Nr SS0 38. Jahrg. Bezugspreis: Bierteljahri. tSZ MI. monatl.l.WMI. frei int Haut, vorautzahlbar.Sinz«we Nuunn-rn llZ Pfennig. Postbezug: Monatlich, vom Postschalter abzuholen Ichv Ml., vom BriestrSger WS Haut oe- bracht 1,St Ml. Unter tkeuzband tili Deutschland und Oesterreich- Ungarn L,— Ml. ffir bat übrige Autland Ml. monatlich. Versand int Feld bei direlter Bestellung monatl. iZvMl. Postbestellungen nehmen an Düne» Marl, Holland. Luxemburg, Schweden und dt» Schweiz. Eingetragen in dt« Post-Zestungt-Prettliste. Erscheint täglich. Telegramm» Adresse: «Sozialdemokrat Berlw», Verlinev VolktSktlskk. ( 10 pf«nn>») AuzetgenpreiS: Diestebengesv-IteneKolonelzellelostet 80 Pfg.„kkleine Slnzeigcn", dot fettgedruckte Wort 30 Pfg.(zulüssig 2 fettgedruckte Worte), ,edeS weitere Wort IS Pfg. Stellengesuche und Schlafstellenanzeigen das erste Wort 20 Pfg., jedes weitere Wort lv Pfg. Worte über IS Buchstaben zählen für zwei Worte. Tcuerungszuschlag 20% Familien-Anzeigen, politische und gewerlschastliche Vereins» Anzeigen so Pfg. die geile. Anzeigen für die nächste Nummer müssen bis Z Ubr nachmittags im Hauptgeschäft. Berlin SW.SS. Lindenstrage 3, abiegeden werden. Geöffnet von 8 Uhr früh bis 7 Uhr abends. Zentralorgan der rozialdcmokrati fd�en Partei OeutTchlande. Neüaktio«: SW. SS» Lioöenstraße Z. Sernfvrechrr- Amt Moritzplatz.»r. 1S1»»— llil»7. Montag, de« August 1918. Expeöittoa: SW. öS, Linöenstraße Z. stsernsdreche«: Amt Moritzplatz, Ztr. IKI SO— lSl. S7. Reftige feindesangriffe gefcheitert. Der öeutsche Rückzug zwischen Mvre unö Rncre. (Tslegramm unseres KriegSberichttrstattert.) W e st s r o n t, 10. August. Daß dem frauzöstsche« Angriff zwischeu Alsne und Marne«eue Versuche des Verbandes, a» andere» Fronten eine Entscheidung herbeizuführen, folgen würden, war zu erwarten und ist an dieser Stelle am IL. Juli, dem ersten Tag des Fochschen Angriffs, osscn ausgesprochen wor- den. Daß ober der zweite englisch- französische Ansturm so schnell einsetzte, zeigt, daß der Verband Eile hat und eine Entscheidung unter allen Umständen auch ohne die mächtige amerikanische Hilfe erringen möchte. Feldmarschall Ha ig hat vorgestern zweifellos einen Er- folg davongetragen, bei dem für uns nicht Geländeverlust, so». der» das Ausscheidrn wertvoller Menschen- und Geschützbestände zu bedauern bleibü Die Ueberraschung der deutscheu Stellungsdivisionen geschah durch den Nebel, die Tauks und das Zusammeutresfeu verschiedeuer Umstände, die diesmal dem Gegner, nicht uns zum launischen SchKlchteuglück verhalfen. Selbstverständlich kann dieses militärische Ereignis das bis- herige strategische Gesamtringen zwischen Deutschland und dem Verband, vielleicht nicht einmal den Verlauf des Sommer- feldzuges dieses Jahres entscheideud beeiuflusseu. Deuuoch zwingt eS naturgemäß die deutsche Führung zu einer gewissen Aenderung ihrer Dispositionen. Ausgehend von dem einzigen Grundgedanken, der für Deutschlands augenblickliche Lage maßgebend sein kann, nämlich für die letzte Entscheidung zwischen uns und den immer stärker werdenden Gegnern, deussche Men- schenreserven wo immer zu sparen, hat die deutsche Führung schon gestern mit der ihr eigenen Beweglichkeit rücksichtslos die Konsequenzen aus der neue» Lage gezogen. So bitter die augenblickliche« Bewegungen der am Südflügel angegriffenen Schlachtfront auch manchem heimi- scheu Illusionisten sei» mögen, das Hauptziel der beut- scheu Kriegs führuug kanu augenblicklich nur sein: keine Schlacht anzunehmen nach dem Diktat des Geg. u e r s— nur da$u Gegenangriffe» zu schreiten, wo das leben- dige Ziel, dem Feind schweren Abbruch zu tun, eigeue Verluste lohnt, dem Gegner auch seine Erfolge so teuer wie mög- lich kommen zu lassen. Nach diesem Gesetz wird rücksichtslos gehandelt. Die Exaktheit, mit der vor wenigen Tagen die schwierige Lage zwischen AiSne und Marne durch Truppe und Fuhrung schnell repariert wurde, bürgt dafür, daß binnen kpr- zem auch südlich der Somme diejenige Situation her- gestellt wird, die der deutsche Gesamtplan erfordert. Mehr noch als der Fochsche Angriff, Mitte Juli, stellt jetzt der neueste Ansturm des ausgeruhten englischen Gegners dem deutschen Volk gewiß den Ernst der bevorstehende» Entscheidnag vor Augen, von dem an dieser Stelle schon damals gesprochen ward. Die deutsche Westfront hat nach unerhörten Siegen am 8. August einen schlechten Tag gehabt. Im weltgeschicht- licheu Ringen zwischen uns und dem Verband kämpft Gegurr augenblicklich mft Untergriff. Wie lauge, wird die Zukunft lehren. Wir erfassen die Situation, indem wir vor keinem Ein- zclereignis den Kops in den Sand stecken, aber aus der Betrach- tung der Gesamtlage und den bisherigen gewaltigen Leistungen die Folgerung ziehe«, daß das einzige deutsche Kriegsziel— ob in Offensive oder Defensive— endlich erreicht wird: den feindliche» Kr iegs-undVernichtnugSwillen zu brechen. Dr. Adolf Köster, Sriegsb erichterstatter. Ein neues Mentat. Deutsch-ruffifche Kommisfion beschoffeu. MoSkau. 3. August.(P. T.-A.) Bei O r sch a wurde die deutsch-russische Kommission zur Festtegung der DemorkationSliuie während ihrer Arbeit beschossen. Wie die Untersuchung ergab, wurden die Schüsse von de» Gegner« der Sowjetregiernng abgegeben, um diese in Schwierigkeiten zu stürzen. Das neue Attentat siebt zwar an politischer Sensation hinter den Attentaten auf Graf Mirbach und General v. Eichhorn zurück, einmal weil ihm erfreulicherweise der blutige Erfolg der- sagt blieb, sodann weil es sich gegen minderhochgestxllte Personen richtete. Aber als Symptom für die im Osten durch den„Frieden" von Bresi-LitowÄ geschaffenen Schwierigleiten bleibt e» bedeu- tungKvoll, Ausdehnung der feindlichen Angriffe zur Oise— Der Hauptangriff zwischen Lihons und Avre gescheitert— Nachhutgefechte zwischen Avre und Oise— Ententeangriffe an der italienischen Front zum Scheitern gebracht. Berlin, 11. August 1918, abend». Amtlich. An der Schlachtfront zwischen Ancre und Oise sind heftige Angriffe des Feindes gescheitert. Amtlich. Große« Hauptqnartter, 11. August 1918.(SB. T.».) Westlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht. Zwischen Dftr und Ancre ließ die erhöhte GefechtStätig- keit tagsüber nach, am Abend lebte sie vielfach wieder auf. Stärkere Vorstöße de» Feindes beiderseits der Ly» wnrde« abgewiesen., An der Schlachtfront hat der Feind seine Angriffe bis zur Oise ausgedehnt. Zwischen Ancre und Somme brachen sie vor unseren Linien zusammen. Dicht südlich der Somme blieb die feindliche Infanterie nach ihren Mißerfolgen am 9. 8. untätig. Starke Teilangriffc de? Gegners bei Raine- court und gegen Lihons scheiterten in unserem Feuer und im Gegenstoß. Die Hauptkraft der gestrigen Angriffe war gegen unsere Front zwischen Lihons nni der Avre gerichtet. Oestlich von Rozieres und beiderseits der Straße AmienS und Royc schlugen wir dir mehrfach wiederholte« feinblichen Angriffe ab. In dem beweglichen Kampf gegen feindliche Urbermacht und gegen den Masseneinsatz von Panzerwagen kam auch hier wiederum die unerschütterliche Angriffskrast unserer In- fauterie voll zur Geltung, vielfach brach der Anstur« deS Feindes schon im Feuer unserer Artillerie zusammen. Bor einem Divisionsabschnitt liegen allein mehr alS vierzig zer» störte Panzerwagen. Zwischen Avre und Oise setzte der Feind«ach heftiger Artillerievorbereitung z» starken An- griffe« gegen unsere alten Stellungen von Montdidier bi« Autheuil an. Er vermochte unsere gestern gemeldeten neuen Kampflinien östlich von Montdidier nicht zu erreichen. Unsere Nachhute« empfingen den Feind in unsrren alten Stellungen mit starkem Feuer und wiche» darauf kämpfend über die Linie Laboissiere— HainvillerS— Ricquebonrg— Marest a«S. Sehr rege Fliegertätigkeit über dem Schlachffeld. Wir schössen wiederum 23 feindliche Flugzeuge nnd einen Fessel- ballo« ab. Leutnant Kroll errang seinen 33., Leutnant veltjens seinen 24. und 25., Leutnant L anmann seine« 21., 22. und 23., Leutnant Auffart seine» 21. Luftsieg. Heeresgruppe Deutscher Kronprtag. An der Beble wurden Angriffe d«S Feinde» zwischen Fismes und Conrlandon abgewiesen. In der Champagne westlich der Straße Tamm« Py— Sonain Teilkämpse, in denen vir Gefangene machten. Der Erste Generalguarti ermeister. Ludendorff. Der öfterreichische Bericht. Wie», 11. August. Amtlich wird oerlantbart: Auf der Hochfläche der Sieben Gemeinden wiederholten die Entente- truppen gestern früh ihre schlagartigen Angriffe. Da? Kamps- selb dehnte sich von Cffrnove bis i« den Raum de? Eil bei Ross« ans. Der Feind wurde nach erbittertem Ringen überall zurückgeworfen und erlitt sehr schwere Verluste. Es wurden Engländer, Franzose» und Italiener gefangen. Unter den tapfere« Verteidigern fällt den ungarischen Regimenter« 82, 191 und 138 besondrrer Anteil am Erfolge zu. Sonst weder an der italienische» Front noch in Albanien Ereignisse von Belang. Der Chef de? Genrralstabrs. Der Mörüer Eichhorns hingerichtet. Kiew, 11. August. Am 19. August wurde der Mörder des Genercckfeldmarschcllls von Eichhorn und seines AHfutanten, deS Hauptmanns v. Dressier, in der Nähe des LukianowSka-GefängnisseS um S Uhr nachmittags öffentlich erhängt.»DaS Urteil w« von einem deutschen Feldgericht gesprochen und wurde. so- fort nach dex Bestätigung durch deu zuständigen Gerichtsherrn vollstreckt. Erhöhung des Reisebrotmarkenquantums. B e r li«, 11. August, vom 19. August ab wird die auf Reich», Reisebrotmarken für den Kopf und Tag enffallende Gebäckmenge von 299 Gramm aus 259 Gramm erhöht. Der Magistrat hat hiernach angeordnet» daß von diesem Zeitpunkt an für fedeu Reisepaß an eine Person statt der bisherigen 4, fortan 5 Reichs- Reisebrottnarken über zusammen 259 Gramm Gebäck ausgehändigt werden. Wird eine Reife vor de« 19. August angetreten, dehnt ste sich jedoch über diesen Zeitpunkt aus, so«hält der Reiseude für die Zeit bis zu« 18. August einschließlich täglich 4, für die spätzere Zeit täglich S ReichS-Reffebrotmark»,,. Groß-öerlin unö öer Proporz. Von Eugen Ernst. Noch am Schluß seiner Tagung hat der Reichstag einen Gesetzentwurf angenommen, der für die Zukunft von großer Bedeutung sein wird. Es wird dadurch die Zahl der Reichs- ta�abgeordneten von 337 auf MI erhöht und in 26 Wahlkreisen — darunter Berlin, T e lt o w- B e e s ko w und Nieder- barnim— die Verhältniswahl eingeführt. Dem Gesetz haften noch große Mängel an, die unsere Vertreter in den Kommissionsverhandlungen, wie auch im Plenum des Reichstages auf das schärfste kritisiert haben. Ist es doch nur eine winzige Teilreform für einige wenige, und zwar nur großstädtische Kreise. Alle weitergehenden Anträge unserer Genossen wurden von der Mehrheit des Reichstages abgelehnt, erreicht konnte nur werden, daß bei Wahlkreisen mit mehr als 300006 Wählern automatisch eine Vermehrung der Mandate eintritt. Abgeselehnt wurde dagegen das Wahl- recht der Frauen und die Herabsetzung des Wahlolters. Und das geschah zu einer Zeit, in der das ganze Wirtschafts- leben Deutschlands nur durch die aufopfernde Tätigkeit der Frauen und der starken Anspannung aller Jugendlichen aufrechterhalten werden kann. Ter Staat braucht die Arbeitskraft der Frauen dringend, aber während in England sechs Millionen Frauen das Stimmrecht erhielten, in Dänemark und in einigen anderen Ländern das gleiche Wahlrecht für Männer und Frauen eingeführt ist, bleibt die deutsche Frau nach wie vor rechtlos. Unsere Fraktion stimmte für den Gesetzentwurf, weil er immerhin einen Fortschritt gegen den jetzigen Zustand de- deutet und weil— wie der Genosse Landsberg in seiner Rede ausführte— sie der Ueberzeugung ist,„daß das neue Gesetz den Kampf um eine größere, tiefer einschneidende Wahlreform, die längst reif ist, namentlich den Kampf um das Frauenstimm- recht und die allgemeine Verhältniswahl erleichtern wird". Die Konservativen stimmten von ihrem Standpunkt aus mft Recht gegen das Gesetz, nach dem Sprichwort:„Reicht man dem Teufel erst den kleinen Finger, nirmlft er bald die ganze Hand." Aber auch die unabhängige Fraktion stimmte da- gegen. Sehr unvorsichtig von ihr! Denn wäre sie mit den Konservativen im Reichstage stark genug gewesen, das Gesetz zu Fall zu bringen, so wäre sie wahrscheinlich von der politischen Bilofläche verschwunden. Nach dem neuen Gesetz werden die Mandate nach Maß- gäbe der für die einzelnen Listen abgegebenen Stimmen ver- teilt. Alle Stichwahlen fallen in Zukunft fort. Aber auch für verstorbene und allsgeschiedene Reichstagsabgeordnete finden Nachwahlen nicht mehr statt, da sofort einige Ersatzmänner mitgewählt werden. Die von den einzelnen Parteien ringe- reichten Listen müssen also neben dem Namen der vorgeschlagenen Abgeordneten auch die Namen einiger Ersatzmänner ent- halten. Eine wichtige Bestimmung ist weiter:„Für die Ver- teilung der einem Wahlvorschlage zugeteilten Abgeordnetensitze unter die einzelnen Bewerber ist die Reihenfolge der Be- Nennungen auf den Wahlvorschlägen maßgebend." Die Par- teien werden also ihre für sie besonders wichtigen Kandidaten an erster Stelle benennen müssen. Der Wahlkreis der Stadt Verlin wählt nach dem Gesetz zehn Abgeordnete, Teltow- Beeskow sieben, Niederbarnim drei. Wie wird sich nim das Wahlrecht für unsere. Partei ge- stalten? Wäre die Sozialdemokratie noch geeint, so könnten ziemlich sichere Berechnungen aufgestellt werden. So aber bleibt der subjektiven Schätzung ein weiter Spielraum. Ich nehme als sicher an, daß die Zahl der für die sozialdemokrati- scheu Parteien insgesamt abgegebenen Sttmmen nach dem Kriege mindestens in dem Maße steigt, wie bisher, und daß wir die Unabhängigen in der Stimmenzahl weit überflügeln werden. Aber auch die Bürgerlichen werden sich in Zu- kunft selbstverständlich mit ganz anderer Kraft für die Wahlen in Groß-Berltn einlegen, da ihnen mmmehr mft jeder Stimme größere Erfolge winken, während bisher Berlin II bis VI, Teltow-Beeskow und Niederbarnim für sie doch eigentlich nur Zählkandidaturen waren. Trotzdem wird, die Zahl der für die sozialdemokratischen Parteien abgegebenen Stimmen steigen, da auch sie den Wahlkampf intensiver führen werden und der Krieg wohl vielen die Augen über das politische und soziale Elend in Deutschland geöffnet haben wird. In der Stadt Berlin sind Sttmmen abgegeben worden: _ Nnd. Pari Soz. Fress. Kons. Zentt, Nntis. Polen• und �5' zersplittert 1908 218 338 58782 4.0 668 6733 8210 1819— 885 1907 351 215 87 153 37 689 9225 160 2816 100 1015 1912 307 762 70 159 13 194 8685 4414 2695— 1653 Die stand, ige Zunahme der sozialdemokratischen Erfolge veranschaulicht aber noch besser nachstehende Tabelle. Bon je 100 abgegeben«: gülttgen Stimmen erhielt die Sozialdemo- kmtiez v.'.'' j' W-MrekS: 1890 1893 1898 1903 1907 1912 Berlin I.; 23,66 26,61 28,5 41.4 38,3 39.6 , H... 38,01 45,69 48,0 55,6 53,2 59,8 . m... 49,63 47,91 48,1 60,0 65,0 66,1 , IV... 72,48 71,36 73,1 77,0 75,6 82,4 „ V... 33,04 41,95 47,7 68,6 56,6 70,2 .VI... 62,19 63,50 67,5 71,2 71,7 80,8 Tellow-Beeskow. 38,46 47,30 49,5 65,6 52,2 58,6 Niederbarnim.. 45,27 48,94 54,4 59,96 61,0 71,6 Bei dieser Tabelle konnten selbstverständlich nur die Haupt- Wahlen in Betracht gezogen werden, da die Stichwahlen ein schiefes Bild über die Stärke der einzelnen Parteien ergeben würden. Seit 1890 ist also, außer bei der Blllow-Wahl im �tahre 1907, ein ständiges unaufhaltsames A n- wachsen des Prozentsatzes für die sozialdemo- kratische Partei zu verzeichnen. Eine Tendenz, die sich bei der nächsten Wahl in ganz erhöhtem Maße steigern dürste. Nun tritt durch das neue Gesetz insofern eine Aenderung in der Zusammensetzung der Wahlkreise Stadt Berlin und Niederbarnim ein, als das sogenannte Vieh Hofviertel bisher wohl in Berlin eingemeindet war, bei den Reichstags- Wahlen aber noch zum Kreis Niederbarnim gehörte. Dieser Stadtteil hat Stimmen abgegeben: So,. greif. Kons. Zentr. Polen 1907 7 004 2 1935 212 58 20 1912 11 189 637 1000 212 64 24 Wäre also das neue Wahlgesetz bereits im Jahre 1912 in Kraft gewesen, so hätte sich folgendes Verhältnis herausgestellt: In Stadt Berlin sind einschließlich des sogenannten Vieh- hofviertels insgesamt 421 688 gültige Stimmen abgegeben, bei zehn Mandaten wäre der Divisor also 42 168. Es hätten dem- nach erhalten die Sozialdemokraten mit 318 951 Stimmen sieben Mandate(Rest 23 775 Stimmen), die Freisinnigen mit 70796 Stimmen ein Mandat(Rest 28 628 Stimmen). Die zwei noch fehlenden Mandate würden erhalten: eins die Freismnigen, da sie mit dem Restteile von 28 628 dem Divisor am nächsten kämen; als die zweitnächsten erhielte die Sozialdemokratie noch ein Mandat. Demnach wären in der Stadt Berlin acht Sozial- demokraten und zwei Freisinnige gewählt worden. Hätten aber nun Konservative, Antisemiten und Zentrum ihre Liste� verbunden— was bei der damaligen Parteikonstellation möglich war'—, so hätte diese Gruppierung mit insgesamt 27 505 Stim- men das Mandat errungen und nicht die Sozialdemokratie. In Teltow-Beeskow sind 1912 folgende Stimmen abgegeben: 163 765 Sozialdemokraten, 70 089 Freisinnige, 29238 Konservative, 9814 Demokratische Vereinigung, 3928 Zentrum, 941 Polen, 807 Christlichsoziale, 467 zersplittert. Insgesamt sind also 279 049 Stimmen abgegeben worden, und da nun sieben Mandate zu verteilen wären, so ist der Divisor 39 864. Demnach hätten erhalten: die Sozialdemokratie vier Mandate(Rest 4309 Stimmen), die Freisinnigen ein Mandat (Rest 30225). Die noch zu verteilenden zwei Mandate hätten erhalten die Freisinnigen eins und die Konservativen eins. In Niederbarnim haben(nach Abzug des sogenannten Biebhofviertels). im Jahre 1912 Stimmen erhalten 81 370 Sozialdemokraten, 19 087 Konservative, 12 864 Freisinnige, 2182 Zentrum, 492 Polen und 181 waren zersplittert._ Insgesamt sind also 116626 Stimmen abgegeben worden, in die drei Mandate zu verteilen wären. Der Divisor ist also 38 875. Demnach hätten erhalten die Sozialdemokraten zwei Mandate :md die Konservativen ein Mandat. Kroß-Berlin hätte also— wäre das Gesetz im Jahre 1912 bereits in Kraft gewesen— an Ilbgeordneten entsandt: Sozial- demokraten 14(bisher 7), Freifinnige 4(1), Konservative 2(0). Bei der nächsten Wahl ist mm sicher zu erwarten, daß die Zahl der für die sozialdemokratischen Parteien abgegebenen Stimmen sich stark vermehren werden und damit auch die Zahl der errungenen Mandate. Wie hoch wird nun der Anteil der Unabhängigen daran sein? Wir sind wohl alle über- zeuat, daß sich die Mehrzahl der sozialdemokratischen Wähler für die» a l t e sozialdemokratische Partei entscheiden wird. Hoben doch bisher alle allgemeinen und geheimen Wahlen zugunsten der alten Partei entschieden, und nur bei der öffentlichen Stimmenabgabe war es den Unabhängigen möglich, Erfolge zu eerringen. Außerdem macht sich ein starker Drang nach Einig- keit bereits bemerkbar, namentlich aber' ein Abwenden der großen Masse der Arbeiter von der Taktik der Unabhängigen. Unsere Genossen dürfen aber trotzdem nicht etwa denken, die Erfolge fallen ihnen mühelos in den Schoß. Der nächste Wahl- kämpf wird in Groß-Berlrn heftiger und leidenschaftsicher ge- führt werden wie alle bisherigen. Die Bürgerlichen hatten in sieben Berliner Wahlkreisen bis jetzt wenig oder gar keine Aus- ficht, ein Mandat zu erringen, ihre Anstrengungen waren daher nicht allzu groß. Geld und Leute verwandten sie mehr für die Wahlkreise, die ihnen Ausficht boten. Anders wird es jetzt. Sie werden in den Berliner Wahlkreisen weder Geld noch Mühe scheuen, um ihre Stimmenzahl zu erhöhen. Dazu kommt noch die Agitation der Unabhängigen, die namentlich hier in Jier Hauptstadt unter allen Umständen und mit allen Mitteln Er- folge zu erringen suchen werden. Die Anhänger der alten Partei dürfen sich also nicht in Sicherheit wiegen. Die beste Vorbereitung für jede Wahl ist die weiteste Ver- breitung der Parteipresse, der schlagfertige Ausbau der Parteiorganisation und gefüllte Kassen. Hier hu bessern, aufzubauen bis zur möglichsten Vollkommenheit, ist die Ehrenpflicht jedes einzelnen, der sich mit Stolz Sozialdemo- krat nennt._ was will die Entente in Rußlanü! Bern, 10. August. Auf eine Anftage des Abgeordneten K i n g im englischen Unterhause am 5. August, ob die Erklärung der englischen Regierung über die Operatwuen der Alliierten in Rußland gleichzeitig namens Frankreichs, Japans und der Ve reinigten Staaten erfolgt sei, erwiderte B a l f o u r: Wir haben keine Erklärung für unsere Verbündeten abgegeben. Was wir im eigenen Namen erklärt haben, lautet:„Das Ziel Seiner Majestät Regierung ist die Herbeiführung der politischen und Wirtschaft- lichen Wiederherstellung Rußlands ohne innere Ein- Mischung irgendwelcher Art und die Vertreibung der feindlichen Streitkräfte vom russischen Boden. Seiner Majestät Regierung erklärt kategorisch, daß sie keinerlei Absicht hat, im geringsten Maße die territoriale Integrität Rußlands zu verletzen." Ich hege keinen Zweifel, daß dieses im völligen E i n k l a n g mit der Ansicht aller vereinigten Regierungen steht. King ftagte mit offenkundiger Ironie weiter: Wäre es nicht ebenso gut, wenn diese bewunderungswürdige Kriegsziel- Erklärung mit der bestimmten ausdrücklichen Zu st im- mung der Bundesgenossen durchgeführt würde? ' B a l f o u r antwortete: Unsere Bundesgenossen mögen es für weise halten, eine gemeinsame Erklärung abzugeben oder nicht, es genügt, daß die verschiedenen Regierungen eine eigene Erklärung abgeben. S n o w d e n fragte, wie der Ausdruck„Herbeiführung der politischen und wirtschaftlichen Wiederherstellung Rußlands" zu verstehen sei.(Thorne rief ihm zu: Alle Deutschen hinauszuwerfen.) Balfour antwortete: Es bedeutet, daß wir hoffen, Ruß- land Polstisch in einer geordneteren Lage zu sehen als jetzt. Neben anderen Tingen hat es diese Bedeutung. Balfours Worte klingen sehr edel und zurückhaltend. Die Praxis des englischen Vorgehens in Rußland sieht freilich etwas anders aus. Zum Beispiel mahnen die englischen in Wladiwostok gelandeten Militärbehörden die Bevölkerung, sich mit den von den Bolschewiki abgesandten Agitatoren nicht einznlasien. Jeder Bürger der Murmanküst«, der die bolschewistischen Vertreter versteckt hält rcher ihnen Hiffe leistet, wird mit dem Tode bestraft. Die Boffche- wiki setzen übrigens die Reprefsivmaßnahmen gegen die Er- schießung ihrer Anhänger fort.„TempS" berichtet, daß der f r a n- zösische Generalkonsul Grenaud, sein Kollege Nazon und General Lavergne, da» Haupt der französischen Mrlftärmtssion, in Moskau von de« Bolschewiki verhaftet wurden. Auch nicht sehr im Sinn« der von Balfour verherrlichten ll n. eigennützigkeit der Entente scheint eS zu liegen, wenn die Japaner, deren Vorposten schon am Baikal-See stehen sollen, einen ganzen Stab von Bergbauingenieuren nach Sibirien mitbringen, die die dortigen Gruben ausnützen wollen. Damit die Ausbeutung derselben möglichst rasch von statten geht, werden für die Arbeiten in den Gruben gleichzeitig Tausende von Chinesen enffandt. An der Ohnmacht der Sowfetvegierrrng gegenüber den Entente- eirchringlingen hat fich wenig geändert. Die der Roten Armee zugeterlte« Offiziere werden in Masse verhaftet. Denn es hat sich herausgestellt, daß die Offiziere im Geheimen eine große An- zahl der Roten Garde für ihre Sache gewannen und in einem etwaigen Kampf fich auf die Seite derGegner stellen woll- ten. Viele der Verhafteten wurden erschossen. Im Kampf gegen die Tschecho-Slowaken meldet in« Sowjet- regierung einige Erfolge, denen aber auch Schlappen der Sowjet- truppen gegenüberstehen. Miljukows Hoffnung auf üie preußischen Junker. Kowno, 10. August. Miljukow hat fich seinen Parteigenossen gegenüber gegen den Vorwurf des Verrates in einer Denk- schrift verteidigt. Wie die„Baltisch-Litauischen Mitteilungen" der „Jswefiija" entnehmen, enthält diese Verteidigung, die als Manu- skript in Moskauer kadettischen Kreisen verbreitet wird, folgende Darlegungen: Zum Verrat mutz ein Objekt vorliegen. Dieses Objekt könnte nur Rußland sein, aber dieses existiert nicht mchr. Von Verrat könnte man reden, wenn der Krieg mit Deutschland fortdauerte. Der Krieg ist jedoch durch den Brest-Litowsker Frieden liquidiert. Historisch hat sich eine derartige Lage gebildet/daß wir nur bei Teutschland Hilfe finden können. Ich befürchte nicht/daß Rußland zum Sklaven Deutschlands' wird. Es ist völlig klar, daß die bolschewistische Macht und deren erzwungener Ver- band mit ihr für Deutschland nicht Vorteil hat. In Deutschland können wir uns auf die Agrarpartei stütze«, und bei gegenseitigen Kompensationen könnte diese zur Wieder- Herstellung der Ordnung in Rußland beitragen. öratianus Politik vom Senat verurteilt. 57 gegen 1 Stimme für Anklagecrhebung. Bukarest, 10. August. Im Senat verlas Mieles cu nachfolgen- den, von zahlreichen Senatoren unterzeichneten Antrag: De. Senat verurteilt in Uebereinstimmung mit der Deputiertenkam- mer und mit dem Gefühle des Landes die unbesonnene, schlecht geleitet« und den guten Ruf des Landes s ch ä digende Politik der früheren Regierung und will an dem begonnenen Werke der Gerechiigkeit teilnehmen. Außer großen politischen Fehlern hat die Regierung Braiianu noch eine Reihe von Uebertretungen begangen, welche vom Straf- gesetz und dem Gesetz über die Ministerverantwortlichkeit vorge- sehen und bestraft werden. Der Senat billigt vollstän- dig das Vorgehen der D e p u t i e r t« n ka m m e r und ist der Ansicht, daß Bratianu und alle, welche sein Ministerium bil- deten, insgefaint verantwortlich sind und unter Anklage vor Ge- richt gestellt werden müssen. Dieser Antrag, durch welchen der Senat sich rückhaltlos dem Anklageantrag gegen die frühere Re- gierung anschließt, wurde zur namentlichen Abstimmung gc- bracht und mit 67 gegen eine Stimme bei sechs Stimmerrtbalwngen angenommen. In der gestrigen Kammersitzung wurde mft 70 gegen 2 Stimmen die Gesetzvorlage angenommen, durch welche die Regierung für die Zeit bis zum allgemeinen Frieden ermächtigt wird, während der Parlamentsferien oder im Falle der Auflösung der gesetzgebenden Körperschaften Verordnungen mit Gesetzkraft zu erlassen. Bukarest, 10. August. In neutralen und auch in deutschen Blättern wurde gemeldet, daß im besetzten Gebiete Ru- mänienS neuerdings der Belagerungszustand verhängt weichen inch diese Maßregel in der gereizten Stimmung der rumänischen Bevölkerung begründet sei. Diese Nachricht ist unrichtig. Sir dürfte mit der Tatsache rn Verbindung stehen, daß das Jassver Parlament vor einiger Zeit das Gesetz über den Belagerüiuis-ustand' verlängerte, welches schon s« i t K r i eg» d e g i n n in Kraft, ist. Die Verlängerung ersckiien in der gegenwärtigen Uäbergangszeit durchaus selbstverständlich und fand weder im Parlament noch in der öffentlichen Meinung Widerspruch. Bukarest, 10. August. Aus Jassp wird gemeldet: Gegen den früheren Chef der rumänischen Sicherheitspolizei Panaitescu wuxde ein Haftbefehl erlassen. Panäitescu, der sich in Varatec befand, wurde nach Jas sy gebracht und einem langen Verhör unterzogen. Es ist allgemein bekannt, daß Panai- tescu schon vor Ausbruch des rumänischen Krieges hohe Summen von der Entente, besonders von russischer Seite, entgegengenommen hat und sein Amt ausschließlich in deren Interesse leitet«. Ferner wurden Haussuchungen bei dem Chef der Liberalen in Jassy Georges Marzescu, der unter Bratianu Landwirtschafts- minister war, und im liberalen Klub vorgenommen. Der die Unter- fuchnngen geheim sind, find Einzelheiten noch nicht bekannt. Der Ramsthhaufen. Von Robert Grötzsch. Ob das wohl'ne Art ist! Ob das wohl einer versteht, daß fich ein gesetzter Herr, wie der alte Joachim, plötzlich als Lümmel benimmt und harmlose Leute beschimpft! Nein, also wirklich, es ist schon wie die Anna sagt. Man könnte fich in die große Zehe beißen, sagt die Anna, feine HauS- hälterin, die rotblonde. Man ist zwanzig Jahre lang um den alten Kracher und seine Bücher gewesen, man hat seinen Vollbart wachsen und grau werden leben, tagelang kann er still wie ein Maufwurf auf feinem Schreibtisch wühlen— und nun geht er emes Tages auf den Markt hinunter, wird dort plötzlich munter, donnert die Leute an, flucht und schimpft wie ein Betrunkener. Ob das wohl einer versteht? Ob das.wohl einer versteht: Früh geht Herr Joachim spa- zieren, harmlos, langsam mit dem Stock bergab stackend. Nichts Verdächtiges merkt man ihm an, gar nichts. Geht den Berg hinab und gerät kurz vor dem Marktplatz in einen Hof, wo alte Möbel versteigert werden. Alte Biedermeierschränke. Ein geblümtes Kanapee. Bettstellen, die man knarren hört, wenn man sie an- sieht. Ein Kinderbett, aus dem es noch wie Lachen und Lallen klingt. Ein Spinett. Eine Kommode, deren halboffene Fächer nach Luft schnappen. Verblichene Familienphotographien. Haus- fegen. Eine Kuckucksuhr. Bilder, auf denen der alte Fritz daher sprengt und Blücher an der Spitzo preußischer Garden reitet. Um das alles geballt Menschen mit tastenden, abwägenden Blicken. Händler mit geringschätzigen Mienen. Damit nicht so stürmisch geboten wird. Denn' der Auktionator versiebt sein Ge- schäft, tönt den Vormittag mit heller Stimme an, zieht die Käufer, gruppen rundum mit fich. Die Preise steigen wie an einer senk- rechten Leiter— immer zwei Sprossen auf. - Was will hier Herr Joachim? Was hat er hier zu suchen? Er will nichts kaufen, nein. Was drängt er sich also zwischen den feilschenden Menschen! Will er nach alten Büchern schnüffeln, wie ers beim Altwarenhändler gern treibt? Die Sonne schmeißt ein Bündel Strahlen zwischen die Giebel ap.f Hausrat und Gerumpel. Die alten polierten Nußbaummöbel bekommen flimmernde Lichter und funkelnde Augen. Auf dem Kücheutisch zwischen Gläsern, Nippeskitsch und schlichtem Blech- gerät fängt ein goldig-blechcrner Bildcrrahmen das Feuer der Sonne auf und steht in Flammen. Blitzende Strahlengarben schmeißt er um sich. Mitten drin eine Photographie: ein Soldat, feldgrau, junges, fri sches Gesicht, bbondes Schnurrbärtchen, das Band des eisernen Kreuzes im Knopfloch. Kr lächelt gradamst mitten in den Menschenschwarm hinein, der fich feilschend von Stück zu Stück schiebt. Er lächelte zu Herrn Joachim auf, der seinen hochgezogenen Buckel senkt und den träumerischen Jüng- lingsblick aufhascht. Wo der wobl jetzt stecken mag, denkt der alte Herr. VreKeicht in Flandern? Oder vielleicht in der russischen Barbarei wert da hinten? Vielleicht auch deckt ibn schon--- Aber da ist der Menschenschwarm auch schon am Küchentisch. Der Auktionator packt die Photographie und hebt seinen Habybart. Herr Joachim schreckt vor dem hälsereckenden Menschenschwarm ein Stück zurück. „Na also, wer nimmt die Photographie? Ein schönes Bild, ein schöner Rahmen!" Schweigen. Die Blicke der Menge gleiten über den Küchen- tisch bin, betasten zwei Polsterfessel. Ob da wohl schon die Motten drin sind. „Na also: eine Mark mit Rahmen!" Schweigen. Was man wohl mit solchem BW anfangen soll! „Na also: fünfzig Pfennige! Ist schon der Rahmen wert!" Schweigen. Die Menge zerstreut sich um die beiden Sessel, b-nrhlt die Polster. ,.Na also, da geht's mit dem Ramschhaufen weg!" Und der Haby hart legt die Photographie auf einen Eimer, über dessen Ränder altes, ehrliches, langgedientes Blechgerät lugt. Dort liegt nun der Soldat, guckt schräg hinauf zum Himmel, schräg an Herrn Joachims Hutrcrnb vovbei. Der fit bleich geworden. Unter seinen buschigen Augenbrauen, die über den Nasenrücken hinweg spielen, irrt ein Blick hervor, der eine Beschimpfung ist für alle, die tastend um die Polstersessel herum streichen. Schüchtern schleicht er sich an den Eimer heran, nimmt das Bild in die weiße, schmale Hand, hascht wieder nach dem lächeln- den, träumerischen Blick und muß an zwei Burschen denken, die vor dem Kriege des Abends oft so ausbündig an Joachims Garten- hecke vorüber lachten, und die er nie gesehen hat, nie... Und deren Lachen heute vielleicht in einem Massengrab verscharvt liegt, wie dieser hier... Er dreht das Bild. Die blanken Rahmenecken zischen gleißend im Sonnenfeuer auf. lieber die Rückseite aber läuft eine flotte Schrift:„Euer Sohn Paul." Herrn Joachim fährt ein« heiße Welle im Leibe umundum. Mit zitternden Fingern stellt er das BW wieder leis auf' den Küchentisch. Die Stimmen um ihn versinken in einem rauschenden Meer, aus dem hin und wieder laute Blasen kochen, steigen, platzen. .Dreißig Mark zum ersten!" „Vierzig!" _.Künfzig!"„......... Der Auktionator läßt preisend eine dunkelrote Plüschportiere auS erhobenen Händen a-ufrollen. Wie ein Vorhang senkt sich dies Dunkclror zwischen das schwatzende Meer und den alten Grau- bart, der auf das Bild hinabstarrt. Paul, denkt er, vielleicht bist du einmal auf den Sesseln dort berum gerutscht. Vielleicht fit dein Vater gestorben oder deine Mutter. Wer weiß, welches Schicksal dich hier auf den Ramsch- eimer spülte. Und die da hinterm Vorhang feilschen und schachern und streiten um Dinge, aus denen deine Kindheit guckt. Und mährend die da aufgeregt schachern und handeln und dich auf den Ramsch- häufen schichten, liegst du im flandrischen Graben. Oder du fchläfft schon lange unter irgend einem kleinen Holzkrcuz in Polen— oder in der Champagne—"—' Da ist der Vorhang plötzlich weg. Das plappernde Meer wogt wieder an den Kücheniifch heran. Der Auktionator packt die Photographie, legt sie auf den Eimer. „Na also: das Letzte! Wer nimmt den Ramschhaufen! Schöner Ramsch, feiner Ramsch!" Zahlen fallen unterm Habybart hervor, fallen müd und dumpf wie faules Obst: Einsachtzig. Einsfünfzig. Einsdrcißig. Groschen um Groschen abwärts. Herr Joachim ist wieder bleich geworden. Nur über den buschigen Augenbrauen flammte eine Röte. Er reißt das Bild vom Eimer, fingert im Portemonnaie, schmeiß: einen Rosa-Schein auf den Tisch. Die Leute schauen ihn an wie ein verrücktes Tier, stoßen ein- ander verschmitzt mit dem Ellenbogen, während Herr Joachim komisch mit dem Stocke fuchtelt. Sein« Lippen sind weiß und beben. Aber er bringt nicht, viel zu Markte. „Bande!" schreit'er nur.„Bande seid ihr!" Er' geht. Dreht sich im Hoftor um.„Bande alle miteinander!" Ein Dicker mit blauer Schürze will ihm nach, aber seine Frau hält ihn zurück.„Das siehste doch, daß der--" Sie deutete auf Joachims Zweimarkschein und dann auf die Stirn. . Das plappernde Meer aber grollt und murrt und.schäumt. Ein Flegel! Ob das wohl eine Art ist! Ob das wohl einer ver« steht, he... Ob das wohl einer versteht! Hermann Bahr— Burgtheaterdirektor. Wien, 11. August. Das.Fremdenblatt" meldet auS Salzburg, nach den Verhandlungen mit dem Generaltntendanten Baron Andrian hätte sich Hermann Bahr unter bestimmten Bedingungen bereit erklärt, die Leitung des Burgtheaters zu übernehmen. Bahr M bereits am 1. September Amt antreten, t)ßC dritte Tag der feindlichen(DfiTenfioe. I � � � 2�"dwrrbe die Empfindung haben müssen, dass --'' man fte in Verkennung der ländlichen Verhältnisse ungerecht be. urteilt und daß man bei Prüfung der zu ergreisenden Maßnahmen � Vetltn, 11. August. Am dritten Tage ihrer Ck-sfensive sind die xv r a n z o s e n zum srontalen Angriss aus die deutsche �ront zwischen Montdidier und der Matz geschritten. Da es auch hier sich um kein festes Stellungsshstem, sondern nur um eine vor- läufige Verteidigungsanlage handelt, sind die deutschen Haupt- träste in ein günstigeres Kampfgelände zurückgenommen. Die französischen Angriffstruppen, die nach starker Artillerievorbreitung unt?r Begleitung von Tanks vorbrachen, stießen lediglich auf N a ch- hüten, deren Maschlnengetvehre jedoch den Gegnern so empfind- liche Verluste zufügten, daß seine Angriffe überall zum Ziehen kamen. Nach blutigster Abwehr der französischen Anstürme, die unter schwersten Verlusten schon vor unseren Nachhutlinien zusammenbrachen, konnten sich die deutschen Nachhuten wohlgeordnet mit ganz geringen Ber lusten und ohne Einbuhe an Material vom Feinde lösen, und über die im Heeresbericht genannte Linie zurückziehen. Nördlich der Slvre setzten die Engländer und Franzosen rücksichtslos stärkste Kräfte ein, um nach Süden zu den sich zwischen Avre und Matz neugruppierenden deutschen Truppen doch noch in den Rücken zu kommen und um nach Norden zu durch Zertrümmerng des deut schen Widerstandes zwischen Albert und der Somme die deutsche Aljcrcfront aufzurollen. Schwerste Menschenopfer, sowie massen- liafter Verlust von Tanks, die zu Dutzenden zerschossen und ver. brannt vor den deutschen Linien liegen, brachten die Entente« truppen ihrem Ziele nicht näher. Die gegenwärtig zwischen Ancre und Matz entbrannten.Kämpfe sind nicht noch dem augenblicklichen Geländegewinn oder-Verlust zu werten, sondern es handelt sich um eine Bewegungsschlacht größte« Stil«, die infolge der deutschen menschemsparenden Kampfesweise schwer ersetzbare Lücken sin die besten.Kampftruppen der Entente reißt. die deutschen Truppen dagegen zu künftigen Aufgaben kampfkräftig erhält. Englischer Bericht vom 10. August, mittags. Gestern nach- mittag und abend wurde der Vormarsch der verbündeten Truppen an der ganzen Fronr von südlich Montdidier bis zur Ancre sortgesetzt. Die Franzosen, die südlich von Montdidier an- griffen, nahmen im Laufe des Nachmittags die Orte Le Tronquoy, Le Frtztoy und Assainvillrrs und bedrohten Montdidier von Süd- osten her. Sie machten in diesem Abschnitt über 2000 Gefangene. Kanadische und australische Divisionen nahmen Bouchoir, Mehari- court und NihouS(?) und drangen in Rainecourt und Proyard ein. Am Abend griffen Engländer und Amerikaner in dem W i n- tel zwischen Somme und Ancre an und erzielten sofort einen Erfolg. Mit Einbruch der Nacht waren alle Ziele einschließ- lich des Dorfes Morlancourt und der Hochfläche südöstlich davon genommen, Feindliche Gegenangriffe in diesem Abschnitt wurden nach scharfem Gefecht abgewiesen. Die Zahl der von den Alliierten seit dem 3. August gemachten Gefangenen übersteigt 24 000. Französischer Heeresbericht vom 10. August nachmittags. Die auf dem rechten Flügel der englischen Kräfte operierenden ftanzö- siichen Truppen setzten ihren Erfolg gestern in den Abendstunden und in der Nackt fort. Die Franzosen rückten östlich ArvillerS vor und eroberten Davanescourt. Südlich von Montdidier, zwischen Avencourt und le Fretoy, angreffend, eroberten sie Rubescourt und Asfainvlllers und erreichten FaverolleS. Zinnland. Wie ein Königreich gemacht wird. HelsingforS, 10. August. In der heutigen Plenarsitzung stand der vom Ausschuß gutgeheißene monarchische An- trag, die Regierung zu ersuchen, die zur Vornahme der Königswahl cmf Grund des Z 38 der alten Verfassung(von 1772!) erforderlichen Maßnahmen zu treffen. Nach vierstündiger Debatte wurde ein republikanisches Pe- titum, den monarchistischen Antrag schlechthin zu verwerfen, mit 6 8 gegen ZP Stimmen abgelehnt. Der monar- chlstiscbe Antrag siegte schließlich mit 5 8 Stimmen gegen 44, die einem Kompromiß zufielen, das die Ein- bringung einer neuen Regierungsvorlage vorsah. Auf Grund des gefaßten Beschlusses wird der Landtag voraus- sichtlich Anfang September§u einer außerordentlichen Tagung zwecks Vornahme der Königswahl einberufen. Um 6 Uhr abends wurde noch Verlesung des Gutachtens de« Grundgesetzausschusses die Sitzung um«ine halbe Stunde vertagt; sie begann wieder um 7 Uhr. Der Altfinne Senator I n g m a n sagte, von Staatsstreich könne nicht die Rede sein, da Fftirt- lanb im Dezember 1917 keine republikanische Staats form er- halten habe. Der Agrarier Wuorimaa erklärte, die Volk?- stimmung sei jetzt ungefährlich, da die Sozialisten aufgerieben seien; er verlangte eine.neue Regierungsvorlage. Der Schweden- führer Baron W r e d e meinte, angesichts der erregte« Stimmung im ganzen Lande, namentlich in Karelien, sei es hohe Zeft, dem zwecklosen Parteikampf ein Ende zu machen. sachverständiges landwirffchaftliches Urteil übergeht, weil man gstaubt, sich dem Machtgebot der Verbraucher fügen zu müssen. Von einem„beherrschenden Einfluß" der Sozialdemokratie und der Gewerkschaften haben wir bisher nicht das mindeste be- merkt. Aber, abgesehen von solchen Uebertreibungen, wie würde es heute in Deutschland erst aussehen, wenn es ohne sozialdemo- kratische Gegenwehr der Diktatur des Agrariertums schranken- los ausgeliefert wäre!? Wenn aber die ländliche Bevölkerung unter den notwendigen Wirkungen des Krieges— und um sie handelt es sich— seufzt, so soll sie uns doch helfen, diese Leiden mit dem Kriege selbst zu Ende zu bringen. Gegen das k r i e g s- verlängernde Treiben der konservativ-all- deutschen Eroberungspolitiker wird sie sich dann sehr energisch zur Wehr setzen müssen! Die Sozialdemokraten haben Schuld! Das Machtgebot der Verbraucher. Während des Krieges haben die Landwirte, wenn es ihnen auch unstreitig viel besser geht, als den Massen der Stadtbe- wohner, wie diese auch unter einer großen Summe von Verord- nungen zu leiden. Das gehört zu den unvermeidlichen Kriegs- leiden, weil, wie ziemlich allgemein anerkannt, die„freie Wirtschaft" im Kriege direkt zum Massenhungertod und damit zum sichern Verlust des Krieges führen würde. Tie konservative Demagogie will jedoch diese Selbstverständlichkeit nicht zugeben und benutzt die auf dem Lande vorhandene Mißstimmung dazu, auf dem Lande antisozialdemokratische Wahl- stiiiimuiigsmache zu treiben, indem sie alle Schuld an allen Kriegslciden— tue, wie schon gesagt, für die Landwirte noch leichter zu tragen sind als für die Jndustriebevölkerung, munter den sozialdemokratischen Arbeitervertretern in die Schuhe schiebt. In diesem Sinne schreibt in ihrer Sonntags-Uebersicht die „Kreuzzeitung": Die Vcrkennung der landwirtschaftlichen. Verhältnisse ist frei- lich nicht die einzige Ursache dafür, daß die Organisafton der Kriegswirtschaft einen für die Landwirtschaft so bedenklichen Gang genommen hat. Hinzugetreten ist der beherrschende Ein- fluß, den die Gewerkschaften und d,e sozialdemo- kratische Partei aus die Regierung auszuüben vermochten, um jene Fülle von Anordnungen herbeizuführen, die schon wegen ihrer Anzahl unübersehbar und unausführbar sind, die aber, was noch schlimmer ist, den Landwirt auch über das sachlich gebotene Maß hinaus auf Schritt und Tritt hemmen und ihn einer Bevormundung und Beaufsichtigung unterwerfen, die er nicht nur als unsachgemäß, sondern häufig geradezu als ent- würdigend empfinden mutz. Man täusche sich nicht über das Matz der Miß st im m u n g, daS wegen dieser Verhältnisse .in de« landwirtschaftlichen Kreisen besteht und das uw so größer Gegen Äcknowskp. Einer, der's nicht erwarten kann. Der.Krefelder Professor Dr. Buschbell macht in der»Köln. Volksztg." darauf aufmerksam, datz Fürst Lichnowskh zwar eine dänische llebersetzung seiner Schrift aus dem Buchhandel zurück zog, aber nicht verhinderte, datz ein Züricher Verlag die Schrift in deutscher Sprache zusammen, mit Reden Greys und PichonS nebst dem Briefe Dr. Mühlons verbreitet. Tue Fürst Lichnowskh keinen Schritt, um die Züricher Veröffentlichung aus der Welt zu schaffen, darr» hätte man einen neuen Fall Lichnowskh, noch bevor der erste seine strafrechtliche Ahndung gefunden hat. Datz dem Für. sten Lichnowskh die Anklage nunmehr zugestellt worden sei, davon sei einstweilen noch nichts bekanntgeworden. Und ebensowenig ver- lautete, ob der Beschluß, den das Herrenhaus zum Antrage über die Ausschließung Lichnowskhs faßte, die erforderliche Bestäti gung der Krone gesunden hat. Da der Beschluß des Herrenhauses schon vor einer Reihe von Wochen gefaßt wurde, sei die Eut- eidung der Krone wohl demnächst zu erwarten. So Herr Buschbell! Was dadurch erreicht werden soll, wenn der Neudruck einer Schrift verhindert wird, die schon in allen Zeitungen der ganzen Welt veröffentlicht worden ist, bleibt ein Ge. heinrnis. Aus dem ganzen spricht nur die naive Ungeduld, recht bald mft sein zu. dürfen, wenn einer verbrannt wird. Ein Schwinde! des gelben tzerrn Aldorf. Scheide», auv und die Kriegsbeschädigten. Genosse Scheidemann schlecht uns: „Von verschiedenen Seiten wurde ich darauf aufmerksam ge- macht, daß ein Herr Adorf, der für den Essener Kriegsbeschädig- ten-Verband reist, in öffentlichen Versammlungen mit der dreisten Behauptung hausieren geht, ich hätte ihm einmal gesagt: „Für die Kriegsbeschädigten habe ich keine Zeit!" Diese Be- hauptung, die meiner Betätigung im Interesse der Kriegsbe- chädigten schnurstraks zuwiderläuft, trägt so deutlich den Stem- zel der tendenziösen Erfindung, daß ich es für überflüssig halte, mich mit dem genannten Herrn Adorf weiter zu befassen."— Der Schwindel des Herrn Adorf nimmt sich um so schöner aus. wenn man bedenkt, daß gerade er dem„Reichsbund der Kriegsbeschädigten" und der sozialdemokratischen Fraktion bei ihren Bestrebungen, die Lage der Kriegsbeschädigten zu bessern, in den Rücken gefallen ist, mit der albernen Behauptung, wäh- rend des Krieges sei eine Aenderung des Mannschastsvcrsor- gungsgesetzes unmöglich und die dahin gerichteten Forderungen eien ungefähr dem Landesverrat gleichzusetzen. Das Mann- schastsversorgungsgesetz ist trotzdem— entgegen den Beteuerungen dieses merkwürdigen.ffriegsbeschädigtenorganisators— zugunsten der Kriegsbeschädigten abgeändert worden. Was da- bei erreicht wurde, ist gewiß nicht ausreichend, es ist aber gegen Adorf und Genossen zustande gekommen. Im übrigen kann daran erinnert werden, daß Herrn Adorf eine mangelnde Wahrheitsliebe schon von verschiedenen Ver- tretern der öffentlichen Kriegsbeschädigtenfirrsorge, so Herrn Landesrat Dr. Horion und Landesdirektor v. Winterfeld-Mer- Hein, in amtlichen Protokollen bescheinigt worden ist. Delgien und das Such Moje. Die bibelfeste Vaterlandspartei. Zu welchen Mitteln die Vaterlandspartei greift, um für ihre Annepionswünsche Propaganda zu machen, lehrt ein Flugblatt, das der Niederrheinisch-Westfälische Lcmdesverein der Vaterlandspartei von Dortmund aus verbreftet. Darin heißt es: WaS ist nicht schon alle? über Belgien geschrieben und ge- sprachen worden. Wenn wir in der Geschichte suchen, dann finden wir, datz dsrsellbe Fall schon vor Dausenden von Jahren dagewesen ist, und weil in diesem Fall der Wille der Vorsehung so schön klargelegt ist, bitte ich den lieben Leser, in der Bibel b. Mose 2/26— 36 nachzulesen. Warum mutzte der König St hon sich weigern, die Kinder Israel durch sein Land ziehen zu lassen? Worum mutzte er seine Heere den Kindern Israel in den Weg stellen? Die Antwort grbt uns der 30. Vers: weil Land und Volk in die Hände der Israeliten kommen sollte, darum mutzte der König Schon den Kindern Israel den Durchzug verweigern. Liegt unser Fall in Belgien nicht gerade so? Wir lesen 5. Mose 2:„Da gewannen wir zu der Zeft alle seine Städte und verbanneten alle seine Städte, Männer, Weiber und Kinder und ließen nie- mand überbleiben. Allein das Vieh raubten wir für uns und die Ausbeute der Städte, die wir gewannen." Für die Vaterlandspartei herrscht noch der finstere Gott Jahve.. Das Christentum ist für sie noch nicht vorhanden. Letzte Nachrichten. Dir Kadetten bleiben englisch orientiert. Stockholm, 8. August. Die Petersburger Kadetten- Partei hat vor kurzem eine erneute Sitzung abgehalten. Es wurden Briefe Miljuckows verlesen, in denen er für die Not- wcndigkeit eines Bündnisses mit Deutschland eintrat und aus- führte, datz es für Rußland nur zwei Möglichkeiten gebe. Entweder zerfalle es in kleine Staatsgebilde, die später in langsamer Ent- Wicklung wieder zu einem großen Reich zusammengeschlossen wer- de« könnten oder man enffchetde sich für die d e u t s ch e O r i e n- tierung, an der auch Deutschland das größte Interesse habe, weil es ein starkes Rußland wünsche. Nachdem Winnever sich gegen die Ansichten Miljukows mit der Begründung ausgesprochen, datz kein Grund vorliege, die bisherige englische Orientierung der Kadetten aufzugeben, wurde in der Versammlung einstimmig beschlossen, an ber englischen Orientier trog festzuhalten. GroMerlln Straßenbahn-Schnippchen. Ein älterer Mann reicht auf der Straßenbahn(Linie Siemens u. Halske) seinen erst einmal gelochten Doppel- fahrschein hin. Die Schaffnerin ist noch nicht nervös und sehr höflich. „Bedaure, mein Herr, der Schein ist nicht mehr gültig.* Der Mann staunt und wird erregt. „Aber wieso denn? Ich bin doch erst einmal gefahren. Der Schein ist doch, wie Sie sehen, erst einmal gelocht." Die Schaffnerin bleibt ruhig und höflich. „Ja, das stimmt schon, aber der Schein hat nur zwei Tage Gültigkeit. Sie haben ihn, wie die durchlochte Zahl beweist, bereits vor vier Tagen gelöst." Der Mann beginnt zu schimpfen. „Unerhört... so eine Geldschneiderei! Ich habe doch die zweite Fahrt bezahlt und werde um mein Geld betrogen. Wie kommt die Berliner Straßenbahn dazu, das Publikum so zu bevormunden? Na. bei uns zu Hause dürfte das nicht passieren. Das würden wir uns nicht gefallen lassen." Die Schaffnerin bleibt ruhig und höflich. „Ja, es tut mir leid... ich kann es nicht ändern. Wollen Sie nun einen einfachen oder einen doppelten Fahr- schein?" Der Mann schimpft weiter und holt etwas umständlich eine erst fünfmal gelochte Achterkarte hervor. Die Schaffnerin knipst. Ueber ihr Gesicht huscht ein verständnisinniges Lächeln. Da meldet sich ein mitfahrender, etwa vierzehnjähriger Junge. „Schenken Se mir den abjeloofenen Fahrschein." Der Mann erfüllt den Wunsch. „Wenn's Dir Spaß macht... da! Was fängste denn mit den Schein an? Kriegst woll dasor Prozente von de Straßenbahn?" Der Junge, vielleicht ein künftiger Industriekapitän, kneift verschmitzt das eine Auge zu. „Prozente? Ja und nee! Ick habe Zeit zum Warten. Seh'n Se mal... der Schein is uff die Drei gelocht. Det heeßt in die augenblickliche Straßenbahnsprache: dritter Aujust. Nu warte ick bis zum dritten Sep- t e m b e r... da is der Schein wieder Wich." Der Mann hört zu schimpfen auf. Alles, was zugehört hat, lacht... auch die gemütliche Schaffnerin. Schieber vom Schlesische« Bahnhof. Ein Ende mit Schlagring und Pistolenschüssen nahm ein Sacharingeschöft, das aus dem Schlesi- schen Bahnhos zustandegekommen war. Zwei Händler nameu-i Hennig und Gefse, die beide nicht nur als Betrüger, sondern auch als gewalttäftge Menschen bekannt sind, verkauften aus dem Schlesischen Bahnhof einem Mann aus der Provinz sur 3700 M. Süßstoff in den vorschriftsmäßig aussehenden Päckchen. Der Käufer wünschte noch mehr von der sehr begehrten Ware und wollte auch das erforder- liche Geld beschaffen. Die beiden Schieber hatte» jedoch ein schlechtes Gewissen. Sie wußten, datz ihre Schachteln st a t t Sacharin nur wertloses Zeug enthielten, fürchteten die Entdeckung und wollten deshalb den Käufer abschütteln. Als das auf einem anderen Wege nicht gelang, versetzte ihm Gesse mit einem Schlagring einen wuchtigen Hieb aus den Mund. Dann wollten beide ent- fliehen. Aus die Hilferufe des' Geschlagenen kam jetzt aber ein Kriminalbeantter dazu. Er nahm Gesse fest, während es Hennig gelang, zu entkommen. Der Provinzler, der sich jetzt seinen Kauf genauer besah, und entdeckte, datz er betrogen worden war, machte sich nun auf den Weg. um den Flüchtigen zu suchen. Er hörte, datz er in Schankwirtschaften joner Gegend zu verkehren pflege, ging diese durch und stöberte ihn endlich auch in der-Weberstvatze auf. Jetzt holte er einen Schutzmann. Hennig gab sich aber keineswegs gleich gefangen, sondern griff den Beamten tätlich an. Nach zwei Fehlschüssen, von denen einer Berkefeld traf, überwältigte der ichutzmann den gefährlichen Schieber und nahm ihn fest. Der mausige Verbrecher. Trotz seines Prinzips der Vorsicht wurde vorgestern der berüchtigte Pferdedieb Robert Lange wieder einmal festgenommen. Lange ist jener Verboecher, der einmal einem Auffeher in Moabit gegenüber den.Staatsanwalt König" spielte und sich so fteien Austritt au§ dem Untersuchungs- gesängnis verschaffte. Nach wiederholten Entweichungen in der Provinz, entsprang er im Juni d. I. auch wieder aus dem hiesigen Untersuchungsgefängnis. Seitdem betrieb er von neuem den Fuhr- Werks- und Pferdediebstahl im größten Umfange. Hierbei wurde er von dem Kftminalwachtmeister Seinemeher festgenommen. Während des Verhörs auf dem Polizeipräsidium kam der Postbote mit einem Brief für Herrn Seinemeher. Er war vom»Staats- anwatt König", der ihn, wie er bekannte, um 2 Uhr nachmittags in Berlin S.W. 68 in den Kasten geworfen hatte und sich jetzt doppelt ärgerte, einmal, datz der Brief seiner Meinung nach zu spät bestellt war, und zweitens, datz er ihn überhaupt geschrieben hatte. Der sehr zuversichtliche Brief lautet:„Sehr geehrter Herr Wacht- meister! Es ist bedauerlich, datz Sie wieder Personen verhaftet haben, die mir Beihilfe geleistet haben sollen. Ich besitze annähernd 40 000 M. Barvermögen, habe es also gar nicht nötig, m i r durch eine strafbare Handlung der Gefahr einer neuen Verhaftung aus- zusetzen.... Auf Grund meiner praktischen Erfahrungen verfolge ich das Prinzip, in jeder Weise Vorsicht zu üben. Doppelt vor- sichtig bin ich jetzt, da ich Moabit»im Kriege" genau kenne. Es ist zwecklos, um meine Person einen Schritt zu gehen, denn Sie werden stets zu spät kommen usw."— Trotz seiner„Vorsicht" sitzt nun»Staatsanwalt König" im Kittchen. Nene Kartoffelkundenliste in Neukölln. Vom 12. bis ein- schließlich 17. August 1918 findet in Neukölln eine Neueinteilung zur Kartofselkundenliste statt. Bei dieser Gelegenheit ist wiederum ein Wechsel in der Person des Kleinhändlers zu- lässig. Die Anmeldung zur neuen Kundenliste erfolgt gegen Abgabe des an jeder Kartoffelkarte befindlichen Anmeldeabschnittes, auf dem Name und Wohnung des Anmeldenden vor Abgabe an den Kleinhändler sorgfältig auszufüllen ist. Der Kleinhändler hat auf der Rückseite der Kartosfeltarte seinen Namen und die Num- mer der Kundenliste einzutragen. Bei Ausgabe neuer Kartoffel- karten hat dies gleichfalls zu geschehen. Im übrigen wird aus die amtliche Bekanntmachung verwiesen. Wilmersdorf. Lebensmittel. Fortgesetzt wird bis einschließlich Donnerstag, den 15. d. M., der Verkauf von 200 Gramm Gersten- grausen oder-grütze auf Abschnitt 49, von 100 Gramm losem Suppenpulver auf Ilbschnitt 50 und von 200 Gramm Gersten- graupen oder-grütze auf Abschnitt 51 der allgemeinen Grotz-Ber- liner Lebensmittelkarte, sowie der Berkaus von% Pfund Heringen oder frischen Fischen bzw. 14 Pfund Räucherwaren auf Abschnitt 0 der grünen Bezugskarte für Einzelpersonen und auf Abschnitt A der grauen Bezugskarte für Einzelpersonen.— Für die Woche vom 12. bis 18. August dürfen auf die Abschnitte 33a bis 33g der .Hauptkartoffelkarte je 1t Pfund Kartoffeln, zusammen also höchstens 7 Pfund Karwseln abgegeben und entnommen werden. Diejenigen Personen, die in der Woche vom 5. bis 11. August d. I. die ihnen zustehenden Kartosse-ln nicht erhalten haben, können diese in der kommenden Woche noch in Empfang nehmen. Die Abschnitte 32a bis 32g der Hauptkartoffel karte behalten bis zum 18. August Kültigteit. Die Abschnitte 33a SWS 83g der Haupt- JoTfofFeöarfe HaSe» fc Set SBo�e 6om tt. W Y8. kluMst I!'-Milchkarte besitzen, je eine Pfunddose Malzextrakt zum Preise von 2,20 M. verabfolgt. Die Ware wird gegen Abtrennung des obersten Abschnittes der Vollmilchkart« mit der Bezeichnung ,A II" für ein Kind im 2. Lebensjahre in den 36 städtischen Verkaufsstellen, in denen die üblichen Nährmittel, wie Grieß, Graupen, Teigwaren usw. der- kauft werden, verabfolgt._ Marien darf. Lebensmittel. Die Gemeinde verkauft für Kin- der im zweiten Lebensjahr« auf A II September- Milchkarten und für stillende Mütter j««ine Dose Malzertrakt(2LO M.). Für die Kinder ist vorzulegen: die Geburtsurkunde des KindeS und die Milchkarte A II für September. Für stillende Mütter ist vorzulegen: die Milchckarte de? Kinde» für September und die Bescheinigung der Hebamme oder der Mütterberatungsstelle, daß zurzeit noch gestillt wird. Der Verkauf findet statt in den drei Gemeinde- laden vom Montag, den 12., bis Mittwoch, den 14. August. Der nachträglich noch während de» Monats Juli bei dem Händler KlabeS in Mariendorf und im Gemeindeladen Südende angemeldet« Sinmachezucker kann vom 15, August ab in Empfang genommen werden. Diejenigen Personen, die jetzt erst von der Reise zurückkommen, können sich in der Zuckerabteilung, Polizei. dienstgebäud«,' Zimmer 4, zum Nachempfang des EinmachezuckerS melden. Auf die nachfolgenden Nummern werben Salzhering« verkauft. Die auf den Wfchnttt Nr. 20 nicht belieferten Nrn. 16 000 bis 17 000 für Mariendorf und 3100 bis 850O für Südende werden zu- erst berücksichtigt. Gemeindeladen Ehausseestr. 283, Abschnitt 20: 12. August Nr. 16 001—17 000, 18. August Nr. 1001—2000; Gemeindeladen Ehausseestr. 87; 12. August Nr. 1—1000, 18. August Nr. 2001 bis 8000; Gemeindekode« Steglitzer Str. 26, Abschnitt 20: 12. August Nr. 8101-3500, 13. August Nr. 1—400. Gelocht wird Nr. 30. Der Preis für einen großen Hering beträgt 50 Pf., für einen kleineren 40 Pf. Abgegeben wird auf jede Karte 1 Hering. Die Kinder vom vollendeten 2. bis zum vollendeten 4. Lebens- jähre erhalten 1 Paket KriegSgebäck. Borzulegen ist die tt-Milchkarte für September und die Geburtsurkunde des Kindes. Der Verkauf find« statt in den drei Gemeindeläden, und zwar für die Bezugsberechtigten A— K morgen, L— Z am Dienstag.— Ferner erhalten Kinder im 1. bis 4. Lebensjahre auf August-Milch- karten A, A II und k je 2 Pfund Kindergerstenmehl (76 Pf. je Pfund), für Kinder vom 4. bis 6. Lebensjahr auf Augujt- Milchkarten L je 1 Pftind Zwieback(1,50 M.). Der Verkauf findet in den drei Gemeindeläden in bestimmter Reihenfolge statt. Nowewes. Lebensmittel. ES werden ausgegeben bei den Kleinhändlern: auf Abschnitt 51 der Lebensmittelkarte 100 Gramm .Graupen(7 Pf.), 2 Stück gleich 100 Gramm Suppenwürfel zum Preise von 20 Pf., 1 Auslandsei zum Preise von 56 Pf. auf Ab- schnitt 21 der Eierkarte. Die Karteninhaber haben Montag und Dienstag den Lebensmitielkartenabschnitt 52 und den Wschnitt 21 der Eierkarte bei dem Kleinhändler abzugeben, bei dem sie die Ware zu beziehen wünschen. Die Waren sind vom Freitag, den 16-, bis Sonntag, den 18. August, in Empfang zu nehmen. Radrennen in Treptow. Der durch zahlreiche Motor- und Rad- schaden gestörte Große SommerppreiS, ein Dauerreanen nach Punktwertung, in drei Läufen über 20, 30 und 50 Kilometer, ent- kehrte jedes iportlichen Reizes. Pawke gewann das Rennen obne eigentlichen Kampf vor Janke, Stellbrink und Appelhans. Ein starkbesetztes Hunderirundenprämienfahren dagegen zeitigte ein intcreßantes und lebhaftes Bild; es wurde von Abraham leicht vor Sawall gewonnen. In einem Erstsabren über 1000 Meter bemühten sich dann noch die Kleinsten unter den kleinen Fahrern, das Interesse der zahlreich erschienenen Radsportliebhaber wadjzurufen, Iva» ihnen aber kaum gelungen sein dürfte. Ergebnisse: Großer SommerpreiS. 1. Lauf, 20 Kilometer: 1. Pawke, 17 Min. 26 Sek.; 2. Janke 290, 3.»ppelhan, 1720, 4. Slellbrink 2500 Meter zurück. 2. Lauf, 30 Kilometer: 1. Jankg. 25 Min. 1 Sek.; 2. Stellbrink 598, 3. AppelhanS 2500 Meter zurück. 4. Pawke, weit zurück. 3. Lauf, 50 Kilometer: 1. Pawke. 47 Min. 4 Gek.; 2. Janke weit, 3. Stellbrink weit zurück; AppelhanS auf- gegeben. Gesamtergebnis: 1. Pawke 12, 2. Janke 13. 3. Stellbrink 14 Punkte.— Hundertrunde nprämienfahren: 1. Abraham, 49 Min. 9 Sek.. 2. Sawall, 8. Brockmüller. 4. Großmann, 5. Häusler.— Erftfahren, 1000 Meter: 1. Bohnstsdt, 1 Mm. 24 Sek., 2. Hansen. Wrtterausstchten für das mtttlere Norddentschland bis Dienstag mittag. Vielfach heiter aiber veränderlich, ohne erhebliche Nieder- schlage. In den Mittagsstunden ziemlich warm. Ber-nlwortltch für Politik: Erich Kattun, Berlin: für den üktz-n Xeil de« Blattes I Alfred Scholz, PeniSII»! für Anzeigen: rdeodor«Unk«, Berlin. Verlag: VorwdrtS-Verlag®, rn. d. H., Berlin. Druck: VorivirlS-Bucddruckerei und Berlagsanflal! Paul«inger u. Co. in Berlin, Ltndenfttave S Einen sehr amüsanten �lbenü voll echter Fröhlichkeit und ganz besonder« unterhaltender Zerstreuung verbringt man jetzt im Kaffee Zielka (Equitable-Palast). Friedrichstraße, Ecke Leipziger Straße, da« in seinem Kabarett in diesem Monat ein ganz ungewöhnliche« reiche« Propra m m bietet. Unter den Kräften, die bat Publikum in die heiterste Laune bringen, nennen wir in erster Reihe Walter Steiner, diesen glänzenden Kabarettisten, der sich nach mehr- wöchiger Erholung mit besonderer Frische und ganz zeitgemäßem Programm wieder einfindet und mit seinen übermütig lustigen Scherzen die Zuschauer und Zuhörer ununterbrochen zu unauf» hörlichem Lachen zwingt. Er erzählt, er parodiert, er fingt lustige Couplet« au» dem neuesten Tag alle« mit und von einer so erschütternden Komik, daß man bi» zu Tränen lachen muß.— Ein Künstler nicht gewöhnlicher Art ist Herr Carter. ein ganz origineller Zauberkünstler, der, ohne durch viel« Wort« den Zuschauer zu verwirren. Kunststücke, ganz überraschende Tricks zum besten gibt, daß man geneigt ist, an wirkliche geheimniS« volle Zauberei zu glauben.— Einen musikalischen und zugleich künstlerischen Genuß bietet da» Duett Horwitz-Spiro, ein Herr und eine Dame, zwei vorzüglich« Künstler mit schönen Stimmen, deren szenisch belebte Duettgesänge außerordentlichen Gefallen finden. Auch als Tänzer bestricken sie die Zuschauer durch Anmut und künstlerische Vollendung. Die weibliche Komik wird vertreten durch dre Humoristin Else T l s b e t h, die mit ihren ungemein lustigen Vorträgen im Publikum eine behagliche Summung hervorruft; höchst unterhaltend sind ferner die Vorträge und die fesselnden Gesänge der hübschen und graziösen Sprecherin und stimmbegabten Sängerin M arg a Scholz, deren künstlerische Darbietungen nach jeder Nummer erneut lebhaften Beifall finden.— Noch so manche« Andere er« gänzt diese« Programm für den Monat August, da« mir seiner Reichhaltigkeit und Mannigfaltig« keit ausgezeichnet unterhält und Herz und Gemüt erfrischt und erheitert.— idmirclspalast 1 Die Primessiim Tragant 1 jsaidah. Dtatsctae Tinze.j Kühler Aalenthalt. T�tThr. 8, 8, i, 5,« M. seatechos Theater. Allabendlich 8 Uhr Max Pellenbe™ in Der Ceache Radi. Kammereplele. Letzte AnflührungenIV.Uhr: Die Tttnuerln. Ab Mittwoch: Oer Welbstenfel mit Laeie Höflich. ToUcebahne, Th.a. BOlowpl. Allabendlich 7st, Uhr: Sommemachtatraam. Theater des Vestens Letzte Woche. AUabendUoh 71/, Uhr: Inkognito. Operette von Budolf Nelson. eiebtsaielhans GroßfiFranmrter Straße 28 an der Andre agstraße. Bis Montag, 12. Augnst: Die grelle Film- s Oper s Waffenschmied von Albert Lortzing. 2 Vorstellungen 2 67« und 3 Uhr. ZELT Z IRKVB W1L.HEL.H NEU im PROGRAMM Die £5uieti. Vorverkauf: Wertheim i Zirka skasse. Telefon: Königstadt 140. Nene Königstraße ■ Lombard-Haus■ H.Graff,Leipzieerst.75 II JP 2 Volle ae mal« BelelhonQ? 2 Diskretion, Re-£ - ellitkL Gelegen- a, i i • W1' Schmucksachen 5 M aat Ladenpr.» Wir kaufen gebrauchte Bindfade« ell»l-id-,jFilm. artgunnni' achswalzen- Schallplatten O r d c w er G. m. b. H., Keorgenkirchstr. 50 (B. Alexanderplatz) Friedrichstr. 45, Ecke Zimmer ftraße. 9-l2'/„ a'/.-d'/» Walz- oder Honig-Bonbon pro Pfund 1 Mark (abzüglich SO Gramm Varlast) liefere ich für jedes Pfand Zaeker, welches Sie mir bringen. Berlla ST, Invalldanstr. 18. Berlin ST, Brunnsnstr. 113. Fritz Hanke, Zähne m. echt. 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