( 10 Pfennig} Anzeigenpreis» DiefisbengcspallencKolonelzeilelosiel 80 SBig.„itlcine Slnzeigea", das fettgednlitte Wort SO Pfg.(zulässig S fellgedrucktc Worte). iede« weitere Wort lS Pfg. Stellengesuche und Schlufsiellenanzeigen das erste Wort 20 Pig., jedes weitere Wort 10 Psg. Worte über IS Buchstaben zählen für zwei Worte. Teuerungszuschlag 20°,» Familicn-Anzeigcn. volitiiche und gewertsckaftliche Vereins< Anzeigen SO Pfg. die Zeile. Anzeigen für die Nächste Nummer müssen bis z Uhr nachmittags im Hauptgeschäft. Berlin KW. SS, Lindenstratze 3, ablegeben werden, SeSfsnel von 8 Uhr früh bis 7 Uhr abends. Zcntralorgan der fozialdxmokratircheii parte» Devitfcblando. Reüaktion: Sw. HS, Linüeaftraße 5. Sernivrecher: Amt Morivpla». Str.»81 SV— 151 97. Donnerstag, de« ÄS. Juli 1S18. Expedition: SM. 68, Änöenstraße 3. Fernsprecher: Amt Moritzplat». Nr. 151 SV— 151 S7. Nr.SVS. 85. Jahrg. Bezugspreis» vserteljähri. KSO KI. rnonatl. 1,80 SR L. frei tnS Haus, dorauSzahlbar-Einzrlne Nummern 10 Psennig. Pollbezug: Monatllch. vom Postschalter abzuholen ILO Ml., vom Briefträger ms Haus ge» bracht 1,04 Ml. Unter Kreuzband sür Deutichlard und Oesterreich. Ungarn S,— Ml. für das übrige Ausland �r.) In einer gestern m Kriegs- ininisterium abgehaltenen Sitzung entschied das Kabinett, datz China an der Intervention in Sibirien teil- nehmen wird. Das Nurmanabtommen öer �tMierten. London, 24. Juli.(Reuter.) Ein amtlicher Berislt bringt den Text des ZibiommcnS, das zwischen den Vertretern Enxston-dS, Frank reichs, der Vereinigten Staaten und des Murmaner Bezirksrates zu.gemeinsamem Vorgehen zur Verteidigung dcS tNurmangebietes gegen die deutsche Koalition abgesthlosssn wunde. In dem Wkom nien wird die Einstellung russischer F r e-i i l l i g e r in die Truppen der Alliierten geplant, außerdem die Amsstellung rufst scher Truppen unter russischem Befehl. England, die Vereinigten Staaten nnd Frankreich versprechen, soweit als möglich Lebens mittel für die ganzcBevölkernng des Murmangebietes zu beschaffen und auch die Einfuhr anderer notwendiger Artikel sicherzustellen. Endlich werden sie dem Bezirksrerfe des Murman gabieteL finanziellen Beistand gewähren. Die drei Mächte stellen jede Absicht einer Eroberung in Abrede, und auch der Rat des Murmangebietes erklärt, daß das Abkommen nur den Zweck habe, die Jntegvität des Murmangebietes bis zixr Herstellung für dv. großes einiges Rußland zu schützen. Kamkow und die Spirivonowa eoschoffen. Stockholm, 24. Juli. Der sazialrevolutiomäre Führer Kam kow, der am S. Juli auf dem Sowjetkongreß emt gegen den Grafen Mirbach aufhetzende Rede hielt und einen öffentlichen Kampf mit der bestehenden Regierung verkündete, ist standrechtlich erschossen worden: ebenso die sozialrevolutionäre Führer in Spiridonowa. Die Nachricht von diesen beiden Hinrichtungen hat einen niederschmet ternden Eindruck auf die Sozialrevolutionäre gemacht. Marija Spiridonowa, die 82 Jahre alt war, ent stammte einer bürgerlichen russischen FamiSie und hat schon als 21jäbciges Mädchen einen russischen General ermordet, der die Bauern besonders unmenschlich peinigte. Auf dem Wege nach Si birien wurde Marija Spiridonowa einer empörenden Behandlung seitens der Zarcndiener ausgesetzt, die u. a.-auf ihrem Körper bren nendc Zigaretten löschten. Das verlieh ihr eine Märtyrerglorie, be sonders unter den Bauern, die sie fortan fast wie eine Heilige feierten; am Namens- und Geburtstage Spiridonowas pflegten sie unzählige Kerzen in den Kirchen anzuzünden. Als Marija Spin donowa Präsidentin des Bauernrates wuvde, Wallsahrteten russische Bauern massenweise zu ihr. Spiridonowas ganze Zeit war für die Interessen des russischen großen Bauernheers in Anspruch genom men. Sie gilt als eine der mächtigsten Frauen Rußlands. Auf dem fünften Sowjetkongreß brach sie ihre Beziehungen zu den Bol schewiki ab. In Zusammenhang mit dem Mirbach-Atteqtat wurde sie alsdann von ihnen verhaftet. Orenburg in Händen der Gegenrevolntion.— Die Tschcchoslownkenfront. Mos?««, 21. Juli. Wie die Presse meldet, haben die Sowjet truppen Orenburg endgültig ausgegeben. An der Spitze der neuen Lrenburger Regierung steht Dotow; die Bolschewiki haben alle Wertsachen mitgenommen. Moskau, 22. Juli.(P. T.-A.) Die Meldung über die Ein nähme der Städte Jrkutsk und Tfcheta im Transbaikalgebiet durch die Tschecho-Slowaken wird dementiert. Diese Städte sowie das Gouvernement selbst befinden sich in den Händen der So Ivjet-Tr Uppen. Auf der Sstlichen Tfchecho.Slowakenfront geht der Gegner auf beiden Bahnlinien vor; an der Bahn Jekatarcnburg— Tfcheljadinsk sind die Sowjettruppen auf die Station Nramerskaja zurückgegan- gen. An der West- Uralfront stehen die Sowjettruppsn bei Aroslanowo. Die Bahnlinie ist vielfach unterbrochen. In der Rich- tung Poworinsk stehen die Sow-jettruppen auf der Linie Sta- tion Lukowskaja— Oliowchkoi— Golewskoi. Die Engländer haben in Archangelsk gewaltsam ihre Mission gelandet. Moskau, 22. Juli. Nach„Wetschernija Jswesttja" find bei Be- setzung der Wcißmeerküste durch die Engländer einige russische Passagierdampfer beschlagnahmt worden, wobei die rote Räteflagge durch die alte dreifarbige oder die englische Handels- flagge erfetzt wurde. Moskau, 22. Juli. Die Presse meldet: Der Noivaja Petro- gradskaja Gaseta wurde am 13. Juli der Abtransport des Archivs der englischen Gesandtschaft aus Wologba gemeldet. Die Witebsker Kommission zum Kampf mit der Gegenrevolution befiehlt die Aussiedlung aller Guts- bcsiher bis auf ISO Werft von der Demarkationslinie. Im Gouvernement Nowgorod herrscht Hunger. Unruhen sind ausgebrochen. Ein gleiches droht dem Gouvernement Wo- l o g d a. Aus AnduSkan wird berichtet, daS ganze mohammedanische Proletariat habe sich für den Sowjet ausgesprochen. Eharbin, 28. Juli.(Reuter.) Ein Abkommen zwischen General Horwat und den Tschecho-Slowaken ist wahrscheinlich. 4000 Kosaken in der Gegend von Nikolsk vereinigten sich mit Horwat. Amsterdam, 24. Juli.„Times" und„Daily Mail" berichten aus New Uork von der Gründung eines Hilfsausschusses zugunsten der in Sibirien für die Verbandsmächte kämpfenden Tfchechoslowaken. Man will zunächst vier Millionen Mark zusammenbringen, um für Arzneien und andere Bedürfnisse der Streiter sorgen zu können. Der Ausschuß soll sich durch Heran- zirhuag der in den Bereinigten Staaten lebende» Tfchechoslowaken — ihre Zahl wird auf 11- Millionen geschätzt— zu einem großen tschechoslowakischen Bunde erweitern. Dk Ernteaussichten. Nach offiziellen Angaben ist in deli 24 europäische» Gouvernc- mentS des jehigen GroHrnßiands eine befriedigende, zum Teil gute Ernte zu erwarten: nur daS Gouvernement Olonez ist von Mißernte bedroht. Die offiziellen Angaben werde» durch Berichte Reisender bestätigt. Die Romanows. Strjckho'm, 24.- Juli.„Nowh Wieische rny Tschas" berichtet, daß der jimge E x z a r« w i t s.ch sich nicht mit seinen Eltern in Jekate- rinburg befand, sondern wegen schwerer Erkrankung mit seiner Schwester Tatjana und dem ihm treuen Matrosen Jarewienko in Tobolsk geblieben ist. Auf diese Weise sei er dem sicheren Tode ergangen. Die in Moskau einlaufenden Nachrichten von der Ermordung des Exzacen sind voller Widersprüche. Man weiß überhaupt nichts Authentisches über den blutigen Borgang, da die telegraphische Verbindung mit Jekaterinburg, das sich in den Händen der Tschecho-Slowaken befindet, unterbrochen ist. Fest steht nur, daß die Bolschewiki sich von allen Seiten bedroht sahen, und befürchtet hatten, daß die Tschecho-Slowaken den Ex- garen befreien wcwden. Die Tschecho-Slowaken sollen den Tod ge- rächt und alle Mörder der Reihe nach erschossen haben. Berlin, 24. Juli. Der kleine Sohn de» Großfürsten Michael ist, wie aus Moskau gemeldet wird, nach Dänemark in Sicherheit gebracht worden, und wohnt bei dem dänischen König m Schloß Sorgenfrei bei Kopenhagen. Moskau, 22. Juli. eine unbekannte Bande den Wohnort der ehemaligen Grotzfür- st e n Igor, Konstantin und Iwan Konstantinowitsch überfallen und die Großfürsten ungeachtet de? Widerstandes der Wache fortgeschleppt habe. Nachforschungen sind eingeleitet. Republik Turkesian. Moskau, 22. Juli. Der S. Gebietsrätekongreß erklärt Turtestan als Republik im Bunde mit Rußland und wählte in das Zentralkomi« tee 11 Mohammedaner. Die Kommissariate für nationale Angelegen- Leiten, Justiz, Gesundheitswesen und Inneres sind in mohamme- danischen Händen. Die Republik umfaßt die Gebiete S e m i r e t- schinsk. Svrdarja, Fergan, Samarkand, Traust kajpi, Chiwa und Buchara. Die Orte Buchara mit vor- wiegend russischer Bevölkerung werden von Räten der Arbeiter- deputierten verwaltet. Beim Emir befindet sich ein Kommissar der Republik Turkestan, dessen Ratschlägen der Emir Gehör nicht versagt. Die Bahn durch Buchara gehört der Republik und wird durch deren Truppen bewacht. Die von mohammedanischer Bour- geoisie in Kokand geleitete Bewegung für eine auto- nome Republik wurde unterdrückt. Man ergreift Maß. nahmen gegen Dutow und andere Gegenrevolutionäre: die Tschechen sind wegen grotzer Entfernung ohne Einfluß. Entscheiüungen üer Seinefö'öeration. Groste Mehrheit für den Minderheitsantrag. Bern, 24. Juli. Der Föderative Rat des sozialistischen Seine- Verbandes trat Sonncag zu einem Kongreß zusam- men und erörterte zunächst die Frage der„Humanite". Er beschloß die Gewährung eines Zuschusses von 10 000 Franken, damit daS Blatt nicht verschwinden müsse. Ferner wurde die Frage der ontrollierung von Albert Thomas besprochen und auf Ansuchen von Thomas selber zur Beschlußfassung an den Na- tionalrat der Partei, der nächsten Sonntag stattfinden wird, der- wiesen. Sodann wurde zur Abstimmung über die vorliegenden An- träge, die auch dem Nationalrat vorgelegt werden, geschritten. Der Antrag der Kien thaler, der die Kriegskredite der. weigert, sofortigen Friedensschluß verlangt und den revolutionären Klassenkamps predigt, erhielt 885 Stimmen nnd einen Delegierten für den Parteitag. Ein Antrag der Minderheit, der gleichfalls die K ri e gs k re di te verweigert, falls die Kriegsziele nicht bekanntgegeben und Pässe für eine internationale Sozialistenkonferenz verweigert werden, verlangt ein« sofor- tige Zusammenkunft der Internationalen, Formulierung der Kriegs- ziele auf der Grundlage der russischen und Wilsonschen Grundsätze, nach deren Annahme durch die Mittelmächte Aufnahme sofortiger Friedensverhandlungen. Der Antrag lehnt jede Intervention in Rußland ab, sofern sie nicht von den Bolschewiki verlangt wird; er erhielt 6043 Stimmen und 10 Delegierte. Ein Antrag der Mehrheit heißt die Beteiligung der So- zialisten an der Landesverteidigung gut und fordert gleichfalls eins sofortige Zusammenkunft der Internationale zur Durchführung de? Friedens auf der Grundlage der Wilsonschen Grundsätze; er er- hielt 2031 Stimmen und 3 Delegierte. Anhänger der Richtung Varennes brachten einen Zu- satzantrag zum Mehrheitsantrag ein und verlangten daß ein« I n» terdention in Rußland erfolge, da daS bolschewistische Re- gime zu verurteilen sei. Dieser Antrag erhielt 1077 Stimmen und 2 Delegierte. Em zentraler llebensmittelrat üer Alliierten. London, SS. Juli.(Reuter.) Die Vorschläge, die der Konferenz der Alliierten über die Lebensmittelbeschaffung vor« gelegt sind, betreffen die Errichtung eines ZentrolroteS, der in London seinen S i tz haben soll. Alle Alliierten werden darin der- treten sein. Der Zweck ist,«in möglichst engeS Zusammenwirke» zu erreichen, damit die Bundesgenossen nicht schlechter versorgt sind und von den verfügbaren Borräten ihren vollen Nutzen haben können. Die Borräte kommen daher unter Kontroll«» und der Rat wird den Bedarf der verschiedenen Bundesgenossen, die Frage deS Borranges, sowie die Finanzfrage untersuchen. Alle LebenSmittelverwalter haben die Vorschläge günstig aufgenommen. Man hoffr, daß der zentrale Lebensmittelrat vor HooderS Abreise in Wirksamkeit treten wird. Alle Lebensmittelverwolter haben un» beschränkte Bollmacht, damit die Entschlüsse, die sie fassen werden, sofort durchgeführt werden. Die Organisation, die von den Alliierten ins Auge ge- ätzt wird, erfordert einen gewaltigen Apparat, der nicht so- :ott mit sämtlichen Rädern laufen wird. Aber immerhin wird ein Anfang gemacht, der als Teil der Gegenwehr gegen die materiellen und moralischen Wirkungen deS U-Boot- Krieges natürlich nicht unwichtig ist. Ob die Organisation Einftutz gewinnt, hängt freilich davon ab, ob es gelingt, ge- üllte Lebensmittelreservoire zu schaffen, groß genug, um die Bevölkerungen von miudestenS drei Reichen mit Zuschüssen zu versorgen. Datz eine solche Organisation, wenn sie nicht ein blotzes Luftgehilde zur Anregung von Hoffnungen bleiben soll, gewaltige Zufuhren von Uebersee voraussetzt, ist klar. Das Verbot ües italienischen Sozialiften- Kongreftes. Die Antwort der sozialistischen Parteileitung. Das Verbot des nach Rom einberufenen sozialistischen Parteitages wird von der Regierung damit begründet, datz eine Debatte über die Haltung der Partei dem Kriege gegenüber, die als wichtigster Punkt aus der Tagesordnung steht, die Interessen Italiens ge- ' ä h r d e und daher nicht geduldet werden könne. Der römische Ausschuß der sozialistischen Parteileitung fordert im„Avanti" alle Parteimitglieder'auf, die Beteiligung an Körperschaften und Handlungen, die die Mitarbeit der Sozialisten benötigen, als Protest gegen die diktatorische Regie- ungsmatznahme abzulehnen. Wie„Avanti" ferner aus Rom meldet, hat der sozialistische Depufferte Graziad ei dem Ministerpräsidenten am 19. Juli brieflich mitgeteilt, datz er die Mitarbeit in der 5t om Mission für Uebergangswirtschaft, in die er von Orlando berufen worden war, verweigere. Wenn dieser Entschluß auch nicht in unmittelbarem Zusam- menhang mit der Aufforderung des römischen Ausschusses der 'ozialistilchen Parteileitung steht, so kann doch festgestellt wer- 'en, daß nunmehr drei sozialistische Tepu- t i e r t e die Beteiligung an der genannten Kommission mit der Begründung a b g e! WW... ehnt haben, datz sie als Mit Nasch Wek" meldet nach einem Telegramm glieder der sozialistischen Opposiffonspartei nicht in den von des Vorsitzenden des Jekaterinburgei: Gebretsrats, daß am 18. Juli der Regierung ernannten Kommissionen mitwircken können. Nr.2H2 ♦ Z5.�ahrga«g SeiSaas öes Vorwärts Donnerstag, 25. FuN 1 H 1 8 profeffor Henkel freigesprochen. Gestern vormittag verkündete der Vorsitzende des Diszi- Mnargerichtshofs, Oberverwaltungspräsident Tr. Ebsen, das Urteil:„Das Urteilder ersten Instanz wird auf- gehoben. Der beschuldigte Professor Henkel fr e ige- sprachen. Die baren Auslagen des Verfahrens fallen der großherzoglichen Staatskasse zur Last." In der Begründung des Urteils führte der Präsident unter anderm aus: Bei der Nachprüfung des gegen den Beschul- digten angeführten Materials ist das erkennende Gericht zu wesent- lich anderen Feststellungen wie die Dienststrafkammer insofern ge- kommen, als nach Ansicht des Gerichts von dem ganzen Belastungs- Material nur noch bleibt, daß bei Unterbrechung der Schwanger- schaft möglicherweise bei der Anzeigestellung nicht ganz sorgsam verfahren wurde, und in zwei Fällen unterlassen wurde, die her- ausgenomene Gebärmutter zu öffnen und festzustellen, ob das Kind vielleicht noch lebe. Die Angaben einiger Assistenten, aus denen die Tienststrafkammer entnommen hat, daß Prof. Henkel eine g e- wisse Operationssucht zum Vorwurf zu machen sei, können für das Gericht nicht matzgebend sein, denn diesen Be- kundv.ngen stehen andere gegenüber, die das Gegenteil sagen. Be- züglich der Schwangerschaftsunterbrechungen und des weiteren Eingriffs zur Unfruchtbarmachung besteht in Wissenschaft und Praxis volle Uebereinstimmung, daß solche Hingriffe unter ge- wissen Voraussetzungen straflos sind, insbesondere, wenn sie zur Rettung der Mutter aus Lebensgefahr oder zur Abwendung bau- crnder Gesundheitsschädigung vorgenommen werden. Das Gericht ist somit zu der Ueberzeugung gekommen, daß ein solcher Eingriff nur in einem Fall als nach der Wissenschaft unberechtigt sich nach- weisen ließe. Ungerechtfertigt erscheint der Vorwurf, der Be- schuldigte habe Kranke vernachlässigt; ebenso nimmt das Gericht ein Verschulden wegen der Grenzüberschreitungen und wegen Ver- nachlässigung der Sektionen nicht an. Prof. Henkel hat das nicht anders gehandhabt wie andere Kliniken. Wesentlich anders als nach den Feststellungen des Vordcrrichters stellt sich schließlich auch der Prinzenfall dar. Ein vollkommen klares Bild haben allerdings auch die neuen Erhebungen nicht ergeben, es steht aber fest, daß nur Frau Reichen- bach in Frage kommen kann und sie andererseits diejenige Frau nicht sein kann, die nur schnell vorbereitet-worden ist, um dem Prinzen voroperiert zu werden. Es bleibt nur übrig, anzunehmen, daß die Zeugen mehrere Vorgänge nachträglich mit» einander in Verbindung gebracht und vermengt baben. WaS dem Beschuldigten jetzt noch zum Vorwurf gemacht werden kann, ist nur, daß er dem Prinzen, einem Laien, das Zusehen bei Operationen an den Geschlechtsteile« g e st a t t e t und bei einer dieser Operationen sich e t w a s s e l b st- g�e f ä l l, g benommen hat. Beides ist vom ethischen Standpunkt nicht zu billigen, aber ein Disziplinarver- gehen hat das Oberverwaltungsgericht darin nicht erblicken können. Der Beschuldigte ist nach seiner eigenen Angabe ein Mann von ausgeprägte ui Selbstbewußtsein. Das mag auch mu Veranlassung gewesen sein, daß ein schwerer Verdacht in diesem Verfahren gegen ihn entstehen konnte. Andererseits ist er, Vau an ist das Gericht überzeugt, eine ernste Persönlichkeit, die von der sozialen Bedeutung ihres Berufs und von der hohen Bedeutung ihrer Aufgaben als Universitätslehrer und.�umkleiter durch- drangen ist. Da dieses Urteil endgültig ist. fällt auch der Grund für die Amtsenthebung weg, und Prof. Henkel wird sein Amt als Direktor der Uninersitätsfrauenklinik in Jena wieder antreten und auch bei Beginn des Winterhalbjahres seine Verlesungen an der Universität wieder aufnehmen. Groß'Serlm Zeuöalrecht auf der �Großen Herliner�. Zu den angestanimten Rechten, die den Rittergutsherren in der guten alten Zeit eigneten, gehörte neben dem be- kannten Aus primae noctis(dem Recht auf die erste Nacht nach der Hochzeit) auch das des Patrimonialgerichts. Dieses bestand in der Befugnis zur Ausübung der Gerichts- barkeit über die Gutseingesessenen und war für die Herren Ritter nicht nur von rein ideellem, sondern auch von prak- tischem Werte. Denn nicht nur daß sie in eigener Sache Anklagen erheben, Untersuchungen führen und Urteile fällen durften: auch die Vollstreckung lag ihnen ob und die Geld- büßen flössen in ihre private Schatulle. Aber die patriarcha- lifchen Zustände der feudalen Zeit brachten es mit sich, daß die Gutsuntertanen meist nicht über ansehnliche Barmittel verfügten und die Geldstrafen daher wenig ergiebig waren. Daher mußten sich die Ritter nach weiteren Einnahmequellen umsehen, und der resolutere Teil von ihnen fand diese in der sogenannten Wegelagerung. Buschklepperei und Aus- Plünderung von Reisenden. Das richtige Feudalrittertum besteht heute nicht mehr, ein nüchternes kapitalistisches Zeitalter hat es verscheucht. Aber den romantisch veranlagten Naturen, die den Untergang der alten Ritterpoesie beklagen, erwächst ein Trost aus der Tat- sache, daß wir Berliner wenigstens ein Surrogat für das verlorene soziale Kleinod besitzen. Niemand anders als unsere allbcliebte Große Berliner Straßenbahn ist es, die in ihrem neuesten Ukase, betreffend die Bestrafung der Fahrgeldhinterziehungen, uns„mit Ge- nehmigung der Aufsichtsbehörden" einen immerhin tcilweisen Erfatz für das alte Feudalwesen geschaffen hat. Jeder Fahr- gast, der ohne Billett angettoffen wird, unterliegt in Zukunft einer sofort zu entrichtenden Geldbuße von 1 M. Die Straßenbahn selber fahndet auf den Täter, führt selber die Untersuchung, stellt durch einfache Befragung ihrer eigenen Angestellten die Schuld f e st, fällt und vollstteckt in eigener Person das Urteil. Und gegen dieses Urteil gibt es keine Berufung und keine Revision. Der souveräne Konttollbeamte der Großen Berliner faßt gegen einen Fahr- gast den Verdacht böswilliger Fahrgeldbinterziehung, die Schaffnerin, die unfehlbar ist und sich niemals irren kann, bestätigt auf Befragen den Verdacht— und schon ist das Urteil fertig und wird vollstreckt! Ein typischeres Bei- spiel von feudaler Patrimonialgerichtsbarkeit ist nicht gut denkbar. Wehe dem Unglücklichen, der die Mark nicht besitzt, und wehe dem Verblendeten, der im Gefühl seines guten Rechts sich der Urteilsvollstreckung widersetzt! Denn die Buße wird zwar eingezogen„unbeschadet der Strafverfolgung", die Mark, die in die Kasse der Großen Berliner fließt, dürste aber das Lösegeld sein, mit dem man sich von weitergehenden strafrechtlichen Scherereien los- kauft. Da es sich bei diesem Rechtsgange nicht vermeiden läßt, daß sehr häufig vollkommen schuld- und ahnungslose Reisende zugunsten der Großen Berliner an ihrem Geldbeutel gekürzt werden, so drängt sich dem Freunde feudaler Romantik der Vergleich nicht nur mit der Patrinionial- gerichtsbarkeit, sondern auch mit dem alten Raubritter- Wesen von selber auf. Um den poetischen Zauber des Fcudalisnms in seinem vollen Glänze wieder aufleben zu lassen, fehlt jetzt nur noch eines. Aber wir sind überzeugt, daß man uns auch darauf nicht mehr lange wird warten lassen. Denn an- gesichts des Geistes, der aus dem neuen Ukase spricht, kann es nur noch eine Frage der Zeit sein, daß die Große Berliner gegenüber ihren Fahrgästen auch noch das.Jus primae noctis in Anspruch nimmt. Natürlich„mit Genehmigung der Auf- sichtsbehörden." « Aus den Kreisen der S t r a ß e n b a h n- A n g e st e l l t e n er- halten wir eine Zuschrift, der wir folgendes enmehmen: Zunächst darf man wohl überhaupt daran zweifeln, daß es dem Schaffner- personal möglich ist, trotz der Frage, ob noch jemand ohne Fahr- schein, diese Scheine auszugeben oder zu entwerten. Schon der Laie wird beobachtet haben, daß das schlechterdings bei dem jetzigen Verkehr und den Dienstanordnungen nicht durchführbar ist. Die Schaffnerin kann wiederholt ihren Ruf erschallen lasten und denn- noch wird sie die Arbeit nicht bewältigen können, um so mehr als sie bei jeder Haltestelle wieder zum Hinterperron sich durchzwängen muß, um das Abfahrtssignal zu geben. Bei dem nun sicher entstehenden Streit, wenn die Kontrolle erscheint, muß die Schaffnerin erklären, daß der Fahrgast ohne Fahrschein sich nicht gemeldet hat, denn sonst erhält sie die Strafe, und diese rst oft-hart. Auf der anderen Seite ist seitens der kontrollierenden Beamten keine Nachsicht zu erwarten, weil sie in solchen Fällen auf Prozente arbeiten. Und weiter: Hat jemand, der im Innern des Wagens ganz vorn Platz nehmen muß, schon ge- Freiwillige vor! Lanüwirtfchast, Eisenbahn,§orstwirtschast und alle kriegswichtigen Detriebe müssen arbeits- fähig erhalten bleiben. Die große Armee der Äeimarbeiter benötigt Arbeitskleidung. Gebt Eure entbehrlichen Anzüge abl hört, was die Schaffnerin im hinteren Teil des Wagens ausruft? In Sv von 100 Fällen sind diese Ausrufe nicht zu verstehen. In den meisten Fällen werden sich die Fahrgäste weigern, die ihnen auferlegte Strafe zu zahlen, und das Fahrpersonal wird bei dem Publikum weder Schutz noch Beistand finden. Damit wachsen die Schwierigkeiten für die Schaffuecinnen inS ungeheure. Sind heute schon derartige Zustände vorhanden, daß täglich in unglaublicher Zahl Wagen wegen sehlenden Personals nicht in Betrieb genommen werden können, so wird die P e r s o n a l f luch t noch eine größere werden. Schließlich entsteht die rechtliche Frage, ob die„Große" solche Strafen einziehen darf. Die Straßenbahnen haben keinen ab- geschlossenen Bahnkörper und daher können Bestimmungen wie bei der Eisenbahn hier keine Geltung finden. Man darf gespannt sein, wie die ersten Prozesse, die sich bald ergeben dürften, aus- laufen werden. Alle diese Unannehmlichkeiten, die sicher das Ansehen der „Großen Berliner" nicht heben dürften, könnten beseitigt werden, wenn bei verkehrsreichen Zeilen zwei Schaffne- rinnen die Wagen bedienten. Man wird uns seitens der Gesellschaft den Personalmangel entgegenhalten. Daran ist aber die Unternehmerin selbst schuld I Wie das Personal, besonders die Frauen, auf den einzelnen Bahnhöfen in unglaublicher Weise ge- guält werden, zeigen die immer wiederkehrenden Beschwerden an die Direktion. Aber auch sonst Herrichen Zustände, die der Außen- stehende nicht für möglich halten möchte. Ein Personal, das in- folge verkehrter Maßnahmen der Betriebsleitung in ständigem Aerger und Streit mir dem Publikum leben muß, und noch der- artig schlecht behandelt wird, hat natürlich nur das eine Bestreben, sich möglichst vor jeder Bestrafung zu schützen, und wird bei der Festsetzung der Strafe wegen Hinterziehung des Fahrgeldes immer zu Ungunsten der Fahrgäste zeugen. Auf jeden Fall hat aber die Große Berliner wieder ein Ge- schäft gemacht. Mit Hilfe der Aussichtsbehörde braucht sie sich nun nicht um die Vermehrung des Personals zu bekümmern. Sie be- kommr ihr Fahrgeld auch so. Nicht weniger als g'/z Millionen Mark fallen ihr, wie sie selbst angibt, ohne Ausgaben in den Schoß. Den Aerger, den Verdruß und den Schaden zu tragen, überläßt man dem Publfkum und dem Personal! „Gemeinnützige" Massen-Nnsmietung. Kaum ist der preußische Staatskommissar für Wohnungswesen mit seinen AuSmietungsaniprüchen vom Berliner Mieteinigungsamt zurückgewiesen worden, als aus S t e g li tz die Nachricht kommt, daß eine zur Herstellung von Angestellten-Heiinsiälten errichtete Aktiengesellschaft dort ein ganzes Wohnhaus aus- gemietet hat, leider aber mit ihren Ansprüchen beim Steglitzer Mieteinigungsamt durchgedrungen ist. Die Entscheidung soll schon vor dem zurückweisenden Urteil des Berliner MicteinigungS- amtes gefällt ivorden sein. Es bandelt sich um das Haus A h o r n st r. 10, daS von neunzehn Mietsparteien bewohnt wird, darunter auch einer Reihe von kleinen Leuten. Die Aktiengesellschaft ist auf Anregung und unter Be- teiligurg der Reichsversicherungsanstalt sür Angestellte unter der Bezeichnung„Gemeinnützige Gesellschaft für An- g e st e 1 1 t e n- H c i m st ä tt e u" vor knizem gegründet worden. Die erste Tat dieser„gemeinnützigen" Gesellschaft ist nun. daß sie, wie dem„Steglitzer Anzeiger" von beleiligter Seile geschrieben wird, die Bcwobner des Hauses Ahornstratze IS, einer stillen Seitenstraße zu Steglitz, ausmietet, um binnen Jahresfrist der Gesellschaft Platz zu machen. Dabei soll das HanS nicht etwa den Angestellten der Gesellichast als Wohnung dienen, sondern eS ist dazu bestimmt, die Amtsräume der„Gemeinnützigen" aufzu- nehmen.' Zu diesem Zweck werden Leute, die erwarten sollte�, bei der bitteren Wohnungsnot in jenem Hause sür ihre Familien eine bleibende Wohnstätte gesunden zu haben, jetzt bettelnd nach einem neuen Obdach suchen. Wie erwähnt, ist im Gegensatz zum Berliner Mieteinigungsamt das Steglitzer Einigungsamt den bedrängten Familien nicht zur Seite getreten, sondern hält die Jntereffen einer großen Aktiengesellschaft, die in den ungezählten leerstehenden Geschäftsräumen von Groß-Berlin sehr gut unterkommen könnte, sür wichtiger I Den Familien ist es bei der herrschenden Wohnungsnot unmöglich, ein auch nur an- nähernd gleichwertiges Heim zu finden; ihre Not wird aber nur als llnbequenilrchkeit angesehen, die keine Berücksichtigung erfordert. Damit eme Gesellschaft Millionen zur zur Errichtung vou Heim-< stätten verwenden kann, läßt man willig zu, daß vorerst vorhandene Heimstätten beseitigt werden. Dieser Steglitzer Fall, wo es sich um die Wohnungen von an- nähernd 20 Familien handelt, ist weit krasser als der Fall des Staatskommissars in Berlin, der lediglich zwei Luxuswohnungen ausniielen wollte. Um so bedauerlicher ist es, daß die bereits gett offene Entscheidung des Steglitzer Mieteinigungsamts nach den gesetzlichen Bestimmungen endgültig ist. Unseres Erachtens sollte es die Reichsversicherungsanstalt sür Angestellte, die aus den Geldern der Angestellten über Millionen verfügt, für unter ihrer Würde halten, die Tätigkeit der„Gemeinnützigen Gesellschaft für Angestellten-Heimstätten" mit einer Maffenausmietung zu be- ginnen. Direktor der„Gemeinnützigen Gesellschaft ist ein Regierungsrat K o s k a, der zugleich für den im Felde stehenden Eigentümer des Hauses Ahornstraß c 19, als juristischer Beirat funktioniert. Die„spanische Krankheit" ist keine Jnflueüza! Nach einer vor etlichen Wochen im Neichsgesundheitsamt statt« gefundenen Besprechung sollte der Erreger der jetzt verbreiteten „spanischen Krankheit" identisch sein mit dem Bazillus der in den Jahre» 1889—93 aufgetretenen Influenza. Diese Ansicht kann nach den neuesten Forschnngsergebnisien des Leiters des Instituts für experimentelle Therapie in Frankfurt a. M., GeheimratS Prof. Dr. K o l l e, als widerlegt gelten. In den überaus zahlreichen Spntumprobcn, die Profeffor Kalle zur Untersuchung zur Verfügung gestellt wurden, waren keine Influenza st äbchen nach« weis bar. Den jetzigen Krankheitserreger beschreibt der Gelehrte in der„Deutschen Medizinischen Wochenschrift" wie folgt: Es ist in allen Fällen ein Kokkus(ringförmiges Gebilde), zuweilen in Reinkultur, zuweilen mit Pneumokokken vermischt. Prof. Dr. Kolle kommt a»f Grund seiner Beobachtungen zudem Ergebnis, daß der Bazillus der„spanischen Krankheit" nicht mit dem Jnfluenzaerreger identisch ist._ Ausgabe von 2'/z- Pfennig> Stücken. Infolge der Schwierig" leiten, die fich naturgemäß aus dem Rechnen mit halben Pfennigen ergeben mußten, ist die Prägung eines 2'/z-Pfennig-Slückcs aus noch zu bestimmendem Metall in Aussicht genommen. Mit der baldigen Einführung der neuen Münze ist zu rechnen. Tie älteste Berlinerin gestorben. Im Alter von f a st 193 Jahren ist die Witwe Auguste Weißbecker gestoiben. Die Greisin, die in der Neuen Jakvbstraße 19 bei ihrer Enkelin wohnte, war noch bis vor kurzem körperlich und geistig ziemlich rüstig. Militärfrachtbriefe werden mit dem 15. August von der Heeres- Verwaltung eingeführt. Sie gelten für alle militärischen Sendungen zum und vom Feldheer, in der Heimat und im besetzten Gebiet. Für Abferlignng von Pribatgülern, die Heeresnngehörige im öffentlichen Verkehr versenden, ist das bisherige Frachtbriefmustcr zu gebrauchen. Desgleichen behalten die Frachtbriefe für internationale Eisenbahntransporte die bisherige Form. Der Militälsracktbrief darf nur mit schrift- sicher Genehmigung des stellvertretenden Generalkommandos her- gestellt werden. Er ist im freien Handel nicht erhältlich, sondern wird den militärischen Dienststellen in der Heimat durch die stell- vertretenden Generalkommandos, den Dienststellen im Felde durch die Mililäreisenbahnverkebrsämter(Militärgüterämter) auf Anfor- dern zugestellt. Zum Aufbrauch der vorhandenen Bestände können bis 31. Oktober 1918 militärische Sendungen mit dem bisherigen Frachtbriefmuster aufgeliefert werden. Nach diesem Zeilpunkt werden von den Güterabfertigungen mir noch Militärfrachtbriefe als Be« gleitpapier zu militärischen Sendungen angenommen. Im Zldmiralstheater wird am Freitag„Das Geschlecht derer von Ringwall" zum erstenmal gezeigt. Mit Gewichten belastet wurde gestern aus dem Kleinen Wannsee die Leiche eines unbekannten ManneS gezogen. Der Tote hatte eine Schußwunde am rechten Hinterkopf und mehrere Gewichtstücke in den Taschen. Er ist 35—49 Jahre alt, mittelgroß und dunkel- blond und trug einen dunklen Jackettanzug, schwarze Stiefel und weiße Wäsche, die F. S. gezeichnet ist. Neukölln. Fleisch- und Wurstverkauf. Der Magistrat teilt mit" Die Verbraucher haben auf Verlangen des Fleischverkäufcrs bis zu ein Fünftel der ihnen zustehenden Fleischmenge in Wurst zu ent- uehinen. Bon den drei in Neukölln zugelassenen Wuistarten werden die Blut- und Leberwurst in ungefähr gleichgroßer Menge hergestellt und von den Flerschverkämern auch meistens je zur Hälfte abgegeben. Die Anfertigung von Brühwurst lBreslauer) erfolgt in der Regel nur dann, wenn die Fleischermeister mit sehr fleischarmen Rindern beliefert werden, deren Fleisch von den Käufern erfahrungsgcniäß nur ungern angenommen werden würde. Wegen der knappen Be- sieferurig mit Schlachtviehfleisch müssen diese Rinder verteilt werden. Lediglich aus diesem Grunde ist aus der vorerwähnten und in allen Gemeinden Groß-Berlins geltenden Verordnung die Herstellung einer Brühwurst vorgesehen. Die Weigerung der Abgabe von Leber- Wurst durch den Fleischverkäufer, weil der Haushalr des Käufers nur aus zwei Personen besteht, ist unzulässig. Klagen über die Weigerung. Wurst, falls solche vorhanden ist, abzugeben, und Be- schwerden über die Güte der Ware sind bei der Fleischversorgung, Rathaus, Zimmer 399, anzubringen. Pankow. Lebensmittel. Vom 24. ab gelangen in den bekannten Geschäften gegen Abtrennung des Bezugs« und Quitlungsabschnitles 44 und 45 von der gemeinsamen Lebensmittelkarte Graupen zum Verkauf. Auf den Bezugs- und Quittuiigsabichniit 44 und 45 der gemeinsamen Lebensmittelkarte entfallen je 159 Gramm, also zusammen 399 Gramm. Die Militärurlauber erhalten die Ware nur gegen Vorlegung des Urlaubspasses und gegen Abtrennung des Bezugsabschnittes 1 und 2 von der Lebensmittelkarte sür Militär- Urlauber der 39. Woche. Der Preis beträgt sür 599 Gramm 36 Pf., für 159 Gramm 11 Pf. Für Kranke und schwangere Frauen, welche über den 39. Juli hinaus noch Anspruch aus Bollmilch haben, findet die Neuausgabe der Milchkarten vom 25. bis 31. Juli im Rathause, Zimmer 44, in der Zeil von 8— 2 Uhr und 5— 7 Uhr statt, und zwar iür Personen mit dem Anfaiigsbuchstaben: A bis E am 25, F bis J am 26., K bis L am 27. M bis R ani 29., Sbis T am 39., IJ bis Z am 31. Beim Umtouich sind die allen Milch- karten als Ausweis vorzulegen. Die Milchkarten müssen persönlich in Empfang genommen werden. Die neuen Milchkarten sind dem bisherigen Milchhändler bebufS Abstempelung auf der Rückseite und Eintragung der lausenben Nummer der Kundenliste vorzulegen.— Vom 23.-89. gelangt in einigen Geschäften für Kinder und Kranke, die im Besitz einer Vollmilchkarte für den Monat Juli sind, Fruchi- sirup zum Verkauf. Auf den Slammabschnill der Vollmilchkartc sür den Monat Juli 1918 und nur gegen Vorzeigung der Lebensmittel- karte der Gemeinde Berlin-Pankow entfallen 250 Gramm Fruchtsirup. Der Preis beträgt für 599 Gramm 1,79 M., sür 259 Gramm 0,85 M._ Reinickendorf. Lebensmittel. Die Ausgabe der auf Abschnitt 29 der Karivffclkane entfallenden Ersatznährmittel an die Verbraucher erfolgt gegen Abtrennung der an der Kalte verbliebenen und ad- gestempelten Abschnitte. Auf die Abschnitte 39 können ebenfalls für jedes ausgefallene Pfund Kartoffeln 199 Gramm Hülsensrüchte ver« cBfoIgt werden. Voranmeldung findet nicht statt. Bei der Be» lieferung sind die Absckmitle abzutrennen. Jeder Einzelabschnnt gilt für bü Gramm.— Aus Abschnitt 160A/B der LebenSmitlelkarle für die Gemeinde lverdcn bvll Gramm Weichläse zum Preise von 2,1.0 M. abgegeben. Eine vorherige Anmeldung bei den Händlern ist nicht erforderlich. Die Einwohner haben de» Käse dort zu laufen, wo sie den Kunsthonig angemeldet haben.— Diejenigen Händler, welche iiachlrägiich Heringe erhalten haben, lönnen den noch vor- bandenen Bestand freihändig, jedoch nicht mehr als 1 Psund für die Person abgeben. Mariendors. Ledensmlttel. Für die Woche vom 22.— 28, dürfen zunächst nur aus die Doppelabjchniltc SOn— d der Kartoffel karte zusammen 4 Pfund entnommen werden. Die Ausgabe erfolgt durch Händler und zum Teil durch hiesige Landwirte. Siehe Bekannt- machungen. Beim Eintreffen weiterer Kartosfelviengen erhalten in erster Linie diejenigen Bezugsberechtigten, die in voriger Woche nicht sieben Pfund erhalien konnten, noch weitere Kartoffeln. Be- zugSbercchligle, die für die Abschnitts 30o— x keine Kartoffeln beziehen können, erhalten als Ersatz für jedes ausfallende Pfund ICK) Gramm Hülsenfrüchte, im Höchstfalle also 800 Gramm. Der Preis für IVO Gramm Hülsenfrüchte beträgt 15 Pf. Die Ausgabe der Hnticnfrüchte beginnt am 26., Urlauber erhalten die eventuell zustehenden Hülsenfrüchte gegen Vorlegung der liartoffelkartc im Gemeindeladeir Südende oder Mariendors, Chaussecstr. 37.— Die Ausgabe der neuen NahrungSmitlelkartcn erfolgt diesmal auf Grund der neuen HauSliste». Dieselben sind spätestens bis 25. an die zuständige Brolkommiffion einzureichen. Siehe Bekanntmachung. Auf Abschnitt 55 der Grosi-Berlincr Lebensmittelkarten wird AuMandsmarmelade verkauft. Abgegeben werden auf jede Lebens- mittelkarie 225 Gramm zum Preise von 77 Pf. Die Ausgabe er« folgt gemeinsam mit dem Kunsthonig in den Gemeindeverkaufs- stellen. Wer bei dem jetzigen Berkauf Marmelade nicht erhält, kann den Abschnitt 55 bei einem späteren Berkauf von Auslands- marmelade eintöien. Dazu wird durch besondere Bekanntmachung aufgefordert werden. Groß-Serliner parteinachrichten» Neukölln. Heute abend 8 Uhr in den Passage-Festsälen, Bergstr. 151/52: F r a u e n b c r s a m m l u n g. ReichstagZ- abgeordneter N, W i s s e l l referiert über: Die Ausgaben der Sozialdemokratie nach dem Kriege. Gäste haben Zutritt. Mus aller Welt. Ein lÄnterzug von Räubern überfallen. O b e r h a u s e n, 23. Juli. In vergangener Nacht wurde ein Güterzug aus der Fahrt Duisburg— Oberhausen von be- waffneten Räubern überfallen, die mit vorgehaltenem Ne- vokver daS Bahn personal zwangen, die Ausraubung der Wagen zuzulassen. Eine von Oberhansen mit Bahnbcamten abgelassene Hilfsmaschine gelangte an den Tatort, als die Räuber noch mit der Fortschaffung der Säcke beschäftigt waren. Neun Säcke wurden zurückgeholt. Die Baude ist bisher nicht ermittelt._ Nngctrene Proviant-Beamte. Vor dem Kriegsgericht in Osnabrück kamen eine ganze Reihe von Nnterschlagimgen, Diebstählen nnd Veruntreuungen zur Vcr- Handlung, die beim OSnabrücker Proviantamt verübt worden waren. Eine große Menge von Lebensmitteln ist gestohlen worden. Der Hauptangeklagte Proviantamtinspektor P l a t t n e r erhielt l'/z Jahre Gefängnis und wurde degradiert. Zehn andere Angeklagte erhielten öhnktchc Strafen. Türkische Taiakfcnduni, nach Tcntschkand. Konstantinopel, 23. Juli.' Der Dampfer PathmoS mit 10 000 Ballen Tabak für deutsche Rechnung ging am 18. Juli von Konstantinopel nach Braila in See. Es ist dies die größte Tabaksendung seit Kriegs- ausbruch. Das beschlagnahmte Hochzeitsmahl. AuS Marburg(Steter- mark) wird der.Grazer Tagespost" berichtet: Die Tochter des Gastwirts Tscharre feierte am 16. d. M. ihre Trauung mit einem Kaufmann. Als die HochzeitSgäste zum Easihause.Schwarzer Adler", dem Elternhause der Braut, zurücklamen, erfuhren sie. daß das reiche Hochzeitsmahl behördlich mit Beschlag belegt worden war. Man hatte auch die für die Mütaggäste be- retteten Speilen beschlagnahmt. Für diese? Hochzeiismabl soll ein Mastschwein im Werte von fünftausend Kronen geschlachtet worden sein. Was mit den beschlagnahmten Speisen ge- schehen ist, ist nicht bekannt. Ein weißer Nabe. Der Besitzer de? HauseS Lechn'er Str. 16 im Wiener Bezirk Landstraße hat seinen Mietern erklärt, daß sie in Anbetracht der schlechten Zeiten am nächsten Ersten'die Monats m sie te nicht zu bezahlen brauchen. IugenSveranftaltungen. Bezirk Süden. Morgen Freitag, den 26.: Bezirksbelprechrmg. Ansang 8 Uhr. Hcimöfsnung 7 Uhr. Um pünlllicheS Erscheinen der Ge> nosse» wird gebeten. Arbeiterjugend Neukölln. Morgen Freitag, abends 8 Uhr, im Jugendheim, Berliner Slrahe 86/87: Dis kutierabend. Arbeiter- Samariter> Bund Kolonne Grost- Berlin. Morgen! Freitag, den 26. Juli, abends 6'/, Uhr, bei Schulz, Königsgrabcn Nr. 2:' Mit g I i e d e r v c r f a m m I n n g. Tagesordnung: Slusslug äm 4. Augnst zum Freibad Rahnsdorf. Nebung am 18. August in Treptow. Vcr- schiedcncs.— Montag, den 29.: UebungSslunde. Gäste haben einmaligen freien Zulritt. Waff erpanbSnachrichte« der SandeSanstalt sSr Gewilfierkunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterbureau. Freitag mitvog. Ziemlich wann, in: Nordosten überwiegend bewölkt, mit weilverviciteten Negenfällen, in den anderen Gegenden zunächst vielfach heiter aber veränderlich, ohne erhebliche Niederschläge, spater im Westen neue Zunahme der Bewölkung und strichweise Gewitterregen. erscheint im„Vorwärts" der Stellen- Knjkhy« fijfl nachweis. Anter vielen Angeboten Atß, im„Vorwärts" mit seinem ausgedehnten Verbreitungbezirk 0Ä30W8 MW. Abonnementspreis monatlich l,50 Mark frei ins Äaus. Name Beruf Wohnort Straße?. . Stock. Bei wem? bestellt ab I.August den„Vorwärts" zum Preise von 1,50 M. per Monat frei ins Kaus. Diesen Zettel wolle man ausgefüllt an die Äaupt- expedition, Berlin SW, Lindenstraße 3, senden. lldentscl»«!« Tkienter. LetzteWoohe all ab en dl. 8 U.; Max Rallenberg in Fumilio Sciilmek. Kam moi-spicle. AUabondlich 7'/, Uhr: Inkognito.(Operette.) Tolkabühne, Th.a. Biilowpl. Allabendliob 71/, Uhr: Ein SomniBrnachittraum.__ fheäieFdey Westens Allabendlich 71/, Uhr: Dis Tänzerin. Thaater Königgrätzerslr. 8 Uhr: Bio Schwestern and der Fremde. Komödiep.haus 8 Uhr: Die Zarin. BeiiinerTheater 7"U.: Blltsblaues Blnt. Theater iür Donnerstag, 25. Juli. I.nstspiclhans 73/4Uhr: Die spanische Fliege Contrai-Tlicater vi, uhr: Die Csariiastirstiii. Deutsches Opernhaus vi.y--- BSe selißöe Heto Fricdricii-Wllhelmst. Tbcater 7-/: uhr: Das Qreifiiljeriliaiis. Komische Oper TV-1 SeliwariwÄMel. Sonnt. 31/, U.: Die Kinokänigin, Kleines Theater 8 Uhr: Äristid und seine Fehler mit Bassermann. Metropol-Theater rrhr: Die Rose von Slamiiul. Neues Operetteniiaus 7'/.uhr:BerSoliliitiier Marie. Itesldens-Thcnter vi, uhr: FlinKT-lüIreiiEn, Schiiler-Th. Chnri. 7«), Uhr: Tbuila-Theater t�lBterilerlilienilenüiife Theater am Nollendorfplatz 7'/, Uhr: Rennen Mkiler- ZWWMMiill jutoDles" MM S. G.!». Ö. 6. GMgsksWe: HöijRSDotf bei Srönilv l. IN. Burcauzeit täglich außer Donnerstag van V— Ii Uhr vormittags, Donnerstag von 5—8 Uhr abends, Montag, abends von 5—7 Uhr, Mantcuffelslr. 77 bei Schulze Montag, den LS. Juli, abends«Uhr, im Gewerkschafts- Hanse. Engeluscr 15: Msi' iler friLSriLiMl. Ecke Friedrich- u. Linionstr. Telephon: Norden 8650. Väglich 7'/. Uhr; Sie erste Geige. Sonnt, nachm. 3'/, kleine Pr.: Jnsrcnd._, Ädmiraispalast. j Die Prinzessin von Tragant| Jäajdah. Deutsche T3uze.| Kühler Aufenthalt. 7'/« Uhr. 2, 3, 4, 5, 6 M. Beler Mr-lteler Kastainenallee 7—9. Täglich 6 Uhr in vollständig neuer Bearbeitung: W UÄsMasle'M. GrogePofsen-Nevue in 5 Bildern Dazu die groSart. Speilalüäteu "KalionaPiheater 3/48: Mäuschen. szza BerSsn« Grtsstew&ld Dannerstag. 25. Juli 1918, nachmittags 2Vz Uhr 8 Utenneni. Werte von 115000 IS., darunter: Sleber-Ausgieicli: 27090'3. Are-Palrick- Hennen: 27000 M. Calus-Ausyleich: 18000 M. 16. ordentliche_ General-Versammlung. Tagesordnung: 1. GefchSflsbericht. Vorlegung der Bilanz nebst Gewinn- und Verlustrechnung. 2. Bericht der Revisoren und Genehmigung der Bilanz so- wie Bcschlutziaijung über die Verteilung des Gewinnes oder Verlustes. 3. Bejchlutzsastung über Bau von Kleinhänsern zum Eigen. crwerb auf dem Gelände vom WalterSdorserweg bis Kleinbahn. 4. Neuwahlen: a) des Vorstandes, b) Ersatzwahlen zum AuisichtSrat. 5. Antrag Tittmann. 6. Verschiedenes. Nur Mitglieder haben Zutritt. Ohne Mitgliedsbuch kein Einlaß. tfOr" Die Bilanz nebst Gewinn- und Verluftrechnung sind in unserer KeschästSslelle in BohnSdors in den Geschäslsstunden von abends 5—8 Uhr eiiizusebc». t Der Vorstund. 104/16 6. Dorner. P. Schiff ke. Fr. Hoppe. Stadtbahn. Untergrundbahn bis Roichsuanzlerplatz, StraBcnhahn D und U bis Bahnhot Heorstraüe, R und P bis Spandeuer Bock. mit dem Schwank Tägh VI,. Sonnt, p-/- o.7-/. Großer Laoherfolg! Ges. umt-G astspiel des Hsrrnfeld- Theaters Die Kriegsgewinnler. Hauptroll.: Dir. A, Herm- feld, Ferd. Griinecker. Rose-Theater. vftn.: Die PrioM vom Hü. (Rnttcnb.: Bitte rochlfreundlich! Reictisliaiien-Theater. Gastspiel der- Leipeiger Seidel-Sänger. Anfang 7-/. j Ah t.Aug. Stettiner Sänger. I ilöicivsii'allen-Saal u. Garten > itlüth�cn- Konzert. iO.„HIASi TägUch VI, Uhr abends Walhaiia- 1 Theater. Weinbergswog Trianoa-Theater Bhf. Friodrlchstr. Ztr. 4927, 2391 H U. Zunj 328. Male; I>cr LsdsNÄsekMsr. Kaiser-Titz, Büdt, Flisk. Sonnab nachm. 1/,4 U. kL Pr.: bcbnoewlttcheu. Sonntag 4 Uhr: JohannUfeuer. Tod u. Teufel Ueder 25 Jahre einzig bewährt! Nelcbels Lperialmiitei in unveränderter enormer Stärke wirken mit vernichtender Kraft '■Rad"(ai" Flasche M. 1.25, 2.25, 3.75 u. 5.50. Pack M. 1.—, 2.—, 4.—, Pfund M. 8.—. Pack 90 Pf., M. 1.75, 3.50, Pfund M. 7.—. Durchgreifende Wirkung Jede Brut abtötend AnerJcennungon aus aller Welt. nehmein OsMiSN SlllllS kgll!>>g!- WllSl- Packwagen M«rke Toö n°d Teufel ß5tO KelG�el» Berlin SO, Eisenbahnsir. 4. Fernsprech- Anschlüsfo; Moritzplats 4751, 4753. 4758. Liefurant f. Armes n. Marine, Königl. n. städt. Behörden. Wirksamheit wird nur verbürgt dnreh di« Marke Sterbekasse ehem. Pf lug'scher Arbeiter (Hetzelschc Kusse). Sonntag, d. ttS. Juti 1018, vormittags 91,, Uhr, Im Logenreitauraut(Menget), Kleine Auguststr. 14: Versammlung. Tagcs-Ordnung: 1. Kassenbericht. 2. Bericht der Revisoren. 3. Bestimmung der Pnblikations- organe 1913— 1S19. 2668b' Mitgliedshuoh legitimiert! Der Borstand. veullcher MelsIIsrdelter- Verband. Vorwaltungaetella Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, datz unier Kollege, der Maschinenarbeiler Lrost kicdler HelmHoltzstr. 13 am 20. Juli gestorben ist. Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 25. Juli, nachmittags 2 Uhr, von der Leichenhalle des Lutten- flädtischenKirchhofeSin Char- lottenburg, Fürftenbrunner Weg, aus statt. Rege Beteiligung wird er- wartet._ 115/12 Nachrufe. Den Mitgliedern serner zur Nachricht, daß unser Kollege, der Arbeiter lm\\ Schmidt Jnvalidenstr. 131 am 15. Juli gestorben ist. Den Mitgliedern ferner zur Nachricht, dafi unser Kollege, der Schlosser dozesh ksvder Eharloltenburg, Gervinus- straxe 18, am 9. Juli gestorben ist. Gh»e ihre« Andenken! Die Ortsverwaltung. Verband derKupfericbmiede Deutfcblands. Filiale Berlin. Den Mitgliedern zur Nach- «cht, daß unser Kollege Alfred Munske am 23. Juli plötzlich verstorben ist. Ehre seinem Andenke« k Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 25. Juli, nachmittags 3'/, Uhr, auf dem Luther.Kirchhof zu Laut. witz statt.»9/7 I Um rege Beteiligung ersucht Der Filialvcrstand. ........ I ■rar Wehmütige Erinnerung zum 26. Gebürtz. tage meines lieben SohneS, des Minen-Boots- mminsmaats Lövsg ktasemn welcher am 18. Ottober 1917 vor Cesol(Ostsee) den Tod sand. Gleich seinem Bruder k'rit«, welcher am 6. Mai 19!7 im Westen den Tod sand, folgte er feiner am 12. November 1915 ver- storbenen Tlatter in die Ewigkeit. 2779b In schmerzlicher Erinne- rung gewidmet von seinem Vater und seinen Schwestern Marth» u. Klar» Rseemsnn. Allen Freunden und die Korken zu den jetzigen erhöhten gesetz- lichen Höchstpreisen taust Sperber, 286/19� Zehdenicker Str. 13. Nord. 4803. Zügel. Auskäujer. Wird auch ab- geholt. SpszMarzt Dr. med. Kc.ebrn für! Geschlechtskrankheiten, n Haut-, Harn-, Frauenleiden,?! nervös. Schwäche, Bein- M kranke. Behandlung schnelljsicbor u.schm erzlos ohne Berufsstürung in Dr. Homeyer A Co. konz.Labor. f. Blntunters., Fäden im Harn usw. frieäriclistr.fil.�Ä KcBissö,.58,§teÄr | Spr. 10-1 u. 5-8, Sonnt. 10-1. ] Honorar mäßig, a. Teilzahl. Separates Damenzimmer. Gosiclushaare u. alle häßl. Körperhaare vernichtet sof. schmorzl.u. radikal.Depilator* durch Absterben d. Wurzeln allmählich und für immer. Gar. unschädl. M. 3.—, verst. 4.— und 6.— AI. Otto Reichel, Borlin 43, Eisenbahnstr. 4. Kur die Reise! �"--velourhüte jeviger Vorverkauf billiger! UvdCKll. 2. Geschäft: Grunewaldstr. 56. Ecke Bayrischer Platz.' WIMMWW Be- kannten"hie traurige Nachricht. Pätz mein lieber Mann, unser herzensguter Vater, Schwiegervater und Groß- vater, der Kesselschmied Mcph Göbel nach zweijähriger Krankheil im Alter von 70 Jahren sanft enffchlasen ist. Dies zeigen Uesbetrübt an Ww. Luise Göbel geb. Melchert, Hussiten- straße 8. 27S5b Alfred Göbel als Sohn. Amalie Göbel geb. Lisi nebst Kindern. lax Michaelis. rieda Michaelis geb. Göbel nebst Kindern. Paul Winter, znrz. i. F. Alma Winter geb. Göbel nebst Kmd. Die Beerdigung findet am Freitag, nachm. 3'/, Uhr. auf dem Sebastian-Kirchhos in Reinickendorf, Humboldt- straße, statt. Am Freitag, den 19. Juli, verstarb unser Mttglied Karl Leehner Glogauer straße 32. Die Einäscherung findet am Frettag, den 26. Juli, nachmittags 5 Uhr, im Kre- matorium Gerichlstr. 37/38 statt. 300/16 Friede seiner Asche! Läuse- Kopfläuse mit bruf(Nisse) beseitigt m/jn am sichersten mit dem schnellwirkenden RedUcalmütel„Lfiua#- foind". Man melde daher ErsaU- mittel und achte auf das Schulrworl «Ljusefeind'.F1.75 Tf. a.1,50. Gegen Kleiderläuse Ruisol-Oel Fl. 1,50 KOrperlfiu«e Russoipuder M. 1#—. Wo nicht erhättlidiVersandd-OtlQ Keiobel Berlin 43 SC« Eisenbahn Strasse 4. Nr. 202— 1�18 Unterhaltungsblatt öes Vorwärts Donnerstag, 25.�utt Der yunöerter. Von Fritz Müller. Ich babe" einen sonderbaren Hunderter. Der will nicht ans meiner Kasse. So oft ich mich bemühe, ihn an einem Extraaweck auszugeben, er knistert: Nein. Vielleicht kann ihm jemand helfen? Aber dazu muß ich seine Geschichte erzählen. Ter Hunderter gehörte früher meiner Tante. Und noch früher der Frida. Und noch früher, das weiß ich nicht. Niemand weiß, woher ein Hunderter kommt, niemand weiß, wohin er cuht. Hunderter sind wie Schienenstrangstücke in Untergrundbahnhöfcn: Dunkel, kurzes Blitzen, wieder Dunkel. Das Blitzen meines Hunderters trug sich so zu: Die Frida diente bei meiner Tante: gruiidehrlich, stand in ihrem Dienstbuch. Aber das steht in bieten. Was in Dienstbüchern steht, ist nicht so wichtig. Wichtiger ist, was nicht darin steht. Nicht darin stand, daß sie von der stillen Art war. Kein Klappern, kein Geschrei, kaum ein Fragen. Und wenn man selber eben fragen wollte:„Frida, haben Sie..." oder „Frida, ist schon.. so war schon immer alles fertig. Leise schwangen ihre langen Arme an den breiten Hüften:„Und was . jetzt 1" Mit diesem„Und was jetzt?* ging sie durch das Leben. Meine Tante wußte, was sie an ihr hatte. Aber einmal fehlte • ein Hunderter. Die Tante hatte ihn in die Schreibtischschublade geschoben, als eS klingelte. Dabei vergaß sie. den Schlüssel um- zudrehen. Dann unterschrieb sie auf dem Gang den Einschreib- brief, während die Frida den Schreibtisch abstaubte. Erst am Abend erinnerte sich meine Tante an den nicht umgedrehten Schlüssel. Der Hunderter war verschwunden. Drei Tage trug sie's mit sich'rum. Das ist länger, als es eine Durchschnittshausfrau trägt. Dann ging's nicht mehr:„Frida, war sonst jemand in den, Zimmer, als Sie abstaubten?'—„Nein, gnä Frau.'—„Frida, aus diesem Kästchen ist ein Hunderter fort- gekommen.'—„Jawohl, gnä Frau' Fridas Mund.—„Und was jetzt?' Fridas Arme.—„Frida, haben Sie den Hunderter ge- nommen?'—„Nein, gnä Frau' Fridas Mund.—„Und was jetzt?" Fridas Arme.—„Nur gut, daß Sie's gestehen. Frida, geben Sie ihn her.'—„Ich Hab' ihn nicht, gnä Frau.'—„Also ist er schon bei einem Helfershelfer?' Fridas Arme hörten auf zu schwingen. Jetzt erst hatte sie be- griffen. Sie weinte.„Gut, ich gebe Ihnen vierundzwanzig Stunden Zeit,' sagte Tante.' Dann am nächsten Tage:„Nun, Frida?'—„Ich Hab ihn nicht, ich versteh's nicht."—„Wär mir leib, Frida, wenn ich nach der Polizei...' Die Frida beulte nicht mehr. Der Hunderter war für sie erledigt. Nur ihre Arme schwangen:„Und was jetzt?' „Für jetzt will ich's noch mal gut sein lassen. Frida. In acht Tagen ist die Ostcrbeichte. Was Sie mir nicht beichten, können Sie dem Pfarrer sagen.' Im Beichtstuhl war die Frida fertig..Und sonst?' fragte der Pfarrer. Die Frida schwieg.„Und der Hunderter, Frida?' redete ihr der Pfarrer gütlich zu.— Sehen Sie, Frida, ich mein'S gut mit Ihnen, es kommt sonst kein Friede mehr ins Haus, wenn Sie Ihr Gewiffen nicht entlasten.'—„Jawohl. Hochwürden.'—„Nicht drängen darf ich Sie, Sie müssen selber...' Die Frida war zum zweitenmal im Beichtstuhl fertig und wollte sich erheben.„Wie ist es, Frida, wollen Sie mir nicht den Auftrag geben, daß es Ihnen Ihre Frau nach und nach an, Lohn abzieht?' Durch das Gitter glaubte er ein Ricken zu erkennen. Aber es waren nur Fridas Arme:„Und was jetzt?'„Und jetzt gehen Sie ruhig nach Hause. Ich will mich auch persönlich noch für Sie verwenden, daß Sie nicht entlasten werden.' Sie wurde nicht entlasten. Jeden Monat zog ihr die Tante zwei Mark am Lohn ab. Und fünfzig Monde sind in vier Jahren glatt vorüber. Vier Jahre aber sind nicht allzu lang, wenn man mit schlenkernden Armen dient:„Und was jetzt?" Dann starb die Tante. Ich war ihr Erbe. Kurz vor ihrem Ende hat sie mir die Geschichte von Fridas Hunderter vertraut. Wenn sie's nicht getan hätte, ich glaube, wir hätten Friea gebeten, bei uns in Dienst zu treten, sie war gar so tüchtig. Aber so... So war'S schon besser, daß sie die Arme wo anders schlenkerte, wo sie es nicht wußten. Jahre kamen, Jahre gingen, Arme schlenkerten, wurden müd, und neue Arme traten an die Stelle, junge Anne, junge Hände. Solche Hände meines jüngsten SöhnchenS spielten einmal an einer Schreibtischschublade. ES ging schwer, er zog und zog.., „Jetzt Hab ich's endlich, Vater,' kam er angerannt;„schau, das da war dazwischen." Er hielt einen zerlnitterren Hunderter in der Hand. WaS bin ich gelaufen, Ivos Hab ich geschrieben— ich Hab sie nicht mehr aufgefunden, die Frida, Vielleicht ist sie tot. Vielleicht schlenkert sie in einem fernen Dienst die langen Arme:„Und was jetzt?' Jetzt? Ja, jetzt liegt der Hunderter in meiner Kaste. Es ist ein ionderbarer Hunderter. Er will nicht hinaus. So oit ich mich bemühe, ihn zu einem Extrazweck hinanszugeben, und wäre eS der beste— mein Hunderter knistert: Nein. Bielleicht kann ihm jemand helfen?__ vom neuen Korn. Die Ernte ist im Gange. An vielen Orien sieht das geschniitene Getreide schon in Hocken auf dem Felde, bald wird eS gedroschen und dann wandert das neue Korn in die Mühle. Das neue Korn — der Städter denkt dabei an eine tote Handelsware; e- ist aber etwas Lebendes, das neue Korn, nnd sein Leben, so unscheinbar es Mick verläuft, ist von erheblicher Bedeutung für Lagerung, Ver- Wendung und Haltbarkeit der neuen Ernte. In seinem gehaltvollen, soeben im Vetlage von Theodor Steinkopff(Dresden und Leipzig) erschienenen Buche„Unser täglich Brot im Krieg und Frieden' Ividmet Prof. F. Hüeppe diesem Gegenstande einen gegenwärtig be- sonders anziehenden Abschnitt. Warum wird das geschnittene Korn nicht sogleich gedroschen? Sind doch sogar Frühdruschprämien ausgesetzt I Der Grund daiiir liegt in dem Wassergehalt des Korns: das Getreide soll in der Aehre seinen günstigsten Trockenheitsgrad erreichen. Nnit hat die lebende Pflanze einen Wassergehalt zwischen 72 und 7S Prozent. das ntilchreife Korn von SV Proz., das gelbe, schnittreife Korn von 30 Proz., das ausgedroschene Korn bei Frühdrusch etwa 20 Proz., das loirklich fertige Korn im Durchschnitt etwa 1b Proz. Beim ge- schnittenen Korn findet eine Nachreifung statt, die sich vor allem im Austrocknen äußert, und dieser Vorgang der Nachreifung setzt sich in den Lagerräumen fort, ja auch durch daS Mahlen wird das Korn nicht etwa abgetötet: anw daS Mehl lebt noch, und die Beraimung oder Selbstverbrennung setzt sich noch fort. Nachreifung beruht auf eitzhmalischen Vorgängen, die aus Eiweiß, Fett und Kohlehydrate einwirken, daß dadurch erst die volle Back- fähigkeil erreicht wird. Diese Enzyme, Katalasen und Oxy« dasen werden in dem Keim und den Randschichten der Kleie aus deren Eiwcißstoffen und Salzen gebildet. Von den lebenden Zellen einmal gebildet, sind sie dann von diesen Zellen trennbar und gelangen als Protoplasmasplitter oder Teilchen davon auch in das Mehl, in dem sie nach dem Vermählen des KornS dann dieselben Vorgänge weiterführen können. Uebrigens scheint es für die Feinheil dieser Teilchen eine oft schon über- schritte»? Grenze zu geben, da das feinste loeiße und staubförmige Kernmchl iin Sinne der Backtechnik„totgemahlen' und weniger brauchbar, fast nur für die feinsten Konditorwaren geeignet ist. Das Getreidekorn ist kein Samenkorn, sondern eine Schließ- frucht; um den eigentlichen Samen herum liegt die verbolzte Ftuchtschale; der Same besteht ans dem Keime nnd dem Mehl- törpcr; der Keim wächst ans Kosten von Reservestoffcn zunächst bis zur Bildung von Wurzeln und Keimblättern, und die Neservestoffe finden sich in dem Mehlkörper, der von der Samenschale um- geben ist. Unter der Samenschale findet sich zunächst die Schicht der Aleuron oder Klcberzellen, weiter innen liegt der Kern, der aus Stätkezellen besteht. Mechanischen Eingriffen gegenüber Verhalten sich diese Bestandteile ganz verschieden, und darauf beruht die Mög- lichkeit ihrer Trennung in der Mühle. Die Keime sondert man wegen ihres hohen Fettgehaltes letzt ab. Man kann die Frucht- schale als Schälkleie abtrennen, bei schärferer Schälung kann man außer dieser Schälkleie auch die Mahlkleie entfernen, so daß vom Korn die Samenschale, meistens wohl aber auch die Aleuronschicht mehr oder weniger entfernt wird. Die Bestandteile der Frnchtschale sind für die menschliche Ernährung ungeeignet, ebenso die der Samenschale. Die Bestandteile der Aleuron- schicht dagegen sind eiweiß- und fettreich, und ihre Verwerlbarkeit für den Menschen hängt davon ab. wie weit sie durch Zertriimme- rung, Ausschließung oder Auslösung zugänglich gemacht werden können. Die Selbstverbrennung ist verhältnismäßig leicht nachzuweisen; ihr Endergebnis ist unter anderem Kohlensäure, und je Wasser- haliiger das Getreide ist, desto mehr Kohlensäure wird enlwickelt. Nach Kollwitz bilden sich innerhalb 2t Stunden aus einem Kilogramm Getreide bei IS Grad 0,35 Milligramm Kohlensäure, falls der Wassergehalt 11 Prozent beträgt. Innerhalb der Grenzen des normalen und guten Wassergehalts deS Getreides von 11 bis 15 Prozent steigert sich die Veratmung auf das Viersache, so daß 1,40 Milligramm Kohlensäure entstehen. Mit steigen- dem Wassergehalte nimmt aber die Selbstveratnrung und die Kohlen- säurebildnng gewaltig zu: bei IV, S Proz. Wassergehalt bilden sich bereits 123,00 Milligramm Kohlensäure, bei 30 Proz.: 2000,00 Milligramm. Die Kohlensäurebildung verläuft auf Kosten des Zuckers; unter anderm bildet sich auch Wasser, und infolge der Selbstverbrennung steigt die Warnte. Selbst bei Trockenhaltuwg und Luftabschluß entsteht Feuchtigkeit, so daß die Bedingungen zur weitereit Zersetzung gegeben sind. Ist das Korn richtig trocken, so werden sich die Umsetzungen in mäßigen Grenzen halten und das Getreide kann sich lange halten, bis zur nächsten Ernte, ja jähre« lang, wenn es richtig behandelt, rechtzeitig gelüftet und umgearbeitet wird. Mehl dagegen, dessen Schutz durch Aufarbeiten und Um- lagern sehr schwer ist. hält sich wegen der LebenSvorgänge viel schlechter als nnvermahlenes Skorn. Wie öle Sicherheit Kes Iiiegens zugenommen hat. In den ersten Jahren, wo Flugzeuge verwandt wurden, waren tödliche Unfälle keine Seltenheit. Heute sind täglich Hunderte von Fliegern stundenlang in der Luft, und ein Absturz, der nicht durch kriegerische Einwirkung hervorgernfen ist, ist eine seltene Ausnahme geworden. Die Sicherheit des FliegenS hat in geradezu erstaun- lichcm Maße zugenommen, was ein Schwede, Hauptmann Dahlbeck, jetzt zahlenmäßig zu belegen sucht. Er verwendet dabei Zählungen ans englischen, sranzvsischen, amerikanischen, schwedischen und zum Teil auch deutschen Quellen. Im Jahre 1S08 war das Fliegen noch sehr gefährlich, denn auf rund 2000 Fliigkilomcter kam ein Todesfall eines Fliegers. Die Anzahl der Flugkilometer, die jeweils einem tödlichen Unfälle entsprachen, stieg dann außerordentlich rasch an; im Jahre IVOS hatte sie sich verneunfacht und betrug 18 000, dann stieg sie auf 42 000, wuchs dann auf 50 000 im Jahre Ivll an und stieg bis 1V12 auf mehr alS daS Dreieinhalbfache, 170 000. Von 1808 biß 1S12, also binnen fünf Jahren, hatte sich nach diesen Zahlen die Sicherheit des FliegenS auf daS Achtnndachtzig- fache gesteigert. Wie die Dinge sich während deö Krieges entwickelt haben, läßt sich deswegen nicht genau angeben, weil nur einige amtliche Zahlen zugängig sind. Nach einer Mitteilung der amerikanischen Regie- rnng sind vom 1. Januar bis 26. Dezember 1O16 von 73 Flugzeugen 402 000 Kilometer zurückgelegt worden, ohne daß sich überhaupt ein tödlicher Unfall ereignet � hätte, und nach Angaben des Engländers Anderson über die Tätigkeit einer Fliegerschule sind binnen sechs Monaten L0vv Flüge von zu- sammen 4000 Stunden ausgeführt worden, während derer sich ein einziger tödlicher Unfall ereignet hat. Rechnet man mir einer DnrchschnittSgescknvindigkeit der Flugzeuge von 100 Kilometern stündlich, so wäre erst auf 400 000 Kilometer ein tödlicher Unfall gekommen, doch stellt diese Zahl die Verhältnisse noch zu ungünstig dar, weil sie sich ja allein auf Flugschüler bezieht. Jedenfalls ist sie mehr als doppelt so groß, wie die entsprechende Zahl des Jahres 1812. Lehrreich ist ein Vergleich, den Dahlbeck zwischen der Sicher- heit des Fliegens und der des EiienbabnfahrenS zieht: im Jahr» fünft 1811/15 verunglückten von den Angestellten der schwedischen Eisenbahnen je 0,85 auf eine Million zurückgelegte Fahtlilometer; im Jahre 1816 allein betrug die Zahl 1,18. Für die schwedischen Flieger betrug die entsprechende Zahl iin Jahre 1816: 2,48, das hieße, daß das Fliegen noch nicht doppelt jo gefährlich ist, wie das berufliche Eisenbahnsahren._ Nsttzen. —(5 in R a t n rid e n? m ä l als Hesdenhain. Einen vorbildlichen Beschluß hat die Gcmeiird« Hohenkarzig, KrÄs Friede- berg Nrn., gefaßt. Sie hatvch tun, das ist eine Sache für sich, ich verstehe sie aber gut." Er erhob sich, um wegzugehen. „Willst du dich nicht vergleichen?* „Nein, eine Pleite mach' ich nicht, ich kann nur anständig Bankrott machen." „Es würden sich noch andere Mittel finden, um dich zu rette�." „Nenne sie, ich werde sie mit Vergnügen ergreifen." „Bist du fest versichert?" „Ziemlich, weil ich mich erst im Herbst neu versichert habe, nach dieser mißglückten Brandstiftung." „Schade, daß du damals nicht abgebrannt bist. Jener Arbeiter, der es aus Rache getan hat, hätte dir tvirklich, einen großen Dienst erwiesen." „Sprichst du ernst?" „Ganz ernst, wie ich dich ganz ernst darauf aufmerksam mache, daß in diesem Moment Großmann brennt, daß nachts Goldstand abgebrannt ist, morgen sicher Fclusch Fischbein abbrennen wird, A. Richter, B. Fuchs und andere. Was sagst du dazu?" „Daß ich kein Brandstifter und Dieb bin und es nie sein werde." „Ich berede dich doch nicht dazu, ich weise dich nur auf die Konkurrenten hin und ihre Mittel, sich an der Oberfläche zu halten; mit diesen kommst du nicht mit." „Ha, dann geh' ich eben unter. Wenn ich keine Kraft mehr zum Kämpfen haben werde, dann jage ich mir. eine Kugel durch den Kopf. „Und deine Frau!" warf Borowiecki rasch hin, als er in seinen Äugen einen stählernen Schein der Resignation erbitckte. Trawinski zuckte zusammen. „Da, ich Hab' einen Gedanken. Kennst du den alten Baum?" „Wir sind Nachbarn,>vir Verkehren miteinander." „Geh hin zu ihm, sag' es ihm ganz offen. Das ist so ein eigentümlicher Fabrikant, daß er dir sicher hilft. Ich wette meinen Kopf, daß er dir helfen wird, da er dich doch kennt." „In der Tat, eine gute Idee; übrigens, was verliere ich. wenn er eS mir abschlägt!" „Freilich nichts, und es verlohnt sich, den Versuch zu machen. Er ist ganz einzigartig unter den Lodzcr Fabrikanten! Ein Mann, der Millionen hätte haben können und sich nach ihnen nicht bücken wollte, ein Mann, der Hunderttausende von Rubeln für andere gezahlt hat, Feind der großen Industrie, routiniert, ein Snob oder ein ganz Pfisfigcr, in Wirklichkeit wohl bloß verrückt und ein alter Ueberrest aus den Zeiten der Handfabrikation." Sic verabschiedeten sich schweigend. Karl verspürte beim Abschied eine gewiffc Kühle in Trawinski. Mit einem eigentümlichen MitlcidSgcfühl schaute er ihm durchs Fenster nach.. „Ein unbeholfener Krüppel, ein adliger lleberrest," dachte er fast laut, um den stillen Vorwurf in sich zu verdrängen, der in ihm aufstieg und rasch wuchs. Er wollte ihm nicht helfen und entschuldigte sich voll- kommen vor sich selbst. Trotzdem Ivar>er mit sich nicht zufrieden. Immer hatte er den hellen, schönen Kopf vor Augen, der den Stempel ewigen Kummers und ewiger Unruhe wie ein Brandmal trug. Er suhlte, daß er ihm daS Geld hätte leihen sollen, daß er dabei nichts verloren, Trawinski aber einen großen Dienst erwiesen hätte. Und das nagte an ihm imnier niehr. «Was geht es mich an, daß einer mehr vom Teufel geholt wird," dachte er, die Tuchschererwerkstätten durchlaufend, in der Haufen Weißwaren bis zur Decke aufgestapelt waren, die zwischen zwei Schneiden der Maschinen geschoben lvurden. Mit mathematischer Genauigkeit schnitten diese an beiden Seiten der Stoffe den Baumwollenflaum, der beim Weben entstand, dicht an der Faser ab. Mehrere Frauen arbeiteten in diesent weißen, kühlen und fast stillen Saal. Eine fast unsichtbare Wolke von Baumwoll- staub ei füllte ihn, der bei dem Scheren der Stoffe entstand, über den Schcrerlvcrkstätten hing, mit weißer Hülle Menschen und Maschinen bedeckte und als grauer, dichter Flaum auf den Transmissionen zitterte, die die Maschinen drehten und sich in der Decke verloren. Borowiecki schaute sich im Saale bloß um und ging zum Aufzug, um hcruntcrzufahren; da erklang ein kurzes, furcht- bares Aufbrüllen. Eines der Räder, die die Maschinen in Bewegrsitg setzen, hatte einen unvorsichtig vorgebeugten Arbeiter an der Jacke erfaßt, mitgezogen, auf die Maschine geworfen, herumgedreht, zerquetscht, zermalmt und als breiige Masse herausgeworfen, ohne auch nur für einen Augenblick den Gang zu unter- brechen. Das Blut spritzte bis zur Decke und übergoß die Maschine und einen Teil der danebcnlicgenden Ware und die am nächsten stehenden Arbeiterinnen mit einem roten Stronl. Ein furchtbarer Schrei erscholl, die Maschine wurde an- gehalten, aber es war schon zu spät; eine blutige Masse hing von der Achse des Rades und von verschiedenen Teilen der Maschine herab und fiel, noch zuckend, schwer zu Boden. Rettung war nicht mehr möglich, der Arbeiter war völlig zermalt. Er lag wie ein Haufen Fleisch, ein blutiger Fleck auf den weißen, rohen Perkalen. Leises Weinen der Frauen erhob sich, einige ältere knieten bei der Leiche nieder und begannen laut die Sterbe- litanei zu beten, die Arbeiter zogen die Mützen ab, einzelne bekreuzten sich andächtig, und alle drängten sich in einem Kreis um den Getöteten. Keine Trauer leuchtete in den Augen, bloß eine wilde, ernste Apathie. Der Saal verstummte. In der Stille erklang' bloß das Weinen der Frauen und das Gepolter der Nachbarsäle, die ohne Unterbrechung weiterarbeiteten. Als der diensthabende Feldscher erschien, ging Borowiecki. Auch der. erste Meister der Abteilung kam angelaufen und schrie, als er den untätigen Saal und die um die Leiche zusammengedrängten Menschen erblickte, schon von der Tür aus: „An die Maschinen!" Alle flogen auseinander, wie die vom Habicht verscheuchten Vögel, und bald arbeitete der Saal wieder, alle Maschinen waren im Gang, außer der einen, die bei dem Mord sich mit Blut befleckt hatte. Man begann sie sofort zu reinigen. „Verflucht! So viel Stoff kaput!" fluchte der Meister beim Anblick des blutbefleckten Perkais, schimpfte auf die Arbeiter, wegen der Unvorsichtigkeit, und drohte, daß er allen im Saal für diesen Stoff vom Lohn abziehen werde. Borowiecki hörte ihn nicht mehr. Blitzartig versank der Auszug mit ihm und warf ihn in der Färberei heraus. Der Vorfall hatte auf ihn keinen Eindruck gemacht, er war daran gewöhnt.(Forts, folgt.) Spezialarzt Dr. med. Reinhardt, fttsiaineRlr.llIv.i�tTio Sydhllls, Harn-, Frauenleidan, Blutuntorsuchungen.äliobeniftcS, cvfolgrei�ft, �nlncffabrcii. Tcilz. Slehe48seit ilarFBrosch.o.kOM, nach außerhalb verschlossen I M Lungen- m,» HaMrmik«. Nerlangu» Lk kostensrei belehrende Broschüre über Heilmethode ohne Nernfsstörung. Aerztl. Heilanstalt Lanavita, vorm. Sanitätsrai Dr. ümbul. Lerlia>17, Potsdamer Str. 123b II. Zähne m. echt. Friedenskautschak 3,50 M. ikeszsh 5 Jahre Garantie, btsbot Zahnziehen m. Betäubung bei Beilcllung v. Gebissen gral>s. Goldkronen v. 20 M. an. Spcz. 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Ter einheitliche Großangriff des Tor- mittags ist zu Ungunsten des Feindes entschieden.' Teiltämpse sind noch im Gange. Im einzelnen. Dem gegen den Abschnitt— Generai v Walter— anstürwenden weiße« und schwarze» Massen gelang es bei» ersten Ansturm unter Begleitung von bis zu 4g gezahlten Tanks zwifck»en Buza»cy und Tigny zunächst Boden zu gewinnen. Bald hmtrr ihrer vordersten Linie fingen die Divisionen de» Angriff auf und schlugen den Feind im Gegenangriff zurück. Villcmoutoire wurde de» in dichten Mengen, von unserer Artillerie deschosienen, zurücksluteade» Feinde wieder entrissen. Bis zu vier Malen holte der Feiud zu neuen Angriffe» uergeb- lich mii. Das Korps hat mehr als seine alte Linie wieder gewonnen. Ein erututcr Feindaugrisf ist zurzeit nörd- lich T i g n h wieder im Gange. Zahlreiche zerstörte Tanks liegen hinter der Front. Mit sichtbar gut liegendem BernichtuagSfeuer»ahm Abschnitt— General von Etzel— gegerr 6 Nhr vormittags den gleichfalls von zahlreiche» Tanls begleiteten Feiudangriff an. Er wurde im Nah- kämpf und in Gegenstößen abgewichen. Gegen 8 Uhr vormittags drangen neue Infanterie- und Tankwellcu vor. Der Hauptdruck richtete sich gegen die Linien beiderseits L e P l c s si e r' H u l e u. Der Feind wurde abgewiesen. Tanks, die über die große Ehausice hinter der Front durchgebrochen waren, wurden zusammengeschossen. Auch �im Abschnitt— General von Winckler— entwickelten sich schwere Kämpfe Seine Divisionen schlugen alle Angriffe ab. Höhe 441 ging vorübergehend verloren und wurde durch Gegenangriff wieder genommeu. Im Dorf Armcntiäres an der Straffe SoisionS-Chateau-Thierry � gelang es dem Feinde, Fuß zu fasse». Gegenangriffe sind im Gange. Die Divisionen der Abschnitte— Generals v. Schorlcr und Gencralö v. Kathen— schlüge» den gleichfalls in großer Stärke mit Tanks angreifenden Feind ab. Nur im Nordtril lies Cha- t e l c t- W a l d e s, in den der Feind eindrang, sind. Gegenkämpse »och im Gange. Sonst hat die Kampstätigkcit hier nochgelassen. Jagd- und Schlachtfliegcr wurden mit Erfolg in den Kämpfen eingesetzt. Die Truppen, zngchörigkcit zahlreicher Gefangener wird in der Abendmcldiing gemeldet. StC/mstsßk oMvifW WV frrznf üfy eMiywm Jom/ipffi"faßfan Hfäpfifhfa- " r' TS-- --- � ® �« X �■>. 4 1.- e/"'tärMfa rCS.\1/ /hrnenf'.'/mif FerftsmJEmt FVTTlTf/f'rr' fävn fQrfg f md.Sbtf Die Kämpfe mischen uoissonc und Ch ä ie 2 uThierry Französischer Bericht vom 22. Juli abend«. �Verspätst.) Im Laute des Tages versuchten die Deutschen durch mächtige Gegenangriffe unseren Fortschritten zwischen Marne und Ourcq Einhalt zu tun. Die franzönsch-amcri- kanischeu Truppen leisteten allen feindlichen Anstürmen Widerstand und erweiterten noch ihr Vorrücken. Wir rückten über die Höhen östlich von La C r o i x und G r i s o I l e S hinaus vor, eroberten das Dorf EpiedS und gewannen nordöstlich vom Berge St. P tz r e Gelände. Zwischen Marne und Reims haben sich harte Kämpfe abgeipielt, die dem Feinde keinen Erfolg brachten. Wir halten unsere Linien im Walde von Eourton und im Königs- w a l d c. Weiter nördlich machten die englischen Truppen einen Fortschritt, wobei sie zweihundert Gefangene einbrachten und vierzig Maschinengewehre erbeuteten. Nördlich vom Ourcq und an der Champagnefront wird starke Artillenetätigkcit ohne Jnfauteriegesccht gemeldet. Französischer Abendbericht vom 23. Juli. Auf beiden Seiten des Ourcq erzietten unsere Truppen trotz des Wider- standes des Feindes, der neue Reserven herangeführt batte, neue Borieile. Auf dein N o r d u f e r eroberten wir Plcssier Hulcnx und erreichten den Westrand von tlulchtj la ville und nahmen das Dorf M o n l g r u. Südlich deS Ourcq überschritten französische und ameritanische Truppen die Straße nach Chateau-Thimy und schoben ihre Linien mehr als einen Kilometer östlich vor. Das Dorf R o c o u r t ist ebenso wie der größer« Teil des Waldes Hussarek- Ninisterpräflöent. W i c n, 24. Juli.(Meldung des Wiener k. k. Tclegr.- Kvrresp.-Btlreaits.) Wie wir erfahren, wurde der Geheime Rat Minister a.?. Dr. Max Freiherr"H u s s a r e k v. Hcrulcin zum Ministerprösideuten ernannt. Der Po l e n k I u b des Abgeordnetenhauses beschloß, das Prä- sidium des Klubs zu ermächtigen, dem Freihorrn von Husfarek gegen-- über zu erklären, daß der Polenklub auf Grund der stattgehabten Besprechungen bereit sei, für ein sechsmonatiges Budgetprovisorinm zu stimmen. Wie weiter gemeldet wird, will demnächst eine Abordnung der dcutschnationalen Abgeordneten beim Minister des Aeußecn, Grafen Bunan, erscheinen und ihm darlegen, daß die deutschen Abgeordneten eine Verkoppelung zwischen der Lösung der polnischen Frage und dem Ausbau des Bündnisses mit dem Deutschen Reiche niemals zulassen könnten: ferner, daß die sogenannte austropolnische Lösung in jenem Umfange, wie sie Graf Burian vorzuschweben scheine, von den deutschen Abgeordneten auf das bestimmteste abgelehnt werde. Wien, 2i. Juli. Die Blätter berichten über die gestrigen Per- Handlungen des Freiherrn von Hufsarek mit den Parteivertretern, die infolge der w i d e r st r e b e n d e n Wünsche und Forderungen der Parteien vorläufig aus Schwierigkeiten stoßen. Nach den bisherigen Darlegungen Hussareks gegenüber den Parteiführern ergebe sich folgendes Programm für sein in Aussicht genommen«? Kabinett: Unbedingtes Festhalten am Parlament, das gegenwärtige Kabinett soll beibehalten und im Herbst von einem Kabinett mit starkem parlamentarischen Einschlag abgelöst werden, sechsmonatiges Budgetprovisorium, später Berwaltungs- und Fi- nanzresorm sowie Berfaffungsresorm für Böhmen und Galizien und im Süden des Reicbcs. Die Verhandlungen sollen heute fortgesetzt und morgen zum Abscl'luß gebracht werden. »» * Die„Deutsche Tageszeitung" glaubt die allgemeine Auf- merksamkeit ans folgende Stelle der auch von uns'besprochenen Rede des Tschechensührers Stransky hinlenken zu müssen: Viel lopaler zur inneren Politik al? Gras Czernin und der Ministerpräsident hat sich der jetzige deutsche Botschafter in Wien gestellt, der einer Depmalion deutscher Abgeordneter, die um seine Intervention zugunsten der Deutschen baten, zur Ver- st 2 u d i g u n g mit den Tschechen riet, somit leine andere Hilse für sie wußte. Dazu bemerkt das alldeutsche Blatt: Was der deutsche Botschafter in Wien offenbar mit als feine Ausgabe ansieht, haben wir bereits früher einmal angedeutet. Danach ist Graf Wedel in einer Welse„österrcichifch" loyal, die man nicht gut verstehen kann. Jedenfalls wäre eine Aufklärung über die hier von Stranöky angedeutete Stellungnahme, die eine völlige Verkennung der österreichischen Aufgaben verrät, dringend erwünscht. Man sieht, es gibt noch immer Dummheiten, die von der deutschen Politik nicht gemacht sind, und so bleibt den All- deutschen immer noch etivas zu tun übrig, um die Kette lückenlos zu schließen. Das fehlte gerade noch, daß sich das Deutsche Reich iu die inneren Kämpfe Oesterreichs einmischte! DaS Deutsche Reich ist doch nicht mit dem staatS- und völkerrechtlich nicht existierenden Deutsch-Oesterreich, sondern mit Oesterreich-Ungarn verbündet, d. h. mit einem Staat, dessen Bevölkerung in der überwiegenden Mehrheit nicht deutsch ist. Soll das Bündnis erhalten bleiben, so muß die deutsche Reichspolitik zeigen, daß in ihm ein Vorteil für alle öfter- reichischen Völker liegt und daß eS keineswegs zu dem Zweck besteht, e i n Volk gegen die anderen zu begünstigen. Die Alldeutschen aber, die schon soviel zum Wohle des Reiches getan haben, möchten ihre Tätigkeit damit krönen, daß sie das Bündnis mit Oestcrrcich-llngarn in die Lust sprengen. von Chatelet in unserem Besitz. Aus dem rechten Marneufer erzielten wir neue Forlschrilte. Nördlich des Moni Saint Pere und CharteveS, das ebenfalls in unserem Besitz ist, Huben wir weiter unseren Brückenkopf bei Jaulgonne erweitert. An der Front zwischen der Marne und Reims fanden heftige Kämpfe zwischen der Ardre und V r i g n y statt. Die alliierten Truppen griffen starke feiud- lich« Stellungen an, rückten mehr als einen Kilometer vor und fügten dem Gegner schwere Verluste zu. Englische Truppen ihrer- seitö machten 300 Befangene und erbeuteten fünf Geschütze. Nörd- lich von Montdidicr ergab eine örtliche Unternehmung, die u»S ermöglichte, Mailly, R a i n e v a l. Sanvillers und A u b e r» v i l l s r S zu besetzen. 1600 Gefangene, darunter 30 Offiziere. Amerikanis cher Bericht vom 23. Juli. Südlich des Ourcq fuhren wir fort, dem sich zurückziehenden Feinds nachzu- drängen. Wir nahmen Jaulgoune und die Wälder westlich davon. * Genf, 24. Juli. Eine Mitteilung des französischen Kriegs- mluisteriums stellt fest, daß die Offensive zwischen Aisne und Marne unter dem Oberbefehl des General« Nayolle stchk und daß zwei Armeen mitwirken, diejenige des Generals Mengm und des Gcucrals Degontte._. tzintzes anttsnglischer Kurs. Die„Deutsch-Jrische Gesellschaft", vertreten durch den Grasen W e st a r p und Herrn Chatterton-Hill depeschierte an den neuen Staatssekretär des Auswärtigen, sie envarte von deni deutschen Sieg die Befreiung Irlands, Aegyptens und Indiens, worauf Herr v. Hintze antwortete: Während sich unsere Gegner nurinWorten über den Schutz der Nationalitäten ergehen, hat Deutschland durch die Tat bewiesen, daß sein Daseinskampf und seine Siege der Freiheit der Welt dienen und den unterdrücktenVölkernzum Heile gereichen. Teutschland ist sich bewußt, wieviel für die künftige Tichc- rung und Erhaltung des Weltfriedens von dem F r e i h e i t S° kämpf des tapferen Irland und den nationalen Bestre- bungen Indien» und Aegyptens abhängt. DaS Telegramm muß in England ähnlich wirken, wie wenn ein englischer Minister die Tschechen Oesterreichs oder die Polen Preußens zu„Freiheitskämpfen" anspornt. Solche Allerweltsbesreiung wird nirgends für etwas anderes genom- wen als für Kriegs-Cant. Wir haben daheim noch eine ganze Masse zu befreien, wünschen Iren, Indern, Aegyptery von Herzen besten Erfolg, aber daß wir für ihre Freiheit deutsches Blut vergießen wollen, erwarten sie doch selber nicht. Dem in Berlin anwesenden früheren Klediven von Aegypten gab Herr v. Hintze gestern ein Mahl. In seinem Trinrspruch sagte er: Tie Blicke dec ägyptischen Volkes sind hierher ge- richtet, das in Euerer Hoheit seinen rechtmäßigen Fürsten verehrt, dessen segensreicher Regierung es Wohlstand und Blüt: berdankt und das Euerer Hoheit Wiederkehr hoffend ent- gegensiehr. Der Khedive antwortete mit der Versicherung, daß„die Herzen meines armen von roher Gewalt geknebelten Volles für die Sache des Vierbundes schlagen". HimöesftaÄtliche? wiöerftcmü gegen üw VeremheltUchung öe? CinkommeNfteuern. Das Deutsche Reich ist ein einheitliches Wirtschaftsgebiet oder sollte es doch sein. Aber tatiächlich ist dieser Grundsatz vielfach durchbrochen. So auf dem Gebiet der direkten Steuern. Heute kann jeder Bundesstaat nach willkürlichem Belieben Einkommensteuern beschließen, das Veranlagungsverfahren bestimmen. Einkommensteuertarife ausstellen. Das mochta zur Not angehen, solange die Belastung der Staatsbürger durch diese Steuern nicht wesentlich ins Gewicht fiel. Es muß unerträglich werden, sobald die Steuerschraube an- gezogen und die Steuerleistung zu einem der wichtigsten Produktionsfaktoren wird. Und das umso mehr, als sich auf der Staatssteucr die respektablen ilommunalzuschläge aufbauen, die, unter einander selbst wieder ungleich, die Wirkung der Verschiedenartigkeit ihrer Grundlage, eben der direkten bundesstaatlichen Steuern, um so schärfer hervortreten lasten. Notwendig ist also die Vereinheitlichung der bundesstaat- lichcu Einkommensteuern, die am besten durch das R e i ch erfolgte, deren Durchführung das Reichsschatzamt aber am liebsten den Bundesstaattin überlasten möchte, um die diversen Finanzmnüstcr nicht in dem sehr ausgeplägten Gefühl ihrer Wichtigkeit zu kränken. Aber da kommt es jchön an. Das „Berl. Tageblatt" meldet aus Dresden: „Gleich der bayerischen lehnt auch die sächsische Regie- rung— laut Erkundigungen unseres Mitarbeiters— eins Vereinheitlichung der Einkommensteuertarife in ganz Deutichland ab. Auch sie betont, daß die Ver- hältnijse zu verschieden liegen, als daß ein einheitliches Schema für sie angewendet werden töuute. Sachsen würde jedenfalls eine solche Vereinheitlichung nicht mitmachen. Auch gegen die in dem gestern erwähnten Artikel der.Münchener Zeitung" angekündigie Uebertraguug weilerer Einnahmen von den Eiuzelsiaaten aus das Reich würde sich Sachsen mit allen Kräilen sträuben." Der Widerstand der bundesstaatlichen Finanzminister erklärt sich aus der Furcht, das Reich könnte die vereinbeit- lichte Einkomniensteuer als Grundlage für Rcichszuschläge benutzen. Darum die Unkenrufe aus Dresden und München! Vielleicht denken nicht alle bundesstaatlichen Finanzminister so schroff wie ihre Kollegen in Sachsen und Bayern, wohl wissend, daß dar am besten wegkommt, der sich von einer unvermeidlichen Entwicklung nicht überrennen läßt, sondern sie mitmacht, um ihrer Herr zu werden. »» « Das vorläufige Ergebnis der K r i e g s st e u e r, wie es sich für den 31. Dezember 1910 stellte, liegt jetzt vor. Es ergibt sich daraus, daß die Kriegssteuer 6 686 184 059 Mark erbracht hat. Dazu kommen noch 295 Millionen Besttzsteuern. Den Hauptteil der KricgSsteilcr hat Preußen aufzu- bringen, nahezu ll'/q Milliarden Mark. Dann folgen Sachsen miy 4.18 Millionen, Bayern mit 372 Millionen, Würt- remberg mit 302 Millionen, Baden mit 243 Millionen- Hamburg mir 206 Millionen, H e ss e n mit 112 Willionen, Elsaß-Lothringen mit 100 Millionen, Bremen mit 64 Millionen, Braunschweig mit 40 Millionen. Mecklenburg- Schwerin, Großherzogtum Sachsen mit 33 Millionen. A n- halt mit 24 Millionen, Lübeck mit 23 Millionen, Reuß jüngere Linie mit 21 Äiillionen, Oldenburg mit 20 Millionen, Sachs en-Koburg und Gorha mit 19 Millionen, Reuß ältere Linie mir 9 Millionen, Sachsen-Meinin- g e n mit 8 Millionen, Sachsen-Altcnburg mit 7 Millionen,' Mecklenburg-Strelitz, Lippe mit 0 Millionen, Schwarz- burg-Rudolstadr mir 4 Millionen, Schwarzburg- Sondershau sei, mit 8 Millionen und Waldeck und Schaumburg-Lippe mit je 2 Millionen. die ttatkonalliberalen unö öas gleiche Preußenwahlrecht. In- der„Nationalliberalen Rundschau" tritt Dr. Fritz Mittelmann mit größter Entschiedenheit für die Einbe- rufung.eines allgemeinen deutschen VertretertagS der national- liberalen Partei ein und verweist auf die katastrophalen Wir- kungen, die die Ablehnung des gleichen Wahlrechts für die Partei haben müßte: Wir halten die Einberufung des Vertretertages für eine n a- tionale Notwendigkeit. Wenn auf diesem von einzelnen preußischen Abgeordneten dann die Ansicht vertreten werden sollte, daß Preußen hier und da seine'Eigenart einbüßen könnte, wenn daS gleiche Wahlrecht jemals zur Einführung gelangte, dann wird diesen Abgeordneten aus Wählerkreisen die Mahnung zugerufen werden, daß Preußen nicht bestehen kannn, wenn Deutschland untergeht. Und die süddeutschen Parteifreunde aus Württemberg und Bayern, die doch auch ein Anrecht haben, sich nationallibaral zu nennen und die auf eine nicht minder stolze Ge- schichte zurückblicken können wie mancher preußische LandeSteil, wer- den ihre Stimme erheben und nachweisen, daß südlich des Main« die fchwarz-tteiß-rete Parteislaggc eingeholt werden kann, wenn die Partei in dieser Frage versagt und zugunsten einer rückschrittlich gerichteten Politik daS Banner de» Liberalismus im Stich läßt, das kein Geringerer als der König selbst in diesem Kampfe Voranträg!. Nachdem der nationalliberale Prcußentag bei dem rechten Flügel der Landtagssraktion kein Gehör gefunden hat, ist die Hoffnung, ein Neichsporteitag würde stärkeren Eindruck aus ihn machen, sehr optimistisch. Ein Mittel, die erwarteten kata- strophalen Folgen von der natumalliberalen Partei abzuwehren, dürfte in ihm kaum zu finden sein. U-Boot an der amerikanischen Küste. New Dork, 23. Juli. tReutep.) Am Sonntag bcsckroß und versenkte ein U-Boot bei Kap Sod für Koks um 12,50 M., für KokSgrus um 3 M. und für Briketts um 11,35 M. pro Tonne erhöht. Die Verkaufspreise für Stein- kohlen, Braunkohlen und Briketts sind in der gleichen Zeit bis weit über 30u Proz. gestiegen. Noch ungleich höher standen natürlich die Auslandspreise. Bei diesen Preisen haben die WerkSgewinne schon eine märchenhafte Höhe erreicht. Nun sind aber die Auslands- preise inzwischen noch weiter gestiegen. Aber trotz märchenhafter Gewinnergebniffe und hinzukommender riesiger Mehreinnahmen aus den Auslandsverkärsen sollen weitere Lohnerhöhungen ohne Kohlen- Preiserhöhungen nicht möglich sein. So behaupten die Werksbesttzer. ' Vertragswidrige Entlohnung. Ein Arbeiter aus Hamburg, der von der Berliner Baufirma Brandt bei der Ausiührung milnärischer Bauten im Elsah be- schäftigt war, sollte nach dem in seinen Händen befindlichen schrift- lichen Arbeitsvertrag einen Stundenlohn von 1 M. erhalten. Auf der Arbeitsstelle wurde aber gar nicht nach dem Vertrage gefragt, sondern der Arbeiter bekam, weil er erst 18 Jahre all war. nur 90 Pf. für die Stunde ausbezahlt. Das ist der Satz, den die Firma jugendlichen Arbeitern zu zahlen pflegt. Der Arbeiter erhob Ein- spruch gegen die Minderbezahlung, arbeitete aber weiter in der Erwartung, daß ihm ja doch sein vertragsniätziger Lohn auf die Dauer nicht vorenthalten werden könne. Wochen vergingen, doch es gab trotz Vertrag nicht mehr wie 90 Pf. Auf abermalige Vor- stellung wurde dem' Arbeiter zwar der vertraglich vereinbarte Lohn- satz bewilligt, doch zu einer Nachzahlung der in den vergangenen Wochen entstandenen Differenz wollte die Firma sich nich't bewegen lassen. Der Arbeiter hörte auf und verklagte die Firma beim Berliner Gewerbegericht auf Zahlung der Differenz sowie der beiden Rückreiietage.— Der Vertreter der Firma machte den Ein- wand, die Firma könne nicht zur Nachzahlung der Differenz ver- pflichtet werden, weil die Löhne längst mit der Piilitärverwaltung verrechnet seien und diese der Firma keine Nachzahlung leiste. Wenn sich der Kläger von Anfang an auf seinen Vertrag berufen hätte, dann würde er aizch wohl den vertragsmätzigen Lohn bekommen haben. ES komme aber auch vor, datz Arbefter auf der Baustelle mit Verträgen ankommen, in denen höhere Löhne festgesetzt seien als die Firma bewilligen könne. Solchen Arbeitern werde dann freigestellt, entweder zu einem niedrigeren Lohnsatz zu arbeiten oder auszuhören. Hiernach scheint es, als ob eS den Agenten, welche Arbeiter für die Firma werben, gar nicht darauf ankommt, in den Verträgen höhere Löhne einzusetzen, als die Firma zu zahlen willens ist. So einem Agenten ist ja seine Provision die Hauptsache. Wie der von ihm angeworbene Arbeiter nach der auf der weitentfernten Bau- stelle mit dem Vertreter des Unternehmers fertig wird, das kümmert den Agenten wenig. Versteht es doch nicht jeder Arbeiter, die Er- füllung seiner vertragsmäßigen Ansprüche durchzusetzen. Im vorliegenden Falle stellte sich der Vertreter des Klägers auf den Standpunkt, daß, wenn Treu und Glauben gelten sollen. Ver- träge unter allen Umständen erfüllt werden müssen und daß die Firma zahlen müsse, was ihre Agenten in ihrem Namen mit den Arbeitern vereinbart haben. Das Gericht hielt es nicht für ausgeschlossen, daß der Kläger durch Annahme des geringeren LohueS sein stillschweigendes Ein- Verständnis mit demselben erklärt habe. Jedenfalls müßte daS Gegenteil erst erwiesen werden. AuS diesem Grunde empfahl das Gericht einen Vergleich, Per denn auch in Höhe von 5b M.(statt der geforderten 74 M.) abgeschlossen wurde. Lohnzulage» in den Krankenanstalten der Stadt Berlin. .Vor kurzem berichteten wir über eine Verhandlung im Ber- liner Rathause, an der die Mitglieder der Deputation, die Vertval- tungsdirettoren und die Vorsitzenden der Arbeiteraus schüsse der städtischen Krankenanstalten sowie Frl. Friedrich vom Verband der Gemeinde- und Staatsarbeiter teilnahmen, bei der eS sich um die Erhöhung der Konjunkturzulagen des in den Krankenanstalten be- schäftigten Personals handelte. Die Vorschläge, auf die man sich in dieser gemeinsamen Aussprache einigte, bedurften noch der Zu- stimmung der Lohnkommission des Magistrats. Diese hat nun nach einer Mitteilung der Deputation der städtischen Krankenanstalten an den Verband der Gemeindearbeiter folgender Erhöhung der Kon- junkturzulagen ihre Zustimmung gegeben: Die Konjunkturzulage wird erhöht für Maschinisten oder Ver- treter des Maschinenmeisters. Elektromonteure, Heizmonteure, Ober- Heizer, der ständigen Handwerker, als Maschinisten. Schlosser, Fahr- stuhlwärter, Maler, Tischler, Maurer, Tapezierer. Klempner, Heizer, Schlächter usw., der Maschinisten und des Heizpersonals, der Hllfs- schlächter, Wäscher, Tierwärter, Bier- und Selterabzieher, der Des- wsektionSaehfö«, tm 40 M.; für Hausdiener um 0 M.; für«t- gslerrrte Arbeiter um 40 M.; für Staiious-, Haus-, Küchen- und Waschmädchen um 9 M.; für Wärter um 20 M.; für Wärterinnen um 9 M.; für Näherinnen um 18 M.; für Vorarbeiter und Tages- arbefter um 40 M. monatlich; für Reinigungsfrauen um 75 Pf. täglich. Die Erhöhung erfolgt vom 1. April 1918 ab. Außerdem ist noch die Wohnuugsentschädigung der verheirateten Angestellten der Krankenhäuser von 250 M. auf 400 M. jährlich mit rückwirken- dex Kraft vom 1. Januar 1918 ab erhöht worden. Inöustrie und Kandel. Vermehrung des Oclfruchtanbaues. Eine lehrreiche Gegenüberstellung der Fett- und Ciweißproduk- tion auf tierischem und pflanzilichem Wege bietet ein Aufsatz der „Sächsischen Landwirtschaftlichen Zeitung" betitelt: Hie Raps, hie Milchvieh. Der Verfasser geht bei seinem Vergleich von den Er- trägen gleich großer Flächen zum ersten an Hauptfutter- flüchten wie Klee und Rüben aus, die zur Verfütterung an das Milchvieh bestimmt sind, zum anderen an Oelfrüchten wie Raps, der direkt der Oel- und Fettgewinnnng nutzbar gemacht wird. Des näheren wird dann ausgeführt, daß zur Fütterung mit Klee und Rüben von beispielsweise 10 Kühen bzw. zur Erzeugung von 18 000 Liter Milch pro Jahr 13 Acker Fläche benöttgt werden. Als Neben- «rzeugnis der 10 Kühe kommen noch 10 Kälber in Frage, die mit je 0,5 Zentner Schlachtvieh in Rechnung zu stellen sind. Die 13 Acker mit Oelfrucht, Raps, bebaut, ergeben andererseits 325 Zentner Raps. Di« geernteten Futter fruchte enthalten nun an Protein 80,80 Zentner und 13,31 Zentner Fett. Nach Passierung des Tier- magens kommen davon als Milch bzw. Kalbfleisch der menschlichen Nahrung zugute 13,62 Zentner Protein und 12,28 Zentner Fett, es gehen also von dem ersteren 84 Prozent und vom Fett 554 Proz. dem menschlichen Konsum verloren. Dagegen enthält der Raps 52 Zentner Protein und 140 Zentner Fett, von denen das erstere zwar nur als Futtermittel brauchbar, das letztere aber, abgesehen vom Geschmack, dem Milchfett ernährungstechnisch gleichsteht. Auch die finanziellen Unterschiede sprechen für den Rapsanbau, der Mehr- ertrag beträgt, auf die Fläche berechnet. 503 Mark pro Acker. Da die Milchviehhaltung infolge der Abgabe von Schlachtvieh für die Frischfleischversorgung der Bevölkerung immer schwieriger wird, ist in dem vermehrten Ravsanbau ein Ausgleich für die zurückgehende Fettversorgung zu erblicken. Aus dem Berliner Wirtschaftsleben. Die Ehemisih« Fabrik Grünau, Landshoff u. Meyer Akt.-Ges., in Grünau bei Berlin, verteilt 12 Proz. Bezüglich der Aussichten teilte die Direktion mit, daß die Umsätze in den ersten Monaten des laufenden Geschäftsjahres gegenüber der entsprechenden Vorjahrs- zeft gestiegen seien; wenn keine unvorhergesehenem Ereignisse ein- treten, sei wieder mit einem günstigen Resultat zu rechnen. Gegen- wärtig sei die Gesellschaft mit den Vorbereitungsardeiten für den Uebergang zur Friedenswirtschaft beschäftigt; ob die Fabrikation der Artikel, die die Gesellschaft herzustellen beabsichtige, lohnend sein werde, könne noch nicht gesagt werden. England erzeugt Kali. „Daily Chronicle" vom 19. Juli enthält einen Arttkel, dem- zufolge in England ein praktisches Verfahren entdeckt wurde, die bei der Eisenverhüttung in Hochöfen entstehende Potasche, die bisher an die Schlacke gebunden und unverwertbar war, an Kochsalz oder andere Chlorate, welche den Hochöfen beigegeben werden, zu binden und so verwertbare lösliche Kalisalze herzustellen. An- gckblich wurde eine Zentralorganisation unter der Firma British Potash Company gegründet, deren Aktienkapital zur Hälfte von der englischen Regierung, zur anderen Hälfte von den Entdeckern des Verfahre-ns übernommen wurde. Die neue Gesellschaft, die über ein größeres Personal von Chemikern verfügt, wind Fabriken er- öffnen, wo immer die Anlage eine jährliche Ausbeute von 25 000 Tonnen erhoffen läßt. Bisher ist eine Fabrik in Okdbury in Be- trieb, die Ende dieses Monats die ersten Kalisalze abliefern wird. Nach Ansicht des Artikelschreibers wird die Gesellschaft in ein bis zwei Jahren Englands Bedarf decken können. Englische Vorbereitung für den Wirtschaftskrieg. Noch einer Mifinmg des„Algemeen Handelsblad" aus London enthält der Entwurf des Gesetzes über die Aufhebung der feindlichen Banken die Bestimmungen, daß sie innerhalb fünf Jahren nach dem Kriege nicht wieder eröffnet werden können. Beschlagnahme deutschen Eigentums in Amerika. Washington, 22. Julü(Reuter.) Der Verwalter des feindlichen Eigentums Palmer teilte mit, daß er die großen im Besitz von Deutschen befindlichen Metallgesellschaften Vogel sie in u. Co., sowie Beer, Sontheimer u. Co. in New Uork übernommen habe. Die Masse beträgt über vierzehn Millionen Dollar. Palmer erklärte, daß diese Uebernahme in Verbindung mit anderen für immer die deutsche Kontroll- in der Metallindustrie dieses Landes vernichten werde. Wie behauptet, hängen die beiden erwähnten Gesellschaften eng mit der Deutschen Metallgesellschaft zusammen. Sic besaßen auch Aktien zahlreicher amerikanischer Gesellschaften. Der Regierungsageift erklärt, eine der übernommenen Gesellschaften hätte große Mengen Kupfer für die Ablieferung an ein deutsche- Metallunternehmen nach dem Kriege in Vorrat. Sie erhielt dafür einige hunderttausend Dollar in Noten. Die Schuldenwirtschaft der Sowjetrepublik. Der„Lokalanzeiaer" berichtet nach der„Nowasa Petrogradskaja Gaseta": Das Volkskommissariat für Finanzen veröffentlicht eine Uebersicht der Einnahmen und Ausgaben des Staates in der Zeit vom L Januar bis 30. Juni 1918. Die Einnahmen beliefen sich auf 2 852 727 000 Rubel, die Ausgaben auf 17 602 727 000 Rubel. Es ergibt sich der ungeheure Fehlbetrag von rund 14 740 Mill. Rubel, d. h. die Ausgaben übersteigen die Einnahmen etwa um das Fünffache._ Soziales. Die UnHaltbarkeit des Rechtsmittelweges iu der Militär- Versorgung. Einer Kriegerfrau war vom Truppenteil ihres Manne» die Mitteilung geworden, daß ihr Mann nach einem Gefecht auf einer näher bezeichneten Höhe mit einem Oberschentelschutz tot ausgefunden und auf einem näher bezeichneten Fried- Hofe beigesetzt worden sei. Sie beantragt« die Gewährung der Hinterbliebenenbezüge für sich und zwei Kinder. Von der Stell- vrtretenden Intendantur des betreffenden Armeekorps, Ver- sovgungSabteilung, erhielt sie daraus folgenden Bescheid: „Die Intendantur bedauert, Ihnen mitteilen zu müssen, daß Ihrem Antrage auf Gswährimg der Verforgungsgebührnisse nicht stattgegeben werden kann, da die gesetzlichen Voraussetzungen hier- für nicht vorliegen. DaS Stellvertretende Generalkommando hat entschieden, daß der Tod Ihres Mannes nicht auf Dien st be- s ch ä d i g u n g zurückzuführen ist." Die Witwe ließ diesen ihr unbegreiflichen Bescheid durch die Kriegshinterbliebenenfürsorgestelle anfechten, worauf ihr von der VersorgungSabteilung des KriegSministerinmS der Beschid zuging, die gerichtliche Untersuchung des Falles habe ergeben, daß der als gefallen angesehene Ehemann sich selbst die tödliche Verletzung beigebracht habe, zwar mckt in selbstmörderischer Absicht, sondern in der Absicht, sich selbst zu verstümmeln. Bei der Ausführung dieser Absicht habe er sich gegen seinen Willen eine derartig schwere Verletzung beigebracht, daß in Ermangelung sofortiger ärztlicher Hilfe der Tod durch Verblutung eintreten mußte. Da das Vor- liegen von Dienstbeschädigung Voraussetzung sei für de« Anspruch auf Versorgung, sei die Abteilung nicht in der Lage, den Bescheid der Stellvertroienden Intendantur aufzuheben udn bedauere, die gesetzliche Hinterbiiebenenversorgung nicht bewilligen zu können. Der Witwe ist das Ergebnis der„gerichtlichen Untersuchung", von der der Bescheid des Kriegsministeriums spricht, um so unver- ständlicher, als ihr Mann noch etwa ackt Tage vor seinem Tode auf Heimatsurlaub gewesen und guter Ding« wieder ins Feld gereist war. Aber eine Anfechtung des Bescheids ist aus- s i ch t s l o s. Wohl ist der ordentliche K I a g e w« g an sich zu- lässig. Für die Beurteilung der vor Gericht geltend gemachten An- sprüche sind aber die Entscheidungen der obersren Militärverwal- tungsbehörde n. a. darüber maßgebend, ob der Tod mit den Folgen einer Dienstbeschädigung zusammenhängt. Da das für dies« Entscheidungen zuständige Drei-Mönner-Trifolinm jene Frage— endgültig und unanfechtbar— verneint hat, lann die Witwe mittels Klageweges nichts erreichen. Ueber daS wirkliche Ergebnis der gerichtlichen Untersuchung aber bleibt sie auch völlig im Dunkeln, denn die Militärbehörden lehnen die Erteilung von Abschriften aus den über Rentenansprüche erwachsenden Akten kurzerhand ab. Wie sehr die gänzliche Umformung des Rechtsmittelweges in der Kriegshinterbliebenenversorgung— wie auch bei der Mann- schaftsversorgnng— notwendig ist, dafür bietet auch der Vorstelbend geschilderte Fall einen treffenden Beleg. Tic in diesen Tagen in Berlin aus allen Teilen des Reiches versammelt gewesenen Guttempler faßten in ihrer Tagung ein- stimmig eine Entschließung, in der es unter anderem wie folgt heißt: Die deutschen Guttempler erwarten, daß die Reichsregiernng ihre vaterländische Pflicht erfüllt, indem sie nicht zuläßt, daß irgend welche Mengen an Getreide und Kartoffeln, an Zucker und Obst der diesjährigen Ernte anderen Zwecken zugeführt werden als denen der Volksernähruug und Verteidigung. Das deuffche Volk trägt in dieser ernsten Zeit kein Verlangen nach Schiraps, Bier und Wein, wohl aber nach Brot und Kartoffeln, nach Zucker und Obst. Es empfindet es als eine schwere Kränkung, wenn Vertreter der Re- gierung die Hergabe von 51 Millionen Zentner Gerste während des Krieges allein fiir Bier mit der Rücksichtnahme auf die Stimmung des Volkes begründen. Auch unsere feldgrauen Helden an der Front verziehten gern aus Schnaps, Bier und Wein, wenn dieser Verzicht den Ihren da- heim den Hunger stillen hilft. Wir erwarten von der Reichsregiernng, daß ihr das Wohl des Volkes höher steht als die Interessen der Brenner, Brauer und Weinfabrikanten._ Gerichtszeitung. Wenn der Ehemann im Felde steht... Die Trödlerin Andre ist die Muttec von drei Kindern im Alter von 10, 8 und 4 Jahren. Ihr Ehemann steht schon geraume Zeit im Felde und die Frau trug keine Bedenken, in der Person de? Arbeiters Willi H o f f m a n n sich einen Ersatzmann zu be- schaffen, der sich schließlich die Rolle des Familienoberhauptes an- maßte und nicht nur die Kinder, sondern auch deren Mutter ver- prügelte, wenn sie ihm aus dem Erlös ihres Handels nicht genügend Geld abgab. Es soll nach der Bekundung des eigenen Bruders der Andre oft zu bedenklichen Auseinandersetzungen zwischen der Frau und dem Ehemannersatz gekommen sein, wobei einmal der Hoffmann die Frau mit der Faust derarttg in den Mund schlug, daß das Blut hervorquoll; auch Drohungen mit„Schädel einschlagen",„Tot- schlagen",„Plätteisen an den Kopf werfen" spielten eine gewiss« Rolle. Auch soll er versucht haben, eine Erpressung zu verüben, in- dem er der Frau A. drohte, ste wegen angeblich strafbarer Vorkomm- niste in ihrem Handel zur Anzeige zu bringen. Die Kinder bear- bettete er gelegentlich mit einem Stocke derartig, daß die Haus- nachbaren das Schmcrzgeschrei der Kinder vernahmen. Diese haben auch mehrfach anderen Personen erzählt, daß sie„der Onkel" r-ec- baue, wenn sie erklärten, Hunger zu haben. Der achtjährigen Liesa scheint dies Lerhaltcn des„Onkels" unerträglich geworden zu sein, denn sie war eines Tages verschwunden. Das Kind irrte in den Straßen umher, wurde schließlich von einem Schutzmann aurge- griffen und von diesem dem Waifenhause zugeführt. Da das Kind eine ganze Zeit verschwunden blieb, tauchte der Verdacht auf, daß es gewaltsam beifeite gebracht worden fei. Als der mit den Re- cherchen betraute Kriminalkommistar die Andresche Wohnung be- trat, war er geradezu entsetzt über die dort herrschende Unsauber- keit. Die Nachforschungen in der vermeintlichen Mordsache erledig- ten sich, als das Kind in dem Waifenhause vorgefunden worden war. Dagegen kamen bei diesen Nachforschungen die Dinge zur Sprache, die nun den Hoffmann unter der Anklage der K i n d e r m i ß- Handlung, der Bedrohung und der versuchten Er- Pressung vor die Strafiammer des Landgerichts III führten. Der Mann scheint besonderes Glück bei Frauen gehabt zu haben, denn zu ihm hielt auch noch eine andere verheiratete Frau, die schließlich auf den Weg der Ehrbarkeit und Pflicht wieder zurückkehren wollte und den Angeklagten um Herausgabe ihrer an ihn gerichteten Liebesbriefe bat. Bei dieser Gelegenheit soll der Angeklagte erklärt haben, daß ihm jeder dieser Briefe 50 bis 105 M. wert sei.— Die drei mißhandelten Kinder sagten als Zeugen ihr Sprüchlein ohne anzustoßen her:„Sie seien nur gesehlagen worden, wenn sie es ver- dient hätten und dann auch nicht tüchtig"; ebenso suchte die Mutter, Frau Marie Andre, den Angeklagten, von dem sie sich wieder ge- trennt hat, möglichst zu entlasten.— Der Staatsanwalt beantragte 2% Jahre Gefängnis; das vorgeführte Beweismaterial ver- anlaßte den Gerichtshof aber nur auf eine Gesamtstrafe von 1 0 M o- naten Gefängnis zu erkennen.— Eine weitere gegen Frau Andre und zwei männliche Angeklagte gerichtete Anklage wegen Hehlerei an der von Frau A. erworbenen und von ihr vertriebenen größeren Posten Bleischlangen und Bleistücken, die auS demontierten Akkumulatoren herrührten, mußte vertagt werden. „Ausländische Keks." Jntercstante Aufklärungen über den Wert mancher der überall käuflichen„ausländischen Keks" wurden in einer Verhandlung gegeben, welche die Fericnstrafkammer des Landgerichts I beschäftigte. Wegen Kettenhandels und Handels mit Lebensmitteln ohne Erlaubnis war der Kauftnann Otto K i e n a st angeklagt.—. Ter Angeklagte hatte, ohne im Besitze der Handelserlaubnis zu fein, einen großen Posten, für zirka 9000 M.. auS Warschau stammende Keks für 90 Pf. die Rolle au den Kauf- mann B. verkauft, der sie in seinen Geschäften für 1,25 M. verkaufte. Diese Kekse sind nach einer Aeußerung des Kriegswuche» amts ein für die Ernährung völlig wertlose- Zeug, welches im Höchstfalle einen Wert von etwa 12 Pf. di: Rolle bat und leider vielfach gekauft werde, um Kranken und Lazarerrinfasscn „etwas Gutes" anzntun. Der Vertreter der Anklage beantragte eine Geldstrafe von 2000 M., während Rechtsanwalt Leov. Meyer um eine mildere Strafe bat, da sich der Angeklagte� mit der sehr bescheidenen Provision von 1 Proz. begnügt habe, während andere Tausende verdient hätten. Das Gericht erkannte auf 500 M. Geldstrafe. Eine„Wasserfrcundin", die die Wasserleitung zur„Verschöne- rung" der Milch in unverantwortlicher Weise in Anspruch genommen hat, stand wieder einmal in der Person der Milchhändlerin Frau Ohle vor dem Schöffengericht. Tie Angeklagte ist schon einmal wegen solcher Attentate auf die jetzt so wichtige Milch mit 1500 M. vorbestraft worden. Durch die Beweisaufnahme wurde sie über- führt, der Milch, die ste an das Publikum verkaufte, bis zu 80 Proz. Wasser zugesetzt zu haben. Der Staatsanwalt beantragte 8 Mo- nate Gefängnis, der Gerichtshof erkennte auf die milde Strafe von 1050 M. und Veröffentlieftung des Urteils in mehreren Zeitungen auf Kosten der Angeklagten._ Vcrantwortl. f. tFoIitil: Dr. granz Dicftctirti, Psrlin-Friedenau: für d. übriqen Teil dcS Blatte?: Älfrcv Titx'lj, Neulöllii: für Adi.reigen: Tyrrdor Gloike. Berlin. Perlag: VorirLrts-Bcrlag W. in. 6. H., Berlin. Druck: Borwärw-Puchdrirckerel mW VerlagsanNnlt Paul Singer». Co. in Berlin. Lindenslraße 3. Hierin 1 BcUagc und Uuterhaltungsblatt.