Nr. 201. 35. Jahrg. , Bezugspreis» Si«teliä5ti, äRI. monott. 1,50 Jüt, (xci inä H,uS. dorauZzahlbar. Einzelne Nummern lo Blenntg. Postbezug: Mon-unch. vom Postschaltcr abzuholen IJiO Mb, vom Briefträger ms Haus ge- bracht 1,64 Mb Unlei Kreuzband für Deullchiar d und Oesterreich. Ungarn L,— Ml, für das übrige Ausland 4,60 Mb monatlich, Persand ins Feld bei direkter Bestellung monaib IM Mb Poitbestellungen nehmen an Däne- mart, Holland, Luxemburg, Schweden und die Schweiz, Eingetragen in die Post-ZeUungs» Preisliste. Erscheint täglich, Zelegramm. Adresse: »Sozialdemokrat Berlin» Verlinev Volllsblnkk. ( 10 Pfennig) AnzetgeupretS» Die kiebengelvalleneKolonelzeilekosiet SO Pfg,»Kleine Anzeigen", das settgedruckle Wort Zl) Pfg,(zulässig 2 scltgedrulktc Sorte), jedes weitere So« 16 Psg, Stellengesuche und Echlafstellenanzeigen das erste Wort 26 Psg„ jedes weitere Wo« lv Pfg. So«e über 16 Buchstaben zählen für zwei Worte, Teuerungszuschlag 20°/» Familien-Anzeigen, polltische und «ewertschastliche Bereins- Anzeigen o Pfg, die Zeile, Anzeigen für die Nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags im Hauptgeschäfi Berlin SS. 68, Lindenstratze 8, abiegeben werden, lveöfsnci von 8 Uhr früh bis 1 Uhr abends. Zciitralorgan der rozialdemokratifchen parte! Deutfchlande. Zwischen Aisne und Marne zeitweilig Ruhe— Heftige Teilangriffe zwischen Ourcq und Marne— Gefechte bei Jaulgonne. Berlin. 23. Juli 1918, abends. Amtlich. Oertlichc Kämpfe auf dem Westufer der Avre. Zwischen Soisfons und Reims hat die Heeresgruppe Deutscher Kronprinz erneuten einheitlichen Angriff starker feindlicher Waffen zun, Scheitern gebracht. Amtlich. Großes Hauptquartier, 23. Juli m«.(SB. T. B.) Westlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe Kronprinz Rupprrcht. Englische Abteilungen stießen an vielen Stellen der Frout gegen unsere Linien vor. Sie wurden abgewiesen. Die Artillerie- täligkeit lebte am Abend wieder auf. Heeresgruppe Deutscher Kronprinz, An den Kampfsrontcn trat zeitweilig Rnhe ein. Südlich der Aisne hat der Feind infolge schwerer Verluste seine Angriffe gestern nicht erneuert. Ruch der Artillerie- kämpf hat hier an Starke nachgelassen. Beiderseits des O u r e q und zwischen Oureq und Marne führte der Feind fast in allen Abschnitte» heftige Teilangriffe. Sir wurden ab» gewiesen; südlich des Ourcq brachte sie unser Gegenstoß zum Scheitern. Feindliche Abteilungen, die beiderseits von Jaul- gönne in unsere Vorpostenstcllungen an der Marne eindrangen, wurden im Gegenangriff an den Fluß zurüchgeworfen. Oertlichc 5tämpfe südwestlich und östlich von N e i m S. Gestern wurden 52 feindliche Flugzeuge und 4 Fesselballone abgeschossen. Leutnant Loewenhardt errang seinen 42. und 43., Leutnant Billik seinen 26., Leutnant Bolle seinen 25. und Leutnant Pippard seinen 26. und 2l. Luststeg. Der Erste Generalquartiermeister. Ludcndorff. Der österreichische Bericht. Wien, 23. Juli 1613. Amtlich wird verlautbart: Auf dem italienischen Kriegsschauplah Artilleriekümpfe wech- selnder Stärke.— An der albanischen Frout setzte der Feind seine Angriffsversuche beiderseits des»deren Drvoli fort; sie wurden alle abgeschlagen. Der Chef de« Generalstabes. ?m Jnni 521000 Tonnen versenkt. Berlin, 23. Juli. Amtlich. Im Monat Juni sind iuS- gesamt 521000 Br.-Reg.-To. des für unsere Feinde nutzbare« Haudelsschifssraums vernichtet worden. Der ihnen zur Verfügung stehende Welthandelsschifssraum ist somit allein durch kriegerische Mastnahmro seit Kriegs» beginn um rund 18 251000 Br.-Reg.-To. verringert worden. Hiervon sind rund III«'5 000 Br.-Reg.-To. allem Verluste der englischen Handelsflotte. Nach inzwischen gemachten Feststellungen sind im Monat Mai auszcr den seinerzeit bekanntgegebenen Verlusten der feind- lichcn oder im Dienste unserer Gegner fahrenden Handelssäsisfe noch weitere Schiffe von rund 48 999 Brutto- 3i e g i st c r- T o n n r n durch kriegerische Massnahme» schwer beschädigt in feindliche Häfen eingebracht worden. , Ter Chef des Admiralstabes der Marine. Honduras erklärt den Krieg. Washington, 23. Juli.(Reuter.) Das Staats- departement meldet, daß Honduras am 19. Juli Deutsch- land den Krieg erklärt habe. Der Abbruch der diplomatische» Beziehungeu erfolgte am 18. Mai. Das Wahlrecht in Polen. Kein Frauenwghlrccht. Warschau, 23. Juli. In der letzten Sitzung der Staats- ratskommission für die Landtagsverfassung wurde endgültig beschlossen. dassdasAlterfürdasaktiveWahlreckt entsprechend dem Regieiungsentivurf auf 23 Jahre fest- gesetzt werden soll. Die Z u l a s s u n g v o n F r a u e n zum aktiven Wahlrecht wurde mit 9 gegen 8 Stimmen bei zwei Enthaltungen abgelehnt Japans Intervention. Eine japanifch-amerikanische Expedition. Amsterdam, 23. Juli. Nach einer Reutermeldung erfährt die„Times" aus Tokio vom 18 Juli, dass der Entwurf der Antwort auf die amerikanischen Vorschläge zu einer Jnterven- tion in Sibirien und die Entwürfe für die an England, Frank- reich und Italien über diesen Gegenstand zu machende Mittei- lung vom diplomatischen Beirat angenommen wurden. Die konstitutionelle Partei hat eine Entschließung angenommen, in der es heißt, daß es angesichts der Tatsache, daß die Jnterventionspläne der Regierung mit den von Washington ausgehenden Vorschlägen übereinstimmten, keinen anderen Weg gebe, als der amerikanischen Auffassung über die Notwendigkeit eines Zu» sammengehens mit den Alliierten zuzustimmen. Wie die„Central News" aus Tokio vom 17. meldet, ist eine gemeinsame japanisch-amerikanische Expedition vorgesehen, die wahrscheinlich von einer Hilfskommission begleitet sein wird. General H o r w a t hat sich am 19. d. M. zum vorläufigen Herrscher über alle russischen Länder ausgerufen. In seiner Proklamation wird erklärt, daß er die Ordnung wiederherstellen und eine gesetzgebende Versanimlung einberufen will._ helfferich tNirbachs Nachfolger. Amtlich gibt Wolffs Bureau bekannt: Der frühere Stellvertreter des Reichskanzlers Staatsminister Dr. H e l f f e r i ch ist zum diplomatischen Vertreter des Deutschen Reiches in Moskau ernannt worden. W-rr Graf Mirbach deutscher Diplomat schlechtweg, so ist Helffe- rich ein Typ des„wirtschaftlichen Imperialismus". Verständnis für die weltgeschichtlich bedeutsamen Experimente der sozialem Revo- lutrvn ist von diesem klug rechnenden Geschäftsmann nicht zu er- warten, um so höher ist seine eindringliche Kenntnis aller kapitalisti- schen Beziehungen, die vor dem Kriege zwischen Deutschland und Rußland bestanden haben, einzuschätzen. Gerald« deshalb ist drin- gend zu wünschen, daß er sich vor dem Fehler hütet, diese kapitalisti- schen Interessen mit den deuischen Reichsinteressen ohne weiteres gleichzusetzen. Es genügt nicht für den Posten eines Botschafters in Moskau, ein tüchtiger Bankmann zu sein, eS gehört auch Ver- ständnis für tiefere geschichtliche Zusammenhänge und für soziale Probleme dazu. In dieser Richtung bedarf der neu« Vertreter Deutschlands bei der Moskauer Sowsetregierung noch im hohem Maße weiterer Entwicklung. Die österreichisihe Krise. Die Regierung Seidler hat ihre Demission gegeben, weil die P o l e n ihren Rücktritt zur Bedingung für die Bewilligung des Budgetprovisoriums gemacht hatten. Ob die Polen für die Bewilligung weitere Bedingungen gestellt haben als die bloß negative, daß Herr v. Seidlcr verschwinden müsse, ist nicht be- kannt. Die angekündigte Bildung eines Beamtenministeriums unter Führung des früheren Unterrichtsministers v. Hussarek sowie der Inhalt des kaiserlichen Handschreibens cm Seidler lassen darauf schließen, daß die Polen vorläufig nicht beab- fichtigen, die Kraftprobe bis zu Ende fortzusetzen. Sie begnügen sich damit, eine ihnen unbequeme Regierung fortgejagt zu haben, im übrigen aber bleiben alle politischen Fragen in ScHvebe. Herr v. Seidler hat höchst unglücklich operiert, denn kaum hatte er gesagt, daß man in Oesterreich ohne die Deut- schen nicht regieren könne, wurde ihm handgreiflich be- wiesen, daß man ohne die Polen auch nicht regieren kann. Und jetzt sind die Tschechen daran, den Beweis zu führen, daß das gleiche für sie gilt, und darum hat der Brünner Rechtsanwalt Stransky im Abgeordnetenhaus eine Rede gehalten, die sich an Feindschaft gegen den österreichischen Staat schlechthin nicht niehr überbieten läßt. Herr Stransky hat in seiner Kriegsrede gegen den Staat von den„acht I r r e d e n t e n" gesprochen, aus denen Oester- reich bestehe, womit er sagen wollte, daß jcdeZ Bolk zu einem nafionalen Schwerpunkt«ußerhalb Oesterreichs tendiere: die Deutschen zum Reich, die Polen zu Polen, die Ruthenen zur Ukraine usw. Er hat dabei nur übersehen, daß gerade sein Volk das einzige ist, das einen solchen Schwerpunkt nicht besitzt und das rettungslos zu einer kleinstaatlichen Existenz verdammt ist, wenn Oesterreich zerfällt. Das ändert nichts an der Tat- fache, daß die Tschechen zu jeder Desperadotaktik bereit sind, wenn ihre nationalen Ansprüche nicht befriedigt werden, dadurch wollen sie eben beweisen, daß ein Oesterreich, das ohne oder gegen sie regiert wird, unmöglich ist. Alles in allem kann nicht geleugnet werden, d«rß die Zu- stände in Oesterreich sehr ernst und in hohem Grade geeignet sind, zur Kriegsverlängcrung beizutragen. Es gibt keine Lösung, wenn sie nicht in dem Vorschlag unserer österreichischen Genossen, Oesterreich zu einem deinvkrastschen Nationalitätswstaat umzu- formen, zu finden ist. DringenSe Zragen öer Kohlen- Versorgung. Von Otto H u e. Je kürzer die Tage werden, desto näher rückt die Sorge um die Hausbrandkohlen. Unsere heimische Kohlenförderung scheint im ganzen genommen nicht mehr weit hinter der im letzten Friedensjahr erzielten Gewinnung(191,3 Millionen Tonnen Stein-, 87,11 Millionen Tonnen Braunkohlen) zurück- zubleiben.„Was Gewisses weiß man nicht," weil seit zwei Jahren die Veröffentlichung der Fördcrstatistik eingestellt ist. Dadurch wurde allen möglichen Hoffnungen, Befürchtungen und smarten Spekulationen der denkbar beste Spielraum geöffnet. Die Sommermonate sind aus mehreren Gründen für die Ansammlung von Hausbrandvorräten am günstigsten; vor allen Dingen tritt dann der im Herbst in der Regel jtark einsetzende Waggonmangel am schwächsten auf, und die schiffbaren Wasserläufe sind meistens im besten Zustande. Dennoch ist der von unserem Genossen Abg. Franz Schmitt(Würz- bürg) erstattete 86. Bericht des Reichstagsausschusses für Handel und Gewerbe„detreffend Kohlenförderung und Kohlenversor- gung" angefüllt mit ernsten Klagen über„ungenügende Bevorratung des Winterbedarfs besonders an Hausbrandkohle n". 1 Es sei auf diesen Bericht verwiesen, der auch sonst noch sehr beachtliches volkswirtschaftliches Material enthält. Dem Schreiber dieses gingen in letzter Zeit persönlich wieder zahlreiche Klagen zu aus süddeutschen, ostelbischen und norddeutschen Verbraucherkreisen, namentlich in landwirtschaft- lichen Bezirken wohnhaft, über eine in jedöm Betracht unzn- reichende Kohlenzufuhr. Die Kalamität scheint demnach diesmal schon frühzeitig einzutreten.„Schafft mehr Kohlen I" heißt es in jenen Zu- schriften, klingt es heraus aus den Presseberichten über die Kohlenmärkte, schallt es aus dem Munde der Zechenbetriebsleiter zu den Kohlengräbern.- Die Reichstagskommission beschloß, den Reichskanzler zu ersuchen,„mit allen Mitteln die Kohlenförderung zu steigern", dieserhalb die Bergarbeiterzahl zu erhöhen, die Ab- fuhren zu forcieren, bevor die Beförderung der neuen Ernte unsere Transportmittel in ausschlaggebender Weise in Anspruch nähme. Dieser Beschluß wäre schon gut, aber seine Durch- f u h r u n g sieht auf einem anderen Blatte. Die Zahl der im preußischen Gesamtbergbau beschäftigten Arbeiter ist von 324 934 im Mittel 1913 auf 652 238 im 4. Quartal 1917 erhöht worden (ohne Internierte und Kriegsgefangene), aber im 1. Quartal 1918 ging die Belegschaft auf 643 544 Köpfe zurück. Mit den Internierten und Kriegsgefangenen ist die Gesamtbelegschaft zwar wohl kopfreicher als vor dem Kriege, aber es wirken nun große Mengen bergmännisch ungeschulter Leute, und überhaupt ist der Fördereffekt wegen der u n a u s k L m m- lichenErnährung der Arbeiter und infolge mängelreichen Betriebsmaterials zurückgegangen.(Ucbrigens ist auch die britische Kohlenförderung 1917 um 13 Proz. geringer als 1913 gewesen, obschon die Arbeiterzahl nur 9 Proz. niedriger war.) Wie hoch unsere Gesamtförderung an Stein- und Braun- kohlen ist, wie die Verbrauchszuteilung der Menge nach im In- lande erfolgt und wie stark die Ausfuhr nach den verbündeten und neutralen Ländern ist, darüber ist der Schleier des Ge- heimnisses gedeckt, was natürlich nicht ausschließt, daß die Lei- tungen der großen Zechen- und Händlerkartelle, also bestimmte Jnteressentengruppen, die betreffenden Ziffern kennen. Jedenfalls ist es von unabsehbarer Bedeutung für unsere innerpolitische Lage, daß die Bevölkerung im kommenden fünften Kriegswinter möglichst wenig unter dem Mangel an Heiz- und Leuchtstoffen leidet. Bei weiter verschlechterter Ernährung auch noch in ungeheizten und unbeleuchteten Wohnungen hausen zu müssen, das geht schließlich über die Kraft. Unserer Bevölkerung in Stadt und Land kann versichert sein, daß die Berg- arbeitermassen die Bedeutung ihrer Aufgaben begreifen und gewillt sind, ihre Pflicht gegenüber der Allgemeinheit zu erfüllen. Was die Kohlengräber heute unter sehr schwierigen Verhältnissen leisten, darüber kann erst in späterer Zeit ohne Zurückhaltung berichtet werden. Gesagt muß jetzt schon werden, daß diese Arbeitermassen für ihre ungemein aufreibende Tätig- keit keineswegs die allseitig gebührende Anerkennung finden. Im Gegenteil, es geschieht mancherlei, was ge- eignet ist, die Arbeitslust der Bergarbeiter herabzudrllckenl Vier Jahre Krieg mit steigender materieller und seelischer Not liegen bald hinter uns.„Ein Volk von Brüdern wollen wir sein," hörten wir in wer weiß wie vielen Kundgebungen; die „innere Front" solle durch gegenseitige Verständi- gung stark gehalten werden. Wie sieht es damit in der Berg- bauindustrie aus? Die Organisationen der Gruben- besitzer stehen der Vereinigung der Berg- arbeiter noch genau so hochmütig ablehnend gegenüber wie vor dem Kriegel Noch immer wird die Verfemung und zeitweilige Aussperrung„unbot- mäßiger" Bergarbeiter stellenweise so gehandhabt wie vor den Augusttagen 1914.„Jede Arbeitskraft ist wertvoll, sie darf nicht ungenutzt bleiben," heißt es in militärischen Proklamationen— dessenungeachtet muß sich der Ruhrbergarbeiter darauf gefaßt machen, 14 Tage ausgesperrt z u sein, wenn er auch den Abkehrschein erhalten hat, uni auf einer anderen Zeche an- zufahren! Diese Arbeiter werden durch Herren- Willkür zum Feiern gezwungen! Die auf Grund des Hilfsdienstgesctzes errichteten S ch i e d s- gerichte werden von Wcrksverwaltungen sabotiert, in- dem sie die Verhandlungen systematisch hinziehen, die den Ar- beitern günstigen Schiedssprüche einfach nicht anerkennen oder so auslegen, daß die Streitigkeiten nicht abreißen. Die Arbeiter- ausschüsse werden als bloße Unterhaltungsklubs behandelt, mit vagen Redensarten abgespeist oder gänzlich ignoriert. Tritt ein Velegschastsmitglied energisch für die Jnnehaltung der Zusagen auf, so erinnern sich die Unternehmer rechtzeitig daran, daß der Mann reklamiert ist. Eine Ver«besserung unserer Kohlen der sor- g u n g k a n'n durch eine Praxis, die mit den stärk- sten Mitteln des Zwanges arbeitet, durchaus nicht erzielt werden, vielmehr wird hierdurch die Ar- beitslust der Kohlengräber außerordentlich herabgedrückt. Mit solchen Mitteln läßt sich eben nicht„alles" erreichen. Es muß dabei immer wieder hervorgehoben werden, daß die Berg- arbeitermassen den guten Willen zur Erfüllung ihrer Berufspflicht haben und dies in zahlreichen Beleg- lähaftsversammlungen ausdrücklich betonen. Mit einer solchen Arbeiterschaft muß doch zu einer beruhigenden Ver- Bändigung zu kommen sein, wenn auf der anderen Seite der gute Wille dafür existiert. Aber wie wird verfahren? Am 25. Juni d. I. sandten die Vorstände der vier Vergarbeiterverbände eine gemeinschaftliche Eingabe um Lohnzulagen für die r h e i n i s ch- w e st f ä l i- kchen Bergleute an den Vorstand des Zechenbesitzerver- dandes CEssen) und ersuchten diesen hoflich um eine Aussprache. Nun wäre die gute Gelegenheit da, sich über die Möglichkeiten einer Lohnaufbesserung, über die Schwierigkeiten der Arbeits- Verhältnisse, die Höhe der Kohlenpreise usw. auszusprechen. Man darf versichert fein, daß die Gewerkschaftsvorstände der kritischen Situation sachlich und persönlich gerecht geworden wären. Leute sind bald drei Wochen seit Abgang der Eingabe verstrichen, aber der Zechenvorstand bat die Arbeiter nicht einmal einer Antwort gewürdigt! So Verfahren die Zechenherrcn noch nach Ab- lauf von bald vier schweren Kriegsjahren. Sie müssen wissen, daß diese hochmütige Behandlung ihrer Organisation die Ar- beiter in Erbitterung versetzt und keinesfalls dazu angetan ist, die unter schlechter Ernährung und geradezu wahnsinnig ge- steigerter Teuerung leidenden Belegschaften seelisch aufzufrischen. Die Wcrksverwaltungen müssen aus den Arbeiterausschiissen und erregt verlaufenen Belegschaftsversammlungen wissen, daß sich der Arbeiterschaft immer mehr eine Stimmung bemächtigt, die zwar zeitweilig unterdrückt werden mag, aber nicht zum Vorteil unserer Kohlenversorgung. Ein gutes Wort würde die Arbeiter schaffensfreudiger machen, eine verständigende Aus- svrache mit den Vertrauensleuten der Arbeiterorganisationen würde sicherlich entspannend wirken. Indessen dieses Mittel verwerfen die Zechenherren. Sie verlassen sich letzten EndeS auf ganz andere Maßnahmen, wie charakteristische Aeuße- rungen von Werksorganen annehmen lassen. Gibt es in Deutschland keine Macht, die die Zechenherren zwingen kann, mit den Bergarbeiterorgani- sationen inVerhandlungeneinzutreten? Sollen die natürlichen Schwierigkeiten unserer Kohlenversorgung noch künstlich gesteigert werden durch den krassen Herrenstandpunkt der Kohlengrubenbesitzer? Wir stellen diese s e h r e r n st e F r a g e nun vor der breiten Oeffentlichkeit und erwarten von der R e i ch s r e g i e r un g, daß sie recht bald die Widerspenstigen zur Anerkennung der ge- -neinwirttchastlichcn Notwendigkeiten nötigt. Die Arbeiterver. treter sind jetzt wie auch früher zur Mithilfe bei der Verstand!- gung bereit. Aufreizende Herrenliebhabereien gestatten die Zeit- Verhältnisse aber nicht._ Die österreichisthe Krise. Das Abschiedsschreiben an Seidler. Wien. 23. Juli. Die„Wiener Zeitung" veröffentlicht das nachstehende Allerhöchste Handschreiben: Lieber Dr. Ritter von Scidler! Sie haben unter Berufung auf die Gestaltung'der pavlamen- tariscken Lage mir die Bitte um Enthebung vom Amte unterbreitet, welcher Bitte sich die übrigen Mitglieder des Kabinetts anschlössen. Zur Begründung des Ansuchens haben Sie darauf hingewiesen, daß Sie sich für?khve Bemühungen im Abgeovdnetenhcmse eineMehr- heit für die Staats Notwendigkeiten zu sichern, ke i- rt en Erfolg mehr versprechen, daß aber die Hindernisse lediglich in Ihrer Person und in Ihrem Verhältnis zu einer politischen Par- tei gelegen sind, die gegenüber den Staaisnotwendigkeiten keine ab- lehnende Haltung einnimmt, vielmehr bereit wäre, eine andere, d,e nämliche allgemeine Richtung verfolgende Regierung zu unterstützen. Unter diesen Umständen er- blicken Sie selbst in Ihrem Rücktritte die Vorbedingung für eine be- ftiedigend« Klärung der parlamentarischen Situation. So schwer es mir fällt, auf Ihre fernere Tätigkeit an der von Ihnen unter den schwierigsten Verhältnissen zu meiner vollsten Zufriedenheit versehe- ncn Stelle zu verzichten, vermag ich mich doch Ihren politischen Er- wägungen nicht zu verschließen. Bon der Absicht geleitet, die von Ihnen verfolgte Richtung unter Wahrung des vertrauensvollen Ver- hältniffes zu jenen Gruppen, die für die Bedürfnisse des Staates einzutreten gewillt sind, im Zusammenwirken mit der Volksvertve- tung f est gehalten zu sehen, sind« ich mich'daher bestimmt, die Demission des Gesamtkabinetts in Gnaden anzunehmen und beauf- trage dasselbe bis zur Bildung einer neuen Regierung mit der Fortführung der Geschäfte. Karl m. p. Seidler m. p. Eckartsau, am 22. Juli 1318, Beamtenministerium Hussarek. Wien, 23. Juli. Den Blättern zufolge erschien der designierte Mimsterpräsident v. Hussarek vormittags im Abgeordnetenhauss und empfing zunächst die Mitglieder des VerbandsauSfchusseS der deutschnationalen Parteien, wobei er die Richtlinien der Politik ent- wickelte, die er im Falle seiner Ernennung zum Mimsterpräsidenten befolgen würde. Aus diesen Darlegungen geht hervor, daß er vor» läufig ein Beamtenkabinett unpolitischen Charak- t« r e S zu bilden beabsichtige, das er jedoch in einem späteren Zeit- punkte durch Aufnahme von Parlamentariern umzu- gestalten gedenke. Unmittelbar darauf trat der Verbaird Zausschuß der dvatschnationalen Parteien zusammen, um zu den ErKärungen Huflar ekS Stellung zu nehmen. �... Na chden Vertretern der deutschnationalen Parteien empfing hussarek den Vorstand der christlichsozialen Vereinigung. Nach- mittags wird er Vertreter der Tschechen, Südslawen und Ukrainer empfangen. Tie Ministeranklage der Tschechen abgelehnt. Wien, 22. Juli. Das Abgeordnetenhaus verhandelte über den tschechischen Antrag auf Erhebung der Ministeranklaze gegen den Ministerpräsidenten Dr. v. Seidler scwie gegen den ehe- maligen Minister des Innern Grafen Toggenburg wegen Er- lassungderKreiSverordnungfürBöhmen. Ter An- trag wurde von dem Tschechen Stransky eingehend begründet, von dem Südslawen R a v n i h a r, dem Italiener G r a n d i, dem Altpolen S k a r b e ck, von den Deutschen. Ukrainern, Rumänen be- kämpft. Der Sozialist Se i tz erklärte den Standpunkt der deutschen Sozialdemokraten hinsichtlich der nationalen Selbstregierung im eigenen Sprachgebiet, erklärte jedoch, daß die deutsch« Arbeiterschaft sich entschieden dagegen wehren werde, daß 3% Millionen Deutsche Böhmens, Mäh- rens und Schlesiens unter die Herrschaft eines tschechischen Staate? fallen. Der Minister des Innern v. G a y e r wies die Geschäftsmäßig- keit und Notwendigkeit der Kreisverordnung für Böhmen nach, wo- bei er feststellte, daß es sich bloß um Maßnahmen handle zur Erleich- terung der Verwaltung in Böhmen. Der Minister liegte dar, daß die Voraussetzungen für die Anklage nicht bestehen. sBeifall.) Wien, 23. Juli. Das Abgeordnetenhaus lehnte nach zweitägiger Behandlung in namentlicher Abstimmung mit 215 gegen 162 Stirn- uten den Tschechenantrag auf Erhebung der Ministeranklage gegen Ministerpräsident Dr. Richard v. Seidler und den gewesenen Mi- ntsber des Innern Graf Toggsnburg wegen Erlaflung der Kreis- Verordnung in Böhmen ab. Danach begann die Verhandlung de? von den Obmännern ftratl- licher Parteien eingebrachten Antrages, worin die Regierung auf- gefordert wird, über die Borkommnisse an der Südwestfront und im Hi-nterlande genaue Auftchlüffe zu erteilen. Die Verhcmd- lnng erfolgte gemäß dem Beschluß des Hauses in geheimer Sitzung. Wien, 23. Juli. DaS Präsidium deS PolenkluSS ist infolge der Haltung eines Teiles des Polenklubs, der für den Antrag Stransky gestimmt hatte, zurückgetreten. Tie Finanzlage. Wien, 22. Juli. Finanzminister Frhr. v. W i m m e r unterbreitete dem Abgeordnetenhcruse den Staatsvoranschlag für 1918/19. Die gesamten Staatsausgcrben werden auf 24 321 Millionen veran- schlagt, davon sind 6439 Millionen fortdauernde Ausgaben, der Rest, 17 882 Millionen vorübergehende Ausgaben. Als Staatseinnahmen sind 4855 Millionen Kronen veranschlagt. Zur Deckung dieses Ge- samtabgangs beansprucht die Regierung wie im Vorjahre Kredit- ermächtigungen zur Beschaffung von 21 Milliar- den. Am 36. Juni 1918 betrug die aus allen Kviegskreditoperatio- neu entstandene Schuldsumme 57 Milliarden. Die öeutsche Sozialüemotratie unö Elsaß-Lothringen. Zu den Erklärungen Huhsnians über die Haltung der beut- schon Mehrheitssozialisten und den Erläuterungen, die„Man- ehester Guardian" dazu machte(sie waren gestern hier wieder- gegeben), schreibt das„Volksblatt" für Kassel: Dem Genossen Scheidemann ist es bei seinen Besprechungen mit Troelstra nicht im Traume eingefallen, zu versichern, daß die deutsche Sozialdemokratie in bezug auf Elsaß-Loth- ringen den Wünschen der Entente entgegenkomme» würde. Im Gegenteil. Wir haben den heute in Cassel anwesenden Genossen Scheidemann sofort über die Angelegenheit beftagt und von ihm nachstehende Erklärung erhalten:„Ich weiß nicht auf Grund welcher Unterlagen Camille HuySmans seine Meinung stützt, daß die deut- sche Sozialdemokratie geneigt sei, in der elsaß-lothringischen Frage Konzessionen zu machen. Ich selbst habe vor wenigen Wochen in einer langen Unterredung dem Genossen Pierre Troelstra in Sche- veningen gesagt: In der belgischen und elsaß-lothringischen Frage berufe ich mich auf unser Stockholmer Memorandum.„Die F o r- derungen der Entente in bezug auf Elsaß-Loth» ringen versteht in Deutschland kein Mensch." Ueber den Sinn dieser Aeüßerung war Genosse Troelstra selbftverständ- sich nicht eine Sekunde lang im Zweifel." Lelgien und dk Iauftpfanöcheorke. Erklärung deck belgischen Ministerpräsidenten. Aus Le Havre, dem Sitz der belgischen Regierung, meldet die Agence Havas: Bei einem von der belgischen Regierung belgischen Parlamentariern gegebenen Frühstück erklärte Ministerpräsident Cooreman: Belgien will keinen anderen Frieden, als einen Frieden der Ehre und des Rechts. Er weist die kühne, kürzlich im Reichs- tag auögeiprochene Theorie zurück, aus Belgien ein Faustpfand in den Händen feines Schuldners zu machen, welcher von Belgien Bürgschaften gegen seinen An- greiser verlangt. Belgien wird sich über die Reorganisation der Beziehungen zwischen den Staaten nur in vollem Einvernehmen mit den Mächten aussprechen, welche mit ihm für die Sache des Rechts kämpfen. Man wird von Seiten eines belgischen Ministers nach Lage der Dinge eine andere Haltung nicht erwarten können. Herr Cooreman, dem bei seinem Amtsantritt allerhand Nei- gung zur Abkehr von gewissen Ententeländern angedichtet wurde, hat zugleich die günstige Gelegenheit nicht ungenutzt gelassen, der Entente auch bei dieser Gelegenheit in Worten zu bekräftigen, daß er die Politik seines Vorgängers fort- zusetzen willens ist. Er liefert damit für seinen Teil ein Stück Textunterlage zu der Rede, die von Lloyd George in diesen Tagen zu erwarten ist. Tiszas Sieg über öas Irauenwahlrecht. Die Mehrheit deS ungarischen Parlaments, die noch immer herrschende Nationale Arbeitspartei, hat, wie gemeldet, auch daS Wahlrecht der Frauen abgelehnt. Nach der Verfälschung der ur« sprünglichen Wahlrechtsvorlage, nach der Ausschaltung der Arbeiter- massen von dem Wahlrechte konnte man mit Bestimmtheit darauf rechnen, daß daS reaktionäre Gebühren der TiSza-Fraktion auch bei dem Frauenwahlrecht nicht naSgeben werde. Trotzdem die Be- ratung deS Frauenwahlrechts sich nur um die Frage drehte, ob ein paar Tausend„diplomierte* Frauen deS WahlreckUS würdig er- achtet werden— die Arbeiterfrauen waren schon im voraus deS Wahlrechts entkleidet worden— wurden sämlliche Anträge, sowohl der des Ministerpräsidenten als auch die dreier Abgeordneter, mit großer Majorität abgelehnt. Nach achtstündiger Beratung stimmten für die Anträge alles in allem nur 36, gegen da§ Frauen« Wahlrecht aber 161 Abgeordnete, nahezu die gesamte Nationale Ar- beitspartei. Unter den Abgeordneten, die für daS Frauenwahlrecht ein- traten, befand sich auch der Schöpfer der demokratischen Wahlrechts- Vorlage, der ehemalige Justizminister V ä z s o n y i, der entschieden für den ursprünglichen Text seiner WahlrechlSvorlage eintrat. Auch Graf Julius A n d r e s s h trat für das Frauenwahlrechr ein, jedoch war alle Mühe umsonst, TiSza hatte feine Karten gut gemischt, daS Frauenwahlrecht wurde niedergestimmt. Die Gegenrevolution in Rußland. Die Lage in Murman. Stockholm, 23. Juli. Nach einer Meldung aus Helfingfor« sind die Engländer im Vorrücke» von Murman gegen Archangelsk be- griffen. Letztere Stadt ist bereits ernstlich bedroht. Die Mitglieder deS Arbeiter- und Soldatenrats in K e m wurden gefangen ge- nommen und hingerichtet. Die Truppen der Alliierten haben die Linie Kantalask— Kem besetzt. Moskau, 20. Juli. Die hiesige Presse meldet: General Gnrko ist zum Kommandierenden der verbündeten Truppen in Murman er- nannt worden. Unter dem Protektorat der Entente soll eine Wologdaer Republik gegründet werden, die Murman und Teile von Nordruß- land bis zum Ural umfaßt. Die Engländer haben Leute der russischen Abtei. l u n g für den außerordentlichen Schutz der Murmanbahn zum Eintritt ins Verbandsheer überredet, auch Mel- düngen der russischen Zivilbevölkerung zum Eintr.tt organisiert. Die Werbung war anfangs erfolgreich, jetzt ist wegen Bedrückung scharfer Umschwung eingetreten. Die Rätegewalt in Archangelsk verfügte Räumung des KriegShafenS, die Anlag« von Befestigungen, Mobilisiernng der Genie- und Artillerietruppen sowie allgemeine Mobilisierung der fünf jüngsten Fahrgänge. Laut„MurmanSki Westnik* verließen die Truppen der Zentral- regierung Soroki, am 7. Juli ist dort ein englischer Kreuzer eingetroffen. Die gesprengten Brücken werden wieder Sergestellt. Der Stab Mnrajews im Bestände von 24 Mann wurde auf Station Rusajewka der Murmanbahn verhaftet. Sowjetregierung und Entente. Moskau, 20. Juli. Nach einer Meldung der„Jswestifa" soll der französische Generalkonsul dem Volkskommissar für Auswärtiges erklärt haben, daß das Mitglied der fron- zösischen Mission Guinet seine Bollmacht über» schritten habe, als er den Tschechen für dir Eroberung Sibiriens namens der Berbandsmächte dankte. Das Blatt weist dagegen auf französische und eng- isch e Pr e sse sti m m e n hin, welche die Tschechen als Retter Rußlands feiern und in der Besetzung der sibirischen Bahn durch die Tschechen den Zeitpunkt für das aktive Eingreifen Japans verkünden, um sich die ihm in der Weltpolitik zu- kommende Stellung zu sicher«. Trotzki veröffentlicht einen Aufruf, die Wolga, den Ural und Sibirien vom Feinde zu säubern und die brotabsperrende sibirische Schlange zu erwürgen. Er verbietet allen Militärinstitutionen und Militärbeamten, englischen und französischen Offizieren irgend welche Hilfe zu leisten. Diese Offiziere seien streng zu überwachen und ihre Reisen zu verhindern. In Moskau wurde zum zweiten Male dos Erscheinen aller nicht-bolschewistischen Zeitungen verboten. Die Zeitung„Rowaja „Shisn" wurde geschlossen. Der Chef der Gendarmerie in I a r o S l a w, Generalmajor Motschalow, wurde wegen gegen- revolutionärer Umtriebe verhaftet. Der Stab der freiwillige» Armee am Don gibt bekannt, daß alle freiwilligen Formationen ihr unterstehen. Stabschef ist General Alexew und kommandierender General Denikin. Der Aufstand der Weiß-Gardisten in Murom ist unterdrückt. Murom ist eine klein« Stadt von 13 000 Einwohnern in den? Gou- vernement Wlodimie, 260 Kilometer östlich von Moskau. nc.20t 35. Jahrgang Seilage öes vorwärts Mittwoch, 24.7uli1H18 GroßGerlln Ein mißglücktes Debüt. Daß es einen Staatskommissar für das Woh- nungs wesen gibt, werden bisher die wenigsten Ein- wohner Berlins gewußt haben. Sie hausten in ihren wäh- rcnd der vier Kriegsjahre stark ramponierten Dach-, Keller- und Hinterhauswohnungen, empfingen gehorsam an jedem kontrakrlich zulässigen Termin die Steigerungsbricfe ihrer Hauswirte und ahnten nicht, daß es einen hohen Würden- träger gibt, der amtlich berufen ist, über allen diesen Vor- gängen ein wachsames Aitge zu haben. Nur zwei Berliner Bürgern ist bisher die Existenz dieser Amtsperson sühlbar zum Bewußtsein gekommen: dem Fabrikbesitzer F r ö h- l i ch und dem Rentier Kronhausen. Beide wohnten seit Jahresfrist in einem dem Fiskus gehörigen vornehmen Hause in der Großen Q u e r a l l e e, und � hatten sich ihre Wohnungen, da der Vermieter eine Kündigung für absehbare Zeit als ausgeschlossen erklärte und sie über das nötige Kleingeld verfügten, mit einem Kostenaufivand von zirka 9000 Nf. in Stand setzen lassen. Bei ihnen erschien eines Tages ein Herr v. Coels van der Brügghen, der sich als Staatskommissar für das Wohnungs- wesen zu erkennen gab und, obwohl die beiden Mieter über ihre Quartiere nicht iiP geringsten zu klagen hatten, die Wohnungen einer gewissenhaften Besichtigung unterzog. Als Resultat seiner Inspektion gab er ihnen bekannt, daß auch er mir dem Zustand der Räume durchaus zufrieden sei, und zwar in so hohem Maße, daß erste als Dienstwohnung für sich s e l b st in Anspruch zu nehmen gedenke. Am 1. Oktober sollten die bisherigen'Inhaber die Wohnungen räumen. Leider hatten nun die Herren Fröhlich und Kronhausen in nhrcm beschränkten Untertancnverstande keine Ahnung von den Pflichten und Aufgaben eines staatlichen Wohnungs- kommissars und konnten nicht begreifen, daß für die Tätigkeit eines solchen Beamten-eine prunkvolle Dienstwohnung ein unerläßliches Requisit ist. Denn jeder, auch der abgebrühteste Nörgler, der ihm in amtlichet Eigenschaft einen Besuch macht, könnte sich hier durch den Augenschein davon überzeugen, daß es in dem wegen seiner Wohnungsnöte berüchtigten Berlin doch auch Gottlob noch Stätten gibt, wo man bequem, vornehm und elegant Hausen kann. Die Herren Kronhausen und Fröhlich sahen dieses, wie gesagt, nicht ein und wandten sich klagend an das zuständige Mieteinigungsamt. Und diese Behörde— man möchte es im Lande Preußen fast nicht für möglich halten— gab den beiden Klägern xecht, indem sie den Herrn Wohnungskommissar darüber belehrte, daß in den jetzigen Zeiten der Handwcrkexstot und der Transportschwierigkeiten Umzüge und bauliche Umgestaltungen nur in den dringendsten Fällen Anspruch auf Ausführung hätten. Ein solcher Fall liege aber hier um so weniger vor, als der Herr Wohnungs- kommissar in seiner.Eigenschaft als Unterstaatssekretär im Ministerium der öffentlichen Arbeiten ja bereits eine aus- kömmliche Wohnung'besäße. So droht nun dem Manne, der dazu berufen ist, der Wohnungsnot zu steuern, eine, wenn auch' nur partielle. Ob- dachlosigkcitr denn wenn auch der Herr Unterstaatssekretär v. Coels van der Brngghckl zur Not eine Unterkunft hat, so weiß doch der Herr Staatskommissar nicht, wo er sein Haupt niederlegen soll. Wiv aber glauben im Sinne aller Berliner zu sprechen, wenn ivir der Hoffnung Ausdruck geben, daß der neue Wohnungskomnrissar in seinen zukünftigen Amts- Handlungen dieselbe rücksichtslose Energie zum Wohle der Allgemeinheit entfalten möge, die er in der Wahrnehmung seines persönlichen Interesses bewiesen hat, daß ihm aber bei seinen Amtshandlungen mehr Glück be- schieden sein möge, als bei seinem ersten so schnuihlich miß- glückten Debüt in der Oeffentlichkeit. Warte nur, balde— kriegst dn sie auch. Die Nährmittelstelle des Berliner Magistrats schrieb uns am 17. Juli, die auf die Abschnitte 40— 42 der Berliner Lebensmittelkarte elwa noch nicht gelieferten Nährmittel würden„im weientlicken' am nächsten Tage geliefert sein. Das versicherte sie in ihrer Erwiderung auf einen„Vorwärts'-Artikel, der die späte Lieferung dieser Aährniittel bemängelte. Seitdem find nun schon wieder mehrere Tage vergangen, aber noch immer wird auf den Schluß der Lieferungen gewartet. Wir stellen fest, daß noch am 23. Juli nicht alle Einwohner Verlins im Besitz dieser Nährmittel waren. Was soll man mit angesäuerter Milch machen? Den Hausfrauen, die über Lieferung angesäuerter Much klagen, will eine durch die Zeitungen gehende Mitteilung einen Rat. geben. Saure Milch, lesen wir da, sei ein ebenso wertvolles Nahrungs« mittel wie süße und könne im Hanshalt gut und restlos verwendet werden. Man solle sie ungekocht dick werden lassen und sie so ge- nießen, man könne aber auch Quarkkäse aus ihr bereiten, wobei freilich der Milchzucker verloren geht. Es wird nicht viel Haus- frauen geben, denen diese Belehrungen etwas Neues sagen. Die Klagen geben von denjenigen Frauen aus, die nicht dicke Milch wünschen, sondern süße Milch zur Bereitung von Speisen. Aber auch da hält die erwähnte Zeilungsnachricht einen Rat be- reit. Beim Kochen angesäuerter Milch könne durch Mehl« zusatz— ein Etzlöffel Mehl auf einen Liter Milch—, verhütet werden, datz sie zusammenfällt. Man solle das Mehl mit einer geringen Menge ungelochter Milch in einer Tasse verrühren, das Gemisch zur übrigen Milch tun und diese unter ständigem kräftigem Umrühren kochen. Die Zusammenballung des Käsestoffes in grötzercn Klumpen werde dabei verhindert und man bekomme eine Milch, die ähnlich der Butlermilch das Milcheiweiß in feinflockigcm Zustand enthält. Sie sei nicht nur ein wohl- schmeckendes Getränk, sondern könne auch als Suppe genossen werden, ohne datz irgendwelche Nährstoffe verloren gehen. Ins- be ondere sei die so zubereitete Milch auch für die Kinderernährung gut geeignet. Vermutlich wird bei diesem Rezept an die Ernährung nur der älteren Kinder, nicht auch der Säuglinge gedacht. Den Säuglingen will selbst die Fettstelle Grotz-Beriin nicht die an- gesäuerte Milch geben lassen, die jetzt hierher gelieserr und in den Handel gebracht wird. Für die Säuglinge und für Kleinkinder bis zu vier Jahren bestimmt die Fettstelle die süße Milch, soweit solche vorhanden ist, und nur Kinder über vier Jahre sowie Kranke und Schwangere sollen angesäuerte Milch erhallen. Hierzu teilt unS freilich»in Milchhändler mit, datz in der vorigen Woche an zwei Tagen bei der ihm überwiesenen Milch nicht mal io viel süße war. wie er zur Befolgung jener Vorschrift der Fcllslelle gebraucht hätte. Wo etwa sogar für Säuglinge nur angesäuerte Milch ver« fügbar ist, wird wohl auch mit dem schönen Kochrezept nichts zu machen sein. Der Milchhändler sieht hauptsächlich bei den Milch- bauern die Schuld daran, datz jetzt so viel Milch schon halb lauer nach Berlin gclie'erl wird. Er empfiehlt den Frauen, ihre Milch möglichst am frühen Morgen abzuholen und sie sofort zu kochen. Der Rat ist an sich gut. aber auch das wird nicht viel helfen bei einer Milch, die schon angesäuert hier eintrifft. Gemüsezufuhr. Der Berliner Magistrat teilt mit: In der Woche vom 15. bis 22. Juli hat der Magistrat und die von ihm ins Leben gerufene Städtische Obst-.und Gemüieverteilung 393 Eisenbahnwagen mit Gemüie«in erster Linie Mohrrüben, Karotten, Kohlrabi und Schoten) dem hiesigen Marks zugeführt. Daneben haben die Abmachungen deS Magistrats in der gleichen Woche eine Zufuhr durch Gespanne von 858 131 Kilogramm Gemüse nach Berlin gebracht, darunter von den Berliner Niesellandpächtern 357 Fuhren mit 493 311 Kilogramm. Bon der Neichsslelle für Gemüie und Obst sind während der- selben Zeit 59 Eisenbahnwagen— vorzugsweise Spitzlohl, Gurken, Schoten, Blumeulohl— für Grotz-Berlm herangebracht. Mlschuyg amtlicher Preise in Schuhwarenlädcn. Die im vorigen Monat von uns mitgeteilten amtlichen Feststellungen über die Zurückhaltung von Schuhwaren aus dem freien Handel durch Lichtenberger Händler bedürfen noch einer be- zeichnenden Ergänzung. Die gekennzeichneten Handelsbetriebe haben, wie uns von Llchlenberger städtischer Seite mitgeteilt wird, nicht nur die Lederwaren der Bevölkerung vorenthalten, sondern auch die amtlich vorgeschriebenen Richtpreise entweder ganz be- s e i t i g t oder in auswärts steigender Linie ergänzt. Da immer neue Klagen über Unredlichkeiten aller Art gerade im Schuhhandelsgewerbe in der Bevölkerung laut werden, kann nur an die Zivilkurage der Bürgerschaft appelliert werden. Man melde freimütig die Händler, die z. B. nur gegen Lebensmittellieferung Ware abliefern wollen, den Magistrats- oder polizeilichen Dienst- stellen._ 5?ahrgeldhinterziehunssen auf der Strastenbahn. Die Direktion der Berliner Slratzenbabn macht bekannt: Durch die starke Mebrbelastung der Stratzenbahnwagen in der Kriegszeit ist namentlich auch nach Einführung lller neuen Tarifbestimmungen die Zahl der Fahrscheinhinlerziehungen so bedenklich gestiegen, datz die Direktion der Großen Berliner Slratzenbabn auf Abhilfe be- dacht sein mutz. Von den Fahrgästen wird die Verpflichtung, sich vom Schaffner unaufgefordert abfertigen zu lassen, vielfach ircht mehr beachtet. Deshalb haben die Betörderungsbedingungen der Straßenbahn mit Genehmigung der Anfsichlsbehorden folgende am 1. August wirksam werdende Ergänzung erhalten: Zahlungspflichtige Fahrgäste, die sich auf die Frage deS Schaffners, ob noch jemand ohne Fahrschein ist. nicht melden, haben unbeschadet der Strafverfolgung wegen Hinter« ziehung des Fahrgeldes den Betrag von 1 Mark gegen Quittung zu entrichten. Wird also vom 1. August ab bei stattfindender Kontrolle ein Fahrgast ohne für die Fahrt entwerteten Fabrlckein oder Fobrkurte im Wagen angetroffen, und stellt der Aufsichtsbeamte durch Nach- frage beim Schaffner fest, datz während der Mitfahrt des Fahrgastes die Frage, ob noch jemand ohne Fahrschein ist, gestellt worden ist, so hat der Fahrgast neben dem Fahrgeld für die Fahrt den Betrag von 1 M. an den Aussichtsbeamten zu entrichten, wofür als Quittung eine entwertete Sammellarte verabfolgt wird. Der gleiche Betrag wird erhoben, wenn bei Kontrolle für einen Hund oder ein gebührenpflichtiges Gepäckstück ein gültiger Fahrtausweis nicht bor- gezeigt wird. Die Fahrscheinkontrolle wird in Ziikunft auch durch Aufsichts- beamte in Zivilkleidung vorgenommen werden. KirchcnnuStrittc in Berlin. In den vier Fohren von 1914 bis 19 l7 sind bei den Ainisperichten in Berlin beinahe 2999 Kaiholikcn ausgetreten. Daneben 9799 Evangelische. 1914 sind 5667 Evange- tische aiisgelrclen, im ersten Äciegsjabr 19l5 aber nur 459. 1916 traten 2921 Evangelische in Berlin aus. Diese Zahl ging 1917 wieder auf 1649 zurück. Sarraiani Im fsirkus Bnsch-Gebäudr. Die Aufführungen des Massen-ManegcschaustückeS.Torpedo loS!' werden onlätzlich der Schulserien nunmehr auck in den Nochmittagsvorstellungen heute Mittwoch und sonn- abend wiederholt. Diese um 3 Uhr beginnenden Nachmittagsvorstcllungeu finden zu ermäßigten Preisen statt, und zwar zahlen Erwachsene und Kinder halbe Eintrittspreise. Ein sehr gefährlicher Brand brach gestern nachmittag, wahr- scheinltch durch die Explosion eines Flugzeugs hervorgerufen, auf dem grotzcn Holzplatz der Akttenge s ellschaft Artur Müller, Land- und Industriebauten in nächster Nähe deS Flugzeugplatzes in Johannisthal aus. Das Feuer nahm in kurzer Zeit eine große Ausdehnung an, so datz die ringsum gelegenen Flugzeugwerke in Gefahr gerieten. Die Feuerwehren von Nieder- schöncwelde und Jobannistbal waren mir der Bekämpfung des Brandes vollauf beschäftigt, während die Wehr des Flugplatzes ein weiteres Umsichgreifen zu verhindern suchte. Der Schaden ist sehr beträchtlich. Panik bei einem Brande. Am Dienstag vormittag wurde die Berliner Feuerwehr wegen eines gesährlichen Wobnungsbrandcs nach der Bern au er Str. 193 alarmiert. Dort stand im ersten Stock deS linken Seitenflügels die Wohnung des Aibeiters A. Vor- k a il f total in Flammen. Diese gefährdeten die Hausbewohner, besonders aber die in der brennenden Wohnung befindlichen Kinder der Familie Vorkauf. Beherzte Mitbewohner drangen in die total verqualmten Räume ein und holten die vier kleinen Kinder der Familie im Alter von sechs Monaten, drei, vier und fünf Jahren mit eigener Lebensgefahr noch lebend heiaus. Das jüngste Kind starb schon auf dem Wege zum Krankenhaus. Die Feuerwehr, die in großer Stärke ausgerückt war. nahm sosorr mehrere Schlauchleitungen vor und gab kräftig Wasser. Gleichzenig wurden die geängstigten Hausbewohner von den Ol'fizicren und Mannsckiaften beruhigt. Den vereinten Bemühungen gelang es, weitere Gefahren zu verhüten und die Flammen auf die Woh- nung im ersten Stock zu beschränken. Dieie ist fast ausgebrannt. Die Enlstebung wird aus uuvorsichiigeS Spielen der Kinder zurück- gesührt. Die Mutter, die ausgegangen lvar, fand bei ihrer Rückkehr die ausgebrannie Wohnung vor-und eifuhr den Tod ihres Kindes. Den drei Geschwistern ging es verhältnismäßig gut. Sie hatten vom Rauch geliuen, dürften sich aber wieder erholen. Die Erregung unter den zahlreichen Bewohnern des Grundstücks war groß. Dir spanische KraUkheit machte der 39 Jahre alte Buchhalter Hugo B a r t e l zum Deckmantel für große Uiuer- schlagungen. Bartel, ein jung verheirateter Mann, der mir seiner Frau in einem Pensionat in der Halleichen Straße wohnte, war seil vier Monaien in einem hiesigen großen Hatelbetriebe an- gestellt. Am Sonnabend stellte er fick krank. Er klagte, daß die spanische Grippe auch ihn gefaßt habe. Auch am Sonntag und Montag kam er jedesmal nur auf eine Stunde ins Geschäft. Weil er Vertrauen genoß, so blieb seiner venncinllichen Krankheit wegen seine Tätigkeit in diesen drei Tagen ohne die sonst übliche Nach« Prüfung. Montag abend sah man jedoch genauer nach und nun ergab sich, daß Bariel die Grippe benutzt halle, um für seine Taicbe in die Kasse zu greiken. Stall die Einnahmen an die Hauplkasie abzulieser»«der auf die Post zu bringen, hatte er sie für sich be- halten. Im ganzen fehlen nach den bisherigen Feststellungen 39 999 M. Als man Bartel zur iliede stellen wollte, war er per- schwunden. Wohin sich der Flüchtige gewandt hat, ist noch nicht ermittelt. Einbrecher an der Arbeit. Wohnungseinbrecher erbeuteten am hellen Tage bei einem Kaufmann M. in der Dresdener Straße für 15 999 M. Goldiachen, zum Teil mlt Brillanten, Silberzeug, Kleidungsstücke und Wäiche. dazu noch zwei rindlederne Handkoffer, in denen sie ohne Zweifel das gestohlene Gut mitnahmen.— Bei einem Schneidermeister D. in der Chaüfseestraße stahlen Einbrecher für 29 999 M. Tuchstoffe perichiedener Art.— Bei einem Kaufmann M. in der Bergstraße aus den Geschäftsräumen für ebenso viel Knaben- und Jllnglingsanzllge, außerdem eine goldene Uhr mit Brillanten. Bei ei»em nächtlichen Gelage überrascht wurde gestern eine bunte Geiellichan in dem Hause Markgrafen st ratze 18. Dort hatte der Opernsänger Reinke seine Wohnung im ersten Stock einem Kellner Bumbs überlassen, der in gewissen Kreisen unter dem Spitz- nahmen Fritz bekannt ist und in Weinwirtschaften zu bedienen pflegt. Dieser„Fritz* verteilte nun an den Stellen, an denen er gerade tätig war. unter die Gäste, die ihm geeignet erschienen, kleine Zettel mit dem Vermerk, datz nach Schluß des Geschäfts in der Markgrafenstraßc 18 weiter gefeiert werde. So versammelten sich dort jeden Abend Herren und Damen aus der Lebewclt und ver- gniigten sich auf ihre Art bei ganzen Körben voll Delikatessen und Sekt. Das Treiben erregte in dem Hause Anstoß und wurde zur Kenntnis der Polizei gebracht. Gestern abend gelang es Be- amten trotz der Vorsichtsmatzregeln, Zutritt zu erlangen. Sie überraschten einige 29 Personen, die nach allen Richtungen ausein« andcrstoben, aber nicht weit kommen konnten. Eine der Schönen versuchte, sich aus dem Fenster auf die Stratze hinabzulassen. Sie hing schon zwischen Himmel und Erde, als die Beamten sie im letzten Augenblick noch ergriffen. Auch„Fritz* machte einen Flucht- versuch. Er sprang in den Luftschackt und wurde ebenfalls aus xiner Schwebestellung herausgeholt. Die ganze Gelellscbaft wurde auf der Wache festgestellt,„Fritz" als fahnenflüchliger Soldat dem Müilärgericht zugeführt. Unglücksfall oder Selbstmord? Die zerstückelte Leiche eines Mannes ist in der voiletzten Nachl auf dem Ferngleis Berlin— Breslau in der Nähe des Bahnhoss Sadowa von Bahnbeamten ausgefunden worden. Der Körpex des Toien war in zwei Teile gelrennt, der linke Arm abgefahren. Ob es sich um einen Unglücksfall bandelt oder Selbstmord vorliegt, steht noch nicht fest. Der Tote ist etwa 45 Jahre alt, 1,65 bis 1,79 Meter groß, hat blondes kurzgeschnilteneS Haar, gestutzten Schnurrbart, blaue Augen und ganz ausfallend große, abstehende Ohren. Bekleidet war der Verstorbene, der offenbar dem Arbeilerslande angehört, mit graugcstreifter Hose, blauer Weste und gleichfarbigem Jackett, grauem Normaihemd, grauen, baumwollenen Strümpfen, schwarzen Schnürichuhen, Strohhut mit schwarzem Band, Stehkragen und blauem Schlips. Neben der Leiche wurde eine Flgiche Weißwein, Jahrgang 1915, Marke Kiefernberg-Gravurz- traminer gefunden. Irgendwelche Ausweispapiere besaß der Tote nicht. Zwei Kinder verschwunden. Der siebenjährige Herbert Herrn, ann. Sohn des Tischlers Otto Herrmann. wohnhaft Berlin V 34, Weidenweg 79, 3 Treppen, ist— wie uns der Vaier mitteilt— seit Anfang voriger Woche verschwunden. Am Montag, 15. Juli, wurde er nachmittags 4 Uhr an der Ecke des Weidenwegs und der Mögliner Straße zum letzten Male gesehen. Er ist 1.19 Meter groß, trug einen gelben Sommeranzug mit rolet Paspelschnur, halte keine Kopfbedeckung und ging barfuß. Mit- genommen wtllde er von dem neunjährigen Kurt Scharknies, der gleichsfalls Weidenweg 79 wohnt und seitdem verschwunden ist. Scharknies trug einen dunklen Sommeranzug, hatte keine Kovf- bedeckung und ging barfuß. Mitteilungen über den Verbleib der Kinder nehmen die Eitern und jedes Polizeibureau entgegen. Neukölln. Kartoffelversorgung. In dieser Woche dürfen zu« nächst nur 3 Pfd. Konoffelu auf die Abschnitte 39a— o der Kartoffelkarte entnommen werden. Die restlichen 2 Pfd. Kartoffeln dürien erst vom 26. ab ans die Abschnitte 39 ä— e entnommen werden. Wer 5 Pfund Kartoffeln bis zum 28. nicht erhalten kann, ist be« rechrigt, diese Kartoffelkartenabichnittc 39a— o bis zum 31. einzulösen. Wie bereits mitgeteilt, ist die Gültigkeit der Kartoffelkarten- abschnitte 29 a— o bis einschl. den 24. verlängert. Die Kleinhändler sind verpflichtet, Kartoffeln an Vorzeigcr dieser Karten zuerst, ohne aus die Reihenfolge der etwaigen anderen Käufer zu achten, ab- zugeben._ Wilmersdorf. Stiefclsohlcn. AuS Kernlederstücken zusammen« gesetzte Sticfelsohlen können von der Wilmersdorser Bevölkerung werktäglich in der Zeit von 9—12 Uhr im Rathaus, Branden« burgische Str. 2, Zimmer 38, zum Preise von 2 M. bis 3,30 M., je nach Größe, entnommen weiden. Der Antrag mutz persönlich gestellt werden._ Gerichtszeitung. Ein zehnjähriger Taschendieb, der mit einer beispiellosen Frech- heit am hellichten Tage auf offener Stratze seine Diebereien aus- geführt hatte, erschien vor dem Schösfengericht, um Zeugnis abzu- legen gegen seine Komplizen, den 16jährigen Lehrling B. und dessen Tante, eine Frau L.— Der zehnjährige Schüler S. aus Stettin war mit dem damals 15jährigen Lehrling B. bekannt getvordc». Durch eine gewisse Schundliteratur erwachte in beiden Jungen die Abenteuerlust, sie verschafften sich eines Tages durch irgendwelche strafbare Handlungen Geld und verschwanden aus Stettin. Hier in Berlin entwickelte sich der 19jährige Knirps, der bei seiner Ver- nchmung vor Gericht auf einen Stuhl gehoben werden mutzte, um dem Gerichtshof verständlich zu lverden, zu einem ebenso geschickten wie frechen Daschcndicb. So bekam es der Junge fertig, am hellichten Tage in der Jnvalidenstratze einer Änge- stellten, die für ihr Geschäft über 399 M. einkassiert hatte, das Geld aus der Tasche zu stehlen, während das junge Mädchen die Hände hochhob, um an ihrer Frisur etlvas in Ordnung zu bringen. Das Geld lieferte der jugendliche Taschendieb den beiden jetzigen Angeklagten aus.— Das Gericht erkannte gegen B. auf 6 Wochen und gegen die Frau L. wegen Hehlerei auf 6 Monate Gesang- n i s und lehnte es ab, sie aus der Untersuchungshaft zu entlassen. Wasserstandsnachrichtcn der Landceanstalt für Gewästerkunde, mitgeteill vom Berliner Wettcrbmeau. Wasserstand am Memcl Tilsit Pregel Insterburg Weichsel Thorn Oder Ralibor „ Krosjen „ Franstnrt Warthe irchrimm „ Landsberg Netze Vordamm Elbe Leilmeritz „ Dresden „ Barby „ Magdeburg Werter, lusltchre» mr das iniltlere Nurddeiitsedlnnd d,S Donnerstag mittag. Zlemtich warni und schwül, oslwärts jorischreitende Zunahme der Bewöllung, im Westen weitverbreitete, östlich der Oder mehr vereinzelte Gewitterregen. Sind'» dit Aagtn Geh'*u Ru fmk*/ niemand Ist so klug jedem Aerger und Verdruß aus dem Wege gehen zu können. Aber jenen täglichen, kleinen, nervösmachenden Aerger mit schlecht passenden oder schlecht sitzenden Augengläsern können Sie sich ein für allemal ersparen, wenn Sie nurOp- tiker Ruhnke's garantierte Augengläser trägem Wir garantieren Zufriedenheit und tuen alles für Sie, was überhaupt möglich zu machen ist. Wir halten, was wir versprechen, das beweist nachstehendes Schreiben: Sehr geehrter Herr Ruhnkel Als Ihr langjähriger treuer Kunde sich wohnte stüher In Friedenaus möchte ich nicht verfehlen, Ihnen meinen herzlichsten Dank aus- zusprechen für die aufmerksame Bedienung, die ich wieder einmal in Ihrer Geschäftsstelle am Alexanderplatz erfahren habe. Die große Mühe. die sich zwei Ihrer Herren Angestellten bei der gewissenhasten skostenlosens Augenunter- suchung, bei der sorgfältigen Auswahl eines Fingerkneifers und beim Schleifen der möglichst großen Sanoskopgläser gegeben haben, machen es mir zur angenehmen Pflicht, auch weiterhinJhr dauernder Kunde zu bleiben und Ihre Firma in meinen Kreisen bei jeder Gelegenheit zu empfehlen. Weitgehendste Ku> lanz in Verbindung mit gediegenster Arbeits- leisiung und mäßigem Preise ist Ihr Geschäfts- Prinzip, eine Tatsache, die in dieser schweren Zeit für ein Geschäft nicht hoch genug angeschlagen werden kann. Hochachtungsvoll ergebenst A. H...... Kgl. Seminarlehrer. V Optiker Rtiknke egg»«. W.flaRJSM? N. rj, NW.igSÄSRÄi Link-Str. 1.«. PcMcacrSK. Alexanderplatz. ntbtn Aschinge, CfN Oranlm-Sfr. 44, n«t< Vranlen-Plat Friedrich-Str. 180. ae« r«»d»»-Stn Znvalidea-Skr. 104, Ecke Brunnen-Sic. Friedrich-Str. 100, ae« Si«a«l-Stc. Schöneberg: Saupt-Striche 21 «s,»alI«r.Mlh-li».?I-» 5riedenan: »hei». Skr. 1», tdi«ir.h-Str. ,«I«»öd«r d«r»ats«r-Stchi Wilmersdorf: SerNner Str. 1Z2-Z, a. d. Udland.Str, Verlangt« Sie nach außerhalb kastrnl»« unfern Optometer zum Selbstdestinnac« paff.n- d.-r Gläser nebst verfaudlifie. Charlotteuburg: Tauen tzien-Str. IS, Ecke Marbwrger Str. Zoachimsthaler Str.? «« Zo». IkKoiKt«!-. I-otstsZVoobs«dlabemU. 8 tj.: Max Rallenberg in Familie Schimek. Kamincrsplele. AUabendlich Tj, Uhr: Inkognito.(Operette.) Tolkobühne, Th.a. BUIswpl. AUahendüoh 7'/, Uhr: Ein Sommernachtstraum. Theater des Westens Allabendlich 7'/, Uhr: Die Tänzerin. Theater i Königgrätzerstr. Dir.C. Meinhard— R. Bernauer. 8 Uhr; Die fünf Frankfurter. Komödienhaus 8 Uhr; Die Zarin. BerlinerTheater 7>/,4 U. kl. Pr.: Schneewittchen. Sonntag 4 Uhr: Johannisfeuer. DERJIAS- Tägl. 71/, U. abends. Heute nachmittag 1 31/, Uhr: Familien- und I 1 SchUlervorst. z. kl. Pr. j Walhalla- 1 Theater, Weinbergsweg i Rose-Theater. 7'/.°.- Die PriDzessin vom Uli. Gartenb.: Bitte rächt freundlich! Theater für Mittwoch Centrai-Theater ti, mir: Die LzMUM Deutsches Opernhaas Die sehöge Beleiia. Friedricb-Wllhelmst. Theater 7«/. uhr: Das Greiniäileplhaiis. Komische Oper ru.: SchwarzwalilfflSilel. Kleines Theater 8 Uhr: Arlstld und seine Fehler mit Baesermann. Metropol-Theater Die Rose von Mul. D/, Uhr , 24. Juli. I-ustsplelhans 7*/(Uhr: Die spauisebe Fliege Neues Operettenhaus 7'/Juhr:DerSolilatiierMarie. Kestdens-Theater 7'/. uhr: Flimmer- Klürelieii, Schttler-Th. Charl. 7',. uhr: ilt-Reid Thalia Theater �OnterderiiliilieiiiienLiniie Theater am Nollendorfplatz 7»/, Uhr: An Droschkenbesitzer, m« Msi ,°hr-n. sind noch mehrere Pferde zu verleihen. Bedingungen einzusehen: Mmelue Snlim SwMilS'ScsM»». Berlin 7V, Krausenitr. lv, 10922*| und in den Omnibus-Depois: Gneiscnanftr. IS— 14, Wattltr. SS— S4. Marienbnrger Site. 41—46. Heieliskallen-Tlieafes. Saelspiel der kelpziger Seidel-Sänger. Anfang 71/, Ab 1. Aug. Stettiner Sänger. Reichshailen-Saal u. Garten Blüthgen• Konzert. SARRASANI Zirkus-Busch-Gebäudc. Tägl.T1/� Mittw., Sonnbd., Sonntag3 u. 7'/, Uhr: I,iichcrr' Massen- Manege-Schaustock „Torpeiio- ios!" Heute, Mittwoch, 3 Anfftthrniigrcn. nachm. 3 Uhr, ab. 7'/«Uhr. Nachmittags zahlen Erwachsene und Kinder h a I b e Eintrittspreise. Gutes Obst- und Kartoffelland, Parzelle 3M., an Bahnstation Gärt. Bahn, Wald, Fließ. Off. Z. 059 Gerstmannd Ännon- cenburcan, Alezan derplatz. ÄIiIIIIIIIliIII>iIIIl!III>IIIiIiIIIIIilIiIIi!IIIII!IIIIIIIIiI!IIIIIIIIIiIii!IIIl!IIII!IIiIIIIIIIII>iI!!II!IIIIIlI»II!>IIIIIIIIIIIIIIIIII!IIsD ODE- WOCHE BERLIN 5*. bis 13. AUGUST 1918 Die neuen Modelle werden den FACHLEUTEN in den Geschäftsräumen jeder einzelnen Firma gezeigt Auskunft erteilt der Verband der deutschen Mode■ Industrie, Berlin, Friedrichstrasse 6/ WiIiIlIIIIlIIliIIlIIIIIIIIiIIIIIiIIIIIIIIII!IIIII!IIIIIIIIIIlIIIIIIIIlIIl!IIIIIIIIIIIIIIIII!IIIIl>IIIIIIIII!'IIIIIIIIIIiIIIIiIIlIIIIIII»M MM der Mnie- n. SMsMet Filiale Greh-Berlin.) Donnerstag, den 25. Juli 1918, abends 7xf2 Uhr, im Saal 4 des GcwerfschastShauseS, Engclufcr Nr. 15: Ronvi'sRvei'SsmmZung. Tagesordnung: 1. VerwalhmgZbericht siir das 2. Quartal 1918: a)(Sc« fchäftSbericht; b) Kassenbericht. 2. Vcrbandsangelegenheiten. Werte Kollegen und Kolleginnen I Wir machen besonders auf den srühereii Beginn der Versammlung aufmerksam und erwarten vollzähligen Besuch. 32/18 Die Octsvcrwaltanx. SentM MoMEC-DerM. BerwaltungSitelle Berlin. X 54, Linirnsiraßc 83—85. Geschäftszeit von 9— 1 Uhr und von 4—7 Uhr. Telephon: Amt Norden 185, 1239, 1987, 9714. Donnerstag, den 25. Juli, abends 8 Uhr, im Lokal von Klomont, Svphienstr. 6: ßrandKii-Tcrfatnnilimg der ElektromlNitenre und Helfer Groß-Kerlms. Tagesordnung: 1. Bortrag des RetchStagSabgeordneten O. Rktchncr. 2. Diskussion. 3. Branchenangelegenheiten. 3. Berschiedenes. Wegen der überaus wichtigen Tagesordnung ist zaltlreicheS und pünktliches Erscheinen sämtlicher Kollegen unbedingt er. fprderlich. llS/lt Die Ortoverwaltung. SszlMm. M AW-SeeslM Ortsverein Neukölln. Donnerstag, den Ä3. Juli, abends 8 Uhr, in den„Passage-Jestsälen", Bergstr. 151/52: frauen-verlammlung Vortrag des ReichStagsabg. H. �ISSöll über: Sie stufgsben<1. Sozialdemohratie nach dem Kriege. Diskussion. S3S/S Gäste, durch Mitglieder eingeführt, haben Zutritt. mit echtem E Friedens-Kautsctiuk. Spexlalitht; Zähne ohne Gaumenplatte. 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Für die oielen Beweist herzlicher Teilnahme bei der Be- erdigung meines lieben, unoer- getziichcnGatten.unstreSSobneS, Bruders, Schwiegersohnes, Schwagers, Neffen, Cousins und Onlels kalter pdilipp sagen wir hierdurch allen Vir- wandten, Freunden und Be> tainiten, insbesondere dem Herrn Zastrow sowie dem Tou- rrstenvcrein Vorwärts 1W7, dam Geiangoerein Vorwärts, den Kollegen der Firma Knarr- bremic unseren bcrzlichiien Dank, JmNamen derHinterblicbencn �.nxnstc Dhlllpp geb. bäroor. 129A Berlin-Stralau, im Juli 1918. Spezistarzl Dr. med. L-aabs beh. schnell, gründl., mögl. schmerzlos rr. ohne Bernssslör. Gesodleohtekrankholt., geheime Haut-, Harn-, Frauenleiden, Schwäche. Erprobteste Methoden Harn- und Blutuntersuchung. KöDigstr. 31136, ÄÄ Svr. 10— In. 5— 8. Sonnt.10— 1 Pelzmfintel, kurz und im Seal Electric, kurz 960, lang 1600 usw. Fesche Qlocketkonn. Kostüme aus Miß ZCO, Z50 aus Stoff 150, 183 Sßlüßn- u. StOff-RöcKß 56, 88 Mmintel, MM 500, 850 Seidene Strickjacken Milanese 165. 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Welch eine fatale Katastrophe! In«ine staunenerregende Märchenwelt glaubt man zu schauen, wenn man sich dies Wunderwerk von Stahl und Eisen ins Gedacht- nis zurückruft. Die Hamburg-Amerika-Linie hatte«S gebaut. Im September 1911 war es auf Stapel gelegt, im Mai 1911 konnte es, nachdem ihm zu Liebe die Elbe vertieft worden war, seine erst« Reise nach New Uork antreten. Alles war amerikanisch an diesem Koloß— nur mit dem Unterschiede, daß alle diese Höchstmaße, mit denen sonst die neue Welt zu prunken pflegt, in Deutschland Hei- matrecht hatten. Es war das größte bis dahin gebaute Schiff der Welt. Die Werft von Blohm u. Voß in Hamburg, die es baute. schuf dazu die größten Einrichtungen an Hellig-, Maschinen- urid Schwimmdockeinrichiungen, die irgendwo existierten. Die.Länge des Schiffes erreichte 299 Meter, bei 39,5 Meter Breite und 17,7 Meter Tiefe. Maß man im Kiel bis zur Höhe der Masten, so kam man auf 79 Meter, eine Höhe, die nur wenige Kirchtürme über- ragen. Es schreibt sich leicht hin, daß der Raumgehalt 51 282 Brutto- Register-Tonnen sü 2,83 Kubikmeter) betrug, aber es war eine lange Rechnung und umständliche Vorführung von Vergleichsmaßstäben nötig, um halbwegs eine Vorstellung von dieser enormen Zahl zu erwecken. 69 999 Pferdestärken produzierten die vier Turbinen und ermöglichten eine Geschwindigkeit von 21 Seemeilen. Verweilen wir einen Augenblick in geschichtlicher Rückschau. Der erste Schraubendampfer— die amerikanische Perseverana— erzielte am 1. Mai 1787 ein« Stundengeschwindigkeit von 9,25 Kilometer. Erst im Jahre 1819 gelang es. mit einem Dampfer— Savannah— den Atlantischen Ozean zu überqueren. Er braucht« bis Liverpool 26 Tage und mußte die letzten acht Tage noch die Segel benutzen. Der erste ganz aus Eisen gebaute Dampfer lief 1845 in Bristol von Stapel. Seit 1856 und 1858 setzten die tzam- burg-Amerika-Linie und der Ilorddcutsche Llovd ihre ersten Ozean- dampfer in Fahrt. Seitdem ist Schritt für Schritt der Weg bis zur Vaterland zurückgelegt worden. Wirklich, der technische Fortschritt gleicht einem Triumphzuge. Die großen Katastrophen, zuletzt die der Titanic, bei'der 1699 Menschen ums Leben-kamen, haben ihn nicht aufhalten können. Vaterland und die späteren Geschwister- schiffe Imperator und Bismarck(bei Kriegsbeginn unvollendet) wa- ren von der Hamburg-Amerika-Linie bestimmt, den Ueberseever- kehr mit Amerika in der schnellsten, komfortabelsten und sichersten Weise zu vermitteln. Es sind Luxusschiffe allerersten Ranges. In dem unermüdlichen Wettlauf der internationalen Schiffskonkurrcnz hatte das deutsche Kapital damit unbestritten die Führung erreicht. Für die Bequemlichkeit, die Unte-rhaltungsbedürfniss«, den Gaumen- ntzel eines internationalen Publikums wurde hier das Unerhörteste geboten.(In den Nachrufen der deutschen Presse kommt diese Seite übergebührlich zur Geltung— die Press« fear zur ersten Fahrt na- türlich herangezogen worden). Was«ine ganze Musterstadt auf diesem Gebiete zu bieten vermöchte, das alles war auf dem verhält- nismäßig kleinen Raum des Dampfers konzentriert. 1231 Mann brauchte das Schiff an ständiger Besatzung. Ein« Telephonzentrale stellte unter ihnen und mit den Passagieren den raschesten Kontakt her. Von jeder Kabine au? konnte man durch Lichtsignalc einen Steward und eine Stewardeß heranrufen, die dann alle Aufträge an den Arzt, den Poswerwalter, den Barbier, die Stenotypistin, den Kellner weitergaben. Fast die Hälfte der Besatzung war nur für Bedienung bestimmt; dazu kam ein Heer von Köchen, Konditoren, Bäckern, Schlachtern. Der KollektivlnxuS eine? solchen Dampfers überstieg weit die Zahlen, die uns früher bei den römischen Kaisern in Erstaunen versetzten. Es war natürlich der größte Teil des Schiffes für die Passagiere 1. und 2. Klasse-bestimmt, obwohl immerhin auch die Zwischendecker besser als sonst untergebracht waren. Die' Nießnutzer der ersten Klasse hatten neben dem Schlafzimmer ein elegantes Wohnzimmer zur Verfügung. Drei Personenfahrstühle beförderten sie durch fünf Etagen bis zum Bootsdeck. Der Speise- saal für 799 Personen erster Kajüte erhob sich bei 39 Meter Breite zu 8>4 Meter Höhe. Er nahm es an Ausstattung mit den aller- vornehmsten Hotels auf dem Festlande auf. Damenfalon, Winter- garten, Ballsalon, Rauchsalon, Turnhallen,«ine wundervolle Schwimmhalle vervollständigten die Einrichtung, die hier für die kurze Ueberfahrtzoit der Reichsten allen gewohnten Luxus aufbot, ja überbot. Die Sorge für die Gesundheit hatte einen medizinischen Apparat erstehen lassen, wie er in manchem Lkrankenhause vergeblich gesucht wird. Eine Bibliothek von ein paar Tausend Bänden befric- digte jode Leselust. Interessanter und wichtiger sind die maschinellen Anlagen in diesem schwimmenden Riesenhotcl, das in vorbildlichster Weise zen- tralisiert ist. Unter der Welt des Glanzes und der Pracht arbeiten auch hier die Zyklopen, die rauchgeschwärzt und überhitzt denen über ihnen Dasein und Lebensfrende erst ermöglichen, den ungeheuren Apparat in Gang halten und die sehr vervollkommneten Sickerheits- einrichtungen überwachen. Aber das technische Detail ermüdet den Durchschnittsleser noch mehr als die Beschreibung der Herrlichkeiten. Trotzdem wir im technischen Zeitalter leben, ist die Angabe, daß der Dampfer über 19 Kessel mit 18 999 Ouadratmeter Heizfläche ä 359 Ouaidranneter Rostfläche verfügte, für den Laien Schall und Rauch. Auf die Vorführung der Turbinen, die zum direkten Antrieb dienen, sowie der Turbodynamos, die den elektrischen Strom für Beleuch- tung, Funkentelcgraphie, Telcgraphie, Telepbonie, Aufzüge, Winden, Kräne, Signalwesen, Zimmerhrizung und WirtschaftSzwecke liefern, muß so wie so verzichtet werden. Was auf irgendeinem technischen Gebiet menschlicher Erfin- dungsgeist ersonnen und geschickteste Arbeit mit größter Räumer- sparung ausgeführt hatte, war alles auf diesem Wunderwerk zu schauen. Wenn unsere ganze materielle Kultnr versänke, e i n solcher Dampfer könnte als Museum dieser Höchstleistungen ein beinahe vollständiges Bild unserer Epoche geben. Und ein Torpedoschuß genügt, um diesen Stolz unserer Technik zu vernichten. Der Mensch, der die Natur so bewundernswert beherrscht, hat noch keine Herrschaft über sich selbst! Das Segräbnis. Von Artur Zickler. Er hatte keine Zeit, den Kopf hängen zu lassen. Er hatte so viel Vorbereitungen zu treffen... und dann die Kinder. Cr hob sie früh aus den Betten, wusch sie, strähnte ihnen das Haar und flocht ihnen Zöpfe. ES wäre eigentlich gar nicht notwendig ge- weien, denn dos älteste der beiden Mädchen war über die zehn Jahre hinaus und hätte sich und der Kleinen helfen können. Aber er tat es, weil ihn ein grenzenloses Mitleid durchschnitt, wenn er die 5kindcr nur ansah. So war c-?, ehe er sich nur besann, der dritte Tag, daß die Mutter seiner Kinder gestorben war. Bei einem Trödler hatte er sich einen schwarzen Alizujj geliehen, den legte er an, die Kinder trugen ihre dunkelsten Kleidchen. Mit der Straßenbahn fuhren fie durch einen lauen Sommertag. der Himmel war voll milchigen ge» dämpften Lichts, die Bäume atmeten frisch. In der Vorstadt mußten sie� aussteigen sind zu Fuß gehen. ES war eine neue schnurgerade Straße zum Friedhofe, der Fußsteig mit Steinchen gelegt, mit jungen Ahornbäumen weglang. Der Mann schritt gesenkten Hauptes fürbaß, die Kinder trippelten neben ibm her: er fühlte sich abgestoßen von der Gleichgültigkeit, mit der sich die Welt in Sonne wälzte und seine Sorgen ignonerte. Am Friedbofstor saß eine unförmige Frau auf einem Schemel und schlief. Sie hatte' gebundene Kränze vor sich und einen im Schoß liegen. Der Mann dämpfte etwas seinen Schritt, er fürchtete ihren Anruf wie einen körperlichen Schmerz. Die Kinder zogen die Luft durch die Nasenlöcher, starrten dumm und hilflos vor sich bin, Dann roch es nach Verwesung. Weiße Blumen, von der Fäulnis angefressen, lagen zertreten auf den Fliesen der Toten- Halle, eine Schwalbe stieß durch die Säulen, hin und wieder. Die Tote lag mit tiefen Augen und spitzer Nase im Iveißen Kissen. Das größere Kind begann leise und monoton zu wimmern, mehr vor Angst als Trauer, die Augen der Kleinen wurden noch starrer und runder. Als er den Kopf zur Toten niederbeugte, streifte ibn ein Geruch aus ihren Kleidern, den er kannte; so löste sich sein Schmerz, er zuckle zusammen und schrie durch die aufeinander- gepreßten Zähne. Da schlurfte jemand durch den Gang, es war die Leichenfrau, Sie überreichte ihm die Rechnung irnd lobte die gute Haltung der Verstorbenen, die allerdings noch vorteilhafter aussah, lvenn sie das Papierkleid erhallen hätte, das sie ihm offeriert hatte, das zu 12,59 M. Nach ihr erschienen die Träger, die sich Schnupftabak an- boten, und der Pastor, ein junger stämmiger Mann mit englisch ge- stutztem Schnurrbart. Der Sarg wurde zugenagelt, mir schallenden Schlägen, der Mann hatte sich jäh gewendet. So schritten sie langsam über den knirrschenden Kies, die Träger voran, der Pastor und der Mann mit den Kindern. Die Luft war still. „Die Glocke/ fragte der Pastor,„hören Sie die Glocke?* Ja, sie war zu bören, dünn und klanglos, zudem von weit cher. „Danke!" sagte der Mann kurz und sah nickt auf. Der Geist- I'che fragte nach der Verblichenen, nach ihren Gewohnheiten, nach dem Grunde ihres Todes. Das tat dem Manne wohl, er gab Bescheid. Die Sonnenstrahlen fielen schräg über die Gräberreihen, die Schalten der Lebensbäume waren lang, ein kleiner Wind war aui- gestanden und trug das Winseln der Glocke etwas emdringlicher herüber zum Grab. Die Kinder standen im aufgeworfenen Sand, da? Gesicht der Sonne zu. mit großen fragenden Augen und offenen Mündern. Der Pastor erzählte mit einer Getragenheit, die ihm noch schwer fiel, dasselbe von der Toten, tvaS er vorhin vom Manne gehört hatte. Der hatte den Kopf zwischen den Schultern wie einer, der friert. Dazu das Gesicht verkniffen, daß es fchien, als grinse er vergnügt vor sich hin. Als er Erde in die Gruft geworfen, hatte er die Faust wohl nicht ganz geöffnet, denn sie lvar noch voll Erde, als der Pastor ihm die Hand drücken wollte. Im nnlchernen Lichte lag die Straße heimzu. Wenn er stehen blieb, sahen ihn die Kinder an und zogen ihn gelinde vorwärts, denn sie waren hungrig. Spiele füt Skinüe. Die Zahl der Kriegsblinden in Deutschland ist zum Glück nicht im eittferntesten so groß, wie eine Zeitlang in der Oeffentlichkeir befürchtet wurde. Dennoch darf die erfreulicherweise rege Fürsorge für sie keinesfalls aufhören. Nicht nur für ihren Unlerhalr, für ihre möglichste Selbständigmachung nnd Wiedereinreihung in das Wirtschaftsleben muß gesorgt werden, sondern auch für ihre Er- holung und Unterhaltung. Der Blinde muß sich auch durch Spiele zerstreuen können, und deren gibt es in der Tat genug. Abgesehen von gewisien Zusammensetzspielen, kommen für ihn in Betracht Domino- und Würfelspiele, die genau so, wie sie von Sehenden gebraucht werden, auch von ihm benutzt werden lönnen, da et die Zahl der Augen abtastet. Besondere Einrichtungen erfordern da- gegen Dame- und Schachspiel, Das Brett enthält, ivie immer weiße und schwarze Felder, aber die schwarzen sind erhaben, die weißen verlieft angebracht. In der Mitte jedes Feldes befindet sich ein Loch, in das die Figuren mit einem Zapfen hiiieingestcck: iverdcn, Welche Figur es ist, Turm oder Springer usw. tastet der Bande ab und ob es weiße oder schwarze sind, erkennt er daran, daß letztere mit einem besondereii Abzeichen, etwa einem Knopf verschen sind. Leim Kartenspiel sind die einzelnen Biälter durch cingeslochene Punkte kenntlich gemacht. Ein Teil der Punkte bezeichnet die Farben, während die anderen den Wert der Karte innerhalb der Farbe an- gibt. Die Punkte sind so sein, daß ein Sehender, der nichts davon lveiß. sie selber nicht erkennt und sich dann wundert, wie der Blinde die Karten untei scheiden kann, .....'• W Notizen. — Auf dem Wege zum Einheitsbriefe. Die Ein- heitspostkartc, deren Abmessungen durch Bestimmungen der Reichs- post auf 99 mal 119 Millimeter festgesetzt sind, haben wir längst. Warum aber haben wir noch keine Einheitsbriefe, das heißt Briese, für deren Umschläge die Reichspost ebenfalls bestimmte Abmessungen festletzt? Mit diesem Gedanken beschäftigt sich ein Mitarbeiter des„Prometheus". Die Mehrheit der Brieffendungen sveist den vollkommen ungeordneten Zustand der Abmessungen"auf, der beim Ordnen, Stempeln, Verpacken, Versenden, Austragen usw. außer- ordentlich viel Arbeit verursacht. Vielleicht setzt sich unter dem Twucke der Kriegsnot das Bestreben durch, den Einheitsbricf zu schaffen. Sicher Ist, daß der Post damit viel Arbeit erspart würde. III LoSz. Das gelobte Land. Roman von W. St. R e y>n o n t. Borowiecki machte sich energisch an die Arbeit, aber Trawinski unterbrach ihn. Er war so verlegen, daß er der- gatz, Karl zu begrüßen, und gleich auf der Schwelle um einige Minuten einer persönlichen Unterredung bat. „Gehen wir in das Walzenmagazin, dort ist niemand." Wie geistesabwesend folgte ihm Tratvinski. Seine blauen Augen irrten in der Fabrik herum, ohne etwas zu sehen: sein mageres, schönes Gesicht trug den Stempel des Kunimers und war vor Bitterkeit, die aus den eingefallenen Klugen und Mundwinkeln sprach, wie erstarrt. Ein früherer Kollege und Freund Karls war er und jetzt Besitzer einer ziemlich großen Baumwollspinnerei.' „Sag' doch was", sprach Karl leise und führte ihn in einen großen, hohen Saal, der mit Reihen hoher Eisen- regale angefüllt war, in denen kupferne Drnckwalzen glänzten. Wie mächtige Papyrusrollen sahen sie ans, niit erhabenen Mustern, die die Stoffe bedruckten, wie mit Hieroglyphen bedeckt. „Ich sag's dir gleich", flüsterte jener und setzte sich auf eine große Kiste. Er nahm den Hut ab, lehnte den Kopf gegen die Wand und saß so eine Weile schweigend da, nach Kräften ringend, um ein Wort aus sich herauszupressen. „Bist du krank? Siehst sehr blaß aus." „Wie soll ein bankrotter Mensch anders aussehen", er- widerte er bitter. „Was ist denn los? Hat dich wieder jemand rejn- gelegt?" „Noch schlimmer, jetzt liege ich schon wieder, und diesmal wird's wohl mit dem Aufstehen nichts sein." „Was redest du da!" schrie Borowiecki und tat erstaunt. Er wußte nämlich schon, daß es mit Trawinski schlecht stand. „Dieser Krach, der Stärkere wie mich weggefegt hat, der in diesem Moment Großmann brennen läßt, hat auch mich nicht verschont. Ich habe Wechsel, die am Sonnabend fällig sind, und zur Deckung habe ich Wechsel, die jene Bankrotten ausgestellt haben, das heißt also mit anderen Worten, ich habe gar nichts. Sonnabend sind sie fällig. Wenn ich sie nicht einlöse— na, dann ist es eben aus. Der Teufel hole so ein Glück. Zum dritten Male stehe ich nun am Rande des Ruins, aber wenn ich jetzt stürze, dann stehe ich nicht mehr aus." „Wieviel hast du zu zahlen?" „Fünfzehntausend Rubel." „Wegen so einer jämmerlichen Summe zu stürzen!' „Jämmerlich ist sie. aber ich habe sie nicht. Ich wollte es mir leihen— es ging nicht; jetzt hat niemand in Lodz bares Geld, so eine Panik ist ausgebrochen, daß Großglück gestern dem Rodenberg zwanzigtansend abgeschlagen hat. Das sagt ja cilles. Stiem and, keine Bank will die solidesten Wechsel diskontieren, alle haben Angst. Lodz wankt, und jeden Moment stürzt einer ein! Wie soll das enden l Und diese furchtbare Saison dazu! Für zehntausend habe ich fertiges Stopfgarn auf Lager, und kein Hund frägt danach. Die ständigen Abnehmer haben ihre Produktion auf die Hälfte herabgesetzt, ich aber muß weiterarbeiten, die Leute auszahlen, ich muß leben und die Maschine weitcrschieben, denn wenn sie für einen Augenblick stehen bleibt— dann ist es aus mit niir. Schlimm steht's, und da komnien noch Bankrotte und schnüren einem die Kehle ganz zu. Was für Zeiten! Keine fünszehntansend Rubel kann ich auf meine Fabrik kriegen, auf meine Maschinen und auf meine persönliche Anständigkeit dazu." „Hast du bei Buchholz versucht, er hat gestern Wolkmann gestützt." „Weil er es Schaja zum Trotz tun konnte. Uebrigens kann ich unmöglich zu ihm hingehen nnd ihn um Hilfe bitten. Er ekelt mich an, das würde mich direkt verletzen." „Was macht's, lvenn es dich aber sicher retten könnte." „Nein, nein, er lveiß, was ich von ihm denke." „Ich könnte bei ihm für dich einstehen." „Ich danke dir, ich kann es nicht, das wäre nicht nur direkt gegen meine Prinzipien, aber das wäre direkt eine Schweinerei und Erniedrigung, einen Mann um Hilfe zu er- suchen, den man haßt nnd bei dem man sich nicht geniert, es ihm ins Gesicht zu sagen." „Logik der Herren Adligen," sagte Karl ungeduldig, sich eine Zigarette ansteckend. „Ich habe ttur eine Logik, und das ist keine Logik der Herren Adligen, sondern die der gewöhnlichen Ethik eines anständigen Menschen." „Vergiß liicht, daß du in Lodz bist. Du vermeinst Ge- schäfte unter zivilisierten Menschen Mitteleuropas zu führen. Lodz aber, das ist ein Wald, eine Wüste,— hast du scharfe Krallen, dann geh' mutig vorwärts nnd erwürge rücksichtslos deine Nächsten, sonst erwürgen sie dich, saugen dich aus und werfen dich dann beiseite.". So sprach Borowiecki lange; das Mißgeschick seines Freundes hatte ihn berührt. Er kannte ihn gut, schätzte ihn als Menschen, spürte aber einen gewissen verächtlichen Aergcr über diese polnische Unbcholfenhcit, mit der er in Lodz Ge- schäfte führen wollte, über diese Anständigkeit, die er wohl anerkannte, die er in Beziehungen von Mensch zu Mensch für nötig hielt— aber außerhalb dieser Stadt, in der kein Platz für sie war und in der— das war das Wichtigste— selten inner sie sich leisten konnte. In diesem Strudel von Schlvinde- leien und Diebereien konnte einer, der nicht so handelte, wie alle andern,— nicht einmal von der bloßen Existenz träumen, auch wenn er sich zu Tode schinden und große Kapitalien ins Geschäft hineinstecken wollte; zum Schluß wurde er doch her- ausgeschmissen, weil er es nicht verstand, der Konkurrenz standzuhalten. Trawinski schwieg lange, bog den Kopf nach hinten, lehnie ihn auf eine große Walze und folgte Karl mit den Blicken, der aufgeregt schnell in dem engen Gang zwischen den Regalen auf und ab ging. „Was willst du anfangen?" brach' Borowiecki' daS Schweigen. „Ich wollte dich um ein Darlehen bitten, ich weiß, daß du Geld hast, glanb's mir, ich hätte es nicht gewägt, wenn nicht diese äußerste Notwendigkeit da wäre." „Ich kann's nicht, ich kann's absolut nicht. Geld Hab' ich, aber ich gründe, wie du lvohl gehört haben wirst, selbst eine Fabrik und bin außerdem im Moment wo anders sehr engagiert." „Leih' es mir ans einen Monat, ich werde dir die Summe sicherstellen, mit der Fabrik, mit allein, was ich habe. Schlimmsten Falles wird es doch sicher als Deckung reichen." „Ich glaub' es dir, aber ich wach' es nicht. Du bist ein Mann, der kein Glück hat; ich hätte einfach Angst, mit dir in geschäftliche Verbindung zu treten. Vielleicht wirst du dich hakten können, vielleicht fällst du aber— wer kann das wissen! Ich aber muß leben und die Fabrik haben. Deine Existenz würde ich um ein Jahr verlängern, selbst aber zu- gründe gehen." „Wenigstens aufrichtig bist du," flüsterte jener bitter. „Wozu soll ich dich belügen, niein Lieber! Ich hasse das sinnlose Lügen, wie ich die sentimentalen Rührungen über jedes Unglück hasse. Gerade so viel hilft's einem, daß er ruhig krepieren kann, mit Tränen der Teilnahme begossen. Ich würde helfen, wen» ich's könnte, weil ich es aber nicht kann— tue ich es nicht. Ich kann doch nicht einem Nackten nieinen eigenen Rock geben, wenn ich selbst ohne ihn er- friere!" (Forts, folgt.) �pezlalarzt Ur. niÄtl. WockentuiS Prisiritto.lKSÄÄ fGrSyphilis.Harn-u. Frauenleiden Blutuntersucbungsn. Scimelie, sichere, schmerzlose Heilung ohne Berufsstörung. Teilzahlung Dezittmlwngen, Tafelwagen, Gewichte liefert sofort ab rtagex i21ü* Wagner, Cöpenicker Str. 71. Korke« 4 fltkehialfr. 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Eggenfabrik wird ein Filmkleberinnen, perjett aus der Branche, für fosort gesucht. „ADLER", kopier- und Ent«loks- mitgsansialt für Films, Berlin SW 47, fdockernstr. III. Gele ArÖeiiüsn ,l|Ä' und ArliellstaFscliB g-suchi. !S}iiäg bewertet werden darf, sondern nur als Teilaktion im Gesamtbilde der großen deutschen Offensive, die seit den letzten Mrrztagen dieses Jahres vom Meere bis zu den Argonnen ausgefochten wird. Ebenso wie in einem Einzelgefecht das Schlachtengliük hin und her wogt, bis überlegenes Feldherrn- talent und überlegener Kampfesmut der einen oder der anderen Partei den Sie/z beschert, so setzt sich auch in einem System von KampfhandlunMen der Ablauf der militärischen Geschefjnisse aus einem Hin u:Vo Her taktischer Vorteile bald auf dieser, bald aus jener Seite»asammen. So kommt dem letzten deutschen Angriff beidersei/ts von Reims nur bedingt die Bedeutung eines Mißerfolges zu, zieht man aber gar die ungeheueren Verluste in Betracht, die die Truppen Fachs bei ihrem massierten Angriff gegen von uns längst geräumte Stellungen unter dem Vernichtungs- feuer unierer konzentrisch wirkenden Batterien erlitten, so darf unser taktisches Mißgeschick in Ansehung des von unserer Heeres- leitung verfolgten Hauptzieles, der Zertrümmerung der feindlichen Kampssraft, nahezu als ausgeglichen gelten. Fünf bis sechs feind- liche Divisionen dürften aufgerieben sein, eine Ziffer, die auch nicht annähernd in einem vernünftigen Verhältnis zu den errungenen örtlichen Vorteilen steht. Daß die Opfer des Gegners so unge- heuer waren, erklärt sich aus der von ihm befolgten Taktik, die den einmal unternommenen Angriff ohne jegliche Rücksicht auf das Verhältnis der eigenen Verluste zu den Feindverlusten bis in- Un- begrenzte fortsetzt, eine Taktik, die sich rächen wird, wenn der Augenblick der Entscheidung kommt. Dabei ist ein vorläufiges Ende der Kämpfe noch gar nicht abzusehen, mehrere Anzeichen, so der Versuch, zwischen SoissonS und Compiegne die Aisne z u überschreiten, lassen vielmehr darauf schließen, daß der Gegner, unter Verlegung des Schwerpunktes nach Nordwest, eine Entscheidung unter allen Umständen zu erzwingen trachtet. iUevrigens hat sich Foch b« seinem letzten Angriff wie auch schon früher derjenigen Erfahrungen bedient, die vor ihm von den Deutschen erstmalig erprobt worden sind. Dazu gehört erstens das elafnsche Auffangen des gegnerischen Angriffes und zweitens der Verzicht auf die früher übliche auSgiebige Artillerievorbereitung. Foch schickte, seine Sturmtruppen in überraschendem Borstoß durch hohe Getreidefelder vor, wodurch ihm in der Tat eine Ueberumpe- lung der deutschen Stellungen gelang. Während aber bei unter ähn- lichen Boraussetzungen unternommenen deutschen Angriffen die schwere Artillerie jedesmal rechtzeitig nachgezogen werden konnte, um du» strategische Auswirkung de« örtlichen Eindruck)» zu gewähr« leisten, setzte das feindliche Artilleriefeuer im jetzigen Falle erst ver- bälnüsmäßig zu spät ein, um unsere Gegenwirkung nicht zur vollen Abwihr der Tturmwellen gelangen zu lassen. Umgekehrt vermochten vielmehr unsere durch die feindliche Artillerie in keiner Weise beein- trächligten Batterien verheerend unter den Angreifern aufzuräumen, bentM außer den Getreidefeldern, durch die sie sich ihren Weg bahn- ten,. keine andere Deckung zur Verfügung stand. Auf diese Weise er?lären sich auch die zum Teil beispiellosen, an die Zeiten B» u s s i l o w S erinnernden blutigen Verluste des Ententeheeres. Wirst man zum Schluß noch einen Blick auf die Gründe unseres faktischen Mißerfolges, so kann auch hier unbedingte Offenheit unS für die Zukunft nur von Nutzen sein. Wir dürfen un« nämlich nicht verschweigen, daß der Fe»nd von unseren Angriff». a b s i ch t e n mir infolge mangelhafter Verschwiegen» wis öer Rumanenftieöe Zustande kam. „Tie Könige müssen zusammenstehen!" Wien, 23. Juli.(Meldung des Wiener k. k. Telegr.-Korr.- Bureaus.) Wie aus dem Haag gemeldet wird, veröffentlicht die in New Dork erscheinende„Evening Post" den Text eines angeblich an König Ferdinand von Rumänien gerichteten Privatbricfes Kaiser KarlS, der in der zweiten Hälfte des Februar abgesandt worden sein soll. In diesen: Briefe hätte Kaiser Karl den König Ferdinand mit herz- lichen Worten auf die großen Gefahren aufmerksam gemacht, die aus der über den Osten hereinbrechenden sozialistischen Welle für alle monarchischen Staatswesen hervorgehen. Ec habe darin die Ge- fahren geschildert, die bei Ausbreitung des BolschewiS- m u s über die russische Grenze für Cefterreich-Ungarn entstünden und die in gleicher Weise das rumänische Königshaus bedrohen würden. Deshalb fei Kaiser Karl in seinem Briefe dafür einge- treten, daß der rumänische König sich mit ihm und den anderen Monarchen Europas zum Kampfe gegen die Anarchie vereinige. Auch habe der Kaiser versprochen, daß, falls König Ferdinand die Alliierten verlasse, Oesterreich-Ungarn und Deutschland ihn in der Wahrung seines Thrones unterstützen würden. Kaiser Karl habe in dem Briefe dargelegt, daß Rumänien von den Alliierten verlassen worden sei, und habe auf dessen hilflose Lage gegenüber den mächti- gen zentralen Kaiserreichen hingewiesen. Seinen Brief habe der Kaiser mit folgendem Satz geschlossen: „DieS ist eine Zeit, in der die Könige zusammenstehen müssen." Die vorstehende Mitteilung über den angeblichen und, wie es hier gleich festgestellt sei, in Wirklichkeit nicht existierenden Privatbries des Kaisers und Königs an König Ferdinand von Rumänien ist dielfach unrichtig. Der Sachverhalt ist folgender: Einem im Einvernehmen mit den Verbündeten gestellten Antrage de? MmsterS des Aeußsren Grafen C zernin entsprechend, hat Seine K. u. K. Apostolische Ma- jestät im Februar d. I. einen österreichisch-ungarischen Stabs- offizier beaustragt, dem Könige von Rumänien auf mündlichem Wege eine Mitteilung zugehen zu lassen. Zu jener Zeit hatten die Mächte des Vierbuttdcs bereits ihren Waffenstillstand mit Rumänien abgeschlossen, der Friedensvertrag mit der Ukraine stand in jenem Zeitpunkte in seinen Grundzügen fest und die FnedsnSver- Handlungen mit Nußlaird befanden sich in vollem Gange. Der ent- sendete Offizier entledigte sich seines Austrages dadurch, daß er die für König Ferdinand bestimmten Mitteilungen Seiner K. u. K. Apostolischen Majestät einem das persönliche Vertrauen des Königs von Rumänien genießendem rumänischen Offizier zur Weiterleitung bekanntgab. Diese in zwei Unterredungen gemachten mündlichen Mit- t e i l u n g e n, aus denen die Informationen deS Korrespondenten der Associated Preß in Jassey einen Brief des Kaisers und Königs an König Ferdinand konstruiert habe, hatten folgenden Inhalt: Falls der König von Rumänien sich zwecks Erlangung eines Fvie- den» an die Mächte des BierbundeS wenden würde, so hätte er keine Ablehnung zu fürchten. Die von seinem Lande ver- langten Friedensbedingungen würden ehrenvoll sein. Rumänien könne, ohne eine Verpflichtung zum Eintritt in den Kampf gegen seine derzeitgen Alliierten zu übernehmen, eine Vereinbarung mit den Vierbundmächten zu dem Zweck treffen, gemeinsam mit ihnen die Gefahren einer internationalen Revolution und Anarchie zu bekämpfen. Aus einer solchen eventuellen Ab- machung könne jedoch den Mächten des Vierbundes nicht die Ver- pflichtung erwachsen, Rumänien in seinem Kampfe gegen Rußland Waisenhilfe zu leisten, da der Vievbund sich mit der Sowjetrepublik nicht mehr im Kriegszustände befinde. Was die Frage deS territorialen Besitzstandes Rumäniens anbelange, so bemerkte der ent- sendete österreichisch-ungarische Offizier, daß- in diesem Stadium hierüber keine Zusage gemacht werden könne, daß diese Frage viel- mehr ebenso wie alle späteren Details den Verhandlungen der Bevollmächtigten vorzubehalten fei. Da der dem österreichisch-ungarischen Offizier erteilte Auftrag nach Weitergabe dieser Mitteilungen erledigt war, erklärte er hier- mit seine Mission als beendet. Wie bekannt, hat die rumänische Regierung kurz darauf den Vierbundsmächten ihren Wunsch wach Einleitung von Friedensverhandlungen bekanntgeben lassen. heit Kenntnis erhalten hat,«ine Lehre, die jeder beherzigen sollte, dem das Wohl unserer Topferen draußen GewissenSsache ist. FranzösischerBerichtvom 22. Julinachmittags. Im Laufe der Nacht beschränkten die Deutschen �ihre Artilleriewir- kung auf die Nordseite des Ourcq zwischen Marne und Reims hauptsächlich auf die Wälder von C o u r t o n und Rohe. Zwischen Ourcq und Marne haben wir starke Gegenangriffe der Deutschen in den Gegenden von G r i so l l e s und B e z u- S t. G c r m a i n zum Scheitern gebracht. Wir haben überall unsere Stellungen gehalten. Amerikanischer Bericht vom 22. Juli. Im Zu- sammenwirken mit den Franzosen setzten wir unser Vorgehen fort. Wir gingen über die Straße Soissons— Chateau- T h i e r r y zwischen Ourcq und Clignon hinaus und erreichten die Sirahe Beaupuits— Charteves. Andere amerikanische Einheiten überschritten die Marne und besetzten Städte, deren Zustand die große Eil« verriet, mit der man sie verlassen hatte. Wahlreform unö Auflösung. Tie Zusage der Regierung. Die„Kreuz-Zeitung" findet es sehr unterhaltsam, daß Genosse Scheidemann in Essen sagte, er könne auf die Wahlrechtsfrage nicht eingehen, daß er einige Tage darauf aber in Kassel über die Verhandlungen, die in dieser Frage mit der Regiecung geführt wur- den, nähere Angaben machte. Da das konservative Blatt dieses Ver- halten des Genossen Scheidemann auf.Wichtigtuerei* zurückführt, sehen wir uns zuc Feststellung genötigt, daß in Essen die Erörterung der Wahlrechtssrage verboten, in Kassel dagegen erlaubt ist. Der Unterschied erklärt sich einfach aus der Geographie der Zensur. Was Scheidemann in Kassel über die Verhandlungen mit der Regiecung sagte, ist nicht neu; wir haben darum auch gestern dar- über nicht berichtet, und wenn einige Blätter die Sache etwas sensationell ausgemacht haben, so ist Scheidemann daran in keiner Weise beteiligt. Es ist längst bekannt, daß die Regierung durch den Mund des Herrn v. Payer die bestimmte Zusage gemacht hat, daß das Abgeordnetenhaus, falls eS das gleiche Wahlrecht ab- lehne, in diesem Herbst aufgelöst werden solle; unbekannt ist nur, ob diese Zusage eingehalten. werden wird, und darüber konnte auch Scheidemann keine bestimmten Angaben machen. Die„Kreuz-Zeitung" glaubt ferner einen Widerspruch darin erblicken zu können, daß die Sozialdemokratie im Reichstage zivecks Vermeidung von Neuwahlen während de» Krieges in eine Ver- längerung der Legislaturperiode einwilligt, für Preußen aber die Auflösung de» Abgeordnetenhauses fordert, Die Gegenüberstellung zeigt aber nur, daß die Soziaidemokratie trotz ihrer ausgezeichneten Wahlaussichten auf Wahlkäinpse während des Krieges nicht erpicht ist, sondern auf ihrer Ausfechtung nur dort besteht, wo sie unvermeidlich ist. Preußen hat im Gegensatz zum Reiche während des Krieges keine Volksvertretung, denn als eine solche ist das Dreiklassenparlament ernstlich doch nicht, anzu- sprechen, und Preußen befindet sich infolge seines rückständigen Wahlrechts und der Harthöcigkcit seiner Junier in einer Krise, d'e ohne Neuwahlen nicht gelöst werden kann. Wimborne unö Reventlow. Tie Angst vor dem Verständigungsfrieden. Unsere Alldeutschen sehen seit Kricgsbeginn in den Kriegs, treibern des Auslandes ihre Bundesgenossen zu dem Zweck, den Krieg ins Endlose fortzuführen, sie sehen folgerichtig in der deut- schen Sozialdemokratie und in jeder Friedensströmung', die sich im Auslande bemerkbar macht, ihren gemeinsamen Feind. So sagt jetzt Graf Reventlow in seiner„Deutschen Tageszeitung" dem englischen Oberhausredner Lord Wimborne nach, daß er auf bc- sonders heimtückische Weise, nämlich nach der„kalten Methode". die Vernichtung des Deutschen Reichs anstrebe, und er sieht den Beweis für seine Behauptuiig in der Bemerkung des Lords,„e'.n ohne irgendwelche Eroberungen oder Beute in seine vor dem Kriege bestehenden Grenzen zurückgetriebenes Deutschland würde die Niederlage des Militarismus bedeutet haben". Indem Gras Re> ventlow den Begriff de? Militarismus den de» Deutschen Reichs gleichsetzt, kommt er glatt zu dem Schluß, daß der englische Friedensredner auf die Vernichtung des Reiches ausgehe. Graf Reventlow enthüllt gleichsam im Spiegelbild seine etge- nen Gedankengänge, wenn er bei dieser Gelegenheit ein Gespräch anführt, das Lord Haldane nach seinem Buch„The Vindication of Great Brüain" mit einem Skandinavier gehabt haben soll. Dieser Skandinavier soll gesagt Haiden, es genüge, Deutschland im Frieden zur Räumung aller besetzten Gebiete zu zwingen. In Deutschland werde dann nach dem Kriege das größte Elend herrschen, und d'.e Sozialisten und die Friedcnspartei würden dann zu den Alldeutschen sagen:_■ „Nun, ihr babt euren Krieg gehabt, ihr seht, wa» ihr uns gebracht habt,— fort mit euch!" In einem Wort, es würde sehr bald nach dem Friedensschlüsse die Revolution in Deutschland proklamiert werden. Tie Hohenzollern würden vom Throne ge- stoßen, die Kriegspartei aufgelöst und die Republik proklamiert werden. Graf Reventlow hat jedenfalls um die Alldeutschen mehr Angst als um die Hohcnzollern— denn das Hemd ist jedem näher als der Rock— und er sieht eine fürchterliche Abrechnung mit ihnen voraus, wenn das Volk nicht durch den Hinweis auf ruhiü- reiche Eroberungen über sein Elend himveggctäuscht werden kann, Damit deckt er den verborgc.nsten Quell der alldeutschen Erobc- rungSlust auf, er heißt nicht anders als: das schlechte Ge- wissen. Durch Eroberungen,, ganz abgesehen davon, ob sie realisierbar sind, wäre zum Wohle des deutschen Volkes nicht das mindeste erreicht, nur die Alldeutschen erhoffen sich davon eins Befreiung aus ihrer Verlegenheit. Graf Reventlow ist als der größte U-Boot-Held zu Lande der ganzen Welt bekannt. Hier aber findet ihn der Leser auf Ge- dankengängen, die durchaus nicht heldenhaft sind. Angst hat er vor dem, was danach kommt— und darum soll weitergekämpft werden I_ Deutsche Ordensritter. Das soeben für 1316 erschienene amt- liche Hos. und Staatshandbuch für Preußen führt noch die Ordens- ritter auS den souveränen Häusern des feindlichen Auslandes auf; darunter den ehemaligen Zaren Nikolaus und den König Ferdinand von Rumänien. „Legenden über Herrn von Kiihlmonn." Unter dieser Ileber- schrift teilt die„Rordd. Allg. Ztg." mit:„Havas" verbreitete vor einigen Tagen eine Meldung des„TempS" aus London, nach der ein intimer Freund Herrn von Kühlmanns dem„Temps"-Kocre- spondenten erklärt habe, Herr von Kühlmann sei überzeugt, der deutsche General st ab werde niemals einen ent- scheidenden Sieg erringen. Wenn nach sechs Monaten die militärischen Enttäuschungen ihm recht geben würden, so könne er, da er in sechs bis sieben Monaten Reichskanzler sein würde, sein Friedensprogramm dann durchführen. Herr von Kühlmann hat uns mitgeteilt, daß er keinen intimen Freund in London besitzt, der dem Korrespondenten des„Temps" derartige Mitteilungen machen könnte. Abgesehen davon, glaube er nicht, daß intime Freunde von ihm einen derartigen Unsinn verbreiten würden. Letzte Nachrichten. 200 Sozialrevolufionärc erschossen. B e r l i n, 23. Juli. Nach einer Mitteilung Tschitfchenns an den Kaiserlichen Geschäftsträger sind bis zum 19. Juli mehr als 299 Linke Sozialrevolutionäre, die an der Ermordung des Grafen Mirbach und an dem Aufstand gegen die Sowjetregierung beteiligt waren, erschossen worden. Hier- unter befinden sich Alexandrowitsch, ehemaliger Gehilfe des Prästdntcn der ausserordentlichen Kommission, welcher die Verschwö- rung gegen den Grafen Mirbgch leitete, der Kommandant Jaroff, sein Gehilfe M. Zaserine, und die Kommissionsmitglicdcr M. Fille- nofs, F. Kabanoff, M. Kostink, I. Kostne, I. Boukrine, A. Fouch- manasf, S. Koulakoff, A. Lopoukhinc, B. Wientzes, S. Finicguine. Mehr alS 199 Schuldige wurden verhaftet, darunter auch der Bevollmächtigte des Zentralkomitees im Stabe der Ab- teilung Popoff, Orechkin, und das Mitglied dieses Stabes Sablinc. Ter Eiscnssahnerstreik in der Ukraine. Kiew, 22. Juli...Kiewskaja Myfl" bespricht die amtliche Re- gierungSerklärung über den Eisenbahnerausstand und stellt zwecks richtiger Beleuchtung des AuSstandcs fest, daß nuc ein kleiner Teil der Eisenbahner den Streik wolle und die übri- gen durch Terror zur Teilnahme zwinge. In wirtschaftlichen Forderungen sei die Regierung stets, selbst bis zur Vernachlässigung wichtiger Staatsbedürfnisse, den Eisenbahnern entgegengekommen. Die Anerkennung eines allgemeine ir Eisenbahner- verbände? sei bei allem Wohlwollen für Berufsorganisationen unmöglich, weil dieser staatliche Rechte an sich zu reißen suche. Die Minderheit, die den Streik wolle, sei durch bolschewistische Agitatoren. die in letzter Zeit zahlreich über die Grenze kämen, auf- gehetzt worden. Der Verkehrs mini st er erklärte, daß alle am 2 9. Juli nicht zur Arbeit erscheinenden Eisen- bahn er als Streikende angesehen, entlassen und ent- sprechend dem Gesetz vom 19. Juli zur Verantwortung gezogen werden würden. Mit Neuanstellungen solle sofort begonnen werden unter äußerster Beschränkung des Beamtenetats. Flüchtige Großfürsten. Moskau, LI. Juli. Die hiesige Presse meldet: Die Großfürsten Jgorj Konstantlnowitsch, Konstantin Konstatinowitsch, Iwan Kon- stanttnowitsch und Serge» Michailowitsch, die in Alapajewsk ge- fangen gehalten wurden, find laut amtlicher Nachricht am 18. Juli befreit worden. Sie sind verschwunden, GewerWWewVlmg Verfügung des �Vumba� gegen üie Straßenbahner. Am 8. Juli brachle. dcr Vertreter des Wahlkreises Potsdam� Spandau-Osthavelland, Genosse Stahl, im Reichstage nachstehende Angelegenheit zur Sprache: „Zwischen der Spandauer Stadtverwaltung und der Heeres leitung soll seit längerer Zeit ein Abkommen bestehen, wonach Straszenbahner und Strahenbahnerinnen bis ein Jahr nach ihrer Enllassung aus dem städtischen Betrieb nicht in den technischen Instituten Beschäftigung erhalten dürfen. Sollte dieses zu- treffen, so wäre dagegen dcr schärfste Protest zu erheben. denn da? käme einer Vcrfemung durch schwarze Listen gleich. Die Stadt Spandau holt ihre Straßenbahnerinnen aus aller Herren Länder zusammen, wegen kleinster Versehen werden sie dann rück« sichislos entlassen und stehen vollständig mittellos da. Eine andere Möglichkeit Arbeit zu finden, besteht in Spandau nicht und so werden diese armen Frauen sehr oft durch diese Vereinbarung der Unzucht in die Arme gelrieben. Ich fordere daher sofortige Aus- kunft, ob diese Vereinbarung besteht und bejahenden Falles um so- sortige Aufhebung." Daraus erklärte der Feldzeugmcister Exzellenz Coupette, daß ihm ein derartiger Fall nicht bekannt sei. Wir sind nun in der Lage, dre Richtigkeit der Angaben des Genossen Stahl zu erhärten durch folgendes Schreiben deS„Wumba" an die Spandauer Straßenbahnverwaltung. „Kriegsamt, Waffen- und Munilions-Beschaffungsamt. Fol. Nr. 213. 8. 17. Abtlg. W. Vw. IV. 1. Tel.-Adresse: Wumba. Berlin W 15, den 16. Juli 1917. Kurfürstendamm 193/194. Auf ein in gleicher Angelegenheit von der Großen Berliner Straßenbahn im Mai b. I. an das Waffen- und Munitions- Beschaffungsamt gerichtetes Schreiben, in dem gebeten wurde, Schaffner und Fahrer dieser Straßenbabngesellschatt nicht ein- zustellen, ist von hier entsprechende Anweisung an die in Frage kommenden Behörden ergangen. Es wird nunmehr auf Grund obigen Schreibens an die unter- stellten Dienststellen verfügt werden, daß von der Einstellung aller männlichen und weiblichen Personen, die bei der Straßenbahn im letzten Jahre beschäftigt waren und aus diesem Dienstverhältnis freiwillig ausgeschieden sind, abzusehen ist. Coupette." Diese Beschränkung der Freizügigkeit bedeutet doch eine Knebe- lnng der männlichen und weiblichen Arbeiter. Will man das Per- sonal im Betriebe halten, so gibt es doch andere Mittel, zum Bei- spiel bessere Entlohnung und gute Behandlung. Aus diesem Schreiben geht auch hervor, daß sich die„Große Berliner" ebenfalls im- Bunde mit der Spandauer Stadtverwaltung zur Unterbindung dcr Freizügigkeit der Arbeiterschaft befindet, ja sogar die erste beim Spiels war. Tatsache ist auch, daß nicht nur„freiwillig aus dem Dienst- Verhältnis ausgeschiedene" Straßenbahner und Straßenbahnerinnen nicht zur Einstellung kamen, sondern daß auch aus irgend welchen kleinen Versehen plötzlich entlassene Arbeiter in den Staatsbetrieben nicht angenommen wurden. Darunter waren Frauen und Mädchen, denen am Entlassungslage ihr voller Lohn und die eingezahlte Kaution wegen irgendwelcher Reparaturschäden, für die sie haftbar gemacht werden, einbehalten wurde— eine Maßnahme, die gegen Gesetz und Recht verstößt. Dadurch ist aber auch klar bewiesen, daß tatsächlich ein solches Abkommen zwischen der Militärverwaltung und der Stadt Spandau besteht. Die sofortige Aufhebung dieser Vereinbarung muß un- bedingt gefordert werden. Gegen die Ausführung eines Justizmordes. Der italienische GewerkschaflsbuNd forderte auf Anregung des amerikanischen Gewerkschaftsbundes das italienische Proletariat auf, eine große Protestbewegung gegen die Ver- folgung deS amerikanischen Eisenbahners Tom Mooney zu veranstalten. Die Gewerkschaften und italienischen Parteiorganiialionen haben dieser Aufforderung bereits Folge ge- leistet und in verschiedenen Teilen Italiens haben schon gutbesuchte Protestversammlungen stattgefunden. Man hofft, daß auch die italienische Regierung, wie es die russische bereits getan, beim Präsidenten Wilson wegen des Falles intervenieren wird. Es handelt sich in dem wieder recht typischen Fall Mooney um folgen- den Vorgang: � Im Laufe eines langwierigen Streiks von Straßenbahnern in San Francisco wurden von unbekannter Hand vor einigen Monaten Bomben gegen den Sitz der betreffenden Gesellschaft geschteuderi. Trotzdem dieGerüchtegiugen.daß dieBombsn von Agents provocateurs oder dcr Polizei selbst geworfen wurden, und trotzdem Menschen- leben bei dem Attentat nicht geiährdet worden waren, eröffnete inan das Verfahren gegen den Führer der streikende» Straßen- bahner� Tom Mooney und verurteilte ihn auf Grund der Aussage eines sehr verdächtigen Zeugen zum Tode durch den Strang. Ein diplomatischer Notenwechsel zwischen der russischen sSowjet-) Regierung und dem Präsidenten Wilson veranlaßte den letzteren, den Gouverneur von California, Stephens, telegraphisch zu er- suchen, den Prozeß gegen Mooney neu aufzunehmen. Obzwar nach den Gesetzen Californiens diele Wiederaufnahme unmöglich ist und der allcihöchste Gerichtshoi dies dem Präsidenten mitteilte, hofft man doch, daß die öffentliche Meinung und der Druck der Arbeiterorganisationen dahin wirken werden, die Wieder- aufnähme zu ermöglichen, um so mehr, als eine Kommission, die Wilson mit der Untersuchung der Angelegenheit beauftragt hatte, die vollständige Unglaubwürdigkeit des einzigen Zeugen und damit die Hinfälligkeit des Urteils bestätigte. bor unbesetzt gewesen ist, wurde Genosse Neichsiagsabgeor5neter Lskar Geck- Mannheim gewählt. Der Parteitag ist ein neues erfreuliches Zeichen dafür, daß die badische Partei geschlossen und einig dasteht. Sie hat die Krifs des Krieges überwunden und befindet sich wieder auf dem Wege gefuu- der und stetiger Entwicklung. Mit Befriedigung und Stolz konnte deshalb Genosse G e.i ß üi seinem Schlußworte auf die geleistete praktische Arbeit hinweisen, die sicher der Partei reiche Früchte bringen wird. Soziales. Partemachrichten. Landesparteitag der badischen Sozialdemokratie. Am zweiten Tage der Verhandlungen wurden die Fragen der Reichs- und Landespolitik behandelt, lieber die Reichspolitik sprach Genosse Reichstagsabgeordneter Oskar G e ck- Mannheim. Die Rede wurde mit lebhaftem Beifall aufgenommen. Ohne Wider- spruch beschloß die Versammlung, von der Diskussion über seine Rede abzusehen. Einer Entschließung folgenden Inhalts wurde einmütig zugestimmt: „Der am 23. und 21. Juli 1913 zu Offenburg abgehaltene Par- teitag der badischen Sozialdemokratie billigt die Haltung, welche Rcichstagsfraktion und Partcivorstand während der vier Kriegs- jähre in den großen Politischen Fragen eingenommen haben. Er erklärt sich insbesondere mit ihrer Stellungnahme zur Frage der Landesverteidigung und mit ihren Bestrebungen zur freiheitlichen und demokratischen Ausgestaltung der inneren Einrichtungen in Reich und Einzelstaaten einverstanden. Mit besonderer Befriedigung ve- grüßt der Parteitag die energische und zähe Arbeit der Reichstags- fraktion und des Parteivorstandcs zur Anbahnung eines ehrenvollen, die Lebensnotwendigkeiten des deutschen Volkes sichernden und die Freundschaft mit allen Kulturnationen gewährleistenden Friedens. Der Parteitag vertraut darauf, daß sie diese Arbeit auch fernerhin energisch fortsetzen, um das deutsche Volk recht bald wieder der Seg- nungen aufbauender Kulturarbeit teilbaftig werben zu lassen." lieber die Tätigkeit der Landtagsfraktion sprach Landtagsabg. S t r o b e l- Mannheim. In der Aussprache wurde der Fraktion allgemeine Anerkennung für ihre Arbeit in der verflossenen Land- tagsperiode gezollt. Es schloß sich noch eine längere Aussprache über die Ernährungsverhältnisse in Baden an, in der die Maßnahmen der Regierung und der Behörden einer scharfen Kritik unterzogen tounden. Ein Antrag, der der Landtagsfraktion die Anerkennung für ihre geleistete Arbeit ausspricht, fand einstimmige Annahme. Die Wahl des Landesvorstandes ergab die Wiederwahl der bis- herigen Mitglieder. Für den Genossen Frank, dessen Stelle bis- Zuwendung au uneheliche Kinder gefallener Militärpcrsonen. Daß unehelichen Kindern gefallener Militärpersonen die Fa- Millenunterstützung zu gewähren ist, wenn die Vaterschaft feststeht, ist allgemein bekannt. Weniger verbreitet ist die Talsache, daß un- ehelichen Kindern eine llnterstützung auch dann gewährt werden kaun� toenn der Vater gefallen oder gestorben ist. Nach dem Militürhintcrbliebenengesetz haben die unehelichen Kinder allerdings keinen Anspruch auf Rente. Es ist das eine der vielen Lücken, die im Gesetze vorhanden sind und auf deren Beseitigung bei der gc- planten Gesetzesändcrung hingearbeitet wird. Um dieie Lücke auszufüllen, werden den. unehelichen Kindern verstorbener Kriegsteilnehmer unter bestimmten Voraussetzungen widerrufliche Zvwendnngen gewährt. Voraus /ehuiza ist vor allen Dingen, daß die Unterhaltspflicht des verstorbenen Vaters feststeht oder glaubhaft gemacht werden kann. Das hängt natürlich vom Einzelfall ab. Vielfach wird dies gelingen durch Briefe, durch Angaben von Eltern oder Verwandten, es kann aber auch.unter Umständen eine eidesstattliche Erklärung der Mutter genügen. Eine weitere Voraussetzung ist, daß das Kind bedürftig ist, d. h., daß nicht bereits in anderer Weise für das Kind gesorgt ist, Kann einer der sonst zum Unterhalt Verpflichteten zur Gewährung von Unterhalt herangezogen werden, dies wird vor der Gewährung der Zuwendung aus Reaachoiitteln in jedem Falle erst nachgeprüft, dann fallt der Anspruch auf diese Zuwendung weg, falls keine Bedürftigkeit mehr bestelft. Das alles gilt auch ftk nachgeborene uneheliche Kinder, unter Umständen auch für bei bestehender Ehe im Ehebruch gezeugte un- eheliche Kinder, nur mutz in letzterem Falle der Stellung des An- trags aus Gewährung der Zuwendung die gerichtliche Unehelicki- keitserklärung des Kindes, die aus Antrag des Ehemannes er- folgen kann, vorangegangen sein. Auch die unehelichen Kinder einer Ausländerin, die die Staatsangehörigkeit der Mutter teilen und somit auch Auslände: sind,.können, falls der Vater während der Zugchöriakeit zum deutschen /Heere gefallen ist, wie inländische Kinder unterstützt werden, solange- sie sich im Anlande aufhalten. Dies gilt sogar für Kinder, die diel Staat sang- Hörigkeit einer wind- liehen Macht besitzen. Da den im.Anlande befindlichen unehelichen Kindern deutscher Mütter und ch'terreichisch-ungarischer Staats- angehörigen die Familienunterstützuivg zutcit wird, folgert daraus, daß auch den Kindern deutscher Mütter, falls der Vater beim Dienst im östcrrcichisch-uugarischen Heere gestorben ist, die Zu- Wendungen zustehen. Der Höchstbctrag der Zuwendung für das uneheliche Kind von Militärpersonen der Unterklassen betrügt jährlich 225 M., erhält jedoch die Mutter militärisches Witweivgeld, 153 M. Eingegangene drii<5l Waichtoilette mit Kristallspiegel und Marmor 2 Rachtschränle mit Marmor 2 Bettstellen 2 Patentböden .2 steil. Auflege-Matratzen m. Keilkisi. 2 Stühle 1 Handtuchständer Beste Verarbeitung X trockenes Material Großes Lager in allen Sorten Schlaszimmern Herfenzimmern— Speisezimmern— Wobnsaions zu sehr billigen Preisen— Veriand auch noch auswärts liültiltnrh- uvd Möbelhaus„Kahu- Ijgf Msx 4 H. tu. Ii. ij. _ Dircksenstraste 43—4-1.* Mark jPSiotosrapfelisi Apparate Ii. 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