Mr.SW. 38. Jahrg. Bezugspreis: »i«t«qährt.«.so Ml. monatl. frei WS tmuS, SotouS jaljUiat.ein jelne Rummern 10 Pfennig. Postbezug: MonlUlich. vom Postschaltcr abzuholen 1JÖC Mb, vom Briefträger WS Haus ge- bracht I�S« Mb Unter Kreuzband lür Deutschland und Oesterreich. Ungarn 3,— Mt. für daS übrige Ausland <50 Mb monatlich. Versand i«§ Feld bei btroftra Bestellung monoiL iLllMb Poitbeslellungen nehmen an Däne- marl, Holland. Luxemburg. Schweden unk die Schweiz. Eingetragen m die Po't.Zeiwngz.PreiSkste. iSrichew« täglich. Telegramm- Adresse .Sozialdemokrat Berltu�. Vevlinev Vol�sbl�kk. ( 10 Pfennig) Anzeigenpreis: DiessebengefpalleneKolonelzeiletosset 80 Pfg.„kleine SlNzeig«»". daZ feUgedruiNe vor! SV Pfg.(zulässig I setigedniSte Vöries. ,edeS weitere «ort lS Pfg. Stellengesuche und kchlafftellenanzeige» das erste Wort 80 Pfg.. jedeS weuere Wort>0 Pfg. Vörie über l« Buchstaben zählen für zwei Worte. Teuerungszuschlag 20°/. gamilien-Anzeigen, politische und gewerlschafUiche Serein«- Anzeigen SO Pfg. die Zeile. Anzeigen für die nächste Rümmer müssen bi» 5 Uhr nachmitiaaS im Hauptgeschäft. Berlin €88.08, Lindenstraße 3, abregehen werden,»eösfnet von 8 Uhr srüh bi« 7 Uhr abend S. Zentralorgan der rozialdemokratifchen Partei Deutfchlands. Neöaktion: SW. SS, Ilaüenftraße Z. Zerusprecher: Amt Mortssvla», Str. IST gv— 151 97. Montag, de» 29. Juli 1918. repeSlttou: Sw. et. tlateastraße Z. Uerusprecher: Amt Moritzplatz, Str. IM 90—151 97. Kämpfe am Ourcq. .s Zum Geöa'chtni's einer demonstratio«. Am gestrigen 28. Juli waren es vier Jahre, seit daS arbei- tende Volk von Berlin Unter den Linden für die Erhaltung des Friedens demonstrierte. Zuvor hatten in allen Stadt- teilen Massenversammlungen stattgefunden, und überall wurde einstimmig eine Entschließung angenommen, die gegen die östcr- reichische Kriegserklärung an Serbien in den schärfsten Worten protestierte. In ihr hieß es:„DieKriegsflammedroht nach den anderen Ländern hinüberzuschlagen, ganz Europa in Brand zu sehen, unsägliche Leiden über das Menschengeschlecht zu bringen. alles zu vernichten, was in Jahrzehnten mühsamer Kulturarbeit errichtet worden i st." Sie schloß mit dem Ruf:„Nieder mit allen Kriegshetzereien! HochdieinternationaleVölkerverbrüderung!" Nach den Versammlungen strömten die Massen zum Schloß und unter die Linden, wo sich schon, wie an den Tagen zuvor, die akademische und die kaufmännische alldeutsche Jugend in hellen Scharen zusammengefunden hatte. Es entwickelte sich nun ein wahrer Stimmenkampf der Leidenschaften: während ans den alldeutschen Kehlen Hochrufe auf den Krieg und auf Oesterreich ertönten, die„Wacht am Rhein" und„Teutschland, Deutschland über alles" gesungen wurde, stiegen aus den Massen der Arbeiter immer neue Hochrufe auf den Frieden empor, und in wuchtigen Klangen ertönte die Arbeiterniarseillaise. Die Polizei, die die entgegengesetzten Kundgebungen der vorangegangenen Tage geduldet hatte, hotte mittlerweile erklärt, keine weiteren Ansammlungen erlauben zu können, und daraus ergab sich eine Reihe von Konflikten, Verletzungen und Ver- hastungen. Wer jenen Tag miterlebt» hat, dem wird er unvergeßlich bleiben, ewig wird er in feinem Gedächtnis hasten als ein Ehrentag der Berliner Arbeiter. Was wäre der Menschheit erspart geblieben, wenn alle Völker und V o l k s- schichten, alle verantwortlichen Staatsmänner Jn allen Ländern von den gleichen Gedanken beseelt gewesen wären,'wie diese schlichten Volksmassen, die noch einmal vor»ller Welt ihre Warnerstimmen erhoben! Es war ein letztes verzweifeltes und erfolgloses Sichauf- bäumen gegen das Schicksal. Die Voraussoge istlurchtbar in Erfüllung gegangen. Ganz Europa, die ganze Welt seit vier Jahren in Brand, die Menschheit in unsäglichen Leiden, die mühsame Kulturarbeit von Jahrzehnten vernichtet! Wir waren damals die Unterlegenen und denken doch mit tiefer Genugtuung an jenen Tag. Wir bekennen uns heute noch mit Stolz zu unserer Handlungsweise von damals. Wer aber will heute vor die Welt hintreten und be- kennen, er habe damals gerufen:„Es lebe der Krieg!"? Vier Jahre sind seitdem vergangen. Aber in diesen vier Jahren sind die Arbeiter Berlins und ganz Deutschlands ihren Ueberzeugungen von damals treu geblieben. Sie ver- leidigen ihr Land. Aber an jedem Tag, an dem der Sehn- suchtstraum der Menschheit nach dem Frieden der Erfüllung reift und der Wille zu gleicksem Denken und Handeln auf der anderen Seite in Erscheinung tritt, sind sie bereit, wie damals auszurufen:„Es lebe die internationale Völkerverbrüderung!" Die Zeuertaufe üer Amerikaner. Z»e legramm unseres Kriegsberichterstatters. W e st f r» n 27. Jnli- In der Schlacht zwischen AiSne und Marne führte der Lcrband zum ersten Male amerikanisch« Massen ins Feuer. Auf Grund der Kampscrsahrungeu mehrerer von mir in den letzte« Tagen ausgesuchten, bei den Korps Etzel nnd Watter in der Mitte der Abwehrfront hervorragend beteiligten deutschen Divisionen kann ich noch folgendes mitteilen: Die Amerikaner kämpften teil» in geschlossenen Divisionen, teil» alS Lernkominandos unter den Franzosen aufgeteilt. Son den jetzt eingesetzten Regimentern wäre» die meisten schon seit über einem J�ahr in Frankreich, andere sind, in Amerika und ans dem Festland nur notdürftig ausgebildet, in die Schlacht gtworfen worden. Die Ausrüstung war bei allen sehr gnt. Die neue amerikanische Armee hat, wie die französische, eine ganze Anzahl Xegrrdivisionen, doch sind diese bisher nicht ein- gesetzt worben. Unter den gefangenen Amerikanern fällt der relativ große Prozentsatz deutscher Name» auf. Nach ihren Angaben müssen auch unter den Führern der amerikanischen Armee deutsche Abkömmlinge eine große Nolle spielen. Der Kampfwert der amerikanischen Soldaten ist nach dem allgemeinen Urteil der Fronttruppc» nicht zu unterschätzen. Aus ihre numerische Stärke pochend und gehoben durch die täglichen Lobhudeleien der franzäsisckjen Orffentlichkeit, gehe» sie mit naiver Tollkühnheit ins Feuer: d« sie aber noch nicht gelernt haben, in lichten Reihe« zu kämpfen und dem Artilleriefeuer geschickt a«S- zuweichen, übertreffe» ihr« Berluste die aller anderen um ein Feindliche Vorstöße nördlich der Lys, an der Somme, bei Montdidier, südlich vom Fichtelberge Berli«, 28. Juli 1918, a b r n d S. Amtlich. Kampfe am Onreq. Im übrigen ruhiger Tag. Amtlich. Großes Houptg»arti«e, 28. Juli lS18.(W. T. 8.) Westlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe Kronprinz Mupprecht. Negr Erkundnngstätigkeit. Stärkere Vorstöße des Fein«» nördlich der LyS. beiderseits der S» m in e nnd nord- westlich von Montdidier wurden abgewiesen. In einzelnen Abschnitten Artillrrietätigkeit. Heeresgruppe Deutscher Krvnpriu». An der Kampffront verlief der Tag ruhig. Kleinere Jnfantericgefcchte im Vorgclände neuer Stellungen. In der Champagne drang der Feind bei örtlichem An- griff in unsere vorderen Linien südlich vom Fichtel-Berge ein. Unser Gegenstoß warf ihn größtenteils wieder zurück. ::, Der Erste Generalquartiermeister.� Lndendorff. Der österreichische Bericht. Wie», 28. Juli. Amtlich wirb verlautbart« I« Südwesten keine größere« Kampfhandlungen. In Albanien wurden bei R r d e n i c a abermals«eh. rcre italienische Vorstöße abgewiesen. Der Chef de? Generalstabe«. Gewaltiges. Amerikanische Leichenfelder wir zum Bei- spiel vor der Höhe Monthiers können nur mit den rufst» schen Leichenseldern bei der Gegenoffensive BrussilowS vergliche« werden. Ebenso draufgängerisch wie im Angriff sind die Ameri- kaner ungeschickt in der Verteidigung. Alle Gegen- stöße selbst kleinster deutscher Stoßtrupps haben Amerikanern gcgen- über bisher zum Erfolg geführt..Vom 21. b. M. ab, wo die cncr- zische deutsche Gegenwirkung einsetzte, haben die Amerikaner durch die meisterhafte deutsche Gcgenstoßtechnik B e r l u st e erlitten, die mir von verschiedenen, an der Abwehr beteiligten Offizieren auf 59 bis 75 Proz. angegeben werden. Aus diesem Grunde mußten mehrere amerikanische Divisionen schon»ach fünftägigem Kampfe abgelöst werden. Dr. A. Köster, Kriegsberichterstatter. Die Lage nördlich der Marne. Französischer Heeresbericht vom 2 H. Juli abends. Süd- lich de» Ourcq war der Tag durch die Tätigkeit beider Ar- tillerien ohne Jnsanteriebswegungen gekennzeichnet. Auf dem Rordnfer dg Marne nehmen wir am Abend Reckil und die Farme des SavantS und warfen den Fexnd auf den Süd- rand von Binson Oquiguy und Villers souS Chatillon zurück. Die Gesamtziffer der am 25.-in V i l l e m o n t oi r« sowohl als in der Gegend von Ouchh le Chateau gemachten �Gefangenen beläuft sich auf 700. An. der Champagnefront unternahmen unsere Truppen, nachdem sie die deutsche Offensive vom 15. und IS. Juli zum Scheitern gebracht hatten, in den folgenden Tagen eins Reihe von örtlichen Angriffen. Trostz Widerstandes des Feindes drangen wir ö st lich der Sutppe ungefähr 1100 Meter auf einer Front von 20 Kilometer im allgemeinen nördlich der Linie Saint-Hilaire— Le Grand Souain— Mesnil les Hurluc weiter vor. Wr haben ganz Main de Massiges zurückerobert und in dieser Gegend unsere alten vordersten Linien wieder besetzt. Im Laufe dieser Operationen machten wir mehr als 1100 Gefangene und er- beuteten 200 Maschinengewehre und 7 Geschütze. Französischer Heeresbericht vom 2 7. Juli abends. Der Druck, den französisch« und alliierte Truppen seit mehreren Tagen gegen die deutschen Streitkräfte ausübten, hält an. Sie zogen sich heute auf der gangen Front nördlich der Marne zurück. Unsere Truppen drängten der Nachhut hart nach und haben die allgemeine Linie BruyereZ— Villerieuvc-sur Fere— Courmont-Passh — Grigny— Cuisclles(?) la Neuville— aux-LoriZ— Chamuzy erreicht. Das rechte Marnrufer ist vollständig vom Feinde gesäubert. Unsere Truppen verfolgen den von ihnen«uf einer Front vo» mehr als 15 Kilometern gemachten Fortschritt nordöstlich von C h ö t e a u- T h i e r r y. Auf der Champagncfront überschreitet die Zahl der von uns in der Gegend südlich des Moni fanS nom gemachte« Gefangene» 300, darunter 9 Offiziere. Amerikanischer Heeresbericht vom 27. Juli nachmittag-. Zwischen dem O n r q und der Marne wurde feindlicher Wider- stand gebrochen. Die alliierten Truppen setzen die Verfolgung fort. Washington, 27. Juli. General March teilt mit: Infolge der Operationen an der AiSne— Marne-Frcmt stehen die Deutschen jetzt elf Meilen weiter von Paris. Nachprüfung See außeroröent- lichen Kriegsgerichtsurteile. von HermannWendel. � Vor kurzem nahm daS OberlandesgeriHt in Graz dem Postmeister Lorenz Petovar eine Strafe von 18 Monaten schweren Kerkers ab, die die erste Instanz über ihn verhängt hatte. Das ist an sich nichts Merkwürdiges, nnd auch der treffende«nd trefflich« Satz in der Urteilsbegründung:„D i» Gesinnung eines Menschen kann nicht Gegen- stand einer strafrechtlichen Verfolgung se in," wäre in anderen Zeiten als glatte Selbswerständlichkeit einer besonderen" Erwähnnno überhaupt nicht wert. Aber der Fast enthält auch für den Reichsdeutschen Nachdenkliches, weil die erste Instanz ein Feldgericht war nnd gegen das Urteil eines Feldgerichts bis vor wenigen Monaten ein Rechtsmittel nicht bestand. Dieser Härte ist erst durch das Gesetz vom 12. De- zember 1917 abgeholfen worden, dessen entscheidende Bestim- mung lautet: Wer nach der Kaiserlichen Verordnung vom 25. Juli 1911. R. G. Bl. Nr. 156, oder der Kaiserlichen Verordnung vom 4. November 1914, R. G. Bl. Nr. 307, von einem Feldkriegsgerichte oder Stand- gerichte rcchtSkräfbig verurteilt worden ist, kann die Wieder- aufnähme des Verfahrens vor dem bürgerlichen Gerichte verlangen, l. wenn einer der Gründe vorliegt, aus denen nach der bürgerlichen Strafprozeßordnung oder den Militärgerichts- ordnungen der rechtskräftig Verurteilte die Wiederaufnahme, de? Strafverfahrens verlangen kann, oder 2. wenn er gegründete Be- �denken gegen die Richtigkeit der dem Urteile zugrunde gelegten Tatsachen geltend machen kann, die-«durch die darüber einzu- leitenden Erhebungen nicht entkräftet werden. Der Antrag nach Ziff. 2 kann mir binnen zwei Jahren nach Kundmachung diese» Gesetzes gestellt wenden. Der rechtskräftig Verurteilte kann binnen zwei Jahren nach Kundmachung diese« Gesetzes die Aufhebung dcS feldgericht- lichen oder standgerichtlichen Urteils wegen Nichtigkeit und die neuerliche Durchführung des Verfahrens vor einem bürgerlichen Gericht beantragen, wenn d«? Urteil auf einer Verletzung oder nn- richtigen Anwendung deß Gesetzes beruht. Der Antrag auf Wiederaufnahme des Verfahrens und Aufhebung des Urteils wird bei dem Gerichte gestellt, das nach der bürgerlichen Strafprozeßordnung in erster Instanz zu- ständig gewesen wäre. Dieses Gericht holt die Akten ein und legt sie nach Durchführung der etwa nötigen Beweisaufnah. men und Vernehmung des Antragstellers dem Oberlandes- gcricht vor. Beantragt der Oberstaatsanwalt, selbst Aufhebung des Urteils, so kann es ohne weiteres ans- gehoben werden, im anderen Falle entscheidet ein Senat von drei Richtern in mündlicher Verhandlung, die sich ge- wöhntich auf einen Vortrag über den Gang des Strafverfab- rcmS und die Beschwerdepnnkte gegen das Urteil durch einen ObcrlandesgerichtSrat, auf die Begründung des Antrags durch den Verurteilten oder seinen Verteidiger und auf eine Er- widerung des Oberstaatsanwalts beschränkt: ist aber zur Ent- scheidung über den Antrag eine Beweisaufnahme nötig, so kann der Senat das Beweisverfohren nach den dafür in erster Instanz geltenden Vorschriften selbst durchführen oder durch einen Richter vornehmen lassen. Bei seiner Entscheidung stehen dem OberlandeSgericht drei Möglichkeiten offen. Entweder verwirst es den Antrag als unbegründet o-der ungültig, kann aber gleichwohl in den für da? ordentliche Verfahren vor den bürgerlichen Sträige- richten gesetzten Grenzen die Strafe mildem: außerdem steht dem Antragsteller die Beschwerde an den obersten Gerichts- nnd Kissationshof frei, falls der verworfene Antrag das Ur- teil wegen Nichtigkeit angefochten statte. Oder das Ober- landesgericht gibt dem Antrag statt, bebt das Urteil auf und überweist das weitere Verfahren dem nacb der bürgerlichen Strafprozeßordnung zuständigen Gericht. Oder dritten? fällt das Oberlaudesgericht bei Einmütigkeit und init Zustimmung des Oberstaatsanwalts sofort ein freisprechende? urteil. Der Antragsteller kann die Veröffentlichnng eines solchen Urteils verlangen. Wenn Herr Lorenz Petovar der Rechtsmihltat diese; Gesetze? teilhaftig geworden ist, so wird er noch viele Nach- folger finden, denn in Oesterreich haben, namentlich in de» ersten Kriegsjahren und hauptsächlich in politischen Prozessen die Feldkriegsgerichte eine ungemein fruchtbare Wirksamkeit entfaltet. In weit geringeren! Maße unterstanden und unterstehen in Teutschland Zivilpersonen der Kriegsgerichtsborkeit. aber schon die kurze Dauer des verschärften Belageriingszu- standes in Berlin wegen deS Jmuiorstreiks lehrte»uch eine breitere Oeffentfichkeit. daß außerordentliche Kriegsgerichte überall, was ja schließlich ihr Zweck ist, außerordentliche Ur- -eile fällen. Doch neben den für mobil erklärten Festungen gibt es ein ganzes großes Land, in denen die außerordentlichen Kriegsgerichte seit dem 31. Juli 1914 an der Arbeit sind: l5lsaß-Loth ringen! Freilich wäre die Annahme falsch, daß diese Gerichte sich vornehmlich mit politischen Dingen abgeben und ausschließlich drakonische.Strafen verhängen/ 'Ganz im Gegenteil scheint der Grundsatz: Minima mm curat praetor!(Um Kleinigkeiten kümmert sich der Richter nicht!) für sie nicht zu gelten, denn wenn im Festungsbereich von straßburg oder Metz die Kuh des Hinz aus dem Acker des Kunz ein wenig Saat zertrampelt, so wird Hinz wegen Ueber- schreitung einer Gouvernementsversügung höchst feierlich vön dem außerordentlichen Kriegsgericht zu drei Mark Geldstrafe verdonnert. So beschränkt sich meist der Verhandlungsstoff der �außerordentlichen Kriegsgerichte auf Bagatellen, und als Strafe werfen sie am häufigsten eine niedrige Geldpön aus. Aber daneben kommt es doch auch zu politischen P r o z e s s e n und Urteilen. Der§ 9a und b des Gesetze? über den Belagerungszustand spielt eine große Nolle, und mit ihm der Begriff der„deutschfelndlichen Kundgebung", neben dessen Dehnbarkeit Kautschuk das Sinnbild der Starrheit und Uuveränderlichkeit ist, und der einem feilen und feigen De- uünziantentum allzu üppige Beschäftigung gegeben hat. End- lich haben die außerordentlichen Kriegsgerichte auch harte Zuchthausstrafen ausgesprochen, wo sie den Tatbestand des Landesverrats oder der Begünstigung des Feindes'als erwiesen annahmen. So wenig wie gegen das Erkenntnis der österreichischen Feldkriegsgerichte gibt es gegen das Urteil der außerordent- liehen Kriegsgerichte in Deutschland ein Rechtsmittel; auch eine Wiederaufnahme des Verfahrens ist unmöglich; für! Wesen und Befugnis dieser Einrichtung hat eben immer noch das preußische Gesetz aus dem unglückseligen Reaktionsjahr 1831 Geltung; zu einem Reichsgesetz über Belagerungszustand haben sich Regierung und Reichstag nie aufraffen können, und als der Krieg kam, war es zu spät. Was aber bei einer furzen Kriegsdauer zur Not noch erträglich gewesen wäre, ist setzt ein unerträglicher Gedanke, daß eine Bevölkerung von zwei Millionen Menschen seit vier langen Jahren einet Ge- richtsbarkeit untersteht, deren Sprüche so unumstößlich sind wie die des Schicksals. Mit gutem Grunde hat die Gesetz- gebung unter gewöhnlichen Verhältnissen eine solche fast über- irdische Machtvollkommenheit nur.einer ersten Instanz, dem Reichsgericht in Hoch- und Landesverratsprozessen, zugeteilt, einer Körperschaft also von alten, erfahrenen, angesehenen und ''ebenmal gesiebten Juristen.' Bei den außerordentlichen Kriegsgerichten r>ber entscheiden zwei Zivilrichter llnd drei Offiziere, also eigentlich die drei Militärs, end- gültig über Wohl und Wehe des Angeklagten in einem oft lehr summarischen Verfahren, das der meisten lljechtsbürg- 'chaften der Zivilgerichtspflege entbehrt. Daß patriotischer llebereifer, politische Leidenschaft, nationale Voreingenom- mcnhcit, juristische Unersahrenheit und der Trieb, einzig und allein dem Zweck der Kriegführung zu dienen, bei den außer- ordentlichen Kriegsgerichten weit eher die Tür zu Rechtsirr- tiiimrn und Fehlurteilen öffnet, als bei den gewiß nicht rm- iehlbaren bürgerlichen Gerichten, liegt in den Dingen selbü begründet. Und ausgerechnet die Erkenntnisse dieser unvoll- kommensten aller Gerichtsbarkeiten, von der ein Wort geht, daß die Lynchjustiz immer noch mehr Rechtsgarantien biete als das standrechtliche Verfahren, sind der Nachprüfung und Be- richtigung durch eine andere Instanz entrückt! Das wilderspricht dem ursprünglichsten Rechtsempfinden und darf nicht dauern. Die Gesetzgebung muß, und zwar 'chleunigst, die Möglichkeit eines Rechtsmittels gegen die Urteile der außerordentlichen Kriegsgerichte nach österreichischem Muster schaffen, Heinrich Lerfth.- Ich bin wie du, ein armer Knecht, Bin ein Prolet von Gottes Gnaden. Mit allem, was da gut und schlecht, Bin ich, ein Mensch, von Gott beladen. H. L er sch. „Es ist ein Junge, Herr Lersch!" schreit die Hebamme in die Kesselschmiede. Bum— bumbum— bnm schlagen die Hämmer auf die Klötze. Kein Mensch hört zu. „Es ist ein Junge, Herr Lersch!" schreit die Hebamme noch lauter. „Dunnerkiel!" Der Alte läßt Hammer und Eisen fallen; und geht mit in die Küche. „ÄZo ist er?" Seit einem Jahr da? erste Mal, daß er seine Frau anredet, er sieht ihr halb rauh, halb weich ins Gesicht. „Dunnerkiel!" So leicht ist das Ding? Er hält das weiße Fleisch zärtlich mit beiden dreckigen Schmiedefäusten umklammert, wickelt es in die rußige Lederschürze und trägt es zur Kesselschmiede. Die Frau sagt kein Wort. Bum— bumbum— bum schlagen die Hämmer auf die Klötze. „Halt!" brüllt er die Gesellen an. Erst wischt er mit dem Aermel den Amboß ab, dann legt er das Neugeborene darauf. „Nun bringt ein glühend Stück Eisen her, und hämmert, was ihr könnt!" Und die Kesselschmiede pfeifen ihr frechstes Lied. Bum— bumbum— bum schlagen die Hämmer. Weit vornüber gebeugt, Funken umsprüht, lauert der Alte. " Und das winzige Menschlein lächelt— lächelt, hebt das rechte Ohr ein wenig: Bum— bumbum— bum schlagen die Hämmer ein Wiegenlied nnd hämmern ihm den Rhthmus der Arbeit ins Blut. „Halt!" schreit da der Alte wonnig auf.„Er hat nicht mit der Wimper gezuckt! Er wird ein Kesselschmied!" Und die Hämmer dröhnen wie Glocken gegeneinander:„Er wird ein Dichter!!" H e i n r i ch Z erka u l e n. Die Schßöeljjrotte von LNarviUe. Wer kannte vor dem Kriege die Schädelgrotte von Marville? Erst während des Kriges ist sie bekannt geworden, und viele Feld- graue, die im Maaßgebiete ihr Quartier hatten, haben sie betrach- tet und sich über ihr Geheimnis den Schädel zerbrochen. Sie liegt nicht fern von M o n t m e d y, auf der Höhe einer Bergkuppe west- lich von Marville, in der Eck- des Kirchhofes Saint-Hilaire. Es ist ein unscheinbarer fensterloser Steinbau, dessen Inneres ganz mit menschlichen Schädeln ausgekleidet ist. Meterdicke Mauern bilden diese Menschcnschädel. Kunstgerecht, ähnlich wie Weinflaschen, sind sie Reihe auf Reihe über- und hintereinander aufgebaut und finden ihren Halt in Arm- und Beinknochcn, die dazwischen gelegt sind. Bis zwei Meter unter die Erdoberfläch- reicht dies Gebäude von damit wenigstens die gröbsten Fehler ausgemerzt, die schlimm- sten Härten gemildert werden können. Sache der Mehrheits- Parteien ist es, die parlamentarische Lffensive zu ergreifen, denn es geht nicht wohl an, daß der deutsche Bürger eines ungemein wichtigen Rechtsschutzes entbehrt, dessen sich der österreichische Staatsangehörige erfreut. Was diesem recht ist, ist jenem billig!_ Graf Mirbachs Moröe? entronnen. Moskau, 27. Juli.(P. T. A.) Wie von den örtlichen Behörden gemeldet wird, sind B l u m k i n und andere Teilnehmer an dem Morde des Grafen Mirbach nach der Ukrainer Grenze geflüchtet; ihre Spur ist in der Ukraine verloren gegangen.• Das tzaager Gefaygensnabkommen. Haag, 27. Juli. Wie„Nieuwe Rotterdamsche Courant" ans London berichtet, sagte Cave in seiner bereits gemeldeten Rede im Unterhaus über den Austausch von Kriegsgefange- nen, daß im ganzen etwa 179 999 Kriegsgefangene und Zivilinternierte jeder der beiden Parteien für die Rückbeförderung in die Heimat in Betracht kommen. Keine neuen Irieöensschritte öes papftes. Köln, 27. Juli. Die„Kölnische Volkszeitung" meldet aus Chiafso: Entgegen anderweitigen Gerüchten verlautet in vaiikani- ! scheu Kreisen, daß der Papst vorläufig bei den Kriegführenden leine neuen Friedensschritte zu rmternehmen gedenkt. Das Kardinalstaatssekretariat ist eifrig mit dem Ausbau der d i p l o- matischen Beziehungen des Heiligen Stuhls zu den ver- schiedenften Staaten' beschäftigt. Man hält bedeutende Beschlüsse für bevorstehend, denen eine darauf bezügliche päpstliche Botschaft folgen soll. Die Gegenrevolution. Der Zinfäng der Intervention.� Moskau, 26. Juli. In Sibitien soll eine amerikanische Eisenbahnkommission eingetroffen sein, welche die Leitung der sibirischen Bahnen übernimmt. Wie der General Horvat, der eine Regierung in Charbin ein- setzte und ein Haupttreiber der Jnterventionsidee gewesen ist, sich die E'nmischung der Alliierten dachte, geht aus einem Bericht der „Daily Mail" hervor, auf den jetzt eine besondere Drahtnng hin- weist. Das englische Kriegshetzblatt berichtet nämlich in der Nummer vom 10. Juli über eine Unterredung, die ihr Spezialkorrespondent in Eharbin mit Horvat hatte. Horvat glaubte, daß drei D i v i- f tonen der Ententetruppen genügen würden, um die Ordnung in Sibirien wiederherzustellen. Wer zur Wiedcraufrich- tung der ganzen Ostfront und zur Wiederaufnahme des Krieges gegen Teutschland erachtet er eine Million Soldaten für notwendig. Die erfovdeclicheii Truppen müßten von Japan gestellt werden. Aber sobald erst die Ordnung wiederhergestellt sei, hast er die Anwerbung sibirischer Freiwilliger für die beste Lösung. Die erforderlichen Geld- und Transportmittel sollen von den nbr'gen Ententestaaten, besonders von Ame- rika, geliefert werden. Charbin und Wladiwostok sollen als OperationsbasiL dienen. Die Teilnahme einer amerikanischen oder britischen Division se- erwünscht. Aus diesen Ansichten ist immerhin hinreichend deutlich zu erkennen, daß Horvat ein eifriger Anwalt der amerikanischen Interessen in Sibirien ist._ Wenschenschädeln; im ganzen sind es vielleicht 4(>c»dor Glocke, Berlin. Verlag: Borwärls-Verlag G. m. d. H., Berlin. Druck: BorwürtZ-Buchdruckerei und Berlagsanftalt Paul Singer it. Co. in Verlin. Lindenstrabe 3. Eine Stätte froher und bester Unterhaltung. Wahthafl gute und stohlauvige Unterhaltungen, die Herz und Sinn sröhlich machen und den ganzen Menichcn nnssrischen, sind in dieser schweren Zeit sür jedermann eine Notwendigkeit. Nur das) man solch erfrischende, stottl Pnfftrn Fiptnpnpllhp lltltnfcnlil'tm IPlhpr nn fpfir fnptlirtpn(ZApTItn nomVfeptT frtMtt n-rnt?nrt tff r&«itw FitÄfiav>vpS kSUmilfa an orfitfTtm• rtlW tcfcf frtlTrtn hrn itrrK rvn/f, vorher d as Bewußtsein haben, daß er hier die Sorgen und Plagen des Tages vergessen und einige Stunden in srohester Laune verbringen wird. Um dies voll zu erreichen, hat der Besitzer de« Kaffees und Kabinetts, ficrr Robert Ziclka, schon jetzt gesorgt. Er hat die bedeutendsten.Sterne" die das deutsche Kabarett überhauftt auszuweisen hat, siir die kommende Spielzeit verpflichtet. Wir wollen nur einige Namen nennen: Otto Reuter, diesen glänzenden Improvisator, Darsteller, Sprecher, Coupletsänger, ein Künstler, der das Publikum solange er nur will in fröhlichster Sttmmung erhalten kann; Robert Stetdi, ein Virtuose des Kabaretts als Komiker und im Vortrag des zugeipitzten Couplets: Walter Steiner, der brillante Sprecher, Sänger, Erzähler, dessen Darbieten von unaufhörlichem Lachen begleitet sind. Dann von weiblichen Witwirkenden: Mia Werber, diese bedeutende, stimmgewallige Overn- und Liedersängerin, eine Künstlerin, wie sie nur höchst selten im Kabarett zu hören Ist; Anna Müller- Linke, als Schauspielerin und im Couplctvortrag eine Kormkerin, die nicht nur zum heitersten Lachen bringt, sondern auch künstlerisch wirkt und unterhält. Wer das sind nur ewige, die m diesem Kabarett die Besucher unterhalten werden. 207 16 Doch auch sür den andern sehr großen Teil seine« Kaffeehauses hat Herr Zielka sür starke Zugkraft vorgcsorgt. Diese» Kaffeehaus hat 5 0 B i l I a r d S. die die riesigen Räume des ersten und zweiten Stockwerkes des Equitable-Palast einnehmen, bekanntlich das größte Billard-Kafsee der Welt. Diese große Billard-Wteilung nun soll sür sich gleichsallZ eine starke Anziehung ausüben auf alle, die Billard soielen und auch sür die. jenigen, die gerne dem vollendet tünjlierischen Billardspiel zuschauen. Der beste Billardkünstler Deutschlands und Oesterreichs, der preiszekrönte„Champion" Erich Hagenlocher, kommt im Herbst nach Berlin zurück und wird im Kaffee Zielka wieder sein großes Können zeigen. Daran schließen sich auch große Turniere der Billardmeister Deutschlands und Oesterreichs und auch Wettkämpse zwiichen Fach-Billardküustlern und bedeutenden Billard-Amatcurcn. So wird das Kaffee Zielka für jeden Besucher des Kabaretts oder der Billarvsäle ein Mittelpunkt, ein NlanLpunkt der Unterhaltung, der Anregung und des frohen Berw-ilenS sein.— l'kester iür �oatsx, 29. Juli. Centml- Theater 7-/. übr: Sie Csanlasflirstiu DeDtscbes Opernhaoa T/.uDieFiedermaös Friedrich-Wllhelmst. Tbeater Tv.ubr: Das DreiMaas. Komlncbe Oper TV-. SdrufmlMilel. Kleines Theater 8 Uhr: Artttid und»eine Fehler mit Bassermaim. Metropol-Theater VI, Ubr: Die Rose von StanM Liaatsplelbaaa 7*/, Uhr: Die spanische Fliege Neues Operettentiaus TVztrhr.Der Solilatiler Marie. Realdens-Theater vi, ubr: Fliiw-RWcii. Schlller-Th. Cbarl. 7-i, Uhr: VI, Uhr: Thalia-Theater Theater am Nollendorfplatz vi, Uhr: Dentachea Theater. Heu7e z. letzten Male 8 Uhr: Max Callenberg in Familie Sohimek. Dienstag zum 1. Male: Der feacho Rodt mit Max Pallonborg. Kammeraptele. Allabendlich 7'/, Uhr; Inkognito.(Operette.) Tolkabiihne,Th. a.BOlowpl. AUabendlioh 7'/, Uhr:' Sommernachtstranm. Sic kaufen gebrauchte Bindfaden Zellttloid-,jFilm- Hartgummi- Wachswalzen- Schallplatten S. O r d o w e r G. m. b. H., Keorgenkirchstr. 50 (b. Aleganderplatz) Friedrichstr. 46, Ecke Zimmcrstraße. »-12'/„ 2'/,-6'/r mit dem Schwank Täffl.T»;,. Soniit.3'/,n.7V, Großer Lacherfolg! Geaamt-Gastaplel des Herrnfeld- Theaters Die Kriegsgewinnler. HauptrolL; Dir. A. Hermfeld, Ferd. Gränecker. Jer„KIAS"| Täglich VI, Uhr abends Walhalla- I Theater, Weinbergsweg 1 Tätowierungen, Muttermale, Leberflecke beseitigt schnell und sicher ohne Berufsstömng Tätoex M. 12,00. Apoth. Lauehsteins Versd,, Spremberg L. 44. 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