Ur. 221* B5* Jahrg. Bezugspreis: SttertelzShru i,bO M!. tnoniul. 1,50 2S1. frei ins HauS, voraus�ahlbar.Einzelne Nummern 10 Pfennig. Postbezug: Monatlich. vom Pos'tschatter abzuholen 1.50 Mk., vom Briefträger ins Haus ge« bracht 1,&4 Ml. Unter Kreuzbanb für Deurschlar d und Oesterreich. Ungarn L.— Ml� für das übrige Ausland 4.50 Ml. monatlich. Verfand ins f�eld bei direlter Bestellung moncul. 1�0 Ml. Postbestellungen nekmen an Däne- marl, Holland. Luxemburg, Schweden und die Schweiz. Eingetragen in die Post-ZeitungS-Preisliste. Erscheint täglich. Telegramm- Adresie: «Sozialdemokrat Berlin-. vJ' Verlinev Volktsblskt. ( 10 Pfennig") Anzeigenpreis: DieliebengeipalleneKuIonelzeilekostet 80 Psg,„Kleine Ailzei.cn", dos sctlgedNilUe Wori 30 Psg,(zillüssig 2 ietlgcdrucklc Wotte>, icdes woileee Kori 1b Psg, Slellcncieluche und Schlasslellenanzeigen das eriie Wori 20 Pfg„ ledes weitere Worl 10 Psg. Worte über 15 Buchsuiben iählen für zwei Worte. Tcuerungsznichlag 20»/» Familien-Ai'.zeigen, volitiiche und «ewerlickaftlickie Vereins- Anzeigen 00 Psg. die Zeile. Anzeigen nir die nächste Nummer müsien bis 5 Übt nachniitiags im vaudigeschäft. Bertm EW.i-S. Lindenltrage n, abisaeben werden. Geöfinet von it Uhr srüd bis 7 Uhr abendS. Zentralorgan der rozialdemokrati fcben Parte! Deutschlands. Ncüaktion: SW. HS, Linüenstraße 2. Hernkprecher: Amt Morii-vlatt, Rr. 1S1»»— ISI 97. Expeüitlsn: Stv. HS» Linöenstraße 2. Fernsprecher: Amt MoriLtplav, Nr. 151 SV— 151 S7. englischer slotlenvorstos Seefiieger gegen Kriegsschiffe. Sechs englische Schnellboote vernichtet. B c r! i n, 12. Anglist. Amtlich. Am 11. August vormittags sichtctrn unsere auf den friesischen Inseln stationierten Ausllä- rungsflugzeuge» sowie ein in See befindliches Lnstschifs im See. gebiete nördlich Blieland starke englische S e e st r e i t- kräfte, die sich ans mindestens 25 Linienschiffen, 6 Panzer- krcuzrrn und zahlreichen Zerstörer- und Torpcdobovtsflotillen zusammensetzten. Sic führten austerdcm k Schnellboote mit, die zusammen mit den Torpedofahrzeugen anscheinend zum Minen- legen in größerem llmfangc bestimmt waren. Die englischen idlottenteile waren im P o r m a r s ch nach der deutschen Bucht begriffen. Unsere Flugzeuge sowie das Luftschiff griffen sofort mit Bomben und Maschineugew ehren die Schnellboote und Torpedofahrzcugc an. Es gelang ihnen drei Schnell- boote zu vernichten und den Rest der Schnellboote bewegungsunfähig zu machen. Austerdcm wurden auf einem Panzerkreuzer und einem Torpedoboot Bombentreffer erzielt. Tas Torpedoboot wurde so schwer beschädigt, dast es zuletzt in sinkendem Z u st a n d c gesehen wurde. Sofort auf dem Kampfplatz porstostcndc eigene Seestreitkräfte konnten den bereits abziehenden Gegner nicht mehr stellen. Unsere Verluste betragen ein Luftschiff, Kommandant Kor- vettcukapitän d. Res. Proelst nnd ein Flugzeug. Besonders hcrvorgetau haben sich bei Abwehr und Angriff die Kampf- staffeln Borkum und Norderney unter Führung der Leutnants zur See Frendenberg und Hammer. Ter Chef des Admiralstabcs der Marine. » _ London, 12. August. Reuter. Tic Admiralität teilt mit: Eng- lische leichte Seestreitkräfte und Flugzeuge unternahmen am 11. August eine Erkuudungs st reife an die wcstfriesisehe Küste. Von deutschen Luftstreitkräften heftig angegriffen, gelang es sechs Motorbooten nicht, zurückzukehren. Englische Flug- zeuge vernichteten nördlich Areland ein Luftschiff; dieses fiel aus großer Höhe in Flammen gehüllt ins Meer. Der englisch-franAssische Gegenschlag. (Telegramm unseres Kriegsberichter st atterS.) Westfront, 11. August. Genan an der kritischen Frontstelle, wo vor vier Monaten die erste deutsche Offensive einsetzte, nämlich am Nahtpunkt der cnglisch-französischcn Front, hat Marschall Haig am 8. d. M. zum G c g e n s ch l a g ausgeholt. Gemeinsam mit den Franzosen fiel den seit dem Frühling etwas in Mißkredit geratenen Engländern die Auf- gäbe zu, die Bedrohung von Amicns aus der Welt zu schassen und den wichtigsten Bahnknotcnpunkt hinter der Verbands- front dem deutschen Feuer zu entrücken. Das ist zunächst er- reicht durch den Angriff, dessen Vorbereitungen fast völlig nach dem Muster des dcuffchcn Frühlingsangriffs aufgebaut waren. Ucbersicht man die bisherige Entwicklung der Schlacht, so lag der Hauptdruck des feindlichen Stoßes von Ansang an indcrMittcdcrAugriffssront, die beiderseits des Luccbachcs auf Rozieres-Chaulnes strebte. Hier waren die Hauptkräfte eingeteilt, hier wuchs der Gelände- gewinn am schnellsten in die Tiefe, hier tauchten schon am zweiten Tage frisch nachstoßende Reserven auf. Indem die deutsche Linie so südlich der Rvmcrstraßc nach Osten abfiel, gerieten die nördlich der Somme im Dreieck Albert-Sailly-Bray gegen die vierte englische Armee zäh hal- tenden Verbände in ernste Gefahr und mußten, obwohl Herren des Schlachtfeldes, zurückgerufen werden. Am wichtigsten aber war für Haig der operative Druck, den er durch Vorprellen bis Lihons auf den deutschen Süd- flügel an Avre und Dom ausübte. Tie Gefährdung wichtiger Nachschubstraßen dieser Front zwang zu schnellem Handeln. Schon am Abend des zweiten Tages geriete» Teile der ersten französischen Armee(General Dcbemh) mit unseren Nach- hnten in lose Gcfcchtsfüblung. Am dritten Tage setzte sich der operative Druck aus dem Norden her auch weiter südlich auf die anschließenden Fronttcile fort. Gleichzeitig suchten heftige französische An- griffe die dortige deutsche Front festzuhalten, bis der feindliche Hauptstoß im Norden über Chaulnes hinaus gedieh. Dieser bedrohlichen Lage konnte General Huticr seine Truppen nur durch schleunigen Befehl zum Ausweichen entziehen. Diese Bewegungen sind augenblicklich noch im Gange. Tie ganze Front zwischen Albert und Rohon schwankt heute, am vierten Kampstag» noch hin und her. In welcher Ver- teidigungslinic die deutsche Führung die feindlichen Wellen endgültig abfangen will, ist völlig unbekannt. Wenn sonst auch die Schlackt kaum definitiv zum Stehen gekommen ist, so hat sie dock einen Charakter angenommen, der auf ein nahes Versiegen der gegnerischen Energie schließen läßt. Nach neuen Meldungen werden die feindlichen Verluste durch deutsche Maschiueugewehre immer Feindesangriffe nördlich der Somme gc- scheitert— Schwere Kämpfe um Lihous— Hulln zurückerobert.— Der feindliche Angriff zwischen Avre nnd Oise völlig zusammengebrochen.— Mngzcngbente im Juli.— Abflauen der italienischen Offensive. Berlin, 12. August 1918, abends. Amtlich. An der Schlachtfrout zwischen Ancre»nd Avre ruhiger Tag. Zwischen Avre und Oise sind fcind- lichc Angriffe gescheitert. Amtlich. Großes Hauptquartier, 12. August l9l8.(28. T. B.) Westlicher Kriegsschauplatz. Zwischen?)scr und Ancrc scheiterten mehrfach Teilvorftöße des FcindcS� Nördlich dcr Lhs schlugen wir eine» stärkeren eng- tischen Angriff zurück. An der Schlachtfrout führte der Feind niu frühen Morgen heftige Angriffe nördlich der Somme und zwischen Svmmc und Lihons. Sie wurden meist im Feuer, teilweise im Gegenstoß ab- gewiesen. Bei den Kämpfen um Lihons stics! der Feind über den Ort hinaus nach Osten vor. Nnior Gegenangriff warf ihn bis an den Nord- und Ostrand des Dorfes wieder zurück. Heftige Teilkämpfc zwischen LihonS und der Avre. Südwestlich von ChnulncS griffe» wir den Feind an nnd nahmen Hallu. Beiderseits der Straße Zlmiens— Rohe wiesen wir feindliche Angriffe ab. Zwischen Avre nnd Oise dauerten starke Angriffe des Feindes bis zur Dunkelheit an. Sic sind völlig gescheitert. Besonders schwere Verluste erlitt der Franzose brt Tilloloy. Durch nahes Heranhaltcn seiner Artillerie, die den Panzerwagen dicht ausfolgte, suchte er hier den Turchbruch zu erzwingen. Infanterie nnd Artillerie schossra den Feind vor unscreu Linien zusammen. Gestern wurden 17 feindliche Flugzeuge und 4 Fesselballone abgeschossen. Leutnant Ndet errang seinen 49., 50., 51. und 52,, Leutnant Freiherr v. Richthofcn seinen 98,, Leutiiniit Vcltjciis feinen 26., 27. und 28. Luftsicg. Im Juli wurden an den deutschen Fronten 518 feindliche Flugzeuge, davon 69 durch iinsere Flugabwchrgcschütze, und 96 Fesselballone abgeschossen. Hiervon sind 299 Flugzeuge in nnscrcin Besitz. Der Rest ist jenseits der gegnerischen Stellung erkennbar abgestürzt. 28ir haben im Kampf 129 Flugzeuge und 63 Fesselballone verloren. Der Erste ltzcneralquartiermeister. Ludendorff. Berlin, 11. August. Neue N-Boots-Erfolgc ini Mittel- mcer: 4 bewaffnete Dampfer von zusammen etwa 17 000 B.-R.-T. Der Chef des Admiralstabes der Marine. Der österreichische Bericht. Italienischen Kriegsschauplatz. Wien, 12. August. Amtlich wird vcrlautbart: An der italienischen Front unterblieben gestern größere Jlifantcriciintcrnchmcn. Um so lebhafter waren au vielen Stellen der Artiilericiampf und die Flicgcriätigkcit. Italienische Ge- schwadcr griffe» bei ihren Flügen über Feltre und die Siebe» Gemeinden aus geringer Höhr weithin sichtbar gezeichnete Feld- spitäler an, wobei Kranke und im Pflcgcdicnst tätige Personen getötet wurden. Albanien. Keine besonderen Ereignisse. Der Chef des Ecneralstabes. schwerer. Zahlreich sinken die Tanks, sowohl die kleinen, mit zwei Mann besetzten„Puppchen-Tanks", wie die großen mit erhöhter Geschwindigkeit im deutschen Arkillcricscuer dahin. Die feindlichen Mannschaften, die in drei Tagen mit aner- kcnncnswcrter Schnelligkeit fast 29 Kilometer zurückgelegt haben, ermüden. Das Nachziehen der schweren Artillerie ver- zögert sich, je mehr der Gegner aus dem Renland östlich von Montdidicr i n d i c a l t c T r i ch t c r w ü it c d e r S o m m e- s ch l a ch t kommt. Dieses Totenfcld der Somme liegt angcn- blicklich dicht im Rücken der deutschen Verteidigung. Zum vierten Male tritt es mit seinem blutigen Namen in die Gc- chichtc der Westfront., Dr. Ad. Köster, Kriegsberichterstatter. v. hintze im ksauptquartier. Berlin, 12. August. Der Staatssekretär des Ans- wärtigen Amtes, Herr v. H i n tz e, ist zu Besprechungen mit dem Reichskanzler ins Große Hauptquartier abgereist. ThronbamtaSen gesen Völker- ftköen. Tie Königsmache im ifftcn. Mit Volldampf wird jetzt im Osten überall an der Erridv hing neuer Throne gearbeitet. In Finnland soll die Königswcchl Anfang September, nach andern Nachrichten sogar schon am 27. August vorgenommen werden. Auch in Litauen wird auf rasche Entscheidung gedrängt, nnd ähnliche Nachrichten liegen auch aus Polen vor. Zwei Strömungen treffen hier zusammen: eine deutsche, die die rascheste Anpassung an die deutschen monarchischen Ein- richtnngcn als Voraussetzung für die erstrebte„Anlehnung" be- trachtet, nnd eine einheimische, die von der Errichtung eigener Dynastien eine Erleichterung des auf jenen Lau- d e r n l a st e n d e n Druckes erhofft. Beide wollen etwas von einander Verschiedenes, um nicht zu sagen Entgegengesetztes, und die Frage ist nur, welcher von beiden Teilen sich als der schlauere Taktiker erweisen wird. Tie sogenannte„Deutschffeundlichkeit" des Aktivismus ist weiter nichts als eine Politik, die mit den augenblicklich gegebenen Machtverhältnissen als mit etwas Ge- gebeneni rechnet. Die Trüger dieser Politik arbeiten, wenigstens äußerlich, mit den deutschen Okkupationsbehörden Hand in Hand, ohne daß sich irgendwie erkennen läßt, auf wie breite Bevölke- runngskreise sie sich dabei stützen können. Republikanische, ans Neutralität oder Wiederanschluß an Rußland gerichtete Strö- mnngen kommen überhaupt nicht zu Wort. Herzerfrischend wirkt da z. B. wegen ihrer Offenheit die Erklärung des finnischen Agrariers Wuorimaa, die Volksstimmung sei jetzt ungefährlich. da die Sozialisten aufgerieben seien. Wie lange diese„Ungefährlichkeit" der Volksstimmung in den besetzten Law- dern andauern wird, vermag niemand vorauszusagen� höchst wahrscheinlich nicht länger, als die Besetzimg dauert, vielleicht nicht einmal so lange. Auf diesen schwankenden und trügerischen Grund sollen nun neue Throne gestellt werden, die man mit Mitgliedern d e u t- scherDynastien besetzen will. Wird nun die Volksstimmung wieder einmal„gefährlich", so werden die deutschen Throninhaber entweder ihnen Rechnung tragen, und dann wird man mit ihnen ähnliches erleben wie mit den rumänischen HoHenzollern, oder sie werden ihnen Widerstand leisten— mit dem Schutz der dcnt- schen Bajonette im Rücken. Welche von beiden Möglichkeiten die angenehmere ist, läßt sich schwer sagen, aber schon jetzt kann man voraussehen, baß man in Deutschland merkwürdige Dinge erleben wird, wenn man dem deutschen Volk einmal zumuten sollte, irgend so einen frisch gekrönten Bruder Leichtsinn mit seineni Leibe zu schützen. Das deutsche Volk hat gar keine Lust, sich f ü r d y n a st i s ch c Interessen zu schlagen, und jeder Prinz, der mit dein Gedanken spielt, sich ein neues Krönchen aufs Haupt zu drücken, sollte dies zum»lindesten ganz a u s e i g e n c R e ch n n n g u n o Gefahr tun; wenn er morgen wieder davongejagt wird, wird niemand im deutschen Volk darob eine Thräne, geschweige denn einen Tropfen Blut vergießen wollen. Tic neuen Throne, die im Osten errichtet werden sollen, sind aber nicht nur von innen, sondern auch von außen bedroht. Der Weltkrieg mit all den furchtbaren Erschütterungen, die er mit sich bringt, ist noch nicht zu Ende. Die neuen Monarchien beruhen auf dem brüchigen Boden des Friedens von Brest- Litowsk, den keine russische Regierung als zurecht bestehend an- erkennt, den selbst die bolschelmstische nur hält, weil Rußland zur- zeit zu schwach ist, um seine Revision durchsetzen zu können. In- des wird die neue Machtstellung, die sich Deutschland im Osten errungen hat, von der Entente berannt. Das Stürmen an der Westfront, die Murmanaktion, der tschecho-slowakische Aufstand und die sibirische Intervention sind gegen sie gerichtet. Die schließ- liche Entscheidung über die Gestaltung der Dinge im Osten hängt also auch wiederum von dem endgültigen Ausgang des Weltkriegs ab, und ehe die Entente nicht vollständig geschlagen ist, wird sie nicht dazu bereit sein, Deutschland im Osten freie Hand zu lassen. Gelingt es nicht, den Willen der Entente vollständig zu brechen, lind bleibt, wie wir als selbstverständlich voraussetzen, auch die deutsche Widerstandskraft ungebrochen, so wird inan sich zu einem Verständigungsfrieden entschließen uyd sich wohl oder übel dazu herbeilassen müssen, auch die Regelung der Verhältniste im Osten in ihn mit einznbcziehen. Von hier aus läßt sich leicht übersehen, was es bedeutet, wenn im Osten vollendete Tatsachen geschaffen werden. Deutschland kann in eine neue Besprechung des Brester Friedens ans einem Welt- ffiedenskongreß einwilligen, oder es kann dem schon zuvorkoin- men, indem es eine Revision in besonderen Verhandlungen mit Rußland vornimmt. Wie aber, wenn es bis dahin schon zur Gründung neuer an Deutschland„angelehnter" Königreiche Finnland, Litauen. Polen usw. gekommen ist? Dann bedeutet die Revisio» des Brester Friedens eine gar nicht zu verhüllende dl?utsckieNiederlage: eine Niederlage zwar nicht des deut- schen Volkes, Wohl aber der deutschen Machthaber, nach außen auf alle Fälle einen schweren Mißerfolg der deutschen Politik, den die Machthaber mit Einsehung deutschen Blutes zu verhin- dern bestrebt sein werden. Die neuen Königreiche sind nur dann haltbar, wenn der Krieg mit der Herstellung einer militärischen Welt. Herrschaft Deutschlands endet.* Wer die russischen Randländer zu Filialbesitzungen deutscher Dynastien machen will, der muß auch folgerichtig die militärische Weltherrschast Deutsch- lands als sein Ziel anerkennen, denn ohne diese können die frisch gezimmerten Dhrönchen keinen Tag über den Friedensschluß hinaus halten. Die Königs mache im Osten schlägt dem Verständigungsfrieden die Türe zu, sie stellt alles auf die militärische Entscheidung. Die Politik der Königsmache kann falsch sein und ist nach unserer lleberzeugung falsch, auch wenn der Krieg mit der voll- ständigen Niederwerfung der anglo-amerikanischen Macht und ihrer Verbündeten endet. Wenn aber die vollständige, restlose Niederwerfung nicht als eine mit mathematischer Gewißheit zu erwartende Tatsache voraus berechnet, vielmehr die Möglichkeit einer militärischen Nemispartie vorgesehen wird, dann ist diese Politik ein Verbrechen. Die Verpflichtungen, die man den neuen Reichen gegenüber übernommen hat, werden dann ebenso viel Fesseln sein und ebenso viel Hindernisse für den Ver- such, einen endlosen Krieg mit diplomatischen Mitteln abzukürzen. Wir können dann vielleicht noch jahrlang Krieg führen, nicht für die Erhaltung Teutschlands, sondern um die halben und zwei- deutigen, hinkenden und schielenden Eroberungen im Osten mit Gewalt anstecht zu erhalten. Die Frage kann nicht vermieden werden, ob die Lage im Westen eine solche Alles- oder Mchts-Politik im Osten recht- fertigt. Niemand ist vor dem Tode glücklich zu preisen, und kein Krieg ist ganz gewonnen, noch ehe er zu Ende ist. Eine gewissen- lxzste, ihrer Verantwortung vor dem Volke bewußte Politik wird sich nicht alle Auswege künstlich verrammeln und nur den einen der absoluten militärischen Machtentscheidung offen halten. Darum fordert das Interesse des deutschen Volkes gebieterisch. daß im Osten nicht an die Stelle fließender Verhältnisse, die noch durch diplomatische Verhandlungen beeinflußt werden können, erkünstelte starre Gebilde gesetzt werden, die nur Gewalt erhalten, nur Gewalt zerschlagen kann. * Zum selben Kapitel schreibt die..Kreuzzzeitung'': � Wir sind nicht der Meinung, daß die„dauernde Zerstückelung Rußlands" Ziel und eigentlicher Kern des Brester Friedens sind. Ob eine solche Zerstückelung im Sinne einer dauernden Schwächung unseren Interessen entspricht, darüber kann man durchaus ver- schieden« Meinung sein. Keinesfalls aber würden wir sie gegen den Willen der Beteiligten aufrechtzuerhalten in der Lage sein. Wir würden es deshalb nicht für die Aufgabe der deutschen Politik halten, wenn die Ukraine und die anderen Staats- gebilde, die sich im Süden und Osten von Großruß- land losgelöst haben, einmal ihre Wiederver- einigung mit ihm anstreben sollten, dem entgegen- zutreten. Würden wir solche Stellungnahme der deutschen Politik auch nicht einmal für angebracht halten, wenn der gleiche Wunsch sich bei dem überwiegenden Teil der polnischen Bevölkerung geltend machen sollte, weil der Anschluß Polens an Rußland manche ernsten Gefahren der polnischen Frage flir uns beseitigen würde. In alledem würden wir keine Revision des Brester Friedens sehen, gegen die wir uns aufzulehnen hätten. Anders aber liegt es betreffe der Randstaaten, die sich in Verfolg der durch den Brester Frieden getroffenen Abmachungen entschlossen haben, in nähere Beziehungen zum Deutschen Reiche zu treten. Hier wür- den durch eine Revision dcS Brester Friedens in russischem Sinne unmittelbare deutsche Interessen berührt und die wenigen Vorteile, die wir aus dem Riesenckampf mit Rußland nach Hause gebracht haben, wieder preisgegeben werden. Dagegen ist zu bemerken, daß die„Abmachungen", welche die Randstaaten mit uns abgeschlossen haben sollen, weiter nichts als eine politische Täuschung sind. Genau so liegt es mit den „wenigen Vorteilen", die diese Abmachungen bedeuten sollen. Aber wir nehmen das Wort gern auf und folgern: Um diese „wenigen Vorteile" sich zu erhalten, darf Deuflchland nicht den furchtbaren Nachteil eines nie endenden Krieges auf sich nehmen._'. Eile in ßinnlanü. Königswahl: Ä7. August. Berlin, 11. August. Ter außerordentliche Landtag, der die definitive Königs wähl formell vorzunehmen hat, wird, wie„Hufvudstadsbladet" vom Ist. August meldet, am 27. August zusammentreten. Man erwartet bereits heute die Ausfertigung seiner Einberufung durch den Rrichsverweser. »Unerfreuliches aus öer litauischen presse/ Von litauischer Seite werden wir um Aufnahme folgender Zu- schrift gebeten: Die„Voflische Zeitung" gibt eine Darstellung wieder, die in der Nr. 21g d«„Kownoer Zeitung" unter dem Titel„Uner- frculicheS aus der litauischen Presse" erschienen ist. ES handelt sich dabei um die Stellungnahme der litauischen Presse gegenüber der von der deutschen Verwaltungsbehörde geforderten Form der Veröffentlichung über die Königswahl. Die.Kownoer Zeitung" stellt die Sache so dar. als hätten sich die in litauischer Sprache in Wilna erscheinenden Zeitungen»LietuvoS Aidas" und.TavyseS Sorgas", die Organe des litauischen Landesrates, geweigert, der Anweisung der Pressestelle auf Veröffentlichung der Königswahl in der vorgeschriebenen Weise nachzukommen, während das litauische sozialistische Matt.Davbo Valsas" die Veröffentlichung gebracht habe nritdemin entgegenkam menderWeisevonder Verwaltung zugestandenen Zusatz:„Auf Befehl des Oberbefehlshabers Ost wird folgende Nachricht gebracht." Die „Voflische Zeitung" berichtet weiter aus der„Kownoer Zeitung", daß dieser Zusatz auch den übrigen litauischen Blättern gestattet worden s«i, um ihnen das größte Entgegenkommen gegenüber irgendwelchen journalistischen Bedenken zu gewähren. Die Tatsache, daß die ganz offenbar inspirierte Darstellung in der„Kownoer Zeitung" daS Verhalten der beiden obengenannten litauischen Blätter als beabsichtigte Widerspenstigkeit gegenüber der deutschen Verwaltungsbehörde zu deuten sucht— spricht ste doch sogar davon, daß die Weigerung der Veröffentlichung„einer öffentlichen Auflehnung der militärischen Be- Hörde gleichkommt"—, zwingt zu folgender Richtigstellung: Elf Tage nach der Wahl, am 22. Juli, bekamen alle Redak- tionen der litauischen Blätter von der Pressestelle Oberost folgende Zuschrift: „Befehl von Obost! Nachstehende Meldung haben sämtliche Zeitungen und Zeitschriften des Verwaltungsgebietes Obost so- fort an der Spitze des Blattes oder an sonstigem besten Platz (erfteS Milchpulver(50 Pf.) und 1 Päckchen Puddingpulver. Die kondensierte ausländische Milch eignet sich nicht für längere Lagerung. Der Verlaus findet siatr in den drei Gemeindeläden. Britz. Die Gemeindcvcrtrctcrsitzung vom 9. August bewilligte den Betrag von 1000 M. für die Ludendorsfspendc. Seit Jahren besteht ein Vertrag zwischen der Stadt Neukölln und der Gemeinde Britz, nach welchem die Versorgung der Gemeinde Britz mit elek- irischem Strom durch die Stadt Neukölln erfolgen soll. Dieser Vertrag konnte bisher nicht zur Ausführung gelangen, da der Kreis Teltow die Genehmigung zur Legnng der Kabel über die Brücken des Teltowkanals verweigerte. Endlose Verhandlungen und Be- schwerden haben zu keinem Resultat geführt. Der Gemeinde ist durch die Verweigerung der Genehmigung mancher Schaden ent» standen; sie mußte sich, um zu ihrem Recht zu gelangen, zur Klage gegen den Kreis entschließen. Zum angesetzten Berhandlungster- min hat der Kreis einen Vertreter nicht entsandt, vielmehr nach diesem sich bcreiterklärt, die Genehmigung zu erteilen, wenn die Gemeinde Britz bereit ist, in Bedingungen zu willigen, welche in der Hauptsache sagen: das Legen von Leilungrn aller Art über die Brücken des Teltowkanals mutz durch das öffentliche Interesse bedingt sein, sie dürfen lediglich der Versorgung der Gemeinde Britz dienen. Ferner soll Britz auf alle Ansprückie, welche etwa aus der bisherigen Weigerung der Genehmigung hergeleitet wer- den könnten, verzichten und die Klage zurücknehmen. Die bisher entstandenen Prozeßkostcn trägt der Kreis. Auf Antrag des Ge- meindevorstandes nahm die Gcmeindcvertretcrsitzuug die Bedin- gungen an. Ein Ortsstatut über die Sonntagsruhe i m Ha ndelsgc werbe, wonach Gehilfen und Lehrlinge., mit Aus- nähme der im Nahrungs- und Genußmittelgewerbe beschäftigten, Sonntags nicht beschäftigt werden dürfen, wurde einstimmig an- genommen. Einer Erhöhung der UnfallvcrsicherungSsätze für die Feuerwehrleute wurde gleichfalls einstimmig zugestimmt. Unter Verschiedenem bemängelte Genosse Buten schön die Zutci- lung an Lebensmitteln in den Woähc» der Kartoffelknappheit und rügte die in den letzten Wochen verspätet erschienenen Be- kanntmachungen. Die Nichteinberufung des LebenSmittelauS-. schusses sei ein Fehler und eine Beunruhigung der Bevölkerung die Folge, wie der Gang der Frauen zum Rathaus beweist. Vom Ge- meindevorstand wird demgegenüber erwidert, daß der Bevölkerung in den kritischen Wochen nicht mehr gegeben werden konnte, weil mehr nicht zur Verfügung stand, mit der Veröffentlichung der Bekanntmachungen sei immer bis zur letzten Minute gewartet worden in der Hoffnung, mehr verteilen zu können. An der Debatte be- teiligten sich mehrere Redner, welche zum Teil den Nusflihrungen des Genossen Butenschün beitraten. Gerichtszeitung. Vergehen eines Bäckermeisters. Das Kammergericht hat eine» Strafprozeß erledigt, welcher für Bäckermeister von beson- derer Bedeutung sein dürfte. Bäckermeister Lipski aus Neukölln war angeschuldigt worden, sowohl den fessgesetzten Höchstpreis überschritten als auch durch seine Verkäuferin Brot gegen ungültige Marken an junge Burschen verkauft zu haben. Es war aufgefallen, daß junge Burschen größere Mengen Brot aus dem Laden von Lipski geholt und bei dieser Gelegenheit Brotmarken abgegeben hatten, welche nicht mehr gültig waren. Es handelte sich um Brotmarken, welche für vergangene Wochen aus- gegeben und entwendet worden waren. Das Schöffengericht er- achtete Lipski im vollen Umfange für schuldig und verurteilte ihn zu 9 Monaten Gefängnis und 1000 M. Geldstrafe. Diese Eilt- scheidung griff LipLki durch Berufung beim Landgericht an, welches die Strafe aus 6 Monate herabsetzte und Lipski nur für über- führt erachtete, Brot in größerem Umfange gegen Hergabe von nicht mehr gültigen Brotmarken verkauft zu haben, welche gestohlen Waren. Die Strafkammer nahm an, daß Lipski vorsätzlich gc- handelt und gewußt habe, daß es sich um verfallene Marken gc- handelt habe. Es sei dem Angeklagten darauf angekommen, viel Mehl zu erhalten,.nachdem er Stollen gebacken und verkauft habe.- Es sei dadurch ein Manko in seinem Mehlbcstande eingetreten. welches er ausgleichen wollte. Diese Entscheidung focht Lipski durch Revision beim Kammergericht an, welches aber die Revision als unbegründet zurückwies und u: a. ausführte, die Verurteilung des Angeklagten sei ohne Rechtsirrtum ergangen; bedenkenfrei sei festgestellt worden, daß der Angeklagte seiner Verkäuferin die An- Weisung gegeben habe, Brot gegen verfallene und entwendete Brot- marken zu verkaufen. Rügen gegen die tatsächliche Feststellung seien in der Revisionsinstanz unbeachtlich. Zuchthaus für Brotkartenhändler. Obwohl seitens der Gc- richte der Brotkartenhandel mit den schwersten Strafen bekämpft wird und die Händler ausschließlich zu Zuchthaus verurteilt wer- den, blüht der Handel mit echten und gefälschten Brotkarten immer weiter, wie die täglichen Verurteilungen vor den Moabiter Straf- kümmern beweisen. Der Einrichter Arnold Langer War ans dem Alexanderplatz verhaftet worden, nachdem er verschiedenen Personen Brotkarten angeboten hatte. In einer Markttasche be- fanden sich noch über 200 echte Brotkarten. Nach seinem Geständnis will er von einem Unbekannten namens„Ernst" in jeder Woche 100 Brotkarten für 2 M. das Stück gekauft und für 2,50 M. der- kauft haben.— Das Gericht verurteilte den bisher unbestraften Angeklagten wegen gewerbsmäßiger Hehlerei zu 1 Jahr Zucht», haus._ M«s olle?!velt. 13?«Ott M. erschwindelt. Ein Duplikatfracktbriefschwindler, der Kaufmann Hugo Haake, wird jetzt in Berlin gestickt. Haake„arbeitete" in der bekannten Art mit gefälschten Duplikatfracktbriefen. Mit solchen gefälschten Briefen überzeugte er drei Düsseldorfer Geschäftsleute, daß er über zwei Waggon Kerzen verfüge, obwohl er in Wirklichkeit nichts besaß. Die Geschäftsleute kauften, zahlten den Kaufpreis aur den Fracht- brier hin gleich aus und sind ihr Geld los. Der Schwindler ist ans Düsseldorf entflohen und hat sich wahrscheinlich nach Berlin gewandt. Er ist mittelgroß, dunkelblond und schlank, hat einen kurzgeschnittenen Schnurrbart und vorn im Oberkiefer zwei goldene Zähne und trug zuletzt einen grauen Lodenmantel, einen grünen Joppeiianzng und einen weißen Strohhut. Waldbrände in Frankreich. Bern, lli. August. Pariser Blätter berichten, daß in den Gebieten von Toulon, Avignon und Tülle neue Waldbrände ausgebrochen sind. Zahlreiche Abteilungen serbischer Soldaten wurden zud Bekämpfung des Feuers auf- geboten. Besonders schwer wütete der Brand in den Wäldern nörd- sich und nordwestlich von Toulon. Kricgsjustiz. Tie„Grazcr Tagespost' meldet: Im Jrrenhause zu Sebenico ist dieser Tage ein Greis im Alter von 106 Iahren gestorben. Der aus der Bocche di Cattaro gebürtige Mann, dessen Sohn zu Beginn des Krieges standrechtlich hingerichtet worden war, soll eine„hochverräterische Aeußerung' gemacht haben. Damals, als er 103 Jahre alt war, wurde er zum Tode durch den Strang verurteilt, doch wurde ihm die Todesstrafe nach« gesehen und in eine fünfzehnjährige Freiheitsstrafe umgewandelt. Er wurde irrsinnig und hrachte seine letzten Tage im Irren- Hause zu Spalato zu. Grsß-Serütter Parteinachrichten. Tempelhof. Die fällige Mitgliederversammlung fällt in diese,» Monat aus. Spandau. Mittwoch, den 14. August, abends 8 Uhr: Mit- gliederversammlung bei Steinmetz, Bismarckstr. 8.„Vorwärts"- Leser und Freunde der S. P. D. sind eingeladen. Jugenöveranftaltungen. Neukölln. Morgen abend 8 Uhr im ■itrnjzc 86: Vortrag des Herrn G r u n w a l d Weltmarkt(früher und jetzt). Jugendheim. : Deutschland Berliner und der Ztrbciter-Anmariter-Bnnd. Sonntag, den 18. August, nachmittags 2 Uhr: Große öffentliche Hebung im Treptower Park. öciefkasten Ser Neöüktwn. A. 35?. 15. Nein.— I. G. 80. Bei dem Alter des Gegenstandes dürste aus eine höhere Entschädigung nicht zu rechnen sein, zumal es sich um einen entbehrlichen Gegenstand handelt.— 3. 100. Wenn Einigung nicht möglich ist, müssen Sie sich an das VormundschastSgerichl wenden. Dieses trifft darüber Bestininningen. wann und wo Sie die Kinder sehen können. — KrU'flcmau F. T. 05. Nach den bestehenden Bestimmungen ist die Behörde leider im Recht.— Gesellschaft in. b. H. weiterzugeben; von dieser sind die Abschnitte bis zum 31. August 1918 der Zuckerversorgungsstelle Berlin einzureichen. Berlin, den 10. August 1918. Mligistrat der König!. Haupt- und Kefideuzstadt. Zutkerversorgungsstclle. 2285/Zu. 18. jerv-Straße 69. 1. bis"-'' Mitaitederversammlungen: Alt-Glienicbc-Falkcnberjr be Bahr, Cipentcker Straße 45, Zahlabend. be! Fritz Beitn-Bnekow in Beckers Gesellschafts- ha»lS, Britz, Chausseestraße 97. Vortrag des Genossen Fr. Bartels. 2t. bis 23. Bezirk bei Hentschel, Herrfurth straße 27. 24. Bezirk bei Bähr, KarlSgartenftr. 4. Sehiinebei'jr bei Ernst Obst. Martin- Luther-Straße 69. Vortrag des Genossen Franz Krüger über:„DaS AltionS- Programm der Partei". SteatHtn bei LoniS Element, Düppelstr. 7. Vortrug des Redakieurs KcmpkenS über: „Von Geschichte und Wesen der Zentrums- Partei". Vempelhot bei Paul Schade, Berliner Straße 12t. 4VU«taB bei Otto Schumann, Schwartzkopff. straße 120. fVIimertulonf. Die Mitgliederversammlung findet nicht am 14., sondern erst am 21. August statt. Näheres am 20. August im.Vorwärts". SoMldtwokratiflher Vertin für Mtderbarnim. Mitglicdcrversammlnngcn: Erkner. Zahlabend bei Eichhorn, Wilhelm« straße..Vorwärts"- Leser sind eingeladen. Ekehtenberg; Bei Kurkowsktz, Pfarrftr. 72 (am Verbindungsweg). Tagesordnung: t. Quartalsabrechnung. 2. Bericht vom Bezirlstag. 3. Bericht von der General- Versammlung Groß-Berlin. 4. Verschiedenes. „VorlvärtS"-2cser und Freunde sind ein- geladen. Dher«>eh«nevveille. Zahlabend bei Ladewig, Lausenerstr. 5. Bet>ileker»ck<»rk-D«t. Am Mittwoch, den 14. 8., abends 8 Uhr, sinken zwelZusammcn. lünste der Mitglieder statt, und zwar: sür Reinickendors- Mitte Rcsidenzstraßc und Schillerviertel bei Käsler. Holländer Ecke Thuncr Straße, sür Rcinickendors-Ost Pro- vinzslraße mit Nebenstraßen bei Neumanu, Provinzstr. 84 Ecke Hoppestraße. Reinickendorf- West beim Genossen Schiller, Antonienstr. 10. Gäste sowie „B»rwSrtS"-Leser find eingeladen. WeiBensee bei Stärke, Charlottenburger Straße 3. 202jg In allen Veranstaltungen Aufnahme neuer Mitglieder und Entgegennahme der Beiträge.„Vorwärts"- Leser sowie ans dem Bode» der Mehrheit stehende Anhänger sind eingeladen. Die Vorstände. Mtspienraiis GroSeFrankMr Straße 28 an der Andreasstraße. Abenteuer des Detektivs. Max Landa. Der rote Sllmson. Tragödie. 4 Akt«. Anfang: 7 Uhr. Cigaretten 1000 IE 88 M.• 1000 I P 130. o. M. 1000 I P 135„ m.Gold Versand gegen Nachnahme oder Vorhorein- sendung hur sortiert zu gleichen Teilen. Auch von 100 Stück an. Nur an Verbraucher und Gastwirte. Fredy,CigaFelIen- Vertrieb Norden, Berlin N 54, Brannenatraße 17. Fernruf Norden 2343. DBT* Geöffnet ununter- brooheu von lj,9— 6 Uhr. Spezialarzt Dr. med. Kcebon für- Geschlechtskrankheiten, Haut-, Harn-, Frauenleiden, nervös. Schwäche, Beinkranke. Behandlung sohnell,sicher u.sohmerz- los ohne Bemfsstörung in Dr. Homever& Co. konz.Labor. f. Blutunters., Fäden im Harn usw. 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I Nr. 221— 191S Unterhaltungsblatt öes Vorwärts Dienstag, 13. �ugaft Der Schieösgerichtsgeöanke in öer Geftbichte öer Volker. Der Gedanke von der Einsesun.i eines inlernaiwnalcn ZchiedS« gerichlS, da? in Zukunfr alle Slreitigkeilen zwischen Böllern auf friedlichem Wege regeln foll� wird im Zusammenhang mit der Idee des Völkerbundes gegenwänig wieder eifrig besprochen. Dieser Gedanke ist uralt in der Geschichte der Völker: ja. er ist sogar— was mehr ist—• bisweilen schon in die Wirklichkeit umgesetzt worden. Die Beseitigung von Streitigkeiten zwischen Volker» durch einen Schiedsipruch war im Mitielalier keine Seltenheit. So kennt man im Italien des 13. Jahrhunderts allein 100 SchiedSfälle, in denen Zwiste zwischen Fürsten und Einwohnern verschiedener Städte oder Staaten friedlich ausgeglichen wurden. Im Jahre 1274 wurde ein Streit zwischen den Königen von Ungarn und von Böhinen durch ein Schiedsgericht beigelegt. Im frühen Mittel» aller batte der Kaiser das Äuil des Schiedsrichters, nnd solange die deutschen Herrscher die Welt regierten, haben sie dies Recht ausgeübt. Später wurden die Päpste häufig zu Schiedsrichtern ge- wählt. So trat im Jahre 1298 bei einer Streitfrage zwischen Eduard I. von England und Philipp IV. von Fiankreich Papst Boniiazius VIII. als Schicdsiichier auf. In der Schweiz hatten die Nrkantone in threm Bundesbrief vom 1. August 1291, der die Schweizer Eidgenosieuichasl begründete. das Prinzip der obligatorischen SchiedSsprechung anfgenomme». Uebcrhaupt wurde zu Anfang des 14. Jahrhunderts in Europa die Frage eines zwischenstaatlichen Schiedsgerichts eifrig diskutiert, und damals, als die Idee ans der Wirklichkeit zu verschwinden begann, trat der erste groste Theoretiker dieses Gedankens auf, der Scholastiker P i e r r e D il b o i s, der in einer lateinischen Schrift vom Jahre 1306 die Errichiung eines dauernden internationalen Schiedshofes zur friedlichen Erledigung aller Srreiligkeiten zwischen den souve- ränen Staaten verlangte. Bon nun. an sind eS Bis in die jüngste Vergangenheit fast nur Philosophen und VölkrrrcchtSlehrer geweien, die de» Gedanken der Schiedsgerichtsbarkeit im Völlerverkehr verfechten. Ins Praktische hin- ein greift die Idee noch bei dem deutschen Kaiser Maximilian, dem.letzten Ritter", der einen von Papst Leo X. ausgehenden Plan zur Organisation der christlichen Staaten Europas Weiler»»Sfübrte. Er verlangte in einer 1518 avgeaebciicii ausführlichen Denlschrift die Schaffung eines allgemeinen Schicdbofs, der sich wieder, wenn er in seinem Kreise keine Einigkeit erzielen könne, an den Heiligen Stuhl als die letzte Instanz wenden solle. Der«inslustreichste Vor- treler deS gleichen Gedankens in der neueren Zeil ist der berühmte Abbö de Sarnt-Pierre, der in seinem 1713 erschienenen Projekt eine« ewigen Friedens der erste nioderne Vertreter der Friedens- Bewegung wurde. Er fordert die Aiifrichrung eines internationalen Staatenbundes niit einem Senat an der Spitze? wenn zwischen zwei Mitgliedern dieses Bundes eine Uneinigkeit entstehe, dann mühten die Parteien sich dem iinmerwährend tagenden Senat unterwerfen, der dann eine Kommission ernennt, um zwischen den Streitenden zu vermitteln. Gelingt die Vermittlung nicht, so soll der Senat cinen� endgültigen Spruch durch Treivicrtelmehrhcil fällen. Schon früher als der Abbö, hatte sich Leibniz mit ähnlichen Gedanken beschäftigt. In seiner Schrift über das Recht der deutschen Fürsten, sich durch Gesandte auf dem Nimweger Kongreh vertreten zu lasten, spricht er dem Kaiser und dem Papst als den Häuptern der Christenheit eine schiedsrichterliche Befugnis in Sacheir der Völker zu. Doch müste ihnen ein ständiges Konsil oder e'n vom Konsil gewählter Senat zur Seite stehen:„Wen» es ein ständiges Konsil gäbe oder ein vom Konsil angeordneter Senat für die all- gemeine» christlichen Interessen zustande käme, so ivürde, was jetzt durch Bündnisse. Vcrinitlelung und Garantien geschieht, dann von der von dem Pavst und dem Kaiser als Häupter der Christenheit herstammenden öffentlichen Gewalt, zwar durch eine freundschaft- liche Vereinbarung, aber doch zwelkmähiger als jetzt geschieht, ge- regelt werden." Die VölkerrechtSlchrer des 18. Jahrhunderts kommen ebenfalls auf den Gedanken des Schiedsgerichts ziirürk. Karl G. Günther schreibt in seinein. 1787 erschienenen„Europäischen Völkerrecht in Friedenszeiten":„Die Nationen dürften nur einen gemeinsame» Gerichtshof niedersetzen, der. unbeschadet im übrigen der Unab- hängigkeit einer jeden einzelnen, blast als Schiedsrichter zur Be- stimmung der zweifelhaften wechselseiligen Rechte und zur Bei- legung der aus deren Richtbeobachlung erirwringcnden Beschwerden mit hinlänglicher Gewalt versehen wäre. Ein« ähnliche Einrichtung war ehemals das Gericht der„Amphyiktyonen bei den griechische» Slaalcn". Auch Schlettwein in seinem„System eines festen Flieden?" ficht zur Erledigung inlernalionaler Slreitigkeilen ein jedesmal zu bildendes Schiedsgericht vor. in dem die Richter„nach den allgemeinen Gesetzen der Gerechtigkeit und der Vernunft ihr Urteil sprechen." Ein SchiedSgerichtShof ist dann zum erstenmal seit den Zeilen deß Mittelalters wieder von der e r ft e n H a a g e r Konvenrion ins Leben gerufen worden, doch war er nicht mehr als eine Liste von Richtern, aus denen den streitenden Staaten freisieht, Schiedsrichter zu wählen, wenn sie ihren Streit auf diese Welse austragen wollen. Damit konnte der Frieden nicht gesichert werden. Die Cholera. Zur Epipemie i» PererSburg. Nicht zum ersten Male ist die Hauplstadr des ehemaligen Zarew reiches der Schauplatz einer verheerenden Choleraepidemie, tvie sie auch jetzt wieder über die in samlärcr Beziehung stark rückständige Metropole hereingebrochen ist. Es war im Jahre 1817, als die Cholera ihre erste graste Wanderung begann, deren Weg von der Forschung genau sestgelegt worden ist. Bon Jeffore, wo die Seuche innerhalb weniger Tage 0000 Opfer hinraffle, wurde sie durch Flüchtlinge nach Bombay, und überhaupt durch ganz Indien ge- schleppt. Auf dem Seewege gelangte sie nach Siam und Chiiia; 1821 erreichte sie den persischen Golf, Bagdad und ein Jahr später Perfien. Dann überschrill die Cholera das Kaipische Meer und setzte sich 1823 ,n Astrachan fest. Europa blieb damals noch von der Cholera verschont. In unserem Erdteil gelangt« sie erst auf ihrer zweiten Wanderung in dem Jahrzehnt von 1827 biS 1837. Dnrch Karawanen ivurde die Seuche über Tibet, Perfien, Siidrustland, die Wolga entlang nach PelerS- bürg und Finnland geschleppt. Bei dieser ersten europäischen Choleraepidcmie brach die Seuche im Jahre 1831 auch in Berlin aus. Zahlreich« Bewohner der preustischen Hauptstadt.fielen ihr zum Opfer? auch der berühmte Philosoph Hegel wurde 1831 zu Berlin von der Cholera hinweggorafft. Im nächsten Jahre brach auch in London eine Epidemie ans, und über Calais gelangte die Cholera nach Frankreich. Sie überschritt dann den Atlaüiischcn Ozean, verheerte Amerika, kam 1834, wiederum durch Schiffe verschleppt,»ach Spanien zurück, ergriff Marseille, Italien. Tirol, Bayern �18301 und setzte sich abernrals in Siidrustland fest. Nach der französischen Zeitschrifr„LaNaturc" sind damals allein in Frankreich mehr als 100 000 Personen der Cholera zum Opfer gefallen. Fast zehn Jahre lang hatte Europa dann Ruhe. Da trat im Jahre 1840 die Cholera aufs neue eiue Wanderung nach dem Abendlande an? sie gelangte von Indien ans über Perfien und Syrien 1318 an die deutsche Ostgrenze? von Mitteleuropa aus verbreitete sie sich über die verschiedensten Gebiete der ganzen nördlichen Halbkugel, auch wieder nach Amerika. Die vierte Choleraepidemie, die in die Jahre 1802 bis 187V fiel, unterschied sich von den drei früheren durch die Schnelligkeit, niit der sie von Asien nach Enropr gelangte. Während früher die Cholera stets von Indien über Persien und Südrustland zu uns gelangt war und stets mehr als ein Jahr gebraucht hatte, bevor sie die Grenzen der westliche» Kulturstaaten erreichte, ge« langte sie diesmal in wenigen Tagen auf dem Seewege von der arabischen Küste nach dem Abendland« und überzog innerhalb weniger Wochen einen grostcn Teil Europa', Die Ursache dieser so ungemein schnelle» Verbreiluug war die Inbetriebnahme deS Suezkanals im Jahre 1809, durch die uns die Hllfeir des Orients ungemein nahe gerückt wurden. Wiederum war eine Reihe von Jahren Ruhe, bis 1834, durch französische Schiffe von Indien eingeschleppt, die Seuche in Toulon nnd Marseille ousbrnch nnd von dort nach Italien verschleppt wurde. Dort wütete sie, namentlich in Neapel, init austerordent- sicher Heftigkeit? Zebntansende fielen in jenem Jahre in Jrnlien der Cholera zum Opfer. 1882 brach die Seuche anfs neue, diesmal in Spanien aus, worauf sie in Europa wieder für eine Reihe| von Jahren erlosch. Unvergessen ist die furchtbare Choleraepidcmie von Hamburg aus' dem Jahre 1892. Bon Perfien aus war die Seuche über Baku und Astrachair nach Rustland gewandert, wo sie sich schnell über das ganze, weite Land verbreitete, und von wo sie nach Hamburg verschleppt ivurde. Mehr als 7000 Einwohner der Hansastadt fielen der Epidemie in der Zeit von August bis Oktober 1892 zum Opfer. Dank der ailsgezelchneten sanitären Verhältnisse in Deutschland blieb die Cholera auf Hamburg bcsckränlt, und es kam nur ganz vereinzelt zu einigen verschleppten Erlraiikungru. Die nächste Cholerawaiideritiig begann im Jahre 1900. Sic nahm diesmal von Kalkutta und Bombay aus ihren Weg nach dem Osten, nach Singapore, den Philippinen, China, Japan und der Mandschurei. Indische Pilger verschleppten sie mit ihren Karawanen im März 1902 nach Melka und von dort nach Aegypten. Von vier aus ge- langte die Cholera nach Palästina, erreichte 1904 Bagdad und Perfien und drang über Baku nach Rirstland vor. Den ganzen Her vir des Jahres 1904 hindurch wütete die Cholera im Kaukasus, wo sie 2000 Opfer forderte. Im April 1902 sprang sie nach Rustland und Polen über, wo ihr 400 Personen zum Opfer fielen und erschien mir per- einzelten eingeschleppten Fällen auch in Deutschland, besonders im Weichselaebiet und sogar vor den Toren von Berlin, in Oranicn- bürg. 1907 brach die Seuche in Astrachan ans, folgte dem Lauf der Wolga, des Don und des Dnjepr nnd gelangte nach PelerS- bürg, Ivo sie 0000 Opfer hinraffte. Bald darauf brach die Cholera in HedschaS auS? in Mekka wurden 40 000 Tote gezählt. 1903, hatte die Seuche ganz Rustland erfastt, wo 14 000 Tode gezählt wurden. Im Fahre darauf nahm die Cholera, begünsrigr diirdi die dort herrschende Hitze in Rustland abermals einen grostcn Umfang an. Bei 21 000 Erktankungen kamen 9000 Todrsfäll« vor. Im April 1909 wurde auch in Stockholm bei einem ans Rustland kommenden Neitendeir die Cholera konstatiert. Einige Tage ipärcr war sie bereirS durch den Dampfer Elberfeld nach Holland gelangr, wo sie jedoch durch umfaffende Mastregeln im Keime erstickt wuröc. Auch in Königsberg und nellii anderen deutschen Ttädrrn kamen 1909 vereinzelte Fälle vor. Di« der jetzige» zeitlich mn nächsten stehende Tholeraepidemie. die Rastland zwar ziemlich ver- schonte, dafür aber in Südenropa, wo sie schon im Vorbergebeuden Sommer ausgetreten war, ihr Hanptquartier ansichlug. war die vom Jahre 1911. Damals herrschte die Cholera nicht nur in Italien, sondern auch in der Türkei, und die Häsen Südfrau Weichs mustteu angefichl? der zahlreichen Anstecknngssälle gleichfalls als cholera- verseucht angesehen werden. Nach der amtlichen Statistik sollen vom 22. Juni bis zum 6. Juli 4911 im Königreich Italien 721 Er- krankungen vorgekommen sein? doch waren diese Ziffern zweifellos noch viel zu niedrig gegriffen, denn es st-hr feil. Bast im Juni allein in Palermo, eine Zeitlang Tag für Tag 100 ErkrankungS- fälle vorgekommen sind. Trotz aller Anstrengungen ist eS nicht möglich, Einzelrälle von Cholera ganz fernzuhalten, doch bieten die moderne HNgiene und die neuzeirlicheti Schutzmastnabmen eine ziemliche Gewähr dafür, dast Epidemien, wie die russische, in Deutschland und dem übrigen Europa nicht wieder auftreten. Stellenangebot. Für augenblicklich oder später Gesucht für einen leereu Thron Ein halbes Drchend Landesväter Lei freier Kost und hohem Lohn. Bedingung: Schöne Bügelfalten, .Im Kuischenfabren sehr geschickt, lind must der Wagen plötzlich hallen. Em Kopf, der immer lächelnd nickt. Auch bittet man vor allen Dinge« Die Herrn Bewerber alt und jung, Den Rcisekoffer mitzubringen. Da vierzehnrägige Kündigmrg. Bureau für stellenlose Helden Von blauem Blut und stubenrein. Von neun bis zwölf Uhr sich zu melden Mit Impf-, Geburt- und Heiniatschcin. (Edgar Steiger vom„SimPIicissimuS") Notizen. — Bestrahlungen mit ultraviolettem Licht gegen Influenza. In der„Münchener Mediziuischen Wochen- schrifl" macht Oberstabsarzt Dr. Hufnagel daraus aufmertfam, daß nach seinen Erfahrungen allgemeine Bestrahlungen mir ullrovio- lettem Licht die beginnende Grippe nicht seilen sofort zum Still- stand bringe. Der Körper wird an zwei, höchstens drei alifeinandcr« folgenden Tagen zuerst je zwei, daim drei Minuten in einer Ent- fernung von zuerst etwa 70. dann 50 Zentimeter allgemein bestrahlt. Danach ist Ruhr nnbedingt erforderlich. Slj Lodz. Das gelobte Land. Roman von W. St. R e y m o n t. Die Fabriken der Aktiengesellschaft Kestler& Endclmann schlössen den(Äarten niit einer riesigen roten Mauer ab, deren unzählige Fenster in der Sonne glänzten. Der 5tutscher fuhr um ein großes, mit Treibhaus- blumen und Büschen besetztes Beet herum und auf die Ranipe, deren Säulen, mit Efeu umrankt, eine Terrasse trugen, die von einer hölzernen, Marmor imitierenden Balustrade um- geben wur. Der lange Flur war mit einem roten Tcppich ausgelegt, in der Mitte stand ein großes Beet blühender Rhododendren. Eine breite Treppe führte in den ersten Stock? sie>var gleich- falls mtt einenr roten Tcppich bedeckt, an den Seiten schmückten sie Reihen von Azaleenbüschcn. die sich von den mit dunkelrotcm Damast beschlagenen Wänden wie Schnee- bändcr abhoben. Das elektrische Licht überflutete das Vorzimmer und die Treppe und funkelte in den großen Spiegeln des Vor- raums. Lakaien in schwarzen Livreen, mit goldenen Tressen an den Kragen, halfen den Ankommenden beim Ausziehen. „Es ist ja sehr schön hier!" sagte Melly, mit Rosa die Treppe emporsteigend. „Schön." erwiderte Schaja verächtlich. Pflückte nachlässig im Vorbeigehen Blumen ab, warf sie auf den Teppich und zertrat sie mit seinen knarrenden Sttefeln. Endelmann kam ihnen bis vor die Tür entg egen, begrüßte sie entzückt und führte sie ostentativ in den Salon ein. „Herr Rat sind sehr gütig. Herr Rat. was?" Er schloß jeden Satz immer mit einer Fnige, das Ohr hinhaltend, weil er etwas schwerhörig war. „Ich wollt' dich mal sehen, Endelmann. na. und wie geht's dir denn?" Er klopfte ihm freundschaftlich auf die Schulter. „Danke sehr, mir geht's gut und meiner Frau auch, waS?" Das Stimmengcbrause im Salon ließ bei ihrem Er- scheinen envaS nach, viele standen auf, um dcu Baumwollkönig zu begrüßen, der in seinem langen, schwarzen Kastan und hohen Lacksnefeln von den Frackanzügen der anderen Gäste sehr abstach. Er durchschritt den Salon mit einem sehr gnädigen Lächeln, reichte einigen die- Hand, anderen klopfte er auf die Schulter, den Frauen nickte er niit dem Kopf zu und schaute mit zugekniffenen Augen im Salon herum. Der junge Keßler schob einen Fauteuil vor; er sank schwer zurück, und sofort umgab ihn ein Menschcngedränge. „Der Herr Rat sind müd? Ein Glas Chanipagner viel' leicht, ausgezeichnete Marke, WaS?" „Gut," sagte er feierlich, wischte sich mit einem bunten Tuch die Brille ab, und erst als er sie sich wieder aufgesetzt hatte, begann er die vielen Fragen,- die an ihn gerichtet wurden, zu beantivortcn. „Wie steht's mit der Gesundheit, Herr Rat?" „Sind Herr Rat wieder bei guteni Appetit?" „Wann fahren der Herr Rat ins Bad?" „Der Herr Rat sehen glänzend aus l" „Warum sollte ich schlecht ausschauen," erwiderte er lächelnd und hörte mit einer gewissen wegwerfenden Müdig- kcit den Chor der Stimmen weiter an, folgte dabei Rosa mit den Augen, die einige junge, hellgeklctdetc Frauen um- geben hatten. Ein etwas lauter Lärm brach in den BoudoirS neben dem Salon und in dem Büfettsaal und in einer großen Gruppe von Frauen und Mädchen aus, die in der Mitte des Salons saßen. Zwei Sprachen herrschten vor: fast alle Jüdinnen, alte und junge, und eine kleine Anzahl Polinnen sprachen französisch? des Deutschen bedienten sich Juden, Deutsche und Polen. Bloß hier und da klang leise die polnische Sprache, in der sich eine Gruppe von Ingenieuren, Aerzten und anderen Spezialisten verständigten, die angesehen genug waren, um bei EndelmannS eingeladen zu werden, aber im Vergleich zu den Millionären eine zu geringe Rolle spielten, um im Salon irgendwie hervortreten zu können. Endelmann kehrte bald zurück, ihm voran schritt ein Lakai, ein silbernes Tablett in den Händen, auf dem ein GlaS, ein silberner Kühler und eine eisgekühlte Flasche Champagner standen. Endelmann zwickte die Kaseldrähte durch, schenkte selbst das perlende Getränk ein und reichte es. Mendelsohn trank langsam nnd schlürfte mit Kenner- mienc. „Nicht schlecht, ich danke dir. Endelniann." „Das glaub' ich, elf Rubel die Flasche." Mehrere Stühle, TaburettS und niedrige Fauteuils formten einen Halbkreis um Schaja. der wie ein König, von seinem Hof und seinen Vasallen umgeben, in der Mitte saß? er öffnete den Rock, die Schöße fielen auf den Boden, und eine AtlaSweste wurde sichtbar, unter der zwei weiße Schnüre heraushingen; ein Bein schlug er über das andere, so hoch, daß die Spitze seines SttescIS in der Höhe der Köpfe der um ihn Herumsitzenden ivar. Nach jedem seiner Worte verneigten sich alle demütig, mitten im Wort verstummten die Lippen, wenn er sprach, und alle folgten jedem Aufleuchten seiner großen, schwarzen, von geröteten Lidern umrandeten Augen, jeder Bewegung seiner mageren, gelben Hand mit den abgebissenen Nägeln und den gekrümmten Fingern; er glättete seinen langen, weißen Bart und das kurzgeschorene Haar, durch daS die Kopfhaut rosig durchschimmerte. Sein Gesicht hatte die Farbe von Safran und tvar sehr mager und unglaublich beweglich, die Nase krumm und so lang, daß sie über den Mund herabhing. Er sprach langsam, betonte jedes Wort und zog die weiße, stark gewölbte Stirn zusammen, die an den Schläfen eingefallen und von dicken, erstarrten Runzeln bedeckt war. Seinen unzähligen Millionen brachten die einzelnen Millionen nnd die jämmerlichen Hunderttausende Huldigung und Ehrerbietung dar? ein einträchttger, harmonischer Kreis von Juden, Deutschen und Polen umgab ihn; vor seiner alle erdrückenden und selbst die Nüchternsten hypnotisierenden Macht verstumntten die Nassenantagonismen, verschwand der Konkurrenzneid, die persönlichen Feindschaften— gegen diesen Hecht fühlten sich alle als Gründlinge und warteten unruhig, daß er sie verschlucke? aber Schaja war heut gut gelaunt, wollte von Geschäften nicht sprechen und scherzte sogar. „Kippmann, einen Bauch hast du, als ob du ein ganzes Stück Perkal da versteckt hättest." „Wozu sollt' ich ein ganzes Stück Perkal Verstecken, ich bin krank, ich muß gleich nach Karlsbad fahren." So unterhielten sich die Lodzer Millionäre? im Salon wurde es immer lebhafter, denn jeden Augenblick erschien noch jemand. Frau Endelmann machte die Honneurs mit großer Ge- schicklichkeit und Würde, ihr Mann half ihr dabei energisch, und immer wieder hörte man sein durchdrinq- liches; Was? Das Rauschen der Seidenkleider, das Flüstern der Sprechenden und der Duft von Parfüms und Blumen füllten langsam den riesigen Salon, einen der prachtvollsten m Lodz.-(Forts, folgt.) Spezialarzt Dr. med. liaschö, Friadriciisfr.SO SÄ. Sieöanbl. vonTypliiliS. Hast« Hnrn-, Frauenleiden, ivc».: cheun. Fälle. Schmerzlose, rürzcftc Behandlg. obne Berussstörunfl. Blutunteriuchung. Mäß. Preise Teilzahlung. Sprechstunden 11 bis 1 und 5— 8. Sonn:. 11— 1. BSgQTST'qgggBBaSBmaBigB« Trauer IBeSilelsSesiifl für Uamei» und r�lüdciren. Stets wohlaus- gestatlete mo� derne Lager. SOsMar Wellbarg ttranneustr. ! SegkSaile» 1893.! 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Vorort mit elektrischer Bahnverbindung einen Nachtwächter mit Hund. Die Stellung ist dauernd, muß aber auch Stfnn- und Feiertags ausgeübt werden. Bewerbungen mit Zeugnisabschriften u» Gehaltsangabe sind zu richten an 1511L in. kB. reenpelhofer Ufer 9. gane sinu zu nenten an Gesellseliatt iiir ilratitiose Teleprapliie �(Tclefiinken). Berlin SW 61, Tempelhi Elektrifizierung der fihweizerischen Sunöes- bahnen. Bern. 18. August.(Meldung der Schweizerischen Depeschen- agentur.) Tie Genernldircktion der Schweizerischen Bundes- bahnen unterbreitet dein Verwalwngsrat das Programm für die Elektrifizierung des Bundesbahnnetzes. Nach diesem Programm soll das ganze Bundesbahnnetz binnen 3(1 Jahren elektrifiziert werden, und zwar die Haupt- l i n i e n, die zwei Fünftel des Netzes ausmachen, binnen zehn Jahren, die übrigen Linien je nach Bedeutung in dem zweiten und dritten Dezennium. Die Kosten werden auf% Milliarden geschätzt, zusammen mit dem Ausbau des BahnnetzeI und der An- schafsung des Rollmaterials werden jährlich die Ausgaben etwa 80 bis SO Millionen betragen, welche Summe durch Anleihen auf- gebracht werden soll. Der Bedarf an elektrischer Energie von 200(1 Pfrrdckräftrn ist bereits zu gesichert, das letzte Viertel kann leicht beschafft werden. Die Generaldirektion, die früher infolge der großen Kosten nur schrittweise an die Elektrifizierung herantreten wollte, hat infolge der Einwirkungen des Weltkrieges und der Schwierigkeit der K o h I e n v e r s o r g u n g.die Meinung geändert und drängt nun- mehrauf gleichzeitige Inanspruchnahme der Elektriftzierung der der- fchiedenen Strecken. Mit Rückficht darauf, daß das Parlament in der Junisession auf eine rasche Durchführung der Elektrifizierung ge- drängt hat, besteht kein Zweifel, daß der Verwaltungsrat den An- trägen der Generaldirektion zustimmen und die Elektrifizierung energisch in die Hand genommen wird. VogroMpropagaNöa in Oesterreich. Das Jüdische Pressebureau in Stockholm berichtet: Der Vor- stand der jüdischen Gemeinde in Wien hat eine von 400 jüdischen Gemeinden Oesterreichs unterstützte Protestresolution gegen die antisemitische Hetze in Oesterreich erlasien, in der eS heißt: „Der Borstand der israelitischen Kultusgemeinde legt namens der von ihm vertretenen Jndenschaft auf das entschiedenste feier- liche Verwahrung dagegen cm daß neuerdings sei« einer Reihe von Monaten in Wien und ganz Oesterreich unter Duldung der Be- Hörden eine systematische Wühlarbeit Platz gegriffen hat, die den offenkundigen Zweck verfolgt, die christliche Bevölkerung Oester- reichs gegen die Juden zu verhetzen und zu AuSichreitungen gegen dieselben aufzureizen. Diese antiiemilische Organisation hat in Weitösterreich in den sogenannten Dcutschcn Volks- ragen ihren Höhepunkt erreicht, in deren Verlaufe die in Massen anwesende Bevölkerung zu direkten Pogrome» gegen die Juden aufgefordert wurde, ein Beginnen, das angesichts des in der Bevölkerung angehäuften Zündstoffes fast zu' nnmittelbarem Erfolge geführt hätte. Die Resolution weist dann die gegen die Juden erhobenen An- schuldigungen im einzelnen zurück und bebt die großen Opfer her- vor. die die jüdische Bevölkerung, trotz mannigfacher Zurücksetzung, während des Krieges für das StaatSganze gebracht hat. Sie schließt mit den Worten: Die Judenschaft Oesterreichs lehnt jede Ver- a n t w o r t u n g für die bei weiterer Duldung dieser Verhetzungen gegen die Inden unausbleiblichen Folgen ab und wird sich letzten Ende? gezwungen sehen, sich zum Schutz ihrer eigenen Existenz, zur Abwehr der ihr drohenden Gefahr zu organtfieren." Die Veranstalter der Hetze sind die österreichischen All- deutschen. Ihr Treiben gibt einen Fingerzeig dafür, welche Ventile unsere einheimischen Alldeutschen ziehen werden, wenn die Erbitterung gegen sie freien Lauf hat. Versucht haben sie diese»Diversion' ja schon mehrfach, bisher allerdings ohne jeden Erfolg. Oberleutnant Löwenhardt, nach dem Tode RichthofenS der er- folgreichste deutsche Kampfflieger, ist nun auch gefallen. Er hat b3 Luftsiege davongetragen. Euglandreise Wilsons? Dem»Amsterdamer Handelsblatt' zu- folge meldet»Wcckly Dispatch", daß Präsident Wilson nach Eng- land kommen werde. Das Blatt meint, daß es gut sein würde, wenn Präsident Wilson kommen könnte, während die Minister der Dominions noch in London wären, besonders mit Rücksicht auf die Frage der deutschen Kolonien und der Wirtschaftspolitik.— Wie die„Times' aus New Dork erfährt, hat der Untcrdirektor des Federa! Reserve Board, W a r b u r g, sein?lmt niedergelegt, nach- bccki wegen seiner deutschen Abstammung— Warburg ist naturalisierter Amerikaner und bat nahe Verwandte in Deutschland— heftige Angriffe gegen ihn erboben waren. Einberufung öes tzauptausfchufies? Unter dieser Uebcrschrist schreibt das„Berliner Tageblatt": AIS im Jahre 1916 der Reichstag einen besonderen Ausschuß für auswärtige Politik einsetzen wollte, der dauernd, auch w ä h- rend der Vertagung des Parlaments, von der Re- gierung in den wichtigsten Auslandsfvagen auf dem laufenden er- halten werden sollte, um rechtzeitig zu neuen Problemen Stellung nehmen zu können, einigte man sich schließlich dahin, daß diese Aufgabe, vorerst aber nur während der Kriegszeit, dem HauptauS schuf sc übertragen werden sollte. Wenn je müßte unseres Er achtens der Vorsitzende dieses Ausschusses, der sozial- demokratische Abgeordnete Ebert, jetzt Gelegenheit nehmen, ihn einzuberufen. Eine ganze Reihe von Aus- landöftagcn drängt zur Entscheidung, und wenn der Reichstag nicht wieder, wie schon wiederholt, vor vollendete Tatsachen gestellt werden will, wird er jetzt, fünf Minuten vor neuen schwerwiegenden Eni- scheidungen, aus eine Darlegung der Ziele unserer auswärtigen Politik dringen müffen. Wir brauchen nicht erst hervorzuheben, daß es sich dabei in erster Linie um die Verhältnisse in Finnland, in Polen, in Litauen, in der Ukraine und ganz besonders in dem eigentlichen Rußland selbst handelt. Diese parlamentarische Aus- spräche über alle diese Fragen dürfte um so notwendiger sein, als de: neue Staatssekretär des Aeußern, Herr v. H i n tz e, bisher noch keine Zeit gehabt hat, sich klar und eindeutig über seine Stellung- nähme zu diesen verschiedenen außenpolitischen Problemen zu äußern. Der Sauernbunö gegen üie Wahlrechts- reaktion. Das Organ des Deutschen Bauernbundes bespricht in der Augustnummer den Stand der preußischen Wahlreform »nd schreibt: Im September wird die Kommission des Herrenhauses sich mit der preußischen Wahlrechtsvorlage befassen. Das Abgeord- netenhaus hat die Regierungsvorlage in ganz unannehm- barer Weise verändert und in eine Form gebracht, die den schärf st en Widerspruch auch unserer Freunde her- vor, anrufen geeignet ist. Wir haben immer wieder daraus hin- gewiesen, daß angesichts des Krieges eine Bevorzugung, die irgendwie auf Besitz und Vermögen sich gründet, unmöglich ist. Vor dem Krieg wäre dies sehr wohl angängig gewesen. Nun wird eine Selbständigkeitsstimme gewährt. Wer ist nicht. alles selbständig und würde dadurch bevorzugt sein. Der Stiefel- Putzer wäre selbständig, der am Bahnhos Friedrichstraße die Fremden empfängt, der Direktor eines großen Werkes wäre nicht selbständig. Mit der Alters stimme können wir ein- verstanden sein. Geradezu unerhört ist aber die Verlange- rung der Wohnsitzdauer auf zwei Jahre. Mit vollem Recht wird dies die allerböseste Mißstimmung in den Kreisen von Be- amten und.Arbeitern hervorrufen, aber auch Landwirte, welche sich ein Grundstück neu erwerben, sind schwer benach- teiligt. Mit einer derartigen Bestimmung belostet, würde das Wahlrecht nicht den inneren Frieden bringen. Noch unerträg- licher ist die Festsetzung, daß eine Dreiviertelmehrheit beider Parlamente, auch deS immer noch rechtsrcaktionären Herrenhauses, für wichtige Gesetze erforderlich wird. Das be- deutet den Stillstand von Reformen überhaupt. Es ist bedauerlich, daß sich auch diese liberale Vereint- gung von Landwirten nicht zu einer glatten Befürwortung des gleichen Wahlrechts entschließen kann, wiewohl in ihrer Kundgebung ein erfreulicher Gegensatz zur Haltung des Bundes der Landwirte hervortritt. Die Zukunft wird noch erweisen, daß der Sache der Landwirtschaft nichts so schädlich ist wie die Ueberleitung ihrer Bestrebungen in politisch-reaktionäres Fahrwasser. Denn wenn man auch der städtischen Bevölkening begreiflich machen kann, daß die Landwirte ihren wirtschaftlichen Vorteil suchen wie sie den ihren und daß die Schaffung eines Interessenausgleichs in beiderseitigem Interesse ist, so wird eine von reaktionären Großgrundbesitzern geführte agrarische Bewegung immer nicht nur der Wirtschaftsgegner, sondern auch der politische Feind der Stadtbevölkerung bleiben. Die Landwirte handeln also politisch unkluch wenn sie sich der Führung durch solche Elemente anvertrauen. Insofern der Bauernbund dies begriffen zu haben scheint, vertritt er die Sache der Landwirte besser als der große reaktionäre„Bund". Um so mehr ist zu bedauern, daß er sich nicht zu einer geradlinigen Politik aufzuschwingen vermag._ Wieder ein alldeutscher Schwindel« Protest der Zcitungsverlegcr. Der alldeutsche Schriftsteller Otto Hans Hopfen hatte in einer süddeutschen Zeitschrift einen Artikel veröffentlicht, der den Anschein zu erwecken suchte, als werde der prozentuale Bei- trag,� den Reich und Staat der Presse zur Deckung der enorm gesteigerten Papierpreise gewähren, zur Begünstigung der sog. „Verzichtfriedenspresse" mißbraucht. Dagegen erklärt die Ver- einignng großstädtischer Zeitunasverleger: Die Bereinigung Großstädtischer ZeitungSverleger weist die in dem Artikel des Herrn Dr. Hopfen enthaltene Unterstellung mit Entrüstung zurück und stellt im Interesse der Wahrheit fest, daß der vom Reich und den Bundesstaaten gewährte Zuschuß den TageS- zeitungen ohne jeden Unterschied der politischen Richtung nach Maß- gäbe der ihnen gesetzlich zustehenden Papicrmenge gewährt wird. Es erhält also jede Zeitung pro Kilo des ihr zustehenden Papier? genau die gleiche Summe, gleichviel ob es sich um ein Organ sozialdemo kr atischer, konservativer, fortschritt- licher oder alldeutscher Richtung handelt, oder ob das betreffende Organ keiner politischen Richtung angehört. Die Veveinigung Großstädttscher ZeitungSverleger verurteilt e? aufs schärfste, daß Dr. Hopfen seinen gehässigen Artikel, der den inneren Frieden aufs schwerste durch seine falsche und irre- führende Darstellung gefährden muß, ohne die geringste Prü- fung der tatsächlichen Unterlagen veröffentlicht hat. Die Vereint- gung Großstädtischer Zeitungsverleger spricht ihr Bedauern auS, daß in so ernster Zeit Veröffentlichungen gemacht werden, die nie- mandem nützen können, aber die vaterländischen Jnter- essen, insbesondere den inneren Frieden durch Irreführung a u f S schwerste zu gefährden geeignet sind. Diese Erklärung erhält ihren besondern pikanten Reiz da- durch, daß sie auch von den Verlagen alldeutscher und kon- servativer Blätter(„Berl. Lokalanzeiger",„Deutsche Tages- zeitung",„Kreuzzeitung" usw.) mit unterzeichnet ist. Wie die Millionen verschwinden. Ttcuerhiuterziehuug eines Kriegsgewinnlers. Ein großer Steuerhinterziehungsprozeß wurde in dreitägiger Verhandlung vor der Elberselder Strafkammer verhandelt. An- geklagt war der Generaldirektor Anton Karl Adels von den Remscheider Waffen- und Munitionswerken, die der Firma Mannesmonn gehören. Diesem Generaldirektor, der eine in der deutschen Industrie bekannte Persönlichkeit ist und der das Vcrdicnstkrrnz für Kriegshilfc trägt, wunde nachgewiesen, daß er durch wissentlich falsche Angaben von Einkommen-, Betriebs- und Kriegsgewinnstenererklärungen den SteuerfiskuS um ganz gewaltige Summen betrogen hat. Es handelt sich um Steuerhinterziehungen von bisher noch nicht bekanntem Umscuige, die nicht nur Adels, sondern auch einer seiner Untergebenen, der Direktor Zilzer ausgeführt hat. Ter letztere hat sich seiner Aburteilung entzogen, indem er sich in einem Elberfelder Hotel vor einiger Zeit eine Kugel durch den Kops jagte. Zilzer hat in den ersten drei Kriegsjahren über bM Millionen Mark verdient, und zwar in der Hauptsache durch allerhand Schiebungen. Bon diesen Geldern hat er Adel? riesige Summen „geschenkt". Auf eine Frage des Gerichtsvorsitzcnden, wie Zilzer dazu gekommen sei, dem Adels so große Summen zu schenken, er- widerte dieser:„Aus reiner Gefühlsduselei." In Wirklichkeit lag die Sache so. daß Zilzer gegen eine Provision von 5— 10 Proz. als Vertreter der Mannesmann-Waffen- und MunttionSwerke seit 1914 angestellt war und seinem Vorgesetzten Adels die Hälfte seines Verdienstes abtrat, aus sehr durchfichtigen Gründen. Die„Gc- fühlsduselei" des Zilzer hat also einen sehr realen Hintergrund, da er nur mit Hilfe Adels' seine ungemein hohe Provision bezichen konnte. Zilzer hatte gleich im Jahre 1915 ein Ein- kommen von 91 000 M., dieses- steigerte sich im folgenden Jahre auf stark 250 000 M. und schnellte im Jahre 1917 auf die Höhe von 425 000 M. empor. Zilzer legte die für Adels bestimmten Gelder bei verschiedenen Banken zinsbar an, nahm aber Verschiebungen bei diesen Kauten vor. die sämtlich aus den Namen Adels lauteten. Auch bei einer Bank in der Schweiz und einer in Holland hinterlegte er für Adels 350 000 und 750 000 Franks. Adels war sich des Strafbaren seiner Handlung wohl bewußt, denn in der Oeffentlichkeit vermied er den Verkehr mit Zilzer und äußerte sich: „Mit solchem Lumpen lasse ich mich nicht ein." Dabei ließ er sich Hunderttausende von diesem„Lumpen" schenken. Auch Zilzer war sick, bewußt, was er tat, denn in einem Abschiedsbrief schrieb er: „W cnn alles herauskommt, was wir beide, Adels und ich, gemacht haben, kommen wir aus dem Zuchthause nicht mehr heraus." Auch von anderen Direktoren hat sich Adels größere Zuwendungen machen lasse». Der chm unterstellte Direktor Eck schenkte Adels auf der Stelle 150 000 M., auch„aus Gefühlsduselei". Eck gab an, er sei Junggeselle, er wüßte nicht, was er mit dem vielen Geld anfangen solle. Als Zilzer sich erschoß, war man der Meinung, daß dies wegen Unterschlagung bei den Mannesmann-Werken geschehen fei. Dieses Gerücht stellte sich aber bald als falsch heraus, denn der General- direktor und sein Direktor hatten nicht den Großindustriellen, son- dern„nur" den Staat betrogen, nämlich um die Steuern, die von diesen Einkünften zu entrichten waren. Darauf lautete auch die Anklage. Da mehrere Sachverständigen nun nicht in der Lage waren festzustellen, wieviel Steuern?ldels im ganzen hinterzogen hat, so wurde folgende Rechnung aufgestellt: Die Kriegsgewinn- stcuer würde ausgemacht haben im höchsten Falle 390 507 M., im niedrigsten Falle 84 167 M. ohne Zuschlag. Dieser beträgt bei der ersten Summe 78 803 M. und bei der letzteren 16 833 M. Der Staatsanwal t kennzeichnete in seinem Plädoyer das Ungeheuerliche dieser Steuerhinterziehung. Es klinge märchen- Haft, wie diese Geldmenschen mit ihrem Gelde umgegangen seien. Er sei der Ucberzeugung, daß noch weit höhere Ver- möyenSwerte in Frage kämen, als die von den Sachver- ständigen ermittelten, und beantragte deshalb, die Höchstsummc zugrunde zu legen. Adels habe im Jahre 1915/16 ein Einkommen von 179 049 M. gehabt, versteuert habe er nur 11 300 M. Tie hinterzogene Steuer beirage 63 711 M., im Steuerjahr 1916/17 habe Adels sein Vermögen auf nur 48 730 M. beziffert, in Wirk- lichkeit habe es betragen 785 729 M. Die Kriegssteuer sei nach dem festgestellten Vermögen von 1 043 600 M. zu berechnen. Hier komme ein hinterzogener Betrag von 455 700 M. in Frage. Da der Angeklagte durch seine Lügereien die tatsächlichen Verhältnisse wie ein Tintenfisch zu verdunkeln sucht und das Vaterland schwer geschädigt habe, müsse er auch entsprechend bestraft wenden. Er habe miv den Mitteln des Vaterlandes, die ihm zugeflossen, schwersten Miß- brauch getrieben. Deshalb läge es im Interesse der ausgleichen. den Gerechtigkett, das Geld, das er dem Staate entzogen habe, wieder zurückzuerstatten. Er beantragte eine Gefängnis- st rase von acht Monaten und für die in zwei Jahren hinter- zogene Steuer 682 316 M. Geldstrafe, event. für je 15 M. einen Tag Haft bis zur Höchstzeit von drei Monaten. Die hinter- zogene Wehrsteucr bzw. den mehrfachen als Strafe zu bemeffendcn Betrag berechnete der Staatsanwalt auf 2 278 590 M., an deren Stelle im Nichtbetreibungsfalle ein Jahr Gefängnis zu verhängen wäre. Außerdem 5 Jahre Ehrenrechtsverlust, was den Verlust des Verdiensttrcuzes für Äriegshilfe zufolge hat. Die Verteidiger beantragten Freisprechung, indem sie ausführten, daß sowohl nachdem Einkommensteuergesetz als nach dem Kriegssteuergesetz Nebenein nahmen steuerfrei seien. Letzten Endes widersprächen die Ncbengcschäftchen den guten Sitten, und aus solchen gezogener Gewinn sei nach konstanter Rechtsprechung des Reichsgerichts steuerfrei. DaS Urteil soll am 15. August gesprochen werden. Letzte Nackrickten. Lloyd George über die Erfolge der Alliierten. London, 10. August. Reuter. Lloyd George hielt heute in Newport in Monmouthshire eine Rede, in der er von dem Er- folg der Alliierten an der Westsornt sprach. Er sagte, es sei nur billig, einen großen Teil des Erfolges dem einheitlichen Oberbefehl zuzuschreiben. Dieser Sieg sei eine große komplizierte Operation, in der die Briten, die Franzosen und Amerikaner alle ihre Rolle spielten. Ter einheitliche Oberbefehl, fuhr Lloyd Georg« fort, hat es uns ermöglicht, dengrotzenSieg an der Marne und den zweiten großen Sieg an der S o m m e zu erringen. Es geht uns jetzt sehr gut, aber wir müssen deswegen nicht allzu übermütig sein. Der Kampf ist noch nicht vorbei. DaS Land muß- sich auf seine Entschlossenheit und seinen Mut verlassen können. ES muh seine Rolle in dem langen Kampf weiter erfüllen. Holländische Bcobnchtcr des ScetrefscnS. Amsterdam, 12. August. Das„Maandag Ochtcn Blad" meldet auS Res auf der Insel Ameland vom 11.: Ten ganzen Morgen war es in der Lust sehr bewegt. Schon vor 8 Uhr sah man etwa 20 Flug- zeuge mit einem Zeppelin auf eine englische Flottille von Motor- U-Boot-Jägern Jagd machen. Wie ver- lautet, sollen etwa sechs dieser Schisse getroffen und versenkt worden sein. Der Zeppelin wurde von Torpedobooten a b g c- schössen; er fiel ungefähr 7 Meilen von der Küste in die See. DaS Rettungsboot von Holtum ist ausgefahren. Dies geschab um etwa 10 Uhr morgens. Später kamen, von«inem deutschen Flug- zeug- geholt, 10 deutsche Flugzeuge mit mehreren deutschen Torpedo- booten an der Stelle, wo der Zeppelin abgeschossen worden war, an und blieben dort kreuzend. Weitere Einzelheiten liegen noch nicht vor. Tic Politik der Sozialrcvulutionärc. Kowno, 11. August. Die am 28. Juli abgehaltene Konserenz der Linken sozialrevoluttonären Partei führte, wie die Baltisch- Litauischen Mitteilungen nach der»Revaler Zeitung' melden, zu einer Teilung nach drei Richtungen. Die erste Richtung unter Führung von Sachs verurteilt schroff die ganze Politik des früheren Zentralkomitees, die andere unter der Lei- tung des früheren Volkskommissars für Landwirtschaft Kole- g a j e w erklärte, daß sie vorläufig in der Partei der Linken So» zialrevolntionäre bleibe, sich jedoch weiteste AktionSsrei- h e i t vorbehalte. Sie hält in Zukunft alle terroristischen Akte der Partei, welchen Zweck sie auch haben mögen, für un- zulässig. Die dritte Richtung mit Frau B i c z e n k o an der Spitze verteidigt völlig die Politik de? früheren Zentral» komitees. Die Richtungen von Sachs und Äolegasew zusammen besitzen mehr Delegierte als diejenige von Frau Biczenko. Tie Zusammensetzung der tschecho-flowakischen Armee. Moskau, 10. August. Noch einem Bericht des soeben in Moskau eingetroffenen Kriegskommissars der sibirischen Armeen gehen die Tschechen gegen die Arbeiter mit außerordentlicher Härte vor. In OmSt wurden 7000 Arbeiter verhaftet und viele erschossen. Der Prozentsatz der Tschechen innerhalb der feindlichen Armee beträgt jetzt etwa 30 Proz. gegen 89 Proz. früher. Der Rest besteht Haupt- sächlich aus Offizieren und Weißgardisten. Verworfene Revision jugendlicher Mörder. Leipzig, 12. August. Das Reichsgericht verwarf die Rev'ffon deS 17>--jährigen Barbierlebrtiugs O t t o R ö sch und deS 14jäbrigcn Gemeindeschülers Otto Hasse auS Berlin, welche das Land- gericht II Berlin am 23. April verurteilt hatte, und zwar Hasse wegen Beihilfe zum Mord zu sechs Jahren Gefängnis. GMexffiWsbMMW Drohender Konflikt im Betrieb der Berliner elektrischen und städtischen Strastcnbahn. Dem Personal der Berliner elektrischen und st ä d- tischen Straßenbahn sind ihre am 4. Januar eingereichten Lohnforderungen erst kürzlich und auch nur zum Teil bewilligt worden. Während bei der Großen Berliner Straßenbahn d'e Lohn- erhöhung rückwirkend vom 1. Februar erfolgte, wurde dem Personal der städtischen Bahn ein Teil der Forderungen erst vom l. April, und bei der elektrischen gar erst vom 1. Juli cr. bewilligt. Das er- regte begreifliche Unruhe um so mehr, als an dem Bewilligten noch recht viel gedreht und„ausgelegt" wurde, immer zum Nachteil des Personals. Das Personal der Berliner elektrischen Straßenbahn stellte daher neue Forderungen auf, nach welchen sie die Erhöhung des Grundlohnes von 40 auf 60 Pf. pro Stunde, einheitliche Bc- zahlnng der Fahrer- und Schichizulageii, volle Freiheit des Koa- litioiiSrechts und Lohnaufrechnungszettel verlangten. Die Antwort hierauf wurde bis zum 10. August erbeten. Eine Vorbesprechung zwischen Betriebsleitung und dem Verbandsvertreter Genossen Rathmann konnte nicht zum Ziele fuhren, weil er ohne Hinzuziehung der Vertrauensleute zu der Verhandlung nicht verhandeln konnte. In einer am 9. August stattgcfundcnen Verhandlung zwischen Herrn Direktor Kanold und Herrn Baurat Seifert einerseits und der Verhandlungskommission und den Verbandsvertrctern ander- seits, die im Bureau des Transportarbeiterverbandes tagte, konnten nur ungenügende Zugeständnisse erzielt werden. Das Persona! lehnte in einer Versammlung diese Zugeshsindnisse als ungenügend ab und verlangte die Arbeitseinstellung. Genosse Rath- mann wies in sehr eingehender Weise darauf hin, daß noch nicht alle Mittel einer friedlichen Lösung erschöpft seien und empfahl schließlich, das KriegSamt zur Vermittlung anzurufen. Angestellte aus dem Betriebe der Großen Berliner Straßenbahn warnten eben- falls vor einer Arbeitseinstellung, solange nicht der letzte Versuch zu einer gütlichen Beilegung des Konflikts gemacht sei. Die Einwände, daß ein solcher Instanzenweg erhebliche Zeit erfordere und zu bc- fürchten sei, daß erst irech Monaten die Entscheidung fallen könne, seien nicht stichhaltig. Tic Verbandsleitung könne die Sache in dringender Weise erledigen. Nach längerer zum Teil erregter Er- örtcrung beschloß schließlich die Versammlung einstimmig, das Kriegsamt zur Vermittlung anzurufen, nachdem die Verbands- leitung versichert hatte, daß sie für schnellste Erledigung sorgen werde. Damit war die Arbeitseinstellung zunächst vermieden. Es dürfte nun Sache der Kri egsamtstclle sein, auf schnellstem Wege ein Vermittlungsversahren einzuleiten,- damit das Personal zu seinem Recht kommt. Die Gelben drohen» gegen die Regierung„Mastnahmen anzuwenden". Unter der Ueberschrist„Eine kräftige Absage an die Gelben" gaben wir tn Nr. 212 Kenntnis von einer Auslassung der„Norddeutschen Allgemeinen Ztg.", worin das Regierungsblatt bedauerte,„daß immer wieder geglaubt wird, durch mit sinan- z tellen Mitteln künstlich großgezüchtete sogenannte gelbe Organ:- sationen Störungsvcrsuche gegen die Entwicklung des„unabhän- gig-en Organisationsgcdankens" ausüben zu können. Diesem Auszug widmet die jüngste Nummer des„W er k v c r c i n", Wochen- schrift für die„wirtschastfriedtichc nationale Arbeiterbewegung", unter Bezugnahme auf den„Vorwärts" einen Leitartikel. Es wird darin, gesagt, daß sich die„Nordd. Allg."„früher ganz ander? aus- gedrückt" habe; dann folgt ein langes Zitat aus einer den Gelben gewidmeten freundlichen Rede des Handelsministers Dr. Sydow. Der jetzige„plötzliche, durch keinen Anlaß erklärliche Umschwung" fsei„erstaunlich". Es müsse„unbedingt Klarheit geschaffen wer- den. ob es sich um einen von der Regierung veranlaßtsn oder ge- billigten Artikel bandelt oder nicht". Den weiteren Ausführungen ! entnehmen wir folgende Stellen, wobei wir stets zu beachten bitten, ! daß es sich um ein wirtschasts friedliches Blatt handelt: „... Denn das; sich unter den heutigen Verhältnissen keine Regierung, auch die st ä r t st e nicht, den Luxus leisten kann, viele Tausendc der staatstreuesten Elemente derart zu behandeln, dürfte dem naivesten Politiker klar sein..... i Wenn allerdings die Regierung hinter diesem Artikel stehen sollte, dann könnte schließlich auch die Geduld der Wcrkvereine gegenüber dem Verhalten und den Maßnahmen der Regierung ein Ende finden.... Wenn zu dem bisherigen mehr als eigenartigen Verhalten auch noch vollkommen unberechtiate gehässige Angriffe kommen sollten, dann wären die Wert» vereine schließt ch gezwungen, auch ihr Vor- gehen den gegen sie beliebten Maßnahmen an- zu passen. Vaterlandstreu sind und bleiben sie freilich bis aus die Knoche».?!ber der Begriff„Vaterland" ist nickt der- selbe wie der Begriff„Regierung". Falls die Werkvereine zu der Ansicht kommen sollten, daß auf die Regierung nicht mehr bis jetzt angewandte Mittel des ruhigen Verbal- tens(!) Eindruck macht, daß unsere von tiefstem vaterländischen Gefühl getragene Politik des Entgegenkommens(!) nur dazu benutzt wird, um uns beiseite zu drängen, dann wären wir zu unserem Bedauern gezwungen, M a st n a h m e n a n- zuwenden, die der Regierung größeres Verständnis für unsere berechtigten Wünsche abzuringen geeignet sind.... Vcr- langen müssen wir unbedingt, baß sobald wie möglich(II Klar- be!t entsteht, ob der Artikel der ,.N A. Z." als Regierungs- oder als Privatäußerung anzusehen ist." Als Schiller lebte und dichtete, gab es noch keine Gelben; also kann er auch nicht an unsere„WirtschaftSsriedlichen" gedacht haben, als er schrieb:„Mut zeiget auch der Mameluck!" Wir möchten dennoch dem„Werkvercin" emvsehlen, den schönen Svrüchcn am Kopfe der Titetseiie dieses Schillerfche Wort hinzuzufügen. Und Ivenn jemand berwundert fragt, mit welcher Berechtigung das Blatt dieses Zitat im Schilde führe, so kann e? mit Stolz darauf vcr- weisen, dost es einstmals der„stärksten Regierung" gedroht habe. auf das„Mittel des ruhigen Verhaltens" zu verzichten und„Maß- nahmen anzuweiiden". Aber im Ernste: Wenn sich herausstellt, daß der Artikel wirk- tick RegiernngZarbeit ist, was werden die Gelben dann tun? Doch wohl nicht nach dem mederträcktigen Vorbilde schändlicher„Streik- gewerkschaften"— die Arbeit niederlegen! Aber was könnten sie denn sonst tun? Man sieht: der grundsätzliche Verzicht ans den Streik ist— ein ztocischneidiges Schwert! Vereinbarungen im Mainzer Baugewerbe. Die Unternebmerorgonisation von Mainz bat setzt mit den Vertretern des Bauarbeiterverbandes folgende Vereinbarung ge- troffen: ES wird mit gegenseitigem Einverständnis vereinbart. daß eine allgemeine Erhöhung der Kriegszulage von 40 aus 4ö Ps. pro Stunde erfolgt, so daß nunmehr auf allen Baustelleu im Lobn- gebiet Mainz eine gleickmäßige Krieaszulage gezahlt wird. Die Zulage beginnt am 9. August d. I. und wird erstmalig am 16. August ausgezahlt. Deutscher hausbesitzertag. Die Wohnungsnot ist nicht so grost.. Dresden, 11. August. Tic öffentlichen Verhandlungen des Zentralverbau des der Haus- und Grundbesitzervereine Deutschlands begannen am Sonntag in Gegenwart zahlreicher Vertreter der Reicks-, Staats- und Koinmunalbehörden. Zu dem ersten Vortrag, den Geh. Regierungs- rat Professor Voigt von der Frankfurter Universität üb:r „Baukosten und W o h n u n q s p o l i t i k" hielt, betonte der Redner, die Wohnungsnot ist n i chtso g r oß, wie M i e S- wacher einfach behaupten; doch liegt es mir fern, die Not über- Haupt leugnen zu wollen. Tie Baukosten sind gegenüber dem Friedensstand um 2 00 Prozent gestiegen. Es müsse versuch: wer- den, dieselben zu verringern. Das Versprechen der Reformer, für die heimkehrenden Krieger eigen- Häuser mit Gärten zu errichten, werde schwer gehalten werden können. Das Entziet müsse Wieder- Herstellung eines freien Bau- und Wo hnungs Marktes sein. Regierungsbaumeister K l e e m a n n sprach hierauf über V e r- e i n f a ch u n g und Verbilligung des Bauens. Die Ver- billigung und Vereinfachung des Bauens müsse bereits bei der Er- schließung des Baugeländes beginnen. Auch seien die Kosten nie die Siraßen Herstellung aus das nossvendigste Maß zu beschränken. Alsdann referierte Justizrat Dr. Baumert über gesetzliche Maßnahmen zur Förderung des Wohnungswesens. Ter Redner meinte, dqß all? irgendwie entbehrlichen baupolizeilichen und sieuer- lichen Vorschriften, wodurch die Hcrstelluna von Wohnungen be- cinträchtigt würden, zu beseitigen seien. Es iverde sich, da nach dem Kriege der Bau von Mietshäusern kaum möglich sei, die Förderung des Kleinwohnungsbaues emvsehlen. Zu dielen: Zweck müßte eine Ermäßigung der Ansiedlerbeiträge sowie eine reichsoesetzliche Vorschrift erfolgen, daß für Wohnräume keine größere lichte Höhe als 2!f Meter verlangt werden dürfe. Geheimer Justizrat Professor Dr. Oertmann von der Göttinqer Universität besprach den G e s e tz e n t w u r s über das Erbbaurecht. Für die Durchführung von Maßnahmen der Wohnungsbeschaffiiiig und-für sorge, insbesondere für die Zu- Wendung öffentlicher Mittel wird sich in der Regel das Erbbanrecht weniger eignen als die Eigentum süvertragung. Nur in Ausnahm?» fällen kann es zur Förderung des Kleinwohnungswesens zur An- Wendung kommen. Das Reckt zur Verleihung des Erblmureckts muß aul öffentliche Körverschäften beschränkt und gegenüber Bau- genosseirfchaiten und anderen sogenannten gemeinnützigen Vereint- aungen größeren Umsangs besondere Vorsicht gewahrt werden. Redner wünscht Vorkehrungen dabin, daß das Erbbaurecht in der Hauptsache beschränkt bleibe Wohnungen. auf die Erstellung eigentlicher Klein- Znöustne unö kanöel. Die uktraiNisch-rnssischen Berhandlungc». In einer Sitzima der Finanz- und Verrechnimststommission legte die russische Delegation ein Verzeichnis der für eine Teilung in Betracht kommenden Staatsschulden Rußlands vor. Die ukrainische Delegation erklärte, daß auf die Ukraine etwa ein Fünftel der Staatsschulden und des Gesamt st aatsver mögens, entsprechend der Bevölkerungszahl der Ukraine mid den: ukrainischen Anteil an den bisherigen Staatseinnahmen des russischen Reiches entfalle und forderte einen Anteil auch am Vermögen j e n- seits der ukrainischen Grenze, da der ganz unverhältnis- mäßig größere Teil des russischen Staatsvcrmögens sich in Großrußland befinden. Ein. Teil des Goldschatzes müsse unabhängig davon als Aeguivalent für die Uebernahmc von Papiergeld abgetreten werde. Interessant ist, daß die Ukrainer einen Teil der— annullierten Staatsschuld übernehmen wollen. Ob sie in die Pflichten des Schuldners eintreten oder die bloß formelle Uebernabme der Staatsschuld lediglich als Recht- fertigung ihres Anspruches auf russisches Staatsvermögen gebrauchen wollen, steht dahin, wäre aber wohl der?luf- klärung wert. Verantwortlild für Politif: Erich Sutincr, Berlin: für den übrmen Teil deS Blatte?: Alfred Schelj, Neulälln: für Anzeigen: Theodvr Mockc, Berlin. Verlag: Borwürts-Verlng G. in. b. S>.. Berlin. Druck: Vorwürts-Buchdruckerei und DerlagSanitalt Vaul Singer u. Co. in Berlin. Lindcnslrabe 3. Hierzu 1 Beilage und Untcrftaltungsblatt. vevtscher Metsllsrdelter- yerdsvö. Venckaltungsstsne Berlin. Den Mitgliedern zur Nach- richt, datz unser Kollege, der j Schlusser hllg Brüsseler Str. 44 am 9. August gestorben ist. Die Beerdigung findet am Dienstag, den 13. August, I nachmittags 3'/. Uhr, von»er! ; Leichenhalle des Apostel- k Phiiiptms-Kirchboscs in dcr Müller-, Ecke Scestrafic, aus statt. Rege Beteiligung wird cr- wartet._ 116/13) Nachrufe. Den Mitgliedern serncr l zur Nachricht, das, unseres Kollegin, die Arbeiten» MrieZg Zonms!' Neukölln, Ztelhenstr. 31 am 2. August gestorben ist. I Den Mitgliedern scruer i zur Nachricht, dag unser s Kollege, der Eicks: omontcur s Slielmni Slopiw ischlicmnnnftr. 20 am 6. August gestorben ist.) Ehre ihrem Andenken! Hie Ortsverwaltuno. j Kraft-Curn-Hcreiii Süd-öft i gegr. 1894. Verein slokal: ) Rcstaur. Schauert, Stralau.! Infolge Unfalls im Zirkus I ! Sarrasani starb unser lieber| (Kollege F#ruuo Melzner. Wir verlieren in ihm > einen cilrigcn und guten rporttollcgen. ! Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet I heute, nachm. 2il„ Ubr von I der Leichenhalle des Markus- Kirchhofs, Wilhelmsberg. aus statt. 2g08b Der Vorstand. Radfahren mit unseren Bereifungen ist erlaubt. MsWAeWem« Th. Just& Co., velle-Alliimce-Platz 18. SoziaidemoKr. üialslverein Bcrlin-Schöneberg. Berlin 4. Am Donnerstag, den 8. d. M.. verstarb ganz un- erwartet infolge Schlaganfall unser lannjähriges Mitglied, die Genossin Ämia Franke. Ebre ihrem Andenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 14. August, nachmittags 5 Uhr, von der Halle des II. städtischen Schöncberaer Friedhojes (Blanke Hölle) aus statt. Um rege Bekeiligung ersucht 15/3 Ter Vorstand. Nach kurzem, schwerem Krankenlager entschties sonst am Donnerstag, den 8. d.M., meine liebe Frau, unsere treusorgendc gute Mutler iuna Franke geb. Wartzak im 56. LebcnSfahre. Im nanienloien Schmerz bittet um stille Teilnahme CK»-. Franke 194A nebst Kindern. B.-Schöneb.,MeiningerStr.9 Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 14. d. Mts., um 5 Uhr, uoi, der Halle des städtischen Friedhoss, Eythftrafie, aus statt. ! WarunidasWEiliaBitas | leidet u. iL Mann am Wellie. Inhalt: Reis zur Liebe !».Ehe. Herrn, recht.— Eifer- 1 sucht— Untreue— Mannes. kraft.— Kinder' egen.— j Dingt, die man nicht sagt ec. 1 Pastor Schmidt schreibt im !„Corr'cspondcnt": EinS der ) ernstesten Bücher, die ich ge- ) leim. Die Bilder, die der l Bersafier entwirsl, greisen an Herz und Gewissen.— ) Preis Sit 1,80. Mädchen, Jdie man nicht (heiraten soll. 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