Dr. T10. 38. Jahrg. Bezugspreis: Älerleljührl..,50 Mk. monall. 1JBBW, frei ins Haus, voraus,, ahlbar. Einzelne Nummern>0 Vsonnig, Postbezug: Moncunch, vom Pvstschalter abzuholen 1�0 M!., vom Briesträger ms Haus ge- bracht l.St Ml. ilnter Kreuzband sür Dsullchlard und Oesterreich. Unoarn 3.- Mk. Hie das übrige Ausland 4,50 Mi. monatlich, Bert and ins Feld bei direkter Bestellung monall. i,36M!. Bostbeiteüungen nehmen an Däne» mark, Holland, Luxemburg, Schioeden und die Tchweiz. Eingetragen in dt« Host-.steitungS-Bretsllsre. Erscheint täglich. Telegramm» Adresse: »Sozialdemokrat Berlin�, Vevlinev Volksblstk. (ivpksnnlg� Anzeigenpreis: Die NeSengefpaltene Kolonelzeilekosl et SO Psg,„Kleine Anzeige»", das settgedru-kte Wort So Pfg.(zulässig 2 fettgedruckte Worte). ledes weitere Wort lö Psg, Stellengesuche und Schlafsiellenanzeigen das erste Wort 20 Psg., jedes weitere Wort Ig Psg. Worts über 1B Buchstaben zählen. für iwe> Worte. Teueruugszuichlag 20°/» Familicn-Anzeigen, politische und gewerkschaftliche Vereins- Anzeigen 60 Psg. die Zeile. Anzeigen für die nächste Nummer müssen bis% Ubr nachmittags im Hauptgeschäfi. Berlin EW. 68, Lindsiislratze 3, abzegeben «erden. Geöffnet von 8 Uhr früh bis 7 Uhr abends. Zentralorgati der rozialdemokratifcben Partei Deutfchlands. Redaktion: SW. 68, Liaöeastraße 3. ffernförerfier: Amt Mortstvlail, Nr. 101 30— 151 97. Freitag, de« A. August 1SI8. Expeüition: SW. H8» Linöenstraße 3. afer«svrech«r: Amt Moriyplap, Nr. 181 SV— 101 S7. yeMge Kämpfe bei fere en Mensis. Der Sieg Longuets. Endgültige Entscheidung durch deu Nationalkongretz. Ter Sieg der von Longuet geführten Linken im National- rat der französischen Sozialisten ist zweifellos ein Ereignis von weitreichender Bedeutung. Der Sieger selbst schreibt in seinem „Populaire", es sei kein Zweifel mehr möglich, daß der ihm so günstige Beschluß des Nationalmts die Absichten der großen Arbeiter- und Bauern Massen des Landes zum Aus- druck bringe. Der kommende Nationalkongreß(den Renaudel in dar„Humanitö" anruft) könne den heißen Wunsch der Massen auf den Völkerfrieden und die Wiederher- siellungderJnternationale nur mit neuer Kraft bc- stätigen.. Mittlerweile hat der Nationalrat auch wirklich beschlossen, den Nationalkongreß der Partei als letzte Instanz binnen zwei Monaten einzuberufen, um die Politik der Partei endgültig festzulegen. Es läßt sich voraussehen, daß die Vorbereitung dieses Parteitags von heftigen Kämpfen begleitet sein wird, die die nur äußerlich und mühsam festgehaltene Einheit der französischen Partei aufs schwerste gefährden dürsten. Der Streit, der in Frankreich ausgekochten wird, dreht sich nicht um die Kreditoewilligung. Was die Minderheit fordert, das ist eine geradlinig auf den Verständigungsfrieden gerichtete, «der die Landesverteidigung in keiner Weise in Zweifel ziehende Politik. Darum werden imperialistische Kriegsziele verworfen, wird die Intervention der Entente in Rußland mißbilligt, wird auf der Erteilung von Auslandspässen zu einer internatio- nalen Konferenz bestanden. Das alles sind aber Dinge, die aus einem Parteitag der deutschen Sozialdemokratie gar keinen Streit hervorrufen würden. In Frankreich streitet man sich über Dinge, über die wir hier ganz einig sind, ist sich aber im wesentlichen einig über Dinge, über die wir hier streiten. Darum ist es keine Einmischung in stemde Angelegenheiten, wenn wir unserer Hoffnung Ausdruck geben, daß der National- kongreß den Beschluß des Nationalrats bestätigen möge. Auch wir sind Gegner aller Eroberungen hüben und drüben, auch wir wollen den Verständigungsfrieden, den wir am liebsten durch eine internationale Soziali st enkonferenz vor- bereiten möchten. Wir hegen die Zuversicht, daß auf einer solchen Konferenz alle, die guten Willens sind, zu der Erkenntnis ge- bracht würden, daß die deutsche Sozialdemokratie gar nicht daran denkt, ihre alten internationalen Grundsätze zu verleugnen. Sie wird sich nie dazu mißbrauchen lassen, imperialistischen Macht- zielen der Ententebourgeoisie Vorspann zu leisten, sie ist jeden Tag bereit, sich mit den Arbeitervertretern aller Länder zu einer gemeinsamen Aktion zu vereinigen, die die Herstellung eines dauernden, die Lebensrechte aller Völker achtenden Weltstiedens zum Ziele hat. Jean Longuet, der Sohn von Charles Longuet und Jenny Marx, ist ein echter Internationaler, man begreift den Schmerz der französischen Nationalistenpresse, diesen Enkel von Karl Marx an der Spitze der sozialistischen Partei zu sehen. Aber „France Libre", däs Organ der national überhitzten Varenne- Thomas-Grnppe, ist entschieden im Irrtum, wenn sie schlecht, die Politik der nationalen Verteidigung habe eine schwere Schlappe erlitten. Tie Politik der nationalen Verteidigung ist von der internationalen Linken nie verlor Kmet worden. Diese denkt ebenso wenig daran, bedenkliche Experimente mit der Landesverteidigung zu machen, wie die deutsche Sozialdcmo- kratie. Der Beschluß des französischen Nationalrats ist um so höher zu bewerten, da er zu einer Zeit gefaßt wurde, in der ein großer Teil der öffentlichen Meinung Frankreichs den nahen Zerschmetterungssieg über Deutschland prophezeien zu dürfen glaubte. So darf er auf keinen Fall als ein Auf- lölungssymptom aufgefaßt werden innerhalb einer Nation, die nur deshalb den Frieden will, weil sie sich des Erlahmens ihrer Kraft bewußt ist. Siegte die Linke nicht nur in der Partei, sondern in ganz Frankreich und in der ganzen Entente mit ihren Anschauungen, dann wäre die Zeit zu einem ehrlichen V e r st ä n d i g u n g s f r i e d e n da. keineswegs aber die Zeit, um die imperialistischen Früchte eines„deutschen Machtfriedens" zu pflücken. ES wird gilt sein, wenn man sich in Deutschland dessen klar bewußt ist. Die Heute nach vier Kriegsjahren. Berlin, t. August. Tie Zahl der in den Sagern der Mittel- mächte befindlichen Gefangenen beträgt cm Ende des vierten KriegSjahreS über 3 800 000 Mann, davon sind allein in Deutsch- land rund 2 300 000 Mann. Das letzte Kriegsjahr hat die Gefangenenzahl um so st 840000 Mann vermehrt. Das eroberte Kriegsmaterial des vergangenen Jahres hat die bisherige Beute auf folgende ungeheure Zahlen erhöht: An Stelle der bis zum 2. August tSH erbeuteten 12118 Geschähe sind es nunmehr fast 23080, anstatt der 8352 Maschinengewehr« fast Feindliche Angriffe östlich Före en Tarde- nois und bei Perthes znrnckgeschlagen— Oesterreichisches Vordringen bei Berat— Englischer Angriffsstng gegen Saarbrücken gescheitert. Berlin, 1. August 1918, abends. Amtlich. Nordwestlich Före en Tardenois heftige Kämpfe. An der übrigen Kampffront nichts Wesentliches. Amtlich. GrsßrZ Hinptquartier, 1. August 1918.(W. T. B.j Westlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht. Zwischen D p e r n und B a i l l en l am frühen Morgen vor- übergehend lebhafter Feucrkampf. Die tagsüber mäßige Artillerie- tätigleit lebte am Abend an vielen Stellen der Front in Ber- bindung mit ErkundungSgefcchten auf. Heeresgruppe Deutscher Kronprinz. Oestlich von Fdre en Tardenois setzte der Franzose am Nachmittage wiederholt zu heftigen Teilangriffcn an. Wir warfen den Feind im Gegenstoß in seine Ausgangslinie» zurück. An der übrigen Kampffront Artillericfeucr wechselnder Stärke x kleine Borfeldgefcchte.> Nordöstlich von Perthes versuchte der Feind nach starker Feuervorbcreitung den ihm am 30. Juli entrissenen Stützpunkt wiederzunchmen. Er winde unter Verlusten abgewiesen. Erfolg- reicher eigener Borstoß südlich vom Fichtelbcrge und in den Argonncn. H e e r e S g r o p p e H e r z o g A l b r e ch t. Jnfantcriegefechte an der Mosel und am Parroh-Wald«. Wir machten hierbei Gefangene. Der Gegner verlor gestern an der Front im Lnftkampf und durch Abschuß von der Erde auS 25 Flu.zzcuge. Weiterhin wurde ein im Angriftsfluge gegen Saarbrücke» befindliches englisches Geschwader von sechs Großkampf« flngzeugen von unseren Front- und Heimat-Jagdkräften, bevor es seine Bomben abwrrjen konnte, vernichtet. Aus einem zweite» ihm folgenden Geschwader schössen wir ein weiteres englisches Eroßkampfflugzeug ad. Der Erste Generalauartiermeister. Ludendors Der österreichische Bericht. Wie«, 1. August. Amtlich wird verlautbart: Italienischer Kriegsschauplatz. Gefchützkampf und Erkundungstätigkeit waren gester« a« ganzer Südwestsront sehr rege. Borgester« hat ein starkes italienisches Bombe»« geschwader unsere venetianischen Flugfelder angegriffen. Unsere Flieger warfen fich dem Feinde entgegen und verhinderte» ihn, irgendwelchen Schaden anzurichten. Albanien. Die von unseren albanischen Krä'ten vor Wochcnsrist auf- genommenen Angriffe zwangen nach vergeblichen Gegenangriffen den Italiener nordwestlich und nordöstlich von Lernt seine erste» Linien und beträchtliches Gelände dahinter auf 3V Kilo- mctcr Frontbreit« preiszugeben. Uiisere braven Truppen, deren Kampfleistungen um i« höber zu bewerten sind, als ihnen Hitze und klimatische Lerhältuissc große Mühsalc anfcrlegtcn, folgen dem«eichenden Gegner. Der Chef de? Generalstabes. 38 000, das heißt das VicrnnhaDfach«. während sich di« Zahl der Fahrzeuge von 10 640 mfi einer Erhöhung um 65 OVO versieben- facht hat. An Panzerwagen sind, ungerechnet die vernichteten, 365 in deutsche Hände gefallen, davon allein im letzten Jahre 300. Dazu kommen seit dem 1. August 1917 rund 1 Million G e- wehre, über 6 Millionen Schuß Artillerie- und 200 Millionen Schuh Infant eriemunition, rund 3000 Loko- motiven und 28 000 Eisenbahnwagen. Zahlenmähig gar nicht festzulegen sind die durch die deut- schen Offensiven rm Westen und Osten seit einem Jcvbre den Feinden zugefügten ungeheuren Verluste an eingebautem Material aller Art. Eisen, Beton, Draht,' an Baracken. Feldlagern und Lazaretten, Pionierparks, Beklei-' dungS- und AnsrüstungSmagazinen, Feli bahn gerät und Brenn- stoffen. AuS all diesem ergibt sich, wie weit die deutsche Heeres- leitung ihr Ziel, die Schwächung der Kampfkraft des Verbandes, erreicht hat. Zugleich ist das Bslksvermögen des Ver- ba« des um viele Milliarde» Wert« verriugert. Der erste Schritt. Die Befferstellung der Kriegsbeschädigten. Endlich ist ein kleiner Schritt auf dem Wege der Vesser- stellung der Kriegsbeschädigten zu verzeichnen. Wie wir in diesen Tagen schon mitteilten, ist durch eine Verordnung des Kriegsministeriums die Gewährung von widerruflichen 'Militärreiitenzuschlägen angeordnet worden. Die Verordnung hebt hervor, daß mit Rücksicht auf die außerordentlichen Tone- rungsverhältnisse zu den nach dem Mannschaftsoersorgungs- gesotz vorgesehenen Renten mit Wirkung vom 1. Juli 1918 an w.iderrufliche in Monatsbeträgen zahlbare Zuschläge von Amts wegen oMe Prüfung der Bediirsnisfrage zu gewähren sind. Wir begDßen es natürlich, daß nunmehr derer gedacht lvivd, die dem Vaterlande alles gegeben haben, was sie nur irgend geben konnten, Arm und Bein, Gesundheit und Er- werbsfähigkeit, die in ihrer Kraft gebrochen heimkehrten. A n die Türe vieler dieser Kriegsbeschädigten hat die Not gepocht, so laut und vernehmlich, daß schließlich nun auch den Staatsbehörden die Notwendig- keit eines Eingreifens zugunsten dieser Kriegsbeschädigten offenbar geworden ist. Schon seit langer Zeit hat namentlich die sozialdemo- kratische Partei und ihre Presse aus die Not der Kriegs- beschädigten und Kriegshinterbliebenen hingewiesen. Den Arbeitern ist es zum größten Teile möglich gewesen, eine Erhöhung ihrer Löhne zu erzielen. Die Angestellten haben das gleiche erreicht. Den Beamten des Reiches, der einzelnen Staaten und der Kommunen sind Teuerungszulagen, den In- valiben und schwer Unfallverletzten sind Zulagen zu der Rente gewährt worden. So gering dieie letzteren sind, sie haben sie doch in etwas wenigstens besser gestellt. Nur der auf Grund der Kriegsversorgung Berechtigten hatte man bisher noch nicht gedacht. Im vergangenen Jahre hat der Reichsbund der Kriegs- beschädigten und ehenialigen Kriegsteilnehmer durch eine Massenpetition eine baldige Erhöhung der Renten gefordert. Er hat sich das Verdienst erworben, die Meinung der Kriegs- beschädigten selbst einmal laut und vernehmlich werden zu lassen. Damals ist, so unglaublich es klingt, der Vorsitzende des Essener Verbandes der Kriegsbeschädigten dieser Aktion in den Rücken gefallen. Er erklärte die baldige Erhöhung der Kriegsbeschädigtenreilten tür unmöglich, und er verstieg sich zu der Behauptung, daß die erhobene Forde- rung auf sofortige erhebliche Heraussetzung der Renten an sich genau so erbärmlich und verdammungs würdig sei, wie die Streik- beweg ung im Lande. Dann hat der Essener Verband in einer Notiz an die Tageszeitungen vor der Unterzeichnung der Petition des Neichsbundes durch die Kriegsbeschädigten gewarnt. Nun muß selbst die Heeresverwaltung nach Verständigung mit der Reichsschatzverwaltnng die Notwendig- keit einer Erhöhung der Renten anerkennen und sie vor- nehmen. Es hat schwere Arbeit gekostet, sie dazu zu treiben. Immer und immer wieder ist im Reichstag auf die unge- nügende Versorgung der Kriegsteilnehmer und ihrer Hinter- bliebenen hingewiesen. Zlm 1. Dezember 1917 bot dos Kriegs- Ministerium auf eine Anfrage des Genossen Ebert bezüglich des Standes der Novellen zu den Versorgirngsgesetzen die Erklärung abgegeben, daß diese Novellen fertiggestellt seien und daß schon Beratungen mit den zuständigen Behörden— Reichsschatzamt, Reichswirtschaftsamt und dem Reichsamt des Innern— begonnen hätten. Abe r noch sin ddieseBe- ratungen nicht beendet und mit Rücksicht darauf er- klärte der General v. Langermann am 22. Juni 1918 im Reichstag, daß freiwillige Zulagen den kriegsbeschädigten Rentenempfängern und ihren Hinterbliebenen gewährt werden sollten. Allerdings sei er noch nicht in der Lage, über die Höhe und deu Umfang dieser Zulagen nähere Auskunft zu geben. Im Ansang dieses Jahres Haiti auch der R e i ch s- a u s sch u ß der Kriegsbesctzädigtenfürsorge beim preußischen Kroegsministerium die Gewährung sofortiger Teuerungszulagen zu allen Militärrenten über 50 Pr«z. in Anregung gebracht. Hin stärkeren Druck hinter die Angelegen- heit zu bringen, hat dann auch der Militärausschuß des Reichstags am 5. Juli d. I. ei n stimmig eine sozialdemokratische Resolution angenommen, in der gefordert wurde, 1. dem Reichstag noch ini Laufe dieses Jahres einen Gesetz- entwurf vorzulegen, durch den eine allgerneine Revision des MannschaftSversorgunqS- und Hinterbliebenengesetzes, durch die insbesondere die Bezüge der Kriegsbeschädigten und der Kriegshinte rHifi-benen,'«weit der Rechtsweg in Frage komme, herbeigestihrt wind, 2. daß bis zur gesetzlichen Reuregelung zu den bisherigen Bezügen für Kriegsbeschädigte und HinterMiebene Zuschläge von 100 Proz. der Rente festgesetzt werden. Am gleichen Tage hatten wir auch im„Vorwärts" darauf hwgewtessi. daßdie Gewährung vonZuschlägen nbsslu! notwendig fet, ö aß e Z nun endlich ei»««? zu handeln, sofort zu handeln heiße. Jetzt liegt die Verordnung des Kriegsm'misteriums vor. Genügt sie den berechtigten Ansprüchen? Wir müssen sagen, .laß wir über sie sehr enttäuscht sind. Die Zuschläge sollen gewährt werden 1. allen LersorgungZ-üerechtigten, deren Ansprüche aus einet nach dem 1. August 1914 stattgefundenen Dienstlelstung ent- ittrnpen sind; 2. den auf Grund einer vor dem 2. August 1914 stattgesiln- denen DiensUetswng verforgungSberrchtigt gewovdene» Per- fönen, soweit sie an ei»om Krieg oder Schiffdrnch teil- genonimen oder ans die. Kriegszulage oder die Trope«zulage oder die LuMenstzulage oder die Rentenerböhung nack Z S7 des MannschastSversorgungsgefcHes 1906 Anspruch Huben. Die Renienzgrschlöge kommen nur für solche Person«» n Betracht, bei denen mindestens eine Erwerbsunfähigkeit aon 5V Proz. vorliegt, und zwar werden gewährt: bei SO Proz. bis auSschl. 66 Proz. Erwerbsuusählgkeü= 120 V?. jährl. „ 60... 70,.=180., . 70...«0..---240.. . 80... 90..----llM.. . 90... VIO..«-660.. . 100 ErwerbIunstihigleit.......... 432„ Die Empfänger bedingter Nenten sind mit dem halben Äetrage der Zuschläge abzufinden. Soweit sich unter den in Ziffer 2 genannten Personen solche befinden, die nach anderen siesetzen als dem Mamaschastsversorgungsgesetz 1906 abge- wnden sind, gelten die gänzlich Em>erbsunfahigsn als '00 Proz. und die größtenteils Erwerbsunfähigen als 66-ch Prozent erwerbsunfähig: die teilweise Erwcrbsunsählgen sinden keine Berücksichtigung... Ter ivesentlichste Mangel dieser Verordnung ist, dotz mmr der alten Friedenspensionäre nicht gedacht hat. All denen, die nach dem 1. August 1914 versorgungsberecktigl reworden sind, sollen die Zuschlage gewährt werden. Auch reuen, die an einem früheren Kriege oder Schiffbruch teu- wnommen haben, nicht aber jenen Friedens- 'ensionären. die durch eine Dienstbeichadt- g u n a vor dran 1. August 1914 eine Einbuße ahrer Erwerbs- ähigkeit erlitten haben. Die Not bei. diesen ist naturlach aenem im-glÄchen vorhanden, wie bc� olben anderen tfenten?mpfün$ern nuth. Sie auszuschalten, wind biitere Ge- fühle bei ihnen auslösen, und man wird eine innere Begrün- chmg dieser AnKschließung der Friedenspensionäre an keiner ILeise erbriilgeii können. Wir fordern daher, daß um- gehend diese Verordnung auch.aus die Free- a e n s v e n s i o n ä r e a v s g e d e b n t wird.« Weiter aber auch erscheint die Niisschiießung der Renten- napsänger von weniger denn 50 Proz. ganz unbcgriindet. Zwar hat man den Unfallrentnern erst dann den Anspruch auf die Zulage gewährt, wenn sie zum mindesten% ihrer Erwcrbsfähigkeit eingebüßt haben. Und man geht bei den Kriegsrentnern bis auf 30 Proz. berab. Aber diese Scheidung entbebrt jeder Bereästigung. Erkennt man im Prinzip an, aaß die gewährten Renten nicht genügen, um einen Aus- gleich für die verlorengegangene Erwerbsfäbigkeit. herbeizn- iübren, dann muß die Anerkennung dieies Grundsatzes bei 'edcr E rwe rb s b- sch r ä n ku n g Platz greifen, d. h. also, auch den Empfängern geringerer Renten muß eine Er- höhung der Bezüge zuteil werden. Weiter ober auch entsprechen die vorgesehenen Zuschlage azm Willen des Reichstagsausschusses insofern nicht, als sie bei weitem nicht den geforderten Betrag von 100 Proz. der Rente erreichen. In der 1. Klasse der Rentenempfänger. inner mit einer Erwerb sbeschrönkung von 50—60 Proz., tritt eine Erhöhung der Bezüge— Kriegszulage und Verstumme- ungszulage bei allen außer acht gelassen—, nur um 44,44 Prozent ein, in der 2. Klasse eine solche von 55,55 Proz., in er 3. Klasie eine solche von 62,49 Prozent, in der Klasse derer mn 80—90 Proz. eine Erhöhung um 69.44 Proz., in der Klasse der von 90—100 Proz. Erwerbsbeschränkten um 74,7 Prozent und bei den voll Eiwerbsbeschränkten um 80 Proz. Parum eine derortige Staffelung, die einen unbegründeten Unterschied innerhalb der einzelnen je nach der Schwere der Erwerbsbeschränkung macht. Hinz» kommt nun aber weiter, daß man n der Verordnung in keiner Weis« der Kriegshinterbliebenen gedacht hat. Wir haben >eute den bedauernswerten Zustand zu verzeichnen, daß die Witwe eines gefallenen Kriegers in der Regel schlechter gestellt wird als die Knegerfraiien. Solange der Mann noch ebte und die Frau Reichs- und Gemeindeunterstütznng bezog. bekam die Frau wenigstens in den größeren Gemeinden, die 'rheblichere Zuschüsse zu den Relchsunterstützungen gewähr- m, mit ihren Kindern höhere Beziiqe, als nun, nachdem der Aann gefallen ist. Neben dem seelischen Leid, das die Familie --.l erdulden hat, wird ibr durch die heutige Rentengewährnng uch neues wirtschaftliches Leid zugefügt. Das von den .familien fernzuhalten, wäre leicht gewesen, wenn die Ver- ■rdnung auch dieser Krirqerwitwen und Waisen gedacht hätte. fuch in dieser Hinsicht bedarf die Verordnung dringend der Ergänzung. Wenn man so die Verordnung eingebend prüft, kommt man zu dem Ergebnis, daß der hier zu einer Besserstellung >r Militärversorqten unternommene Schritt doch nur ein :fir zögernder und kleiner ist. Kann man sich denn wirklich eicht zu einer großzügigen Gestaltung der Versorgung auf- raffen? M.it Worten des Dankes und der An- rkennung ist den Kriegsbeschädigten und denen, die den Ernährer verloren haben, -'icht gedient. Den Worten muß auch die Tat z g r Seite st e h e n. Sondierung der Zriedensmöglichkeiten. Ein neuer Brief Lord LanSdowues. Im englischen Unterhaus stellte Lee Smith die Frage, ob vom Feinde in der letzten Zeit eine Anregung oder Vor- fchläge in Friedensverhandlungen einzutreten, eingegangen Wien.. Valfour antwortete: nein, keine feindliche Regierung ist an unS herangetreten. Wie keiner der am Krieg Schuldige fein will, so geht jeder zur Zeit dem Vorschlage zum Frieden aus dem Wege. Balsour hütet sich, seiner Antwort hinzuzufügen, daß auch leine Ententemacht mit einer Anregung, die auf den Friedens- weg führen muß, hervortritt. Deutschland und seine Bundes- genossen haben wenigstens einmal den Versuch dazu gemacht, Oer aber an dem schroffen Widerstand der Entente zerschellte. Die um Balfour werden aber nicht Ruhe haben vor der Friedensfrage. Reuter meldet eben jetzt: Lord Lansdowne veröffentlicht einen neuen Brief, worin er nach einer Ueber- ficht über die Darstellungen der KriegSziele der Alliierten durch Lloyd George, Wilson, SniutS und andere Staats- männcr erklärt, in der letzten dieser Darstellungen, die a m 4. I n l i von Wilson gegeben wurde, sei nicht eine Umschreibung der Friedensbedingungen, sondern eine sehr edle Schilderung der Dinge zu erblicken, für die die alliierten Völker der Welt kämpften. Lord Lansdowne fordert dann eine klare Darstellung nicht aller Einzelbestinimungen im endgültigen Friedensvertrag, ober der Bestimmungen, auf Grund deren die Entente zu diplomatischen Unterhand- Inn gen bereit sei. Lord Lansdowne gibt damit zu erkennen, daß der letzte Schritt Wilsons für die Vorwärtsbewegung der Friedens- fache praktisch nichts bedeutet. Wie sich das ja auch äugen- fällig gezeigt hat. Wilsons Grundsätze haben Zustimmung gefunden und dann stand der Wagen wie auf totem Gleise. Ueber diese Stockung will Lord Lansdowne ihm jetzt hinweghelfen. Bei dem Aufsehen, das seine seit Ausgang des letzten Jahres veröffentlichten Briefe in der politi- schen Welt Englands verursachten, wird man dem Echo, das dem neuen Briefe znmal in England folgen wird, volle AnsmMsamkeit schenken müssen. Lansdowne schreibt: .Da» fünfte Jahr des Kampfes für die Freiheit fängt jetzt an und nur wenden in der nächsten Woche unsar feierliches Gelübde, den Kraftaufwand reicht erschöpfen zu lassen, bis ein ehrenvoller Frieden erreicht ist, auf? neue bekräftigen. Inzwischen wird die Bürde, die der Krieg unS auferlegt, joden Monat schwerer. Aber lieber, als daß wir einen unehrenhaften Frieden anerkennen, werden wir alle bereit fein, bis zum sicheren Ende weiter zu kämpfen. In unserem Lande gibt es keinen Mann und keine Frau, die sich die Tragik dieses Riesenkampfes nicht vergegenwärtigen. und es gibt wahrscheinlich auch keinen Minister, der nicht anerkennt, daß eS frevelhaft wäre, den Krieg noch um einen Tag zu verlängern, wenn ein ehren. haftsr Friede erzwingbar ist. Soweit ich beurteilen. kann, besteht in den feindlichen Liindern ri» zrtfteS Berlangcn nach dem Frieden, und ich bin davon überzeugt, daß man ernstlich nach einer neuen Anseinendersetzunz der Bedingungen verlangt, zu denen wir bereit wären, nichtden Frieden zu schließen, fondern Besprechungen anzubahnen, die auch zum Frieden führen können. Es gibt aber auf beiden Seiten offenbar gewisse wesentlich« Punkte, die den Verhandlungsbeginn hinausziehen." Lansdowne setzt nun die Schwierigkeiten auseinander, dies« Punkte zu beseitigen, und fährt dann fort.� .Wir müssen bedenken, daß wir nichi nur mit unsersn Bundes- genossen, sondern auch mit unseren Dominions zu rech- nen haben und daß sehr große Fragen, die aus dem politischen Grenz- und Rassengeüiet entstehen, zu lösen sind. Während unsere erneuten Erklärungen über unsere Kriegswünsche noch schweben, habe» wir das Rocht zu fragen, wie es damit steht. Für lange Zeit ist die Note dar Alliierten vom 10. Januar 1917 das Dokument gewesen, auf das wir uns stützt«?, ober seit Rußlands Abfall ist diese Note veraltet." Die erwähnte Rote lehnte das Friedensangebot der Mittelmächte ab. Lansdowne erinnert an Balfours Er- klärnng vom 20. Juni, daß die bestehenden Gcbeimverträge keinersei Hindernis für den Frieden bilden, und daß die Tat- fache, daß die Wnerten vor drei Jahren einen anderen Stand- Punkt vertraten, jetzt nicht im Wege sieben werde, auf redliche Friedensvorschläge einzugehen. Dann sagt der Brief: .Tie dsnkwürdige Rede des Präsidenten Wilson vom 7. Januar über die KriegSziele der Alliierten wird als autoritativ erklärt, aber das Volk möchte gern wissen, ob diese Der- sprechungen erfüllt werden können, bevor die Mittelmächte bekannt- gegeben haben, daß sie bereit sind, sämtliche damals von Llopd George aufgesteMcn Bedingungen anzunehmen. Es ist bemerken»- wert, daß der Premierminister vor«in igen Tagen in einer Rede zu den kanadischen Journalisten sagte:„Wir müssen alle dieses Problem auf» neue im Lichte der Ereig- nisse ansehen, die seitdem vorgefallen sind." Von großem Interesse ist auch Wilsons Rede vom 4. Juli. Ihr- Wich- tigkeit wurde noch größer durch die Tatsache, daß Lloyd George ihr sofort von ganzem Herzen zustimmte und sagte: „Tie Mittelmächte können morgen den Frieden haben, wenn sie die Bedingungen, die der Präsident stellte, annehmen." Wilsons Rode aber war kein« Darlegung von FriedenSbedingun- gen. sondern eine in erhabenen Worten abgefaßte Darstellung des- jenigen, wofür die alliierten Völker kämpfen. Sowohl unsere Freunde wie auch unsere Gegner werden b i l l i g e r w e i s e von uns nicht verlangen, dag wir öffentlich die Dedingunzen bekanntgeben, unter denen wir bereit sind, der Diplomatie Gelegenheit zu geben, ihre Kräfte zu entfalten. Die Rede, die General S m u t S am 17. Mai in Glasgow hielt, behandelte die Theorie der Knockout-Politik. Er hat dieser Politik damit ein Ende gemacht und den Weg gewiesen, der darauf hiriauSgeht, keine bewaffnete Ueber macht zustande zu bringen, sondern eine dauerhafte Sicherheit, die die Pläne Wiffons zur Ver- wirklichuug bringen kann, zu garantieren. Der Prufftein für das Kommen unseres Sieges wird die Bereitwilligkoit'des Gegners fein, die Lehre der extremen Militaristen vollständig zu besiegen und die Bedingungen Wilsons anzunehmen.... Ich bin nicht in der Lag«, positiv zu erklären, daß wir setzt dio Phase erreicht haben, uach der die Aussicht besteht, eine vorläufige 11 c verein- st i m m u n g bezüglich der wichtigsten Punkte zu erzielen. Aber e» bestehen reichliche Anzeichen dafür, daß sich eine ent- sprechende Gelegenheit in nächster Zukunft zeigen wird. Wir müssen darauf vorbereitet soin, diese Erscheinungen mit vernünftiger Ueberlegung zu prüfen und ihnen in redlicher Gesinnung entgegen- zutreten, um den Gegnern Gelegenheit zu geben, zu zeigen, ob das Anerbieten ehrlich gemeint ist. Wir müssen genau im Auge be- halten, daß die vorläufigen Bedingungen, bevor die Besprechungen beginnen, von den wirklichen Kriegszirlen getrennt werden müssen." Dies der Brief, soweit der Wortlaut zurzeit in der dsut- schen Oeffentlichkeit bekannt geworden ist. Der Vorschlag Lord Lansdownes knüpft also an die durch das Friedens- angebot der Mittelmächte vom 12. Dezember 1916 in Fluß gebrachte Aktion an. Er geht keineswegs darüber hinaus, hält sich vielmehr an einen Meinungsaustausch der Diplo- maten und plädiert durchaus nicht für ein Zusammentreten zu einer Konferenz. Aber immerhin: er will ein Fühlung- nehmen der Kriegführenden miteinander anbahnen, und das wäre ein Anfang und könnte zur Vorbereitung dessen, was weiter und zum Ende führt, verhelfen. Freilich ist an Lansdownes Brief die ungemeine, sieben- fach behandschuhte Vorsicht bemerkenswert, mit der der Vor- schlag an den Mann gebracht wird. Als ob sichs um eine ganz brenzliche Angelegenheit handle. Um?nöiens SelbstverWattung. England hat das starke Bedürfnis, in Indien Ruhe zu halten und darüber hinaus aus diesem gewaltigen Menschenreservoir Truppen zu rekrutieren. Es kann dieses Ziel nur durch Kon- zessionen an die Inder erreichen, von denen nur die intellektuellen Schichten poltisch reg» sind, ober ernen bei weitem über ihre Kops- zahl hinausgehenden Einfluß auf ihre Landsleute besitzen. Eine einheitliche politische Orientierung haben die indischen Jnjellel- tuellen nicht. Eine gemäßigte Richtung verlangt weitgedkn»« Reforme, protestiert aber nicht gegen die Verbinidung mit Eng' land. Da» Ideal dieser Partei ist die Gewinnung der Selbstver- woltung nach dem Vorbilde der englischen Dommtons. Die Radi- kalen gehen weit über diese Ziele hinaus und erstreben die völlige Unabhängigkeit Indiens. Der englische Kolc n ialstaats sekreiär Montagu und der in- dische Vizekönig Lord Ehelmsford haben nun einen Reform- plan entworfen, wonach den indischen Provinzen eine gewisse SelbstverN-altung unter Erweiterung der Aufgaben der Provinz ial- verwaltunz gewährt werden soll. Tie demokratische Basis dürft« freilich«icht allzu breit fern, denn die dem Plane wohlgeneigte .Times" sagt, daß es„schwierig und gefährlich sei, ein Land wie Indien, dessen Geschichte, Ueberlieferungen und sozialen Bedingungen der Demokratie in den meisten Beziehungen vollkom- men fremd seien, zu demokratischen Formen überzuführen." Ueber die Aufnahme dieser Reformen ist unter den Indern selbst ein ledhafter Streit entbrannt. Ter.Manchester Guardian" erfährt aus Simla, daß der gemäßigte Teil der öffentlichen Mei- wung der Resorm Montagus und C helmSfordS günstig gesinnt bleibt, nur die Ultras sind dagegen und und wünschen die völlige Verwerfung der Reformdor schlage. In einer Versammlung der Provinzialkonferenz von Bengalen, die am 14. Juli stattfand, haben dre Ultras, die einen beherrschen- den Einfluß auf die Organisation des Nationalkongresses aus- üben, eine Entschließung angenommen, in der sie den ganzen Reformplan Venverfen. Die Gemäßigten, die in sehr kleiner Anzahl anwesend waren, konnten«icht zum Worte ge- langen. Die in englischer Sprache erscheinenden Blätter von Kalkutta beurteilen den Plan ungünstig, aber ihr Interesse für die ganze Angelegenheit ist augenblicklich durch Kriegsange- legenheiten zurückgedrängt ivorden. Tie gemäßigte nationalistische Presse von Kalkutta, Bombay und vom Pendschab und den ver- einigten Provinzen unterstützt die hauptsächlichsten Grundsätze de» Reformplanes, verlangt aber folgende Zugeständnisse: Ver- Minderung der Machtbefugnisse der Provinzialgouverneure und Verstärkung des.Volkselements" in der britisch-indischen Regierung und eine Kontrolle über die Finanzgebarung der Provinzen und der Regierung. Die Ultra» machen große Anstrengungen, um auf dem indischen Nationalist: nkongreß, dar Milte August m Bombay abgehalten wird, die Mehrheit zu erlangen. Die ungarische LVahlrechtsvorlsge angenommen. Wekerle unterwirft sich Tisza. Budapest, L August.(Meldung des Ungarischen Tele- .iratzchen-Komspoudenz-Bureaus.) DaS Magnatenhaus hat die Wahlrechtsvorlage unverändert angenommen. Während der Debatte über die Wahlreform im Magnaten- Hanfe ergriff Ministerpräsident Dr. Wekerle das Wort. Er schloß seine Rede folgendermaßen:„Ich mache schon jetzt darauf aufmerksam, man möge mich nicht wieder der Inkonsequenz zeihen, wenn ich vielleicht bei der Lösung der Reformen nicht mit denjenigen gehen werde, mit denen ich bisher gegangen bin. Ich bedauere es sehr, wenn ich meine politischen Freunde verlassen muß. Die gemeinsame Tätigkeit hat in mir ein solches Maß von Hochschätzung ihnen gegenüber er- weckt, daß ich nur niit Schmerz bedauern kann, daß unsere Wege auseinandergehen. Bei der Beurteilung so wichtiger politisch« Fragen kenne ich nur einen Gesichtspunkt, daß die konkrete Ver- wirklichung jener Prinzipien, die ich verkündet habe und die ich jetzt verwirklichen will, gebilligt werde. Die Politik er forden, daß wir an diesen Prinzipien festhalten, daß wir sie verwirk- lichen, und zwar mit denjenigen verwirklichen, die bereit sind, uns zu folgen. Da durch die Erledigung des Wahlrechtsentwurfs die Grundlagen gegeben sind, eine derartige konkrete Politik zu verwirklichen, so bitte ich um unveränderte Annahme der Vor- läge."(Lebhafter Beifall.) Diese Worte erregten allgemeine Aufmerksamkeit und wer- den in der Presse so gedeutet, daß der Ministerpräsident mit Hilfe Tiszas die Bildung einer einheitlichen Regierungspartei unter Führung Wekerleß anstrebe und diesen Plan in der Herbsffession zu verwirklichen gedenke. Der alte Reaktionär Tisza hat seinen Sieg. Wekerle er- kennt ihn als den Stärkeren an, mit dem man paktieren muß. Die Parteigründung, die das Gerücht kommen sieht, würde diese Tatsache klar abstempeln.__ Cdüoisx unö Malvp. Bern, 31. Juli. Caillanx richtete einen neuen Brief cm den Senatspräsidenten D u b o st mit der dringende» Bitte, im Malvn- Prozeß vernommen zu werden. Das Urteil im Malvyprozeß dürste Ende der laufende« oder Anfang der nächsten SSoche gefällt werden. Die Presse ist in dieser Frage immer noch in zwei Lager gespalten. Die Presse der Rechten ist Über die Aussagen der ehemaligen Ministerpräsidenten sehr aufgebracht..Actio« Franeaise" verlangt. man solle Viviani, Briand und Ribot i« Anklage- zustand versetzen. Die Presse der Linken freut sich. Die Luft sei endlich gereinigt, schreibt Humanitä. Iahresklaj?e 1920 in Zrankreich. Paris, 1. August.(HavaS.) Die Kammer verhandelte Über den Gesetzentwurf betreffend die Aushebung der FahveSklasss 10Ü0. Mehre« Redner sprachen sich dringend für die Entlassung der älteren Jahrgänge an». Renaudel sagte, die vorzeitige Ein- brrufnng der JahreSklasse 1920 fei keine gute Politik. Andere Länder hätten diese Klasse zwar schon einberufen, aber man müsse die G e- samtzahl der französischen Opfer in Rechnung ziehen. UnterstaatSsekretäc Abrami erklärte, Fvankreich fei in einen schrecklichen Krieg verwickelt, der ihm aufgenötigt worden fei. Es handle sich darum, diesen Krieg so schnell wie möglich unter Zusammenfassung aller verfügbaren Kräfte der Entente siegreich zu beenden. Die Jahresklasse 1920 müsse im Herbst aufgerufen werden. Die Regierung verpflichte sich, die Benvcndung der Jahresklasse 1920 unter strengen Bedingungen zu überwachen, und die Frage der Entlassung der älteren Jahr- gänge der Lösung zuzuführen._ SchVerfte Beschießung von Düntirchen. Bern, 31. Juli.„Matin" meldet aus Dünkircken: In der Nacht zum 25.126. Juli überflogen deutsche Flugzeuge Dünkirchen und belegten die Stadt mit 60 Lufttorpedos schwersten Kalibers, die bedeutenden Sachschaden verursachten. Am 26. begann die Beschießung durch ei» Ferngeschütz. Nr.21H ❖ ZS. Fahrgang e ZW IrMag, 2. MguftlHIS Das Eisenbahnunglück bei Lanösberg ist nach den Bekundungen von Fahrgästen hauptsächlich durch Nebenumstände vergrößert worden. So ist z. B. daK Rettungswerk ganz wesentlich dadurch verzögert worden, daß bei dem Zusammenstoß eine Telegraphen st ange um- gerissen und dadurch die Telegraphenleitung auseinander- gerissen wurde, so daß keineVerbiudung hergestellt weroen konnte. Erst von der nächsten Post aus konnte Nachricht gegeben werden. In Landsberg a. W. mußten die Reisenden von früh bis gegen Abend auf Beförderung warten. Bei den neuesten Zusammenstößen, auch wieder bei dem Unglück auf der Ostbahn, sahen wir, daß ein großer Teil der Opfer durch den sich an den Zusammenstoß an- sch ließenden Brand um das Leben gekommen ist, oder außergewöhnlich schwere Brandverletzuugen davongetragen bat. Die Ursache der Brände ist fast stets das Explo- dieren der Gasbehälter. Wir leben im Zeitalter der Elektrizität und die Frage der elektrischen Zug- beleucbtung ist eine völlig gelöste. Warum also zögern die amtlichen Stellen mit der Einführung dieser ungefähr- lichen besseren Beleuchtung? Dann aber ist noch eine zweite Frage auszuwerfen: Ist in den Zügen für einen wirksamen Brandschutz Sorge getragen? Auch diese Frage muß leider verneint werden. Zwar hängen in einzelnen D-Wagen völlig veraltete Feuerlöscher, die sehr schwer zu handhaben und nur von eingeübtem Zugpersonal zu bedienen sind. Warum zögert die Eisenbahnvcrwaltung noch immer, für jeden Laien leicht zu handhabende Handfenerlöscher zur Verfügung zu stellen? Ueber die Ursachen der Katastrophe wird noch folgende amtliche Darstellung verbreitet: Der Unfall hat sich auf folgende Weise ereignet. D-Zug 22 Brest-Litowsk— Berlin entgleiste am 3l). vorigen Monats v.l-i Uhr vormittags während der Fahrt auf der freien Strecke zwischen den oben genannten Stationen, als er an deni ihm begegnenden Güterzug 6641 vor- überfuhr. Wenige Augenblicke vor der Begegnung war die linke Kolbenstange der Güterzuglokomotive im Kreuz- köpf gebrochen. Durch den Dampfdruck im Zylinder nach vorn getrieben, durchschlug der Kolben mit der Kolbenstange den Zylindcrdeckel. Dadurch wurde die Kolbenstange mit Kolben von der Lokomotive losgelöst und bei der Weiter- bewegung der Giiterzuglokomotive zwischen dieser und der nahe liegenden Schiene des Nachbargleises derart ein- geklemmt, daß ein sehr starker Druck auf das Nachbargleis a«Sgeiibt wurde. Di»sem Druck konnte das Gleis nicht standhalten. Es wurde so beschädigt, daß die Loko- motive des D-Zuges, der an dieser Stelle eintraf, ats die Borübcrfahrt des Güterzuges noch nicht beendet war, zur Entgleisung gebracht und g e g e n d i e l e tz t e n W a g e n des Güterzuges g e schleudert wurde. Die D-Zng-Wagen bohrten sich ineinander. fingen später Feuer und verbrannten zum Teil. Nach den bisherigen Meldungen wurden bei dem Unfall 42 Per- sönen getötet, 21 schwer und 4 leicht verletzt. Anhaltspunkte für ein Versehen oder Verschulden von Eisen- bahnbedien st eten oder für mangelhaftes Material in- folge der Kriegszustände haben sich nicht ergeben. Der beklagenswerte Unfall muß auf die geschilderten, nicht vorherzusehenden außergewöhnlichen Umstände zurückgeführt werden. Außer den gestern genannten sind noch die Namen von folgenden Toten festgestellt worden: Frau Ernestine P o l d n o w aus V e r l i n, Alte Schönhauser Straße, deren Mann sich ebenfalls unter den Toten befindet; Frau Ella Riesenfeld aus Vromberg; Frau Luise Wolf aus Bielefeld; Frau Pfarrer Herr mann aus Staykowo, Kreis Czarnikau. Amtlich wird noch eine Ergänzung zur gestrigen Toten- liste gegeben. Die als tot gemelvete Frau Frida Krakauer aus Crone a. d. Brahe ist vclietzt, die Toto ist die Tochter Adelheid Krakauer. Der als tot gemeldete Schweiger heißt S ch w e i g g und stammt aus Wronke. Bei den Verletzten muß es heißen: Gertrud Herrmann(nicht Herbert); es ist dies die Tochter dar getöteten Pfarrersfrau. Gingemeindungsplane während des Krieges. Der Mnosior des hat an vie Regisrungspräsidenleu efnen Eoiatz über die Beharidtung von EinHemeinidungSplänon gerichtet. In ernoin fruhown Randerlah vom 6. Augnst 1917 war mitgeteilt worden, daß zu fcon Sachen, die während dos Krieges der baldrgon SoUbirjng nicht bsdürsen, auch kommunwle B-ochrksber- ander ungen zohörton. Diese Bestimmung findet jedoch auf Ein- genrnnännzspläne von Städten,** dsnen unter den Gründen für die Eingemeindung das Aohnungsbedürsnis ontschetdsnd mit in Frage steht, keine Aoiwenäung. Derartige Eingemeindungs- Pläne können vielmehr,»ie der Aöiouster des Innern jetzt betont, auch wächoent» der Dauer des JNregeS weiter verfolgt werden. Mir die Errichtung von Gemcindc-WohnungSnnchweisen. spricht sich der StaatMwnwissar für daS W oh mingswefen in einem an die lltegierunzspräsidemtew und dm Oberpräsidewten in Ehar- lottenbura gerichteten Runderlaß aus. Roch dem Wohnungsgesetz sind in»ooreioUen mit»efec ols 10 OW Einwichoer»«emeiiteliche Wohnungsnachweis e zu errichten, sofern nicht für die Nachweisung kleinerer W»k»u>»g»n kioch«teere tdiitrkhtewffen in ou«reichend er Weise gesorgt ist. Die Güowchtung dieser Wohoiuiogsuachwoise ist eine der dwupltehsten Ausgaäon auf dem Gebiete des Wvhnungs- Wesens. Erst die Listen der Aohnungsnachwsise mit psldzeilichem An- und Abmeiidezwaug für die Vermieter werden in Verbiitduug mit den Erxph Nissen dcr AvichnungSzählung ein zuverlässiges Bild von der Lage des Wahnungs»narktes in den einzelnen Gemeinden geben. Nach dem Wohnungsgesetz besteht die Verpflichtung zur Einrichtung von Aohrrungsnachweisen nur für Gemeinden mit mehr als 1t ttO EmwokMern. Es ist acker aozustreben, doß«euch G-merndem mit weniger ols 16 ttt Einwohwern einen Wohnnngs- Nachweis einrichten, wenn in ihnen eine lsöhwste B»völS«runys- bewegung mit häusigom A»b-nlu ASwachs»i stotefind«. Insbesondere wird dies bei industriellen Vororten größerer Städte der Fall sein. Es soll ferner schon jetz: ins Auge gefaßr werden, daß ähnlich wie bei den Arbeitsnachweisen eine Verbindung zwischen den Wohnungs» nachweisen benachbarter Gemeinden, Bezirke und Pro- vinzs» geschassen wird. Nach dem Wohnungsgesetz bezieht sich ferner die Verpflichtung zur Einrichtung von Wohnungsnachweiscn nur auf„kleinere Wohnungen". Ganz abgesehen davon, daß der Begriff der „kleineren Wohnung" verschieden ausgelegt werden kann, empfiehlt es sich, den Wohnungsnachweis der Gemeinden für alle Woh- nungen ohne Rücksicht auf ihre Größe einzurichten. Nennens- werte Mehrkosten werden den Gemeinden dadurch nicht entstehen. Zweckmäßig wird auch ein Hand-in-Hand-arbeiten der gemeindlichen W.o hnungsnachweise mit den gemeindlichen Arbeitsnachweisen sein. Möglichst soll darauf gehalten werden, daß der Arbeitsnachweis in der Lage ist, bei der Arbeitsvermittlung auch Auskunft über geeignete Woh- nungsg�legenheit zu geben. Endlich erscheint es dem Wohnungskommissar angezeigt, bei dieser Gelegenheit die Aufmerksamkeit der Gemeinden erneut auf die Schwierigkeiten zu lenken, die den kinderreichen Fa- milien bei der Beschaffung einer Wohnung erwachsen. Es ist daher zum Besten der kinderreichen Familien bei der Einrichtung der Wohnungsnachweise Vorsorge zu treffen, daß vermietbare Wohnungen, die sich für derartige Familien eignen, besonders kenntlich gemacht werden. Die Regierungspräsidenten und der Oberpräsident werden zum Schluß ersucht, auf die schleunige Errichtung von W o h n u n g s n a ch w e i se n durch die Gemeinden— auch in der Stadt Berlin— sowie darauf hinzuwirken, daß hierbei die vorstehenden Gesichtspunkte mög- lichst berücksichtigt werden._ Ohne Lebensmittelkarten! Von Brotkarten, Kartoffelkarten, FleUckikarten usw. wird niemand satt, aber ohne sie kann einer in Gefahr kommen, zu der- hungern. Wer seine Karten durch Verlust oder Diebstahl einbüßt, mag seben, woher er die unentbehrlichen Lebensmittel kriegt. Ersetzt werden ihm die Karten entweder überhaupt nichl oder nur unter besonderen Umständen und nach vtrlen Laufereien — und„hintenrum" ohne Karten zu kaufen, ist ja wohl verboten. Eine Frau schildert uns. wie sie die Karten für die aus drei Per- sonen bestehende Familie einbüßte und welchen Mißerfolg sie mit ihren Bemühungen um Ersatz hatte. Als sie vor einem LebenS- mittelgeschnft auf der Straße stehen mußte, wurde ihr nach langem Warten unwohl. Um sich den Angstschweiß vom Gesicht zu wischen, nahm sie aus ihrer Markttasche das Taschen- tuch, mit dem sie ihre kleine Kartenmappe bedeckt hatte. Eine Spitzbübin machte sich das zunutze— und im nächsten Augenblick war die Mappe mit allen hübsch beisammen liegenden Karten ver« schwunden. Niemand wollte es gewesen sein, als die Bestohlene den Verlust bemerkte und Lärm schlug. Sie lief sofort zu den Geschäftsleuten, von denen sie in die Kundenliste eingetragen war, und bat, die betreffenden Karten bei Vorweisung anzuhalten. Dann meldete sie den Diebstahl bei der Polizei, aber dort mußte sie sich sagen laffen:„WaS geht das uns an? Passen Sie besser auf! Die Brotkonimission, bei der sie Hilfe suchte, gab ihr den Bescheid: „Wir können nichts ersetzen, nur bei Wohnungs- einbrächen". RotloS lief die geängstigte Frau wieder zur Polizei, nochmals zur Brotkonimission, dann zur Meldestelle in der Posistraße und schließlich zum drittenmal zur Polizei. Ein Beamter meinte:„Ja, die alten Weiber müssen sich ja immer anstellen! Es ist gar nicht nötig". Die Bestohlene fragte, ob Beamtenfrauen sich nicht anzustellen brauchen. Nach mehrmaligen Besuchen bei der Brotkommission, bei der Medestelle in der Posistraße und wieder bei der Brolkommission erhielt sie endlich— inzwischen waren seit dem Diebstahl schon anderthalb Wockien vergangen— weiter nichts als eine Brotkarte und eine Kartoffelkarte. Wovon sollte da die Familie leben? Darüber braucht narürlich bei der Brolkommission sich keiner den Kopf zu zerbrechen. Es ist leicht gesagt:„Macht doch die Augen auf und hütet eure Karten I" Ach, man kann trotz aller Vorsicht das Unglück haben, Opker eines Langfingers zu werden. Daß nicht bei jeder beliebigen Diebstahls- oder Verlustanzeige so- fort Ersatz geleistet werden kann, läßt sich begreifen. Aber so sehr auch im allgemeinen ein gewisses Mißtrauen und einige Zurück- Haltung gerechtfertigt sein mögen— ein bißchen mehr Entgegen- kommen scheint uns doch möglich. Lebensmittel. D-ie Abschnitte der Berliner Kartoffelkarte 31a�-g verlieren mit Freitag, den 2. August ihre Gültigkeit. Bis Freitag, den 2. August einschließlich, hat also jeder Kavteninha-bor seine Kar- tofteln für die Woche vom 29. Juli bis 4. August beim Kleinhändler zu entnehmen. Diese Bestimmung gilt nicht für Militärurlauber und diejenigen, die erst nach dem 2. August in den Besitz einer Kar- toffelkarte gelaiuften, ebenso wonig für den Verbrauch in Gast-, Schank- und Speisewirtschaften. Die zum Verbrauch in der Woche vom 5. bis 11. August be- stinunton, auf die Abschnitte Z2n— g der Berliner Kartoffelkarte entfallenden 7 Pfund Kartoffeln sind bereits von Freitag, den 2. August, ab in den KloinhandÄSgeschäften abzugeben, jedoch sorg- sältig zum Verbrauch in der kommenden Woche aufzubewahren, da für vorzeitig verbrauchte oder abhanden gekemunene Kartoffeln kein Ersatz gewährt wird. Zur Sicherung der rechtzeitigen Belieferung wird dr' irgend empfohlen, von dem Vorausbezug ausgiebig Gebrauch zu machen. Bis Sonntag, den 4. August, wird an diejenigen Kunden, die in die Speisefettkimdemlisten der in den Bezirken der 97.— 103., 106.— 112., 115., 117.— 120., 122., 171., 191., 202.— 204., 207., 209., 213., 220., 221., 227. und 230. Brotkommission gelegenen Geschäfte eingetragen sind, pro Kopf 12 5 Gr. Käse verteilt. Aus Abschnitt 35 der Süßstoffkarte D dürfen im August 1918 zwei Päckchen Süßstoff zu je 25 Pf. entnommen werden. Die Ab- schnitte 1— 34 werden nicht mehr eingelöst. Die Groft-Berliner Gemeinden gegen die Reichs- beklxidnngsstellc. Wie die Charlottenbirrger„Neue Zeit" erfährt, beabsichtigen die Groß-Verliner Gemeinden demnächst einen geharnischten P rote st gegen die ReichSbekleiduiigSstelle und deren Leiter, Geheimrat Beutler, zu veröffentlichen. Die Gemeiuden empfinden die A u S f ü h r u n g s b e st i m m u n g e n zur der Ver- ordnung über die Beschlagnahme der Fenstervor- hänge als eine Bevormundung, die der Reichsbekleidungs- stelle, die sich auch schon früher als" Aufsichtsbehörde der Groß- Berliner Gemeinde» aufgespielt habe, nicht zusiehe. Jusbesondere crregt die Bestinimung lebhaften Unwillen, daß die Gemeinden ver- pflichtet sein sollen, den zur Ablieferung Verpflichteteil die Meldebogen zuzustellen, obwohl ihnen die iii Betracht kommenden Personen gar nicht bekaiiut sind. Aus allen dieicn Gründen werden, wie das erwähnte Blatt meldet, die Groß-Berliner Gemeinden voraussichllich in Kürze gegen die von der. Reichsbekleidungsstelle geforderte Art der Durchführung der Beschlagnahme der Borhänge Stellung nehmen._ Tie Feftbesoldeten und die Kleiderabgabe. Gegen die verfügte Bestandsaufnahme der Männeroberkleidung hat der„Bund der Festbesokdeteu" Stellung genommen. In einer I der ReichsbekleidungSstelle eingesandten Entschließung wird auf die ungünstige soziale und wirtschaftliche Lage der festbesoldeten Bs- rufskreiss hingewiesen. Mehr als 3 bis 4 Anzüge dürfte rein Be- anrter oder Privatangestellter haben. Diele werden aber auch dringend benötigt, da die Natur der Beschäftigung eine saubere Kleidung erfordert. Ein Arbeitsanzug genügt für diesen Zweck nichr, da er sehr bald aufgebraucht sein würde und eine Neu- anschaffuiig bei den geforderren Phantasiepreisen ausgeschlossen ist. Außerdem werden die abgelegten Aimige aus den gleichen Gründen für die Angehörigen, besonders zur Umarbeitung für Kinderanzüge und dergleichen gebraucht. Der Bund fordert deshalb, daß mindestens die Festbeioldeten mit einem Friedenseinkammen von nicht mehr als 6000 M. von der Ablieferung eines Anzuges b e- sreit und die Bestimmungen über die Bestandsausitahme ent- sprechend geändert werden._ Neberfliisfige Nedcusarte» machte in Neukölln ein BszirkSvorsteher, als eine Knegersran ihn um Ausferiigung eittes Scheines bat, den sie zur kostenlosen In- anspruchnahme eines Arztes brauchte. Vorschrislsgemäß stellte et mit ihr das übliche Verhör an, kragte sie nach Namen, Woh» nnng usw., erkundigte sich dann, ob sie neben der Familienunter- stütznng eine Beihilfe vom Arbeitgeber des Mannes erhält, und schließlich auch danach, ob sie selber einen Arbeitsverdienst hat. Als die Frau angab, daß sie nicht arbeitet, bemerkte der Herr Bezirksvorsteher:„Daun haben Sie eS nicht nötig!" Sie erwiderte ihm, sie habe es sehr nötig zu arbeiten, aber durch Krankheit werde sie daran gebindert. Die herz- und magenleidende �Frau,_ deren Kränklichkeit und Schwächlichkeit jedem sofort ausiallen könnte, befindet sich in dürftigen Verhältnissen, weil sie mit der Familienunterstützung und einer kleinen Arbeitgeberbeihilfe wirtschaften muß. Sie fühlt sich durch die Aeußerimg des Bezirksvorstehers verletzt und erklär! uns, nie wieder werde sie jemand dazu bringen, noch einmal zu diesem Mann zu gehen. Wenn doch die Herren und Damen, die in dcr KriegswobliahrtSpflege tätig sind, es sich verkneifen wollten, gegen- über Hilfesuchenden den„V o l k s e r z i e h e r" � zu spielen! Zu allerletzt sollte man einer Frau, die den Arzt aussuchen will, einen Vorwurf daraus machen, daß sie nichr arbeitet. Tie geheiinnisvoUe Adresse. Die Hilfsaktion der Proletariers n neu, Abt. Kranken- und Wochenhilfe, Engel nfer 21 III, bat sich am 12. Juli an den Vor st and der Windelwoche, Bcndler- straße 7. gewandt, um zu erfahren, wo Frauen, deren Bedürf- tigkeit anerkannt ist, sich hinwenden können,»m für sich und das kommende Kindchen Wäiche zu erhallen. Bis heute ist sie ohne jede Antwort. Täglich kommen zu ihr werdende Mütter und wollen die Adresse erfahren, deshalb sieht sie sich jetzt gcnötiat. die Oeffentlich- keit in Anspruch zu nehmen. Schließlich hat die Oeffeiulichkeir doch ein Recht darauf, die Adresse zu erfahren, denn die Sammlungen sind öffentlich erfolgt. Wenn auch die gesammelten Wäschestücke erst hergerichtet werden müssen, so kann das doch kein Grund sein, die Adresse zu verschweigen. Mit Geld ist den Müttern heute nicht gedient. Ledige Berliner Mütter kann die Hilfsaktion der Proletariermnen an da? Vor- mundschafisamt der Stadt Berlin, Landsberger Str. 43/47, ver- weisen, die dort das Gewünschte erhalten. Was soll sie aber den vielen Kriegerfrauen mit auf den Weg geben? Bis vor kurzem konnte sie selbst helfen, leider sind ihre Schränke jetzt leer; deshalb ergeht das Ersuchen: Wer den werdenden Müttern helfen will, teile der Hilfsaktion der Proletarierirmen die Adresse mit l_ Der„Wahre Jakob" ist erschienen und gelangt heute zur Ausgabe. Ein Volkskonzcrt des Philharmonischen Orchesters findet heute in der Philharmonie, Bernburger Str. 22/23, statt. Beginn des Konzerts 8 Uhr. Eintrittspreis 30 Pf. Kasieneröffnung 7 Uhr. Die. Lichtspiele Neue Philharmonie, Cöpcnickcr Straße 06/97 bringen vom 2.— 8. die Uraufführung des Filmwerkes„Die Abenteuer des Kapitän tzanjen". Hierzu gelaugt ein Deteitio-Film ,X I 3" zur Uraufführung._ Neukölln. Eierausgabe. Vom Donnerstag, den i., bis Sonntag. den 11. August, darf aus Abschnitt 51 der Neuköllner Eierkarte 1 Ei entnommen werden. Das Publikum wird ausdrücklich darauf hingewiesen, daß an Stelle von ganzen Eiern teilweise auch senick- eier aus den jeweils gültigen Abschnitt der Neuköllner Eterkarte zu entnehmen sind._ Lichtenberg. Lebensmittel. Auf Abschnitt 53 der gemeinsamen Lebensmittelkarte gelangen jetzt ohne Voranmeldung 200 Gramm Marmelade(Pfund 92 Pf.) zur Ausgabe. Abschnitt 53) darf nicht beliefert werden. Abschnitt 58 verliert seine Gültigkeit am 14. August. Der Umtausch der Reichsflcischkarten gegen Bezugsscheine für Nährmittel findet nur am 5., 6. und 7. August, Rathausstraße 7, 2. Ausgang, 2 Treppen, Zimmer 6, vormittags von 9 bis 1 Uhr statt. Es gelangen für jeden Ncischkartenavschnitt 250 Gramm Nähr- mittel zur Ausgabe,_ Reinickendorf. Lebensmittel. Auf Abschnitt 161 der Lebens- mittelkarte der Gemeinde wird 14 Pfd. Marmelade zum Preise von 23 Pf. abgegeben. Die Anmeldung bei den Kleinhändlern und den amtlichen Verkaufsstellen hat bis einschließlich den 5. d. M. zu erfolgen. Aus Abschnitt 49 der Lebensmittelkarte für Groß-Berlin werden 200 Gramm und auf Abschnitt 30 100 Gramm Grütze abgegeben. Die Anmeldung hat ebenfalls bis einschl. den 5. d. M. zu erfolgen. Die Verteilung von Sonderzuweisungen an die Kinder für den Monat August findet wie folgt statt: Aus die Augustabschnitte der Kinderkarten A, B, C und D entfallen je ein Pfund Gersteninehl oder Hafermehl. Auf die Sonderabschnitte IV. A, B, C und D werden 4 Pakete Zloieback zu je 20 Pf. das Paket, ferner ein Paket Milnx abgegeben. Ferner können die Kinder gegen Vorlage ihrer Kinderkarten bei Hintze, Hauptstr. 62, Schneider, Holländecstr. 23 und Taschen- macher, Schcrrnweberstr. 153, ans jede Karte% Pfd. Fruchtsirup in Empfang nehmen.— Die Ausgabe sämtlicher vorstehend auf- geführter Nährmittel erfolgt nach den Ansangsbuchstahen dcr Fa- milieimamen für Buchstaben A— G am 5. August, H— K am ö. August, L— N am 7. August, O— S am 8. August und T— Z am 9. August, nach dem 9. August für solche, die am Bezugstage nicht beliefert werden konnten._ Königswiisterhauscn. Die GrüiidimgSversammlung des„Ok- meinnutzige» Bauvereins Königswusterhausen A.-G." ha! Sonntag nachmittag stattgefunden. Die Beteiligung war sehr zahlreich. Der Vorsitzende, Gemeindevorsteher Mosig, teilte mit, daß sich die Zahl der Mitglieder weiter erhöht habe und jetzt bereits Aktien im Nenn- werte von 48 690 M. untergebracht seien. Der vorliegende Satzungs- entwurf wurde mit unerheblichen Abänderungen einstimmig ange- nommen und nmariell festgestellt. Im Anschluß hieran folgte die konstituierende Generalversammlung. Nach dem Vorschlage des Ge- msinidevorsteherZ Mosig beschloß die Versammlung, den AuffichtSrat aus sieben Mitgliedern zusammenMsetzen und Vertreter der Ge- meuidevcrwaltung, der Großindustrie, der Eisenbahnbeamten, der Postbeamten, der Gewerbetreibenden und der Arbeiterschaft hinein» zuwählen. Die Tätigkeit des BauvereinS wird sich vor allen Dingen auf die Finanzierungsvechandlungen und die Auswahl geeigneter Bauprojekte erstrecken. NowaweS. ScfiettSmitfeL Äuf MsHnitt'44' d-r Auckerkari«. nüftifl vom I. bis 15. Stuauft und auf Abschnitt 21 der Aucker�usah- laxtt, aültia für den Monat August, findet die NuWHe von Zucker statt. Tie Kart-ninhabov haben vom TonnevStaa. den 1. bis Tonnerstaa. den 8. d. M.. diese bei dem.slscinhändler abzu- aeben, in dessen Kundenver�eichniS sie eingetragen sind. Der Zucker rann dann vom 12. bis 15. d. M. entnommen werden. Soziales. Ter öfsentliche Spielplatz. Wo ditseZ nicht vorbanden, leisten Spaziergänge Ersatz. In Wald schulen und ErbolungSsiätten sind die Kinder den ganzen Tag in der frischen Luft. Diese Einrichtungen sind jedoch nur zur Auf- nähme erkolungSöcdürft! ger Kinder bestimmt. Auch die Kinder- gärten und Horte umfassen nur gemiffe Gruppen von Kindern, so das', noch eine, erhebliche Anzahl übrigbleibt, dir auf enge schmutzige Höfe oder die staubige, lärmvoll« Straße angewiesen sind, da sie v-dder einen eigenen Garten besitzen, noch wie auf dem Lande in Wald und Wiesen frei hrrumsprelen können. Das Kleinkind aber ist fast ausschließlich in die enge Wohnung eingesperrt und wird höchstens einmal von der Mutter zum»Einholen" mitgenommen. Wie notwendig ist für diese Kinder der öffentlich? Spielplatz, der ihnen die Möglichkeil zu Spiel und Bewegung im Freien gibt! ?ln jeder größeren Siadt sollten ruhig gelegene, frei« Plätze, mit KieS- oder Sandboden, von ein paar Bäumnn beschattet, von An- lagen und kleinen Rasen flachen umgeben, als Kinderspielplätze zur Verfügung gestellt werden. Je nach Bedarf sollten eine oder meh- reve Kindergärtnerinnen zu bestimmten Stunden des TageS die Aussicht führen und die Spiele der Kinder leiten. Mit einem tüg- l'.chen. regelmäßigen Besuch durch dieselben Kinder, wie es im Kindergarten und Hort der Fall ist, kann auf dem Kinderspielplatz nicht gerechnet werden. Je noch den örtlichen Verhältnissen ist es ratsam, besondere Spielnachmittage oder, tägliche Spielstunden ein- zurichten. Die Toilnebmcrzahl darf nicht zu groß sein. Mit den einfachsten Mitteln,.Kreisspielen, den bekannten Kindergarten- spielen, einem Sandhaufen für die Kleineren, kann man den Kindern stundenlang Ilirtcrhaltung und Freude bieten. In Karlsruhe besteht seit zwei Jahren die Einrichtung der öffentlichen Svielplätze unter Aufsicht von Kindergartneoipnon. Vergangene« Sommer waren drei verschiedene Plätze in Betrieb, die sich eines regen Besuches und großer Beliebtheit erneuten. Eine der Leiterinnen erzählt in der diesjährigen Mainummer der Antschrifi„Kindergarten" von den Erfolgen und Erfahrungen ihrer Tätigkeit. Es ist zu wünschen, daß immer mehr Städte dem Bedürfnis nach Kinderspielplätzen Rechnung tragen und die per- bältnismäßig einfache und mit wenig Mitteln zu uiiicrhalteude Einrichtung schaffen. � Rückgang�der WohminzLbaitten. Daß zur Zeit eine große Wohnungsnot berricht mid daß nach dem Kriege viele Familien überhaupt nichl wissen werden, wo sie wohnen sollen, ist nicht allein der beinahe völligen Einstellung der Bautätigkeit während des Krieges geschuldet, sondern, wie di« von uns schon mehlfach erwähnle Ausnahme des Kaiser!, siaiisiischen Amtes über die'Bautnligkeit feststellt, der Berringeruug der WobnungS» bauten seit einer Reihe von Jahren. Ersichttiche Gründe dafür konnten nicht aufgefunden werden. Berglcichbare Angaben gingen von 87 deutschen Städten ein und diese liefern ein erschreckendes Ergebnis. Es wurden errrchleti Wohngebäude Wohnungen 10Z2... 8912 l>I 335 . 1913... 79,7 45 22» 1914... 5697 32 330 1913... 2164 13 171 19!6... 969 4 635 1917... 428 1 712 Das ist ein recht dünercS Bild, das uns den Wohnungsmangel ohne wciiereö erklärt. Im einzelnen sind noch folgende hervorzuheben: In Augsburg, Barmen, Berlin- Zchö»tberg, Bochum, Elberfeld, Mainz, Stettin, Wiesbaden, Zwickau— es kommen hier nur die erwähnten 87 Städte in Betracht, die vergleichbare An- gaben lieferten— wurde im Jahre 1917 kein einziges Wohnaebände neu hergestellt, gegenüber dem Jahre 1916 ist eine Zunahme an Wohngebäuden lediglich in Eibing und Lübeck um je 1, Frank- fnrt n. O. um 2, Kiel um 14 zu verzeichnen. In anderen Stadien ivar der Rückgang von 1916 zu 1917 ganz beträchliich. Es wurden gebaut in den beiden Jahren: in Bremen 114 und 45, in Köln 141 und 43, Dresden 41 und 9, in Essen 29» und 19», Hamburg 44 und 11, Hannover Ii und 1. Karlsruhe 15 und 8. Königsberg 23 und 12, Mannheim 18 und 0, Nürnberg und Slraßburg 24 und 4. Für Berlin werden uns von anderer Seile Angaben zur Per- fügung gesteltt, die eine ebenso furchtbare Sprache reden. Es wurden gebaur Wohnungen verglichen mit dem Jahre 191» sind alio in Berlin im Jahre 1916 6022 Wohnungen weniger neu entsianden. Wir sind über- zeugt, daß der geringe ZntoachS von 252 Wohnungen im Jahre 1916 niehr als ausgeglichen worden ist durch Wohnungsverluste der verschiedensten Art. ES ist nach alledem kein Wunder, daß die Bevölkerung den Hauswirten geradezu ausgeliefert worden ist. Aber die Zahlen zeigen auch, daß der Gesetzgeber energisch zugreifen muß. um dem WohnungSivucher, der trotz MieteinigungSämtern die tollsten Blüten treibt, ganz entschieden entgegen zu wirken. Mus aller Welt. Tie Cholera in Petersburg. Petersburg, 29. Juli. sP. T. 91.) Der Oberfanilätsrat stellt fest, daß die Cholernerkrankungen sich bedeutend verringert haben. Dies beweist noch lange nicht, daß eS keine neuen Erhöhungen der Krankheitsfälle geben wind, aber jedenfalls haben die Maßregeln der außerordenttichen Kommission bei dem Gesundheitspflege- kommissariat sofort die Choleruepidemie eingedämmt. Großen Nutzen hat auch daS VerkaufSverbot von verdächtigen Lebensmitteln auf de n Straßen gebracht. Größten- teils waren es die Käufer, die als erste der Choleraeptdemic er- lagen. Petersburg, 27 Juli. lP T. D.) Zum Kampf gegen dw Eholera ist im Newarahon ein Sanitätsdampfer mit einer Kajüte eingerichtet worden, der unter der Roten-Kreuz- Flagge fährt. Im Newarayon Wunde zugleich ärztliche Tag.'s- und Nachtwache eingeführt. Petersburg, 29. Juli. lP. T. A.) Auf Veranlassung des Professors Sabolotnij hat die außerordcnttiche Kommisston zur Bekämpfung der Cholera die Gründung eines besonderen In- stitutS, welches die nördlichen Gebiete mit Serum versorgen soll, beschlossen und Professor Sabolotnij mit der Organisation betraut. Lmfkasten der KeSsktion. An vietr»»d an W. 13. Bei Beurlaubungen bis zur Entlallunz 9t die Weiterzahkuug der Famiüenunteriliiduiig von vorliegender bedür- tigkeit abbängig. Wenn z. B. jemand besonders schwer irieg-Zveilept itt uiid Arbeit nicht ausnebmen kann, müxte die Unterstützung wellergezabic werden.— 41. lK. S». Sie müssen die KündigungSzeit innehatten.— Heimholt-. Die Witwe erbt in diesem Falle die HSIstc, die andere Hälite erben die Kinder.— Klara 192». Da daS Hans" aus Zwangsoerwaitung übernommen ist. ikt der Mietsverlrag nicht mehr bindend. 2. Nein/ �r- Blehrmann 4/233. Erst bei der Entlassung aus der Lazarettbehandlung bebt Ihnen Urlaub zu.— TS. l«. 1. Der Antrag hätte müssen au das BirsichcrungSamt eingereicht werden, er erleidet deshalb jedeniallS eine Verzögerung. Mahnen Sie bei der LandeSoersschcrungSamialt um einen Bescheid. Die Rente wird tzchncn übrige»; nnchgezadlr. 2. Der Vorg«sc»!e ist zur Mitteilung an Sie nicht vcrpiiichlct. Vielleicht wenden Sie siu noch einmal an den Neoimenlskommandtur.— C. L. Poltawa. Ersatz wird für das verlorene Patet nicht geieisiet.— W. M. 56. 1. und 2. Nein. Wasscrs.andsnachrichten der Landesansialt kür Gewässerkunde, mitgeteilt ooni Beritner Wetterburcan. Zaunadend mittag. Viettach beilcr. aber veränderlich, erhebliche Niederschläge: langsame Erwärmung. keine oder un- Vsrrdsottv« Vlit-w�sr. �Ilabonoiiotr 8 Ubr Max PalUnbarg in Der feucho Kadi. Kamiiner«ij>ielc. Letzte AullührunKonl'�inir: Inkognito.(Operette.) VoU£«UllI»nc,Th.a. Bitlov/pi. Allaberidlich 71/, Uhr; 6 o jianicrna.chtt3triLasi. Theater des lestens Letzte Aukführungeul'/jUhr: Die Tänzerin. AbMont Inkognito(Operette). IZis-Ms i, Königgfätzerstr. X)ir.C. Meintiard— RBsrnauer. 8 Uhr; Die fünf Frankfnrtsr. Komödiesshaus 8 Uhr: I>le Xurlti. BerlliierTheater 7"U.; Dlltr.blauc« Blat. Iteter der Fiieörielisüöt. Ef ke Uriedrioh- n. Linienstr t'l, Norden 8050. Tjt Oefeolilene Spiegel y. ilöllendorlf, Alles Tornig, Rieh. Geor�r. Sonnt. 31/} kl.?r.: jngcnel. Hational-Tltealer 'AS: Mäuschen. mit dem Schwank T&gl. 73i4. Sonnt. a'/jU.T'/« Großer Lacherfolg! Cicaamt-Gastsjtlel des Herrnfsld-Tlieateis iie Kriens- gewinnler. Hauptroll.; Dir. A. Herm- feld, Ferd. Grünecker. Theater für Freitag, 2. August. C;oii4rnl-Thao{«r ti. uhr: öle MsM. DentscJ'« n OverniiaUH tu uhr; Big seioe BeieuiL Frtfdrtch-Willielmst. Theater 79- Uhr; SSS Kamlncise Oper Sonnt. 31/, U.: Die Kinokänigin. 7�u.- SdswmilikaäJtel. Kleines Theater 8 Uhr: Arletid und seine Fehler mit Baaearraann. Metropol-Theater ühx: Eis Rose m SIsoilHiL IinetsplolhanM T/, Ulir;| Bie spanische Flleoe Morgen-l'/, übr: Renaissenco. Heues Operettenliaes� T'f.ühriOerSoltolfeflrä. KesldotiiB-Thortcr tu uhr.- FlifiMr-llirdiesi. »cltllier.Th. Cltanri. tu ühr= Ält-BeiiSeüioi'g. TSialla-Thrator u�lnleriSefliliciiieoli�s Theater am Noilendorfplatz TU Uhr; Zum 300. Male SSSBSS F Kl R D R/ CM. S TK IH � DELTSfflEN SUDAN ■imSJZi u. KtlTCRte m r/m HiruoKTFAO er? ap�ik* forsch fßsi HANS SCHOMBURGfö UO/7 FÜHRUA'd f r/ HtrDtH W ITCR W fPULPLAJY UW 6 unü 8'S ' 7uc�rr>/ja- f erstselten Sie iSMEiSÄBi Zlrkus-Brsch-Gcbguds. jxäpl. 7'/,, Mittw.. Sonnbd. u. Sonntag 3 u. 7'/s Uhr: L>as gewaltige i Hassen- Hanege- Sciianstllck Ljorpedo-Iosl'l f Morg.Sonnabendnchm.SU. j »rolle Sor.dcrvorstelianj j | Erwachseno und Kindor j Haids Pralso. reMBWsüKs Alice Hechy Rolf Brunner Qesanj-s- und Tana-UneU sowie der gltinrondo Variefe= Eräffr.üngs- Spislplan! r-Jc.l«n Sonntag:'" » Xachmitta«? 31/, Uhr I Vorstoilmii;. Kl. Preise! Kindorri hälfto! Trianon-Theater Cht. Friedrlohstr.Ztr. 4027. 2391 S tj. Zum$38. Male: Der g&liensseMlier. Kaicer-Titz, Biidt, Flink. Sonnab nachm.'I,i U. kl.Pr.: Moli u««e witteben. Sonntag 4 Uhr: johannitfeuer. ÄdmMspalast. (DiePriGzesslavon Trsgantl Siiajdah. Deutsche Tänze.[ Kühler Aufenthalt. ?'/, Uhr. S. 3. 4, 5, 6 M. .y Rose-Theater. TUÜ.: ßl8 Pi'täMiH VOüii. Aarkeub.! Sitte rechtfreundlich BeÄMÄter Kasiaiiienallce 7—9. Tägüch 5 Ichs in vollständig neuer Bearbeitung: Ä WkklllMAeiek. ÄrotzePossen-Revue in 5 Bildern Dazu die gruBurt SpezIalitUen }* Von tat. E». David, SK.b.OL A«S dem JnHa«: Unser« St- kwrlinze» im Oteitfista« und t ibteVrftflfffgU!!« durch die so» j»iaidevioftainche VoltSwano. ! Was wie immer deront baden. £ Ksiinle in« Soiwldemotraiie dea»eisa vethindetn? Die Ur- fact!«,: des Ur�easo. Die dtplv- rmM | In ullcn Prelwlasen | I-, i- u. S-Zimm.-Wohnungen empf. in mod. Ansführg. jlt!. Apelt, Tischlermstr. Berlin 30. Adalfaertstr. 6, Hochbahnst. Kottb. Tor. Zväer sei oerfistet grilndllch an dem Iriedlichen Wett- katnpfe teilzunehmen, der diesem Kriege folgen wird. Hierzu beffehigt ihn am sichersten eine umfassende Allgemein- n. fachl. Bildung Bäsch»od führt dio Methode Rustin(fünf Direktoren hbhar. 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August 1Ö18 ßezir'itt'Deriäromlungen für die gesamte Verwaltungsstelle Berlin in folgenden llofalen: Seuttchei' IstetLllSkdeilek- yekdsoS. Verwaltungsstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Noch- I richt, daß nnjer Kollege, der> j Gürtler Max Radtke Neukölln, Wese.str. 154, am 29. Juli gestorben i|t. Die Beerdigung findet 1 I heute Freitag, den 2. Augm!, ! nachmittags 3 Uhr, von der> D üeichenhalle des Neitiölliier\ | Gemetiide-Zriedhotet, il'ia» [viendorfet Weg, aus statt. Regt Beteiligung Wirb er« [ wartet, Nachrufe« Den Mitgliedern serner I ' zur Nachricht, dag unser \ Kollege, der Dreher Raul Kittner s M.rrirlljeide, Kirdistrage 80, j | am 28. Juli gestorben ist Den Mitgliedern ferner> I zur Nachricht, daß unser s j Kollege, der Mechaniker frisdrick Kiese I Friedenau, Rotdornslratze ö j am 17. Juli gestorben ist.\ Den Mitgliedern femet zur Nachricht, dag unser j Kollege, der Schlosser Kar!(Zimst Treptow. Graetzstrage 65, am 23. Juli gestorben ist. Ehre ihrem Andenken! tiS/IIj Die Drtsvorwattuni). iäeMW»i»«r»t>eiw«iui»a»a?W!'/r AiebkaMen. Die russtscheTat til und Theorie. Ration und Zntetuationale. 'i Prcis2M.Porto20Pf. j Bitchhaudinng Vorwärts 1 Verltn SM vv. binden ftr.z UN» I in all:» RuSgabesrellen de« I I■ fflonoivt*. j w e z e 1 1= Rasierpnlver, das einen prdohxigen, steifen, haltbaren Schaum gibt. Hose 1,50.* j. W. Zimmer, l'ruakkui-i u. 3K. strahe 3'(Laden). � Rntzhuhnerzucht. Em Buch für Anfänger. Mit zahlreichen ....... Mark.~_ Illustrationen. 1 Mark. Buchhandlung Vorwärts, Linden- Korden; PharuSsäle, Müllerstr. 1*12, abends S1/» Uhr. NordoB: Bültners Festsäle, Schwedier S!r. 23, aüds. 8'/, Uhr. Zkordvn: Frisch, Badslr. 12(Viliortagarten), abends tz> Uhr. .�konllkt: Sands Festsäle, Beusseistr. 9, abends S'j, Uhr. Ckariottcubnrjg: VoltshariS. Rojinenstr. 4, abdS. 8tzz Uhr, -*kr und: iiaiser-WIlyelm- klarten, Friedenau, Rheinstr. 65, abends ti'U Uhr. Oaton und Xordosten: ComciiiuSfäle, Äemeier Str. 67, abends 81/, Uhr. Idclitcnhcrs und Stralan-Rnntmelsbarg: Blume. Alt-Boxhagen 56, abends S'l, Uhr, WeJßensco; Restaurant Masche, Berliner Allee 251, abeudZ » Uhr. Südenbezirko: GewerlschajiShauS, Engelufer 15, abends Ü'U Uhr, Ncnkaila: Jdeal-Festsäle, Veichielstr. 8. abendS 7'/, Uhr. 1.'vjx«l-Zk«iniolz«->id»rk.�V««d: Lehnhardt, Tegel, Ver- lmer Siratze 94, abends H'U Ui>r. ObcrischönewelUe, Klcderschünewcidu, Johannisthal n.(JnBjgegrnd: Restaurant Warnecke, Oberschöneweide, WUbeimilienhositr. 18, abend» 8'/, Uhr. Spandau: Steinmetz, BiSmarckstr. 8, abends 3 Uhr. Ctipenlck-WrJcdrichHfaageB: Lehmann, E ö p e n i ck, Bahnhojür.-14, abends 8 Uhr. Tagesordnung in allen Verjammiungen: Bericht von der an, 24. Juni/LZt. Juli iS18> statt- gelundouen Grnrralvrrsvmmlung der Acrwaitungsstellr Berlin. SfHif Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt!"TRija Zahlreiches und pünktliches Erscheinen wird erwartet. 116/2 Iiis OrtstTcrvraltuiis. Für die vielen Beweise herz- licher Teilnahme und die vielen Kranz penden bei dem Dalnn- scheiden unserer lieben Mmler, Schwiegermutter und Schwester Witwe Emma Kunkel geb. Ilennerviilz sagen wir hiermit allen Ver- ivandten. Freunden und Be» tanilten, den Hausgenossen Se§ Berliner Spar- und ÄauoereinS, Ansiedelung Stargarder Straße, und besondelS den Herren Du- Pont und Hossmann sür die trostreichen Worte unseren herz- iichiten Dank. 52A ttitt und MW Kunkel. Erfinder bedienen sich j. Amneidg. u. Verlaus ihrer Erfindungen, Ideen eines Patentjachinannes* Bat u.Auskunft kostsnlos! Erfolg: u. u. Vcvtauf 1 Paten. rS durch unteren Mitarbeiter sür 8BQ 0OQ m. F. Frdmnnn dt Co.« BerlitiLlVll,KSnIggrätzerSt.7ö. F N?. 210— 1�1$ UnterhaltungsbSatt öes vorwärts §ee!tag, 2. Mguft Oer Laubenkolonist. Die Arbeiten im Monat August. Da das Wetter uns dauernd genügend Feuchtigkeit brachte, so ist dos Wachstum aller Gemüsearten ein erfreulich gutes zu nennen. Selbst die nachgctegten Buschbohnen, die die erste, vom Hunifroft zerstörte Aussaat ersetzen sollten, ist jetzt tüchtig- vorwärts ge- kommen und zeigt die ersten Früchtchen. Wem das Gluck hold war und die Bohnen erster Aussaat gesund erhielt, erfreut sich schon längere Zeit an dem schmackhaften Gericht der Brechbohnen. Ist schon im vorigen Monat auf«ine sorgfältias und zu richtig«! Zeit einsehende Ernte hingewiesen worden, so sei es diesmal bezüglich der Schnittbohnen noch einmal getan. ES ist selten richtig erkannt, was gerade bei den Bohnen eine sorgfältige Ernte an guten Erfolgen nach sich führt und was für Schaden durch unocht- fameS Pflück- n der Schoten angerichtet werden kann. Nicht nur, daß bei unvorsichtigem Arbeiten ganze Fmuchtbüschel abgerissen oder abgebrochen werden, nein, selbst ganze Pflanzen werden um- gebrochen oder zertreten. Das Pflücken sollte nie anders vor sich gehen, als daß die linke Hand den Fruchibiischel faßt, dicht oberhalb des Stiele? der von der rechten Hand gefaßten Schote, die dann mit kurzem Ruck abgezogen wird. Daß bei Regenwetter, über» hauist im nassen Zustande, keine Bohnen gepflückt werden sollten, ermähne ich nur nebenbei. Gerade dann, wenn die Triebe der Bohnen durch die Feuchtigkeit schwer geworden sind, brechen sie so leicht ab. So gute Folgen ein durchdringender Regen nach sich zieht, so bringt er doch auch weniger Gutes mit sich. Durch das Verschläm- men der obersten Erdschicht wird die Luftzufuhr zu den Wurzeln unterbunden. Also die Hacke zur Hand genommen und alle? wieder gelockert, was irgend zu lockern not tut. Im allgemeinen ist der Wert des Hackens noch viel zu wenig erkannt. Andernfalls würde es häufiger und auch mit größerer Sorgfalt ausgeführt werden. ES kommt hierbei viel weniger ans die Tiefe der Lockerung an, als vielmehr auf das Lockern der obersten Erdschicht überhaupt, besonders im märkischen Sandboden. In letzterem ist das tiess Hacken ganz und gar zu unterlassen. Nur da? Brechen der obersten Erdschicht ist notwendig, damit einerseits die Luft nngebindert ein- dringen kann, zum andern, damit die oberste, flache, lockere Evd- krnme das Vertrocknen der unter ihr liegenden tieferen Erdschichten verhüte. Eine andere dauernde Beschäftigung ist die Vernichtung der Raupen, die sich ja aus allen Kohlarten reichlich genug zeigen. Visher ist zwar der Kohlweißling noch recht feiten ge- bliebsn, aber nichtsdestoweniger muß der Kampf auch den wenigen gellten, ehe größerer Sdhtxden getan ist. Dies sobald als möglich, denn ein Doumendruck auf ein Häufchen Eier vernichtet bosser und gründlicher Hunderte von kommenden Raupen, als daS späterhin einmal überhaupt möglich wäre. Und dann bleibt die Pflanz« noch u-nbeschädigt. Abgesehen vom Kohlweißling, sind auch die Eulen- raupen gefährlich genug, so daß ihre, Vernichtung geboten ist. Eine einzelne solche Raupe vermag den schönsten Wirsingkohl zu ver- Nichten. Beim Blumenkohl ist e» ähnlich. Wo also rm Kopf der Kohlarten sellbst Fratzstellen oder Raupenkot zu sehen ist, muß so lange gesucht iverdcn. bis der Schädling gesaßt ist. Ein vorsichtige? AusblÄtern des Kohlkopfts ist nötig. Hin und wieder tritt eine klein«, weißliche Laus in Herden auf: Mehltau nennt sie die All- gemeinheit. Es sind ober wirkliche Läuft, die durch das Saugen am Blatt diese? verunstalten, am weiteren Wachsen verhindern und durch eine rapide Vormehrung und Verbreitung die Kohl- pflanzen vernichten können. Hier heißt es aufpassen und dem Un- gczieftr sofort zu Leibe gehen, sobald es bemerkt wird. Ein Eimer Wasser, ein'derber, doch weicher Lappen und daZ Ungeziefer wird gründlich abgewaschen, so daß die Lause dabei zerdrückt werden. Mit der Brause wird darauf gründlich nachgespült. Im kleinen Laubengartcn ist diese Deiämpfungsweise die einfachste und wirk- samft«. Immer gilt noch der Zwang der bestmöglichsten Ausnutzung des Gartenlandes nach jeder Richtung hin. Im August wird ver- hältnismähig viel Land frei, da viele frühe Gemüsesorien abgeerntet werden. Dieses Land darf durchaus nicht brach liegen, sondern muß bestens neu bestellt werden. Mit gutem Erfolg wird noch Blätterkohl gepflanzt, gleichgültig ob grüne oder braune Sorten. Ebenso find noch frühe Sorten von Kohlrabi zu pflanzen, die, wenn auch die Knollen nicht inebr allzu groß toerdcn, im späten Herbst doch ein zartes Blattgemüse hergeben. Unter günstigen Ver- Hältnissen kann aber auch die.Knolle noch bis zum Oktober eine gute Ausbildung erreichen. Und wo das Land in guter Dungkraft steht, bringen selbst Kohlrüben noch schöne Erträge. Die mähige Größe der Knolle wird durch den feineren Geschmack wieder weit gemacht. Spinat ist fernerhin veichlich auSzufäen, da er jetzt, zum Herbst hin, wieder eine gute Ausbildung zeigt. Es sind häufigere, kleinere Aussaaten zu machen, nicht mehrere Beete auf einmal, da das für einen kleinen Haushalt sehr unpraktisch ist. Vor dem zu dichten' Säen hüte man sich, besonders beim Spinat. Aber auch die Speiserübchen, die jetzt zur Aussaat kommen, dürfen nicht zu dicht stehen, da sie sonst zu sehr ins Kraut gehen, was in den feuchter, Herbsttagen leicht eintritt. Nur ein genügend Iveiter Stand bürgt kür die gute Entwicklung der Rübchen. Wo erfahrungsgemäß das Teltower Nübchcn gut gedeiht, was hier in der Marl ja an vielen Orten der Fall ist, soll dieses ausqcsät werden. Ein mäßig feuchter, sandig-lehmiger Boden, der wohl nahrhaft genug ist, doch nicht frisch gedüngt sein darf, sagt diesem Rübchen an, besten zu. Da es völlig winterhart ist, hat eZ vor den anderen Speiserübchen den großen Vorteil, daß es an Ort und Stelle stehen bleibe» kann, bi? es in der Küche verbraucht wird. Auch dann, wenn, die Rübchen nicht vichtig aukwachftn sollten, find sie nicht wertlos. Man läßt dann da? Beet ruhig über Winter stehen und schneidet im nächsten, zeitigen Frühjahr, bisweilen fchart Mitic März, das sehr früh sich entwickelnde, zarte, gelbgrüne Laub. Dieses läßt sich zu einem wohlschmeckenden Spina! verarbeiten. Als letztes der jetzt noch zu pflanzenden Gemüse ist der Wirsing zu erwähne,», der besonders in gutein Boden eine schnelle Entwicklung zeigt und bis zum Spätherbst hm noch recht brauchbar wird. Ja, selbst die Rote Beete kann am Anfang des Monats noch gepflanzt werden. Wird die Ii übe auch nicht mehr bis zur normalen Größe erwachsen, so ist sie um so zarter und wohl- schmeckender. Da ste vielseitig zu verivenden ist, sei es zu Salaten oder Gemüsen oder zur Streckung von Fruchimarmeladen, sollte sie recht rege angebaut und gepflegt werden. Liebhaber und Kenner säen noch Radieschen, Rettig. Rapunzeljalat und, zur so- gcnannien zweijährigen Kultur, dft Schwarzwurzel. Vielfach wird aber die Frühjahrsaussaat vorgezogen. Gegen Ende des Monats kommt dft neuerlich beliebt werderde allerfrüheste weiße Frühjahrs- zwiebel zur Aussaat. Von laufenden Arbeiten ist das Hacken dft notwendigste. In trockenen Lagen muß genügend bewässert werden und lven» Jauche zur Verfügung steht, ist diese ausgiebig zu benutzen. Alle Kohl- arten, Gurken. Kürbis und Tomaten vertragen viel davon. Letztere müssen dauernd an den Pfahl gebunden werden. Man sehr auch darauf, dft Nebentriebe zu entfernen und am Ende des Monats die Tniebipitze hcroiiSzuschneiden. Was dann von Blütentrieben noch erscheint, kommt doch nicht mehr zur Fruchtenüvicklung. ES ist also besser, daß alle Nährstoffe den ichon vorhandenen Früchten zu- gute kommen. Dft Vertomdung von Jauche ist auch beim Obst von gutem Erfolg. ES wird darin so leicht nicht zu viel getan. Die Errfte des frühen Kernobstes ist im Gange. Auch hier ist Vorsicht beim Pflücken geboten. Frühe Sorten sollten mehrmals gepflück! werden, nicht auf einmal. Zuerst wenden die am besten entwickelten Früchte abgepflückt. Nach weiteren 8— 10 Tagen wird noch einmal in dieser Weise durcbpepflückt und nach abermals 3— 10 Tagen folgt dann der Nest. Ein solche? Vorgehen ist logisch, denn die Früchte sind eben nftmalS gleichmäßig in der Entwicklung. ES ist ganz erstaun- lich zu sehen, wie schnell und vollkommen die weitere Ausbildung der am Baun» verbliebenen Früchte vor sich geht, sobald dft am weitesten anSgebildeteu durchgepflückt sind. Ungezftservernichtung ist fortzuführen. Wer Obstivildlinge hat, okulftoe sie jetzt aus das schlafende Auge. Der AuMst ist der Mnoat zu? Anlage neuer Erdb e er- b e e t e. Nicht zu trockener Boden, reichliche Düngung, Sonnenlage und gute Bearbeitung Fad zu gutem Erfolge notwendig. Di« Pflanzung geschehe nickst zu eng. da dam» die weitere Entwicklung Not leidet. Eine allseitige Entfernung von SO Zentimeter ist im allgemeinen die richtigste. Nur bei schwachwachsendcn Sorten, wie bei Deutsch-Evern, genügen auch 40 Zentimeter. Nur beste Sorten sind anzupflanzen. So außer der genannten noch dft bewährte Noble, dann Sieger, Jucunda und die Späte von Leopoldshall. Es gibt ja noch sehr viele andere Sorten, doch genügen die genanntem Höchstens seien noch die feine König Albert und die sogenannte Blutendbcere Wunder von Röthen genannt. Wo irgendwelche Blütenpflonzen gepflegt werden, ist vor allen Dingen auf Sauberkeit zu achten. Rosenliebhaber ziehen sich ihre Büsche und Stümmchen selbst an und cckulftren fttzt aufs schlafende Auge. Im Laufe des Winter? sind einige Wildlingsstämme aus dem Waide beschafft. Auch Edelreiser sind zur Zeit der Veredlung leicht zu erhalten._ stet,. Der Mohol im menschlichen Körper. Der im Blut lreilende Alkohol kann durch chemische Verfahren seiner Menge und Konzentration nach genau ermitlel, werden. Diese Verfahren bestehen häusig darin, daß etwa» Blut au« einer Armvene entnommen, der Alkohol dann aus der Blutalkohol» Mischung durch Destillation gewonnen und völlig oxydiert wird; der Endpunkt dieser Reaktion wird durch eine Farbenänderung der Lösung infolge deS. nunmehr möglichen DurchdringenS eines bei- gegebenen FarbsiosseS angezeigt'und durch Umrechnung die Allohol» konzeniration in 1 Liter der ehemaligen Blutalioholmischung er- miltelt. Nimmt man die Durchschnitismenge des menschlichen Blutes beim erivachsencn Mann zu 5 Liter a», so ist es danach möglich, die im ganzen Körper gleichzeitig lreisende Alkoholmengo zu berechnen. Bei bewußtlos ins Krankenhaus eingelieferten Patienten kann durch eine Blutuntersuchung genau festgestellt werden, ob ihre Be- wntztlosigkeit etwa auf schwerer Betrunkenheit beruht oder„ich:. Ueberhaupt ist bei Bslrnnkenen im Blute stets Alkohol nacbzu- weisen, oft in großer Konzentration. Bei der Ausstellung von Gut» achten ist man in der Lage, die Angaben eines Mannes über seine Trinkgcwohnheiten auf ihre Richtigkeit zu prüfen, indem man nach der Einführung einer bestimmten Alkoholinenge durch zwei- oder dreimalige Bliitnntersuchung feststellt, ob man es nut einem ge- wohnlichen Durchschnittsrrinker oder einem Gewohnheitsläufer zu tun hat. In gleicher Weife ist es möglich, bei Patienten, denen Altoholgenuß untersagt ist, nach einen, Besuch oder einem Ausgang sestzuftelle», ob sie den Anordnungen Folge geleistet und die vorgeschriebene Diät durchzcsnhrl baben. Auch kann ftstgestelll werden, ob jemand auS irgend einem Grunde den Betrunkenen nur spielt, denn der Rauschzustand geht dem Alkoholgehall des Blutes parallel. Es ist sogar denkbar, daß auf diese Weise nachgewiesen werden kann, ob jemand einen Totschlag oder eine andere strafbare Handlung bei voller Besinnung oder im Zustand der Trunkenheit ausgeführt hat.' In diesem Fall müßte alsbald nach der Tat eine Blutuntersuchung vorgenommen werden. Die Zah! öe? Sternfthnuppsn. Mit dem 10. August werden die Sternschnuppen, die Sendboten des Perselvensckwarnis, wieder häufiger auftreten. Eine Vorstellung, wie groß ihre Zahl ist, erhält man aus einer Mitteilung von Pias. Wolf im Jabresberickte des Astrophysitalischen Observa'.oriums auf dem Äönigstuhl bei Heidelberg. Pros. Wolf hat alle seine in den Monaten August und September des vorigen Jahres aufgenom- menen Platten mit zroßem GefichtSbild auf zufällig miiphoto- graphicrte Sternschnuppe»«bsuchen lassen. Auf den Platten, die zu anderen Zwecken, meist zur Aufsuchung lleinec Planeten be- stimmt waren, konnten sich nur die hellere» Sternschnuppen aus- zeichnen, die während der Expofitionszeit von durchschnittlich 77/jo Stunden durch den photographierten Teil des Himmelsgewölbes hnichten. Auf Otifl Platten, die aus 13 Jahren stammten, fanden sich nur IS Meteorspnrcn. DaS scheint zunächst wenig zu sein, bedeutet in Wirllichleit aber viel. Die Photo- graphierte Fläche bedeckt nämlich 10X10 Quadrataradc an der Himmelskugcl, eine Fläche, dft nur der 41!!. Teil deS ganzen Himmelsgewölbes ist, wenn auch 400 sich berührende Voll- mondscheibeii aus ihr Platz finden würde». Bei gleicher Verteilung hätten sich also am ganzen Himmel 8000 Sternschnuppen bis zur vierten Größe gezeigt, und da die Gesamidoucr der Ausnahmen 025'/, Stunde war, kämen auf jede Stunde 13 Sternschnnpven bis vierter Größe am ganzen Himmel für den Durchschnitt der Mona!« August und September. Bon dem ganzen Himmel Übersicht nun ein Beobachter die Hälfie nicht, weil sie unter dem Horizont liegt, und von der sichtbaren Hälfte kann er ruhenden Auges nur etwa ein Viertel, also ein Achtel de? ganzen Himmelsgewölbes betrachte», Im Durchschnitt können also ls/g Sternschnuppen über vierter Größe jede Stunde erwartet werde». Im sternenjckmippenreichcn August. besonders um den 10. herum, ist die Zahl jedoch viel größer. NvttZ?«. — Der Bildhauer Hugo Cauer ist in Kreuznach pe- stoüben. Er gehörte emer Familie an, die durch Generationen hr>»» durch Künstler hervorbrachte. Hugo Cauer war sowohl von dam klassischen Ideal der stillen Größe— sein Vaftr war Schiller Rauchs— wie von ftiiics Lehrers Begas Streben nach Ausdruck und Bewegung beeinflußt. Seine stille, seine Eigenart tut sich am besten im Grabdenkmälern wie Porträtbüsteii kund. — Der.beste" Tabaiersatz. Einen neuen Tabalersatz will man in einer vom Landwirt wenig geichätzte» Pflanze entdeckt haben, dem gemeinen Huslanig, der in Gegenden mit Lehmboden an Wegebüschungen massenhaft' verbreitet ist. Wie aus einer Zu- schrist an die.Deutsche Landwirtschaftliche Presse" hervorgebt, soll der Huslattig nach sachgemäßer Znberei,ung. wie sie bei den Tabak- blättern vorgenommen wird, einen eigenartig aromaliscb mundenden Rauchstoff abgeben, der als der.beste und gesundheitlich vollkommen einwandfreie' Tabakersatz anzusehen ist. V2j Loöz. Das gelobte Land. Roman von W. St. Reymont. „Du fängst ja an wie Moritz zu sprechen.� „Denkst du etwa besser?" „Bloß anders; besser— schlechter, anständiger— unan- ständiger, das ist Dialektik und nichts mehr." „Wie hat dir denn die legendäre TrawinZka gefallen?"' „Einfach märchenhaft."' „Du übertreibst wohl, wo hätte Trawinski so eine her- genommen!" „Gar nichts übertreibe ich. Ich kann sogar noch zufügen, daß sie schön und vornehm ist! und daß Trawinski sich so eine s�rau leisten konnte, da darfst du nicht vergessen, Max, daß Trawinski ein schöner und sehr gebildeter Mann ist. Du darfst ihn nicht als Fabrikanten anschauen, dem nichts gelingt, bloß als Menschen. Als Mensch ist er eine außergewöhnliche Erscheinung. Durch aite Familienkultur verfeinert. Er erzählte mir einmal, sein Vater, ein sehr reicher Gutsbesitzer aus Wol- hynien, habe ihn sozusagen zur Gründung der Fabrik gezwungen. Die große Industrie habe dem Alten den Kopf verdreht und er hielt es für nationale Pflicht, daß der Adel in den Be- strebiingen zu ihrer Hebung mit beitrüge. Er erhofft sogar die Wiedergeburt dieser Kaste durch die Industrie. Trawinski taugt aber dazu gerade so wie du zum Beispiel zum Tanzen. Aber er folgte dein Vater, na, und schmilzt allmählich in seiner Spinnerei die väterlichen Kapitalien ein. verspinnt ihm die Wälder und den Boden. Er sieht cS selbst und fühlt es sehr gut, daß dieses unser Lodzer.gelobte Land' für ihn zum verfluchten Land wird, aber er kämpft trotzdem eigensinnig gegen den Mißerfolg und gegen den Mangel an Glück. Er versteift stch und will durchdringen." „Manchmal machen solche Leute mit ihrem Eigensinn gute Geschäfte. Kennt sie seine Lage?" „Ich glaube nicht, denn er gehört zu den Menschen, die sich lieber aufopfern und sterben, als es zulassen, daß irgend- eine unangenehme Nachricht, irgendeine Sorge zu ihren Liebsten dringt." „Mit anderen Worten, er liebt seine Frau.. „Da ist noch etwas Größeres als Liebe: Achtung und gegenseitige Verehrung beinahe, das habe ich aus ihren Blicken genau herausgelesen." „Warum zeigt sie sich nirgends?" „Weiß ich nicht. Du hast keinen Begriff, welche reizvolle Anmut sie im Gespräch entfaltet, in den Bewegungen, wie wunderbar weich sie ihren Kopf erhebt." „Du sprichst ja sehr warm von ihr." „Du lächelst ahnungsvoll dumm, aber daS nützt dir nichts, ich bin in sie nicht verliebt, ich könnte sie auch gar nicht lieben. Sie gefällt mir bloß als Ti)p einer schönen Frau mit sehr vergeistigten Gesichtszügen, aber das ist nicht mein Typ, ob- wohl, mit ihr verglichen, alle unsere Lodzer Schönheiten sich wie gemeiner Perkal neben reiner Seide ausnehmen." „Trage doch diesem Perkal deine Farbe auf." „Laß doch diese Färbcrwitze." „Gehst du schon? Dann können wir ja zusammen gehen." „Ja, aber ich muß noch etwas in der Stadt erledigen." „Das heißt also, ich soll dich nicht stören." „Gut gesagt. KurowSki läßt dich grüßen, er ist Sonn- abend wieder hier und bittet uns zum Abendessen, wie ge- wöhnlich. Unterdessen fragt er brieflich an, ob der dicke Schwab, das bist du, nicht abgenommen hat, und der dünne Jud, das ist Moritz, nicht zugenommen hat." „Er macht immer Witze. Hat ihm Buchholz seine Che- mikalien abgenommen?" „Wir verwenden sie schon seit einem Monat." „Dann wird er ja schön auf die Beine kommen; gehört Hab' ich, daß auch Keßler und Endelmann mit ihm einen Vertrag abgeschlossen haben." „Ja, er schrieb es mir, er ist schon auf dem besten Wege zum Vermögen, er macht es schon sogar." „Laß es ihn niache». wir werden's auch machen." „Glaubst du dran, Max?" „Wozu soll ich dran glauben, ich weiß, daß wir eS machen werden, machen kann man's doch, was?" „O ja, du hast recht, und wir machen's auch. Hör mal, wenn du Horn zu Hause antriffst— er sollte zu mir kommen—, sag' ihm bitte, er möchte unbedingt warten, ich wäre in spätestens zwei Stunden zurück." Sie besprachen noch das Telegramm von Moritz, dann verabschiedete sich Karl von allen. Er ging zusammen mit Josef fort, der sich gleich vor dem Hause von ihm verab- I schiedete und in der dunklen Gasse verschwand. X. Joseph ging seine Eltern besuchen. Er wohnte nämlich ständig bei Baums. Jaskulskis wohnten weit ab, hinter der alten Kirche, in einer namenlosen Gasse, die rücklvärtS bis zu dem kleinen Lokalflüßchen reichte, das als Rinnstein für alle Abwässer der Fabriken diente. Die Gasse sah aus wie ein Kehrichthaufen, voll von Ab- fällen einer Großstadt. Joseph wand sich schnell hindurch und trat in ein unge- tünchtes Haus, das mit allen Fenstern vom Souterrain bis zum Dachboden wie. eine Laterne leuchtete und von dem Mcnschenschloarm brauste, der sich hier eingenistet hatte. In dem dunklen, mit furchtbaren Gerüchen und herein- getragenem Schmutz angefüllten Flur tastete er sich bis zu dem dreckigen, klebrigen Geländer und lief schnell die Treppe zum Souterrain herab; em langer Korridor ohne Dielen, mit Kehricht und HanSgerät angehäuft, voll von Dreck, Stimmengewirr und Gestank wurde von einer kleinen, qualmenden, an der Decke angebrachten Oelfunzel beleuchtet. Er wand sich durch die hier herumstehenden Hindernisse durch und gelangte ans Ende des Korridors. Eine warme, mit Fäulnis und niit der in rötlichen Streifen an den weißen Mauern hcrabfließenden Feuchtigkeit gesättigte Kellerlust stürzte ihm entgegen. Lärmend lies ein Hausen Kinder heraus, um ihn zu be- grüßen. „Ich dachte, du kommst heute nicht mehr! flüsterte eine große, magere, gebückte Frau mit einen» grünlichen, einge- fallenen Gesicht und großen, schwarzen Augen. „Ich habe mich etwas verspätet, Muttchen, Herr Boro- wiecki ivar bei uns, der Direktor von Buchholz, und ich traute mich deshalb nicht, früher rauszugchen. War Vater noch nicht da?" „Nein," erwiderte sie dumpf und ging zum Kamin, der mit einem an Drähten hängenden Stück Stoff von der Kammer getrennt war, um Tee einzuschenken. Joseph folgte ihr hinter den Vorhang und legte die mit- gebrachte»» Eßsachen aus den Tisch. „Mein Wochengeld Hab' ich heut voin Alten verlangt, vielleicht kaffnst du es aufheben, Mutter." Er legte vier Rubel und einige Kopeken hin; fünf Rubel bekam er wöchentlich. Eortj. folgt) Bekanntmachung. MM°.Mzff-°fWWWW Aus Gnmd Hort 8 2 Zlbsatz 3 der Bekanntmachung dcZ Magistrats vom 28> Juli 1916 über den Berkehr mit Luststoff und über SMchrnnhimt des gewerbliche» Verkaufs von Zucker wird bekanntgegeben, daß der Abschnitt 35 der Süßstoff. karte II im August 1S18 eingelöst weiden lanm Auf diesen Ab- schnitt find zwei Päckchen Süststoff(II-Packung) zum Preise von je 25 Pf. zu verausgaben und zu entnehmen, Die Abschnitte 1—34 tstirjen im August nicht mehr eingelöst werden. Berlin, den 21, Zuli ISIS, Magistrat der Kiinigt. ßan?!- mid Deßdenzstadt. L0Z3/Zu. 18. ZitckerversorgungSstelle. e»»be» erschien: WlliK«. SM MmMM itrltifche Studien iib«r-stfiene stieodlewe de« wissenschaftlichen und pratttfchen Soztatismuo in und nach dem ÄZelrkrieg. Bon Qr, Karl Skseiner Mitglied de« oßlerxichssche» ReichL-atS. Unser Ssterrstchischer EennAe,«Huer der besten Marxkenn«, lag« im Vorwort diefs, uortrossliche« und povuliir geschrte- i denen Buches u, a... 9tXpcKt aber wuruen Mese Studien aus, der le>dcnsi:,«fllisn»W>ch«i.,in,«S c/Mhten Airrfal-, in das die Ardeiterkchstst d« MfU darrt)»ei»rtez»enslrickt worden ist, und aus de-«evstbRlorstch-a Keberzeuzuna, daü ihr einzig und allein marxistische Artrschunz AbRife Massen kanu..... Preis, gut gedrmdcn, SM Mark. Expeditiorl des Vorwärts, Lindeustr. 3(Lade»). Schriftliche Austrüge, auch fiir«lle anderen Bücher,»verden l �__ sofort erledigt. Als Verlobte tmssfehTtn sich 9!to Weichardt Hosa Ziümef Berlin, den 4./8. 18. Spemlarzt Dr. med. Hasche, Frtfldric!iStr.90Äato. B»hau dl. vonSiivhilis, Haut, f arn-, F»«>c»leidoll, ipssz.: ron.Fälle. Schmcrzioje, kürzeste Behandlg. ohne Berussilörung. Btuluntersuchung. Mäß. Preise Teilzahlung. Sprechsrundeu 11 bis 1 und 5— 8. Sonnt. 11— 1. 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SebSnederf' MiMninger Straße 9. Charlottenfeufzj: SÄräi/er Str. u. Kosinenstr. Sieglitz: Bernsea, Mommsonstr. 59. werden eingestellt in fokgendenFilialen Wiiaiersdorf: Wilhelmsane 27 bei Sohnbert, ISSSIpeibSf: Kaiser- Wilholrn-Str. 74. Meukülu: Keckarstr. 2. I* Waitenberg-Straße 1 u»£.n.„U„. ij. und Alt-Boxhagen 56. FailkOW 1 Mühlen str. 70. 86rSi|jWalde. Kienast, Bäusoh-Str. 10. Heidezeit von H bis ist, 0bz nnd dst, bis 7 Uhr. auch Kriegsinvaliden, zum sofortigen Antritt. Vorstellen I 9—12 und 3— 5 Ahr in der Arbeiteramiahme. ilonrad Saimig& Co., G.m.b.H., Neriin S 14, Kentmandanlenstr. SS/04. Maurerpoliere»»d Maurerkolonueu für Baute» im besetzten Gebiet des Ostens für sofort gesucht. Fritz Kackbarth Co. Berlin W v, ScheUingstr. 13. 2846b* MlÄttimsksWS! Sablainlg Fhgie�ln, 2h Schlesische Str. 26. SLÜsiAskunAgebuKgen zur Cemoröung Eichhorns. Ter Hetman an das ukrainische Volk. Kie«, 81. Juli. Der Hetmrm der Mraine Hai au? Anlaß de! Tades deS GeneralfeldinarschallS von Eichhorn nachstehende Lot- schaft an das ukrainische Voll gerichtet: „Durch diese Botschaft teile ich dem ukrainischen Volke mit: Heute am 30. Juli ISIS um 10 Uhr erdend Z verschied der Oberbefehlshaber der deutschen Heeresgruppe in der Ukraine General- fsldmarschall von Eichhorn, ermordet durch die verbrecherische Hand der erbitterten Feinde der Ukraine und ihrer Ver» bundeten. Dem, der den entschlafenen Feldmarschall nickt lonnie, isr es schwer zu ermessen, welch großer und bitterer Verlust das für die Ukraine ist. Generalfeldmarschall von Eichhorn war ein aufrichtiger und uberzeirgter Anhänger und Freund des ukrainischen Volkes; sein Ziel war daS Schaffen eine» selbständigen ukrainischen Staates. Erkennend die un- erfchöpflichen schöpferischen Kräfte in unserem Volke, freute er sich der ruhmvollen Zukunft, die die Ukraine zu erwarten hat, und unterstützte mit allen Kräften die Idee eines ukrainischen Staates, selbst denen gegenüber, die an sie nicht recht glauben wollten. Frieden werde Dir, Du großer und herrlicher Krieger! Wie Dein Ruhm als Feldherr nicht sterben wird in den Herzen des deutschen Volke?, so wird auch Deine übekAeugungsvolle Arbeit zum Wohle der Ukraine eine tiefe Spur hinter- lassen in unseren Herzen und nie verloscht werden in den Blättern ukrainischer Geschichte. T-sr einzige Trost in schwerem Leid, das über uns hereingebrochen ist, ist der, daß diese schmachvolle Missetat nicht von einem Sohne dar Ukraine, sondern von einem Fremden, der Ukraine und ihren Bundesgenossen feindlich gesinnten, vollbracht worden ist., Hetman der Ukraine. Pawlo Storopadski." Der Hetman hat ferner in seinem Namen und im Namen der ukrainischen Regierung und des ukrainischen Volke? ein in den wärmsten Ausdrücken gehaltenes Beileidstelegramm an den Deutschen Kaiser gerichtet, auf daS dieser herzlich dankend geantwortet hat. Der deutsche Botschafter empfing eine Abordnung des Zentralausschusses der sozialföderolistischen Parte«, die Freiherrn von Mumm ihren Abscheu und ihre Entrüstung iiber daS gegen den Feldmarschall verübte Attentat aussprach. Den gleichen Gefühlen gab eine Abordnung der Chleborow, de? Vereins der Grundbesitzer, dem Botschafter gegenüber Ausdruck. Auch RakowSki, der Vorsitzende der russischen Friedenkdelegation, sprach im Namen der Bolschewik! sein Beileid aus. Zahlreiche Mitglieder aller Parteien, darunter auch der linksstehenden, gaben zum Zeichen ihrer Teilnahme ihre Karten bei der deutschen Ukraine-Dclegation ab. Die Bolschewik! gegen de» Terror. Ein Vertreter der.Vossischen Zeitung'1 hatte eine Unterredung mit Herrn Joffe, dem russischen Botschafter in Berlin. Der Bot- schafler erklärte dabei: .Wir haben den individuellen Terror stetS verurteilt und auch in den Revolutionsparteien diesen unseren Standpunkt mit großer Folgerichtigkeit verfochten. Abgesehen also von rein menschlichem Mitgsiühl, über welche? kein Wort zu verlieren ist, müssen wir vom rein politischen Gesich'.SWintel au? diese Methode deS Terrors auf daS entschiendenste verurteilen. Wir habe» selbstverständlich keinerlei Befugnis, uns irgendwie in die inneren ukrainischen An- gelegenheiten zu mischen. Aber menschlich wie politisch verurteilen wir auf da? schärfste ein Verfahren, dem Graf Mirbach in Moskau und Feldmarschall v. Eichhorn in Kiew zum Opfer gefallen sind. Die Sowjetregierung ist mit allem Eifer und mit schärfstcm Nachdruck bestrebt, die Schuldigen deS Verbrechens von MoSkau zu ermitteln und zurVerantwortung zu ziehen. Unsere letzten Nachrichten geben dahin, daß die beiden Attentätter von Moskau zuletzt bei Kursk, an der ukrainischen Grenze, gesehen worden sind. Dort ver- verloren sich ihre Spuren. Wir haben uns daber an die deutsche Regierung gewendet, damit sie uns b e- b i l f l i ch sei. die Verbrecher von Moskau auf ukrainischem Boden zu verhaften und der Sowjetregierung zur Bestrafung zu überantworten. Tie Linkssozialrevolntionäre für terroristische Taktik. MoSkau, 1. August. Ueber die Spaltung unter den linken So- zialrevolutionäcrn berichtet„Prawda" vom 20. Juli: Auf der Kon- ferenz am L5. Juli kam es zu heftigen stürmischen Debatten, als deren Ergebnis zwei Resolutionen«ingebracht wurden. Die eine brachte B i z e n k o ein, welche ganz und voll die Taktik de? Zentralkomitees der Partei, insbesondere auch die Frage der Ermordung deS Grafen Mirbach billigt, und den Kommunisten den offenen Krieg in den Räten erklärt; den Parteimitgliedern wird empfohlen, in alle Ratsinstitutionen einzudringen, um dort ihre Taktik durchzuführen. In der Frage der terroristischen Mte steht die Resolution auch auf dem früheren Standpunkt. Die ziveite Resolution wird von Kalegajew«i- gebracht, welche auch aus dem Staickpunlt des Zentralkomitees der Partei steht mit dem Unterschied, daß terroristische Akte i« Zukunft für die Partei als Ganze? unzulässig erklärt werden. Mit unbedeutender Mehrheit nimmt di« Konferenz in« Resolution LizenkoS an. Erklärung der Sozialrevolutionäre. Kiew, 80. Juli. Nach einer Meldung von„KiewSkuja MhSl' hat daS Zentralkomitee der ulrainischen sozialrevo- lutionären Partei in bezug auf die Parteizugehörigkeit der im Dobryjprozetz Verurteilten erklärt, daß am 3. Juni alle Organisationen der fozielrevolutionäre» Peteicn aufgelSst wurden und daß keiner der Verurteilten zu irgendeiner der später neu geschaffenen Organisationen ukramischer sozialrebolutionärcn Partei gehört habe. Daher übernehme daS Aentralkomitee keinerlei Verantwortung für nach dem 3. Juni er- folgte Handlungen genannter Personen und insbesondere nicht für ihr Verhalten vor Gericht. Im Eisenbahnerstreik sind keine wesentlichen Ver- änderungen eingetreten. AuS JekaterinoSlaw wird gemeldet, daß man dort zu energischen Maßregeln gegen die Streibenben greift. Dsutsch-fraKZösijchsr SefangenenaustKustb. In der letzten Zeit sind Gerüchte aufgetaucht, wonach sich beim deutsch-französtschen Gefangenenaustausch große Schmie- rigkeiten ergeben werden. Offiziös wird darauf hingewiesen, daß allerdings vor einiger Zeit gewisse Hern- m u n g c n eingetreten sind. Tiefe Hemmungen wurden aber beseitigt und gegenwärtig funktioniert der Gefangenen- anstausch zur allgemeinen Zufriedenheit. Die Zivilinternierten sind bereits nahezu restlos ausgetauscht, bei den Kriegsgefangenen wird aber ihrer großen Zahl wegen sich die Heim- kehr noch etwas verzögern. die Kämpfe in RuMsnö. Ganz Mittelsibimn in SowjetkänKen. Moskau, 23. Juli.(P. T. A.) Amtlich. In An- betracht der im Auslände verbreiteten falschen Gerüchte ist die Petersburger Telegraphen-Agentur bevollmächtigt, zu er- kläreu, daß ganz Mittelsibirirn, darunter auch die Städte TomSk, Barnaul, SemipalatinSk, KraSna- j a r S k, I r ku t S k und T s ch i t a, unterstützt von der Sowjct-Rcgierung, sich in den Händen der Sowiet-Drupprn befinden und von dem in Jrkutsk stationierten Gebiets- Sowjet, welcher der Zentral-Sowjet-Regierung unterstellt ist, verwaltet werden. Daß die Kolschewiki in dem verlorenen äußersten Osten Sibiriens gleichwohl als politischer Faktor noch nicht de- seiftgt sind, geht au? folgender Amsterdamer Drabtung von gestern hervor: Reuter meldet aus Wladiwostok: Die Bolschewisten errangen bei den Gemeinderats- wählen die Oberhand. Dies gibt ihnen das Recht, den Mrgermsistsr zu ernennen. S,tockbolm, 1. August.(sL II.) Tie im Laufe der verga-izenen Woche in Wladiwostok gelandeten japanischen Ab- t e i l u n g e n haben die wichtigsten Stadtteile, die bisher von den Tschecho-Slowaken gehalten wurden, militärisch besetzt. Die Eisen- bahnftation und der Hafen befindet sich unter japanischem Schutz. Moskau, 29. Juli. Die hiesige Presse meldet: Im Mummt- abschnitt in der Nähe der Ur.Äoja-Bucht wurden englische Spione verhaftet. In Richtung Jnsa(150 Kilometer südwestlich Simbirsk) setzen die Tschechen den Vormarsch fort. Die Tschechen zerstörten einen Teil der Bahn SimibirSk—-Jnsa. 380 Teilnehmer am JäroSlawcr Ausstand vrnrlden erschossen; es waren meist Offiziere und Weißgardi- st e n, sie hatten Fühlung mit den Tschechen. MoSkau, 81. Juli. Die Abtellung für Presse bat das E r- scheinen aller nicht bolschewistischen Zeitungen, bis die Sowjet-Rogieruny nicht absolut gesestigt ist, verboten. Ataman Totow ist mit Stab in Sainaro eingetroffen. Dutow sprach sich für Wiederherstellung der Monarchie und Disziplin aus. Die„Stimme d«S arbeitenden Bauern" bezeichnet den hin- gerichteten Romanow als Schuldigen am Weltkrieg und als einen der größten Verbrecher der Weltgeschichte. DaS bowaffnete Volk(Beilage Kur offiziellen„Roten Arnocc") ivendet sich in zwei scharfen Artikeln gegen die betrügerische Han>» lungs weise Englands und der englischen Imperialisten auf M u»- man; dagegen müsse der Vormarsch deutscher TruWen nach ÄS- bruch der Brester Verhandlungen als„ehrlich" bezeichnet werden. Moska», 90. Juli. Die Presse meldet: Im Abschnitt Westural ist der Feind im Vormarsch von den Stationen Kusina und Grobe wo auf Station Lilinka. Im Mschnitt Jekatrrinrn- bürg, Tschelfübinsk wurden AngriksSversuche deS Feind cS ans die linke Flanke der Position Kosabradski abgewehrt. In? Abschnitt Schadrins! zogen sich die Rätetrupvcn auf die Flußlinie Jsct zurück. Der Feind greift südöstlich auf Station Sinarslaja und östlich auf Siedlung Trawonskoje, westlich Tolmatow, an. Im Ab- schnitt Baku verloren di« Rätetruppen daS Dorf Marasa. Für den Kampf gegen die iinperialisüsche Entente-Jnvasirm wird die. Bildung von Fraaktireurabteilungen vorgeschlagen, di« im Rücken des. Feindes aufklären und Zer- störungen vornehmen sollen. In die Abteilungen sollen gruvd- sätzlich nur Freiwillige, die politische Zuverlässigkeit besitzen, aus- genommen werden. Die Einnahme von Tschistopol durch die Tfche« che» wivd dementiert. Der Defähl der Vorläufigen Sibirischen Regierung über Auflösung aller Arbeiter-, Bauern- und Ko- sakenräte ist von folgenden Ministern unterzeichnet: Minister- Präsident und Aeußere?: Wologodfti; Inneres: Krutowfki; Ftnan- zen: Michailow; Justiz: Patuschmski; Geschäftsführer deS Minister. rat!: Ginsk. Baku, 23. Juli.(P. T. A.) Der Führer der armenischen Bauernmassen, welcher die nationale armenische Armee im Gou- vernement Eriwan befehligte, A n d r o n i k, hat sich der Sowjet- Regierung angeschlossen. Der Khrdive vou Aegypten, der von den Engländern aftge- setzte, den die Türlei als den rechtmäßigen erachtet, wuvde vom Kaiser im Großen Hauptquartier empfangen. Im Prozeß gegen die polntschen Legionäre, der in Mar- moros Sziget verhandelt wird, ist die Vernehmung sämtlicher Angeklagten beendet. Tie Hauptverhanidlung wurde bis zum 3. August vertagt. Die Jungsinnen für Monarchie. Kopenhagen, 31. Juli. Nachrichten aus Finnland besagen, daß die jungsinnische Partei nun- mehr ihren Wider st and gegen die Einführung der monarchischen StaatSsorm aufgegeben habe. Troelstra? Schweizer Reise. Haag. 31. Juli, Aus bester Quelle wird dem Korrespondenten der„Franks. Ztg." die Nachricht als eine Erfindung bezeichnet, daß Troelstra in Bebey weile, um sich dort mit deutschen und österreichischen Sozialisten über die Friedens- frage zu besprechen und daß eine an die französischen Sozialisten g» richtete Einladung abschlägig beschieden worden sei. Wie glaubhast versichert wird, befindet sich Troelstra lediglich zur Erholung in der Schweiz. Amerikanische Anleihen sür China. AuS Washington wird be- richtet: DaS Ministerium für Auswärtige Angelegenheiten hat die Genehmigung erteilt, daß amerikanische Bankier? China 2 0 Mit- lionen Dollar als Anleihe ssiewähren. Unterhandlungen betr. Mitwirkung englischer, japanischer und französischer Bankiers sind noch in der Schwebe. MinlfterpräsiAent v. Danöl über Cnglanös Kriegsziele. TSilfons Völkerbund. In der bayerischen Abaeordnetenkammer hielt am letzten Mittwoch Ministerpräsident v. Dandl eine Rede, in der er ausführte: Unsere FriedenSongeöote wurden von unseren Gegnern mit Hohn und Spott zurückgewiesen und als Zeichen der Schwäche aus» gelegt. Frankreich will unS deutschen Boden entreißen, und daS Hauptziel d«S Engländers ist rni-d bleibt die endgültige Erledigung des von ihm als äußerst gefährlich und unbequem empfundenen politischen und HandelSkmrkurrenten. Das KnegSziel England? ist, planmäßig ganz Europa zu umklammern. Alle Stützpunkte, die England im Lauf« des Krieges besetzt hat. sind keineswegs Nebenkrieg Sschauplätze un politischen Sinne, sondern HauPlkriegSziel des raublustigen England. Ich hin gewiß kein A n n exi o ni st. Ich bin der letzte, der einem Ge- waltfrisden in irgendwelcher Form das Wort reden würde. Aber sein Verlangen, daß wir von bornhorein und vorbehaltlos� alle» preizgeSe» solle», ohne irga*ttoelch-n Schutz gegen die weltpolitischen und Europa knechtenden englischen GroberungS- gelüste, das wäre politischer Selbstmord. Es kann nicht deutlich genug auf dies« englischen Kriegsziele hingewiesen, es kann nicht oft und laut genug betörte werden, daß England nicht um Elsaß- Lothringens willen, sondern für eigene Interessen, um die politische und wirtschaftliche Knechtung Europa? kämpft. Dessen sollte sich auch Frairkreich mit einem Seitenblick auf EaiaiS endlich einmal bewußt werfen. DaS mögen sich aber auch olle jene vor Augen halten, die in Verzagtheit oder Mißmut die Bedeutung dieses gewaltigen Weltringsn? ver- kennen, die über Eindrücken deS Augenblicks und vorüber gehewiten Schwantungen, wie sie der Krieg nun einmal mit sich bringt, ver- gessen, daß der Ausgang de» Krieges maßgebend ist für die ganz« Z u k u n f t des deutschen VoikeS, für seine gffamten wirtschaftlichen Verhältnisse. Der Ministerpräsident kam sodann auf den von Wilson wiader- holt so nachdrücklich vertvctenen Gedanken des � Völkerbünde? zu sprechen, den England sich als euren Bund zur Niederhaltung Deutschlands auslege, daraus berechnet, dem deutschen Volke seine politische uvd wirtschaftliche Selbständigkeit zu rauben. Wenn Wilson mit seinem Völkerbund das Ziel verfolgt, daß durch ih» unter de« Mächten eine Weltgleichgewichts, age auf Grund der Prinzipien des Rechtes, der Vernunft und der Billigkeit gefchatfen wird, dann werden wir unß ja mit ihm verständigen könne«. Wir wollen nichts anderes als dte Herstellung und Sicherung des Gisich» gewicht; der Mächte, Freiheit sür die wirtschaftliche Entwicklung jedes Landes, Freiheit für den Handel und Freiheit für den Wer- kehr auf dem freien Meer. Ein Völkerbund auf dieser Grundlage wäre die schönste Krönung des Frie- denLwerkes, Mag Wilson seine Bundesgenossen zu dieser Aui- sassung bekehren, dann wird ihm die Versündigung mte uns nick: schwer fallen. Solange aber unsere Feinde im Westen uns beut- schon Baden entreißen, unsere wirtschaftliche Selbständigkeit vor- Nichten und unsere Freiheit zerstören, das Deutsche Reich ber- Nichten wollen, solange können wir nicht vom Kampfplatz zurück- treten, nicht nachlassen in dem Kampf, der dem Ziele gilt, dem Feind die Erkenntnis beizubringen, daß er sich zu einer Verständigung mit uns herbeilassen muß. Man wird dem, was Herr v. Dandl über den Völkerbund sagt, vorbehaltsos, dem übrigen, wenn nicht dem Don, so doch dem Sinne nach zustimmen dürfen. Sehr treffend ist die Be- merkung, daß die sogenannten Nebenkriegsschauplätze weit- politische Hauptkriegszieke Englands sind: Palästina, Mesopotamien, die deutschen Kolonien. Die Engländer sind nur klug genug, möglichst wenig darüber zu schwätzen, während unsere Mdautschen täglich ausbrüllen, wc�S� Deutschland nach ihrer Meinung haben und behalten muß. Sie haben«S damit glücklich dazu gebracht, daß Teutschland für den Spitzbuben gehalten wird, der auf Raub ausgeht, während England trotz der Kleinigkeiten, die es in seine Tasche gesteckt hat, als der ehrliche Mann gelten kann, der für die Freiheit der Welt kämpft._- D!s Höchstpreise- öle HueUe öes Bebels. Calwer der Uebcragrarier. Richard Calwer vsrgnügi sich wieder einmal mit«wem Sturmlauf gegen die Zwangswirtschaft, anknüpfsnb an eiss» Satz des „Vorwärts":„Eine Verbesserung unserer Kohlen Versorgung kann durch eine Praxis, die mit den stärkste» Mittcckn de? Zwgnges arbeitet, durchaus nickt erzielt werden, vielmehr w-ird hierburck die Arbeitslust der Kohlengräber außerordentlich herahgedrückt." WaS in dem„Vorwärts" von den Kohlengräbern gesagt sei, gelte aber ebenso gut für die La:wwirtk. Aber leider hätten die Ver- treter der Landwirte selbst nicht die Wahrung ihrer Interessen verstanden. Denn zur Einführung der Höchstpreise„haben die Ver- treter der Landwirte nicht nur ihre Zustimmung gegeben, sondern st« haben sogar die Höchstpreise gewissermaßen auf dem Präsentierteller angebote n". Mit Verlaub: Was von den Kohlengräbern gesagt wird, gtet durchaus nicht für die Landwirte. Der Satz ist von Calwer in bewußter Absicht ans dem Zusammenhalte herausgerissen worden. um darauf eine in ihrer Knifslichkeit unwürdige Argumentation aufzubauen. In jenem Artikel des„Vorwärts" fetzt Gen. Hub auseinander, daß die.Kohienkonige„ihre" Arbeiter genau noch ivie vor dem Kriege als Paria? behandeln. Jeder Ruhrbergarbeiter müsse sich aus eine Aussperrung von vierzehn, Tagen gefaßt machen, wenn er den Abkehrschein erbeten und erhalten hat, um auf einer anderen Zeche anzufahren.„Diese Arbeiter werden durch Herren. Willkür zum Feiern gezwungen." Die auf Grund des Hilf?- dienstgesetzeS errichteten Schiedsgerichte werden von den Berg- Verwaltungen sabotiert, die Eingaben der Gewerkschaften ignoriert. In diesen Zusammenhang gestellt, fällt natürlich die ganze windige Argumentation des Herrn Calwer zusammen. Kein Mensch sperrt die Landwirte aus, kein Mensch ignoriert die Eingaben ihrer BerufSvertretungen. kein Mensch läßt sie fühlen, daß sie Bürger zweiten Ranges jiird, geboren, um unter dem Zwange des Kapitals zu arbeiten. Die Zwangswirtschaft gefährdet nicht, wie Richard Calwcr in lächerlicher Weise behauptet, die BolkSernahrunK sondern ist dw einzige Bürgschaft für die Ueberwindung der feindlichen Blockade. Die Zustände in Polen, ja auch die Zustände im eigenen Lande vor Einführung der Höchstpreise und schließlich die Verhältnisse in Oesterreich-Ungarn beweisen klärlich, daß beim freien Handel KriogSgewinner wohl schwelgen und prassen können, die große Mehrheit der Bevölkerung aber in Not und Elend verkommt. Jdsthe A-Hoot-PropheSie. „Längstens i« sechS Monate»." In einem Artikel, den er in der Zeitschiift„DaS größere Deutschland" veröffentlicht, teilt der ReichStagsabgeordnete von Gamp mit, daß am IL. Februar 1916 dem Reichskanzler eine Denkschrift von dem Chef des Admiralstabes v. Holtzen- dorff überreicht worden ist, in der es ausdrücklich hieß: „Der neue U-Booi-Krieg verfüge über derartige Streitkräfte, daß er auch mteer Berücksichtigung der vermehrten Abwehrmittel deS Gegners und der sonstigen technischen HiifSmiUel in der Lag« sei, ihm im Vergleich zum vorjährigen weienrlich gesteigerte Leistungen zu sichern, und daß in sicherer Aussicht stände, daß England dadurch i» eine unerträgliche Beengung deS Frach:- räum« käme und in absehbarer Zeit, längstens in sechs Monate», zum Friedensschluß gezwungen sein würde." Es ist schade, daß der so gut unterrichtete Herr von G a m P nicht den ganzen Schriftwechsel über diesen Gegen- stand veröffentlicht. Man würde daraus ersehen, ivelchen höchst vernünftigen Standpunkt die Zivilregierung damals — Februar 1916— in dieser Sache eingenommen hat. GewerkschoMwMng FLSlgabe des Sonnabendnachnnttags in der sächsischen Industrie. � Tie Arkieitnebmer in der sächsischen Industrie bemühen sich seit einiger Zeil für Berkürzunz der Arbeitszeit. Diese Beweguns, hat hanpt'ächlich solche Betriebe ersafzl. die vorzugsweise aus weibliche t'sibeilslräfle angewiesen sind, also vorzüglich die Textilindustrie. Die arbeitenden Frauen und Mädchen machen dabei geltend, daß sie infolge der Kriegsverhältnisse ihren Haushalt schlecht oder gar nicht besorgen könnten, wenn ihnen nicht der Sonnabend- nachmittag freigegeben wird. In der Tat haben denn auch eine Anzahl Betriebe, die weniger stark heschäfligt sind, dieser Forderung der Arbeiter bereits stattgegeben. Im allgemeinen aber verhalten sich die stark beschäftigten sächsischen Industriebetriebe gegen die Forderung nach Verlürzung der Arbeitszeit ablehnend. Sie verwiesen.dabei auf die besonderen sächsischen Verhältnisse, die bereits während des Krieges eine solche Arbeitszeitverkürzung nüt sich gebracht haben. Es wird seitens der Unternehmer darauf hingewiesen, daß Betriebe, die bor dem Kriege durchschnittlich 58— 60 Stunden wöchentlich arbeiten ließen, heule durchichnilllich nur noch 52— 54 wöchentliche Arbeitsstunden aufweisen, so daß hier in Sachsen be- reits erfüllt sei, was in der rheinisch-westfälischen Industrie noch erst angestrebt werden solle. Daß die durchichniltliche Arbeitszeit in den sächsischen Betrieben nur noch 52—54 Stunden wöchentlich beträgt, kann zunächst sehr bezweifelt werden. Aber selbst wenn diese Behauptung der Unter- nehmer zuträfe, so spräche dieselbe keineswegs gegen die berechtigten Forderungen der Arbeiterinnen auf Herabsetzung der Arbeitszeit und Freigabe des Sonnabendnachmittags. Sie brauchen diesen Nach- mittag so dringend zur Erledigung ihrer im Laufe der Gochc liegengebliebeiien häuslichen Arbeiten, daß jedes Wort der weiteren Begründlmg dieser Forderung überflüssig erscheint. Deuerungszukagcn für die Eisenbahner. Der preußische Eisenbahnminister hat verfügt, daß an die Eisen- bahnbeamlen eine in der zweiten Hälfte des August zu zahlende außerordentliche Teuerungszulage in Höhe de? sechsfachen Betrages der monatlichen Teuerungszulage, im Höchstfall 500 M., zu zahlen sei. Auch den E i s e n b a h n n r b c i t e r n soll eine außerordent» Uche Teuerungszulage gewährt werden. Probeweise Verkürzung der Arbeitszeit. In den meisten Betrieben des Duisburger Jndustriebezirks hatten die Arbeiter die Einführung des Achtstundentags beantragt, auf die Ablehnung der Verwaltungen ihre Forderung aber auf eine Woche narbeitszeit von 56 anstatt 60 Stunden ermäßigt. Die Verkürzung sollte Sonnabends eintreten, so daß der Nachmittag dieses TageS frei würde. Die Verkürzung wurde jedoch ebenfalls von den Werkleiiunzen abgelehnt. Die Arbeiter wandten sich hieraus an den S ch l i ch t u n g S a u s ch u ß. der nunmehr nach langen Veratungen bei zwei Firmen seinen Spruch wie folgt gefällt hat:„Der Firma Heckmann lKupferwalzweril wird aufgegeben, am 3. August d. I. die verkürzte Arbeitszeit probeweise auf sechs Wochen einzuführen. Sämtliche erwachsene Arbeiter erhalten 12 Pf. für die Stunde, die weiblichen Arbeiter und jugendlichen männlichen Arbeiter unter 18 Jahren 6 Pf. für die Stunde Lohnzulage als Ausgleich für den durch die Herabsetzung der Arbeitszeit be- dingten Lohnausfall. Sollten sich in dieser Zeit die an die der- kürzte Arbeitszeit geknüpften Erwartungen nicht erfüllen, so ist beiden Teilen freigegeben, den Schlichtungsausschuß erneut auzu- rufen." Bei der Deutschen Maschinenfabrik tritt ebenfalls am 3. August die gleiche Verkürzung der Arbeitszeit in 51raft, und zwar auf vier Wochen. Eine entsprechende Erhöhung der Löhne tritt auch hier, mit Ausnahme der A'kordarbeiter, ein. Bei Nicht- bewährung soll zu weiterer Entscheidung auch hier der Schlichtungs- ausschuß angerufen werden können. Lohn- und Arbeitsbedingungen der Autogenschweißer. In zwei V e r s a in m l u n g e n bsschähigten sich die Autogenschweißer mit ihren gegenwärtigen Lohn- und ArbeitsverHallnissen. Es würde ausgesührl, daß die Löhne sehr verschieden und in vielen Fällen nicht zeitgemäß sind. Auch die Arbeitszeit wird ofr durch Ueberstunden ungebührlich ausgedehnt, eine Regelung ist durchaus notwendig. Die letzte Veriamnilung. dw amMrltwoch staltfand, machte den Schweißern und Schweißerinnen zur Pflicht, in den Betrieben für die strikte Durchführung der folgenden Lohn- und Arbeitsbedingungen einzutreten: Die tägliche Arbeitszeit beträgt 9 Stunden. Bei Doppel- schichten darf die Dauer der Schicht 8 Stunden nicht überschreiten. Die ivvcheiirliche Arbeitszeit soll nicht länger als 5 1 Stunden sein. Ueberstunden sollen nur in dringenden Noifällcn ge- macht und dann soll für die beiden ersten Ueberstundeil ein Auf- schlag von 25 Proz., für die weiteren Ueberstunden so- ivie für Sonntagsarbcit ein Aufschlag von 50 Pro,, ge- zahlt werden. Als Mindcststundenlohn soll 1,60 M. für Schweißer. 1,20 M. für Schweißeriunen gezahlt und ein Akkord- Verdienst von 2.40 M. für Schweißer, 1,70 M. für Schweißeriunen gewährleistet werden. Werkzeuge und Schutzbrillen haben die Arbeitgeber zu liefern. Die Schweißer und Schweißeriunen werden verpflichtet, nur den Arbeitsnachweis des Deutschen M-tallarbeiterverbandes in An- spruch zu nehmen._ Erfolgreiche Lohnbewegung der Textilarbeiter i» Meißen. Die Arbeiterschaft der Deutschen Jutespinncrci und Weberei in Meißen war im Jnni in eine Lohnbewegung eingerreten. Durch Verhandlungen der Direkrion mit den Vertretern der Organisationen wurde folgendes Ergebnis erziel!: Die bisherige Teuerungszulage tvird erhöht für die Stunde Arbeitszeit: a)' für jugendliche Arbeiter bis 16 Jahre um 5 Pf.. d) für männliche Arbeircr von 16 bis 18 Jahren um 8 Pf., c> für weibliche Arbeiter über 16 Jahre u,n 8 Pf., ä) für männliche Arbeiter über 18 Jahre um 10 Pf. Den Frauen, welche Männerarbeit verrichten, wird für die Dauer dieser Arbeitsleistung ein Lohnzuschlag von �5 bis 10 Prozent, je nach der Schwere der geleisteten Arbeir, gewählt. Für Ueberstunden wird ein Zuschlag von 50 Prozent gewährt. Nach dieser Vereinbarung beträgt der Mehrvcrdienst für jugend- liche Arbeiter unter 16 Jahr-u 2,80 M., für junge Männer Uon 16 bis 18 Jahren und Frauen 4.50 M. und für Männer über 18 Jahre 5,60 M. pro Woche. Der Erfolg ist nur dem Zujammenschuß und dem geeinten Vorgehen aller Arbeiter zu danken. Die wirtschaftliche Angestelltenbewegung. Der Verein der Kruppschen Beamten. Essen, ersucht unS mit Bezug auf die Schlußbemcrkung des in der SonntagSniinimer vom 28. Juli unter oviger Ueberfchrtfr gebrachten Artikels um Aufnahme folgender Berichtigung: „Die im„Vorwärts" Nr. 205 vom 28. Juli 1gl8 siehende An- gäbe, der Verein der Kruppschen Beamlen habe sich in längeren Schreiben an die Unrernehmer gewandt mit der„Aufforderung, nach rheinisch- westfälischem Muster schleunigst überall gelbe Beamten- vereine zu gründen", entspricht nicht den Tatsachen. Eine Aufforde- rung an die Nnternebmer zur Gründung von wirtschaftsfriedlichen Oeamtettvereinen ist in keinem Fall erfolgt." Verein der Kruppschen Beamten. Born, sUnleserlich) 2. Borfitzender. GefchäflSführer. vie-RiefenveröZenste" Eine wertvolle Erhebung über die Höhe der Verdienste einer sehr großen Zahl Arbeiter der Rüstungsindustrie wird soeben vom Deutschen Metaklarbeiterverband veröffentlicht. Schon daß an dieser Verdienststatistik 5 09 9 45 Arbeiter und 2 5 9 0 61 Arbeiterinnen beteiligt sinid, gibt dieser Veröffentllchung besonderes Gewicht. Die Höhe der Verdienste der beteiligten Rüstungsarbeiter ist in zwölf Gruppen, getrennt für Männer und Frauen und in Stunden- und Wochenverdienste, zusanrnr-engestellt, Die erzielten Verdienste sind in der Hauptsache Akkordverdienste. Entnommen sind die veröffentlichten Zahlen den Schlußberichten über die vom Metallarbeiter verband im Fahre 1917 durchgeführten Lohnbewegungen. Es sind also Angaben über Verdienste von Rüstungsarbestern solcher Betriebe, in denen erfolgreiche Lohn- bewegungen durchgeführt worden sind; die erreichten Lohnerhöhun- gen und Teuerungszulagen sind in die Lohnhöhe miteingerechnet. Nach dieser Zusammenstellung verdienen von 509 945 männlichen Arbeitern die Stunde: 147 bis 40 Pf., 3001 40—50 Pf., 89 949 50—75 Pf.. 154 980 75--100 Pf.. 135 730 100—125 Pf.. 58 814 125—150 Pf., 46 098 150—175 Pf., 11001 175—200 Pf., 5976 200—225 Pf., 3483 225—250 Pf.. 755 250—275 Pf. und 11 275—300 Pf. Stund enverdienste von 175 Pf. und darüber sind narr für Berlin und einige Orte der Provinz Brandenburg festgestellt worden, und zwar für 21 226 Arbeiter. Darunter sind 170 Arbeiter aus der Provinz Brandenburg, alle übrigen aus Berliner Betrieben. Die große Masse der an diesen Erhebungen beteiligten Arbeiter, 290 710 gleich über 57 Proz., erreicht Stundenverdiensie von 75— 125 Pf., und 93 097— 18,3 Proz. der Beteiligten verdienen sogar nur zwischen 40 und 75 Pf. die Stunde. An den Höchstverdiensten ist also nur ein geringer Teil der Rüstungsarbeiter, 4,2 Proz., beteiligt, während die Masse derselben nur verhältnismäßig niedere Verdienste erreicht. Recht interessant sind die Feststellungen über die Höhe der Verdienste in den verschiedenen Landesteilen. 50— 100 Pf. die Stunde verdienen: 85 192:= 72,1 Proz. der Beteiligten in Schlesien, 52 774— 92,2 Proz. im Königreich Sachsen, 35 662— 84,4 Proz. in Nordwcstdeutschland, 59 905— 65,1 Proz. in Südwestdeutschland. Etwas höher sind die Verdienste der Mehrheit der Beteiligten in folgenden Landssteilen: Es erzielen einen Stundenverdienst von 75— 125 Pf. in Mitteldeutschland 33 985 Arbeiter— 76,8 Proz. der Beteiligten, in Rheinland-Westfalen 56 126 Arbeiter= 62,7 Proz. der Beteiligten und in Bayern 30 207 Arbeiter— 96,0 Proz. der Beteiligten. In der Provinz Brandenburg betragen die Stunden- Verdienste von 3787 Arbeitern— 87 Proz. der Beteiligten zwischen 75 und 125 Pf., in Pommern, Ost- und Westpreußen ivcrden von 23 606 Arbeitern— 72,1 Proz. der Beteiligten Stundenverdienste zwischen 100 und 150 Pf. erreicht und in Berlin verdienen 44 366 Arbeiter— 58,9 Proz. der Beteiligten zwischen 125 und 175 Pf. die Stunde. Im Verhältnis zur herrschenden Teuerung sind diese Ver° drenste recht niedrig. Verdienste von 59 bis 100 Pf. die Stunde, wie sie in Schlesien, Sachsen, Nordwestdcutschland und Südwest- deutschland erzielt werden, sind gewiß als völlig unzureichend zu bezeichnen. Von 259 061 an der Zusammenstellung beteiligten Arbeite- rinnen werden Stundenverdienste erreicht: 8753 20— 25 Pf., 11 729 25—30 Pf., 9189 30—35 Pf., 15 881 85—40 Pf., 25 360 40-45 Pf., 33 551 45— 50 Pf., 28113 50—55 Pf., 14151 55—60 Pf., 76 715 60—75 Pf., 9165 75—90 Pf., 30 695 90—100 Pf. und 759 100—125 Pfennig. Es arbeiten also noch 40 552 an dieser Erhebung be- tciligte Arbeiterinnen zu Sdlndenlöhneu zwischen 20 und 40 Pf. Auch die Verdienste zwischen 40 und 60 Pf. die Stunde, die 101 175 Arbeiterinnen erreichen, fyrd durchaus unzureichend. An der dritten Gruppe mit Verdiensten zwischen 60 und 125 Pf. die Stunde sind 117 334 Arbeiterinnen beteiligt. Von diesen sind 57 042 in Berliner Betrieben beschäftigt, die übrigen sind auf die Rüstungsbctriebe irn ganzen Reich verstreut. Die Masse der Ar- beiterinnen mit niedrigen Verdiensten fvurde festgestellt in Schlesien, im Königreich Sachsen und in Südwestdeutschland. Die Wachenverdiensie für die 509 945 an der Statistik beteilig- kn Rüstungsarbciter bewegen sich in folgender Höhe. Es per- dienen die Woche: 1 18 M., 112 18—25 M., 2668 25—39 M.. 21671 parteinachrichten. Z» machtvollen Kundgebungen für die Friedenspolitik der Sozialdemokratie gestalteten sich vier öffentliche Versammlungen, die seitens der Partei in Duisburg, Oberhausen, Sterkrade und Hamborn der- anstaltei wurden. Heber die politische Lage unter besonderer Berücksichtigung der Friedens- und Ernähr ungsfraqen reierierte Land- tagsabgeordnerer Genosse Otro Braun. Waren die Veriamm- lungen in den drei erstgenonnicn Orten überfüllt, so konnte bczüg- lich der Hamborner Versammlung von einem geradezu be- ängstigenden Massenandrang gesprochen werden. Obwohl hier bereits 2 0 00 Personen den Saal füllten, drängten immer neue Massen heran, vergeblich Einlaß begehrend. Ursprünglich sollte Genosse Braun über die Wahlrechtsborlage sprechen. Da das Generalkomniando jedoch die Behandlung dieses Themas verboten haue, mußte eine Unistellung desselben erfolgen. Die Darlegungen des Redners riefen i« allen Versammlungen stürmischen Beifall hervor. Znöustrie und Handel. Deutschlands WirtschaftSintercsscn in der Ukraine. Für die Vertiefung der wirtschaftlichen Beziehungen Teutschlands zur Ukraine haben sich zwei neue bedeutende Organisationen gebildet: ein S t u d i e n s y n d i k a t der Großbanken und eine G c s e l l s ch a f t m. b. H. mit einem vorläufigen Kapital von 20 Millionen Mark, das auf 100 Millionen Mark gebracht werden kann. Diese letzt- genannte Gründung geht von der deutschen Schwerindustrie unter Führung Krupps aus. Erläuternd bemerkt die„Fr. Ztg.": „Bemerkcnsloerterlveise marschieren Großindustrielle und Großfinanz gelrennt, was auf verichiedeue Ursachen zurückgeführt wird, vielleicht aber leinen entscheidenden Anlaß auf Sellen der Banken fand, die eineiseits ein allesumfassendes Syndikat nicht zustande brachlen und andererieirs auS Rücksicht auf ihre Ge- samtkundschaft nicht mit einer Minderheit von Industriellen kooperieren wollten; die Banken behalren alio einigermaßen freie Hand darin,>oem sie die elivaigcii Bauausführungen usw. jeiilerzeil überiiageil wollen. Fr. Aussicht geiiommcil sind von den Banken wohl zunächst Ersenbahngeschäfte, von den Industriellen dagegen mehr solche Objekte, die ihnen geschäst- öer Rüstungsarbeiter. 80—85 M., 23 733 35—40 M., 57 864 40—45 M.. 52 428 45-50 M., 110 47-1 50—60 M., 113 609 60—75 M., 113 956 75—100 M.. 10 426 100—125 M. und 3003 über 125 M. Bei der Feststellung der Wochenverdienste der Rüstungsarbeiter zeigt sich fast das gleiche Bild wie bei den Stundenverdiensten. Ein ganz geringer Teil der Arbeiter(2,6 Proz.) erreicht Wochenverdienste von über 100 M. Dagegen wurden 158 477— 31,1 Proz. der beteiligten RüswngS. arbeiter gezählt, die unter 50 M. die Woche verdienen. Verdienste von 50— 75 M. die Woche wurden für 224 033 Arbeiter— 43,9 Proz. der Beteiligten festgestellt. Gegenüber den Stundenverdiensten sind die Wochenverdienste etwas höher. Diese höheren Wochenverdienste erklären sich dadurch, daß dieser Mehrvcrdienst durch Leistung von Uebersturchen und Nacht- und SonntagSarbeit, für die besondere Zuschläge bezahlt werden, erreicht worden ist. Eine ungewöhnlich große Zahl Arbeiter mit Wochenverdienste« von unter 50 M. wurde in Schlesien mit 27 468— 66,6 Proz. der Beteiligten und in Sachsen mit 43 718— 76,4 Proz. der Beteilig. ten festgestellt. Wochenverdienste zwischen 50 und 75 M. wurden für die Mehrheit der Beteiligten in Mitteldeutschland, und zwar für 30 141 Arbeiter= 68,1 Proz. der Beteiligten, in Nordwest- deutschland für 26 013 Arbeiter— 61,6 Proz. der Beteiligten, in Südwestdeutschland für 43 575 Arbeiter gleich 51,8 Proz. der Be- teiligten und in Bayern für 29 282 Arbeiter— 94,0 Proz. der Beteiligten ermittelt. In Pommern, Ost- und Westpreußen haben an Verdiensten zwischen 75 und 109 M. die Woche 17 275 Arbeiter gleich 69,5 Proz., und in Berlin 51 109 Arbeiter— 67,8 Proz. Anteil gehabt. In allen übrigen Landssteilen ist an dieser Verdienst- höhe nur ein kleiner Bruchteil der Rüstungsarbeiter beteiligt ge- Wesen. Heber 100 M. die Woche verdienen von allen 509 945 an der Statistik Beteiligten 13 429 Arbeiter; davon sind 13177 in Berlin, 200 Sachsen und 52 in der Provinz Brandenburg beschäftigt. Es ergeben sich demnach für sämtliche an dieser Erhebung be. teiligten Männer folgende Wochenverdienste: 158 477= 31,1 Proz. verdienen unter 50 M., 224 083 43L Proz. verdienen 50— 75 M.. 113 958= 22.4 Proz. verdienen 7»— 100 M. und 13 429 2,6 Prozent erreichen Verdienste von über 100 M. Die Wochsnverdienste der 259 061 beteiligten Arbeiterinnen betragen: 3764 12— 15 M„ 13 031 15— 18 M., 6995 18—20 M., 13 513 20—22,50 M., 17 463 22,50—25 M.. 48 729 25—30 M., 28 851 30—35 M., 51 164 35—40 53 832 40—45 M- 15 628 45-60 M.. 5517 50-60 M. und 524 über 60 M. Demnach verdienen: Bis 20 M. die Woche 23 790 Arbeiterinnen--- 9,2 Proz. . 30,„, 79 705,--- 30,8„ , 40,,. 80015,=30,9„ . 50,„„ 69 510,= 26,8, Heber 50,. 6 041,-= 2,3, Nur in Berlin und Rhemland-Westfalen wurde eine größere Zahl Arbeiterinnen festgestellt, die über 50 M. die Woche ver- dienen. In allen übrigen LmrdeSteilen bleiben die Verdienste der Arbeiterinnen miter 50 M. die Woche. Die Ergebnisse dieser Verdienststatistik beweisen unwiderleglich die Unwahrheit des Geschreies über die übermäßig„hohen Ver» dienste" der Rüstungsarbeiter. Im Gegenteil, für Hunderttausende der Rüstungsarbeiter sind die Löhne sogar durchaus unzureichend. Im Verhältnis zu der Masse mit niedrigen und mittleren Ver- dicnsren kommt die geringe Zahl derer, die einigermaßen hohe Löhne beziehen, gar nicht in Betracht. Diese Verdienste sind durch- weg festgestellt worden für Betriebe mit gutorganisierter Arbeiter- schaft und mit Hilfe der Organisation erreichten wesentlichen Lohn- crhöhungen. In Betrieben, in denen wegen schlechter Organi- sation der Arbeiter Lohnbewegungen nicht durchgeführt werden konnten, liegen die Verhältnisse natürlich noch ungünstiger. Hnd doch wird vom Hnternehmertum und seiner Presse fortwährend der ?cbSau der hohen Löhne der Rüstungsarbeiter gefordert. Anstatt Abbau ist, wie diese Zahlen beweisen, Erhöhung der Löhne notwendig, wenn nicht ein ganz wesentlicher Rückgang der Lebens- mittel- und Warenpreise erfolgt. Höhere Löhne und günstige Ar- beitSbedingungen sind aber nur zu erreichen und zu halten durch eine starke und festgefügte Organisation. Mögen die Rüstungs- arbeiter da? beherzigen und mit aller Kraft für die Stärkung des MetallarbeiterverbandeS wirken! lich näherstehen. ES scbeint, daß beide Gruppen sich bemühen werden, trotz der organisatorischen Trennung möglichst nicht gegen- einander zu arbeiten." Angesichts der politischen Verhältnisse in der Ukraine und im Osten überhaupt, die durch die Attentate auf den Grafen Mirbach und den Feldmarschall Eichhorn in ein so über- deutliches Licht gerückt find, ist eine unmittelbare praktische Tätigkeit der beiden Organisationen in großem Umfang wohl nicht wahrscheinlich. Es wäre sehr zu wünschen, daß diese wirtschaftlichen Anknüpsungsversuche glücklicher ausfielen als die politischen und militärischen. Für die Einfuhr ukrainischen Getreides hat sich bekannt- lich eine Handelsvereinigung der Getreidermportfirmen mit einem Kapital von 43 Millionen Mark gebildet. Es haben freilich bisher auch die Kausseute nicht viel ausgerichtet. Denn obwohl den Händlern der Einkauf vom 4.— 19. Juli freigegeben worden war. sind größere Getreidemengen nicht aufgebracht worden. Dagegen hat die ukrainische Regierung in Nachahmung des deutschen Beispiels die neue ukrainische Ernte mit Beschlag belegt und sich allein das Verkaufsrecht vorbehalten, wobei die Sclbstverpflegungsmittel und das- Saatgut den Landwirten vom Ackerbauministerium zugewiesen wurden. Diese Maßregel erlaubt zu hoffen, daß vielleicht wenigstens soviel Getreide aus der Ukraine herausgeholt wird, daß der Fehlbetrag, der durch die vorzeitige Ver- Wendung des Frühdruschgetreides für daS Wirtschaftsjahr Oktober 1918 bis September 1919 entsteht, gedeckt wird. AuS dem Berliner Wirtschaftslebeu. Die Gesellschaft sür elektrische Hoch- und Hntergrundbahue» in Berlin(ohne die Schöneberger. WrlmerSdorfer und Dohlemer Bahn) beförderie im Juli 7 179 143 Personen gegen 7 515 078 im gleichen Monat des Vorjahres. Die Einnahmen betrugen 1 362 657 M. gegen 1 007 123 M. im Vorjahre, Das Steigen der Einnahme trog der gesunkenen VerkebrSzahl erklärt sich ans der Tariferhöhung. Die Stioßendahn Warschauer Brücke— Lichrenberg vereinnahmte im Juli 27 925 M. gegen 23 566 M. Die gesamten Betriebseinnahmen seit dem 1. Januar belrazen 10855 198 M. gegen 8 477 713 M. im gleichen Zeilraum des Vorjahres. Die Einnahme der Großen Berliner Straßenbahn und der von ihr milverwalreten Bahnen beträgt im Monar Juli 1918 8 550 570 Marl gegen 6 088170 M. im Jahre 1917. PcraiNworN. f. ToliM: Dr. Franj DIkdrrich. V-rlin-Friedenau: für d. übrigen Teil des Blattes:«lfrrd S«>>l«, Neulblln: für Anjclgen: Throdor Glockc, Berlin. Verlag: Vvrwärts-Berlag IS. m. b. H.. Berlin. Druck: Vorwürls-Buchdruckeret und VerlagsanIlaU Paul Singer u. Co. in Berlin. Lindenslrahe 2. Hirrt» l Bcilagc und Utuctti altuutäUatt