Ur. ÄO9. 33. Jahrg. Bezugspreis: BterteljShrl.<«> MI, monaU��VMl. frei tnS Haus. vorauszahldar-Eirrzewe Nummern lv Pfennig. Postbezug: MonalUch, vom Postschalter abzuholen 1.6V Mb, vom BriestrSger ms Haus ge- bracht 1,64 Mb Unter Kreuzband fflt Deutschland und Oesterreich- Ungarn 3,— Mt. für das übrige Ausland 4ch0 Mb monatlich. Versand in? Aeld bei direkter Bestellung monalb 1,80 Mb Postbestellungen nehmen an Däne- marl. Holland. Luxemburg. Schweden und die Schweiz, eingetragen in die Post-Z eitungs-Preisltste. Erscheint täglich. Deiegrinnm. Adresse: »Sozialdemokrat verlin». Veplinev VolKsblcikk. ( 10 Pfennig} Anzeigenpreis: DtessebengespaUeneKolonelzeilelosiet 80 Psg.„Kleine Anzeigen», das fettgedruckte Wort 30 Psg.(zulässig 2 fettgedruckte Wortes. ledeS weitere Wort IS Psg. Stellengciuche und Echlasstellenanzeigen das erste Wort 20 Psg.. Ildes weitere Wort 10 Psg. Worte über 16 Buchstabe» zählen sür zwei Korre. Tenerungszujchlag 20°/» Familien-Anzeigen, voiiiische und gewerlschastliche Vereins- Anzeigen 60 Psg. die Zeile. Anzeigen sür die nächste Nummer nillssen bis 5 Uhr nachmittags im HauprgcslMsi. Lerlm 638.68, Lindenltrage 3, vbiegeben «erden. Beössnet von 8 Uhr srüh bis 7 Uhr abends. Zcntralorgan der fozialdemotiratifchcn Partei Deutfcblands. Neüaktion: SW. 6$, Linöenstrahe 3. ssfernivrecher: Amt Moritivlat». Str. ISI SV— 15197. Donnerstag, den 1. August 1918. Expedition: EW. 68, Änöensteaße 3. Zhernsvrechrr: Amt Morinplatf. Str. 151SV— 151S7. Der politikcbe Mord von Kiew. Kiew, 30. Juli. Feldmarschall Von Eichhorn ist heute abend 10 Uhr seine» Verletzungen erlegen, kurz vor ihm desgleichen Hauptmann von Treßler. Kiew, 30. Juli. Ter 23 Jahre alte Täter erklärte bei seiner Vernehmung, aus dem Gouvernement Rjäsan in Rußland zu stammen und gestern aus Moskau im Auf. trage eines kommunistischen Ausschusses in Kiew eingetroffen zu sein, um den Feldmarschall zu ermorden. Berlin, 31. Juli. Die Untersuchung hat bisher folgendes ergeben: Ter Attentäter nennt sich Boris Tonskio, 23 Jahre alt, Vertrauensmann der l i n k e n s o z i a l r e v o I u- tionärcn Partei in Moskau. Er will erst vor einigen Tagen von dort nach Kiew gekommen sein, nachdem er von dem Zentralkomitee seiner Partei den Sluftrag erhalten habe, den Generalfcldmarschall zu töten. Er sei zu dem Zweck mit einer runden Bombe, einem Revolver und Geld ausgestattet worden. In der gestrigen amtlichen Meldung ist gesagt worden, -daß die Spuren des politischen Mordes von Kiew auf die Entente wiesen. Die heutigen Nachrichten weisen aber nur auf die linke sozialrevolutionäre Partei. Weiteres wird man gespannt ettvarten dürfen. Wäre es möglich, den Nachweis da- für zu erbringen, daß der Wille der Entente die Hand der Mörder von Moskau und Kiew geführt hat, so wäre das eine Tatsache von ungeheurer Bedeutung, mit einem solchen Nach- weis wäre der Sache der Gegner ein schwerer Schaden zuge- fügt. Bcweislose Behauptungen in dieser Richtung aufzustellen, wäre dagegen ein grober Fehler, eine politische Ün- klugheit ersten Ranges.. Die Blätter, die das Thema von der Schuld der Entente weiterspinnen, zeigen nur, wie sehr die steigende Verwirrung im Osten, der feindselige Gegensatz zwischen der einheimischen Bevölkerung und der deutschen Besatzung der Entente zugute kommt. Damit haben sie zweifellos recht. Wie aber, wenn diese Zustände im Osten durch eine verfehlte deutsche Politik mitverschuldet wären? Dann hätte eben diese Politik wider Willen der Entente in die Hände gearbeitet. Die kurze Geschichte der Ukraine wird stets eines der denk> würdigsten Kapitel der Weltkriegsgeschichte bleiben. Mit den Sozialrevolutionären,' die jetzt gegen Deutschland den Guerilla krieg der Bombe und der Handgranate führen, hat die deutsche Regierung den ersten Frieden von Brest-Litowsk, den deutsch-ukrainischen Frieden, geschlossen. Von den Sozial- revolutionären ließ sich die deutsche Regierung— trotz ernst- lichsten Abratens der deutschen Sozialdemokratie— dazu verleiten, ihnen Hilfe gegen die Bols-chewiki angedeihen zu lassen. Seitdem hat sich das Blatt wieder gewendet, und die deutsche Politik steht zu den Bolschewikis gegen die Sozial- revolutionäre. Die Hilfeleistung für die Sozialrevolutionäre führte zu den merkwürdigsten völkerrechtlichen Verhältnissen, die die Welt jemals gesehen hat. Die Holubowitsch und Genossen, mit denen die deutsche Regierung in Brest über den Frieden verhandelte, deren Einsicht und Intelligenz im Gegensatz zu den Bolschewiki nicht laut genug gepriesen werden konnte, und die heute als Verurteilte deutscher Feldgerichte im Gefängnis sitzen, glaubten sich der Deutschen als eines Werkzeuges gegen ihte inneren Widersacher bedienen zu können. Sie fühlten sich als die Vertreter eines souveränen neutralen Staates und meinten, der deutschen Mission ebenso das Ende diktieren zu können, wie sie ihren Beginn veranlaßt hatten. Aber nur der Form nach blieb die Ukraine ein souveräner Staat, der sich zur Festigung seiner Stellung fremder Soldaten bediente, in Wirklichkeit wurde sie„besetztes Gebiet", obwohl die Besetzung gar nicht im.Krieg, sondern im Frieden statt- gefunden hatte. Das war eine schwere Enttäuschung für die ukrainische Regierung und besonders für die ukrainische Be- völkerung, die sich den Frieden mit Deutschland ganz anders vorgestellt hatte, als er nun in Wirklichkeit aussah. So kam es zu den verschiedenen Vorgängen, die im Haupt- ausschuß des Reichstages scharfe Kritik fanden. Die Minister wurden verhaftet, die Rada zerstob, es wurden in dem souve- ränen und neutralen Staat Ukraine deutsche Feldge- richte aufgestellt. Es kam Skoropadski, es kam die Ver- urteilung der früheren Minister, es kam der Eisenbahnerstreik und manches andere. Jetzt hat der Hetman Skoropadski der deutschen Regierung sein Beileid ausgesprochen und damit die Nachricht widerlegt, auch er sei schon wieder regierungsmllde und habe zugunsten eines österreichischen Erz- Herzogs abgedankt. Aber wie weit war es davon? Auf keinen Fall kann man behaupten, durch den Moskauer Attentäter sei die, Unruhe erst ins Land getragen worden. Sie war schon zuvor da und sie gipfelte in dem Mord, dem der Feldmarschall und sein Adjutant zum Opfer gefallen sind. Alles in allem herrschen Zustände, an denen die Entente ihre reine Freude haben kann, aber die Frage ist noch nicht geklärt, wie weit sie auf ihre Intrigen, wie weit sie auf Fehlsr der beut- scheu Regierung zurückzuführen sind. Die deutsche Politik hat in Rußland abwechselnd mit So- zialrevolutionären, Bolschewiki und Kadetten zu operieren ver- sucht, sie hat aber in allen Schichten ein Volk gefunden, das mit dem Frieden von Brest-Litowsk nicht zufrieden ist und gegen ihn revoltiert. Zu den übrigen falschen Prophezeiungen der Alldeutschen kann man auch diese legen: die Russen seien keine Franzosen, kennten keinen Revanchepatriotismus, ihr weicher Charakter beuge sich vor der Macht des Siegers, sie müßten nur tüchtig geprügelt werden, dann würden sie schon wieder artig. Jetzt empfiehlt die alldeutsche Presse abermals schärfste Machtentfaltung, ohne zu bedenken, daß zur Macht- entfaltung Kräfte notwendig sind, die man heute vielleicht auch anderswo zweckmäßig brauchen könnte. Auch in Friedenszeiten wäre die Aufgabe, für das ganze Russenreich bis zum Stillen Ozean die Rolle des Gendarmen zu übernehmen, vielleicht etwas groß. Die alldeutsche Presse hat auch immer gesagt, sie wolle keinen„faulen", keinen„hinkenden" Frieden, sondern einen Sieg- und Machtfrieden. Aber, welcher Frieden kann fauler sein, welcher kann mehr hinken als der Sieg- und Machtfrieden von Brest-Litowsk? Wie die deutsche Polltik der Schwierigkeiten im Osten Herr werden soll, ist nicht leicht zu sagen. Desto klarer zeigt sich, was ihr notwendiges Hauptziel ist: den falschen Sonder- frieden von Brest-Litowsk baldmöglichst durch einen ehr- lichen, dauernden Weltfrieden zu ersetzen. « Generalfekdmarschall v. Eichhorn kam am 13. Februar 1848 in BoeÄcm zur Welt. Sein Voter war ReyierimySprästdent, während der Großvater unter Friedrich Wilhelm IV. Staats- minister war. Als junger Offizier mochte er die Feldgüge von 1868 und 1876/71 mit und bracht« ei in dar Friedenskarriere bi» zum Generalobersten. Bei Beginn des Weltkriege» litt er an den Folgen eine» Sturze» vom Pferde, wiederhergestellt übernahm er die 16. Armee. Atz ihrer Spitze befehligte er in der Winterschlacht an den Masurischen Seen den Nordflügel der deutschen Heere. Später nahm er Kowno und Wilna, im Sommer 1916 schlug er BrussilowS Offensive am Narocz-See zurück und ebenso die 5kevenSki-Osfensive im Sommer 1917. Seit Dezember 1917 war er Generalfeldmarschall, seit dem 18. April d. I. Oberbefehlshaber in der Ukraine. » Der.Matin" vom L9. Juli schreibt:„Auf die Käpfe von Mumm und Eichhorn sind von dem Geheimbund der ukraini. scheu Patrioten Preise gesetzt worden." In der Redaktion dieses französischen Blatte» hat man als» die Absichten de» Geheimbundes gekannt! Die Entftheiöung öer französischen Sozialisientagung. Der Sieg der Richtung für Verständigung. Gens, 81. Juli. Im Nationalrat der französischen Sozialisten erzielte die Linke einen großen Sieg. Die Veisammlung»ahm die Tagesordnung Longuet mit 1544 Stimme« an. Sie der- weigert nicht die Kriegskredite, fordert jedoch die Revision der imperialistischen Kriegsziele, sowie die Erteilung v o n P ä s s e n für die internationale sozialistische Konferenz. Ebenso verwirft der Nationalrat die Intervention der Entente in Rußland. Der Nationalrat tadelte die Thomas- Gruppe, die eine der Partei entgegengesetzt« Politik betreibt. Eine von Renaudel eingebrachte Tagesordnung, die einen Kompromiß herbeiführe» soll, blieb mit 1172 Stimme« w der Minderheit. Die ThomaS-Gruppe brachte keine eigene Tagesordnung ein. In der Debatte, die der AMmmung über die Tagesordnung vor- aufgegangen war, machte eine Rede Preffemanes großen Eindruck. Zu den Kriegshetzern um Varenne, Thomas, Compere-Morel gewendet, rief Prrssemane auS:„Morgen muß ganz Frankreich wissen, daß die gesamte Partei gegen Euch ist!" Die Tagesordnung der Gruppe Longuet enthält ein«mÄrück- licheS Bedauern für das Verhaften der aus 41 Abgeordneten bestehenden Kriegsgruppe. Auf die Resolution der Zimmerwalder entfielen 15S Stimmen. Der Nationalrat beriet auch wieder über den Antrag auf E r- Weiterung der Redaktion der Humanitö" im Sinn« einer Mitarbeit aller Gruppen der Partei, die sich gegen RenaudelS einseitige Redaktionsführung richtet. Auf allen Kriegspartoitagen der französischen Sozialisten hat dieser Antrag eine Rolle gespielt, aber eine Aenderung hat er nicht bewirkt. Da der Parteitag jetzt so entschieden gegen die Gruppe Renaudel-Thomas votiert hat. wird fortan eine Aenderung mehr Aussicht haben. Der Rationalrat war dem Vorschlag geneigt und beauftragte eine besondere Kom- Mission mit der Ausarbeitung eine» neuen Statuts des Blatte». Dar Nationalrat beschloß, binnen zweier Monat« einen neuen Kongreß abzuhalten und die Debatten über die Politik wieder aufzunehmen. das Enöe des vierten Kriegs- iahres. Von Richard Gädke. Am letzten Tage des dritten Kriegsjahres begann der englische Feldherr die Schlacht in Flandern, die die Eni- scheidung des Weltkrieges bringen sollte, aber nach monate- langen riesigen Anstrengungen und unerhörten Blutopfern im November mit einem ausgesprochenen Mißerfolge endete. Am Ende des vierten Kriegsjahres hat der französische Oberfeldherr Fach noch einmal den Versuch gemacht, den deut- schen Herren die Vorhand des Handelns zu entreißen und eine große Schlachtentscheidung herbeizuführen. Nicht ohne Geschick in Anlage und Durchführung hat er am 18. Juli einen starken Flankenstoß von Westen her gegen die südwärts gewandte Front angesetzt. Ihm gelang die Ueberraschung, die auch dadurch gesichert wurde, daß der Angreifer diesmal auf jede Vorbereitung durch sein Geschützfeuer verzichtete. Dafür ließ er vor der Front seines Fußvolkes Panzerwagen in großen Geschwadern vorwärtsrollen, die die Linien des deutschen Verteidigers durchbrechen, seine Maschinengewehre unschädlich machen sollten. Im Stellungskriege hat aber ein Flankenangriff nicht ganz die durchschlagende Kraft wie im Bewegungskriege. Einmal pflegen die Flanken recht ausgedehnt zu sein, und dann fehlt die Möglichkeit, die äußersten Flügel des Gegners völlig zu umfassen und einzuwickeln, weil sie Anlehnung an die nichtangegriffenen Stellungsteile finden. So wird auch der Flankenangriff zum Frontalangriff. Trotzdem gelang es Foch, die Deutschen bei Soissons- Chateau-Thierry zurück- zudrängen. Am meisten räumlichen Erfolg hatte sein Angriff dort, wo die beiden Schenkel seiner Schlachtlinie zusammen- stoßen, nordwestlich Chateau-Thierry. Hier konnte der Druck von beiden Seiten sich gegenseitig unterstützen. Die deutsche Stellung zwischen Aisne, Marne und Reims war in glücklichem, mit raschem Zugreifen ausgenutzten An- griff gewonnen worden. Sie konnte bei einer Erneuerung der Vorbewegung nach verschiedenen Richtungen hin erweitert werden. Für die Verteidigung war sie weniger geeignet mrd nahm erhebliche Streitkräfte in Anspruch. Es war an sich vorteilhaft, einen Teil von ihnen zur freien Verwendung der Heeresleitung ausscheiden oder wenigstens den Einsatz neuer Kräfte, die Verausgabung verfügbarer Reserven vermeiden zu können. Der Gedanke, der die berühmte „ManLverierarmse" Fochs entstehen ließ, ist ja an sich eine durchaus gesunde Lehre und keineswegs Erfindung der Gegner. Der ganze Verlauf des vierjährigen Krieges ist ein fortlaufender Beweis, mit welcher Kunst und Tatkraft sich die deutsche Heeresleitung dauernd freie Reserven zu sichern wußte, und sie gerade dort zu verwenden, wo der Gegner eine uns niederschmetternde Entscheidung zu gewinnen hoffte. Ich brauche� nur den Feldzug in Polen, Gorlice, Serbien. Rumänien, Flitsch-Tolmein zu nennen. Nur so haben wir den Krieg bisher siegreich führen, den Osten unserem Schwert gefügig machen können. Unsere weit vorgetriebene Südfront zwischen Chateau- Thierry und Reims konnte leicht in eine schwierige Lage ge- raten, wenn es dem Gegner gelang, an der Westfront weitere Fortschritte zu machen. Er hotte allerdings seine Angriffe eingestellt, konnte sie aber jeden Augenblick wieder aufnehmen .und hat am 29. Juli in der Tat wieder mit starken Angriffen gegen die vorspringende deutsche Ecke westlich F-re en Tar- denois begonnen. So entschloß sich die deutsche Heeresleitung zunächst, am 19. Juli die Stellungen südlich der Marne zu räumen, und in der Nacht vom 26.127. Juli bis hinter den Ourcq zurückzugehen und auch die anschließenden Linien über Ville en Tardenois und beiderseits der Adre zurückzunehmen. Die deutsche Schlachtenfront zwischen Aisne und Marne ist dadurch wesentlich verkürzt und haltbare» geworden. Wir haben etwa 20 Kilometer Raum aufgegeben, stehen aber immer noch 8S Kilometer südlicher als vor dem 27. Mai an der Ailette. Wir haben uns so der Entscheidung in dem Räume entzogen, wo Foch sie zu geben wünschte, gerade so wie dieser am 15. Juli unserem Angriff in der Champagne, östlich Reims, auswich. Man hat gemeint, daß die Schlacht zwischen Soissons und Reims den Uebergang vom Stellungskriege zum B e- Wegungskriege bedeute. Das ist zuviel' gesagt. Der Erfolg ist Foch glücklicherweise versagt geblieben, es in diesem geschickt gewählten Räume zur entscheidenden Mnnöverier- schlacht zu bringen; sein Manöver erstarrte an der Gegenwehr der Deutschen und cm seinen eigenen großen Verlusten. Aber der Stellungskrieg selber ist seit Hindenburgs Rückzug von der Somme im Beginne des Jahres 1917 geschmeidiger und flüssiaer geworden; er klebt nicht mehr am Ortsbegriff oder am Schützengraben der vorderen Linien. Um so mehr ist es ein langsames Abringen der gegenseitigen Kräfte geworden; er geht um Blut und Kriegsgerät. Die deutsche Heeres-, Teitung hat sich wiederholt zu dem Grundsätze bekannt und ihn zu ihrem Glaubensbekenntnis erhoben, in jeder großen Schlacht dem Gegner beträchtlich größere Verluste zuzufügen, als unser eigenes Heer erleidet, und dem Kampfe lieber aus- zuweichen, als diese Absicht stören zu lassen. So wird jede �chlachbzu einem großen Aderlaß, und das Weißbluten, von dem Bismarck einst sprach, wird zur Wirklichkeit. Die Sck cht zwischen S o i s s o n s und Reims, die imme".ich eine Front von 60 Kilometer umspannt, geht dem Anh.. ein nach von dem vierten in das fünfte Kriegsjahr hinift-". Ob aus ihr heraus sich schließlich doch noch der Be- weguugskrieg entroickeln wird, ob eine Entscheidung an an- derer Stelle vorbereitet wird, während hier noch das harte Ringen weiter geht, wer vermag es zn sagen. Auffällig ist die sehr lebhafte unablässige Tätigkeit der Engländer auf ihrer Heeresfront! ob wir in ihr nur den Wunsch zu er- blicken haben, möglichst starke deutsche Kräfte dort zu fesseln, ob wir darin ein ängstliches Ueberwachen erblicken müssen, läßt sich von hier aus nicht beurteilen. Der Krieg im Westen aber scheint neuen Höhepunkten zuzustreben! ob die Hand des Stärkeren, wenn der Aderlaß weit genug vorgeschritten ist. noch die Kraft haben wird, den Vernichtnngsschlag auf das Haupt der anderen niedersausen zu lassen, wer möchte dar- über eine Prophezeiung wagen I In Italien ist die Kriegslage wesentlich ruhiger als im Westen. Nachdem die Elemente und der Verrat den Vor- stoß unserer Bundesgenossen durchkreuzt hatten, haben doch auch die Gegner' sich außerstande gesehen, ihren Erfolg ans- zunutzen. Abgesehen von dem üblichen Hin und Her des Stellungskrieges stehen sich beide Teile wieder abwartend gegenüber. Doch scheint es, als ob d i e A m e r i k a n e r auch an jene Front Truppen abgeben müssen, was immerhin eine Erleichterung für unsere Unternehmungen in Frankreich be- deuten und außerdem beweisen würde, daß die Italiener sortgesetzt mit einer Erneuerung des österreichischen Angriffes rechnen. In A l b a n i e n ist der Krieg seit dem 9. Juli lebhafter geworden, als er seit langem war. Nachdem die Oesterreicher und Ungarn Angriffe starker französischer und italienischer Kräfte zunächst ausgewickw waren, haben sie am 24. Juli, anscheinend nach Eintreffen von Verstärkungen, ihrerseits zum Angriff ausgeholt, den Pomonin wieder erreicht und ihn in der Mündungsebene auch überschritten. Dann aber haben aufs neue kräftige feindliche Gegenstöße eingesetzt, die bisher ergebnislos verliefen. Die Verhältnisse im Kaukasus, in Persien und Mesopo- tamien sind unklar! doch stehen die Engländer noch immer nördlich Bagdad und scheinen in Persien im Vordringen gegen Norde.n begriffen zu sein. In P a l ä st i n a ist es in den setzten Tagen wieder unruhiger geworden: die Engländer haben zn beiden Seiten des Jordan mehrfache Schlappen er- litten, die Türken Angriffe der aufständischen Araber gegen die Hedsckpsbahn siegreich abgeschlagen. Auch in Asien hat das vierte Kriegsjahr eine endgültige Entscheidimg noch nicht gebracht._ Die Verlufte öes Verbandes feit Kriegsbeginn. Berlin, Zt. Juli.(W. T. B.) Bereits am 2. August 1917 betrugen die Verluste des Verbandes nach vorsichtiger Schätzung über 18 Millionen Mann. Diy' blutigen Niederlagen des inzwischen vergangenen Kriegsjahres, die demv Verbände überall neue unerhörte Opfer kosteten, haben diese Zahl auf SS Millionen erhöht. Gierbon hat Rußland seine Hilfe für die Machtpläne der Weststaaten nach einer Neußerung des Petersburger Presse- kommissarS KuSmin am 6. Juli 1918 mit Millionen Toter, 8 Millionen Verwundeter und Krüppel und 3 Millionen Gefangener bezahlen müssen. Die Franzosen und Engländer haben allein 1917 im flandrischen Blutsumpf weit über ein« halbe Million Soldaten und in den ersten drei Monaten der deutschen Westoffenstve 1918 eine weitere Million verloren. Rechnet man die schwere Ein- büße der Franzosen am Ehemin-des-DameS im Oktober, der Engländer bei Cambrai. im November 1917 und die jetzige, alles bisher an Verlusten Dagewesene übersteigende Gegen- offensive Fochs hinzu, so zählt heute Frankreich über 5 Millionen, England über 2 800 000 schwarze und weihe Tote, Vor- wundctc und Gefangene. Nicht weniger schwer hat Italien im vierten Kriegs jähr gelitten. Hatte eS am 2. August 1917 1 000 009 Mann Verluste, so hat eS heute nach der 11. und dem Zusammenbruch der 12. Jsonzoschlacht 1917, die allein über eine halbe Million seiner Soldaten verschlang, und den Kämpfen an der Gebirgs- und Piave-Front 1918 weitere 800 000 Mann geopfert. Am ver> nichtendsten hat der Krieg die Volkskraft der kleinen Hilfs- st a a t e n des Verbandes getroffen. Serbien hat seine Teil- nähme am Kriege mit fast seiner ganzen erwachsenen männlichen Bevölkerung bezahlt. Rumänien hat die Hälfte seiner Armee verloren. Rechnet man Belgier, Montenegriner und Amerikaner hinzu, so ergibt sich als Gesamtziffer der Ver- bandsverluste die Einwohnerzahl von Spanien und Portugal zu- sammengerechnet: 28 Millionen Menschen. »Das sozialistische vaterlanü in Gefahr!"'. Aufruf der Bolfchetviki. Moskau, 39. Juli. In der gestrige» gemeinsamen Sitzung des ansführeuden Hauptausschusscs des Moskauer Rates und der Arbeiterorganisationen im Großen Theater, an der zweitansend Mitglieder teilnahmen, wurde nach Reden Lenins und Trotzkis folgende E u t s ch l i« n g angenommen: 1. Das sozialistische Vaterland befindet sich in Gefahr. 2. Hauptaufgabe« des gegenwärtigen Augenblicks sind Abwehr der T f ch e ch o- S l o w a k e n und Zufuhr von Getreide. 3. Unter den Arbeitermassen ist die kräftigste Agitation zur Ausklärung über den Ernst der Lage einzuleiten. 4. Gegenüber der Bourgeoisie, die sich überall der Gegen- revolution anschließt, ist die Wachsamkeit zu vermehren. Die Sowjetregierung muß sich den Rücken decken. Zu diesem Zweck muß die Bourgeoisie unter Kontrolle gestellt und in der Praxis gegen sie d e r M a s s e n t e r r o r durch. geführt werden. 5. Allgemeine Losung muß sein: Tod oder Sieg! Massenexpedition nach Brot, Maffeuausbildnng in militärischer Beziehung, Massenbewaffnnog der Arbeiter und Anspannung aller Kräfte zum Kampf gegen die gegenrevolntionäre Lour- geoisie l Wranzöfisch-amerikanischeS Anstürmen am Meuniöre-Walde nnd östlich Före en Tar- denois— Merris in englischer Hand. Berlin, 31. Juli 1918, abends. Amtlich. An der Kampffront herrschte tagsüber Ruhe. Amtlich. G r o ß» s H a» p t q u a r t i e r, 31. Jnli 19t8.> wurde ei» heftiger Teilangriff des Feindes abgewiesen. Zwischen Fbre en Tardenois und dem Meuuivre- Walde stürmten Franzosen nnd Amerikaner gegen Mittag er- ncut in tiefer Gliederung an. Ihre Angriffe sind blutig ge- scheitert. Auch am Walde selbst brach sechsmal wiederholter An» stürm des Feindes zusammen. Unsere Infanterie stieß dem geschlagenen Feinde vielfach nach und setzte sich im Borgelände ihrer Linie fest. Oestlich von Fdre en TardenoiS er- neuerte der Gegner am Abend nnd während der Rächt ohne Erfolg seine verlustreichen Angriffe. Ebenso scheiterten feindliche Teilangriffe bei Romigntz. Wir machten in den Kämpfen der letzten Tag« mehr als 4 000 Gefangene. Damit steigt die Zahl der seit dem 1ö. Juli gemachten Gefangenen auf mehr als 24 090. Gestern schössen wir im Luftkampf 19 feindliche Flugzeuge ab. Leutnant Locwenhardt errang seinen 47. und 48., Leut- nant Bolle seinen 27. Luftsicq. Der Erste Generalauartirrmrister. Ludrndorff. Der österreichische Bericht. Wien, 31. Juli. Amtlich wird verlantbart: Italienischer Kriegsschauplatz. Im Gebiete des S a s s e r o s s o brachte uns ei» erfolgreiches Tturmtruppnnternehmen 25 Gefangene ein. An der ganzen italienischen Front sehr lebhafte Flieger- tätigkrit. Albanien. Unserem andauernden Drucke nachgebend, räumte der Feind heute früh an mehreren Stelle» seine vordersten Linie». Der Ehef de? GemeralstabeS. „Jsvestija" vom 30. Juli bringt unter der Ueberschrift „Das sozialistische' Vaterland in Gefahr" folgenden Leitartikel von S t e ck l o w: Die englisch-französischen Imperialisten ope- rieten planmäßig, auch ein Blinder kann sehen, daß die ver- schiedenen Vorgänge von einem Zentrum ausgehen, wie auf Kommando. Dieses geheime Zentrum ist jetzt bekannt. Es sind die Kriegsstäbe und die diplomatischen Kanzleien des Entente- Imperialismus. Jetzt ist die Räte-Republik von Norden, Osten und Südosten durch einen Halbring von KriegSoPerationen umzingelt, wo die äußeren Feinde mit den Elementen der Gegenrevolution eine Front bilden. Jetzt ist die Gefahr eigentlich noch weit größer als im Februar. Heroische Entschlüsse sind nötig. Der Todfeind klopft sckpn an die Pforte der Räte-Republik. Er bringt Ketten den Massen und Tod den Führern. In Gefahr ist nicht nur die Sowjetrepublik, sondern das Weltproletariat, welches in der Räte-Republik sein Ideal sieht. Möge überall die Alarmglocke ertönen, das sozialistische Vaterland ist in Gefahr. Die sibirische„Post" bringt einen Leitartikel von Rain, in dem es heißt: die tschecho-flowakische Gefahr wächst. Die Getreidezentren sind verloren, die Wasser- straßen und östlichen Eisenbahnknoten eben- falls? Es ist schwer zudenken, was aus der Räte-Republik werden soll, wenn die Vorwärtsbewegung der Tschecho-SIowaken ebenso schnell vorwärts geht wie bisher. Ein Aufruf des Volksbeauftragten für innere Angelegen- Helten an die Gouvernements- und Kriegsausschiisse erklärt, daß Moskau und Petersburg bereits vier Tage ohne Brot seien und fordert dringend zur Rettung der Hauptstädte vor der Hungersnot auf. Laut einer Meldung der amtlichen„Jswestija. ist Jekateriuburg von den Tschccho-Slowakeu genommen worden. Die bolschewistische Presse schlägt aus diesem Anlaß Alarm und ruft zu den Waffen. Wie eine Lawine, so schreibt „Prawda", wächst die tschecho-slowakische Gefahr, wie ein Oel- fleck auf dem Papier dehnt sich die Gegenrevolution aus. Kein Pardon dem Feinde! Der Hungerring muß gesprengt werden. Stockholm, 31. Juli.(T. U.) Auf Umwegen laufen nach Petersburg und Moskau haarsträubende Nachrichten über das Vorgehen der Tfchecho-Slowaken ein, die keine Bolschewiki schonen. Wie festgestellt wurde, machen sie überhaupt keine Gefangene und behandeln die in Gesangen- schaft geratenen Soldaten der Roten Armee als Banditen. Sie werden in Reihen aufgestellt und einfach niedergeschossen. Einige Hinterbliebene müffen dann die Kameraden in selbstgegrabenen Grüften beerdigen, worauf sie auch erschoffen werden. Der Hunger und die Ernte. Woronesch, 29. Juli.(P. T. A.) Das Exekutivkomitee des Gouvernements hat Maßregeln getroffen, um den Raub des von Großgrundbesitzern gesäten Getreides durch die Bauern zu ver- hindern. Die Erzeugnisse des Großgrundbesitzes werden für die Sowjetrepublik verwendet. Nischnij-Nowgorod, 29. Juli.(P. T. A.) Wegen der Lebens- mittellage der Stadt werden auf Veranlassung der Stadtviertel- organisationm für die Bewohner bestimmter Stadtviertel gemein- schaftliche Speisesäle errichtet. Tut«, 29. Juli. sP. T. A.) Durch das Exekutivkomitee des Gouvernements sind Maßregeln zur baldigen Ernte getroffen wor- den. Es wurde ein« bestimmte Frist zum Auswahlen des Ge- treides festgesetzt. Das bis zum 16 Oktober noch nicht gedroschene, Getreide wird beschlagnahmt werden. Zur Unterstützung der Bauern bei der Ernte tverden Arbeiterver- bände organisiert, die mit landwirffchaftlichen Maschinen versehen werden. �_■_ Saratow, 29. Juli.(P. N. E.J Der VolkSwi rifchaftS- rat hat aus seinen Müteln 200 000 Rube? zum Einkauf von Sensen zur Verfügung gestellt. Die Sensen sollen an die Dorf- bevölkerung des Gouvernements weiterverkauft werden. Die Kämpfe. Stockholm, 31. Juli. sT. U.) Die Meldung der Sowjetregie- rung, daß Jrkutsk noch von den Bolschewiki gehalten wird, bestätigt sich nicht. Die aus Jrkutsk zurückgegangenen Bol- schewikitrupp�en haben sich in Wirchnij-lldinek, am Beikal- See, festgesetzt und bereiten sich zu neuen entscheidenden Kämpfen mit den Tschecho-Slowaken, die diese Gegend noch nicht besetzen konnten, vor. Die Bolschewiki verfügen dort über 8000 Mann In- fanterie, 1500 Mann Kavallerie, über 67 Geschütze und 150 Ma- schinengewehre. Infolge der beschädigten Amurlinie ist die Verbindung zwischen den Bolschewiki des Transbaikals und den Bol- schewiki der Amurgegend sehr erschwert. Woskau, 29. Juli.(P. T. A.) Die Erfolge der Rätetruppe« in den Bezirken von Hopersk und Ustj-Medvidizk im T-ngebiet be- stätigen sich. Ter Befehlshaber des gegnerischen Teils verweist in einem Tagesbefehl darauf, daß eine Anzahl Kosaken Kcrmpfesun- lust gezeigt und sich dem bolschewistischen Befehlshaber Mironcm» gefangen gegeben hätten. Die Regierung in Samara und die Bauern. Der Petersburger Telegraphenagentur werden interessante Berichte darüber übermittelt, wie die Bauern des Gouvenements Samara sich zu der dort entstandenen rechten S.-R.-R e g i e- rung verhalten. ES stellt sich heraus, daß in den von den Tschecho-Slowaken nicht eingenommenen Kreisen diese Regie- rung keinen Einfluß hat. In der ersten Zeit nach der Besetzung der Stadt Samara durch die Tschecho-Slowaken hatte diese Regierung eine Verfügung an alle Amtsbezirke erlassen, alle Räte auseinanderzujagen Und die ganze Macht den Samftwos zu übergeben, aber diese Verordnung stieß auf einstimmigen Wider- stand seitens der Bauern. Auf den wiederholten Befehl, die Räte auseinanderzutreiben, antworteten die Bauern durch Mobilisation der Roten Armee und erklärten, daß sie bereit seien, eilte Schlacht zu liefern. Die Regierung in Samara nahm jedoch die Schlacht nicht an und zog eS vor, sich mit ihrer Macht auf dem Territorum der Stadt Samara zu begnügen. Di« Bauernschaft dereinigte sieben Amtsbezirke zur gemeinsamen Leitung der landwirffchaft- lichen Arbeiten. Unter Einwirkung dieses Zentrums wachsen die Kommunen, die vorläufig noch nicht groß sind; aber aller Wahr- scheinlichkeit nach wird zum Herbst eine Vereinigung dieser Kom- munen in große wirffchaftliche Arbeitsgemeinschaften stattfinden. Baku. Kowno, 29. Just. Neber die Zustände in Baku melden die „Baltisch-Litauischen Mitteilungen" nach der„Nowoje Wjedomosti", daß die Stadt fast vollständig abgeschnitten ist und nur mit Mühe den Verkehrsweg über das Kaspische Meer nach Astrachan offen hält. In der Stadt haben die Sowjetdeputierte» da? Heft in der �and. Lebensmittel sind fast nicht vorhanden. Die Stadt hat Gutscheine ausgegeben, die einen noch niedrigeren Kurs als die KerenSkirubel haben. Nach dem Bericht des Ge- währsmanneS der russischen Zeitung, des Bevollmächtigten einer Petersburger Naphthagesellfchaft, zahlt man für 100 Gramm Roggenmehl 12 KerenSkirubel, für das gleiche Quantum Zucker 25 Rubel, für ein Arschin(gleich 72 Zentimeter) schlechten Stoffes 235 ubis 250 Rubel. Di« Naphthaindustrie liegt fast vollständig still, da die meisten Arbeiter des HungerS wegen fortgezogon sind. Dazu kam der Versuch des oft lichen Sowjets bis gesamten Raphthagnellen zu nationalisieren, der jedoch von. MoSkauauS unterbunden wurde. Die Naphthaproduttion ist auherordent- lich zurückgegangen, selbst die vorhandenen Vorräte können nicht ab- transportiert werden. Seit Beginn der Schiffahrt bis Ende Juli konnte nur der fünfte Teil der in früheren Jahren fortge- schafften Mengen nach Astrachan abtransportiert werden. Die Räteregierung und das Schulwese«. Petersburg, 29. Juli.(P. T. A.) Der Volkskommissar für Volksaufklärung? Lunaffcharski, teilte bei einer Unterredung mit, daß auf der in Moskau stattgehabten Konferenz über die Organi- fation des Schulwesens in Rußland die Peteilignng der Studenten an der Selb st Verwaltung im Prinzip zu» gelassen worden ist. Die Umgestaltung des höheren Schulwesens wird folgendermaßen geplant: Die höheren Lehranstalten werden ein« besondere Kommission aus Vertretern der Konferenz und den Vertveiern des Kommissariats für BolkSaufllärung bilden. Danach wird das Prinzip den Universitäten Zur Besprechung vorgelegt werden wo es von den jüngeren Lehrern und Studenten durch- gesehen.' erden wird. Dann wird das Projekt zur Bestätigung an die Konferenz des höheren Schulwesens, welche in Moskau ein, berufen werden soll, eingereicht werden. Die Umgestaltung de» höheren Schulwesens wird noch bis Anfang des neuen Schul- semester» durchgeführt werden. Das Kommissariat der VolkSauftlärnng wandte sich an den Sowjet der Volkskommissare mit der Bitte wegen finanzieller Unterstützung der Schulen in den zeitweilig okkupierten Bezirken. Die Lehrer dieser Schulen befinden sich in jämmerlicher Lage. Das Kommissariat beabsichtigt, ihnen eine finanzielle Unter» stützung zu gewähren, die von dem am nächstgelegenen Arbeiter- und Bauernabgeordnetonrat erhoben werden kann. Zu diesem Zweck hat das Kommissariat dem Arbeiter- und Abgeordnetenrat des W e st g e b i e t s bereit» einen Borschuß von 1 Million Rubel eingehändigt. Wolvgda, 29. Juli.(P. T. A.) Die Zusammenkunft von Vertretern der Volksaufklärungsabteilung ist beendet. Ein Eni- Wurf zur Eröffnung von Fortbildungskursen im ganzen Gouverne- ment ist ausgearbeitet. Mit der Ausführung wurde bereit» be- gönnen. SimbirSk, 29. Juli.(P. T. A.) In der nächsten Zeit werden vom Volkswirtschaftsrat Kurse für Kooperation»inst ruktcur« eröffnet, sowohl für Erzeuger wie auch für Abnehmer. Die Propaganda gegen den britischen Munitionsftreik. Der Londoner Korrespondent des„Politiken" gibt seinem Blatte einen Drahtbericht über die Propagandamittel, durch die der MunitionSstreik bekämpft und schließlich überwunden wurde. Namentlich die Seeleute taten sich in der Bekämpfung der Streikenden hervor. Viele hundert organisierte Seeleute von torpedierten Schiffen zogen durch die Straßen der Brennpunkte de? Streikgebiets und baten die Arbeiter, zu überlegen, was ge. schchen würde, wenn die Seeleute in der Lebensmittelzufuhr für die Streikenden ihrerseits streikten. Die Antistreikredner feien aber überall so klug gewesen, die Streikenden nicht zu reizen, sondern ihnen in» Gewissen zu«den nnd sich an ihre Vater« landsliebe zn wenden. Den Ausschlag hat natürlich nicht diese Agitation sondern Lloyd Georges Schützezvgrgheudro�ung geyche«. � Hr. 209 ♦ 55. Jahrgang Seilage öes Vorwärts vontterstag, 1. August 191 s Sas Eisenbahnunglück bei LanSsbeeg. Tie Zahl der Opfer des furchtbaren Eisenbahnunglücks, das sich am Dienstag vormittag auf der Ostbahn zugetragen hat, beträgt nach den bisherigen Feststellungen 43 Tote und 24 Schwerverletzte. Tie bisher festgestellten Namen der Toten sind fol' gende: 1. Kaufmann Sigismund Pollnow, Verlin, Älte Schön hauser Straße. 2. Speisewagenckellner Sigismund I a s s e, Berlin. 3. Soldat Richard Theus, Wilmersdorf, Nachrichten ersatzabteilung 7,J5. 4. Emil Baron, Spandau, Achenbachstr. 12. 5. Kaufmann Leo Krakauer, Eronc. 6. Dessen Frau Frieda. 7. Fräulein(Säcilie Fähnrich, Trebitsch, Kr. Schwerin a. W. 8. Pächter Robert Schmidt, Eulam, Kr. Landsbcrg. 9. Artillericleutnant Marder, Bromberg. 10. Hauptmann Bruno Marcziekowski vom General kommando 1. A.-K. 11. Landsturmmann Richard Krüger, 2. Komp. Feld-Rekru tendepot der 206. Jnf.-Div. 12. Feldgendarm Sergeant Fischer, Militärverwaltung Su walki. 13. Soldat Robert O e l z e n, Köln, Elsasier Str. 27, Feld artillerieregiment 31. 14. Schneidermeister Franz Walter, Leopoldsfahrt, Kr. Landsbcrg. 15. Schaffner Domke, Bromberg. 16. Julius Scelig, Samtoschin, Kr. Kolmar. 17. Franz Schweiger, Wronke. 18. Lehrling Artnr Martin, Bromberg. 19. Postschaffner Lehre vom Postamt 2, Warschau. 20. Holzagent Bernhard Midowiek, Kalnszin, Gouv. Man schau. 2' Fräulein Helene Fräßdorf. Lohburg, Kr. Magdeburg. 22. Schülerin Anneliese Neu mann, Steglitz, Kissinger Straße 10. 23. Gutsbesitzerfrau R a u, Knauwalde, Kr. Dt.-Krone. Tie Toten konnten bisher nicht sämtlich festgestellt werden, da die Leichen zum Teil sehr v e r st ü m m e l t sind, zum Teil, besonders bei Frauen, Ausweispapiere, die ja nicht in den Kleidertaschen getragen werden, fehlen. Hier kann die Fest stellnng nur auf Grund von vorgefundenen Schmucksachen oder besonderen Kennzeichen erfolgen. Bei zwei Frauen, die auf dem Transport von der Unglücksstelle nach dem Krankenhause starben, wurden folgende Schmucksachen ge fanden: Bei der älteren ein Ehering mit dem eingravierten Namen„Bruno", ein Schlangenring mit zwei Brillanten und ein Ring mit großer, weißer Perle: bei der anderen ein Kriegs- r'"g. Beide Frauen möchten schätzungsweise Anfang der vier z zer Jahre gestanden haben. Die Liste der Schwervcrlctztrn umfaßt folgende Personen: 1. Frieda Marie, Speisewagenkellnerin aus Charlotten- bürg: 2. Oberarzt Dr. Eduard Rosen stiel, Straßburg i. Eis.: 3. Damenschneider Gustav Marten aus Frohnau l"! Berlin: 4. dessen Ehefrau Berta: 0. Kaufmann Louis L ö w e n s o h n, Wronke; 6. Kaufmann Max R i e s e n f e l d aus Bromberg: 7. Silberputzerin in: Speiselvagen, Hildegard H o f aus B c r I i n- M o a b i t: 8. Lehrer Gustav N o a ck, Cüstom, Kr. Arnswalde: 9. Kaufmann Felix Maschuka, Berlin NO., Kcibelstraße 43: 10. Küchcnmädchen Martha R a h n aus Charlottenburg: 11. Gertrud Herbert, Stapkowo bei Lubasch, Kr. Czarnikau: 12. Schmied Kasimir M a d z i a r z aus Spandau, Falkenhagener Straße 52; 13. Postschaffner Simon Kellner aus Mühlhausen i. Baden; 14. Kaufmann Wilhelm Thiede, Bromberg, Elisabethstr. 11; 15. Handelsmann Jan Sopiezaiski, Gcmbitz, Kr. Mogilno; 10. Kriegsbeschädigter Karl Radtke aus Grünberg, Kr. Samter: 17. Margarete Theus, 5iolmar i. Posen: 18. Fräu- lein Elise Weise, Lauban i. Schieß: 19. Frau Elise Kopp, Altklückcn, Kr. Arnswalde: 20. Schaffner Ernst Brcdlow aus Landsberg; 21. Landrat v. Geyer aus Arnswalde; 22. Sergeant Z e ni i s ch, Fußart.-Reg. 26, Batterie 5; 23. Ossi- zierstellvertrcter Zin2>ler, Res.-Feldart.-Reg. 3, Batterie 6; 21 Wehrmann Gustav L ü ck, Gefangenenlager Wicdenborstcl. Einem Bericht, den die Staatsanwaltschaft in Landsberg über den Vorfall erstattet hat, entnehmen wir folgendes: Die Wagen des D-Zuges und des Güterzuges, die vollständig demoliert waren, brannten noch bis zum späten Abend. Es ist leicht inöglich, daß sich noch ni e h r e r e Opfer unter den Trümmern befinden. Nach den vorläufigen Feststellungen, die sich auf die Aussagen der Bahnbeamtcn stützen, ist die Kolbenstange des Güterzuges mit großer Wucht aus dem Getriebe weggeflogen und hat die Schienen des parallel lausenden D-Zuges ausgebeult. Ter Güterzug hielt sofort, und das Personal, das die Gefahr für den herankommenden D-Zug beinerkte, suchte durch Winken und Schreien den Lokoniotiv- führer aufmerksam zu machen. Ter Führer des D-Zugcs bremste auch und verlangsamte die Fahrt, konnte aber die jtatastrophe nicht mehr verhindern. Die D-Zug-Maschine sprang nach links auf den stehenden Güterzug, und die Folge war das Unglück. Kaum war das Unglück bekannt geworden, als auch bereits aus den umliegenden Dörfern große Mensche n m enge n, hauptsächlich Frauen, herbeiströmten. Mannschaften und Gendarmen mußten aufgeboten werden,' um D i e b st ä hl e und eine Beraubung der Toten und V c-r w u n d e t c n sowie der Güter zu verhindern. So gelang es dem Eingreifen des Majors Werner, mehrere Bahn- beamte dabei abzufassen, als sie sich Wert- gegen stünde aneignen wollten. Erst die aller- schärfste Absperrung schaffte die nötige Ordnung. Bei einem Toten, dessen Personalien noch nicht festgestellt werden konnten, wurden 32 000 M. in der Brieftasche gefunden. Da niemand eine Schuld an der Katastrophe trifft, wird der Staatsanwalt die Untersuchung abschließen und die Leichen freigeben. Eine amtliche Mitteilung erklärt, daß das Unglück„an- scheinend auf menschliches Verschulden nicht zu- xückzuführcn" sei, Zu dieser letzten Feststellung wäre zu bemerken, daß zwar einen einzelnen keine Schuld an dem Unglück treffen mag, daß es aber doch dringend nötig sein dürfte, festznstsllen/ wie die Katastrophe stattfinden und eine derartige Ausdehnung aw nehmen konnte. Dabei wären vor allem zwei Punkte auf zuklären: 1. Wann ist der Zustand der schadhaften Lokomotiv kolbenstange zum letztenmal vor den? Unfall geprüft worden? 2. Wie war es möglich, daß die Eisenbahnwagen drei S t u w den lang gebrannt haben? Waren keine Feuerlöfch mittel zur Hand? Wo blieben die Feuerwehren aus Lands berg, Küstrin, Kietz, Zantoch, Gurkow usw.? Wenn Magnesium Fackeln zur Stelle waren, hätten auch Fcncrlöschinittel in ge� nügender und zweckdienlicher Menge vorhanden sein iniissen. Mit Bränden muß heute mehr denn je zuvor gerechnet werden. Das Material ist zum großen Teil verbraucht, die Ziige sind jetzt weit mehr als sonst von weiblichen Personen besetzt und bedient. Die Ausrüstung der Züge mit praktisch erprobten Feuerlöschmitteln ist eine Bedingung, der sich die Eisenbahn direktioncn nicht entziehen können. Warnung. Von heute ab, verehrter Zeitgenosie, ist es gefährlich, auf den Fiinkenkutschen der„Großen" ungeknipst herumzurutschen— ch du's versiehst, hat man dich bei der Flosie. Ist dir's geglückt, ein Trittbrett zu erstürmen, so brülle nach dem Schaffner wie besessen, sonst schröpft dir ein Kontrollrich unterdessen die letzte Mark. Läßt dich per Beene türmen. Dann rennst du ohne Geld in tausend Aengsten, das Herz voll Wut, Erbitterung und Ekel den nächsten Weg von Tempelhof nach Tegel. Wie sagt das Sprichwort? Ehrlich währt am längsten! Du bist gewarnt! Versuche im Gedrängel selbst mit Gewalt den Mammon loszuwerden; die Schuld rächt sich mit einer Mark auf Erden, und freudig quietscht der Dividcndenschwengel... _ P a u I ch e n. Die Heimfahrt nach Feierabend ist jetzt für Arbeiter und Angestellte eine der bittersten Zugaben zu ihrer Berufs- und Crweibstätigleit. Als Vergnügen cinpfindet die Groß-Berlincr Verlebrszustände auch der nicht, der ausgeruht zu seiner Arbeitsstätte fährt. Aber nach ermüdender TagcS- oder Nacht arbeit die lange Hcimfahrl stehend in einem biö zur GesundheitSi und Lebensgesährlichkcil übcrsüllten Wagen macheu zu müssen, ist eine doppelt harte Zumutung. Für manche in abgelegenen Vor orten untergebrachte Betriebe stellt die Stratzenbahugesellschast br sondere Wagen, die namentlich dann unbedingt nötig sind, wenn der Schichtwechsel zu spätester Abendstunde erfolgt. Wird man für möglich halten, dah selbst hierbei die Stratzen- bahngesellschaft versagt? In Weißen sec soll sie für die Ar- beiler und Arbeiterinnen des Nüstungkbctriebs Riebe, dessen Werkstätten sich tveit draußen befinden, allabendlich mehrere Wagen zur Heimfahrt bereit halten. Auch da haben, wie eine unS zugehende Beschwerde meldet, sich schon tolle Auftritte ab- gespielt,' weil man vorn Straßenbahnhof nicht genug Wagen ab- gehen ließ. Als Grund wird angegeben, daß manchmal sticht genug Schaffnerinnen zur Stelle seien, um olle Wagen zu besetzen. Wie wenn sich diesem Uebcl nicht leicht abhelfen ließe! Wer da draußen tvegen Wagenüberfüllung zurückgewiesen tvird, kann lange warten. bis er nach Berlin kommt. Am schlimmsten find die Zurückweisungen für diejenigen, die Anschluß an die Eisenbahn suchen, und vom Ringbahnhof Weißensee oder vorn Stadlbahnhof Alexanderplatz weiterfahren möchten. Verspätung kann bei der Spärlichkeit des abendlichen Zugverkehrs eine Wartezeit von 1—2 Stunden kosten. Wer gar den letzten Borortzug verpaßt, fitzt bis zum nächsten Morgen fest. Solchen besonders für die Arbeiterbevölkerung sehr unan« genehmen Mängeln des StraßenbahndctriebeS abzuhelfen, sollte bei einiger Umsicht nicht möglich sein? Gegen die Vertenerung der Umzöge empfiehlt eine Zuschrift die Festsetzung von Höchstpreisen für Möbel fuhren. Im Hinblick auf die wachsenden Schwierigkeiten der Be� schasfung von Fuhrwerk zu Umzügen kann man den Wunsch nach behördlicher Regelung verstehen. Umziehen zu müsien, ist für Minderbemittelte jetzt ein harter Schlag. Nötig wäre nicht nur eine den Umzugkwucher eindämmende Festsetzung von H ö ch st- preisen unter Berücksichtigung der Arbeitsleistung(Größe des Wagen?, Zahl der Hilfskräfte, Dauer des Umzugs), sondern auch die Einrichtung einer amtlichen Vermittlungsstelle für Angebot und Nachfrage. Eine FuhrwerkSvermittlung, die über Groß-Berlin hinauSgrcift und ein weiteres Gebiet umfaßt, würde eine bessere Ausnutzung des jetzt nur spärlich vorhandenen MöbelfuhrwcrkS ermöglichen. Auch der Gedanke, den Fuhrunter- nehmern in der UmzugSzeit die Pflicht zur Hergabe ihres Fuhr- Werks aufzuerlegen, ist der Erwägung wert. Die Zunahme der UmzugSschwierigkcitcn erleichtert den Hauseigeutümern die Miet- steiaerungen. Mancher Mieter muß, toeil er vor einem Umzug zurückschreckt, den WohnungSwuchcr wehrlos dulden. Auch deshalb ist eine Linderung der UmzugSnot dringend zu wünschen. Das ausgemietete Polizeirevier. Die Ausinietung durch Behörden scheint jetzt Mode werden zu sollen. Daß dabei unier Umständen eine Behörde auf die andere nicht Rücksicht nimnit, lehrt ein Fall, der aus Wilmersdorf gemeldet wird. Die Steuervera ulagungs- kommission für den Stadtkreis Wilmersdorf, deren Geschäfts- räume sich jetzt in dem Hause Augustastraß« 1 befinden, benötigt größere Räumlichkeiten und hat solche in dem Hause Augusta- st r a ß e 5 gefunden. Die Mietverhandlungen sind bereits abge- chlosscn und bedürfen nur noch der Genehmigung durch die vor« gesetzte Behörde. Wird diese Genehmigung erteilt, dann müssen auch hier mehrere Mieter ihre mittleren Wohnungen räumen, gleich- zeitig aber tvird dann auch eine Behörde ausgemietet. In dem Hause Augustastraße 5 befinden sich nämlich die Bureau- räunie des 3. Wilmersdorfcr Polizeireviers, die ebenfalls für die Zwecke der SteuerveranlagungSkommifsion in Aussicht genoinmen sind. Die ausgemieteten Bewohner dcS Hauses Augustastraße 5 beabsichtigen das MieteinigungSamt anzurufen. Was die obdachlos gewordene Sicherheitsbehörde zu tun gedenkt, ist noch nicht bekannt geworden. Knndenlisten beim Schuhwarcnverkanf? Die Reichsstelle für Schuhvcrsorgung hat eine Neuregelung des Schiihverkaufs in Aussicht genommen, die eventuell die Führung von K u n d e n I i st e n vorsiebt. In diese von den Schuhhändlern zu führenden Listen sollen die Inhaber von Schuhbedarfsscheinen in der Reihenfolge ihrer Anmeldung cingeiragcn werden. Gleichzeitig ist der Schuhbedarfsschein an den Schuh- Händler unter Angabe der Art und Größe des gc« tvünschten Schuhwerks abzuliefern. Für die Eintragung kann auch schriftlicher Antrag zugelaffen werden. Bei schnsl- lichcr Bestellung soll dem Verbraucher der Eingang des Schuh- bedarfsscheins unter Angabe der Nummer und des Datums der Ein- tragung bestätigt werden. Nach Eingang der Ware haben die Händler so viele Besteller zu benachrichtigen, wie aus der Sendung unter Berücksichtigung der verlangten Schuhart und Größe vor- anssichtlich versorgt werden können. Für die Abnahme des Schuh- werks ist eine Frist zu setzen. Lehnt der Besteller die Annahme von Schuhwerk ob, obwohl ihm solches in der gewünschten Art und Größe angeboten wird, so ist die Bestellung als zurückgenommen anzusehen. lim einen Ausgleich für Schuhwerk herbeizuführen, das nickt verkauft werden kann, weil ein Händler nach dieser Größe keine Nachfrage hat, soll eine A u s g l e i ch st e 1 1 e eingerichtet werden, die unter Leitung der Gemeindeverwaltung steht. Sie hat die Be- steller zu ermitteln, die ihren Bedarf an Schuhwaren in einer bc- stimmten Größe nicht decken konnten und sie solchen Schuhwaren- Händlern zu überweisen, die Waren in den betreffenden Größen auf Lager haben. Die Gemeindeverwaltung soll befugt sein, jeder- zeit eine lleberwachung über die Führung der Kundenlisten, die ab- gelieferten Schuhbcdarssschcine und die Geschäftsbücher des Händlers auszuüben. Dicie Maßregel wäre, falls sie bald, energisch und mit Umsicht durchgeführt wird, in der Tat geeignet, den unerträglichen An- sammlungen vor den Schuhlädeu ein Ende zu machen, die man durch die Einführung des AusweiszwangeL vergebens zu belämpfcn versucht hat. Vorläufig kein freier Handel mit Kricgsfchuhwcrk. In der Ocffcutlichkeit ist jüngst unter Hinweis aus die große Erzeugung von KriegSschrihzcng die Forderung vcrtreleu lvordeu, daß der Handel mit dieiein KriegSschiihwerk völlig freigegeben tverde. Gegen diese Auffassung wendet sich der zuständige Haina- verteiluiigsausschuß des Schuhhandcls in einer Erklärung, woriu eS heißt: Der Hauptverteiliingsausschuß steht auf dem Standpunkt, daß. wenn der schrankenlose Verkehr tviedcr eiitgesührt würde, angesichts des derzeitigen Vcrhältnisies der Gcsamtpioduklion zum Bedarf so- fort diejenigen Zustände in verschärftem Maße wiederkehren würden, die sich vor der Errichtung der Organisation gezeigt und zu deren Errichtung gcsührt haben. In jener Zeit wußteu sich einige bc- sonders rührige, kapitalkräftige Händler die Erzeugung im wesentlichen zu sichern, während die anderen, namentlich die kleinen, abseits von den VerkehrSmitielpmikten ansässige» Händler Schuhe überhaupt kaum mehr zu sehen bekanien. Gegen- über der vielfach auftauchenden Meinung, daß durch den schrankenlvicn freien Verkehr Ivesentlich bessere Sachen zu weit niedrigeren Preisen herausgebracht werden könnten, müssen wir daraus hinweisen, daß die Erfahrung in allen anderen Geschäftszweigen während der Kriegszeil dem aufs schärfste widerspricht. Wenn die Gesamt- crzeugung hinter dem Bedarf wesentlich zurückbleibt, bewirkt der schrankenlos freie Verkehr eine sich stets verschärfende Konkurrenz der Abnehmer. Zu welchen Ergebnissen dies führt, zeigt sich derzeit im W e i n h a n d e I, im M ö b c l h a u d e l und in zahlreichen anderen Geschäftszweigen. Auch die Feststellung von Höchstpreis, n allein genügt nicht, weil der Bedarf sich, wie wiederum die Erfahr»» i im NahrungSiniltelverkchr unwiderleglich zeigt, über die Höchstpreise einfach hinwegsetzt. Es gibt nur ein Mittel, die schranteiilosc Er- höhung drr Preise und das Verschwinden der Ware vom Markte zugunsten der bemilieltcren Kreise hintanzuhaiten: das sind Höchstpreise mit gleichzeitiger Erfassung der Ware._ Arbeiterspende für Kriegsbeschädigte. Ein schönes Beispiel praktischer Solidarität mit den Kriegs- beschädigten gab die Arbeiterschaft der Firma Ludwig Loewe u. Co, Hutten st ratze. Sic ließ durch ihren Obmauii, Paul Witolla, einen Betrag von 1000 Mark dem Bertrauensmamr des ReichSbundes der Kriegsbeschädigten und ehemaligen Kriegsteilnehmer im Norden, M. NellcS, für die Unlerstützungskasse des Reichsbundes übencichen. In der letzten Zeit haben sich solche erfreuliche Stiflungen für den gleichen Zweck gemehrt. Die Geber dürfen versichert sein, daß dieses Geld tvirklich und direkt den Bedürftigsten unter den Kricgsbeschädigien zugute konimt. ohne daß davon ein Teil für olle mvglichlu Spesen und Berwaliungskosten verbraucht wird. Tie Fälle krassester Not- läge unter den heimgekehrten Kriegern sind so zohlicick und sofortige Hilfe so sehr notwendig, daß man nur wünschen kann, das Beispiel der Arbeiter von Ludwig Loewe möge recht oft Nach« ahmung finden._ Zur Gemilscbcwirtscfiaftung. Nach einer Mitteilung der Reichsstelle für Gemüse und Obst ist der fläche n weise Aufkauf von Früh- und Herb sl- g e m ü s e durch Kommunalverbändc oder andere BedarfSstcllen im- zulässig. Nach der ani 3. April 1V17 erlasicnen Verordnung müssen Verträge, durch die sich Erzeuger vor der Abcrnlung zu cntgclr- lichen Lieferungen von Gemüse und Obst verpflichten, das von ihnen selbst abgeerntet tvird, schriftlich abgeschlossen und von der R e i ch S st e l l e für Gemüse und Obst g e- nehmigt werden. Verträge, die unter Außerachtlassung dieser Bestimmung abgeschlossen werden, sind ohne weiteres als rcchlS- ungültig anzusehen. Wer solche Verträge erfüllt, macht sich strafbar._ Die Heizung der Vorortzüge. Vor kurzem erschien in einigen Zeitungen eine offenbar von amtlicher Stelle herrührende Mitteilung, nach der es erfreulicher- weise der Ersatzindustrie gelungen sei, dem Fehlen der Heizschläuche abzuhelfen, und somit ein großer Teil der Züge im kommenden Winter wird geheizt werden können. Leider wurde aber hierbei eine wichtige Einschränkung gemacht. Den Zügen des Nahverkehrs — darunter fallen alle, die nicht länger als zwei Stunden "ahren— soll die Wohltat des Heizens vorenthalteir werden. DieS bedeutet, daß im gesamten G r o ß- B e r l i n c r Stadt-, Ring- und Vorortverkehr das Publikum ebenso unentwegt wird frieren dürfen, wie im letzten Jahre; den» selbst auf der längsten Strecke(zwischen Potsdam und Erkner) fahren die Züge nur gerade zwei Stunde». Viele Taufende von Menschen, die jetzt ohnedies weniger wider- 'iandsfähig sind, werden somit in einer Zeit, in der die Beschaffung von warmer Kleidung ein schwieriges Problem ist, in der vielleicht auch wieder Wohnungen. Bureaus. Geschäftsräume und sonstige Arbeitsplätze nur mangelhaft erwärmt sein werden, allen Unbilden eines icharfen Winters ausgesetzt. Jetzt, da es auf die Bewahrung und Gesunderhaltung jcdsr einzelnen Arbeitskraft ankommt, wllle es wahrlich nicht notwendig sein, die Eisenbahuverwaltung auf die Gefährlichkeit einer Wiederholung des vor- jährigen SrperimenteS hinzuweisen. Ter eheliche GehaltS» ertrag zmn Schutze gege« die Gläubiger. Such für die Angestelltenversicherung gilt der in der ständigen Rechtsprechung des Reichsversicherungsamtes auf- gestellte Grundsatz, daß bei der Prüfung der Frage der Ver- sichernngspfKcht nicht so sehr die rechtliche Gestaltung als die tat- sächlichen Verhältnisse emscheidend sind. Diesen Grundsatz Hai das Lderschiedsgericht für Angestelltenversicherung neuerdings in ei rem Falle angewendet, wo es sich um die Uebertragung des größten Teils des Gehalts an die Ehefrau eines Reisenden handelte, um es dem Zugriff der Gläubiger zu entziehen— eine Maßnahme, die das Reichsgericht nicht als gegen die guten Sitten verstoßend he- zeichnet hat. Der frühere selbständige Kaufmann Alfred R., der in Konkurs geraten war, trat bei einem Stahlwerk als Reisender ein außer den Reiscspesen von täglich 20 M. bezog er monatlich 125 M., während seine Ehefrau monatlich 375 M. erhielt. Sie mußte aber nach dem Anstellungsvertrage diesen Teil der Ver- gütung zum besten der Familie verwenden. DaS Oberschieds- gcricht hat die Angestelllcitversichernngspflicht der Ehefrau R. und auch des Mannes verneint. Die Frau sei durch diese Abmachung ' ili kein Dienstverhällnis znr Arbeitgeberfirma getreten. Wenn auch nicht rechtlich, so doch tatsächlich und wirtschaftlich— und das sei hier cntscheideird— soll der Ehemann R. die ganze Vergütung von 500 M. monatlich allein beziehen, wie es dann auch dem Hammer- werk liilr ans dessen Tätigkeit allein, nicht aber auf die der Ehe- frau ankam, die es ohne ihn nicht beschäftigt haben würde. Das Steuerbringshstem.� Die städtische Stewerdeputation hat beschlossen, das in einigen Stadtbezirken schon eingeführte Bring- spstem bei der Steuerzahlung bei allen städtischen Steuerkassen in Berlin zuin 1. April n. I. endgültig einzuführen. Von einer so- fortigen Einführung der öffentlichen Mahnung soll vorläufig ab- gesehen werden. AusichtAkarten nach neutralen ,md besetzten Gebiete«. Für die Beförderung von Ansichtspostkarten und Sendungen mit Photo- graphien nach dem verbündeten und neutralen Ausland sowie nach den besetzten Gebieten gellen fortan nachstehende Bestimmungen: Von der Beförderung mit der Briefpost(Briefe oder Postkarten) sind ausgeschlossen: 1. Ansichtskarten mit bildlichen Dar- stellungen irgendwelcher Art(Darstellungen von Oertlichkeiten, Bau- lichkeiten, Gegenständen, zeichnerischen Formen. Personen usw.l; 2. ausgezogene Photographien und photographisch belähtete Bild- karten, welcher Art die bildlichen Darstellungen auch sein mögen. Zur Postbeförderung zugelassen find jedoch gewerbliche Sen- düngen unbeschriebener Ansichtskarten und von Photographien der bezeichneten Art, deren Versendung der Reichskommissar für Aus- fuhr- und Einfuhrbewilligung zu genehmigen hat. Vorstehende Bcstimnmngen gelten auch für den Verkehr mit den deutschen Kriegsgefangenen im Auslände. Für den Feldpost- verkehr zwischen der Heimat und dem deutschen Feldheer, soweit es sich rn Oesterreich-Ungarn und den besetzten feindlichen Gebieten befindet, gelten diese Vesiimmmigen nicht, wohl aber für den Feld- poitverkehr nach dem übrigen Verbündeten und neutralen Ausland und mit den Bewohnern Oesterreich-Ungarns und der besetzten feind- lichcu Gebiete. Postsendmigen an Kriegsgefangene. Im.Kriegsgefangenen- verkehr mit der Ukraine sind fortan aelvöhnliche offene Briefe und Postkarten zugelassen.— Das Höchstgewicht der Pakete ohne und mit Wertangabe an deutsche Kriegsgefarrgene und bürgerliche Gefangene in En glaub und in britischen Lagern in Frankreich ist von 5 Kilogramm auf 7 Kilogramm erhöht worden. I»! Ntiniralkgartcn wird Freitag„Die �aukafierin' zum erstenmal vorgeführt. � Verhaftung zweier falscher Kriminalbeanitcr. Durch die Geistes- � gxgcuwart einer Frau ist. in R a h n s d o r f e r Mühle die Fest- nähme zweier geineinzesährlicher Gauner gelungen. Bei einer dortigen'Hausbesitzerin erschienen zwei Männer, die sich als K-iminalbeamte ausgaben und erklärten, im Auftrage des Kriegs- Wucheramtes eine Haussuchung vornehmen zu müssen, da die Haus- bcsitzerin im Verdacht stehe, unerlaubte Schlachtungen vorgenommen zu haben. Die Beiden durchsuchten denn auch sehr genau die ganzen Räumlichkeiten, auch Keller und Boden und als sie auf dem letzteren ein Hammelsell vorfanden, das aber von einer ge- nehmigten Housschlachtung herrührte, erklärten die angeblichen Be- muten, die Frau verhaften und nach Berlin bringen zu müssen. Einer der Männer legte der Frau nahe, eine größere Sümine baren Gatdes mitzunehmen, um gegen deren Hinterlegung vielleicht ihre Freilassung zu erwirken. Die Haus- besitzerin schaffte denn auch 5000 M. herbei. Als die angeblichen Kriminalschntzleute das Geld sahen, zogen sie sofort gelindere Saiten auk. Sie redeten der Frau vor, daß sie sich bemühen würden, ihre Freilassung nach der Vernehmung zu erwirken, und daß es zweck- mäßig sei, wenn sie das Geld an sich nähmen. Die Genngstigte gab denn auch das Geld her. Nun wollten die Pseudobeamten sich schleu- »igst entfernen, ohne die Formalitäten, die sie inzwischen in Szene zu setzen begonnen hatten, zu beenden. Diese Eile erregte den Verdacht der Hausbesitzerin. Sie bestand darsnf, daß sie sokorl dem Kriegsivucheramt zugeführt würde und forderte die Rück- gäbe des Geldes. Als die angeblicben Beamten dies verweigerten und bald nach dem Verlassen des Hauses ihren„Häftling" im Stich zu lassen versuchten, schlug die Frau Lärm, wodurch mehrere Per- ionen herbeigelockt wurden, die die beiden Verdächtigen festhielten, bis sie durch den inzwischen hinzugenisenen Amtsvorsteher fest- aenommeii werden konnten. In den Verhafteten wurden ein Werk- sührer K ä s e w i t t e r und der Former K i b i t t e l aus Berlin er- niittelt. Eine fünfköpfige weibliche Diebesbande ist jetzt durch die Cvpeuicker Kriminalpolizei unschädlich gemacht ivorden. Es bandelt sich um zwei Wächterin neu der Wack- und Schließ gesellschaft und eine Mutter und deren zwei Töchter, die jäniiltch in einem Hause tu der Altstadt wohnen. Die fünf Frauen haben nach den bisherigen Feststellungeii schon seit dem Winter eine ganze Reihe von Diebstählen teils gemeinsam, teils einzeln verübt und dabei zumeist Lebensmittel, Kohlen und Wäsche gestohlen. Zwei der Diebinnen waren als Wächterinnen der Wach- und Schließgesellschaft in Zeutben und Baumschulenweg tätig und haben diesen Vertrauensposten dazu benutzt, auch in diesen Orten Diebstähle auszuführen. Steine statt Fett. Durch einen geriebenen Gauner ist ein S p a n d a li e r Bürger sehr empfindlich geschädigt worden. Ein Bekannter, der nach Pommern fuhr, hatte einem Spandauer Privat- bcamten versprochen, allerlei Lebensmittel zu verschaffen. Schon nach einigen Tagen erhielt der Auftraggeber die Nachricht, die Sendung sei umerwegs. Bevor das Paket eintraf, erschien ein Maiin, der sich als ein Bauer aus dem gesegneten Orte ausgab, aus dem das Lebensmittelpaket stammen sollle. Der Bauer, der einen biederen, vertrauenerweckenden Eindruck machte, erzählte, daß er aus Veranlassung des Freundes des Beamten eine ganze Menge Lebensmittel, Wurst, Butter. Sckiinlen. Speck und Eier mitgebracht habe, die Kiste habe er auf dem Bahnhof gelassen, lveil sie so schwer sei. Der erfreute Beamte bewirtete den freundliche« Banersmanu reichlich mit Kuchen und Kaffee und dann machten sich beide nach dem Bahnhof auf. Gegen Aushändigung der angeblichen„Futter- liste" erhielt der Bauer den geforderten Betrag, einige hundert Mark, außerdem noch 50 M. für die noch zu erwartende Post- sendung, worauf sich das Bäucrlcin empfahl. Die freudige Er- Wartung des Empfängers wurde jedoch schrecklich enttäuscht, statt des nngeblich leckerccn Jnhalis enthielt die Kiste— Mauer- steine! Wilmersdorf. Lebensmittel. Von Dienstag, den 80. Juli, bis Sonnabend, den 3. August, werden an diejenigen Einwohner, welche in, die Speisefett-Kundenlisten der in den Bezirken der Brot- koiiimsskionen 4a 8b, 7 und 8 gelegenen Geschäfte eingetragen sind, je IstO Gramm Faustkäse und Pommerscher Weichkäse verteilt. Der Preis für 1 Pfund Faustkäse wird auf 2.10 M., für 1 Pfund Weichkäse auf 2,15 M. festgesetzt.— Zum Bezüge von F i s ch w a r e n berechtigt von heute an außer dem Buchstaben O der„Bezugskarte für Einzelpersonen"(6. Ausgabe, grün) auch Buch- stnbe A der„Bezugskarte für Einzelpersonen"(8. Ausgabe, grau). Mit demselben Tage«verliert Buchstabe(1 der grünen Bezngskarte für Einzelpersonen seine Gültigkeit. KreiS Niederbarnim. Eröffnung einer Säuglingsfürsorgcstclle. Der Kreis Niederbarnini eröffner heute in F r i e d r i ch s f e l d e, Berliner Straß/S 79/80 auf begrenzte Zeit eine Säuglings- fllrsorgestelle. Die von einem Arzt und einer Kreisfürsorgerin ge- leiteten Sprechstunden, in denen unentgeltlich Rat erteilt wird, finden an jedem Montag und Donnerstag von 1 bis 2 Uhr statt. — Tie Regelung des Verkehrs mit Stroh und Häcksel für das Erntejahr 1918 ist im Kreise Niederbarnim jetzt ersolgt. Die für die Pflichtablieferungen des Kreises bei den Siroherzeugern. zu denen naturgemäß auch die Pächter rechnen, � in Anspruch genommenen Mengen werden den Lieferungspflichtigen durch die Orrs- behörde des BetriebssitzeZ oder, wenn sie nicht im Kreise Nieder- barnim ihren Betriebssitz baben, durch diejenige des Erreugungs- ortes bckamit gegeben werden. Tie Regelung ist in der Weise er- folgt, daß jeder Erzeuger aus seiner Ernte eine bestimmte, von vornherein genau begrenzte Menge für seinen im Kreis gehaltenen und bei der Zählung am 1. Juni 1918 fest- gestellten Viehbestand beHallen kann, alles übrige dagegen nach den Weisungen des Kommunalverbandes, die ihm durch die Ortsbehörde zugehen, obzuiiesern hat. Das Ernteergebnis wird unter Zugrundelegung eines Turchschnittsertrages von 15 Zentner für den Morgen Boggen oder Weizen und 8 Zentner für den Morgen aller übrigen in Betracht kommenden Frnchtarten ermittelt. Ist der Ertrag höher oder niedriger, so schätzen die Ortsbehörden das Ergebnis ab. Einwendungen gegen die Heran- ziehung, die lediglich mit zu hoher Feststellung des Ernteergebnisses begründet werden können, müssen bei der Ortsbehörde angebracht werden, die sie an das Landratsamt weiterleitet.— Aus den zur Foriführung der eigenen Wirtschast belasienen Strohmengen kann der Landwirt im Orte- selbst und mit Genehmigung der Orts- behörde auch sonst innerhalb des Kreises Niederbarnim verkaufen. Die Erteilung solcher Genehmigung wird in der Regel von vor- heriger Erfüllung der Pflichtliesernngen abhängig gemacht werden. Mariendorf. Abgabe von Kleidungsstücken. Durch die Reichs- bekleidungsstelle sind der Gemeinde für Männer: Werktags- joppen, Hosen und Socken, für Frauen Strümpfe über- wiesen worden. Tie Waren sind für die Minderbemiltelten be- stimmt, deren Höchstemkomnrrn 3900 M. jährlich nicht übersteigt. Die Abgabe ersolgt nur an Personen, die ohne sie in Not geraien würden." Für die Beschaffung der Sachen ist es erforderlich, dgß die Antragenden einen Bezugsschein und einen Kaufberechtigungs- schein besitzen. Die Bezugsscheine werden in den zuständigen Be- zngsscheinausgabestellcn und die Kaufberechtigiingsscheine im Polizei- diensigebäude, Rathausstr. 60/72. Zimmer 14, ausgegeben. Die Waren werden nur verkauft an Personen, die in Mariendors wohnen. Der Verkauf der Werktagsjoppen und Hosen findet statt bei L. Königsberger, Chansjeestr. 29, Max Koch, Chausseestr. 57. Der Verkauf der Strümpfe bei: Bnhrwld, Kurfürstenstr. 73, DrewS, Sankwitzer Str. 23, Oppermann, Dorfsir. 2, Hannuß, Südende, Steglitzer Str. 15. — Lebensmittel. Für die Woche vom 29. Juli bis 4. August dürfen zunächst nur auf die Doppelabschnitte 31», d, o und ck dev' Kartoffeliarte je 1 Pfund, zusammen also 4 Pfund Kartoffeln ab- gegeben werden. Falls die Zufuhr es zuläßt, werden auch auf die weiteren Abschnitte die übrigen 3 Pfund ausgegeben. Bezugs- berechtigte, die für letztere Abschnitte keine Kartoffeln erhalten, können als Ersatz für jedes Ptnnd Kartoffeln 100 Gramm Hülsen- srüchie beziehen. Der Preis für 100 Gramm Hülsenfrüchte beträgt 15 Pf. Die Ausgabe der Hülsenfrüchte beginn! am Freitag, den 2. August.— Der Verkauf von Knochenbrühwürfel findet statt im Gemeindeladeii. Südende, Steglitzer Str. 24, und Marien d orf, Chausseestr. 37 und 283. Auf jede Lebensmittelkarte wird ein Würfel ztim Preise von 2'/� Pf. abgegeben.— Außerdem findet der Verkauf der angemeldeten Suppen, Graupen und Teigwaren statt; Abschnitte 40, 41 und 42 der Groß- Berliner Lebensmittelkarte und 15 und 16 der jugendlichen. Für die bis zum Sonnabend, den 10. August, nicht eingelösten Abschnitte erlischt das Bezugsrecht.____ Arbeiter-Tamariterbund. Kolonne Grotz-Berlin. Familien- aus slug Sonntag, den 4., nach Freibad Rahnsdorf. Teilnehmer er- halten freien Eintritt gegen Abgabe einer TeNnehmerkarte, welche vom Vorsitzenden verteilt wird. Treffpunkt morgens!) Uhr im Kurpark Fricdrichshagen. Frühstücksrast UM 10 Uhr, Abmarsch nach dein Freibade. Nachmittags S Uhr Kasse« lochen in der Aahnsdorser Mühle, nachher Spiele im Walde. Die Miglieder und ikmsusteilnehmer werden ersucht, sich rege daran zu beteiligen. Montag, den 5., abends H1/, Uhr: Ucbungsstunde, ÄönigSgraben Nr. 2-, Gäste haben einmaligen freien Zutritt. Mys edsL? Wölk. Aufgedeckte Riesenschiebungen. H a n n o V e r, 30. Juli. Hier sind von der Kriminalpolizei große Schleichhandelsschiebungen aufgedeckt worden, an denen, so- iveit bis jetzt bekannt ist, vierundzwanzig Personen be- teil igt sind. Die Schieber handelten mit allen möglichen Dingen, u. a. mit Saccharin, Zinn, Schuhen, Gummiringen, Del, Seife, Zucker, Salvars an und Opium. Die an dcm verbotenen Handel Beteiligten waren Kaufleute, Militärbeamte, Soldaten und Frauen, Ein großes Lager von Waren, die der Beschlagnahme bezw. dem Verkaufsverbot unterliegen, wurde vorgefundeu. Unter den Waren befinden sich viele Falschprodukte, namentlich gefälschtes Saccharin, das wahrscheinlich BetrugZzwscken dienen sollte. Tic Cholera in Rußland. Kowno(B. L. M.), 30. Juli. Die Zahl der Cholera- erkrankunaeu in Petersburg nimmt noch dauernd zu. Wie die BaMsch-Litanischen Mitteilungen der„Now. Petr. Gaseta" entnehmen, wurden am 20. Juli 170 Falle, am folgenden Tage 209 Fälle registriert. Gleiwit;, 31. Juli. Im benachbarien Zaiborze wurde in der katholischen Kirche«in Einbruch verübt. Die Diebe stahlen die goldene Monstranz sowie zwei Kelche und entkamen mit ihrer Beute. Waldbrand in Frankreich. Bern, 80. Juli.„Progres de Lyon" meldet aus Nizza, daß die Wälder der Monis d'Eßterel an verschiedenen Punkten brennen. Zweitausend Hektar sind beyeits a b g e b r a n n t. Zur Bewältigung des Riesenbrandes tourde Militär herangezogen, ohne bisher den Brand eindämmen zu könne, r. Das Feuer hat sich mit Riesengeschwindigkeit ver- breitet. Die-Verbindungen von Nizza mit Paris und Marseille waven stundenlang unterbrochen. Der IkXZjährige„Hochverräter". Die„Grazer Tagespost" meldet: Im Jrrenhause zu Sebenico ist dieser Tage ein Greis im Alter von 106 Jahren gestorben. Der aus der Boeche dt Cattaro ge- bürtige Mann, dessen Sohn zu Beginn des Krieges standrechtlich hingerichtet worden war, soll eine„hochverrätertsche Aeußerung" gemacht haben. Damals, als er 103 Jahre alr war, wurde er zum Tode durch den Strang vcrurleilt, doch wurde ihm die Todesstrafe nachgejehen und in eine fünfzehnjährige Frei- heitsstrafe umgewandelt. Er wurde irrsinnig und brachte seine letzten Tage im Jrrenhause zu Spalato zu. Angegangene Druckschriften. Die aufgeführten Bücher sind durch die Buchhandlung Borwärt?, Berlin TW. 68, Lindenstraße 3, zu bezichen. MePhistoPheleS, Srriudberg und der Krieg. Bon Paul Duhsen. 3,75 M. Verlag Konrad Hans, Hamburg 8. Das goldene Buch' vom deutschen Geiste. Von R. v. Raumer. Verlagsanstalt Emil Abigt, Wiesbaden. Geb. 2.50 M. gebd. 3,60 M. Die bulgarische Nation und der Weltkrieg. Gesammelte Aus- sähe von Dr. Z. Gheorgov. Verlag A. Hosmann u. Co., Berlin. Des Kriegers Weg zum eigene» Heim. Bon Max Beetz. 75 Pf.-j- 40 Proz. Teuerungszuschlag. Heimkultur- Verlagsgesellschait m. b. H., Wiesbaden. Deutsche llrückwauderer über Rußland und den Bolschewismus. 40 Pf. Georg Stille, Verlin dlIV 7, Dorotbccnstr. 66/67. Aus Rustlaud cntflobe», in Rumänien gefangen. Von Wolf- gang Maller. König-Karul-Berlag, Bukarest. 2,40 M. Der Geist der Rckiirme. Von A. Haibert. Verlag Gustav Röttig u. Sohn. Sopvon. Der deutsche Export nach dem Friedensschiust. Von Löwclt. 30 Ps. Olto Hillmann Verlag, Leivzig. Bon Kalvarien und Kreuzwegen. Wanderschaften. Von Max Koch. 3 M. Rascher u. Cie.. Verlag. Zürich. Soziale Wohnnngsreform. Vo» Georg Heher. Puttkammer u. Mühl- brecht. Berlin\V 56, Franzöfischestr. 28. Bilder ans dem Gefangenenlager Knoekaloe in England. Von R. Hartmaini. Evang. Blätterucreinignng süc kriegsgefangene Deutsche, Nassau a. d. Labn. Die Getränkesteuern, die Volksgesnndbeit und das arbeitende Bolk. Von Ernst Mcbltch. 50 Ps. Verlag Deutscher Arbeitzr-Abstinentcu- bund. Gau 8. Riep Elberfeld, Schlicßsach 75. Ter-Hof des Patrizicrhauscs und andere Erzählungen. Von Hans Heinrich Ehrler, Strecker n. Schröder, Verlagsbuchhandlung, Stutl- gart. Geh. 3,50 M.. gebd. 5 M. Neue Rcclnm-Bücher: Nr. 5983: Nudols Lothar, Die Metternich- Pastete. Geh. 40 Ps.— Nr. 5984: KriegSnovellen. 40 Pf.— Nr. 5985, 5986: Gustav Mahler von Dr. Arthur Reißer. Geh. 80 Ps.— 5937: Berühmte Kriimnalsälle. Bd. XII, Manolescu, der Fürst der Diebe, bearbeitet von Hermann Pilz. Geh. 40 Pf.— Nr. 5988—5990: Kriegsgesetze des Deutschen Reiches'. Zehntes Ergünzungshest, geh. 1,20 M., geb. 1,30 M.— Sämtlich in Verlagshaiidlung Philipp Neelam'juu., Leipzig. Peter Lorenz. Von Gustav Schröer.— Hesse u. Becker Verlag, Leipzig. Tis Schutzhaft. Von Dr. Franz Schulze-Berge. SM.— Puttkammer u. Mühl brecht, Berkm W 56, Französische Str. 28. Finanz- und volkswirtschaftliche Zeitfragen. Heft 51: Das Staats- vermögen des Deutschen Reichs und der Bundesstaaten. Von Dr. F. W. 37. Zimmermann. 5 M.— Hest 52: Unbeschränkte gegen beschränkte Meistbegünstigung(Reziprozität). Von F. Lusensky. 1 M.— Verlag von Ferdinand Enke, Stuttgart. Tie Erhaltung und Mcbrung der deutschen Volkskraft. 5 M.— I. F. Lehmanns Verlag, München. Kriegsgcsaiigcncneiend in Frankreich. Von August Geitzlingcr. 1,20 M.— Straßburger Druckerei und Verlagsanstalt vorm. R. Schultz u. Co., Strasburg i. Ell. Das zweite Leben. Von Ernst Zahn. Geh. 4 M., geb. 5,50 M.— Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart, Ncckarstr. 121—123. Alte und neue Faserstoffe. Von Pros. Dr. Paul Arndt.— Verlag Dietrich Reimer(Ernst Vobsen), Berlin. Im ftilten Winket. Von E. v. Keyserling. 1 M. und 35 Ps. TeucrnngSzuschlag.— S. Fisibcr Verlag, Berlin W 57, Büwwstr. 90. Fürsorgewesen. Von Chr. L. jiiumker. Geb. 1,50 M.- Wild» gemüse, Wildsrüchte, Wildtee. Von Eugen Gramberg. Geh. 1,20 M. — Beide im Verlag von Quelle u. Meyer in Leipzig. Ter Oclsucher vo» Tnala. Von HanS Grimm.— Tie lebenden Vierzehn. Von laver Kappus.— Beide' im Verlag von Ullstein u. Co., Berlin»IV 68. Lebensführung. Von A. Heinen.'Kart. IM., Geschenkband 2M.— Das häusliche Glück, l M.— Volksvereins- Verlag, G.m.b.H., M.-Gladbach. Teutschlands weltgeschichtliche Miiston um die deutschen Sozia ldrmokrate». Von Max Gaab. Geh. 1,20 M.— Karl CurtiuS Verlag, Berlin W 35, Derfflingerstr, 20. Friedrich Naumann, Neichslagsrede über den Weg zum Friede». 0,15 M.— Fortschritt(Buchverlag der.Hilfe")®. m. b. H., Berlin-Schönebcrg. Technik für alle, Technik und Industrie, Monats'christ. Vierteljährlich 1,45. Heft 1— 3.— Franckhfche Vcrtagsbnndlnng, Stuttgart. Der Krieg 1914/48 in Wort und Bild. Wochenschrift, Str. 187 bis 190. Preis je 0,40 M.— Deutsches Berlagshaus Bong u. Co., Berlin W 57. Sriefkaften der Reöaktion. Die juristische Evrechstunde findet für Abonnenten Lindcnstr. 3, 1. Hof links, parterre, am Montag bis Freitag von 4 bis 7 Uhr, am Sonnabend von 5 bis 6 Uhr statt. Jeder für de» Briefla steil bestimmten Antrage ist ein Buchstabe und eine Zahl als Merlzeichen beizufügen. Briefliche A»t- wort wird nicht erteilt. Anfragen, denen leine Abonnementsquittung bei- gefügt ist, werden nicht beantwortet. Eilige Fragen trage man in der Sprech- stunde vor. Verträge, Echriststückc und dergleichen bringe man in die Tpecch. stunde mit. Marreüvnrg Zl. K. 1. Zur Zahlung der K-ralikenhauskoften nach Ab- laus der Leistungen durch die Krankenkasse sind Sie nun vervsiichict. 2. Die Invalidität tritt nicht dafür ein. 3..Nein, sie mußte mindestens 200 Warken geklebt haben. 4. Wcmi Sie zur Zahlung nicht imstande sind, ja. 5. Ja. 6. Das wird die dortige Gemeinde nicht zuinfsc«.— Jakob. Ja.— Krefeld. Sie müßten sich dann an den nüchIen Vorgesetzten wenden.— D. W. 199. 1. Ja. 2. An das hscriernlkommando. 3. Wenn Sie jetzt g. v. sind, bat das Gesuch«ohr Aussicht aus Erfolg.— P. T. 29 284. Reichen Sie Beschwerde«ni dem Dienstwege bei dem nächsten Vorgesetzten ein.— Bernburger. sie find zur Nachzablung von Unter- haltnngSgeldern für eine Zeit von t8 Jahren nicht verpflichtet, zumal Sic nach Ihren eingaben dieser Verpflichtung schon nachgekommen find.— ■f>. T. 48. Sie können nicht sogleich einen Antrag aus eininalige Abfindung stellen. Eine solche wird überhaupt nur gewäbrt bei Renten bis zu 20 Proz. Sie miisscn zunächst bei der Berussgenosien'chast die Erteilung eines RentenbescheideS verlangen.— Arm. 777. Tie Adresse des Reichs- bundes für Kriegsbeschädigte und ebem. Kriegsteilnehmer ist Berlin 8 IV 63, Lindenstr. 114. Wenden Sie fiw dorthin.— St. W. SO. Die Aufhebung der Unterstützung veranlaßt das Gericht nicht. Da die Frau als allein schuldig crtiärt wurde, wird ihr die lln.tcrfiütznng entzogen. Sic tonnen, wenn Sie wollen, der Sieuerkasse daoon'Mitteilung machen. — Llkatroie H. Ihre Mutter hat durch die Verheiratung die Staats- angehörigkett des Mannes erworben. Sie selbst, als uneheliches Kind. baben aber die Staatsangehörigkeit der Mutter. Nach Ihrem Antrage aus Entlassung aus dem deutscheu Heeresdienste werden Sie sicher zum österreichischen Militärdienst sofort cingezogeu.— Mir. F. R. III. Ein solches Eheverbot wird im Scheidungsurteil ausgesprochen.— Landsturm 191. Wenn die Freiheitsstrafe über 6 Monate beträgt, fällt die Unterstützung weg. Aus Antrag wird aber durch die Kriegsjürsorge Unter- stützimg weitergezahlt.— G. D. 25. Sie könnten wegen der Katzen- geschichtc, wenn Sie es für nötig halten, Klage erheben,— F. G. 59. 1. Wenn durch ärztliche Untersuchung- der Nachweis erbracht werden kann, daß Sie sich die Krankbeit im Mllitärtzienst zugezogen haben, könne» Sie Anspruch aus Rente erbeben. 2. Beim Bezirksscldwebcl, 3, Nein. 4. Im Dienstgebäude der LandesversichernngSanstalt, Köllnischer Park3,— B!. 39«. 1, Sie find im Irrtum, wenn Sie glauben, daß dw Kündigung bis 12 Uhr mittags eingehen muß. Sie ist auch später zulässig. Sie muß allerdings an denjenigen ersolgcn, der den Vertrag unterzeichnet bat. 2. Kriegslinder- spende deutscher Frauen, Potsdam, Neuer Garten.— W. 6. 1. und 2. Ja. WasscrstandSnachrichten der Landesanstalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wcttcrbureau. Höchstwassei stand in Ratibor am 30. 7. 18 i 532 cm. Wettcrauöstchten für das mittlere viorddeutscvland dt» Freitag mittag. Kühl, zeitweise heiter, jedoch überwiegend bewölkt, ösl- ltch der Oder noch öster leichte Regensälle. Erwerbt öie preußische Staats- angehörigkeit! Zu den Wahken zum Preußischen Maeordnetenhaus sind nur preußische Staatsangehörige berechtigt. Mit der Möglichkeit einer Auflösung des Preußischen Abgeordnetenhauses muß gerechnet werden. Für zahlreiche in Preußen arbeitende Per- foncti, die Staatsangehörige eines anderen Bundesstaates sind, wird damit die Frage des Erwerbs der preußischen Staatsangehörig- teil akut. Wie wird die Staatsangehörigkeit nun erworben? Nach dem �Reichs- und Staatsangehörigkeitsgesetz vom 22. Juli 1913 wird die Staatsangehörigkeit in einem Bundesstaat erworben: 1. durch Geburt, 2. durch Legitimation, 3. durch Eheschließung, 4. für einen Deutschen durch Aufnahme, 5. für einen Au�änder durch Einbürgerung. Da? eheliche Kind eines Deutschen besitzt die Staatsangehörig- kcit des Vaters, das uneheliche Kind einer Deutschen die der Mutter. Besitzen Vater und Mutter mehrere Staatsangehörigkeiten, was ziemlich häufig»er Fall ist, so erwirbt das Kind sie auch. Das Kind folgt also stets der Staatsangehörigkeit von Vater oder Mutter, ganz gleich, in welchem Bundesstaate es geboren wird. Das gilt auch dann, wenn die Geburt im Auslande erfolgt ist. Die Staatsangehörigkeit durch Legitimation wird er- worbcg, wenn der deutsche Vater sein uneheliches Kind, sei es durch Heirat der Mutter oder durch Verfügung der Staatsgewalt an- erkennt. Mit der Legitimation erwirbt das Kind die Staatsangs- Hörigkeit des Vaters, während es bis dahin die der Mutter besessen hat. Oh die bisherige Staatsangehörigkeit nun bei einem anderen Bundesstaat oder in einem auslimdischen Staate begründet war, spielt keine Rolle. Die Staatsangehörigkeit durch Eheschließung hat die Be- deutung, daß eine ausländische Frau durch die Eheschließung mit einem Deutschen dessen Staatsangehörigkeit erwirbt. Gleiches gilt auch, wenn die Frau den Angehörigen eines anderen Bundesstaates heiratet. Umgekehrt verliert eine deutsche Frau durch Eheschließung mit einem Ausländer die deutsche Staatsangehörigkeit. Ein Nichtpreuhe, der in Preußen die Staatsangehörigkeit erwerben will, muß die Aufnahme in den preußischen Staatsverband nachsuchen. Das hat beim zuständigen Regierungspräsidenten bzw. in den Städten mit einer Königlichen Polizeidirektion oder einem Polizeipräsidium durch Antrag bei diesem zu erfolgen. Der Erwerb der Staatsangehörigkeit bei einem Deutschen ist mit keiner- lei Kosten verbunden. Die Aufnahme ist unentgeltliche zu ge- währen. Doch ist das nur sehr bedingt zu verstehen; wer die Ausnahme in den Verband des Staates begehrt, in dem er sich auf- hält, muß den Nachweis seiner bisherigen Staatsangehörigkeit führen. Er hat also seine bisherige, das ist sehr oft seine ange- stammte, Staatsangehörigkeit nachzuweisen. Wo besitzt er aber diese? Es ist denkbar, daß schon mehrere Generationen hindurch jemand in Preußen wohnt und doch nicht preußischer Staatsange- höriger ist. Der Nachweis der angestammten Staatsangehörigkeit ist oft sehr schwierig. Ganz streng genommen würden eigentlich nur wenige Leute ihre angestammte Staatsangehörigkeit nachweisen können. Daher sind die Verwaltungsbehörden auch zum Teil sehr vernünftig und nehmen es mit der Feststellung der ursprünglichen Staatsangehörigkeit nicht so genau. In ländlichen Bezirken mit einer gewissen stabilen Bevölkerung wird in der Regel kaum An- laß zu Zweifeln an der Staatsangehörigkeit gegeben sein. In den Großstädten jedoch mit einer stark fluktuierenden Bevölkerung und in allen den Bezirken, in die sich der starke Strom der deutschen Binnenwanderung ergießt, ist die Sache anders. Zumeist wird heut« bei dem Gesuch um Erteilung des Ausweises der bisherigen m. fs ,1,.-..-,TCTvT.vTjyf Tff iTTi TiT fpriv TTa.. s»-«L,»,»s, 5..rMil mm« dCa ai5tr J 115 fgvTi$TrtT OTf JceTüumjTTn� TtTT CTUTuJnT vC9 Tfm die Erteilung Ersuchenden, seiner Eltern und vielfach auch seiner Großeltern gefordert. Die Beschaffung dieser Papiere ist natür« lich immer mit Geldkosten verbunden. Vor Erwerb der preußischen Staatsangehörigkeit ist also zu- nächst der Itachweis der bisherigen Staatsangehörigkeit zu führen. Die Bescheinigung der bisberigen Staatsangehörigkeit hat vom Bundesstaat der bisherigen Staatsangehörigkeit zu geschehen. Es würde also ein Gesuch an diesen zu richten und die obenerwähnten Papiere und ebenfalls auch die Geburtsurkunden der eigenen Kinder und. wenn die Frau noch lebt, die Eheschließungsurkunde beizufügen sein. Sosern der Vater oder der Großvater schon einen Stairtsangehörigkeitsansweis bekommen haben, würde sich die Bei- bringung dieses empfehlen. Ist nun der Nachweis der bisherigen Staatsangehörigkeit beschafft, ist der Antrag auf Erteilung der preußischen Staatsangehörigkeit cm den Regierungspräsidenten, in Berlin cm das Polizeipräsidium, zu richten. Für einen AnSländer würde die Einbürgerung möglich sein. Diese E i n b ü r g e- r u n g ist keineswegs so leicht. Sie darf durch einen Bundesstaat erst erfolgen, wenn- durch den Reichskanzler festgestellt worden ist, daß keiner der übrigen Bundesstaaten Bedenken dagegen zu er- heben hat. Doch dürfen die Bedenken nur ans Tatsachen gestützt werden, die die Besorgnis rechtferiigen, daß die Einbürgerung des Antragstellers das Wohl des Reiches oder eines Bundesstaates ge- fährden würde. Es hängt also im wesentlichen von der Auffassung der Behörden ab. ob die Einbürgerung eines Ausländers erfolgt oder nicht. Selbst beim Nichtvorliogen dieser Bedenken darf aber die Einbürgerung nur erfolgen, wenn der Ausländer 1. unbeschränkt geschäftsfähig ist oder nach den deutschen Gesetzen sein würde. 2. einen unbescholtenen Lebenswandel geführt hat, 3. an dem Ort seiner Niederlassung eine Wohnung oder ein Unterkommen gefunden hat und 4. an diesem Ort sich und seine Angehörigen ernähren kann. Die Gemeindebehörde und der Armenverband sind vor der Einbürgerung zu hören. Trotz dieser Schwierigkeiten, die also der Aufnahme in den preußischen Staatsverband entgegenstehen, ist der Erwerb der- selben dringend zu empfehlen. Gerade in der Gegen- wart ist durch die Kriegsverhältnisse die Arbeiterschaft autzerordent- lich durcheinander gewirbelt. Eine Reihe von Nichtprenßen wird dauernd den Ausenthalt in Preußen beizubehalten gedenken und da empfiehlt es sich, daß sie sich nun auch die Rechte sichern, die die preußische Staatsangehörigkeit mit sich bringt. Soweit die er- forderlichen Papiere den einzelnen Antragstellern Schwierigkeiten machen, würde das Arbeitcrsekretariat hier in Berlin gern bereit sein, dem Antragsteller mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Der stbweiZeristhe /lrbeiterkongreß. In den Tagen vom 27. bis 28. Juli fand in Basel ein außerordentlich wichtiger K ongreß der Schweizer Arbeier statt. Besonders wichtig ist, daß auf dem Arbeiter- kongreß mich die Vertreter der Verbände der im Dien st e der Eidgenossenschaft stehenden Bc- amten und Arbeiter anwesend waren. Interesse lsteser Schichten wird eine Nachteuerungszulage an das eidgenössische Per- sonal und die Einführung der achtstündigen Arbeitszeit für alle staatlichen Betriebe und Verkehrsaustalten begehrt. Die Verhandlungen wurden mit einem Referate des National- rates Grimm ans Bern eingeleitet, der darauf verwies, haß die bisherig« Tätigkeit der Arbeitervertreter nicht ohne Erfolg geblieben sei. Das drohende Hilssd«eitstgesetz sei zu Fall gebracht und, wenn K»-,.-r. M»I MM T... rT| HWL-«.W-ra*« vftKXf ItWJS ZVW wCÖrCn wlTTwC/ � jtX doch ein Teilerfolg erzielt worden. Der Bundesrat habe auf die Forderungen der Arbeiterschaft eroe glatte Absage erteilt. � Das Proletariat würde sich einen solchen Affront nicht bieten lassen und müsse mit der Proklamation des allgemeinen Landesstreites antworten. AuS der folgenden Diskussion sA die Erklärung des National- rates D ü b y hervorgehoben, der im Minen des Föderativverbandcs eidgenössischer Beamter und Arbeiter spricht. Der Föderativ- Verbaud werde sich dem Beschlüsse des allgemeinen Landesstreils anschließen, aber nur unter dem BorSehawe, daß der Streik gut vorbereitet und woh-i diszipliniert durchgeführt werde. Der BundSSrut habe noch gew«ltige Machtmittel in Händen, besonders die Militarisierung der Angestellten, aber die eidgenössischen Beamten- und?krbeikrrv«PcMe hätten keine Furcht vor solchen drakonischen M«ßn«ff«en. Es wird folgender Beschluß grfttßt:„Der als auAMdeutliche Tagung einberufene alkgemeine sclsbelzerffche Arbeiterkongreß, einverstanden mit den vom Oltvner Aktionskomitee aufgestcllicn, unterm 22. Juli 1918 an den Bundesrat gerichteten Forderungen, erklärt die Antwort de? Bunde srats als in ffder BozikHung u 11- genügend. Er beauftragt das AkffsnSkoxiitee, s»k»rt mit dem Bundesrat in nochmalige Verhandlungen einzutreten, um posi- tive Zugeständnisse zu erlangen. D»s Aktionskoinstr« erhält den Auftrag, im Einvernehmen mit d«« FödernBvverband des cid- genössischen Personals auch die Ordern»! dieses Personals vor dem Bundesrat zu vertreten. Für den F�ill, daß der Bundesrat nictst unverzüglich genügende Fugest« nbnAse macht, beschließt der Kongreß den allgemeinen Landes streik. Mt der Durch- führung wird das Aktionskomikee gemeinsam mit dem Gewerk- schaftsausschuß und der GescWfkSlLktung der s»zi«ldemokratischen Partei der Schweiz beauftragt. Maßgebend sind die Beschlüsse der Berner Konferenz vom 1. März 19l8. Den Organisationen ist so- fort Weisung zur Vorbereitung des Generalstreikes zu erteilen." . Dieser Antrag wird mit 277 gegen vier Stimmen gutgeheißen, von 329 in Basel am Kongreß anwesenden Delegierten. Ueber die Durchführung des Generalstreiks referiert Redakteur Schneider aus Basel: Eine der wichtigsten Aufgaben uu Disziplin zu halten und dafür zu sorgen, daß der Streik in aller Ruhe und Würde durchgeführt werde cchne jedwede Ausschreitungen. Mit Nachdruck betont der Redner, daß irgendwelche Streik- Unterstützung nicht bezahlt werde, dieses Opfer müssen die Arbeiter selber bringen. Er nennt auch einzelne Arbeiter- gruppen, die vom Generalstreik ausgeschlossen sein sollen: so die Arbeiter der Lebensmittelgeschäfte, der Wasser- imd Lichtversor- gung, der Krankenhäuser und Beerdigungsanstalten; vielleicht seien auch noch weitere andere Branchen von der Teilnahme miszu- schließen, worüber das Aktionskomitee als Leitung zu entscheiden haben werde, vor allem aber das Personal der sozial- demokratischen Tageszeitungen. In seinem Schluß- wort richtet der Redner noch ernste Ermahnungen an die Arbeiter- schaft, sich durch nichts proo«zieren zu lassen, und während dieser Feit dem Alkoholgenuß völlig zu entsagen; auch den Genossen im Waffenrock werden entsprechende Ver- Haltungsmaßregeln gegeben. Es wollte hierüber schon wieder eine lauz lebhafte Diskussion einsetzen, als Redakteur Schmid-Oltcu davor warnte, alle Details des kommenden Streiks offen zu ver- handeln. Mit einem kurzen Schlußwort Lds VSrsiMden Grimm, der auf gute Diirchführnngl des Streiks und Erfolg hofft, wird der Kongreß geschlossen. (vrvTcxhtM�M�,'� Buchhandlung Vorwärts Berlw EW. 68, Lwdenftraß« 3, »od in den Ausgabeftellen der Zeitung. HascK«, direkt am Ms sparen Sie Mehner und Spezialarzt Schrubber und Seife? Nnr dtirch Öfteres Streichen mit[■' u t, b o d«nun strf efffarb;: Stmeliflx,. für SO Pfennige 2 Liter Farbe. Zu haben in allen einschlägigen Geschäften. 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Geöffnet von 11— 114 und von 414— 7 Uhr. Gesnndbrunnen: Fischer, Bastianstr. 6(Laden). Geöffnet von 11 bis 114 und von 414—7 Uhr. Schönhauser Borstadt: Karl Mars, Greifenhagener Straße 22. Ge- öffnet von 11—114 und von 414—7 Ubr. Adlershof: F e v e r st e i n. Bismarckstraße 82. «lt-Gli-nicke, Falkenberg: Salzmann, Fallenberg. Gartenstadtstr.' 10. Baumschulenweg: Karl Köpke, Kiefholzstr. 179. Bernau, Röntgental, Zepernick. Schönow. Schönbrück und Buch: Heinrich Bros«, Bernau, Mühlenstr. ö(Laden). Zeitnngs-Ausgabestellen und Jnseruten-Annuhme. Platin, Gr.>, Ringe, Bestecke Wa Kaiserstr. 18 I(A Biesdorf: W. Danneberg, Biktoriastraße 11. Bohnsdorf: Horlemann, Genossenfchaftshans.Paradies". Charlottettbnrg: Gustav Scharnberg, Sefenheimer Straße I. Ge�i »spiel von 11— 114 und von 414— 7 Uhr. Eichwalde, Schmöckwitz, Zenthe«, Miersdorf: Oskar Mahle, König- straße 51. Fredersdech-Petershageu: U s f e n w a f s e r, PeterShage». Friedenau, Steglitz, Südende: H. Bernfee, Steglitz, Mommfenstr. 59. Friedrichshggen, Fichtenau. Rahnsdorf, Schöneiche, Klein- Schönebeck: Ernst Werk mann, Friedrichshagen, Köpenicker Straße 18. Grünau: Franz Klein, Friedrichstr. 10. I,h«n»isth«l: Max Gonschur, Parkstr. 25. Karlsh»rst: Frau Sachse, Junker-Jirg-Str. 7 IL Kaulsdvrf: F r. H i m» e l,?>ll»»straße 21. Königs-Wusterhausen, Wikda», Riederlehm«, Schenkendors: Friedrich B a u m a n ii, Luckenwalder Straße ö. Köpenick: Emil W i ß l e r, Meyer Straße 6(Laden). Geöffnet von morgens 7 Uhr bis«bends 8 Uhr. Lichtenberg I, Friedrichsffelde, Hohenschönhausen: Otto Seikel, Warten- bergstraße 1(Laden). Geöffnet von 11—114 und von 414—7 Uhr. Lichtenberg IL Rummelsburg, Stralau: A. Rosenkranz, All-Box- bogen 56, Geöffnet von 11— 114 und von 414— 7 Uhr. Mohlsdorf: Frau Strauß, Lindenstraße 11. Mariendors. Warienselde: August Leip, Chausseestr. 29. Neuenhagen: Johann Hübscher, Schmidtstraße 14. Reukölln: M. Heinrich, Neckarstr. 2(Laden). 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I,«. p»lrt*w«:lte, Iliiedrich-Slr. ISO, Ecke Für keinen Schaden, außer Bruch der Gläser,| der Horn-, Schildpatt- und Zelluloid-Teile haben Sie zu zahlen. Wird das Augenglas nicht wieder tadellos, so erhalten Sie ein gleiidwertiges neues als Ersatz, selbst wenn Sie Schuld haben. Die Garantie währt 3 Jahre bei Fassungen über M. 12.—, mindestens aber zwei Jahre bei Fassungen für M. L.Sü.— Hierzu kommt noch der Preis der Gläser.— Punktuell abbildende Menisken kosten M. 8.— das Paar, aus Sanoskop-Glas M. 10—. Sind Sie mit Ihren Augen oder Gläsern nicht mehr völlig zusrieden, dann warten Sie nicht so lange, bis schlimme Folgen eintreten, sondern besuchen Sie uns recht bald. rhmHee.Str. T2, Invalldea-Sir. 194. (Elte Erunnen-ött. 5rledrich-Str. 106,. Eck« SUgel-ölt MW/ JrleWch-Slr. 150. IN W, Eck, D»r»td««»-Str. Schöneberg: H«Ml,Strohe St V. 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Metropol-Theater rjhr; Sie Bose fof: StambaL Neues Opereitenhaus 7v.uhr:DerSclilÄ(iterMai1e. HcsldonE-Thontcr u/. mm: FliiBier-KIWeiL (Schllier-Th. Chart. 7v. uhr: iSJÄi�rg, Thalln-Theater u�lBterilerlilllieDöenLaile Tie Bekanntmachung des Oberkommandos in den Marken betreffend Beschlagnabme, Bcstandserhebung und Höchstpreise von Leichlöi, Rohbcnzol, Benzol, Toluol, Benzin und s»ustigen bezoi- oder benzinartigcn Körpern iritt am 1. August 1918 in Kraft. Die vollständige amliiche Bekanntmachung erfolgt an den AnschlagsSiiieii und in der.Norddeutfchen Allgemeinen Zeiimig". (301. I. 4. 18.) Berlin, den 1. August 1913. Der Polizeipräsident. I fe Heiianntmachitttg. Theater am Nallendorfplatz TU Uhr- G�anien-falasi1 Oranienstr. 40— 41(Oranienbrücke) Konzert-Kalfce-Kabarctt. Artar Kehle.— Eric n. Ssohn. Charten.— Muschi Vesta.— Clemons Kaufung Gr. Kapelle Dirk van Erp. fl23L' 1. Stock Weinklause mit BarhBfeft. Eröffnangs- Programm! Alice Hechy Rolf Brunner Gesangs- und Tanz-Duett Paul Carro m. sein, sprechend. Figur, Harry Strathmore Zahnkraftakt Geschw. Jainczik EislSuferiunen Hensel-Quartctt Gesangsszenen Cape-Truppe Holländisch. Kadfahrakt Lisa Erik Elastische Produktionen Karen Zabel in ihren Tänzen Henry de Vry „D, golden. Jungfrauen" Turl Damhof er Bayr. Alpenspiele H. Rafayette Dressierte Hunde. .. Kinematograph!-- Reiclisiiaiisn-Tlieater. Allabendlich 71/, Uhr: SÄRRASAKI Zirkus-Busch-Gebäude. Tägl. 7'/«, Mittw., Sonnbd. u. Sonntag 3 n. 71/, Uhr: 30 irtlsleu In der Lufll i beleben den gr. Flandern-Akt im läassen- JlacegCNchau&tllck „Torpedo- los!" |Vorverkauf Zirkuskasse u. Wortheim. ÄnoflQ- 1 Speziaiarzt aSjjwWlJJ Hg Dr. med. Kcehen für Theater Friedrichstr. 218 l'U Mcatc TU Eröffnung der neuen Spielzeit. Todesrennen in der Luft sow. weitere Sensat. Vorverkauf an der Tageskasse 10— ß U. Sonnt. 31)4Uhrieder rwaohs. 1 Kind frei 1 1 Geschlechtskrankheiten, Haut-, Harn-, Frauenleiden, nervös. 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K ö r t i n g. 1385L Gutes Michl schmeckendes Wittag- esien slzne Fett, sizne Fleisch, aber mit Itraftigem Fleischgeschmack und für weniges Gel!» erhält man durchVcrwendung von Fleifchextrakt-Erfatz..Ohsena" „OHiena" ist von der Erfatzmitictstelle Schicswig-Holstein unter Sir. St am 22. Juni 1918 zum Handel im ganzen Deutschen Reich genehmigt. Man nehme alle Sorten grüner Gemüse und grüner(Baden- gcwächse(je nachdem, wie die Jahreszeit es bietet). Dieselben werden mit einer Hackmaschine oder mit dem Hackmesser so sein wie möglich zerkicinert und dann eine sauber gewaschene un- geschälte Kartofscl ä Person, cbensalls sein gerieben, zugesetzt und alsdann mit Salz und Wasser zu Feuer gebracht in einem zu- gedeckten Gesäß. Wenn die Suppe gar und seimig ist, wird ä Perjon ca. 20 Gramm„Ohseiia" zugesetzt und hat die Suppe dann einen lrästig�n Ueischgeschmack. Soll sie nicht als Vor- speise, sondern als Miltagessen dienen, wird die Suppe etwas dicker eingelocht durch mehr Zusatz von Kartoffeln und sein ge- backtem grünen Gemüse und„Ohfcna-Gxtrakt» nach Geschmack. Aus diese Weise empfindet man beim Mittagessen in den fleisch- losen Wochen nicht das Fehlen von Fleisch, sondern alle Suppen erhalten durch„Öhsepa" einen krästigen Fleischgeschmack.— „Obscna" ist in den meisten Gcschästen der Lcbensmittcibranche läuslich zu folgenden Preisen: 86)17' '/. Pfd. netto Mk. 5.22 1U Pfd. uetto Mk. 2.90 'U Pfd. netto Mk. 1.60. Mohr& Co., G. m. b. H., Altona-Elbe. Allen Freunden, Bekannten und Gästen hierdurch die traurige Llachricht, daß am Montag, den 29. Juli, vormiliags 10 Uhr, infolge Herzschlags mein geliebter Mann, unser treusorgcnder Vater, Bruder, Schwager und Onkel, der Gastwirt Konrcui Kantelberg im 65. Lebensjahre nach einem arbeitsreichen und mühevollen Leben aus seiner vollen Schaffenskraft jäh herausgerissen wurde. Emma liaatef herzp geb. Flick als Frau, Max(zurzeit im Felde), Grete, Erna als Kinder. 65A Die Beerdigung findet am Freitag, den 2. August, nachmittags 3 Uhr, vom Trauerhause aus nach dem Elisabeth-Kirchhos, Wollankstraße, statt. vekbsnt! <1» stnkiksuängeüelllen vetilkchlstnäs. Ortsgruppe Groß-Berlin. Am 29. Juli starb unser Mitglied, der Krankenkassen- angestellte Uuml! Erüger. Die Beerdigung findet ani! Donnerstag, den 1. August,! nachmittags 5 Uhr. von der I Leidienhallc des Luisen-Kiich- hoscs.Weslcnd.NeuerFürstcn- brunner Weg, aus statt. Um rege Beteiligung er- 1 sticht 46/9 1 Die OrtSverwaltnng. Dculfdier Budlbiiidcr-Cerbani (Zahlstelle Berbn.) Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser lang- jähriges Mitglied, die Kollegin �niöme Straube nach kurzer Krankheit der- starben ist. Ehre ihrem Andenken l Die Beerdigung findet hentcDonnersiag, 1. August, nachmiliags 2 Uhr, von der Lcichcnhalic des Kirchhofes in Buch auS statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 23/13 Die OrtsvcrwaKung. Zentral-Kranken- nnd Sterbekasse der dentschenWagcnbaner (Zahlstelle Adlershos.) ft achruf. j Hierdurch die traurige Nachricht, daß unser Mit- s giicd Paul Schröder 1 am 27. Juli verstorben ist. Ehre seinem Slndeulen! ! 257/3 Der Vorstand. Von der Reise zurück Sanilä.sral[jf. M ßiSfltOf, Arzt sür Haut- u. Haarkrankheit. Berlin C, Münzstr. 1. M Slnskunfr umsonst bei MechAiM Ohrgeväusch, nerv. Ohrschmerz über uns. tausendj. nat. bewährten, patent- i amtl. geschütz. Hörtrommeln. Bequem n.unsichtb.z. tragen. Aerztb empfohlen. Größe Glänzende Anerkennungen.' Sanis Versand München 1128. Aeu eingetroffen Gebundene Romane nnd Erzählungen Eolanqe der Vorrat reich!, zu den beifolgenden Preiieu gegen Voreinjendmig oder Nachnahme des Betrages Ter Löwe don Flandern Von H. Consrience. Ml. 5�0 Herrschen oder dienen? Vo.i M. Ka MZIh. Mk. 4,— Drei Tage,«nc Schitöcnina Von A. Petzold. Ml. 3,— Der Hnngerpastor. Vo» W. Raal>e. MI. 4.2ö Abu Telfan. von W. Raabe. ZA. 4,2» Aaferstehnng.«°n c. swiftoi Ml. 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Wirksamkeit wird nur verbärgt durch die Mark Mottisn Nr. 20$— im Unterhaltungsblatt öes Vorwärts Donnerstag, 1. flugust vive?aures! Vier Jahre Trübsal und Schlamm sind über die Erde geflosien, und die ferne Vorzeit des Friedens ist versunken und vergessen wie ein weiter liefer Traum, der aus Urtiefen herausragl und an den wir nicht mehr zu denken wagen, so flüssig und körperlos ist er ge- worden. Und doch! In stillen Stunden, zwischen Tag und Nacht, wenn Lichr und Dunkel ineinander übergehen und die letzten Sonnen« strahlen sich mir den langen schwarzen Schatten vermischen, Schweigen und Einsamkeit die Erde umhüllen, dann steigen die Er- innerungen hervor, wie Vinera, die deisunkene Sradt, deren Glocken der letzte Schiffer hört, wenn er sein Schiff heimwärts lenkt, fliehend vor der Nacht. *• • Ein Maientag in Paris. Der Kampf um die dreijährige Dienstzeit ist aufs Sufferste entbrannt. Jaurös streitet wie ein Löwe, in der Kammer, in der„Hiimanile", in Versammlungen. Ganz Frankreich ist wie ein brodelnder Kessel. In alle Bedürfnis« austalren haben die Eamelots„hlort au Jauris!" geschrieben. In der Kammer wird er von einem Allfranzosen' als Gekaufter Deutschlands beichimpft, er, der edelste Franzose und reinste Mensch. Das Ministerium Barthou hat diesmal den alljährlichen Trauerzug nach der Mauer der Föderierren, den Gräbern der Kommunegefallenen, verboten. Wie eine Geißel traf dieser Hieb das Proletariat. Die Seineföderation der sozialistischen Partei rief für Sonntag, den 25. Mai, zu einer großen Friedensdemonstration auf dem Pro St. Gervais, einer ungeheuren Wiese vor den Toren der Stadt. Ein heißer Tag. Wobl 300 000 Menschen mögen sich trotz des glühenden Sonnenbrandes auf de» FestungSwällen versammelt haben. ES ist ein gewaltiges, wogendes Menschenmeer, das die zahlreichen Rednertribünen umbrandet. Hier redet Preffonsö und reißt die Menge fort; dort peilscht sie der alte Kommunard Vaillant, als stünde er wie vor 42 Jahren auf der Barrikade, die rote Fahne schwenkend. Plötzlich geht ein elektrischer Funke durch das Menschenfeld. Noch an den Festungsmauern, wo die Stadt anfängt und heute Kavallerie aufgestellt ist, ganz dort unten wehen Arme, winken Hüte, schwenken Taschentücher, ein Brausen will sich heranwälzcn. Doch noch ehe es da ist, hat der Funke gezündet; es ahnt, fühlt jeder: Jaurss kommt!„Vivo Jaures!" Dreihnnderttausend Kehlen rufen, doppelt so viele Arme schreiben seinen Namen in die Luft, sechshunderttausend Augen blitzen nach ihm. Und er kommt! Ge- tragen von kräftigen Schnllern, denen kräftige Arme Platz machen müssen, daß man den Gefeierten des Volkes zu seiner Tribüne bringen kann. Links und rechts stehen Männer und Frauen, heben die Kinder hoch, daß sie ihn sehen; stehen wie die Mauern, durch deren schmalen Spalt der Prophet hindurchgetragen wird.„Vivs.Jaurös!" Es ist der nimmer endende tausendmal wiederholte Ruf. Und wo Jaurös vorbeizieht, berühren alle seinen Rock. Auf einem Wagen ist er gelandet, von dem er sprechen soll. Vor ihm redet Dokror Brüstlein aus Bern— dessen weiße Locken- mähne leuchtet weithin— für den Völkerfrieden, gegen den Krieg. Und dann folgt er, Jaurös! Kaum ist sein Name vom Versamm- lungsleiter genannt, braust der Beifall wie ein Orkan, fünf Mi- nuten, zehn Minuten, eine Viertelstunde. Da bebt Jaurös die Arme, die breite Trikolore leuchlet unter seinem Rock hervor, neuer Jubel, die Arme fordern Ruhe, die Wogen glätten sich— es wird totenstill. Man hört den Wind, der leise weht. Und nach dem Friedhof dort unten ge- wendet hält er den Toten derKommune eine Grabrede.und keinAuge bleibt tränenleer. Dann ruft er die Lebenden zum Kampf für Freiheit und Völkerfrieden. Wie Donner rollen seine Worte gegen Paris, gegen das feine Gestalt wie eine drohende Burg trotzt. Es ist 4 Uhr nachmittags. Jaurös hat gesprochen. Die.Internationale" klingt aus drcihunderltausend Kehlen, hellen und tiefen. Acht Ubr! Jauiös sitzt immer noch auf dem Wagen. Er kann nicht fort. Die Massen wälzen sich im Zug an ihm vorbei. Jeder will ihn sehen, ihm zurufen. Um neun Uhr bringen die letzten Tausende den Volkstribunen im Triumph nach Paris. Er rettet sich in der Bürgermeisterei eines Außenbezirks, muß noch einmal vom Balkon herabsprechen. Noch spät in der Nacht wird sein Name auf den Boulevards von vorbei- ziehenden Gruppen gerufen. Vivs Jaurös! »°» Pressensv und Vaillant sind tot. Jaurös ermordet! Zehn- tausende, die ihm zugejubelt, faulen in der Champagne, im Elsaß, an der Somme, in Flandern. Dr. Brüstlein fitzt wegen Hochverrats im Gefängnis. Wie aus Vineta, der versunkenen Stadt, klingt eS in unseren Ohren:..Vivs Jaurös!'- Er wird auferstehen an einem Maientag mit der Internationale des Proletariats. __ Jakob A I t m a i e r. Ms See phpsi? Ses Millkenftet-Zentimet-ers. Zerlegt man einen Stoff in kleine Teilchen und diese weiter in immer kleinere, so wird die Teilung immer schwieriger und erreicht, je nach der Ari des augeivandteu Werkzeuges, früher oder späier eine Grenze. Physik und Chemie nehmen an, daß die kleinsten Teilchen, aus denen die Stoffs bestehen, noch weit kleiner seien als die wirklich herstellbaren; durch theoretische Ueberlegungen sind die Naturforscher zu der Anschauung gelangt, die wirklich kleinsten Teilchen eine? Stoffes müßten AbMeffungen haben, deren geringe Ausdehnung kaum vorstellbar ist; ihr Durchniesser ist nach Hundert- millionstel-Zentimetern zu veranschlagen; sie sind noch zehntausend- mal kleiner als die roten Blutkörperchen, und die Menge, die in 'einem einzigen Raumzentimeter eines Gase? vorhanden sein muß, ist so ungeheuer, daß man sie sich kaum vorstellen kann: die Gesamt- zahl der Menschen auf der Erde ist verschwindend klein gegen sie, auch die Gesamtzahl aller Menschen, die seit den ältesten geschichtlichen Zeiten unsere Erde bevölkert haben, gibt noch keinen annähernden Begriff davon; erst wenn man sich vorstellt, daß jeder der Erdenbewohner seit den ältesten Ueberlieferungen der Stammvater einer neuen Erde geworden wäre, die das gleiche Werden und Vergehen der Menschheit wie unsere Erde hinter sich hätte, so wird durch die Zahl der lebenden und gestorbenen Bewohner aller dieser Erden ein Begriff veranschaulicht, der mit der Anzahl der Moleküle in einem Raumzentimeter eines Gases vergleichbar ist. j Nach menschlichem Ermesien ist es anSgeschlosien, daß der Physiker oder Chemiker jemals so winzige Stoffteilcheu herstellen wird. Allein einenr Wiener Physiker, F. Ehrenhaft, ist es ge- lungen, Stoffteilchen herzustellen, die nur noch fünfzig- bis hundert- mal so groß sind wie die Bausteine, aus denen die Wissenschaft sich die Stoffe der Umwelt aufgebaut denkt. Diese Stoffteilchen, die Ehrenbast künstlich gewinnt, sind nur ein Hundertstel so groß wie die roten Blutkörperchen; sie haben einen Halbmesser von der Größen- ordnung eines MillionstelkZentimcters und sind im Mikroskop bei geeigneter Anordnung einzeln wahrzunehmen und gut zu beobachten. In die Physik des Millionstel-Zentimeters, die Ehrenhaft begründet hat. führt jetzt ein Aufsatz ein, mit dessen Veröffentlichung Dr. D. Konstantinowsly(Wien) in den.Naturwiffenschaften" beginnt. So winzige Teilchen sind für den Physiker von großer Wichtigkeit bei der Messung elektrischer Ladungen und bei Kräftemessungen überhaupt. Es ist Ehrenhaft nun gelungen, so kleine Stoffleilchen aus Gold, Platin. Silber oder Ouecksilber herzustellen, die für physikalische Versuche besonders geeignet sind, weil das starke Reflekrionsvermögen des Metalles ihre Beobachtung erleichtert. Zur Herstellung dieser Mctallkügelchen erzeugt Ehrenhast zwischen zwei Stäben des zu zerkleinernden Mctalles einen elektrischen Lichtbogen; dieser schmilzt kleine Tröpfchen ab, zerstäubt und verdampft sie, und in der Kälte erstarren sie dann zu Kügelchen der gewünschten Größe. Bei leichter verflüchtigenden Stoffen, etwa Ouecksilber, Schwefel oder Selen, bringt er Stücke in ein Siederohr und erhält dann aus den kondensierenden Dämpfen die kleinen Kügelchen. Die Stoffteilchen sind so klein, daß sie nur ganz langsam herabsinken, gewisser- maßen in das umgebende Gas eingebettet sind und daher abgesaugt werden können. Die Teilchen werden durch eine Bogenlampe von der Seite stark beleuchtet und durch ein Mikroskop senkrecht zur Richtung der beleuchtenden Strahlen beobachtet. Die sich dar- bielendende Erscheinung ist die eines dunklen Himmels, auf dem sich die Bilder der einzelnen Kügelchen als verschieden hellglänzende Sterne abheben. Ehrenhaft hat an solchen Stoffteilchen von Millioustel-Zenlimeter Halbmesser wichtige Messungen durchgeführt. Die Kräne, die nach seinem Verfahren gemessen werden können, sind selbstverständlich ebenfalls von kaum vorstcllbarer Kleinheit; das Gcwichr der kleinsten Probekörperchen entspricht nur noch einer Kraft, mit der zwei Gefäße mit je einem Liter Master Inhalt ein« »ndsr aus einer Entfernung von vier Kilometer anziehen I Deutsthes Theater:«Der fesche RuöK. (Sommergastspicl.) Es ist schwer denkbar, daß sich die Verfasier diese? Schwankes an den reichen Strvin von drolligen mimischen Nuancen nicht wie im Kino ohne textliche Belastung sehen konnte. Den Gipfel erreichte Pallenbergs groteske Charakterisierungskunst, wo derjälte, der Possenheld des Stückes, als Biedermann über elende Strebcreien moralisierend, nach seiner Beförderung berauscht in eine Art von bureaukratischen Cäsarenwahnsinn fällt. ckt. Dke Tomaten?artoffe!. Tomaten und Kartoffeln von einer Pflanze zu ernten, dies Wuirder der Nawr oder vielmehr der Unnatur hat nach einer Mitteilung der„Umschau" eine Gärtnerei in der Umgebung Ber- linS verwirklicht. Eine Kartoffel, die im April in einen Topf gesetzt war und dann im Gewächshaus bis 10 Zentimeter Höhe getrieben hatte, wurde an ihrem stärksten Triebe mit einer Toinatenpflanze gepfropft. Das Gewächs wurde dann iin Laufe etwa eines Monats durch allmähliche Abhärtung zur Verpflanzung ins Frei« oorbe- reitet. Tie beiden Triebe wuchsen dann gemeinsam, Sie der- langen nur einen reichen, lockeren und warmen Boden, häureichcnde Besonnung und eine geeignete Behandlung, wie sie sonst jeder ein- zelnen Pflanze zuteil wird. Von 16 derartigen Gewächsen wurden im ganzen 42 Pfund Tomaten Nied 25 Pfund Kartoffeln geerntet. Die Sache ist übrigens nicht ganz so erstaunlich, wie sie dem Laien erscheinen mag, da Kartoffel und Tomate zur gleichen Pflanzen- gattung Lolamim gehören._ Notizen. — Gräfin und Vohemienne. In Qocarno am Lago Maggiore ist die Gräfin F. zu Reventlow gestorben, eine in der sungen Literaturivelt Münchens wohlbekannte Er- scheinung. Ihr angestammtes Milieu deS alten Holsteiner Geschlechts, ihre eingeengte Jugend und ihre Sehnsucht ins freie Loben hat sie in ihrem ersten(und besten) Roman„Ellen Olestjernc" veran- schaulicht. Frei geworden, hat sie dann in München ihr Leben aus eigene fteie Weise, ohne Rücksicht auf Herkunft und Herkommen gestaltet. Immer auf die eigene Note und die Haltung der Eigen- verautwortlichkeit bedacht. Von der Fron der Uebcrsetzungen aus dem Französischen hat sie sich durch sehr kecke, leichtbeschwingte Bücher erholt, Thema: Münchener Bohemewelt und Liebesabemteusr — die Form: anmutigstes Eigengewächs. Ihre eigene halbe Misere hat sie in amüsanter Weise im„Geldkomplex" parodiert. Merk- würdig, wie aus dem gleichen Stamms feinste, sroieste Kultur und imperialistische Draufgängerei emtsprießen können: ihr Bruder ist O. R. von der bekannten Co-ulenr. Im Cafe Stephanie in München hat die übermütige Gräfin manche luftigen Streiche aushecken helfen. Ihr schönster aber tvar, als sie, die Graziöse, in einem Frauenbuch, das Bilder und Unter- schriften von Zeitgenossinnen sammelte, als korpulente Milchfrau mit entsprechender Handschrift austauchte. Sie hatte einfach das Bild ihrer Milchfrau eingesandt und zur Erläuterung beigefügt, daß das Glend der Schriftstellerei sie zu diesem nahrhafteren Neben- beruf nötige.... — I n der Freien Sezession sind als zweite Gemälde- fammlung des neutralen Auslands jetzt Werke holländischer Künstler ausgestellt: G. H. Breitner. Jsaac Israels, Floris Verster, I. Toorop, I. Thorn-Prtkker, A. von Konijnenburg, B. van der Leck und P. Mondrkm. 51] eoSz. das gelobte Lanö. Roman von W. St. Reymont. Baum war etwas verlegen und steif. Aber die Alte empfing ihn mit großer Herzlichkeit und stellte ihn Berta vor, die auf den Schall der Glocke hereingckonmicn war und neugierig den einzigen Lodzer Don Juan musterte, von dem man sich in der Stadt so viel erzählte. Man lud ihn herzlich zum Tee ein, er bedankte sich aber. „Ich war bei Trawinski zum Abendessen, unterwegs kam ich auf einen Sprung zu Max, geschäftlich, und muß gleich wieder gehen." entschuldigte er sich, niußte sich aber an den Tisch setzen, weil Frau Auguste mit ihrem schönsten Lächeln ihm schon den Tee reichte, Berta mit noch weinerlicher Stimme ihn zum Trinken nötigte und die Alte ihm lächelnd die Kuchen hinschob. Er nahm an, und bald zwang er sie, glänzend gelaunt, alle in seinen Bann. Er war so liebenswürdig, so höflich und elegant, daß nach zwanzig Minuten alle von ihm bezaubert Waren; selbst der Alte, der ihn gut kannte und nicht sehr mochte, begann sich am Gespräch zu beteiligen. Bloß Max schwieg, die Szene mit einem bösartigen Lächeln beobachtend. Endlich erhob er sich, gelangweilt, und als er sah, daß auch Karl genug hatte, nahm er ihn mit sich auf sein Zimmer. Am Tisch herrschte jetzt Stille. Die Kinder saßen beim Großpapa und untersuchten ihre Spielsachen. Josef Jaskulski begann laut vorzulesen, wie er es gewöhnlich jeden Abend tat. Die Mutter strickte, Berta hörte zu und ließ ihre Blicke jeden Augenblick ins Neben- ziinmer schweifen, wo man durch die offene Tür Max und Karl sehen konnte. „Großpapa, tut der Puppe der Fuß nicht weh?" fragten die Mädchen, die die Puppen in ihre Bestandteile zerlegten. „Nein, tut nicht weh," erwiderte er, die hellen, lockigen Köpfchen streichelnd. „Großpapa, tut der Puppe das Köpfchen nicht weh?" fragten sie. den Kopf der Puppe gegen den Boden schlagend. „Das Püppchen lebt ja nicht. Wanda ist dumm." Die Kinder verstummten, bloß Josefs Stimme klang durch den Raum, von Frau Auguftes Seufzer unterbrochen und den Ausrufen Bertas, die der Roman so rührte, daß sie leise zu weinen anfing und anhaltend seufzte. „Eine wunderbar angenehme Stimmung herrscht hier; gut hat man's bei euch." flüsterte Karl. Er streckte sich im Fauteuil aus und blickte mit Ver- gnügen ans die ganze Familie, die � im Eßzimmer versammelt war. „Einmal im Jahr sehr schön; aber nicht öfters." „Das ist schon viel, einen Tag im Jahr zu haben, an dem man die Geschäfte der ganzen Welt ver- gessen kann, alle Lebenssorgen, und sich vom Familienglück umgeben fühlen kann." „Du heiratest ja, dann wirst du das Glück genießen können bis zum Abscheu." „Weißt du, ich werde doch paar Tage aufs Land fahren, nach Hause." „Zur Braut?" „Das ist dasselbe, weil Anka bei meinem Dater wohnt." „Ich möchte sie kennen lernen." „Ich fahr' dich mal hin, wenn anch nur für paar Stunden." „Warum nur für Paar Stunden?" „Weil du's länger nicht aushalten würdest, würdest sterben vor Langelveile. Ach, ist es da langweilig, grau, leer, hast ja keine Ahnung. Wäre Anka nidht da, würde ich's keine zwei Stunden im Hause meiner Väter aus- halten." „Und dem Vater?" „Mein Vater, das ist der mumifizierte Adslstand aus den Zeiten der Demokratie. Ein verbissener Demokrat sogar, aber ein adliger Demokrat, wie unsere ganze Demokratie. Ein sehr interessanter Typ." Karl verstummte und lächelte spöttisch, aber seine Augen schimmerten feucht vor Rührung. Er liebte seinen Vater aus ganzer Seele. „Wann fährst du hin?" „Sobald Moritz zurück ist, ja wenn nur schon Knoll wieder da ist. Heut hat man nach ihm telegraphiert. Buch- holz ist sehr krank, das alte Herzleiden tritt wieder auf. In meiner Gegenwart hatte er einen so fürchterlichen Anfall, daß man ihn kaum retten konnte, was ihn übrigens nicht hinderte. als er wieder zu sich kam, mich in so angenehmer Form zu beschimpfen, daß ich ihm kündigen mußte." „So ruhig sprichst du davon?" schrie Max, als er sah, daß Karl sich erhob und sich die gehäkelten, rotgelben Deckchen ansah, auf denen die Lampen und die Leuchter standen. „Früher oder später hätte ich's doch tun müssen. Ich habe nur die ausgezeichnete Gelegenheit ergriffen, weil mein Vertrag nämlich erst im Oktober abläuft. „Das heißt also, du hattest mal Gelegenheit, die Bruta-j-wäre. litäten mit Empörung und deiner Demission als Zugabe zu beantworten." Karl lachte auf, ging im Zimmer herum und sah sich die Kreideporträts an, die in Reihen an den Wänden hingen. „Die ganze Lebensweisheit beruht eben darauf, daß man sich zur richtigen Zeit empört, zur richtigen Zeit lacht, amüsiert, sich ärgert und arbeitet, ja, sich sogar zur richtigen Zeit von Geschäften zurückzieht. Was sind das für Porträts?" „Das ist unsere Familienmenagerie. Ich begreife wohl den Wert von dem, was du sagst, aber ich habe es nie ver- standen, diesen Augenblick zu erfassen, nie könnt ich mich ihm anpaffcn, immer reißt er mich mit." Karl las laut einen Bibelspruch, der mtt roter Seide auf Stramin gestickt war und in einem Eichenrahmen zwischen den Fenstern hing. „Ach, du liest diese heiligen protestantischen Maximen. Nach alter deutscher Sitte hat man es gestickt und hin- gehängt." „Weißt du, das gefällt mir, diese Bibelsprüche geben dem Haus einen originellen Anstrich." „Hast recht. Trawinski war bei rntS." „Ich weiß es, ich komm' nämlich grab' von ihm, dein Alter hat ihm geholfen." „Ich habe es geahnt, er sprach nämlich nichts mit mtt, mied meinen Blick. Weißt du nicht, wie hoch?" „Zehntausend." „Vorflucht! Diese deutschen Sentimentalitäten!" schimpfte Max leise. „Das Geld ist sicher," beruhigte ihn Karl. „Ich weiß es, dieser Trawinski, der Idiot, wäre ja nicht fähig, zehn Groschen unanständig zu verdienen. Aber eS gehl mir darum, daß der Alte allen hilft, an die er nur glaubt, und daß selbstverständlich alle ihn ausnützen. Die Fabrik kann kaum noch atmen, alle Lager sind mit fertiger Ware so vollgestopft, daß man nirgends mehr was hintun kann; wie die Saison sein wird. weiß nian auch nicht, und da leistet er sich freundschaftliche Philanthropie, rettet andere." „Das stimmt, den Trawinski hat er gerettet." „Aber sich richtet er zugrunde, mich richtet er zugrunde." „Tröste dich, dafür hast du den anständigsten Menschen in Lodz zum Vater." „Spotte nicht, ich hätte es lieber, wenn er bissel klüger (Lortj. folgte O D EW O CHE o-i. au�o ist BERLIN der Treffpunkt der Fachleute des In- und Auslandes! Anmeldungen fctynellftens erbeten an den Verband der deutfdjen Wode-Jnduftrie, Verlin 10 8, Vriedritijßraße 61 Verkäufe Elceante Kostüme, Tamen- mäntel, Damciuststcr, Damen- röckc, Blusen, Oerrenanzüge, Bnrschenanzügc, D'iulcrvaletotK, Ulster, Pelzsachcn. Löwenthal. Neukölln, Berlinerstr. 41. ILK* Pfaudleihhaus, Hcrmann- play 6. MastenauZwahl! Pelz- lachen! 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August 1291 versammelten sich die Vertreter der Landleute des Tales Hrst der Gemeinde des Tales von Schwyz und der Gemeinden der Landleute des unteren Tales von llnterwalden,„in Betracht der bösen Zeit, auf daß sie sich und das Ihrige besser zu schützen vermögen... gelte es Per- sonen oder Sachen... gegen alle und einen jeden... er- neuerten und stärkten den uralten Bund mit heiligem Eide ... gelobten, niemalen einen fremden oder bezahlten Richter anzunehmen.. und drückten unter das im Namen des Herrn und in ihrem Auftrage und Sinne von einem schreib- kundigen Pfaffen verfaßte Wort des ältesten Bundesbriefs die Siegel von Uri, Schwvz und Unterwalden. Sollte unter eint oder andern der Verbündeten ein Zerwürfnis entstehen, so sollen die Einsichtigeren aus den Verbündeten zusammen- treten, um den Streit zwischen den Parteien gütlich beizulegen, so wie es ihnen am zuträglichsten scheinen mag, und welche Partei ihrem Spruche sich nicht fügen wollte, gegen die sollen die übrigen Verbündeten sich stellen f., wider den sul ent die andern zemengesworne alle sin"). Im selben Jahre verbünden sich die Urkantone gegen außen mit dem Rat und den gesamten Bürgern von Zürich. Wenn einer in ihr Land wollte fahren, dem sollen und wollen sie es wehren mit aller Macht; und wenn sie es nicht der- wehren möchten, so wolle sie ihn dessentwillen(an seinen Be- sitzungen) angreisen mit Raub, mit Brand und mit allem, was sie hierfür zu tun vermögen. Sechshundertsiebenundzwanzig Jahre sind seither in die Geschichte geflossen. Starb mit den alten Eidgenossen auch der Geist des Rütlischwurs? Weht nicht vielmehr Höhenluft auch durch unsere Zeit? Aus den drei Urkantonen ist ein V ö l k e r st a a t von fünfundzwanzig Ständen geworden, mehrfältig in Rasse und Religion, vielartig in Sprache und Dialekt, einig im Heimat- gefühl. Die Größten aller Länder haben sie besungen in Farbe, Wort und Ton, die schöne freie Schweiz. Des Deut- schen und des Lateiners Tell sind gleicherweise Weltgut. Kein Land der Erde, in dem sich keiner nach einer idealen Schweiz- sehnte. Trotzdem bescherte uns das zwanzigste Jahrhundert die Ungeheuerlichkeit eines Weltkriegs. Keiner hat ihn ollein verschuldet, niemand ist unschuldig an ihm. Am 1. August, wann die ganze Menschheit mit der Schweiz den Freiheitbrief der Alpensöhne feiern sollte, jährt sich zum fünften Male der Schreckenstag, an dem die Furien ihr wüstes Kriegsgeschrei rund um den Erdball trugen. Europa ist verarmt an körperlichen und seelischen Gütern. Krank bis in die Knochen. Längst sind sie sich der unheimlichen Wahr- beit bewußt, die Streitenden unseres Weltteils. Alle möchten sie umkehren auf dem glitschigen Pfad am Rande des Ver- derbens. Jedoch keiner vermag es mehr allein, jeder ist zu schwach dazu; und so erraffen sie ihre letzten Kräfte, um wenigstens dem Feind noch möglichst zu schaden. Sie spähen Hinsiber nach dem Land Neutralien, ob kein Wunder geschehe, und rufen die entferntesten Völker um Hilfe an. Zlber die Schweiz ist winzig klein geblieben. Zu den Fünfundzwanzig ist schon sehr lange kein neuer gekommen. Und die Helfer in West und Ost sind des Zauberlehrlings unerwünscht waltende Geister. Wäre es nicht hoch an der Zeit und für Europa verdienst- lich, an diesem 1. August zu einem allgemeinen pater poccavi anzutreten? Oder soll Europa ganz in Fetzen gehen? Schon hat sich die Neue Welt rings um die.Alte eingenistet und ver- ankert. Immer enger zieht sie die Schlingen. Hat Europa noch zu wählen? Ist es nicht äußerst dringend, den nutzlosen inneren Hader zu begraben, Hand in Hand zum Rütli zu wallen und mit heiligem Eide sich zu verbünden,„in Betracht der� bösen Zeit, auf daß sie sich und das Ihrige besser zu schützen vermögen, gelte es Personen oder Sachen, gegen alle und einen jeden", zu geloben, innere Zerwürfnisse g ü t l i ch b e i z u l e g e n, als Zusammengeschworene gegen dre Partei, die sich ihrem Spruche nicht fügen wollte? Die bisherigen Gewaltmittel versagten. Sie bilden keine Grundlage für wahren Frieden. Dafür stärken sie die gemeinsamen Feinde in Ost und West. Völker Europas, gedenkst der alten Eidgenosien am 1. August! Wie ihnen werden sich Eurem Bund zahlreiche anders anschließen und Eure Stärke wird den ewigen Frieden sichern. » Eine Sondernummer des Armeeverordnuugsblattes've" öffentlicht einen kaiserlichen Erlaß an Heer und Flotte, worin eS heißt: ..Ihr steht mitton im schwersten Kampf, verzweifslte Kraftanstrengung dcS Feindes wird wie bisher an Eurer Tapfer- !eit zunichte. Des bin Ich sicher und mit Mir das ganze Vater- l den VerfvayZkontrahenien vorzuschlagen, die Tarife mn ein Jahr bis zum 31. Juli 1920 zu verlängern. Der Zentral- verband deutscher Konsumvereine ist diesem Vorschlag beigetreten und stimmte der Vertragsverlängerung zu. Außerdem wurde be- züglich der Bäcker vereinbart, daß die Regelung der Bezahlung der Ueberstunden an Sonn- und Feiertagen, die seicher wie die Ueber- stunden an Werktagen berechnet werden, nach Erlaß des Nachtback- verbot-Gesetzes erfolgen soll. Eine Lohneingabe für die obcrschlefischen Bergarbeiter haben die vier Bergarbeiterverbände an den Schlesischen Berg und Hüttenmännischen Verein gerichtet. Es werben in der Eingabe folgende Vorschläge zur Lohnaufbesserung gemacht: 1. Das Gedinge der Hauer ist derart zu erhöhen, daß bei normaler Arbeitsleistung ein Lohn nicht unter 12,50 M. verdient werden kann. 2. Der ersten Forderung entsprechend Erhöhung de? Ge- dmges für Füller und Schlepper, so daß ihr Lohn im bisherigen Verhältnis zu dem Hauerverdienst bleibt 3. Werden Hauer im Schichtlohn beschäftigt, so ist ein Lohn von 10 M. zu zahlen. 4. Allen unter und über Tage beschäftigten Arbeitern und Arbeiterinnen, einschließlich der Jugendlichen, ist eine Lohn- erhöhung von 25 Proz. zu gewähren. Soweit für dies« Arbeiter im Juli bereits Lohnzulagen bewilligt wurden, können sie in An- rechnuug gebracht werden. 5. Für jedes Kind unter 14 Jahren ist eine monatliche Zu- läge von 0 M. zu zahlen. Gleichzeitig ist die Eingabe mit dem Hinweis auf dich immer krasser zutage tretende Notlage der Arbeiter dem stÄIvertmenden Generalkommando und dem Oberbergamt Breslau, dem Handels- Ministerium und dem KrisgSamt tri Berlin übermittelt worden. Diese Behörden werden gebeten, ihren Einfluß aufzubieten, daß die dem Berg- und Hüttenverein angeschlossenen Werke den in der Eingabe aufgestellten Lorschlägen entgegenkommen. DaS Wiedererstarken der österreichischen Gewerkschaften. Der Bericht über die Entwicklung der österreichischen Gewerk- schafien für das Jahr 1917, der soeben in dem Organ der öfter- reichischen Gewerksckaftskommission erschemt, zeigt«in erfreuliches Erstarken der Mitgliederbestände. Während am Ende des Jahres 1916 die Gesamtmitglicderzohl 13 6 9 3 7(138 789 männliche und 23 148 weibliche) betrug, stieg dieselbe am Schlüsse des Jahres 1917 auf 3 1 1 0 6 8, und zwar auf 232 066 männliche und 79 002 weibliche Mitglieder. Gegenüber dem Abschlüsse des letzten Friedens- jahves(1913) zeigt sich allerdings noch immer ein Minus von etwa 104 000 Mitgliedern; allein wenn man bedenkt, daß die Hundert- tausende der zum Kriegsdienst eingezogenen Gewerkschaftsgenossen in den angegebenen Zahlen nicht einbegriffen sind, so läßt diese neuere Enttvicklung erkennen, daß die Arbeiterschaft den GeWerk- schaften das größte Vertrauen entgegenbringt. Die Entwicklung der finanziellen Verhältnisse ist ebenfalls eine erfreuliche gewesen. Die Einnahmen sind von 4,63 Millionen Kronen im Jahre 1916 auf 5,93 Millionen Kronen im Berichts- jähre gestiegen. Allerdings sind auch die Ausgaben infolge der all. gemeinen Preissteigerungen größere geworden, 5,20 Millionen Kronen gegen 4,43 Millionen Kronen im Vorjahr. Die Ausgaben für Unterstützungen haben absolut und relativ eine Verminderung erfahren. Nach 5dronländern geordnet, stebt Wien mit 113 157 Or- ganisterten an der Spitze; eS folgen Niederösterreich(52 620), Böhmen(■46120), Steiermark(24 241) usw. Diese vier zusammen ergeben 75 Proz. aller Gewerkschaftsmitglieder. Der stärkste Per- band ist der der Metallarbeiter; er hatte im verflossenen Jahr rund 77 000 Aufnahmen zu verzeichnen und kam damit auf 107 018 Mit- glieder, wovon 31 MI weibliche. Diesem folgen die Eisenbahner mit 55 061, die Textilarbeiter mit 30 889, die Bergarbeiter mit 14 678, die chemischen Arbeiter mit 13 318 Mitgliedern usw.— Der Gesamtvermögcnsbestand hat sich im Jahre 1917 um rund 2 Mil- lionen Kronen vermehrt und hat damit die Höhe von 16,62 Millio- nen Kronen erreicht._ ?nöustrie und Handel. Tie Volkswirtschaftspolitik der Sowset-Rcpublik. Umdroht von Feinden im Innern und von außen, setzt die Räveregierung ihr Werk der Nationalisierung der Produktion?- mittel fort Wie weit ihre Bestimmungen nur auf dem Papiere stehen, ist nicht klar. Sicher ist. daß in Rußland eine große Ar- beitSlosigkeit herrscht, sicher, daß Hunger und Krankheit schwere Opfer heischen, sicher, daß in manchen Zweigen der Volks- und Staatswirischast eine beklagenswerte Desorganisation andauert. Auf der anderen Seite sei angeführt, was der Sonderberichterstatter des„Berliner Tageblatis". Hans Vorst, über die wirtschaftliche Tätigkeit der bolschewistischen Regierung schreibt:.Heute ssei nur bemerkt, daß die Sowjct-Regierung gerade jetzt vor der neuen Ernte ihre schwerste und kritischste Zeit durchzumachen hat. Bei objek- tioer Würdigung kann man nicht verkennen, daß die Regierung auf vielen Gebieten eine gewaltige organisa- torische Arbeit leistet. Aber die Schwierigkeiten sind über- mäßig, und liegen teils in der gesamten wirtschaftlichen und poli- tischen Situation, teils im System selbst begründet." Unter den neuen Maßnahmen der bolschewistischen Regierung sei besonders erwähnt, daß nunmehr alle Aktien. Schukdverschreibun. gen und sonstigen Wertpapiere annulliert sind und als völlig entwertet weder von den Staatsorganen noch im Privatverkehr angenommen werden; aus- genommen sind die Staatsanleihen in privatem russischen oder aus» ländischen Besitz in Banken, Jnstituftonen oder Organisationen, für welche den Abteilungen der BolkSbank der Russischen Föderativen Sozialistischen Sowjet-Republik kein Verzeichnis oder Auszug vor- gelegt worden ist. Der Schlußsatz dieser Verordnung ist nicht recht verständlich. doch scheint er eine Durchbrechung des allgemeinen Grundsatzes der Annullierung von Aktien in dem Sinne zu enthalten, daß der aus- ländifthe Besitz geschont wird. Ein weiteres Dekret des RateS der Volkskommissare konfisziert die Aktienkapitalien der ftübersn Privatbanken einschließlich ihrer Reserven, annulliert alle Bank- aktien und bedroht jeden Sandel in Bankaktien mit Gefängnis bis zu drei Jahren und die Nichtabliefcrung von Bankaktien iint der Konfiskation des ganzen Eigentums. Auch über die Annullierung von Staatsanleihen ist ein besonderes Dekret erschienen, wonach grundsätzlich alle Ver- bindlichkeiten des Staatsschatzes, die vor dem 25. Oktober 1917 ent- ltguden sind, annulliert sind. Doch können jene Personen, die einen Besitz von nicht mehr als zehntausend Rubel Staatspapiere oder Gold haben, eine lebenslängliche Rente von diesem Betrage beziehen. Personen im Besitze von zehn- bis sünfundzwanzigtausend Rubel Staatspapieren haben Anspruch auf eine lebenslängliche Rente von dem Kapital der ersten zehntausend Rubel. Die bolschewistische Regierung erklärt die Schuldverschreibungen der Freiheitsanirihe im Werte von nicht über hundert Rubel dem Papiergelde gleichwertig. Ebenso müssen die Kupons aller Staats- Wertpapiere, die bis zuin 1. Dezember 1917 laufen, ohne jeglichen Abzug bei allen Zahlungen und Geschäften angenommen werden. Diese neuen Bestimmungen laufen also offenbar auf eine starke Vermehrung des Papiergeldumlaufes hinaus. In der nächsten Zu. kunft beabsichtigt die bolschewistische Regierung, alles bisher ausgegebene Papiergeld zu annullieren und da- für neue Rubel in den Verkehr zu setzen. Wie schon angekündigt, wird der gesamte Außen- Handel verstaatlicht. Handelsabmachungen mit fremden Staaten und einzelnen ausländ'.schen Handelsunternehmen erfolgen im Namen der russischen Republik durch besonders dazu ermächtigte j Organe. 1 Den verstaatlichten Stsudikaisverkaufsstellen Prodamot_ und Krowla wird der ausschließliche Vertrieb von Eisen. und Stahlprodukten übertragen. Di« Bolschewisten versuchen auch, in der Landwirtschaft dem verstaatlichten Großbetriebe Geltung zu verschaffen. So wer- den alle früheren Grundstücke des Moskauer Gouvernements, welche nicht weniger als 80 Deßjatinen(zirka 90 Hektar) Land haben, zusammen mit dem dazu gehörigen landwirtschaftlichen Inventar unid Viehbestand unter unmittelbare Verwaltung des landwirt- schaftlichen Kommissariats gestellt und als Großunternehmungen für Rechnung des Staates bewirtschaftet. An der Spitze der Vcr- waltiing jeder dieser Sowjet-Farmen steht eine landwirtschaftlich gebildete Person. Zur Verwaltung der Sowjet-Farmen werden Vertreter der städtischen Sowjets und anderer städtischen proleta- rischen Organisationen herangezogen, die die Aufgabe haben, das städtische Fabrikproletariat und die Dorfarmcn mft Nahrungs- Produlten zum Ankaufspreise zu versehen. Soziales. Die Heeresverwaltung für den Achtstundentag. Zum großen Entsetzen der„Deutschen Arbeitgeber-Zeitung" zeigt sich die Heeresverwaltung sozialen Erwägungen zugänglich. Im besetzten Frankreich zieht die Heeresverwaltung die Ein- Wohnerschaft zur Arbeitsleistung heran. Sie wird hauptsächlich in der Landwirtschast, beim Straßenbau, auf Proviantämtern usw. beschäftigt. Die Arbeitszeit betrug bisher 9 Stunden täglich. Nur in Ausnahmefällen wurde länger und des Sonntags gearbeitet. Nun hat das Oberkommando einer Armee in den besetzten Ge- bieten folgende Verfügung erlassen: »Die arbeitgebenden Dienststollen müssen bei dem äugen- blicklich besonders starken Mangel an Arbeitskräften in der Armee mit aller Sorgfalt darüber wachen, daß durch Hebung von Arbeitslust und»kraft die verfügbar« Arbeiterzahl bestmöglichst und restlos ausgenützt wird. Neben beständiger Sorge um gute Unterbringirng und Ver- pflegnng, schonender Behandlung der Bekleidung ist dies zu er- reichen durch Kürzung der Anmarschwege und strenge Ein- Haltung der achtstündigen Arbeitszeit(einschl. Anmärsche). Außerdem sind Ruhetage dringend er- forderlich. Der gegebene Tag ist der Sonntag, der auch am Vormittag frei sein soll. Machen dringende Aufgaben eine SmrntagSavbeit unvermeidlich(Ernte usw.), so muß möglichst in der Woche ein Ruhetag eingelegt werden." Die Begründung� dieser Maßnahme sagt gewiß nichts Neues. Sozialdemokratische Partei und Gcwerkschaften haben diesen theo- retischen Standpunkt schon immer vertreten. Der von der.Deut- scheu Arbeitgeber-Zeitung" aus der Rumpelkammer wieder hervor- gebrachten Unlernehmertheorie, daß lange Arbeitszeit im Interesse der Volkswirtschaft liegt, schlägt sie aber moralische Ohrfeigen. Lange Arbeitszeit liegt nicht einmal im Unternehmerinteresse, wie vorstehende Verfügung zeigt, wieviel weniger im Interesse der Volkswirtschaft. Die Arbeiterschaft wird sich des neuen Bundes- genossen im Kampfe für den Achtstundentag gut zu bedienen wissen. Die Unfallversicherung in der Metallindustrie.- Die großen Berussgenosiensckmften der Eisen- und Stahl« induslrie haben nunmehr ihre Geicbäflsberiöbie auf da? Jahr 1917 erscheinen lassen, so daß ein Ucberblick über die Geslaliung der Unfallversicherung in diesem Haupterwerbszweig schon möglich ist. Er zeigt, daß die Entschädigungsgewährung einen weiteren erbeblichen' Rückgang gesunden bat. Trotz der Zunahme der Zahl der Betriebsunfälle. Die auf die ein« zelne dnrchichniulich versicherte Perion entfallenden Enlichädigungs« betrage Verminderren sich von 1915 zu 1917 bei der Nordöstlichen Eisen« und Stabl-BernfSgenossenichaft(die für Berlin und die Provinz Brandenburg zuständig ist) von 17,33 M. auf 14,08 M., bei der Süddeulschcn Eiien» und Slahl-BeruiSgenossen- ichast von 17,90 M. aus 12,84 M.. bei der Siidwestdentschen Eisen« BerufSgenossenschast von 29,41 M. auf 20,41 M„ bei der Hüllen« und WalzwerkS-BerusSgenosienichaft von 29,40 M. auf 22,63 M., bei der Maschinenbau- und Kleineisendustrie-Beruis» genossenschaft von 15,15 M. aus 12,13 M,, bei der Sächnich- Thüringischen Eisen- und Slahl-BerufSgenosienschafr von 12,1« M. aus 10,31 M., bei der Schlesischen Eisen» und Stahl-Beniss- genossenlchait von 20,93 M. aus 17,48 M.. bei der Noidwestlichen Eisen« und Slahl-Beruksgenossenschaft von 18,96 M. aus 16,83 M. Diese Ziffern zeigen nebenbei auch recht große Verschiedenheiten in der Rentengewährung, So sind z. B, die Renten in Sachsen und Thüringen nur halb so hoch wie in Südwesldeuischland. Diese Unlerschiede sind aus den abweichenden wirlschafilichen Verhältnissen nicht zu erklären. Noch mehr in die Augen springend ist der Krebsgang, wenn man die gezahlten EnlichädigungSbelräge auf eine bestimnne Lohn« summe bezieht. Dicics Verfahren ist deshalb zutreffender, weil sich bekanntlich eine Ilnsallrente neben dem Grade der Er- werböunfähigkeil eineS Verletzten nach dessen JahreSarbeitSver» dienst richtet. Bezogen auf je 1000 M. der onrechnungS- täbigen Löhne verminderten sich die Entschädigungsbeiträge von 1915 auf 1917 bei der Nordöstlichen Eisen« und Siahl-BeruiSgenossen« (alio in verlin und Brandenburg) von 10,56 M. auf 5,51 M,. bei der Siidwesideulschen Elsen-BerusSgenossenichait von 20,80 M. auf 11,18 M, der Hüllen« und Walzwerks Berufsgenosien« schast von 15,00 M. auf 8,21 M. Der Schlesischen Eisen- und Stahl-Berufsgenosienschait von 17,07 M. aus 10,96 M. Der Nord- westlichen Eisen« und Slahl-BerusSgenossenschaft von 11,32 M, aus 7,45 M.. Südwestdeulsche Eisen-BerufsgenosseNschaft von 22,68 M. auf 14,58 M. usw. Die Zahl der Versicherten fand bei seder Berufsgenoffenschaft eine starte Zunahme. Bei der Noidöstlichen Eilen« und Siahl- BerufSgenoslenschafl(Berlin und Brandenburg) erhöhte sie sich von 144 723 im Jahre 1916 auf 180 559 im Jahre 1917. Da« mit ist die durchschnitlliche Zahl auS der letzten FriedenSzeit<134 495 im Jabre 1914) erheblich übeitroffen. Die Zahl der Betriebe blieb überall ungesöhr die gleiche, bei der Nordöstlichen Eisen- und Siahl« Berufsgenosienschait 9266 im Jahre 1917. Die Summe der ge- zahlten Löhne erböbte sich bei dieser von 196 Millionen Mark im Jahre 1913 aus 268 Millionen Mark im Jabre 1916 und 461 Mill. Mark im Jabre 1917 oder je versscherlen Vollarbeiler(300 Arbeits« läge) von 1321 aus 1855 und 2553 M. Doch dürfen die Berliner Verhällnisse nicht mir denen in anderen Bezirken verglichen werden. Bei keiner einzigen der anderen BerusSgenosienschasten ist eine solche Steigerung der Löhne eingetreten. ES braucht wohl hier nicht hin« zugefügt zu werden, daß die Vertenernng der Lebenshaltung noch größere Schritte gemacht hat. Bei der Nordöstlichen Eiien« und Siabl-BerukSgenoffenichaft erhöhten sich noch von 1916 zu 1917 die Ausgaben fiir Feststellung der EntschSdigungen lna« mentlich Arztgutachten) von 67 843 auf W 861 M,. die all« gemeinen Verwaltungskosten von 387 902 aus 465 117 M die ab« ioluten Gesamtausgaben von 3 201 891 auf 4 527 403 M. usw. Die Zahl der Unfälle hat im allgemeinen zugenommen, bei manchen Bernfsgenossenschafien sogar erheblich. So vermehrte sich z. B, die Zahl der gemeldeten Unfälle bei der Sächsssch- Thüringischen Eisen« und Stabl-Berufsqcnossenschaft von 11374 im Iahte 1915 aus 15 086 im Jahre 1917 oder von 76.3 auf 78.2 je 1000 Versicherte. Die Zahl der Gelöteten vermehrte sich von 67 auf 81. Stark zugenommen bat überall die Zahl der weiblichen Verletzten. Vom Standpunkt der Arbeiter aus betrachtet bieten die Geschäftsberichte kein günstiges Bild der Entwicklung. Vernntwort!, 1, Politik: Dr, Pfrnn*»ikdrrlch, PerlimFrtedenau! Nir t>, llbrig Teil des ViotieS Älfred eÄol«, Neuliltln: ISr Anjeigen: Theodor«l-ike, Berb Verla«: Porwärts-Perlag gl. m, d, H,. Perlin. Druck: BorwSrts-Puchdrucke: und BeriagSunsloit Paul Singer u, iio. in Perlin Lindenstratze 3. Hierzu 1 BeUagc and tUuerhatuengSbiatt.