!--- Rosegger-Oeöächtmsfeier. Dem Schutzverband Deuijchet Schriftsteller kam es zn, und er hat, als erste Korporation, es für seine Ehren- Pflicht gehalten, den Manen des Ende Juni von uns gegangenen steirischen Dichters Pewr Rosegger eine würdige Ge- vächwisfeier darzubringen. Wir wissen es ja, wie ihm einst allent- lmlben viel Herzen entgegenstütmten. So war von vornherein auf lebhafte Anteilnahme zu hoffen, selbst in einer Zeit, die, wie die gegenwärtige, so wenig Raum und Muße aufkommen läßt, ernsterer .stunst kulturelle Fragen anzuhängen. Ein solches Problem von oberster Bedeutung stellt aber Rosegger vor; seine goldreine Priester- und Predigerpersönlichkeit, wie sein aus Volksseelentiefe empfange- des Schtiftmm sind berufen, deutschem Menschentum noch in ferne Zukunft hinein Leuchte und Pfadweiser Zpl fein. Diese Erkenntnis zu begründen und öffentlich auszusprechen, ist aber wohl kein zweiter s» ermächtigt und berechtigt als Hermann 5: i e n z l. Im Hause seine« Vaters in Graz sah er von zartester Jugend auf den jenem innigst befreundeten Dichter ein- und aus- gehen. Nicht genug: er ist mit ihm zusammen oft wochenlang kreuz und quer gewandert und blieb geehrt durch seine herzliche Freund- .chaft, die in Briefen bis dicht ans Grab getragen wurde. So nah und dem' Menschen und Erzähler Rosegger wenig gestanden. Das Bild, das Kienzl von ihm in dem mit Zuhörern dicht gefüllten Meistersaal entwarf, konnte daher vollen Anspruch auf Originalität erheben. Zwei Dinge sicherten Rosegger seinen Ruhm in aller Welt. Zuoberst steht, daß er m allen Erzählungen und Romanen, die er lionen Mark Mehrertrag bringen soll. Im Plenum hatten die Unabhängigen aber wieder ihr„Prinzip" entdeckt. Sie stimmten in dritter Lesung gegen das Gesetz. »-t- * Gegen den zum erstenmal vorgelegenen Entwurf betr. einer Besteuerung der Mineralwässer, Limonaden und künstlich bereiteten Getränke sowie betr. die Er- höhung der Zölle auf Kaffee, Tee, Kakao und Scho- k o l a d e, der 61 Millionen Mark bringen soll, v e r h: e l t sä ch die fozialdeni akratische Partei grundsätzlich ablehnend. Ein ernster Kampf gegen den Alkobo- l i s m n s ist mit der Zustimmung zu solchem Gesetz unverträg- lich. Tie Besteuerung wurde von bürgerlicher Seite u. a. auch mit dem Hinweis auf die v i e I z u h o h e n P r e i s e f ü r d i e alkoholfreien Getränke begründet. Die im Regie- rnngsentwurf vorgesehene Besteuerung nach Gefäßen wurde ab- gelehnt und dafür eine solche nach Litern vorgesehen. Di? Steuer sollte nach dem Kommissionsbeschluß bei Mineralwässern 0,086 Mk. das Liter und bei Limonaden 0,16 Mk. das Liter betragen. Das beißt, daß die Limonade noch um 3 Pf. das Liter höher besteuert werben sollte als das Vollbier! Im Plenum gelang es zum Schmerz? der Braukapita- listen, die Steuer auf 6 Pf. für das Liter Mineralwasser und 10 Pf., für das Liter Limonade heranterzusetzen. Konzentrierte Kunstlimonaden zahlen 1 Mk. das Liter und die Grundstoffe .zur Herstellung solcher das 20fache dieses Betrages. Von der Sterier frei bleiben natürliche oder nur gesüßte Fruchtsäfte. Dagegen wurde über die Regierungsvorlage hinaus der Re- gierung das Recht eingeräumt, durch Kaiserliche Verordnung mit Zustimmung des Bundesrats die Steuer auch auf die Stoffe zur Herstellung von Mineralwässerü— die Langen und Salze— auszudehnen. Für die Packungen solcher Stoffe soll evtl. eine Banderoisteuer eingeführt werden können. Auch wurde beschlossen, daß der H au: s t r n n k der bei der Herstellung beschäftigten Personen steuerfrei bleibt, soweit er in den Räumen des Herstellungsbetriebes stattfindet. Ein sozialdemokratischer Antrag, den ganzen Zollpara- aravhen zu streichen, fand keine Annahme. Die Erhöbung des Kaffee- und Teezolles fand nach der Regierungsvorlage An- nähme? Dagegen waren die Bemühungen der Regierung, auch die Erhöhung des Kakao- und Schokoladenzolles durchznbringen, vergeblich. Die Getränkesteu.ergefetze sollen äuS Zweckmäßigkeitsgrün- den gleichzeitig verkündet und einheitlich einen Monat nach der Derkiindiing bereits in Kraft gesetzt werden, mit Ausnahme de? Biersteuer, die am 1. Oktober 1918 in Kraft tritt. Dies bedeutet für das konsumierende Publikum also, daß es noch während des Krieges die erhöhten Getränkesteuern zu zahlen hat, und für welche Sorten von Getränken vielfach! Mnöswe König von Litauen. _ Das litauische Information sbu rem: in der Schweiz ver- breitet folgende Meldung: Der litauische Landesret hat be- schlössen, die Krone des Königreichs Litauen dem Herzog von Urach anzubieten, der ein Abkömmling der ehemaligen königlich-Iitauischen Dynastie sein soll. Eine De- lcgation des litauischen Landesrats hat dem Herzog von Urach Mitteilung von diesem Entschluß gemacht. Der Herzog hat das Anerbieten angenommen. Er wird den Namen M i n d o w e II. annehmen, um die Fortsetzung der ehemaligen Dynastie zn versinnbildjichen. Mindowe I. war Beherrscher des litauischen Reiches im 13. Jahrhundert und ist noch heute litauischer Nationalheld. Die Ge- schichte berichtet von ihm, daß er, um die nötige U-nterstützung gegen mächtige Widersacher zu finden, zum Christentum übertrat, jedoch geschaffen, sein Steircr Volk und Land mit unerhörter unnachahm- licher Echtheit in greifbarste Erscheinung gebracht hat. Dies allein macht seine unvergängliche dichterische Bedeutsamkeit aus. Sekun- dären Anteil hat daneben die schier märchenhafte Geschichte seines Lebens. Kienzl steckte gerade hier manches nene Licht auf. Goethes Vierzeiler:>,Vom Vater Hab ich die Statur,— Des Lebens ernstes Führen;— Vom Mütterchen die Frohnatur— Und Lust, zu fabulieren"—, diese Selbstzeichnung gilt auch in gewisser Beziehung aus die Eltern Roseggers und ihn selber. Die Mutter, als Kind eines armen Kohlennrenners tief im Waldgebirge erwachsen— Kienzl hat sie noch gekannt—, eine sonst ungelehrte Frau, hat doch auf seine geistige Regsamkeit und poetische Empfängnis den größten Einfluß geübt. Sie war des Knaben Märchenerzählerin. Sie glaubt« aber auch an ihren Sohn, als er, schon ein ansiteiaender Stern, vom Ortspfarrer wegen seiner angeblich ketzerhaften Christ- lichkeit von der Kanzel herab gestäubt wurde. So tiefecht als merkwürdig, wie alles an ihm, ist sein Heimatgefühl. Nachdem ihm ein durch die Wiener Re- Volution in den.Wald" vertriebener Lehrer das notdürftige Lesen und Schreiben beigebracht, kommt er zum Dechant, um die Vor- bildung zum Geistlichen zu erhalten. Stach wenigen Tagen brennt er, gepackt vom Heimweh, durch, um wieder daheim die Ziegen zu hüten und zu sinnen. Dann kommt er zu einem Wanderschneider in die Lehre; mit ihm zieht er arbeitend mehrere Jahre aus allen Bauerngehöften weit und breit umher. Während dieser Zeit ent- stehet: schon ein« Anzahl Lieder, von denen manche Volkstümlichkeit in Steiermark erlangt haben. Auch schreibt er für die Bauern seinen Kalender. Weil ibm aber einmal das Pech wiederftihr, Pfingsten vor. Ostern aufmarschieren zu lassen, war's rasch mit der Kalendermacherei zu Ende. Nun sollte er Lehrling in einer Grazer Buchhandlung werden. Auch diesmal entfloh er in die Waldheimat, Wie Robert Hamerling sich seiner annahm, sein erstes Büchlein Dialektgcdichte mit einer Vorrede herausgab, wie er dann, bereits ein Zweiundzwanzigjähriger, in Graz zu studieren begann, das ist ja bekannt. Hier hat er auch schon seine wunder- vollen Romane„Waldfchulmcister" und„Waldheimat" geschrieben, die ihn mit eins berühmt machten, während die Geschichte seines Elternhauses in dem sozialen Roman„Jakob der Letzte" nieder- gelegt ist. Ein seltener Einklang besteht Mischen Roseggers Leben und Dichten. Er konnte nur gestalten, was er erlebt hatte oder er- lebte. Alle die Menschen, die da gehen, sind ihm irgendeinmal über den Weg getreten. Alles an ihm ist wahrhaftig. Nirgends ljegegnet unz Geistreichelei oder Phrase. Er svricht schlichttiefe Weisheit aus. Er ist nicht lehrbaft, weil er den Volkserzieher mit Vorsatz machen will; er wirkt einfach in erzieherischer Weise durch das vorgeführte Beispiel. Der übrige Teil der Feier galt der Vorführung von gesprochenen und gesungenen Dichtungen in Vers und Prosa. Komvofitionen Roseggerscher Lieder von Wilhelm Kienzl, dem bekannten Musiker— diese besonders wirksam durch Innerlichkeit und sangbare Ein- fachheit—, von Georg Schumann, Böhm und Banck wurden von Bernhard Bötel prächtig, wenn auch nicht ganz konzertgemäß, gesungen. Außer Elsa Wagner trug Hermann Kienzl Dialekt- fachen vor und erwies sich als meisterhafter Interpret Rosegger- scher Dichtung wie der Sprache seiner schönen steirischen Berg- Heimat. ek. Der Zarenmorü in öer Geschichte. Es gibt kaum ein zweites Fürstenhaus in der Geschichte, das so vom Fluch verfolgt gewesen ist, wie die durch die Revolution depos- als fein Zweck erreicht war, wieder abfiel und gegen die Ordens- ritter Krieg führte, wobei sehr viele Deutsche umkamen und die Stadt Pernau derbrannt wurde. ES ist nicht anzunehmen, daß der Herzog Wilhelm von Urach als Mindowe II. an dies« Traditionen seines Namensvorgängers unmittelbar anzuknüpfen gedenkt. Im übrigen wird die Nachricht, der Herzog habe in diese histo- rische Maskerade schon eingewilligt, bestritten. Wilhelm von Urach ist württembergischer General, Haupt einer nichtregierenden Linie des Königshauses und mit der bayerischen Dynastie verschwägert. Er weiß, daß ihm zur Uebernahme des neuen Thrones einstweilen noch die Berliner Zustimmung fehlt, und es ist unwahrscheinlich. daß er ohne oder gar gegen sie einen entscheidenden Schritt unter- nommen hat. Daß diese KömgSausrufung nicht im Plane der Vorsehung liegt, geht aus verschiedenen Pressekommentaren deutlich genug hervor. Tort wird nämlich, wenn wir recht verstehen, ausgefichrt, daß Litauen zwar zweifellos und unbedingt volles Selbstbestim- mungsrccht habe, daß jedoch der Zeitpunkt für die Ausübung dieses Rechts sowie die Richtung, in der es ausgeübt werden dürfe, von der vorgesetzten deutschen Behörde zu bestimmen sei. Außerdem hätten die Lllauer die versprochenen Zoll-, Münz-, Maß-, Militär- und sonstigen Konventionen erst richtig abzuschließen, bevor die Souveränität der litauischen Monarchie stabilisiert werden könne wie ein„roeber de bronce". Es ist dies, wie man sieht, ein voll- kommen klares Rechtsverhältnis. Indes soll nicht der Anschein hervorgerufen werden, als ob sich die Herren vom litauischen Landesrat aus bloßer Narretei in ihren Mindowe II. verliebt hätten. Sie ließen sich dabei von der bestimm- ten Erwägung leiten, daß der Herzog von Urach Katholik wie sie und Württemberger ist, und als ihr König dgraus bedacht sein würde, sich im Interesse seiner Nachkommen dieZuneigungder Bevölkerung zu gewinnen. Davon versprachen sie sich eine bedeutende Besserung ihrer Lage, und man kann verstehen, daß sie sehr schmerzlich getroffen sein werden, wenn aus alledem nichts wird. Eisenbühnerftreik in öer Ukraine. Die„Stimme Kiews" meldet: Am IS. Juli brach ein Streik auf dem Eisenbahnknotenpunkt Ko rosten aus. Die Züge nach Sarny wurden nicht mehr durchgelassen. Ferner stellte die Strecke Kiew— P o w u r s k und Kiew— Manowitschi den Be« trieb ein. Am 17. Juli schloß sich Kiew dem Ausstand an. Kein einziger Zug konnte Kiew verlassen. Im Zusammenhang hiermit erließ der Verkehrsminister Buten ko eine B e- kanntmachung, wonach die Gehälter für Mai und Juni innerhalb der nächsten drei Tage ausbezahlt werden. Die Gehälter für März und April werden in Form' von Sparkassenbüchern ausbezahlt. Das Ministerium traf ferner alle Maßnahmen zur Versorgung der Einwohner mit Lebensmitteln. Alle übrigen Forderungen der Eisenbahner werden kategorisch .1 b g e l e h n t, da sie in die Gesetzgebung übergreifen-. Alle' Eisen- bahner sind verpflichtet, am 18. Juli früh ihren Dienst wieder an- zutreten. Wer weiter feiert, wird sofort entlassen. Wenn der 'Ausstand trotzdem fortdauert, sieht sich der Minister genötigt, den Betrieb der Eisenbahnen dem deutschen Oberkom- mando zu unterstellen und alle Streikenden aus dey Ukraine auszuweisen. Das Blatt„Russische Stimme" befürchtet, daß trotz aller Maß« nahmen der Eisenbahnstreik von den Südwcstbahnen auf alle ande«- ren ukrainischen Bahnen übergreifen könnte. „Kiewskaja Mysl" gibt neueste Meldungen Wer die Streiklaze. Das Blatt teilt mit: Der Eisenbahnerstreik verläuft ohne jede Ausschreitungen. Am 19. Juli ist in Kiew kein Zug eingetroffen bzw. abgefahren. Der Streik hat sämtliche Eisen. bahnen in der Ukraine ergriffen. In Rowno und eini- gen Knotenpunkten sind am 19. Juli die Streikkomitees verhaftet worden. sedierte russische Dynastie. Sind doch von den sieben Zaren aus dem Hause Romanow-Holstein-Gottorp nicht weniger als vier durch �Rord dahingerafft worden, und auch denjenigen Reußenherrschern, die im Bette gestorben sind, ist so oft nach dem Leben getrachtet worden, daß ihr natürlicher Tod schon beinahe eine glückliche Fügung des Schick- sals für sie bedeutete. Gleich der erste der Zaren aus dem Hause Holstein-Gottorp, Peter III. Feodarowitsch, der Enkeb Peters des Großen, entsprossen aus der Ehe seiner Tochter Anna Petrowna mit dem Herzoo Karl Friedrich von Holstein» starb eines gewalt- samen Todes. Mit Peter II. war das Haus Romanow im Mannes- stamm ausgestorben, und die Kaiserin Elisabeth, Peter Feodoro- witschs Tante, ernannte ihn zum Thronwlger. 84 Jahre alt ge-« langte er nach Elisabeths Tobe unter dem Namen Peter III. am! S. Januar 1762 auf den Zarenthron. Aber nur wenige Monats dauerte feine Regentenherlichkeit. Seine Mißachtung des- russischen: Volkstums, seine Borliebe für deutsche? Wesen und sein Bündnis mit dem von ihm bewunderten Friedrich dem Großen führten zu einer Empörung, an deren Spitze seine eigene Gemahlin Katha« rina trat. Um den in seiner Beschränktheit und Trunksucht von ihr verachteten Gemahl vom Throne zu stürzen, zog Katharina am 7. Juli 1762 an der Spitze der Gartetruppen gegen das Lullschlöß Oranicnbaum, wo Peter sich aushielt. Er wurde gefangen, erst nach Petershos, dann auf das Landgut Ropscha gebracht und hier am 17. Juli 1762 von Orlof und seinen Mitverschworenen erdrosselt, Aus seiner Ehe mit Katharina, die nunmehr den Thron bestieg, ging Zar Paul l. hervor, der alle schlechten Eigenschaften seines Paters- geerbt hatte, und der auch das gleiche Ende nahm wie Peter III. Sein mißtrauischer Despotismus machte ihn schon bald nach seiner im Jahre 1796 erfolgten Thronbesteigung verhaßt, und es kam zu einer Verschwörung unter der Führung des Grasen Pahlen, an der u. a. der General Bennigsen teilnahm. In der Nacht zum 23. März 1801 schritten die Verschworenen zur Tat, drangen m den Michaelow- scheu Palast und überraschten den Kaiser in seinem Schlafzimmer- Die Verschwörer hatten sich erst bei einem Gelage Mut angetrunken, und da der Kaiser ihnen Widerstand entgegensetzte, so fielen sie über ihn her, und Bennigsen erdrosselte den Zaren mit seiner Schärpe. Unvergessen ist der heutigen Generation noch das Bombenattentat, dem am 13. März 1881 Keriser Alexander II. in Petersburg zum Opfer fiel. Sein Sohn, Alexander III., starb zwar an einem Nierenleiden; aber den Grund dazu legte ein furchtbarer Stoß ins Kreuz, den der bärenstarke Zar bei der Eisenkatastrophe von Borfi im Jahre 1888 davongetragen hatte. Nun ist auch sein bereits ent- thronter Sohn, Nikolaus II., durch Mord aus der Welt geschafft worden. Notizen. — Das Wiener Burgtbeater, das noch immer auf einen neuen Direktor wartet, wird zunächst einen Generalinten- danten erhallen. Sin einst aufgegebener Posten wird wieder her« gestellt. Dem Zivilgauverneur des von österreichischer Seite be- setzten polnischen Gebiets Freiherr von Andrian Werburg, ist das Amt übertragen worden. Es wird daran erinnert, daß dieser Mann einst in dem jung- romantisch-kunstaristokratischeu Kreise um Hoffmannsthal als Lyriker und Prosameißter mitgctan habe. Da? Wae vor mehr als zwanzig Jahren. Es geht natürlich zu weit, aus dieser Erinnerung an den damaligen Leopold von Andri»n alsbald auf einen nun kommenden Aufftieg des Burgtheaters schließen zu wollen. Immer- hin liegt es nahe, daß von ihm als Berwalwngsmann mit ge- pflegtem Kunstgeschmack Förderliches erwartet wird. Das Burg» theater braucht dringend eine sichere, feinbeherrschte Hand. die Mwche öer Hesenoffensive. Tie Gründe der Aufgabe des Marne-Brüikenkopfes. (Telegramm unseres Krieg sberilbter st atters.) Westfront, 2«. Juli 1918. Tie Fochsche Gegenoffensive hat auch gestern den ganzen Tag mit ungefähr 13 frauzösisch-amerikanischen Divisionen und der- stärktem Tankgcschttiadereinsatz unsere frei fechtende Linie zwischen Ai-ne und Marne berannt. Früh 3 Uhr und abends t» Uhr 39 Minuten erfolgte» nach kurzem Feuerschlag Hauptstöste. An einige» Stellen drang der Gegner weiter vor, doch war der zw,citcÄamstftaggekennzcichnetdnrch kräftige deuts-che Gegenstöße, die teilweise, wie südwestlich von S o i s so n s und nördlich von? o u i ch a m p S, wichtiges Höhen- grländ? dem Feind wieder entrissen. Ter Hanptdruck tag gestern auf Mitte und Südflügel der deutschen Verteidigungsfront, wo in 35 Kilometer Breite der lückenlos vorstürnrende Massenangrifs durch uns aufgefangen ward. Räch den heutigen Morgenniel- düngen verläuft die deutsche Abwehrlinie ungefähr von westlich S o i s s o n s bis westlich<5 h ä t e a u- T h i e r r y, die Heer- ftrastezwischenbcidenStädtenistbishcutevvm Feinde nicht berührt. Aus V i I l e m v n t o i r c ist de? Feind durch Gegenstoß vertrirbrn. Gegen gewaltige Uebermacht haben die deutschen Truppe» auch gestern in öfter kritisch zuge- spitzten Lagen den feindlichen Angriff, der, wie sich immer mehr herausstellt, als großangelegter Durchbruchsver- such zur A b s ch n e i d u n g des gesamten südlich der A i s n e hängenden deutschen B o g e n s gedacht war, elastisch und dvch kraftvoll gebrochen. Ter gesamte Geländege- winn von Fachs Gegenoffensive beträgt heute noch nicht den zehnten Teil dessen, was allein die dritte deutsche Aisne-Offensive zwischen Soissons und Reims gewann. Ohne jeden Zusammenhang mit der neuen Abwehrschlacht gegen Fach sind letzte Nacht die südlich der Marne stehenden deut- scheu Truppen ausdasNorduferzurückgcrnfrn wer- den. Tics? schwierige militärische Operation ging ohne die ge- rings e feindliche Gegenwirkung vor sich. Alle Truppen und sämtliche Batterien, darunter zahlreiche schwere, sind ohne den kleinsten Verlust in die neue Linie genommen worden, die von Tormans bis Ventcuil das Nordufer der Marne vcr- folgt. Ter Plan der Zurücknahme ist mehrere Tage alt. Gestern schon wurden wir offiziell unterrichtet, daß in der kommenden Nacht die Operation vor sich gehen würde. Tie Gründe der Z u r ü ck n a h m c sind folgende: Der Brückenkopf an der Marne war als südlich flankierende Sicherung für den deutschen Angriff ans den Reimser Vcrgwald angelegt: mit dem Moment, wo der Angriff südlich Reims in der Linie V c n t e u i l- Nanteuil-Vrigny zum Stehen kam, hatte der Brücken kops jede Bedeutung verloren und kostete Verluste, ohne taktische oder strategische Vorteile zu bieten. Tr. Adolph Köster, Kriegsberichterstatter. Die ftonzöfischen Berichte. Französischer Heeresbericht vom 19. Juli abends.(Verspätet.) Die gestern zwischen Marne unv Aisne begonnene Schlacht wunde heute den ganzen Tag über mit äußerster Heftigkeit fortgesetzt. Der Feind setzte auf der ganzen Linie starke Reserven ein und versuchte unser Vorwärtsgehen zu hindern. Trotz seiner Anstrengungen, haben wir unsere Erfolge auf dem größeren Teil der Front fortgesetzt. Ruf dem linken Flügel haben wir uns auf den Hochflächen südwestlich von Soissons und in der Gegend von Ehaudun behauptet. Im Zentrum haben wir die Linie Vaux— Castille�-Villersheloi— Nauroh sur Cutq an drei Punkten. Auf dem rechten Flügel eroberten unsere Truppen nach scharfem Kampfe die Hochfläche nordwestlich von Bonnes und eine Höhe nördlich von Courchamps und drangen über Torcy binaus vor. Tie Zahl der bis jetzt festgestellten Gefangenen überschreitet 17 999, darunter 2 Obersten mit ihren Stäben. Wir haben m�hr als 360 Geschütze, dacunter eine 2l»Zentimeter-Batk«ie genommen. Französischer Heeresbericht vom 29. Juli abends. Das Ergebnis unserer siegreichen Gegenoffensive hat nicht auf sich warten lassen. Tie heftig auf ihrer rechten Flanke unh südlich der Marne angegriffenen Deutschen wurden gezwun- gen, den Rückzug anzutreten und über den Fluß zurück- zugehen. Wir halten das ganze Süduser der Marne. Zwischen Aisne und Marne haben die französisch-amerikanischen Truppen, die ihre Fortschritte fortsetzen, den Feind zurückgeworfen, der sich mit Zähigkeit wehrt. Wir haben P l o i s y und Parcy-Tigny erreicht und sind über St. R e m y, B l a n'z y und R o z e t— St. A l b i n hinaus vorgerückt. Weiter südlich halten unsere Truppen die allgemeine Linie Priez- Hochfläche nordöstlich Courchamps. Zwischen Marne und Reims sind heftige Kämpfe im Gange. Die französisch-briiischeu Truppen sind in wuchtigem Angriff mit bedeutenden Kräften zusammengestoßen. Trotz des er- brtterten Widerstandes des Feindes haben wir im Walde von Corton, im Ardretale und bei St. Euphraise Gelände gewonnen. Die Zahl der Gefangenen, die wir seit dem 18. Juli gc- macht haben, übersteigt 20 009. Mehr als 400 Geschütze sind in unsere Hände gefallen. Das haager Das Haager Korrespondenzbureau teilt mit, daß der Text des am 14. Juli von der deutWen und englischen Dele- gatisn unterzeichneten Abkommens nicht veröffentlicht werden kann, bevor das Abkommen von beiden Regierungen ratifi- ziert worden ist, doch könne bereits berichtet werden, dost in dem Abkommen Bestimmnngep�vorkommen, denen gemäß der Austausch.von Kriegsgefang-enen sich auf die deutschen und die englischen krieasgefangencn Offiziere und Mannschaften ebenso wie auf diejenigen, die gemäß des Völkerrechts in Holland interniert sind, sowie auf die bürgerlichen. Gefangenen, die sich in Holland und der Schweiz befinden, bezieht. Diese werden sämtlich allmählich das Land, wo sie interniert sind, verlassen. Nach dem-neucn Abkommen werden Unteroffiziere nicht mehr wie bisher interniert, sondern sofort au sge- tauscht werden. An Stelle der deutschen und der englischen kriegsgefangenen Offiziere, Unteroffiziere und Mannschaften, 'owie der bürgerlichen Gefangenen, die in Holland interniert sind, werden anders Offiziere, die länger als 14 Monate kriegsgefangen waren und außerdem Kriegsgefangene, deren Gesundheitszustand derartig ist. daß sie auf Intern ierung in Holland Anspruch haben, treten. In seiner Schlußrede wies der holländische Minister des Acußern, nachdem er seine Befriedigung über die in dem geschichtlichen Trevessaal erreichte Vereinbarung zwischen zwti kriegführenden Staaten ausgesprochen hatte,, auf die wich- tigen Ergebnisse der Konferenz hin, vornehmlich auf dem Ge- biete des unmittelbaren Austausches und der sich daraus ex- gebenden Freigabe von taüsendsn Bern Knegsgefangenen stMv der Besserung der Lage der Kriegsgefangenen unmittelbar nach der Gefangennahme, wie bei ihrem Verbleiben in den Lagern. Er gab der Hoffnung Ausdruck, daß durch den baldigen Austausch der Ratifikationen das edle Werk der Konferenz gekrönt werde. Er schloß mit dem Hinweis, daß die Delegierten, wenn der Krieg auch fortfahre, nicht vergessen soll- ten, daß sie jederzeit für neue Zusammenkünfte willkommen seien und daß es imHaag stets möglich sei, sich m i t e i n- anderzuver ständigen. Eine Reöe Salfours. Dentsch-ofsiziöser Kommentar. London, 20. Juli.(Reuter.) In einer Versammlung m Lern- don, anläßlich des belgischen Unabhängigkeitstages, sagte Balfour: Deutschland hat viele falsche Rechnungen in diesem Kriege gemacht. Tatsächlich hat es niemals eine moralische Berechnung ge- macht, die nicht äußerst weit am Ziel vorbeigeschossen ist. Das Ver- rechen, dessen Opfer Belgien ist, wird niemals vergessen werden. Wenn die Zeit kommt, da Europa am Verhandlungstisch zu erwägen haben wird, wie es sich gegen eine Wiedecholunz der Schandtaten und Greuel schützt, die Deutschland zur Last liegen, dann ist es einem europäischen Staatsmann nicht möglich, zu vergessen, daß ein deursches Versprechen kein bindender Vertrag ist. Die höchste Beleidigung wurde gegen Belgien durch den deutschen Kanzler in seiner letzten Rede gerichtet. Er erzählte da der Welt, Deutschland habe nicht vor, Belgien für immer zu behalten, sondern Deutschland beabsich- tige, Belgien als Faustpfand zu gebrauchen. Was bedeutet nun, Faustpfand in diesem Sinne und wie es vom Kanzler gebraucht wird, wirklich? Es bedeutet, daß er, nachdem er Belgien ohne Herausforderung angegriffen, es erobert hat und nach der Erobe- rung ohne Erbarmen mit ihm umgegangen ist es allen Materials, Gutes und alle�noraltschcn Vergütungen für diesen Angriff auf seine Freiheit beraubt hat, sich bereit neigt, es auszugeben, vor- ausgesetzt, daß er irgendein anderes Landgebiet erhalten kann, auf dem die Deutschen ihre besonderen Fertigkeiten ausüben können. Wenn er von einem Faustpfand und von einem Austausch Bel- giens gegen irgendetwas mrderes spricht, so mag dies vielleicht nur bedeuten, daß er bereit ist, der Mißverwaltung und Unterdrückung Belgiens ein Ende zu machen unter der Bedingung, daß die Mächte Deutschland die Erlaubnis zur Mitzverwalwng und Unterdrückung irgendeines anderen Gebietes in Europa oder anderswo geben. >** Berlin, 22. Juli. Zu diesen Erklärungen des englischen Mini- sters bemerkt die»Norddeutsche Allgemeine Zeitung": Die Ausführungen des Herrn Balfour lassen deutlich erkennen, wie sehr der Minister den ernüchternden Eindruck der Erklärung des deutschen Reichskanzlers über Belgien auf die englifebe Oeffentlichkeit fürchtet. Er hütet sich wohl, die Auslegung des Jaustpfand-Begriffs im Sinne des deutschen Reichskanzlers wiederzugeben. Statt dessen stellt er vielmehr willkürlich eine eigene Faustpfand-Theorie auf, die naturgemäß einen ausgesprochenen britischen Eha- rakter trägt. Belgien— hat der Kanzler gesagt soll nicht wieder das Vormarschgebtet für unsere Feinde werden, nicht nur im militari- schen, sondern auch im wirtschaftlichen Sinne. Auch im moralischen Sinne können wir gegenüber dem, was Herr Balfour gesagt hat, betonen, daß Belgien nicht wieder das Vormarschgebtet für unsere Feinde gegen Deutschland, gegen den Frieden und unser Recht werden soll. Es soll uns im besonderen auch ein Faustpfand dafür sein, daß England die Verstrickung löst, in die es Bel- gien schon bor dem Kriege rägrkevoll hineingezerrt hatte. Es ver- steht sich übrigens von selbst, daß wir auch die besetzten Gebiete Nordfrnnkreichs als ein in unseren Händen' befindliches F a u st- Pfand für die uns entrissenen Kolonien, die Zerstörung der deutschen Welthandelsbeztehnngen und alle anderen Schäden be- trachten, die uns von unseren Feinden völkerrechtswidrig zugefügt worden sind. Herr Balfour wird wohl gegen die Benutzung des besetzten Nordfrankreichs als'Faustpfand keine überzeugenden Rechts- bedenken anführen können. Solange wir aber Nordfrankreich für diesen Zweck besetzt halten, müssen wir selbstverständlich, auch Bel- gien mit einbegreifcn, denn durch dieses Gebiet führen unsere Ver- bindungen nach den besetzten Provinzen unserer französischen Gegner. Die Erfthießu-ng öes Zaren. Ein vom 19. Juli in Kiew eingetroffenes telegrophischcs Bulletin des Zentral-Exekutivvusschusscs meldet:. In den letzten Tagen drohte der roten Hauptstadt des Ural. Jekaterinburg, infolge Vorrücken der Tschecho-SIowaken ernste Gefahr. Gleichzeitig wurde in Jekaterinburg eine neue Verschwörung der Konter-Revoln- tionäre entdeckt, die die Macht ans den Händen der Sowjetregierung reißen sollten. Infolgedessen be- schloß der Bezirks sowjet des Uralgebictes, Nikolaus Romanow zu erschießen. Das Urteil ist am 16. Jnti vollstreckt worden. Ter Vorsitzende der russischen Friedensdelegation, Ra- kowski, besuchte am 19. Juli den Außenminister Doroschenko und teilte ihm amtlich mit, daß laut einer bei der Friedens- delegation am 16. Juli eingetroffenen Meldung in Iekaterin- bürg Rotgardisten den früheren russischen Kaiser Nikolaus Romanow erschossen haben._ Wiener Krisengerüchte. Geht Seidler? Wien, 21. Juli. Die„Wiener Allgemeine Zeitung" mel- det: Wie in gut informierten parlamentarischen Kreisen ver- lautet, hat der Ministerrat beschlossen, dem Kaiser seine Ge- samtdemission zu unterbreiten. Tie Demission der Regierung im gegenwärtigen Augenblick wäre dem Selbstmord eines Angeklagten vor dem Urteil zu ver- gleichen. Sic müßte den denkbar schlechtesten Eindruck machen, da sie zeigen würde, daß sich die Regierung nicht einmal die Kraft zutraut, den Kampf im Parlament zu Ende zu kämpfen. Ein„Deutscher Wirtschaftsrat für Mitteleuropa" soll, wie ge- meldet wird, geschaffen werden. Als sein Programm wird offiziös angegeben:..Fußend auf der Z o l l u n i v n mit Oesterreich- Ungarn(?> soll zunächst durch gute Handelsverträge usw. ein engeres wirtschaftspokitisches Band mit den? weiteren O st e n Europas geflochten werden, um durch die Sicherung des Be- zuges von Rohstoffen, besondes aus den großrussisthcn und ukraini- schen Gebieten die Kraft zu gewinnen, unsere westlichen Gegner, vor allen Dingen die überseeischen Rohstoffproduzenten, zum Weltwirtschaftsfrieden nach dem Krieg zu zwingen,"' GroMeGn Sauregurkenzeit. Das fft die Zeit, wo der verbrannte Schlund gierig nach was Kühlem schreit, die olle, echte, wohlbekannte, Berühmte Sauregurkenzeit. Der gutgestellte Europäer schrammt jetzt nach den Gefilden ab, wo zwar die Bildung etwas zäher, jedoch das Futter nicht so knapp. Wo weißes Mehl man mischt zu Bärme, fühlt er sich der Verzückung nah, er wird zum Sklaven der Gedärme, das andre ist ihm Hekuba. Doch wer bei Graupen und bei Bohnen des Brotes Millimeter zählt, bekennt, daß selbst zu Illusionen ihm noch die saure Gurke fehlt. _ P a u I ch e n. Die Kohlen�ersorgung Grost-Berlins. Klagen der Kleinhändler. In einer vom„Verband selbständiger Holz- und Kohlenhändler von Berlin und Umgegend" nach dem LehrervereinshauZ einberufenen stark besuchten V e r s a m m l u n g, an der auch Vertreter des Kohlenverbandes Groß-Berlin, der Kohlen- stelle Groß-Berlin, des Niederlausitzer Brikettsyndikats, der Eisen- bahndirektion Berlin, des Oberkommandos in den Ällarken teil- nahmen, wurden die Mängel der Kohlenvcrsorgung erörtert. Kohlenhändler D a m e, Vorsitzender vom Arbeitsausschuß des Ver- bandes, berichtete über das erst zum Teil vorliegende Ergebnis einer Umfrage, die der Verband unter seinen etwa 1509 Mitgliedern veranstaltet. Unter 492 Mitgliedern, die bis 20. Juli geantwortet hatten, sind 00 Händler, denen im Monat Juni nicht«in einziges Brikett geliefert wurde, und unter ihnen 33, die auch bis Mitte Juli noch nichts erhielteiu Da die 60 Händler in ihren Listen 13 133 Kunden mit 45 000 Zentner Monatsbedarf haben, so sei es begreiflich, daß die Händler und mit ihnen die Kunden unruhig geworden find. Redner forderte unter Zustimmung der Versammlung, daß alle Händler gleichmäßig be- liefert werden; denn tatsächlich habe andererseits schon mancher Händler sehr viel mehr als nötig erhalten. Er meint, daß d i e durch Kundenliste und Kohlenrarte festgesetzte Verbrauchs in enge unmöglich voll nach Berlin herangeschafft werden könne, aber er hält sie auch für „überhaupt zu hoch bemessen und über den wirklichen Bedarf hinaus- gehend". Im ganzen haben die 492 Händler mit 154 000 Kunden rund sh Million Zentner Monatsbedarf im Juni nur etwas über die Hälfte davon erhalten, nur 275 000 Zentner. In der Dis- kussion hoben verschiedene Redner hervor, daß unter der bisher schlechten Lieferung besonders die kleinen Händler und mit ihnen die kleinen Verbraucher leiden, während die Plätze der Großhändler gefüllt seien und mancher Großverbraucher seinen Keller voll habe. Viele Frauen klagen, daß sie kein Essen kochen können, wenn sie nicht das teuere Holz kaufen wollen. Der Vorsitzende der K o h l e n st e l le, Oberleutnant Körte, versicherte, daß von Bevorzugungen keine Rede sein könne, aber Ungleichheit der Belieferung werde sich niemals ganz vermeiden lassen. Die kleinen Verbraucher seien so aufgerufen worden, daß sie schon bis Oktober ihren ganzen Vorrat haben könnten. Die weiteren Verbandlungen betrafen geplante Maßnahmen der Eisen- bahndirektion Berlin und des Oberkommandos in den Marken, die den Händlern die Zwangs abfuhr auferlegen. Regierungsrat A l b r e ch t als Vertreter der E i s e n b a h n d i r e k t i o n be- gründete sie mit der Notwendigkeit, die Eisenbahnwagen möglichst rasch zur Wiederverwendung ftei zu bekommen. Mehrere Redner klagten, daß gerade durch die Zustände auf den Kohlenbahnhöfen den Händlern die Absuhr erichwert werde. Der Verband glaubt, selber rascheste Absuhr erreichen zu können, wenn die Heeresver- waltung ihn durch Entlastung brauchbarer Leute die A r b c i r s- kräfte gibt. Eine von der Versammlung gebilligte Eni- schließ ung spricht gegenüber der Ungleichheit der Be- lieferung die Erwartung aus, daß der Kohlenverband siir bal- dige Besserung sorgen wird, nötigenfalls durch Ausschaltung hinderlich scheinender Zwischenglieder. Tie Verkchrsutisere. Trotz aller Schwierigkeiten, Warnungen und der Ferien ent- wickelte sich am Sonnabend und Sonntag auf dem Potsdamer und Anhalter Bahnhof wieder ein Riesenverkehr, hervorgerufen durch ankommende Fahrgäste aus Sachsen und der Provinz Sachsen. Die einlaufenden Züge waren sämtlich überfüllt. Auf den Zügen von Magdeburg saßen einzelne ganz verwegen»' Reisende oben auf den Dächern der Wagen, bis die Beamten auf den Bahn- Höfen zur Verhütung von Unfällen einschritten. Besonders in Magdeburg konnte der Verkehr kaum bewältigt werden. Die Ab- teile waren so überfüllt in den Wagen 3. und 2. Klasse, daß mehrere Frauen ohnmächtig wurden und andere die Fahrt unter- brechen mußten, weil sie die Strapazen der Fahrt, die Anstrcn- gungcn des langen Stehens und die unerträgliche Hitze nicht länger ertragen konnten. Zahlreiche Reisende mit und ohne Kiu- Die Mitgliederzahl der SMMStt Wki ist in stättdigem Wachsen begriffen. Aber immer stehen noch Tausende draußen, die gerne hineinmöchten, aber den Eingang nicht zu finden wissen. Wer Mitglied der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands werden will, hat nichts weiter zu tun, als den nachstehenden Schein ausgefüllt an Th. Fischer, Berlin SW 68, Lindenstraße 3, zu senden: Ich erkläre hiermit meinen Beitritt zum Sozialdemo- kratischen Verein meines Wahlkreises. Name:___ I___ Geburtsort und-dakum: Beruf:-- Genaue Adresse:_____ der blieben deshalb in Magdeburg und anderen Stationen zurück. Die Verkehrsmiseren erstrecken sich also nicht nur auf Berlin, sie sind auch anderwärts eingekehrt und wachsen ständig. Ermäftigte Gemüsepreise. Der Magistrat don Berlin ist in der Lage gewesen, angesichts der erheblichen Zufuhren an Gemüse die Kleinhandelspreise für einige Gemiisearten beträchtlich zu ermäjjigen. Bon heute, Montag, an wird bis auf weiteres der Kleinhandelspreis für Mai- rüben auf IS bis 10 Pf. und für Mohrrüben auf 30'bis 25 Pf. ie Pfund herabgesetzt. Im Interesse der restlosen Verwer- tung aller dem Berliner Markte zugeführtitn Nahrungsmittel kann die Bevölkerung nicht dringend genug aufgefordert werden, von dieser selten günstigen Gelegenheit, sich mit Gemüse zu versorgen, schleu- nigst und in umfassender LLeise Gebrauch zu machen. f. Zur Altkleidersammlung. Die Rei ch sbek I ei du ngSst ei I e schreibt uns! Die Reichsbekleidungsstelle hat bekanntlich die Frist zur Ablieferung der getragenen Männerkleidung bis zum 15. August verlängert; sie knüpsr an diese Maßnahme die Erwartung, daß in den einzelnen Kommunalverbänden die benötigte Zahl von Anzügen durch die ab- gabefähige Bevölkerung in diesem Zeitraum aufgebracht werde. Entgegen den vielen irrigen Darstellungen, daß die gesammelten Anzüge lediglich den gutbezahlten Rüstungsarbeitern zugute kommen sollten, muß darauf hingewiesen werden, daß es sich bei der Ver- sorgung der Heimarmee keineswegs nur um die Arbeiten: der Rüstungsindustrie, sondern auch vor allem zu einem ganz beträcht- lichen Teile um die Arbeiter in der Landwirtschast, dem Eisen- bahnbetrieb und dem Bergbau handelt. Mit der Sammlung wird bezweckt, alle kriegswichtigen Betriebe, die zur Anfvechterhaltung unseres Wirtschaftslebens unbedingt benötigt werden, arbeitsfähig m erhallen, indem den Arbeitern, die in Kleidung aus Ersatz- .toffen ihre Arbeit nicht sachgemäß verrichten können, die unbedingt nötigen Kleidungsstücke aus Wolle beschafft werden. Sclbstver- ständliÄ müssen diese Anzüge von den Arbeitern gegen Bezahlung erworben werden; es handelt sich bei dieser Sammlung also keines- falls um eine soziale Maßnahme, die einer bestimmten Arbeiter- kategorie zugute kommen soll, sondern um eine drmgende Kriegs- nottvendigkeit zur Erhaltung unserer wirtschaftlichen Kraft. Trinkt keine ungekochte Milch! Das Polizeipräsidium teilt fol- gende Warnung mit; Mit Rücksicht auf das Austreten einiger Sonderfälle von Typhuserkrankung, hervorgerufen dncch den Genuß von Milch, empfiehlt eS sich, daß in den Molkereien alle Milch pasteurisiert wird. Auf jeden Fall muß vor dem Genuß ungekochter Milch gewarnt werden. Heiratsschwindel als Mittel zum Einbruch betreibt ein Ver- brecher, der von der Kriminalpolizei eifrigst gesucht wird. Sein letzter Streich galt einem Bankier in der Cuxhavener Straße. Dieser war mit seiner Familie verreist und hatte das Dienstmädchen allein zurückgeassen. Das Mädchen besuchte nun eines Tage? seine polnischen Landsmänninnen und Freundinnen und kam mit ihnen auch auf eine Heiratsanzeige zu sprechen, die die Mädchen in einer Zeitung fanden. Nach ihr suchte ein solider Handwerker eine tüchtige Frau aus dienendem Stande. Geld erklärte der Mann für überflüssig. Auf diese verlockende Anzeige meldete sich auch das Dienstmädchen. Der Freier antwortete und zeigte der Heirais- lustigen wiederholt mehrere Hundert Mark, als ob er wirklich Geld genug besessen hätte. Die Verlobung stand schon vor der Tür. Da führte>Max Schmidt", wie der Mann sich nannte, eines Tages seine Braut nach dem Schlcsischen Bahnhof spazieren. Er erzählte ihr, daß er dort als Monteur arbeite und bat sie, etwas zu warten, weil er sein Gehalt abholen toolle. DaS Mädchen wartete stundenlang umsonst, eilte dann, nichts Gutes ahnend, nach Hause und fand, daß ein Einbrecher für 7000 M. Kleider, Wäsche und andere Wertsachen gestohlen hatte. Der Täter war niemand anders als „Max Schmidt", der auf dem Spaziergang die Wohnungsschlüssel aus dem Pompadour genommen hatte, und sich jetzt nicht mehr sehen ließ. Er ist etwa 40 Jahre alt, mittelgroß und schlank, sieht blaß und kränklich aus, hat ganz kurzgeschorenes Haar, eine Art Glotze und einen englisch gestutzten Schnurrbart. Zwei gefährliche Ein- und Ausbrecher wurden gestern wieder hinter Schloß und Riegel gebracht. Die berüchtigten Brüder Erich und Emil Strauß, der Schrecken der großen Geschäftshäussr, ent- wichen, wie wir mitteilten, in den letzten Tagen aus der Unter- suchungshaft. Erich, ein fahrienflüchtiger Soldat, bei der Rückkehr von einer Vernehmung in Brandenburg, Eniil bei einer Vor- führung im Krimi nalgcricht. Gestern gingen nun Kriminal- Wachtmeister und ein Kriniinalschutzmann vom 107. Revier nach der Seestraße, um ein verdächtiges Grundstück auf Geheim- schlachtungcn zu beobachten. Dabei tamen sie an dem Grundstück Secstraße 80 vorbei, das auch schon zu Beobachtungen Veranlassung gWeben hat. Es ist das ein Lagerplatz, auf dem auch ein kleiner Fuhrunternehmer ein paar Pferde stehen hat. Die Beamten sahen durch die Zaunritzen vier Männer auf dem Grundstück stehen. Das erregte ihren Verdacht. Wie sie wußten, hat der Lagerplatz einen geheimen Ausgang nack dem Nachbargrundstück. Während einer rasch diese Geheimtür besetzte, traten die beiden anderen durch den Haupteingang ein, um sich die Leute näher anzusehen. Sobald dies? fremde Männer kommen sahen, eilten zwei von ihnen auf die Geheimtür zu. Hier wurde einer von dem Bannten in Empfang genommen. Der andere machte jetzt kehrt, eilte qiach der anderen Seite, warf dort/ etwas über den Zaun und versuchte selbst nach- zuklcttern. Die Beamten erwischten ihn aber und brachten nun beide nach der Revicrwachc. Erst hier erkannte man in ihnen Er ick, und Emil Strauß. Der gute Fang wurde nach dem Polizei- Präsidium gebrackit, um von dort nach Moabit übergeführt zu werden. Die berüchtigten Brüder waren nach dem Lagerplatz gc- kommen, not.mit dem kleinen Unternehmer über eine Fuhre zu unterhandeln. Sie hasten ohne Zweifel schon wieder einen großen Einbruch ausbaldowert, zu dem sie ein Fuhrwerk brauchten. Pawke gewinnt„Tie Hundert". Der Sportpark Treptow haste sich gestern trotz des unbcstän- digcn Wetters eines Riesenbesuches zu erfreuen; es stel die Ent- schcidung in dem großen Dauerrennen„Die Hundert". Als An- warter auf dte hoch ausgeworfenen Preise hatte die Direktion neben den Siegern aus den Vorrennen, Pawke und Wittig, noch Krupkat und Stellbrink bestimmt. Wie zurzeit meist alle Dauerrennen, so nahm auch dieses über 100 Kilometer führende Rennen infolge wiederholter Motor- und Raddefekt«, unter denen alle Fahrer zu leiden basten, nicht den erhofften einwandsfreien Verlaus. Zudem mußte das Rennen wegen einsetzenden Regens auch auf kurze Zeit unterbrochen werden. Der beste Fahrer aus den Vorrennen, Pawke. passierte dann mit nur 240 Meter Borsprung vor Stellbrink als Sieger das Band, dem Krupkat und Witstg mit weiten Abständen auf den nächsten Plätzen folgten. Ein Halbstunden-Prämienfahren für Flieger gewann Rütt in bekanntem glänzenden Stil verhalten vor Wegener; Lorenz, der sich angewöhnt zu haben scheint, seine Rennen in der Pose des„lieber- legenen" zu bestreiten, blieb wieder eimnal im geschlagenen Felde stecken. Auch ein Zweisitzer-Hauptsahren über 1800 Meter gewann Rütt mit seinem Partner Abraham nach scharfem Kampf knapp vor Schrage-Rudel. Lorenz-Häusler erlitten in diesem Rennen Rad- schaden, wodurch sie bis auf den letzten Platz zurückfielen. Ergebnisse. Halbstundencennen: 1. Rütt, 17 Kilometer 600 Meter. 2. Wegener, 3. Abraham, 4. Tadewald, 5. Häusler.— Hauptfahren für Klasse 3, 900 Meter: 1. Größmann, 1 Min. 29 Sek.; 2. Freiwald, 3. Brockmüller, 4. Schlotike, 6. Hiepel.— Zweisitzer- Hauptfrchren. 1800 Meter: 1. Rütt-Abraham. 2 Min. 54 Sek.; 2. Schrage-Rudel. 3. Hoffmann-Tadewald, 4. Schütz-Müller, 5. Lo- renz-Häusler.—„Die Hundert", 100 Kilometer: 1. Pawke, 1 Std. 33 Min. 20 Sek.; 2. Stellbrink 240, 3. Krupkat 610, 4. Witstg 2730 Meter zurück._ Bus aller Welt. Die Cholera in Stockholm und Petersburg. Stockholm, 21. Juli.(Eigene Meldung.) Im Laufe der letzten Tage sind weitere Fälle von Cholera an Personen festgestellt wor- den, die sich auf dem von Petersburg eingetroffenen Dampfer bc- fanden hatten. Die hiesigen Aerzte hoffen, der Seuche Einhalt gebieten zu können. In Petersburg aber liegen die Tinge außer- ordentlich im argen. Schon am 17. Juli wurden dort nach Mel- düngen aus HelsingforS an 1000 Fälle festgestellt. Seither bat sich die Epidemie schnell weiter ausgebreitet. Es fehlt nicht bloß an Aerzten. sondern auch an Medizin: niemand scheint sich um die Opfer der Seuche zu kümmern. Die Zustände werden als wabr- hast haarsträubend geschildert. Flüchteten bisher die Bewohner wegen der Hungersnot, so suchen sie jetzt vor dem neuen Würge- engel ihr Heil in überstürzter Flucht. WrtterauSsichtcn für das mittlere Rorddeuffchland bis Dienstag mittag. Ziemlich warm, zeitweise heiter, aber veränderlich, mit wiederholten, im Binnenlande meist geringen, an der Küste etwas stärkeren Regenfällen, strichweise Gewitter. Nerantwortl. f. Politik: Tr. Franz Dirdcrich, Berlin-Friedenan: für d. Ldrigen Teil des Blattes: Alfred Kchol», Neukölln! für Anzeigen I THeodor Slocke, Berlin. Verlag: BorwSrts-Berlag G. m. b. H., Berlin. Druck: Vorwörts-Bnckidruckerci und Derlagsanltalt Paul Singer u. Co. In Berlin. Lindenslraße 3. Wanzen undMotten mit Brut werden radikal vernichtet durch Wanzentod Pfeifferol in Flaschen zu 4,50 M., 3,— M., 1,75 M. und 1,— M. und Mottentod Pfeifferol(50 Pf.) überall zu haben. 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Juli, nach- mittags 31/, Uhr, von der Leichenhalle des Neulöllner GemcindcsstedhoseS, Rudo- werstraße aus statt Den Mitgliedern ferner I zur Nachricht, datz unser J Kollege, der Dreher Ml-ecl Molitor am 18. Juli im Lazarett gestorben ist. Die Beerdigung findet am DienStag, den 2Z.JuIi, nach- mitlagS 8 Uhr, von der Leichenhalle des Ehrenstied. Hofes Weihcnsec, Falken- bergstratze aus statt. Rege Beteiligung wstd er- wartet. Nachrufe. Den Mitgliedern ferner zur Nachricht, datz unsere Kollegin, die Arbeiterin Ida Kühn Siralsunder Siratze 7 am 3. Juli gestorben ist Den Mitgliedern seiner zur Nachricht, datz unsere Kollegin, die Arbeiterin Hedwig Schicketanz Neukölln, Emserstr. 116, am 10. Juli gestorben ist Den Mitgliedern jerncr zur Nachricht, datz unser Kollege, der Dreher Otto ündstätt Tegeler Weg 105 j am 14. Juli gestorben ist. Den Mitgliedern ferner ! zur Nachricht datz unser j Kollege, der Dreher Paul>ieumanli Kameruner Stratze 17 s am 14. Juli gestorben ist. Oeutnches Theater. LetetoWoche allabendl 8 Ü.: Max Pallenberg in Familie Stchimek. Den Mitgliedern(enter j zur Nachricht, datz unser �Kollege, der Schlosser widert Dörfert 1 Obcrschönewcidc.Luisenstr.lO | am 15. Juli gestorben ist. Ehre ihrem Andenken: Die Ortsverwaltnng. mit ckvm Schwank Tagt 7*/4. Sonnt S1/, u.Tlt Großer Lacherfolg! Gcsamt-Oastsplel des Herrnfeiil-Theaters Die Kriegs- gevmnler. HauptrolL: Dir. A. Hermfeld, Ferd. Grünecker. |Ser„HIAS"| Täglich 7'/, Uhr abends Walhalla- { Theater, Weinbergsweg| ItflWlfltl 1 km v. Bbs. Basdorf lllilutil Obst- u.Waldrarzeiien 23 M. p. Q.-R., 200 M. Anz.. I0j. Hyp. Näh. Anrui Steglitz 2391" B.tiilisen.Steglitz.Treitschkestlba Wir kaufen gebrauchte Bindfaden Zelluloid-,(Film- Hartgummi- Wachswalzen- Schallplatte«�. O r d o w er E. m. b. H., Georgenkirchftr. 50 lb. Alexanderplatz) Jricdrichstr. 45, Eike Zimmerstratze. 9-12'),, 2'/2-6'l,. Leiterwagen und alle anderen Transport giräte lief, billigst. Grotz. Borrai S.HVagfner, CSpenick. 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