Nr. 203. 33. Jahrg. ÄezugSpreiS: S ierrelj Shrl. 3KI, monafl, 1,50 Kl. frei ins Haus, voraus zahlbar. Sinzeine Nummern 10 Mennig. Postbezug: Monatlich, vom Postschalter abzuholen l�OM.VomBrieiträgcr msHauS ae» bracht I,S4 Ml. llntei Kreuzband kür Deutschlard und Oesterreich- Ungarn ö,— Ms. für daß übrige Ausland t.50 Ml. monatlich. Periand ins Feld bei direkter Bestellung monatl. 1L0MI. Vostbestellungen nehmen an TSne- mark. Holland. Luxemburg. Schweden und die Schweiz. Eingetragen in die Post-Zeitungs-BreiSIiste. Erschein» täglich. lelegramm»«dreffe: »Sozialdemokrat Berlin-. Verlinev VolKsblAtk. (ivpksnnlg) AnzetgenpreiSt DiefiebengesdalteneKolonelzeileloslet SO Psg...Kleine Anzeigen", das settgedrullie Wort 30 Psg.(zulässig 2 settgevrullte Worte), icacä weitere Wort 15 Psg. Stellengesuche und Echlafstellenanzeigen da- erste Wort 20 Psg.. ledes weitere Wort 10 Pig. Worte über 15 Buchstaben zäblen für zwei Worte. TcuerungSzuschlag 20°/» Familien-Anzeigen. volitische und gewcrkschasttiche Vereins> Anzeigen 50 Psg die Zeile. Anzeigen für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags im Houvlgcschäfi Berlin 628.68, Lindenftratze 3, ab ieaeben werden. Geöffnet von 8 Uhr früh dt« 7 Uhr abends. Zentralorgan der fozialdeniokratlfcben parte! Dewtfcblands. Neöaktion: Ew. SS, �tnüenstraße Z. Fernsprecher: Amt Mortltplaii, Nr. ISIS»— ISIS?. Freitag, de« S«. Juli 1NI8. Expedition: SM. S8» Linöenstratze Z. Fernsprecher: Am» Morinplak. Nr. IS1 SS— 151 97. IheMge teilkämpfe milche» Keims und Soiffons huflarek und öle Deutftbbürgerlichen. Das Gelingen der„Mission" Hussareks wurde anfänglich bezweifelt, weil die deutsch-bürgerlichen Parteien von ihrem ge- liebten Seidler nicht zu lassen schienen. Inzwischen haben aber die Deutschradikalen, die eigentliche Kerntruppe des früheren Ministerpräsidenten im Nationalverband endlich eine wohlver- diente Schlappe erlitten. Die Mehrheit lehnte sich gegen ihre Führung aus. die sie dank einer unverschämten Demagogie trotz ihrer kleinen Zahl an sich gerissen hatten, die aber das Deutschtum in Oesterreich von Niederlage zu Niederlage geführt hatte. Die Mehrheit hat die Bewilligung.der Staatsnotwendig- leiten beschlossen und so die Aussicht auf einen Abschluß der Reichsratstagung eröffnet, der unter den obwaltenden Um- ständen befriedigen kann. Die Deutschradikalen hätten eine Sprengung des Parlaments am liebsten gesehen und waren bereit, dieses lebensgefährliche Experiment zu wagen, um in einer neuen Aera Stnergkh ihre persönlichen und Parteiinter- essen in den Vordergrund zu schieben. Charakteristisch dafür ist, daß einer ihrer Führer, der Abg. Teufel, am liebsten den Antrag auf die geheime Verhandlung der Interpellation über die Vorgänge an der Südwcstfront zu Fall gebracht hätte, um das Parlament zu diskreditieren! Es ist zu hoffen, daß die Ausschaltimg der deutschradikalen Tunichtgute von Dauer ist. Die Politik her Deutschösterreicher kann dadurch nur an positiven Erfolgen reicher werden und im verbündeten Deutschland selbst verlorene Achtung wiederge- Winnen. -» Den Wiener Blättern zufolge dürste der Ministerpräsident Freiherr Hussarek sämtliche Minister des Kabinetts S e i d l e r in sein Ministerium übernehmen, mit Aus- nähme der beiden polnischen Minister v. Twardowski und C w i k l i n s k i, die nach Wunsch des Polenklubs aus- scheiden sollen. An Stelle des Unterrichtsministers Cwik- linski soll der Sektionschef v. Madeysky und an Stelle des polnischen Landsmannministers Twardowski der Sektionschef im Finanzministerium v. Galecki treten. Das neue Ministerium dürfte bereits heute in der Sitzung des Abgeordnetenhauses er- scheinen. Die Abstimmung über das Budget wird spätestens am Sonnabend erfolgen, worauf das Haus die Sommerferien antreten soll._ Die Mslegung öes Drefter Friedens- Vertrages. Tie Berliner deutsch-russischen Verhandlungen. Seit einigen Wochen weilt eine Abordnung der Sowjet- regierung in Berlin, mn mit der deutschen Regierung über die Auslegung des Brest-Litowsker Friedensvertrages VerHand- lungen zu führen. Der Wunsch zu diesen Verhandlungen war von der Sowjetregierung in Moskau ausgegangen, und er fand beim Staatssekretär von Kühlmann sofort sympathische Auf- nähme. Die Verhandlungen, die noch unter der Leitung des Herrn v. Kühlmann begonnen wurden, stehen nunmehr vor dem Abschluß. Sie haben, wie der Vertreter der„Franks. Ztg." hört, in sämtlichen Punkten zu einer Einigung geführt. Vaterland nicht versenkt� Versenkung der Justieia. Wolfis Bureau teilt mit: Aeutzerungen der englischen und französischen Presse zufolge soll da? am 20. Juli von einem deutschem U-?oot nordwestlich Irland toipediene Schiff nicht der Dampfer Vaterland, sondern der im Jahre 1S17 in England ferliggestellie 32 120 B.-R.-To, große Turbinendampfer der White-Star-Linie Justieia gewesen sein. Ehe zu dieser Meldung von amtlicher deutscher Seite Stellung ge- nommen werden kann, muh erst die mündliche Berichterstattung der beleiligi gewesenen U-Boot-Kommandanten abgewartet werden. Der lür'lich über die Versenkung der Vaterland erfolgten Veröffentlichung lagen funlentelegraphische Meldungen zu Giunde. Nach einer späteren Meldung dauerte der Kampf des Dampfers Justieia mit dem U-Boot 24 Stunden. Der erste Torpedo zerstörte den Maschinenraum und brachte das Schiff zuni Stehen. Hierauf wurden die anderen Torpedos ab- gefeuert, wobei aber nur zwei zur Wirkung gelangten. Sicher ist, daß die Justieia einem deutschen tl-Voot zum Opfer fiel. Das Schiff hatte 100 Kämpfer an Bord. Nach Behauptung geretteter Personen sollen 10 Torpedos gegen das Schiff abgefeuert worden sein. Nach Hollandsch Nieuws- Bureau wurde das Schiff schon am Freitag von mehreren ll-Booten angegriffen. Zwei Torpedos trafen. Am Sonnabend fand ein neuer Angriff statt, der das Schiff zum Sinken brachte. Die„Daily Mail- erfährt: Die b-gleitenden Zerstörer griffen die U-Bvote an. Patrouillenfahrzkuge leisteten ihnen Beistand, und ein Schleppdampfer nahm LaS Schiff ins Schlcppian. Zwischen 3 Uhr nachmittags und 8 Uhr früh wurden 7 Torpedos auf die Justieia avgeseuert. Der«rste Torpsdo traf. Um 10 Uhr morgens kam ein U-Boot an die Oberfläche tmd feuert» zrwi TorpeSo» ab, Heftige feindliche Teilangriffe südlich des Oureq und südwestlich von Reims— Oesterreichischer Vorstoh in Albanien. Berlin, 25. Juli 1918, abend S. Amtlich. Heftige Teilkömpfe auf dem Schlachtfelde zwischen Soissons und Reims. Amtlich. Großes Hauptquartier, 2d. Juli 1918.(20. T. 8.) Westlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht. Zwischen B u c q« o y und Hebuterne griff der Feind am Abend unter starkem Feuerschutz an. Er wurde abgewiesen. Ebenso scheiterten Vorstöße, die der Feind westlich von Albert und aus M a i l l y heraus führte. Heeresgruppe Deutscher Kronprtuz. A« der Schlachtfront zwischen Soissons und ReimS ließ die fiampslätigkeit gestern nach. Kleinere In- fantcriegescchte im Borgeläude unserer Stellungen. Südlich bes Oureq und südwestlich von Reims führte der Feind heftige Teilangriffe, die wir in Gegenstößen zurückschlugen. Heeresgruppe Herzog Albrrcht. In dr» V o g e s e n brachte bayerische Landwehr von einem schneidig durchgeführten Nntcrnchmen Gefangene zurück. Der Erste Generakquarticrmeister. Ludendorff. Der österreichische Bericht. Wie», 25. Jnli 1918. Amtlich wird verlantbart: Italienischer Kriegsschauplatz. Seine besondere» Ereignisse. Albanien. Gestern früh haben unsere Truppen bei Kurl den U e V e r- gang über den Semrni erkämpft. Unsere tapferen Ba- taillone hatten heftigen feindlichen Widerstand zu überwinden. Es wurden zahlreiche Gefangene eingebracht. Auch zwischen Knri und dem Meer führte« erfolgreiche Borstöße zu Gelände- gewinn. Der Chef de» Generalstabes. die das Schiff vorn und rückwärts trafen. Die Jnstärva sank um 1 Uhr nachmittags. Die Justieia, das zweitgrößte Schiff der Welt, gehörte früher der Holland-Amerika-Linie, hieß damals Statcndam, wurde von der englischen Regierung requiriert und fuhr dann für die White-Star-Linie, Die Kiewer Friedensverhandlungen. Miljukow unbequem? Diese Woche fand eine Vollversammlung der ukrainisch- russischen Friedenskonferenz statt. In den letzten Tagen fand ferner eine geschlossene Sitzung in politischen und anderen Kom- Missionen statt, die die Frage der Reichsgrcnze, ferner Effen- bahn-, Post- und Telegraphenfragen, Warenaustausch zwischen Ukraine und Rußland und Schadcnersatzfragen besprachen. In einigen Fragen ist eine Einigung bereits erzielt. Aus autorativcr Quelle wird gemeldet, daß die ukrainische R e- gierung nach wie vor auf dem Standpunkt steht, daß die Krim der Ukraine einverleibt werden müsse. ' Der Ministerrat beriet dieser Tage über die Anwesenheit Miljukows in Kiew, und einige Regierungsmitglieder finden, daß die Anwesenheit Miljukows in der ukrainischen Hauptstadt falsch ausgelegt werden könne, da in letzter Zeit um Miljukow politische Gruppen entstehen, die nicht der jetzigen Politik der Ukraine entsprechen. Daher erscheint es wünschenswert, daß Miljukow seinen Wohnsitz berändert. Mil- jukow soll die Absicht haben, in den nächsten Tagen Kiew zu verlassen. Vom Mittwoch meldet Wolfs aus Kiew: In einer gemein- samen Sitzung der politischen Kommission der ukrainisch-russi- scheu Friedensdelegation wurde nach langen Debatten, da keine Einigung zu erzielen war, auf Vorschlag der ukrainischen Tele- gierten ein Unterausschuß zur genauen Feststellung der ethno- graphischen Grenze gewählt. » Kiew, 24. Juli. Heute findet in Kiew eine Beratung der Vertreter der russischen Verpflegungsorganisationen über die Anbahnung eines Warenaustausches zwischen Rußland und der Ukraine statt. Vertreten sind das Verpflegungskomitee der Moskauer Stadtverwaltung, die Zentralgenossenschaft der Arbeiter und der Oberste WirtschaftSrat. Zur Beratimg steht die Frage des Austausches von Koks gegen Schmieröle. Die Frage der Getreidelieferungen ist im Hinblick auf die in Großrußland zu erwartende»«rzüqliche Ernte etwas zurückgetreten. das sihutzzöllnerische Englanö. Das britische Kriegskabinett hat sich entschlossen, die Einführung von Vorzugszöllen zugunsten der Kolonien vorzuschlagen. Um die Kolonien bei der Er- Hebung von Zöllen bevorzugen zu können, muß England selbst allgemeine Schutzzölle haben. England, der letzte große frei- händlerische Staat, geht damit zum Schutzzoll über! Das Unterhaus wird bereits am nächsten Dienstag eine Debatte über die künftige Handelspolitik abführen. Der Uebergang Englands zum Schutzzoll ist eine der wichtigsten Kriegstatsachen, die über ihre nn- mittelbare große wirtschaftliche Bedeutung hinaus auch poli- tisch auf das nachhaltigste wirken wird. Der Schutzzoll ist für den Ausbruch dieses Krieges in hohem Maße verantwortlich, weil er die wechselseitige wirt- schaftliche Verschmelzung der Nationen verwehrte, das Risiko des Krieges verminderte und zugleich jenen Geist der gegen- fettigen Handelseifersucht züchtete, der recht eigentlich die seelische Disposition zu diesem ungeheuerlichen Ereignis ge- schaffen hat. Es scheint ein Verhängnis, daß der Krieg die Fesseln und Bindungen des Schutzzolles nicht sprengt, sondern noch enger schnürt. Die Rücksicht auf die Währung und auf die durch den Krieg selbst oder den Warenmangel geschwächten Industrien hat bereits während des Krieges zu der denkbar schärfsten Form des Protektionismus geführt: dem allge- ineinen Einfuhrverbot, von dem nur in besonderen Fällen Ausnahmen zugelaffen werden. Nach dem Kriege werden zwei Umstände die allgemeine schutzzöllnerische Tendenz noch stärken: Die Finanznot und die Sorge, für manche während des Krieges treibhausmäßig entwickelten Industrien wenig- stens den inneren Markt zu sichern. Alle diese Motive sind für die Bestimmung der englischen Handelspolitik nach dem Kriege maßgebend. Ein starkes Hin- dernis finden aber die schutzzöllnerischen Bestrebungen in dem Charakter Englands als des größten Warenmarktes der Welt. Diese bevorzugte Stellung gründet sich geradezu auf den Freihandel. In dem Maße, in dem England der größte Warenmarkt nach dem Kriege bleibt, wird auch der Widerstand gegen den Schutzzoll steigen oder fallen und sich besonders der Umfang seiner Anwendung bestimmen. Für den Uebergang zum Schutzzoll wirken aber auch besondere Umstände, welche den Einfluß des Bedürfnisses nach einem nöglichst freien Warenverkehr aufheben. England konnte sich den Freihandel leisten, weil e? bis zu Kriegsausbruch das Land des billigsten Kredits gewesen ist und damit in einem der wichtigsten Produktions- faktoren der modernen Wirtschaft einen unerreichbaren Vor- sprnng vor seinen Wettbewerbern hatte. Diese bevorzugte Stellung geht durch den Weltkrieg unwiderruflich verloren. Die Vereinigten Staaten sind aus einem Schuldner- ein Gläubigerland geworden und werden diesen Charakter dank ihres unerschöpflichen Reickitums an Land und Bodenschätzen während der Uebergangswirtschaft noch verstärken. Diese wirtschaftliche Tatsache hat aber auch die größte Politische Bedeutung. Eine der stärksten Ketten, die das Mutterland mit seinen Kolonien verband, war die Befriedi- gung des Geldhungers dieser Länder in London. Nirgends konnten die jungen Gemeinwesen jenseits des Ozeans den für ihre Entwicklung unentbehrlichen Kredit so leicht und so billig erhalten, wie in dem Mutterlande. Wenn England nach dem Kriege diesen Vorteil nicht mehr zu bieten vermag, so muß es ein neues starkes Band suchen, das alle Glieder des weiten Reiches zu einer Einheit verbindet. Es sucht diesen Vorteil in der Schaffung eines bevorzugten Marktes fiir die Rohstoffe und landwirtschaftlichen Erzeugnisse der Kolonien. Diese Politik schädigt auch die Vereinigten Staaten, die dann unter ungünstigeren Umständen mit Canada, Au- straften, Neuseeland und Südafrika in der Versorgung des britischen Lebensmittel- und Rohstoffmorktes konkurrieren müssen. Das Gewicht dieser Tatsache wird dadurch gemin- >dert, daß die Ausfuhr der Vereinigten Staaten an Lebens- Mitteln infolge ihrer steigenden Industrialisierung in den letzten Jahren zurückgegangen ist. Die Bevorzugung der Kolonien bei der Erhebung der Steuer kann nur ein Anfang sein. Es können sich an sie Versuche weiterer Zolldifferenzierungen schließen. Einfluß- reiche englische Handelskammern haben schon in den ersten Kriegsjahren verlangt, daß nicht nur die Kolonien, sondern auch die jetzigen Verbündeten Englands bevorzugt werden und daß umgekehrt die Feinde Englands mit einem Aus- schlage auf die allgemeinen Zollsätze bestrast werden. Würde dieser Plan verwirflicht, so ergäbe sich ein? Vielheit von Zolltarifen. Der allgemeine Zolltarif hätte für die jetzt neu- tralen Länder zu gelten und wäre, da deren Zahl sehr beschränkt ist, nur von untergeordneter Bedeutung. Ein Tarif mit ver- schärften Zöllen wäre für die Feinde Englands iestimmft Ein Tarif mit einer bescheidenen Bevorzugung käme den Verbündeten zugute. Und schließlich hätten sich die Kolonien eines besonders niedrigen Zollsatzes zu crfteuen. Ein so kompliziertes Zollsystem würde aber nicht einmal von Deutschland oder Frankreich ohne Schaden für die Mwickelung der Geschäfte ertragen werden. Will England seine Stellung als mternatirnmler Warenmarkt auch nur in bescheide- nem Umfange behaupten, so kann es sich auf ein so verschlungenes und beschwerliches Zollsystem nicht ernlassen. Die auf seine Ein- führung hinauslaufenden Vorschläge sind keine Zeugnisse ruhig abwägenden Bcrstandcs, sondern Ausgeburten der Kriegs- Psychose. Ter Uebergang Englands zum Schutzzoll ist f ii r D e u t s ch- I a n d von einschneidender Bedeutung. England war im Frieden der stärkste Käufer deutscher Ware. Mit seinen Kolonien zu- sammen nahm es ein Fünftel der ganzen deutschen A uSf uhr auf. Niemals kann eine Erleichterung der deutschen Aussuhr in das arme und wenig verdrnuchsfähige Oesterreich- Ungarn cineit Ersatz für den Verlust des englischen Marktes bieten. Ueber diese wirtschaftliche Bedeutung hinaus ist der Handels- politische Zusatu menschlust Gröszer-Britannicns ein politisch epochaler Akt. Wie Deutschland durch den Zollverein, so wird das englische Weltreich durch die Vorzugszölle zu einer neuen fester verbundenen Einheit zusaminengesaßt. Die Erfahrungen dieses Weltkrieges haben eindringlich— und leider zur Ueber- raschung einflußreicher deutscher Behörden— bewiesen, daß Größer-Britannien in viel höherem Matze eine geschlossene Ein- best ist als es die Volksmcinung in Teutschland vor dein Kriege glauben wollte. Aus allen Schlachtfeldern sind den deutschen Soldaten kanadische, australische, neuseeländische, südafrikanische und indische Divisionen entgegengetreten. Lloyd George, der ehemalige Freihändler, arbeitet planmäßig aus die Stärkung dieser Einheit hin, indeni er ihre wirtschaftliche Grundlage er- weitert und die kolonialen Minister bei allen wichtigen Ent- scheidungcn hört. Der enge wirtschaftliche und politische Znsaininenschlntz des britischen Weltreiches ist zugleich eine schlagende Widerlegung unserer Annexionisten, die nur in Quadratkilometern denken können. Durch einen Vertrag, durch die Schaffung eines inni- fjeren Zusammenhanges soll das britische Weltreich außer- ordentlich gestärkt werden, und für Deutschland entsteht die Ge- sabr. mehr oder minder aus seinem kaufkräftigen Absatzgebiete verdrängt zu werden. An diesem eindringlich wirkenden Bei- spiel erhellt die Richtigkeit des Satzes, der hier schon so oft ans- gesprochen worden ist:„V e r t r a g s r e ch t e sind w i ch t i- ger als Gebictsrecht e." Das Geschrei nach Landcnvcrb führt bloß in die Irrel__ Selgien unö vlamenpolitik. Neue Erklärung Hcrtlings. Aus Brüssel meldet das„Centraal Vlaamsch Presse- bureau": Vor einigen Tngm iiK-iüc«der RcichSkanzle-r Graf von H«ctl!Ng in Vrüsstl. Er hat während dieses Aufenthalts Gc- tcgenlXlt gensmmen, mit dein Herrn Gciierolgouverneur auch über die flämische Frage eingehend zu sprechen und hierbei sein EiiwerstäntmiS damit erklärt, daß dem Rat von Flandern«ine Eröffnung dcS Inhalts zugehe, der Reichskanzler stehe nach wie vor unverändert auf dem Standpunkt der Er- Märungen seiner Vorgänger. Die Eröffnung ist im Austrage dcS Herrn Generalgouvernvurs am 20. d. M. durch den ÄerwaltungSchef für Flandern den Bevollmächtigten des Rats von- Flandern bekanntgegeben worden. Dem Wunsche des Reichskanzlers entsprechend werden sich in den nächsten Tagen einige führende Flamen zu chm begeben, um in:t ihm das ganze flmiieupoti tische Problem in eingehender Ausspräche zu erörtern. Tie Erklärung, der Kanzler stehe unverändert auf dem Standpunkt seiner Vorgänger, ist ziemlich vieldeutig, denn die Borgänger haben in ihrer belgischen Politik mehrfach geschwankt. Sicher aber ist, daß die deutsche Politik durch ihr Festhalten an verschiedenen Standpunkten ein etwas schielendes Gesicht erhält. Will Teutschland bei den Friedensverhandlungen ans der Trennung zwischen„Flandern" und„Wallonien" bestehen, so mutz es sein Versprechen, das selbständige Belgien wiederher- zustellen, brechen. Will Deutschland sein Versprechen halten, dann mutz es die Auseinandersetzung zwischen Vlamen und Wallonen diesen selbst überlassen, und dann mutz man den flämischen Aktivisten rechtzeitig sagen, datz sie ihre Händel mit anders denkenden Belgiern selbst auSznfechten haben werden. Sie Gegenrevolution. Tie Losreistung des MurmangcbietS.— Tscheche- Slowaken nehmen Simbirsk.— Lenin über die Lage. Amsterdam, LS. Juli. Reuter verbreitet«ine Mitteilung über den Abschluß de» Abkommens zwischen der Entente und den Murnnin- sewjelS, in welchem das Bestehen eine» BeclrageS zugegeben wird. Remer bemüht sich dabei. daS Losreißen des MurmcmgcbieteS von Rußland als selbstlosen Akt der Entente zum Wohle Rußlands hin- zustellen. Moskau, LS. Juli, Ein Befehl Trotzkis warnt vor Fahrten nach Murmansk, Archangelsk und an die ischecho-slowakiiche Front ohne schriftliche Genehmigung de« KriegslommissariaiS. Zuwiderhandelnde iverden mit dem Tode bestraft. Die Warnung ist auf Bahnhöfen und in Waggons in russischer, polnischer und serbischer Sprache ausgehängt. Laut offizieller Meldung ist SimblrSk trotz verzweifelter Gegen- wehr der Sowjettruppen von den Tschecho» Slowaken genommen worden. Mit dem Fall von SimbirSk ist nicht nur daS linke Wolga- user. sondern auch ein Teil des Territoriums dieSsettS der Wolga in den Händen der vormarschierenden Tschccho-Slowaken.„Prawda" schreibt hierzu sehr besorgt: Der Aufstand breiter sich auZ wie ein Oelfleck auf dem Papier. Möge die Ein- nähme von SimbirSk Schlafende wecken. SinibirSk war einer der Stüypunlte der Rätegewalt, zugleich eine Getreidekammer. Die Gefahr wächst, sie ist nahe. Der Feind ist zahlreich und gut orga- nisierl. Wenn der Fall Samaras jenseits der Wolga die Arbeirsr nicht aufgerüttelt hat, so muß der Fall von SimbirSk daS Prolc- tariat mit Zittern und Zagen für daS Schicksal der Proletarier- revolulion erfüllen. MoSkau, 23. Juli. Die Presse meldet: In Richtung Powocino zerstreuten Panzevautos der Räte-Truppen feindliche Reiter. In Richtung Jekat-arinenburg— TscheljabinSk besetzten Kosaken un d T � ch ech e n am l8. Juli Ufaleitzk. In Richtung Omsk unter- brach der Fennd die Leitung auf Station Padjamnäsa und AuS- weichstelle 17 auf dem rechten Flügel. In Richtung Bugulma zogen sich die Räte-Truppen unter starkem Druck westlich von Station Melekeul zurück. An der Dutow-Front wurde ein plötzlicher An- griff des Feindes gegen die Station Balakowo, 50 Werst südwest- sich Nikolojewsk im Gouvernement Tamara abgewiesen. Die Be r- bindu n a Now o-Ussen sk— M a l o- U s s e n s k ist unterbrochen. Laut Meldung aus Baku setzten die Räte-Truppen den Vormarsch fort und besetzten Station Jewlach. Durch Befehl des Atamanb ist über daS Gebiet des Ton- Hrerrs der Belagerungszustand verhängt worden. Die Einreise ist nur Don-Kosakcn und Einwohnern des Gebiete? gestattet, russische Offiziere, auf der Reise zur Freiwilligen-Armee dürfen sich nur drei Tage in Rostow aufhalten. Eine Personenlonirolle an den Grenzstationen ist eingerichtet, Kriegsgefangene aus Deutsch. land und Oesterreich werden durchgelassen, wenn sie Don-, Kuban-, Terck-, Astrachan- oder Orenburger Kosaken sind. Im Zusammenhäng mit den Ereignissen ist Moskau ist im Oreler Militärbezirk der Belagcrungszustand erklärt; an allen Punkten der Südostbahn sind Versammlungen verboten worden. Moskau, 2ö. Juli. Auf der Moskauer Gouverne- in e n t s k o n f e r e n z d e r Fo b r i l k o m i t c e§ hielt Lenin am 23. Juli eine längere Rede über die Lage der Rätr-Republik. Die Lage habe sich äußerst verschärft sowohl durch internationale Verwicklungen, als auch durch gegen« revolutionäre Verschwörungen und die damit ver- buudcne V e r p i I e g u n g s k r i s e. DaS russische Proletariat erkenne sehr wohl, daß eine unerläßliche Vorbedingung des Sieges der russischen Revolution daS vereinigte Eingreifen der Arbeiter der ganzen Welt oder einiger weit entwickelter kapitalistischer Länder sei. Für Rußland sei c§ leicht gewesen, die Revolution zu beginnen. doch außerordentlich schwer, sie fortzusetzen und abzuschließen. Aeußerst schwer dagegen sei der Beginn der Revolution in einem so icoylorgainsierten bürgerlichen Lande wie Deutschland, doch um so leichter sei dort ihre Durchführung, lieber den Brest er Frieden sagt Lenin, daß die Röteregierung ebenfalls wisse, daß laut diesem llnterdrllckungsvertrage Rußland an Deutschland gegen sechs Milliarden Rubel zahlen müsie. Doch nicht der wohnsinnige Versuch der Linken Sozialrevolutionäre, Rußland durch Ermordung des Grafen Mirbach in den Krieg mit Deuischland zu verwickeln, sei ein Mittel, dem Brestcr Vertrage zu cntgeben. Ein Ausweg müsse gefunden werden durch gemeinschaft- iiche Anstrengungen des Proletariats und der armen Bauern. Stockholm, LS. Juli. Wie der Korrespondent der Telegraphen- Union ersährt, haben die tschccho-slo wakischen Be- Hörden, die an Stelle der abgesetzten Sowjetbehördcn, die überall eingesetzt werden, angeordnet, daß alle früheren Offiziere, ferner alle höheren Beamten, Ingenieure, Techniker und Aerzle zu den Waffen gerufen werden. Alle Mitglieder der Sowjets in Jaroslau, die nicht mehr die Möglichkeit hatten, die Stadt recht- zeitig zu verlassen, wurden erschossen. General Horvat mit de« Tschechosloivakcn einig. Eharbin, 25. Juli.(Reuter.) Zwischen General Norvat und den Tschecho-Slowaken ist ein Abkommen geschlossen worden, wo- nach letztere ihn bei seinem Vorgehen bei Chabarowbk und in Westsibirien unterstützen sollen. Die Regierung wird die Zi- vilverwaltung von Nilolsk und Wladiwostok übernehmen. Das Hauptquartier wird in Wladiwostok bleiben, Ivohin. wie man nun erwartet, die Regierung sich bald begeben wird. Die Truppen bei EhaebarowSk verfügen über 00 schwere Geschütze, jeidoch ist die Mo- ral dieser Truppen durch die letzte Niederlage bei NikolSk erschüttert. Falschmeldungen. MoSka«, St. Juli. IP. T. A.) Die Nachricht au« Stockholm über den Austritl des Volkskommissar« für Petersburg, Sinojcw, aus der Bolschewistcnpartei wird dementiert. Der Stockholmer Bericht über die Entstehung einer Wologdaor Republik ist n i ch l zutreffend. Augenscheinlich existieren in Stockholm Lügenzentralen, welche systematisch über Rußland falsche Kriegs« und Politilnach- richten verbreiten. Monarchistenkongrch in Kiew. Kiew, 2t. Juli. Der Monarchistcnkongreh in Kiew, an den viele Führer der Rechten aus ganz Rußland teilnahmen, ist beendet. Die Mehrheit verlangte die Einführung einer absoluten Monarchie oder einer Militärdiktatur in Rußland. In Rücksicht auf die Oppa- sition der rechten Oktobristen und Nationalisten, die für eine kon- stiwtioncllc Monarchie eintraten, wurde eine Entschließung ange- nommen, die für Größrußland eine Staatsordnung wie vor der Februarrevolution verlangt. Auch da« wäre nichts anderes als die Einführung der abso- luten Monarchie, nämlich die Wiederherstellung des za- r i st« s ch c n R e g i c r u n g s s Y st e m S. Der ukrainische Eisenbahneeftretk. Kiew, 25. Juli. Nach Meldung der„Kiewskaja MySl" sind in dem Eisenbahnerstrrik keinerlei wesentliche Brränderungen einge- lreien. Zahlreiche Streikkomitees veröffentlichen Aufruf«, sich nicht zur Beschädigung oder Vernichtung von Staatseigentum verleiten zu lassen und Arbeitswillige an der Arbeit nicht zu hindern. Der Zug- verkehr ist noch nicht wieder hergestellt. Nur in Kiew sind am 21. und 22. Juli je drei Züge von deutschem Mi- litär abgefertigt worden. Die Linien Kiew— Mowursk, Kiew— Kasatin—Goloby sind untcr Militäraufsicht gestellt worden. Wie»Rußki GoloS" meldet, ist auf einzelnen Teilstrecken der Ver- kehr durch Eisenbahner ukrainischer Nationalität wieder aufgenom- men worden. Di« politischen Kommissare melden dem Verkehrs- minister, daß vor allem nicht ukrainische Element« streiken, dagegen Eisenbahner ukrainischer Nationalität in jeder Weise die Aufrechterhaltung des Verkehr« erstreben.„GoloS Kiewa" bringt die Nachricht, daß in allen Abteilungen der Verwaltung der Südwestbahn wieder gearbeitet wird. 5ohn Surus gegen üie ttorthcliffepeesje. Dem Amsterdamer„Algemeen Handelsblad" zufolg« kam am Mittwochabend im Unierbauie der Sozialist John LurnS, der gewöhnlich nicht redet, in Konflikr mir dem Sprecher wegen der Northcliffcpresie. Der Zwischenfall halte eine große Erregung im Hause zur Folge. BurnS sagte u. a,, daß die g e l b e P r e s s e, an deren Spitze „TimeS",„Daily Mail' und.EveningNewS' stehen, aus Blättern bestehe, die. wie er bereits vor Jahren ausgeführt habe, daS Eigentum von Lumpen seien, von Schurken herausgegeben und von Narren gelesen würden. Der Sprecher fragte, ob B urns Lord Northens fe meine. BurnS antwortete, er wiederhol« seine Erllärungen, die er vor Jahren abgegeben habe; sie würden durch die Ereignisse der letzien Zeit bestätigt. Der Sprecher verlangte, daß Burns seine Worte zurücknehme. Nach einer laugen Diskussion fand sich BurnS schließlich dazu bereit. Die große Erregung, die lange Diskussion bezeugen, daß John BurnS, der 1914 das Ministerium ASquith verließ, al« eS sich für den Krieg entschied, auch heute noch trotz seines langen Schweigen« al« ein wuchtiger Teil der öffentlichen Meinung Englands gilt. Die Bedeutung seine« Angriffs liegt natürlich darin, daß er gegen die Hauptstützen der Macht Lloyd George« gerichtet ist. Gerade weil John BurnS„gewöhnlich nicht redet', ist anzunehmen, daß seine jetzige Rede ein überlegter Stoß gewesen ist. die Aussicht auf Neuwahlen in Englanö. Die Wnblreform in England ffat die Zahl der Wähler, wie man schätzt, um 16 Millionen vermehrt! sogar von 20 Millionen— Männern und Frauen— ist die Rede. Schon auS dieser Ziffer läßt sich schließen, datz die Neuwahlen mit der Kraft eineß großen Ereignisses wirken werden. Im Herbst muß eS zu Wahlen kommen, und so diskutiert man die Äub sichten der Parteien bereits äußerst lebhaft. Daß das Bild der Kämpfe sich ganz»wesentlich ändern wird, ist vor allem die Folge der Aufhebung des Burgfriedens, die auf der Tagung der Arbeiterpartei beschlossen wurde. Die Ar- beiterschaft bat mit der alten Uoberlieferung gebrochen, die sie zu einem Anhängsel der bürgerlichen Parteien machte; sie geht in Zukunft selbständig vor. Die Arbeiterpartei ist fest am Werk, die Aufstellung ihrer 400 Kandidaten zu besor- gen. Einen Einblick in die Bewegung geben folgende Aus- siibrungen des Parlamentskoiwespondenten der liberalen „Daily News", die der„Nieuwe Rotterdamsche Courant" mitteilt: Die große Schlacht an der Westfront hat das Interesse für die Vorgänge im Unterhause sehr vermindert. So kommt e«, daß man an Neuwahlen zu denken beginnt. Nach dem neuen Wahlrecht im November oder Dezember abgehaltene Wahlen würden dem Unter- bause neues Leben einflößen, und es einer despotischen Regierung erschweren, über die Volksvertretung hinweg zu handeln. Alle. Parteien, mit Ausnahme der Arbeitervartei, be- finden sich den Neuwahlen gegenüber in einer schwierigen Lage. Tie Arbeiterpartei kann dabei nur gewinnen. Die Kon- s e r v a t i v e n. denen infolge des Einflusses der KrieaSverhältnisse. auf die Eigentumsverhältnisse und die neuen Rechte, die der Krieg schuf, der Grund unier ihren Für-n wankt, hoffen, daß die Ar- Peiter, die viel Geld in Kriegsanleihe angelegt haben, geneigt sein werden, cKien konservativen Standpunkt anzunehmen. Die mehr fortschrittlichen Mitglieder der konservativen Partei werden sich deshalb mehr den Arbeiterangelegen- betten widmen. Die Partei wünscht Lloyd George sür die Dauer des Krieges am Ruder zu erhalten, obwohl die KonsLrvativen ein gewisses Mißtrauen gegen ihn haben. Lloyd George geht mo- mentan vollständig in KriegSangelegenheiten auf. Daß die Wahlen echte Kriegswahlen sein werden, ist nur allzu wahrscheinlich. Anzunehmen ist, daß sie das Aufgebot an Energie ini Felde und wohl auch zur see ganz erheblich stei- gern werden. Nur zwischen den Zeilen wagt der Berichter- statter der„Daily News" anzudeuten, daß der Krieg bis zu den Wahlen vielleicht nicht mehr das Feld behaupten werde. Er sagt über die Wahlprogramme: Manche von den Betrachtungen über Neuwahlen, die jetzt lau- eiert werden, befassen sich mit Gegenständen, sür die Interessenten den Premierminister gewinnen wollen. Es ist sicher, daß Lloyd George Neuwahlen abzuhalten wünscht, sobald das möglich ist. Wenn sie jetzt abgehalten werden könnten. würden es Kakhiwahlcn mit der Fassung„Reit« Pari?" sein. Jetzt sind die Wahlen aber iminöalich, und in den Monaten, die bt« zu ihrer Durchführung vergeben, kann sich noch viel ereignen, was die militärischen Ereig- nisse von jetzt in den Hintergrund drängen würde. Lloyd George braucht die Unterstützung der Konservativen, obwohl er ihnen vielleicht auch mißtraut. Die Losung dcS Premier- Ministers bei den Wahlen würde zweifellos lauten: Gewinnt den Krieg, indem Ihr die jetzige Regierung beibehaltet!" Daneben würde Lloyd George ein soziales Problem entwickeln i Verbesserung der Wobnungtverhält- nisse, Mindestlöhnc, Nationalisiorung) und um den T o r i e« zu schmeicheln, auch einiges Entgegenkommen in der Tarifpolitik und der gegen feindliche Ausländer gerichteten Politik versprechen. Die ofiizielle liberale Oppo- sition. die sich u. a. für den Völkerbund einsetzen wird, wird mit dcm geschickten Problem Lloyd Georges und mit der Arbeiterpartei zu rechnen haben. Sie schwebt in ebenso großer G e sa b r wie bei der Parteispaltung zur Zeit Ehamberlains. Den Krieflstreibern der Northcliffepresse, die dem setzt- gen Parlament abgewonnen haben, was sie brauchen, ist die Aussicht auf Neuwahlen natürlich nicht sympathisch. Sie möchten sie hinausschieben. Die„Morningpost" will nichts davon wissen, daß es in diesem Jahre dazu kommt. Sie würde Neuwahlen für gerechtfertigt halten, wenn es notwen- dig sein sollte, gegen eine starke pazifistische Opposition die Entscheidung des Landes anzurufen.„Daily Chronicle" ist nicht gegen Neuwahlen, wenn sie in der gewöhnlichen Art verlaufen würden. Das Blatt würde aber Kakln-Wablen un- gern sehen. Die„Daily News" dagegen ist nicht gegen Neu- Wahlen, sa, sie bält sie sogar für erwünscht, vorausgesetzt, daß sie nicht in der Weise abgehalten werden, wie das Hauptorgan der Northclifseblätter. die„Times" sich dieselben vorstellt. Aber die Northcliffepresse hat bewiesen, daß sie eine Großmacht in England geworden ist. Sie wird das Aeußerste daransetzen, auch die Wahlen so zu formen, wie sie sie braucht. Rückkehr üer irischen Nationalisten ins Unterhaus. Der Londoner Korrespondent des„Manchester Guardian' schreibt: Die irischen Nalronalisten, die am Dienstag nach Westminster zurück- kehrten, haben die Absicht, eine ein- bi« zweitägige Debatte über die Lage in Irland zu fordern. Sie werden natürlicki eine unveriöbnliche oppositionelle Haltung gegen die Regierung einnehmen. Aucki an den Debatten, die mcktS mit/ Irland zu tun baben. werden sie teilnehmen. So haben sie zunr Beispiel die Absicht, die Liberalen, die eine Debatte über die Re- form in Indien noch bor den Sommerserien verlangen, zu unter- stützen._ U-Boot-Arbeit an der amerikanischen Küste. New Jork, 24. Juli. iReuter.) Ein U-Boot versenkte am 22. Juli auf der Höhe der Küste von Maine den Schoner Robert Richard. Eine Konferenz türkischer Sozialisten fand im mohammeda- nischen Kommissariat in MoSkau statt.„Prawda" hofft, datz der Geist der sozialen Revolution bald in die unteren Schichten der Türkei eindringen wird. HandelöschisfSverlustc der Alliierten und Neutralen. Reuter meldet: Die Verluste deS britischen, alliierten und neutralen Han- delsichifsSraumS infolge feindlicher Einwirkungen und Seegesahr betragen im Juni 1918 an britischen 161 062, an alliierten und neutralen 114 567. im ganzen 275 629 Bruttotonnen. Die entsprechenden Zahlen sür Mai 1918 sind für den britischen Sandelsschiffsraum 225 689, für den alliierten und neutralen 131845. im ganzen 357 534 Bruttotonnen. Tie Ver- luste der britischen, alliierten und neutralen Tonnage, einschließlich Seeverluste, sind im Juni 1918 niedriger al« in jedem anderen Monat feit September 1916. Die Verluste in den mit dem 30. Juni 1918 abschließenden drei Monaten sind niedriger als in jedem anderen Quartal seit dem. dritten Viertel des Jahres 1916. Zu dieser Statistik ist zu bemerken, daß die Verluste der für Kriegszwecke fahrenden Handelöschifsstonnage in obigen Zahlen nicht enthalten sind,, Ne. 203 ♦ 35. Jahrgang GroMerün In öer Heotkartenfabrik. AuS der Mzthe kennen wir den T a n t a I u S, der mit den Füßen im Wasser und einem Ast köstlicher Früchte über dem Kopfe Qualen des Hungers und des Durstes leidet-,-denn— beugt er sich hernieder, so verrinnt das kostbare Naß, hebt er den Arm, so schnellt die Frucht ins Unerreichbare. Die sich daraus ergebende Stimmung ähnelt der des Pressemenschen, der mit leichtem Magen die Näunie der Lebensmittelkarten- druckerei von H e r r m a n n auf der Seydelstraße durchwandern darf. Nun ist zwar eine graue unscheinbare Brotkarte nicht mst einer saftigen Bergamotte oder einem rotbackigen Gravensteiner zu vergleichen, aber der Nimbus, die sonst um einen blauen Lappen als Vermittler irdischer Freuden schwebte, ist doch im verstärkten Maße auf diese papiergewordene Vorbedingung zur Lebensfristung übergegangen. Die Lebensmittelkarte ist zum Wertpapier geworden, hoch- wertigcr als das Geld, das der Volksmund„nicht fressen kann". Ein leibhastiges Börsenpapier, das immer höher im Preise zu stehen kommt. Fälschung, Diebstahl und Vertrieb von Karten gehören darum zu jenen Gewerben, die einen fatalen Mißklang zum Singsang von der sittlichen Läuterung des Krieges ab- geben. Es läßt sich denken, daß von feiten der für die Lebens- mittelversorgung verantwortlichen Behörde alles geschieht, um dieses unsere Ernährung ernstlich gefährdende Treiben zu unter- binden! davon kann sich jeder icherzeugen, dem es gestastet ist, einen Rundgang durch die Brotkartenfabrik zu unternehmen. Der beste Schutz vor Fälschung kann in daS zur Kartenherstellung benutzte Papier gelegt werden. Die Rollen werden in einer Fabrik außerhalb Preußens hergestellt und mst W a s s e r z e i ch e n versehen, die nur schwer und dazu so Mangel- Haft nachgemacht werden können, daß bei einiger Vorsicht des Ärotverkäufers die Fälschung entdeckt werden kann. Ter Druck erfolgt auf einer Rotations Maschine. Das hat einen be- stimmten Nachteil: das beste Mittel gegen Nachahmung ist ein ganz sauberer Druck, der sich aber beim Runddruckvcrfahren wegen der Dehnung der Papierbahn nur bis zu einem gewissen Grade erreichen läßt. Verschmierte Drucke aber machen es selbst dem Fachmann schmierig, echte und falsche Karten voneinander zu unterscheiden. Leider ist das nicht zu vermeiden, bei einem Wochen bedarf von vierMillionen Brotkarten fiir Groß. Berlin ist an ein anderes Druckverfahren nicht zu denken. Der Möglichkeit des D i e b st a h l s ist mit allen Mitteln begegnet. Ter amtliche Betrieb ist sorgfältig von den sonstigen Arbeits- räumen der Druckerei abgetrennt. Zahlreiche Beamte der Kom- mune überwachen die Maschinen, komplizierte Kontrollmaß- nahmen lassen, selbst wenn die Karten längst die Druckerei ver- lassen haben, Verfehlungen auf den Urheber zurückführen. Fehl- drucke werden in einen Schacht geworfen und werden zusammen mst den ans dem Verkehr znriickkehrenden Karten wieder zu Papierstoff verarbeitet. Eine dritte Möglichkeit zur Herstellung leidlicher Nachdrucke ist durch die Entwendung von Druck- stöcken geboten; auch hier ist durch peinliche Ueberwachung Vorsorge getroffen. Auf diese Weise ist es gelungen, den irregulären Karten- verkehr so zu unterbinden, daß eine Gefahr für die Lebens- mittelversorgung von dieser Seite nicht mehr vorliegt. Auch den nächtlichen Diebstählen auf den Brotkommissionen ist durch Ueberführung der Karten in verschlossenen Be- hältern auf die Polizeiwachen ein Riegel vorgeschoben. Mit der Führung und Erklärung hat sich Herr Stadtbau- rat Müller den Pressevertretern zu Dank verpflichtet. Bedauert wurde nur allgemein, daß bei der aufgehäuften Fiille des Papiers nicht ein paar„Rezensionsexemplare" abgefallm sind. Die Gemüse- und Obstbewirtschaftung. Wie in diesem Herbst die BewirtsÄastung von Gemiise und Obst gedacht ist, darüber äußerte sich in einer Besprechung mit Pressevertretern der Leiter der Reichsstelle. OberregierungSrat V. T i l l y findet, daß die ZwangSbcwirtschaftnng de-Z Obste« im varigen Herbst.sehr gut gelungen" sei. Beabsichtigt wird auch diesmal nicht eine allgemeine Erfasiung durch Bcichlagnabme, sondern nur Abiatzbeschränkung für lieferungSvertragsfreies Obst, Tie Aussichten der Herbstobsternte gelten als wenig günstig und die Zufuhren vom Ausland werden fast gant wegsallen, so daß wieder Ob stknappbeit zu erwarten ist. Wieder soll das ganze inländische Obst mrt Ausnahme des dem Frisch- niarkr vorzubehaltenden.Edelobstes" den Marmeladen- f a b r i k e n gesichert werden, damit Brotaufstrichmiitel für die Bevölkerung nicht fehlen. Grötz sind auch die Ansvrüche des Heeres an Marmelade und Dörrobst, größer noch als im Borsahr. An eine ZlvangsbewiNschaftung der Frübobsternte hat sich die Reichs- stelle noch nicht herangewagt, weil Frühobst ihr zu leicht Verderb« lich scheint. Herr v. Tilly teilte mit, heute sei in den Gemeinden Groß-BerlinS viel Neigung vorhanden, mindestens daS Herbstabst und zum Teil auch das Herbstgemüse zu rationieren. Die Be- lieferunq mit Gemüse haben sich Kommunalverbände und Groß- Verbraucher noch mehr als im vonacn Jahr durch Lieferung S« Verträge gesichert. Abgeschlossen wurden im vorigen Jahr «0000 Verträge über 360 000 Morgen Gemüse(mitgerechnet 20 000 Verträge über 140 000 Morgen Koblröben), in diesem Jahr bisher 90 000 Verträge über(520 000 Morgen Gemüie (ungerechnet die Verträge Über Kohlrüben). Groß- Berlins LieferungSvecträge lauten diesmal auf vier- bis fünfmal soviel Gemüse wie im Vorjahr. Die vertragsfrei bleibende, wahr- icheinlich nicht erhebliche Gemüsemenge soll durch Absatzbeschränknng ersaßt werden, damit sie für den Bedarf des Heeres und nötigenfalls zur Auöbllfe für schlecht belieferte Gemeinden verwendet werden kann. Die Zwangscrfasiung ist beim Gemüse ebenso wie beim Obst keine Beschlagnahme. Der Erzeuger darf in seinem Haushalt verbrauchen oder in seinem Betrieb verarbeiten, soviel er will. Er darf auch Gemüse bis 5 Kilogramm(Zwiebel« bis 1 Kilogramm) und Obst bis 1 Kilogramm an Verbraucher überlassen. Will er aber größere Mengen Gemüse oder Obst ent- gelilich oder unentgeltlich abgeben, so muß er Genehmigung noch- suchen. Sie wird bei mäßigen Mengen, die für Verwandte oder Bekannte bestimmt sind, in der Regel erteilt. In allen andere» Fällen faßt die Reichsstelle zu und entscheidet, wohin die Ware zu liesern ist. Herr v. Tilly tröstete, daß die Reichsstelle dabei, wie bisher,»mit milder Hand" verfahren werde. 5re!tag, 2S. Juli 1018 Was dem einen„Surrogat" ist, ist dem andern— Dreck. Im Botanischcn Museum sprach Pros. G r ä b n e r überMehl- snrrogate. Der Krieg bat genöiigt. bei der Brotbereitmig die Mehkkiiapvheit durch SlrcikungSmittel zu verdecken. Manche Forscher wüiden für nnbedenkiich ballen, auch Holzmehl und sogar Stroh« mehl beizumengen. Gräbnec meint. Holzmehl könnte die jetzt im Mehl bleibende Kleie.ersetzen", die dann für die Viehzucht verfüg- bar wäre und uns Fleisch und Fett liefern würde. Einstweilen sind wir noch nicht so weit. Auch so weit sind wir noch nicht, daß unserem Magen all' der andere.Mehlersatz" geboten würde, den der Vortragende als durchaus genießbar und nahrhaft pries. Rohriolben, Seerose, Sumpfkalla. Adlerfarn, Aronsstab, Pfeilkraut könnten aus ihren stärkehaltigen Gruiidachsen und Knollen ein Mehl liefern, das sich backen ließe. Ebenso geeignet zur Gewinnung eines nahrhaften Mchles seien die Früchte der Eichen und Kastanien, weiter auch die Samen von Reis melde und Schwaden. Bei einer Reihe anderer Pflanzen empfahl Gräbner die Samen nur als Futter für Vieh, besonders für Hühner. Getrocknete Vogelbeeren habe man, um sie.nicht verkommen zu laflen", zu Marmelade verarbeitet, aber gerade das sei ein„verkommen lassen"..Solchen Dreck", sagte wörtlich der Vortragende,»gibt man Menschen; lieber sollte man die Hühner damit iüttern und ihre Eier essen". Hier könnte mancher sich versucht fühlen, auch über die Mehlsurrogate ein kräftig Wörtlein zu sagen. Solche Forschungsergebnisse mögen sich in Vorträgen und Aufsätzen sehr schön und verlockend ausnehmen, aber ibr Wert für die Volksernährung ist doch sehr fragwürdig. Gräbner erwähnte ein im vongen Jahre in Berlin feilgehaltenes Mehl, daS bei ziemlich hohem Preis markenfrei zu haben war. Trotz Ver- dunkelung des Ursprungs durch die Heistellungsart sei nicht zweifel- hast, daß man es mit Mehl aus Rohrkolben zu tun hatte. Ja, so zeigt wenigstens die«Elsatz"-Jndustlie für die Arbeilen der Ge- lehrten volles.Verständnis' I_ DaS Ergebnis der Skencrveranlagung 1v!8 in Berlin. Das endgültige Ergebnis der staatlichen Einkommensteuerver anlagugn für 1018 im Stadlkreise Berlin liegt jetzt vor; eö schließt einschließlich der Zuschläge mit einem Steuerioll von 105 605 844 M. (gegen 81330 409 M. im Jahre 1917) ab oder mit einem bisher unerreichten Zuwachs von 24 225 485 M. Wie stark sich die Einkommensverhältnisse in der R-ichshauptstadt gehoben baben, geht daraus hervor, daß diesem Mehr von 24i/z Millionen in einem Jahre nur ein Höchstzuwachs von 4'/, Millionen seit 1891 im Frieden gegenübersteht, während im Vorjahre der Zuwachs an Einkommen- steuer 5�/z Millionen Mark betrug. Dabei ist die Zahl der Steuer- Pflichtigen um nicht weniger als 44 087 auf 047 754 zurückgegangen. Bon dem Steuersoll von 105,0 Millionen entfallen 00 025 009 M. oder 12.0 Millionen mehr auf die zu erhebende Steuer und 44 980 235 M. oder 11,7 Millionen Mark mehr auf die gc'etzlichen Zuschläge. Die Zahl der Pflichtigen mit mehr als 3000 M. Ein kommen ist um 34 903 auf 99 533 Köpfe gewachsen mit einem Steueraufkommen von 31740 872 M. 9.2 Millionen) und mit Zuschlägen von 2Cf476 931 M.(+5,5 Millionen). Dagegen ist die Zahl der Pflichtigen mit einem Einkommen bis zu 3000 M gegen 1917 um 79 068 auf 540 618 gesunken. Auch ibr Steuersoll ist mit 11787 975 M. um 1,2 Mill. Mark geringer, während die Zuschläge iich um 40 455 M. auf 003 877 M. vermindert haben. Die Zahl der Aktiengesellschaften hat sich weiter ver- ringert, und zwar um 12 auf 43!. ivährend sich ihre Einkommensteuer um 2,8 Millionen ans 12 Millionen und ihre Zuschläge um 4.0 Millionen auf 19 Millionen Mark erhöht haben. Die Zahl der Gesellschaften m. b. H. hat sich in Berlin um 90 auf 1272 vermehrt mit einem Einkommenfteu-rsoll von 5 Mill.(ff- 1,0 Mill.) und Zuschlägen von 4,8 Millionen(ff- 1,0 Millionen). Ebenso wie bei der Einkommeusieuer, zeigte sich auch bei der Ergänz» ngs st euerveranlagung wie Abnahme der Steuerpflichtigen mit Einkommen von nicht mehr als 3000 M. und eine Zunahme der Ergänzung �steuerpflichtigen in der höheren Sleucrgruppe. Die Zahl der Pflichtigen, die vom Vermögen steuern, deren Einkommen aber 3000 M. nicht übersteigt, ist um 2430 aus 10 370 gesunken gegenüber 19 309 im Jahre 1917. Der Jahres betrag der veranlagten ErgänzungSsteuer dieser Gruppe ist um 24 954 M. auf 228 065 M. und der gesetzliche Zuschlag um 12 364 M. auf 112 729 M. gesunken. Dagegen hat sich die Zahl und der Er- trag der ErgänzungSsteuerpflicht'gen mit Einkommen von mehr als 3000 M. erhöht, und zwar um 1045 auf 30 977 Köpfe mit einem Ergänzunassteuersoll von 3 213 889 M.(ff- 59 073 M.) und einem Zuschlag von 1 005 548 M.(ff- 29 453 M.). Insgesamt ergibt sich bei der ErgänzungSsteuer in Berlin ein Steuersoll von 5 159 132 M., was gegenüber dem Vorjahr ein Mehr von 51 208 M. bedeutet. Die Geianitzabl der ErgänzungssteUcrpflichtigen ist trotz dieser Zu« nähme des SleuerertrageL gegen das Vorjahr um 788 auf 47 853 Köpfe zurückgegangen._ Zur Gründung des Wohnungsverbandes. Die Verhandlungen zwischen den Groß-Berliner Genieinden über die Gründung eines Wohnungsverbandes, die gestern unter Vorsitz des Oberbürgermeisters Werinuth im Berliner Rathaus fort- gesetzt wurden, sind uumnehr, wie der Berliner Magistrat mitteilt, soweit geführt, daß über die Grundzüge des Zusammenschlusses. die Dauer, die Begrenzung der Aufwen- düngen, das Verhältnis der Aufwendungen der Gemeinden zu den von Reich und Staat und die Organisation Klarheit ge- Wonnen ist. In den meisten Punkten bat sich auch hinsichtlich der Einzelheiten bereits eine Feststellung erzielen lasten. Einige Be- sonderhciten der Verfassung sollen noch näher formuliert werden. Nachdem diese Formulierung erfolgt ist, wird im Benehmen mit Staatskommissar für dos Wohnungswesen über die Beteiligung am Verbände endgültig Bestimmung getroffen werden. Gegen den Möbelwucher. Die PreiSprünmgSsielle w- oß-Berlin teilt mit: In letzter Zeit ist in der Oeffentlichleit verschiedentlich die Ansicht vertreten worden, daß Möbel nicht zu den Gegenständen des täglichen Bedarfs zu rechnen seien. Wäre die« richtig, so würde es einen Freibrief für jeden Mvbelwucher bedeuten und besagen, daß der Werkauf von Möbeln überbaupr kemerlcr PreiSbcschräukungen unterwarfen sei. Demgegenüber wird darauf hingewiesen, daß nach Auiiassung der maßgebenden Behörden Möbel keineswegs grundsätzlich von den Gegenständen deS täglichen Bedarfs, ans welche die Kriegswucher- bestimmungen ohne weiteres Anwendung zu finden haben, auszu- nehmen find._ Die sozialdemokratische Stadtverordnetenfraltion hat der Berliner Stadtverordnetenversammlung folgenden Antrag unterbreitet:.Die Stadtverordnetenversammlung wolle beschließen, den Magistrat zu ersuchen, mit ihr in gemischter Depuiation über die Umgestaltung der städtischen Armenverwallung in ein»Städtisches Wohl- fahrtsamt' zu beraten. Kunsthonig. Auf Abschnitt 54 der Lebensmittelkarte der Stadt Berlin euisällr Vj Pfund Kunsthonig. Der Preis beträgt 37 Pf. für 1„ Pfund, 73 Pf. für ein Pfund im Ausstich und 75 Pf. für ein Pfund in seriigen(Psund-j Packungen. Der Bestellabschnut 54 darf nur in demjenigen Geschäst. in dem der Verbraucher zum Zuckerbezug in das Kuudenverzeichnis eingetragen ist, abgeliefert werden und zwar vom 20. bis einichließlich 2g. Juli. Städtisches Brennholz. Der Magistrat Berlin gibt auch weiter- bin Brennholz an die minderbemitielie Bevölkerung zu ermäßigten reisen ab. Die Abgabe erfolgt auf neue blaue Brennbolzkarten, die wie bisher bei den Brotkommissionen vom 1. August ab auS» gegeben werden. Die bisher gültigen braunen Breniiholzlarten verlieren mit dem 3l. Juli ihre Wirksamkeit. Die Ausgabe von Britmholzkarten erfolgt an Berliner Haushaltungen in Wohnungen mit höchstens drei heizbaren Zimmern einschließlich Küche, wenn das steuerpflichtige Einkommen des Haushaltungsvorstandes nicht mehr als 4200 M. beträgt. Der Verlauf des Holzes findet statt in den durch ein besonderes Schild als.Holzverlaufsstelle der Berliner Brennstoff-Beschaffungs-Gesellschast m. b. H." kenntlich gemachten Hotz- oder Kohlengeschäften, außerdem auf den bekannten städtischen Lagerplätzen. Der Preis für das Brennholz beträgt 2,20 M. für ein Zwanzigstel Raummeter. Tic Lichtspiele Nene Philharmonie, Cöpenicker Str. 90)97, bringen vom 20. Sult bis 1. August die Uraufführung des Fluntve-les„Um des Vaters Erbe". Hierzu gelangt das Filmwerl»Der Todesjockei" zur Slus- jührung. Automoliilunglück in der Lehrter Straße. Als Mittwochabend gegen 11 Uhr eine Kompagnie Soldaten singend durch die Lehrter Straße marschierte, fuhr ein aus der Perleberger Straße in schneller Fahrt einbiegendes Militärauto mitten in die Truppe hinein. Eine Anzahl Soldaten, von denen fünfzehii sofort in Lazarette geschafft werden mußten, und drei Zivilpersonen wurden überfahren und mehr oder weniger schwer verletzt. Ein LckrnSmittrlschwindker in feldgrauer Uniform treibt in den südöstlichen Orten der weiteren Umgebung Berlins mit gutem Erfolg sein Unwesen. Der Gauner sucht die Gasthäuser auf und erzählt dort, er sei auf dem Viehhof beschäftigt und daher in der Lage, Fletsch, besonders Schweiuefleisch, zu besorgen. Ein großer Posten Fleisch lagere bereits in Cöpenick und könne sofort geliefert werden. Auch zur Beschaffung anderer hier kaum mehr vorhandener Waren erbietet sich der Schwindler und läßt sich unter allerhand Vorspiegelungen das Kaufgeld oder einen Teil im voraus zahlen. Dann verschwindet er natürlich auf Nimmerwiedersehen. Auaen- bl'cklich ist der Betrüger besonders in Erkner, Ncnsittau und Um- gebung ausgetreten und hat dort verschiedene Personen um erheb- jiche Beträge geschädigt. Der Schwindler, der feldgraue Infanterie- uniform trägt, ist mittelgroß, glattrasiert und hat cine starke Glatze. Er tritt sehr sicher auf und versteht es dadurch, sich überall Ver- trauen zu erwecken. Von dem bekannten„Enten-Brnnnen" an der Ecke Hardenberg- und Kncscbeckftraße in Charlottenburg, einem Werke des Tier- plastikers Gaul, ist in der Nacht zu Sonntag eine der beiden Bronze- gruppen gestohlen worden. Friedrichshagen. Lebensmittel. Für diese Woche werden pro Kopf 2 Pfund Kartoffeln und für den Rest der Abschnitte Er- satzmitrel verteilt.— Ferner gelangen bis morgen aus Abschnitt 115 der blauen Lebensmittelkarte je 200 Gramm Graupen zum Preise von 10 Pf. zur Ausgabe. Reinickendorf. Lebensmittel. Auf Abschnitt 43 der Lebensmittel« karte für Groß-Berlin werden 100 Gramm Grieß abgegeben. Die Anmeldung bei den Kleinhändlern und den amtlichen Verkaufs- stellen hat bis einschließlich 80. zu erfolgen. Verkaufspreis für 100 Gramm 7 Pf., Pfuudpreis 32 Pf.— Da der Waggon Eier stark beslohlen worden ist. könne« die Einwohner deS östlichen Ortsteils vorläufig, bis Eriatz geleistet ist. nur ein Ei erhalten. Die Händler haben in diesem Falle bei Abgabe der Eier nicht den Abschnitt IIB abzutrennen, sondern das Mittelstiick der Eierkarten abzustempeln. Erst bei Abgabe des zweiten Eies, dessen Nachlieferung nach Mög- lichkeit beschleunigt werden wird, ist der Abschnitt HB von den Händlern abzutrennen. Die E er nrüffen vom 27.— 31. entnommen werden. Preis 38 Pf. für 1 E>. Hennigsdorf. Lebensmittel- und Kohlenmisere herrscht— wie uns eine Zuschrift mitteilt— auch in diesem Orte des Osthavel- lands. Die Fettration ist klein oder fällt gänzlich aus, Brotaus- strich, Marmelade usw. gibt es zuweilen mehrere Wochen lang nicht, und Kartoffeln erhält man nur, wenn man— zum Teil schon un- brauchbares— Gemüse mit in den Kauf nimmt. Die Kohlender« sorgung ist mangelhaft, nur die in der Filiale der A. E. G. be- schäftigten und von ihrer Firma belieferten Beamten erhalten ihren Teil.— Soweit die Zu'chrifr, aus der wir ersehen, daß es in Hennigsdorf leider genau so ist, wie heutzutage überall in mär» kischen Landen. Oder sollte es doch irgendwo eine Gemeinde geben. deren Einwohner keinen Grund zu berechtigten Klagen haben? Dann bitten wir, uns umgehend ihren Namen zu nennen. Wir wollen ihn der staunenden Mitwelt gern bekanntgeben, während uns zur Veröffentlichung aller Klagen und Beschwerden leider bald kein Raum mehr zur Verfügung steht. Groß-Serliner partemachrichten. Cöpenick. Mit der Berichlcrstattung deS Vorstandes beschäftigte sich die Versammlung des Wablvereins am 24. Juni. Nach dein vom Bezirksleiter Genoffen Nickel erstatteien Bericht haben im letzten Jahr zwei allgemeine Versammlungen, sechs Mitglieder- Versammlungen und ein gemeinsamer Zahlabend starrgefunden. An den Arbeiten zur ReichStagSersatzwahl in Niederbarnim bearbeiteten die Genoffen selbständig einen Landbezirk: 54 Genossen beteiligten sich an den Flugblattverbreiiungcn. Der Mitglftderbestand des Be- zirks betrug am 1. Juli 200 männliche und 85 weibliche. Im Laufe de« Monats sind wieder zahlreiche Anmeldungen erfolgt, so daß der augenblickliche Mitgliederbestand mit 300 überschritten ist. In der Diskussion vertrat Genosse Hcidpeck den Standpunkt, in Zu« kunft die Bezirkszahlabende wieder abzuhalten. Zur Wahl der Be- zirkSleitung gelangte einstimmig ein Alilrag zur Annahme, wonach die amtierenden Mitglieder wieder mit den Funktionen betraut wurden. Reviioren wurden die Genossen Gnädig und Schütze. Be- züglich der nächsten Sladtverordnetenwahlen, an der die Partei in der dritten Abteilung mit seckS Mandaten, darunter vier Haus» befitzer, beteiligt ist, wurde beschlossen, die Vorarbeite» der Bezirks- leitung mit einer Koinmiisio» zu Lberiragen. Zu Mitgliedern der Kommission wurden die Genossen Guddai, Heidpeck und Klauck ge- wählt. Den Schluß der Verhandlungen bildete eine längere Aus« spräche über die Lebensmittelversorgung. Fichtenau. Zusaminenkuiift aller Parteigenossen am Sonn- abend, 27. Juli, abends'/g9 Uhr in Sperling« Kurparlrestaurant, Mitlelstraße. Gäste sind willkommen. Slvgrmeine Fainilienfierbekafse. Sonnlag. den 28. Juli: Zahl- und Aujnahmcraz von 3—0 Uhr in den Nejlaurauls Gcrichlstraße 12)13 und Buckower Straße 14._ Wasserstandsnachrichten der LandcSanstalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterbureau. ßmfPßftcn der EcdaPfbn. SIW. TS. 74. 1. Nach Potsdam. 2. Ja. 3. Ob Entlassung ctfolnt Ist. tnusjen Sie durch die Eintragunsi im Patz erleben. Uebrigcns unterstehen Sie dem Hilisdienstaesetz und dürfen die Arbeit odne Zlbkehrschein nicht wechseln.— Knete 15. 1. Nein. 2. Ein Abgeordneter kann Ihnen in der Sache nicht bellen. Ilnierstützmiii kann Ihnen bei dem angegebenen Ver- dienst verweigert werden, Beschwerde ist zwecklos.— rviazcdonicu CS. 1. Wenn Sic dienstunablömmlich sind, braucht der Besürtvortung des Ge- suchs aus Urlaub nicht Folge geleistet werden. 2. Natürlich besteht ein Unterschied zwischen„befürwortet� und„genehmigt', genehmigt wird das Gciuch vom Truppenteil. 2. Ja.—£>. Z. Vlunieustr. Sie können vom dortigen AintSgcrtchi schon seht eine Abschrist des Testamentes erbitten.— 5DI.«. 819. Eine solche Aimeeverordnung kennen wir nicht, sie wird auch kaum bestehen. Die Dienstcintellung mutz in einem solchen Fall durch den Vorgesetzten erjolgen. Ter Bruder soll eventuell Beschwerde führen. — P. I. 29. ES wird von Ihnen keine Steuer während der Mililärzeil vcrlanift, Sic werden aber zu dem jetzigen Einkommen eingeschätzt, da Sie im vorigen Jahre nicht einen vollen JabreSarbettSverdienst hatten. Wenn die Einschätzung dem jetzigen Einkommen entspricht, ist Ncklainalion zwechsos.— F. IVO. Ja.— No. 4C0S7. 20 M. für die Frau, 10 M. sür das Kind.— M. M. Es soll den Mannschaitcn alle Jahr ein Ur» laub gewährt werden. Wenn aber gegenwärtig dienstliche Gründe»s be- bindern, so müssen Sie sich damit absinden.— A. 3)1. 100. 1. Ja. 2. Ja. 3. Sie hätten das MicteinigungSamt anrufen tönncn. die Frist iit jetzt versäumt, Sie sind zum Auszug verpiiichtet.— A. 27. Nein.— R. 104. An das Stellvertretende Gcnerallommando des III. Armeelorps, Berlin, Genthinep Str. 2.— I. 39. 1. Allgemeine Körperschwäche und lungcn trank, zeitig dienstunlaugiich. 2. Nein, 3. Die Disjerenz zwischen Löhnung und Rente würde gezahlt.— ivt. M. 1. Nein. Oeatachen Theater. LotzteWoohe aliabontil 8 ü.! Max Pallenberg in Familie!$chimek. Kaminerspiele. AUabondlioh 7s/4 Uhr: Inkognito.(Operette.) Tolknbühne, Th.a. Bülowpl. Allabendlich l'l, Uhr; Ein Sommernaciitstraum. Tliealer des Westens Allabendlich T'/t Uhr: Sie Tänzerin. Thsaier Jj. Königgr&tzsrstr, iDrr.C. Meinhard— R. Bornauer. 8 Uhr: Die lünf Frankfurter. Komödienhaus 8 Uhr: l>le Zarin. BerHnerTheater 7"U: IIHtafclane» Sllnt. Tliealer der Friedriebstadl Ecke Friedrich- u. Liuienstr, 7'. Norden 8650. 7'/< Sie erste Seige. Sonut. 3'/, kl. Pr.: Jugend. ilorgen Sonnbend z. 1. Mole: Der goldene Spiegel. '�■iiäwwül"1""111 11 111 1 Adiniralspalast. | Die Prinzessin wn Tragants t ajilah. Deutsche Tänze f 1 Kühler Aufenthalt. Vi EcriiP-er Prater-Mrl Kasianienallec 7— 9. Täglich 6 Uhr in vollständig neuer Bearbeitung: W MMmMa. GrotzePosseN'Revue in 5 Bildern Dazu die grobart. SperlaiitSten tlaliollat-Ikeate� V48: NKuseltev. Theater lür Freitag 26. Juli. 7'U Uhr. 2, 8, 4, 6, 6 M. mit dorn Schwank T&gl.'i'U- 8onnt.3'/,n.7»/4 Groller Lacherfolg;! Oesamt-GaBtspiel des Hnrrnfeld- Theaters Die Kriegsgewinnler. Hauptroll.: Dir. Ä. Hermfeld, Ferd. Grünecker. Trianon-Theater Ehf Friodrichslr. Ztr. 4927. 2391 8 ü. Zum 329. Male: Der Sebenssshüler. Kaiser-Titz, Bildt, Flink. Sonnab nachm. lIA U. kl. Pr.: Schneewltlchcn. Sonntag 4 Uhr: Johannlsfeuer Rose-Theater. 7'/,u.: Die Prinzessin vom Nil. Garlenb.: Bitte rechtfreundlich I Beichshnlien-Theaier. Gasupiel der Lelpzigac Seidel-Sänger. Anfang 7'/, fth l.flup. Stettiner Sünger. fteichsliallon Saal u. Gurten' Itliithgrn- Konzert. Central-Theater vi, uhr: Die Mafcön. Deutschem Opvrnlianii fiSe«M Eelem Friedrich-Wilhcimst. Theater 7'/.tnir:D2SDPeÄPlhRl!S. T KoiulMOhe Oper u. SehwarzwaldiiiEdei. Sonnt. 8'/« U.: Die Kinokbnlgln. Kleines Theater 8 Uhr: Arlstid und seine Fehler mit BasaermacD. Metropol-Theater ßie Esse m Staishüi. VI, Uhr Luatspielhnna 7'/4 Uhr: Die spaiiisciie Fliege . Nsues Operetlenhaus Tv.uhr: Der Soldat öerMafie. Itesldrna-Thratrr v,, uhr: Flisnisr-KlÄi!. Schtllcr-Th. Ohurl. 7v. uhr: Alt-ßsiddherg. Thalia-Theater uh�iüterßerlsItedeiiLiaöe Theater am NoUe&dorfplatz 7'/, Uhr: BEB„HUS" ( Im 1. Akt: Hias und das Kammerkätzchen. SB Die Flucht des Hias aus französischer Gefangenschaft. ci Der Traum des verwundeten Leutnants, ig Im II. Akt; 1 Der gescherte Alisi. B Das ur- Ifidcie Front-Brettl. Bi Im III. Akt: Das Kriegsgericht. RS Die glänzende Film-Einlage;„Sturm auf Schloß Mont-Piaisier". Täglich 7'/, Uhr abends Sonntag tt Vorstellungen: 3'/. u. 7'/i Uhr WALHALLA Theater ♦ Weinbergsweg. Paisage-Theater iSA�RASASil Zirkus-Buseh-Geb&ude. TKgl. 7'/,, Mittw.. Sonnbd. u. Sonntag 3 u. 71/, Uhr: Fariisnirsle Siir bietet SARRASANI mit s. gewaltigen Massrrn- 3!anegc»olraustück „Torpedo— los!" den wirkung.sv. Aufzügen, den gr. nxtist. Nuramern in ernster Zeit. Morgen, Sonnabend: L Vorstellungen. nachm. 3 u. abda. 7Vi Uhr. Nachmittags zahlen Erwachsene und Kinder halbe Elntrlttspreiae. Unter den Llndon 22-23. üpfiiilfolirung! VIS MM U 1. Film der Theodor Loos-SAric 1018(19. Drama in 4 Aktea von U&bs Land. Uejtle; Artui Wellin. In den Hauptrollen: Tiieodsr Loos Ens Mk Täglich grosser Kassenandrang I Kolossaler Erfolg und viele Wilnecha des Publikums veranlassen uns zu einer Verlängerung bis t. Aupust. Sohaasplel In 4 Akten. Verfaast und inszeniert von Georg Alexander. In der Hauptrolle: Ada van Ehlers Searo Alexander ISpaunoucle xLeiterszenexi von den berühmten Cowboys ans Texas.| IOIe Hauptdarsteller sind heute abend 8 Uhr ra persönlich anwesend 1 LemiMhattshaus.; M?- Sonntag, d en 28. Juli 1918t-«l *m rü'.V'" Swnmela.«tue Mette" fein Stlftuii ästest ab. Hainprlstlsche und komlKche Vortrüge, und das Uerllncr Sinfonie-Orchester. Im herrlichen Natiirgartcn, der Oase beb Ostens— Treffpunkt unter dem Göttcrbaum— auf der Zterrassc Lorskinos ZMotis Salonkspelke. Abends: ttumorlstiLLds« Damentrio. lountog mittag: Wildstippe...... 0,50 Rheinlachs Es«, moufseline 6,00 Prinzetzdohnen m. Maljesh. 2,50 Hecht grün..... 4, CO L-lcinpiIze a, la maltre. 2,50 Schellfisch mit Senstunke 2,50 Gessügclleber im Tops '/. Bicriänder Ente. stalbSnierenbraten.. Käse Speis« Kompott, Salat. 4,00 7,50 3,50 Avis! Heute und morgen: Hühnerbrühe, a Liter 60 Pf., und darin gekochte Fetthühner, Fetthuhn 10 M._ Tfrt'f'fln 1 km v. Bhj. 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Kopenhagener Straffe 4> (Tchönhauier Allee), Lhriffburger Dtraffe L, (Prenzlauer Allee), Petersburger Straffe 4a (Frantsurier Allee), Boxhageuer_aitr. 19(Nähe Warschauer Stratze), Kottbuser Strafte 18(Nähe Hochbabnbos), Vergmaiinstraffe ÜI, «ursürstenstrafte 148(Nähe Potsdamer Stratze). Wtlmerödori: Wexstr. 88, am Ringbahnhos, Sharlotienburg: Bleibtren- straffe I(Bhs. Savignyplatz), Kiiobrlsdorffstr. Ii6(Nähe Eophte-Ehartotle-Platz). Neukölln:«aiser-Frledrich- Strafte IS. 35/18» Neue Mitglieder tönncn noch ausgenommen wcrden. Nu» private verbrauch. Zwischen- Handel ausgeschlossen. Näheres tn den ÄerteilnngSstcllcn während obigerGeschäjtsstunden und im Verwaltiingsbureau der Norddeutschen Gemtite» bau> lüenossenichast, Bnrg. straffe Ü7, III. Stock, Zimmer>S ( b. Zirkus Busch), lägh o. 10—7. (y nur Sonnabend, HVaUftpcn 2 Intl. von 10—6 Uhr, aite. am, zerbrochene gebskts im Hotel Zum grünen Baum, Srausenftr. 56/5?, Z:mm. 1 pri. 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Die Beerdigung findet am Freitag, den 26. Juli, nach« uiuiags 81/, Uhr, von der Leichenhalle des St. Sc- bastian-KirchhoseS, Reinickcn- dorf, Humboldistratze, aus stau. Rege Beteiligung wird erwartet. Den Mitgliedern serner zur Nachricht, datz unser Kollege, der Mechaniker IvIillL Zuckercisiilll cm 24. Juli gesrorben ist. Die Beerdigung findet am Freitag, den LL. Juli, nach. miitags 4 Uhr, von der Leichenhalle des tTemeinde- AriedhoseS in BogeiSdors aus statt. Rege Bdeiligung wird er. wartet 115/13 Nachrufe. Den Mitgliedern ferner zur Nachricht, datz unsere Kollegin, die Metallarbeitcrin Minna Hagier Däncnstr 18, am 10. Juli gestorben ist. Baugenossenschaft„Ideal" e. G. in. b. H. Allen Genossen, Freunden der Genossenschaft und] Bekannten die Nachricht, daß unser Vorstandskollege! Karl Mücke in Fratii Syell bei Bukarest, wo er sich als Hilfs- i dienstpflichtiger aufhielt, nach kurzem Krankenlager verstorben ist. 2791b| Wir verlieren in ihm einen von großer Mensohen- | liebe erfüllten Mitarbeiter, der sich um die Baugenossenschaft„Ideal" unvergängliche Verdienste j erworben hat Der Vorutand. Der Anruichtarat. Sozialdemokrat. Verein Berlin 1(S. P. v.l. Den Mitgliedern zur Nach- ficht, datz unser Genosse Karl Lechner Glo gauer Str. 32 am 19. Juli verstorben ist. Ehre seinem Andenke«! Die Einäscherung findet am Freitag, den 26. Juli, nachmittags 5 Uhr, im Kre- matcrium Berichlstr. 37/38, stalL Um rege Beteiligung er- sucht 211,9 Ter Vorstand. Den Mitgliedern ferner zur Nachricht, datz unser Kollege, der Maschinen- ß arbeitet' Rictwcl SchüHiacher Neukölln, Jägerstr. 44, am 16. Juli gestorben ist. Ehre ihrem Andenken! Tie Ortsverwaltung. Deailcher Cransportarbelierverband. BezirkSverwalt. Grotz-Berlin Den Mitgliedern zur Nach- richl. datz unser Kollege, der Droichkensührer 62/20 Otto kTBiike am 23. Juli im Alter von 67 Jahren verstorben isL Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 27. Juli, nad.mtttags4ff, Uhr, von der Leichenhalle des Emmaus- KirchMeS, Neukölln. Her« mannstratze 129, aus statt. Den Mitgliedern ferner zur Nachricht, datz unser Kollege, der Borner .�dolk Gerlach am 22. Juli im Aller von 64 Jahren verstorben ist. Die Beerdigung findet am Freitag, den 26. Jutt, nach- mittags 3 Uhr. von der Leichenhalle des Eoangeli- siben KtrchhojeS in Stegtitz, Bergstr. 38, aus statt. Kachraf. Den Mitgliedern ferner zur Nachricht, datz unser Kollege, der Hausdiener Hermann Tackmann von der Firma Saiomon, Bischosstratze 13. am 18. Juli im Mer von 55 Jahren verstorben ist Ehre ihrem Andenken! Die Bezirksverwaltueg. Verband der Gemeinde- und Staaisarbeiter. Filiale QroB-Berlin. Den Mitgliedern geben wir hiermit Nachricht vom Tode de« Kollegen Loren? Nowack von der Berliner Kanal!» satton. Ehre seinem Andenken, Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 27. Juli, nachmiltag« 8 Uhr, von der Leichenballe des St. Se- basNan-Kirchhofs, Reinicken- dorj-West, Humboldtstratze, au» statt. Um rege Beteiligung bei der Bestattung des Kollegen ersucht 32,19 Tie Ortöverwaltung. Den Heldentod sßrs Vater- tand starb am 15. Juii 1918 durch(Aranaten- Explosion imser lieber Sohn und Bruder, der Ersatzrejervist In tiefer Trauer Karl Sieberl und Frau, Hedwig als Schwester. Du warst so gut. Du starbst so früh. Vergessen werden wir Dich 183Aj nie! Ruhe sanft! An den Folgen einer im Felde zugezogenen krank- beit fwrd nach längerem Leiden unser Kollege Ut\ Lechner. Die Einäscherung findet am Freitag, den 26. Juli, nachmiltag« 5 Ubr, im Kre. matorium(Aerichtslr. 37,38 statt. Sein Andenken werden wir in Ehren hallen. Die Kollegen u. Kolleginnen d. Allgemeinen Ortskrankenkasse Berlln-SchBneberg. Infolge eines im Felde zugezogenen Leiden» ver- starb nach treuer Pflicht- ersüllung für sein Vaterland unser Mitarbetter, Herr Karl Lechner. Mit werden das Andenken des Verstorbenen m Ehren halten. 260,5 Der Vorstand d. Allgemeinen Oriskrankcn- kasse der Stadt Berlin- Schöneherg. AmDienSiag, den S3.JuIi, oerstarb plötzlich und un- erwartet meine liebe, un- vergetzliche Frau, Mutter und Tochter Klara öazifnsKi geh Slechert an den Folgen der Entbin- dung m der Künigl. Charit» im Aller von 29 Jahren. Dies zeigen allen Freunden und Betannten hierdurch an lleorg Beszynski, Lucie Basziuskt, Tochter, Frau Auguslo Stochert, Mutter, Bln-Lichtenberg, Kantstr. 14. Die Beerdigung sinder um Sonnabend, den 27. Juli, nachmittags 3'/, Uhr, von der Halle des Gemeinde- Frledhossc, Lückstratze, aus statt 129Ä Am Montag, den 22. d.M, entschlief nach langem, schwe- rem Leiden meine innigst- geliebte Frau, unsere Herzens- gute Mutter, Schwteger- mutter und Grotzmutter, Frau Knna Rosenhayn im 62. Lebcnsjabre. Die» zeigt tiesbetrübt an �.iixuat RoKcnhayn nebst Kindern. Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 27. d. M., nachmittags 4'/, Uhr, von der Kapelle de? neuen St. Johannis- FriedhoseS, PiLtzeniee, Jungsernbeide. aus statt. 2787b (Statt Karte».) Nur einige Tage nach dem Tode meiner heben Frau wurde mir auch mein ein- ziger lieber Sohn Stans im Aller von T1/, Jahren infolge schwerer Lungen- entzündung plötzlich und unerwartet dahingerafft. Verlassen stehe ich am Sarge meiner Lieben. Ernst Daus, zurzeit im Heeresdienst, nebst Angehörigen. Bremen. Berlin, Magde, bürg, 24. Juli 1913.[266 1 Wehmütige Erinnerung fi zum L4. Geburtstage, g Fern von der Heimat und leinen Lieben fiel am 23. Mai 1918 unser lieber, guter Sohn. Bruder. Schwager. Onkel und Bräutigam, der Muskeiier 27gSb Karl besser Jnh. d. Eis. Kreuze« II. KI.. im blühenden Aller von 24 Jahren. Im tiefsten Schmerz Deine trauernden Eltern und Getchwtfter. Fr. Lieschen Radte als Braut. Ein einsam Grab vom Tiurm umgrollt,— Keine Blume draus, keine Schnst von Gold.— DaS alles nur ist ihm geblieben,— Vom Jugendienz. vom Hoffen und Lieben. Dein L i e i e l. ! Für die liebevolle herzliche i Tetlnahme und zahlreichen LIumenipenden bei der Be« erdigung unserer lieben Tochter und Schwester 52A KIsn'ggsnvis lagen wir hiermit ollen Betei- ligten unseren herzlichsten Dank. Famllt« Thnrack. Ein wirisehaftllcher unseres Handels u. der Industrie wird die Folge dieses Krieges sein. Eine tief- greifondeAenderung unseres gesamten öftontlioh. Lebens 1 steht bevor und unzühlige ' Stelion worden neu zu ' schaffen sein. Es werden daher überall geprüfte und geschulte Kräfte gesucht sein. Beamte, Lehrer, An- S es teilte d. Handels u. d. In- ustrie sollten nicht versäumen, jetzt ihre Vorbereitungen zu treffon. Das beste Mittel, rasch u. gründlich, ohne Lehrer, durch einfach. Selbstunterricht auf ein Examen vorzubereiten, die Einj.-Freiw.-Prüfun» u. das Abitur.-Examon nachzuholen od. die fehlenden kaumänn. Kenntnisse zu ergänzen sowie eine vortr. Allgemeinbildung sich anzueignen, bietet die Selbstunterrichts- Methode..Rustin'*. Ausführl.60S. starke Broschüre koslonlos durch Bonness& Hacbfcld, PotsdiuB, Postfach 224. S- Nr. 203— 1918 Unterhaltungsblatt K�s Vorwärts IreZtag, 26. Mi Krieg unö Kunst. Der gegenwärtige Krieg hat, wie auf vielen anderen Gebieten, auch auf dem der Kunst in starkem Matze hemmend gewirkt. Wenn man von den Tageeproduklen einer fogenaiznien.Kriegskunst' ab- sieht, deren Wert in den meisten Fällen ebenso zweifelhaft ist, wie so manches andere Nriegsnährmittel, so steht die Kunst im alloe- meinen unter dem Zeichen lähmenden Stillstandes. Da« macht sich besonder« deutlich bemerkbar auf dem Gebiete der bildenden Kunst. Kein Wunder: Architektur, Bildhauerei und Malerei sind in der Hauptsache von der Bautätigkeit abhängig. Da diese ruht, sind auch die schmückenden Schwestern auf äutzerst schmale Rationen gesetzt. Sie fristen vorwiegend ihr Dasein in Ausstellungen und leben da, wie getagt, von der Kriegskunst und von der Ueberlieferung. Starkes Neuschöpferisches tritt nur äutzerst selten hervor. Dafür desto mehr Irampshafle Bersuche, von der Seite der Technik und der äutzeren Form her zu einem neuen Stil zu gelangen, um damit die Auf- merksamkeit auf ihre Urheber zu ziehen. An geistigem Gehalt, Ideenreichtum und Phantasie zeigt sich ein beträchtliches Manko. Auch die sogenannte.Neue Kunst' macht hiervon keine Ausnahme. Wo sind die Forlschritte geblieben der Eppressionistcn, Futuristen, Kubisten, und wie die»Jsien' alle beitzen, die noch vor Kriegs« ausbruch so stürmisch in« Zeug gingen? ES zeigt sich noch immer dasselbe unsichere Tasten und Experimentieren wie in den ersten Anfängen der Bewegung. vorausgesetzt, dah diese Bewegung überhaupt entwicklungsfähig ist, so hat der Krieg auch diese Ent- Wicklung jäh unterbrochen, zum mindesten stark verzögert. Die geistige Depression, die der Krieg im allgemeinen verbreitet, lätzt eS auch in der Kunst zu keinem freien, aufatmenden Schaffen und Neugestalten kommen. Ein grotzer Teil der bildenden Künstler be« findet sich autzerdem im Heeresdienst, darunter manches führende Talent, deren Kräfte entweder ganz vom Dienste in Anspruch ge- nommen werden oder sich doch nur in geringem Matze künstlerisch betätigrn können. Also im allgemeinen: Stillstand im Bereiche der bildenden Knust. Nur in der Herstellung von KriegSbildern, die wie Pilze aus dem Boden schietzen, und von Denrniälern für die Gefallenen bat der Krieg befruchtend gewirkt. Aber auch hier kann man nicht sagen, datz der Krieg einen neuen künstlerischen Ausdruck geschaffen oder hervorgerufen hat. Da« Auge, da« diese Bilder aufnahm, ist noch in Friedenszeiten geschult worden, und die Formen, in denen die Bilder zu nnS reden, wurden schon vor dem Kriege entwickelt. Gewitz mag uuS manches kriegsgefchaffene Wert eigcnarrig er- scheinen, ober das liegt mehr am Stofflichen als an der Darstellung. Die meisten KriegSbilder, wie z. B. die von Vollbehr. feffeln in der Hauptsache durch die möglichst gelreue Wiedergabe einzelner Aus- schnitle ouS dem KiegSgesckiehen, und zwar der äutzeren Erschei- nung diese» Geschehens. Aber auch bei den Künstlern, die das KriegöcrlebniS tiefer und innerlicher fassen, wie Dctlmann, Lührig ii. a. erickieint der Krieg im künstlerischen Lichte deS Friedens ge- iehen und gestaliet. Auch die Talfache, datz die moder»e» Kriegs« bilder weniger von Byzantinismus erfüllt find, als die früherer Epochen, ist zum Teil der Geichmacksentwicklung der letzten Friedens- jähre und zum andern dem Umstände gutzuschreiben, datz der gegenivärtige Krieg rein stofflich sehr wenig Gelegenheit zu solcher Liebedienerei in der Kunst bietet. An Stelle des gravilälifch auf- gebauten Feldherrnhügels»st heute der weitverzweigte und in der El de versteckte Schützengraben getreten, der ein sehr' ungeeignetes Feld für Fürsten« und Heerfübrerverherrlichung darftelh. An denen Stelle zeichnet und malt der Künstler jetzt die zahlreichen Teil- erscheinungen, die den Krieg von heule in ihrer Bielfältigkeit und doch au-b wieder grauen Cnitöiiigkeit das charakteristische Gepräge geben. Diele demokratischere ÄriegSdarstellung ist also weniger dem Kriege an sich zu danken, als vielmehr der besonderen Form, in der wir ihn heute erlehen. Der Krieg ist heute ernster und tief- wühlender geworden, als er in früheren Zeilen war. Er wird mit den Nerven und dem Blute des ganzen Volkes geführt. Das gibt nuch den Ktiegsdorstcllungeii grötzercu Ernst und gröbere Sachlich- kell als den früheren, die zum grötzieu Teil Schlachtenbilder als zirzensische und thealralijche Schaustückc behandelten. In dieser Be- ziehung hat ja gerade noch der Krieg von 187»— 71 eine unheimliche Menge von Produkten hervorgerufen, deren Kunstwert in gar keinem Verhältnis steht zu den riesigen Mitteln, die dafür aufgewendet wurden. Es lei nur eriimert an die bekannten Rundpanoramen und an die zahllosen fabrikmätzig hergestellten Standbilder und Bildnisse von Fürsten und Heerführern. Auch wenn wir in der Geschichte weiter zurückgehen, finden sich zahlreiche Beispiele deS verderblichen Einflusses, den der Krieg zu allen Zeiten auf die lünstlerische Betätigung ausgeübt hat. Sic erinnern an das Wort Schillers:„Wo rohe Kräfte sinnlos walten. da kann sich kein Gebild gestalten.' Von den bruial-simplen alläpyptischen Reliefs im grotzen Tempel von Abu-Simbel an- gefangen, aus denen Ramfe» II. in barbarischer Art seine Feinde niedetmetzelt, über die Vernichtung der altgriechifchen Kunstblüte durch den Peloponnesischen Krieg und die Zerstörung der deulscheu Kinistblüle durch den Dreitzigjährigeu Kiieg hinweg bis auf die Herabdrückung und zum Teil gänzliche Lahmlegung des künstlerischen Schaffens in unseren Tagen, in dsneü man Hilfsaktionen für die durch den Krieg in Not geratene Künstler ins Leben ruft, hat sich die Kunstfeindlichkeit des Krieges erwiesen. Ist nun aber auch die Kunst in gleichem Matze eine Feindin des Krieges? Die Frage wird man kaum bejahen können, wenn man sich die zahlreichen Schöpfungen der Vergangenheit und Gegen- wart vor Augen hält, in denen der Krieg durch die Kunst in« Heldische und Gigantische erhoben wird. Sehr oft wird' auch von der Kunst das Motiv des Krieges benutzt, um die ästhetische Freude an der Eulfaltung der Kraft wachzurufen. Alle diese Werke, von dem gewalligen.Kampf der Götter mit den Giganten' am ZeuS- altar zu Pergamon angefangen, bis zu den in?„Moimmenials' gesteigerten realistischen Darstellungen deS Krieges unserer Tage haben nicht wenig dazu beigetragen, das Motiv deS brutalen Kriege? der Leiber selbst als etwa« GrotzeS und Gigantisches emp- finden zu lassen. Man hat sich vielfach durch die Grütze, mit der die Furie dargestellt wurde, für die Furie selbst begeistern lasten, ähnlich wie der jugendliche Leser eine« Schauerromans der über der Berfchlagenheit und Kühnheit feines.Helden' dessen Verbrecher- »atur übersieht. Jedoch mehren sich in der Gegenwart inimer mehr die Künstler, die in die innere Natur des Krieges eiudiingen, diese zur Darstellung zu bringen suchen. Der Krieg, wie ihn uns z. B. Böcklin zeigt, braust mit furieiihafler Gewalt, Länder und Städte verfinsternd und zerstörend, über die Eide, und der gegen- wältige Weltkrieg hat, wie vielen anderen auch so manchem Künstler die Augen über sein wahres Wesen geöffnet. Sie schaffen Werke im Geiste eines Francisco Goya, in denen sich die Stimme der Vernunft und der Menichlichkeit gegen den wahnsinnigen Völker- mord erhebt und die die Seele seine ganze Greulichkeit empfillden lassen. Aber auch die Anschaulichkeit der rein sachlichen Darstellungen, wie im weiteren Verfolg der Ziele eines Wereschtschagin viele Künstler heute das Kriegsgeschehen formen, dürfte in Zukunft manches zur bestercn Erkeuninis deS wahren Wesens des Krieges beitragen. DaS alle« deutet darauf hin, dah sich die Kunst mehr und mehr zu einer Richterin und Ueberwinderin des Krieges wan- dein wird, unter deren mächtiger Mithilfe der Krieg aus den Herzen der Menschen ausgerottet und an besten Stelle die Liebe zu den Werken de« Friedens gesetzt wird und die. von keinem Welt- brand mehr peiährder werden können. Eine neue Aufgabe sällt dann der Kunst zu: Das Ideal der Solidarität der Völler zu singen »nd zu formen in dem allgemeinen Kampfe für die Erhaltung und kulturelle Höherentwicklung der ganzen Menschheit. _ Max M e n z e r. ZNehlsurrogate. Im grotzen Hörsaal des Botanischen Museum? in Dahlem sprach Professor Dr. Gräbner am Mittwoch über Mehlsurrogate. Eine Pflanze, die früher kaum beachtet, ja häufig als lästiges Un- kraut angesehen wurde, die man aber in der KricgSzeit als äntzersi nützlich erkannt hat, ist der Rohrkolben iTypha). Wohl jedem ist sie durch ihre braunen Kolben, die Bumökculen oder Schmacke« dulschken bekannt. Der Wurzelstock, die Grundachse, ist in hohem Grade stärkehaltig und daher zur Mehlgcwinmmg äutzerst gut ge- eignet. Die Kolben werden als Watiecrsatz verwandt, und aus den Faiern verfertigt man Webstoffc. Auch die Wurzelstöcke der See- roien und Mummeln sind sehr stärkehaltig. Die Gewinnung deS Mehls im Haushalt erfolgt in derselben Weste, wie früher hier die Kartoffelstärke gewonnen wurde. Die Wurzelstöcke werden zerrieben und ausgewaschen. Bei der grotzen Ausdehnung, die besonders die Robrkolden in manchen Gegenden Deutschlands besitzen, können grotze Werte, auch in der kommenden FriedenSzeit. innerhalb deS Landes gewonnen werden. Auch die Wassernuh. deren Wurzeln sützliche, nutzarlig schmeckende Kerne bilden, kommt als Ersatz für Mehl in Betracht. Jetzt ist ihre Verbreitung stark zurückgegangen, während sie früher weit häufiger vorkam. So wurden die Kerne vor etwa 20 Jahren noch in Dessau auf dem Markt verkauft. Eine andere Pflanze, deren Früchte bisher nicht ausgenutzt wurden, ist die Notzkastanic. Die Kastanien haben einen herben, bitteren Geschmack, so datz sie im natürlichen Zustande nicht Der- wendet werden können, auch nicht als Äiehfulier. Sie müssen des- balb, nachdem sie getrocknet, zerschnitten und möglichst fein gemahlen sind, mit Sodawasser behandelt werden. Man gewinnt aus den Kastanien Mehl, Oel und Saponin, einen Seijenstoff. Bei den vielen Millionen Zentnern Kastanien, die Deutschland jährlich her- vorbringt, können auch hier grotze Werte nutzbringend verwandt werde», die vordem nur als Kinderspielzeug oder zur Hciftellung von Schncebcrgcr Schnupftabak gebraucht wurden. Als ein weiteres Meblsurrogat dürfen die Samen der Melde- dieses weit verbreiteten Unkrauts unserer Aecker, angesehen werden. Die Blätter dieser Pflanze lönnen als Spinat gegessen werden. Die Samen werden mir Wasser aufgekocht und dadurch enlbincri und dann als Mehl oder Grietz verwandt. In Nutzland wird in schlechten Erntejahre» vielfach Brot auS Mcloemehl gebacken. Schon Virchow brachte von dem medizinischen Kongretz in Moskau, der in den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts stattfand, sogenanntes.Hnngerbrot' mit, daZ sich bei genauer Untersuchung als Brot aus Meldesamen erwies. Der Vortragende Uetz auch ein Fläschchen bei den Hörern herum zeigen, das Sirup aus Quecken wurzeln ciuhielr. Dieses Unkraut, das ein rechter Greuel jedes Ackerbauers und Lauben- kolonisten ist, besitzt keine Stärke, wohl aber einen hohen Zucker- gehall in seinen Wurzeln. Eine Rohcpostanlage füe pskete. Während die öffentlichen Nohrpostanlagen nur zur Beförderung von Briefen dienten, existiert in Beilin bereils eine private Royr- postanlage für Pakete. Sie befindet sich auf dem Grundstück der Nordstern-Vcrsicherungsgesellschajr neben dem Schönebergcr RathauS und dient zur Beförderung von Paketen. Alunbündeln und dergl. Die Länge ihrer Leitungen beläust sich aus rund zwei Kilometer. Alles in allem sind 2v Rohrpoststalionen angehlacht, die nilt 52 Apparaten oukgcsioirel sind. Die Beförderung geschieht ähnlich wie bei der Rohrpost für Briefe in Büchsen, die natürlicki emipiechend grötzcr gehaUcn sind. Jede Büchse kann Pakete im Gewicht von 5.5 Kilogramm aufnehmen, deren Länge 40 Zenlimenter und deren Höhe 12 Zentimeter beiragen darf. Die mit Paketen gefüllte» Büchsen werden mit Hilse von Druckluft durch die Rohre hindurch- getrieben. Zur Erzeugung dieser Druckluft dienen, wie die„Elektrotechnische Zeitschrisr" mitteilr, elektrische Gebläse. Bei der guten Durch- bildung derartiger Gebläse«st mit Störungen nicht zu rechnen. Damit aber, falls unerwarteterweise'doch ciiiinal solche auftrcicn sollten, bei der Vornahme von Reparaturen der Betrieb keinerlei Störungen erleidet, wurde noch ein AusyilsSgcblüse angebracht. An den Rohrleitungen sind besondere Sigiialeinrichtunge» an- gebracht, die sofort erkennen lassen, ob sich eine Büchse im Robr befindet oder nicht. Es tonnen täglich rund 900 niit Paketen gefüllte Büchsen befördert werden, wofür sich die Stromkoslen auf nur 8 M. belaufen. Die Besördc- rungskosten für eine Büchse betragen aiso etwa 0.88 Pf. In dem Matze, wie die Leitungen verlängert und ihre Benutzung gesleigerl ivird, verringern sich aber diese Kosten noch weiter. Mit dieser Nohrpostanlage für die Beförderung von Paletcn ist eine Vorbild- liche Einrichtung geschaffen worden. Das ganze System scheint in hohem Matze geeignet, auch für den Po st betrieb gute Diensie zu leisten und insbesondere zur beschleunigten Zustellung von Eck- Paketen sowie von kurz vor Abgang der Züge aufgegebenen Paket« sendungen u. dergl. zu dienen. Dr. A. N. Notizen. — Rudolf Kleinpaul, ein bekannter Sprach- und Kultur- historiler, ist. im 74. Lebensjahre in Leipzig gestorben. Auster seinen zahlreiche» Reisebeschreibuiigen vorzüglich aus Italien, sind seine kleinen in der Göschen-Sammlung erschienenen bclcbreiid-unlcr- haltlichcn Bündchen über Personen-, Länder« und Völkernameli in Deutschland in weite Kreise gedrungen. Sie sind cbenso vieljeing wie populär. — Die Urania wird am Sonntag wieder eröffnet mit dem Vortrag.Die Fahrten des Hilfskreuzers Wolf'. 46j LoSZ. Das gelobte£and. Roman von W. St. Reymont. IX. Trawinski entfernte sich ganz niedergeschlagen. Auf dem Wege zu Borowiccki war er dos Erfolges seiner Bitte last sicher gewesen. Wie jeder Mensch in einer Lage ohne Ausweg, hielt auch er Wünsche für Wirklichkeit, für eine Tatsache, die unbedingt eintreten mußte. Er bestieg eine Droschke und ließ sich direkt in die Piotrkowerstraße fahren. An nichts denken konnte er, ganz zerschlagen fühlte er sich und unfähig zu jeder Aktion, zu jeder Bewegung. Mit der Passivität der Erschöpfung gab er sich der scharfen, durchdringlichcn Bitternis hin. die sein Herz crsüllte. Er schaute auf die schmutzige, nasse Stadt, auf die dreckigen Bürgersteige, die mit Menschen vollgestopft waren, auf die unzähligen Schornsteine, die wie hohe Pappeln sich über die Flächen der Dächer erhoben. Fast verzweiflungsvoll schaute er hin. Er fühlte seine Ohnmacht, er fühlte, ini nächsten Augenblick mußte er aus diesem riesigen Strudel, auS dieser Maschine, aus diesem Lodz herausgeschleudert werden, wie ein Abfall, wie eine ausgesogene und zu nichts mehr taugliche Masse, die dieses Ungeheuer nicht mehr braucht. In ohnmächtigem Haß schaute er auf die in der Dämmerung mit tausend Fenstern leuchten- den Fabriken, auf diese riesige Straße, die wie ein von Rauch und dem schmutzigen Himmel bedeckter Kanal dalag, auS der Energie hervorheulte, die Ströme Lichts weithin ergoß und in der eine mächtige Lebenskraft pulsierte. Mit den Augen glitt er an den scharfen Umrissen der Fabriken ent- lang; das dumpfe, in seiner Unablässigkcit mächtige Sausen, dos sich von den Fabriken und Werkstätten ergoß, tat ihm weh. weh tat ihm das so stark pulsierende Leben, und weh tat ihm das furchtbare Bewußtsein des Absterbens, das mit hem letzten Blick noch merkt, wie viele noch am Leben bleiben! Dieses Bewußtsein durchbohrte ihm die Seele mit unaus- sprechlichem Neid. Er verstand es nicht, in dieser Welt zu leben. Er verstand es nicht, sich der Umgebung anzupassen. So viele Kräsre hatte er aufgebraucht, soviel Gehirn, so viele Mühen, so viel eigene und fremde Kapitalien; so viele gramvolle Jahre hatte er durchlebt, und wozu das alles? ... um wieder von Anfang an dasselbe zu beginnen, wieder daS Gebäude aufzubauen, das schließlich doch über seinem Kopf zusammenstürzen würde. Furchtbar quälte er sich, konnte es nicht mehr in der Droschke aushalten, stieg aus und ging die Piotrkower Straße entlang zu Fuß weiter. Er wollte zu Baum gehen, wie Borowiccki es ihm geraten hatte, zog es aber vor. den Augenblick der letzten Enttäuschung noch etwas hinaus- zuschieben; übrigens konnte er sich von der Straße nicht losreißen. Er versank in der Menge, die über den Bürgersteig flutete, ließ sich von ihr stoßen und tragen. Gedankenlos schaute er sich die Auslagen an, kaufte sogar in der Konditorei etwas für seine Frau, begrüßte da einige Bekannte und ging weiter, in den Anblick der Fabriken vertieft, der beleuchtetet, Fenster, hinter denen die Silhouetten von Maschinen und Menschen herumhuschten; langsam betäubte er sich mit diefein Getöse und wurde immer gleichgültiger. Den Regen, der andauernd herunterrieselte, beachtete er nicht, er vergaß sogar den Schirm aufzuspannen. Nichts sah er außer den mit Menschen und Waren angefüllten Kontors und den hastig arbeitenden Fabriken. „Guten Abend, Herr Trawinski." „Guten Abend, Herr Holpern!" Er drückte die ausgestreckte Hand des hohen, recht nach- lassig gekleideten Mannes. „Gehn Sie in der Stadt spazieren?' „Ja. ich wollte etwas herumgehen. Lodz ist sehr schön in der Dämmerung. Ich gehe jeden Tag nach dem Kontor bißchen spazieren und mir die Stadt anschauen." „Sie sind ein Genießer, Herr Halpern." „Was ivollcn Sie, wenn man scchsundfünfzig Jahre in einer Stadt zubringt, sie immer sieht, alle Menschen kennt, dann kann nian's werden." „Was hört man Neues in der Stadt?" „Was nian hört? Nur Schlechtes, einen schönen Regen von protestierten Wechseln haben>vir jetzt, man kann sie pfundiveisc kaufen. Aber das macht nichts." „Wieso denn?" „Die Lumpe holt der Teufel, und Lodz bleibt. Ich habe schon schlimmere Zeiten in Lodz erlebt, Herr Trawinski. Da aber auf die schlimmen immer bessere folgen, wird's auch diesmal so sein, was soll man da so viel Aufhebens machen« Für die Klugen ist es immer eine gute Zeit." „Und wann kommt sie sür die Anständigen?" fragte Trawinski ironisch. »Pst, Herr Trawinski, die Anständigen kommen in den Himmel, wozu also gute Zeiten jür sie „Großmann ist angeblich abgebrannt." „Sehr ordentlich, sehr ordentlich; die zweihundertfünfzig- tausend von der Versicherung hat er beinahe in der Kasse. Aber Goldstand, der heut' nacht abgebrannt ist, der hat'ne kleine Mißhclligkeit mit der Polizei. Recht so, wenn einer keine guten Geschäfte zu macheu versteht, dann soll er erst gar tiicht anfangen." „Wer ist denn jetzt an der Reihe?" „Von den besseren A. Richter und F. Fischbein." Borowiecki sagte mir dasselbe." „Herr Borotviecki, ho, ho. ho! Er kennt Lodz, er weiß, was einer nötig hat." „Na. aber Sic kennen doch Lodz auch gut." »Ich? Ich Hab' ganz Lodz im Kopf. Seit fünfzig Jahren seh' ich seder Firma zu, die aufgemacht wird. Ich kann heute fast mit Sicherheit von allen, die Geschäfte auf- machen, sagen, ob sie leben werden. Glauben Sie mir. Herr Trawinski, mein Wort ist kein Wind, mein Wort ist ein Dokument. Ein Wechsel mit dem besten Giro." TrawinSki erwiderte nichts z schweigend gingen sie neben- einander. Halpern hielt den Schirm vor und schaute liebevoll auf Häuser und Fabriken; in seinem blassen, mageren Gesicht, das ein weißer Bart umrahmte, schimmerten große, schwarze Augen wie Phosphor. Er sah auS wie ein Patriarch. Der Kopf saß auf einem hageren, gebückten Skekett, das in einen langen, fleckigen Mantel gekleidet war; er hing Ivie au einem Stock an ihm herunter. „Ich kenne hier jedes Haus, jede Firma," begann er mit Innigkeit. „Ich kannte Lodz, als eS zwanzigtausend Menschen hatte, und hcnte hat'S vierhimderttmisend! Ich werde es noch er- leben, wenn es über eine halbe Million haben wird, früher srerb' ich nicht! Ich niuß daS mit meinen eigenen Augen sehen, ich nruß meine Freude haben." „Wenn es nicht vorher eingeht", flüsterte Trawinski gehässig. „Ha, ha, ha! reden Sic doch nicht so komische Sachen, Herr Trawinski! Lodz ist, Lodz bleibt! Sie kennen es nicht! Wissen Sie, Ivie hoch der Ninlauf im vorigen Jahre war? Fünfhundert Millionen Rubel!" rief Halpern enthusiastisch und blieb auf dem Bürgersteig stehen.„Das ist ein schönes Geld. Zeigen Sie mir doch eine zweite solche Stadt!" „Man braucht nicht so viel Aufhebens davon zu machen; und übrigens haben Sie recht, so eine zweite diebische Stadt gM's in garrz Europa nicht." Er sprach ärgerlich. lLorts.{olaU Kekmmwmchttng. Kertküllllg noa KaaHsaig. Gemüß g S b«c 8«r»rbmj«g dcS Magistrats Berlin über LcbenSmiiteikarten von, IS. Oktober ISIS wird für den Ge- meindebezrrk der Stadt Berlin bestimmt: I. Auf Abschnitt M. 54 der Grofi-Bcrliner Lebensmittelkarte mit Austruck„Stadt Berlin' ist-/, Pfund Kunsthonig ab- zugeben. Die Preise für Hunst�oniz betrage»: 37 Pf. für% Pfund> im 7».. 1. j 75.. 1 Ausstich in fertigen Pflmdpackungem Der Beste»»H?chniM Vir. Sl her»reß-Derlmer LebenZmittel- kente mit Alpdruck„Stadt Berlin' darf«nr in demjenigen Geschaht, in dmn der Sterbrancher zum Zuckerbezug in das Knnbciiberzeichnis eingetragen ist. gegen Wstempe- lung des EmdfangSabfchnitteS abgeliefert werden, und zwar in der Zeit v»m Fminff, den UO. Allli 1918 bis Montag, den 39. Jnli 1918 einschließlich. Nachträgliche Anmeldnnge« finden nicht statt. IV. Feder KfeiabinWar ist»«pflichtet, fabald er die Ware zur Steve hat, den Berkanfsbeginn durch Anschlag anzuzeigen. Der Käufer ist vervstichtet, bei der Entnahme des KunstbonigS den EmpfangSabichnitt vorzulegen. Der Verkäufer hat den Empfangs- abschnitt abzilfihneiden und an sich zu nehmen. V. Die Kieinhiindter baben d,« von ihnen«igenonnnenen Be- itellabschliitte an den Gropbändler, von dem sie den Kunsthonig beziehen, entweder durch Boten oder eingeschriebene« Brief abzuliefern, nnd zwar bis Wittstmch, den 31. Juli 1918. Die Neberfmrdnng durch gwwihnlichen Brief ist«n- zuliiffig. Der Mrofchändtcr hat die AbfchnUte sofort an die Zilcker.ZnteilmigS-Gcfclljchaft weiterzugeben; von dieser sind die Abschnitte bis zum DieuStag, de« 6. August 1918, der Zuckcrvorssrgungasteil» amgnreichen. Berlin, den S4. Fakt ZS1S.' Magistrat der Königliche« Haupt- nud Residenzstadt. Zmkeri»erf»«-zun§Sstelle. �Bekanntmachung. Die hSlzerne Bedürfnisanstalt in der Weberwiefe an der Mcme'.er Etrasie, Ecke UäuigSberger Sirasie, soll aus M- bruch an den M-istbietend«, verlauft werden. Die Bedingungen liegen im Bnreim del Gtidttschen Diefbauamts IV, Alexander- platz 4, während ficht ank. der Dtenstftunden von 8—3 Uhr zur Ein- Echttftliche Angebote sind mit der Anfschrlft:„Angebot aus den Abbruch der BcdürfniSmiftaU in der Aeberwiejc' versehen und verschtoffvn bit zum Mittbvoch, 7. Muznsi,»littags 13 Uhr, beim Tiefbammit IV«ngurcich«. Berlin, den 1». Fult 1SI,. Stiidtisches Tiefbsuamt IV. A. v.: LeerbretS, Reg.-Banmeister. Ü1SZ/4 Wff" MkM?«. VerkÄNf: SrHen, Uhren, Ringe, sild. Tasshen usw. Eelethnufr j«dor Wertsache. ihhaus Moritzplatz 58a Verkauf von Pelzwaren wie Skm»UB, JlÄPder, Wer»!. Alasha-Blan- und KreuzMicline, nerren-«ehpolze, Wagen-, Itclsepelase, jetzt sehr billig. 1,150/2 Verkauf von Herren- und Danicn-Gardcrobe. lereii ler»sr MMff i StlilEfe Die Bercinsniitteililugen werden den Vertrauens- lenten am Montag, de« 29. Jnli, nach den Druckerei»« durch die Post übermittelt. 27/2 Ne? Ganvorstand. MW NMMM'MW. Berioaltungsstelle Berlin. 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Wir ertlichen die Kollegen um sofortige Mitteilung, wenn irgendwo Schwierigkeiten bezüglich der Lohnzulage entstehen sollten. Deutscher Metallarbeiterverband, Verwaltungsstelle Berlin. Generalversammlung der Metallarbeiter. In der neuen Generalversammlung der Verwaltungsstelle Berlin des Deutschen MetallarbeitervcrbandeS wurde zunächst die Angelegenheit betreffend Kassenführung erledigt. Durch die Aus- spräche wurde der Generalversammlung klar gemacht, daß die Kassenführung sich durchaus in geordneten Bahnen bewegt. Um falschen Aufsassungen vorzubeugen, wurde allerseits erklärt, daß es sich durchaus nicht um die Möglichkeit handele, daß Gelder fehl- ten, vielmehr darum, ob die Art der Aufstellung der Abrechnung genügend klar fei. s« daß den Mitgliedern in hinreichendem Maße ein Uebcrbl-.ck über die ganze Kaffenftihrung gewährleistet ist. In Zukunft wird alljährlich neben dem Barbestand der Kasse auch der gesamte Vermögensbestand der Verwaltungsstelle der Generakver- sammlang mitgeteilt. In der Diskussion Wer den Jahresbericht wurde sodann Kritik geübt an den verschiedensten Maßnahmen der Verwaltung. In- sonderheit Warden auch einige grundsätzliche Fragen der gewerk- schaftlichen Tätigkeit während des Krieges berührt, so die Kriegs- beschädigten fürsorge, das Hilfsdienstgesetz, die Lohnkämpfe, die Ar- beiterinnensrage und anderes mehr. Cohen begründete nochmals die Stellung der Ortsverwaltung zu den einzelnen Fragen und erklärte sich zum Schluß einverstan- den mit dem Teil der Kritik, der dahin ging, daß allcS, was möglich ist, mit den unS zur Perfügung stehenden Mitteln getan werden müsse für die Interessen der Metallarbeiter. Nunmehr gab der Kassierer den Kassenbericht für das erste Quartal 1913. Daraus geht hervor, daß die Einnahmen der Haupt- kaäe inklusive eines Bestandes vo« 40 343,7 7M. betragen haben bSI 538,82 SRI. An die Hauptlasse wurden eingesandt 390 000 M. Infolge der stark zunehmenden Krankheitsfälle hat die Ausgabe für Krankemiterstützung 86 664,65 M. betragen. Die Lokalkasse schließt in Einnahme und Ausgabe ab mil der Summe von 2 424 396,69 M. Der Kassenbestand der Lokalkasse betrug am 1. April 1918 2 245 566,95 M. Hierzu kommen die in verschiedener Weise angelegten Kapitalien.— Dem Kassierer wurde für seine Tätigkeit im ersten Quartal Entlastung erteilt. Damit war die Tagesordnung der Generalversammlung erledigt. parteinachrichten. Mangelnde Wcrbekraft der Unabhängigen. Der Organisationsleiter des Parteivereins in einer westdeut- schen Großstadt schreibt uns: Der Lärm, den die fanatischen Anhänger der U. S. P. verur- fachen, darf nicht darüber hinwegtäuschen, daß das Vertrauen in die Zukunft ihrer Bewegung in ihren eigenen Reihen im Abflauen begriffen ist. An dieser Stelle ist schon auf den Rückgang ihrer Organisationen hingewiesen worden, der sich selbst in Berlin be- merkbar macht. Viel zu wenig wird aber diese Tatsache hervor- gechoben: die U. S. P. übt auf die breiten Massen, die er st für die Politik gewonnen und erzogen werden müssen, keine Anziehungskraft aus. Sie zehrt bis heute von den Beständen, die ihr durch die Spaltung der Partei zugefallen find. Es sind ihr infolge des Parteistreites wohl zehn- tausende Mitglieder als Stamm zur Parteignmdung in die Mitgliederlisten geraten; sie hat aber weder verstanden, diese angeblich so tief überzeugten Anhänger zu halten, noch den Schwund durch die Gewinnung bisher Indifferenter zu ergänzen. Wie wenig sich die Vertrauensleute der U. S. P. auf diesem Gebiete zutrauen, geht daraus hervor, daß sie in den Betrieben, wo sich die Agita- ston jetzt hauptsächlich allspielt, beinahe ihre ganze Arbeit a u f d i e Äbtrünnigmachung von.Regierungssozialisten" einstellen. Insbesondere macht die U. S. P. auf die Funktio- n ä r e der alten Partei Jagd, um durch deren Gewinnung unseren Qrganisationsapparat zu stören oder ganz lahm zu legen. Mit einer wahren Leidenschaft wird so Zerstörungsarbeit geleistet, und unsere Anhänger haben nicht selten gegenüber der mit allen Mitteln persönlicher Verhetzung getriebenen Agitation einen schweren Stand. Würden die Mitglieder der U. S. P. nennenswertes Vertrauen in die Werbekraft ihrer Sache setzen, so würden sie ans der Masse der politisch noch weniger geschulten Arbeiter Mitglieder zu werben versuchen, aber für ihre Agitationsarbeit scheinen nur die Organi- sationskaders unserer Partei vorhanden zu sein. Wie abstoßend der verhetzende Kampf der U.S. P. wirkt, be- weist der ständige Niedergang ihrer Presse. Wo hatte die U. S. P. auch nur ein Blatt, das sich mit dem neuen Aufstieg unserer Par- teiblätter in Breslau, Magdeburg, Köln, Berlin und an anderen Orten messen könnte. Das unabhängige Blatt in Solingen, der Hochburg der U. S. P. im Westen, hat nur noch 7666 B e- zieher in ganz Rheinland und Westfalen. Vor dem Kriege hatte es allein im Solinger Wahlkreise die mehrfache Be- ziecherzahl. Die Rüpeleien gegen Scheidemann in Solingen haben dem Blatte wieder eine Anzahl Bezieher gekostet. Alles in allem: die Methoden der U. S. P. ziehen im allge- meinen nur tief verbitterte, fanatisch überreizte Menschen an. Daß man mit diesem Material kein« nüchterne, aufbauende Organffa- tionsarbeit leisten kann, werden bald genug gerade diejenigen er- fahren, die sich aus vermeinlich tief verletzten sozialistischen Idealen der U. S. P. zugewandt haben. Ncinliche Scheidvng. Wie die„VolkSz-situng für Fr.'iberg" mitteilt, hat die außer- ordentliche Generalversammlung des 9. sächsischen WahlkreiSver- eins auf Antrag von Fritz Bieligk mit 48 gegen 28 Stimmen be- schlössen, zu den Unabhängigen überzutreten. Damit ist Klarheit im 9. Kreise geschaffen und dem widerlichen Doppel- spiel ein Ende gemacht. Es war ein haltloser Zustand; und so ist denn gekommen, was kommen mußte: die reinliche Scheidung. Damit ist die Bahn für fruchtbringende Arbeit wieder freigeworden. Die in der Partei verbleibenden Genossen haben die Parteiorgani- sation sofort wieder flott gemacht und eine neue Kreisleitung ge- wählt. Industrie unö Handel. Tabakwuchcr. Von zuverlässiger Seite wird uns der Rücktritt de» Barons Michel-Raulino von der Zigarettentabakeinkaufsgesellschaft in. Dresden bestätigt. Er dürfte selbst eingesehen haben, daß er nicht zugleich ein Amt bekleiden und ein großer Kaufmann vor dem Herrn sein kann. Es w'rd uns versichert, daß die gegenwärtige Or- ganisation die Verknüpfung händlerischer Interessen mit amtlichen Rechten ausschließe. Rohstoffbedarf des Handwerks in der Uebergangszeit. Wegen Ermittlung des voraussichtlichen Rohstoffbedarfs des Handwerks in der Ilcbergangszeit haben vor einiger Zeit im Reichs- wirtschaftsamt vorbereitende Besprechungen mit den beteiligten amtlichen Stellen stattgefunden. ES ergab sich Uebereinstimmung, daß zu den für die Bedarfsermittlung nötigen Erhebungen in erster Linie die Handwerkskammern, als die berufene Vertretung des Handwerks herangezogen werden sollen. Die Besprechungen über die Frage werden fortgefetzt. Der Donetzcr Kohlenbergbau ist erst ein halbes Jahrbundert alt. Er wurde so gesteigert, daß die russische Kohlcneinftihr seit 1874 bis 1914 von 41,2 Proz. auf 12,0 Proz. des Bedarfs zurückgegangen war. 1913 entfielen von der gesamten russischen Koblencrzeugung auf die Gebiete Donetz 76,3 Proz., Polen 19,3 Proz., Ural 3,3 Proz., Moskauer Rayon 6,3 Proz. und Astsn und Kaukasien 6,3 Proz. 1915 war Polen weg- gefallen und es erzeugten Donetz 85,6 Proz., Ural 4,l Proz., MoS- kauer Rayon 1,4 Proz. und Asien mit Kaukasien 8,9 Proz. Man begreift, warum Grotzrußland auf das Danetzbecken nicht verzichten will. Arbciternot in der ukrainischen Montanindustrie. Der Krieg hat di« im ukrainischen Wirtschaftsleben zur be- sonderen Bedeutung gelangte Montanindustrie in eine schwierige Lage gebracht. Ueber die diesbezüglichen augenblicklichen Byr- Hältnisse macht das„HaudelSmuseum" nähere Angaben, denen wir folgendes entnehmen:„Die Kohlcnmonopolverwalking schuldet den BergwerkZbesitzern des Douez-Beckens etwa 214 Millionen Rubel, die von der ukrainischen Regierung zwar anerkannt, aber weder ausgezahlt noch auf laufende Rechnung gutgcfchrieben werden. Der dadurch entstandene Geldmangel behindert die Arbeit außerordent- lich. Nicht besser sieht es mit der Ernährung der Arbeiter, da die Lebensmittelorganisationen aufgelöst wurden. Immerhin ist der Zustand dar Bergwerke noch bei weitem günstiger als manche Kreise befürchteten. In den nationalisierten Bergwerken wurden die nöti- gen JnstandsetzungSarb-iten von den Arbeitern ausgeführt, und darum sind diese Bergwerke in vollster Oodnung. Schlimmer steht es mit dem Grubenholz. Die gewaltigen Vorräte sind geraubt war- den und ein Ersatz erscheint zurzeit unmöglich. Die früheren Lie- feranten Nordrußland und Zarizyn sind infolge der politischen Ver- bältnisse ausgeschaltet und die Hoffnung auf die Westgcbiete ist wegen der Holzausfuhr nach Deutschland sehr gering. Nebe« dem Grubenholzmangel herrscht auch eine außerordentliche Knappheit an Schmierölen, und die diesbezüglichen Erwartungen auf Zu- fuhren von Rumänien scheinen unerfüllbar. Am schwierigsten:st jedoch die Lösung der Arbeiterfrage. Die Mehrzahl der Arbeiter bestand aus Großrussen und zu etwa einem Drittel aus Kriegsge- fangenen. Die Groß wissen sind indessen nach der Sowjetrepublik zurückgekehrt und die Kriegsgefangenen haben trotz aller Gegen- befehle die Betriebe im Stich gelassen und haben den Heimmarsch angetreten. Die Lage ist hinsichtlich dcr Arbeiterfrage um so bc-- deuklichcr, als selbst nach dem Friedensschluß mit der Sowjetrcpu- blik kaum zu rechnen sein wird." Soziales. Armenpolizcilicher Arbcitszwang für außerchelichc Väter. Gleichzeitig mit dem Entwurf eine? Jugendsürsorgcgesetzes ist dem preußischen Abgeordnetenhause ein Gesetzentwurf zugegangen, der die Ausführmigsgesetze zum Reichsgesetz für den lluterstützungs- Wohnsitz vorn 23. Juli 1912 dahin abändern will, daß auch außer- eheliche Väter, die sich ihrer Uuterhaltungspflicht entziehen, dem armenpolizeilichen Arbeits-wang unterstellt werden können. Ent- sprechende Bestrebungen sind ün Landtage schon seit langem be- merkbar gewesen; es sind auch wiederholt Anträge nach dieser Rich- tnng gestellt worden. Die Regierung hält nunmehr ein praktisches Bedürfnis für eine solche Heranziehung für vorliegend, da noch immer zahlreiche Fälle freiwilliger Nichterfüllirng der Uiltcrhal- tungspflicht durch außereheliche Väter und die Abschiebung dieser Verpflichtung auf die Armenverbände beobachtet wird.„Aus wob!- habenden Inhabern von Geschäftsbetrieben werden in der aus- gesprochenen Absicht, sich der Unterhaltungspflicht zu«rtzieben, plötzlich durch Zahlung schlecht entlohnter Arbeiter näherer oder entfernter Verwandten, aus gutgcstellten Sölwen wohlhabender Väter mit geringem Taschengeld ausgestattete G.hilsen, mit hohem Verdienst tätige Arbeiter geben ihre Stelle auf und suchen sich durch Verzug und Üebernahme von Arbeit, die nur ibren eigenen Unter- halt ermöglicht, gegen die Heranziehung zum Unterhalt ihrer nn- ehelichen Kinder zu schützen." Gegen derartige nicht zu rechiftrti- gende Pflichtvergessenheit kann nach Ansicht der Regierung nur der unmittelbare Arbeitszwang schützen, sie glaubt, daß allein schon die Möglichkeit dieser Verhängung seine völlige Wirkung nicht ver- fehlen wird, so daß es zu der tatsächlichen Vollstreckung nur in seltenen Fällen kommen werde. Dieselbe Beobachtung ist angeblich auch mit der Ausführuno de§ Gesetzes vom 28. Juli 1912 gemacht, dessen allgemein als günstig bezeichneten Wirkungen sich nicht nur in der Richtung geltend gemacht hätten, daß die Fürsorgepflicht nach Erlaß der Anordnung des Arbeitszwanges übernommen ist und die Durchführung des Beschlusses ausgesetzt werden konnte, sondern auch darin, daß die allseitige Androhung des Arbeits- zwang.-S in zahlreichen Fällen geeignsi ist, um die säumigen Nähr- Pflichtigen zum Unterhalt zu veranlassen. � Fraglich ist es nur, ob das Gesetz nickt gegen das Reichsrecht verstößt, nach welchem eine rechtskräftig festgelegte Leistungspflichr nur nach den Vorschriften der Zivilordnung beigetrieben werden kann. Diese Frage bedarf einer eingehenden Prüfung. Ein ivei- teres Bedenken besteht darin daß die Vorlage, wenn sie Gesetzes- kraft- erlangt, die vermögenden unehelichen Väter begünstigt, schließ- lich ihre Unterhaltspflicht erfüllen können und nur gegen die Un- vermögenden wirkt. Will man die Erfüllung der Unterhaltspflicht des außerehelichen Vaters mit schärferen Mitteln erzwingen, so bleibt verfassungsmäßig nur der Wag einer Aendrarng der Reichs- flrafgesetz gebung, nicht aber der polizeiliche Arbeitszwang übrig. Genchtszeitung. Schlechte Bezahlung bei großer Verantwortung. In welch krassem Gegeniatz Entlobnung und übertragene Vcraniworlung auch heute noch vielfach stehen, lehrte et» vor der 2. Kammer des Berliner Kanimannsgerichts?ur Verhandlung gekoninicncr Fall. Ter Beklagte indem betreffenden Prozeß, der Zigarren- Händler Brcger. hatte die Klägerin Helene H. als Filial« leitenn mit einem Mo natsgehalt von achtzig Mark und Umsatzpravisian engagiert, für welche mehr als niedrige Ent» lohniing die Klägerin die volle Haftung für da? Warenlager, dessen Wert in die Zehntausende ging, ühernehmen inußte. Sie mußte eine Kaution von 366 M. stelle», eine Vertretung oder irgendeine Hilfs« lraft bekam sie aber nicht gestellt. Der Beklagte seinerseits nahm sich das Recht, mit einem Doppclschlüssel die Filiale aurzn« schließen und auch in Abwesenheit dcr Filialleiterin darin sich ans-, zuhalten. Vor de», Ert'lrill der Klägerin war ein Einbruch verübt worden, bei welcher Gelegenheit der Lagerbestand aufgenommen wurde. Nach etwa sechs Monaten machte B. eine neue Inventur, die ein Manko von 2313 M. ergeben haben soll. Dielen Betrag verlangt der Händler auf dem Wege der Widerklage zurück, während die Klägerin auf Auszahlung der einbehalirnen Kaution sowie eines Gehaltsrestes von 96 M. klagt. DaS Entstehen des Mankos vermag sich die Klägerin absolut nicht zu erklären. Die Verhandlung ergab, daß die nicht nur in kaiismännischen Dingen unerfahrene, sondern auch gönzlich fach n»kundige H. für das Bagatcllgehalt eine Riesenverantwortung über- nommen Halle, denn sie verkausle innerhalb der wenigen Monate ihres Dortseins für rund 75 666 M. Zigarren und Zigaretten.— Das Kaurinannsgcricht sah den Haflvertrag rn Anbetracht des niedrigen Gesamteinkommens von etwa 146 M. monatlich als gegen die guten Sitten ver st oßend an. wies den Zigarrenbändler mit seiner Klage ab und sprach dcr Klägerin Kaution und Gebalt zu. Wie die Lebensmittel durch Kettenhandel verteuert werden, zeigte wieder einmal eine Vc-rhanblung, welche die 2. Ferienstraf- lammer des Landgerichts I beschäftigte. Angeklagt wegen Ketten- Handels und KriegSwucherL waren 11 Personen, und zwar Groß- bändler, Zwischenhändler, Vermittler und Kleinhändler, welche sämtlich an einem Geschäft mit Dänischer Sahne beteiligt gewesen waren. Wie die Verhandlung ergab, war von einer Firma Frischauf in Hamburg ein größerer Posten dänische Sahne in Büchsen eingeführt worden, die, wie der Vorsitzende bemerkte, schon im Großhandel folgende Preissteigerung durchmachte. Die Sahne kostete ursprünglich 1,16 M., dann 1,46, 1,66, 1.71, 1,85, 1,96 Mark, um schließlich für 3,56 und 5 Mark an den Ver- brauche, zu gelangen.— Bei der sehr verwickelten Lage der ein- zelnen Geschäfte mutzte das Gericht die Mehrzahl der Angeklagten freisprechen, da ihnen ihre Einrede, sie hätten gegürub:," per jeweilige Verkäufer sei der Importeur, nicht widerlegt werden konnte. Auch gegen einen Kleinhändler Fandre, der die Sahne wieder an einen Großhändler zurückverkauft hatte, erkannte das Gericht auf Freisprechung mit der interessanten Begründung, daß hier zwar ein gesetzlich unerlaubtes Geschäft vorliege, bei der herrschenden Ladens mittelknappheit sei es nfxx die sittliche Pflicht des F. gewesen, die Ware, welche dem Verderben nähe war, auf schnellstem Wege dem Verbraucher zuzuführen, und da er dies in seinem eige- ncn Geschäft nicht konnte, so habe er durchaus berechtigt die Ware schleunigst einem Großhändler übergeben, der sie sofort cm Hotels und Kaffeehäuser absetzen konnte. Verurteilt wurden nur der Kaufmann Salingre und der Kaufmann Loofmann zu je 2666 Mark Geldstrafe und dcr Kaufmann S t u k zu 566 M. Geldstrafe wegen KriegSwuchers. rjteftrroBsRrtiteit'fir das mittler- TJordbcntfrt-Inttf dt< Tsiinabcnd rntttno. Ziemlich warm, im Süden trocken und überwiegend bciter, im Norden, besonders an der Küste noch veränderlich und an vielen Orten leichte Gewitterregen. ?ieraiitworrl. f. Politili Tr.»ranz DIcdcrI-ii, Vcrlin-chricdenau: IÜI d. tidrlgen Teil des Platte?! tllfrc» Schal», Neulolln: für Ülniciaen: Tdeobot Clloitc, Berlin. Verlag t Borwäriö-Verlog A. m. lt. H.. Perlin. Triiä VorwärlS-Bucddruckerei und Lerlagso.tlioli Paul Singer u. Co. in P erlin lündenftrahe 3. Hierzu 1 viUag« au» Uutrrhalwngsblatt.