ite. 219. SS. Jahrg. Bezugspreis: SierteljShrl. 4.50 Mi. monoil. I.K0MI. stet tnä HauS. dorauSzahlbar. Einzelne Nummern 10 Vfennig. Postbezug: Monatlich, vom Poslschaller abzuholen 1ch0Mb,vom BrIefsthgei msHaus ge- bracht 1.64 Mi. Unter Kreuzband stir Deutscht and und Oesterreich- Ungarn 3.— Mi, ftir daS übrige Ausland 4.50 MI. monatlich. Versand ins Feld bet direkter Bestelluna monatl. iMMi. Poltbesletlungen nehmen an Düne- mart. Polland. Luxemburg, Schweden die Schweiz. Emgerragen in die Post-ZeimngS-Preisliste. Erschein» täglich. und Telegramm- Adreffei »Sozialdemokrat Berlin", Derlinev VolktSblAkt. ( 10pf«nnio) Anzeigenpreis: DlefiebengespalteneKobmelzelleioste« 60 Pfg.„Nletne Anzeigen", das setlgedrilckle Wort 60 Psg. lzulässtg 2 settgedrucktc Worte), iedeS weitere Wort 16 Psg. Stellengesuche und Schlafstellenanzeigen das erste Wort 20 Psg.. jedes weitere Wort lv Psg. Worte über 1b Buchstaben zähle» sür zwei Worte. Teuerungszuschlag 20°/» Familien-Anzetgen, volitisch» und gewerkschaftliche BcreinS- Anzeigen 60 Psg. die Zeile. Anzeigen sür die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags, im Hauptgefchäst. Berlm EW.SL, Lindenstratze 6, abzegeben werden. Gcöfjnet von S Uhr stüh bis 7 Uhr abends. Zentralorgan der rozialdemokrati feben Partei Deutschlands. Redaktion: SW. SS» Lindenstraße Z. stsernidrecher: Amt MoriNplaN, Skr. 1S1 SV— 151 97. Expedition: SW. dS. Lindenstraße Z. Zkerusprechcr: Amt Moritzvlap, Skr. 151 90—151 97. Ausöehliung der Schlacht bis zur Oife. Verlegung öer Moskauer Gefanösthast nach pfkow. Amilich. Berlin, 1». August 1918. StaatSminister H e l f f e r i ch hatte der Regierung der„Sowjetrepublik" mit- geteilt, dast die Eutwickelung der- Verhältnisse in Moskau und besonders die partciofsizielle Proklamation der Sozialrevolutio- näre über die Alllwendung des Terrors als Kampfmittel d i e persönliche Sicherheit der Mitglieder der G e- sandts�haft ausserordentlich gefährdet erscheinen liesse. Um ctwaigni Zwischenfällen vorzubeugen, die unter diesen Umständen beim besten Willen fast unvermeidlich erscheinen und die geeignet sein würden, die Beziehungen zwischen dem Teut- schen Reich und der„Sowjetrepublik" enisthaft zu gefährden, Hab« er die einstweilige U r b c r s i e d I u n der G e- s a n d ts ch a f t zusammen mit den Mitgliedern der Gr- sandsschast an einen weniger gefährdeten Ort angc- ordnet. LcgationSrat Riczlcr ist seither mit den Mitgliedern der Gesandtschaft und einem Teil der in Moskau weilenden Kom- Mission zunächst nach Petersburg abgereist. Mit Rücksicht auf die Lage in Petersburg, welche derjenigen in Moskau ähnelt, ist die Kaiserliche Gesandtschaft sodann ange- angewiesen worden, zunächst P s k o w als Anfenthaltsort zu wählen. Tic Reise dorthin wird infolge der Störung der direkten Verbindung zwischen Pfkow und Petersburg über Heising- fors und Reval stattfinden. Die Verlegung der deutschen Gesandtschaft aus der Hauptstadt des Landes in eine Stadt, die hart an der Grenze des von deutschen Truppen besetzten Livland liegt, ist ein ge- Witz auffällger Akt, der aber nicht besonderen politischen Er- wägungen, sondern reiner Zwcckmätzigkeit entspringt. Die Beziehungen zur Sowjetrepublik sollen, wie wir bestimmt annehmen, bierdurch keine Veränderung erfahren, es läge auch keinerlei Anlatz vor, plötzlich einen Abbruch der diplo- matischen Beziehungen eintreten zu lasse». Diese sind ja auch durch die Anwesenheit des russischen Botschafters Joffe in Berlin gewährleistet. Aber die deutsche Regierung hat das Recht und die Pflicht, Mirbachs Nachfolger dessen trau- riges Los zu ersparen. Nach allem, was bekannt ist, sind die Zustände in Moskau unsicherer als je. Die lettischen Regi- menter, die festeste Stütze der bolschewistischen Regierung, sind zum Kampf gegen die Tschecho-Slowaken von Moskau abberufen und durch weit weniger zuverlässige Rote Garden ersetzt, worden. Die Herrschaft der Bolschewisten erscheint schwer erschüttert. So wird man den Entschlutz, das Leben des deutschen Gesandten in Rutzland nicht unnötig schwerer Gefab? auszusetzen, an sich nicht mißbilligen können. Aber die Notwendigkeit dieser Handlung, die zweifellos bei unfern Gegnern großes Aufsehen erregen wird, stellt sich letzten Endes auch als eine Folge des Friedens von Brest-Litowsk und der dort begangenen schweren poli- tischen Fehler unserer Diplomatie dar. Sie kann nicht dazu dienen, die Freude des deutschen Volkes an diesem einzig- artigen Frieden zu erhöhen. Zuschläge zur Witwen- unö Waisen- Versorgung. Mit Wirkung vom 1. Juli 1918 erholten die Hinterblic- denen von Militärpersonen der Unterklassen aus dem gegen- wartigen Kriege, die Kricgswitwengeld oder KriegSwaisen- geld empfangen, Zuschläge zu diesen Kriegsversorgungsge- bührnissen. Voraussetzung ist. datz diese Hinterbliebenen F a- milicn Unterstützung beziehen oder bezogen haben. Die Zuschläge betragen ohne Rücksicht auf den Dienstgrad deZ Verstorbenen monatlich: nir die Witwe 8 M., für die Halbwaise 3 M., für die Vollwaise 4 M.; sie sind im voraus zahlbar. Die Zuschläge zu dem Kriegswaisengeld werden nur bis zum vollendeten 18. Lebensjahre gezahlt. D'e Zahlung erfolgt gegen Vorlage einer Bescheinigung deS Gemeindevorstehers usw. über die gezahlt« Familien- Unterstützung, die bei der P o st a n st a l t verbleibt. Die Bcscheini- gung ist der Postanstalt, die das Kriegswitwengeld und da- Kriegs- Waisengeld zu zahlen hat, vorzulegen. Diese Postanstalt zahlt die Zuschläge gegen Quittung mtd Angabe der Stammkartennummer und verabfolgt auch die Quittungsvordrucke. Die erste Quittung wird durch die Postanstalt ausgefertigt; die spätere Quitwng-auS- fertigung hat der Empfänger zu besorgen. Die Zuschläge sind erst- malig- sogleich bei der Ablieferung der Bescheinigung der QrtSbe- Hörden fällig, später aber zusammen mit den Kriegsversorgung?- gebührnissen gegen besondere Quittung abzuheben. Di« Bescheini- gungen werden von dem Gemeindevorsteher kostenlos ausgestellt werden. Den Hinterbliebenen von Militärpersonen der Unter- klaffen aus dem gegenwärtigen Kriege, die Kriegswitwen- geld oder Kriegswaijengeld empfang«, die ober keine La- Fortdauer der feindlichen Offensive zwischen Ancre und Avre— Beiderseits der Somme der Feind zurückgeworfen— In der Mitte der Schlachtfront feind- licher Geländegewinn— Die deutschen Linien bei Montdidier zurückgenommen — Italienische Offensive bei Afiago ge- scheitert. Berlin, 19. August 1918, abends. Amtlich. Ausdehnung der Schlacht von der Ancre bis zur Oise. Angriffe des Heindes find vor unsere» Kampf- stellungen gescheitert. Amtlich. Großes Hauptquartier, 19. Aug« st 1918. sW. T.».) Westlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe Kronprinz Rupprrcht. Rege Tätigkeit des Feinde? zwischen Bser und Ancre. An viele» Stellen dieser Front führte der Feind Vorstöße und Teil- angriffe, die vor unjercn Linien und im Nahkampf abgewiesen wurde». Engländer und Franzosen sehten gestern unter Einsah starker Reserven ihre Angriffe aus der ganzen Schlachtfront zwischen Ancre und Avre fort. Beiderseits der Somme und rittlings der Straße Foucaucourt— BillerS Bretouncux warfen wir drit Feind durch Gegenstöße zurück. Er erlitt hier schwere Verluste. In der Mitte der Schlachtfront gewann der Feind über RozirrrS und Hangest Boden. Unsere Gegenangriffe brachten ihn westlich von Lihons und östlich der Linie Rvzicres— Arvillers zum Stehen. Während der Nacht nahmen wir die an der Avre und am Dombach kämpfenden Truppen in rückwärtige Linien ist- lich von Montdidier zurück. Südöstlich von Montdidier schlugen mir einen starten Teilangriff der Franzosen in unseren Linien ab. Ueber dem Schlachtfeld« schossrn wie 32 feindliche Flugzeuge ab. Leutnant Loewenhardt errang seinen 52. und 53., Leutnant Übet seinen 16., 47. und 48., Hauptmann Bcrthold seinen 41. und 42., Leutnant Freiherr v. Richthofen seinen 36. und 37„ Leutnant Villik seinen 30. und 31., Leutnant Bolle seinen 29., Leutnant Koenneke seinen 26., 27. und 28., Leutnant Neumann seinen 29. Luftfieg. Heeresgruppe Deutscher Kronpriu». Zeitweilig auflebender Fcuertampf an der AiSne und BeSle. Der Erste Generalquartiermeistrr. Ludendorff. Der österreichische Bericht. Italienischer Kriegsschauplatz. Wien, 19. August. Amtlich wird verlautdart: An der venctianischcn GcbirgSfront kam eS gestern wieder zu größeren Jnfanterickämpfen. Zwischen Canope und Asiago gingen ick den frühesten Morgenstunden Ententetruppcn nach einem gewaltigen Feucrschlag in dichten Wellen zum Angriff über. Die feindlichen Sturmkolonnen wurden überall unter schweren Vcr- lüften geworfen. Wo eS ihnen vorübergehend gelang, in unsere Linien Fuß zn fassen, trieben wir sie im Gegenstoß zurück. Ebenso scheiterten alle Versuche deS Feindes, sich im Asolone- gebiet auszubreiten, an dem tapferen Widerstand unserer Truppe». An den anderen Frontteilen Artillerie- nnd Patronillcngeplänkcl. Albanien. Keine besonderen Ereignisse. Der Ehef deS Generalstabes. milien Unterstützung bezogen haben, können auf Antrag im Bedürfnisfalle Zuschläge zu diesen Kriegs- Versorgungsgebührnissen bewilligt werden. Das gleiche gilt für die Hinterbliebenen von Militärpersonen der Unter- klaffen aus früheren Kriegen. Die Anträge sind an das für den Wohnsitz der Antrag- steller zuständige Versorgungsamt zu richten. Das Versorgungsamt hat durch Anfrage bei dem Ge- meindeUorsteher usw. festzustellen, ob ein Bedürfnis zur Gewährung des Zuschlags vorliegt. Bon kleinlichen Er- mittlungen über die Einkommens- usw. Verhältnisse seitens der Gemeindevorsteher soll hierbei abgesehen werden.' Die Untersuchung gegen Donskoi. Die Untersuchung über die Ursachen deS Attentats gegen Feld Marschall Eichhorn geht ihrem Abschluß entgegen. Der Mör- der DonZckor ist bei seinen früheren Angaben geblieben, wonach die- Anstifter in den Reihen von der Entente gekaufter Soztalrepolu- tionäre zu suchen sind. Einige Persönlichkeiten, die mit ihm gleichzeitig von Moskau nach Kiew entsandt wurden und als Mit- täter in Frage kommen, find verhaftet worden. In Kiew scheint Donskoi mit anderen Personen, insbesondere mit Parteigenossen, nicht verkehrt zu haben. Wahrscheinlich ist er nur auSfüh- rendeS Werkzeug gewesen und absichtlich von den Anstifter« bis zum Augenblick der Tat«ehr i« Hintergrmtde schalten wards». der Wirtfthsstskrieg. Jean Jacques Rousseau hat den Krieg als eine An- gclegenheit der Staaten und ihrer für die Kriegführung be- stimmten Organe erklärt und sich leidenschaftlich dagegen gewehrt, datz der Krieg zu einem Kampf gegen den einzelnen Bürger Iverdc. Die französische Nation und ihre Verbündeten haben die Lehren ihres großen Philosophen, StaatsrcchtlerS nnd Pädagogen in den Wind geschlagen. Sie haben vom Tage der Kriegserklärung an den deutschen Bürger und Ar- beiter in seinen privaten lvirtschaftlichen Verhältnissen zu treffen gesucht. England hat sich nie um die Lehren Rousseaus gekümmert. Zu einer Zeit, da im Landkriege das feindliche Eigentum bereits längst mindestens theoretisch vor willkürlichem und verbrecherischem Zugriff geschützt war, hat es starr an dem Rechte festgehalten, feindliches Eigentum zur See wahllos zu kapern. Sein Privat- und Strafrccht sehen von vornherein die Nichtigkeit aller mit dem Feinde geschlossenen Ver- träge vor. Auf dieser breiten Grundlage wurde von KrregSbegmn an zweckbewutzt mit dein Ziele weitergearbeitet, die feindliche Widerstandskraft in der Vernichtung der feindlichen Wirtschaft zu treffen. Systematisch wurde vernichtet, was in den Ententeländern die deutsche Handelsorganisation heißt. Die deutschen Kaufleute wurden interniert, ihre Geschäfte auf- gelöst und verkauft, ihre Bücher durchstöbert und vernichtet. Dieser Feldzug griff über das feindliche Hoheitsgebiet hinaus. Schwarze Listen ächteten den neutralen Kaufmann, der mit deutschen Geschäftsfreunden in Verbindung blieb oder auch nur deutsche Angestellte beschäftigte. Mit der Vernichtung der Pionierarbeit, die der deutsche Kaufmann, Industrielle und Arbeiter im Auslände geleistet hatte, war es nicht genug. Es galt auch zu verhindern, daß aus den Ruinen neues Leben blüht. Darum haben die Ententestaaten, allen voran Eugland, Ausnahmegesetze gegen den deutschen Kaufmann bcschloffcn, der für die Sünden seines Vaterlandes mit seiner C&istenz büßen soll. Die Gerechtigkeit und Vernunft verlangt die laute An- erkennung, datz es dem deutschen Kaufmann in keinem Lande so gut wie in England und der angelsächsischen Welt über- Haupt ging, datz es ihm nirgends so leicht gemacht wurde, zu Macht, Einfluß und Reichtum zu gelangen, wie dort. Darum mag die jetzt mit brutaler Schärfe einsetzende Ausnahme- gesetzgebung als psychologische Reaktion erscheinen. Aber das erklärt sie nur. rechtfertigt sie nicht. Als Deutsche bekämpfen wir die Strafgesetzgebung gegen unseren AuSIandshandel, weil wir uns nicht mit Gemütsruhe das Rückgrat brechen lassen; als Sozialisten, weil ivir vom fortgesetzten Wirt- schastSkrieg ein neues verheerendes Aufflammen deS Welt- kriegs fürchten. Nach der neuen englischen Gesetzgebung soll der Deutsche bei öer Einbürgerung und bei der Ausübung wichtiger Ge- werbe als Mensch zweiter Klaffe gelten. Feindlichen Bon- kcn wird auf, mindestens fünf Jahre nach Friedensschluß daS Recht der Niederlassung, feindUchen Kaufleuten die Beteiligung am Metallhandel vermehrt. In Kanada ist sogar be- schlössen worden, datz jeder Deutsch: seine entehrende Natio- nalität in seine Firma aufnehmen, sich im Ladenschild als Deutscher bekennen mutz. Der unter Asquith 1916 eingesetzte Ausschuß zur Be- J ratung der nach dem Kriege zu verfolgenden Industrie- und Handelspolitik hat einen ganzen Feldzugsplan entworfen: Das gegenwärtig bestehende Verbot der Einführung von Waren feindlichen Ursprungs soll, vorbehaltlich gewisser Ausnahmen, für mindestens ein Jahr nach Friedensschluß verlängert werden. Dem deutschen Kaufmann sollen die Nieder- lassungsbedingiingen verweigert werden, die England'einen Verbündeten oder Neutralen bietet. Das britische Reich und seine Verbündeten sollen eine gmidnschaftliche Kontrolle über die Ausfuhr gewisser wickftiger Rohstoffe ausüben. Die Drohung mit der A b s p e r r u n g v o n d e n R o h- st o f f l ä n d e r n ist in letzter Zeit besonders in den Vorder- grund geschoben worden. England hat sich durch seinen poli- tischen und mirtschaftliclx'n Einfluß oder durch Gewährung hoher Preise in langfristigen Liefernngsverträgen gesichert: Baumwolle aus Aegypten, Wolle aus Südafrika und Austra- lien. Oelsrüch'tc aus Westafrika, Kupfer aus Nordamerika, Blei und Zink aus Australen. Nickel auS Kanada, Getreide, Quebrachorinde, Leinsaat aus Argentinien, Jute auS In- dien. Im Augenblick wirbt die englische Regierung um de« Anschluß der Vereinigten Staaten an das von ihr gegründete und beherrschte Rohstoffkartell. Präsident Wilson hat am 8. Januar unter seinen vierzehn Thesen zur Auf- rechterhaltung des Weltfriedens gefordert: die Aufhebung möglichst aller wirtschaftlichen Schranken und die Einführung gleicher Handelsbedingungen für die Völker, die sich zur Auf- rechterhaltung des Friedens vereinen. In der letzten Botschaft an den Kongreß wird der Gedanke näher ausgeführt. daß Deutschland nur dann zum freien Wirtschaftsverkehr zu» zulassen sei. wenn es sich von seiner intriganten, den Frieden störenden Negierung befreie. Da diese Bedingung nicht ge- geben ist, so ist der Eintritt der Vereinigten Staaten in das Rohstoffsyndikat sehr wahrscheinlich, inenn sie auch sicher die Berücksichtigung ihrer Sonderinteressen im wirtschaftlichen Feldzugsplan verlangen werden. So die Wünsche unserer Feinde. Wünsche bedeuten noch nicht sichere Erfüllung. Ein Frieden, der Spielraum zur aus- nahmegesetzlichen Aechtung der Deutschen im Auslande läßt, ist nur nach der völligen Niederlage Deutschlands möglich. Wer ungleich schwerer als gegen Ausnahmegesetze wird der Kampf um die Rohstoffs sein, da die Entente ihre Lieferungsverträge oder die Zurückhaltung der selbstgewonnenen Rohstoffe mit dem dringenden eigenen Bedarf zu rechtfertigen versuchen wird. Und selbst wenn die grundsätzliche Bereitschaft zur Rohstoffabgabe erklärt würde, so wäre im einzelnen noch ein genauer Vertei- lungsschlüssel und eine ausreichende Bürgschaft der prompten Lieferung zu bestimmen. Das ukrainische Beispiel beweist, wie ohnmächtig der rohe Zwang ist. Eindringlicher als jede andere Betrachtung über- zeugt das Problem der Versorgung mit Rohstoffen von der Notwendigkeit eines Verständigungsfrieds nS, der seinen Namen in Ehren führen kann. Will Deutschland den Kompensationswert der im Besitz der Entente befindlichen Rohstoffe bei den Verhandlungen mindern, so muß es sich neben der Förderung seiner E r s a tz i n d u- strien, die in diesem Zusammenhang zu einem politisch hoch bedeutsamen Faktor werden, die Herstellung wesentlich besserer. auf bewußter Jnteressengemeinsckxift beruyendsr Beziehungen zu dem gewaltigen russischen Landgebiet angelegen sein lassen. Daß der glorreiche Siegessrieden von Brest-Litowsk diese große Chance gemindert, vielleicht schon vernichtet hat, lehren die ent- täuschenden Erfahrungen dieser Tage. die Tagesorünung ücs französischen Parteitages. Der fix: den v. bi» 10. Oktober nach Paris einberufene Parteitag der fmnzöstschen Sozialisten hat folgende Tagesordnung: 1, Bericht der Zentralorganisationen: des stSn- digen BerwaltnngSausschusscS(Parteivorstandes), der Fraktion unid der Kontrollkommission. 2. Allgemeine Porte fpolttir.. Skationale Aktion: Landesvert« idi gung; innere Politik; der Frieden; Kontrollfälle (Tadelsvotum), Internationale Aktion: Stellungnahme d«r alliier- ten Sozialisten. Jnternatio�le Konferenz. 3. Soziali st rsche Presse: Aeickenungen in den Satzungen Wer dj« Verwaltung der Presse; di« Frage der ..HumanitS"; Bericht de« VerwaltungSrates und der Direktoren: die sozialistisch« Presse und Mitarbeit qn der bürgerlichen Presse. 4. Politische und wirtschaftliche Neugestal- tung Frankreichs: politische Reformen; wirtschaftlichen Wiederaufbau; Staatsfinangen und Stoatsjchulden. B. Wahl der Zentralkörperschaften: Parteivor- stand; Vertretung im Internationalen Sozialistischen Bxireau; Berwalwngsrat und Direktoren der.Hunianirö"; Kontrollkommission. X Genf, 10, August. Der Allgemeine Arbeiterbund protestiert gegen die Verurteilung Malvh«, die Frankreich in schwerer Stunde in zwei Lager teile und kündigt Protoswersammlumten der Union repudlicaine an. Am nächsten Mittwoch wird der Vallzugsausschuß der Sozialisten zur Verurteilung Viagvys Stellung nefimexx. Während die vechtsstehende Presse bemüht ist, die Verurteilung Malvhs zu beschönigen, um eine drohende oppositionelle Bewegung zu vermeiden, erklären die Organe der Linken die Verurtei, lungal« offene Kriegserklärung an die Republik. Renauidel teilt in der„tziimauitö" mit, daß, während über Malvv das Urteil gesprochen wurde, an- der Front Bildnisse de« Herzogs hon Orleans al» künftigen König von Frankreich zur Verteilung gelaimten..Oeuvre" hebt hervor, daß zwischen der BerbanMnig Mawys und der Zuerkennung der Bürgerrechte an den Äerurfeilien ein krasser Widerspruch bestehe, den man nur als einen bösen Scherz denken könne Derselbe Malph, den der Senat verurteilte, fei also nach der Ansicht de» Senate« würdig, Wähler, VU>geordnet«r und sogar Minister du sein. Für das „Fmimal du peuple" ist die Verurteilung Mxlvps gleichbedeuteird mit dem Tode der Republik. Da« Urteil sei ein Schand- fleck der f ran zö s-i sch« n Justiz, s« gäbe von jetzt an in Frankreich überhaupt keine Justiz mehr. Aber die Sozialisten FraxikreichS würden sich nicht wwerspouchsloI ermorden lassen. Selbst Hervä steht in dem Urteil einen bedeutungsvollen politischen Mißbrauch. In gleicher Weise äußern sich auch„Eclair" und ..Rappel". Der Makvh-Prozeß sei nicht durch ein juristische« Urteil, sondern durch politische Kombinationen beendigt worden. Ein Erfolg üer Schweizer Arbeiterschaft. Ter Generalfireikkoxlflikt beigelegt. Bern, 8. August. Don dem neulich in Basel abgehaltenen allgemeinen Landeskongreß der Schweizer organisier. ten Arbeiterschaft und den Verbänden des Personals der Sidgenossenschafts-Eisenbähnen usw, war dem Bundesrat eine Hingabe zugegangen, in der unier Androhung des Gene» r a l st r e i I s im Fall« der Nichterfüllung der steäußerten Wünsche eine Reihe von politischen und wirtschaftlichen Forderungen gestellt worden war. Ucber die meisten Forderungen wurde ziemlich leicht Einigung erzielt- da die Regierung von sich aus bereits eine Reihe der verlangten Maßnahmen in Aussicht genommen hatte und teilweise bereits durch Kommissionen prüfen lieh; so die Schaffung eines eidgenössischen Ernährung«amts, bessere Verteilung der vorhandenen Lebensmittelvorräte, Konzessiv- nierung de« privaten Großhandels, Revision de« Arbeits. zeitgesetzes bei den schweizerischen Swatsbahnen zum Zweck zeitgemäßer Herabsetzung' der Arbeitszeit xrsw. Die .'-tzten Schwierigkeiten einer allgenreinen Verständigung wursten heute beseitigt durch daS Gntgegenkommen des Bundesrats in der Frage der Ausrichtung eine? zweiten Teuerung«. zutage für MS an das StaatSpersonal. Sämtliche Arbeiter und Angestellte des Staatsbetriebes erhalten in Berücksichtigung der außerordentlich zunehmenden Teuerung zu den bisherigen Zulagen eine neue Zulage von b00 Fr. und 50 Fr. für festes Kind, womit dem Staat insgesamt für Teuerungszulagen 1918 eine Ausgabe von k»0 Millionen erwäW. Di« Arbeiter und Personal» vertreten erklären sich von dem Entgegenkommen de« Bundes- rats befriedigt. Das mit der Organisierung der Generalstreik, bewegung betraute Komitee hat heute mitgeteilt, daß der Kon« flikt beseitigt und kein Grund zur Erklänung des Ge» neralstreikS mehr vorhanden sei, Französischer Truppentransport torpediert. Berlin. 0. August. Im Sperrgebiet des Mittelmeeres versenkten unsere U-Boote aus stark gesicherten Geleitzügen 0 Dampfer von zusammen rund azooo B.-R.-T., darunter den französischen TruppentvanSporier..Djemnah'(8T10 Br.-R.-T.), auf dem sich nach Gefangenen aussage vi Passagiere und «00 SoHoten befand«. Der Damtff« sank mnerhaib tz Mi. ..«t«........***#**'• Jl%;»kZVtzi i~ M'yß der zweite �ingriffstag. Berlin, 10. August. Auch den zweiten Tag des großen Angriffes zwischen Ancre und Arre leiteten die Engländer und Franzosen mit Tankangriffen ein. Allein die Panzergeschwader, dixrch die Verluste des Vortages geschwächt, entwickelten nicht mehr die alte Stoßkraft. In dem Abwehrfeuer der deutschen Batterien, deren Einschläge in schwarzen Fontänen rings um die Panzertiere hoch stiegen, wurde ihr Angviff unsicher. Zahlreiche Panzerwagen wurden getroffen und brannten mit hoher, weithin lenchtenster Stichsiamme aus, andere kehrten um, die Infanterie folgte nicht recht, der Angriff blieb liegen. Erst am Nachmittage vermochten die Engländer unter Einsatz frischer Truppen einen neuen Angriff vorzuftsch� Aus der ganzen Front von Morlancourt bis an die Avre brachen dichte, tief gegliederte Sturmwellen vor, denen starke Pamzer« wagemobteilungen voranfuhren und über deren Köpfen zahlreiche Fliegergeschwader heranbrausten, die durch einen Hagel von Maschinengewehrfeuer die deutschen Reihen zu erschüttern versuchten. Das geschickte Ausweichen und Wietervorgehen der deutschen Infanterie bieß de« Kampf hin und her wogen und brachte schließlich beiderseits den Somme und der großen Rchnerstraße die Engländer trotz starken Kräftecinsatzes keinen Schritt vorwärts. Weiter südlich gewannen die englisch-ftanzösischen Angriffe in der Linie RosiereS-�ArviUerS in dem für stie Verteidigung überaus ungünstigen Gelände Boden, so daß infolgedessen das Kampffeld beiderseits der Somme freiwillig aufge» geben wurde, das die wütenden Angriffe der Engländer nicht hatten erringen können. Je weiter die Deutschen zurückgingen, desto g ü n st i g e r wirst für sie daS Gelände zur Verteidigung, da sie damit in die rückwärtigen Linien deS alten französischen Verteidig u ngsshstem» kommen, während der Angreifer gezwungen ist. über d« kahle deckungslose Eben« anzu- rennen. s üie Xnderunqen der Front. »._«i t...-4«•■< /hrfemHMärjt vm�ßßfianf-a/n fS.Mftm* "*' fe» ö«!%• Front. " Wck >>» Französischer Heeresbericht v o m 0. A u g u st, a b e n d s. In Fortsetzung des Borstoßes des rechten Flügels der britischen Armee errangen unsere Truppen heut« neaie Ersvlge. Nachdem wir den feindlichen Widerstand gebrochen hatten, nahmen wir dj« Dörfer Pierrepont, Contoire, Hange st- en-Santerre. Jenseit» der Eisenbahn östlich von Hangest haben wir Arvil- l e e s erreicht, daß in unserm Besitz ist. Unser Fortschritt in die- fer Richtung belauft sich feit gestern morgen auf 1t Kilometer Tiefe. Außer beträchtlichrm Material, das wir bis jetzt noch nicht haben zählen können, haben»vir unsererseits-1000 Gefangene ge» macht- Unsere Verluste wie die unserer britischen Verbündeten sind besonders leicht. An der V c S U haben sich amerikanisch« Truppen de« Doesev Fismette bemächtigt, wobei sie ungefähr 100 Gefangen« machten. Englischer Heeresbericht vom 9. August, abends. Der Fortschritt dauert an. Die Franzosen nahmen FreSnoy-en» Chaussee. Die Briten stÄen östlich von Leguesnoy und T a i x. Nördlich der Somme leistete der Feind kräftigen Wider« stand. Zwischen Chipilly und Morsimcourt schwere Kämpi?- Die Verbündeien machten gestern 14 000 Gefangene. Die Geschütze konnten bis jetzt noch nicht gezählt werden. An den letzten Tagen letzte der Feinst die Räumung feiner vorderen Siel- l u n g im Tale der Lys fort. Unsere Linie wurde auf der ganzen Front von der Lowe(?) bis zur Bonn«(?) nordwestlich von Mer- ville vorgeschoben, an der tiefiten Stelle um L000 �ards. Wir halten Locon, Laeornetmol«(?), Ouentin le Petit, Daeaut(?), Lesart. Nördlich de« Kemme! führten wir erfolgreiche örtlich« Kampfhandlungen durch und schoben unsere Linien auf kurz« Ent, fernung um 1000 Darhs vor, wobei wir 30 Gefangene machten. Englischer Heeresbericht vom 10. August vormittag». Di« Alliierten ernuertsn den Angriff auf der ganzen.Kampffront süd- lich der Somme und machten trotz wachsenden Widerstandes über- oll Fortschritte. De Franzosen erweiterten die Front nach Süden und nahmen Pierrevmtt und den Wald Schlich davon, auch drangen sie vier Meilen növdlich und nordöstlich davon vor..Kanadier und Australier drangen in deivunderungSwürdigem Vorstoß, nachdem sie die äußeren Verteidigungslinien vor Amien» genommen hatten, nach heftigem Kampf L MeUen darüber hinaus vor. Vor anbrechendem Abend erreichten die Franzosen und Eng- länder die Linie Pierrepont---Arvillers.— RosiereS— Raineconrt— Morcourt wo die Kämpfe andauern. Oertliche Kämpfe nördlich der Somme. Die Zahl der Gefangenen beträgt jetzt 17 000. Zwischen LOO linst 800 Geschütze wurden erbeutet, darunter schwere Eisen- dahngeschütze, eine große Anzahl Grabenmvrser und Maschinen- aewehre und ung-heure Materialvorräte einschließlich eine« Zuge«. Uns«« BvMts sind«ußnagwöhnlich gering. Der Kampf um öie Macht in Rußland. Das künftige Verhältnis der Mittelmächte zu Rußland ist um nichts klarer geworden. Die zur Entscheidung stehen- den Probleme werden der öffentlichen Erörterung vorent- holten, so daß sich die Nation, wie schon so oft, mit der voll- endeten Tatsache und jhren Folgen wird abfinden müssen. Daß die prinzipielle Frage nach der Gestaltung der deutsch-russischen Beziehungen erörtert wird, geht daraus her- vor, daß außer Dr. Helfferich auch der österreichisch-ungarische Botschafter an den Verhandlungen in Berlin und im Haupt- quartier teilnimmt. Daß die Entscheidung nicht allein von der Reichsregierug nach bloßer gutachtlicher Anhörung des Hauptquartiers getroffen wird, sondern die Beratungen mit Dr. Helfferich erst im Hauptquartier abgeschlossen werden, beweist, daß die„Ausgestaltung" der Beziehungen der deut- scheu zur Räteregierung als militärische Frage ange- sehen wird. Entgegen der früheren Schönfärberei erklären jetzt Trotzki und Lenin das sozialistische Vaterland in Gefahr. Auf dem zweiten Kongreß der Sowjets deS Nordgebiets xk Pe- tersbum rief Trotzki ans: »Ich zweifle ggr nicht daran, daß wir siegen werden, aber wir Jjaben nichts das Recht dazu, den Sieg zu varschieben und unsere Frauen, Mütter und Schwestern hungern zu lassen, da das Brot, das im Ural vorbanden ist, wegen des tschecho-slowakischen Auf- standes nicht transportiert Wersten kann. Ich bin picht des feier- Iichen Kongresses wegen hierher gekommen, sondern um Alarm zu schlagen und zu sagen:»Alle nach dem Osten, das Va- terlanst ist in Gefahr!" Wir schwören, e» bis zum letzten Blutstropfen zu schützen." Auch die Entente ruft die Russen auf, fich um ihre Fahnen zu scharen: »Eure Bundesgenossen haben Such nicht vergessen. Wir er- innern uns all« der durch eure Hvere erwiesenen Dienste. Wir kommen wie Freunde, um euch zu helfen und zu beschützen gegen die Vernichtung. Deutschland persuchte euch zu Sklaven zu machen und die Hilfsquellen de« Landes für seine eigenen Zwecke zu gebrauchen. Wik verbürgen euch, daß wir, während unsere Truppen in Rußland einrücken, um euch zu untersfiitzen nn Kampf gegen Deutschland, keinen Fußbreit eure» Gebiets zurück- behastsn werden. Die Zukunft Rußlands ist in den Händen des russischen Volkes. Nur Russen haben über die RegierimgSform und übe? die Lösung ihrer sozialen Fragen zu entscheiden. Völker Rußlands, strömr unter der Freiheitsfghne zusammen, welche wir, die wir noch eure Bundesgenossen find, in eurer Mitte entfalten. und helft mit, daß unser« erhabenen GrumdjLtze siegen! Wir wollen nicht nur die deutsche Invasion hemmen, sondern auch dem ruinierten Lande Hilfe bringen. Wir baden Vorräte geschickt. Mehr wird folgen. Wir wollen euch in Stand setzen, eure recht- mäßige Stelle unter den freien Völkern der Welt einzunehmen." Die Bolschelviks gehen jetzt gegen die Vertreter und Staatsangehörigen der Entente scharf vor. Die P. T. A. meldet:„Da die Engländer, ohne den Krieg zu erklären, rnssischs Städte besetzen und russische Bürger erschießen, be- sonders Sowjet-Mitglieder, wurden englische und französische Bourgeois vorhaftet, um als Geiseln interniert zu werden. Ausgeschlossen sind alt? Leute. Männer, die eine zahlreiche Familie haben, sowie alle Arbeiter." Auch der englisch« und französische Konsul in Moskau sind verhaftet worden; die eng- fische Regierung bemüht sich um ihr« Freilassung. Iüeale in ßknnionü. Der splitternackt ixn Staube liegende Untergebene. In Helsingfors erscheint eine deutsche Zeitung. u o m)- F i n n l a n d", offenbar bestimmt, in Finnland Sympathien und Verständnis für das Deutschtum zu werben. Diesen Zweck verfolgt wohl auch«in Artikel in der Nr. Kl) vom 1.. August, überschrieben„Das Soldatenideal". Hören wir, wie dem Finnländer das Soldatenideal in deutscher Sprache gepriesen wird: Zwischen dem Soldaten»nd seinem Vorgesetzten klafft ein furchtbarer Abgrund, ganz besonder« zwffchen dem Rekruten und seinem Vorgesetzten. Letzterer hat immer recht, erste- re» niemal«. Di« Slufgabe ste« Soldaten ist zu gehorchen, die stes Vorgefetzten zu befehlen. Blindlings, ohxre Ueberlegung hat d«r Soldat den Befehl seines Vorgesetzten auszuführen. E r selbst darf weder etwas wollen noch wünschen, er ist dem Wissen seines Vorgesetzten untergeordnet. Der Soldat darf nicht sprechen, nicht einmal denken, � er muß nach dem Kommando seines Vorgesetzte» handeln. Der Rekrut ist kein Mensch erst unter dem Korn- mgndo seines Porg-fetzten soll ans ihm«in Mensch ge- macht werden. Er ist weiches Wachs, welche« der Borgesetzte nach seinem Willen modellieren kann.— Und die größte Uober- kegenheit stes Vorgesetzten zeigt sich darin, daß er seinem Zog- l>na glauben läßt, er sei gar nicht«, gar nichts weiter a!S ein ixn- kunstiges, willenloses Stückchen Wachs und alle«, was er sage und tue, sei Nnsinn, Unvernunft, Verrücktheit. Er muß erst splitternackt im Staub» liegen und um den Kopf das Sanft» der Knute seines Vorgesetzten sllhten, dann nach Verlaus von Wochen und Monaten erst hobt ihn die Gnade und Hilfe de« vorgesetzten aus dem Staube empor, wäscht ihn, kleidet ihn und macht aus ihm einen Menschen und Soldaten. Der Vorgesetzte ist des Soldaten Spiegel, eiii Zauberspie g e l, in dem alle Runzeln und unschönen Gesichtsformen verschwinden. Das Bild des Vorgesetzten darf nicht den ge- r in gsten Fehler ausweisen,—• es ist die Vollkommenheit selbst, wenn der Sokdat wirklich Fehler bei ihm zu bemerken glaubt, so ist dies nur eine Probe von der llnzulänglichkeit und Unvermögmbeit seiner eigenen Bevrteilttngöfähigkeit. Ebenso splitternackt, wie ein neixgeborenes Kind vor disser wunderbaren und geheimnisvollen Welt steht, so der Re- krnt vor seinem Borgesetzten. � Er ist des Soldaten Herrgott. Der Gott, den er nicht braucht und zu dem«r nicht beten soll, dessen heilige Befehle er aber respektieren und ihnen Folge leisten muß. Per Gott des Soldaten ist niemals zufrieden, dankt niemals auch für die besten Werke, aber seine Strafe für Vergeben und Ungehorsam ist grausam. Denn in stes Vorgcsctzten Honst liegt der Schlüsse-l zur irdischen Hölle. Diese irdische Hölle ist nicht heiß, aber dennoch ist in ihr Heulen. und ZähneÄappern. Tie ist voller übelriechenden Gchmntzet, i» welche» der Borgesetzte den Nebeltäter taucht, und erst wenn tv darin genügend gezappelt hat, kann der Vorgesetzt« Gnade vor Reckt ergehen lassen und ihm wieder aufhelfen. Und siebe dal — dieser übelriechende Schmutz hat den Unglücklichen rein ge- waschen von seinen Sünden. Er bat den leidenschaftlichen Auf- riihrergeist seines eigenen Willens ausgerottet und aus ihm weiches, aber reine« Wachs gemacht, sas der Vorgesetzte in seinen Händen halten und nach Herzenslust kneten, modellieren und schnitzen kann, bis ihm schließlich jene? Kunstwerk gelingt und er daraus einen richtigen, tüchtigen und Hürtgen Soldaten entstehen läßt. Aus dem Blatte goßt nicht hervor, wer seine Heraus- geber sind. Aber vielleicht kann die deutsche Regie- r u n g darüber Auskunft geben, wer in dieser geschickten Weise für Teutschland Propaganda macht. Por dem Staatsstreich der Monarchisten. Htlsingsors, 9. August. Ein monarchisfischer Antrag auf j Vornahme der Königsivahl noch L 3Z öer alten Ber- Nr. 219 ♦ ZS. Fahrgang Seilage öes Vorwärts Sonntag, 11. Mguft 1918 GroßSerlm Chamberlain. Man denkt bei diesem Anglopreußen der Vögel, welche Kuckuck heißen, und welche ihren Eiersegen zumeist in fremde Nester logen. Doch Pflegt der Mann von Tirpitz' Gnaden noch ganz was andres abzuladen in gleichgesinnten Zeitungsspalten— ich will das Wort für mich behalten. Man greift nicht gern mit reinen Händen nach seines Geistes Exkrementen. sie seien n-'dlos Heinrich Claßen und seinesgleichen überlassen. Es kam von jenseits des KanalcS schon mancherlei für uns Fatales— der I i n g o. alldeutsch angestrichen, gehört doch schon zum Fürchterlichen? _ Paulche«. Einer» der nicht warten kann. Warte» hat in dieser Kriegszcit mancher gelernt, der's früher nie konnte. Einer, der eS heute noch nicht kann, schreibt unS sol- gendcn Brief: »Ende Mai verlegte ich meinen Aufenthalt von Berlin nach einer Lungenheilstätte und beantragte zwei Tage darauf bei meinem bisherigen Postamt die Ueberweisung meiner Militär- rente nach dem dort zuständigen Postamt. Vier Wochen darauf war die Rente noch nicht da! eine Anfrage beim Berliner Post- amt(34) ergab, daß sie dort am 18. Juni überwiesen worden ist. Nach weiteren vier Wochen vergeblichen' Wartens erhielt ich auf eine Rückfrage bei der Militäcpensionskasse den Bescheid, daß die Rente dort bereits am 27. Juni weiter überwiesen wurde. Heute warte ich bereits acljn Wochen auf die.überwiesene" Rente. Ich bin überzeugt, daß ich sie diese» Jahr bestimmt noch bekomme. und ich weist auch, daß der Amtsschimmel bei diesen schlechte» Jutterverhältnissen nur noch läuft, wenn er geschoben wird. Aber selbst dann, wenn eS sich nur um die Rente eines KriegSbeschä- digten handelt, ließe sich die Sache meiner unmastgeblichen Mei- nung nach in zehn Wochen gut erledigen. Ein Kriegsbeschädigter ist kein Kapitalist, der es verträgt, dost er eine Weile von der Behörde aufs Trockne gesetzt wird. Besonders dann nicht, wenn er als Patient einer Heilstätte seinen Hungerübcrschust auf Schleichwegen„verschieben" must." Dieser Brief zeigt uns, daß der Ungeduldige wenigstens seinen Humor noch nicht? verloren hat. Möge die Veröffentlichung der Zu- fchrist in unserem Blatt seine Bemühungen, den schlapp gewordenen Amtsschimmel auf den Trab zu bringen, wirksam unterstützen. Warum der Brvtpreis erhöht wurde. Die Erhöhung des Broipreisos um 14 Prvz. hätte zum mindesten den LebenSmittelverband Grotz-Berlin veranlassen sollen, der Oeffentlichkcit Mitteilung über die dazu geführten Gründe zu geben. DoS hat der Lxbensinittelvcrband aber bis zum heutigen Tage nicht getan. Ob er es nicht für nötig hielt, diese Gründe mitzuteilen, oder ob er sich genierte, darüber etwas zu berichten, entzieht sich daher unserer Kenntnis. Statt dessen schreibt jetzt eine von Mitgliedern des Verbandes öfter inspirierte Lokalkorrespondenz: „In der Oeffentlichkeit hat die Tatsache, daß der neue Brot- preis, obwohl das Brotgewicht um 100 Gramm niedriger ist als die frühere Wochenbrotmenge von 1950 Gramm, auf 97 Pf. erhöht worden ist, einiges Befremden erregt. Wie wir von unterrichteter Seite erfahren, sind für den Lehensmittelverband Groß-Berlin für die Festsetzung de? neue» Brotpreiscs folgende Umstände maßgebend gewesen: Die vom KriegSernährungsaint festgesetzte Erhöhung des Brot- getrsidepreifeS für das Wirtschaftsjahr 1918/19 erhöht den Preis des von der ReichSgetrc idestelle den Grotz-Berliner Kommunalvev- bänden gelieferten Roggenmehls um 7,40 M. für den Sack(Doppel- zentner). Diese Erhöhung tritt aber schon am 15. August in Kraft, während die Gemeinden mit Rücksicht aus den Wochen- beginn die Preiserhöhung für das den Bäckern zu liefernde Mehl und die Brotpreiserhöhung erst am 19. August in Wirksam- keit setzen. Den sehr erheblichen Preisunterschied für diese vier Tage, der weder auf die Bäcker noch auf die Verbraucher abge- wälzt werden konnte, tragen die Grotz-Berliner Gemeindeverbände. Die dadurch bedingten Verluste belaufen sich für Groß-Berlin ins- gesamt auf Hunderttausende. Dieser einmalige Verlust der Ge- meindevockbände ist aber für die Brotpreiserhöhung nicht entschei- Die heimatftont wankt nicht, wenn alle kriegswichtigen Setriebe, Lanüwirt- schast und Eisenbahnen mit Volldampf arbeiten können. Millionen sinü dort für Euch tätig. .Helft durch Abgabe getragener An» züge, daß sie arbeitsfähig bleiben. dend. Maßgebend sind nebe» der erwähnten Mehlpreiserhöhung die inzwischen stark gestiegenen Betriebsunkosten bei allen betet, ligten Gewerben, den Speichern, den Fuhrleuten, den Händlern und Bäckern. Der Lebensmsttelverband Groh-Berlin konnte den ihm vorgetragenen Vorstellungen dieser Kreise eine gewisse Be, rechtigung nicht absprechen. Infolge der erhöhten Aufschläge für Lagern und Befördern wächst der Roggenmehlpreis von 42,40 M. für den Doppelzentner, den die Reich-getreidcstelle berechnet, auf 47,15 M. frei Haus der Bäcker. Insbesondere verlangen jetzt die Fuhrleute sehr hohe Entschädigungen. Besonders eingehend be- gründete Vorstellungen auf Erhöhung ihrer Preiszuschläge und Gewährung eines angemessenen Verdienstes haben die Bäcker dem LebenSmittelverband unteribreitet. Auch hier mußte den vcränder» ten Verhältnissen Rechnung getragen werden. Aus einem Sack Mebl können nach der sachverständigen Berechnung der Stadt Berlin 73 Brote zu 1850 Gramm hergestellt werden. In der nächsten Zeit haben die Grotz-Berliner Kommunalverbände nur mit der Lieferung von Roggenmehl zu rechnen, erst im weiteren Ver- laus der Ernte wird wieder Weizenmehl für die Brotherstcllung geliefert werden, so daß dann das alte Mischungsverhältnis von 70 Teilen Roggenmehl und 30 Teilen Weizenmehl eintreten wird. Auf Grund der eingehenden Berechnungen, gegen die im Lebens- mittelverband von keiner Seite ein Einspruch erhoben worden ist, wurde ein Preis von 96,96 Pf. oder abgerundet auf 71 Pf. ermittelt. Auf Grund derselben Berechnungsart wurde für Weizen- brot der Preis von 1 M. und für Krankengebäck der Preis von 1,23 M. festgestellt." Mindergewicht beim Brot. Das Statistische Amt der Stadt Berlin pflegt regelmäßig in einer ganzen Anzahl von Bäckereien Wägungcn des Brote? anzu- stellen. Dabei ergeben sich dann, trotz der Höchstpreise für Brot. wunderbare Unterschiede. Am 12. Juni kostete 1 Kilogramm Roggenbrot 44,78— 51,10 Pst, während der Höchstpreis 46,28 Pst beträgt. Als Durchschnittspreis ermittelte das Statistische Amt 46,73 Pf. Hoffentlich werden diejenigen Bäckereien, die durch Lieferung von Mindergewicht die Höchstpreise Werschreitcn, nicht nu-r verwarnt, sondern auch ständig überwacht. Die Brotration ist kärglich genug und darf nicht noch durch unlautere Machen- schaffen verkürzt werden!_ Auslandsmarmelade! Zu unserm gestrigen Artikel unter der obigen Ueberschrift erhalten wir vom Berliner Magistrat nachfolgende AufKärungs- notiz:„Die aus Abschnitt 56 und 56 jetzt zur Ausgabe gelangende Marmelade ist A u? l a n d S m a r m e l a d e; sie ist teils in Hol- land, teils in der Schweiz in dortigen Marmeladenfabriken her» gestellt. Die Ware ist von diesen den Lagern der Reichsstelle zu- geführt und rollt jetzt von letzteren den einzelnen Kommunalver- bänden!zu. Mit Rücksicht auf die TranSportschwicrigkeiten ist eS, ebenso wie bei der Inlandsware, nicht möglich, auf einmal zur gleichen Zeit die Auslandsmarmelade nach Berlin hereinzubekommen. Hierzu kommt, daß in Berlin die Belieferung der Klein- Händler nicht ohne Schwierigkeiten— im Hinblick auf den Mangel an Fuhrwerken und auf die große Zahl der in Frage kommenden Geschäfte— erfolgen kann. Deshalb hat der Magistrat in seiner Bekanntmachung ausdrücklich, um Befürchtungen des Publikums wegen Nichtbelieferung auszuschalten, auf die möglichen Verzöge- rungen in der Belieferung der Kleinhändler hingewiesen." Die Reichsstelle hat uns gebeten, hierzu ergänzend Ihnen noch folgende Mitteilung zu übermitteln:„Auch gegem»ärtig noch laufen Lieferungen von Marmelade aus dem Auslande ein; eS konnte daher erst kürzlich die Ausgabe von Auslandsmarmelade an die Kommunalverbände in Betracht gezogen werden." Berliner Lebensmittel. Die Stadt Berlin gewährt den Jugendlichen einmalig eine Dose kondensierte Milch auf besondere Bezugscheine, die bei den Brotkcnnmisicmien in der Zeit vom 12. bis 14.?lugust gegen Vorlegung der Jugendlichen-Lebensmitlelkai te ausgegeben werden. Die Bezugscheine sind bis zum 18. August in den durch braune Verkaufsschi�lder gekennzeichnten Buttergeschästen zur Ab* trennuny der Anmeldeabschnitte vorzulsgen. Die Gefchäst erfind bei den Brotkommifsicmen bekannt, sie werden noch durch Säulenwn- schlag veröffentlicht. Die Milch wird vom 26. bis 31. August verabfolgt werden. Vom Montag, den 12., bis Sonnabend, den 17. August, findet eine Neuein tr,agung zur K u n d e n l i st e für Kar- toffeln statt. Jeder der im rechtmäßigen Besitze der mit dem 'Amneldeabschnitt versehenen Kartoffelkarte ist, muß sich neu zur Kundenliste anmelden. Auch Krankenhäuser. Kliniken, Gast-, Schank-, Speifewirtfchasten, Konitinen und sonstige Verpflegungsbetriebe haben ihre Neuanmeldung zu bewirken Eine Ver- längerungderEintragungsfri st findetnicht statt. Bis Mittwoch, den 14. August, wird an diejenigen Kunden, die in die Speisefei tkundenlisten der in den Bezirken der 2., 6., 8.— 15., 172., 235. und 242. Brotkomm isiion gelegenen Geschäfte eingetragen sind, pro Kopf 126 Gramm Käse verteilt. Die Jugendweihe der Grotz-Berliner Arbeiterschaft ffndet am Sonntag, den 22. September, im großen Saale de? LehrervereinS- Hanfes statt. Anmeldungen müssen bis Ende August erfolgen, und zwar bei den Vorwarts-Speditionen oder im Bezirkssekre- tariat Groß-Berlin(Theodor Fischer), Berlin EW. 68, Linden- straste 3, 2. Hof links lll. Die Teilnehmer erhalten etwa zwei Wochen vor der Feier noch eine besondere schriftliche Einladung. Das nächste Volkskonzert de8 Philharmlniifchen Orchesters fm- det Montag, den 12. August, in der„Philharmonie", Bernburgcr Straße 22/23, statt. Begmn des Konzerts: 8 Uhr. Die im Vor- verkauf nicht untergebrachten Karten werden abends an der Kasse verkauft. Der Eintrittsprets beträgt 30 Pf. Kafleneröfffrung: 7 Uhr. Die Obduktion der ermordeten Schankwirtin Mesierschmidt er- gab, daß die Halsfchnitte nicht allein den Tod herbeigeführt haben, sondern der Mörder sein Opfer außerdem auch noch gewürgt und gedrosselt hat. Es erlitt zudem noch einen Bruch der Wirbelsäule. Die Gesamtwirkung aller dieser Verletzungen führte den Tod herbei. Die Obduktion läßt weiter erkennen, daß zwischen dem Möc- der und seinem Opfer ein gewaltiger Kampf stattgefunden haben muß.. Die Messerschmidt ist wahrscheinlich überfallen worden, wäh- rend sie auf einem Stuhle saß und rückwärts über die Lehne her- über zu Boden gerissen worden. AIS Würgen und Drosseln noch nicht zum Tode führte, griff der Mörder auch noch zum Messer. Entgegen der früheren Auffassung ist nach dem Ergebnis der Ob- duktion anzunehmen, daß er die unter der Leiche gefundenen bei. den Messer, ein spitzes Küchenmesser und ein Tischmesser, benutzt hat. Bis in die Nacht hinein wurden gestern von der Kriminal- Polizei noch wiele Zeugen vernommen, die über daS Leben der Messerschmidt Auskunft geben konnten. Eine war früher Wirtschaf- terin und Auffichtsdame in einem großen Kaffee Unter den Linden. Dort lernte sie auch viele Mädchen der HaUbwelt kennen. Diese zählten dann in der Linienstraste in großer Zahl auch zu chren Gästen. Eine weitere Zeugin ist sieben Tage lang bei der Ermordeten als Auftvärterin und Kellnerin beschäftigt gewesen. In diesen Tagen erhielt sie wiederholt Besuch von ihrer Schulfteundin, einem Mädchen namens Wollenberg, die öfter auch chren Bräuti- 60) IloSz. Das gelobte Lanö. Roman von W. St. R e y m o n t. „Still... still... Kinder. Jch werd's dir sagen, Mela, er heißt Leopold Landau, er ist aus Czenstochau, wie willst du da, daß er anders heißt? In Sosnowice haben sie eine Fabrik. Wollfisch u. Landau, das ist eine solide Firma, der Name allein hat'n Gewicht!" „Aber nicht für mich!" erwiderte sie deutlich. Sigismund verabschiedete sich hastig und rief schon bei der Tür: „Erst zu deiner Hochzeit komm' ich wieder, Mela." Er lachte bösartig und verschwand. Grünspann begann, sich ohne alle Umstände mit Hilfe deS Dieners umzuziehen. Obwohl er ein prachtvoll ein- gerichtetes eigenes Zimmer hatte, konnte er sich nicht daran gewöhnen, ein schmutziges Zimmer war ihm lieber und Gc- dränge lieber als Einsamkeit. Mela schwieg und die Tante, eine gelbe, magere, etwas bucklige Frau in einer roten Perücke, die eine weiße Schnur in der Mitte des Kopfes scheitelte, mit einem eingefallenen, wie verstaubten Gesicht ging im Zimmer herum, räumte Gläser und Teller vom Tisch ab und stellte sie auf die Kredenz, wo sie sie gleich in einer großen Schüssel abwusch. „Nehmen Sie das für Ihre Kinder mit, Franz!" brummte sie, Brotreste und abgeknabberte Knochen von den Tellern auf ein Wachstuch sammelnd. „Das können Hunde fressen und nicht meine Kinder!" antwortete der Diener frech, ohne sich zu genieren. „Bist ein dummer Bauer, davon kann man sich eine Suppe kochen." „Dann geben Sie's doch der Köchin, mag sie eine kochen." „Ruhig, schimpf' nicht, Franek! Gib mir Wasser zum Waschen." „Was hast du, Mela, gegen Leopold Landau?" „Gar nichts, ich kenne ihn doch gar nicht, ich habe ihn jetzt zum erstenmal gesehen." „Wozu willst du ihn mehr sehen? Wenn das Geschäft gemacht sein ivird, dann werdet ihr Zeit genug haben, um euch besser kennen zu lernen." „Ich sage es dir nochmal entschieden, Vater, daß ich ihn nicht heiraten werdet" „Warum willst du ihn nicht heiraten?" „Ich liebe ihn nicht und er ist mir ekelhast, und zweitens..." „Ha, ha! Meine liebe Mela hat'» kleinen Bogel im Kops." „Möglich, aber heiraten werde ich ihn trotzdem nicht, rief sie mit großer Entschlossenheit. „Mela! Ich will nichts sagen, weil ich ein sehr liberaler Vater bin. Ich könnt' es dir befehlen, ich könnt' alles ohne dich erledigen, ich tu' es aber nicht, warum? weil ich dich liebe, Mela. und dir Zeit zum Ueberlegen geben will. Du wirst dir's überlegen, du bist ein kluges Mädel und wirst ein so glänzendes Geschäft nicht kaput machen, du wirst die erste Person in ganz Sosnowice sein, Mela. Ich werde es dir kurz erklären." Aber Mela wollte eS nicht hören, rückte heftig den Stuhl ab und verließ das Zimmer. „Die Frauen, die haben doch immer ihre Launen!" brummte er und ließ sich durch ihre Absage und ihr Plötz- liches Verschwinden nicht abschrecken. Er trank den kalten Tee und ging in die Stadt. Einige Tage lang war von der Heirat nicht mehr die Rede. Landau war weggefahren und Mela verbrachte fast den ganzen Tag bei Rosa, um so wenig wie möglich mit dem Vater zusammenzukommen, der sie, wenn er sie zufällig mal traf, nachgiebig anlächelte, ihr das Gesicht streichelte und fragte: „Willst du noch immer Leopold Landau nicht, Mela?" Meist antivortete sie gar nicht, aber dieser Zustand brachte sie zur Verzweiflung und regte sie furchtbar aus. Sie wußte nicht, was sie anfangen sollte und wie das alles enden würde. Zudem begann Unruhe sie zu Plagen, ob Wysocki sie liebte? Wie eine Nadel steckte in ihrem Gehirn die Frage, und die dunklen, schmerzlichen Zweifel stachen sie immer mehr. Es gab Augenblicke, wo sie trotz ihres recht stark entwickelten Stolzes ihm offen ihre Liebe erklären wollte, um nur dies ersehnte Wort zu hören: ich liebe! Aber Wysocki zeigte sich bei Rosa nicht, nur einksial traf Pe ihn auf der Straße mit seiner Mutter am Arm; er grüßte und mußte wohl der Mutter erklärt haben, wen er gegrüßt hatte, denn Mela merkte ihren prüfenden Blick. Sie beschloß, mit Rosa die Endelmanns aufzusuchen, bloß in der Hoffnung, ihn dort anzutreffen. Sie wußte gar nicht, ob er da verkehrte, sie hoffte es bloß. Langsam fuhren sie durch die Stadt, der Tag war so schön. Schaja fuhr mit ihnen auf dem Vordersitz und deckte sie fort- während sorgfältig mit dem Plaid zu. „Weißt, Rosa, ich hätte Lust, rauszufahren, rate, wohin? Wenn du's errätst, nehme ich dich mit." Unwillkürlich blickte sie zu dem blauen Himmel empor und sagte, ohne sich zu besinnen: „Nach Italien." „Richtig, in paar Tagen können wir hinfahren." „Ich fahr' mit dir, aber unter der Bedingung, daß Mela mit uns kommt." „Sie kann mitgehen,'s wird lustig werden unterwegs." „Ich danke dir, Rosa, aber du weißt ja selbst, daß ich nicht kann, Vater geht, drauf nicht ein." „Warum wird er drauf nicht eingehen? Wenn ich es will, dann soll Grünspan drauf nicht eingehen? Morgen gelf ich hin zu ihm in diesem Geschäft und nächsten Sonnabend werden wir schon an den Orangenblüten riechen." Rosa kannte Italien schon, sie war mit ihrem Bruder und der Schwägerin dort gewesen, jetzt wollte sie aber hin- fahren, um es der Freundin zu zeigen. Der alte Mendel- söhn kannte es auch schon, aber nur sehr oberflächlich. Er hatte nämlich eine Manie: sobald der Frost die Erde zusammen- zog und Schnee das ganze Land bedeckte, erwachte in ihm eine dumpfe, unbezwingliche Sehnsucht nach Sonne und Wärme und quälte ihn so lange, bis er die Koffer packen ließ, einen der Söhne mitnahm und schleunigst, ohne den geringsten Auf- enthalt, nach Italien fuhr, nach Nizza oder nach Spanien. Aber längstens nach zwei Wochen war er wieder zurück. Er konnte und verstand es nicht, ohne diese Stadt zu leben: die sechs Stunden gingen ihm ab, die er jeden Tag im Kontor sitzen mußte, es fehlte ihm das Geknatter der Ma- schinen, der wahnsinnige Betrieb, das angespannte Leben der Fabrik, Lodz fehlte ihm— sobald er es also aus den Augen verlor, kehrte er schleunigst sehnsüchtig wieder. Wie ein großer Magnet Eisenspäne anzieht, so zog ihn die Stadt an. „Papa! Wir kommen aber doch nicht wieder gleich zurück?" „Nein, ich will diesmal auch länger da bleiben, Lodz ermüdet mich schon." Sie fuhren bei einem zweistöckigen Hause vor, daS recht gelungen ein schweres Palais im Florentiner Stil nachahmte. } stand in einem Garten an einer Seitenstraße und war von dieser durch ei» mit Efeu bedecktes Eisengitter getrennt, aus dem die vergoldeten Staketenspitzen und die blauen, auf Säulen aufgestellten Majolikavasen hervorleuchteten. In den Vasen blühten rosig schimmernde Azaleen.„ (SoctUofeU 0am, der»Karl" gerufen wurde, mitbrachte. Dieser Besuch war der Schankwirtin nicht angenehm. Die Zeugin hatte den Eindruck, daß die Messerschmidt vor diesen„Karl" eine gewisse Scheu und Angst hatte. Die Zeugin verließ dann die Stellung. Am Don- nerStag, dem Tage der Entdeckung des Mordes, traf sie nach- mittags um 6 Uhr mit ihrer Schulsreundin Wollenberg an der Ecke der Aücker- und Gormannstraße zufällig wieder zusammen. Nach einiger Zeit kam auch„Karl" dazu. Er sagte, er komme von der Linienstraße 63. Er habe dort die Nacht über geschlafen und von einer ihm bekannten Frau Käse geholt. Dann fragte er, was denn in dem Hause los sei. ES ständen so viele Leute vor der Tur, die ihn so sonderbar angesehen hätten. Richtig ist nun, daß zu der Zeit Leute vor der Tür waren. Sie waren dadurch herbei- gelockt, daß Kriminalbeamte noch einmal in den Räumen erschie- nzn waren.» Von der Ecke der Rücker- und Gormannstraße ging die Zeugin noch ein Stück Weges mit den beiden zusammen. Dann trennte sie sich von ihnen und seitdem hat sie sie nicht wieder ge- sehen. Sie hält es für möglich, daß„Karl" seine öfter geäußerte Absicht, sich freiwillig zum Heeresdienst zu melden, jetzt ausge- führt habe. Die Wohnung ihrer Schulfreundin Wollenberg kennt sie nicht. Sie war auch sonst nicht zu ermitteln. Das Mädchen soll in einer Munitionsfabrik arbeiten. Die Leiche eines unbekannten Knaben ist auf dem Bahnkörper der Wannseebahn in der Nähe von Nikolassee aufgesunden worden. Allem Anscheine nach ist der etwa 14jährige Junge das Opfer eines Unfalles geworden, er ist vermutlich aus einem Zuge gestürzt. Bisher konnte leider die Persönlichkeit des Toten nicht ermittelt tvevden. Der Knabe ist etwa 1,50 Meter groß, hat blondes Haar, vollständiges Gebiß und verkrüppelten rechten Arm. Bekleidet war der Verstorbene mit dunkelblauem Matrosenanzug mit Krone und Anker auf dem linken Jackenärmel und grauem wollenem Hemd. Der Knabe trug keine Kopfbedeckung und war barfuß. Die Leiche ist von der Zehlendorfer Polizei beschlagnahmt worden. 1 Lebensgefährlich verbrannt ist bei einem Brande in der arbenfabrik von Philipp Mühsam, Neukölln. Del. rückstraße 60, der Arbeiter Ferdinand Schelske, Neukölln, Herr- furthstratze 6. durch Ueberkochen von Oel. Allen übrigen in der Oelkocherei befindlichen Arbeitern gelang eS. noch rechtzeitig sich in Sicherheit zu bringen. Der Feuerwehr gelang es, die Flammen zu löschen und den Schtvervorbetztcn noch lebend ins städtische Krankenhaus zu bringen. Neukölln. Lebensmittel. In nächster Woche gelangt wieder die volle Wochenmenge von 7 Pfund Kartoffeln zur Verteilung. Eine Verlängerung der Gültigkeit für die in der laufenden Woche fälligen Abschnitte erfolgt nicht. Fisch- und Räucherwaren werden weiterhin aus die Warenbezugskarte abgegeben, und zwar entfallen auf Abschnitt 122 1 Pfund Frischfisch und auf Abschnitt 123 Vi. Pfund Räucherwaren. Der Verkauf von Kerzen und Z ü n d h ö l z e rn in den städtischen Verkaufsstellen wird fortge- setzt. Es werden abgegeben auf Abschnitt II der Haushaltkarte 1 Kerze je Haushalt und auf Abschnitt 126 der Warenbezugskarte 2 Schachteln Zündhölzer. Britz. Lebensmittel. In der Woche vom 12. bis 18. August gelangen in der Verkaufsstelle der Gemeinde zur Ausgabe: auf die Britzer Lebensmittelkarte auf Abschnitt 6: 200 Gramm lose Suppen, Abschnitt 7: 1 Hering je Person soweit Vorrat reicht, oder% Pfund Scholle in Gelee für Haushalt bis 4 Personen, 1 Pfund Scholle in Gelee für Haushalt über 4 Personen oder zwei Dosen Fischkonserven, und gegen Abschnitt 8 und Vorlage der Milchkarte: 1 Paket Milchpulver. Auf Abschnitt 9:. 50 Gramm Aromapuddingpulver für Haushalt bis 4 Personen, 100 Gramm für Haushalt über 4 Personen; Abschnitt 10: 1 Dose Viandal Kraftcxtrakt mit 50 Proz. Preisermäßigung; Abschnitt 11: Sonder- Zuteilung; auf Abschnitt 5 der Eierkarte wird ein Ei verabfolgt. Die Abschnitte 332 bis? der hiesigen Kartoffelkarte verlieren mit Mittwoch, den 14. August, ihre Gültigkeit. Bis dabin stnd die Kartoffeln zur Vermeidung des Verlustes für die Woche bis zum 18. August beim Kleinhändler zu entnehmen. Diese Bestimmung gilt nicht für Speisebetriebe uich Militärurlauber. Die Abschnitte 34» bis g treten sofort in Gültigkeit. Die Kartoffeln hierauf sind bis zum 18. August zu entnehmen. Der Verbrauch der Kartoffeln darf jedoch erst in der Woche vom 19. bis 25. August erfolgen; Er- satz wird nicht geleistet._ Theater öer Woche. Das Theater der Woche. Volksbühne:„Sonunernachtstranm".— Kgl. Opernhaus: 17.„Meistersinger"; 18.„Hosfmanns Erzählungen": IS.„Figaros".— Kgl. Schauspielhaus: 17.„Journalisten"; 13.„Quitzows"------'• Ulf- O p e r n h a 15., 16., 18.„v»il„£,i|}.uitc.uuivu.- MJ K U l* s ch e s:„Der fesche Rudi".— K a m m e r s p i e I e: 11.— 13.„Tänzerin"; ab 14.„WeibStcusel".— L e s si n g:„Brüderlein fein"; 16.„Liebe"; 17.� 18., 19. �.Komtesse Mizzi",„Sittliche Forderung",„Partie Piquct".— Koni gar atz er:„Die süns Frankfurter"; 13.. 16., Ig.„Die Schwestern und der Fremde".— Schiller(Cbarlottenburg):„Alt-Heidelberg".— Berliner:„Blitzblaues Blut".— Residenz:„Flimmcrklärchen".— Trianon:„Lcbensschüler".— Künstler:„Hutmacher Sr. Durch- laucht".— Kleines:„Aristid".— Friedrich-Wilbclmstädt.: „Dreimäderlhaus".— Westen:„Inkognito".— Lustspielhaus: „Spanische Fliege.— Komödienhaus:„Zarin".— Rolleüdors: „Drei alte Schachteln".— Zentral:„CsardaSsürstin".— Neues Operettenhaus:„Das süße Mädel".— Thalia:„Unter der blühenden Linde".— Komische Oper:„Schwarzwaldmädel"— Metropol:„Rose von Stambul".— Palast am Zoo:„ÄrsegS- gewinnler"._____ Groß-Serliner partemachrichten. Groß-Serlin. Mittwoch, den 14. August, abends 8 Uhr, finden die regelmässigen Mitgliederversammlungen und Partei- zusammenkünfte statt. Die Bekanntgabe der Versammlungslokale erfolgt in der Tienstagnummer deS„Vorwärts". ___ Die Vorstände. Pankow und vmgegend. Dienstag, den 18. August, abends 8 Uhr, in der„Hütte", Breitestr. 16. Mitgliederversammlung des Wahlvereins. Tagesordnung: Die Jugendbewegung in Pankow, Referent Genosse W ei mann. Diskussion. Verschiedenes Gäste willkommen. Lichtcrfelde. Der nächste Leseabend der Frauen findet am Donnerstag, den 15. August, abends 8 Uhr. bei Drägert. Hindenburgdamm 45, statt. Vortrag des ReichstagSabgeordneten Heinrich Schulz über:„Die Frauen und die Be- v o l k e r u n g s p o l i t i k." Di« für Dienstag, den 13. August an- beraumte Mitgliederversammlung fällt wegen dieser Veranstaltung ouS. Die Mitglieder werden ersucht, im Leseabend zu erscheinen. Gäste herzlich willkommen. Jugenüveranftaltungen. Neukölln. Am Dienstag, obends 8 Uhr. im Jugendheim, Berliner Str. 86/87 pari: Mädchen. Abend. Hierzu find all- jungen Mädchen nebst ihren Freundinnen sowie deren Eltern, besondern deren Müttern, berzlich eingeladen.___ ZSetterauSstchten fftt das mittlere Siorddeutslbland vis Moutag mittag. Vielfach heiter, aber veränderlich, ohne erhebliche Riedelschläge; zunächst noch ziemlich kühl, später langsame Erwärmung. der WM MMSM-MM. Berwaltuigßftelle Berlin. St, Sinienstraste«S—«S. GeschästSzcit von 9—1 Uhr und von 4—7 Uhr. Telephon: Amt Norden 185, 1269, 1987, 9714. Dienstag, den 13. Angust, abends 8 Nh«, Branchenversammlung MIM. SesselsWM o. MnMtltec in BökerS Festsäle«, Weberstratze 17. Tagesordnung: 1. Bortrag des ReichstagSabgeordneten JSokel:„Das Arb eitSkam m ergesetz«. 2. Diskussion. 3. Branchenangelegen- Helten und Verschiedenes. raM- Zahlreiches und pünltlschet Erscheinen wird erwartet. 116/12 vis Ortsverwaltnne. äenfcaloecM im SWAWr Deiii. Zalilstclle IScrlin. Bureau; Sngelufer 14/15, Part.— Tel: Amt Moritzplatz Nr. 8430. Geöffnet: Vormittag von 10—12, Nachmittag von 4—7 Uhr, .... DienStagnachmittag geschloffen.===== Montag, den 12. August, abends S's, Uhr. im Gewcrkschaftshans, Engeluser 14, Saal 3: SlMtMllWAlW der MMM. Tagesordnung: 1. Beratung des von der Echlichwngskommisston aufgestellte» irist J. F. Alimann Buttergroßhandlung 42 Detailgeschäfte in Berlin und Vororte 3„ Teür. wöchentl. 1 11. Plomben l.SO. Goldin- .'»"■onen 18 M. Zahnziehen ra. Einspr. höchst ,r«"schmerzlind. Umarb.echlecbta.Gebisse. Rep. Zahnarzt W oll sof. Potsdamer Str.55. Hbchb. 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August IS18 einschliefflich. bat jeder, der im Gemeindc. bezirk Berlin Kartoffeln vom Kleinhünbler»» beziehen wünscht, seinen Bedarf unter Vorlegung feiner inil rinmeideadfchnitt vir- schenen Kartoffelkarte bei einem Berliner Kleinhändler zur iTin. tiagung in eine neue Snndenlistr anzuineldeii, AnSgenom. men sind diejentga«, die mit Lariofsel» versorg» find: diese dürfe» sich nicht»nr Knndrntiste anmelden. Alle diejenigen, deren Kartofseworral bei»rdnungtmäzigeni Ver- brauch nach üldianf der NntragungSfrift amgezchrt fein wird, erhallen bei ihrer Brotkommiffiou dir Kartoffel karten und einen Vordruck zur Nachanmeldnng. Tic dieherige Kundrnltste bebalt solange ihre Wirk- somkcit, bis durch besondere Nekanntmachnng dcS Ma- giftrar-? der verkauf auf«rand der neuen Kundenliste ungeordnet wir». Bei der Urnneldunq znr Kundenliste ist der a» jeder Kar- toffelkarie befindliche Annieldeabichnitl nach sorgfältiger Aus- füllung von Zlamc und Wohtmng deS Anmeldenden dem Klein- Händler einzuhändigen, Die Anmeldung darf durch ein HauShallunzSmitglied auch für die übrigen Mitglieder deS HauShaUS erfolgen, ES dürfen nur soviel Personen in die Kmldcnlific ein- getragen werden, als Anmeldcabjchnitie übergeben find. II. Die Bestimmung zu I findet auch auf HotelZ. Schank, und Tpeifewirljchafien, Pcnfionnle, PrivaimiilagSiijche und andere für die Bewirtung von Personen eingerichtete Beiriebe, ferner auf Krankenhäuser, Lazarette, Gefängniffc, ErzlehungZanstaltcn, wohltätige Einrichtmigen, Kantinen gewerblicher Betriebe, n»d andere BcrpflegungSanflalten Anwendung, soweit sie nicht etwa mit Kartoffeln verforgt find und soweit fie ihren Kmlon-lbedarf beim Kleinhändler decken. Die Inhaber oder Leiter dieser Bci'.iebc haben bei der An- Meldung eine Bescheinigung über die viihe ihtcS SSochtnBebarj? vorzulegen, die fowcii die Karlostelbezugicheiue von den Gast. wirtökommifiiourn anSgeiielll iverdcn, von dem Obmann der zuständigen GastwirlSkoimniiion und soweit die Bezngfchcine unmittelbar vom Magistrat, Adtrilung für«artoffetversorgung. ausgegeben ivcrdrn, von dieser anSgesteUt fein müssen. Beziehen die vorgenannten Betriebe ihren Bedarf un- mittelbar vom stiroffhändler. so hat die Annieidung zum Bezüge beim Magistrat,«dteilun, sbr Kartoffelvcrsorgniig. Schickicrstr. S, schriftlich zu erfolgen, und zwar unter Einsendung einer schriftlichen Erklärung deS Großhändlers, daß er die Lieferung übernimml, und soweit die Kartoffeibezugscheine von den GailwirlSkommisfionea in Empfang genommen werben, unter vefsügnng einer chheschriaigang de» Chuinnnc «der die©ohr de»»ariofkelwocheadedarf». III. Die Amveldesrist für Nntragung zur Kunbeiiliste muß un- bedingt eingehalten werden. Eine Verlängerung der Frist sindcl nicht statt,«nne Scrsäumun,»er Anmeldefrist bai den Ausichluf« des Kartoffelbezuge« vo» einrm Berliner Händler bis auf weitere» zur Ztzolge. Ausnahmen können vom Magistrat, Abteiluug für Knrtonclvrrforguug, auf Antrag zugelassen werden. Die Anträge sind» u r schriftlich unter Darlegung der Gründe für die Versäumnis der Eintragungssrist an den Magistrat. Abteilung für Kartoffelversorgnng. Schickler. straf, e 5, zu richten. � Kur Auslegung der Kundenliften sind nur diejenigen Klein- Händler befugt, die zurzeit Kartoffeln im Kleinhandel abgeben. und die sich dem Magistrat, Slbteilung für Kartoffeivcrforgung. gegenüber fchrijtlich verpffichiet haben, mindestens die Menge Kartoffeln sachgemäß einaniagern, die sie zur Befriedigung ihrer «uiidfchast für eine Woche benöiigen, Tie Kundenlif-e ist vom Klcinhändler m zwei Eremlilaren auszustellen uno beide lijcm- xlare sind mit den geiummelien Anmeideabschnillen mid Be- ichenügiingen— II dieser Verordnung— am 1«, August von 8 hjS 1«hr, am 39. bis Ül.«uguft von 8 Uhr morgen« di« 7 Uhr abends beim Magistrat. Adteilung für Kartoffclversorgung. Echicklerstr,■>. bezw.«n Laden Schicklerstr.« abzugeben. r. Jfm übrigen bleibt die Serordnung vom 3». Dezember 393« betreffenb Einrichtung von Kundenlislen für ben Absatz von Kartoffeln durch den Kleinhandel unberühit. Berlin, den 7, August 1818,. Magistrat drr König!. Kaupt- und Krstdenzstadt. Zgeb, ZIr. 837, Kart. 18. Keilte. Svrecbtt: 9-1 n. 3-7. Telephon „, Nord 10604 mit echt Friedensknutschuk. I 8 Jahre Sar. Natürl. Färb. u. »» Form, in kllnstlorischer AusL oll Zahmichen fast schmerzlos u.b.Bestell.v.Gebissen gratis. Spez.- IM M KUMMe. �bTeiiilie�: ZaiipritsMiSH ZshnsJ.S. Sie StoSkraft birgt den Erfolg! Strobel's D. R. G. M. verstellbare Metallschutzkappen Spitzen nnd Absätze Anwendung CXRS.M. daher aoentbehrlicb bei der Erhalfang sämtlicher Damen-, Kerren= und Kinderschuhe, Kriegsschuhe mit Holzsohlen, Sandalen, Kein Durchlaufen der Spitzen und Schieflaufen der Absätze mehr! : SchüM& Co., CeÄrg LI Zur Herbstmesse Leipzig„Hansa1, 4. Stock, Stand 437a. Alleinige Fabrikanten w Die MWkiüUe Miie- 03n-®?no0eolfl!af! c. 0. m, b. S). i-stanzt für ihre Mitglieder Gsmüse und verteilt dasselbe in ihren Berleilungsstellen unter Höchstpreis, nnr an ihre'Mitglieder. 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Aus die Kinderkarte werden 1'/, Psd. Kartoffel» verausgabt. II. Die Karioffcln sind gegen Abtrennung der 10 Abichmtte der Berliner Fleifchtarie bei dem Kleinhändler zu entnehmen, bei dem der Karteninhaber in die Kundenliste für Kartoffeln ein- getragen ist. Wer die Fleischkarlc gegen Bezugscheine als Ersatz für die ZIeichefieifchkarte aus Graupen oder Teigwaren nmgetgufcht hak, kann die Kartoffeln gegen Abgabe deS Hauptftückc» deS Bezug« icheineS enlncbmc». In diesem Falle darf die Abgabe der für die Woche vom 26. August bis 1. Sepiembcr 1918 bestimmte» Graupen oder Teigwaren ohne gleichzeitige Vorlage deS Haupt- stückcö erfolgen. III. In Gast«, Schank-, Speiseivirtschaslen, Pcnnonaten, Privat- mittagstischen oder anderen für die Bewirtung von Personen eingerichteten Betrieben haben die 30 Abschnitte Nr. 34 der Berliner Fleischkarte gleichfalls Gültigkeit. ES dürfen, wenn die Kartoffeln nicht aus efmnai entnommen werden, in den ge» nannlcri Betrieben aus jeden der 10 Abschnitte ll, Psd. Kartoffeln im einzelnen abgegeben und entnommen werden. IV. Zuwiderhandlungen gegen diese Bestimmungen werden gc« maß«f 17 der Verordnung vom 14, September 1917, betreffend Regelung des Verbrauches und Absatzes von Kartoffeln, bestrast. Berlin, den 9. August 1918. UaqiSrat der Köuigl. Haupt- uud Kkßdku;kadt. ?..Nr. 869 Kart. 18. meide._ Rote-i- Lotterie Zähne von 3,50 fiflark spez. Kronen, u aaumenlosen Zabnersatz. Zahnziehen, plombiere!!. Dentist KS. Pinsky, f"°ch? r Villen-Grandslilcke � in der Garton Stadt Falken- hagen-West, dir. a. Buhnh. Seogoiold. nächste Station v. Spandau, aur Anlage v. Obstgarten. Best. Qarten- u.Geiuäseland,a. gepflast. Straße, mit Gas- und Wasserleitung, Auch Wnld- grur.dstücke,[jlv. T. 25 M. aufwärta. Auskünfte am Bahnh.Seegaield u. bei d. Eisen&GsseüÄ Berlin NO 43.* �Neu�Königs�nßel6�� Meine- Damen! 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August nachm. 3, abends 7'/, Uhr 2 große ungekürzte Festaufführungen „Torpedo— los!" Das gewaltige ManegeKChaiiMtlich. SU Artisten in der Luft SO Nachmitt zahlen Kinder halbe Eintrittspreise. Vorverkauf Zirkuskasse u. Wertheim. Dienstag, den 13. August: Festauffübruiig zugunsten der Hinterbliebenen d. Besatzungen v. U-Booten, Minensuoh- und Vorpostenbooten. Reichsliallen-Thsater. AllabendHch 71/, Uhr: Casino- Theater. Lothringer Strafte 37. WledererUlfnung: Freitag. 16. August.'(,8 Uhr mit der neuen Berliner Posse Mit Wim! MM! und ersttsass. Tpezialitäten. Vorverkauf täglich v. 11—2 Uhr. U.T Nuriürftendamm Herrin ihres Geschkks U.T Rollen dorlptatz U.T Alexandervlatz Der Bettler von Savern von Franz Hofer Ü,T Hasenheide Ü.T Neinickendorser Siraße Berier Pniier-fcfer Kastantenallee 7— 0. Täglich 5 Uhr in vollständig neuer Bearbeitung: W MWüiMeker. GroftePofsen-Reone in 5 Bildern Dazu die groBart. Spezialitäten Ädmiralspalast. Heute 2 Vorstellungen 4 u. 7'/. 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Lemke Das erstklassige Eröffnungs- Programm KUnstler-Kapelle Gute Getränke Sie spielen sofort == MANaOLINE=3 t.au.e, Gitarre Preis Ji 3.50 f. i.Instrument. flPßSSEl-SitfiJiep,:"TMurt . Hohenstaufen-Straße' 21. unzen laaüBsil.Miiiuecliii!?., . Ber::ii)Wiliielraslr.46;47 = Täglich s Hcnte 1 Fern Andra Ii Nobatm-StranN-Abend Drohende Wolken am Firmament li.T Unter de»i Linden Sex» Äldnimtist von Heinz Karl Heiland U.T Weinberstsweg Die Sprache der Vergangenheit Ü.T Motiyvla? Fasseifa der tästht U.T Schoueterg- Hanplurahr Der Liebe und des Blutes Kraft IoekdrKuers»(jetzt Patzenliofer), Cha,,ssec- h straBo 64. 7.,ruhr: Erstklassige Orehester-Konzeile! GROSSER 4-11 Uhr des Internationalen Tonkßriütler-Orchosters Zum Vortrag gelangen die bekanntosten Kompositionen dos berühmten Komponisten und Wiener Walzcrkönigs f 1899 unter der meisterhaften Leitung von Bertrand Sänger. IHr. Tonkünstlefheim, Autrsburger Str. 74. Oranien-falast Oranieostr. 40— 41 fOranienbrücke) Rouasert-Kaffec-Kahapett. Ai-tur Zahle.— Eric n. Nohn. Paul Charten.— Huschi Vesta.— Clemens Kaufung. Gr. Kapelle Dirk van Erp. 11231 1. Steak WeisktssM mit Barfclfett, Alexander pl&fc faankfarf er Allee Damenwäsche Woöeflßut- Thisftelfung tfegante Samme(-7jli!e— Große TluswaQt Velour- Tjüte Damen-Hemden, ,-f,ns,°?s mit Etickerei garniert........... Damen-Beinkleider, Etoff mit Stickerei garniert, 27°°bi.IYs° 17°°bi.Z2-° Damen-Hemden, BaiW»«?.??so reich nüt Spitzen und Stickerei garniert. w« O/ Damen Beinkleider,-7*50.. i�co Batistsiofs mit Spitzen u. Stickerei garn. bis Stickerei-Nöcke. �o/e„ �750 reich gornitrt..............' dÖ'" i« 0/" Antertaillen. Batiststoff ojo,. iqeo ig«»schieden s» Aussiihrungen...... O eis Batist-Nachthemden »ge»«nd veefch�i in«>i«a»I,u«uisichrunze» ?»denen peeltiaj«» Strnmpswaren Herren-Socken m-d-s�ig. I»i>i taueehns!.............. Herren-Socken sraamelltr»<75Q geslrickt......................« Herren-Socken«-»m«»-. 475 schwarz und farbig................ 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Rixdors. Qirke, Alfred, Dreher, geb. 22. 0. 93, Berlin. Qörner, Paul, Dreher, geb. 10. 6. 91, Mallmltz. 'Hellwig, Paul, Schlosser, geb. 4, 11. 72, Osterode. v. d. Heyde, Adolf, Dreher, v geb. 6. 1, 83, Hannover. v Hoffleidt, William, Dreher, geb. 13. 1. 99, Berlin. Hüber, Maximilian, Arbeiter, geb. 2(3. 3. 84, Ebenhausen. v Jaeger, Walter, Schleifer, geb. 29. 6. 96, Berlin. Jahnke, Wilhelm, Schlosser, geb. 17. 8. 80, Göritz. Klinke, Georg, Mechaniker, geb. 1. 8. 84, Dresden. Krämer, Emil, Klempner, geb. 14. B. 71, Fürstenwalde. Rockstroh, Hermann, Arbeiter, geb. 29. 3. 74, Leopoldshagen. Schulke, Rudolf, Rohrleger, geb. 21. 8. 78, Gruna». Stadir, Max, Schlosses geb. 20. 6. 91, Lichtenberg. Stamm, Hermann, Former. geb. 22. 5. 73, Sllb vechtäborf. Ehre ihrem Andenken! ilo/u Die Ortsvcrwaltung. MÄ ZK MMN «WM. : TcrtvaUans CJroß-Bcrlin.- e.G. m b H., Bcrlin-Liclilenborg. RiHergutstr 16/26. Todes- Anzeige. Bei der am B. d. Mls. in unserem Verwaltunas- ncböube stattgesundenen Explosion ist die am 3l. Juli 3885! geborene, seil dein 11. Okiober ISIB bei uns bejchästigte] Fr«. Franziska Nacloll wohnhast Berlin, Pettenloserstr. LS,. ! tödlich verunglückt. 104/18> Ihr vor dem Kriege bei uns beschästigter Gälte ! verstarb am 4. März 1916 in einem Lazarett zu KönsgS- ! Berg. Nun hat sie ihr Jleben in dieser tragischen Weise> abschliesien müssen. Wir verlieren in ihr eine eisrige j � und gewissenhafte Arbeiterin. GleichsallS tödlich Berunglilit ist der am 11. März I 1855 geborene, feit dem 6. Dezember 1917 bei uns bejchästigte Schlosser Herr Otto Krclmjuiu wohnhast Berlin, Neue Schönhauser Str. 1. Während Frau Nadoll ihren Verletzungen erst vier! mden nach der italigesundrnen lk""�' erlitt Herr Erdmann einen sosortlgen bei der Verrichtung ihver Tättglett vom Tode überrascht. Als weitere Opser deS Weltkrieges sind solgende Kollegen gemeldet: Ujlkelm LfSdoV, Bezirk Erkucr. Paul geinriell, Bezirk Erkner. kiedApll Siegln, Bezirk Osten. FenlillSIld Scllült, Bezirk Osten. Franz Donig, Bezirk Norden. Felix Lempaehowski, Bezirk AdlerShof. Gusla? Krey, Bezirk Cöpenick. Ehre ihrem Andenken! ! 55/10 Die ze«» iwW<>rkliMlel-llM«i>. Bezirk Grois-Berltn.- Folgende Kollegen sind im Felde gefalle«: Hermaua kischof, GeschäftSdiener. Max Breuer, Lagerarbeiter. Hermann Fix, Kohlenarbeiter. Otto Fröbe, Jndilstricarbeiter. Richard Gabel, Droschkenchanffeur. Willi Hauff, GeschäftSdiener. Otto Hübner, Handtnchfahrer. Richard Jacht, Industriearbeiter. Alfred Klauke, GeschäftSdiener. Fritz Müller, GeschäftSdiener. Ludwig Nikolay, GeschäftSdiener. Bernhard Otto, Müllkutscher. Gustav Rohloff, Kellerarbeiter. Paul Saewert, ArbeitSkutschcr. Adolf Specht, Packer. Alwin Sprung, Kellerarbeiter. Franz Schlüter, Industriearbeiter. Eugen Schubert, GeschäftSdiener. Albert Schulz, Industriearbeiter. Max Schadow, GeschäftSdiener. Wilhelm Schultz, GeschäftSdiener. Paul Schulze, Bicrfahrer. Hans Stratzkowski, GeschäftSdiener. Max Tyssat, GeschäftSdiener. Paul Uka, Fensterputzer. Paul Ulfert, GeschäftSdiener. Adolf Zipprich, Droschkcnchauffenr. 63/3 Ehre ihrem Andenken! ltztv tztoziiHtaloltanLs. Während Frau Nadoll ihren Verletzungen erst vier W Cm AtviMlfMami tunden nach der italtgesundcnen Explosion erlegen ist, KPgl iv f! i. Z I ß I Sl I Li litt Serr Erdmann einen sosortlgen Tod. Beide wurden M**»*■*• (Dir werden Ihnen ein ehrende» BndenKcn erhalten. I>er Voratand und Aufslchtsrak. Die Beerdigung sinbet für beide am Montag, den 12. d. M., vachmiiiag« bll, Uhr, vom Leichenhause � > des Gememde-FriedhoseS Beriin-Lichtenberg, Bornitz- stratze, au» statt. Dr. med. Haschd, Ffi8dri&hstr.90gVÄnb. Behaut l. vonSyvbiliS. Haut» Harn-, Frauenleiden, ipcz.: chron. Fälle, schmerzlose.türzcste Behandlg. ohne BerusSilörung. Blutuntersuchung. Mäh. Preise Teilzahlung. Sprechstunden 11 bis l und b— 8, Sounl. 11—1. Spezialarzt Dr. med. l-aabs beb. schnell, grllndl., mögt. schmerzlos in ohne Berussstör. lieaestsoobtikrankbclt. gsiiolme Haut-, Harn-, t-'rsusntsiltan, Lvdrellasia. Erprobleste Melbodev. Harn- und Biutuntersuchung. Ktoiplr. SÜSS, mÄi Spr. 10— In. 5—8, Sonnt. 10— 1 «nD oenonnölen Setüfe, Beüio, Den Mitglieder-» macheil wir die traurige Mitteilung, das, solgende Kollegen als Opser des Krieges zu ver- ßj zeichnen find: Franz RewSeng�«»drucker, verstorben am 4. Juli in einem Reserve- Lazarett an Lungenleiden. WaZisr FiemnAßNJ, gefallen am 15. 6. 18 durch ArMeriegeschoh. Paifil WGgJRör j Photograph, am 21. 7. 18 durch Fliegerbombe verwundet und am 5. 8. im Kriegslazarcit verstorben. Ein ehrendes Andenken ist ihnen gesichert. 108/15 Die Optsrerwaltnng. DlUij-sagllug. � Für die liebevolle, herzliche Zellnahme und zahlreichen Blumenspenden-bei der Beerdi- gung meines lieben Mannes, unseres lieben Sohnes Kruno XVsKner sagen wir allen Beteiligten, ins- besondere den Sängern, den Kollegen dcrFirmaUlistein u.Ko.. dem Verband der Chemigraphen, der Fuschusikasse derll'hlozravhen. den Mietern de? Hauses unseren herzlichsten Dank. 2909b «argaeoie Wagner als Frau. Oskar Warjnor u. Frau als Eltoru. Familie hüiller alt Schwiegereltern. KeWgmeia„Inunepgriin" Tegel. 57/13 Am 18. Juli fiel im Westen unser lieber SangeSbruder ilZols lZrSU. Wir verlieren in ihm einen eifrigen und guten Sanges- brnder. Wir werden ihm ein ehren- des Andenken bewahren 1 verband derssbriksrdelter| lZeuttchland». Verwaltung Groß Berlin. ?Im Mittwoch, diii7.Ailgust, s verstarb unser Mitglied /UM Klein. Ehre seinem Andenken 1 Die Beerdigung findet am j Sonntag, den 11. August, I nachmittags 3 Uhr, von der j Halle des BorsigwaldcrFried- hoses aus statt. 53/9 1 Um rcgc Beteiitgung ersucht s Die Ortsverwaltung. I 5djwimmvcrcin„Vorwart5" Berlin 1897. Xaehrnf! Als Opser des Weltkrieges starben unsere Schwimm- 1 genossen 287/3\ Karl KreKt Abi, Ratiborstrasie, Wülielm Misch ?lbt. Gcrichistrasie. Wir werden ihr Zlndenken s in Ehren halten. Der Borstand. Allen Kolleginnen und Kollegen die traurige Mitteilung. das) dem Unglück in unserer Zentrale die Kollegin Franziska Natlol! und der Kollege 290lb Otto Erdmann zum Opser gefallen sind. Ehre ihrem Audenke«! Die Beerdigung findet am Montag, den 12. August 1918, nachmittags 5'/, Uhr. vom Gemeindc-Friedhos, Lichten- berg, Bornitzstrnsie, aus statt. Das Qssamt-Personai der Konsumgcnossenschait Berlin und Umgegend. veuttider Cratuportarbciterverband. BezirkSverwall. Grog-Berlin j Den Mitgliedern zur Nach. licht, dag unsere Kollegin, j die Lager arbeilerin Franziska Nadoil von der Firma.Konsum- genossenschajt Lichtenberg am 5. August im Aller von! 32 Jahren verstorben Ist. Ehre ihrem Zlndcnkcn! Die Beerdigung finde! am I Montag, den 12. August. nachmittags 5'/, Uhr, von der| Leichenhalle des Gemeinte- sriedhoseS, Bornitzstratze, aus I statt. 63/1 Um rege Beteiligung ersuchl j Dia Cezirksyerwzltung Sitz Berlin. Gegr. 1905. Am 7. d. Bits, verstarb unser Mitglied rrnu Marie Werk geb. Werlitz. Ehre ihrem Andenke»! Die Einäscherarng findet am Montag, den 11. d. MlS., nachmittags 2 Uhr, im Krematorium Gerichtsir. 37/33 stall. � 298/13 Um zahlreiche Beteiligung bittet Iber Vorwtzsnd. Erfinder während des Krieges growHO Erfolge! Rat zur Verwertung von Erfindungen kostenlos, Norddeuklsches Patentbüro, Äeltestes Bureau Berlins, Berlin, Friedrlohstr. 9 9—6, Sonntags 11—1. 10671/ Infolge Unfalls im Zirkus „Sarrasan!" starb ganz Plötz. I iich und unerwartet unser I lieber Sohn und Bruder, I Schwager, Onkel und N-ffe j Bruno M elzner Gubener Sir. 8, im Alter von 27 Jahren. 2S02b DieS zeigen um stille Teil- nähme bittend an Die tieibelrüdten Eltern und Essotiwister: Otto Metzner und Frau geb. Schöneberg. Willi Metzner und Frau. Gertrud Metzner. Erwin Metzner als Neffe. Die Beerdigung findet am DicnSIag, den 13. August, nachmittags 21/« Uhr, von der Leichenhalle öcS Markts- Kirchhofes, Wilhclmsberg, aus statt. Erlinder bedienen sich z. Anmeldg. u. Ver« kauf ihrer Erfindungen, Ideen eines PaientsachmanneS* Rat u. Auskunft kostenlos! Erfolg: u. a. Verlaus 1 Patentes durch unseren Miiarbeiler für TW ovo m. V.£rdmannvas die äußeren(ihr heimlich bei» bündeben) Feinde mit allem Aufgebot ihrer Waffen nicht erringen konnten? sie liefert die ungeheuren Geldmittel für die großartige Propaganda der»Frankfurter Zeitung", de»»Berliner Tageblattes", de»„Vorwärts" und ähnlicher Blätter? sie will vi« Herrschaft de» Großkapitals, stellt sich aber, al» bekämpf« sie es und wolle das Volt befreien." Harden fordert uns auf, den Fürsten wegen dieser Vor- leumdung zu verklagen, übersiebt aber dabei, daß auch Herren» hausmitglieder das Recht der Immunität genießen. Man wird b"i dieser Gelegenheit auf ein sehr sonderbares Borrecht der geborenen Herren Gesetzgeber aufmerksam. Der Abgeordnete genießt zwar gleichfalls die Immunität, untersteht aber der Kontrolle seiner Wähler: diese können einen Mann, der sich durch schmutzige Lügen verächtlich gemacht hat, bei der nächsten Wahl zum Tempel hinauswerfen. Ter Herrenhäusler verdankt aber seine lFmmunität einfach seiner Geburt oder Ernennung und hat zeitlebens deS unbeschränkte Recht, gegen seine Mit» menschen die blödsinnigsten Verleumdungen auszustoßen. Da- gegen gibt es dann keinen anderen Schutz als die Verachtung, die man seinen Pchwätzereien entgegenbringt. der Zwiespalt im Zentrum. ixer hetzende Freiherr» StegerwaldS Isqhnenerhebung. Der landwirtschaftliche Großgrundbesitz und die Fndustri«. arbeiterschaft haben sich in der Zentrumspartei stet» beson» derS schlecht unter einen Hut bringen lassen. Di« Schuld lag nicht bei den Arbeitern? denn diese haben stet» mit der ihnen anerzöge» nen Demut und Entsagung ihre Eigeninteressen auf dem Altar der agrarischen Begehrlichkeit geopfert, aus Liebe zur gemeinsamen Paxtci. Lange vor den Abstiminungen über die preußische Wahlrechte- vorläge haben die katholischen Arbeiter» und die christlichen Ge» werkschastSorgan« dem widerstrebenden agrarischen Flügel der ZentrumSfraktton«indringlich g«nug zu Gemüte geführt, daß man, der Ldpfer eingedenk, die die Arbetteranhänger der Partei stets zugunsten anderer Stände, besonders deS bäuerlichen, gebracht hätten, nun zum Donk und überdies getrea der»programmatischen Forder>mg" dem gleichen Wahlrecht zustimmen möchte. Der Erfolg dieser kindlichen Zumutung ist bekannt: ein volle? Drittel der Zentrumtfraktion«rwisK sich al? Feinde des gleichen Wahlrechts. Ter Adel und das Agraviertum im Zentrum denken gar nicht daran, den Arbeitern entgegenzukommen. kZetzt ist endlich einmal dem Blatt der katholischen Arbeiter- Vereine, der»Westdeutschen Arbeiterzeitung", die Göll« übergelaufen. Ter Vorsitzende des im klerikalen Fahrwasser treibenden Rheinischen Bauernverein». Freiherr V. L o e. wird von ijhr angegriffen, weil er in Köln auf einer Generalver- sammwng der Bauern„wieder einmal eine jener sattsam bckann- ten poktttsterenden Reden gehalten hat, mit denen er den rhetni« scken ProvinzialauSschuß der Zentrumspartet zu langweilen(I) pflegt". Ein Teil dieser Reden sei allemal darauf angelegt,»die Landwirte gegen dt« Industriearbeiter, deren Beivsgung und Füh, rer, sogen wir es offen: aufzuhetzen(!)". Jetzt habe er. wie er auch vordem schon in geheimen Denkschriften getan, die„Westd. Arbeiterzeitung" bezichtigt, geschrieben zu haben: die Landwirtschaft habe»während dieses Kriege» mit ihrer Hinte» ren Front gegen das Baterland, mit der vorderen gegen den heimischen Misthaufen gestanden". Das Blakt verlangt von dem freiherrlichen Parteibruder, endlich einmal zu sagen, in welcher Nummer und in welchem Zusammenhang der Satz in der»Westd, Arbeiterzeitung" gestanden Hab«; dann werde sie sich weiter mit ihm unkerhalten. TaS nämliche Blatt stellt in Aussicht, daß es auf die bekannt« Kölner Rede Stegerwald« zurückkommen werde? die Red« werde binnen kurzem im Druck erscheinen. Es ist im allgemeinen angenommen worden, daß Stegecivald» rücksichttlos« Angriffe auf die Politik und Verfassung der eigenen Partei sich an die macht» habenden Kreise im Zentrum gerichtet hätten und gewissermaßen eine Flucht in die Oeffcntlichkeit darstellten. Denn Stegerwald gehört selber zur Parteileitung und hat an der Ausarbeitung der erst vor wenigen Wochen veröffentlichten Richtlinien, dem„neuen Zentrumsprogramm", hervorragenden Anteil genommen. Es läge die Vermutung nahe, daß er dort mit seinen Forderungen nicht genügend Entgegenkommen gefunden hohe. Für denjenigen indes. der ein wenig tiefer in daß klsritalc Getriebe hineinblickt, hat ein« andere Erklärung mehr Wahrscheinlichkeit für sich: Stegerwald ist in erster Linie Führer der christlichen GeWerk schaf, t e n, und als solcher weiß er allzugut, in welchem Umfange die vier Jahre Weltkrieg auch unter der bisher zentrumstreuen Ar. Heitexschaft revolutionierend gewirkt hat. Er sieht die bisher als gegen den sozialistischen Bazillus für immun gehaltene katholische Arbeiterschaft in Massen der Sozialdemokratie zuströmen oder grollend beiseite stehen. Und da sollte seine in ihren Formen und Forderungen über die Maßen rücksichtslose Krittk an der Zentrums- Partei dem aufsässig gewordenen Anhang sagen, daß die christlichen Arbeilerführer alles daransetzen würden, um auS dem Zentrum eine wirkliche Volkspartei zu machen. Vorläufig zeigt di« Zentrumspresse indes noch wenig Eni- gegenkommen gegenüber Stegerwalds Kritik? man begegnet ihm nicht direkt unfreundlich, beobachtet aber im allgemeinen dt« Taktik der elastischen Front. Erhöhung öer Nilchpreise. Offiziös wird gemeldet: Tie Eingriff« in da» Milchvieh zum Zweck« der Abschlachtung, der über alle» Erwarten un. günstige Ausfall der vorjährigen Futtermittel. ernte und die damit zusammenhängende große Futtermittelnot, sowie sonstige bekannten Ursachen haben zur gegenwärtigen Knapp- heit an Milchprodukten geführt. Eine weitere Einschränkung der Milchwirtschaft ist durch das Mißverhältnis zwischen Produktions- kosten und den festgesetzten H ö ch st p r e i s e n, insbesondere durch die bei Abgabe von Schlachtvieh und Ncueinstellung von Milchvieh entstehenden Verluste gerade in diesem landwirtschaft- lichen Betriebszweige herbeigeführt worden. Um die Milchwirt- schaft einigermaßen zu stützen, haben die Ueberschuhprovinzen sich notgedrungen entschlossen, ab 1. September Erhöhungen der P o l l m i l ch p r e i s e um zirka 10 Pf. pro Liter vorzunehmen. Im Anschluß hieran mußte die Sorge für die Aufrcchterhaltung der Milchzufuhr nach Groß-Bcvlin eine Erhöhung der Erzeugerpreise auf 4K Pf. für nach Berlin gelieferte Milch von gleichem Termin ab nach sich ziehen. Wie wir von zuständiger Stelle erfahren, ist ein« entsprechende Bctauntnrachung in nächster Zeit zu erwarten. Für die BollmilchversorgungSberechttgten. zu denen insbesondere die kinderreichen Familien gehören, soll jedoch eine Mehr- belastung nach Möglichkeit vermiede» werden. Es wird daher vor- aussichtlich der gegenwärtig gültige Milchkleinhandelspreis nur u m wenige Pfennige erhöht und der wesentlichste Teil der Preiserhöhung auf andere Weise gedeckt werden. das Spstem drettreich. Ein Notschrei ans Bayern. Unser Nürnberger Parteiorgan, die»Fränkische Tagespost", veröffentlicht ein Malmwort an die Behörden, in dem es heißt: „Di« bayerischen Städte und ihre vorwiegend mit Arbeitern bevölkerten Vororte leiden heute schwer unter dem System der Halbheiten in der Lebensmittelversorgung, sie empfinden es ebenso wie die norddeutschen Jndustriebezirke. Das verdanken wir dem System Arcttrcich. Was ist daSj System Brettveich? Di« restlos« Nachgiebigkeit dcn Agrariern gegenüber. Die Wehrlosmachung aller Behörden, die gegen di« pflichtvergessenen Landwirte, gegen die Gutsbesitzer, wie gegen die Bauern mit dem Zwange vorgehen wollen, damit stc ihrer Ablieferungsfrist genügen. Di« passive Resistenz der Bauern, die 499 999 Stück Vieh zum Schwarzschlachten vorkauft haben, die sich weigern, die vorgeschriebe- nen Mengen von Eiern und Rrlch abzuliefern, zwang die städtische Bevölkerung zum Hamstern und ließ den Schleichhandel zu phan- tastt scher Blüte kommen. Die Hamsterei und der Schleichhandel sind ein schwere» Ucbel. da» jede Rationierung unmöglich machte. Deshalb muß den Schleichhändlern ihr dunkle» Handwerk durch rücksichtsloses Vorgehen der Behörden gelegt werden. Die Hamsterei ist nur aus der Welt zu schaffen, wenn der Bevölkerung die er- forderlichen Lebensmittel beschafft werden. Die Behörden, denen tede Fühlung und jede Kraft fehlt, lassen die Flügel hängen und alle« laufen, wie e» eben geht- Mögen unsere großen Städte und unsere Industrie von Er- schütteriingen frei bleiben. Das ist aber nur möglich, wenn mit dem System Brettrrich Schluh gewacht wird. Herr v. Brettreich ist bekanntlich der bayerische Minister, der so ängstlich darum besorgt ist, die Berliner vor den ge- sundheitsschädlichen Folgen eineS überreichlichen Fleischgenusses zu behüten. « Zur unerquicklichen Streitfrage„Bayern-Berlin", deren Erörterung wir hiermit zum Abschluß zu bringen hoffen, schreibt der Nürnberger„Fränkische Kurier" folgende Worte deS Ausgleichs und der Versöhnung: „Von unseren Landsleuten, die nach Norddeutschland zu reisen gezwungen sind, wissen wir alle, wie eS dort in bezug auf die Er- nährungSverhältnisse««sieht: ohne Frage in Berlin und in den großen Industriezentren Westfalens und des Rhetnlmrd», Sachsen» und de? übrigen Mitteldeutschland»-viel schlechter als I« den grvfien Städten Bayern». Wie teuer und schlecht man z. B. in Berlin lebt, davon hören wir alle diejenigen erzählen, die geschäftlich nach Berlin fahven müssen, imd solche Leute gibt c» auch in Bayern gerade genug, ja. e« ist sogar fraglich, ob nicht der GeschäftSver- kehr'n Berlin dem Erholungsverkehr von Nord- nach Süddeutschland, bzw. ob nicht der Fremdenverkehr in Berlin dem ganzen bayerischen Fremdenverkehr die Wage hält. Berlin hat also ebenso wie Bayern große Lasten infolge des Fremdenverkehrs auf dein Gebiete der Ernährung zu tragen. Nun ist der Stadt Berlin das Recht zugestanden worden, auch im gegenwärtigen Versorgungszeitraum jedem Vcrsorgungsberech- tigten eine Wochenfleischmenge von 259 Gramm zu verabreichen, also S9 Gramm inehr, als im übrigen Deutschland nach den Reichs- besttmmungen gegeben werden darf. Hiergegen hat Dr. v. Breit- reich, der bayerische Minister de» Innern, in aller Oeffentlichkeit entschieden Einspruch erhoben und verlangt, daß'm Bedarfsfälle auch den größeren bayerischen Städten ln gletchec Weise entgegen- gekommen werde. Da« letztere ist ganz gewiß nur«in« billige Forderung. Aber im übrigen vermögen wir den Protest de» bayc- rischen Ministers nicht mit dem Geist de» Gedanken» der gleiche« Rot und des gleichen Brotes zu verrinige«, denn es ist notorisch, daß uro n in Berlrn trotz der gleichen Ratio» nterung sehr viel schlechter lebt al» in Bayern. Wenn wir wirklich gerecht sein wollen, dann müssen wir bekennen, daß wir in Bayer?: Gott sei Dank immer«och besser leben als die Berliner, daß die Verhältnisse von Berlin nicht denjenigen von ganz Deutschland gleichzusetzen sind. Und deswegen haben die Berliner zur Ausgleichung an dl« allgemeinen Verhältnisse auch einmal den moralisch«» Anspruch auf eine außerordentliche Zuwendung." ES ist dazu zu bemerken, daß diese Mahnung zur Gerechtiq» kttt auS einer Stadt kommt, die. wie der Ausruf unseres dorti» gyn Parteiblattes zeigt, wahrlich auch nicht an Ueberfluß zu leiden hat. während der Protestschrei des bayerischen Mi- nisterS von einem Geist inspiriert war, der in recht wohlge- nährten Körpern seinen Wohnsitz hat. was jetzt noch möglich ist. Tie Wirtschaft im Mayener Kreise. Au» dem Rheinland wird uns geschrieben: Ihre jüngst veröffentlichte Mitteilung, daß das LebenSmittel- amt in Mayen Zucker unter der Bezeichnung„Aktendeckel zum Einstampfen" zum Umtausch gegen Tabak versandt habe, läßt nur eine schwache Ahnung der schweren Mißstände in Mayen zu. ES schwebt nun ein Untersuchungsverfahren gegen zwei Bei- geordnete und den Vorsteher des LebenSmittelamteS. denen unter gewichtigem Beweismaterial vorgeworfen wird, sich und andere auf Koste» der allgemeinen Lebensmittelversorgung mit besonders ge> suchten Lebensmitteln versorgt zu haben. Solche„Liebesgaben" wurden unter anderem mit Vorwissen der verantwortlichen Be- Hörden an Offizier« benachbarter Garnisonen gespendet. Für dies« Herrschaften war au» den LebenSmtttelbeständen zu haben: Zucker, Butter, Wurst, Fischkonserven, Oek, Haferflocken, Heringe. Seif«, Bohnen, Erbsen, Schokolade, Fett, Mehl usw. Dies« Miß- stände bestehen seit Jahren. Sie kommen jetzt ans Tageslicht, weil Arbeiter des Lebensmittelamtes über die unrechtmäßigen Zuwen- düngen genau Buch geführt haben. Man hat alle» getan, um die Beschwerdeführer einzuschüchtern. Einer davon wurde sogar verhaftet, mußte aber natürlich wieder freige» lassen werden. Es ist anzunehmen, daß abgesehen von der auf- klärenden Gerichtsverhandlung nun auch die vorgesetzte Behörde im Mayener Kreise Ordnung schafft. Konkurrenz für»weftmark". Gin Unternehmen der Stadt Ttratzbvrg. AuS Strahburg i. Elf. wird vom letzten Freitag gemeldet: Der Gemeinderat hat in seiner Sitzung mit 11 gegen L Stimmen die Gründung einer Gesellschaft für den Erwerb und die Verwaltung der zur Liquidation kommenden Grund st ücke beschlossen. D'e Gesellschaft wird in Form einer G. m. b. H. gebildet, in der die Stadt 75 Prozent deS Kapitals übernehmen wird. Die Kosten werden durch ein« Obligationsanleihe in Höhe von voraussichtlich LS Millionen Mark aufgebracht, die von der Stadt aufgebracht wird. Gegen die Gründung stimmten die Sozialdemokraten, da sie Li» quidationen als solche verurteilen. Tic Grippe als Warnung. In der„Züricher Post" bespricht Prof. S. Feilbogen die Bedeutung der spanischen Grippe. Dia universelle Verbreitung der Krankhett in ganz Europa ist ihm ein unwiderleglicher Beweis, daß Europa nicht mehr dicht geima gegen das Eindringen von Epidemien verwahrt ist. Der Krieg hat den sanitären Schutzwall überall geschwächt und eingerissen. Prof. Feil. bogen schildert die schwere Gefahr, die sich erheben würde, tollte eines Tages die orientalische Pest einbrechen oder d« entsetzliche Lunaenseuche oder eine bisber noch unbekannte, des Weltkrieges würdige Art des Massentodes. Er schließt mit dem Ruf:„Endet den Krieg, bevor ein Pestbazillus ihn endet!_ Reformen im Reichspostdienst. Staatssekretär R u d l i n hat einen Sachverständigen-Ausschuß zur Prütnng der Pcrsonalfragen eingesetzt, der sich mit den Personal- und D i e n st v e r h ä l t- n i s s« ,i der mittleren und unteren B e a m t e n der Neichspost» und Telegraphenverwaliung zu befassen hat. Dem Aus- schaß gehören acht höhere, vier mittlere und zwei untere Beamte an. Die Organisationen der Beamten sind zur Mitarbeit nicht herangezogen worden, wodurch der Wert der Arbeiten deS AuS» schusse» weseniUch beeinträchtigt wird. Leiste Nachrichten. Kriegszustand zwischen Rußland und der Entente! Amsterdam, Ist. August. Reuter meldet auS Washing» ton: Ter amerikanische Konsul in Moskau unterrichtete das Staatsdepartement darüber, daß Lenin in der letzten Ver- sammlung der Sowjets in Moskau erklärte, daß Kriegs- zustand zwischen der russischen Regierung und der Entente besteht. Tschitscherin sagte in Erwiderung auf eine Frag? der alliierten Konsuln, daß diese Feststellung nicht als Kriegserklärung betrachtet zu werden brauchte, sondern als eine Erklärung eines BerteidigungSzustandes, der ähnlich der Lage sei, wie sie eine Zeitlang in bezng auf Deutschland bestand. M»»kau, 0. August.(Meldung des Wiener k. k. Tel. Corr.» Bur.) Lenin, Tschitscherin und Trotzki veröffentlichen einon langen Aufruf, worin die englisch« und französische Regierung al» Banditen bezeichnet werden und erklärt wird, daß kein diplo- matischer Bruch gewünscht werde, daß aber der Schlag mit doppel- ter Wuckt beantwortet werden würde. In den Maueranschlägen wird zur Vernichtung der Tschechen aufgefordert. Infolge gegen- revolutionärer und ischechenfreundlicher Umtriebe haben mehrere Hinrichtungen stattgefunden. Morgen werden alle«hemaligen Offiziere im Alter bi« zu 99 Jahren zur Musterung ausgerufen werden. In Moskau herrscht Ruhe. Gestern abend wurde da» Gebäude des allrussischen Korporativverbandes von vier bewaffneten Automobilen überfallen? die Schildwachen wurden überrum- pelt. dio Kassen gesprengt und hierbei vier Millionen ge- raubt. Ein neuerlicher Aufruf Lenins fordert die gnadenlose Ver- nichtung aller Gegenrepolutionäre. Die Bauern werden im Falle der Nichtablicferung oder de» Zurückhalten» von Getreide über ihren pcrsönliehon Bedarf hinaus als Volksfeinde dem Revolu- tton»gerichte übergeben werden. Schleichhändler werden mit Tode» st ras« bedroht. Der Ententemarsch nach Srbirren. Washington, Ii). August. Kricgsminister Baker teilte die Ernennung de» Generalmajor» Grave» zum Führer der amerikanischen Expedition nach Sibirien mit. Washington, Ist. August.(Reuter.) Maßnahmen zur Er- nennung eine» gemeinsame« Oberbefehl» in Sibirien sind «och nicht getraffe« worden. Finnland. Helstngfor», 19. August. Wie verlautet, wird der außeror- deutliche Landtag zur Vornahme der Königswahl bereit» auf den 27. A u g u st einberufen werden. „HuftmdStadbfoder erfahrt, daß eine Abteilung finnischer Rot- gardisten, etwa 209 Mann, unter Führung englischer Offizier« nahe der finnischen Grenze, S9 Kilometer nördlich Tuhtua, steh«. Kleinere Zusammenstoß« mit finnischen Grenzschutz- truppen hätren stattgefunden. D'Annunzios Höhenrekord. Rom. i9. August.(Sttfani.! Ein Geschwader von acht üalii- nischen Flugzeugen, befehligt von Gabriele d'Annunzio, überflog Freitag vormittag Wien und warf Flugzeit«! ab. ES kehrte über Wiener Neustadt, Graz, Laibach und Trieft zurück, GewerkschafisbeNWUNg Der Verband der Burcauanqestcllten am Ä. Viertel- jähr Die Ortsgruppe Grojz-Berlin des Verbandes der Bureau« ongestelllen hielt am Dienstag ihre Generalversammlung ab. Zu« nächst hielt NeichStagsabgeordneter Silber schmidt von der Generalkommission der Gewerkschaften einen mit grossem Beifall aufgenommenen Vortrag über.Die Ange st eilten und die Wohnungsfrage". Er behandelte eingehend das durch die KricgSfolgcn in den Mutelpunkr des Interesses gerückte Bevölkeruugs« Problem und betonte, dasz die niinderbemittellen Bevölkerungskreise bisher durch Kinderreichtum nur Leiden, Eiubehrungen und Be- nachteiligung auf allen Gebieten gehabt hätten. Insbesondere sei das auch in der Wohnungsfrage der Fall gewesen. Großzügige Sozialpolitik, weitgehende Aufbesserung der wirtschaftlichen Lage der arbeitenden Klasse, größtmöglichste Säuglings« und Mutterfürsorge sei notwendig, uin unser Volk zur Aufrechterhaltung der Konkurrenz» fähigkeit auf dem Weltmärkte zu befähigen. Zum Schluß be' handelte der Redner die besonderen Aufgaben der Gewerkschaften in dieser Frage. Die Versammlung beschloß, die Diskussion über diesen Vortrag auf eine spätere Versaminlung zu vertagen. Sodann erstattete der Bevollmächtigte Krüger den Geschäfts- bericht. Er wies darauf hin, daß gerade in der letzten Zeit das Unternehmertum besonders scharfmacherisch gegen die Angestellten auftrete und allen Forderungen den schärfsten Widerstand entgegen- setze. Sogar die Militärverwaltung sei mit ihren Spandauer Werk- stälten dein Verbände Berliner Mctallindustrieller beigetreten. Trotz der Schwierigkeiten sei es in zahlreichen Fällen gelungen. Auf« besserung der Gehälter und der Teuerungszulagen, des Ur- laubs usw. zu erreichen, so unter anderem bei Loetoe, Orenstein u. Koppel, Daimler, Spandauer militärische Institute usw. Die Teuerungszulage der Krankenkassenangestellten wurde erhöht, ebenso diejenige der städtischen Bureauangestcllten und die Gehälter der städtischen Hilfsarbeiter. Für die weiblichen Angestellten der städtischen Gaswerke wurde mit Rücksicht auf die unzureichenden Gehälter eine besondere Teuerungszulage von 25 M- monatlich erreicht. Die Mitgliederzahl stieg im zweiten Vierteljahr um 471(154 männlich und 317 weiblich), ausgeschieden sind 214 (83 männlich und 126 weiblich). Am Schlüsse des Vierteljahres waren vorhanden 4765, darunter 3641 männliche(1566 Kriegsteil- nehmer) und 1724 weibliche Mitglieder. Eingenommen wurde au Beiträgen für die Hauptkasse 3938,76 M.. für Unterstützungen wurden verausgabt 2231,46 M. Die Lokalkasie verfügte über eine Ein- nähme von 13 032,35 M., während die Ausgaben 8356,03 M. be- trugen. Der Kassenbcstaird stieg von 2100 auf 4132,52 M. Die Versammlung erteilte einstimmig Entlastung. Ebenso nahm sie einstimmig einen Antrag der OrtSverwaltung an. die TeuerungS- zulagen der Angestellten des Ortsbureaus zu erhöhen. satz aufgestellt, daß dar ReichSmilitärfiskus derartige Schäden zu vergüten verpflichtet werden müßte. Auf dem Gebiet der Weh- nungspolitik hat sich der Verband gegen die Art und Weise gewandt, in der die Bodenreformer mit einer Acußcrnng des Generalfcld- Marschalls v. Hindenburg die Oeffentlichkeit befaßt haben. Deutscher ycrnsbefitzertag unö Mieter- fthuhverorönung. Dresden, 3. August 1318. Unter zahlreicher Beteiligung der angeschlossenen Vereine aus dem ganzen Reich trat heule hier der Zentralvcrband deutscher Haus- und Grundbesi�rverein? zu seiner diesjährigen Hauptver- sammlung zusammen. Ihre Verhandlungen finden angesichts der durch den Krieg bedingten für Mieter und Hausbesitzer gleich er- ischwerten Verhältnisse besonders Beachtung, die in der Entsendung von Vretrctern der Reichs- und Staatsbehörden sowie verschiedener StadwerNealtungcp zum Ausdruck kommt. Den Vorsitz in den Beratungen führt der Verbandsvorsitzende Justizrat Dr. Baumert �Spandau). Der der Versammlung vorliegende Geschäftsbericht für das Jahr 1317/18 gibt von der Tätigkeit des Verbandes im genannten Jahr. Aus demselben sei folgende Bemerkung hervorgehoben: Im Laufe des Jahres haben sich wesentliche Mängel in der Anwendung der Mieterschnhverordnung durch die Einigungsämter herausgestellt. Namentlich hat das Fehlen inhalilicher Richtlinien, nach denen die Einigungsämter zu verfahren haben, zu einer Störung der Rechtssicherheit auf dem Gebiete deS Wohnungswesens geführt. Eine besonders bedenkliche Ericheiming waren die Verord- nungen der Stellvertretenden Generalkommandos bin- sichtlich der Mietsteigerungen und Mietkündigungcn. Der Verband bat zu dein Eingriff der obersten Militärbehörden bereits 1917 Stellung genoininen, als damals einige FestungSkomman- dantcn einschlägige Verordnungen erließen.— Zur Frage der Pfändungsgrenze bei. Lohnpfändungen hat der Verband an die maßgebenden Stellen eine Eingabe gerichtet, in welcher der von sozialdemokratischer Seite im Reichstage bean- trag ten Heraufsctzung der Grenze für die Un- pfändbarkeit des Lohnes von 2 000 auf3000 M. mit Entschieden- heit widersprochen wurde. In der Begründung wurde aus- geführt, daß eine solche Mahnahm? verhängnisvolle Wirkungen auf die Vertragserfüllung und die allgemeine Rechtssicherheit hervor- bringen würde. In der Verordnung des Bundesrats ist den An- regungen des Verbandes wenigstens insofern stattgegeben worden, als an Stelle einer absoluten Pfändungsgrenze eine bewegliche ge- setzt ist, die der wirtschaftlichen Lage des Schuldner? angepaßt ist. Hinsichtlich der Frage der Entschädigimg für Explosionen in mili- tärischcn Betrieben hat der Verband in einer Eingabe den Grund- parteinachrichten. Ärcisvcrsammlungen. Tie Parteiorganisationen des 3. Wnrttembergischen Wahlkreises hielten in H e i l b r o n n ihre Kreisversammlung ab. In dem Ge- schaftsbericht des Genossen K n a p p er kam zum Ausdruck, daß in- folge der vielen Einberufungen von wesentlichen organisatorischen Fortschritten nicht gesprochen werden könne. Zu bedauern sei, daß die Genossen vielfach der Frauenbewegung nicht das erwünschte Interesse entgegenbringen. Der Kassenbericht weist eine Einnahme van 1746,50 M. und eine Ausgabe von 1435,96 M. auf. Aus dem Bericht über die Parteipreffe ist hervorzuheben, daß der Abonnenten- stand vor dem Kriege wieder erreicht ist. Tie vom Genoffen Baßler begründete Beitragserhöhung gelangte mit großer Majorität zur Annahme. Reichstagsabgeordneter Genosse Feuer st ein richtete am Schluß eines Referats ichcr die politische Lage an die Partei- genossen die Mahnung, jederzeit ihren Mann zu stellen und mit Vertrauen einer besseren Zukunft entgegenzusehen. In der r e i s g e n e r a l v c r s a m m l u n g des 4. Württem- belgischen Wahlkreises in Reutlingen konnte der Vorsitzende, Genosse Stein, mitteilen, daß ein Teil der entlassenen Kriegsteil- nehmer den Weg zur Partei wiedergefunden habe. Verschiedene Mitgliedschaften, die seit Kriegsbeginn ihre Tätigkeit eingestellt hatten, haben ihre Arbeit wieder aufgenommen. Der Kassenbericht zeigt ein besseres Bild gegenüber denjenigen der Vorjahre. Hierauf hielt Genosse W a s n e r als Vertreter des Landesvorstandes ein Referat über die politische Lage. Tie Geschichte werde zeigen, daß die Tätigkeit der Partei vor und während des Krieges nur im Jntcr- esse der Arbeiterschaft gelegen sei. Was die Partei während des Krieges für möglichst rasche Beendigung des Kriege?, für Herbei- führung des Friedens getan habe, werde in der Zukunft von den Genoffen, die mft der Haltung der Partei nicht einverstanden seien, anders gewürdigt werden, als dies jetzt der Fall sei. Mit Schlag- Worten und Phrasen sei der Sache nicht gedient, man müsse den Tatsachen ins Auge sehen und Klarheit haben. Die Mehrhcits- bildung des Reichstags fei nichts als eine taktisch notwendige Maß- nähme gewesen, die man nicht um der schönen Augen irgendeiner Partei wegen eingegangen sei. Nach einer ausgedehnten und sehr lehrreichen Debatte, die dem Referat folgte, konnte der Vorsitzende im wesentlichen Uebereinsftmmnng der Delegierten mit den grnnd- sätzlichen Darlegungen des Referenten konstatieren. „Sage mir, mit wrm du umgchst— und ich sage dir, wer du bist!" Das Schöffengericht Braun schweig hatte vor einigen Tagen eine Beleidigungsklage des Genossen G e l p k e gegen Sepp Detter zu verhandeln. Beim Scheiden Gelpkcs als Lagerhalter aus dem dortigen Konsumverein widmete ihm der„Bolksfteund" in Anerken- nung seiner über zwanzigjährigen Tätigkeit in der Partei, in der Gewerkschaft und im Genossenschaftswesen einen warmen Nachruf. Das gefiel dem Leiter der Braunschweigcr„Unabhängigen", Herrn Ocrter, nicht und in seiner Eigenschaft als Redakteur des Braunschweiger Teiles im„Halleschen Volksblatte" leistete er sich unter anderen Anpöbelimgen, die unsere Partei betrafen, auch folgende, die Anlaß zu diesem Prozesse gab: „Herr Gelpke war Lagerhalter im Braun schweiget Konsum- verein, meinen Posten als Lagerhalter mußte er verlassen, weil ihm nachgewiesen wurde, daß er die Käufer durch Mindergewichte übervorteilte. Das sind die Freunde des„Volksfrennd". Sage mir, mit wem du umgehst, und ich sage dir, wer du bist." Genosse Gelpke hatte schon viele Verunglimpfungen von den „Unabhängigen" über sich ergehen lassen müssen, sie aber stets der Unvernunft zugute gerechnet; diese verächtliche Anschuldigung schlug dem Fasse den Boden aus. Er stellte Strafantrag wegen Beleidigung gegen Oerter. Die Beweisaufnahme ergab die völlige Haltlosigkeit der Oertcr- schcn Anschuldigungen. Nach diesem Nachweis begnügte sich Gelpke mit einem Vergleich, worin der Angeklagte den gegen ihn erhobenen beleidigenden Vorwurf zurücknimmt und sich verpflichtet, die Kosten deS Verfahrens, einschließlich der dem Privattläger erwachsenen not- wendigen Auslagen zu tragen und diesen Vergleich binnen einer Woche einmal auf seine Kosten in dem„Haller Volksblatt", in der Ausgabe für das Herzogtum Braunschwcig, zu veröffentlichen. Industrie und Handel. Schwedischer Protest gegen die A. E. G. Die A. E. G. hat ein Tochterunternehmen in Schweden ge- gründet, wogegen dort lebhafter Einspruch erhoben wird. So schreibt „Affärsvärlden": Eine ernste Sache für die schwedische Industrie ist es, daß die deutsche A. E. G. jetzt ihren seit mehreren Jahren ge- hegten Plan auszuführen beabsichtigt, eine Filialfabrit in Schweden einzurichten. Solche Fabriken ftentdcr Länder sind in Schweden nicht willkommen. Wir haben genügend Kapital, Ingenieure und Unternehinungsgeift. um unsere Hilfsquellen ohne ausländische Mit- Wirkung ausnutzen zu können. Besonders auf dem Gebiete der ElektrizitätSindustrie können di� Deutschen uns nichts Neues brin- gen, da Schweden solvohl technisch wie wirtschaftlich auf diesem Ge- biete an allererster Stelle steht. Es mag in der Absicht der Deut- scheu liegen, durch eine an und für sich verlustbringende Filialfabrik in Schweden den gefährlichen Konkurrenten, der Schweden auf dem Weltmarkt geworden ist, zu schädigen. Vielleicht wollen sie. sich auch eine„schwedische", für die feindlichen Märkte bestimmte Fabrikation elektrischen Materials schassen, das dann statt der deutschen Produfte angeboten wird, die vermutlich in vielen Ländern ausgeschlossen sein werde». Die letztgenannte Gefahr ist für Schwede?: besonders ernst. Im Ausland kennt man nämlich die Verhältnisse nicht so genau und wird leicht zu Verallgemeinerungen geneigt sein. Hat man den Belveis dafür erhalten, daß eine schwedische Industrie nur ein maskiertes deutsches Unternehmen ist, so glaubt man, daß dies auch für viele andere schwedische Industrien Geltung hat. Gerada bei der Lage des Handels, die wir auf dem Weltmarkt nach dem Kriege vorfinden werden, ist es durchaus nötig, daß man überall in der Welt weiß, daß die schwedische Industrie und schwedische Firmen nur schwedische Interessen decken. Tic Arcslnucr Messe. � Im Handelsministerium fand unter dem Vorsitz des Unter- staätssckrelärs Dönhoff, eine Konferenz wegen der Areslauer Messe statt. Außer dem preußischen Handelsministerium waren das Fi- nanzministe ri, im, das Reichswirtschaftsanrt und das Reichsschatzamt durch Kommissare vertreten. In der Konferenz wurden mehrere die Breslaucr Messe betreffenden grundsätzlichen Fragen eingehend erörtert und einstimmig festgestellt, daß bei dem Breslaucr Unter- nehmen gegen den Namen„Messe" nichts einzuwenden ist, ferner daß der Brcslauer Messe die Unterstützung und Förderung durch alle in Betracht kommenden Behörden nach Möglichkeit zuteil wer- den soll. Soziales. Tic Gctränkesteucrn, die Volksgcsundhcit und das arbeitende Volk. Unter diesem Titel hat der Genosse Mehlich, Dortmund, einen Vortrag im Druck erscheinen lassen, den er auf der 16. Gaukonfe- rcnz des Deutschen ArbcitcrabstincntenbundeS gehalten hat. Der Vortrag richtet sich gegen die Getränkcsteucr. Er wurde zwar ge- halten, ehe der Reichstag diese Steuer annahm, ist aber trotzdem noch zeitgemäß. Der Verfasser wendet sich mit guten Gründen gegen die von großen Mäßigkeits- und Abstinenzorganisationcn vertretene Auffassung, daß hohe Steuern auf alkoholische Getränke zur Verringc- rung des'Alkoholverbrauchs führen müßten, hier werde die Alka- Holleidenschaft, die erfahrungsgemäß alle Schranken niederreiße, außer Betracht gelassen. Mit besonderer Schärfe spricht sich Meh- lich aber gegen die Steuern auf alkoholfreie Getränke aus. Hierin ofsenbarc sicki ganz und gar die dem Alkoholgenuß förderliche Ten- denz dcS Gesetzes, die auch in der Begründung des Gesetzentwurfs offen zutage getreten sei. DaS Reich wolle mit der Steuer auf alko- holische Getränke ein Geschäft machen. Es will seine Einnahmen wesentlich vermehren. Deshalb liegt ihm gar nichts an dem Rück- gang de? Alkoholgenusscs und um diesem Rückgang entpcgenzuwir- ken, verteuert es durch die Gctränkesteuer auch die alkoholfreien Getränke ganz erheblich. Darin liege bevölkerungspolitisch eine doppelte Gefabr; die demoralisierenden und degenerierenden Wir- kungen des Alkohols werden eher gefördert als gehemmt und wich» tige entbehrliche Nahrungsmittel werden dem Volke entzogen, um dem Alkoholkapital als Robstoffe überwiesen zu werden.„Tic unge- beure Größe der Kriegskosten entschuldigt nicht eine Steuer, deren Ertrag sich ans die verderblichste VolkSlcidensckstcft gründet, die auf die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit keine Rücksicht nimmt und eine weitere erhebliche Verschlechterung der Lebenshaltung der unteren Volksschichten zur Folge haben muß, die gleichzeitig eine dauernde Gefahr für unsere Nahvnngsmittelversorgung heraufbeschwört und der Vergeudung wichtiger Nährstoffe Vorschub leistet." DaS Schrift chen, dem als Anhang statistische und andere An- mcrkultgen angefügt worden sind, ist durchaus zeitgemäß, e? ist durch die Annahme des Gesetzes nicht überbolt worden. Erschienen ist es im Verlag dcS Deutschen Arbeiter-AbstincntcnbundeS, Gau 8, Elberfeld. Wirkung der Todeserklärung. Da? Rcichsderficherungsamt hat eine grundsätzliche Entschei- dung in einer Hinterbliebenensache getrossen. Die Witwe des seit dem Gefecht bei Touaumont am 21. April 1916 vermißten Ersatz- rescrvisten Kuhn battc am 25. Juni 1917 Antrag aus Zahlung dcS Witwengeldes gemäß§ 1252 der Reichsversicherungsordnung gestellt. Unstreitig ist Kuhn seit dem 21. April 1916 verschollen. Bis dabin hatte Frau Kuhn nur 183 Beiträge aus ihrer Versicherung beigebracht. Tie Landesversicherungsanstalt lehnte den Antrag der Frau Kuhn ab, da die �Wartezeit nicht erfüllt sei. DaS Oberver- sicherimgsamt hat die Sache wegen ihrer prinzipiellen Bedeutung an das Reichsvcrsicherungsamt abgegeben, welches den Anspruch der Wittve Kuhn nicht für gcrechtseriigt erachtete und u. o. aus- führte: Im Falle der Verschollenhcit sei der festgestellte Todestag des Verschollenen der maßgebende Zeitpunkt für die Erfüllung der Wartezeit, die zur Begründung der Hinterbliebencnansprüche nach- zmvcisen sei. Der Zeitpunkt, mit dem die Verschollenheit eintrete, sei wohl zu scheiden von dem aus Grund der Verschellenheft zu vermutenden Zeitpuntt des Todes dcS Verschollenen. Dies ergebe sich ans dem Bürgerlichen Gesetzbuch und aus der Bekanntmachung über die Todeserklärung KriegSvcrscholleqer vom 18/ April 1916 und§8 4265 ff. der Reichsversicherungsordnung. Wenn der Vor- sitzende des VersichcrungsamtS in seiner gutachtlichen Aeußerung meine, vor Erreichung des Zeitpunktes der Verschollenheit würden die Fürsorgecntsprüche der Hinterbliebenen nicht fällig, so-treffe da? nicht den Kern der Frage. Beginnen die Versicherungsleistungen mit dem festgestellten Todestage, so können auch die Beiträge nur bis dabin angerechnet werden. Der maßgebende Zeitpunkt für die Erfüllung der Wartezeit war der 21. April 1916: damals war aber die Wartezeit aus der Versicherung der Frau Kuhn nicht erfüllt; die erwähnt« Frau habe mithin keinen Anspruch auf Witwengeld. ZZkrantivortliS für Politil: Erich«nttuer, Berlin: für den üdrieen Teil deS Blattes? Mfred Schal», Neukölln: für Anzeigen? Theodor wlolkr, Berlin. Verlag: Vorwärfs-Verlag G. m. b. H., Berlin. Truck? Vorwürls-Buchdruckerci und LcrlagSanstalt Paul Singer u. Co. in Berlin. Lindenflrage S. 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