Nr. 200. 33. Jahrg. --/-- Bezugspreis: Bi�teliShrl. 4L0 MI. monatl. I.KVMI. frei ins Haus, voraus, ahwsatt essen zu wollen, kann nur ein Kriegsgewinnler wagen. Sogar das harmlose Vergnügen, sich ini Wald sein Tästchcn Kaffee-Eriatzbrühe zu kochen, ist dem Ausflügler ver- sagt. Die Kocher und Töpfe aus leichtem Aluminium sind längst der Be- schlagnahme verfallen, und wer sich etwa Ersatz aus schwererem Metall angeschafft hat, kann auch ihn jetzt im Walde nicht benutzen, weil er kein Feuer anmackien darf. Wieviel sonstige Verbote noch den er- holungsbedürstigen Grovstadtbewohner einengen und ihm das Leben erschweren, wissen wir im Augenblick nicht auswendig. Wir können aber jedem, der einen Sonntagsausflug plant, nur auss dringendste raten, zuvor einen Unterrichtskursus über die einschlägigen Gesetze und Verordnungen zu nehmen. Daß man im Walde z. B. Zelte nicht ohne besondere Erlaubnis a u f st e l l e n darf, ist auch nicht allen bekannt. Tie Genehmignng wird immer für bestimmte Forsten erteilt, woraus sich ergibt, daß sie außerhalb des bezeichneten Gebietes nicht gilt. Ucbel ist es einer Gesellschaft von zehn jungen Leuten ergangen, die an einem der letztenSonntageeinenAusflugnachden beiLanke gelegenen Waldungen der Stadt Berlin machten, sich um die Mittagszeit am Helsee lagerten und dabei zwei Zelte aufschlugen. Bald erschien ein Forstbeamter in Uniform mit einem Begleiter in Zivilkleidung, und die ahnungslosen Ausflügler mußten sich be« lehren lassen, daß sie einen strafwürdigen Frevel verübt hatten. Sie hätten hier ihre Zelte nicht aufschlagen dürfen, denn der Zelt- ssbein, den sie vorwiesen, gab ihnen nur die Genehmigung jür königliche Forsten. Was hatten sie davon gewußt oder daran ge» dacht, daß dieses Wäldergebiet der Stadt Berlin gehört! Aber der Herr in Zivil ließ nicht mit sich handeln, sondern verlangte Her- gäbe der Zelte oder zur Vermeidung eines formellen Strafbefehls die sofortige Zahlung von 5 Mark pro Kopf, worüber jedem auf Wunsch später eine Ouittung zugehen werde. Ihm wurde geantwortet, man könne doch höchstens die Besitzer der Zelte in Strafe nehmen. Er erklärte, auch die Milbenutzer hätten sich strafbar gemacht. Die Forderung sofortiger Zahlung erstreckte sich sogar auf alle Ausflugsteilnehmer, von denen einige die Zelte nicht mal benutzt hatten. Die ganze Verhandlung schien zwar manchem etwas sonderbar, doch bequemten sich schließlich alle dazu, den ge- forderten Betrag sofort zu zahlen. Der Herr in Zivil, der die zehnmal fünf Mark nach einander in seine Westentasche versenkte, wäre für einen Schwindler gehalten worden, wenn nicht die Uni- form des ihn begleitenden Forstbeamten das nötige Vertrauen er- weckt hätte und er sich nicht unter Vorweisung einer Blechmarke als Beamter der Stadl Berlin bezeichnet hätte. Mit den Ausflugs- teilnehmern nehmen auch wir an. daß er ein in Zivilkleidung den Wald durchstreifender Forstbeamter war. So alio kann's einem gehen, wenn man im Gebiet der von der Stadt Berlin erworbenen Herrschast Lanke seine Erholung sucht! Als vor fünf Jahren der Magistrat die Stadtverordneten um ihre Zustimmung zum Ankauf für'fast 20 Millionen Marl ersuchte, be- gründete er jenen Antrag unter anderem auch damit, daß die Wal- düngen um Lanke ein vielbesuchtes Ausflugsziel sind und für die Bevölkerung hoben Gesundheirswert haben. Das geschilderte Vor- gehen jenes Forstbeamteu paßt schlecht zu der Zweckbestimmung, die damals so milbetont wurde. Hatte er nöt'g, sofort eine Strafe festzusetzen, statt den Zeltabbruch zu fordern und ffch mit Ver- Warnung zu begnügen? Wir bezweifeln, daß auch die Mitbenutzer sich einer Uebcrtretung schuldig gemacht hatten. Hier wurden aber sogar Personen, die nicht mal Mitbenutzer waren, in Strafe ge- nommen. Wir erwarten, daß die sofortige Rückzahlung der zu Un- recht erhobenen Strafgelder angeordnet wird. Darüber hinaus utuß gefordert werden, daß der Berliner Magistrat alles tut, jede unnötige Belästigung der in den Wäldern um Lankle ihre Erholung suchenden Ausflügler zu verhüten. Wie denkt nian sich eigentlich den Schutz der Volks- geiundheit, wenn der Bevölkerung und ihrem Nachwuchs die Er- holung vergällt wird? Jfl es nicht in dieser Zeit der Not mit ihrer Bedrohung der BolkSgesundheit geradezu Pflicht, uns jede ErholungSmöglichkeit so ungejchmälcrl wie möglich zu lassen? Alles soll geschont, mit allem soll gespart werden— nur die Kraft des Menschen scheint man für unerschöpflich zu halten. Vom Wohnungsverband Grofj-Bcrlin. Die Verhandlungen über die Bildung eines WohnnngS- Verbandes Groß-Bcrlin haben zu einer Einigung zwischen den be« teiliglen Gemeinden noch nicht geführt. Uebereinstimmung besteht darin, daß die Wohnungsnot in Groß-Berlin durch eine Zentral- stelle bekämpft werden müsse, auch in der. Hauptsache über den Um- fang dieser Aufgabe, allein über die Mittel zur Lösung gehen die Meinungen der einzelnen Gemeiiiden noch auseinander.' Hauptsäch- lich bestehen Meinungsverfchiedeiiheilen über die Art der Auf- . bring ung der erforderlichen Mittel zur Herstellung von Wohn- und Unterkunstgelegenheiten. Den Vorschlägen der öst- lichen Gemeinden, insbesondere Neuköllns und Lichtenbergs, die Heranziehung der einzelnen Gemeinden zu den Kosten nach ihrer Steuerkraft zu regeln, stehen die westlichen Vororte ablehnend gegenüber, die die Verteilung der Lasten aus die einzelnen Ge- gemeinden nach der Einwohnerzahl geregelt wissen wollen. Infolge dieser Gegensätze wurden die Verhandlungen auf kommenden Tonnerstag verlagt. Inzwischen soll versucht werden, die Meinungsverschiedenheiten auszugleichen, die auch in bezug auf die in den Verbandsausschuß zu entsendenden Vertreter der einzelnen Gemeinden hervorgetreten find. Nach dem Entwurf für die Verbandssatzungen tollen nämltcki auf Berlin der Vorsitzende und zehn weitere Mit- glieder entfallen, während den übrigen fünf Stadtgemeinden und den beiden Landkreisen Teltow und Niederbarnim nur je zwei Vertreter zugebilligt worden find. Es soll versucht werden, durch eme Lastenverteilung auf Grund der Steuerkrast und der Ein- wohuerzahl eine andere Zusammensetzung des Verbandsausschusses eine Einigung zu erzielen._ Hauswirte und Kriegerfrauen. Den Antragsformularen auf Gewährung der Mietbeihilfe werden mit Gummistempel die Worte aufgedruckt:.bis auf weiteres" oder.für die Dauer der Einberufung." Vorsorgliche Hauswirte streichen bei der Erklärung zur Mielsprei�ermäßigung den zweiten Satz und sind nun in der Lage, den zugestan- denen Mietsnachlaß jederzeit rückgängig zu machen. Von den Frauen können sie die schriftliche Verpflichtung fordern, diesen Teil der Miele fortab ebenfalls zu zahlen, mit der Drohung, daß thnen sonst auch die Mietbeihilfe entzogen wird. Da die Gewährung der Mietbeihilfe der Stadl Berlin in der Regel von der Gewährung eines MietnachlasieS abhängig gemacht wird, fällt mit Aufholen des MielnachlaffeS auch die Mietheihilfc fort. Nur wenn dem der Hauswirt sich selber in einer ungünstigen wirtschaftlichen Lage befindet, wird die Mietbeihilfe auch dann gewährt. Nun wäre die Entziehung des etwa 3 bis 4 M. monatlick betragenden Miet- Nachlasses für die Kriegerfrauen. die erwerbstätig sein können, noch erträglich. Doch geht dieser Entziehung nicht selten eine direkte ein- und zweimalige Steigerung des Mietsvreises vorauf. Eine Frau, die sich mit der Erhöhung des Mietpreises um etwa 6 M. einverstanden erklärt, würde dies nicht ohne vor- herige Anrufung des Mieteinigungsamts tun, wenn sie wüßte, daß hinterher auch noch die Entziehung des Mietnachlasfes kommt. Die Furcht vor einem Wohnungswechsel in gegenwärtiger Zeit zwingt viele Kriegerfraueq, sich zu Mietsteige- rungen zu verpflichten, die sie einfach nicht tragen können. In manchen Fällen scheint es direkt darauf abgesehen zu sein, durch unverhältnisniäßig Hobe Steigerung die Frauen zur Kündigung zu zwingen. Man g,bt ihnen den Rat, sich eine billigere Wohnung zu suchen, da es ihnen ja doch schwer fallen dürfte, den erhöhten Mietpreis zu erschwingen. Es ist die höchste Zeit, daß auf diesem Gebiete Wandel ge- schaffen wird. Die im Felde stehenden Männer dürfen nicht mit der Sorge belastet iverden, daß sie bei der Heimkehr eine beträchtliche Mietschuld vorfinden und Gefahr laufen, mit ihrem unentbebrlichften Hausrat auf die Straße gesetzt zu werden, während die wertvolleren Möbel zurückbehalten werden zur Tilgung der Mietschuld. Ein bistchen mehr Sonntagsruhe. Die Abänderung der Bestimmungen über die Sonntagsruhe im Handel, die für Berlin im März dieses Jahres beschlossen wurde, soll nun endlich am 1. August in Kraft treten. Der Ober« Präsident bestätigte das neue Ortsstaiut unterm 27. Mai„mu der Maßgabe, daß dem Magistrat Berlur die Bestimmung darüber. wann daS Orlsstatut in Kraft treten soll, überlassen bleibt." Als der Magistrot es im Aoril dem Ooerpräsidenlen mit dem Antrag auf Bestätigung übersandte, hatte er in dem Statut bereits den I.Mai als den Zeitpunkt angegeben, an dem es in Krast treten sollte. Die von Berlin mit Vorortgsmeinden nochmals angeknnpten Verhandlungen wegenHerbeifllhrung einer für Groß-Berlin einheitlichen Sonntagsruhe scheinen der Grund zu sein, aus dem das Inkrafttreten des Statuts für Berlin schließlich noch bis zum 1. August hinausgeschoben wurde. DaS Berliner Statut bringt die völlige Sonntagsruhe für offene Verkaufs st ellen des Handelsgewerbes mit Ausnahme derjenigen des Nahrungs- und Genußmittel-, Blumen- und Zeitungshandels, für die es bei den bisherigen Bestimmungen bleibt. Bewilligt haben die Gemeindebehörden dieses bißchen Erweiterung der Sonn- tagSruhe nur unter der Bedingung, daß der Beschluß nur für die Dauer des Krieges gelten soll. Das niue Ortsstatut enthält in einem damals beschloffenen besonderen Zusatz geradezu die Verpflichtung, die Abänderungen nach dem Kriege wieder auf- zuHeben und ohne weiteres wieder das bisherige Statut in Kraft treten zu lassen._ Neue Höchstpreise für Gemüse werden vom Magistrat veröffentlicht. Danach betragen die Groß- Handelshöchstpreise für Möhren und längliche Karotten ohne Kraut 22 Pf., für runde, kleine Karotten ohne Kraut 32 Pf., für Mairüben ohne Kraut 8 Pf., für Kohlrabi mir Kraut 21 Pf., für Kohlrabi obne Kraut 27 Pf. je Pfund und die Kleinbandelshöchstpreise für Möhren und längliche Karotten ohne Kraut 30 Pf., für runde, kleine Karotten ohne Kraul 42 Pf., für Mairüben ohne Kraut 12 Pf., für Kohlrabi mir Kraut 30 Pf. und für Kohlrabi ohne Kraut 33 Pf. für das Pfund._ Sind Warschauer Bonbons„Delikatessen"? Vom. Magistrat Berlin wird uns geschrieben: Nach einem am letzten Sonnabend in der Tagespresse veröffentlichten Verhandlungs« bericht hat eine Berliner Ferienstraskammer einen Kaufmann, der ans Warschau eingeführte Bonbons im Großhandel umgesetzt hatte, obwohl er lediglich die polizeiliche Genehmigung für den Handel mit.Dellkatessen", nicht aber mir Lebensmitteln allgemein besaß und infolgedessen in erster Instanz zu einer Geldstrafe verurteilt worden war, freigesprochen. Die Strafkammer soll sich dabei auf den Standpunkt gestellt haben, daß Bonbons der fraglichen Art tatsächlich zu den Delikatessen gehörten. Das Urteil könnte, obwohl es zu dieser Frage nicht unmittelbar Stellung nimmt, geeignet erscheinen, in weilen Kreisen die irrtümliche Meinung zu erwecken, daß Warschauer Bonbons über Haupt nicht zu den Gegenständen des täglichen Bedarfs, sondern zu den Luxusarlikeln zu rechnen feien und infolgedessen völlig freier Preisbildung unterlägen. Dies ist bekanntlich keineswegs der Fall. An Hand der Rcchtiprechung des Reichsgerichts niüffen vielmehr Bonbons im allgemeinen und somit auch Warschauer Bonbons durchaus als Gegenstände des täglichen Bedarfs angesehen werden Die Staatsanwaltschaft ist im' übrigen bereits gebeten worden, gegen das Urteil der Ferienstraskammer das Rechtsmittel der Revision einzulegen. Gegen Obstpachttreibereien und Gemüseschicbungen wendet sich der Landrat des Kreises Niederbarnim Aucb in diesem Kreise drohen die Preistreibereien bei der Ver- steigerung von Obstbaumbehäligen, die im vorigen Jahre eingetreten sind und den Erwerbern vielfach die Einhaltung der Höchstpreise bei der Weiterveräußerung unmöglich gemacht hat, in diesem Jabre wiederzukehren. Der Landral weist deshalb darauf hin, daß e.ne Preistreiberei bei der Versteigerung von Obstbaumbehängen als unlautere Machenschast" im Sinne der Verordnung gegen Preis- treibereisn vom 8. Mai 1918 der Bestrafung wegen Kriegswuchers unterliegt, und behält sich vor, erforderlichenfalls besondere Maß- regeln zu treffen. Ferner ist bei der Niederbarnimer Kreisverwaltung zur Sprache gebracht worden, daß bei der Ver- teilung des Gemüses die Gemüsekleinhändler vielfach ihre alten Kunden bevorzugen sollen und andere Käufer mit Bemerkungen wie .Die Ware sei bereits bestellt"»nd ähnliches abweisen, so daß Per- sonen, die früher weniger Gemüse bezogen haben, nur schwer oder gar nicht etwas kaufen können. Der Landrat weist darauf hin, daß in einem derartigen Verhalten der Gemüsekleinhändler der Tat- bestand des§ 1 Ziffer 3 der Verordnung gegen Preistreiberei er- blickt werden kann, und zwar auch dann, wenn es sich nur um un- mittelbaren Gewinn handelt. Nach dieser Bestimmung wird mit Gefängnis oder mit Geldstrafe bis zu Ä00 000 M. oder mit einer dieser Strafen bestraft, wer Gegenstände des täglichen Bedarfs oder deS Kriegsbedarfs, die von ihm zur Veräußerung erzeugt oder er- warben sind, in der Absicht zurückhält, einen überniäßigen Gewinn zu erzielen._ Postverkehr mit deutschen KriegsgefunKcnen und Zivil- vcrschilkten in Nnstland. Um eine Nachrichtenübermittlung zwischen Kriegsgefangenen und Zivilverschickten einerseits und der Heimat andererseits zu fördern, hat das deutsche Fürsorgckomitee in Moskau cjne Zentralpoststelle für die deutschen Kriegs- und Zivilgefangenen und ihre Angehörigen eingerichtet. Jedem Krregs- und Zivilgefangenen ist es gestattet, zweimal monatlich eine Postkarte nach der Heimat zu senden. Die Postkarte wird durch Kuriergelegenheit der deut- schen Hauptkommisston in Moskau zugesandt und diese ihrerseits sendet die Post cm die PostüberwachungsiteSe Berlin O. 17, von wo auS die Zustellung an die Anzehöriasn eriolxen wird. In analoger Weife soll durch Vermittlung der Rote Krcuz-Vereine und Hilfen für kriegsgefangene Deutsche eine Nachrichtenübermittlung von der Haimar a* dix Gefangenen in big Wege geleitet werden. Gefangenen darf zweimal monatlich eine Postkarte von seinen An- gehörigen geschrieben werden. Diese Postkarte ist bei dem zu- ständigen Hilfsverein einzuliefern. Briefe jeglicher Art sowie Pakete sind von dieser Beförderung ausgeschlossen. Ist der Adressat der Postkarte nicht aufzufinden, so wird die Postkarte seitens der betreffenden Fürsorgekommission vernichiet werden, weil eine un- nötige Bclaftung der Kuriere vermieden werden muß. Es sollte deshalb von dieser Einrichtung erst Gebrauch gemacht werden, nachdem zuverlässige Mitteilungen über den Aufenthalt des be- treffenden Kriegsgefangenen oder Zivilvcrschickten vorliegen.— Diese Nachrichtenvermittlung ist lediglich als Ergänzung zu der all- gemeinen Eefangenenpost gedacht, welche nach Eröffnung des all- gemeinen PostVerkehrs zwischen Deutschland und Rußland wieder aufgenommen ist. Sie bezweckt, von den unzuverlässigen ruffischen Verkehrsverhältniffeu unabhängig zu sein. Geeignete Vordrucke können in Berlin entgegengenommen werden bei dem Zentral- komitee der Deutschen Bereine vom Roten Kreuz, Abteilung für Gefangenenfürsorge, Berlin SW. 11, Abgeordnetenhaus, Prinz- ?lkbrecht-Str. 5, Obergeschoß, Zimmer 15, werktäglich zwischen 10 bis 1 Uhr vormittags, 4 bis 6 Uhr nachmittags, wo auch die ausgeschriebenen Postkarten abzuliefern sind. - r Ein Ei kann auf Abschnitt 49 der Eicrkarte vom 23. bis 31. abgegeben und entnommen werden. Der Preis für diese von der Z.E.G. gelieferten, aus der Ukraine stammenden Eier darf in Berlin im Kleinhandel 56 Pf. für ein Ei nicht übersteigen. Eine Ermäßi- gung des recht hohen Preises hat sich, wie der Magistrat Berlin mitteilt, trotz Bemühung nicht erreichen lassen. Unerlaubter Papicrhandel. Obtvohl der Handel mit unbedrucktem Papier, Karton und Pappe bereits feit dem 24. Mai d. I. nur noch solchen Personen und Firmen gestattet ist. die mit diesen Waren vor dem 1. Januar 1916 Handel getrieben haben, wird der Handel trotzdem vielfach noch von Händlern fortgesetzt, die damit vor dem 1. Januar 1916 nicht gehandelt haben. Diese unerlaubte Fort« setzunq des Handels ist strafbar. Vielfach wird auch angenommen, daß die Verordnung nur den Großhandel mit Papier betrifft. Diese Annahme ist irrig. Auch die Ladengeschäfte, die Papier nur im Kleinhandel abgeben, bedürfen einer besonderen Handels- erlaubnis, sofern der Papierhandel erst»ach dem 1. Januar 1916 begonnen ist. Anträge aus ausnahmsweise Zulassung zu diesem Handel sind an die Handelserlaubnisstelle für den Landes- polizeibezirk Berlin in Berlin-Schöneberg, Apojtel-Paulus-Str. 9, zu richten. Im Drucksachenversand nach dem AitSland und den besetzten Gebieten treten vom 1. September Einschränkungen ein. Druck- schrrsten jeder Art dürfen, soweit ihre Aussuhr überhaupt zugelasinr ist. nach dem Auslände und den besetzten Gebieten im Postwege von Firmen nur versendet werden, wenn sie zur Aufliesernng bei bestimmten Postämtern zugelasien sind. Die Zulassung wird von dem Militärbefeblshaber erteilt, der für den Wohnort oder den Ort der Niederlassung des Versenders zuständig ist. Privat- Personen dürfen Druckschriiten nach dem Auslände und den be- setzten Gebieten nicht mit der Post versenden oder den Versendungs- berechtigten zum Veriand übergeben. Feldpostsendungen an An- gehörige des Heeres und der Marine sotvie an andere Feldpost- berechtigte werden hiervon nicht betroffen. Ebenso bleibt der Ver- fand von Zeitungen durch die Verlagspostanstalten(Postbezugl unberührt. Minderwertige Briefmarken und Postkarten. In letzter Zeit wird mit Recht über die geringe Klebfähigkeit der Briefmarken und die miserable Beschaffenheit der amtlichen Postkarten geklagt. Dw Postverwaltung stellt nicht in Abrede, daß sich in beiderlei Hinsicht die Verhältnisse gegen früher verschlechtert haben. Die Ursache davon ist in Schwierigkeiten zu suchen, die sich neuerdings bei der Herstellung des Klebestoffes und des Papiers ergeben und die sich vor der Hand angeblich nicht beseitigen lassen. Um zu erreichen, daß die Marken möglichst gut haften, empfiehlt es sich, daß� d'C Verbraucher sie vorsichtig und nur mäßig anfeuchten. Andernfalls wird von der Klebstoffschicht zu viel fortgenommcn, so daß die Marken dann unter Umständen absallen. Neber Mehlsurrogatc spricht am Mittwoch, nachmittags 6 Uhr, Prof. Dr. Gräbner im großen Hörsaal des Botanischen M u- s e u in s, Dahlem. Königin-Luisen-Str. 6— 8. Der Besuch ist un- entgeltlich. Kinder unter 14 Jahren werden nicht zugelasien. Ter ReichStagSpräsident als Verteidiger. In der bekannten Strafsache gegen den Inhaber des Restaurants Hiller, Gastwirt Alfred Walterspiel, der wegen Verstoßes gegen ver- schiedene kriegswirtschaftliche Verordnungen für das Gastwirts- gewerbe vom Schöffengericht zu einer höheren Geldstrafe verurteilt worden ist, stand gestern vor der Strafkammer 1 des Landgerichts I Termin zur Verhandlung in der Bermungslnstanz an. Als Ver- leidiger in dieser Sache war der jetzige Reichstagspräsident, Rechts- anwalt Fehrenbach, der auch schon in erster Instanz die Ver- teidicmng geführt hatte, angemeldet. Vom Präsidenten Fehrenbach lag aber ein Telegramm aus Baden-Baden vor, in welchem er mit- teilte, daß er an einem heftigen Gichtanfall erkrankt und aus diesem Grunde verhindert sei. an Gerichlsstclle zu erscheinen. Der An- geklagte selbst berief sich auf eine Reihe neubenannier Zeugen, die seine Nichtschuld bczw. seinen guten Glauben bekunden sollten.— Unter diesen Umständen beschloß der Gerichtshof, die Sache zu ver- tagen. Eine Bande von Eiscnbahndicven, an deren Spitze ein Zugführer stand, wurde von der Kriminalpolizei unschädlich gemacht. Bei dem Bahnhoiswirt Peters in Basdorf an der Reinickendorf— Liebenwalder Bahn stahlen Einbrecher in der Nacht zum Sonntag 26 Flaschen Seit, Zigarren, bares Geld und anderes mehr. Gleich nach Entdeckung des Einbruchs wurden die Bahn- siationen benachrichtigt, und c§ gelang, einen der Täter, eiuen 18 Jahre alten Schlosser Heinrich Beinling in Reinicken- d o r f mit seiner Beute festzunehmen. Bei den Nachforschungen in seiner Schlafstelle ergab sich, daß sein Schlafwirt, ein 29 Jahre aller Zugführer Bruno Matiasik von der Reinicken- dorf— Liebenwalder Bahn, mit ihm und einem zweiten Schlafburschen, einem fahnenflüchtigen Soldaten Schmidt, ge- werbsmäßig Einbrüche auskundschaftete und ausführte. Matiasik wußte auch von dem Einbruch bei Peter? und ließ die Einbrecher mit der Beute in seinen Zug einsteigen. In der Behausung der drei fand nian noch gestohlene Sachen aller Art, einen Kavallerie- und einen Jnfameriesäbel. ein Paar Infanterie- Schaftstiefel, Sliefelsohlen. Treibriemen, Waffenröcke, eine französische Kriegs- gesangenenjacke, einen Handkorb mit Reise- und Wirlschaftssachen und dergleichen mehr, dann auch einen Dreikantschüffel zum Auf« schließen von Eisenbahnwagen. Eharlottenburz. Lebensmittel. Es gelangen in dieser Woche ur Ausgabe: Fleisch. 250 Gramm, lllbschnitt 30a— k der Reichs- sleischkarte sKundenlisic). Der Käufer ist verpflichtet, soweit die Vorräte es erfordern, auf eine Fleischkarte 50 Gramm Wurst zu entnehmen. Kartoffeln bzw. Ersatz, Abschnitt 30s— e, zusammen 5 Pfund Kartoffeln; auf Abschnitt 30k und g vom 22. bis 27. Juli je 50 Gramm, zusammen also 200 Gramm Graupen, 15 Pf., oder Hülsenfrüchte, ungeschält 2« Pf., geschält 30 Pf., je nach Vorrat. Zucker,% Pfund, auf die Zuckerkarte vom 16. bis 31. Juli. Butter und Gier wie besonders bekmitgemacht.— Allgemeine Groß-Berliner Lebensmittelkarte mit Aufliruck Eharlottenburg: Teigwaren, 200 Gramm, Abschnitt 43 vom 18. bis 27. Juli. 1. Sorte zum Preise von 0,31 Mk., 2. Sorte zum Preise von 0,21 Mk. Suppen, 100 Jedem Gramm, Abschnitt.44, vom 18, bis ZT. Juli. 2 Aü-chel, 4 50 Gramm, AUM Preise von 1t> Pf. oder 2 Würfel S Fl) Gramm zum Preise von 13 Pf. Graupen, 200 Gramm, Abschnitt 45, vom 18. bis 27. zum Preise von 15. Pf. Suppen, 100 Gramm, Abschnitt 46, vom 25. Juli bis Z.�Aupust. Kriegssuppe Nr. 22 zum Preise von 18 Pf. oder Kriegssuppe Nr. 29 zum Preise von 19 Pf. oder Morgentrank zum Preise von 45 Pf. für die 250-Gramm-Packung. Graupen, 200 Gramm, Abschnitt 47, vom 25. Juli bis 3. August, zum Preise von 15 Pf. Kunstbonia. 250 Gramm, Abschnitt 54, vom 13. bis 27. Packetware zum Preise von 38 Pf. oder Ausstichware zum Preise von 37 Pf. Auslandsmannslade, 225 Gramm, Abschnitt 55, vom 25. Juli bis 3. August, zum Preise von 84 Pf.— Note Nahrungs- mihellarte: Räucherwaren,% Pfund, Abschnitt 196, sowie auf Ab- schnitl„D 6" der Berliner Bezugskarte. Salzheringe, A Pfund, Abschnitt 197, vom 1. Juli ab, zum Pfundpreise von 1,25 M. Frische See- oder Flußfische, je 1 Pfund, Abschnitt 200, sowie auf Abschnitt «S g" der Berliner Bezugskarte. Pankow. Lebensmittel. In dieser Woche dürfen auf die 4 Ab- schnitte 1l7a und d der Kartoffelkarte je 14 Pfund, zusammen also böchstens 2 Pfund Kartoffeln abgegeben und entnommen werden. Aus die Abschnitte 117c— x dürfen Kortoffeln weder abgegeben noch entnommen werden. Diese Abschnitte dürfen bis auf weiteres von der Kartoffelkarte nicht getrennt werden, auch nicht in Schank- und Speisewirtschaften, Als Ersah für die Kartoffeln auf die Abschnitte 117c— g werden andere Lebensmittel ausgegeben. Das Nähere wird noch bekanntgegeben werden.— Soweit noch Bestände an Marmelade bei den hiesigen Kaufleuien und Händlern vorhanden sind, können auf den Bezugs- und Ouittungsabschnitt 100 der Pan- kower Lebensmittelkarte 125 Gramm Marmelade entnommen wer- den. Der Preis beträgt für 125 Gramm 0,23 Mt. Cöpenick. Stadtseitig verteilte Lebensmittel gelangen von Donnerslag, den 25., ab in den LebenZmittelhandlungen der Stadt zum Verkauf. — Eine Versammlung der Ardeiter und Arbeiterinnen, welche die O st bahn iStrastenbahn) von Cöpenick nach Ober- schöneweide zur Arbeitsstelle benutzen, findet am Sonntag, den 28., vormittags lOV� Uhr, im Stadttheater statt, in der Bericht über die Verhandlungen mtt der Direltion der Straßenbahn und dem Kriegsamt bezüglich der Tagesgültigkeitsdauer der Arbeiter- Wochenkarten gegeben wird._ Reinickendorf. Lebensmittel. Auf Abschnitt 52 und 58 der Lebensmittelkarte Groß-Berlin werden zusammen 450 Gramm Marmelade verteilt. tAbschnitt 52 225 Gramm und Abschnitt 53 225 Gramm.) Die Anmeldung bei den Kleinhändlern und den amt- l-chen Verkaufsstellen hat bis einschließlich 24. zu erfolgen. Ver- kaufspreis für 1 Pfund 92 Pf.— Der Gemcindevorstand ist evtl. in der Lage, Gänse für Private beschaffen zu können. Interessen- ten wollen umgehend ihren Bedarf schriftlich beim Ernährungsamt anmelden._ Groß-Serliner parteinachrichten. P"1' Köpenick. Mittwoch, den 24.. abcndS 8 Uhr, im Stadt-THeater Versammlung der Parte'organisation. Bericht des Vorstandes, Neuwahl desselben sowie die nächsten Stadtverordnetenwahlen stehen zur Besprechung, daher zahlreiches und pünktliches Erscheinen dringend notwendig._ Gerichtszeitung. Post, und Strastenbahn-Nervosität. Zwei Beleidigungsklagen, die zwei Abteilungen des Kriminal- aerichts beschäftigten, haben ihren Ursprung in der immer mebr sich verbreitenden Berkehrs-Nervosität. Der Redakteur Ernst D i e tz e in Groß-Lichterfeide, Herausgeber der Zeitschrift„Natur und Ge- sellkchast", hatte, wie er angibt, unter den Irrtümern und Unregel- Mäßigkeiten in der Postbestellnng schwer zu leiden und sah, daß alle Schritte, die er zur Abstellung des auch von anderen Bewohnern von Groß-Lichterfelde gefühlten Uebels unternahm, erfolglos waren. Er geriet darüber in große Erregung und richtete an den dortigen Poftdirektor Note boom, den er als verantwortlich für die im Postbetriebe in die Erscheinung getretenen Nachlässigkeiten erachtete, mehrere Schreiben. Darin machte er ihn in sehr temperamentvoller Weise und in recht deutlichen Worten Vorhaltungen über die zutage getretenen Mängel, beschwerte sich darüber, daß der Postdirettor an- scheinend nicht die Kraft habe, sie abzustellen, erklärte, daß ihm mehr auf die Finger gesehen werden sollte usw. Dazu trat noch «in telephonisches Gespräch mit dem Postdirektor, in welchem er diesen u. a. sagte:„Sie haben die-Allüren eines Bureaukraten, Sie tyrannisieren das Publikum." Das Schöffeingericht hatte den An- geklagten wegen Beleidigung zu 3 0 0 M. G e l d st r a f e verurteilt. Hiergegen war von beiden Seiten Berufung eingelegt worden. Vor der 1. Straffammer des Landgerichts II beantragte der Staatsan- walt eine Erhöhung der Strafe aus 6 0 0 M. Rechtsanwalt S ch a- per gab zu, daß sich der Angeklagte Wohl im Tone vergriffen habe, behauptete aber, daß es sich nur um scharfe Kritiken handle, die kein beschimpfendes Wort enthielten. Der Angeklagte müsse deshalb freigesprochen werden.— Das Gericht billigte dem Angeklagten aus gleichen Erwägungen den Schutz des Z 193 St. G.B. zu, verwarf die Berufung des Staatsanwalts und sprach den Angeklagten frei. Der zweite Fall der Verkehrs-Nervosität führte den Kaufmann Eugen von Bernhardt vor das Schöffengericht Berlin-Schöne- berg. Der Angeklagte wartete am 4. Januar sehnsüchtig, aber lange Zeit vergebens in Friodenau auf das Erscheinen des Wagens der Linie 61. Als nach fast halbstündigem Warten und nachdem schon zwei Wagen der Linie 60 vorübcrgefahren waren, endlich der Wagen 61 erschien, beklagte sich der sehr erregte alte Herr bei der Schaff- nerin über das lange Ausbleiben des Wagens. Als die Schaffnerin erklärte, daß sie doch nichts dafür könne und im übrigen Loch schon zwei Wagen Nr. 61 vorübergekommen sein müßten, geriet der An- geklagte noch mehr in Zorn und herrschte sie mit beleidigenden Worten an wie„Unverschämte Lüge!",„Unverschämtheit!"„Maul- halten!",„Euch Weiber müßte man auf einen Hausen stellen, mit Petroleum begießen und dieses anzünden!"— Die Straßenbahngesellschaft hatte für die Schaffnerin den Stcasantrag gestellt,— Der Angeklagte behauptete, daß oie Schaffnerin zuerst das Wort „Lüge" gebraucht und ihn weiter dadurch gereizt habe, daß sie im Wagen hin- und hergelaufen sei und andauernd„zakeriert und ran- daliert" habe. Das Schöffengericht sah die Beleidigung als er- wiesen an, hielt aber dem Angeklagten zugute, daß er unter der nervenerregenden Verkehrskalamität gelitten und verurteilte ihn deshalb nur zu 15 M. Geldstrafe. Der Markthallenstand als Mitgift. Wenn sonst eine Heirats- fähige Tochter einen.Stand" milbekommen soll, so meint man damit natürlich einen Stand Betten. In einem vor dem Berliner KaufmannSgericht verhandelten Falle bestand aber das Mitgiftversprechen in einem Stand in der Markthalle, und zwar war es die Geflügelhändlerin Malwine P., die das Versprechen ihrem Sohne gegenüber abgegeben haben sollte. Der Sohn Viktor P., der gegen seine Mutter Klage erhob, behauptete nämlich im Prozeß, die Mutter hätte erklärt, sie richte ihm einen eigenen Stand in der Halle ein, wenn er heirate. Er seinerseits hätw die Bedingung erfüllt, indem er ein anständiges und fleißiges Mädchen zur Frau nahm, die Mutter aber hätte ihre Zusage nickt gehalten und ihm für seine Tätigkeit in deren eigenen Stand kein Gehalt gezahlt, obgleich sie ihm 300 M. monatlich versprochen hätte. Die verklagte Mutter freilich gibt eine andere Darstellung des Sach- Verhalts. Wenn der Sohn sich bewährt hätte, dann hätte sie ihm vielleicht einen Stand eingerichtet, der junge Mann sei jedoch sehr leichtsinnig, verstehe nicht mit Gels umzugehen und habe ihr schon viele Tausende gekostet. Ihre Hoffnung, daß der Sohn sich in der Ehe bessern würde, habe sich nicht erfüllt. Das von ihr angekauite Geflügel habe er weiterverkauft und das Geld in seine Tasche gesteckt. Sie habe den Sohn zahlreiche Male auS dem Markihallenstand hinausgewiesen, er war nicht los- zuwerden.— Da die Beweisaufnahme auch kein klares Bild davon abgab, ob hier ein richtiges Dienstverhältnis zwischen Mutler und Sohn vorlag, so empfahl das Gericht beiden Parteien, den Streit mit einer Zahlung von 150 Mark zum völligen Ausgleich aus der Welt zu schaffen. Es mache, so bemerkte der Vorsitzende, einen recht peinlichen Eindruck, wenn sich Multer und Sohn, zumal in der jetzigen Zeit, derart befehden. Der Vergleich kam auch in dieser Höhe zustande._ Ms aller Welt. folgenschwere Explosion einer Munitionsfabrik. Perlin, 22. Juli. Amtlich. Tie in Plauen befindliche Munitionsfabrik A. E. G. ist am 19. d. M. nachmittags, vermutlich durch Selbstentzündung von Sprengstoffen teil- weise zerstört worden, wobei außer beträchtlichem Sachschaden leider auch e i n e g r ö ß e r e A u z a h l von Menschen- leben zu beklagen sind. Der Brand war nach 2>/z Stunden durch die Feuerwehr gelöscht; eS ist zu hoffen, daß der Betrieb bald wieder aufgenommen werden kann. Explosionen in einem französischen Bombendepot. Bern, 21. Juli.„Progres de Lyon" teilt mit, daß im Arsenal in C a st r e s eine Reihe von Explosionen in einem Bomben- und Sprengstoffdepot stattgefunden habe. Nack der ersten Explosion wurde Anordnung auf Räumung der Stadl erteilt. Tank dieser Maßnahme ist die Zahl der Opfer, obwohl genau»och nickt be- kannt, gering; der Schaden in der Stadt ist sebr groß und erstreckt sich bis auf zehn Kilometer im Umkreise. Eine Explosion deS Pulverlagers und der Hauplladestäiten konnte bisher verhinderl werden._ Groster Brand im Hafen Piräus. Bern, 22. Juli. Wie„Agcnce Hellenique" aus dem Haag meldet, berichten die englischen Blätter, daß ein großer Brand gewaltige Mengen Kriegsmaterial und HeereS- lieferungen im Hafen Piräus vernichtet habe. Ter. Schaden soll mehrere Millionen Pfund Sterling betragen. Jugenöveranstaltungen. Arbeiterjugend Neukölln. Morgen Mittwoch, abend- 8 Uhr, im Jugendkeim, Berliner Straße 86/87, Bortrag des Stadtverordnelen Pätzel über: Fritz Reuter, mit Rezitation. Wasserpandsnachrichten der Loudesanftalt für Gewäsierkunde, mitgeteilt vom Berliner Wettcrbureau. ZvctterauSilctiten iür da- mittlere Norddeuttchland vis Mittwoch mittag. Mäßig warm, veränderlich, vorwiegend woltig und im Küstengebiete ziemtich zahlreiche, im Binneiilande mehr vereinzclie, meist geringe Slegcnsälle. strichweise Gewitter. erscheint im„Vorwärts" der Stellen- ßl rt __ Nachweis. Linter vielen Angeboten im„Vorwärts" mit seinem ausgedehnten Verbreitungbezirk SüMltk MW. Abonnementspreis monatlich 1,50 Mark frei ins Kails. Name Beruf Wohnort Straße?. Stock. Bei wem? bestellt ab l. August den„Vorwärts" zunl Preise von l,5l1 M. per Monat frei ins Kails. Diesen Zettel wolle man ausgefüllt an die Kaupt- erpedition, Verlin SW, Lindenstraße 3, senden. Theater. LetzteWoche allabendl 8 II.: Mas Rallenbarg in Familie Schimek. Tiammep«plcle. Allabendlich Uhr: Inkognito.(Operette.) VoIkabtthnejTh.a. BHlowpi. Allabendlich Ist, Uhr: Ein Sommernachtstpaum. Tbeater des Westens Allabendlich 7'/, Uhr; Die Tänzerin. Theater i Königgrätzerstr. 8 Uhr: Die SchweBtern und der Fremde. Komödienhaus 8 Uhr: I>ie 2Sarln. BerlinerTheater ("U.: liUtzblaneH Blnt. fieatep ilsr FrisilPleMt. Ecke Friedrich- u. Liniensfcr Telephon: Norden 8650. TSgllch 7-/, Uhr; Die erste Teige. Sonnt, nachm. 3'/� kleine Pr.: .fugend. Äämiralspatasl. | Sie Prinzessin von Iragantj jiajdah. Deutsche Tänze.| Kühler Aufenthalt, 7'U Uhr. 2, 3, 4, 5, 6 M. Kastanienallee 7— 9. Täglich 5 Uhr in vollständig neuer Bearbeitung: 3® M!le«MM. Große Bossen. Revue in 5 Bildern Dazu oio groOeri. Spezialitatee Theater für Dienstag, 22. Juli. Central-Theater mm- Die CsaräasWn. Deutsche« Opernhans t'/.u.: Die sehiiae fleleca. Frtedrich-Wllhelmst. Theater 7'/. mir: DasDPBiffliöerlliaüs. Kontische Oper 7 V.:' Kleines Theater 8 Uhr: Arisfid und seine Fehler mit Bassermann. Metropol-Theater Die Rose van Stambul. 7'/, Uhr: liustsplethans 7*/« Uhr: Die spanisctie Fliege Neues ßperettenhaus Tv.uhr: Oer Soldat öerMarle. Hesidense-Thcatcr 7-,. mr: Flinnner-Kläpchen, Schiller-Th. tlhari. 7',. uhr: Alt-HeiÄrg. Thalia Theater i�BnterderbliendcnLinde Theater am Nollendoriplatz VI, Uhr- Monal-TliealeF 8/48: Mäuschen. Zirkus Busch-Gebäude.— Tägl. 7'/, Uhr gr.Voi Stellung. Jeden Jeden Mittwoch u. Sonnabend Vorstellungen 8 und 7*1, Uhr. Für die Nachmittags-Vorstellungen am Mittwoch und &ouaabend zahlen Erwachsene und Kinder halbe Pneise. Nachmittags stets ungekürzt Riesen-Abendaufführung des gl. Manege-Schaustücks„Torpedo— los!" Reichsliallsn-TMr. Gaatsplel der Leipziger Seidel-Sänger. Anfang Ab I.Aug. Steftiner Sänger. Reichshailen-Saal u. Garten Bltäthgen- Konzert. Rose-Theater. iff-u.- Die Pttessin toibE Gattenb.: Bitte rechtfreundlich! DERJ1AS1 Tägl. 71/, 17. abends. J Morgen Mittw. nachm. j S'l, Uhr: Familien- und I Schülervorst. z. kl. Pr.| Walhalla- | Theater, Weinbergeweg| mit dem Schwank Tägl. 7»/4. Sonnt. S'/.u.?'/« Großer Lacheriolg! Ocsanit-Ciaisteiplcl des Herrnfelo- Theaters Die Kriegsgewinnler. Hauptroll.; Dir. A. Herrn- kela. Ferd. Grüneokor, Trianon-Theater Bhf. Frledrlchstr. Ztr. 4927. 2391 8 U. Zum 326. Male: Der Sebenssehülcrr. Kaiser-Titz, Bildt, Flink, Sonnab nachm.'/,4 U. kl. Pr.: Schneewittchen. Sonntag 4 Uhr: Jshannisleusr. O "2,~ e Kennen Sie die Wohltat einer Leibbinde? Sämtliche Systeme am Lag. resp.nachMoßanfertig. sowie BruGhbandagen a1" Artikel z. Cici-nndheits- und Krankenpflege. Pollmann, Bandagist, Berlin N., Lothringer Str. 60.* Lieferant füx Krankenkass. H. Pfau, Eandagist �""Direksenstr�O zwttch. Babnb. Alexanderpiatz u Volizetpräsid.— Amt Kst. 3208 Für Hamen Frausn-Bedisniing. Aeieranl tür alle Krankenkass. Korken zu den jetzigen erhöhten gesetz. lichen Höchstpreisen laust Sperber, 286/19* Zehdenicker etc. 13. Nord. 4803. Zügel. Ausläuscc. Wird auch ab- geholt. Vvgevdsße Erwerbs- MSgllchheHen bietet die nächste Zukunft Eine t!ei greifende Änderung unsere« gesamteii Wirtschaftsleben», ein gewaltiger Aul- »chwung unserer Industrie u. des Handel« steht bevor, und es werden überall geschulte Krcihe gesucht ieln. Angehörige technischer Berufe u. Handwerker«ollen nicht versäumen Ihre Kenntnisse und Fertigkeiten der kommenden Zeit anzupassen, um teil runehmen an den wirtschaftlichen Er folgen, die naturgemäß dos Ergebnh !es gewaltigen Ringens sein müssen Das beste Mittel, rasch und gründlich ohne Lehrer, durch einfachen Selbst uuterrlcht eine erundiiehe Ausbildung In technischen Wlssenschcften zu er werben, sind die technischen Selbst 'jnterrichtswferke,,Sy*t.K.arn«ck Hachleld". 80 5. starke Bro schäre kosrenlos. Bonncss£ Hachfcld, Potsdc» Postlnob 167 BUCHER UND \ ZEITSCHRIFTEN f jeder Art liefert die Buch ' äandlungVorwärts, Berlin iW. 63, Linden str. 3. Bestellungen nimmt jede 1 Filialexpedition sowie die Zeitungsausträgerin an. Cigaretten 1000 1 u 88 M.* 1000 I F 130„ o. M. 1000 I F 135„ m.Gold Versand gegen Nachnahme oder Vorhereinsendung nur sortiert zu gleichen Teilen. Auch von 100 Stück an. Nur an Verbraucher und Gastwirte. Fredy, Clgaretlen- Vertrieb Norden, Berlin N 54, Brtmaensti-aBe 17. Fcrnrul Norden 2343. gUT" Geöffnet ununterbrochen von Vi9— 6 übr. Deutsiiicr Buchbinder-Vfrband. (Zahlstelle Berlin.) Den Mitgliedern zur| Nachricht, daß unser lang- jähriges Mitglied, die| Kartenarbcilenn Anna Blanbois verstorben ist. Ehre ihrem Andcilkc»! Die Beerdigung findet am Dienstag, den 23, Juli, nachmittags 4 Uhr, auf dem Franz. Rejormicrien Kirch- boi in Pankow, Wollanl- jtraße, statt. Um zahlreiche Tgclciligung ersucht 23/12 Hie Ortsvenvaltiuig. ■ 1 ms« Ii iniiiiii— niiiiiini Hrüeltcr-Raiifabrcrvereln örisgruppc Cegel. Am 20. d. 31. verstarb miolge seiner schweren Per- wundung nach fast emjähri- gein Krankenlager unser lieber Freund und Sport-- genösse Gustav Preuß. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet Mittwoch, nachm. 4'/, Uhr. von der Leichenhalle des Wittcnaucr FricdhoseS aus statt. 2771b Freunde und Bekannte werden gebeten, dem Ver. storbencn daS letzte Geleit zu geben. Der Gruppenleiter. Verein der Freidenker � stattung. Sitz Berlin. Gegr. 1905. Am 19. h. MIS. verstarb unser Mitglied, Frau Wilhelnilne Hein geb. Riemer(Rcinidendorj). Ehre ibrem Andenken! Die Einäscherung siiidet Donnerstag, den 20. d. M., vormittags 11 Uhr, im Krematorium, Gcrichiilr..'.7. statt. 298/10 Um zahlreiche Beteiligung ersucht Der Borstand. ZNLÄMrÄi Gr. med. Reinhardt, Pßls�igerstr.llI�"™o Sydhilis, Harn-, Frauenleiden, Blutuntersuchungen.MobeniitcS, erfolgreichst. Heilverfahren. Teilz. Siebe48Leit.siark.Brolch.0,60M., nach außerhalb verschlossen 1 M iMilll, ÄÄ« MartlN-LutHcr.Staße 44, Dau- singer. Rollendorfs 1725. 83/12 Spesdalarzt Ilde. III eck. Kcebcn für Geichlechtskrankbciten, Haut-, Harn-, Frauenleiden, norväs. Schwache, Bcln- kranke. Behandlung sohneil, sicher u.schraerz- los ohne Berufsstörung in Or. Homeyer& Co. konz.Labor. f. Blutunters. Fäden im Harn usw. Frieilrlclistr.SU�lk: !(öniiStr.5S8]Äubsor Spr. 10-1 u 5-8, Sonnt. 10-1. Honorar mäBig, a. TeiUahl. Separates Damenzimmer. 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Inmitten von Bauern- gärten» ja selbst von Getreide- lind Kartoffeläckern, stehen die ein- stöckigen, mit seltenen Ausnahmen zweistöckigen Häuserchen. Ein Paar Kühe, das zur Bewirtschaftung des Landes erforderlich ist, ge- hören � zum Bestand jedes Haushaltes. Jnsolgedessen sind die .Straßen", Feldwege und Wiesenfleckchen mit Kuhfladen reichlich belegt. Und eben diele sind das Lockmittel, das den merkwürdigen Bogel, der sonst ein schlauer Gesell ist, bis in unmittelbare Nähe der Menschen zieht. Sein.Lacken" vernahm ich schon am ersten Morgen meiner Anwesenheit, zu Gesicht bekam ich ihn vorläufig nicht. Bei� meinen täglichen Spaziergängen konnte ich wohl die lebhafte Wasseramsel am forellenreichen Bächlein beobachten, sah in dem klaren Waldbach auch Scharen von rolgetiipften Forellen hin- und , herschicßen, den Lacher konnte ich jedoch nickt entdecken, wiewohl ich sein.Hup, hup!" immer häufiger vernahm und sein„Hihihi I" immer näher klang. Da, eines wunderschönen aber empfindlich kühlen Morgens, bemerkte ich ihn bei seiner an und für sich höchst unappetitlichen, für den Bogel freilich sehr appetitlichen Beschäftigung: > er durchsuchte nämlich auf einem Wiesenfleckchen die Kuhfladen nach Maden und Würmern, die seine Lieblingsnahrung sind. Wenn schon das Federkleid des Vogels nicht gerade bunt ge- nannt werden kann, so hebt sich das Weiß der Binden auf den Schwingen und des halbmondförmigen Ouerbandcs auf dem fchwarzgefärbten Schwänze von dem rostroten Grundton des ) Gefieders doch- reckt vornehm ab. Dazu kommt die fächerförmige ' Scheitelhaube, die aus bellrosifarbigen und schwarzgespitzien Federchen in zwei Reiben gebildet ist. Diele Haube ist gewisser- inaßen das Signal für den Gemütszustand des Wiedehopfs: Schreck, Neugier, Aufmerksamkeit. Alles findet in dem schnelleren und lang- sameren Entfalten und Zusammenlegen dieses Kopssächers seinen Ausdruck. Aber auch sonst ist der Vogel eine anmutige Erscheinung. Leicht und gefällig sind seine Bewegungen; rasch läuft er auf dem Boden dahin; jeden Schritt begleitet der den Schnabel stets abwärts ge- senkt tragende Kopf mit einem Nicken. Jetzt breitet er seine Feder- baube radförmig aus und verneigt sich auf das zierlichste; jetzt trippelt er geschäftig umher, bleibt plötzlich stehen, fixiert mit seit- tvärts gebogenem Kopfe einen vorüberfliegcndcn Vogel, wirst sich, sobald cr in diesem einen Raubvogel gewahrt, platt auf den Boden, breitet Schwanz und Flügel aus, streckt den Schnabel auswärts und verharrt in dieser absonderlichen Stellung so lange bis der Räuber nußer Sicht ist. Dieser aber vermochte trotz seiKes scharfen Gesichts unteren Wiedehopf nicht zu erkennen, gleicht er doch in solcher Pose eher einem bunten Lumpen als einem Vogel. Zur Paarungszeit entspinnen sich zwischen zwei Männchen recht erbitterte Kämpfe, die babd in der Luft, bald auf deni Boden ausgefochten wenden. Hat sich das Weibchen, das diesen Kämpfen hm Gegensatz zu den Weibchen anderer Bogelarten) ganz apathisch zusieht, für einen der Kämpfer entschieden, so läßt es sich von ihm. de» Hof machen. Mit gespreiztem Schwänze, gefächertem«chopfe und ausgebreiteten Flügeln nähert sich dqs balzende Männchen der Gefährtin, die es durch ein mißtöniges»Köh, köh!" ermuntert. Das Nest steht ab und zu unter Wurzeln an Grasraincn, zu- meist ober in hohlen Bäumen, namentlich in Weiden, die ja auf V-ehtriften häufig anzutreffen sind. Als Nistmaterial dienen Gras- balmchen, Würzelchen und Kuhldung. Das Weibchen sitzt auf dem Gelege sehr fest und verläßt die Brut selbst in größter Gefahr nicht. Wcchrend der Brutzeit ist der Vogel ein Mistbruder in des Wortes verwegenster Bedeutung, weshalb ihn der Volksmund auch mit nickt mißzuverstebenden Namen, wie Stinkvogel, Stinkbose, Kotvogel, Kotkrämer usw. belegt hat. Und in.der Tat, von der Kin- derwiege des Wiedehopfes geht ein Duft aus, der auch für andere als feine Nasen unerträglich ist. Wenn man einerseits den üblen Geruch dem Kote der Nestjungen zuschreibt, wird andererseits an- genommen, daß cr von der Absonderung der Bürzeldrüfe ausgeht, denn Alte wie Junge schauen im Neste ganz reinlich aus und das Gefieder ist stets geordnet und sauber. Uebrigens stinkt der Wiede- Hopf nur, wenn er kleine Familie hat. Ter Wiedehopf lebt hauptsächlich da. wo Hochwild steht oder zahme Herden weiden, denn diese ernähren mit ihrem Unrat allerlei Jnseknngeschmeiß, aus das er Jagd macht. Mit seinem langen, dünnen Schnabel versteht er sehr geschickt, es aus dem Kote und aus Erdlöchern herauszuholen. Auch fliegende Insekten weiß er geschickt wegzuschnappen, und höchst interessant ist es, ihn beim Fangen der Heuschrecken zu beobachten, was cr mit Geschick und Grazie tut. Desto schwerer fällt ihm das Verschlucken der Beute. Weil die verkürzte Zunge ihm hierbei nur schlechte Dienste leisten kann, wirft er die erbeuteten Tiere in die Höhe, um sie dann mit klaffendem Schnabel aufzufangen. Leider zählt der Wiedehopf zu den vielen und gerade schönen Vogelarten, die bei uns immer seltener werden. Die Brutstätten weichen der Kultur, und die Einführung der Stallfütterung schmä- lert seine Nahrungsplätze, Wiesen, Waldblößen, Viehtriften usw., immer mehr. „Hihi!" Wer lacht da!? Es ist Freund Wiedehopf; ich lege die Feder beiseite und eile hinaus, um den originellen Burscher. noch weiter zu beobachten. Seöeutung und verlauf öer Influenza. lieber die spanische Krankheit scheinen in der Außenwelt immer noch Zweifel zu herrschen, ob man diese infektiöse Grippe als In- fluenza aufzufassen hat oder nicht; sie stellt wissenschafllich allerlei Rätsel, diese feit Jahrhunderten bekannte Krankheit. Verschiedent- lich ist der im Jahre 1892 schwer auffindbare, aber entdeckte In- flucnzabazillus jetzt einwandfrei festgestellt; es sind auch andere Erreger ermittelt worden; auch die vielfach beobachtete Lungen» entzündung zeigte in zahlreichen Fällen einen ungewöhnlichen Verlauf, wie er sonst bei Influenza sellener vorkommt. Berücksichtigt man. daß wir Menschen im Kriege durch olle möglichen Einflüsse andere geworden sind wie im Frieden, so ist cS kein Wunder, daß sich stellenweise auch die Krankheiten anders abspielen müssen wie sonst. Und doch haben wir es hier mit der bösen In- flu-nza zu tun. Wie alle ansteckenden Kraukbeiteii setzt die Influenza mit Ficbererscheinungen ein; sie kennzeichnet sich durch große Mattigkeit und Schmerzen in den Gliedern. Tie Dauer der Krankheit beträgt bei kräftigen Personen acht bis vierzehn Tage, bei schwächlichen Patienten aber kann sie sich auch monatelang hin- ziehen, wenn auch in abgeschwächter Form. Sie wird Greisen und schwachen Personen besonders dadurch gefäbrlich, daß Komplikationen eintreten, also andere Krankheiten durch sie hervorgernfen werden, und zwar meistens Lungenentzündung oder Lungenschlag. Bei Influenza muß man unbediiigt das Bett hüten und durch reich- lickes Trinken von warmen Getränken die Hantausdürrstung be- fördern. Vom Schnupfen bis zum Luftröhren- oder Bronchialkalarrh ist der Weg nicht weit, denn es handelt sich dabei nur um die Schleim- häute des Atmungsapparaics. Hier treten or't lästiges Niesen, Kopfschmerz und Beeinträchtigung des Geschnracks und Geruchs ein. Wer es haben kann, rrehme ein römisches Bad, das vertreibt den Schnupfen rasch, sonst sorge man durch Trinken von Fliedertee für eine Schwitzkur. Ilm die unangenehmen Verstopiungen in der Nase und die schmerzhaften Entzündungen der Nasenflügel und Lippen durch den scharfen Ausfluß zu vernreiden, ziehe rnan täglich mehr- mals kaltes Wasser in die Nase ein und bestreiche die ganze Nase und die Lippen mit Fett oder Oel oder womöglich mit Goldkrem. Der Bruslkatarrh, eine Entzündung der Luftröhrenäste, ver« langt Stuben- oder noch besser Bettwärme, während beim Schnupfen Spazierengehen, namentlich bei Sonnenschein, sehr zu empfehlen ist. Dem Bruslkatarrh gehen meist Schnupfen und Rachenkatarrh voraus; er kennzeichnet sich besonders durch ein Gefühl von Wund- sein in der Brust sowie durch Fiebererscheinunge». Bettwärme und Einnehmen von Brechlvei», alle drei Stunden 15—20 Tropfen, heilen den Katarrb bald. Wird der Bruslkatarrh epidemisch, also ansteckend, dann herrscht Influenza vor. Ter beste Schutz bleibt neben peinlicher Sauberhaliung der Hände usw. sich Jnachinehmen vor Erkältung. Erkältung ist eine Störung der Hautffmktion, hervorgerufen durch Kälte. Der Körper muß widerstandssähig werden; dies kann bewirkt werden durch gute Ernährung, durch Bewegung in freier Luft und durch Baden. Schwere und kräftige Kost muß nicht immer ein kräftiges und gesundes Vlul geben, wir leben aber nur von dem, was ivir verdauen. Man muß auch unempfindlich gegen die Ein- Wirkung der Lust werden: die Luft ist das Element deS Menichcn und feine Haur muß immer Fühlung mit ihr behalten. A. K. Kriegsgewinne amerikanischer Milliardäre. Die umfangreichen amerikanischen Lieferungen an die Entente waren für zahlreiche Amerilaner die Quelle zu ungeheuren Ge- Winnen. Allerdings hat der Eintritl AuierilaS in den Krieg die Freude an diesen Gewinnen stark getuibt, denn die auf diese Niesen- summen elilfallenden Sreuerbcträge sind ungewöhnlich hoch. Nach- stehend sind nach der„Chemisch-Technischen Wochenichrift" das Einkommen und die zu entrichtende Kriegsgewimisteuer einer Anzahl reichster, auch in Deutschland bekannter Amerilaner angegeben. Die angegebenen Zahlen verstehen sich in Dollar. Einkommen Steuer I. D. Rockefeller... L00 000 000 100 000 000 Andrö Carnegie... 50 000 000 35 000 000- William Rockefeller.. 37 500 000 21 000 000 I. Odgen Armour.. 31 250 000 20 000 000 Henry Ford..... 25 000 000 16 000 000 W. K. Vanderbilt... 25 000 009 16 000 000 Dann folgt eine größere Anzahl von Lieferanten, deren Ge- Winne sich in den Grenzen von 10 bis 25 Millionen Dollar ballen, und eine sehr große mit Gewinnen von„nur" 1 bis 10 Millionen Dollar. Wirklich, die Herren Amerikaner haben es verstanden, den Krieg um die„heilige Freiheit der Welt", die iiir sie angeblich die einzige Ursache zur Beleilignng am Weltkriege war. zu eiiicm fa- nrojen Geschäft zu machen. Gegen die amerikanischen Kriegs- gewinnler sind jedenfalls die europäischen die reinen Waisenlnabcn. Notizen. — S i e g m u n d L a u t e n b n r g ist im L6. Lebensjahre in Marienbad gestorben. Die Blätter der Berliner Bourgeoisie bc- klagen ihn— als einen der ihren. Mit Recht. Er war der typiicke Berliner Uiiternehmer aus dem Südosten tdieSmal aus Budapest), betriebsam, in allen Sättel» gerecht, vom Erfolge verfolgt. Er wird in der deuiicheu Theatergeschichte fortleben als der Schöpfer des Residenz-Theater-Genres, d. h. der Vermittler jener Pariser Mode- komödien und Schwänke, die dem zu Mitteln gekommenen Berliner Bürger östlicher wie westlicher Herkiinst lange Zeit als Gipfel Ivitzig- frivoler Kultur galten. Er paßte zu diesem seinem Publikum, das seine rieueii weltstädtischen Gewohnheiten zunächst im französischeir Import befriedigen mußte, auss trefflichste auch in seinem Parvenü- tum und in seinem Talmi-Bildungseifer. Die schönen Anekdoten, die von Siegmunds erfolgreichen Kämpfen gegen die fran- zösiscke Sprache und anderen erzählen, sind nicht nur für ihn typisch. Er ist der getreue Ausdruck seiner Generation: läuft vom nicht beendigten Gymnasium auf die Bühne, versucht zwischen Ungarn und Amsterdam alle Bühnenmöglichkeitcn, bis er in Berlin seit 1887 sein Publikum findet und bildet. Er ist findig und geschäftstüchtig, hat auch gelegentlich die Witterung für das Ncue, Zugkräftige. Er macht sich zuerst an Ibsens Wildente und Halbes Jugend und erzielt damit volle Häuser und den Ruhm des wage- rnuligen Neuerers. Er schafft ein modernes Zusaimncnspicl und hat in seiner Truppe Talente wie Rosa Bertens, Riitner, Pagay. Dann zieht er sich zurück und kommt vor vielerlei Projekten doch nur zu Gastspielen, in denen»ran ihn bjs zuletzt alsNathmi seben konnte. Er war einer von den GejchästSleuteii, die in dieser Inpitg« liftischen Aera die Leitung der deutschen Theater an sich gebracht haben. Er war weniger gefährlich, weil er eine primitivere Art ver- trat. Seine Nachfolger, die das WarenhauLprinzip in den Theater- betrieb eingeführt haben, müsicn bereits komvliziertere Methoden anwenden, da der Geschmack des Publikrims differenzierter ge- worden ist. Aber sie sind im Grunde dasselbe: die Literatur ist nur der Deckinantel für ein rein kapitalistisches Thcatcrgcschäst. — Ein Häckelmuseum ist in Jena in Bildung begriffen. DaS Zciß- Jnstitul hat Höckels Villa erworben, um darin ein Institut für Entwicklungslehre und gleichzeitig ein Häckelmuseum zu errichten. Prof. Höckel stiftete seine Sammlungen und seine Bibliothek dafür. Lodz. Das gelobte fand. Roman von W. Sl. Reymont. »Wir fahren Sie- hin, recht, Mada?" „Aber mit Vergnügen. Sie sind doch einverstanden?"' „Statt aller Antwort, steige ich ein." „Setz' dich mit dem Hund ruber, Wilhelm,»nd mach' Herrn Borowiecki Platz." rief sie energisch. „Wo fahren die Herrschaften hin?" „Mada sah sich was im Kunstsalon an, sie will wohl wieder irgendein blödes Bild kaufen. Und ich Ivollte meinen Zäsar etwas spazieren fahren, weil cr sich zu Haus langweilt, genau wie ich." „Wann fahren Sie wieder nach Berlin zurück?" Mada begann sehr laut und sehr herzlich zu lachen. „Seit einem Monat fährt cr schon weg und zankt sich jeden Tag deshalb mit Papa." „Still, Mada, wenn du nun schon nial so dumm bist, dann rede nicht über Sachen, die du nicht verstehst." Er richtete seinen riesigen Körper auf und schaute düster drein. „Ich bitte Sie, Herr Borowiecki, konim' ich Ihnen auch so dumm vor? Alle wiederholen es mir zu Hause, so oft, daß ich schließlich selbst dran glauben rvcrdc. Trotzdem weiß ich zum Beispiel, daß Wilhelm Schulden in Berlin gemacht hat. daß Papa sie nicht zahlen will, und daß cr deshalb in Lodz sitzt." sprach sie bösartig und schaute ihren Bruder an. „Ha, ha, ha! Was niacht der für eine komische Miene." „Mada, ich steige aus und gehe direkt zum Vater und werde ihm sagen, was du alles ausplapperst." „Na, dann steig aus, für mich und Herrn Borowiecki wird es dann um so bequemer sein. Aber Sie haben mir gar nicht geantwortet." „Weil solch eine Frage unbeantwortet bleiben muß." „Sic rvollcn mir nicht die Wahrheit sagen," „Weil ich in diesem Fall die Wahrheit nicht kenne." „Also wann werde ich die Büchertitel erhalten?" „Ich werde sie Ihnen heute schicken." „Ich glaube es nicht. Lieber wär's mir, Sie brächten sie zur Strafe selbst." „Wenn das eine Strafe sein soll, wie prachtvoll muß dann eine Belohnung sein." „Sie bekommen einen guten Kaffee!" sagte sie naiv. Wilhelm brach in ein lautes Gelächter aus, so daß Zäsar zu bellen begann. „Habe ich eine Dummheit gesagt?" fragte Magda un- ruhig und wurde rot. „Herr Wilhelm lacht über den Hund, sehen Sic, wie komisch der ist." „Sic sind ein guter Junge, das sagt sogar Papa und alle bei uirs zu Haus." -„Mada!" „Ich fühle mich hier so wohl mit Ihnen, und es tut mir rvirklich leid, daß wir schon bei der Fabrik angelangt sind. Viclcti Dank, und auf Wiedersehen." „Wir erwarten Sic Sonntag nachmittag." „Ich werde es nicht vergessen, schade,' daß nicht schon morgen Sonntag ist." Mada lachte lustig und warf ihm einen sehr herzlichen Blick zu. Eine Weile blieb er auf dem Bürgerstcig stehen und sah, wie sie sich ciri paarmal nach ihm umschaute. „Warum die Anka keine Millionen hat! Schade.. dachte er und lief in die Fabrik, die nach der Mittagspause schon lvicdcr in vollem, wahnsinnigem Gang tvar. Hinter den Seitengebäuden erschien eine Abteilung der Frcilvilligen Feuerwehr. Wagen, Spritzen und Fässer fuhren in großer Ordnung ans und eilten fort. Unter der Last der Räder und der Pferdehufe teilte sich der Kot bis zum Grund. Aus den Plattfonneii zogen die zu Feuerlvehrlcutcn ver- wandelten Arbeiter schleunigst ihre Unifornicn an. „Wo brennt's, Herr Richter?" fragte Karl den Brand- meister, einen der Spinncreidircktoren, dem der Fabriks- Portier in seiner Kammer den Gürtel festschnallte und den Rock zuknöpfte. „Albert Großmann brennt! Schnallen Sie doch fester," schrie er dem Portier zu, der den mächtigen Bauch nicht in die Fcuerwehrunisorm, die etwas zu eng war, einzwängen konnte. Die Knöpfe flogen ab. „Schon lange?" „Seit einer balbeii� Stunde, aber cS soll schon alles brennen. Fester, Herr Schmidt." „Und deshalb diese Eile?" „Großglück hat den Alten angerufen, ihn beschwörend, er möchte Grünspan zum Trotz den Schtviegcrsohn nicht abbrennen lassen." „Worum? Aha, sie wollen ihn ruinieren." „Das ist schon der dritte Brand heute." „Fabriken?" „Ja." „Die werden ihre letzten Verluste bei den Bankrotten wieder wettinachen." „Der Blitz soll sie treffen, diese Zuchthäusler, Verfluchten, die verdienen, und ivir müssen wie Hunde mit raushängenden Zungen von einer Feuersbrunst zur anderen rennen." „Was wollen Sie, das brauchen sie zum Abschluß ihrer Bilanz." „Auf Wiedersehen 1 Uff, ich platz' ja, meiner Treu!" schrie der Brandmeister, setzte sich in die vor dem Tor auf ihn wartende Droschke und fuhr im Galopp hinter der Feuer- wehr davon. „Ho, ho! Die Saison wird warm", flüsterte Borowiecki und lief ans Telephon, um Max Baum von dem Telegramm zu berichten. Kanin hatte er zu Ende gesprochen, da klingelte es schon wieder. Trawinskt sagte, er käme gleich mit einem sehr dring- lichen Geschäft. „Ich crivartc dich in der Druckerei", antwortete Borowiecki und lief ins Innere der Fabrik. Er stürzte sich zwischen die unablässig herumfahrenden Wägelchen, zwischen die rasenden Maschinen, die Hansen von Stoffen, die sich wie nie endende farbige Bänder nach allen Richtungen der Säle wanden, zwischen den Wall von TranL- Missionen, Riemen, Rädern, Menschen, zwischen das höllische Gepolter und die Dämpfe, die wie Wolken über der Wäscherei aufstiegen; in die verschlimgeuen sausenden Töne, Zuckungen, Schreie, in das Gerassel, in die vibrierenden und rasenden Energien, die alles und alle fortrissen und in furchtbarer An- spannung die mächtigen Fabrikmauern zu zersprengen drohten; er versank ganz in diesem wilden, mitreißenden Leben der Fabrik. Er besuchte alle Säle und kehrte in die.Küche' zurück, eilte weiter, alles vergessend, was nicht mit der Fabrik zu-. sammenhing. Nach« der schrecklichen, nervösen Erschöpfung der letzten Tage fühlte cr jetzt eine Erleichterung und ließ sich von der furchtbaren Masse der riugS um ihn aufgespeicherten Kraft woll- lüstig tragen. Die Erschöpfung ließ nach, er fühlte sich immer ruhiger und gewann inmitten dieser Fabrikhölle immer mehr sein Gleichgewicht wieder, als ob er die unzähligen Ströme der Energie von Menschen und Maschinen in sich' einsog, die von allen Seiten auf ihn eindrangen. In einem kleinen, abgesonderten Laboratorium fertigte Murrah auf einer kleinen Druckmaschine Proben an. Die Probe wollte nicht gelingen, die Farbe ergoß sich ans den Stoff und verschmierte das Muster. Der Engländer war wütend, doch lächelte cr süß, aber sein Gesicht war grau vor Erregung, er fletschte die langen gelben Zähne wie eine Bulldogge. wischte sich die Hände mit der ihn umhüllenden Schürze ab und fluchte immer leiser. „Seit Mittag schinde ich mich ab und kann den Farbstoff nicht rauskriegen �(Fortj. folgt) AI. Teilz. T?Bolient!. 1 M. Plomben 1.50. Goldin- u krönen 18 M. KaJmziehen m. Einspr. höchst an sohmerzlind. Llmarb.schlechts. Gobisse. Kep. Zahnarzt� olt sof. Potsdamer Sir. 55. Hoohb. 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S. öoller Gleichmäßigkeit in der Aufdringung und Versorgung OesterrreichK, Ungarns und Deutsch- l a n d Z. Ter amerikanisckze Panzerkreuzer San Diego t!5 4M To.) sank am Freitag zehn Meilen von Fire Island, die Ue&er» ledüniben sind in Long Island gelandet. Ter stellvertretende Marinesekretär erklärte, der Kreuzer sei anscheinendend a u f e i n e M i n e g e l a u f e n. Es seien mehrere Minen in der Nach- dar�chaft gefunden worden, dagegen sei kein Unterseeboot gesichtet worden. 4L Mann der Besatzung würden vermißt. Benizelos furchtet die griechische Bolksstimmung. Laut Mel- dung der Agence Hcllenique aus Athen sind durch königliches De- kret mit Rücksicht auf die herrschenden Zustände und die Volks- stimmung die griechischen Ge m e i n de w a h l e n, die nach Gesetz Mute Fuli erfolgen sollten, auf unbestimmte Zeit vertagt worden. Sozialöemokratie unö Kaligesetz. Seit Kriegsausbruch hat der Reichstag nun zum vierten Male zur Prersregelung für die Erzeugnisse der Kaliindustrie Stellung nehmen müssen. Nach dem Gesetz vom 2S. Mai 1910 sind die Kali- preise für das Inland gebunden, die Auslandspreise sind frei. An höheren Auslandspreisen sollte die Kaliindustrie sich schadlos halten für die festen, im Interesse der Landwirtschaft niedrig gehaltenen Preise im Jnlande. Der Ausbruch des Krieges hat den aufnahmefähigsten Aus- landZmarkt versperrt. Während der Auslandsabsatz im Jahre 1913 sich auf 5 055 900 Doppelzentner reisteS Kali bezifferte, damit gegen den gesamten Jnlandsabsatz nur um 990 900 Doppelzentner zurück- blieb, ist die Gesamtausfuhr auf 1500100 im Jahre lOlg und 1 305 800 im Jahre 1917 gesunken. Der in dem Gesetze verankerte Abnehmerschutz gegen Preisbewucherung ist der Landwirtschast zu statten gekommen. Im Vergleich zur Steigerung anderer künst- licher Düngemittel ist die Kalipreisentwicklung als mäßig zu be- zeichnen. Mit Neid blickten d« Kaliwerksbcsitzer auf jene, die in Kohlen und Eisen schürfen lassen und die Preise zu schwindelnder Höhe hinauftreiben konnten. Die Preissteigerung in Kohlen, Eisen, Grubenholz, Spreng- Materialien belastet auch die Kaliindustrie. Gegen das Jahr 1913 haben sich die Gestehungskosten um 71,3 v. H. gesteigert. In gleicher Zeit stiegen die Gesamtkosten für Dampf und Elektrizität von 17,4 auf 48 v. H. Eine Erhöhung der Aufwendung für Löhne und Knappschaft von 48,8 v. H. auf 71,43 v. H. brachte keineswegs den Arbeitern angemessene Bezahlung. Obwohl jede Preisänderung auch eine Teuerungszulage der Arbeiter brachte, blieben die Löhne weit hinter jenen der anderen Berg- und Fabrikarbeiter zurück. Das laufende Jahr mit seiner turmhöhenartig angewachsenen Verteuerung aller Gebrauchswerte brachte das den Kaliarbeitern deutlich zum Bewußtsein. Ansprüche aus weitergehende Teuerungszulagen lehnten die meisten Werksbesitzer ab. Die angerufenen Schlieh- tungsstellen versagten, da sie die Löhne plus Teuerungszulagen als Höchstlöhne bezeichneten, die nicht überschritten werden dürften. Die sozialdemokratischen Mitglieder nahmen Veranlassung, festzustellen, ob eine solche Auslegung dem Willen des Gesetzgebers gerecht wird. RegierungSvertreter und Ausschuß waren einig in der Auffassung, daß die Auslegung falsch ist und Löhne und Teuerungszulagen als Mindestbezüge anzusehen sind, die überschritten werden können. Die am 12. Juli verabschiedete Aenderung de? Gesetzes ist ver- anlaßt durch eine zu Beginn des Jahres erfolgte Eingabe des Kali- Syndikats. Es dauerte volle fünf Monate, bis die Regierung ihre Vorlage einbrachte. In der letzten Woche seines Zusammenseins sollte der Reichstag das Werk verabschieden. Die Vertrauens- männer der Parteien zeigten dazu keinen übermäßigen Eifer. Nur dem Einspruch der sozialdemokratischen Fraktionsleitung, die auf Erledigung wegen der vorgesehenen Lohnerhöhungen drängte, ist zu denken, daß die Novelle an einen Ausschuß verwiesen worden ist. Der Gesetzentwurf sah eine Erhöbung der Teuerungszulagen für den Tag vor: für erwachsene Arbeiter von I M. auf 2,50 M, für erwachsene Arbeiterinnen von 75 Pf. auf 1,50 Mk., für fugend- liche männliche und weibliche Arbeiter von 50 Pf. auf 1 M. Die Kommission nahm einen sozialdemokratischen Antrag au, nach welchem alle Zulagen um 50 Pf. über den Entwurf hinaus erhöht wurden. Es kommen in Betracht 18 890 Arbeiter, 2338 Arbeiterinnen und 1343 jugendliche Arbeiter. Außerdem wurden 6 M. Kindergeld auf den Monat für jedes Kind unter 16 Jahren festgesetzt. Die erhöhten Preise für Kalisalze wurden um 1)4, 2)4, 3 und 1 Pf. für das Kilo- Prozent herabgesetzt. Nur die drei höheren Salzarten blieben nach den Vorschlägen der Regierungsvorlage. Bon sozial- demokratischer und fortschrittlicher Seite beantragte Ge- Haltserhöhungen für Angestellte aller Art wurde» abgelehnt. Weiter war es gelungen, einen seit Jahren von den Arbeiierverbänden erfolglos geltend gemachten Wunsch, in einer vorzulegenden Denkschrift die Löhne, I a h r e S g e w j n n- a b s ch l ü s s e und Ouotenvcrkäufc einzelner Werke erkenntlich zu machen, zur Erfüllung zu bringen. BeachtcnSivcrtc Ergebnisse waren für die Kaliarbeiter erzielt worden. Diese so- fort wirksam zu machen und nicht in Frage stellen zu lassen, mutzte Aufgabe der sozialdemokratischen Fraktion sein. Als die zweite Lesung heranrückte, brachte sie einen Antrag Bärwinkel und v. Brockhausen, die Kalipreise der Rcgierungsvor- läge wieder herzustellen. Einer der Antragsteller kündete an, daß seine Fraktion bei Ablehnung dieses Antrages gegen die höheren Teuerungszulagen stimmen würde. ES war nicht zu befürchten, daß sich eine Mehrheit für Herabsetzung der Teuerungszulagen finden würde. Diese parlamentarische Handgranate zündete nicht. Als die Beratung näher rückte, traten ein Mitglied der konservativen und der deutschen Fraktion an die sozialdemokratischen Mitglieder mit der Ankündigung heran, gegen sofortige Vornahme der dritten Lesung zu stimmen. Damit entstand die Gefahr einer Verschleppung des Gesetzes bis zum letzten Herbstmonat hinein. Nach§ 20 der Geschäftsordnung kann die dritte Lesung nur vorgenommen wer- den, wenn niemand widerspricht. Andernfalls erfolgt die dritte Beratung frühestens am zweiten Tage nach dem Abschluß der zweiten Beratung. Der Schluß de» Reichstages war für den kommenden Tag(Sonnabend) vorgesehen. Nichts hätte vermocht, den Reichstag in der folgenden Woche zum Zusammentritt zu ver- anlassen. Es bestand die Gefahr, den Kaliarbeitern für fünf Monate die Teuerung»- und Kinderzulagen ab- zuziehen: ein Wert, der mit 8 Millionen Mark nicht zu hoch ein- geschätzt ist. Di� Unabhängige Fraktion suchte über diese Gefahr mit dem Hinweise hinwegzutrösten, Sachkenner der Kaliindustrie versicherten, die Löhne könnten leicht von den Werken getragen werden. Einmal hatten diese Sachkenner aber nicht die Macht, bei Ablehnung der dritten Lesung das Gesetz in Kraft treten zu lassen. Zum anderen sind unS.Sachkenner" im Laufe der Jahre bekannt geworden, die offen aussprachen, daß sie im finanziellen Zu- sammenbruch einer größeren Zahl der Betriebe das Heilmittel einer Gesundung für die Kaliindustrie erblicken. Solche Kuren i la Eisenbart können die Politiker nicht mitmachen, denen die Jnter- essen dex Arbeiter in erster Linie stehen. Wenn aber nach dem hier erwähnten Antrag der Sozialdemokraten in Zukunft über die Geschäftsergebnisse der Kaliindustrie Licht verbreitet wird, dann kann man sich selbst ein Urteil bilden und auf die Sachkenner vor- zichten. Als Verdienst kann die Sozialdemokratie voll in Anspruch nehmen, die TeurungSzulagen für die kaufmännischen, technischen und sonstigen Angestellten angeregt und deren Gewährung ge- sichert zu haben. Während im Ausschuß alle dahinzielenden Anträge abgelehnt worden sind, brachte die zweite Lesung Teuerungszulagen für Beamte und Angestellte aller Art um 40 v. H. Für die Leistungen gelten die gleichen Sicherungen, die das Gesetz für die Arbeiter vorsieht, nämlich! Kürzung der Fördcrzisser. Die Ar- beiter in der Kaliindustrie, die Arbeiter- und Angestelltenverbände aller Richtungen werden der Sozialdemokratischen Fraktion sicher Dank wissen, daß sie den Gesetzesänderungen über den kritischsten Punkt hinweg zur sofortigen Annahme vcrholfen hat.-t.-y. Em feme? wahlrechtsplan. Die Siegierniig soll sich„beruhigen". In eingeweihton parlamentarischen Kreisen erzählt man sich neuerdings, daß aller Voraussicht nach das Herrenhaus nach Schaffung weiterer Sicherungen gegen eine Radikali- sierung des Parlaments ein Mehrstimmenwahlrecht be- schließen wird, das außer der Erundstimme zwei Zusatz- stimmen vorsieht, die nicht an den Besitz, sondern an Alter und Familienstand geknüpft sind. Es heißt weiter, daß die Regierung trotzdem noch nicht zur Auflösung des Ab- geordnclenhauses schreiten, sondern vielmehr die so gestaltete Vor- läge auch an das Abgeordnetenhaus bringen und, wenn sie dort Zustimmung gefunden hat, dem Beschluß beider Häuser des Land- tageS zunächst beitreten will. Unmittelbar, nachdem das neue Wahlgesetz die Unterschrift des Königs erhalten und damit Gesetzeskraft erlangt hat, soll dann das Ab- gcordnetcnhaus aufgelöst und die Neuwahlen nach dem neuen Gesetz ausgeschrieben werden. Dem auf Grund diese- Gesetzes gewählten neuen Landtage soll dann eine neue Wahlrechts- Vorlage unterbreitet werden, die VaS gleiche Wohlrecht vor- sieht. Findet sich hierfür nicht die verfassungsmäßig vorgeschriebene Mehrheit, so glaube die Negierung sich beruhigen zu sollen, da sie ihre Pflicht erfüllt und alles versucht habe, um dem gleichen Wahlrecht zum Siege zu verhelfen. Der Plan ist fein ausgeklügelt, aber der Haken ist der: Nimmt die Regierung das Mehrstimmcnwahlrecht mit den Sicherungen an, dann genügt zur Einführung des gleichen Wahlrechts nicht mehr, wie jetzt, die einfache Mehrheit, sondern es ist dazu eine qualifizierte Mehrheit notwendig. Eine Minderheit, die sich immer finde» wird, kann dann das gleiche Wahlrecht vereiteln, und feine Aussichten wären nicht verbessert, sondern verschlechtert. Die preußischen Steuerreformen. Die Regierung beabsichtigt, dem preußischen Landtage bei seinem Wiederzusammentritt im Herbst eine Novelle zum Einkommen- und Ergänzungssteuergesetz zu unter- breiten. Bekanntlich sind die Zuschläge, die zu den Sätzen des Steuertarifs erhoben werden, nur noch für das Jahr 1918 be- willigt. Die Negierung müßte also, wenn sie darauf nicht ver- zichten will, entweder die Verlängerung des jetzigen ZustandeS beantragen oder aber eine organische Reform des Gesetzes versuchen, wie sie bereits vor dem Kriege geplant, aber an dem Widerstand des Abgeordnetenhauses gescheitert war. Daß es sich bei den Reformen darum handelt, die Einnahmen deS Staates zu erhöhen, bedarf keiner besonderen Betonung. DaS Jahr 1918 weist zwar eine außerordentlich günstige Entwickelung bei den direkten Steuern auf. Wie der Minister im Finanzaus- schuß des Herrenhauses mitteilte, werden die direkten Steuern für 1918 voraussichtlich 15 Pcoz. oder 110 Millionen Mark mehr bringen- DaS beruht darauf, daß die Kriegsgewinne zugenommen haben und namentlich darauf, daß die Zensiten der unteren Stufen in die höheren hineinwachsen. Auf der anderen Seite habeir sich aber auch die Ausgaben er- heblich vermehrt. Für Kriegsteuerungszulagen an Beamte, Pensionäre und Hinierblicbene müssen etwa 140 Millionen aufgewender werden, eine Ausgabe, die nicht in den Etat hinein- gearbeitet ist. Die Eisenbahnverwaltung muß vom i. April ab für ihre Arbeiter 45 Millionen mehr an Lohn- erhöhungen ausbringen. Weiter haben inzwischen Anleihen aufgenommen werden müssen, die den Etat belasten. Für Kriegs- Wohlfahrt werden im laufenden Jahre 800 Millionen verausgabt sein, hierfür müssen die Zinsen aufgebracht werden. Ferner sind große Aufwendungen für W o h n u n g S f ü r s o r g e erforder- lich, die nach dem bekannten Beschluß des Reichstags die Beteiligung Preußens und der übrigen Bundesstaaten erfordert; siir Preußen dürste die Beteiligung in die Hunderte von Millionen gehen. Der Finanzminister rechnet damit, daß der Etat nicht nur mit einem Defizit von 100 Millionen abschließt, das durch die Steuerzuschläge ausgeglichen ist, sondern daß das Defizit weit dar- über hinaus betragen und sich auf mehrere h u n d e r t M i l- lionen belaufen wird. Es treten hierzu noch die Aufwendungen, die wir im laufenden Jahre noch einmal für die Beamten machen müssen. Der Etat zeigt einen einmaligen und einen dauernden Fehl- betrag, dessen Deckung bisher nur durch die erhöhten Steuerzuschläge möglich gewesen ist. DaS Bedürfnis nach einer Reform des Steuer- gesetzes ist nach Ansicht der Regierung durch den Krieg, durch die gänzliche Veränderung aller wirtschaftlichen Verhältnisse er- neut noch drastischer in die Erscheinung getreten als bisher. Die Frage des Existenzminimums ist heute von besonderer Be- deutung. Die Fragen des KinderprivilegS, die im Zusammen« hang mit dem Bevölkerungsproblem stehen, sowie die Be- richtigung des Bedarfs der Zensiten, lassen sich heute bei der Veränderung des Geldwertes nicht länger hinausschieben. Außer- dem muß die Frage des Verhältnisses von Staat und Gemeinde geregelt werden. Der Minister er- klärte, daß der Lastenausgleich dringend sei und daß schwere Lasten, die das Reich auferlege, nicht verantwortet werden könnten, wenn wir nicht dafür gesorgt hätten, daß eine gewisse Gleichmäßigkeit in der Belastung eintritt. Hierzu komme noch eine weitere Möglichkeil, einen solchen Lasten- ausgleich zu verzögern. Bekanntlich fließt ein Teil der vom Reichstag beschlossenen Umsatzsteuer den Gemeinden zu. Die preußischen Gemeinden erhalten voraussichtlich zwischen 75 und 125 Millionen. Diese Summe, die vorläufig zur Verbilligung der Lebensmittel vorgesehen ist, wird aber später voraussichtlich den 'Gemeinden zur freien Verfügung stehen. Die Regierung wird also genötigt sein, diese Beträge in irgend einer Form auf die Gemeinden zu verleiten und dabei müssen die Ziele des LasteiiauSgleichs berück- sichtigt werden. Endlich kommt noch ein weiterer Gesichtspunkt für die Not- wendigkeit der Reform in Betracht und daS ist die Vertiefung der Veranlagung selbst. DaS Volk verlangt, daß überall gleichmäßig gut— nicht gleichmäßig scharf--- veranlagt werde. Das kann man aber nicht, wenn man nicht auch einen großen Satz hauptamtlicher und wirtschaftlich vorgebildeter StackkSkommissare bat. Diese Frage hat bekanntlich wiederhol! in den Debatten des Landtags eine große Rolle gespielt und zu scharfen Auseinandersetzungen zwischen der Rechten und den übrigen Parteien des Hauses geführt. Der Minister erklärte aber, daß die Regierung jetzt bei allen Parteien für diese Frage Verständnis gefunden habe, selbstverständlich unter Wahrung der Rechte der Landräte, die auch in Zukunft bei der Steuerveranlagung schors beteiligt sein sollen. Es handelt sich hiernach bei der Novelle zu den Steuergesetzen einmal um eine Aenderung der materiellen und sodann um eine Aenderung der formalen Vorschriften. Cine für VölSer- verftZnöigUKg. Schsidemann iu Cassel. Cassel, 22. Juli.(Eig. Drahtber. des„Vorwärts".) Die heu- tige Massenversammlung, die von der sozialdemokratischen Partei einberufen war, gestaltete sich zur größten politischen Kundgebung, die Cassel, während des Krieges erbebt hat. Mehr als 8000 Mm- scheu waren herbeigeströmt, um Scheide manns Rede über den Krieg und die Sozialdemokratie zu hören und ihrer Uebereinstim- mung mit der Politik der sozialdemokratischen Partei Ausdruck zu geben. Auch die Casseler Unabhängigen waren vollzählig zugegen, in erfreulichem Gegensatz zu ihren Solinger Genossen unterließen- sie aber jeden Versuch, die gewaltige Demonstration zu stören. Scheidemann erntete stürmischen Beifall, und mit einem donnernden Hoch auf die Verständigung der Völker fand die Riesen- Versammlung ihren Abschluß. Die Aentrumsarbeiter begehren auf. „Elendes Spiel und Volksvcrhöhnung". Das„Zentralblatt der christlichen Ge- werkschaften" bringt an der Spitze der soeben er- schiencnen?cummer Ist einen Artikel, der diese Sätze enthält: „... Und warum vor allem dieses elende Spiel, diese Volks- Verhöhnung in bezug auf die preußische Wahlretlftsreform? Warum nicht dem verderblichen Herostrateuluin jener, die ihrer Gegner- schaft gegen die Rechtsgleichheit des Volkes auch noch die freche Verhöhnung anfügen, niit einruimal kraftvoll ein Ende gemacht? Eö schreit zum fHimmel, daß die Masse» in ohnmächtiger Wut immer aufs neue solchen bltjere» Erfahrnngen ausgesetzt werden!" Die„ W c st d c n t s ch e Arbeiterzeitung"(M.- Gladbach), das Wochenblatt der etwa 100 000 Mitglieder umfassenden katholischen Arbeitervereine Westdeutschlands, richtet in seiner jüngsten Ausgabe an die Zentrumssraktion des Abgeordnetenhauses die öffentliche Anfrage, ob und in welcher Form das„ärgerniserregendc, die Parter schädigende Verhalten" des Grafen Spee, der gegen den Willen der Fraktion Vertagung der Wahlreform bis nach Kriegsende beantragte, durch die Fraktion erledigt worden ist. „Zahlreiche Anfragen aus Arbeiterkreisen" haben das Blatt zu der Anfrage veranlaßt; es fürchtet, daß das stillschweigende Uebergehcn der Angelegenheit dem Zentrum bei den„bevorstehenden Wahlkämpfen" Schwierig- leiten machen würde._ vom ScklachtfM öer Druckerschwärze. Zusammenbruch aller Menschenwürde. In einem der schlimmsten Exemplare der deutschen Kriegs- presse, im schwerindustriellen„Deutschen Kurier" finden wir eine- Betrachtung über die Berliner Wcltkriegsbücherci. in der samt- liche Erzeugnisse der internationalen Weltkriegshetze aufgestapelt werden. Da liest man nun: Was hier an Haß, an Ungerechtigkeit und Undank- b a r k e i t zu Leitern erstarrte, ist von manchem seinen Gehirn durchgedacht und mit Bedacht gestaltet worden. Nicht alles sreilich ist so finstern Seelen tiefen entsprungen; manch Lichtblick erfreut den objektiven Leser und läßt den letzten Keim der Hoffnung, daß über alles Grauen, über alles Nichiverstehcn- Können und-Wollen doch noch einmal Brücken geschlagen werden könnten, nicht ganz ersticken. Wird hier der Grundstein gelegt zu einem Panoptikum erstarrter Gei st essratzen, zu einem Schau hauS menschlicher Geistesverwcr- r u n g— oder aber wird hiev der Keim gelegt zu neuen zu» kunftSträchtigen Erkenntnissen, auf deren Grund einst Zu- kunftsland bebaut werden kann, ein Land, auf dem glücklichere und brüderlicher gesinnte Menschen werden wohnen können?— Ich weiß es nicht. Es wird Wohl viele geben, die jede bleibende Er- innerung an diesen Zusammenbruch aller Menschenwürde scheuen werden— und andere, viele wird es geben, die Kraft und Schwung zu neuem Wirken sammeln aus diesem Schlachtfeld der Drucker- schwärze. Das Rätsel erklärt sich damit, daß diese Betrachtimg in der Fr a u e n b e i l a g e des Blattes enthalten ist, die— immerhin l — vom Reichsausschnß der n a t i o n a I l i b e r a l e n Frauen herausgegeben ist. Die Verfasserin heißt Hedwig Hirschbach. Beurlaubung von Soldaten nach mehreren Orten. Auf eine An- regung des ReichStagsabgeordneleu Marquart, den Urlaubern ihren Urlaub für zwei Orte zu gewähren, damit sie ihre Familie und eventuell auch ihre Eltern besuchen könnten, ist die Antwort erfolgt, daß eine Regelung des Urlaubwesens in Vorbereitung sei, die diese Möglichkeit in sich schließen werde. Lekte UKÄrichtsn. Eiscnbahnunfall bei Laufach. Würzburg, 22. Juli. Amtlich. Am Sonntag überfuhr der Durchgangsgüterzug 19-23 das auf Halt stehende Einfahrts- f i g n ä l der Station Laufach. Der Packwagen wurde zer- trümmert. Wagen Wärter Kiswald und Preuß sowie L o k o- moitvführer Geupv aus Aschaffienburg sind stark verletzt. Zugführer und Bremserin leicht verletzt. Der Beirieb wurde auf- rechterhalten. Verbot des italienischen Sozialistcnkongresses. Bern, 22. Juli. Laut„Avanti" wurde der auf den 27. bis 30. Juli nach Rom einberufene nationale Sozialistenkongreß von dem Präfekten von Rom verboten. Der Parteisekretär Bon- b a c c i legte Protest ein. Tibets Erhebung gegen China. Amsterdam, 22. Juli. Ter„Times" wird unterm 18. Juli aus Peking mitg-eteilt: Tibet hat sich gegen China erhoben. Ta die Zentralregierung nicht imstande war, hinreichende Truppen an der Grenze zu unterhalten und dem Vormarsch der Tibetaner Widetr stand zu leisten, ist ein Wafsenstillstand geschlossen worden, GewerWWeWMNg Llus dem Kriegsausschnft für die Metallbctriebv> Grotz-Berlins. Die Modelltischler, Weitztischler, Drechsler, Lackierer. Maschinen- arbciter und Hilfsarbeiter der Firma B. hatten Forderungen ge» stellt, die aber nur zum geringen Teil durch Verhandlungen im Betrieb ihre Erledigung finden konnten. Die Firma wollte den Modelltischlern, Weicktischlern und Drechslern 10 Pf. Zulage geben, den übrigen 5 Pf. Mit Rücksicht darauf, daß die Verdienste all der in Frage kommenden Arbeiter nur sehr gering waren und mit weiterer Rücksicht darauf, daß die Verhandlungen sich bereits ohne Schuld der Arbeiter wochenlang hinzogen, hat der Kriegsausschuß ein weiteres Entgegenkommen der Firma für berechtigt erachtet, und es erfolgte schließlich eine Verständigung auf folgnder Grund- läge: Bei den Modelltischlern, Weißtischlern, Drechslern und Ma- schinenarbeitcrn bleibt es zunächst bei den 10 Pf. Zulage. Lackierer und Hilfsarbeiter erhallen ab 12. Juli gleichfalls 10 Pf., vom l. Sepwmber d I. ab erhalten Modelltischler. Weißtischler, Drechsler und Maschinenarbeitcr weitere 5 Pf. Zulage. Die Dreher und Maschinena'-beiter in einer Abteilung der gleichen Firma hatten ebenfalls Forderungen gestellt und waren auch durch Verhandlungen im Betrieb nicht zu einem endgültigen Resultat gekommen. Infolgedessen mußte sich der Kriegsausschuß mit der Sache beschäftigen. Da auch in dieser Abteilung die Ver- dicnste zu wünschen übrig ließen, entschied der Kriegsaussckiuß da- bin, daß die Zugeständnisse der Firma zu gering waren. Dieselbe wollte nur E> Pf. Zulage pro Stunde geben und zu einem späteren Termin weitere 5 Pf. Es erfolgte eine Verständigung dahin, daß die Firma für Dreher, Schlosser und Schleifer 1b Pf. für die Stunde Zulage, für alle' übngen 10 Pf. für die Stunde Zulage gibt. Von diesen 10 bzw. 15 Pf. Zulage werden 5 Pf. nachgezahlt bon dem Tage an, als die Finna sich bereit erklärt hatte, 5 Pf. Zulage zu geben. Für zwei Abteilungen der Firma D. in M. war Mitte Juni bei einer Verhandlung wegen Lohnzulage eine Entscheidung dabin. gefällt worden, daß die Firma innerhalb 4 Wochen mit den be- schtverdeführenden Gruppen über eine zu gewährende Lohnzulage in Verhandlungen treten solle. Die vier Wochen sind vorüber, doch ist eine Verständigung nicht erzielt worden. Nach längerer Aussprache stellte sich heraus," daß die Firma die seinerzeit vom Kriegsaus- schuß eingenommene Haltung mißverstanden hatte und deshalb ist folgend vereinbart worden: „Bei der etwas unklaren Fassung des Schiedsspruches vom 15. Juni 1S13 war die Firma im Zweifel darüber, in welcher Weise sie die Verhandlungen zu führen hatte. Nachdem ihr in der heutigen Ausschußsitzung klargelegt worden ist. daß über die Höbe einer Lohnzulage zu verbandeln war, wird sie mit dem Arbeiterausschuß innerhalb der nächsten 3 Tage in diesem Sinne verhandeln. Dia eventuellen Zugeständnisse sollen dabei rückwirkend ab 15. Juli gelten/ Der Ingenieur K. von der Firma P. wollte einen Abkehrschein, da er von einer anderen Firma ein Angebot mit einem höheren Gehalt bekommen hatte als er zurzeit bei der Firma P. bezieht. Da aber der Ingenieur K. erst seit Dezember 1017 bei der Firma P. beschäftigt und damals eine Verständigung über das Gehalt zur beiderseitigen Zufriedenheit erfolgt war und weiter am 1. März 1018 eine Zulage von 30 M. pro Monat gegeben wurde, eine weitere Zulage von 30 M. am Juli erfolgte und am 1. November 1018 nochmals eine Zulage von 30 M. gegeben werden soll, sah der Kriegsausschuß keine Veranlassung, dem Ingenieur K. den Abkehr- schein zu geben. Der Hilfsschlosser B. bei bor A. E. G. ist seinerzeit von der Militärbehörde einem Betrieb überwiesen. Da B. seine Familie auswärts hat, ist es ihm unmöglich, mit dem an iicl� ausreichenden Lohn bei de? A. E. G. auszukommen. Da ein diese Schwierigkeiten behebender Ausgleich in bczug auf Verdienst nicht gut möglich war. erhielt B. seinen Abkehrschein. Der Verband der Maler im Jahre 1917. Die Maler. Anstreicher usw. haben im Krieg unter besonders ungünstigen Berussverbällnissen zu leiden, da der Mangel an Forb- ölen und anderen Rohstoffen vielfach jede Betätigung hindert. Der Milgliedcrbestand konnte indes im Jabre 1017 gehalien werden: er betrug 7242. Günstiger stehen die Kasienverhältnisie deS Verbandes. Die Gesamteinnahmen betrugen 350 313 M. Das Verbandsver- mögen stwg auf 703 228 M. Die Gesamtausgaben beliefen sich aui 302 665 M. Den Familien der Kriegsteilnehmer konnten seit Kriegsbcginn 306 085 M. zugeführt werden. Lohnbewegungen wurden 125 in 325 Orten mit 8200 Betrieben und 13 563 Be- fchäftigten durchgcsiihrl. Erzielt wurden dabei 09 080 M. Lobn- erböhung pro Woche und 1141 Stunden Arbeitszeitverkürzung. An diesen Lohnbewegungen waren 4675 Personen beteiligt. Englische Gewerkschaftsvertreter für eine interalliierte Organisation. Wie die Londoner„Times" berichtet, waren am 0. Juli in London die Vertreter von 15 Gewerkschaften mit insgesamt 2l/2 Millionen Mugltedern versammelt, um über die Möglichkeit der Herstellimg engerer Beziehungen zwischen den Gewerkschaften Groß- britanniens, der Dominions(Kanada. Australien, Neuseeland, Südafrika), der Alliierten und der Vereinigten Staaten zu beraten. Die Versammlung war vom Parlamentarischen Komitee des Gewerkschafts- kongrosses einberufen. Einstimmig wurde beschlossen, daß daS Parlamentarische Komitee eine Ableitung einrichtet, welche die Aus- gäbe haben soll, die Beziehungen mit dem Festlande, den Do« rninions und anderen Gewerkschaften zu emwickeln. Die„Times" sagr, der Plan des Parlamentarischen Komuees gehe dahin, eine gewerkschafltiche Internationale als Seitenstück zur sozialistischen Jniernarionale zu errichten und es sei beiiierkenswert, daß die Ar- beiter der Mittelinächre von dem Plan ans geschlossen sind. Hier handell es siib also nicht um die Errichmng einer natio- nalen, sondern um die Schassung einer interalliierlcn Gewerkuhasts- organiiation, die den Interessen des internationalen Proletariats natürlich nicht dienen kann. Außerdem würde die Neugründung auch überflüssig sein, da eine gewertschafttichc Internationale seit 25 Jahren bestehl. der auch die in der General Federation of Labour vertretenen englischen Gewertschasten angeschlossen sind. partewschrichten. Politische Bankrotteure. Zu der Sprengung der Solinger Scheidemann-Versammlung durch Unabhängig- wird uns aus Solingen noch geschrieben: Tie Unabhängigen in der angeblichen unabhängigen rheinischen Hochburg Solingen befinden sich in einer politischen Situation, die sie in der Anweirdung ihrer Mittel nicht besonder? wählerisch sein läßt. Auch in dieser„Hochburg" geht es nämlich mit der unabhän- gigen Herrlichkeit rapid den Berg hinunter. Stolz wurde vor etwa anderthalb Jahren in unabhängigen Blättern verkündet, die„ganze" Organisation des Wahlkreises Solingen(und der Kreis hatte eine stolze Organisation!) sei zu den Unabhängigen übergetreten. In Wirklichkeit hatten den UebertrittSbeschlutz ganze«0 Mann gefaßt. Gleich nach diesem glanzvollen„Uebertmtt" haben unsere Genossen die sozialdemokratische Organisatton wieder aufgebaut und'S ist ihnen gelungen, wieder hochzukommen. Die Unabhängigen hatten. wie sichs ja auch in der letzten Scheidemann-Bersaminlung gezeigt hat, die Schreier auf ihrer Seite. Aber dabei blieb?. Während d,e Solinger Organisation der Partei langsam, aber stetig, sich�nach den Wirre« erholte, stagnierte die unabhängige„Organisation". Trotz- dem die Unabhängigen da? beträchtliche Vermögen der alten Or- ganisatwn sich angeeignet hatten, kamen sie auch finanziell so weit herunter, daß sie vor einiger Zeit dazu übergehen mußten, den Parteisekretär zu entlassen, um Ersparnisse zu machen. So oft nun Scheidemann während der Zeit der Zerwürfnisse in seinen Wahlkreis gekommen ist, hat es glänzende Versammlun- gen gegeben. Und nach jeder dieser Versammlungen war der Mut der Scheidemanngegner dem Nullpunkt um ein Beträchtliches näher gekommen. Die Opposition hatte diese Wirkung der Solinger Scheidemannversammlungen auch schon zu der Zeit sehr richtig einzuschätzen gelernt, als sie noch ein Glied der Parteiorganisation bildete. Schon seit 1015 wehrte sich diese Opposition mit Händen und Füßen dagegen, daß man Scheidemann zu Versammlungen kommen lasse. Die Anhänger Schcideinanns hatten jedesnial gegen die Minderheit einen Kampf zu bestehen, wenn sie verlangten, daß man den Abgeordneten des Kreises kommen lasse. Hatte die Opposition in einer Versammlung zufällig die Mehrhett, so wurden solche Anträge abgelehnt. Tie Abneigung, Scheivemann kommen zu lassen, wurde bei der Opposition geradezu krankhaft, als Haase, den man einmal zu einer Versammlung ein- geladen hatte, in einem kaum zu einem Drittel gefüllten Riesensaale bei frostiger Stimmung der Versammelten reden mußte, während die nächste Scheidemann-Versammlung ein politisches Ereignis wurde. Landesparteitag der Sozialdemokratie Badens. Am Sonnabend mittag traten die Delegierten der badischen Parteiorganisation zur ersten ordentlichen Kreistagung in Offen- bürg zusammen. Die Beteiligung war in Anbetracht der Kriegsver- bältnisse recht gut. Alle Wahlkreise waren vertreten. Der erste Tag galt der Berichterstattung des Landesvorstandes über seine Tätigkeit in den vier Kriegsjahren und der Erstattung des Kassen- berichts, sowie der Beratung der Anträge. Den Geschäftsbericht gab der Vorsitzende der Landesorganisation, Genosse Geiß- Mannheim. Auch in Baden hat der Krieg für die im letzten Fricdensjahre in schönster Aufwärtsentwicklung begriffene Partei einen schweren Rückschlag gebracht, von dem sie sich erst jetzt wieder erholt. Die Kriegsjahre brachten dem Landesvorstand eine reiche Tätigkeit. Es wurden in der Berichtszeit 1700 Mitglieder- und 100 öffentliche Versammlungen abgehalten. Groß war die Arbeit des Landes- sekretärs in der Kttegsfürsorgetätigkeit. Schwer danieder lag auch die Frauen- und Jugendbewegung. Die Parteispaltung hat der badischen Partei kaum geschadet. Eine Landeskonferenz befaßte sich im letzten Jahre mit der Trennung. Sie legte in einer ein- mütig angenommenen Resolution ihre Ansicht dahin nieder, daß es mit der Zugehörigkeit zur sozialdemokratischen Pattei Deusch- lands unvereinbar sei, daß eines ihrer Mitglieder gleichzeitig einer Organisation der Oppositionsgruppe angehöre oder für diese münd- lich oder schriftlich Propaganda treibe. Genosse Geiß betonte noch- mals diesen Standpunkt unter Zustimmung de? Parteitags. Den Kassenbericht erstattete der Sekretär des Landesvorstandes Genosse Hohn- Mannheim. Auch der Kassenstand hat seinen Tics- stand übevlvunden, nachdem der Krieg auch hier vernichtend gewirkt batte. Ungenügend ist das Ergebnis der Sammlungen. Tre Er- höhung des Beittages ist eine dringende Notwendigkeit, damit die Partei den kommenden Aufgaben gewachsen ist. Den Berichten des Landesvorstcmdes wurde zugestimmt und ihm einstimmig Entlastung erteilt. Einen breiten Niaum in der Aussprache nahm das Verhalten des Kreisvorsitzenden in Freiburg in Anspruch, der in seinen An- schauungen im Gegensatz zu der Lettung der Partei und der Reichs- tagsfraktion steht und in Versammlungen gegen Partei und Fraktion arbeitet. Es wurde dem Genossen vorgeworfen, er gehöre innerlich zu den Unabhängigen und suche die Partei im Oberland nach der anderen Richtung hinüberzuziehen. Tie übergioße Mehrheit der Genossen verutteilte dieses Treiben. Es wurde von diesem Ge- Nossen eine klare Stellungnahme verlangt. Die Angelegenheit wurde schließlich der Kreiskonferenz Freiburg zur weiteren Erledigung überwiesen unter erneuter Bekräftigung der auf der letztjährigen Landeskonferenz gefaßten obenerwähnten Entschließung. Der Erhöhung des Beitrags auf wöchentlich 15 Pf. für männ- liche und 10 Pf. für weibliche Mitglieder wurde nach kurzer Debatte zugestimmt.— Von den Anträgen wurden drei erledigt. Ein Anirag der Mannheimer Genossen, der zur Aufstellung der Kandidaten für die Parlamente die Schaffung eines erweiterten Landesausschusses verlangte, durcki den die Kandida- ten im Benehmen mit den Bezirken aufgestellt werden sollten, wurde mit 20 gegen 26 Stimmen abgelehnt. Angenommen wurde ein Antrag auf bessere Ausgestaltung der parlamentarischen Berichterstattung und ein Antrag, in das Aktions Programm auch die Agrarfrage aufzunehmen. ZnSustrie unS tzanöel. Tabakwucher. Die„Münchener Post" wirft unter Berufung auf die Fach- presse dem früheren Geschäftsfiihrer der Zigaretten- und Tabak- einsuhrgesellschaft in Dresden, Baron von Michel-Raulino vor, sein Amt für private Interessen mißbraucht zu haben. Bekanntlich haben die Täbakpreise in der Türkei und im Orient eine ungeheuer- liche Höhe erreicht. Sie sind künstlicki getrieben worden, um jenen Firmen, die sich billig mit großen Mengen von Tabak eingedeckt hatten, einen gewaltigen Nutzen zu verschaffen. Zu diesen Firmen gehören auch die Firma Kiassim Emin in Xanthi, zn deren Jnba- bern auch die Firma Michel-Raulino gehört. Die Methode, mit der diese Firma die Preise in die Höhe setzte, bestand darin, daß sie, nachdem sie sich selbst billig mit Rohware versehen hatte, bei den Bauern anfragte, ob sie kleine Pöstchen von Tabak zum Preise von 40 Lewa(1 Lewa— 80 Pf.) zu verkaufen hätten. Natürlich wollten die Bauern nun keine Ware mehr billiger abgeben. Die Firma Kissim Emin, die peinlich auf ihren guten Ruf hält, und den Bor- Wurf des Wuchers scheut, bot thron Tabak, den sie für 3 bis 6 Lewa gekauft batte, zu 30 Lewa aus und konnte sich noch darauf berufen, daß sie ihre Ware unter dem Marktpreis« abgebe! Herr Baron von Michel-Raulino, zugleich Inhaber der Firma Kiassim Emin und Ge- schäftssührer der Zigarettentabak-Einftrhrgesellschaft, war natürlich an dieser Preistreiberei beteiligt. Aber es kommt noch besser. Lei- stungssähige Zigarettenfabriken haben die Herstellung billiger Mannschaftszigaretten für das Feldheer unter Berufung auf ihren Mangel an billigen mazedonischen Tabaken verweigert. Zu diesen Firmen gehört die Ho f-Zi gare tten fabri k Zuban in München, unter deren Inhabern ebenfalls der mit Orden geschmückte, mit Ehren übeichäufte Baron v, Michel-Raulino sich befindet. Der„Generalanzeiger für den Tabakhandel" ftagr, warum die Firma Zuban keine billigen Tabak« hatte und gibt darauf die Antwort:„Weil die Wuchersirma Kiassim Emw(Inhaber v. Michel-Tcglh und Kiassim Emin) der Hof-Zigarettensadrik Zuban(Hauptinhaber v. Michel- Toglh und Kiassim Emin) ihre billig oingekauften Tabake zu Wucherpreisen berechnete." Seithor ist Baron v. Michel-Raulino von seinem Posten ent- bttben. Das ReicbswittschaftSamt bat ffm im Anfang März tele- graphisch„«rsucht", abzudanken. Aber sollen Sie Vorkommnisse Amtsgeheimnisse bleiben oder nicht vielmehr zur Warnung aller jener dienen, die sich in die Kriegsorganisationen eingeschlichen haben, um dort ihre persönlichen Geschäfte zv betreiben? Soziales. Krankenkasscnärzte. Ter Kampf um den uruen Tarif. In den letzten Wochen gehen Tarftellungeu über zwischen Krankenkassen und Aerzren schwebende Difscrenzen durch die Press«, die in einigcn Punkten der Ricbtigstellung bedürfen. Der bisher von den Krankenkassen bezahlte satz von 5 Mk. für Mitglied und Jahr entsprach den zwischen der Acrzteschaft Groß-B«rlins und den Kassen im Jahre 1013 vor dem Königlichen Oberversicherungs- amt getroffenen Vereinbarungen. Die Mitteilung, daß bei der Allgemeinen Ortskrankenkasse der Stadt Berlin das Honorar für eine vierteljährliche BeHand- lung noch nicht einmal 3 MI. betrage, während z. B. tüchtiae Munitionsarbeit.'r jetzt weit über 3 M. Lohn siir die Stunde be- ziehen, ist irreführend und darauf berechnet, den Anschein zu er- wecken, daß die Kassenärzte in Groß-Berlin jämmerlich honoriert werden. In der Tat sind aber die Kassen ohne Einfluß darauf, ob der einzeln« Arzt hohe Einkommen bezieht oder nicht. Darauf ist es zurückzuführen, daß manche Aerzte kaum von Kassenmitglie- dern aufgesucht werden, während andere Herren so stark beschäftigt sind, daß eine ansehnliche Zahl derselben im Jahre 1017 bei der Allgemeinen Ortskrankenkasse allein 3000 bis 5000 M., ein anderer. kaum geringerer Teil 5000 bis 10 000 M. verdiente, abgesehen von denjenigen, besonders überlaufenen Herren, die es zu einem Jahreseinkommen bis zu 16 000 M. bei der genannten Kasse allein gebracht haben. Es wird an anderer Stelle zu beweisen sein, daß die Kassenpraxis in Berlin nicht so unlohnend ist, wie sie geschildert wird. Die zugebilligte Teuerungszulage ist nicht zurückgezogen, son- dern wird, wie ausdrücklich mitgeteilt wurde, für das Jahr 1018 ausgezahlt werden. Tie sofort bei Beginn der Verhandlungen ana«botene Erhöhung des Arzthonorars von 5 auf 7,50 M. für das Mitglied und Jahr sschert der Aerzteschast Berlins ein« Meihreirinahme von einigen Millionen Mark und muß anderwärts nicht so sebr gering einge- schätzt werden, da z. B. in Leipzig für denselben Satz bislxr nicht nur die Mitglieder, sondern auch ihre in ihrem Hausstande leben- den Familienangehörigen ärztlich versorgt werden. In Berlin be- anspruchen die Aerzte aber für die Behandlung eines jeden Fa- milienmitgliedes den gleichen Satz wie für das Mitglied, so daß also für eine Familie von vier Köpfen bei dein gegenwärtig ge- forderten Satze genau 50 M. Arzthonorar zu zahlen sein würde. Die Bevölkerung Berlins wird verstehen, daß die Kassenvor- stände ihre Mittel nickt nur für die höhere Entlohnung der Aerzte verwenden wollen, sondern Familienhilfe einzuführen beabsichtigen, wie sie an vielen Orten des Reiches seit Jahrzehnten besteht und in Berlin früher an dem Widerstand der Aerzteschast scheiterte. Ausbau deS Mieterschutzes. Wir haben erst in Nr. 106 des„Vorwärts" auf die dringende Notwendigkeit einer Erweiteiuiig des Mieterschutzes in der kleinen Abhandlung über erweiterte Aufgaben der Mieteinigungsämter bin- gewiesen. Immer mehr spitzt sich die Lage auf dem Wohnungs- markte zu. Die sich auS den Verhältnissen für die Mielbevölkerung ergebenden großen Gefahren ireien jetzl mil gewaltigem Slachdruck wieder in den Vordergrund. Zahlreiche Nachrichten über Mielsteige- rnngen, teilweise in antzerordeiitlicher Höhe, liegen vor, und die ganze Lage der Mietbcdölkerung erscheint überans gespannt und gefähr- det. Schon haben verschiedene Stellvertretende Generalkommandos in den letzten Monaten eingegriffen und haben Mieterhöhungen und Mietkündigungen von der Genehmigung der Mieteiiiiguiigs- ämter abhängig gemacht; auch eine ganze Anzahl von Eingaben wegen schleuniger Erweiterung des Mieterschutzes sind an die Re- gierung gerichtet worden, zum Beispiel vom Deutschen WohnungS« ausichuß zusammen mit dem Kriegsausschuß für Konsumenten- «nteressen, dem Mieleinigungsgmt Dortmund und anderen Siellen. Unter diesen Umständen scheint es dringend geboten, daß der Bundesrar nnnmebr ohne Verzug an diese Aufgabe herantritt. Umgehen läßt sie sich doch nicht mehr, deshalb sollte ihre Lösung unverzüglich erfolgen, ehe weiterer großer Schaden eintritt. Lehrgang fürk WohnungSaufsicht und Wohnungspflege. Das am 1. April d. I. in Kraft getretene preußische Woh- nungsgesetz schreibt zur Durchführung der Wohnungsauisicht für Gemeinden mit mehr als 100 000 Einwohnern die Ecrichlung eines Wohnungsamtes vor. Zur Durchführung der Wohnungsauisicht sind eine oder mehrere für diesen besonderen Zweck geeignete Per- sonen einzustellen. Für Gemeinden von mebr als 50 000 bis 100 000 Einwohnern kann durch Anordnung der Aufsichtsbebörde die Errichtung eines den vorstehenden Bestimmungen enliprechenden WohnungsamlS, für Genieinden von mehr als 10 000 bis 50 000 Ein- wohnern durchAnordnung der Auftichisbehörde die Anstellung besonderer sachkundiger beamteter Wohnungsaufseher vorgeschrieben werden. Diese Bestimmungen deS Gesetzes baben bei den Gemeindeverwaltungen und ihren leitenden Beamten den Wunsch nach einer allgemeirien Orientierung über die bei Errichtung von Wohnungsämtern und bei der Durchsühruiig der WohnungSmffsichl grundlegenden Fragen rege werden lassen, Sie bedingen auch eine Steigerung des Bedarfs an vorgebildeten Wohnungsauisschtsbeamten und mit der WohnungS« pflege sich befassenden Persönlichkeiten, für die eine geeigneie Einführung in den neuen Aufgabenkreis dringendes Bedürinis ist. Um dem entgegenzukommen, beabsichtigt die Zentralstelle iür Volkswohlfahrt, im Einvernehmen mit dem preußischen Staats« komniissar für daö Wohnungswesen in der ersten Okloberwoche d. I. in Berlin einen Lehrgang für Wohnungsauisicht und WohnungS- pflege zu veranstalien. Das vorläufige Prograinm umfaßt einen allgemeinen Teil mil Vorträgen über die gegenwärtigen Zustände im Wohnungswesen und ihre Rückwirkung auf die Allgemeinheit, über die Entwicklung des Wohnungswesens mit den ihm innewohnenden Schäden, die Mittel zur Verbesserung der Wohnungsverbältnrsie und die Forderungen der Uebergangs- Wirtschaft. sowie einen speziellen Teil. der Vorträge über die gesetzlichen und verwaltungsrechtlichen Grund- lagen der Wobiiungsaussicht in den einzelnen Bundesstaaten, über die Organisation derselben im eiiizelnen. über die eigentliche Praxis der Wohnungsaufsicht und Wohnungspflege, den Wohnungs- Nachweis usw. vorsieht. An die Vorträoge werden sich Demonstrationen in den Groß-Verliner Wohnungsämtern tiiid Besichtigungen guter, von der gemeinnützigen Bauiätigkeit erstellter und Mangel- hafter Wohnungen onschließen. Das ausführliche Programm deS Lehrganges wird später verössentlicht werden. Anmeldungen nimmt schon jetzt die Geschäftsstelle der Zentrale, Berlin W. AugSburger Straße 61, entgegen._ Die Gcnoffcnschasten in Schweden. Der schwedische Genofsenschaftsverband, der bekann Aich zugleich Grvßcinkaufsgssellschast ist, hat kürzlich Aktten der Polksversiche- rungsgesellschaft„Folket", der schwedischen Volksfürsorge, im Nenn- betrage von 181700 Kronen übernommen. Damit bat der Ver- band 2417 vcm den 3000 Aktien der Gesellschaft in seinem Besitz; der Einfluß des Bankkoniortiums, der bisher in„Folkct" noch herrschte, ist beseitigt. Der Verband wird nun in Vorstand und Aufsichtsrat der Gesellschaft eine entsprechende Vertretung b«an- sprucken.V— Der Ueberschuß des Verbandes im Jahre 1017 hettug 403 007,57 Kronen, wovon 474 940,55 Kronen auf das Groß- Handelsgeschäft, der Rest auf den Verlag, die Zettungsabteilung und die Sparkasse entfielen. Hiervon gehen für Propagandaunkosten, Steuern und Verluste in der RevifionSabtcilung und an Grundstücken 06 027,04 Kronen ab, so daß ein Rieinüberschuß von? 307 880,53 Kronen verbleibt, der fast ausschließlich zur Vermehrung des Eigenkapitals verwendet wurde. Dieses ist damit auf die statt- liche Summe von 1 702 744 Kronen angewachsen, wovon 641 363 Kronen auf Anteile. 066 765 Kronen auf den Reservefonds und '96 600 Kronen auf den Baufonds entfall«. Nerantwortl. f, Politik: Pr, stranz Tiedrrich, Verlin-Friesenau: ttir d, übrigen Teil des Blattes' Alfred Schott. Neukölln: für Anzeigen: Tlieodrir Gloike. Berlin. Derliig: BorwärlS-Berlag(S. m. h. H,. Berlin. Druck: Porwärts-Buchdrucleret mW BeriagSamtall Paul Singer u. So. in Berlin, Liiwenslratze 3. Hierzu 1 Beilage mW Uuicrhaliuugsbtutt.