Nr. 208. 38. Jahrg. Bezugspreis: Sierteliähru 4.60 MI. monotl. l.BOTOl, frei ins Haus, i>ornuS�aHibar,EinzeIi>c Nuniniern 10 Viennig,"Boftbcjug: Monalüch, vom Boiischalter abzuholen Z LV Mb, vom Briefträger ms Haus ge> brach! I.St M!. IXmei Kreuzband für Deuttchiard und Oeslerre'ch- Ungarn 3.— M!, für das übrige Ausland i,50 Ml. monatlich, Ben and ins lVeld bei direller Bestellung monall iLoMI. Bostbestellungen nehmen an Tüne- mart, Holland, Luxemburg, Schweden und die Schweiz, Eingetragen in die #oft> Reitlings.-BtctäUftc, Erscheint täglich, Telegramm- Adresse: »Sozialdemokrat Berlin� Vevlinev Volksblntt. (ivpfsnnl») Nuzeigenprcts: DiestebengeiPalteneKolonelzeilekoftet Lv Pfg,„Kleine Anzeige»", das fettgedruckte Wort 30 Pig,(zulässig 2 fettgedruckte Wortes, sedeS iveitere Won Ib'Lsg, Stellengesuche und Echlafftellenanzeigen das erste Wort 20 Lsg,, ledes weitere Wort 10 Lsg, Worte über lb Buchstaben zählen für zwei Worte, Teuerungszuschlag 20«/» Familien-Anzeigen, colitifchc und gewerkschaftliche Vereins- Anzeigen 00 Lsg die Zeile, Anzeigen für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags im Hauptgeschäft Berim 6®. 68, Lindenstratze 3, abregeven «erden. Geöffnet von 8 Uhr früh bis 7 Uhr abends. Zcntralorgan der rozialdemokratSfchen Partei Deutfchlands. Reöaktioa: SW. H8. Linöenstraße Z. iferiikprecher: Amt Morivvlaä. Str. IKI SO— 15197. Sonntag, den 28. Juli I9I8. Expedition: EW. 68, Linöenstrahe 3. Nrrnivrecher;»mt Morivvla«, Nr. 151 30—151 s?. feindliche reilangritte in der Lhampagne. Kochs neue Methode. Telegramm unseres Kriegsberichterstatters. W e st f r o n t. 26. Juli, abends. Tic Gegenoffensive FochS hat. wie die erst jetzt eingehenden Nc� gimcntS- und Bataillonsmeldungen bestätigen, dem Biclverband schlvcrc Verluste gekostet, doch wäre es falsch, daraus auf eine cmp- findliche Schwächung der Kampfkraft des französischen Herges zu schlichen. AuS übereinstimmenden Kampfcrfahrungcn mehrerer von dem Unterzeichneten jüngst an den Brennpunkten der Abwehr- front aufgesuchten Divisionen geht vielmehr hervor, daß Foch, seine Befugnisse als Oberbefehlshaber ausnutzend, in ganz anderem Maße»och alS bisher die eigenen französischen Truppen geschont, afrikanische, amerikanische, italienische und englische hingegen rück- sichtslos eingesetzt hat. Seine Rechnung war dabei offenbar die, das wertvolle französische Soldatenmatcrial zu strecken, es in Zu- kunft nur noch als Rahmen, Stütze und zu Lchrzwecken zu be- nutzen, die eigentlichen Angriffsmassen dagegen sich in steigendem Maße aus den bisher noch reichlich fliehenden Quellen a m e r i- kanischer und afrikanischer Unterstützung zu per- schaffen. So sind beispielsweise bei der letzten Offensive erstmalig allen französischen AngriffSdivisioncn Ncgerbataillone zugeteilt gc- Wesen; hinter diesen kämpften in zweiter Linie Franzosen, während die dritte Linie wieder aus Nichtfranzosen bestand mit dem Auf- trag, sofort über die zweite Linie nach vorn zu rollen, wenn die erste abgekämpft ist. Da die Schwarzen und die Amerikaner tmS dentsche Artillcriefcucr noch nicht ertragen gelernt haben, wurden an vielen Stellen französische Regimenter in dir von fremden Truppen gerissenen Einbruchslöckxr gestopft, um diese gegen deutsche Gcgciistöße zn halten. Damit hängt auch zusammen, daß an anderen Stellen die Engländer nicht, wie bisher, geschlossen in eigenen Divisionen, sondern unter den Franzose« aufgeteilt er- schienen. Was die BerbandSvölkcr zu dieser neuen Methobe Fochs sagen, kann uns gleichgültig fein. Daß Frankreich im letzten halben Jahr aus dem afrikanischen Mensche nreservoir heraus- preßte, was möglich war, war hier ebenso bekannt, wie daß kurz vor dem französischen Angriff allein im Walde von Billcrs-EotterctS an 66 000 Schwarze versammelt waren. Immerhin werden auch die afrikanischen Bäume Frankreichs nicht in den Himmel wachsen, trat doch schon bei der letzten Offensive eine marokkanische Division auf, die aus Fremdenlegionären, Sencgalnegrrn, Russen, Turkos und Marokkoschütze» bunt zusammengewürfelt war. Andererseits hat das deutsche Maschinengewehr- und Artillcricscuer gerade in die schwarzen Bestände furchtbare Lücken gerissen. Bon den Beob- ochtnngshöhrn nördlich Hartcnnes sieht man die gelben Getreide- selber von Bigliy dicht besät mit den schwarzen Punkten ihrer Toten. Reu und überraschend an der Methode Fochs war die Massenvcrwcndung von Tanks. Während Frankreich zu Anfang dcg Jahres ungefähr 460 TankS besaß, sind diesmal allein zwischen Marne und A i S n e 866 aufgetreten, die meisten von ihnen in Amerika gebaut. Sie wurden auf Regimenter und Bataillone verteilt, ein- zelnc Bataillone erhielten bis 16 Tanks. Ihre schweren Nachteile zeigten stch auch diesmal wieder, indem die feindliche Infanterie an ihnen klebte und im Augenblick ihrer Vernichtung mutlos und verwirrt die Flucht ergriff, Deutsche Gegenstöße haben stch dicS geschickt zunutze gemacht. Auch unter den feindlichen Tankmassen hat unser Feuer mächtig aufgeräumt. So kann man an einer ein- zigcn Straßenkreuzung östlich Plessier-Hnleu allein 17 Tankleichen liegen sehen. Viele von ihnen sind nicht durch Artillerie erledigt, sondern durch leichte Minrnwerfer und geballte Ladungen Hand- granatcn, die ins Getriebe geworfen wurden. FochS neue Methode wird wie alle anderen bisherigen bald veraltet sein. Mit seiner Räumungstaktik in der Cham- p a g n e kann er nur einmal Überraschen, ebenso wie mit seinen Tankgeschwadern, und was den rückstchtSlosen Eingriff der Fremd- Völker betrifft, so wird hoffentlich die deutsche Führung ihn bald zwingen, wieder, wie vor Amicns und Upcrn, tief in seine weot- Dr. A. Köster, Kriegsberichterstatter. Zemöliche Teilvorstöße. Berlin, 27. Juli. Auch der dritte Tag nach der mißglückten Tnrchbrnchsoffensivc ließ infolge der ungeheueren Verluste den Feind nur Kraft zn kleineren Tcilvorstößen an verschiedenen Front- stellen finden. Sic wurden überall abgewiesen. Am K ö n g s- lu a l d e, wo der Gegner mit Tanks vorßieß, wurde er im Rahkampf unter schtvcrc» Verlusten abgeschlogen. Ürber 256 Fran- zosen wurden dort gefangen genommen. Während der Nacht war die(ssesesttStätigkcit an der ganzen Kampffront geringer. Gegen unsere Stellungen beiderseits der Straße Perthes — T a h u r e setzte am 26. Juli 6 Uhr 45 vormittag? schlagartig starkes feindliches Feuer ein. Ter daranf folgende feindliche Teil- angriff wurde teils durch unser gut liegendes Sperr- und Vcr- nichtungsscuer, teils im Nahkampf blutig abgewiesen. Wieder ließ der Gegner hier nngezähltc Tote liegen. In den Vogescn Holren nach Feuervorbereitung eigene Stoß- trupps eine größere Anzahl Franzosen, Maschinen- und Schvell- ladcgcwchre anS der feindlichen Stellung. Französischer Nachmittagsbericht vom 2 6. Juli. Gestern bei Einbrnch des Abends nahmen die Truppen nach erbittertem Kamvie Villemontoire, Sie mochten 200©efanaene und erbelltzeten 20 Maschinengewehre, Weiler südlich fiel Oulchq le Chaleau(an der Strasse Soisions— Chateau— Thierry) den Franzosen in die Hände. Oeitlich der Stadt haben wir Fortschritte gemacht und vier Kanonen erbeniet. Während der gestrigen Kämpfe in der Gegend südlich des vurcq machten die Franzose» mehrere Hundert Gefangene. Abflauen der Gcfechtstätigkeit zwischen Reims und Soisions— Französische Au- griffe bei Perthes— Erknndnngsvorflöße in den Vogesen. Berlin, 27. Jnli 1918, abends. Amtlich. An der Kampffront auch heute ein ruhiger Tag. Amtlich. Großes Hauptquartier, 27. Juli 1918.(W. T. B.) Westlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht. Dir Kampftätigkeit lebte vielfach am Abend auf. Sie war während der Nacht besonders beiderseits der Scarpe in Verbindung mit erfolglosen Vorstößen englischer Infanterie gesteigert. Heeresgruppe Deutscher Kronprinz. An der Schlachtfront zwischen Soissons undRrimS flaute die GeicchtStätigkcit gestern weiterhin merklich ab. In der Champagne wurden TeUangriffr der Franzosen beiderseits von Perthes abgewiesen. Heeresgruppe Herzog Albrrcht, Erfolgreiche ErkundungSvorstiße in de» Bögest» und im G u n d g a u. Der Erste Genrralqnartiermeister. Lud endo rff. Der öflerreichische Bericht. Wie«, 27. Juli ISIS. Amtlich wird verlautbart: An der Tiroler Front habe» Sturmtriippsunternehmen im C o n o s i t a l e und in der B a l l a r s a dem Feinde blutige Berlnste zugefügt. In Albanien schlugen unsere Truppen bei Ardeniea sieben feindliche Gegenstöße ab und erkämpften sich bei K a l m i den Ucbergang über den S e m e n i. Im Räume nördlich Bera hält die Gefechtstätigkeit an. Der Chef deS GeneralstabrS. Wien, 26. JuN. Amtlich wird verlautbart: Ereignisse zur See: In der Nacht vom 24. Juli auf den 25. Juli haben unsere Seeflugzenge die englischen Fluganlagen am See Almini Piccolo bei O tränt o er- solgrcichst mit Bomben angegriffen. Die Flughallen gingen in Flammen auf. Der Brand war bis zu un- serer Küste zu sehen. Die Fluganlagcn, von denen a»S die wiederholten Angriffe auf Durazzo und den Golf von Cattar» uiiternommen wurden, koiiiien als zum größte» Teil»er« nichtet betrachtet werden. Unser« Flugzeuge find alle unversehrt eingerückt. Flottenkommand». Ukrainische Minister verurteilt. Von einem deutschen Feldgericht. Wolffs Telegraph isches Bureau meldet aus Kiew: Am Montag begann vor dem deutschen Feldgericht in Kiew die Verhandlung des Prozesses Dobryj. Angeklagt sind Mitglieder der früheren ukrainischen Rdgie- rung, Kriegsminister Shukowski, Minister des Innern Tka- tschenko und ihre Helfer wegen ungesetzlicher Verhaftung und Entführung Dobryj s. Die Verhandlung(so meldet Wolfs weiter) beleuchtete den sittlichen Tiefstand von Regierung und Verwaltung kurz vor dem Sturz der Rada; sie zeigte die immer stärker werdende Tendenz der damaligen Regierungspolitik, eingegangene Verpflichtungen nicht einzu- halten und sich deutscher Helfer zu entledigen, und wies höchst verdächtige Beziehungen zum polnischen Korps und den Plan eines Aufrufes gegen die Deutschen an das ukrainische Volk nach.(Wir folgen immer dem Bericht des W. T. B.) Nach- dem alle Angeklagten bisher jede Schuld abzuleugnen oder abzuwälzen versucht hatten, brachte endlich der gestrige Ge- richtstag Geständnisse des Angeklagten Gajewski und im Zu- sammenhange damit ein Geständnis desalsZeugenvor- geladenen früheren Ministerpräsidenten Golubowitsch. Laut„Kicwskaja Mysl" wurde im Dobrys-Prozeß am 23. Juli das Urteil gefällt. Es wurden verurteilt: Goln- b o w i t s ch und S h u k o w s k y zu zwei I a h r e o, die übrigen Angeklagten zu einem Jahr Gefängnis. Die jetzt von einem deutschen Feldgericht verurteilten sozial- revolutionären Radamin'ster sind dieselben, die vor einigen Mo- naten Friktzen mit Deutschland geschlossen und dann deutsches Mi- litär zum Kampf gegen die Bolschewiki ins Lanfc gerufen hatten. Sie haben damit selbst die Grundlagen geschaffen, auf denen das völkerrechtliche Unikum dieses Prozesses möglich wurde. AuS dem W. T, B.-Bericht geht hervor, daß der Ministerpräsi- dent Golubowitsch am Montag den Gerichtssaal als Zeuge betreten und ihn am Donnerstag als Verurteilter verlassen hat. die versthwunöenen MiUiaröen. Nicht sobald wird man sich im Volke über die Tatsache be- ruhigen, die der württembergische Finanzminister Pistorius an den Tag gebracht hat. Durch unzureichende Veranlagung, das heißt durch fahrlässige Duldung von Steuerhinterziehungen hat die Kriegssteuer von 1916 dreieinhalb Milliarden weniger ge- bracht, als sie bei einem gewissenhafteren Verfahren hätte bringen müssen. Mit anderen Worten, die Kriegsgewinnler sind um dreieinhalb Milliarden reicher, die Allgemeinheit ist um dreieinhalb Milliarden ärmer, als es dem Gesetz entspricht. � Die Kricgssteuer von 1916, die jetzt bei der großen Steuer- reform Fortsetzung und Ausbau erfahren hat, entspringt einer sozialdemokratischen Anregung. SchM im Ok- tober 1914 begann in der sozialdemokratischen Parteipresse eine Reihe von Aufsätzen zu erscheinen, in denen ausgeführt wurde, daß der Krieg, der über die Mehrzahl der Menschen so ungc- heures Elend bringe, nicht für eine Minderheit zum Quell der Bereicherung werden dürfe. Da so viele ärnier aus dem Kriege herausgehen würden, als sie in ihn hineingegangen, sollte niemand reicher aus ihm hervorgehen, als er in ihn eingetreten sei. Das VermögenszuwachSstcilergcsetz von 1913 gebe die Handhabe, die während des Krieges ersvlgte Zunahme des Vermögens festzustellen. Man benutze sie, um den Ver- mögenszuwachs(mit Ausschluß der kleinen Sparvermögen) r e st- l o s wegzusteuern und verwende die erzielte Einnahme dazu, das Los der Kriegerwaisen und der Kriegsbeschädigten zu verbessern. Die Geschichte dieser Anregung bis zu ihrer teilweisen Er- füllung im Kriegssteuergesetz von 1916 verdient, noch einmal ge- schrieben zu werden. Man wird aus ihr erfahren, was von der patriotischen Opferwilligkeit der besitzenden Klassen zu halten ist. Nur die ungeheure Finanzkalamität des Reiches und das fort- gesetzte Drängen der sozialdemokratischen Fraktion hat bewirkt, daß die kapitalistischen Kriegsgewinne mit der Steuerschcre wenigstens in ihren geilsten Ranken beschnitten wurden. Von einer restlosen Einziehung der kapitalistischen Kriegsgewinne zu- gunsten der durch den Krieg verarniten Bevölkerungskreise war längst keine Rede. Und dann wurde„verdient",„verdient"! Die Kapital- anhäufung erreichte einen Grad, an dem zur Zeit, da die Steuer zuerst angeregt wurde, kein Mensch auch nur zu denken getvagt hätte! Das Volk als Ganzes ist in diesen vier Jahren um eine Suinme äriner geworden, die sich in Zahlen nicht ausdrücken läßt, weil sie jedes Vorstellungsmaß übersteigt, es findet sich etwa auf die soziale Stufe der schlesischen Weber in den vierziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts zurück- geworfen. Eine kleine Minderheit hat inzwischen„verdient", soviel verdient, daß die Summe von neun Milliarden nur einen kleinen Prozentanteil des neu erworbenen Reichtums bedeutet. Es liegt uns fern, einzelne anzuklagen. In einer Zeit, in der man Millionär sein muß, um sich und seine Kinder aus- reichend ernähren und kleiden zu können, ist der Anreiz zur Bereicherung, wo die Möglichkeit dazu vorliegt, besonders groß. Das ändert aber nichts an der Tatsache, daß die Reichtums- bildung im Kriege ein soziales Verbrechen an der Gesamtheit ist, und daß sie zum sehr großen Teile sogar unter Verletzung der bestehenden Gesetze und Verordnungen sowie der friedcns- gültigen Regeln von Treu und Glauben erfolgt ist. Böses Bei- spiel verdirbt gute Sitten, und der„ehrbare Kaufinann" ist in Zeiten skrupelloser Geldjagd ein altväterischer Pedant. Die Moral des Geldmachens, die ja niemals eine übertrieben hohe war, ist ini Kriege in einen Abgrund gesunken... Nicht ein- zelne klagen wir an, sondern das System, das die Menschen ver- dirbt. Ueber unser Volk ist im Augenblick seines Daseinskampfes der Kapitalismus wie ein Vampyr hergefallen, und denen, die den Vorteil davon haben, ist das Gefühl für das Grausige dieses Vorgangs verlorengegangen. Sie merken nicht, daß der Kriegs- kavitalismus, dessen Vertreter sie sind, nur eine modern ver- feinerte Form des Kannibalismus ist: auch er mästet sich von Leichen. Das Kriegssteuergesetz von 1916 vermaß sich nicht, an diesem Zustand etwas zu ändern, nur einen bescheidenen Teil des kapi- talistischen Kriegsgewinns wollte es der Allgemeinheit wieder zuführen— und selbst dies ist ihm nur in unzureichendem Maße gelungen. Die Kriegsgewinnler haben, so erfahren wir vom württembergischen Finanzminister Pistorius, dreieinhalb Mil- liardcn für sich behalten, die sie von Gesetzes wegen dein Reiche schuldeten. Das Reich ist auf diese Weise uni einen Betrag ge- prellt worden, dessen Höhe jene der Kriegsentschädigung von 1871 nahezu erreicht. Das ist eine denkwürdige Illustration zu dem einst viel be- jubelten AuSruf des ersten Kriegskanzlers Bethmann Hollweg: „Wes geben wir freudig hin..." Es ist eine wundervolle Randglosse zu einer anderen viel bemerkten Rede, in der gesagt wurde, das Deutsche Reich kämpfe in diesem.Kriege um die höchsten Ideale, die Gegner dagegen kämpften für eine öde Geldherrschaft! Kein Zweifel, daß sich unsere besitzenden Klassen — das soll wieder nicht einzelne treffen, gilt aber für ihre Masse— m emem mosalischeu Krankheitszustand befinden, der nocb lange in den Frieden hinein nachwirken'wird. Kann, was wir jetzt erleben, so leicht vergessen werden? Für die Massen wird der Ruf lauten: Heraus aus diesem Elend, aber auch berauS aus. diesem moralischen Sumpf, der die Atmosphäre so verpestet, daß kein freies Atmen darin mehr möglich ist! Was uns der Krieg nicht gebracht hat, trotz aller hoben Töne, die darüber geredet warben sind, muß uns der Frieden bringen: eine wirkliche soziale Allgemeinheit, deren hohes Bewußtsein daS ganze Volksleben reguliert und befruchtet, ein wahres Volksganzes, in dem es heißt:„Einer für alle, alle für einen?" Der Feind aber, das ist nicht der und jener, der einen besseren Rock trägt, der Feind ist der Ka Vitalis- m u s, den der Krieg in seiner ganzen abschreckenden Größe ent- lüillt hat, dieser robuste, skrupellose, vatcrlandslose Geselle aller Vaterländer der Welt. Diele Rätsel gibt einem diese Zeit ctnf, aber das größte ist vielleicht dies, wie man sie erleben und nicht Sozialist sein kann! Die LKglifchen IrechirnKk? gegsn die vsr- zimszölls. Der parlamentarische Berichterstatter der„Tailh NeivS'" meldet, daß gestern im lirikerbanse unter dem Vorsitz des liberalen Abgeordneten Chaueellor eine Versammlung ab- gehalten wurde. Der Abgeordnete L e c Z Smith lliboral) legte der Versammlung ein Manifest über die Politik während des Krieges und nach dem Krriege vor, das angenommen wurde. In diesem Müiiifest wird erklärt, daß bei einem zukgnstigcn FriedenZangebot die bedingungslose Rückgobe Bel- g i e n s und die Einhallmig der iirspwingl-chei'. Ehrenpflichten, mit denen England in den Krieg gezogen sei, verlangt werden müsse. Das Manifest appelliert an die Nllnrrren, die Gcbeiinver- träge und die Abmachungen über RcichsvorzugS- zolle zu revidieren und ivarnl die Radikalen davor, daß alle Erwartungen. bezüglich eines Völkerbundes durch das Schutzsystem, zu dem die Regierung sich ent- schlössen habe, von vornherein zunichte gemacht werden würden, DaS Manifest verlangt außerdem, daß beglaubigte Verlreler der christlichen Kirchen, der Arbeiterpartei, der Frauetivereiiiigungen und anderer Kvrperschafien die Erlaubnis erhalten sollten, mir eben- solchen Vertretern aus feindlichen Ländern zusainnrennikommen, um, ohne ihre Regierungen dadurch zu binden, allmählich gemein- sanrc Bedingungen siir eine Regelung auszuarbeiten, die dann als Grundlage für eine Konferenz dienen konnten. Bezüglim der Pokkrik nach dem Kriege ivird erklärt, daß der ioziale Wiederaufbau von der Bcreuwilligkcit, für diesen Zweck Geld zu gebest, abhänge, DaS Mannest erklärt sich mit Nachdruck für eine Abgabe von Kapital nach dem Entwurf, den der Liberale Sydney Arnold dem Unterdause borge- legt hat, Nack diesem Programm würde der größte Teil der Kriegs- schuld abgezahlt und die Einkommensteuer auf 2 Shilling 6 Pcnce für daS Pfnnd Sterling reduziert werden könnest. Das Manifest enthäli 40 Forderungen für die nach dein Kriege eiiiznschlagcndc Politik, n. n. die Forderung nach Abschaffung von Bdelstiteln, Ab- ichaffung der Dienstpflicht und die Forderung nach Gleichberechi!- aung für beide Geschlechter und allgeineine Einführung von Home- Rule. Hierauf wurde auf Antrag der Lady Horletz, der von Lees Smith unterstützt wurde, eine Entschließung äuge- nommeu, in der die Versammlung gegen Ben Beschluß der Regidtuug zur Einführnug von Reichsvorzugszölleu nach dem Kriege, die ein tödlicher Schlag für den Völker- b u u d sein würde, protestiert und an die Radikalen des ganzen Landes appelliert, sich diesem Protest anzuschließen, Die englischen Radikalen sind der linke Flügel der Libe- ralen. Obwohl sie an sich eine respektable parlamentarische Macht darstellen, gewinnen sie doch dadurch an Einfluß, daß sie die große liberale Partei, der sie angehören, weit aus die Bahn nach links fortreißen. Ihr Manifest tst ein umfassendes Parteiprogramm mir durchaus pazifistischer Tendenz, Nichts macht das deutlicher als ihre Forderung nach Pässen für internationale Kon- ferenzen mit den Pazifisten des feindlichen Auslandes. Aber auch diese einflußreichste Gruppe der englischen Friedend- freunde verlangt die bedingungslose Rückgabe Belgiens, lehnt also die deutsche Fanstpfandthcoric scharf ab. Dagegen sieht sie mit Recht in dem Hebergang Englands j um Schutzzoll eine Stärkung des protektionistischen Handels- jystemS, das eine unendlich große Schuld am Weltkrieg trägt und das beste Mittel ist, den Haß der feindlichen Völker zu vereinigen. Fn der i n n c r e n Politik vertraten die Radikalen weitgehende sozialpolitische Forderungen, denen man das Ber- langen nach einer Kapitalsabgabe zur Abbürdung der Kriegs- schuld zurechnen kann. ♦ Die Londoner Wocheuschrist„Nation" schreibt, daß Lloyd George mit den Regiernngsbefchlüssen zugunsten der Ein- führung von Reichsvorzugszöllen das l e tz t e V a n d, d a s i h n noch mit dem Liberalismus verknüpfte, durchschnitten habe, Die radikale„Nation" hat mit Lloyd George, der ihr einst sehr nahe stand, längst gebrochen. Mirbachs Toö nnü öis Gegenrevolution. Aus Moskau meldet Woiffs Vurcau: Die Beweise mehren sich, daß zwischen der Ermordung des Grafen M'rbach und den gleichzeitig in Moskau nn-d anderen russischen Städten veranstalteten Umsturzversuchen, die sämtlich die Wiedevansnahme des Krieges mit Deutschland zum Ziel hatlcn, ein enger Zusammenhang besteht. TaS Attentat gegen den Grafen Mirbach hat am 6. Juli nachmittags statt- gesunden. An dem gleichen Tage, fast zur gleichen Nachmittags- stunde, begann der Aufstand in Jaroslaw» nachdem dort am vorher- gehenden Tage ein serbischer Major und zwo' andere Ententeoffi- iere sowie gegen Mittag des 6. Juli 106 Mann sogenannte Frei- willige des Nordens aus Wologda eingetroffen waren. Von Agen/en der Entente wurde den aufständischen Weißen Garden in Jaroslaw mitgeteilt, daß sie sofort losschlagen könnten, starke Truppentransporte der Entente seien von Norden her bereits'm Anrollen. Während der Kämpfe der folgenden Tage erklärte sich in Jaroslaw der Stab der Weißen Garde in einer offiziellen Bekannt- machung als mit Deutschland im Kriege befindlich und setzte die deutsche Fürsorgekommission mit ihren etwa 2000 Schutzbefohlenen(Kr'egs- und Zivilgefangcnen) im dortigen Theater gefangen. Als d'e Weiße Garde ihre Sache verloren sah, lieferte sie an den befehlshabenden deutschen Offizier, Leutnant Balk, die Waffen ab, gab sich also in die Gefangenschaft der deutschen Kriegsgefangenen und wurde später von diesen an die Räte-Truppen ausgeliefert. Der bekannte Zwischenfall Mnrawjew, der den Rückzug der Räte-Truppen zur Folge hatte, ereignete sich am 3. Juli. Mu- rawjew war der Befehlshaber der gegen die Tschecho-Slowaken ope- rierenden Räte-Truppen. Er war ei» Abenteuerer und für Be- stechung notorisch zugänglich. Es war der Entente gelungen, ihn für ihre Zwecke, zu gewinnen. Murawjew proklamierte nicht nur seine Vereinigung mit den Tschccho-Slowa- ! e n, sondern gleichzeitig auch den Krieg an Deutschland, was ja auch die Mörder des Grafen Mirbach als Zweck ihres Attentats— die Herbeiführung des Krieges mit Teutschland— angaben. Zweck der gesamten Machinationen war der Sturz der Bolschewik: und die Aufhetzung der Leidenschaften gegen Deutsch- land bis zum Wiederbeginn des Kriege! mit Deutschland. Die räumlich getrennten aber zeitlich zusammenfallenden Aktionen weisen deutlich auf eine einheitliche Leitung. Die Ankiarheit übe? Gelgien. Ein Schreiben der l-olländischrn Friedensfreunde. Amsterdam, 20. Juli. Die hiesigen Blätter veröffentlichen ein Schreiben des holländischen A n t i oo r lo g r a d S an che drei Pac- teicn der deutschen Reichstagsmehrhcit. In diestm Schreiben heißt es u. a,: Die Rede des Reichskanzlers vom 12. Juli bedeutet in einer Hinsicht einen wichtigen Schritt vorwärts. Zum erstenmal ist amtlich und öffentlich in unzweideutiger Weise die Absicht kundgegeben worden, Belgien wieder freizu- geben. Die Worte deS Reichskanzlers sind in neutralen Län- dern mit innerlicher Befriedigung aufgenommen worden. Indessen gibt die Tatsache, daß der Kanzler sich als einen Anhänger der schon beanstandeten Faustpsandtheoric bekennt, Anlaß zu berechtigten Be- denken. Außerdem lassen d'e Schlüsse, die er aus dieser Theorie zieht. Raum zu verschiedenen Auffassungen. Entweder Belgien bleibt bis zum Frieden in deutschem Besitz und wird nach dem Frieden automatisch geräumt, dann kann Belgien bei den Frie- dcnsvcrhandlungen kein Tauschobjekt für Erlangung gün- stiger Bedingungen sein. � Der Druck, den Deutschland seiner mili- tärischen Stellung nach auszuüben in der Lage ist, bestünde nur darin, daß Deutschland Belgien zwar angenblicküch besetzt halte, der Feind es aber in der Hand hat. diesem Zustand eine Ende zu machen, indem er Frieden schließt. Oder die Faustpfandtheorie be- deutet, daß der Besitz von Belgien ein Mochtmittel ist, um bei den Friedensverhandlungen günstigere Bedingungen zu erreichen. Die Räumung Belgiens würde dann nicht die automatische Folge des Friedensschlusses, sondern die Gegenleistung für bestimmte von der Gegenpartei geforderte Konzessionen sein. Dieser Auffassung gegenüber vertritt der Antioorlograd die Ansicht, daß weder der Besitz noch die Räumung Belgiens ein Gegenstand der Friedens»«. Handlungen sein darf. Die belgische Frage ist eine Rechtsfrage und müsse als solche ganz unabhängig von dem Komplex der übrigen politischen Fragen und der strategischen mili- tärischen Lage betrachtet werden. Der Antioorlograd bittet ent- weder um eine spezielle Antwort oder um eine Auseinandersetzung in der deuschen Presse, welche Auffassung dir belgischen Frage mit der Ansicht des Reichskanzlers übereinstimmt. Die Gegenrevolution. Japans Hilfeleistung. A m st�c r d a in, 27. Juli, Nach einem ljirfigen Blatt««r- fährt die„Times", daß die B e st i m m u n g e u des zwischen den Vereinigten Staaten und Japan abgeschlossenen Abkommens über die H i l f c l c i st n n g au die Tschecho-Slowaken in Sibirien bereits durchgeführt werden. Tie Hmipt- absicht ist, die Ergebnisse der bisherigen L e i st n»- gen der Tschecho-Slowaken zum Vorteil der Entente zu erhalten. Peking, 20. Juli.(Reuter.) In e'ner Proklamation der vor- läufigen sibirischen Regierung in Omsk wird erklärt, daß durch die Unabhängigkeit Sibiriens die Beschlüsse und Verordnungen der Bslschewiki null und nichtig geworden seien. Die Sowjets werden geschlossen werden. Die Grundbesitzer werden ihren Besitz zurück- erhalten. Tic sibirische Regierung in Wladiwostok wird um ihre Zustimmung zu diesem Vorgehen ersucht. Tie Alliierten und die Räteregiernng. Moskau, 26. Juli. Der amerikanische Generalkonsul er- klärte laut„Praivda" im Kommissariat für Auswärtiges im Namen seines englischen, französischen italienischen und japa- nischen Kollegen, daß auch nach seiner Ansicht die politische Lage in den Grundzügen durch die Abreise der Diplomaten aus Wologda nicht berührt werde. Die erwähnten Vertreter beabsichtigen, in Moskau zu bleiben, solange die Möglichkeit vorliegt, ungehindert mit ihren Regierungen zu verkehren. Die Alliierten beuten die schwierige Lage der Sowjetregierung mit zwnscbcr Berechnung nus. Da dieser Regierimg, die Möglich. keit fehlt, den Bode» der Neutralitätspolitik zu verlassen, behandeln sie dieselbe, wie sie auch andere Neutrale behandelt haben. Sie arbeiten nach ihrem griechischen Rezept, gehen vom bloßen Unter- wühlen der Grundlagen der Regierung zum regelrechten Krieg gegen sie über und erwarten, daß man gleichwohl ihren Vertretern die Rechte zugesteht und läßt, ans die nur ein Fricdensverhältnis Anspruch gibt. Tie Wirkung der Ernennung Helfferichs. Die offizielle„Jswestija" sieht in der Ernennung Helfferichö einen Beweis dafür, daß Deutschland der Entwicklung von friedlichen Handelsbeziehungen mit Rußland großen Wert beimißt. England will rnffifchen Schiffsraum. Mvskan, 24. Juli.(P. T. A.) Aus England ging der A n t r a g ein, einen Schiffsraum von 300 000? o. zu überlassen, um nach Rußland Ware im Austausch gegen russische Rohstoffe einzuführen. Vor einiger Zeit wurde bekanntlich gemeldet, daß die Alliierten russische Handelsschiffe, die in den Wclthäfen liegen, beschlagnahmt haben. Im Anschluß an die russischen Proteste werden VerHand- lungen stattgefunden haben, auf deren Stand obige Meldung schließen lassen dürfte. Der englische Antrag hat natürlich zumal im gegenwärtigen Augenblick auch Bedeutung als politisches Pressionsmittel. Gegen die russischen Helfer der cntentifiischen Gegen- revolutio». Petersburg, 2v. Juli. Volkskoininissar T r o tz Ii hat folgenden Befehl erlassen: Im Zusammenhang mit der englischen und französischen Ab- ieilung, die an der Mnrnianküste landete, und in Verbindung mit der offenkundigen Teilnahme französischer Offiziere am gegen- revolutionären Aufstände der gedingten Tschecho-Slowaken, befehle ich auks strengste sowohl allen Institutionen der Militärbehörde als auch allen Militärdien st- tuenden im allgemeinen, in keinerlei Weise den französischen und den englischen See- und Landofsszieren Beihilfe zu leisten, ferner zu verhindern, daß sie sich vonStadt zu Stadt be- geben, endlich sorgfälrig auf alle ihre Handlungen zu achten, als auf Handlungen von Personen, welche, wie die Tapachen beweisen. sähig find, gegen das Gebier der russischen Republik und gegen das oberste Recht des russischen Volkes BöscS im Schilde zu iühren. Borliegender Befehl wird lelegraphiich bekanntgegeben und bleibt in Kraft bis zur Beseitigung seine: Entstehungsursache, wo- rüber seinerzeit Mitteilung erfolgen wird. Ter Volkskommissar für Miliiär- und Marineangelegenheiten. T r o tz k i. Trotzki über öw tschecho-floWakischs Gefahr. Auf einer Gouvernememskonfercnz der Fabrikkomitecs erllärte Trotz Ii am 24. Juli in längerer Rede u. a.: »Wenn die unsinnige Provokation der linken Sozialrevolutio- näre durch die Ermordung des Grafen Mirbach nicht gelang, so ge- schah dies nicht deshalb, weil Deutschland der Räte- r e g i c r u n g w o h l iv i l l. Es liegt jedoch eine große G e- fahr für unS vor. Das ist der t s ch« ch o- s I o w a l i s ch e Aufstand. Es ist ganz llar, daß die Tschecho-Slowaken Mietlinge der französischen und englischen Börse sind und danach streben, eine neue Oftsronr zu schaffen. Wenn wir mit ihnen nicht in aller- nächster Zukunft fenig werden, wenn die Deuischen nur die Mög- tichkeil der Schaffung dieser Front voraussehen, so köufte» die Tculschcil aus rem strategischen Zwecken die Kriegsoperationrn aus- nehmen. Wir müssen um jeden Preis dieses Hindernis von unserem Wege entfernen. Wenn wir den t s ch e ch o- s l o w a k i s ch e n Aus- stand n i ch r breche», so werden wir auf größte Schwierig- keilen auf lvirtschastlichem und politischem Gc- biete stoßen. Mit der Besiegung der Tschecho-Slowaken fällt auch die reichste Ernte an der Wolga in unsere Hände und dann sind wir unbesiegbar." Auf eine Anfrage aus derselben Versammlung be- zeichnete Trotzki das Gerücht, daß in Moskau in Zivilkleidung deutsche Instrukteure in einer Anzahl von fast zwei Regimentern leben, als eine freche, gewisjenlose Lüge mit provokatorischen Ab- sichten. Die bürgerliche Presse Moskaus, die seit dem 0. Juli nicht erscheinen darf, bleibt auf Verfügung der Presseabteilung.bis auf weiteres bis zur Festigung und bis zum vollen Sieg der Sowjet- republik" geschlossen. Nach im Kriegsressort der Näteregierung vorliegenden Mel- düngen werden japanische Frciwilligcnabteilmigcn die tschechisch- slowakische Front in Samara und anderen gegenrevolunonärcir Plätzen verstärken.«Prawda" fordert das Proletariat zum Kainpf auf Leben und Tod gegen die tfchecho- slowakische Front auf. Schanghai, 20. Juli. sReuter.) Aus Wladiwostok wird ge« meldet, daß unter dem Personal der sibirischen Regierung drastische Veränderungen vorgenommen wurden. Die U s s u r i s!- Kosaken (Name der Kosaken der Amurprovinz) haben sich den Tfchecho- Slowaken angeschlossen. Maffendemonstration in New Dort gegen dieJniervention Bern, 24. Juli. Noch einer Meldung der New Dorker Presse iand dort eine von 15 000 Amerikanern» Russen, Finnländern, Ukrainern, Litauern, Lette» und Este» deiuchie Versammlung statt, um zu der von den Ententemächten beabsichtigten Intervention in Rußland Stellung zunehmen. Einstimmig wurde ein« Entschließung angenommen, in welcher die geplante Invasion in Rußland über Sibirien als Machrnschaft der reaktionären Klaffen der Entente und Rußlands gebrandmarlr und die amerikanische Regierung n» i- gefordert wird, die Sowjeriegierung anzuerkennen und«v.e> i hinterlistigen Feldzug der imperialistischen und reaktionären Kama- rilla zu verhindern." Die Wortführer dieser Veranstaltung haben sich wahrlich die richtige Adresse aulgeincht. Ter Appell an Amerika liest sich wie eine beißende Satire. Kämpfe iu Kaukasien. MoSkan, 24. Juli.,(P- T.-A.) Die aus dem nördlichen Kaukasus nach TranSkaukasien führende georgische Mi- litäreisenbabnstrecke wurde von dem Berge Kasbeck bis zur Station Mzchet von den aujpandischen Bauern, welche die Sowjettruppen unterstützen, besetzt. Tie Sowjettruppen find schon vor einem Monat eriolgreich bis zur Darjalschlucht vorgedrungen. Die georgischen Bauer» haben sich gegen die Anordnung erhoben, die den, Grundbesitzern ein Viertel der Ernte ausbedingt. Die Stadt Zchinwalli wurde genommen und der Sowjetgewalt zur Verfügung gestellt, bei welcher Gelegenheit 4 Kanonen, 4 Maschinen- gewchre, 2 Bombenwerfer, 400 Flinten und der ganze Train ge- nommen und 200 Gefangene gemacht wurden. Desgleichen ist die große Stadt Gudanty eingenommen worden, wobei 0 Getchlitze erbeutet wurden. Truppenobteilungen der Bolschewisten besetzten die Kreisstadt desselben Gouvernements SugdidSk. Englischer Hilfskreuzer versenkt. London, 27. Juli.(Amklich.) Der Hilfskreuzer Marmora l10 500 Br.-R.-T.) ist am 23. Juli von einem deutschen Unterfeeboot torpediert worden und gesunken. 10 Mann der Besatzung werden vermißt. Ter Sohn des Zaren. Moskau, 25, Juli.(P. T.-A.) Die Mit. teilung aus Stockholm, daß der Sohn deS früheren Zaren sich in Tobolsk unter dem Schutze der Tschecho-Slowaken befinde, wird dementiert. ..11_________ j Nr. 205 ♦ 35. Jahrgang 1. Heilage des vorwärts Sonntag,' 28.�ul!lH1S die Ersahfaser-Erzeugung. Von Herrmann Krätzig. Die Faserstofsindustrie Deitlschlcirrds bezog bis zum Frühjahr 1913 ihre Rohstoffe größtenteils aus dem über- s e e i s ch e n Ausland. Von jenem Zeitpunkt an aber be- gann die Absperrung unserer Zufuhren zur See durch unsere Kriegsgegner. Zwar waren wir beim Ausbruch des Krieges gut mit solchen Rohstoffen versehen, aber die Ausrüstung der Mllionenheere verschlang riesige Mengen davon. Hunderte Millionen Meter Gewebe aus guten Faserstoffen sind auch z. B. in Form von Sandsäcken verwüstet worden, ehe man sich entschloß, Papicrgetvebe dazu zu verwenden. Ja, heute noch, so wurde erst vor zwei Wochen von einem Fach- mann gesagt, verwendet man noch gute gezwirnte Baumwolle zu Gegenständen, die. wie versichert wurde, aus gutem, star- ken Papiergarn in gut brauchbarem Zustande hergestellt wer- den können. Im Jahre 1913 betrug unsere Reineinfuhr an Textilrohstoffen 845 837 000 Kilogramm im Werte von 1 212 289 000 Mark. Dazu kamen noch 61 223 000 Kilogramm Abfallfasern im Werte von 41 274 000 Mark, sowie für 176 292 000 Mark Garne. Der weitaus größte Teil dieser ungeheuren Menge blieb feit der Absperrung aus, und in der Folgezeit hat dann die Entente alle Ritzen verstopft, durch die uns noch etwas Rohstoff zugeführt wurde. Die Not zwang dazu, sich nach Ersatzfasern mnzu- sehen. Eine Unmenge Vorschlage tauchten auf, aber die mei- sten hatten keinen volkswirtschaftlichen Wert. Auch fanden Anregungen bei den Behörden nicht immer sofort Verständ- nis. Heute hoben wir z. B. eine Nesselverwertu ngs- ge feilsch oft mit ziemlich hohem Kapitel, und der -N c s s e l f a s e r wird in der Ersatzfasererzcugung heute große Beachtung geschenkt; es sind eigene Entbastungsmaschinen ge- baut worden, und die Sache wird jetzt gut gefördert. Da wird es sicher interessieren, daß, als in einem früheren Sta- dium des Krieges ein sächsischer Industrieller an die Kriegs- Rohstoffabteilung das Gesuch richtete, ihm zum Zwecke der Ncsfelcntbastung 200 Kilogramm Chlorkalk freizugeben, er von dort einen ablehnenden Bescheid erhielt mit der Begründung, die Nesselfaser brauche man nicht. Heute wären wir fr»h, wenn wir einige Millionen Kilogramm davon hätten: sie ist die beste«ller Ers«tzf«sern. wird aber in viel zu geringen Megen gewonnen, als daß sie eine große volkswirtschasttiche Bedeutung erlangen könnte. Ist die Nesselfascr berufen in erster Linie die Baum- wollsafer zu ersetzen, so erhält die Faser unseres Kolben- fchilfes, Typha genannt, die Ausgabe zugewiesen, die Hanf- und auch Jutefaser zu ersetzen. Die Faser soll angeblich jetzt in größeren Mengen hergestellt werden. Da sich die Schilfstengel schlecht ernten lassen, sollen Maschinen dazu verwandt werden. Zur Seilerei und Tonfabrikation ist die Typhafaser sehr gut geeignet, und da Schilf sn in großen Mengen wild wächst, wird ihre Gewinnung und Verarbeitung zu einem volkswirtschaftlichen Faktor werden können; auch nach dem Kriege. Die T o r f f a s« r. die hinsichtlich Menge und Verwen- dungSart mit zu den volkswirtschaftlich bedeutungsvollsten Ersatzfaiern gehört, kann zweckmäßig ohne Mischung mit an- deren Fasern nicht verwandt werden. Hingegen konnte man kürzlich in der Mustersammlimg der Kriegs-Rohstoff- obteilung ein Gewebe sehen, hergestellt aus Garn in einer Mischung von 30 Proz. Torffaser mit 30 Proz. Wolle, das einen prächtigen, soliden Eindruck machte und sich zu schönem Herrenkleiderstoff gut eignete. Leider sind der Gewinnung der Torffafec Grenzen gesetzt. Man nehme nicht etwa an, die schwarzen Torfziegeln, die wir häufig frisch ausgegraben sehen, bestehen ganz oder auch nur zu einem erheblichen Teil aus Torffaser. Nur der jüngere MooStorf. Grautorf genannt, enthält zu 2, 3 und 8 Proz. der„Locken", die als Spinnmaterial in Frage kommen. Man berechnet die Aus- beute aus etwa 3 Millionen Doppelzentner Torfstreuproduk- tion im Jahre, auf zirka 100 000 Doppelzentner; eine ver- hältnismäßig Heringe Menge, sowohl hinsichtlich der für die Gewinnung aufgewandten Arbeit, als auch hinsichtlich der Ver- wendnngsmöglichkeit. Beim Gewinnen der Faser durch Handarbeit stellt sich der Preis für das Kilogramm Torffaser auf 30—10 Pf. Es steht kaum zu erwarten, daß, wenn wir in geordneten Verhältnissen wieder unsere Woll- und Baum» wollfaser hereinbekommen, die Nessel- und Torfsaser die Kon- kurrenz mit den Erstgenannten aufnehmen kann. Was sonst noch außer der Holz- b e z w. Z e l l n l o s e f a s e r an Er- satzfascrn, z. B. aus G i n st e r, H o p f e n st e n g e l n, Weidenröschen usw. erzeugt wird, wird nie Volkswirtschaft- liche Bedeuwng erlangen. Die Hauptrolle in der Ersatzfasererzeugung spielt die Faser des N a d e l ho l z e s. Ihre Ausschließung durch Eni- fernung des sie zusammenhaltenden harzigen Saftes geschieht in den Z e l l st o f f a b r i k e n. Das Holz wird in 2y2 Zentimeter hohe Scheiben geschnitten und dann mit Soda- oder Natronlaugen und mit schwefelsauren Salzen und schwefligsaurenLaugen gekocht, was je nach der Kochart Natron-Snlsat oder Sulfrt-Zellulose ergibt. Die Zellulose ist eine filzige Masse aus aufgeschlosse- neu Holzfasern. Die Verarbeitung dieser Faser ist nun auf verschiedene Weise möglich: 1. Sie kann in ihrer aufgeschlosienen Verfassung ver- arbeitet werden. Da sie aber nur 2—3 Millimeter lang ist, ist ihr Verspinnen zu Garn auf Streichgarnspinnmaschinen nur möglich in einer Mischung mit langen Fasern, insbesondere aus Baumwolle. Die natürliche Zcllstoffaser dient in dieser Verarbeitung mir als F ü l l m a t e r i a l. Feine Garn- nummern lassen sich auch nicht herstellen, wie überhaupt dieses Garn und die daraus hergestellten Waren keine große Haltbarkeit aufweisen, da die kurze Holzfaser beim Ge- brauch der Waren leicht ausfällt und dann der Faden den Zusammenhalt verliert. Es ist dies das Garn, das die Inge- nieure Scherbak und Lutz erfunden haben. Ans Wasch- barkeit und Haltbarkeit kann es keine großen Ansprüche machen, wohingegen es im Gegensatz zum Papiergewebe sehr w e i ch und schmiegsam ist. 2. Die Verarbeitunj kann Weiler geschehen, indem die f ellstvffaser»ermittelst sogenennten„Holländern" unter As atz»on Wasser, Leim und anderen Bestendteilen zu Brei xemehlen und«uf Pepiermeschinen in Papierbahnen ge- gassen, dann in Streifin geschnitten, zu Garn zusammenge- dreht und Verlvebt wird. Diese Art der Verarbeitung ist die in dieser KriegSzeit am längsten betriebene und am weitesten verbreitefi. Vor mehr denn zwei Jahren sprach man dem Papiergarn sehr große Bedeuwng auch für Bekleidungs- zwecke zu. Diese Bedeutung hat es n i ch t erlangt und wird es nicht erlangen, weil es nicht dfi Eigenschaft hat, faserig und dadurch weich und im Gewebe porenfüllend zu sein. Seiner Steifheit wegen kommt es für Wirkereien, Stickereien und ähnliche hochqualifizierte Industriezweig« gar nicht in Betracht. Porenfüllend wirkt das Papiergarn nur dann. wenn es, wie das Textilosegarn, vor dem Verspinnen mit Baumwollfafir beklebt wird, oder wenn es, wie das Textilitgarn, mit einem Faden aus Jute-, Hanf- oder Flachsfaser zusammen gezwirnt worden ist. In solchem Zu- stände gewinnt es bedeutend an Haltbarkeit und Weichheit. Zu Bekleidungszwecken sind ihm aber auch in diesem Zustande enge Grenzen gezogen. Der P r e i s fiir die Papiergarnpro» dukte sind so unverschämt hoch, daß dadurch die Kauflust noch erheblich herabgemindert wird. 3. Eine weitere Verarbeiwng der Zcllstoffaser erfolgt zu einem sogenannten veredelten Popirrgarn, dem Z e l l u l o n. Auch hier wird die Zellulosefafir wie zur Pa- pierhcrstellung vorbereitet, aber gewöhnlich ohne Zusatz von Harzlcim. Der Brei wird aber dann nicht auf eine zusammen- hängende breite Papierbahnflächc geleitet, sondern über eine R u n d si eb tr o mm e l, wobei er unter gleichzeitigem Ab- fingen de? Wassers in Bänder geteilt wird, die in idrem weiteren Lauf von einem s»«ensnnten Nitschclwerk zu- sammengenudelt und in Tpinntöpfin«ufge fingen werden. Die genudelten Bänder k»mmen dann im noch feuchten Zu- stände auf die Spinnnwschine und erhalten dort eine feste Drehung. Das so hergestellte Papiergarn ist glatter als das aus Streifen gesponnene und es ist auch fester; im übrigen basten ihm aber eben die für Bekleidungszwecko ungeeigneten Eigenschaften des Papiergarne? an. Papiergarn, gleichviel in welcher Herstellung, wird nach dem Kriege nur zu grobfädi- gen Geweben, wie sie zu Säcken, Länferstoffen, Wandbeklei- düngen usw. verwandt werden, VerNwntiung finden. 4. Die viert? und wertvollste Art des Gebrauch? der Zell- stoffaser für textile Zwecke kann erst erfolgen nach Auflösung der Zellstoffaser in eine gallertartige Masse. Diese Masse wird durch sogenannte Düsen, ganz feine Siebe, gepreßt, so daß feine Härchen entstehen. Diese Härchen, die in einem dicken Faden umgedreht, vereint aus der Düse herausgepreßt werden, werden in Strähnen ausgehaspelt, nachher in 4 bis 3 Zentimeter lange Stückchen geschnitten und dann getrocknet. Die Härchen trennen sich nun und so entsteht eine auSgezeich- nete Spinnfaser, die sich beliebig und in jeder Mischung fär- den läßt, uird die vor allem ein in F o r in und Aussehen vollwertiges Garn liefert. Vollwertig ist diese? Garn aus reiner Stapelfaser, wie der technische Ausdruck dafür lautet, nur hinsichtlich der W a s ch b a r k e i t n o ch n i ch t. Es hau- delt sich doch um eine gegossene Faser, zu deren chemischer Zu- sammensetznng uns Menschen leider noch das Geheimnis fehlt, das der Seidenspinner anwendet, um die Seide wasch- bar zu mack�en. Es wird aber an der Waschbanngähinig sieber- hast gearbeitet. Man kann das Gewebe trotzdem waschen, nur darf man es im nassen Zustand« nicht zu stark zerren, weil es dann leicht einreißt. Ist e? wieder trocken, dann ist eS wieder fest. Dem Mangel kann aber leicht abgeholfen werden dadurch, daß man die Stapelfaser mit etwas Wolle oder Baumwolle mischt. Eine solche Mischung von Stapel- safer mit Baumwolle ergibt ein Garn, von dem das daraus hergestellte Gewebe lv i e reines B a» m w o l l g e w e b e gewaschen werden kann. Und Stapelfaser mit Wolle gemischt, gibt Garn zu schönem Kleid erst»ff. Das Garn kann auf allen Textilmaschinen,«Asgenommen vielleicht die Spitzen Webstühle, verarbeifit werden. Die ErzeNgAN« der Etap»lfis«r«* HM»i»se fft eine Trnmienschvft der Ersatz f«ser-Erje»>nnU, die nabenbei be- merkt sch»n v« r dem Kriege bekannt loor, denn es war da- mal? der Abfall der Knnstfiidenerzenguit«. Hier ist eine Er- satzfiser vorhanden, die uns, ihre M a I se n e r z c u g u n g allerdings vorausgesetzt, heraushelfen kann an? der Kieider- und Wäschenot. Sie kann den nach dem Kriege drohenden Wirtschaftskrieg a u s s i ch t l o s machen und dadurch zur Abkürzring des Kriege? beitragen. Soviel Woll- und Baumwollfaser, wie wir zum Mischen der Stapelfaser nötig haben, bekommen wir schon nach dem Kriege herein. Nötig ist aber, daß die Erzeugung der Faser nicht ausschließlich in den Händen der Pa- tentbesitzer bleibt. Auf breitester Grundlage muß die Erzeugung vor sich gehen, damit genügend und vor allem preiswerter Rohstoff erzeugt wird. Dann wird das eine Errungenschaft von dauerndem volkswirtsck)aftlichen Wert bleiben. Leider liegen Beweise dafür vor, daß die Re- gierung nicht dfi Kraft entwickelt, um das Volkswohl über das Privatmonopol zu stellen, und dfi Patentinhaber zu zwingen, Lizenzen an jedermann freizugeben. Dadurch kann es kommen, daß uns später die Rüstung fehlt, die wir brauchen, um einen eventuellen Wirtschaftskrieg er- folgreich abzuwehren und unsere Toxtiludustrie wieder aui ihre stolze Höhe bringen zu können, auf der sie vor dem Kriege tot-..........;... 4S] ÄOdj. nr das gelobte£ood. Roman von 83. S t. R e y m o n t .Lch warte auf dich mit dem Tee." „Gut." Er küßte sie und ging, blieb aber auf der Schwelle noch einmal stehen und flüsterte:.Küss mich, Nina, und wünsch' mir Glück." Sie küßte ihn herzlich und sah ihn fragend an. Sie verstand nicht, was er meinte. „Beim Tee sag' ich'S dir." Sie begleitete ihn bis ins Vorzimmer und schaute ihm noch durch' die Glastür nach, bis er im Dunkel der Nacht verschwand, und kehrte dann inS Boudoir zurück. Die EingangStür krachte plötzlich. „Ich Hab' vergessen, dir zu sagen, daß mein alter Kollege von der Universität, den du im letzten Jahr in der Schweiz kennen gelernt hast,— daß Großmann heute abgebrannt ist." „Wie denn?" „Na ja. seine Fabrik ist gänzlich abgebrannt, nichts konnte gerettet werden." --Der arme Mann?" rief sie teilnahmsvoll. „Man braucht ihn nicht bemitleiden, dieser Brand hat ihn gerade aufgerichtet." „Ich verstehe nicht." „ES stand schlecht mit ihm, er wackelte, wie man eS bei ainS nennt; um sich also aufzuhelfen, veranstaltete er einen Brand feiner Fabrik und des Lagers, die in verschiedenen Ge- sellschaften hoch versichert waren. Er kriegt die Versicherung. die ihm vierfach den Verlust decken wird, und kann sich eins lachen!" „Wieden»? Er hat eS absichtlich angeste«? l Das ist ja ein Verbrechen!" rief sie entrüstet. „Das Gesetz nennt es so und straft eS auch entsprechend. aber in der gelaufigen Sprache nennt man das ein gutes Geschäft." Er sprach rasch, ohne ihr in die Augen zu schauen. Sein Gesicht hatte einen unruhigen fieberhaften Ausdruckt „Und daS hat Grcßmann gemacht, der mir als so ein besonders edelmütiger Mensch' erschienen ist? Ich kann einfach daran nicht glauben. Ich entsinne mich, seine Gespräche waren immer von höchster Ethik und Gerechtigkeit erfüllt." „Was willst du, als ihm der Rum entgegenblickte, ließ er die Ethik in Ruh. Er hob sie sich für später auf. Ohne Ethik kann man leben, ohne Geld aber nicht."! Er sprach hart. „Nein, nein, nie, lieber sterben", rief sie leidenschaftlich, und ihre ganze Natur schauderte vor dem Gedanken an ein Verbrechen. „Wie gut. daß du nicht so denfft, daß du nie. nie etwas Böses getan hast! Weißt du, selbst wenn ich dich nicht lieb hätte, müßte ich dich trotzdem für deine Güte und deinen Edelmut bewundern." Trawinski antwortete nichts, küßte sie bloß auf die vor Erregung glühenden Augen und die vollen, purpurnen Lippen, die jetzt Menschen ohne Moral, Menschen ohne Ethik in den Baun taten und die Schlechtigkeit und Scheußlichkeit des Lebens verdammten,— er küßte sie so leidenschaftlich, als ob er mit diesen Küsten seine eigene, tiefe Demütigung verdecken wollte, die er nach ihren Worten verspürte, als ob er mit ihnen den Gedanken verscheuchen wollte, der ihm plötzlich im Gehirn aufleuchtete und ihn blendete. Er ging gleich hinaus und direkt in die Baumsche Fabrik, die gegenüber lag, an der anderen Seite der Straße, rückwärts in großen Gärten. Im Kontor traf er nur Max an, der ohne Rock am Pult saß. „Vater ist in der Fabrik. Ich kann ihn rufen." „Ich gehe hin. Ich habe eure Fabrik noch nie ge- sehen." „Ist nichts zu sehen, Elend", sagte Max wegwerfend und arbeitete weiter. Ein glasgedeckter Korridor führte von dem Kontor in den ersten Fabrikpavillon. Der große, von drei Seiten mit drei zweistöckigen Fabrik- Pavillon? umgebene Hof lag in Dämmerung und Stille. Durch die Fensterreihcn schimmerte ein blasses Licht, einzelne Stock- werke waren ganz dunkel, bloß unten qualmten an den Ein- gangstüren traurig Petroleumlaternen und beleuchteten die roten, feuchtschlüpfrigcn Mauern. In den Fabriksälen war eS leer, düster und schläfrig. Große Rechtecke waren es. in der Mitte durch eine Reihe eiserner Pfeiler gestützt, mit Jacquardschen Handwebstühlen vollgeilopft, die in zwei Reihen vor den Fenstern standen. Die Hälfte davon stand untätig da und war mit Baumwoll- staub wie mit einem weißen Moos bewachsen. Einige an den Pfeilern befestigte Lampen beleuchteten den Mittelgang und die Arbetiennnen, die mit der Hand Garn auf Spulen auswickelten. Schläfrig ratterten die Winden, schläfrig beugten sich die Arbeiterinnen über sie. und schläfrig kreischten die tätigen Webstühle. In dem gelblichen, blassen Licht der über ihnen brennenven Lämpchen glichen sie riesigen Kokons, von taufend Fasern in allen Farben, von unzähligen Schichten nach allen Richtungen gespannten Garns phan- tasttsch umwickelt; in der Mitte dieser KokonS bewegten sich die Arbeiter wie Seidenraupen und woben gemusterte Stoffe und beugten sich antomakisch vor. mit der einen Hand den Weberkamm festklemmend, mit der anderen die Schnur von oben ziehend, und traten mit den Füßen ans die Pedale; zischend flogen die Schiffchen wie gelbe lange Mistkäfer mitten durch die Garnstränge und flogen denselben Weg wieder zurück, mit ermüdender Gleichmäßigkeit. Alle Arbeiter waren alt. Mit verblaßten Augen schauten sie apathisch auf die Vorbeigehenden und woben weiter, schläfrig und automatisch. Mit einem geimssen Leid durchschritt TrawinSki die halb- toten Säle, mit Leid blickte er auf die Agonie des Hand- gewerbeS, daS hier, eigensinnig lvie ein Wahnsinniger, den Kampf aufnahm mit jenen Ungeheuern, deren riesige, vor Energie zitternde, mit unbändiger Kraft heulende Leiber durch die Fenster dieser Säle sichtbar waren. Er fragte nach Baum; sie wiesen ihn mtt einer Hand' oder Kopfbeivegnng hin, schauten von der Arbeit nicht auf. 'erhoben nicht einmal die Stimme, wenn sie sprachen; wie Schlafende bewegten sich alle, wie Halbtote, gleichgültig und traurig.— mit der Traurigkeit dieser erblindeten,- stillen, ab- sterbenden Säle, die er durchschritt, in der Dunkelheit sich an den Psdlem stoßend und über die untätigen Weostühle und über Menschen stolpernd. Das ganze Stockwerk der beiden Pavillons durchschritt er, und überall herrschte dieselbe leere Langeweile und Schläfngkeit. Beim Gedanken an seine eigene Lage überkam Trawinski eine immer größere Traurigkeit, er verlor vollständig den Glanben an die Hilfe Baums und schfivvte sich weiter mit einem Gefühl, als ob er zu einem Äerbenden ginge— denn die Fabrik, die einst fünfhundert Lenke beschäftigte, hatte jetzt nur»och hundert Arbeiter und erschien ihm wie ein kranker, absterbender Organismus, und selbst die riesigen Bäume, die hinter den Fenstern rauschten, schienen ihm eine Todeshhmne zu singen. > Goxts. folgt.) ..... MGMMl Höchstleistung eines Mietcsteigerers. Die Hauseigentümer Groh-Berlms wetteifern, in der Steige- rung der Wohnungsmieten das Höchste erreichen. Ein Hauseigentümer Friedenaus ist es, dessen Leistung wohl kaum noch üdertroffen werden kann. Er hat sein Haus i;um Aprrl dieses Jahres erworhen und steigert nun darauf los, daß den Mietern die Haare zu Berge stehen. Neue HsuAoirte sind üderhaupt als Miete- steigcrer gefürchter, weil sie zu finden pflegen, daß sie„leuer ge- kaust' haben. Der Friedcnauer Hauseigentümer hat sür eine im Hinterhaus drei Treppen hoch geleiens Wohnung von drei Zimmern, die bisher 680 Mark kostete, die Mete auf 1160 Mark gesteigert. Der alte Mieter dankie, woraus der Wirt bei Neuvermietung togcsr 1200 Mark gefordert haben soll. Gleichfalls im Hinterhaus liegt zwei Treppen hoch eine Wohnung von zwei tteinen Zimmern, deren Miete biAj« 45V M. betrug und auf 700 M. ge- steigert wurde. Da der alte Meter das nicht zahlen wollte, wurde auch hier Neuvermietung nötig. Für neue Mieter fehle der Wirt den Preis der Wohnung zunächst auf 800 M. fest, hinterher aber fall er ihn nochmals auf sogar 850 M. erhöht haben. Die Miete st eigerung brlrKzt, wenn die Angaben über die Iväteren PreiSsestsetzmogeu richtig sind, bei der erstgenannten Wohnung reichlich 7 0 P r o z.(von 680 M. um 520 M. aus 1200 M.), bei der anderen sogar fast 8 9 P r o z.(von 450 M. um WO M. aus 850 M.), Gegenüber solchen Forderungen fragen die Mieter, ob es nicht Zeit ist, endlich Einhalt zu gebieten. Soll es denn sür das Gewerbe der WohnungSvermietung keine- Preis- g r e n z e n geben? Sollen die Wohnnngsmieter den Hauseigen- lümcril wehrlos ausgeliefert vteiben? iKationierung des Hcrbstgcmüse'S in GrofnBerlin? Im Anschlug an die Beratusgen zwischen der NeichSstelle für' Gemüse und Obst und den deutschen Kommunalvcrbänden über die ZwangSersassung der diesjährigen Hsrbstgemüi'e- und Herbstobst- inme ist auch von den Vertrelern der Grosi-Berlincr Gemcinde- uerbände die Frage berührt worden, ob es sich empfiehlt, das Herbstgemüse und Herbstobst sür die Groß-Berliner Bevölkerung zu rationiere». Die Erfahrungen mir dem Frühgemüse und Frühobst hätten gezeigt, dasi anders eine glefchmäßigc Verteilung nicht zu er- reichen sei. Die Meinungen darüber sind in den Kreisen der be- leiligteli Gemeinden noch geteilt. In diesem Jahre haben die Grosz-Berliner Gemeinden etwa 4— 5 mal soviel Gemüse durch rlieferungSverträge gebunden als im vorigen Jahr, so dast die Ge- meinden auf die Genlüseveosorglu� der Bevölkerung einen weit größeren Einfluß haben werden als vi-her. Verlme? Lebensmittel. In der-Woche vom 29. Juli bis 4. August entfallen auf die' 14 Abschnitte 31a— g; der Berliner Kartoffelkarte zusammen höchstens 7 Pfund Kartoffeln. Es dürfen jedoch b:s zum 31. Juli nicht mehr als 4 Kartoffeln, nnd zwar auf die Abschniite 31a,— d verabsolgi werden. Vom 1. August ab können aus die Abschnitte 81e— g" weitere S Pfund Kartoffeln zur Ausgabe gelangen.— In der Zeit vom 27. bis 30. Juli wtth an diejenigen Künden, die in die Speise- fettkundenlisten der in den Bezirlcn der 37.. 41,, 52.— 76., 80—82., 174., 178., 179., 195,, A4., 225., 228., 2�8. und 240. Brotkommission gelegenen Geschäfte(Mialen, Verkaufsstellen) eingetrogen sind, pro Kops 125 Gramm Käse verteilt in deussisigen Geschäften, die durch ein Aushängeschild:„Verkauf von Käse der Fettstelle Groß-Berliu" g-keimzeichnet sind._,__ Tie erste Tagung der deutschen Eesatzmittelstellen ho: aus Einladung deS Staatssekretärs des KrtegSernährungSamtS unter dem Vorsitz des UnterstaatSsAkreiärS Dr. Müller in Berlin uattgesuiiden. Auf der Tagesordnung standen: Aussprache über die bisherigen Erfahrungen der Ersatzmittelstellen, Ergän- zung der Nichilinien über Ersatzleb�nsmittel, Sicherung der einheitlichen Durchführung der Vsrordmmg. Sammelan- meidungen und Durchführung der Kontrolle. Berichterstatter über alle Punkte der Tagesordnung war Geh. Rsgierungsrat Dr. Stadt- hgge», An seine Berichte schloß sich eine eingehende Erörterung, namentlich über die lsisaerrgen Erfahrungxn der Ersatzmittelstellen. Zum Schluß wurde die Frage der Durchführung der Kontrolle be- handelt. Im Großberzogtum Baden ist die. Gcnehmigungspflicht iiir Ersatzlebensmittel schon seit längerer Zeit eiuzcfjibrt und die dort gehandhabte Uebertvachung könne als vorbildlich bezeichnet werden. Am Tage nach dieser Versammlung fand im KriegsernäbrungS« amt gleichfalls unter dem Vorsitz des Uwterstaatssekretärs Dr. Müller die siebente Zueammenlunft der Vertreter der Landes-, Provinzial- ynd Bezir�preisprüfungSstellen statt. Professor Dr. Hirsch berichtete über die Frage der Herausgabe von allgemeinen Nichilinien sür die Berechnung von Groß- und Kleinhandelsauf- ichlägen. Die von einem Sonderausschuß aufgestellten grundsätz- lichen Leitsätze fanden gufttmimmg. Im Krailknchferch. Lasen wir nicht vor einiger Zeit irgendwo, daß in Berlin der Gesundheitszustand nicht schlecht sei? Wer den Andrang zn den Wartezimmern der Aerzte und zu den Geschäftsräumen der Kranken- kaffen sieht, wird zu einer anderen Meinung kommen. Dieser Tage ging uns eine Beschwerde zn, daß beider Berliner Orts- Krankenkasse der Mechaniker usw. infolge außer- ordentlicher Mehrung der Kranken jetzt in ihren Geschäftsräumen >Rosenthaler Straße 40/41) uneriräglichs Zustände herrschen. Stundenlang müsse man da aus die Abfertrguug warten, und schon oft sei cS vorgekommen, daß Wartende ohnmächtig wurden. Nach dem, was wir bei einem Besuch zu sehen bekamen, halten wir diese Angaben für sehr glaubhaft. ES ist ein Skandal, daß Kranken oder deren Angehörigen, die sür sie zur Kasse gehen, Derartiges geboten wird I Eine' Schar von Wartenden, die wir auf einige Hundert schätzten, stand da in einem mäßig großen Raum vor den Schaltern so zu- sanimenaepfcrcht, daß kaum noch jemand hinein oder hinaus- konnte.� Manche Frauen hatte» sogar ihre Kinder bei sich, mit denen sie teils in der süschterlicheu Enge des überfüllten Raumes, reils auf dem freieren Tveppsnflur ausharrten. Sie hatten sie mit- geschleppt, weil sie im Hwbllck auf die lange Wartezeit sie nicht zu Hause sich selber übertass»» durften. Hat man sich schon mal klar gemacht, daß die Kranke n>?assc mit s olchem Kranken- pferch einen Seuchenherd schafft, wie er günstiger für die Weiterverbreitung ansteckender Krankheiten kaum gedacht werde» kann? Die in der letzten Zeit Lei den Kraukenkaffen bemerkte außerordentliche Mehrung der Kranken wird von manchen Leuten als nicht besorgnlSerreAcnd obgetan, weil sie„nur" auf die Grippe zuriieltuftihrs»: sei. Aier s« hermleS ist auch die Grippe nicht, wie sie vielleicht ds«en scheint, die sie poch nicht selber hatten und sie daher als eine Kot„Kauttrankheii" ansehen möchten. Zu- stände, wie sie in den GcschAstZräumen der genannten Krankenkasse herrschen, sind nur zu sehr geeignet, die WeitervcrbreituNg gerade ->tr Grippe zu begünstigen. Alle Kraukenkaffen sollten soviel Rück- ficht auf ihre Mitglieder nehmen, menschenttürdige Warte- r ä u m e für sie bereitzuhakten. Unfälle in der Filmbranche und kein Ende! Die Unfälle in den Filmbetneben gehören jetzt fast zu den Alltäglichkeiten. In allgemeiner Erinnerung ist noch das entsetzliche Unglück bei der Bioikop, wobei, wie uns ein Fachmann versichert, cruwandsrci festgestellt wurde, daß in erster Linie eine krasse Un- kenntnis der elektrotechnischen UnsallverhütungSvorschristen bei den veraniworrlichen Personen die Schuld trug. Nun hat gestern wieder ein grober Verstoß gegen die Vor« schritten einem jungen Menschen das Leben gekostet. Einem bei der Nordischen Fä l m- C o., Zimmerstraße 16—18, beschäftigten lOjöhrigen Pagen wurde durch den Fahrstuhl der Kopf abgequetscht. Trotz des strengen Verbots find bei den Fahr- siublliiren im zweiten.und dritten Stock des Hauses, loie sich unser Mitarbeiter überzeugt hat, je eine der dicken Glasscheiben entfernt worden, und nur dadurch war der Unfall möglich. Es wäre uns sehr intereffant, zu erfahren, ob der Inspektor der Bcrufsgeuossen- schaft diesen Zustand be: der letzten Revision schon bein-rk: hat und was geschieht, um die Diretrionen besonders der Filmbeiriebe auf Beacknung der Unfallverhütungsvorschriften mit Nachdruck aufmerk- sam zu machen. Stadion und Sportvereines Die Verhandlungen zwischen dem Verbände Groß-Berlin und dem Reichsaue-schuß sür olbmpische Spiele wegen einer besseren Nutzbarmachung des Stadions im Grunewald für die Turn- und Spor:vereine Groß-Berlins haben zu einem befriedigenden Ergeb- nis geführt: Der Zweckverband bewiligt sich mit einem größeren Beitrage an den Kosten der Unterhaltung des Stadions, dasür werden ihm vom Reichsausschuß 300 Jahreskarten sür die unent- geltliche Benutzung des Stadions zu UebungSzweckcn zur Verfügung gestellt. Tiefe Karten mit dem Vermerk„Zur Verfügung des Ver- bandes Groß-Berlin" sind übertragbar und berechtigen den jeweiligen Inhaber zun: täglichen Eintritt in das Stadion und zur Benutzung aller dort vorhandenen llebungsgelegenheiten, wie z. B. Schwimm- bahn, Laufbahn, Spielplatz an der Podbielski-Eiche, Sprung- und Wursgelegenheiten usw. Die Karten werden— wie der Verband Groß-Berlin mit- teilt— vom Zweckverband den ihm angehörigen Gemeinden und Kommunalverbänden nach Maßgabe der Bevölkerungszahl zur Unterverteilung an die einzelnen Turn- und Sportvereine über- geben. Dabei erscheint freilicki die Zahl von 300 Karten für Groß- Berlin auf den ersten Blick ziemlich geringfügig, und tatsäch- lich werden allerdings die einzelnen Vereine kaum mit einer größeren Anzahl Karlen bedacht werden können. Aber eS muß berücksichtigt werden, daß das Stadion zu UebungSzwecken auch nur einer beschränkten Zahl von Personen Raun: bietet, und diese Zahl ist durch die 800 Karten zusammen mit den vom ReichsauSschuß ans Grund anderer Verpflichtungen bereits ausgegebenen erreicht. Andererseits wird innerhalb der einzelnen Vereine und Gruppen dem vorhandenen Bedürfnis nach Eintri'.t inS Stadion dadurch Abhilfe geschaffen werden, daß bei der Uebertragbarkcii der Karten die einzelnen Vereinsmitglieder usw., die in: Stadion üben wollen, untereinander abwechseln können. Nach alledem ist. jedenfalls anzunehmen, daß die Berliner Turner und Leichtathleten von der sich biewnden Gelegenheit der Benutzung des Stadions zu UebungSzwecken gerne Gebrauch machen werden. Eine„warnie Lanze" für die Krieger-Flcifcherfrancn. Man schreibt uns: Der„Vorwärts" brachte am 16. Juli einen Artikel mit der Aufschrift:„Der Bezirksvorsteher." Als typischer Fall der Verneinung der Bedürftigkeit sür die Gewährung der Krieqsunterstiitzung war darin eriväbnt:„Geringere Verlegenheit bereitet die Verneinung der Bedürftigkeit, wenn etwa eine behäbige Fleischermeistsr-sgaltin. die das mit dem Manne gemeinsam be- tricbene Geschäft unverändert weiterführt und daneben ein ganz ansehnlich es Vermögen besitzt..., die Unterstützung als Weg- zehrung mitnehmen möchte." Zur selben Siuüds» untern: 15. Juli, hat der Magistrats- kommtssqr an die Unterstützüngsabteilungen IS biß 13 B ein Nund- schreibcn gerichtet, das für die Krieger-Fleischerfrauen die bekannte „warme Lanze" einlegt. Darin heißr es: „Die Reichsfleischstelle hat als Richtsatz für den Ladenfleischer festgesetzt, daß die Abgabe der als Normalsatz anzusehenden Wochenkopfmenge von 250 Gramm Fleisch neben einem Schwund- und Hauverlust von 4 Proz. des EinstandS- oder Uebergabepreises bei abgehangenem Fleisch von Rindern oder Kälbern, von 2 Proz. bei abgehangenem Fleisch von Schweinen und Schafen und neben Ersatz der Zufuhrkoston des Fleisches zum Ladengeschäft ein Rohgcwinn von 24 Pfennig an einem Pfund Fleisch zuzu- billigen ist." Nach Auskunft des Obermeisters der Berliner Fleischer- innung kann ein Nettoverdienst einheitlich sür das Fleischer- gewerbe nicht angegeben werden. Der Nettoverdienst hängt in jedem Falle von dem Umfang des betreffenden Geschäftes ab, Geschäfte mit einem kleinen eingetragenen Kundenkreis werden kaum imstande sein, überhaupt ernen Nettoderdienst zu erzielen, sonst bewegt sich der Nettoverdienst in den Grenzen von 3 bis 5 Psoz. Da auch die Fleischerfrauen mit kleinem Kundenkreis nicht von der Luft leben können, obwohl sie kaum imstande sein sollen, einen Nettoverdienst sür ihre Arbeit zu erzielen, so ist anzunehmen, daß der JnnungSobermeisier die Unkosten für den Lebensunterhalt in die Geschäftsunkosten miteingcrechnet hat. Jedenfalls haben die Be« zirkSvorsteher die Bedürftigkeit der Fleischerfrauen fortab sorgfältig zu prüfen. DieS würde ihnen wesentlich erleichtert, wenn den Unter- stütznngsanttägen, ähnlich wie die Lohnausweise der beim Magistrat oder sonstwo beschäftigten Kriegerfraucn, die Angabe des Ilm- satzes beigefügt würde, wie auch, auf Grund der Ergänzungs- steuer, einige Anhaltspunkte über das etwaige Einkommen aus Vermögensbesitz. Sofern die Voraussetzung gegeben ist, muß selbstverständlich auch bedürftigen Fleischerfranen die Kriegs- Unterstützung gezahlt werden._ Kaffee-Ersatz. Unter den dieser Tage in Groß-Berlin neu zur Verausgabung gelangenden Lebensmittelkarten befinden sich auch die neuen Kaffee-Ersatzkarten. Die auf dem letzten Abschnitt der airen Karten Nr. 12 entfallende Ware wird vom 31. Juli ab überall in Groß-Berlin erhältlich sein. Streichhölzer. In der Zeit vom 29. Juli bis 10. August können im Kleinhandel ausländische Streichhölzer(schwedische), und zwar pro Person eine Schachtel zum Preise von 71/3 Pf.(Höchstpreis) unter Vorlegung der Berliner Bezugskarle enruommen werden. Die Verkaufsstellen sind auf dem Anschlag an den Säulen ersichtlich. Ter Geh. RcgicrungSrat KoSka ersucht uns. mitzuteilen, daß nur vier von 24 Mietern im Hause Ahorn st raße 19 in Steglitz gekündigt wurde, und daß die Gesellschaft erst nach erfolgter Kündi- gung die Wohnungen dieser Mieter, die 24 Räume umfassen, ge- mietet hat. Papier- und Zeitverschwendung bei den Städtischen ElektrizitSts- Werkcn. Wahrend der letzten Tage ließe:: die Städtischen Eleklri- zitäiL-Wcrke in ganzen Slraßen bei den Stromverbrauchcrn einige Pfennige, meist je acht, sür zu wenig- berechnete Kohlenstener pro Juni einziehen. Ueberall wurde eine besondere NachtragSrechnung vorgelegt. Konnte mit der Einziehung dieses geringen Betrages, ganz abgesehen von der Behelligung des Publikums, nicht bis zur Vorlage der Jul:-Zlech»ung gewartet werden? Solche Papier- verschnwndung stebt nicht recht im Einklang mit den magistratlichen Verfliglmgen, an Parier möglichst zu sparen. Der AarOand der Laubcnkolonistcn BerNnS und Umgegend be- ruft zum morgigen Montag, abends 8 Uhr, eine öffeulliche Lauben- kolonlstenversammlung in: Restaurant„Schwarzer Adler", Schöne- berg, Hauplstraße. ein. Diese soll sich mit der projeküerten Siraßen» regulierung des Schöneberger Südgelände» beschäsligen, welche viele Laubenkolonisten zwingt, ihre Parzelle zu räume». E:ttenbrunnc»-„Ente". Die Nachricht vom Diebstahl am Ellar- loitcnburger Entenbrunnen-entspricht nicht den Tatsachen. Die betreffende Gruppe mußte vielmehr in die Neparalurwerkstart ge- schafft werden, weil eine der Bronze-Enlen den Fuß gebrochen hatte. Ein Volkskonzert des Philharmonischen Orchesters findet an: Montag, den 29., sin der Philharmonie, Bernburger Str. 22/23, statt. Beginn des Konzerts 8 Uhr, Eintrittspreis 30 Pf., Kasseneröffnung 7 Uhr. Im Sportpark Treptow gelangt heute das Große Handicap, ein Rennen über 75 Kilomerer, zur Entscheidung. Außerdem findet noch ein kleineres Dauerreuncn über 15 Kilometer statt. Die Rennen beginnen um 4 Uhr. Neukölln. Kartoffeloersorgung. In der nächsten Woche entfallen auf die Karioffelkartenabschnitte 31s.— g 7 Pfund Kartoffeln. Vorläufig sollen jedoch nur 3 Pfund Kartoffeln zur Abgabe gelangen, die restlichen 4 Pfund Kartoffeln können vom Donnerstag ab eut- nommen werden. Wer seine 7 Pfund Kartoffeln bis zum 4. August nicht hat erhalten können, ist berechtigt, diese Mengen noch bis ein- schließlich den 7. August abzunehmen. Die Gültigkeit der Kartoffel- kartenabschnitte 80s— s wird bis 31. Juli verlängert. Eharlottcnllurg. LebruSmittel. Diese Woche gelangen zur Aus- gäbe: Fleisch 250 Gramm. Der Käufer ist verpflichwt, soweit die Vorräte es erfordcru, auf eine Fleischkarte 50 Gramm Wurst zu entnehmen. Kartoffeln 7 Pfund. Es dürfen jedoch zu- nächst nur 3 Pfund auf die 6 Abschnitte 61s, d, c entnommen werden. Soweit auf die Abschnitte 26, 29 und 30 Kartoffeln noch nicht geliefert find, find dieselben bevorzugt zu bedienen. Die Gültigkeit der genannten Abschnitte soweit sie zum Bezüge von Kartoffeln berechtigen, wird bis zum 5. August verlängerr. Zucker a/4 Pfund auf die Zuckerkarte vom 1. bis 15. August. Allgemeine Groß-Berliner Lebensmittelkarte mit Auf- druck Charlottenburg: Suppen 109 Gramm Abichnitt 46 vom 25. Juli bis 3. August. Graupen 200 Gramm Abschnitt 47 vom 25. Juli bis 3. August zum Preise von 15 Pf. Suppen 100 Gramm Abschnitr 48 vom 1. bis 10. August loie oder in Würfeln. Teig- waren 100 Gramm Abschnitt 40 vom 1. bis 10. August. Hafer- nällrmittel 100 Gramm auf denselben Abschnitt. Auslands- Marmelade 225 Gramm Abschnitt 55 zum Preise von 84'Pf. und 260 Gramm Abschnitt 66 vom 1. August bis 10. August 1913 zum Preise von 95 Pf. Rote Nahrungsmittelkarte: Räucherwaren 1/.2 Pfund auf Abschnitt 201, sowie auf Abschnitt„Bs" der Berliner Bezug-karte. Abschnitt 196 sowie die Abschnitte„Od" der Berliner Bezugskarte behalten ihre Gültigkeit und sind vorzugsweise zu be- dienen) auf letztere Abschnitte darf jedoch nur je 1ll Pfund abgegeben werden. Salzheringe Vs Pfund Abschnitt 197 vom 1 Juli ab zum Pfundpreise von 1,25 M. Friscke See- oder Flußfische je 1 Pfund auf Abschnitt 200 sowie auf Abschnitt„Gg" der Berliner Bezugskarte._ Schönellerg. Lebensmittel. Bis zum 30. stnder Voranmeldung statt für 100 Gramm Graupen auf Abschnitt 50 und 250 Gramm Kunsthonig auf Abschnitt 54 der Groß-Berliner Lebensmittelkarte. Ausgegeben werden 1 Ei auf Abschnitt 49 der Eierkarte, 300 Gramm Graupen auf die Abschnitte 48 und 49 der Groß-Berliner Lebens- mittelkarte und 250 Gramm Graupen auf die Abschnitte 17 und 18 der Jugendlichenkarie._ Wilmersdorf. LcbenSmitcl. Fortgesetzt wird bis zum 81. Juli der Verkauf von 4 Stück Supenwürseln oder 200 Gramm losen Suppenpulvers auf Abschnitt 45 der allgemeinen Groß-Berliner Lebensmittelkarte und 100 Gramm Teigwaren auf Abschn'tt 46, so- wie von einem Ei auf Abschn'tt 49 der Eierkarte. Außerdem ge- langen in der Woche vom 29. Juli bis 4. August zur Ausgabe: Auf Abschnitt 47 der allgemeinen Groß-Berliner Lebensmittelkarte 200 Gramm Gersteugraupen oder Gerstengrütze, auf Abschnitt 48 100 Gramm lose Suppen und aus die Äbschnftte-Sü und 53 225 Gramm bzw. 200 Gramm Jnländsmarmclade.— Der Verkauf von% Pfund Heringen oder frischen Fischen bzw. 14 Pfund Räucherwaren aus die Abschnftte G und O der grünen Bezugskarte sür Einzelpersonen wird fortgesetzi.— In der Zeit vom 26. bis 30. Juli iverben oh diejenigen Einwohner, welche in die Speisefett-Kundenlisten der in den Bezirken der Broikommissionen 2s, 2b. 3, bs, 5b, und 6s in Berlin-W'lmersdorf gelegenen Geschäften(Filialen, Verkaufsstellen) eingetragen sind, je 125 Gramm Faustkäse verteilt. Die Geschäfte sind durck ein?lushängcschfld:„Verkauf von Käse der Fettstelle Groß-Berlin" gekennzeichnet. Der Käse darf nur auf die zurzeit gültigen Speisefrttkarten für Groß-Berlin abgegeben und cntnom- men werden. Eine besondere Anmeldung zum Bezüge des Käses findet nicht statt. Der Preis für 1 Pfund Faustkäse wsid aus 2,10 M. festgesetzt. Die Vecbrauchsmenge an Kartoffeln wird m:s 7 Psuud festgesetzt. Es dürfen vom 29. Juli ab auf die 8 Abschnitte 31ll bis 316 der Hauptkartoffclkarte ie Vi Pfund, zusammen also 4 Pfund. und von Freitag, den 2. August ab, aus die 6 Abschnitte 31« und 31g der Hauptkartoffelkarte je% Pfund, zusammen also 3 Pfund Kartoffeln, abgegeben und entnommen werden. Diejenigen Per- sonen, die in der Woche vom- 22. bis 28. d'e ihnen zustehenden 5 Pfund Kartoffeln nicht erhalten haben, können diese in der kom» menden Woche noch in Empfang nehmen. Die Abschnitte 30s bis 30g der Hauptkartoffelkarte behalten bis zum 4. August ihre Gültig. Mbeiter! Hngeftsllte! Das Anternehmerkapital macht gegen Euch mobil! Nieslge Summen sollen aus den.Milliarden des Kriegs- gewinns zum Kampf gegen Such aufgebracht werden! Denkt an den Aufruf des„Neichsverbanöes gegen Sie Sozialöemokratie", den wir gestern veröffentlichten! Darauf gibt es nur eine Antwort! Fort mit allem, was uns entzweit! hinein in Gewerkschaften und poli- tische Organisationen! hinein mit unserer �irbeiterpreffe ins arbeitende Volk! Zum Monatswechsel müssen abermals Tausende dem „vorwärts" gewonnen werden! Abonnementspreis monatlich 1,50 Mark frei ins Haus. Name Beruf------- Wohnort----- T_ Straße?—,-- Stock- Bei wem?_ bestellt ab 1. August den„Vorwärts" zum Preise von l,50 M. per Monat frei ins Haus. Diesen Zettel wolle man ausgefüllt an die Haupt- expedition, Berlin SW, Lindenstraße Z, senden. Tc-iL �.(c STßfäSnttte?ffa S?5 SJg Ser Vcnipi?ilÄoffe�arie%a&m nt dsr Woche vom SÄ. Juli bis 4. August auch in Schont- und Speise- wirtschaften Gültigkeit.— Tüe Ausgabe der auf Grund ärztlichen Zeugnisses bewilligten �usav-Lcbensmitrelkarien für Kranke und Genesende sä. August b'S 1. September) erfolgt durch das Städtische Lebensmiticlamt, Abteilung für Krankenernäbrung. WilhelmSmie 1 14/115, in der Zeit vom 29. Juli bis 3. August, werktäglich von 8 bis 2 Uhr._ Treptow. Lebensmittel. Außer den Üblichen Rationen gibt«S; 300 Gramm Graupen auf Abschnitt 45 und 46 der Groß-Berliner Lebensmittelkarte, 425 Gramm Marmelade auf Abschnitt 52 und 53 der Groß-Verliner LebenSmittellarte, 100 Gramm Suppenwürfel auf Abschnitt 18 der Lebensmittelkarte für Jugendliche. Fische auf Abschnitt 119, Räucherwaren auf Abschnitt 139 der Berlin- Treptower LebcnSmittelbeMgSlarte nach Eingang der Ware. In dcn Gemüsehandlungen inländisches und ausländisches Gemüse und WerderschcS Obst._ Friedrichshagen. MilchkartcnanSgabe. Die Ausgabe der Voll- m i I ch k a r t e n sür die in der Zeit vom 1. August 1914 bis jetzt geborenen Kinder erfolgt am Montag und für die in der Zeit vom 1. August 1912 bis 81. Juli 1914 geborenen Kinder am Dienstag. — Die gegen A t t e st zzu verab'olgenden Vollmilchkarteir werden nur gegen Vorlegung der schriftlichen Benachrichtigung am Mitt- woch ausgegeben.— Die Ausgabe der Magermilchkarten Air die in der Zeit vom 1. August 1904 bis 31. Juli 1912 ge- borenen Kinder am Donnerstag.— Alle Karten werden im Lebens- mittelburcau, Friedrichstrahe 88. vormittags von 9— 1 und nachmittags von 3—6 Uhr gegen Vorlegung der abgelaufenen Milch- kartenabschnitte umgetauscht._ Britz. Lebensmittel. In d'eser Woche gelangen in der Ver- kausSstelle der Gemeinde Abgabe: Berliner Lebensmittelkarte: Auf die Abschnitte 44 und 46 je 100 Gramm— 200 Gramm Graupen je Person.— Jugendlichenkarte: Auf die Abschnitte 17 und 18 zusammen% Pfund Teigwaren je Person.— Berlin-Britzer Lebens- n: ittelkarte: Aus Abschnitt 88: 100 Gramm Närhefe je Haushalt, soweit Vorrat; auf Abfchn'tt 89: 1 Tose Fischkonserven je HauS- halt für die Nummern 2701 bis Schluß, soweit Vorrat; auf Abschnitt 80: 100 Gramm Weichkäse je Person, nur bei den Kleinhändlern; aus Abschnitt 91: Sonderzuteilung.— Ferner können die Klein- kandier und Gewerbetreibenden der Gemeinde von der Lebens- mirtelstelle Gewürze beziehen und zwar: Paprka, Thimian, Piment, Macisblüte, Macisnüffe gemahlen, Koriander ganz, alles garantiert rein. Bezugsbedingungen und Preise werden im Bureau der Le- b.mSmittelstelle mitgeteilt.— Außerdem gelangen zur Ausgabe: Gemischte Pilze, Lorbeerblätter, Klippfische, Fleischextrakt usw.— Tie Ausgabe der Waren erfolgt aus die Lebensmittelausweise Num» mer 1— 900: am Montag; 901— 1800; am Dienstag; 1801— 2700; am Mittwoch; 2701— 3700: am Donnerstag; 3701 bis Schluß: am Freitag._ Nowawes. AuS der Gemeindevertretung. Es wurde ein Schre'ben des Bürgermeisters verlesen, in dem dieser den Wunsch ausspricht, bei der bevorstehenden Neuwahl des Gemeindevorstehers von seiner Person Abstand zu nehmen, da er bei seinem Alter eine volle Wahlperiode das Amt doch nicht mehr ausüben könnte. Der Vorsitzende gibt bckant, daß eine Verhandlung mit den maßgeben- dcn Bebörden über die Aendecung der Bauklassen stattgefunden hat. ES ist die Hcraözonung wichtiger Teile von NowaweS beabsichtigt. ES ist seitens des Bürgermeisters gegen diese geplante Herabzonung Protest eingelegt. In dieser Angelegenheit sollen noch weitere Schritte unternommen werden. Für den 5. und 10. Bezirk wurden als Armcnpsleger die Herren Mehlmann und Sommer gewählt. Ein Gesuch, das Pflegegeld im Altersheim aus 2,50 M. zu erhöhen, wird genehmigt. — Lebensmittel. Es werden ausgegeben hei den Kfeinhä.rd» kern: Nudeln, 100 Gramm zum Preise von 12 Ps., aus den Karten- abschznti 38 der AcLen'Smiikelkarke; Traupen, Alk! Tramm zum Preise von 15 Ps., aus den Kartenaöschnitt 49 der Lebensmittel- karte; Kme, l4 Pfund zum Preise von 56 Ps. bzw. 35 Ps., aus den Kartenabschnitt 23 der Lebensmittelkarte; AuslandSmarmeladc. 250 Gramm zum Preise von 80 Ps., aus den Kartenabschnitt 56 der Lebensmittelkarte: Eier, 1 Ei zum Preise von 38 Ps., aus Karten- abschnitt 20 der Eierkartc. T'e Karteninhaber haben vom 29. bis 39. die LebenSmittelkartcnabschnitte und den Kartenabschnitt der Eierkarte bei dem Kleinhändler abzugeben, bei dem sie die Ware zu beziehen wünschen. Die Waren sind gegen Abgabe der vom Kleinhändler ausgestellten Bescheinigung vom 2. bis 4. August in Empfang zu nehmen._ Theater öer Woche. Volksbühne:„SommernaStstrauin".— Deutsches Opernhaus: vom 28. bis 31., 5.„Fledermaus", 1., 2., 3.„Schöne Helena", 4,„Mignon".— Deutsches:„Familie Schimeck"; ab 30.„Fesch: Rudi".— Kammerspicle: „.Jnloonito".— Königgrätzec: 28., 29., 30., 1., 2., 4,„Die fünf Frankfurter, 31., 3., 5.„Schwestern und der Fremde".— LeMng:„Bariets- Ballett Charell": ab 2.„Brüderlcin fein".— Schiller Charlottcnburg: „Alt-Heidelberg".— Berliner:„BlitzblaucS Blut".— Residenz:„Flimmer- Klärchen".— Triauon:„Lebensschülcr".— Künstler.„Hutmachcr Sr. Durchlaucht".— Kleines:„Arislid".— Friedrich-Wilhclmstädtisches:„Drei- mäderlhaus".— Westens:„Tänzerin".— Lustjpielhaus:„Blonden Mädels vom Lindenhof".—.Komödienhans:„Zarin".— Rollendors:„Drei alte Schachteln".— Zentral:„Csardas-Fürstin".— Neues Opcrettenhaus: „Soldat der Marie"; ab 3.„Das süße Mädel".— Thalia:„Unter der blühenden Linde".— Komische Oper:„Schwarzwaldmädcl".— Metropol: „Rose von Stambill".— Palast-Theater am Zoo:„Kriegsgewinnler".— Wintergarten:„Ohne Männer kein Vergnügen.— Urania:„Die Fahrten des Hilfskreuzers„Wols", 31., 3., 4.„Von der Zugspitze zum Watzmann". Mus aller Welt. Eine ganze Stadt niedergebrannt. Stockholm, 27. Juli.(T. 11.) Die 60 Werst von Kazan ent- fernte Stadt L a i e ch e w o wurde, wie der Korrespondent der T.-U. erfährt, durch Feuer gänzlich vernichtet. Das Feuer entstand in. einem von hundert österreichischen Gefangenen bewohnten Hause und wurde vom Wind auf die Nachbargebäude übertragen. Zeitgemäßes Wurstpapier. Bei der Verteilung der Wurstration im Gewichte von 18 Gramm meinte ein Kölner Metzgermeister, er könne für die Wurst bei den teuren Papierpreisen nicht auch noch Papier liefern. Darauf reichte ihm ein Kunde einen Vorortbahnschein mit den Worten:„Wickeln Sie die Wurst darin ein. aber passen Sie gefälligst auf, daß sie nicht durch das Knips locb rutscht." � Jugenöveranstaltungen. Arbeiter-Jugendheim. Lindeustr. 3. Sonntag, den 28. Juli: Geselliges Beilammensein. Heimösfnung 5 Ubr. Dienstag, den 30. Aull und Donnerstag, den 1. August: Turnspiele im Trevtower Bark, Spiel- platz VI. Freitag, den 2. August, abends 8 Uhr: Naturwissenschaftlicher Dislussionsabcnd. Referent Gen. Feller. Heimösfnung 7 Uhr. Sriefkasten der ReSaktion. Zarathnftra. 1. DaS Gesuch müßte beim Generalkommando einge- reicht werden. 2. Der Sohn käme in Betracht, der sür den Unterhalt der Eltern nachweislich schon vor der Einziehung beigelragen hat. 3. Der Er« iolg erscheint uns fraglich.— E. P. 100. 1. Ja. 2. Etwa �/, Ihres Ein- lommens und für das Kind 50 M. monatlich.— Hohenstein. Wenden Sie sichuan den RegierungSpräsidenteu für den Bezirk Potsdam. Charlotten- bürg.— P. Tch. 38. Sie werden sich gedulden müssen bis zu Ihrer Entlastung, die doch nicht lange auf sich warten lasten kann.— I. 78. Der Rücktritt vom Mieterlaß ist möglich, die Steigerung ist so gering, daß Sie dagegen mit Ersolg nichts unternehmen können.— K. F. 513. 1. Ja. 2. Anstellung würden Sic trotzdem finden. 3. Bei der Handwerlskammer.— H. B. 7. Sin dcn Kompagniesührcr.— A. A. 200. 1. Rein. 2. Bei dem angegebenen Verdienst dürfen Sie Ihnen die Unterstützung nicht entziehen.— Kanonier H. M. Die Frist dafür ist längst ver» strichen.— E Sch. 100. Fragen Sic beim OSkar-Helenen-Heim in Zchlendors an, ob und unter welchen Bedingungen dorl Ausnahme ersotgcn könnte.— 103. Bautzen. Rervcnleidend und oberflächliche, nicht hinder- lichc Narben von erlittenen Verletzungen oder Operationen, landsturm- pflichtig.— M. St. iä. Sie haben als Kranlemvärlcr nur Anspruch aus 21 M. monatliche Löhnung. Der zuviel gezahlte Betrag wird Ihnen jetzt zunächst abgezogen.—(£. B. 9000 und R. SS., SSciffcnfce. Nein. — L. I. 22. 1. Ja. 2. Sie müßten zur llnlerbringung der Kaninchen einen bcsondcien Stall, etwa aus dem Hose, haben.— H. N. 100. 1. lieber den Schadenersatz süt die Auslaiidsdeutschen ist noch nichts be- stimmt. 2. Es muß zunächst Klage ans Wiederherstellung der ehelichen(Sc- meiilschasl erhoben werden. 3. Für das uneheliche Kind wird nur Umer- itützung gezahlt, wenn der Valer des Kindes zum Heeresdienst eingezogen ist.— SB. S. 004. Die Löhnung muß alle 10 Tage gezahlt werden. Beschwerde muß aus dem vorschristsmäßigen Dienstwege eingereicht werden. — Stolbcrger Ferien. 1. Ja. 2. Nein. 3. Wenn es aus Grund einer Versügung durch dcn Landrat geschieht, könnten u. E. die Kinder dazu verpflichtet werden. 4. Mohrenslr. 11—12, Berlin.—®. Z. 2. l. Ja. 2. Nach Ihrer Darstellung wäre das als Betrug und Unterschlagung aus- zulassen. 3. ES könnte gegen sämtliche Personell Slraianliag gestellt werden. 4. Sie könnten aus Grund einer Vollmacht Ihres Ehe» maniieS die Sache einleiten, sonst lölinte aber Ihr Ehemann gelegentlich seines Urlaubs die-Angelegenheit regeln.— Sil. K. 2. Ja. '|�r können von der BcrusSgcnosseiischast einen Wegen der gesundbeitSgesährlichen Einrichtungen sich an die Gewerbeinipeltion bezw. an die Be- Wegen des NichlllebenS von Juvalidenmarren müssen Sie Anzeige beim VersicherungSanit erstatten.— H. B. 1/86 im Felde. Ja.- H. 37. Ja.— R. 16. Ja.- F. SB. I. Die Frist verjährt nicht, die Klage kann auch nach der Entlassung des Betreffenden vom Militär anbängig gemacht werden.— F. 150. Der Vater ist ver- pflichtet, der Tochter eine angemessene Aussteuer zu geben. Bei Ihrem angegebenen Gebalt werden Sie das natürlich nicht könncli, wenn Sie nicht sonst Vermögen haben.— A. B. 4. Wenn einer der Söhne noch aktiv dient und für die anderen sechs Jahre aktive Dienstzeit nachgewiesen werden können, wird AuswandSentschädigung gezahlt. Der Antrag ist bei der Gemeindeverwaltung einzureichen.— F. P. 07. Unterstützung wird in dem Falle nur sür dcn Ehemann gezahlt.— 8.100. Ja.— 21. H. 55. eic sind im Irrtum, wenn Sie meinen, daß einer Kriegerwitwe die Wohnung nicht gekündigt werden kann. Sie konnte sich allccbüigs an das MielciniglingSamt wenden. Das mußte aber innerhalb 8 Tage nach Zustellung der Kündigung geichchcn, die Frist ist jetzt sicher vcrsäumr. Sie sind zur Räumung der Wohliiliig verpflichtet.— Tausend. Nein. — Feld ft. St. 91. Urlaub muß Ihnen deshalb nicht gewährt werden. Ihre Frau löiinlc sich wegen Stundung der Hypothek an das Miel- einigungsamt und, wenn solches am Orte nicht besieht, an das zuständige Amtgericht als Einigungsamt wenden.— V. K. Sic können zu der Arbeit tommandierk werden, ohne daß Ihnen eine besondere Zulage gc- währt wird.— E. N. Steglitz. Ihre Ansrage ist uilveriländlich.— Stü. N. 125. Sie können Antrag ans Erhöhung der Rente stellen. — M. T. 97. Sic sind im Jrrlum, wenn Sie glauben. nicht zum Frontdienst verwendet werden zu lönne». Sie dürfen selbstverständlich auch dcn Dienst nicht verweigern.— WaflerstandSnackrichte» der Laudesanstalt für Gewäflerkunde, mitgeteilt vom Berlin« Wetter burcau. — Bock. Nil. 25. Sie Rcnienvorschuß verlangen. inr Betriebe müßten Sie russgenosienschast wenden. Montag mittag. Mäßig warm, veränderlich, überwiegend bewöllt, mit ziemlich zahlreichen Regensällcn und Gewittern. m. = Während der, V JefS'&iafiy O DEWOCHE = (5.- 13, August) W'; ist�B E R L I N der Treffpunkt Ä der Fachleute des In- und Auslandes! 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Krell, Hans, Mech-uir«, geb. 5. 11. 96, Berlin. Lehmann, Karl, Schl-ff«, geb. 7. 10. 93, Reich em>«. Lindenau, Wilhelm, Schloff«, geb. 16. 12. 89, KollaÄschken. Möller, Gustav, Arbeit«, geb. 19. 6. 97, Sofchen. Peter, Wilhelm, Arbeit«, geb. 6. 10. 89, Gr.-Rellen. Raack, Erich, Schloff«. geb. 23. 1. 93, Berlin. Rudolph, Hermann, Revolverdreh«, geb. 28. 8. 87, Berlin. Scholz, Karl, Schloff«. geb. 24. 0. 88, Ostrowiene. Schwartz, Paul, Mechanik«, geb. 27. 5. 97,»erlin. Sowa, Karl,»««mach«, geb. 2. 1. 88, Bachendors. Stolzenburg, Willi, Arbeit«, geb. 25. 4. 96, Berlin. Wilke, Fritz, Fr»s«, geb. 20. 1. 92, Bräh. Zyhorra, Alfred, mnux, geb 24. 1. 93, Berlin. 115/17 Ehre ihrem Audeake«! Die OrtSverwaltnng. MH der Brauerei- und iinarteiter terwamiter EerülssenosseiL Zahlstelle Berlin. Als Opf« des Weltkrieges starben folgende | Kollege»: Willi Scharf,»«««,: Brauerei KSnigstadt Wilhelm Retzlaff, A-rfchendtas«*«! Schlofebanerei-Aederlage Rewickendorf. Ernst Schuster, glütöenMembeUet; Brauerei Gabriel a. Richter. Joseph Ellendorf, 9nt««;7 Spandauer Bergbrauerei. Willi BoltZ,»r-uer: Brauerei KSnigstadt. MaX LUX, Flaschenkellerardeit«; Brauerei Schultheiß, Abteilung I. Karl Kuschke, Si-schenbierfaHr«: BöhnnjcheZ Brauhau», Niederlage Borsigwalde. Eduard Penk, FttschenWIerard«««: Deutsche Bierbrauerei. Gustav Loge, Brauerei Patzenhoser, Niederlage Zehlendorf. Karl Rode,»r-u«; Brauerei Patzenhoser, Abteilung Spandau. Johann Gildemeistcr,|SgÄ;, Brauerei schulcheife, Abteilung IV. Karl Schlüpke,»ierf-hr«: Münchener Brauhau», Niederlage Spandan. Otto Genzmann, sefeiBcfaht«; Deutsche Bierbrauerei. Willi SchulZ, Naschenbiermitsahr«! Brauerei Engelhardt, Abteilung I. Max Knack, Ftt,chenW!er«Wt«: Brauset Engelhardt, Abteilung I. Michael Ciecior, M-scheichierfaHr«: Brauerei Patzenhoser, Abteilung I. Ehre ihrem Andenke«: 42/8 Di« E. G. m H. Nachruf. Wir erhalten Kunde, daß unser früheres, mehrjähriges Vorstandsmitglied, der Buchdrucker Marl Mücke in Fratü Syell(Rumänien), wo er im Hilfsdienst beschäftigt war. imSl.Jjebensjahre verstorben ist. Der Verstorbene war Mitbegründer unserer Genossenschaft. Er gehörte dem kleinen Kreise Berliner Genossen an. welche im Jahre 1898/99 durch Wort und Schrift bemüht waren, die Berliner Arbeiter auf den Wert des Genossenschaftswesens hinzuweisen und sie zur Gründung von Konsumvereinen anzuregen. Der Erfolg der damaligen Arbeit stellt die heutige Konsumgenossenschaft dar. Ausgerüstet mit festem Willen und lauterem Charakter, wirkte er als Aufsichtsratsvorsitzonder sowie später als Vorstandsmitglied über ein Jahrzehnt lang zum Besten unserer Genossenschaft. Seine Tätigkeit wird als Vorbild uneigennütziger, selbstloser Arbeit stets im Gedächtnis bleiben. Bleibt es uns leider verrsagt, seine Bahre mit Blumen' und Kränzen zu schmücken, so geloben wir doch, dankerfüllt, sein Andenken dauernd in Ehren zu halten. Vorstand und Aufsichtsrat. venttch« llletallarbeltcr- Verband. Verwaltungssteile Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht. daß unser Kollege, der j Schleis er Wilhelm Behniseh Britz, Rudower Str. 349, am 25. Juli gestorben ist. Die Beerdigung findet Heut« Sonntag, den 28. Juli, nachmittag» 4 Uhr, von der Leichenhalle d-S Gemeinde- Friedhofes in Britz, Ehmifiee- strafee 145, aus statt. Rege Beteiligung wird er- wartet._ 115/18 Den Mitgliedern ferner zur Nachricht, daß unser Kollege, der Maschmen« arbeiter Ewald Krause Turmstr. 61, am 25. Juli gestorben ist. Die Beerdigung findet am Montag, den 29. Juli, nach- mittag« 2'/, Uhr, von der Leichenhalle des städtischen Friedhofes in Stahnsdorf aus statt. Rege Beteiligung wird er- � wartet Ehre ihrem Andenken: Die Ortsverwaltung. Vrä der MetallscMeifer| Berlins und Umgegend. (Kranlenunterstützung). Den Mitgliedern zur Nach- richt, daß unser Kollege Wilhelm Behniseh! im Aller von 80 Jahren ver- storbeu ist. 2817b I Die Beerdigung findet am I Sonntag, den 28. Juli er., I nachmittags 4 Uhr, aus dem! Gemeindefriedhof in Britz, 1 Chausseestr. 145, statt. Rege Beteiligung erwarte! 1 Ter Borstand. verband der cithogrssthen, Stein- drucker und veno Berufe Mitgliedschaft Berlin. Den Mitgliedern zur Nach- richt, daß unser Kollege der Stewdrtufer Arliir Schwarz (NeichSdruckerei) am 24. Juli im Alter von 44 Jahren an einem Lungen- leiden verftorbcn ist. Wir werden dem Eni- schlajcnen ein ehrendes An- denken bewahren. Di- Estiäschermig findet am Montag, den 29. Juli, vormittags 11 Uhr, im Krematorium Gerichtstrafee statt. 108/12 Die Ortsverwaltung.| Hrbeiter- Radfabrer- Bund .Soltdarltaf. | Mitgliedschaft Köpenick. Den Bundesgenossen zur Nachricht, daß als Cbfir des WeUlricgcS unsere Bundes- genosien Will! Baase Bennann Kirsch Theodor Block Erich Teichgraher gejallen sind. 9/1] Echte ihrem Audcuke» 1 Der Borstaud. Verband der Ssttler und Portefeuiller. Ortsverwaltang Berlin. Att Opfer tc" Weltkriege- Haben wir folgende Mit- gliedcr verloren: Karl Friedrich 30 Jahre alt, Paul Hänsit 33 Jahre all. Wilheim Hegener 39 Jahre alt, Emil Joseph 31 Jahre alt, Paul Paech 43 Jahre alt, Angust Rindermann 36 Jahre alt, Franz Schafiarczyk 31 Jahre alt, Bernhard Schiomsky 31 Jahre all. 1 Ehre ihrem Andenken! 1 157/20 Die Ortsverwaltung. Deutfiber Bauarbeiter-Verband. Zweigverein Berlin. Bezirk Osten II. Am 24. Juli starb unser j Mitglied, der Maurer Wilhelm Krause. Die Beerdigung findet iim 29. Juli, nachmittags 3 Uhr, in AhrenSsetde statt. Bezirk Norden I. Am gleichen Tage starb der Hilfsarbeiter Eranz Porath. K Die Beerdigung findet am 29. Lull, nachniittagS 4 Uhr, ans dem Gethscmane-Kirch- hos in Nordend statt. Bezirk Moabit. Am 25. Juli starb der Putzer Idols Btto. Die Beerdigung findet am Dienstag, nachmittags 3 Uhr, aus dem neuen Johannis- Kirchhof in Plötzcnfee statt. Ehre ihrem Audeukenl Um rege Beteiligung er. sucht 140/15 Der Vorstand. Saderrerein„Vorwärts". Hierdurch machen wir un- seien Mitgliedern die be- trübende Nachricht, daß unser Sportsgenoste Scharfschwerd! am 14. Juli in KIcin-Asien am Malaria- Fieber gc- starben ist. ! Wir werden ihm stets ein ehrendes Andenken bewahren 286/15 Der Vorstand. ?lis Opfer des WeltlrtegeS I verstarb im Neieroe-Lazarett I zu Lissa in Posen mein über I alles geliebter Manu, unser giil er, treulorgeiidcr Vater, | der Klempner Emil Kramer 1 im vollendeten 47. LebenS- I jähre. 28l6b Dies zeigen mit der Bitte | um stille Teilnahme tief- > betrübt an Die trauernde Gattin Anna K ramer und Kinder. | Wer ihn getannl, weife was j wir verloren. KrankeiK Bierde- und Zuscbußkasse für mSnnl. Personen all. Berufe Orofi- Berlin. Montag, beu*6. August. abenhs 8 Ahr, Sophieustr. 5 bei Hummel MMM-beMlNAM. Tagesordnung: 1. Kassenbericht. 2. Bericht der Reviioreu. 3. Sonstiges. Ilm zahlreiches Erscheinen der Mitglieder ersucht 286/13 ll>er Torstaad. L. Georgelowitz. AAzr ae'at% tßm* W Am 1. August begeht � der Werkzeugmacher |?aul Bettbarn, c'-i Görlitz er Str. 66, ® mit seiner Ehefrau Emilie geb. Franke U die Silberhochzeit.« f* ff-**. jT» f*. | Hart und uner- � warte! traf uns die /Sk trwirtge Nachricht, daß mein lieber Mann und i guter Bater, unser einziger I Sohn, Bruder, Schwieget- ! söhn. Schwager und Onkel, | der Unteroffizier iiii Meißner M.-W.-K. 305, 1 Ritter b. Eil. Kreuzes II KI. im Aller von 36 Jabren \ gefallen ist. 27906 Dies zeigen im tiefsten Schmerz an Iran Witwe Meißner und Kinder, Beriin-Btitz, Pstiiich-Allee 39. Lieber Papa! Schlaf in Frieden, ewig beweint von deinen Lieben. Plötzlich und uuerwartet erhiellen wir die traurige Nachricht, daß mein lieber, einziger Sohn, Bruder, Ontel und Bräutigam, der Gc- sreite 55?I Willi Cztnock am 7. Juli im Alter von 27 Jahren gefallen ist. Er folgte seinem lieben Schwager Franz Krüger, gelallen am 19. Juni 1915, I» tiefstem Schmerz Otto Czmock als Vater, Stettiner Str. 58. Witwe Gertrud«rüg« ais Schwester. Lieschen Krügerals Nichte. Martechen Scruow als Braut. Frieda Genau. Ach, nun kann eS nimmer- mehr geschehen, wie Du uzrS immer schriebst, auf ein ge- sundeS, frohes Wiedersehen! Nachruf. Sonntag, den 21. Juli, starb plötzlich und uner- »variet unser Kollege, der Schlosser A Hsvid Berndt im Alter von 61 Jahren. Sein biederer Eharatter sichert ihm ein ehrendes Andenken. Wir rufen ihm ein Ruhe f a n stl in die kühle Gruft nach. DieKoNegenderA.E.G. Werkzeugbau Kabelwerk Obersprrc. IVscdruk. Am 11. Juni 1918 starb an den Folgen einer Verwundung in einem Feld- lazaretl mrser Kollege, der Werkzeugmacher Ernst Becker geb. 22. 7. 1883 zu Steide!- dorf i. Schl. Wir verlieren in ihm eine» aufrichtigen Kollegen, der viel zu früh aus unterer Mitte gerissen wurde. Sein Andenke« werden wir stets in Ehren hallen. 55Ä Die Kollegen der Firma »388«& Wrede, Abt. Richtmittelbau. SWS Für die uns bei der Peerdi- gung unseres lieben Bruders und Schwagers Alfred Munske seitens seiner Kollegen entgegen- gebrachte Anteilnahme sowie sür die reichen ztzranzspenden sagen wir hiermit unseren herzlickiten Dank. 2812b Bio trauernden Hinterbliebenen. Danksagung. Statt Karte«. Für die liebevollen Beweise herzlicher TeUnahme bei der Be- erdigung meines lieben SobneS, unseres Bruders, Schwagers und Onkels 74« Gusta? Preaß sagen wir allen Beledigten, dem Arbeller-Radiahroerein(Gruppe Tegel) sowie Herrn Weise unseren herzlichsten Dank. vi« tranernd-Hiaterbllebt nea. Sremcholzk arten. Bekanntmachung. Ten onnderbemtttellen Schichten unserer Bevölkerung wttd auch weiterhin Gelegenheit zur Beschaffung von Brennholz zu ermäßigten Preisen gegeben. In Berlin ansässige Haushaltungen in Wohnungen von höchstens drei Zimmern einschließlich Küche mit einem Jahres- einlommen von nicht mebr als 4200 HR. können vom 1. August s. I. ob bei den zuständigen Brokkommisfionen eine graublaue Brenn- holzkarte erhatten. II. Jede Brennholzkarte ist mit 10 Zlbschmtten verseben; aus jeden Abschnitt entfällt'/« Raummeter Brennbolz. Alle Ab- schnitte können gleichzeitig eingelöst werden. DaS Drennbolz wird gepackt(nicht geschüttet) in amtlich geeichten Maßen von je Raummeter Inhalt abgegeben. III. Die Antragsteller haben der Brotlommisfion vorzulegen: s) ihre Osenkohlenlarte über 5 oder 10 oder 20 Zentner. Falls ihnen mit Rückficht auf noch vorhandene Be- stände eine Kohlenkarte nicht ausgehändigt worden ist. muß die entsprechende Benachrichtigung der De- putation für die Kohlenoersorgung vorgelegt iverden: h) außerdem einen Ausweis, aus dem sich ergibt, daß das steuerpflichtige Einkommen nicht meor als 4200 HR. beträgt. Steuerfrei veranlagte Personen erhalte« au! Wunsch eine Bescheinigung durch die Steuerdeputatton, Abteilung II, Stadt« hauS, Zimmer Nr. 5, ausgestellt. IV. Der Preis beträgt bis auf weiteres: Mark für Ylo Raummeter. DaS Brennholz ist geschnitten und gespallen. V. DaS Brennholz ist erhältlich in den durch ein besonderes Schild att.HolzvertausSstelle der Berliner Brennstoff-BeschafiungS- Gesellschast" kenntlich gemachten Holz- oder Kohlengeschösten: außerdem vorläufig auf folgenden städtischen Lagerplätzen: KG, GreisSwalder Str., Gelände der städtischen EaS- Gasanstalt, am Bahnhof Wcißens-e, K, Sellerftr. 31— 36, Gelände der städtischen Gasanstalt, LG, Kottbuser User 21/22, Ecke Grünauer Str., aus weiteren Lagerplätzen wird demnächst der Verlaus eröffnet werden. Nähere Auskünfte erteitt die Berliner Brennstoff-Beschaffungs- Gesellschast m. b. H.. Friedrichftr. 150, Tetephon: Amt Zeit- trurn 6170, sowie die Deputation sür die Kohlenvertorgung, Spandauer Str. 10/11. VI. Die BerkaufSstellen find verpflichtet, das verfügbare Brenn- holz gleichmäßig an die Empfangsberechtigten abzugeben. Findet ein EmpsaugSberechtigter kein Geschäsi. in dem er die ocrian.ste Menge Brennholz erhalten kann, so wird ihm von der Berliner Brennstoff- Beschaffung«- Gesellschast m. b. H., Friedrichftr. 150, eine VerkausSstelle nachgewiesen werden. VII. Die bisher ausgegebenen braunen Brennholzkarte» verlieren mit dem 31. Lull d. I. Ihre Gültigkeit. VIII. Neben dieser Abgabe von Brennholz an die«inderbemittelle Bevölkerung findet nach wie vor der Verkauf von Breunholz an jedevmannn ohne Brennholzkarte bei obigen BerkausSstellen zum Preise von 3 HS. sür V» Raummeter in amtlich gezeichneten Maßen statt. Berlin, den 24. Juli 1913. Ungistrat der Köllig!. Kallpt- usd Reßdtllfjladt. Teputation für die Kohleuverforgung. VNlWl MKMkl-VklM. Berwaltuugsttelle Berlin. V 54. Stinten firohe 83—85. GeschäsiSzett von 9—1 Uhr und von 4—7 Uhr. Telephon: Ami Norden 185, 1239. 1987, 9714. »»w-g! Rohrleger und Helfer, Dienstag, den 30. Juli. abeudS 8 Übt: Mmeim MlllSNI-MWllliMg im Gewerkschaftshause. Engollisrr 15, Saal I. Tagesordnung: 1. Vortrag. 2. Branchenangelcgcnheiten. 3. D erschied er cS. gy Kollegen!«gittert für diese wichtig» Versammlung zum Wohle der Branche. Beginn pünktlich 8 Uhr. 115/12_ Die Ortsvcrwnitcng. AllMM ZMtNslMkthssk Z» kNffli. Sonntag, de« 4. August 1018. vorm. pünktlich S'/. Ildr. im Lokale des Herr» M. Weylc, Gerichtstr. 12 13: Mitglieder-Versammlung. Tagesordnung: 1. Bericht deS Borstand eS pro 1917/18. 2. Kassenbericht i'd Rendanten und Bericht der Revisoren. 3. Festsetzung der Ent- schädigung sür den Vorstand und die Revisoren. 4. PublilalionS- organe. 5. Ncuwadt der ausscheidenden LorslandSmitgliede!-. .u wählen sind: Erster Vorsitzender, stellv. Schristsührer, c:n ieifitzer, ew Revisor(Ergänzungswahl) 6. Verschiedenes. Mitgliedsbuch legitimiert. 186/14» I. Ä.: Karl Fabian, stellv. Vorfitzender, Bernauer Str. 113. Künstliehe Zahne mit echtem jriedenshautsetmk uvd laterial schöue natürliche Farbe. Sjshrige schriftliche Garantie! Zahnziehen mit Betäubung"XZT" Umarbeitung scblechtsitzend. Gebisse Spezialität: Zähne ohne Gaumenplatte! Gold-Technik! Kronen von 20 M. an! Billige Preise, evtt Teilzahlung. Persönliche Mundanfcerauohnng und Rat kostenlos! Zahn-Praxis KL Löser üht Brunnenstr. ISS zwischen Rosenthaler Platz und InvalidenstraDe. Sprechstunden tägl. v. 9—8 Uhr unuuterbr» Sonntegs v. 9—12 Uhr. Tel. Korden 11503. Um sich v.Verwoohsel zu schützen, bitte genau auf Straße u. Hausnumro. z. achten! Eigenes Zahntecbniscbes Labcratorium! Juwelen* Uhren S&J Silberwaren � Leipziger Straße 97 und Königstraße 46 Brillanten, Juwelen, Perlen werden zu hoben Preisen angekauft oder in Zahlung genommen. Nr. 205 ❖ Z5. Jahrgang 2. Heilage öes vorwärts Sonntag, 2S.Ml 1018 Parteinachrichten. Bayerischer Laudesparteitag. Der bayerische Landesvorstand beruft einen Landesparteitag auf den 12.. 13. und 14. Ottober 1918 nach München mit folgender Tagesordnung ein: 1. Bericht des Landesvorslandes. Bericht- erstatter E. Auer. 2. Ausbau und Slärknng der Organisalion, Agiiation und Presse. Berichrerstaller: E. Auer. 3. Reichs- und Auslandspoliiik. Berichrerstaller Ad. Müller. 4. Parlamentarischer Bericht der Landtagsfraltion: s.) Allgemeine Politik. Bericht- erstaller: M. Segitz. d> Sozialpolitik. Berichterstatter: I. Timm. v) Soldalensürsorqe. Berichterstatter: Franz Schmitt. d> Kriegsbeschädigten- und Hinterbliebenensürsorge. Berichterstatter: F. Endrcs. d. Die in der Nachsession des Landtags zur Beratung stehenden Gesetzentwürfe: Lehrer- und Schulbedarfsgesetz; Revision der Be- amtcngchaltsordnung; das bayerische Beamtenversicherungsgesetz; Aenderung der Gemerndeordnung, des Dlstriktsralsgeseyes und des Verwaltungsgerichlsbofes; Bauplatzumlegungsgeietz; Wertzuwachs- steuer und Grundwertabgabe; Güterzertrümmerung; Revision der Reichsratskammer; Biersleuer. Berichterstalter: Ed. Schmid. <>. Das Genossenschafswesen in Bayern. Berichterstatter: Hans Bauer. Zur Bcachtung für die Jugendbezirksleitungen und Jugend ausschüsse. Alle an die Zentralstelle für die arbeitende Jugend Deutsch- lands gerichteten Postsendungen sind wie folgt zu adressieren: An Fr. E b e r t. Zentralstelle für die arbeitende Jugend Deutschlands, Berlin SW. 88, Lindenstraße 3. Bei Sendungen, die diese Adrefsenbezeichnung nicht tragen, insbesondere wenn sie nur an„die Zentralstelle für die arbeitende Jugend", ohne NamenSangabe, gerichtet sind, ist es sehr tuistcher, ob sie an die richtige Adresse gelangen. AuS den Organisationen. Am Sonntag fand in Königshütte die diesjährige Bezirks- konferenz für den oberschlesischen Agitatünisbezirk statt. Genosse Klose erstattete den Geschäftsbericht. Er hob zunächst hervor, daß die Agitation und Organisation immer noch dadurch erschwert ist, weil noch immer fast alle politischen Versamm- langen verboten sind. In vielen Orten des oberschlesi- schen Agitationsbezirkes entstanden aber trotzdem neue Ortsvereine, in anderen erwachen die alten Organisationen wieder, die durch den Krieg zertrümmert wurden. Zurzeit bestehen 27 Ortsvereinc; in Orten, wo es bisher kein politisches Leben gab, werden neue ge- gründet werden. In Cosel, das bekanntlich zu den Unabhängigen übertrat, wird demnächst wieder eine Ortsgruppe der alten Partei erstehen. In vielen Wahlkreisen wächst die Zahl der sich meldenden Einzelmitglieder. Die sich an den Bericht anschließende Diskussion eröfftrete Ge- nosse Hofmeister, der mit den Erfolgen der geleisteten Arbeit zufrieden war. Nie war die Zeit für die Weiterentwickclung der Organisation so günstig wie jetzt. Mit allen Mitteln muß auch versucht werden, wieder eine eigene Press« für Oberschlcsien zu schaffen, die für die in Zukunft kommenden schweren Wirtschaft- lichen und politischen Kämpfe dringend gebraucht wird. Redner geht dann noch auf die Reichstagsersatzwahl in Tost-Gleiwitz ein. Das Nichtaufstellcn eines sozialdemofratistben Kandidaten sei ein großer politischer Fehler gewesen. Die Beteiligung der Sozial- denwkraten mit einem eigenen Kandidaten hätte ganz sicher mit einem sehr großen Erfolg für die Partei, wenn nicht gar mit dem Siege geendet. An der kommenden Landtagswahl müssen sich die aberschlesischen Parteigenossen auf jeden Fall beteiligen. Genosse L ö f f l c r- jlattowitz ist der Meinung, daß bei der Nichtaufstcllung eines eigenen Kandidaten die allgemeine politische Situation bestimmend gewesen ist, und dieser hat der Partei- vorstand Rechnung getragen. Als 14 Tage vor der Wahl der Zentrumskandidat sich als Alldeutscher entpuppte, hätte der Partei- vorstand von der neuen Sachlage unterrichtet werden müssen. Not- wendig sei die Anstellung einer werbenden Kraft für Obcrschlesien. Redner weirdct sich sodonn gegen die Schassung einer eigenen Presse, ohne daß die gesunden Unterlagen dafür vorhanden sind. p e i l- Kattowitz hält Zeit und Umstände für Gründung eines eigenen Wrschlesischen Parteiblattes für fetten günstig. Hierauf hielt Genosse Molken buhr- Berlin einen Vor- irag über:„Die Taktik der Partei während des Kriege s". Die sich hieran anschließende Diskussion wurde recht sachlich geführt, obwohl ein Teil der Redner nicht voll und ganz mit den Äussührungen Molkenbuhrs einverstanden war. Löffler- .Kattowitz dagegen führte unter anderem aus: In vier Jahren Krieg mit Entbehrung und Unterdrückung sammelt sich imrch Per- stopfung aller Ventile viel Stickluft an, die zu solchen Explosionen sührt, wie wir sie in Oberschlesien in den letzten Tagen erlebt haben. Die Ablehnung der Kriegskredite durch die größte Fraktion des deutschen Reichstages hätte aber die Gegner nur zu noch größeren Anstrengungen gefuhrt. Das Kriegszicl der Arbeiter ist Freiheit der Meere, der Handelsbeziehungen und Unverfehrheit des Bestandes. Eine Resolution, die in erster Linie das gleiche Wahlrecht so. wie die Vertretung der Arbeiterschaft in allen Körperschaften fordert, die zum Wiederaufbau des Wirtschaftslebens eingesetzt werden, und die sich mit der Haltung des Parteivorstandes und der Reichstagssraktion in Fragen der Kriegsziele und Kriegspolitik einverstanden erklärt, wurde mit Mehrheit angenommen. Abgelehnt wurde dagegen eine zweite Resolution, die sich mit der Haltung der Reichstagsfraktion bis zum Abschnitt der Kühlmann-Krise einverstanden erklärt und für die Zukunft weitere KricdSkredit-Bewilligungen von der Erfüllung der Forde rungen des Volkes abhängig gemacht werden. Die Beitragserhöhung von 49 auf 69 Pf. für männ- liche und von 29 auf 49 Pf. für weibliche Mitglieder wurde ein- stimmig gutgeheißen. Ebenso ein Antrag, der den Bezirksvorstand beauftragt, schon jetzt Schritte zu unternehmen, um bei der kom- meuden Landtagswahl mit den wahlrechtsfreundlichen Parteien gemeinsam gegen die WahlrechtSgcgner vorzugehen. Gewählt wurste sodann noch eine siebengliedrige Kommission, die Verhandlungen wegen Herausgabe einer eigenen sozialdemo- kratischen Zeitung siir den oberschlesischen Agitationsbezirk unter- nehmen soll. Die am 21. Juli in Cannstatt abgehaltene Kreisgeneral- Versammlung des 2. württembergischen Wahlkreises ivar stärker besucht als die der vorangegangenen Jahre. Im Tätigkeitsbericht des Kreissekretärs Fischer wurde mitgeteilt, daß im letzten Jahre 23 öffentliche Versammlungen im Wahlkreis abgehalten wurden, daß einzelne vorübergehend außer Tätigkeit getretene Mitglied- schaften Ivieder aufgelebt sind und im ganzen wieder ein etwas regeres Leben in der Partei zu beobachten sei. Trotzdem bleibt noch viel zu wünschen übrig. Das Interesse an unseren Versamm- lungen ist in den kleinen Orten lebhafter als in den großen. Vor allem wird der Presse nicht die.notwendige Beachtung geschenkt. Gerade diejenigen Arbeiter, die am lautesten Kritik üben an den Kriegserscheinungen und an der Politik der Partei, sind oft die besten Stützen der bürgerlichen Presse. Sie beachten nicht, daß jeder Leser der kriegshetzerischen Presse den Kriegstreibern in die Hände arbeitet und die Friedensarbeit hemmt. Eine sehr rege Diskussion beleuchtete die Erfahrungen der Parteiarbeit des letzten Jahres nach allen Seiten. Ueber die polittsche Lage hielt der Abgeordnete des Wahlkreises, Genosse Kerl, einen einleitenden Vortrag. Ap den mit Beifall aufgenommenen Vortrag schloß sich eine erschöpfende Aussprach,«. Ein Teil der Redner war der Ansicht, daß sich aus den tatsächlichen Verhältnissen die Notwendigkeit der Kreditablehnung ergebe. Der andere Teil der Redner widersprach dieser Auffassung entschieden, weil mit der Kreditablehnung nichts gewonnen, den Gegnern der Ein vo!k— ein Wille zum Sieg! Darum trage jeder seiuen Teil bei zur Stärkung öer Heimatftont durch Abgabe entbehrlicher Anzüge für die Lanöwirtschast und kriegs» wichtigen Setriebe. Sozialdemokratie aber eine willkommene Gelegenheit geboten werde, für alle etwa eintretenden ungünstigen Ereignisse unssre Partei verantwortlich zu machen. Es wurde auch betont, daß die Entente noch nicht die leiseste Geneigtheit zu Fricstensverhandlungen ge- zeigt habe. Sie habe es auf die wirtschaftliche Zerrüttung Deutsch- lansts abgesehen, unter der die Arbeiterschaft am schwersten zu leiden haben würde. Industrie und Handel. Die deutsche Seeschiffahrt im Frieden. Die meisten deutschen Schiffahrtsgesellschaften sind für die Kriegszeit davon entbunden, Bilanzen vorzulegeu. Einen getvissen Ersatz für die Geschäftsberichte bietet das Jahrbuch des N o r d d e u t s ch en L l o y d. Es bringt in diesem Jahre eine Zusammenstellung über die Beschlagnahme deutscher Schiffe in den überseeischen Ländern, die seit dem Eintritt der Ver- einigten Staaten und ihrer Gefolgstaaten beschlagnahmt worden sind. In den Vereinigten Staaten wurden ins« gesamt IIb deutsche und österreichisch- ungarische Schiffe mit 793 792 Tonnen Gehalt beschlagnahmt. Die Haupt- leidtragenden sind natürlich die Hamburg-Amerika- Linie, die 35 Schiffe mit 283122 Tonnen verloren hat, und der Norddeutsche Lloyd, der 29 Schiffe mit 234 959 Tonnen verloren hat. Außerdem wurden dem Norddeutscben Lloyd in Brasilien, Peru. Siam und China Schiffe mit einem Tonnengehalt von rund 75 999 beschlagnahmt. Schon früher hatte der Norddeutsche Lloyd in italienischen und portugiesi- schen Häfen Schiffe mit ungefähr 69990 Tonnen Gehalt verloren, wozu noch� die in englischen, belgischen und f r a n z ö s i« schen Häfen verlorenen Schiffe kommen, über die Zahlenmaterial nichl vorliegi. Am 1. Januar 1917 zählte die Flotte des Norddeutschen Lloyd 983 099 Brutto-Iicgister-Tonnen. Die Kriegsverluste sind also sehr groß. Der Norddeutsche Lloyd hat sich natürlich bemüht, auch während dcS Krieges zu verdienen. Da er die Lebensmittelversorgung für einige Lager übernommen hat, da er ferner industrielle Unter- nehmen betreibt oder kontrolliert, z. B. die Hansa-Lloyd-Werke. so sind ihm gewisse Einnahmen daraus zugeflossen. Außerdem hat er einige Schiffe für die Expedition nach den Inseln Oescl und Dagoe und für die Expedition nach Finnland an die Kaiserliche Marine derchartert. Außerdem dehnt er sein TäligkeiiS- bereich auf die Binnenschiffahrt aus. Im Verkehr auf den Binnenwasserstraßen konnte der Lloyd seine Kähne und Schlepp- dampfer, soweit sie nicht für Kriegsflvecke in Anspruch genommen sind, nutzbringend verwenden, wobei seine Schleppschiffabrtsabtei- lung mir verschiedenen Elbe-, Oder-, Oberweser- und Rheinschiff- fahrtSgesellschasten übereinkam, den Durchfrachtenverkehr unter Benutzung der Wasserstraßen soweit wie möglich auszu- bauen. Der Durchsrachlcnverkehr umfaßt nunmehr den Berkehr zwischen dem Rhein, von Basel bis Rotterdam— Amsterdam, dem Rhein- Weser-Kanal einerseits, der Elbe bis Prag hinauf, dem Elbe-Trave-Kanal und den Märkischen Wasserstraßen einschließlich Oder mit Breslau und Stettin, andererseits über Bremen und Hamburg. Die Bcsörderung erfolgt sowohl von Ost nach West wie von West nach Ost. Es sind dafür besondere Durchfrachtsätze aus- gearbeitet. Kohle uud Frühkartoffeln in Wechselwirkung. Wie das Haager Korrespondenjbureau erfährt, ist die weitere Ausfuhr von Frühkarloffeln nach Deutschland, nachdem ungefähr 1999 Waggons ausgeführt worden sind, stillgelegt worden, da die Kartoffeln für den inländischen Bedarf Hollands notwendig sind. Infolgedessen wird Holland nicht die ganzen 59 99W> Gram- «aphon-idrainola-Apbarate sind die besten Wieder eingetrafsen: R«u aufnahm»«! Sch»»r>walb. mädoil, Drei alte Schachteln, Rose von Stambul usw. Dlcranderplatz. Weinnieffter- straße 2, Ehausseestraße 82, Große grankfurterstraße 144, " Bergstraße L 3/07* PfaufilchS-Garintur, imitiert, 78 Mark, AlaSkafückise, Rot- süchse, Skunks, Steinmarder, Kaningarnituren, alle anderen Pelzwaren schr billig, da kein Laden. Kriegerfrauen 5 Pra- zent Rabatt. Nur Pelz- vertrieb, Eharlottenburg, Wik- merSdorfarstraße 113/114, hoch- K1333 parterre. Legehühner 20,— /Kaninchen, snnge, 4,—. Will, Markus- straße 23.___+189 Nähmaschinen! 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Aug.-Vikloriastr. 24. Herz-, Leber-»nd Nierenlviden wiederholt gebessert.— 4. Herr K»(«nsle. Aestaur., Charlottenburz, Hutten- s trage Vi. Ehronischer Mittelohrkatarrh geheilt.— l->. Herr W.Pursche.Borlin-AdlerShof, Hclbigstr.stg. Von I Plagengeschwürcn u.Darmkntarrh geheilt.— S. Fran M. | Stifte, Berlin, Nollendorsstr.40 T. Rheumatismus n. steife Zchultcr geheilt.— 7. Herr®. Wirhardt, Gr.-Lichler- ieide. Ningfir.»Sa. Thronische« Hüftgelenkleiden wiederholt erfolgreich behandelt.— 8. Frau E. Ho- dorff. Berlin. Salbergerstr A/tS. Nerven- u. Knochen- hautentziiiidnitg—»OUständia gelähmt— geheilt.— 1 9 Herr fs. Stauda, Werlin, Prinzen-AIIee 72/73. Von Kopf- und Kreuzschinerten, trockener Brustfell- entziindunU nach Nnstuenza geheilt.— 10. Frau G. Hrrzmann, Tchsneberg. Feurigstr. 3l. Eiternde Fstslöl nach Biiiidvarmoperation geheilt.— 11. Herr E. Ritter, Griedenau, Eponholzstr. 56. Von Knie- gelezikleiden geheilt.— 1». Frau A. Rohrmoser, -erlin, BreZlanerstr. 1. AlteS fünfzehnjähriges Scrz- leide» geheilt.— 13. Herr M. Auhncr, Reinlcken- dorf-SSeft, Antonienstr.«. Kiefcrvereiterung geheilt.— l4. Frau H.Hagel. Gachsenhaulen b. Oranienburg i. M. linterl.-Blntungeri uud Nerdenleidcu geheilt.— 15. Frau Ww. FriNeGler, Berkin, Zvtarienburgerstr. 48. Darmgeschwulst geheilt.— 17. Herr Erich Bock, Berlin, HaveldaHerftrstze 15. Bs* Nieren- und Blaicnletden. Wasterfucht, allgemeiner grosser Schwäche geheilt.— 1». Frau Restanr. Hering, Berlin. Zchönhauscr Allee 37. Bon Basedowscher Krankheit aeheilt.— IS. Herr A. Brase, Bln.-Tempeihof, Fricdrich-Wilhelmstr. 14. Schweres Rückcumarkleiden mit Lähmung der Beine vollständig geheilt.— 20. Frau E. Popp, Bln.-Lichtenberg, Görtnel'str. 13. Von chro- »ischcr Herzschwäche nnd Berftopfung geheilt. 21. Herr A. Gchlabitz.»erlln, Caprlvistr. 24. Von EesickitStnPu« geheiit?»ortar mit Radium ersolgl,« vehand elt.— SR. Heer A. Hellwig. Bln.-Borsigwalde, Ernststr. 25.»an«R-wengeschwulst. Verstopfung und Nervenschwäche geheilt.— 23. Herr Milchhändler Eckert, j Berlin, Greisentzaaea�r. 26. Von gichtisch-rhenmatischrn schmerzen in Seai und Jnstgelenl geheilt.— 24. Herr »lastwirt C. Wlichaoli», Vharlottrnburg. Wallstr. 87. Von chrouifchem S»berleihe» und Eelbsucht geheilt. \— 25. Fkmt ÜW. Mwor, Bln.-Lichtenberg. Scharn- webcrstr. 62.»an He»»ich»oSche, Leberanschwellung »nd Mckgenkrebs aehckkl t.— 26. Sohn Paul des I Weichenstellers Herrn Whchhelm Haffner, Bl».-Westend, ! BeamienkauS.»an fdhwercm Bcinleidc« geheilt. � Bein sollie abgenomioen werde». 243/16» MST- Briefliche Original-Anerkennungen von uns geheilter Patienten stehen im Wartezimmer der Anstalt auf Wunsch zur Einsicht. ♦ Getrennte Behandlungsräume für Damen und Herren I ♦ Sprech- und Behandlungszelt: 9— I, 4— 7'/».— Sarmtai und Feierlag: 9— I. Tie ärztliche ZlnftaltSleitung kdr. ineck.«vloir,«rzt. 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Was die internationale Politik des Räte-Rußlands anbetrifft, so werde sie wie vordem eng verbunden mit dem internationalen Klassenkampf der Arbeiterschichten für den Sozialismus bleiben. Die Entscheiüung übe? öie finnische verfafiung. HclsingforS, 26. Juli. DaS Plenum de» Landtags hat eine dritte Lesung für die Entscheidung über die Lerfassnngsvorlagc aus den ö. August anberaumt. Die Herbstseision des Landtags soll am 3. Ollober beginnen, sofern nichr Friedensverhandlungen mir Nuß- land oder andere llmstände die frühere Einberufung erfordern. Stockholm, 27. Juli. fLom Vertreter des W. T. B.) Von einer Annahme der Monarchie durch den finnischen Landtag und einer Abordnung an den Herzog von Mecklenburg ist hier nicht das geringste bekannt. Der Munitisnsarbeiterstreik in Englanö. Ter Schützengraben als Strcikstrafe. London, 27. Juli. sReuler.) Infolge des Streiks i» gewissen MunitiouSfobrikeii gibt die Regierung bekannt, daß die Befreiung vom Heeresdienst für alle diejenigen aufgehoben werden soll, die sich nach Sonntag noch im Streit befinden/ Amsterdam, 27. Juli. Nach einer Meldung deS Reuterschen Bureaus aus London hat der Streik in der MumtionSmdustrc folgende Ursache: Ilm eine bessere Verteilung der gelern- :en Arbeiter auf die Fabriken hcrbetzusührcn und die MunitionSerzeuguiig so ergiebig low möglich zu machen, hatte das MuniiionSministerium vor einiger Zeit angeordnet, daß bestimmte Firmen, die bereits c-ne gewisse Zahl gelernter Arbeiter im Dienst haben, keine Arbeiter dieser Kategorie mehr erhalten sollten. Da- gegen protestierten einige Kategorien gelernter Arbeiter und droh- tcn gegen den Rat ihrer Führer mit dem Ausstand. Eine große Zahl legte die Arbcü tatsächlich nieder. Lloyd George hat die Streikenden im Namen der Regierung ausdrücklich darauf hingewiesen, daß sie. während Millionen ihrer Landsleute dem Tode trotzen, nur deshalb von den Gefahren deS Krieges verschont bleiben, weil ihre D'enste in den Fabriken für den Staat wertvoller seien als m der Armee. Tiefe Aus» nähme werde aber für die Arbeiter, die nach Sonntag die Arbeit nicht wieder aufnehmen, außer Kraft treten. Der ukrainische Eisenbahnerfirdk. Kiew, 25. Juli.„GvloS Kiewa" meldet, daß der Berpsteguugs- minister SokolowSki zurücktreten will und durch seinen Gehilfen Chernisch ersetzt werden soll. Der CTbef der Süd-West»Bahn hat die Entlassung aller derjenigen Augestellteu verfügt, die am 20. Juli nicht zur Arbeit erschienen sind. In Kiew Hai der Eisenbahnerstreik keine Acnderung erfahren. ES verkehren deutsche Militärzüge und zum Teil Lokalzüge. Em aus Shlobin kommender Passagierzug wurde bei Konoiop von Unbekonnien beschossen. In S h i t o m i r be- gönnen Verhandlungen mir den Angestelllcn. Man hofft morgen den Verkehr wieder aufzunehmen. In Jrkaieriiioslaw scheint jetzt der Ausstand feinem Ende entgegenzugehen. Kiew, 21. Juli. Au« einer Reihe von Meldungen der„Kiews- kaja Mysl" gehl hervor, daß der Eisenbahnerstreik auf allen Linien im Abflauen begriffen ist. Von Odessa aus verkehrlen seit dem 23. Juli wieder Vorort- und Dtenstzüge. Berlin, 27. Juli. In Shitomir beginnen Verhandlungen mit den Eisenbahnern. Es besteht die Hoffnung, daß der Verkehr zwischen Koro st en und Bcrditscheiv am 24. Juki wieder aufgenommen wird. In Jelaterinoslaw nähert sich der Eisenbahnerstreik dem Ende. Am 23. Juli trafen verschiedene Züge ein und �wurden solche abgefertigt. In Jekattrinostaw wer- den 3006 Eisenbahner wegen Teilnahme am Streik entlassen. Ein anderes ukrainisches Innenministerium. Kiew, 26. Jnli. Ein Erlaß deS HetmanS an den Minister- vrästdenlen L i f o g u b enthebt diesen deS Postens als Minister des Innern unter Bestäligung im Amt des Ministerpräsidenten. Zum Minister deZ Innern wird der bisherige Esneralsckretär Igor KistiokowSkt, zum Generalsekretär der bisherige Ge- hlife deS Justizministers Sergeij SowadSki ernannt. �vaterlanö" oöer Eine verständliche Verwechslung unserer U-Bootkommandanten, oder ein schlaues VerschleierungSmänöver der Entente hat die Frage ausgeworfen, ob der am 30. Juli nordwestlich Irland torpedierle Riesendampfer der amei'kanisch«„Lemathan", früher„Vaterland", oder der englische White-Ttar-Dampser„Justicia", früher der holländische„Statendam", war. Der Größenunterschied beider Sch'sfe ist allerdings rechu erheblich und beträgt bei„Vaterland" 54 232, bei„Staten- dam" aber nur 32 120 Brutto-Registertonnen. und dementsprechend sind auch die Hauptabmessungen der beiden Schisie verschieden. In- dessen lassen sich diefd auf größere Entfernung und im freien Wasser. also fern von allen etwaigen Vcrgleichsmaßstäben nur sehr schwer ichätzen, um so weniger, als d'e K r i e g s m i m i k r y die wunder- lichsten Bemalungen der Schiffe anwendet, wodurch deren allgemeine Formen aufs Tollste verzerrt werden.„Vaterland" ist oder war 200 Meter lang, und„Statendam" dürste etwa 240 Meter Länge besitzen oder besessen haben. Es muß also auch eine sehr große Aehnlichteit im äußeren Aussehen der beiden Dampfer bestanden haben, welche denn auch in der Tat vorhanden war. Beide haben drei Schornsteine und zwei Masten, so daß sie sich im Profl außerordentlich ähnlich sehen, von besonders charakteristischen Feinheiten der Bug- und Heckform abgesehen und der Anordnung der Auf- bauten, deren Unterschiede nur erkennbar waren, wenn beide Dampfer, zur Stelle oder genaue Abbildungen zur Hand- waren. Leide hatten drei Aufbaudecke übeceinauder von germgem tinter» schied in der Längenausdehnung. Im Frieden waren beide Schiffe zwar leicht an ihrem verschiedenfarbigen Anstrich der Schornsteine zu unterscheiden gewesen, da die Hapagschnelldampker mattgelbe, d'e Withe-Swr-Dampfcr dagegen rötlich-gelbe Schornsteine mit schwär- zen Kgppen hoben. Diese Sondermerkmale, wie auch weitere im An- strich der Aufbauten sind jedoch im Kriege allgemein beseit'gt war- den, und es blieben nur die allgemeinen, jsdoch durch Schutzfarben- anstrich schwer festzustellenden Silhouetten als Kennzeichen der vcc- fchiedencn Schnelldampicrtypen. Ob nun tatsächlich eine Verwechslung der beiden Schiffe vor- liegt oder ob ainerikanisch-cnglischecseits eine solche vorzutäuschen versucht Iv'rd, um an den Erfolgen unserer Unterieeboote rund 20 000 Tonnen Schiffsraum weniger als versenkt erscheinen zu lassen, kann wohl dahingestellt bleiben. Auf alle Fälle hat diese Torpedierung wieder ein gewaltiges Loch in den Schiffsraumvocrat unserer Feinde gerissen. � Amerika wütet gegen Pazifismus. Wie in Kristiania einge- troffenc amerikanische Blätter melden, ist Ellen Keys Buch „Krieg, Friede und die Zukunft", welches 1016 erschic- nen ist, verboten worden. Die National Gecurity Lcague hat alle Landesbibliothcken gewarnt, das Buch auszuleihen, weil es Meinungen enthalte, die gegenwärtig gefährlich seien und deshalb unterdrückt werden müßten. „Nya Tastgt Allehanda" erfährt von einem au? Amerika zurückgekehrten schwedischen Amerikaner, daß der frühere Se- kretör ßon Fords Friedenskonferenz, Lockner, zu 20 Jahren Zuchthaus verurteilt wurde, weil er sich nicht davon abhalten ließ, seine Arbeit für den Frieden auch in Arne- rika fortzusetzen.__ Der zweite Kaiserbrief. Tie Wiener„Mittagszeitung" schreibt: Von maßgeben- der Seite erfahren wir, daß alle im Jnlande und Auslande verbreiteten Darstellungen in der Angelegenheit des angeb- lichen Kaiserbriefcs ai, den König von Rumänien, soweit sie von der Mitteilung des k. k. Telegraphen-Korrespondenz-Bu- reaus abweichen, in keiner Weise den Tatsachen entsprechen, und daß nur die diesbezügliche Verlautbarung der amtlichen Nachrichtcnogentur den Sachverhalt richtig wiedergibt. Diese Erklärung bat eine Vorgeschichte. Die Mitteilung des österreichischen Kaisers an den rumänischen König ist von dem Obersten in? österreichischen Generalstab. N a n d a, direkt von den österreichischen Linien an den rumänischen Hof nach Jassy gebracht worden. Einige deutsche Zeitungen hielten sich mit der Behauptung für richtig informiert ,daß die Aktion ohne Vorwissen Teutschlands erfolgt sei, während in Wien das gerade Gegenteil als wahr erklärt wurde. Tie Diskussion ist herzlich überflüssig, wie jede weit- schweifende Erörterung delikater Ereignisse der Vergangen- heitf die Zeitungen, die sich ihr hingebungsvoll widmen, be- reiten nur Lloyd George und Clemcnceau eine frohe Stunde. Die ReichsdekleiSungosteUe macht Emst! Expropriation der alten Hosen. Tie Reichsbekleidungsstelle veröffentlicht folgende Bekannt- machung: Tie unter dem 18. April 1918 durch die ReichSbeklciduvgs- stelle den Kommunalverbändcn auferlegte Sammlung getragener Männeroberkleider für die Ardeiter in der Landwirtschaft, im Bergbau, in den Eisenbahnbetrieben und sonstigen kriegswichtigen Betrieben hat da? erwünschte Ergebnis nicht gehabt. Ein Teil der Kommunalverbände hat die ihnen auferlegte Anzahl von Klei dungSstücken nicht aufgebracht. Die ReichSbekletdungSstelle et. wartet, daß eine erneute Aufforderung zur freiwilligen Abgabe entbehrlicher Männeroberkleider da? notwendige Ergebnis haben wird. Sie hat daher für diejenigen Kommunalverbände. die die von ihnen erforderte Anzahl von Kleidungsstücken noch nicht auf- gebracht haben, den Ablieferungstermin bis zum 15. August ber- längert.— Um säumige Personen, die ohne Störung ihrer und ihrer Familie Lebenshaltung sowie ihres Berufes in der Lage sind, Männeroberkleider abzuliefern, nachdrücklich auf ihr« vaterländische Pflicht zur Abgabe hinzuweisen, wird den Kommunalverbändcn aufgegeben: 1. namens der RcichSbekleidungSstelle von den gedachten Personen binnen einer zu bestimmenden Frist ein mit der Versicherung der Richtigkeit und Vollständigkeit versehenes Vcc- zeich» is ihrer Männeroberkleider und ihrer zur An- fertigung solcher geeigneten Stoffe zu erfordern; 2. in geeignet er- scheinenden Fällen die Richtigkeit und Vollständig- keit des Bestandsverzeichnisses nachzuprüfen und die hierzu erforderlichen Maßnahmen zu treffen. Von der Vorlegung eines Bestandsverzeichnisses ist befreit, wer bereits einen vollständigen Männneranzug abgeliefert bat oder nunmehr abliefert. Wer trotz der Aufforderung seines Kommunalvcrbandcs da? Bestandsverzeichnis überhaupt nicht oder nicht innerhalb der ihm gesetzten Frist einreicht oder im Bestands- Verzeichnis wissentlich unrichtige oder unvollständige Angaben macht, wird mit Gefängnis bis zu einem Jahre und mit Geldstrafe bis zu 10 000 M. oder mit einer dieser Strafen bestraft. Neben dieser Strafe kann angeordnet werden, daß die Verurteilung auf Kosten des Täters öffentlich bekanntzumochen ist, auch kann neben Ge- fängnisstrafc auf Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte anerkannt werden. So ist das. was die Nilichsbekleidungsstelle bisher wiederholt und nachdrücklich von sich gewiesen hat, zur Totsache geworden: Obligatorische Einführung von Be st andsver zeich- nisscn und Zwangsentcignung der„entbehrlichen" Männerkleider. Tenn daß eine Beschlagnahme die notwendige Folge der Bestandsaufnahme sein wird, daran dürfte heute kein Mensch mehr zweifeln. Damit wäre ein Znstand erreicht, den selbst Eugen Richter in seinen höllenschwarzen Bildern aus denl sozialistischen Zukunftsstaat auszumalen Bedenken getragen hat: die Enteignung der alten Hosen! Tenn die Tendenz des So- zialisnius geht zwar dahin, die Produktionsmittel als Gemeineigentum zu erklären, dem Staatsbürger aber zum Wohle der Allgemeircheit die Kleider vom Leibe zu ziehen, das ist eine Forderung, die selbst der selige Johann Most nicht ans- zusprechen wagte. Trotzdem daS hier ausgestellte Prinzip in seiner Kühnheit alle bisherigen sozialistisch-ntopistischen Träumereien weit über- flügelt, würden wir ihm grundsätzliche Bedenken nickt entgegen- setzen, wenn seine praktischen Folgen einwandfrei wären. Daß sie dies aber keineswegs sind, haben wir bereits mehrfach und ausführlich dargelegt. Wir haben darauf hingewiesen, daß gerade diejenigen, die durch ihren Kleiderluxns am schlimmsten gegen das Gemeinwohl gesündigt haben, bei einer solchen Zwangsenteignnng am glimpflichsten davonkommen würden, da sie sich durch Her gäbe eines einzigen Anzugs von allen weiteren Eingriffen befreien können. Wir haben ferner darauf hingewiesen, daß bei der großen Be- völkerung bereits ein sehr fühlbarer Mangel an Bekleidung»- stücken herrscht, da sogar„Bessersituiertc" teils infolge der Be- zugsjcheinpflicht, teils infolge der enorm gestiegenen Preise seit Jahr und Tag ihreGarderobenichtmehrergänzen können. Und wir haben schließlich die peinliche Frage gestellt. wie lange die Zwangsenteigneten mit deni ihnen verbleiben- den Rest von Kleidern auskomme n jollert— xine Frage, die auch die Reichsbekleidungsstelle zu beantworten nicht fähig sein dürste, da sie mit der Länge des Krieges zusammenhängt. Der Reiche kann sich im Notfall selbst zu Wucherpreisen noch immer mit Garderobe verschen— was soll aber der Minder- bemittelte anfangen, wenn sein letzter Anzug über Jahr und Tag ans den Nähten geht? Aus alledem ergibt sich, daß dieses anscheinend ultrasozia- listische System jede Spur von demokratischer. Gleichheit vermissen läßt und daß wir es von unserem Standpunkt ebenso verwerfen müssen, wie die Anhänger der kapitalistischen Ordnung von dem ihrigen. Ferner bat die Reichsbekleidungsstelle beschlossen, sämtliche Behänge sSonnenvorhänge, Gardinen, Stores, Rouleaus, die sich an Türen, Fenstern, Schränken, Schaukästen finden, zu b e- s ch l a g n a h m e u. Tie Beschlagnahme erstreckt sich aber nicht auf Privathaushaltungcn und Dienstwohnungen, ferner nicht auf Tüllgardinen und durchbrockiene oder seidene Gardinen, sowie auf die zur gewerbsmäßigen Veräußerung bestimmten Be-> hänge. Die Durchführung erfolgt in der Weise, daß zunächst die. öffentlichen Gebäude, sodann die. großen Fabriken und Bureaus und erst dann, soweit überhaupt noch erforderlich, die übrigen nicht von der BMüagnahme befreiten Räume Herangezogen werden.> Wenn auch�ie Vorbereitung der Erfassung sofort beginnen soll, wird doch die Abnahme der Vorbänge erst dann erfolgen, wenn Papier garn-Ersatzvorhänge. die mit Papiergarn gc. näht werden, ausmachcbreit vorhanden sein werden. Diese beschlagnahmten..Sonnenvorhänge" sollen zu Leib- Wäsche für die minderbemittelte Bevölkerung, verarbeitet werden. Erhöhung öer Kmgsbsstfyäöigtenrents» Laut Verfügung deS Kiiegsministers werden Versorgungs- bercchtiaten, bei denen eine Erwerbsunfähigkeit von mindestens 60 Pioz. vorliegt, folgende widerrufliche TeuenmgS- zuschlage gewährt: bei öO Ptoz.biS eiiiichließlich 60 Pkoz. EiwerbSunfähigk. 1L0M. jähil. 00„.. 70..„. . 70„.. 80..=2«.. „ 80., 90..=000.. „ 90.., 90„.•" .100„„....... i..... 432,. Die Erhöhung gilt ab 1. Juli 1918. Die Verfügung, die das Los der Kriegsbeschädigten wenigstens einigermaßen verbessert, ist auf das fortgesetzte Drängen des Reichstags, insbesondere der sozialdemokratischen Fraktion zurückzusührcu, das durch die Arbeit des„Reichs-, bunds ehemaliger Kriegsteilnehmer und Kriegsbeschädigter" eine kräftige Unterstützung fand. Bekanntlich ist der als „sozialdemokratisch" verschriene, obgleich parteipolitisch sarb- lose„Rcichsbund" von einem gelben Konkurrenzverbandc bekämpft worden, weil an eine Acnderung deS Mannschafts- versorgungsgesetzcs während des Krieges gar nicht zu denken sei..„......... Auch die Renteuzuschläge machen die Kriegsbeiwadigten noch lange nicht zu Kriegsgewinnlern, ober etwas ist, trötz der unverständlich artigen Haltung des Essener Verbandes. doch erreicht!__ Die Tätigkeit öss„Reichsverbanöes". Ein liberales Urteil. i Zum Aufruf des„R-ichSverbandeS". den wir gestern veröffent- lichten, bemerkt dos„Verl. Togebl.": „Eine Reihe der reichsten Leute Deutschland« hat sich im„RtichSverSaiid gegen die Sozialdemokratie" zuiommen- getan, um einen.Wahlschatz- für die.drohenden politischen und wirischostlichln Kämpfe' zu sammeln."... Weshalb diese Herr- schaslen mit dem Klingelbeutel im Lande umhergehen, ist eigentlich nicht rccdt zu vetstchett, da sie nur in die eigene Tasche zu greisen brauchten, um den gewünschten.Wahlschatz" zu finden. Aber eS ist ihnen offenbar bequemer, andere für sich zahlen zu lassen/ In der Sache selbst iss nach den früheren Leistungen deS RcichsverbandeS kaum noch etwas zu sagen. Er hat durch seine bisherige Betätigung zur Vergiftung de« politischen LedenS im deutschen Volk so reichlich beigetragen, daß ein Zweifel über sein« Schädlichkeit nicht möglich ist. Erstaunlich ist nur, daß der Reichsverband an der Schwelle des siinjten KriegSiahre« unter Verhältnissen, die eine Rücksichtnahme auf die Massenstimmnng zur gcbictctischeii Pflicht machen, sich an die Oeffcnilichkcii wagen dais. Der Deutsche StZötetag zur Srotverforgung. Der Vorstand deS Deutschen StädtetagcS Hai an den Staats- sekretär deS KtiegSernähriingSamtS eine Eingabe gerichtet, warm für daS Wirfichastsjohr 1018/10 die unvetlüizte Beibehaltung der im vorigen WirtschastSjahr gewährten Mehimenge für die ver- sorgungSberechtigie Bevöllerung dringend befürwortet wird. Eiwa von Mitte August ab soll eine TagcSmehlratioir von 200 Gramm ausgegeben tverden. Der Vorsiand deS Tcutschen StädtetagcS wünscht aber im Interesse der Bevölkerung die Gewährung einer Ration von 220 Gramm unter Hinzurechnung der zur Mehlstreckuug � ausgegebenen Streckungsmittel(Jlntioffcln und Kartoffelpräparate), also dieselbe TageStaiioir, wie sie vor der gegenwärtig bestehenden Kürzung der Raiion gewesen ist. Es wird darauf hingewiesen, da* die im Vorjahre gewährte Tagesration das Mindestmaß darstelle, daS sür die Ernährung riolweiidig sei. Ferner wird in der Eingabe die Bitte aus« gesprochen, dahin zu wirken, daß der sür die menschliche Einöbirca zur Verfügung stehende Teil der Kartoffelernte auch wirlttch voll erfaßt werde, und daß nickt ein erheblicher Teil entweder durch V e r f ü t t e r u n g oder durch Verderb verloren gehe. Die Anlräge deS Vorsitzenden des Deutschen StädtctageS gehen dahin, die Herstellung von Kartoffelwalzmehl und Kartoffelstärke» mehl in umfassende» Weise anzuordnen, bis zur Hcistcllung aber mit Mehl auSzuheljen.______ « Französischer Nachmtttagsbrricht vom 27. Juli. Auf dem rech tcn Marncufer schoben die französischen Truppen ihre Lin'en nördlich von Pori a Binson vor. Champognefront: Die Franzosen führten eine örtliche Unternehmung in der Gegend südlich des M o n l s a n S Rom auS und erzielten einen Fortschritt von einem Kilometer auf einer Front von drei Kilometern; etwa 200 Gennzene, darunter 7 Cffiz'-ete, fielen in die Hände>r Frmzis'n. Das Bombardeuient von Calais. Bern, 27. Juli.„Progres de LNott" meldet auS PariS: DaS Bombardement von EalaiS in der Rächt vom Sonntag zum Mon- tag war aussergewöhnlich schwer. Sehr großer Sachschaden. 27 Zi- vilisten wurden getötet.. Es war das schwerste Bomfrardo- mcnt, daS Calais bisher erlebte. SewerkschaflsbewEung Das Tahlorsystem in der Praxis. Gegenüber den Befürchtungen, die man in Arbeiterkreisen wegen der Einfübrung des Taylorsystcms hegt, sagen die Bcfür- worter dieses Systems, die Befürchtungen seien grundlos, es handele sich um nichts weiter als um eine auf wissenschaftlichen Feststellungen aufgebaute BetliebSmethode, die fltoar die Produktivität der Arbeit steigern solle, den Arbeitern aber eher Vorteile als Nachteile bringe. Doch solche Empfehlungen stoszen bei den Arbeitern aus Zweifel und Mihtranen. Alles wa? man bisher vom Taylorsystem erfahren hat, ist nicht geeignet, die Befürchtung zu zerstreuen, datz die Produktivität ans Kosten der Arbeiter gesteigert werden soll, dergestalt, dost die Arbeitskraft aufs äußerste angespannt und ausgenutzt und der Arbeiter gewissermaszen nur als Teil einer großen, den ganzen Betrieb umfassenden Maschine gewertet wird. Soweit bereits Ansätze in dem einen oder anderen Betrieb eingeführt sind, werden die Befürchtungen der Arbeiter durchaus bestätigt. In einem Artikel der„Metallarbeiter-Zeitung' wird ausgeführt, daß in Großbetrieben der Magdeburger Metallindustrie Maßnahmen getroffen wurden, die als Beginn der Einführung deS Taylor sysiems bezeichnet werden können. Bei der Firma Krupv-Gruson Werk und bei der Firma R. Aolf ist den Arbeiterausschüssen ganz offen gesagt, worden, daß die Einführung des Taylw�ystems erfolge. Bei R. Wolf sind bereits eine ganze AnzahMmgenieure eingestellt worden, die durch die Schule Professor Schlesingers, des bekannten Propagandisten deS Tahlorsystems an der Technischen Hochschule in Charlotienburg, gegangen sind. Ein Professor soll dem- nächst die Durchführung des Taylorsystems bei R. Wolf leiten. Im Krupv-Grusonwerk haben die Arbeiter bereits einige.An- nehmlichleiten" der Anfänge des Taylorsystems kennen gelernt: Die Kontrolle der Arbeiter wird durch Stempeluhren ausgeführt, die so angebracht sind, daß sie zu Beginn der Schicht erst nach dem Umkleiden und am Schluß der Schicht vor dem Umkleiden benutzt werden können, so daß also die Arbeitszeit bis auf die Minute voll ausgenutzt werden muß. Die Arbeitsteilung wird immer schärfer durchgeführt und jede neue Teilung bringt eine Herabsetzung des Akkordpreises. Die weit- gehende Arbeitsteilung ermöglicht die Anlernung ungelernter Ar- beiler, entwertet also die Leistung des gelernten Facharbeiters. Das Kalkulationswesen wird andauernd verschärft. Um die Höhe der Atkordpreise findet ein fortgesetzter Kamps zwischen den Arbeitern und der Kalkulation statt. In Streitfällen stellt fich der Kalkulator mit der Stoppuhr in der Hand neben den Arbeiter, um die zur Verrichtung der Arbeit erforderliche Zeit ganz.genau festzustellen. Off werden die Arbeiter auch heimlich durch die Kalkulatoren beobachtet.— Alle zur Durchführung des Taylorsystems erforderlichen Maßnahmen machen die Anstellung einer großen Zahl unproduktiven Betriebspersonals: Ingenieure, Assistenten, Kalkulatoren, Meister, Vorarbeiter, Kon- trolleure, Schreiber nötig. Auf süni Arbeiter kommt mindestens ein Beamter dieser Art. Da der Unternehmer mit dem neuen System nicht weniger, sondern mehr verdienen will, müssen die Ge- Hölter dieser Beamten von der Arbeiterichaft mitverdient werden. Die aus die Arbeit vei wendbare Zeit wird deshalb derart niedrig bemessen, daß ein Auskommen damit unmöglich ist. So kommt es zu unerhörten Alkordabzügcn, die von der Arbeiterschaft abgelebnt werden müssen. Das ganze System erzeugt eine Unruhe in der Arbeiterschaft der beteiligten Betriebe, wie sie kaum je vorher be- kannl Ivar. Die Albeiterschaft setzt dieser noch rücksichtsloseren AuS- beutung mit Recht hestigen Widerstand entgegen. Die Tovcrungszulage der Bauarbeiter. Die Vorstände der am Reichslarifverirage für daS Baugewerbe beteiligten Verbände der Bauarbeiter, Zimmerer und christlichen Bauarbeiter haben, nachdem ihnen schon seit längerem dahingehende Anregungen aus Mitgliederkreisen zugegangen waren, die in letzter Zeil immer dringlicher wurden, durch Schreiben vom 20. Juli d. I. bei dem Vorstand des ArbeitgeberbnndeS für das Baugewerbe eine weitere Teuerungszulage beantragt. Veranlassung hierzu gab nicht nur die zurzeit überaus stark fühlbare Teuerung auf dem Lebens- nrittelmarkt; besonders schwer lasten namentlich die unerhört hohen, faff unerschwinglichen Preise für Kleidung, Schuhzeug usw. auf der Arbeiterschaft. Die bougelverblichen Arbeiter erwarten bestimmt, daß ihre fast unerträglich gewordene Lage durch eine baldige an- tneffene TeiierungSznlage in etwas gemildert wird. Dem Reichs- Wirtschaftsamt ist von dem Antrage der Arbeiierverbände Kenntnis gegeben worden._ Die Zcntralkommission der Krankenkassen sendet unS folgendes Schreiben: .In Ihrem geschätzten Blatte brachten Sie am 12. Juli einen Bericht der Versammlung, welche der Verband der Bureauangestellten am ö. Juli abgehalten hatte. Dabei wird unter anderem mit« geteilt, daß die Allgemeine Ortskrankenkosse der Stadt Berlin trotz des herrschenden Notstandes nicht die nötigen Hilfskräfte einstelle, dagegen aber den Urlaub der Beamten und Angestellten be- schränke. Wir eri'uchen Sie, davon Kenntnis zu nehmen, daß diese Mit- teikung den Tatsachen widerspricht. Die GeschästSleilung hat lediglich den Zahlstellen mitge'.eilr. daß angesichts des durch die herrschende Influenza hervorgerufenen hoben Krankenstandes � es nötig werden könne, die Urlaube zu verschieben,, wenn die lausen- den Arbeiten nicht erledigt werden können. Inzwischen ist es aber auch gelungen, eine Reihe Hilsskrisie zu gewinnen und es ist�des- halb auch noch nicht ein Urlaub verlegr worden. Wir dürfen übrigens auch darauf verweisen, daß das Organ der Bureauange- stellten in seiner Nr. 11 einen wesentlichen anderen Bersammlungs- bericht bringt, in dem auch nicht ein Wort der gegen die Kasse laut gewordenen Anklage erwähnt wird. Die wirtsihastsfrieöliche /lngeftelltenbewegung. Das Helö ist üa. Im„Vorwärts vom 14. Ma' d. I. haben wir unS mit den Vor- läufern einer gelben Angestelltenbewegung näher befaßt, die von Hamburg ausgeht und ihre Zentralstelle in einer Zeitschrift besitzt, die sich„Die Hanse" nennt. Unsere Vermutung, daß es bei dem damals von unS wiedergegebenen Aufruf der„Hanse" nicht bleiben wüode, hat sich bestätigt. Inzwischen hat man sich wohl über unsere Kritik beschwert, aber gleichzeitig zugegeben, daß wir recht hatten. Wir schrieben damals: „Es ist somit alles tadellos eingefädelt, um den Seelenfang unter den Privatangestellten zu beginnen." Darauf meinte die„Hanse": „Unsere Sache ist fein eingefädelt nach der Wahrheit, daß alles Gute sich von selber Bahn bricht. Besondere'Einflüsse sind da nicht am Werke. Der Wunsch, daß es wieder besser werde im Verhältnis des Prinzipals zum Angestellten, ist der Vater des Gedankens gewesen." Inzwischen hat sich„alles Gute" seine Bahn gebrochen, indem die gelbe„Hanse" in Massen in die Betriebe geworfen wurde und dort durch das Unternehmertum an die kaufmännischen und tech- nischcn Angestellten ohne Bestellung verteilt wird. Der einzelne Angestellte, der die Annahme dieser sonderbaren Aufklärungslektüre ablehnt, läuft sogar Gefahr, aufzufallen und als besonders reif für die Aufhebung seiner Reklamation angesehen zu werden. Es wird nun nicht mehr allzulange dauern, um dann die Leser der„Hanse" zur wirtschastsfriedl'chen Organisation zu sammeln. Als tüchtige Geschäftsleute sorgen die gelben Drahtzieher zunächst für daS nötige Betriebskapital und bei der Veranlagung unserer Industriellen scheinen sie dabei keineswegs erfolglos zu bleiben. Die Zeitschriften der Angeftelltenverbände berichten von einem vertraulichen Briefe, mit dem die Schriftleitung der„Hanse" in den letzten Monaten die einzelnen Unternehmer beglückte, um sie gebeftcudig zu sftmmen. Da wird einleitend nochmals auf die gefährliche Entwicklung der deutschen Angestelltenffekvegung hingewiesen, die immer mehr den radikalen Einflüssen der gewerkschaftlichen Verbände unterliege. „Es droht die Gefahr, daß in absehbarer Zeit, vor allem bei Friedensschluß, die radikale Bewegung auf die Angestelltenschaft «JZ Ganzes überspringt, von der heute noch der große Teil vee- schont ist, und daß dadurch den Firmen, Werken und Betrieben biejemgen selbständigen und im Interesse der Unternehmung han- delnden Angestellten entzogen werden, die sich unter dem wachsen- den Einfluß der gewerkschaftlichen Verbandspolitik zu Person- lichkeiten entwickeln, die am Unternehmen nicht mehr mit dem alten Mitarbeiterinteresse arbeiten, sondern ihm mit Lohnarbeiter- ausfassung gegenüberstehen." Als Allheilmittel, um die«mißleiteten Angestellten" über„die Gefahr der radikalen Bewegung aufzirkfären", wird natürlich die Verbreitung der„Hanse" empfohlen. D'e so geleistete„Belehrung" soll gleichzeitig die Vorbcreitungsarbeft sein für einen in absehbarer Zeit zu begründenden Verband der wirtschaftSfrirdlichru Angestellten nach dem Muster der nationalen Arbeiierveren«, jedoch unier Berücksichtigung der„besonderen Verhältnisse". Nachdem dann die Auf- gaben dieser zukunftsreichen Vereinigung noch näher geschildert wer- den und insbesondere auch auf den so zu gewinnenden Einfluß der Uniernchmer auf die Regierung verwiesen wird, ersucht der Brief- schceiber die Arbeitgeber um Unterstützung seiner Absichten: „Die Form nun, in der sich der angestrebte Einfluß vollzieht und wir die benötigten Mittel erhalten, besteht in dem Bezüge der„Hanse" für die Angestellten durch die Werke und Firmen. Ein Beispiel liefert die angebogene Geheime Zeichnungs- l i st e, die wir zu getreuen Händen überreichen. enthält die ergänzten Zeichnungen der letzten Zeit. Die Nichtberechnung von jährlichen Empfehlungsanzeigen beim Bezüge unserer Zeitschrift geschieht, um Anzeigen zu er» halten, die wir als äußerliches Zeichen einer bestehenden ordent- lichen Geschäftsverbindung brauchen, die den gegnerischen Vor- lvOrf ausschaltet, als ob wir von den Prinzipalen„Geschenke" er- hielten." In solch plumper Weise hat bisher noch nicht einmal einer der nationalen Arbeitervereine die Bettele� unter den Arbeitgebern be- trieben. Der zu erwartende Vorwurf, als ob die„Hanse" Geschenke von den Prinzipalen erhielte, soll ausgeschaltet werden, indem als äußere Gegenleistung für die erhaltenen Unternehmergelder Jnsc- rat« gebracht werden. So ist eS auch zu erklären, daß diese famose „Angestelltenzeitung" z. B. in Nr. 2 ihres Jahrgangs 1918 21 Sei- ten Anzeigen und nur K Seiten redaktionellen Text bringt. Dabei wagt es diese» geschäftige Bläitchen. den Angestellten zu erzählen, es trete für den Perfönlichkeitssortschritt ein. In Wirk- lichkeit würde jeder Erfolg dieser gelben Erziehung dazu führen müssen, daß die Charaktere der Angestellten gebrochen und sie selbst zu Objekten der Nnterimhmerwillkür werden. Herr Moritz Müller, der Hamburger Matador, vergißt allerdings einen Umstand, der seinem Unternehmen unbequem sein dürfte. Das ist die Wirtschast- liche Notlage, in der sich heute weite Schichten der Industrie- und Handelsangestellten befinden. Gerade bei diesen Berussschichten hat sich im Verlaufe des Kriege? eine derart unerträgliche Spannung zwischen Einkommen und Lebenskosten ergeben, daß sie förmUch zur gewerkschaftlichen Aktion gedrängt werden. Der Grad dieser Nol- läge ist auch schon zu hoch, um die Angestellten etwa noch mit den nationalen Phrasen und Harmonieaufsätzen der„Hanse" einfangen zu können. Ja es muß gerade aufpeitschend wirken, wenn die An- gestellten erfahren, daß dieselben Firmen, die ihnen berechtigte Steigerungen ihrer Bezüge ablehnen, Geld übrig haben, um den von Herrn Müller eingeleitsten Seelensang finanziell in reichlicher Weise zu subventionieren. Schon nach kurzer Zeit hat die geheim» Zeichnungsliste der„Ha» sc" nach einem Bericht der„Deutschen dustri ebamtenzeitung" die stattliche Summe von 42 560 M. ergeben. Wir möchten nur einige der Geldgeber hier aufführen. Es zeich. neten gegen Abonnements bis zu 300 Stück u. a.: 4500 M. Borsig-Werke, Berlin, zunächst für drei Jahre. 4000 Mark Siemens-Schuckert-Werke. Berlin; Siemens u. Halske, A.» G., Berlin. 2600 M. Mutzenbccher-Gruppe, Hamburg. 2000 M. Friedrich Krupp, A.-G., Essen. 2000 M. Bergmann, Elektrizitäts- Werk, Berlin. 2000 M. Hannoversche Waggonfabrik, Hannover. 2000 M. eine Berliner Großbank, die nicht genannt sein will. 1600 M. Duncker-Gruppe, Hamburg. 1600 M. Assekuranz-Union von 1865, Hamburg. 1500 M. Bullon-Werke, Hamburg. 1200 M. Deutsche Nationalbank, Bremen. 1000 M. Blohm u. Voß, Ham- bürg. 1000 M. Oberschlesische Eisenbahn-Bedarss-A.-G.; Ober- schiefische Eisenindustrie, A.-G., Bismarckhütte in Bismarckhütte. 1000 M. Essener Kredit-Anstalt, Essen. 1000 M. Knorr-Bremse, A.-G., Berlin. 1000 M. Allgemeine Elektrizitäts-GesellsKast, Berlin. 1000 M. Karl Lindström, A.-G.. Berlin. 1000 M. Bank für Handel und Industrie, Berlin, Dresdner Bank, Berlin. 1000 Mac! Mafchinenöl-Jmport-Gesellschaft, Hamburg." Wir fragen auch diesmal, wie sich d'e in seinen Büchern der- treten« Theorie Walter RathenauS mit der Subventionierung dieses democaltsior enden Unternehmens vorträgt. .Es ist nicht uninteressant, daß die Betriebsamkeit der Wirt- schaftsft'edlichen Zentrale in Hamburg auch sofort die schon länger bestehende Brudervereinigung der Kruppschen Beamten in Essen aus den Plan gerufen hat. Sie erklärt feierlich, mit dem Hamburger Unternehmen nichts gemein zu haben und die Essener wenden sich gleichfalls in längeren Schreiben an die Unternehmer mit der Auf- forderung, nach rheinisch-westfälischem Muster schleunigst überall gelbe Beamtenvereine zu begründen, bevor es zu spät wird. Wir glauben, daß es zum Einfangen der Angestellten bereits zu spät ist und die Geldersammlung der einzige Erfolg bleiben wird, den die wirtschaftsfriedlichen Angestelltenapostel künftig noch verzeichnen können. Auch die Ortskrankenkasse der Mechaniker hat ihr möglichste? getan, um Hilfskräfte zur Berftigung zu stellen. Wenn trotzdem die Abfertigung der Kranken nicht so glatt bor sich ging, wie es wünschenswert gewesen wäre, so lag bies zum Teil auch daran, daß die Abfertigungsschalter wegen Mangel an Raum nicht der- mehrt werden konnten." Wir haben der vorstehenden Zuschrift der Zentralkommission unverkürzt Raum gegeben, obgleich sie ein« Behauptung richtig stellt, die in dem Versammlungsbericht, auf den sich das Schreiben bezieht, gar nicht einhalten ist. Bezüglich der Allgemeinen Orts- krankenlasse und der Ortskrankenkasse der Mechaniker steht in unserem Bericht nichts weiter wie dieser Satz: „In der Diskussion wurde besonders von den Kollegen der Allgemeinen Ortskrankenkasse der Stadt Berlin und der Orts- kronkenkasie der Mechaniker die ungeheure Belastung der Angestellten und die ungenügenden Maßnahmen der Verwaltung zur Behebung der Mißstände geschildert." Daß die beiden genannten Kassen den Urlaub der Beamten und Angestellten beschränken, ist an keiner Stelle unseres Berichtes gesagt. Wie der Verfasser des Schreibens der Zentralkommisston zu der Annahme gekommen ist, in unserem Bericht werde bezüglich der genannten Kassen etwas derartiges behauptet, ist uns unser- ständlich. Ebensowenig verstehen wir, was der Hinweis auf den Bericht des Organs der Bureauangestellten bedeuten soll. Wenn in diesem Bericht nichts von den Klagen der Angestellten envähnt wird, so beweist das nicht, daß in der Beriammlung nicht die Klagen erhoben worden sind, von denen unser svon einem gelegentlichen Berichterstatter eingesandter) Bericht Noltz nimmt. Eingegangene Druckschriften. Die aufgeführten Bücher sind durch die Buchhandlung Vorwärts, Berlin SW. 68, Lüldenstraßc 3, zu beziehen. Belgiens BolkSwirtschaft. Herausgegeben von Hans(Sehrlg und Heinrich Wäntig. Geh. 9 M., gcbd. 10 W.-ft 30 Proz. Tcuerungszuschlng. Verlag B. G. Teubner, Leipzig. Tie„Einsteoer- als Losung aller Zukunftssragen. Don Reinhold Ockel. 30 Pf. Karl Georgi Verlag. Bonn. „MikrokosuioS-, Monatsschrift. Hest 7, 8 und S. Jährlich 7,20 M. Franckhsche Verlagsdmidlung, Switgart. Der Machiavelltsmus. Don Dr. Karl Heher. 8,50 M. Ferdinand Dümmlcrs Verlagsbuchhandlung, Berlin 8\V 68, schlltzcnlw.»9(30. Berantwortl. f. Politik! Dr. Franz TIcderIch, Berlia-Friedenau,' für d. übrigen Teil des Blatte»!«Isrcd Scholz. Neukölln: für Anzeigen: Theodor Klocke. Berlin. Verlag! VorwärtS-Lerlag G. m. b. H., Berlin. Druck! VorwSrtS-Luchdruckcrei und Berlagsanftalt Paul Singer u. Co. in Berlin. Lindensirahe 3. Hierzu 3 BeUage». ßcini Umarbeitungen von Pelz-Mänteln, Kragen und Muffen � nach neuesten Modellen werden sorgfältig und preiswert ausgeführt. � Damenkleider Damenhüte IC Ifi H aus Schleierstoff, hell und dunkelge- vSedTu'Ä 79.00sis 1 25.00 If�iH Ni-Stickerefwellßelegant verarbeitet, E':'" aar 98.oot,.> 45.00 Kleid sifÄSÄI; l 95.00 Trikotagen Anzüge[j;KÄ94.50l116.50 Mädchen-BeinKleiderReform CröRe 49 u. 6»..... 9.59, 12.00 Leibchen stsfti'cfoßen Sm-wS-SO Sport. Vorhemden s;off.ie:!3M. Blusen A.LÄ! 59.Ö0b.87.59 Hflflr Ftl-T-HfitA In neuesten bellen riddr-rilZ-OUie Farben u.Formen, mit Leder-Blumen gestickt oder handgemaltem Band garniert. Hellfarbige Velours-Hüte mit schönen Band-Garnituren. 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