Vertagung Hussgrek im Glück. Budget und Kredite«»genommen. Wien, 26. Juli. Das Abgeorbnetenhaus hat nach länge- rer Debatte in namentlicher Abstimmung mit 21S gegen 196 Stimmen ein sechsmonatiges Budgetprovisorium, sowie in einfacher Abstimmung den Sechsmilliarden- k r e d i t angenommen. Die Mehrheit, die für die Vorlage gestimmt hat, setzte sich zusammen aus den Christlichsozalen, den deutfchnationalen Parteien, auch den Deutschradikalen, den Rumänen, dem Polenklub und einem Teile der Italiener. Das Haus hat sodann die Sommerferien angetreten. Die kurze Tätigkeit des Abgeorduvterihmises hat in der Haupt- fache sich darauf beschränkt, eine Regierung, die etwa? zu wollen schien, davonzujagen und einer Regierung, die sich von dem Ver- dacht politische Wsichten zu haben, glänzend gereinigt hatte, die ..StaatKnotwendigkeiten" zu bewilligen. So ist das von Seidler gestörte Gleichgewicht der Ungewißheit auf allen Seiten wiederhergestellt und damit der einzige Zustand, in dem Oesterreich Noch so einigermaßen laben kann! Da niemand weiß, was wird, kann jeder hoffen, es werde sich ihm zum besten wenden. Ueber der Gegenwart liegt das Dunkel der Krankenstube, über der Zu- kunst erst recht. Wie es heißt, hat eS große Mühe gekostet, die rabiaten All- deutschen, die sich Deutschradikale nennen, zur Annahme der .Staatsnotwendigkeiten" zu bewegen und damit den antiparlamen- tarischen Kladderadatsch zu vermeiden. Der Sieg, soweit von einem solchen gesprochen werden kann, gehört den Polen. Daß man gegen die Deutschen nicht regieren kann, wurde gesagt, aber daß man es gegen die Polen nicht kann, wurde bewiesen! Hussareks Programmrede. Wien, 26. Juli.(Moldung des Wiener K. K. Tel.-Korr.- Bur.) Abgeordnetenhaus. Vor vollbesetztem Hause und dicht- gefüllten Tribünen hielt Ministerpräsident Freiherr von Hussarek seine Programmrede, in der er ausführte: Der gewaltige Krieg drückt allem öffentlichen Geschehen den Stempel auf und steckt dem politischen Wirken gebieterisch seine Ziele. Es gilt, in fester Gemeinschaft mit dem altverbündeten Deutschen Reiche, m,t dem uns stets hochgehaltene, im Feuer des Kampfes gehärtete und nun in noch innigerer Verknüpfung für die künftigen Zeiten unzerreißbare Bande der Freundschaft und Treue umschlingen(Lebhafter Beifall links), sowie mit den tapferen Waffen- geführten, die uns dieser Krieg gewonnen hat, das erfolgreiche Ende des furchtbaren Ringens zu erzwingen. Es gilt, nach Jahren harter Prüfung kraft der unvergleichlichen Helden- taten unserer tapferen Heere zu einem ehrenvollen Frieden zu ge- langen, hinsichtlich dessen die berufenen Staatsmänner der Mittel- mächte ihre niemand bedrohenden und auf die allgemeine Viilkerversöhnung gerichteten Absichten(Beifall) öfter? unzweideutig festgelegt haben. Die Regierung wird ihre ganze Kraft dafür einsetzen, um, soweit es an ihr liegt, zur Erreichung diese? heiß Ersehnten Ziele? beizuttagen (Beifall), für das die Macht entfaltung nach außen allein nicht ge- nügt, sondern da? nicht minder auch innere Stärke und Geschlossen- heit voraussetzt.(Zustimmung.) Um diese aber zu erzielen, ist ein stetige? verfassungsmäßige? Zusammenwirken mit den ersten gesetzlich berufenen Vertretung?- körpern unbedingte Voraussetzung, an der die Regierung unver- brüchlich festhalten wird.(Beifall.) Die nächste und unmilteObave Aufgabe ist die Votie- rung des Budgetprovisoriums. Darüber hinaus wird es sich für die nächste Zukunft darum handeln, Borberei- tungen für die Klärung und Ordnung jener großen Fragen zu treffen, welche sich der ruhigen und wohlgeregelten Kontinuität unseres Verfassungslebens schon seit langem entgegenstellen, wäh- read des Krieges aber die Unanfschiebbarkeit ihrer Lösung schärf- stens dargetan haben. Ich meine die großen Gestaltungsprobleme nationalen Lebens im Staate, die nur innerhalb der Monarchie und durch ihre berufenen Gewalten zur Entscheidung gebracht wenden können. Die Regierung erachtet es zunächst für ihre Pflicht, un- ablässig an der Erweckung einer Atmosphäre des Vertrauens zu wirken, in welcher dann unter ihrer Führung an die schrittweise Bewältigung der zahlreichen komplizierten einschlägigen Aufgaben mit Bürgschaft für ihre Dauer herangetreten werden kann. In inniger Wechselwirkung mit diesen steckt das Problem der zeit- gemäßen Verwaltungsreform, welche wir uns im Wege einer ausgedehnteren Heranziehung der Interessenten zu den Aus- gaben der Verwaltung denken. Hierdurch würden zugleich die Vor- aussetzungen geschaffen, um auch für so manches Gebiet eine Eni- fpannung zu erzielen, wodurch die vorerwähnte» Fragen unvorein- genommen einer ruhigeren Behandlung zugänglich und schließlich lösbar gemacht würden. Nicht minder muß eine ständige Mit- Wirkung des Reichsrates in Angelegenheiten des Ernährungswesens gesichert bleiben. Es handelt sich hier um eine Existenzfrage der ganzen Bevölkerung. Eine ganz besondere und unaufschiebbare Bedeutung wird die Ordnung der Finanzen der ötterreichi Kämpfe beiderseits des Cureq, bei Vin- eelles und Vrigny— Französischer An- griff zwischen Snippes-Ta! und Sonain. Berlin, 36. Juli 1913, abends. Amtlich. An der Schlachtfront ein ruhiger Tag. Amtlich. Großes Hauptquartier, 26. Juli t9l8.(W. T. B.> Westlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe Kronprinz Rupprccht. Südlich von Albert schlugen wir einen englischen Teil- angriff zurück und machte» im Nachstoß Gefangene. Erfolg- reiche Vorstöße nnserer Erkundmigsabteilungen an vielen Stellen der Front. Heeresgruppe Deutscher Kronprinz. Ans dem Schlachtfelde zwischen Aisne und Marne wurden heftige Tcilangriffc des Feindes teils vor, teils in im- serem Kampfgcländc abgewiesen. Beiderseits des Onrcq dauerten die Kämpfe bis zum Abend an. Hier warfen wir nörd- lich von O n l ch y l e C h a t e a u den Feind aus seinen vor- deren Linien. Oestlich des Ortes und südlich des Ourcq schlugen wir im Gegenstoß die feindlichen Angriffe ab. Auch westlich von V i n c e l l e s(a d. Marne) wurde der Feind im Walde von R i s nach heftigen Kämpfe» vor unseren Linien ab- gewiesen. Südwestlich von ReimS säuberten wir das Waldgeländc westlich von Vrigny und schlugen heftige Gegenangriffe weißer nnd schwarzer Franzosen zurück. In der Champagne griff der -Feind zwischen dem SnippeS-Tale und Sonain am frühe» Morgen an. Er wnrde im Gegenstoß abgewiesen. In L u f t k ä m p f e n verlor der Feind gestern 28 Flugzeuge und 1 Fesselballon. Leutnant Freiherr von Richthofen errang seinen 36., das Jagdgeschwader Richt Hofen damit seinen 506. L n f t- sieg. Leutnant Lorwcnhardt schoß seinen 41., Leutnant Billik feinen 27., Leutnant Bolle seinen 26. und Vizcfcldwebel Thom seinen 25. Gegner ab. Der Erste Generalquartiermeister. __ Ludendorff. Der österreichische Bericht. Wien, 2g. Juli 1916. Amtlich wird«erlautbart: Italienischer Kriegsschauplatz. Bei Canovc in den Sieben Gemeinden scheiterte ein feindlicher Vorstoß. Sonst keine besonderen Ereignisse. Albanien. Zwischen K u c i und dem Meere sind wir an mehreren Stellen bis an den S c m e n i gelangt. Unser Vordringen löst heftige Gegenstöße des Feindes aus. Der Chef des Gcneralstabes. besitzen. Von der richtigen, energischen und raschen Lösung dieses Problems hängt das Schicksal aller Schichten der Gesellschaft und das Los jedes einzelnen ab.(Zustimmung.) Ebenso wird die Mit- arbeit des ReichSrateS erheischt für das große Werk des Wirtschaft- lichen Wieideranfbaues auf breitester Basis. Wir bringen den unerschütterlichen Glauben an die glorreiche Zukunft unseres Staatswesens, bringen den festen Willen mit, seine reichen Kräfte für den Dienst seiner edelsten Zukunftszwecke zu sammeln. Wir müssen bestrebt sein, die Grundlagen gemein- samer vertrauensvoller Arbeit zu schaffen, die nicht ohne gegenseitige Offenheit und Gradheit vollbracht werden kann. In dieser Richtung wenden wir un? zunächst au jene Gruppen, die nach ihrer grundsätzlichen Stellung schon früher au der Seite des im schwersten Kampfe ringenden Staates gestanden sind und halten unS die Pflichten dieses erprobten Verhältnisses auch unsererseits gegenwärtig. Wir möchten aber auch bei jenen, die eine ablehnende Haltung einnehmen, wenigstens jenes Maß von Vertrauen errin- gen, wie es loyale Gegner einander zollen können. Die Gcrechtig- keit gegen alle, gegen jeden Volksstamm und jede soziale Schicht muß aber der oberste Leitsatz sein und bleiben.(Zwischenrufe der Abgeovdneten Pantz und Teufel: Wo ist der deutsche Kurs?— Lebhafte Gegenrufe der Tschechen.) Wir würden uns glücklich schätzen, wenn es uns vergönnt wäre, ein Stück der Riesenarbeit, die die Zeit von unserem Vatcrlande verlangt, gut und gediegen zu leisten.(Lebhafter Beifall.) Neue englistke Kriegskreöite. London, 2Z. Juli.(Reuter.) Unterhaus. Bonar Law teilte mit, daß eine neue Kreditvorlage eingebracht werden würde. Zugleich werde auch eine Erklärung über die militä- r i s ch e L a g e abgegeben werden. ichen Krilc. Gelö her zur öekämpfung öer Sozialdemokratie! Der Reichsverband macht mobil. Der Reichsverband zur Bekämpfung der Sozialdemo- kratie erläßt soeben folgenden Aufruf: Berlin SW. 11, im Juli 191S. Dessauer Str. 30. Euer Hdchwohl geboren! Die Hochstimmung des ersten Augusttages des Jahres 1914 ist bei der langen Dauer des Krieges verflogen, Verbitterung herrscht in weiten Schichten des deutschen Volkes. Der Gedanke, die sozialdemokratische Arbeiterschaft, die doch mit uns um Leben und Sein kämpft wie alle übrigen Volksglieder, durch fortwäh- rende Zugeständnisse bei guter Laune zu erhaiktcu und sie für die Erfüllung ihrer einfachen Pflicht zu belohnen, trägt unheil- volle Früchte. Das deutsche Wirtschaftsleben, das durch verfehlte staat s- sozialistische Maßnahmen schon genug geschädigt ist, geht nach dem Frieden schweren Erschütterungen entgegen. Heftige Lohnkämpsc nach dem Kriege sind zu erwarten. Die Befiirchtung ist nicht von!der Hand zu weisen, daß der nächste Reichstag die Durch- sührung des bewährten Bismarckschen Grundsatzes„des Schutzes der nationalen Arbeit in Stadt und Land" nicht mehr gewähren wird. Dann würden Reichstagsauflösungen sich häufen, wenn die bürgerlichen Parteien, die auf dem Boden obigen Grund- satzes stehen, sich nicht erfolgreich zusammenschließen, um der roten Flut einen Damm entgegenzusetzen. Da gilt es, beizeiten zu rüsten, um die drohenden politischen und wirtschaftlichen Kämpfe bestehen zu können. Der„Reichsverband gegen die Sozialdemokratie" muß aber- mals, wie vor den Wahlen des Jahres 1907, eine umfassende und großzügige Aufklärungsarbeit in die Hand nehmen. Dazu bedarf er erheblicher Mittel und ist am Werke, um diese Arbeit leisten zu können, einen Wahlschatz zu sammeln. Wolle» wir nicht russischen Zuständen ent- gegensehen, wird Opferwilligkeit zur rechten Zeit unerläßlich sein, um den Zusammenbruch der bürgerlichen Gesellschaft zu verhüten. Wer die Zeichen der Zeit erkennt und dafür ist, daß mit der Fackel der Wahrheit in die weitesten Volkskreise hineingeleuchtet wird, um schwere Schädigungen des Volksganzen zu verhüten, fetzt sich dem späteren Vorwurf nicht aus: Du hättest rechtzeitig da? Deine dazu beitragen können, die drohende Gefahr abWwehren. Wir richten daher an Ew. Hochwohlgeboren die dringende Bitte, zu unserem Wahlschatz nach Kräften beizusteuern, um daraus hinzuwirken, baß nicht die ödeste Gleichmacherei proletarischer Masseninftinkte auf den Trümmern der bürgerlichen Gesellschaft und unserer Wirtschaftsordnung die Welt regiert. Wir sind im Verteidigungskrieg gegen den sozial- demokratischen Angriff. Zum Krieg führen gehört aber Geld, Geld und nochmals Geld! Wir hoffen, daß unser Appell an Ihre oft bewährte Opferwilligkeit auch diesmal nicht vergeben? sein wird und zeichnen t mit vorzüglicher Hochachtung ergebenste Hauptstelle des Roichsverbandes gegen die Sozialdemokratie Der Vorstand des Reichsverbandes gegen die Sozialdemokratie. Wirkt. Geh. Rat Graf von Arnim, M. d. H., MuSkau.. Oberstleutnant a. D. Graf von Blücher, Rostock. General d. Inf. z. D. von der B o e ck. Wirkl. Geh. Rat von D i r k s e n, M. d. H., Gröditzberg. Landrat a. D. Graf zu Dohna, Potsdam. Landrat a. D. Dr. von G o ß l a r, M. d. A., Schätz bei Guhrau. Geh. Justizrat H a a r m a n n, M. d. A., Dortmund. Syndikus Hirsch, M. d. R. und A., Essen. Generaldirekt. Reg.-Rat a. D. K I e i n d o r f f, Schloß Waldenburg. General d. Inf. z. D. von L i e b e r t, M. d. A.(1. Vors.), Berlin. Fürst von P l e ß, M. d. H., Fürstenstein. Direktor Dr. R u h n a u, Berlin. Landrat a. D. R ö t ge r, M. d. A., Berlin. Geh. Regierungsrat Dr. Schmidt, Berlin. Geh. Kommerzienrat Vorster, M. d. A., Köln. Landgerichtsdirektor Dr. W a g e n e r, Dresden. Der Aufruf erinnert rechtzeitig daran, daß nach dem Krieg der zweite E n t s ch e i d n n g s k a m p f um die Zu- kunst Deutschlands beginnen wird. Mit ungeheuren Mitteln wird uns der Kapitalismus entgegentreten. Wenn nur die Unterzeichner des Schriftstücke? selbst die von anderen geforderte Opferwilligkeit betätigen, so wird eine ungeheure Summe zusammenkommen, denn die Herren sind fast sämtlich steinreiche Großgrundbesitzer� und Großindustrielle. Die wenden sich aber nun mit ihrem Schrei nach Geld, Geld und nochmals Geld an ihre Klassengenossen, Ur. 204- 33. Jahrg. Bezugspreis: Lierteljähri. 4,50 33». rnonotl. l,BO!Kl. frei In® Haus. vorauszahlbar.Einzelnc Nummern i0 Pfennig. Pastbezug: Monatlich, vom Postschalter abzuholen 1.ö0 Ml., vom Briefträger ms Haus gebracht 1,64 MI. Unter Kreuzband sül Deurschlard und Oesterreich. Ungarn iä.— MI., für das übrige Ausland 4,60 Ml. monatlich. Versand ins Feld bst direkter Bestellung monatt.IMM!. Postbestellungen nehmen an Däne- mar!, Holland. Luxemburg, Schweden Und die Schweiz. Eingetragen in die Post-Zeitungs-Preisliste. Erlcheint täglich. Telegramm- Adresse: .Gozialdemokrat Berlin». Vevllnev Vollrsblntk. Zentralonjan der fozialdcmokratt fcheti partes Oeutfcblands. (lO Pfennig) Anzeigenpreis: DiestebengespalteneKolonelzeilekosiet 80 Pfg.„Kleine Anzeigen", das setlgedruille Wort Z0 Pfg.(julnfsig 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 16 Psg. Stellengesuche und Schlafslellenanzeigen das erste Wort 20 Pfg.. iedes weitere Wort tv Psg. Worte über lb Buchstaben zähle» sür zwei Worte. Tcuerungsziischlag 20°/» Familien-Anzeigen, politische und gewerlschastlichc Vereins- Anzeigen 60 Pfg. die Zeile. Anzeigen sür die nächste Nummer müssen bis 5 Mir nachmittags im Hauptgeschäft. Bertm EW. 68. Lindenstratze 8. abregeben werden, Geöfsnel von 8 Uhr früh bis 7 Uhr abends. Reöaktion: SW. öS» �inüenstraße Z. ftzernsprecher: Stint MoriNPlatz, Nr. 151 90—151 97. Sonnabend, de« 27. Juli 1918* Ezrpsüitkon: SW. 68, �lnöenstraße Z. psernspreche«: Amt MoritzPiatz, Nr. 151 9«— 151 97. und wir zweifeln nicht daran, daß ihnen ein recht ansehnlicher Erfolg beschieden sein wird. Noch keine Zeit hat so märchenhafte Kapitalsanhäufungen gesehen wie die gegenwärtige. Währed im Volk die bitterste Kriegsnot herrscht, werden von kleinen Kreisen der Bevölke- rung Reichtümer auf Reichtümer gehäuft. Wir besprechen in anderem Zusammenhange die Feststellung des Württembergs- schen Finanzministers Pistorius, daß durch unvoll- k o nr m e n e Veranlagung dem Reiche d r e i e i n- Ii a I b M i l l i a r d e n, d a s h e i ß t d r e i t a u s e n d s ü n f- hundert Millionen Mark entzogen worden sind. Fünfeinhalb Milliarden hat die Steuer auf den Kriegsgewinn gebracht, neun Milliarden Hätte sie bringen müssen, dreieinhalb Milliarden sind verschwunden!� Diese Ziffern zeigen, wie„verfehlte staatssozialistische Maßregeln" von manchen Kreisen auf eigene Faust korrigiert werden, sie lassen aber auch Schlüsse ans die Finanzkraft der Schichten zu, die an der Bekämpfung der Sozialdemokratie besonders interessiert sind. Würden die Steuer hinterziehenden Kriegsgewinnler nur ein Prozent der hinterzogenen Summen aus dem Altar des „Retchsverbanbes" opfern, so ergäbe das schon eine Summe von 33 Millionen. Dem Leser bleibe es überlassen, zu be- rechnen, wieviel Zeitungen, Redakteure, Nationalökonomen, Agitatoren mit dieser Summe bezahlt werden können, wieviel bedrucktes Papier für sie in die Massen geschleudert werden kann! Kein Zweifel, bei den kommenden Entscheidungskämpfen werden wir einen A n st u r m des M a m m o n i s m n s er- leben, von dessen Größe wir uns kaum noch eine Vorstellung machen können. In welchem Zustand wird dieser Ansturm d a s a r b e i t e n d e V o I k treffen? Von vornherein müssen mir uns sagen, daß ii*r uns an finanzieller Kraft mit unfern Gegnern nicht werden messen können, llnd so bleibt uns als. beste Waffe gegen diesen Anprall der plumpen Materie nur unsere sozialistische Ueberzeugung, nur unser unerschütterlich festes Zusammenstehen. Als Volksheer, das für die eigene Sache ficht, werden wir gegen die Söldnerfcharen des Kapitals kämpfen. Der Aufruf unserer Gegner muß jedem denkenden Arbeiter zeigen, um was es geht, und muß ihm die Erkenntnis einhämmern, daß es Wahnsinn ist, die Kräfte der Bewegung in B r u d e r k ä m p f e n zu zersplittern.� Auch die „Christlichen" werden sich sagen müssen, daß in diesem Riesen- kämpf ihr Platz nicht ans der Seite des goldenen Kalbes ist, die wirklich liberal Denkenden werden einsehen müssen, daß der drohende Mamnwnismus der Tod jeder persönlichen Frei- heit ist. Zu den Arbeitern werden sich die A n g e st e l l t e n, die Bea»i ten gesellen, alles, was in Stadt und Land durch geistige und körperliche Arbeit Werte schafft, wird zusammen» stehen müssen, damit wir nicht am Ende des Krieges einer unerträglichen G e I d h e r r s ch a-f t erliegen. Darf auch noch ein Wort nach einer anderen Seite hin gesagt werden? Der Aufruf den wir oben wiedergeben, richtet sich gegen die de u t s ch e S o z i a l d e m o k r a t i e, in ihr erkennt er seinen Feind. Mit keinem Wort ist die Rede von iozialistischen Strömungen, die— wie sie selbst glauben— die Sozialdemokratie„von links her" bekämpfen. Die� sorgliche Schonung, mit der der Aufruf des Reichsverbaudes über diese Strömungen hinweggleitet, zeugt von anerkennenswerter tak- tischer Geschicklichkeit. Dieses vorsichtige Schweigen zeigt aber auch, wo die größte Freude herrscht, wenn sozialdemokratische Organisationen gesprengt, sozialdenwkratischs Zeitungen boykottiert, sozialdemokratische Redner niedergebrüllt werden. Die Frage läßt sich nicht unterdrücken: Wieviel Millionen i stw o h l dem R e i ch s V e r b o n d zur Bekämpfung der Sozialdemokratie die Zerreißung der Arbeiterbewegung wer t? Es ist nicht bewußter Verrat, sondern blinder Fanatis- mus der solche Zustände hervorgerufen hat und an ihrer Ver- breikung und Verschärfung noch immer planmäßig weiter- arbeitet. Der Aufruf des Reichsverbandes schafft nun so grelle Klarheit, daß Verranntheit kaum weiter noch als Entschuldi- gungsgrund gelten kann. Im Innern wollen wir unsere Meinungsverschiedenheiten austragen. Der parteipolitische Kampf gegen die Sozialdemokratie mag aber dem„Reichsver- band" und seinen angestellten syndizis überlassen bleiben! Japans Jnterventionshilfe. Tie Amerikaner und die Tschechoslowaken. London. 36. Juli. DaS Reutersche Bureau Hot die amt- liche Witteilmig erhalten, daß Japan den B o r s ih l a g der Bereinigten Staaten, den tschcchosloivaki- s ch e« A r m e e u i n Sibirien beizustehen, ange- nommen hat. Die Tschechoslowaken sind die ganz besondere Angelegen- heit der Vereinigten Staaten. Eine besondere Hilfsaktion wird für sie ausgerüstet und die nicht geringe Zahl tschecho- slowakischer Elemente, die zur amerikanischen Bevölkerung gehören, wird zkveifellos als das Reservoir betrachtet, woraus den sibirischen Tschechenkorps neue Mannschaft zuzuleiten ist. Die Meldung Reuters, daß Japan diesen Korps, die also in Wirklichkeit zu einer amerikanischen Truppe werden,„bei- stehen" werde, verbirgt kaum mehr� die Tatsache, daß die Vereinigten Staaten die Seele der I n t e r- vention gegen die b o l s ch e w i ki s ch e M a ch t sind. Japan leistet nur einen militärischen Zuschuß. Japans bisherige Politik als Bundesgenosse der Entente war, sich Pflichten vom Halse zu halten, die seine Kräfte ge- bunden hätten. Dem entsprach nun auch das Bestreben Japans, der Gefahr aus dem Wege zu gehen, sich im Sinne französisch-englischer Wünsche in ein weitschichtiges, in den Folgen schwer zu übersehendes sibirisches Abenteuer ver- stricken zu lassen. Diese Politik vergaß Japan, wie nun andeutungsweise sichtbar wird, auch jetzt nicht. Der öeutsch-ukramische ßrieüensvertrag. Wien, 34. Juli. Der Austausch der R a t i f i- kationsurkunden über den deutsch-ukrainischen Friedens- vertrag hat heute hier stattgefunden. Wechsel im Wiener Aivilkabinett. Seidler Kabinettsdirektor. Der österreichische Kaiser hat seinen bisherigen Kabinetts- direktar Grafen Pötzer, dem Beziehungen zum Pazifismus des Prof. Lammasch nachgesagt wurden, entlassen und den Mann des„deutschen Kurses", den bisherigen Minister- Präsidenten v. S e i d l e r zu seinem Nachfolger ernannt. Man sieht darin allgemein eine Konzession an die Deutschen. Dss Schwarze �unöert unö Kie Crmoröung Mirbachs. Die„Fsivestija" vom 14. Juli schreibt: Es würde uns keines- Wegs wundern, wenn die genaue Untersuchung des Mordes des Grafen Mirbach uns zeigen sollle, daß der A n f a n g s i m p u ls aus den Reihen des„ S ch w a r z e n H u n d e r t" stammt und tag die Linken Sozialrevolutionäre nur das traurige Werk- zeug in den Händen dieser erfahrenen Meister dunkler Taten sind. Schon vor zwei Monaten sind in Moskau Gerüchts verbreitet worden, daß die Reaktiv- näre ein Attentat auf den deutschen Gesandten vorbereiten, um auf diese Weise eine bewaffnete Einmischung Deutschlands hervorzurufen, welche mit der Wiederherstellung der Monarchie enden sollie. Oer Streik öer englifthen Mumtisns- arbeiter. Stockholm, 26. Juli. Laut eineni Londoner Telegramm an „Stockholms Tidningen" begann der Streik der englischen Muni- tionsarbeiter infolge ZwangSanstellungen von ausgebildeten Arbeitern durch die Regierung in den Kriegsmaterialfabriken am Dienstag in C o v e n t r h, wo 12 000 Mann die Arbeit einstellten. Mittwoch dehnte sich der Streik auch auf Birmingham aus, so daß die Gesamtzahl der Streikenden bereits auf 71 000 gesticgeu ist. DaS Kriegskabinett trägt sich mit dem Gedanken, sie an die Front zu schicken, falls sie nicht die Arbeit wieder aufnehmen. Auch in Manchester und anderen Städten wird mit dem Streik gedroht. Bern, 26. Juli. Di« englischen Zeitungen vom Montag fahren fort, dem drohenden großen Mnnitionsarbeiterstreik bsdsutenden Raum zu widmen. Die Versuche des Munitionsministerinms, zwecks Abwendung des Streiks mit den Arbeitern in Coden trh zur Einigung zu gelangen, waren bis Sonntag abend erfolglos. dagegen soll anscheinend eine auf Veranlassung der Regierung von der Föderation entlassener Soldaten ein be- r ii f e n e Massenversammlung, wobei Kriegsinvalidcu in zündenden Reden die Arbeiter beschworen, in dieser kritischen Zeit in der Herstellung der Munition keine Unter- b r e ch u n g eintreten zu lassen, in Covc-ntry einen gewissen Eindruck gemacht haben. Andererseits wurde bei einer Massen- Versammlung in B i r m! n g h a m, die augeblich 60 000 Ar- beiter repräsentierte, b e s cht o s s e u, d s,e Arbeit am M i t t- w och niederzulegen, sofern nicht inzwischen das beanstandet« „Embargo" des Munitionsministers zurückgenommen würde. In Liverpool nnd Manchester war die Stellungnahme'der Ar- beiter am Sonntagabend zloeifelhaft. Das Muilitionsministerium scheint entschlossen zu sein, an dem fraglichen Embargo, das als unumgängliche Zwangsrationierung der bcrsügbaren geschulten Arbeiter über, die für die Rüstungs- Industrie arbeitenden Werke hinstellt, trotz der Streikdrohungcn fest- zuhalten. Es ließ an etwa hundert Fabriken, wo bisher das Em- bargö verfugt wurde, Sonnäben-dnachmittag entsprechende Bekannt- m achnn gen cm schlagen. Das f)aager Gefangenenabkommen. London, 25. Juli. Unterhaus. In Erwiderung aus eine Anfrage sagte Cavei Das Haager Abkommen über den Austausch und die Behandlung der Gefangenen wird nur in Wirksamkeit treten, wenn es von beiden Regierungen ratifiziert ist. Ferner ist es abhängig von einem besonderen B-o r b e h a l t, den die deut- schen Delegierten gemacht haben.(Es betrifft bekanntlich die deut- schen Chinagefangenen.) Tie Abmachung sieht die beiderseitige Heimsendung aller Kombattanten einschließlich der in Holland und der Schweiz Internierten vor, die 18 Monate in Gefangenschaft tvaren. Alle Zivilpersonen können, wenn sie es wünschen, zurück- kehren, wobei die geringere Anzahl von britische» Zivilisten durch eine entsprechend höhere Anzahl von Kombattanten ausgeglichen wird. ftebeiterminister Harnes über Sie Gelegenheit, öen Krieg zu beenden. London, 25. Juli. Reuter erfährt: Der Arbsiterminister im Kriegskabinett Barnes telegraphierte kürzlich an die amerikanische Arbeiterföderation, daß die von Wilson in seiner Adresse an die amerikanischen Truppen am 6. Juli mitgeteilten Kriegsziele die allgemeine Billigung der Arbeiterschaft finden. Seit der Fest- legung der Kriegsziele durch Lloyd George im Januar sowie durch Wilson und durch die Kriegszielerklärungen der Arbeiterpartei könne man von dem Gegenstand sagen, daß alle vernünftigen Menschen darüber einig seien, wenn die Zcntralmächte nur ihre Bereitschaft erklären wollten, diese drei Erklärungen sich zu e i g e n z u m a ch e n. Dann dürfe man sagen, daß das Ende des Krieges in greifbarer Nähe, wenn nicht wirklich gekommen sei. Um zu wissen, wie Barnes das meint, muß man sich erinnern, daß er wie auch die anderen Arbeiterminister H o d g e und Roberts als stramme Vertreter tmperia- listischer Kriegsziele dem Ministerium Lloyd George angehören. Sie teilen den Standpunkt der nationalsozialistischen Partei- gruppe uni Hyndman, die unlängst energisch gegen die Be- schlüsse des Londoner Kongresses der Arbeiterpartei protestierte, weil sie nichts mit dem Gedanken einer internationalen Kon- fercnz zu tun haben will. Hodge hat bereits die Konsequenzen gezogen: er hat seinen Austritt aus der Arbeiterpartei angekün- digt und versucht nun, auch die Gewerkschaft der Eisenschmelzer, zu der er gehört, zur Lostrennung von der Arbeiterpartei zu bewegen. Es heißt aber, daß er nicht der einzige Minister sein lvcrde, die so handeln. Roberts wird bereits mit Namen genannt, und Barnes denkt über den 5£rieg wie er. Allerdings hat Barnes sich jetzt auf die Kriegsziel- erklärung der Arbeiterpartei berufen. Aber wie immer er sein. Verhältnis zur Partei in Zukunft gestalten will, man weiß von ihm, daß auch er die Politik der Jingoes ohne Abstrich will, und das bedeutet: Deutschland soll sich die Kriegsziele der Lloyd George usw. in dem Sinne zu eigen machen, wie die britisch-amerikanischen Imperialisten sie auf- fassen, also im Sinne der Unterwerfung eines Besiegten. Der ukraimsihe Eisenbahnerftreik. Kiew, 25. Juli.(W. T. B.) Im Eisenbahnerfireik ist eine offenbare Wendung zum Besseren eingetreten. Auf den Hauptlinien verkehren täglich je jwei Zugpaare, und auf allen Nebenlinien je ein Zugpaar für Zwecke des deutschen Militärs. Der Vorortverkehr, der Sommerortverkehr und der Dienstverkehr ist zum großen Teil-wieder aufgenommen. Die Eisenbahner beginnen hier und da über die Wiederaufnahme des Verkehrs zu verhandeln. Oestlich des Dnjepr hatte der Streik von vorn- herein nur geringe Ausdehnung. � Die„KruppgeVchrs� öer Uksterleute. Rotterdam. 26. Juli.„Niemve Roiterdämsche Coarant" zufolge hat die Rückkehr der irischen Parlamentsmit- g l i e d e r eine doppelte Veränderung hervortreten lassen. Viele. die den Nationalisten früher gut gesinnt waren, sind jetzt lau ge- worden. Andererseits hat sich die Stimmung der irischen Abge- ordneten infolge der. Ereignisse in ihrer Heimat sehr verschärft. M s r h a m fragte im Unterhause, was die Regierung mit den in Deutschland verfertigten Waffen zu tun gedenke, die die Ulster- freiwilligen haben. S'hortt erklärte, sie würden ausgeliefert werden, Aber in Beantwortung scharfer Fragen von D e V I i n konnte er nicht mit Bestimmtheit sagen, daß in Ulster wirklich Haussuchungen vorgenommen und Waffen abgenommen worden seien. Er er- klärte, er wisse nichts von der Herkunft der Waffen. Als Deblin ihn fragte, ob es ihm bekannt sei, daß Krupp sie angefertigt habe und daß sie gegen die Hälfte der Selbstkosten an die Ulsterfrei- willigen verkauft worden seien, wollte er sich aus keine Antwort einlassen. Als Devlin nach der Antwort fragte, die die Ulstersreiwilligen auf die Aufforderung der WaffenauSlieferung gegeben hätten, erklärte Oberst Craig feierlich, daß das Krieg sm i n i st e- rium zu seiner Befriedigung sich leihweise einiger Ge- wehre habe bemächtigen können., Als der Beifall der Nationalisten über diese Erklärung verstummt war, erklärte Shortt, daß ihm dies neu wäre. Devlin griff die Erklärung geschickt auf und fragte, ob man alle Waffen einfordern werde, da es offenbar von militärischem Nutzen sei. Shortt erklärte, daß er die Waffen«n die Hand bekommen wolle.(Erneuter Beifall bei den Nationalisten.) Swift Mac Neil! sprach die Vermutung aus, daß Fre- deric Smith und C a r s o n wohl erzä hlen könnten, wo sich die Waffen befänden. Zwischen Reims unö Soissons. Französischer Bericht vom 25. Juli abends. An der Ourcq-Front haben sich die Kämpfe mit demselben Erfolg wie an den vorhergehenden Tagen abgespielt. Nördlich des Flusses be- setzten wir Oulchy-La Ville. Südlich erzielten die französisch-ameri- kanischen Truppen einen Fortschritt, der an einigen Stellen drei Kilometer erreichte, trotz sehr lebhaften Widerstandes besonders in der Gegend von D o r m a n s. Südöstlich von Armentieres nahmen wir die Höhe 11 und überschritten den Bach Na n t e u! l. Weiter südlich nahmen wir das Dorf Coinch und den größten Teil des Waldes von Tournelle und drangen weit in den Wald von La F e r e vor, bis zur Hohe der allgemeinen Linie Beuvardes— Le Channel. Wir rückten auch unter guten Bedingungen im Walde von Ris und nördlich von Dormans weiter vor. Südwestlich von Reims gelang es dem Feind, infolge hestigsr Angriffe gegen unsere Stellungen zwischen Vrigny und St. Suphraise auf der Höhe 240 Fuß zu fassen. Unsere Truppen gewannen diese Höhe beinahe gänzlich wieder und machten etwa 100 Gefangen«. Portugal strebt stärkere Kriegs- beteiligung an. Bern, 25. Juli..Temps" meldst aus Lissabon: PaeS verlas vorgestern bei Eröffnung des Kongresses eine Botschaft. Er erklärte, die alte republikanische Verfassung bleibe bis zur Revidierung durch das Parlament in Kraft. Der von ihm unternommene Staats- streich sei im nationalen Interesse notwendig gewesen. Die Demagogie habe gestürzt werden müssen. Paes erhob Einspruch gegen die Anwürfe, wonach er reaktionäre Absichten habe. Er stehe auf republikanischem Standpunkts und habe die öffentliche Wohlfahrt im Augs. Während seiner Amtszeit sei die Ordnung wiederhergestellt und die wirtschaftliche Lage Portugals befestigt worden. Portugal habe seine Verpflichtungen den Alliierten gegenüber voll und ganz erfüllt. Die Regierung organisiere in größerem Umfange eine Beteiligung Vor- tugals am Kriege. Entente-Propaganüa in DeutsthlanS. Mißlungener Schmuggelversuch. Offiziös wird gemeldet: Bei einer Zugrevifion von aus Holland kommenden Leerwagen wurden in dem Wagen Essen Nr. 288)554 unter Tonscherben versteckt mehrere Exemplare einer Schrift„Friihlingsfchlacht" gefunden, welche unsere angeblichen Verluste bei der Offensive wiedergeben und in Deutschland Verbreitung finden sollten. Diesen Schriften lag ein grüner Zettel bei, auf welchem die deut- schen in Holland wohnenden unabhängigen So- z i a l i st e n das Nicht unterzeichnen derartiger gegen Deutschland gerichteter Propagandaschriften rechtfertigen. Die Form dieses Propagandamaterials läßt erkennen, daß es von Ausländern herrührt. Es ist dies ein erneuter Beweis, mit welchen Mitteln die Entente auf die Kampfentschlossenheit in Deutschland zu wirken versucht. So geheimnisvoll auch die Meldung klingt, scheint sie doch besagen zu sollen, daß es sich um das Werk von Aus- ländern handelt, für das keine deutsche Partei die Mit- Verantwortung trägt. Noch ein„deutscher Wirtschastsrat für Mitteleuropa" ist tn Berlin gegründet worden. Zum Vorsitzenden wur.de General- direkter B a l l i n gewählt. Dem vorbereitenden Ausschuß geboren weiter u. a. cm: v. H o I tz e n d o r ff- Berlin, Engel- h a rd t- Mannheim, Wi l l i ge r- Kattowitz und Bosch- Stuttgart. Die Judenfrage Rumäniens. Die Gesetzesvorlage über die Na- turalisierung der Juden wurde vom rumänischen Senat mit 62 gegen 2 Stimmen angenommen. Der Minister des Aeußeren Arion betonte bei Begründung der Vorlage, daß bei Revision des Artikels 7 der Verfassung die Judenfrage später ihre endgültige Lö- sung finden werde. Ferner erklärte Arion, daß die Gleichberech- tigung der Juden Rumänien nicht von den Mittelmächten aus- gezwungen worden sei, sondern daß die rumänische Regierung dem Verlangen des Vicrbundes gern entgegengekommen wäre. Ein amerikanisches Spiiwageurtnl.„Temps meldet aus Wa- shington: �Der frühere Direktor der„Deutschen Staats- z e i t u n g" des Staates Mississippi, der eines Verstoßes gegen das Spionagegesetz schuldig erklärt wurde, erhielt z>e hn Jahre Ge- f ä n g n i s und 500 Dollar Büße. Die Militarisierung Amerikas. Washington. 24. Juli. (Reuter.) Bei der Wiedereröffnung des Kongresses wird der�Se- kretär für den Krieg, Baker, Plane zur Abänderung des Dienstalters und zu einer erweiterten Mobilisiv- r u« g einbringen.>, dreieinhalb Milliarden Kriegs- steuern verschwunden! Feststellung des württembergische» FinanzAtinisters. In dem Finanzausschuß der Zweiten Kammer erklärte der württembergische Finanzminister V. P i st o r i u s, daß die Kriegssteuer statt 3.5 Milliarden neun Milliarden Mark gebracht hätte, wenn das württembergische Veranlagungs- verfahren im ganzen Reich eingeführt wäre. Infolge der Verschiedenheiten in den bundesstaatlichen Einkommensteuer- chstemen ergäben sich krasse Unterschiede. So hätten z. B- die Daimlerwerke, deren Sitz bekanntlich Stuttgart ist, 31 Mill. Mark Steuern zahlen müssen. während dos Kruppsche Riesenunternehmen in Essen mit 31 Millionen Mark davon» gekommen sei. Angesichts dieser schreienden Tatsachen mutet es bizarr an. daß der bayrische Fmanzminister v. Breunig noch immer starrköpfig auf der Erklärung beharrt, ein Bedürfnis für eine einheitliche Veranlagung der Einkommensteuer besteht nicht! Gleiches Wahlrecht oöer- Verstänüßgung! Tie„Norddeutsche" und Scheideman». Die„Nordd. Mgem. Ztg." schreibt: ..Airknüpfend an unseren Artikel„Wählrechtsresom und Sand. iagsauflösung" vom 34. d. M.(Nr. 373 der..Nordo. Allg. Ztg.") hat gestern der..Vorwärts" eine Zuschrift des Abg. Scheide- mann veröffentlicht, in der die letzten Unterredungen behandelt werden, die zwischen den Führern der sozialdemokratischen Partei und dem Stellvertreter des Reichskanzlers sowie dem Reichskanzler selbst über die preußische WahlrechtSsragc stattgefunden haben. Die Zuschrift bestätigt die schon gestern von uns wiederge- geben? Meldung des..Kasseler Volksblattcs", wonach Herr Scheide- mann im Gegensatz zu den ersten Pressenachrichten über seine Kasseler Rede nicht erklärt hat. daß der Reichskanzler oder sein Siellbertreter ihm und Herrn Ebert die Auflösung des preußischen Landtages vor dem nächsten Winter als jetzt schon für alle Fälle feststehend angekündigt habe. Auch nach der Darstellung des Herrn Abgeordneten Scheidemann haben vielmehr der Reichs- kanzler und Herr v. Paper die Landiagsauflösung nur unter der Voraussetzung in Aussicht gestellt, daß bis zum Winter keine Ver- üändigung über die Wahlrechtsreform zustande gekommen sei. Dieser Sachverhalt deckt sich durchaus mit den Angaben einer Zuschrift von parlamentarischer Seite, die gestern in der„Post" veröffentlicht worden ist. Wir entnehmen dieser Zusckrift die soll gen de n Sätze: „Scheidemanns Mitteilung, daß Graf Hertliug imd Herr v. Payer ihm für den Winter die Auflösung des Abgeordneten- Hauses wegen des WahlrechtsproblemS zugesagt haben, trifft- selbstverständlich für den Fall zu, daß'über diese Frage keine Verständigung zwischen den gesetzgebenden Faktoren zu erzielen ist. Für den unfegangcn Urteilenden bestand längst kein Zweifel mehr, daß, wenn auch über das Herrenhaus zu einer Berständi- gung mit dem Abgeordnetenhause nicht zu gelangen wäre, eine Auflösung des AbgeordnebenhaufeS trotz der entgegenstehenden Bedenken nicht zu umgehen sein würde. Es mag aber ganz nütz- lich sein, jetzt wieder völlig klarzustellen, daß der Ausgang der Landtagsverhandlungen über die Wahlrechtssroge nur Berständi- gung oder Auflösung sein kann." lieber den augenblicklichen Stand der Wahlreformfrvge. besteht also unseres Erachtens völlige Klarheit- Die Regierung hont zunächst noch daraus, daß die vorhandenen Schwierigkeiten sich aus dem Wege der Verständigung lösen lasse«. Sie wird darin durch die Erwägung bestärkt, daß wohl keine Partei, auch die sozial- demokratische nicht, den Wunsch hegt, es zu der Landiagsauflösung kommen zu lassen, wenn eS möglich sein sollte, die zugesicherte Wahl- reform auf eine Weise zustande zu bringen, die dem von außen bedrohten Vaterlande ernste politische Kämpfe in der Heimat er- spart. Darüber, ob diese Möglichkeit vorliegt, kann man natürlich verschiedener Ansicht sein. ES hat aber um so weniger Zweck, jetzt öffentlich Meinungsverschiedenheiten dieser Art zu erörtern, als der Reichskanzler klar und deutlich bekundet hat, er werde, falls seine Zuversicht aus Verständigung sich als trügerisch erweisen sollte, unbedingt zu der Landiagsauflösung schreiten." Da die„Nordd. Allgem. Ztg." immer nur von einer„V e r- si ä n d i g u n g" spricht, so muß noch einmal an den Verlauf der Unterredung vom 5. Juni erinnert werden. Auch der Kanzler bediente sich zunächst der Formel:„Enl- weder Verständigung oder Auflösung". Heike diese Verständigung sprachen sich dann die sozialdemokratischen Vertreter sehr deutlich aus.' Ein Wahlrecht mit„Sicherungen" oder ein Mehrstimmenrecht ä la GieSberts würde van der Arbeiterschaft als die Einlösung des feierlichen Versprechens n i ch t anerkannt werden. Daraufhin sagte der Kanzler zum Schluß:„Es bleibt also dabei, entweder gibt es das gleiche Wahlrecht vor dem Winter oder die Auflösung." Es ist nicht vertrauenfördernd, wenn die„Nordd. Allgem. Ztg." jetzt wieder zu der Formel zurückhuft:„Verstand i- gung oder Auflösung". Unter Verständigung verstehen die Kompromißagenten vom Schlage des Frhrn. v. Zedlitz die Bil- düng eines auf dreifachem Mehrstimmenrecht aufgebauten durch Sicherungen an Händen und Füßen gebundenen Parlaments. Warum sagt die„Norddeutsche" nicht, daß die„Verständigung" nur ans dem Boden des gleichen Wahlrechts gefunden und daß sie nicht durch Entrechtung des Parlaments erkauft werden kann? Die„Norddeutsche" spricht sechsmal von„Verständigung", nicht ein einziges Mol. vom„gleichen Wahlrecht". � Ist das offiziöses Ungeschick oder diplomatische Absicht oder beides zu- gleicb? Auf alle. Fälle muß nochmals daran erinnert werden, daß der Kanzler erstens sagte, er halte immer Wort, und zweitens nach der unwideriprochenen Darstellung Scheidemanns erklärte: „Entweder gibt es das gleiche Wahlrecht vor dem Winter oder die Auflösung."�__ Gibt es ertverbsunfähige Reichstags- abgeorö�ete? Mit dieser Frage hatte sich das Reichsversicherung S- a>« t zu beschäftigen. Der nationalliberale Reichstagsabgcordnete Beckmann a»S Bochum war im Jahre lStt als Bergmann auf der Zeche Kon- siantin der Große schwer vernngkückt; bei dieser Gelegenheit war Beckmann die untere Hälfte des rechten Oberarm? abgequetscht worden, ferner hatte er einen komplizierten Bruch des rechten Unter- schenkelS erlitten. Neben einer Beinschiene trägt Beckmann eine Prothese. Der SektionSvorsiand sprach Beckmann bis zum 33. März 1913 die volle Rente und dann eine Rente in Höhe von 88 Proz. zu. Die Berufung zog Beckmann zu- rück, nachdem die BerufSgenossenschast nach Einholung eines ärztlichen Gutachtens sich bereit erklärt hatte, die Bollrente weiter zu zahlen. WS am 1. November 1915 die Rente ans 85 Proz. herabgesetzt worden war. legte Beckmann abermals Berufung ein und beantragte die Zubilligung der vollen Rente, weil er wegen seines gebrechlichen Zusiandes auf dem allgemeinen ArbeitSmarlt keine Verwendung mehr finde. Die Berufung wurde aber ab- gewiesen und u. a. ausgeführt, Beckmann gehe ohne Stock verhältnismäßig flolt und sicher und habe inzwiscben gelernt, mit der linken Hand zu schreiben. Bei gmem Willen sei ein intelligenter Mann wie Beckmann tähig, Aufseher- und Bureaudieoste zu verrichten oder einen sonstigen Vertrauensposten zu bekleiden: hierfür spreche auch, daß Beckmann sein R e i ch s t a g s m a n d a t ausübe und nach Berlin reise. Als gänzlich arbeilS- und erwerbsunfähig könne Beckmann nicht angesehen werden. Die Berufsgenossenschast habe nur für die infolge eines Unfalls bestehende objektive Minderung der Erwerbsjähigkeit, nicht aber für durch Mangel an Arbeits- gelegenheit entgehenden Arbeitsverdienst aufzukommen. Das Reichsversicherungsamt trat in letzter Instanz der Vorentschei- dung bei. Die rechtliche Stellung öee rujKsch-polmschen Arbeiter. Aus Tortmund wird uns geschrieben: Zwei rusftsch-polnische Arbeiter hatten sich bei einem Tiefbau- Unternehmer in Brambauer(bei Dortmund) verpflichtet. Als am 3. März der Friede mit Rußland in Brest-LitowSk unterzeichnet war, glaubten sie, ihr Vertrag' sei abgelaufen, und sie be- schlössen, nach ihrer polnischen Heimat zurückzukehren. Bei der Ausführung dieses Entschlusses wurden sie aber am 9. März auf dem Bahnhof in Dortmund festgenommen und wegen Grenz- Überschreitung mit einem Strasbesehl über löst M. bedacht. Bor dem Schöffengericht in Lünen erzielten sie jedoch Frei- s p r e ch u n g von Strafe und Kosten, weil das Gericht den Aus- führungen des Verteidigers folgte, daß die Russisch-Polen nach dem Friedensschlüsse vom 3. März nicht mehr als feindliche Aus- länder zu betrachten waren, obwohl der Vertrag erst am 17. März von den beteiligten Regierungen ratifiziert worden sei. Der Amts- anwalt legte Berufung ein, da der 17. März für den Friedensschluß maßgebend sei, infolgedessen sich die beiden Polen strafbar gemacht hätten. Ehe die Berufung zur Perhandlung kam, wurde durch eine Bekanntmachung des kommandierenden Ge- n e r a l s des 7. Armeekorps eine neue Rechtslage geschaffen, indem kurzerhand angeordnet wurde, daß die auf die Kriegsdauer abgeschlosseneu Verträge der russisch-polni schon Arbeiter von dem Friedensschluß in Brest-Litowsk unberührt blieben, da dieser sich nur auf die losgelösten Randstaaten, vor allem auf Polen, beziehe. Dieser Auffassung schloß sich var einigen Tagen die Dortmunder Strafkammer an und verurteilte die beiden Polen zu je lO M. Geldstrafe. Das Urteil ist zweifellos unhaltbar, da zwischen Teutschland und dein polnischen Staate kein Kriegszustand besteht, die Russisch- Polen also unmöglich als„feindliche Ausländer" angesehen werden können. Jedenfalls ist es notwendig, die rechtliche Stellung dieser Leute baldigst und restlos klarzustellen. EmftenZfragen öer öeutschen Textilinüuftrie nach dem Kriege. Die Ehemnitz-r„Bolksstimme" hatte, vor einiger Zeit zum Schutz der deutschen Textilindustrie ein radikales EinfübrungSver- bot für Webwaren für die Zeit der Uebergangswirffchaft gefordert. Jetzt nimmt dazu Genosse Krätzig Stellung, indem er— gleich uns— die Festlegung auf diese Formel olblehni und die große Eni- Wicklungsfähigkeit der Textilersatzstoffabrikation hervorhebt:„Ich bin gewiß nicht dafür, daß wir uns in einem eoentuellem Wirt- schastskriege wüderstandslos skalpieren lassen fallen, aber ich halte das von der„Volksstimme" vorgeschlagene Mittel nicht für geeignet, den erforderlichen Widerstand zu leisten. Zweierlei gilt es zunächst zu erwägen: entweder der Bedarf unserer Bevölke- rung an Bekleidungsgegenständen verträgt eine langjährige radikale Absperrung tsxtiler Halb- und Fertigfabrikaie, dann ist die R o h st o f f a b s p e r r u n g von vornherein zum S ch« i- t e r n verurteilt, weil nnr dann unabhängig sein müssen von jener uns versperrten Rohstoffversorgung und demzufolge-die Gegensperre nicht anzuwenden �brauchen, weil die Gegner, wie ich weiter unten zeige, die Rohstoffsperre nicht jahrelang durchführen können, oder aber der Bedarf unserer Bevölkerung verträgt' eine solche radikale Absperrung der Einfuhr textiler Fabrikate nichst dann können wir sie nicht anwenden. Ich stehe auf folgendem Stand- Punkt: Gleichviel wie sich die Verhältnisse gestalten mögen, Garne und auch Webwaren, vor allem aber Garne müssen wir sofort einzuführen suchen, so viel mir bekommen können, damit alle Betriebe der Textilindustrie ziemlich zu gleicher Zeit und sobald wie möglich in Gang kommen. Sobald der Krieg zu Ende ist, werden ja die Spinnfasermengen frei, welche die Kriegs-Rohstoffabteilung in den Händen hat, so daß also die Spin- nereien unter Zuhilfenahme der Stapelfaser zunächst Beschäftigung haben. Bekommen wir nun auch noch vom Ausland Garne, so nehmen wir sie herein und beliefern damit und mit unseren eigenen Garnen die garnberarbeitenden Betriebe. Wir erhalten da zunächst Waren für den dringendsten Bedarf. Inzwischen sehen wir, wie sich die Verhältnisse we-itcr gestalten werden. Ich sehe in der Rohstoff rage nicht so schwarz wie andere. Ich bin der Ileberzeugung. daß die Rohstoffversorgung der Textilindustrie im ersten Jahre nach dem Kriege, schwer sein wird, auch dann, wenn kein Wirtschaftskrieg kommt, daß sie aber auch dann nicht zum Zusammenbruch der Industrie führen wird, wenn uns die Rohstoffe in'den Erzeugungsgebieten der Entente- (änder vorenthalten werden. Nötig ist da allerdings, daß s ch a n 3 e tz t unsere Stapelfasererzeugung durch Umwandlung von Zellu- lose auf breitester Basis angelegt wird. Hier arbeitet'die Kriegs- wirffchast noch viel zu langsam. Die �Errichtung solcher Fabriken erfordert eine lange Bauzeit und je länger die Regierung zaudert mit dem Machttvort, daß die Ervichwng solcher Stapelfaserfabriken durch Patentstreitigkeiten nicht mehr gehindert werden kann, um so mehr beschwört sie die Gefahr berauf, daß wir einem eventuellen Wirtschaftskriege nicht genügend gerüstet gegenüberstehen. Tie gesamte Stapelfaser, für die wir in unserem Nadelholz g e- nügend Rohstoff im Lande haben, eignet sich, besonders ge- mischt mit etwas Baumwolle oder Wolle, ausgezeichnet zur Herstellung von Wäsche und Kleidung. Mit etwas Baumwolle gemischt kann die daraus gefertigte Wäsche wie reine Baumwoll- oder Lei- Kenwäsche gewaschen werden, und mit etwas Wolle gemischt, liefert sie den prächtigsten W o l l k l e i d e r st o f f. Auch für die Wirkereien ist das Garn idealer Rohstoff. Soviel Baum- walle und Wolle bekommen wir selbst bei der Absperrung durch die Entente aus anderen Erzeugungsgebieten herein, wie nötig seil! wird, die Stavelfaser genügend damit zu mischen. Flachs be- kommen wir für unsere Leineniudustrie sicher über den erforder- lichen Bedarf herein, so daß die Flachsspinnereien mit Hochdruck ar- Veiten können, um auch noch B a u m w o l I w e b e r e ie n mir Garn zu versorgen. Hans und I u t e können wir gut ersetze n durch die T h p h a f« s e r aus unserem K o l b e n s ch i l s und durch die verschiedenen Papiergarne, von denen das Zellu lon für diese Zwecke, das Beste ist. Wir haben dann noch die Neffe 1° fafe t, die uns mit aushelfen kann, sowie ine T o r f f a s e r, die mit Wolle g e m i i ch t die Erzeugung schwerer Paleiotst off e und ähnliches ermöglicht. Bleibt die Versorgung mit Seide. Tie braucht uns keine großen Kopfschmerzen zu machen. � Sobald der Krieg zu Ende sein wird kaufl die Entente den italienischen Seidenüberfluß sicher nicht mehr auf; der Italiener wird heil- froh sein, wenn wir ihn kaufe n." Erweiterung öer Aufgaben öer MeteimgungsämLer. Zu dem Artikel in Nr. IIS des„Vorwärts" vom 19. d. M. wird' uns aus Dortmund geschrieben: Wie iebr die Bundesratsverordnung vom 26. Juli 1917 ver» besserungsbedürftig ist, bat der Dortmunder Oberbürgermeister in einer Eingabe an den Regierungspräsidenten in Arnsberg über- geugend nachgewiesen. Diese Eingabe, die in einer kürzlich den Stadtverordnelen überreichten Druckichnst über die Wohnungsfrage abgedruckt ist. geht davon ans, daß es in der ersten Zeit vor- wiegend Arbeiter waren, die das M E. A. in Anspruch nahmen: jetzt könne dagegen eine erhebliche Jnansvruchnahme durch Kreise der mittleren Bevölkerung festgestellt werden. Während die Miere- steigerungen bei den Arbeiierwohnungcn im Durchschnitt 15 Proz. nicht übersteigen, belausen sich die Steigerungen bei den Wohnungen von fünf bis acht Räumen innerhalb der Dauer des Krieges bis zu 50 und 60 Proz. Obwohl das M. E. A. auch dagegen mit Erfolg angegangen iei, habe sich aber heraus- gestellt, daß seine Befugnisse nrcht weit genug gesteckt sind. Ins- besonders habe sich ergeben, daß die Beschränkung, daß stets eine Kündigung des Vernnetcrs vorlieaen muß. um eine Entscheidung des M. E.' A. herbeizuführen, den Bedürfnissen nicht Rechnung trägt. Durch jene Beschränkung werden z. B. alle diejenigen Fälle der Entscheidung entzogen, in denen der Mietvertrag aus einen fest bestimmten Zeitraum abgeschlossen ist und deshalb ohne Kündigung des Vermieters zu dem bestimmten Zeitpunkt abläuft. In allen diesen Fällen ist einer unbegrenzten Erhöhung des Mietpreises Tür und Tor geöffnet, da der' Mieter das M. E. A. nicht anrufen kann. In solchen Fällen feien Mietsteigcrungen um 50 Proz. und mehr festgestellt, ohne daß dem Mieter geholfen werden kann. Sie waren infolge des herrschenden großen Wohnnugsmangels zur An- erkennung der geforderten Erhöhung gezwungen. Ferner sind Fälle festgestellt worden, in denen der Vermieter nur von Vierteljahr zu Vierteljahr vermietete,� so daß er den Mieter in bezug auf die Mielhvhe vollständig in der Hand hatte. Weiter sind dem M. E. A. entzogen die Fälle, in denen Mietpreiserhöhuugeii vorgenomnien iverden, ohne baß gleichzeitig für den Fall der Nichtannahme die Kündigung ausgesprochen wird. Der Mieter, der weiß, daß er bei einer Kündigung keine Wohnung findet, wird unter diesen Umständen lieber zahle», als es schließ- lich zur Kündigung kommen zu lassen. Aus diese Weise wird zwar der Mieter in der Wohnung gehalten, die Mietpreise steigen aber ins Ungemessene und iverden für die Dauer zu einer drückenden Last und für die Zukunft zu einer schweren Gefahr. Ferner wird als ein erheblicher Maugel empfunden, daß das M. E. A. nicht in der Läge ist, bei Neuvermietungen über die Angemessenheit des Mietpreises zu entscheiden. Auch dadurch wird die preisregulierende Absicht der Bundesratsverordnuug zunichte gemacht.„Für die Gebrauchsgegeuständo des täglichen Leben? sind Höchst- preise festgesetzt worden, um auf diesem Gebiete dein Wucher entgegen zu treten. In gleicher Weise ist auch ein Schutz erforderlich gegen wucherische Mietpreise: die Möglichkeit, zu au- gemessenem Preise wohnen zu können, ist ebenso schutzbedürsttg, wie die Möglichkeit, zu angemessenem Preise, die Gebrauchkgegcn- stände des täglichen Lebens erwerben zu können."„Es erscheint — heißt es nach Anführung einiger krasser Beispiele weiter— er- wägcnSweri, neben der Möglichkeit einer Anrufung des M. E. Ä- zur Herabsetzung eines unter dem Zwange der Verhältnisse verein« karten unangemessenen hohen Mietpreises,' auch den MietzinS- wucher unter Strafe zu stellen." Ein werterer Uebelstand ergibt sich, wenn ein Ziffeter selbst seine Wohnung gekündigt und sich eine anders Wohnung gemietet hat. diese aber nicht bc- ziehen kann, weil der Inhaber infolge einer Eni» scheidung des M. E. A. darin wohnen bleibt. Er steht dann auf der Straße und ist nicht in der Lage, daS M. E. A. anzurufen. Dabei ist er gänzlich schuldlos m die Lage gekommen, lediglich weil er selbst und nicht der Vermieter gekündigt bat. Schließlich wird noch vorgeschlagen, dem M. E. A. die Befugnis zu erteilen, soweit Kündigungen ausrecht erhMen werden, diese auch für vollstreckbar zu erklären, wodurch das Verfahren be- schleimigt ivürde, und ihm das Recht der Beschlagnahme von einzelnen Räumen in übergroßen Wohnungen zu erteilen, ferner von leerstehenden Läden. Bureaus, Werksiätleu, Wirtschaftslokalen, Lagerräumen usw. zwecks Instandsetzung derselben für Wohnuugs- zwecke. Im ersieren Falle soll nicht nur auf die unbenutzten oder nur als Lagerräume verwendeten Wohnungen verzogener Krieger- samilien, sondern auch auf die großen schwachbesetztrn Wohnungen zurückgegriffen werden.„In jenen Fällen— so wird ausgeführt— wo größere Wohnungen von sieben und mehr Räumen von einem Junggesellen oder kinderlosen Ebe- paar oder von kleiner Familie nur teilweise ausgenutzt Iverden, erscheint es etwägenSwert, durch Abvcrmietung einzelner Räume eine gewisse Wohnungsrationierung vorzunehmen. Natürlich ist dabei zu vermeiden, daß Klassengegensätze geschaffen werden dadurch, daß man beliebige Faniilieu zusammendrängt. Es müßten desbalb die Hauseigentümer oder Vermieter das Recht haben, nach Aufforderung des M. E. 81. die abzugebenden Zimmer selbst zu vermieten, an wen es sie beliebt. Erst wenn dies innerhalb eines Vierteljabres nach Aufforderung nicht geschieht, soll das M. E. A. berechtigt sein, die Zimmer selbst zu vermieten, natürlich auch dann noch unter möglichster Berücksichtigung der oben er- wähnten Gesichtspunkte." In diesem Sinne wird eine Abänderung der§§ 1 und 2 der erwähnten Bundcsratsverordnung und die Einfügung eines neuen § 4a vorgeschlagen und die Regierung nm entsprechende Bemühungen bei der zuständigen Stelle ersucht. Die Vorschläge sind aus der Praxis de? Dortmunder M. E. A. geboren und dürften auf allgemeine Beachtung Anspruch er» heben. Keine Entlassung des Jahrgangs 1879. Amtlich wird gemeldet: „Tie Entlassung auch nur eines Teiles des Jahrgangs 1870 wird aus militärischen Gründen in absehbarer Zeit nicht möglich sein. Die immer wiederkehrende Behauptung, daß die Entlassung des Jahrgangs 1860 mit seinen wenigen Monaten„so gut wie gar keine Entlassung gewesen sei", widerspricht den Tatsachen." Versetzung aus der Front Zurückgezogener nach Berlin.«Ami- lich-i In letzter Zeit häufen sich die Vecsetzungsgesuche von An- gehörigen der aus der Front zurückgezogenen älteren Landsturmleute nach Berlin und seinen Vororten derart, daß schon jetzt auf die lln- Möglichkeit der Berücksichtigung aller hingewiesen werden muß; berechtigten Gesuchen, die einen tatsächlichen Notstand ohne weiteres erkennen lassen oder amtlich beglaubigt nachweisen, wird nach wie vor in weitestgehendem Maße nachgegangen werden. Keine Rückliefördcrnng der in Holland Internierten.(Amtlich.) Die deutschen Tageszeitungen veröffentlichten eine Mitteilung aus dem Haag, wonach Holland wegen der eigenen Ernährungsschwierig- ketten keine weiteren Internierten und Gefangenen aufnehmen will und die zurzeit in Holland untergebrachten eng- Irschen und deutschen Gefangenen z u r it ck b e f ö r d c r t werden fol- len. Hierzu wird amilich bemerkt, daß eine Zurückbesördecung der in Holland internierten deutschen Kriegsgefangenen nach England nicht in Frage kommen kann. Tie deutsche Regierung hat sich der holländischen gegenüber verpflichtet, s ü r die Ernährung der von England nach Holland überführten und dort untergebrachten deutschen Kriegsgefangenen zu sorgen. GewechchofisbewMNg Ersatzpflicht für Garderobendiebstahl. Je höher Kleidung und Schuhwerk im Preise steigen und je schwerer sie zu beschaffen sind, desto häufiger kommen Diebstähle an Kleidern und Schuhen in Fabrlkgarderoben vor. Klogeir auf Schadenersatz, den bestoblene Ärbeiler von ihren Unternehmern fordern, sind seit Monaten eine vor dem Gewerbe- gericht oft wiederkehrende Erscheinung. Ob der Unter- nehmer zum Ersatz des Schadens verurteilt wird, das hängt von den Umständen des betreffenden Falles ab. Nach dem Nechlsstandpunkt, den das Berliner Landgericht I als Berufungsinstanz eingenommen hat. ist der Unternehmer für Diebstähle in der Fabrikgarderobe nur dann schadenersatzpflichtig, wenn ihm ein Verschulden nachgewiesen werden kann, das heißt, wenn hinsichtlich der Aufbewahrung der Garderobe nicht die notwendigen Siche- rungen gegen Diebstahl getroffen sind. Als solche Sicherungen führt das Landgerichtsurtcil an: Verschließbare Schränke oder Ein- richtungen, wie sie in den Theatergarderoben bestehen. � In der letzten Sitzung der Kammer 5 des Berliner Gewerbe- gerichls wurden zwer Fälle von Garderobendicbstahl verhandelt, In dem einen Fall wurde der Unternehmer als schadenersatzpflichtig angesehen, im andern Fall nicht. Einer bei der A. E. G. beschäftigten Vorarbeiterin waren ein Ulster, ein Hut. eine Boa und ein Muff gestohlen, wofür sie 380 M. Schadenersatz forderte. Die Sachen waren in einem Schrank autbe- wahrt, den die Klägerin mit einem von ihr selbst beschafften Vor- legeschloß verschlossen hatte. Das Schloß halte der Dieb erbrochen. Der Rauln, der etwa 400 Personen zur Aufbewahrung ihrer Garde- robe dient, wird ständig von einer Frau überwacht.— Mit Rücksicht auf diese Sicheruugsvorkehrungen hielt das Gericht ein Ver- schulden der beklagten Firma nicht für vorliegend und deshalb einen Rechtsanspruw auf Schadenersatz nicht für gegeben. Die Klage wurde abgewisen. Im zweite» Falle handelte es sich um die Klage einer Ar- beiierin gegen die Firma Marlin. Die Klägerin forderte 35 M. für einen ihr gestohlenen Schirm. Die Garderobe wurde aufbewahrt in einen Breuerverschlag, der im Arbeitsraum hergerichtet war. Der Verschlag hatte zwar eine verschließbare Tür, war aber für jeder- mann zugänglich, auch nach oben nicht abgeschlossen, so daß man, über die Bretterwand langend. Garderobensiücke herausholen konnte. In diesem Falle hielt das Gericht den Beklagten für verpflichtet, Schadenersatz zu leisten, weil die beschriebene Garderobe keine Sicherung gegen Diebstahl bot. Der Beklagte erkannte deshalb seine Zahlungspflicht an, ohne es erst zum Urleil kommen zu lassen._ Der Tapezicrervcrband im Jahre 1S17. Am Schluß des Jahres tfug hatte der Verband der Tapezierer und verwandter Bernisgenossen 2074. Ende 1917 dagegen 2570 Mitglieder. Ter Zuwachs von 496 Mitgliedern kommt fast aus- schließlich auf die weiblichen Mitglieder. Deren Zahl ist im Lause des Jahres von 235 auf 734 gestiegen. Die Zahl der männlichen Mitglieder vermehrte sich nur um 47. Mit dem Mitgliederbestand Eiide 1917 ist die Zahl des Jahresschlusses 1915, die 2593 betrug, nahezu wieder erreicht. Doch das Zahleilverhältnis der männlichen und weiblichen Mitglieder hat sich seitdem weientlich geändert. Ende 19l5 batte der Verband 2430 männliche und 163 weibliche Mitglieder. Ende 1917 zählte er 1836 männliche und 734 weibliche Mitglieder. Ve- sonders zahlreich sind die Tapezierer in den Flugzcugbetrieben beschäftigt. Hier geht die sonst von Männern ausgeführte Arbeit mehr und mehr aus weibliche Arbeilskräste über. Der Bestand der Häuptlasie hat sich gegen das Vorjahr um 3877 M. gehoben, er beträgr am Jahresschlütz 182 148 M. Der Bestand der Lokalkassen ist von 103 278 M. auf 97 797 M. gesunken, was auf die hoben Ausgaben für Unter stützungSzwecke zuriickzü- sühren ist. Die Lokalkassen gaben iür Notstands Unterstützung 10 581 Mark und für Arbcilsloscnunterstützung 243 M. aus. Die Haupt- kasse wandte für Notstandsuuterftützung 20 062 M. und für die übrigen Unterstützungszweige 8545 M. auf. ErsuZge der Gemeindearbeiter. In der am Donnerstag abgehaltenen Generalversammlung der Filiale Groß-Berlin des Gemeindearbeiterverbandes berichtete der Vorsitzende Müntner, daß sich die Entwicklung der Organi- salion im zweiten Vierteljahr in aufsteigender Linie bewegte. Die Milgliederzahl, die am Ende des vorigen Ouartals 6035 betrugj ist auf 6303 gestiegen. Davon sind 4535 männliche. 1753 weibliche und 15 jugendliche Mitglieder. Von der Steigerung der Mitgliederzabl kommen 57 auf die männlichen und 211 auf die weiblichen Mitglieder.— Ruht nur in der Aufwärtsbewegung der Mitglieder- zahl, sondern auch in der Ausbesserung der Löhne hat der Verband erftculiche Fortschritte zu verzeichnen. Jin Lauf der Kriegsjahre sind in allen städtischen Betrieben Teuerungszulagen durchgesetzt worden. Besonders bemerkenswert ist, daß die in den Revierinsvektionen der städtischen Gaswerke Berlins beschäf- tigten Arbeiter jetzt den Achtstundentag haben. Auf wiederholte Anträge des Verbandes wurde der Achtstundentag am l. Januar d. I. in fünf Revierinspehionen probeweise eingeführt. Die endgültige Einführung in allen Revieiiuspektionen ist dann am 1. Juli erfolgt. Auch für die Gaswerke ist die Einführung des Achistmidentages beantragt. Sie stößt vier auf Schwierigkeiten, weil die Arbeitszeiten von verschiedener Länge sind, aber grnnd- sätzliche Einwendungen gegen den Achtstundentag werden' auch seitens der Gaswerke incht mehr gemacht. Die Einführung des Achtstundentages in den Gaswerken ist also nur eine Frage der Der Deutsche Transportarbcitervcrhand hat im Jahre 1917 für 109 878 Berufskollegen uwd-kolleginnen mehr als 46 Millio- nen Mar! an Lohnerhöhungen und Teuerungszu- lagen erwirkt. Auf die einzelne an den Bewegungen beteiligte Person entfällt eine durchschnittliche Erhöhung des wöchentlichen Einkommens von 8,10 Mark. parteinachrichten. Rcichstagsabgcordneter Erdmann und die Solinger Bersammlung-. Abgeordneter Erdmann beanstandet in dem Berichte über die Solinger Scheidemann-Veriammlung den Satz:„In der Mitte der Krachmacher saß, stumm wie ein Fisch, der geistige Ober- le>ter des Krakeels, der Reichstagsabgeordnete Erdmann." Er sei von dem Parleivorstand der Unabhängigen nach Solingen gesandt Waiden, um in der Versammlung Scheidemann entgegenzutreten, habe dort erfahren, daß eine Diskussion nicht zugelassen sei und habe wieder heimkehren wollen. Man habe ihn aber veranlaßt, mit zu der Versammlung zu kommen. Mit dem. was der Versammlung vorangegangen sei, habe er ebenso wenig eiwaS zu tun wie mit dem, was in ihr vorgegangen sei. Er habe keinen Beruf in sich gefühlt, sich in die«Auseinandersetzung" zu mischen, er habe in der Versammlung niemand Vorichrifien über sein Verhalten machen mögen,„auch dann nicht", so heißt es in dem. Briefe wörtlich, «wenn mir persönlich eine andere Form der Aus- einander setzung mehr zusagen würde." In dem letzten Satze rückt Erdmann deutlich von den Solinger Krachmachern ab. Warum hat er aber nichts getan, um den Skandal, durch den sich seine Partei kom, promittierte, zu verhindern? Hat er nicht gewußt, daß der ganze Radau durch Flugblätter organisiert war— eine Tatsache, die in keinem einzigen unabhängigen Blatt erwähnt ist? Schämt man sich am Ende doch ein bißchen? 3flKustrfe und Kandel. Höhere Kohlen- und Eiscnprerse. Trotz der glänzenden Abschlüsse und Dtvidendenerklärun- gen finden die rheinisch-westfälischen Industriellen den Mut, höhere Preise zu verlangen. Das Rheinisch-Westfälische Kohlen- syndikat verlangt für die Tonne Kohle und Koks je 3 Mark mehr. Da die Kohle eines der wichtigsten Produktionsmittel der Stahlindustrie ist, so ergreifen natürlich die Stahlindn- striellen die schon längst ersehnte Gelegenheit beim Schopf und verlangen auch für ihre Erzeugnisse Preiserhöhungen. �* Unter diesen Umständen paßt es sich gut, daß die„Bergarbeiter- zeitung" auseinandersetzt, daß die tatsächlichen Verkaufspreise der Kohle sehr viel schneller gewachsen sind als die Richtpreise. Sie schreibt: Wenn Kohlenbergleute um Lohnerhöhungen einkommen, dann wind ihnen entgegnet:„Zuerst müssen die Koylenpreise erhöht wer- den." Hierzu werden die von den Zechenkartellen vorgenommenen Erhöhungen der„Richtpreise" angeführt, um damit zu beweisen, daß die Preissteigerungen mäßige sind, keine„eigentlichen Kriegs- gewinne" ergeben und„keine weiteren Lohnzulagen" zulassen. Nun sind die Richtpreise nicht beweiskräftig, weil sie die wirk- lichsn Verkaufspreise sind. Half nichts. Selbst bergbehördliche Instanzen beriefen sich gegenüber den Lohnforderungen immer wieder auf die Richtpreise, als ob diese ein sicheres Bild von den Einnahmen der Zechenbesttzer darstellten. Und nun bestätigt die Regierungsdenkschrift über die Kaliindustrie weit mehr als das, was wir über den wahren Charakter der Richtpreise ausgeführt haben. Die Kaliwerksbesitzer haben nämlich zur Begründung ihrer neuen Preisfonderung(die den Reichstag kürzlich beschäftigte) ein umfangreiches Material über die Erhöhung der Selbstkosten bei- gebracht. In welchem Ausmaße die Kohlenpreise in die Höhe gingen, mögen folgende Ziffern illustrieren. Vorerst sei festgestellt, daß die „Richtpreise" des Rheinifch-Westfälischen Kohlensyndikats pro Tonne seit Kriegsbeginn um 9 M. für Kohle, 13,50 M. für Koks, 13,25 M. für Briketts erhöht wurden. Ungefähr in derselben Weise. teils mehr, teils weniger, sind auch die„Richtpreise" der Zechen- kartelle in Oberschlesien, Riederschlesten, Sachsen, Mitteldeutschland und im Rheinland(Köln) heraufgesetzt worden. Wie eS aber mit den Verkaufspreisen aussieht, daS sei nun nach der Regie- rungsdenkschrift mitgeteilt. Das Kaliwerk A(die Namen werden nicht genannt) hatte pro 10 Tonnen ab Grube zu zahlen für 1. Halbjahr 1914 2. Halbjahr 1917 Steinkohle(westfälische) 95.50 M. 267,00 M. Braunkohle..... 56,00 M, 201,60 M. Von dem Werk C wird berichtet, eS habe 1914 für einen Hckto- liier Helmstedter Braunkohle ab Grube 26 Pf. gezahlt, vom 1. Fe- bruar 1918 an müßten laut Schreiben des Magdeburger Braun- kohlensyndikats 51— 61 Pf, gezahlt werden(ohne Kohlensteuer). Das Werk O hatte zu zahlen für eine Tonne Braunkohle ab Juni 1914 März 1918 Steigerung Grube D... 2,50 M. 6,96 M. 178 Prozent Grube N... 2,50 M. 8,28 M. 276 Dk Fabrik B mußte zahlen für 10 Tonnen 1914 1917 1918(Februar) Braunkohlen.. 45.25 M. 58—90 M. 100 M. Briketts.... 91.50 M. 117—260 M. 260 M. Diese Fabrik konstatiert feit 1913/14 eine Zunahme der Lohn- kosten von 74 Proz., der Kohlenkosten von 332 Proz.! Die Richtigkeit dieser Angaben ist amtlich bestätigt. Sie er- geben eine'Erhöhung der Steinkohlen-, Braunkohlen- und Brikett- preise bis weit über 300 Prozent! Greifen wir das Kaliwerk A heraus: Es mutzte im zweiten Halbjahr 1917 pro 10 Tonnen westfälischer Steinkohle ab Zeche 267 M., das sind 171,50 M. mehr wie 1814, zahlen. Würde nur die Erhöhung der„Richtpreise"(90 M. pro 10 Tonnen) und dazu die Kohlensteuer(20 Proz. des Preises ab Werk) zugeschlagen sein, dann stellte sich der Verkaufspreis ab Werk auf ungefähr 222 M. Der Verbraucher mußte aber tatsächlich 64 M. mehr zahlen, als die bekannte Richtpretserhöbung und die Kohlensteuer ausmachen. Dieser Kohlenverkauf erfolgt direkt durch das Syndikat; verteuernde Zwischenhändlergewinne kommen nicht in Betracht. Der Braunkahlenpreis erhöhte sich für das Werk B von 64 auf 230 M. pro 10 Tonnen. Das sind 16,60 M. pro Tonne Preis- erhöhung, gleich reichlich 385 Prozent! Bringt man davon die 20 Proz. Kohlensteuer in Abzug, so bleiben immer noch 365 Proz. Preiserhöhung! Auch hier handelt es sich um Syndikatspreise. Das ist doch ungeheuerlich! Und die Werksverwaltungen er- klären dennoch, die Preise müßten weiter hinaufgesetzt werden, wenn die Arbeiterlöhne aufgebessert werden sollten. Mit„entsprechenden" Lohnerhöhungen kann aber die unge- heuerliche Kohlenpreissteigerung nicht gerechtfertigt werden. Hat doch sei Kriegsbeglirn bis einschließlich erstes Viertel 1313 nur be- tragen die Lohnerhöhung im preußischen Bergbau für eigentlickie Bergarbeiter....-69,4— 09,4 Prozent übrige Untertagsarbeiter... 67,1— 76,6„ erwachsene Obertagsarbeiter.. 74.4— 99,3„ Wenn auch die Förderung pro Kopf infolge sachlicher Schmie- rigkeiten durchschnittlich nicht mehr so hoch ist, wie in Friedens- zelten, die Preissteigerung von bis mehr als 300 Proz. begründet auch das nicht._ Liquidierung deutscher Banken in Brasiiien. Die Agencia Americana berichtet aus Rio de Janeiro, daß der Finanzminister auf Beschluß der Regierung mit der Liquidierung sämtlicher deutschen Banken in ganz Brasilien begonnen habe. Verantwortl. f, PolitiU Dr. Franz Dirdcrich. Verlin-Friedenau: für d, übrigen Teil des Blattes: Alsrcd Schalz, Neulölln: für Anzeigen: Tiieoder Glocke, Berlin. Verlag: Vorwärts-Verlag G. m. b. H., Berlin. Druck: Vorwärt-Z-Vnchdruckerei und BerlagSansialt Paul Singer u. Co, in Berlin. Lindenstrakie 3. Hierzu 1 Beilage und Nnterhaliungslilait, Nsntsekie«'Z'iivs.tvi'. Konrmv, Sonnt., Mont. 8 Uhr letzte drei Anffürungen ('amilie SeMiiiek mit Max Paüenijerg. Dienstag, zum 1. Male Der fesclte Kadi mit Max Palienberg. Kamiaerspiete. Allabendlich 7S/, XJlir: Inkogfülto.(Operette.) VoUi(siMiline,Th,a. Bülowpl. Allabendlich. 71/; Uhr: Ein Sommernachtslrauni. Theater des Westens Aliabendlich 1LI2 Uhr: Sie Tänzerin. Tiieater'j. Königgratzerstr. 8 Uhr: Die Schwestern und der Fremde. fComödlenliaiis 8 Uhr; Die IKarln. BerlmerTheater 715U.; ISIitzhlnraes Bllnt. !Wer iler FrlelislÄ Ecke Friedrich- u. Linienstr. Norden 8650. 7'l, Zum 1. Male: Oergolslsne Spiepol Xiustspiel in 3 Äufz.?. Ma,x Bern.-tein u. Ludwig Heller. v.Möllond.,A.Tornig, R.Georg Sonnt. S'/j kl. Pr.: Jng'end. Naüonal-Tlieater 'Iß Oöpenicker Str. 68'/,S GrSiter Laeherfolg! Xänseben. Hilitärhumoreske in 3 Akten. Musik von Walter Brommo. Vorverk. 10 U. un unterbroch. Theater für Sonnabend, 27. J»Ii. Lmstspielhans 7a/tUhi; Die spaniselie Fliege Centrai-Theater ti, üi- me CsardasMlii. Deutsches Opernhaus v.: üe seliöie ieleiia. Friedricb-Wilhelmst. Theater �uhr: Das Breinräileiifisiis. E£.oiuischc Oper Vlv.-. Ssliwmliifel. Sonnt. 31/2 U.: Die Kinokönigin. Kleines Theater 8 Uhr: ArisJid und seine Fehler mit Bassermann. Metropol-Theater Die lose m Stamliiil. Tffe Uhr: Heües Operettenliaüs 7'/äuhr Jer Soldat lief llaf je. EtesIdenE-Theater i'/s uhr: Fliser- SS Wen. Schiller-Th. Chart. 7'/, Uhr: filt-l Thalia Theater u�BlerierllieieEliile Theater am Nollendorfplatz 7-/2 Uhr: w Rose= I heater. 7-/-N.: Die priszessia vorai. GaUenb.: Bitte reohUreundüeh Booklirauerei(jetzt Patzenhofer), Täglich Großes Täglich I. T. O. Konzert Sonntag, den S8. Juli 1918, von 4— 11 Uhr ir sfles IFWÄKsmWri unter Mitwirkung der gesamten akt. Kapelle d. GaFde-Füsiliere(Maikäfer) unter persönl. Leitung des Hrn. Musik dir Dipnel. Dir. Tonkünstlerheim, Ängsburger Str. 74.__ Trianon-Theateir Bhf. Friedrichstr. Ztr. 4927. 2391 8 U. Zum 330. Male: Der MewsseMte. Kaiser-Titz, Bildt, Flink. Bonnab nachm. kl. Pr,: fechneewittcSieBi. Sonntag 4 ühr: Johannisfeuer. Rsiciisliallen-Tiieater. Gasispiel der Leipziger Seidel-Sänger. Anfang 71/2 i Ab l.flug. Stettiner Sänger ileichshallen-Saal u. Garten j Blßthgen- Konzert. Äilniiiaispalasl. j 9iB Prinzessin von IragaBti |SaJdah. Deutsche Tänze.) Kühler Aufenthalt. 7s/4 Uhr. 2, 3, 4, 5, 6 M. Berliner Praler-teier Kailanienallee 7—9. Täglich 5 Uhr in vollständig neuer Bearbeitung: 31» ISÜfMEäMfc WroßePoffen-Revuc in 5 Bildern Dazu die grofiart SpezisUitäten Kabarett Tivoli --------- Bunte Vorträge-------- Spiclfolge vom 16.— 31. JTall: Duett Faßbender X Alois Kiämer Marzella Velly X Hansi Sacher X vlto Jülich Krämer-Wolff X Rankel-Rappo's. I'iig-Ileh zwei KsapeUen. Anfang wochent. 7, Sonntag nachm. 4 Uhr. Kottbuser Damm 95«�7�,4553 MMM mit dem Schwank Tägl. 73/1. Sonnt. S'/jU. 7°/., Großer Lacherfolg! Gesamt-Gastsplel des Herrnfeid- Theaters Sie Sriefs- pwimiler. Hau p troll.: Dir. A. Hermfeld, Ferd. Grünecker. ISISEÄSÄII! Zirkus-Busch-Gebäude. Heute Sonnabend, 27. Juli: i Trohe SD| | A*' Aufführungen | nachm. 3U., ahds.U/z Uhr. I „Torpedo- los i" Das gewaltige Manegcschaustfflcls.| j Wochent-Naehmzahl. Er- j waohsene und K i n d e r| halbe Einlrittspreisa. Gebisse Nur 2 Tage Isi Berliu zahle ich besonders hohe Preise für alte ausgebrauchte iro Zalfo bis M. 4.00 auch für den gewöhnl. Platin- Zahn M. 0.50 und Platin-Stift-Zahn l.OO M., Platin-Platten-Zahn kältere Kautschuk-Gebisse) M. 4.0O. Metall-Gebisse bis M. 150. Kein Platin Gr. M. T'.SO. nur llontag, den SS)., und Djenstag, den 30. Juli, 10— 6Ijhr im Hotel„Nordischer Ho,'ÄettirefrBafnhofrofc Frau C-WilH� Hamburg. H.& P. Uder, Ml'' Tabak- l-rolibaiiilliiii und Tabaklabrik. Rauch-, Kau-, Schnupftabake, Zigarren, Zigaretten Bis auf weiteres; ' öeschfiftezeit 8— 11 nad 3—6 Chr. m, Forospreoher; Amt HloritzplaU 3014, OF.B.JHÄS' I Tägl. 7 st. Uhr abends! 1 äjteseJi-Erfoig. f i Morg. Sonnt. 2 Aufführ.! 31/2 und 71/. Uhr. Walhalla- | Theater, Weinbergswog! �zooopilleo�arzeioh&ts BerHn-Woeton_ ksi GoJezionltsStskSofa*m W. Mmn a!!-lgi.119l BSOECÖC soocscn üiess! lüilif Detsnisim. löreitestr. 57, Scliönwaider-| <|str. 13! 4, Picliels�orrerstr. 12.| Haus- uad Küclieageräte Hermann Finck 3 E is e nwar,_, Seh on wald erst.87.? M,Xä ger8t'LiMnp.,Gla.1Forz8H..Stolag. k '~ fFiiS lailllW MarktlQ,gegr.l850.[ Beziüsqyeilen-tjorzoiohnis Beplln-aopriew Dränen, FarbeEs Ei e, Flsisch- ss. Vltfcirstw, Wickori > Sit ib9, Ifoioiitaiwisreei Strelitzec Str. 67 öbelmaijaxlisa BeinieXeudorfrit. 97 Tiseliiermoiater feseSjo. BezuosqyeiieR-Uopzelcnnis Eerlin-Sstan ßnltep, Eier, KSse ze IMmnUniieiij ttdehShanalunfi SSBliSSl" D P�otog�apH. AteHers, «Tb|S9An7n!lQltO.Z«8ehke,Andm8-' IjjLWKH&sislr. 28 k. Andrea-tplat»: B8ZUgsg08!l8a-llBfZ8i5ll!l!S B® I bi»S IS s 2i nelsoti-u.» er, Fri«{F.22.i B«ZL ÖSsron, Goläwaren»cb S, r'enske, Eottbus.Damm 96� Strensf r<*0xl, anpirkannt bill.� ieDKöHfi SC Dittmarmi | BeiTinerstp. 42|| 3 Wild- Geflügel- Flsoha.d -s ___ lf»reviBtäiia»p__ MliamBTirger WaranfetusMax FlesoniiagM �Alt-Stralau 1! ,Vorw.-Tos. erh. 50,tpH A M» Speziala'm Dr. med. kaab» beb. schnell, prünbl., möfiL schmerzlos il. ohne BerusSstör. Gssohloehiskrankheit.. geheirtia Haut-, Harn-, Frauenleiden, Schwäche. 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Er wies darauf hin, daß nach einer— für uns selbstverständlich unkontrollierbaren und der Sachlage nach höchst anfechtbaren— Statistik die Straßenbahn täglich um minde- stens 10 000 M. geschädigt werde. Nach seiner subjektiven Person- hfchen Erfahrung, so erklärte der Vorsitzende, weniger durch Ar- heiter und Angestellte, als vielmehr durch das bessere P u b I i k u m, vor allem durch D a m e n, die sich einen besonderen Sport daraus machen, das Fahrgeld zu„sparen". Es komme der Gesellschaft nicht darauf an, sich durch die Strafgelder einen Ge- winn zu verschaffen— was wir ihr nach den jahrzehntelangen Er-- fahrungcn mit ihr ohne weiteres glauben— nach den Ergebnissen sn anderen Städten mache das eine so geringe Summe aus, daß ihr daran nichts liegen könne. Sic müsse nur Wert daraus legen, das Publikum zur Einhaltung seiner Zahlungspflicht mit Nachdruck SU erziehen. Die Kontrolleure würden angewiesen, dabei mit Größter Loyalität zu verfahren. Vor allem wird auf die Schwierigkeiten des Publikums bei der Fahrscheinbeschaffung Rück- ficht genommen werden; so soll sich der Kontrolleur nicht vur aus die Aussagen der Schaffnerin stützen, sondern auch aus die Bestätigung der nach st stehenden Fahr- Gäste. Also Volksabstimmung aus der Straßenbahn! Schade, daß für uns der Wert derartiger Abstimmungen in diesem Fall ein recht zweifelhafter ist.... Wir haben keine Ursache, von unserem ablehnenden Stand- dunkle abzugeben. Wir sind der festen Meinung, daß der„Anreiz" höherer Löhne die Große Berliner in die Lage versetzen würde, über genügend Personal zur Ausübung von einwandfreieren Kontrollmaßnahmen, als die geplante ist, zu vertilgen. Im übrigen toird es sich empfehlen, der„Loyalität" der Berliner ein gehäuft fhfaß' abwartenden Mißtrauens entgegenzubringen. Die„Obstschätze" Berlins. Der Magistrat Berlin bittet uns um Aufnahme folgender Zuschrift: Gegenüber den Angriffen, welche ein amtlicher Angestellter der Neichsstelle für Gemüse und Obst gegen die Gemeinden Groß- Berlins in der Oeffentlichkeit zu richten sich veranlaßt fühlt, sei auf folgende Zahlen hingewiesen: Es sind in den Wochen vom 3. Juni bis 20. Juli 1918 nach Groß-Berlin eingeführt worden: An Weiderschem Obst 72 035 Zentner, �urch waggonweiie Zumhren an die Gemeinden Groß-Berlins 20 000 Zentner. Es haben also pro Tag für eine Bevölkerung von mehr als SV, Millionen rund 1850 Zentner zur Verfügung Gestanden; d. b. pro Kopf der Bevölkerung der Zwanzig st eTeil eines Pfundes. Das sind die in der genannten Veröffentlichung tür die Berliner Bevölkerung augeblich vorhanden gewekenen O b st s ch ä tz e. Bemerkt sei, daß die Gemeinden Groß-Berlins bisher nur das uus bewirtschafteten Gebieten ihnen zugewiesene oder von ihnen eingekaufte Obst zur Verteilung bringen konnten. Wenn von der Beschickung mit Kirschen aus nicht bewirtschafteten Obst- gebieten, insbesondere von Schlesien gesprochen wird, so ist eine wiche Angabe geeignet, auf denjenigen, der die Verhältnisse nicht kennt, verwirrend zu wirken. Denn bis vor ganz kurzer Zeit war den Kommunen Groß-Berljns, trotzdem sie schon im vo- v igen Jahre bei den maßgeblichen Behörden da- hin vorstellig geworden waren, nicht möglich, diese freien Eingänge, welche durch Großhändler �nach Berlin hereingebracht werden, überhapt zahlenmäßig zu kon- trollieren, geschweige denn zu beschlagnahmen. Sachlich unzutreffend ist die Behauptung, daß die Ueberwachung des Obstverkehrs vom Eintreffen der Ware in Berlin aus seinem -Äege bis zum Kleinhändler und eine sorgsältige Kontrolle des Kleinhandels seither gefehlt hat, oder daß diese Kontrolle nicht scharf genug sei. Es werden nicht öOOO Kleinhandelsgeschäfte, sondern von diesen täglich nur höchstens 300 Kleinhandelsgeschäfte der Stadt Berlin beliefert, die in Berlin der ständigen Kontrolle einer großen Anzahl von städtischen Revisoren im Verein mit Hausfrauen vom Gingange bis zum Verkauf der Ware unterliegen. Bisher sind an -Ileinbandelsgeschäften etwa 02 von der Belieferung ausgeschlossen, '5 verwarnt. Daß eine so geringe Menge Obst, wie die oben sifferumäßig angegebene, bei einer derart gewaltigen Be- v ö l k e r u n g S m a s s e wie Groß-Berlin für den größten Teil der einzelnen Bewerber beim Klcinverkauf nicht in' Erscheinung tznt, sondern zu verschwinden scheint, kann nicht verwunder- "ch sein. Die Nessel kommt wieder zu Ehren. Unter den vielen im Laufe deS Krieges entstandenen Unter- vehmungen zur Gewinnung von„Ersatz" gehört zu denjenigen, die ernster zu nehmen find, der Anbau von Nesseln. Nesselstoff statt Baumwollstoff ist, wie jede Hausfrau weiß, kein„Ersatz" in dem üblen Sinn dieses Wortes, den wir in der Kiiegszeit hinreichend kennen gelernt haben. Gelingt es, durch Nesselanbau größten khiaßstabes die Gewinnung und Verwertung der Nesselfaser be- deutend zu steigern und Baumwolle großenteils durch Nessel zu verdrängen, so wäre das nur eine Wiedereinsetzung in frühere Rechte. Erst der Krieg, der die Zufuhren sperrte und uns die Baumwolle entzog, hat uns genötigt, wieder mehr an die altbewährte Nessel zu denken. Die erste Maßregel vrar die über ganz Deutschland sich erstreckende Ein- fammlung wild wachsender Brennesseln, die zweite ist der Plan- volle Anbau von Brennesseln auf dazu geeignetem und oft anders kaum auszunutzendem Land-, woran es im Deutschen Reich nicht fehlt. Im vorigen Jahr wurde die N e s s e l- A n b a u- G e s e l l- fchasl gegründet, die kür die Dauer des Krieges nur gemein- viitzige Zwecke verfolgt und nach dem Kriege als Erwerbsgeiellschaft weilerbestehen soll. ere ist ein Gemeinschaftsunternehmen der deutschen Textilindustrie; die Gesellschafter sind etwa zur Hälfte Jiidustriellc, zur Hälfte das Reich und Bundesstaaten. Die Nessel- Aubau-Gesellschasl hat bereits Flächen von zusammen 15 000 Hektar fn Anbau, darunter viele Niederungsmoore und Erlenbrüche, deren forstwirtschaftliche Ausnutzung nur geringen Ertrag brächte. Ein der Teltow liegendes G e I ä n d e von 8 Hektar, das wir, einer Einladung der Direktion folgend, besichtigten, gibt Einblick in den A>�>aubctneb. Neben üppigem Nesselwildwuchs sahen wir große Bestände feldmäßigen Ness elanbau s, dessen Erfolge die Annahme widerlegen, daß die Brennessel nur in der Nähe schatten- spendender Bäume gedeihen könne. Die Trockenheit des Früh- sommers hat nicht gehindert, daß aus diesen Nesselsekdern die Stengel, aus denen die werlvolle Spinniaser gewonnen wird, eine vurchschnittliche Höhe von 1 Meter erreichten. Feldmäßiger Anbau wacht cS bequem, bei der Ernte die Schneidemaschine zu benutzen, mit der im Erlenbruch nichts auszurichten ist. Das einfache Verfahren, daß unsere Schnlkinder bei der Einsammlung wildwachsender Nesseln anwenden, paßt natürlich ganz und gar nicht zu dem Betrieb weit ausgedehnter Nesselplantagen. Große Hoffnungen werden auf die nach dem Kriege zu erwartende AuS- gestaltung des Anbauderfahrens gesetzt. Die Bemühungen, auch die Fasergewinnung zu verbessern, haben bereits Erfolg gehabt. Die Förderung des Nesselanbaues und der Nesselverwertung ist nicht eine nur auf die Dauer des Krieges berechnete Maßregel. sondern soll und kann ihre volle Bedeutung erst nach ihm erlangen. Sie wird gegenüber eiwaigen Versuchen, auch nach dem Kriege die Einfuhr ausländischer Spiunsasern nach Deutschland zu erschweren, als Abwehr wirken._ Ter Regierungsrat Koska. Wie wir mitteilten, hat der für die Leitung einer demnächst zu gründenden„Gemeinnützigen Aktiengesellschaft der A n g e st e l l t e n- H e i m st ä t t e n" in'Aussicht genommene G e- h e i m e R e g i e r u n g s r a t Koska die Mieter des Hauses Steglitz,' Ahorn st raße 19, ausgemietet, um Raum für die Geschäftsstelle der Aktiengesellschaft zu gewinnen. Dazu wird uns van der„Arbeitsgemeinschaft freier Angestelltenverbände" geschrieben: Wir legen Wert daraus, festzustellen, daß der von den Angestellienvcrbänden zur Vorbereitung der Gründung eingesetzte, auch von uns beschickte Arbeitsausschuß von dem Vorgehen des Regierungsrats Koska bis zur Veröffent- lichung der Pressenotizen keinerlei Kenntnis hatte. Da wir es selbstverständlich mit dem Zweck einer gemeinnützigen Heimstätten- Gesellschaft für unvereinbar halten, daß sie ähre Tä tig- keit mit der Verdrängung von Insassen bereits bestehender Wohnungen beginnt, zumalNW!«««kk-M«. Aertoaltuugös-ekle Berlin. A' Sil. Linteustrahe 83—85. GelchästSzeit von S— t Uhr und von 4—7 Uhr. Telephon: Amt Norden 188, 128g. 1987, 9714. Montag, den 39. Juli 1918, abends ß Uhr: Versammlunq kn Bellte Milkt Kö AmeMW« im Gewerkschaftshaus, Engeluser 15(Saal b). Die Tagesordnung wird in der Versammlung bekannt ge- macht und ist es dringend notwendig, dich alle Kollegen erscheinen. 115/14 Mitgliedsbnch legitimiert. Rege Beteiligung erwartet flie Optfflverwaltiung. ffetiilet Bronem- i.¥iTengtSlet Geschäftsstelle: VerWaUungSStClIf Fernsprecher: C 54, Mulackstr. 10. Bcriitl. iicriion, 4518. (Sccffnet vorm. Bon 9—1 Uhr, uachm von 6stz— 8 Uhr. Sonn- u. Feiertags den ganzen Tag u. Sonnabend nachmittags vcxi 1 Uhr an geschlossen. Sonntag, den Ä8. Jnli, nachmittags 2 Uhr, im Gewerkschaftshaus, Engelufer 15(Sani 1); vorgestern in Böckstein durch Absturz über eine Felswand tödlich verunglückt. Die Leiche wurde nach mühevollem Suchen gestern gefunden und geborgen. Gnefkaften öer ReZ-aktwn.. SB. R. 1887. Wir können uns nicht entsinnen, von Ihnen eine An- frage erhalten zu haben. Sie müßten diese also wiederholen.— P. U. ,39. 1. Das Amtsgericht hat init dem Kausvertrag nichts zu tun, den müssen Sie, unabhängig davon, schließen. 2. Sie können beides innerhalb einiger Tage erletagen,— H. M, 18. Kriegsgetrauten wird Unterstützung nicht gewährt. Wenn sich nach Eingehung der Ehe in den Erwerbsverhaltnissen nichts geändert hat, wird Bedürftigkeit als nicht vor- liegend erachtet,— F. K. 391. Die Auskunst der Steuerbehörde ist richtig. Zur Kemeindeeinkommensteuer können Sie verpflichtet werden.— A. K. 88. Freiwillige Mttgliedschast kann nur im Anschluß an Zwangsmitgliedschast erworben werden,— H. D. 91. Der Vermieter ist zu beidem berechtigt. Sie bezw. Ihre Ehefrau konnten das Mieteinigungsamt zur Entscheidung anrufen. — F. M. 17. l. Da Ihr Einkommen über 3000 M. betrug, sind Sie auch jetzt steuerpflichtig. 2. Pia.— A. T. 30. Eine Reklamation ist völlig ausgeschlossen. Auch die Unterstützung für das Kind kann entzogen werden. Wenn Ihr Einkommen aber nicht größer ist, als Sie angeben, so sollte die Unterstützung sür das Kind gezahlt werden. Erheben Sie Ve- schwerde.— Gofr. W. S. Anspruch aus Rauchwaren haben Sie nicht. — K. Tot. 1. Nicht Krieaersrauen, sondern der zum Heere eingezogene Soldat ist steuerfrei, wenn sein Einkommen nicht 3000 M. beträgt. Das Einkommen der Frau gehört zum Einkommen des Ehemannes. Sie ist deshalb steuerfrei. 2. Nein. 3. Was für ein Antrag? 4. Nein.— D. 50. iOBD ffisS, bis 800 M., Spcisezin bis 1000 M,, l�bs! sei Ego, Neukölln, Berl» ZPENÄMLi s I>n. Ilieek. Kie.e-id«-» für B 1 Geschlechtskrankheiten, 9 | Haut-, Harn-, Frauenieiilen, H | nervös. Schwäche, Bein- v R kranke. Behandlung B: | schnell, sicher u.schrnerz- B Ii los ohne Berufsstörung H! i in Dr. Ilomoyer& Co. 1 j § konz. Labor, f. Blutunters., S! Fäden im Hai'n usw.§ Fiietlpie!istrJl,|aerf0c�; Das Stellvertretende Ge neralkommando entscheidet darüber endgültig.— Müller 3. 1. Sie kämt en durch einen Nachtrag das erste Testament um> stoßen und den Sohn mit dem gleichen Erbteil wie die anderen Kinder bedenke». 2. Den Nachtrag können Sie im Hause aufbewahren. 3. Das Pflichtteil ist die Halste vom gesetzlichen Erbteil, in. Ihrem Falle also HOV M. Wasserstands Nachrichten der Landesanstalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterburean. «SetterauSsichten kür daS mittlere Tiorvdcntssüland viS Sountag mittag. Ziemlich warm, vorherrschend wolkig, mit leichten Regensällen. strichweise Gewitter. .is 600 M. w, gebr. ner. gebr. Llrt kaust rStr.29D i, Be-! und! meine e j £( i l.G. M. :r sein Satiler ichuster. näht st'pstiche die Ma- e. Man i Schuh schirre, de- u, i endeck., Treib- Schul- Tor- Reise- Segel- ie alles enkbare lucht zu ein mit min- Fabri- irets p. mit 3 'denen um K.S.SO : 16»-- «HenepasversanrainsuKig. Tag esordnung: 1. tsteschäfts- und Kasteubertcht vom 3. Q-nartal 1918. 2. Bericht über den Stand der Bewegung zur Erhöhung der Teuerungszulage usw. in den Brauereien und zur Loh»- bewegung in den Mühlen. ". Berbaudsangelegenheiten. ES ist Pflicht jedes Mitgliedes, in dieser wichtigen Ver- chmmlung zu erscheinen. Mitgliedsbuch oder Karle berechtigt zum Eintritt. 12/17 IMe Ortsvorwaltunsr- Volkslieder für Heim und Wanderung im Auftrage der Zentralstelle für die arbeitende Zugend Deutschlands herausgegeben von Hermann Böse Das Buch enthält auf 280 Seiten 300 Volks- lieber mit Aioten und eine Einführung in das Lautenspiel. 100 Lieder sind mit Akkordbezeich» nung versehen, natürlich durchweg mit ein- fachsten Harmoniegängen. Klavier- und Lauten- spielern wird dieseEinrichtung willkommen sein. 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Neukölln: Katser-Friedrich» Straste 15. 85/18* Neue Mitglieder können noch ausgenommen werden. Nur private Berbrauch. Zwischen- Handel ausgeschlossen. Näheres in den BerteilungSstellen während obiger GeschäftSstunden und im Berwaltungsbureau der Norddeutsche» Gemüse- bau. Genossenschaft, Burg- straste 37, i n. Stock, Zimmer 76 (b. Zirkus Bnjch). tägl. v. 10—7. Bathaus. I i Spr. 10-1 u. 5-8, Sonnt. 10-1.! | Hmicrar mäßig, a. Teilzahl.[ Separates Damenzimmer, 4a (Nähe (Nähe (Nähe 38, Korken zu den jetzigen erhöhten gesetz- lichen Höchstpreisen kaust Sperber, 286/19* Zehdemcker Str. IS. Nord. 4808. Zug et. Aufkäufer. Wird auch ab- geholt. Universal- Briefsteller 4,— Mark, Buchhandlung Vorwärts Lindenstraße 3(Laden). l versendet unter Nach»., ! Borte u Verpackung frei. ! Ins Feld nur gegen Vor- s emsenoung des Betrages. Versandhaus Straßburg i.E. /*- n-.•> c w*.. i ♦ s rt �.'r*-. A ry Aiskrailkttlkailr der Gürtler z« Berlin. Zu der am Sonnabend, den 3. August, abendö'/,li Uhr, im„Restaurant CSottlle),". Oranienstr. 69, Hos 1 Treppe, stattfindenden außerordentlichen IIü$S(i)ijlMit»g werden die Herren Vertreter der Arbeitgeber und der Kassen- Mitglieder im Ausschuß hiermit ergebenst eingeladen. Tagesordnung: 1. Abänderung de? Z 59 Absatz 2 a sowie Absatz 3 a und b der Satzung. 2. Verschiedenes. Anfragen und Beschwerden, zu denen die Einsicht der Ge- schästsbücher erforderlich ist, sind dem Vorsitzenden des Vorstandes bis zum!!>. Lnli schriftlich zu unterbreiten. Die Versammlung wird pünkt- tich eröffnet. Eine Vertretung ist unzulässig. Berlin, den 27. Jnli 1918. Der Vorstand Gustav Wolf, stelle, Vorsitzender. Die den Herren Vertretern zugehende Einladungskarte dient als Ausweis und ist am Saal-' eingang abzugeben. 269/7 Möbel jeder Ari sowie ganze Nachlässe kaust höchstzahlend Neukölln. Steinmetzstr. 4. Telephon: Neukölln 1045. fiii-ftetiig BsMiii, Iii Entzückende Auswahl, 205, 250 usw. Flotf« Form, gute Stoße, 185, 216 usw. Seiden-locKe, Stoiiciclfe 65, 79»sw. Westmann, S.«eecha«: Berlin W. Moliröasü'sSe 37a 2. Geschiift: Berliti XO, Gr. rraniMer Stralle 1!5. Sonntags gescIisS�sseiH. « Silberne Hochzeit | feiern heute die Eheleute � � Eoopclii leih Schenrer x g und Frau tutie geb. AUmsnn p I 28036] Feldstr. 5.» Veutichek IMaüaf&eitcr- Verband. Verv/altangssteile Berlm. Den Mitgliedern zur Nach- j vtchl, daß unser Kollege, der Werkzeugmacher ; ReinlioM Sebnelle j Gr. Frankfurter Straße 13, j am 24. Juli gestorben ist. Die Beerdigung sind et am ! Montag, den 29. Juli, nach- > mittags 4 Uhr, von der ! Leichenhalle des St. Georgen- ] Kirchhofes inderLandSberger j Allee, aus statt. Rege Beteiligunh wird er- f wartel. IVaeiilruk. Den Mitgliedern ferner i t zur Nachricht, daß unser j \ Kollege, der Schlosser Emil Winterstein Rügener-Straße 17, j am 19. Juli gestorben ist. Ehre ihrem Andenke»! � U5/t6s Die Ortsverwaltung. I Verband d.fflalcr.CacHiepcr, l flnFtreidjer. Filiale Berlin. Den Mitgliedern zur Nach- s richt, daß Kollege k-iul"VztZeiis (Lackierer) ! am 20. Juli verstorben ist. s Ehre seine« Zlndenke«:! Am 22. Juli verstarb der! | Kollege Robert Zimmerniann (Küchenmöbelbranche). ] Ehre seinem Andenken i Seine Beerdigung findel Z l am Sonnabend, den 27. s Juli, uachmiitags 5 llhr. s von der Halle' des Süd- j west-Kirchhoss in Stabns- j darf aus statt. 135/4 Ij Die Ortsverwaitung. Fr an k Abrah am II»»!i.Mo8S!nn-u.Uöm5rt.rst vir» lNZW7??e?i<>w7'??lili»z. w _ Btagö-JiwäTä R«»_ J> umm ZJü�Ss. 1 :top'8nstr--M sämtiieke Bfider. Passage- Bad Ä"- Reform-End, Wiener Str. W. ©Bipfiehlt MMin •«i««l Rings« Jsqs.Melleai'-VerÄeieliraisB Erschein' 2 mal vv5cheiat|lch. � l? ntea stell e n d e 0 es ch af i:ee mpf! c n steh bei Einkäufen iineiie�er iraälass "EtutterT fclöK tili»» WllSielm©fiibef 25 eigene Fil'ai� 1 gglrliriii g 48 üx«i-e DetailgMcfeiitk ISc�rotcr.R pgy 45 DrrkankselelUn 43 UZ August Hoitz 4___________ � Tiffiser-'Essiif 1 Woli'Jr.,1'rikötii H onnaaB n, C''' Berlin und Oranienburg iriBM WW'WN iisri Weissbier, C. Breithaupi, Paiisudenstr. 97 Xel.Kgst. 2081,2082 <(Ra»-;rgm-iu.Km»b»n8»»r�� "äs®„ Badstr. S«, K*k» sJi. isaer prjn.eH.Aij,.. <4 MShtwaiKCh�iän~b P(rollnowstr. 26 Nähmaßcbinon üger NähiaseMaen Lftdcm In aOea StadtteflenuB ___ u. w Otlo�Hongel, Aitü�Tac.obsip. 26.! C�arOulag, StromatF 31." R«hIma*wJ».,Mf511er«t,-«0b,K.SeoiBt Felzwaren � ig/la 8i¥n"ffia 9 n a vn SBethke, iieorg, SrEl iKcaJtöia, Säbeetr. SS, EiiMor-FrieiT-| jStr. 64, W«t«ritr. 1*0, FrieMtto. 2S g Grätg-StraS* 64. g Gaege,OttoChCrn: t M �irkfar Wrangelatr. 75 * ♦ ct» iliyll»! Ecke OuTrystr. 4iisgg5rrir«aK55ig5yv en»> "-- üb., rrinkt. /IDm« Plötzlich und unerwartet i l starb an einem Schlaganfall! ! im Krankenhause zu Bernau � unsere ehemalige Haus- ! reinigungssrau und laug- s jährige Hausgenossin, Franj NKrie Künecke Prinzen-Allee 46h In den 14 Jahren, die die i ! Dahingeschiedene im Hause! wohnte, haben wir siel j schätzen und ehren gelernt.! Stets unermüdlich, jedem! ! gern gefällig und immer! ! luissbereit zu jeder Zeit und! i stunde, werden ihr alle, die l sie kannten, ein ehrendes g | Andenken bewahren. P. lliettrlcli, i 28076' Prinzen-Allee 46a.! Die Beerdigung findet! > h e u te soimabend, nach- I mittags!!'/, Uhr, vom I > Ärankenhause in Bernau! j nach dem dortigen Friedhof! statt. Meierei IC. Boiin HBMisrahis« Ältester und �rSsater Milchwirtsciiaftilchdr = Grosabetciftb M iäihfSffet so- kottbuser Str. z. nl. mHl&fcui auchGelcgenlifitskf. Frndttaä�e � 1 Sug®~®©lisagl i 60 FOialon in a!!«n Stadteilen. 1 .iep?ra Ö !ca.550Y8rkMMelL6r:-ßerL ünenrtjelirl ! für jeden.Hansha samten. Arbeite , Pferdebesitzer is! \ Hand-lVä.h-Aii SS Eisisli € Sättel ricmen, rnnzc», nister, taschen. tuch.scl nur ederze ftickeu. verwech anderer derwert taten. Stück verschi Nadeln Faden? 2 Stck. 1 4 Stck. Ii Nr. 2Ö4— Eigentümliche Ircniie der Geschichte: Engländer find c§ einst, bor mehr als 350 Jahren, gewesen, die den Anlaß zur Entstehung und zum ersten Ausschwunge der.Stadt Archangelsk gegeben haben, — Engländer sind es heul, die von der Murmanküste aus Ruß- landß nördlichste Hafen- und Handelsstadt bedrohen und gegen die dort die Sowjet-Republik den Widerstand zu organisieren sich be- müht. Eine merkwürdige Schöpfung ist diese„Erzengelstadt"(denn das bedeutet ja ihr Nanie) hoch oben in Rußlands eisigem Norden, in einer höchst unwirtlichen Gegend, Ivo der Dwinastrom in der- fchiedenen Armen feine Fluten in daS Weiße Meer wälzt. Für den, der sich Archangelsk don der tkandseite her nähert, bridct eS wohl eine große Ueberrafchung, in dieser Umgebung aus eine Ställe lebhasten Handelsberkchrs, ans einen Kulturmittelpunkt zu stoßen. Denn das Hinterland der Stadt wird von öden, unübersehbaren Ebenen gebildet, auf denen kein Baum, kein Strauch, kurz»ichis die unsägliche Einförmigkeit unterbricht und belebt; und dies tote Land stößt an ein totes Meer, dessen SHiste von grauen, düsteren Felsenbergen begleitet wird. Um so überraschender und erfreulicher ist dann der Anblick dieser be- lebten Stadt mit ihren langen, dem Dwinauser parallel sich hin- ziehenden Straßen, wo die Holzhäuser jetzt nur noch die Aus- nahmen bilden, mit ihren bau Gärten umrahmten, hübschen Villen, ihren Denkmälern und geschichtlichen Ueberresten. Zwar hat sich Archangelsk trotz seines großen Handelsverkehrs einen kleinstädtischen Charakter bewahrt, aber auf dem Troitzkij-Prospektc eiilfaktet sich doch noch immer ein munteres, reges Leben, das von jeher ein stark internationales Gepräge getragen und durch die Beimischung des lappischen und samojedischen Elementes auch einen besonderen ethnographischen Einschlag empfangen hat. Die Straßen der Stadt ziehen sich kilometerlang den Fluß abwärts, bis sie schließlich an der mit Archangelsk durch eine Brücke verbundenen>HafeninseI Solombala ihr Ende finden. In jedem Frühjahr, wenn das Eis taut, ist diese Insel tagelang überschwemmt, viele Häuser stehen dann bis zum Dache unier Wasser, und die Beböllennig fährt in Kähnen durch die Straßen. Hier stand in der Mitte deS 16. Jahrhunderts mir ein ein- sames Kloster. Da geschah eS im August 1553, daß durch Stürme ein englisches Schiff tu die Mündung der Dwina verschlagen wurde. ES war das letzte einer zur Auffindung einer nordöstlichen Durchfahrt durch das Eismeer ausgesandten englischen Expedition unter Richard Chancellor, das in dem damaligen kleinen Hafenplatze Cholmogori— 70 Werst unterhalb des heutigen Archangelsk— freundlich aufgenommen wnrde. Daraus entspannen sich nun zwischen Rußland und England Handelsbeziehungen über das Weiße Meer, die zur Gründung der Stadt An- laß gaben. Lange waren die Engländer in ihrem Handel die Führenden— es war übrigens dieser Handel von jeher sehr einseitiger Ratnr. insofern Archangelsk stets nur als Ausfuhrhafen russischer Waren gedient bat, während die Ein- fuhr nie diesen Weg benutzte und die Schiffe daher auf der Rück- fahrt häufig mit Sandballast zu fahren pflegten. Im Laufe der Jahrhunderte haben aber auch hier die Deutschen die Engländer mehr und mehr zurückgedrängt; der 1684 erbaute„deutsche Kauf- bof" erinnert hieran, und schließlich hatte sich in Archangelsk eine stattliche deutsche Kolonie gebildet, die in ihrer lutherischen Kirchs einen Mittelpunkt hatte. Während des Krieges hat die Stadt am Weißen Meere höchst merkwürdige, beinahe märchenhafte Zeiten erlebt. Amerikanische Tage schienen da für Archangelsk herein- zubrechen.„Via Archangels" war die Marke, die aus Tausenden und aber Tausenden von Kisten, Säcken, Ladungen und Frachten aller Art aus Amerika zu lesen stand; zu hohen Stapeln türmten sich diese Sendungen in der der Bewältigung eines solchen Ver- kehrs nicht gewachsenen Stadt, und sogleich strömte hier senes bekannte internationale Publikum zusammen, das sich überall einfindet, wo das Spiel der Millionen gespielt wird. Und Millionen sind während der Kriegszeit in Archangelsk verdient und erschwindelt worden. An Geld hat es aber hier, in der Oede des höchsten Nordens. überhaupt nie gefehlt; dafür hat schon das berühmte Solowetzkis- Kloster gesorgt, jene auf einer Insel bor der Dwinamündung be- legene, alte und große geistliche Ansiedlung, in deren Betrieb sich Religion und Geschäft so eigentümlich verbinden. Denn das Kloster ist ein Heiligtum ersten Ranges, zu dem in der Sommerszeit wohl 30 000 Pilger wallen, und sein Archimandrit genießt Rang und Stellung eines Fürsten. Zugleich aber füllen die Mönche die langen Tage ihrer klösterlichen Einsamkeit mit einer höckst regen in- dustriellen und gewerblichen Tätigkeit aus, durch deren Erzeugnisse sie einen io großen Umsatz erreichen, daß daS Kloster davon ein »ehr beträchtliches Einkommen bezieht. Und was fertigen die Mönche nicht alles an' Ihre Tätigkeit erstreckt sich vom Perlen- Halsbande bis zum Eismeerschiffe, sie nähen Kleider und Pelze, malen Bilder, stellen Holzschnitzereien her. gerben und bereiten Leder, stricken Strümpfe, spinnen, schleifen Edelsjeine, fertigen Werk- zeuge an. machen Früchte ein; außerdem versehen sie noch den auf ihrer Klosteriiisel eingerichteten Wetterdienst und sind als tüchtige Seeschiffer bekannt. So hat sich dies Kloster zu einer Ställe regen menschlichen Schaffens mitten in der Ocde des Weißen WeereS enttvickelt. (Falls die Bolschetviki in Archangelsk die Macht in Händen haben, dürfte da? Kloster inzwischen in eine Arbeitsgcmcinschast verwandelt sein. Der Befehl erging jedenfalls dazu.) Tpernrnn öss Mtags. Der neugierige Ob st Händler. Eine stattliche Menschenschlanae an einer Straßenecke läßt ver- muten, daß es da etwas ganz„Seltenes" gibt, Also: Obst. Die Ahnung trog doch nicht: Kirschen. Zwei Pfund zu einem Betrag, der den Höchstpreis weit hinter sich läßt. Auf die bescheidene Frage. ob man nicht ein Pfund haben könne, erhält man die Antwort: „Nee! Sie haben wohl nicht so viel Draht bei sich?" Die Gemüsefrau„mit die Ruhe". Als ich den Laden betrete, steht eine sehr selbstbewußte, nicht gerade linterernährte Frau binier dem Ladentisch und überhört selbstverständlich meinen Gruß. Sie ist gerade in ein interessantes Gespräch mit einem Bekannten vertieft. Man wartet und teilt dies Schicksal im übrigen mit sechs bis acht Personen, die lange vorher da waren. Jemand räuspert sich schüchtern. Die Ladeninhaberin hat nichts gehört. Man wartet wieder eine Weile. Endlich wagt eine ältere Frau den Hinweis, daß sie keine Zeit mehr habe. Ein vernichtender Blick straft die Unvrrschämte:„Immer mit die Ruhe. Was wollen Sie denn?" Die ältere Frau:„Sie haben da Möhren im Schaufenster." Die Gemüsefrau:„Ja." Die ältere Frau:„Der Preis?" Die Gemüsefrau nennt einen Beirag, für den man früher ein Vielfaches hätte kaufen könneit. Die ältere Frau besinnt sich einen Augenblick. Die Gemüse- frcni:„Wenn Ihnen das zu teuer ist. Sie müssen sie nicht kaufen. Die Möhren werden auch ohne Sie alle!" Die. ältere Frau kriegt einen roten Kopf und geht schweigend hinaus. Der Mann, der nichts Eiliges macht. Nachdem man die ganze Woche einen inneren Anlauf genommen hat, um den Schuhmacher aufzusuchen, ivagt man schüchtern diesen schwierigen Weg. Auf das zaghafte Anklopfen ruft niemand herein. Man geht trotzdem hinein und wird deshalb mit einer Miene empfangen, wie wenn man der Steuerbote wärx. Der Mann auf dem Schemel hört das demütig borgebrachte Anliegen mit einem Gesicht an, in dem Verachtung und spöttische Ironie um die Herrschast ringen. Nachdem man geendet, gibt er die folgende vernichtende Antwort:„Eilig! Darauf Hab' ich bloß gewartet.-Werni Sic keine Zeit haben, ich Hab' schon gar keine. Eilige Sachen mach' ich überhaupt»ich'. Rehmen Sie Ihren Kram nur wieder mit." Der Menschenkenner. Bei den jetzigen Preisen für Zigarren kann man sich den Genuß einer halbwegs ranchbaren Zigarre kaum noch leisten. Mein bis- heriger Lieferant hat nur noch Ware für wehrbeitragspflichtige Käufer. Ich gehe also gelegentlich zu einem anderen Händler. Mau zeigt mir einige Sorten. Die billigste kostet 80 Pf., sieht aber aus, wie bor dein Kriege eine 3—4 Pf.-Zigarre. Ich verzichte unter diesen Umständen ans ciuetl Kauf und will eben wieder bftt Laden verlassen, als mir der Mann am Ladentisch nachruft: „Ihnen hob' iÄ gleich angesehen, daß Sie nichts kaufen. Ich kenne meine Pappenheimer! Machen Sie's nächste Mal einen anderen glücklich!" F. M. Sonnabenö, 27. Juli Warum hört üas Wachstum auf! DaS menschliche Wachstum ist, an der relativen Gewichts- zunähme bemessen, kurz nach der Geburt am größten und nimmt von da ab laugsam, aber stetig ab. Beträgt die Gewichtszunahme im ersten Jahre 200 Proz., so sinkt sie im zweiten auf etwa L5 bis 30 Proz., im dritten aus 20 Proz., im vierten aus 15 Proz. und im fünften auf weniger als 10 Proz., um allmählich immer weiter zu sinken und im 22. bis 24. Lebensjahre ganz aufzuhören. Die Gründe dieser Verzögerung und des völligen Aufhöreng des Wachstmns hat Dr. Alexander Lipzchiitz in einer Untersuchung behandelt, deren Er- gebnlsse in der„Nalurwisscuschaftlichsn Wochenschrift" mitgeteilt werden. DaS Wachstum beruht auf Zellteilung, die Verzögerung des" Wachstums wird also durch Hemmung der Teilungsgeschwindigteit hervorgerufen. Woodruff hat nun durch Versuche nachgewiesen, daß die Hemmung eine Folge von Selbstvergiftung durch Stoff- Wechselprodukte ist. Er brachte Einzellige(t'arumacium), die sich täglich ziveimal teilen, täglich in eine neue Nährlösung und erreichte dadurch, daß der Zeitraum der Teilung ziemlich gleich blieb. Wurde die Nährlöstiug jedoch nicht verändert, so nahm die Teilungsgeschwindigkeit' ständig ab, um nach einigen Tagen völlig zu erlöschen, so daß die Kolvitie ausstarb. Die Abnahme der Teiluilgsgeschwindi'gkeit trat äuch ein, wenn die Zelle in eine Nähr- lösung gebracht wurde, in der schon Tiere derselben Art gehalten lvorden waren: in einer Nährlösung mit Tieren einer anderen Art blieb sie dagegen die alte. Denselben Einfluß üben die Stoff- wechselprodukte auch bei den mehrzelligen Organismen aus, imb ebenso wirken hemmend auk das Wachstum die im Innern des Or- ganislnus abgelagerten Stoffwechielprodukte. In den Nervenzellen des Menschen findet man im Aller beträchtliche Mengen von Pigment eingelagert. Während man diese Nblagerungerungen früher für eine Folge dxr geringeren Widerstandsfähigkeit der Zellen im Alter hielt, haben Mühlmami imd Schreyer nachgewiesen, daß sie schon im frühesten Kindesaller anfangen. Die Ablagerungen sind also nicht die Folge der Greisenhaftigkeit, sondern dieses ist»mgdehrt eine Folg» der Ablagerungen. Unter dem Einfluß der Stoffwechsel- Produkte wird die Assimilation der Zellen gehemmt und damit die Teilbarkeit verlangsamt; mit der Zunahme der Ab- lagernngen nimmt also die WachstumSgeschwindigkeit ab. Während in der Jugend die Zelle, mehr Nahrung aufnimmt, als sie für ihren �Fortbestand nötig hat und den Ueberschuß zur Ver-. größernug und Teilmig gebraucht, nimmt infolge der Ablagerungen die Nahrungsaufnahme langsam ab, bis schließlich kein Neberschuß mehr vorhanden ist und so daS Wachstum aufhört. Da die Aus- scheidungen aber immer noch weiter fortdauern und die Aisimilation immer schlvächer wird, reicht schließlich die von der Zeile ani- genommene Nahriliig für ihren Fortbestand micht mehr aus, und der Tod tritt, ein. Notizen. —©in Zeichen der Zeit. Eine kleine Merteljahrsschrift „Berliner Romantik" beginnt in Berlin zu erscheinen. Einer Inneren Forderung unserer Zeit, die in Materialismus nahezu ver- sinkend notwendig nach geistigem Gegengewicht ruft, will sie nach der Ankündigung dadurch entsprechen, daß sie die Kulturwerte der Berliner Frühromantik wieder erweckt.„Echte Lebensfreude im Geiste der Blauen Blume soll lauterer Quell werden für vertiefte Weltanschauung und inniges Erleben des ewig Guten und Schönen."— Auch eine Flucht vor dem Kriege. — Die M t! s i k e r gegen de n Klcid'nngSz w ä n g. Das Konzertpublikum, die. Gäste in den Konzertkaffeehäusern werden sich an ein neues Bild gewöhneiwmüssen:■ Seit Habdn's Zeiten ist es Pflicht des Mlisikers, seine Kl»rfl in'schwarzer Meidnnfl�auV zuüben. Diese Pflicht wird jetzt von der Bezugscheinpslichk und dem Mangel an Kleidungsstücken überhaupt in so hohem Maße lle- einträchtigt, daß sich die Musiker zu einem Protest gegen den Kleidungszwang genötigt sehen. Tie' Künstler werden'sich in Zu- kllnft in der Kleidung nicht mehr von ihren Zuhörern unterscheiden. — Chöleräimpfung tu Stock h v i m. In der von der Cholera bedrohten schwedischen Hauptstadt, deren Bewohner jedem Krankheitsverdacht gegenüber stets ganz besonders ängstlich sind, wird der Zustrom derer, die sich gegen die Seuche impfen lassen. täglich größer. Bereits vergangenen Sonnabend teilt»n eine ganze Reihe von Aerzten mit, daß sie den ganzen Tag saug ununter- brochen mit Impfungen zu tun gehabt hätten. Einen Impfzwang hält die fNedizinalverwaUung vorläufig nicht für notwendig. 47] Das gelobte Äanü. Raman von W. S t. R e y m o n t. „Diebisch oder nicht diebisch, das ist für mich Papier I Mir geht's um ganz was anderes, ich will, daß Häuser ge- baut"werden, daß Fabriken gebaut werden, Straßen angelegt, die Verkehrsmittel erweitert, Wege angelegt werden! Ich will, daß mein Lodz wächst, daß es prachtvolle Paläste besitzt, schöne Gärten, daß großer Betrieb herrscht, großer Handel und großes Geld!" „Für den Anfang gibt's ja schon großen Schwindel nnd große Schundwaren." „Das ist kein Fehler, daraus wird das große Lodz er- stehen." „Und unterdessen soll der Blitz es versengen. Gute Nacht, Herr Halpern." „Gut' Nacht, Herr Trawinski. Das ist nicht Ihr letztes Wort über Lodz." „Mein letztes und ganz aufrichtiges. Droschke I" rief er. „Der arme Schlucker!" flüsterte Halpern verächtlich und kehrte um. Langsam schleppte er sich zurück und schallte wieder zu den Häusern empor, zit den Fabriken, ilnd be staunte mit den von der Macht dieser Stadt bezauberten Augen alles, die Läden, die Lager nnd die Leute. Trawinski fuhr nach Hausw Er wohnte ziemlich lveit ab. Fast am Ende der Kon- stantinstraße ließ er in eine dunkle und so dreckige Gasse ein- biegen, daß der Kutscher gaiZsnicht hineinfahren wollte. So ging er denn zu Fuß auf der Spur eines Bürger- steigs, der sich etwas über das Niveau der ungepflasterten Straße erhob. Die Häuser waren von Handivebern beivohnt. An jedem Fenster huschten die Silhouetteil von Werkstätten und Menschen vorbei, Gepolter nnd Geknatter erfüllte die ganze Straße. Selbst die niedrigen, schiefen kleinen Stockwerke, die sich hier nnd da erhoben, erklangen und erzitterten von dem Widerhall der Arbeit. Diese völlig verlassene Gegend, die in Kot schtvamm und ganz verschieden war von dem andern Lodz, beherrschte die Müllersche Fabrik mit ihren vierstöckigen Gebäuden, die aus dem Meer der niedrigen Häuschen und Gärten emporwuchsen und mit ihren tausend Fenstern und ihren elektrischen Sonnen triumphierend leuchteten. Wie ein mächtiges Kräftereservoir erhob sich die Fabrik. Der Atem ihrer Kraft schien die Reihen der elenden, schiefen Häuser zu Boden zu drücken. Man fühlte, Ivie die großen, in unzähligen Maschinen aufheulenden Bauten langsam die, ganze Lebenskrast dieser alten, vom Schwärm der Handmeber bewohnten Gegend aussogen, ivie sie die winzige Hand- indnstrie, die hier einst blühte, und die sich immer noch nnt Verzweiflung, ohne Hoffnung auf Sieg verteidigte, auffraßen und den letzten Rest noch zermalmten. Bescheiden neben der Müllerschen Fabrik stand die Fabrik Trawinskis, nur durch einen schmalen Garten von ihr getrennt. Trawinski schritt durch das Tor, das ein alter, einbeiniger Veteran bewachte. Sein Gesicht war geflickt wie ein alter Lumpen. Beim Anblick Trawinskis richtete er sich militärisch ans '.md wartete auf seine Befehle, aber Trawinski lächelte bloß dieser archäologischen Erbschaft seiner Väter zu und ging ins Kontor, wo einige Leute über Büchern schlummerten; dann warf er einen Blick in die Spinnerei, über den Wall von Transmissionen nnd im wahnsinnigen Trieb surrenden Riemen, auf die schweren, schrägen Bewegungen der Selfaktoren, die wie Ungeheuer lauerten, ihr weißes Rückgrat krümmend, von den sie bewachenden Arbeitern schwerfällig wegliefen nnd ebenso wieder zurückfielen, unablässig Hunderte von.Baum- ivollsaseru wie Schleimstreifen hinter sich herschleppend, die sich dann auf die schnarrenden, lveißeu Spulen auswickelten. Er trat zurück und ging über einen langen, von gelben Gnsflanunen erhellten Hof, die neben den elektrischen Lichtern der Müllerschen Fabrik wie Trauerkerzen brannten. Rückwabts im Garten stand ein einstöckiges Haus, mit der Front gegen den Fabrikhof und der Seite gegen eine ver- lassene Gasse. Hinter den verhängten Fenstern brannte Licht. Trawinski durchschritt einige schön möblierte, warme und sehr stille Zimmer, in denen es leicht nach Hyazinthen duftete, nnd betrat ein kleines Boudoir. Die Teppiche bedeckten so dicht das Parkett, daß seine Frau ihn nicht hörte. Sie saß bei der Lampe und las. „So allein sitzt du hier, Nina?" fragte er und setzte sich neben sie. „Wen sollte ich denn bei mir haben?" erwiderte sie traurig. „Hast du geweint �/ „Nein, nein," leugnete sie und wandte den Kopf vom Licht weg. „Tränen Hab' ich gesehen." „Ich war so traurig hier allein!" flüsterte sie, rückte an ihn heran und zog mit einer weichen, wunderbaren Be- ivegung seinen Kopf an ihre Brust. Tränen stiegen ihr wieder in die Augen.„Ich habe ans dich gewartet, dieser Regen fiel ilmner so eintönig herab nnd klopfte gegen die Scheiben und auf die Dächer und lallte so eigentümlich in den Rinn- steinen; ich hatte Angst, Angst.. um dich." „Warum um mich?" „Ich weiß nicht, warum, aber ich hatte so böse Vorahnungen.. Aber dir fehlt doch nichts, nicht wahr:■ Bist gesund nnd ruhig, nicht wahr?" flüsterte sie, ihn umschlingend.„Doch warum bist du so traurig?" „Dies furchtbare Wetter, wie soll Man da gut gelaunt sein." Er löste sich auS ihrer Umarmung und begann im Boudoir auf und ab zu gehen. In seinem Herzen wühlte ein Sturm. Er fühlte, wenn er ihr alles sagen könnte, ivenu er sie in alles einweihen könnte, dann würde ihm diese Beichte eine große Erleichterung schaffen; aber als er aus ihr schönes Gesicht blickte, das sich unter der Lampe neigte, sti dentz milden Lichtschimmer über ihrem vollen, kastauienhrdunen, an den Schläfen goldig leuchtenden Haar, da fiihUe er auch, um nichts in der Welt würde er es ihr sagen. Immer langsamer ging er im Zimmer herum und labte sich mit einem Gefühl grimmig« Erleichterung an dem stillen Frieden der Wohnung; mit fremdem Blick schaute er auf die voruehmen Möbel und die unzähligen Kleinigkeiten, wirkliche Kunstwerke von großem Wert, die in einer Reihe von Jahren aus allen Enden der Welt für Nina zusammengetragen hatte, denn ihre aristokratische, empfängliche Künstlernatur, ihre mimosenhaft zarte Seele fühlte sich erst wohl, wenn Schönheit sie umgab. Aber jetzt vor dorn Rnin, der ihn erwartete, zerwühlte ihn ein furchtbarer Schmerz, die Angst vor dem morgigen Tag, der nun kommen sollte und ihm alle diese Schütze und die Ruhe und sein Glück nehmen sollte. „Was anfangen?" dachte er dumpf. Als Antwort kam ihm immer wieder nur ein Gedanke in den Sinn: den Vater nochmals um Hilfe zu bitten. Für einen Augenblick ritz ihn dieser Gedanke fort, freudig und triumphierend blickte er um- her, aber bald erloschen die Blicke, und wieder schaute er mit düsteren, angstvollen Augen auf seilte Frau. „Ich muß lveg, Nina," sagte er leise. Er erinnerte sich nämlich an den alten Baum. „Aus lange? Komm' bald zurück, mein Liebster, mein Einziger!" bat sie, sich an ihn schmiegend, und küßte ihn aus die Lippen. „Spätestens in einer Stunde. Ich gehe nur über die Straße, zu Baum."(Forts, ffolgt.) Zentrum: Albert H a h n i s ch, Ackerstr. 174, am Koppenplatz. Geöffnet von 11— Hi und von 4I/2— 7 Uhr. 2, Wahlkreis: S. und SW.: G n st a v Schmidt, Bärwaldstr. 42, an der Gneisenaustraße. Geöffnet von II— lü und von iVh— 7 Uhr. 3. Wahlkreis: S t. Fritz, Prinzenstr. 31, Hof rechts Part. Geöffnet von II— llVj und von i'/i— 7 Uhr. 4. Wahlkreis: Osten: Robert Wenzels, Markusftr. 36. Geöffnet von 11— 1VS und von 4!b— 7 Uhr.— K a r l M e l l e, Petersburger Platz 4 lLaden). Geöffnet von II— I!b und von iVs— 7 Uhr. 4. Wahlkreis: Südosten: Paul Böhm, Lausitzer Platz 14/lb. Geöffnet von 11— Iii und von iVj— 7 Uhr. 5. Wahlkreis: Leo Zucht, Jmmanelkirchstr. 12(Hof). Geöffnet von 11— VA und von 4V3— 7 Uhr. 6. Wahlkreis(Moabit): Joseph, Wilhelmshavener Straße 48. Geöffnet von 11— VA und von iA— 7 Uhr. Weddiug: I. Hönisch, Müllerstr. L4», Ecke Utrechter Straße(Laden). Geöffnet von II— VA und von 4�— 7 Uhr. Rvfcnthaler und Oranienburger Borstadt: A. Wolgast, Wattstr. I. Geöffnet von II— Ist, und von VA— 7 Uhr. Gefundbrnuuen: Fischer, Baftianstr. 6(Laden). Geöffnet von 11 bis Ist, und von i'A— 7 Uhr. Schönhauser Vorstadt: Karl Mars, Greifenhagener Straße 22. Geöffnet von II— Ist, und von 4st>— 7 Uhr. Adlershos: F c v e r st e i n, Bismarckstraße 32. Alt-Glieuicke, Falkenberg: S a l z n: a n n, Falkenberg, Gartenstadtstr. 10. Bauntschliirnweg: Karl Kövke, Kiefholzstr. 179. Bernau, Röntgrntal, Zepernick, Schönow, Schöubriick und Buch: Heinrich B r 0 s e, Bernau, Mühlenstr. 5(Laden). Zeitungs-Ausgabestellen mth Jnseratett-Annahme. Biesdorf: SB. Danneberg, Vikioriasiraße 11. Bohnsdorf: Horlemann, Genosfenschaftshans„Paradies". Charlotienburg: Gustav Schar nbcrg, Sesenheimer Straße I. Ge- öffnet von II— VA und von VA— 7 Uhr. Eichwalde, Schmöckwitz, Zeuthen, Miersdvrs: Oskar Mahle, Grünauer Straße 37. Fredcrsdorf-Pctershagen: Uffenwaffer, Petershagen. Friedenau, Steglitz, Südende: H. B e r n s e e, Sieglitz, Mommfenstr. 59. Friedrichshagen, Fichtenau, Rahnsdorf, Schöneiche, Klein- Schönebeck: Ernst Werrmann, Friedrichshagcn, Köpenicker Straße 18. blrünau: Franz Klein, Friedrichstr. 19. Johannisthal: Map Gonschur, Parkstr. 23. Karlshorst: Frau Sachse, Iunker-Jörg-Str. 7 II. Kaulsdorf: Fr. Himpel, Bülowstraße 21. Königs-Wusterhausen, Wildau, Niederlehme, Schenkendors: Friedrich Bau m a u n, Luckenwalder Straße 5. Köpenick: Emil W i tz l e r, Kictzer Straße 6(Laden). Geöffnet von morgens 7 Uhr bis abends 8 Uhr. Lichtenberg I, Friedrichsielde, Hohenschönhausen: Otto S e i k e I, Warten- bergstraße 1(Laden). Geöffnet von II— VA und von VA— 7 Uhr. Lichtenberg II, Nnmmelsburg, Stralau: A. Rosenkranz, Alt-Box- bogen 56. Geöffnet von II— Ist, und von VA— 7 Uhr. Mahlsdorf: Frau Strauß, Lindenstraße 11. Marisndorf, Maricnfclds: August L e i P, Chausiceftr. 29. Neuenhagen: Johann H ü b f ch 0 r, Schmidlstraße 14. Neukölln: M. Heinrich, Neckarstr. 2(Laden). Geöffnet von 11— Ist- und von VA— 7 Uhr. Neukölln-Britz: Rohr, Siegfriedftr. 28/29. Geöffnet von 11—11* und von 414—7 Uhr. Niederfchöneweide: Wilhelm Unruh. Brückenstr. 19, II. Nowawcs: Karl Krähnberg, Eifenbahtsitr. 19. Obcrfchöneweide: Ida Freidank, Bismarckstr. 25, I. Pankow, Niederfchönhaufen, Nordend, Franz.-W«chholz, Blankenburg: R i ß m a n u, Pankow, Mühlenstr. 79. Reinickendorf-Ost, Wilhelmsruh und Schönholz: P. G u r f ch, Provinz- straße 56(Laden). Schönebcrg: Wilhelm Bäumler, Meininger Straße 9(Laden). Geöffnet von 11— Ist- und von 4A— 7 Uhr. Spandau, Siemensfiadt: E. P i a h l, Spandau, Marschallstr. 19. Tegel, Borsigwalde, Wittenau, Waidmannslust, Hermsdorf, Hshen-Rcuen- dorf, Birkenwerder, Freie Scholle und Rcinickendorf-West: Paul K i e n a st, Borsigwalde, Räufchstr. 19. Geöffnet von 11— VA und von 414—7 Uhr. Teltow: Pfeifer, Havelstr. 2. Tempclhof: Rud. Ueckermann, Kaifer-Wichelm-Siraße 74. Treptow: Rob. Gramenz, Kicfholzstr. 412, vorn 1 Treppe. Weißensee: Wasielewski, Berliner Allee 11. 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