1© Pfetäiig"� Zentralorgan der rozialdcniokratffchen parte! Deutfcblande. Redaffion: SV). öS, Liaöenstraße Z. gernivrecber: Amt Morivplatz. Nr. 151 SO—!al S7. Mittwoch, den 14. August 1918. Expedition: SW. dS, Ändenstrahe 3. Sk-rnsprech-r: SXm» Moridpia«, Nr. 151 90—151 97. Hngriffe zwifebtn Hwe und Oife. Der Kampf öer rujflschen Parteien. Bei der allgemciiicn Unklarheit über die russischen Verhält- nisse ist ein Bericht des Moskauer Korrespondenten der„Frank- furtcr Zeitung" aus den ersten Augusttagen über die Par- teiengliedcrung von großem Interesse. Er stellt fest, daß alle Parteien deutschfeindlich sind. Die Deutschfreund- lichkeit der Bolschewistcn sei nur als sehr relativ zu betrachten. Lenin und Trotzki haben ja auch in der Tat aus ihren Gefühlen gegen Teutschland niemals einen Hehl gemacht und nur erklärt, daß sie auch in dem ungünstigen Frieden von Brest-Litowsk hätten willigen müssen, um die internationale Revolution vor dem allgemeinen Zusammenbruch der diversen Imperialismen nicht ersticken zu lassen. Das ist der Sinn der berühmten „Atempause", mit der Lenin seine Freunde übcx alle Schmerzen und Wundm des Brester Friedens hinwegtröstet. Uebcr die Beziehungen zwischen den Bolschewistcn und den Sozialrevolutionären und der verschiedenen Gruppen der Sozialrevolutionären untereinander sagt der Bericht der „Frankfurter Zeitung": „Sa w i n k o f s gehört zum rechten Flügel der Sozial- revolutionäre, der mit der Entente in offener Verbin- d u n g steht.. WaS den rechten Flügel mit dem linken einigt, ist ihr Programm des Terrorismus. Was sie hauptsächlich trennt, ist das Fußen der rechtsstehenden Gruppen auf dem Boden der konstituierenden Versammlungen. Der linke Flügel hat sich da- gegen seit der Auflösung der Konstituante den Bolschewisten an- geschlossen und billigt deren Widerstand gegen jeden Versuch zur Bildung eines Parlaments. Diktatur und Terrorismus sind ver- wandte Begriffe. Von den linken Sozialrevolutionären ist bisher behauptet worden, daß sie mit der Entente nichts zu tun hätten. Die Führer der rechten Sozialrevolutionäre, vor allem Sawintoff, stehen dagegen mit der Entente, besonders mit dem puritanischen Geschäftsmann Nobbins, den Wilson als Vertreter des amerika- nischen Roten Kreuzes nach Rußland entsandte, in enger Ver- bindung. Den Bann der Indifferenz der linken Sozialrevolutio- näre gegen die Entente hat deren Parteimitglied WosnesenSki . durch feine Zusammenkünfte mit Noulens und Francis in Wologda gebrochen." Nach einem Briefe des baltischen. Barons Nolde, der in der rnMchen Kadettenpartci eine Rolle spielt, an die„Vossische Zeitung" entwickelte sich unter den Kadetten ein Gegensatz zwischen der ententefreundlichen Moskauer Richtung und der Petersburger Gruppe, die russisch und nichts als rus- sisch sein wollte und der auch Miljukow zugezählt wird. Wie ein neueres Telegramm aber mitteilt, hat sich auch die P e- tersburger Gruppe wieder zur Entente ge- neigt und Miljukows Annäherungsversuche an Deutschland desavouiert, was mindestens als Symptom zu werten ist. Neben Bolschewisten und Sozialrevolutionären scheinen die Ka- detten heute freilich in den Hintergrund gedrängt zu sein. Ter Kampf der Sowjetarmeen mit den Tschcchoslowaken. Moskau, 7. August.(P. T. A.) Die Kräfte der Weißen Gar- disten, Tschocho-Slowaken und Kosaken aus der Mittel-Wolgasront beziffern sich auf 80 000 Mann. Di« Zusammcnziehung der Sowjet- armecn ist beendet und erreicht die Zahl von 150 000 Mann. Der begonnene Angriff entwickelt sich erfolgreich. Die Sowjettruppen zogen bereits unter Kämpfen in die Vorstadt von Simbirsk ein. Moskau, 6. August.(P. T. A.) In Moskau trafen Vertreter der Sowjets aus O st s i b i r i e n ein und erklärten, daß die Tschccho- Slowaken nur bis zum Baikal gekommen seien. Weiter östlich vom Baikal sei ganz Sibirien in den Händen der Sowjetregierung. lieber den Städten und Dörfern Ostsibiriens weht nach wie vor die rote Flagge der sozialistischen Republik. Ostsibirien ist keineswegs der Sammelpunkt der englisch-französischen Truppe», denn weder solche, noch amerikanische oder japanische Abteilungen befinden sich dort. Moskau, 0. August.(P. T. A.s Uralgebiet: Eine unserer Abteilungen schlug den Gegner, bei dem Gehöft Taschilowka und drängte ihn bis nach Petropawlowka, 25 Werst südwestlich von Rowousensk, zurück. Auf dem Wege Buinsk-SimbirSk mutzte unsere Abteilung, von der Uebermacht des Gegners gezwungen, bei der Station Kaschinka zurückgehen. Im Rayon Spassk besehten wir Jekaterinowka, wobei Gewehre und Granaten in unsere Hände ge- langten.— Woran« scher Distrikt: In der Richtung nach Kalatschewka nahmen die Sowjettruppen Kalatsch ein und erbeuteten eine Menge Trophäen, deren Zahl noch festgestellt werden wird. Ferner nahm eine unserer Rotten im Kampf Krasnopolje ein. Die Kosaken wurden hinter den Fluß Tischanka zurückgeschlagen. I» der Richtung nach PoworinSk verließen unsere Truppen die Sta- tionen Jaryshenskaja und Alexeikowo. In der Schwarzmeer-Kuban. Richtung machte die feindliche Kavallerie einen Ueberfall auf die Stanitzen Buruiskaja, Iekaterinskaja und TschukussowSkaja.— Zwischen Anere und Avre ruhiger Tag— Zwischen Avre und Oife nen eingesevte Zeindesdivisionen abgewiesen.— Fünfmaliger Ansturm bei Tilloloy gebrochen. Berlin, 13. August 1918, abends. Amtlich. Von der Anere bis zur Avre ruhiger Tag. Zwischen Avre und Oise sind Teilangriffc des Feindes gescheitert. Amtlich. Großes Hauptquartier, 13. August 1918.(W. T. B.) Westlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht. Südwestlich von Kpcni am frühen Morgen heftiger Artillerie« kämpf. Feindliche Angriffe kamen in unserem Feuer nicht zur Entwicklung. Südlich von MerriS wurden mehrfach wiederholte englische Trilangriffe abgewiesen. Borfrldtämpfe beiderseits des La Bassöc-KanalS und zwischen Scarpc und Anere. An der Schlachtfrout ruhiger Vormittag zwischen Anere und Avre. Südlich der Sommc griff der Feind am Nachmittage zu beiden Seiten der Römerstraßc Foucaucourt— VillerS Brctonncuy an. Er wurde abgewiesen. Nördlich der Strcchc Amiens—Noyc schlugen wir am Abend starke ,-iudliche Angriffe ab. Zwischen Avre und Oise tagsüber heftiger Kampf mit teilweise neu ein- gesetzten französischen Divisionen. Starke Kräfte griffen im Morgennebel dicht südlich der Aore sowie zwischen Tilloloy und nördlich von Elincourt an. Sie brachen vor unseren Linien zusammen? an einzelnen Stellen warfen sivir sie im Gegenstoß zurück. Zwischen Tilloloy und Cannq, westlich und südwestlich von Lasfigny setzte der Feind seine Angriffe bis zum späte» Abend, südlich von Tilloloy bis zu fünf Malen fort: ans dem Matz-Grunde heraus stießen schwächere Kräfte vor. Wir schlugen den Feind zurück; vielfach blieben seine Angriffe schon in unserem zusammengefaßten Artillrriefener liegen. Heeresgruppe Deutscher Krooprtu». Nördlich und östlich von FiSmeS hatten örtliche AngrisjS- untcrnchmungen Erfolg und brachten Gefangene ein. Gestern wurden 29 feindliche Flugzeuge abgeschossen. Leutnant Ndet errang seinen 53., Hauptmann Berthold scincu 43. und 44., Leutnant Freiherr v. lllichthofen seinen 39. und 40., Leutnant Kocnneke seine» 29., Vizcfcldwrbcl Thom seinen 28., Leutnant Lauwann feinen 24., Oberleutnant Freiherr v. Boenigk seinen 21., die Bizcfeldwrbel Toerr und Mai ihren 20. Luftsicg. Der Erste Generalquartiermeister. Ludendorff. Ter österreichische Bericht. Wien, 13. August. Amtlich wird verlautbert: Au der Tiroler GcdirgSiront haben Sturmpatrvuillcn des Schntzcn-Rcgimcnts Nr. 37 einen gelungenen, für den Gegner verlustreichen Ueberfall auf die feindlichen Stellungen auf dem Monte Qorwo ausgeführt. Die fortgesebten Fliegerangriffe ans den Raum von Fcltre fordern unter der italienischen Zivilbevölkerung zahlreiche Opfer. Auf dem albanischen Kriegsschauplatz nichts von Belang. Der Ehef des GcneralstabeS. Muromer Bezirk: Am 4, August besetzten unsere Abteilungen Jssakogorka und gehen weiter vor. Zarische Minister vor dem Revolutionstribunal. Moskau, 5. August.(Meldung der P. T. A.) In der bevor- stehenden Session des Revolutions-Tribrmals werden die VerHand- lungen gegen die zarischen Minister Schtscheglowiwff, Chwotoff, Prvtopoposf und andere stattfinden. Engländer in Wladiwostok. London.(Reuier.) Das Kricgsamt meldet: Die in Wladi- Wostok gelandeten Engländer sind an die Ussuri front vorge. rückt und von den Tschechoslowaken begeistert begrüßt worden. Das Seegefecht bei Terschellmg. Amsterdam, 12. August. Nacb den letzten Berichten von Ter- ichelling wurde bei dem gestrigen Gefecht außer dem Zeppelin auch ein deutsche« Flugzeug abgeschossen. Von den englischen Motor« booten wurden drei versenkt und drei beschädigt. Eins der beschädigren Boote konnte mit eigener Kraft den Strand erreichen, die beiden anderen wurden von holländischen Torpedobooten nach Terschelling geschleppt. Von den Besatzungen der Boote wurden 13, nach einer anderen Meldung IL Mann gerettet, darunter ein Verwundeter. VieGestung des Laster 5rsed7ns Ter Kaiser von Oesterreich trifft heute im Großen Hauptquartier ein. In seiner Begleitung befinden sich der Minister des Auswärtigen Graf B n r i an und der österreichifch-ungarische Botschafter in Berlin Prinz Hohenlohe. Auch Graf W c d c L, der deutsche Botschafter in Wien, nimmt an den Bc- sprechungen teil. Weiter sind Prinz R a d z i w i l l und Gras Nonikier als Vertreter der polnischen Regierung anwesend. Es sollen alle schwebenden Fragen unter besonderer Berücksichtigung der pol- nischen Frage besprochen werden. Heute trifft K aise r- K a r l mit. großem politischen Ge- folge im Großen Hauptquartier ein, wo sich alle leitenden Männer der Reichsregicrung, mit Ausnahme des Vizekanzlers -� wenigstens wurde seine Abreise nicht gemeldet--- ein Stelldichein gegeben haben. Ein solches Massenaufgebot berühinter Zeitgenossen deutet auf großes Geschehen. Tie Annahme ist wohl richtig, daß im Osten„feste Verhältnisse" geschaffen werden sollen. Das Streben ist an sich löblich. Jede politische und wirt- schastliche Arbeit wird im besetzten Gebiete durch die Unsicher- heit über ihre Zukunft gelähmt. Aber schaffen die jetzigen Ver- Handlungen.wirklich feste Verhältnisse, bringen sie endgültige Entscheidungen, schaffen sie jene eindeutige Klarheit, die die Voraussetzung einer großzügigen, aufbauenden Arbeit ist? Die Lösung der Ostfragen fußt auf dem Brester Frieden. Tie Erwartung, daß die jetzt zu eineni„gewissen" Abschluß ge- führten Verhandlungen in Berlin mehr als die Ausführungs- bestimmungen des Brester Friedens zum Ziele hasten, dürften irrig sein. Der Inhalt dieser ergänzenden Abmachungen ist nicht bekannt. Aber der Umslaikd, daß der Vertreter der Sowjet- republik Joffe persönlich mündlichen Bericht erstatten will, läßt doch schließen, daß ihre Annahme durch die Räteregierung, wenn sie auch sehr wahrscheinlich sein mag, doch keine glatte Selbst- Verständlichkeit ist. Auch das spricht dagegen, daß jetzt unter dein Titel von„Ausführungsbestimmungen" eine tatsächliche Re- Vision des Brester Vertrages erfolgt ist. Die deutsche Regie- rung hält an diesem Schwertfrieden fest und vermeidet jeden Anschein, als könnte sie sich durch die Tagesereignisse im Westen irritieren lassen. Aber ist der Brester Frieden eine wirklich tragfähige Grundlage, auf der dauernde Verhältnisse mit gutem Gewissen aufgebaut werden können? Ist er der passende Hintergrund, von dem sich Königswahlen, Thronbesteigungen und andere frohe Kriegsfeste wirkungsvoll und glanzvoll abheben? Vor allen: eine Tatsache, die der deutschen Oefscntlichkeit ans dem Gedächtnis entschwunden oder richtiger, überhaupt nie zum Bewußtsein gekommen zu sein scheint: der Frieden von V.r e st- L i t o w s k ist von l e i n e r Großmacht anerkannt. Die Anerkennung des Brester Friedens muß erst gegen alle Großmächte der Welt erstritten werden! Und jedermann je! sich darüber klar, daß er nicht minder unversöhnlicher Feindschost begegnet als die offene oder versteckte Beherrschung Belgiens. Es ist ein törichtes Vogel-Strauß-Spiel, den Brester Frieden so- lange in der deutschen Presse als schlichte Selbstverständlichkeit zu behandeln, bis ihn auch die anderen selbstverständlich finden. So dumm sind die anderen nicht!- Lloyd George exemplifiziert nicht umsonst in jeder seiner Reden von dem Vrcster Schwert- frieden, wie ein guter Frieden nicht aussehen dürfe. Die Diskussion des Brester Vertrages auf der allgemeinen Friedenskonferenz.liegt schon deshalb nahe, weil die politischen Probleme ineinander greifen wie die Fäden eines Gewebes. Wie soll über Mesopotamien und Persicn gesprochen werden, ohne daß Russisch-Arnienicn, die beherrschende Hockburg Vorder- asiens, oder Turkestan erwähnt werden? Wie sollen auf dem Balkan neue staatliche Grenzen gezogen werden, ohne daß der Zusammenhang zwischen dem scrbisch-bnlgarischen, dem bnl- garisch-rumänischen, dem runiänisch-bessarabischen Problem bc- rührt wird? Es gibt nur eine Möglichkeit, den Brcsier Frieden zu ve- haupten, seine Korrektur von außen zu verhindern, seine Jnter- Nationalisierung zu vermeiden: den alles überwälti- gendcndeutschcnSiegimWestcn! 'Die letzten Ereignisse mahnen den heißblütigsten Opti- misten zur Vorsicht. Aber wir leugnen die Möglichkeit diesK triumphalen Sieges nicht. Wir geben sie zu! Aber wir stagen die Reichsleitung, ob sie mit gutem Gewissen Deutschlands Gedeih und Verderb auf diese eine Möglichkeit setzen kann? Oder Höst sie es nicht selbst für klüger, vor der sozu- sagen organischen Fortsetzung dys WoM)m Brest-LstMosk zu warten, bis jene Möglichkeit eine bollendete Tat- fache ist? Das politische Ziel ist die Stabilisierung der Verhältnisse im Osten. Ein wünschenswertes Ziel, dessen Erreichung stür- mischen Eifer lohnt! Aber wird dieses Ziel erreicht, wenn die doch nicht ganz geringe Zahl der Opponenten gegen die deutsche Herrschaft im Osten hoffen darf, mit den Engländern, Fran> zosen und Amerikanern noch einmal an den Schlachtengott zu appellieren? Ohne den niederschmetternden militärischen Sieg kann der Brester Frieden nicht der internationalen Diskussion entzogen werden. Aber diese Diskusston kann begrenzt werden, wenn die Regelung der Ostfragen so erfolgt, daß weder die Rand- Völker, noch die großen russischen Parteien eine Neuregelung um jeden Preis durchsetzen wollen und durchsetzem zu können. hoffen dürfen. Dazu genügt weder eine Verabredung mit wohl gesiebten Notabeln, noch der Brcster Frieden, der von einer Regierung geschlossen ist, die sich nicht im unbestrittenen Besitz der Hoheitsrechte befindet, sondern im Grunde nur eine Partei im Bürgerkriege ist. Die bolschewistische Regierung ist von Deutschland anerkannt, aber nicht von der Entente und großen inncrrussischen Parteien? die sibirische Regierung ist von der Entente und den grundsätzlichen Gegnern der Bolschewisten, aber nicht von Deutschland anerkannt. Die sibirische Regierung lehnt jede verbindliche Verpflichtung aus dem Bretter Vertrage für sich ab. Kurz und gut: Der Brester Frieden ist keinJDefi- nitivum, sein Schicksal hängt von dem Ausgang des Bürger- krieges in Rußland und des Feldzuaes im Westen ab. Darum warnen wir in letzter Stunde, die Ehre des derit- ' schen Volkes für Königreiche zu engagieren, die auf Flugsand gebaut sind, Staaten zu produzieren, deren Schaffling von noch ganz unklaren Rückwirkungen auf die Mittelmächte sein kann. Das deutsche Volk schlägt sich für D c u t s ch l a n d, nicht für Polen, Litauen, Kurland, Estland, Livland.. Und der elende Frieden von Brcst-Litowsk ist nicht die Knochen eines einzigen deutschen Soldaten wert!__ Troelftra über öie Aloglichkeit einer inter- nationalen Konferenz. »lnstcrdam, 13. August. In einer Unterredung, die der Sonder- Korrespondent des„Handelsblad" mit T r o e l st r a in Verey hatte, erstarte letzterer, daß er eine sehr günstige Meinung über die Beschlüsse des französischen Soziali st enkon- gresfes habe. Die Resolution zeige, daß der Friedenswille der französischen Sozialisten qualitativ viel ernster und stärker geworden sei. Ueber die Zusammenberufung einer sozialistischen internationalen Konferenz habe er nichts Näheres tveder auS Paris noch aus London vernommen, und er nehme in dieser Angelegenheit eine abwartende Haltung ein. In einem offenen Brief an Henderson habe er sich siir Organi- sie.rung der von diesem ausgehenden Idee zur Abhaltung riner intcr- nttttonalen Sozialistenkonferenz zur Verfügung gestellt. Ob die beiden Eremplare des niederländischen Textes dieses offenen Briefes an Henderson ihre Adresse erreicht haben, wisse er nicht. In diesem offenen Briefe an Henderson halte er sich nur für eine Konferenz disponibel, die als ehrlichen Versuch, den Frieden zu fördern, beabsichtigt sei und ebenso eine gleichartige Aktion der sozialistischen Partei in allen Ländern darstelle. Hat man sich einmal dar- über geeinigt, sagte Troelstra, dann ffnde sich alles andere von selbst. Aber über diese alles beherrschenden Fragen habe ich n o ch keine Sicherheit. Ueber die Verweigerung des Passes für die Teilnahme an der RcichSkonferenz in London sprechend, sagte Troelstra, daß wahrscheinlich in erster Linie die französische Regierung die Haupttreiberin gewesen sei, ihm keinen Paß für diese Konferenz auszustellen. Die Regierung habe ihn verhindern wollen, einzelne wichtige Tatsachen zur Kenntnis der interalliierten Sozialisten zu bringen. Er bedauere jedoch nicht, daß er nicht in London oder Paris gewesen sei. Er würde in seiner Rolle als Friedensvermittler nicht am richtigen Platze gewesen sein, wenn er in London bei dem plötzlichen Austauchen Kerenskis anwesend gewesen wär. Kerenski rufe die kapitalistischen Regie- rungen auf, eine sozialistische Regierung zu stürzen. Er, Troelstra, stehe durchaus nicht auf Seiten der Bolschewiki, im Gegen- teil halte er die russische Revolution durch den Terrorismus und -durch d'« jeden praktischen Sinnes bare Haltung der Extremen für lwffnungslos kompromittiert. Aber wenn das Wort Selbstver- sügungSrecht noch einige Bedeutung haben soll, dann müsse es dem Ringen der verschiedenen Kräfte in Rußland überlassen bleiben, aus dem Chaos zu einer Neuordnung zu gelangen. Zweitens wurde ihm durch Verweigerung des Passes erspart, die Einladung der französischen Regierung zum Besuche der französischen Front, die sein Freund Branting angenommen habe, abzu- schlagen. Troelstra erklärte, wir als Gegner der Fortsetzung des 5Meges, haben an den verschiedenen Fronten, too diese gelegen sein mögen, nichts zn schaffe«. Eine �rbeiterkonferenz üer Entente. London, 12. August. Reuter erfährt: Auf Anregung des demnächst in England erwarteten Präsidenten des amerikani- schen Arbeiterverbandes Samuel Gompers wird vom 17. bis 19. September in London eine interalliierte Arbeiter- und Sozialistenkonferenz abgehalten werden. Wie verlautet, werden neben den amerikanischen Delegierten ebenso wie bei der Konferenz vom 26. Juni Partcivcrtretcr aus Frankreich. Belgien. Italien, Serbien, Griechenland, Portugal, Kanada und Rußland zur Teilnahme eingeladen werden. London, 10. August. Reuter erfährt: In der Konserenz der Vertreter der den. internationalen Organisationen angeschlossenen britischenGewerkschaftcn.dieam Freitag im Unterhausc abgehalten wurde, wurde endgültig beschlossen, in der nächsten Jahreskonferenz twr Gewerkschaften? die im September stattfinden wird, die sofortige Errichtung eines internationalen Bureaus zu beantragen, das nicht nur dazu beitragen soll, die Fühlung zwischen Großbritannien, den Kolonien, den Alliievten und den neutralen Nationen während des Krieges enger zn gestalten, sondern auch helfen soll, die zahl- reichen Probleme, die bei Abschluß der Feindseligkeiten sich sicher ergeben werden, zn erledigen. Es handelt sich also allem Anschein nach um ein Bureau, von dem die Gewerkschaften der Mittelmächte von vornherein ausge. schlössen sein sollen._ . Die Verwaltungstätigkeit der Sowjet- regievung. Eine Unterredung mit Worowsky. Der russische Gesandte in Stockholm Worowsky hält' sich jetzt in Berlin auf— als Führer der russischen Delegation, die hier Verhandlungen mit den Finnen führt. In einer Unterredung, die der Gejazch.te ÄM Bcrlwer KoMjpoMytW fcg.�Nqien SJiaxct Journals", Dr. Friedegg, gewährte, sagte er: Die Lage der Sowjet- regierung ist schwierig, aber die meisten Nachrichten, die dar- über vorliegen, sind übertrieben. Die inneren Verhältnisse in Rußland sind ziemlich gut, so gut, wie sie bisher waren. Daß die deutsche Gesandtschaft aus Gründen der Sicherheit Moskau verlassen hat, beweist nicht das Gegenteil. Nicht einmal die Zaren konnten sich in ihren besten, stärksten Zeiten vor einem Meuchelmord schützen. Wenn hier die Nachricht vorliegt, daß auch Lenin und Trotzki Moskau verlassen hätten, so genügt der Zusatz, daß die Sowjetregierung nach Kronstadts übergesiedelt wäre, als Beweis einer Erfindung, mit der man nicht zu rechnen braucht. Denn Kronstadt ist eine Festung, die im Finnischen Busen liegt, ganz abgeschnitten von Rußland, und es hätte für die Regierung gar keinen Sinn und Zweck, sich dorthin zu begeben. Ich kenne sehr wohl einzelne Stimmen aus der deutschen Sozialdemokratie, dj« unserer Regierung den Vorwurf machen, daß wir zu wenig ge» leistet hätten. Tarauf kann ich nur folgendes erwidern: Erstens hätten uns die deutschen Sozialdemokraten aktiv unter- stützen sollen. Das haben sie leider nicht getan. Stakt dessen haben sie uns durch unfruchtbare Kritik vielfach geschadet und uns diskreditiert. Dann meine ich, daß es überhaupt leichter ist zu kritisieren, als zu handeln, besonders für Leute, die selbst nichts getan habem die russische Bewegung zu unterstützen. Selbst- verständlich ist Ruhland in einem Zustand der Unordnung. Das kommt vom Krieg und allerdings auch von der Revolution. Denn auch die Revolution ist an und für sich k c i n e j ch a f s e n d e Kraft. Sie muß erst das Alte niederreißen, dann bekommt sie das Terrain, Neues aufzubauen. Alle Transport- und Produktions- mittel sind durch den Krieg untergraben, durch die Okkupation der Ukraine sind wir von unserer Getreidekammer abgeschnitten, durch die konterrevolutionäre Bewegung der Tschecho-Slowaken auch von Sibirien. Unter solchen Bedingungen, in solcher Atmosphäre konnten natürlich nicht alle Organisation sabsichten unserer Regierung durchgeführt werden. Außerdem sehen unsere Kritiker nur die Aeußerlichkeiten. Die Haupt- arbeit geschieht aber bei uns keineswegs in Petersburg oder in Moskau, sie liegt nicht im Verpflegungstvesen, sie liegt im Volke selb st. Die Massen sind heute ganz anders, als sie vor uns waren. Die Massen sind gewachsen— moralisch, geistig und politisch. Jedes Dorf in Rußland hat heute seine politische Or- g a n i s a t i o n, die mit vollem Verständnis dos Interesse ihrer Mitglieder wahrt. Und das geschieht, obwohl die gegenwärtige Re- gierung an einem Mangel an tüchtigen und zuver- lässigen und intelligenten Kräften leidet, weil die ganze bürgerliche Intelligenz Sabotage treibt. Der größte Teil der Arbeit wird deshalb durch einfache Mitglieder der Arbeiterklasse ge- leistet. Was haben die Sowjets in den neun Monaten unserer Herrschast nicht alles für die Volksschule getan, für die Kinder- gärten und die' Kinderkolonien! Da ist in gewaltigem Maßstab ge- arbeitet worden. Dann unsere wirksame Bekämpfung der Arbeits- losigkeit! Nicht nach den Früchten von oben sind wir zu beurteilen, sondern nach den Wurzeln, die wir inS Volk gelegt haben. Das ist das Wesentliche. Der Schwerpunkt ist nach unten gegangen. Wenn man unserer Regierung den Vorwurf macht, sie habe sich ungeschickterweise mit den linken Sozialrevolutionären überwarfen, so ist darauf folgendes zu sagen: Als die linken Sozial- revolutionäre nach dem Abschluß des Friedens von Brest-Litowsk für die Fortsetzung des Krieges eintraten, haben sie den Anschluß an die Bauernsch�aft verloren, weil die Bauernschaft Rußlands absolut gegen den Krieg ist— eher sind noch die Industriearbeiter für die Fort- sctzung des Kriege? zu haben. So haben die linken Sozialrevolu- tionäre den Kontakt mit den Massen, ihre ganze soziale Kraft ein- gebüßt, und sie sind heute nichts weiter als eine kleineJntelli. genzschicht, die uns übrigens seinerzeit, als wir mit ihnen zu- sammengingen, nicht eine einzige leistungsfähig« Arbeitskraft geliefert hat. Wenn man uns den Vorwurf macht, wir wären nur Theoretiker, so behaupte ich» daß zum Beispiel in Lenin viel praktischer Verstand steckt. Außerdem entsprechen die Dekrete unserer Regierung, die einen theoretisieren- den Eindruck machen, den praktischen Forderungen unseres Lebens. Manches davon wird vielleicht mit der Zeit zu differenzieren sein, aber darauf beruht die innere Stärke der Sowjetregierung, daß wir Theorien verwirklichen. Wir haben die Massen von der alten ökonomischen und Politischen Sklaverei befreit. Die Negierung Kerenski hat den Massen auf dem Papier allerhand politische Rechte gegeben, hat aber in Wirklichkeit die politische und wirtschaftliche Entrechtung der Massen beibehalten. Die Rechte der Gutsbesitzer sind ausrcckiterhalten geblieben, desgleichen blieben alle Rechte der begüterten Klassen unberührt. Unsere Sache gegen die Tschecho-Slowaken ist zuerst etwas schlaff geführt worden, auch der Verrat Murawjows hat ungünstig auf die Gestaltung der Dinge ge- wirft, aber der gegenwärtige militärische Führer der Sowjettruppen, W a z e t i s, scheint die Sache gut zu führen. Wazetis hat es in der alten russischen Armee vom einfachen Soldaten bis zum Oberst ge- bracht, und er hat jetzt schnell die schwächsten Stellen der Tschecho-Slowaken herausgefunden. In den letzten Tagen haben die Tschecho-Slowaken beträchtliche Niederlagen erlitten. Ich selbst werde, sobald meine Berliner Geschäfte erledigt sind, nach Stockholm aus meinen Posten zurückkehren. Gegenwärtig führt die Geschäfte der Stockholmer Gesandtschaft mein zweiter Sekretär, der erste ist in Familienangelegenheiten in Rußland. Die Berliner Verhandlungen mitden Finnländern gehen nur lang- sam vonstatten, dennoch hoffe ich, daß sie etwa in drei Wochen ab» geschlossen werden können. Die Streitpunkte, über die wir uns bisher nicht einigen konnten, bestehen im wesentlichen im folgenden: Die Finnländer stehen auf dem Standpunkt, daß zwischen Finnland rrnd Rußland Krieg war, und daß es sich um den Abschluß eines Friedensvertrages handle. Nach meiner Meinung haben wir einen Teilungsvertrag abzuschließen, einen Ver- trag zwischen dem ncuenfftandenen Staate Finnland und uns. Daraus ergeben sich Differenzen um ökonomische Werte. Eine Einigung halte ich für sicher. Es liegt im Interesse Finnlands, in Zukunft gute Nachbarverhältnisse zu Rußland zu haben, ohne ein solches Verhältnis zu Rußland ist Finnland nicht lebensfähig. Die finnländische Industrie ist ganz auf den russischen Und ukrainischen Markt angewiesen, nach dem Westen Europas ist sie nicht konkurrenzfähig, andererseits bedarf Finnland dringend>des russischen Getreides und anderer russischer Lebensmittel. In Finnland herrscht jetzt Hunger. Bei den Ver- Handlungen bedienen wir uns der russischen und finnischen Sprache, es wird aber alles mV Deutsche übersetzt wegen der Anwesen- heit der deutschen Herren. * Es verwundert uns nicht, daß ein Beamter der Sowjetregierung mit einem gewissen Optimismus von den Erfolgen dieser Regierung spricht. Leider werden seine Angaben durch die aus Rußland ein- laufenden Nachrichten(auch solche, die keineswegs auS voreingenommener Quelle stammen), zum Teil widerlegt. ES ist— gerade vom sozialistischen Standpunkte auS— recht bedenklich, wenn Worowski die Frage der E r n ä h r u ng als eine solche zweiter Ordnung hinstellt und glaubt, über dies Probsiun mit dem Hin-. weis aus die Politisierung der Bauernschaft hinweggleiten zu können. Gerade dieser Punkt ist für die Fortdauer der bolschewisti- schen Herrschaft von entscheidender Bedeutung. Da zwingt es doch zum Nachdenken, wenn man z. B. in einem Moskauer Brief der „Internationalen Korrespondenz" die Angabe findet, daß in Moskau die Brotration für Arbeiter 100 Gramm täglich, für Wohlhabende nur 50 Gramm beträgt, die aber nicht einmal regelmäßig zur Ver- teilung kommen. Die Verproviantierung geschehe wesentlich durch. den Schleichhandel, obwohl auf diesen die Todesstrafe stehe, bei ganz ungeheuerlichen Preisen: In Moskau zahlt man für Roggenmebl schlechtester Qualität zirka 300— 100 Rubel per Pud(zirka 16 Kilo)— 25 M. für das Kilo— für sogenanntes weißes Mehl, toelches auch mise- rabler Qualität ist, 500— 600 Rubel, und in Petersburg sind die Preise noch viel höher. Das hat dazu geführt, daß alles ganz- ungeheuerlich im Preise gesttegen ist und nur zu diesen Preisen kann sich die Bevölkerung auch nur das Notdürftigste ver- schaffen.— Die Regierung hat verhältnismäßig niedrige Höchstpreise festgesetzt, zu denen fast nicht geliefert wird, und der Lebens- mittelverkehr spielt sich tatsächlich im Schleichhandel ab.— Butter oder andere Fettstoffe werden überhaupt nicht auf Karten ab- gegeben. Man zahlt für ein Pfund(russisch zirka 400 Gramm) Butter 16— 18 Rubel, aber dieser Preis dürfte erheblich steigen, sobald die jetzt verhältnismäßig noch große Butterproduktion im Herbst herabgeht. Ein Ein kostet ein Rubel. Fleisch ist fast gar nicht zu haben, außer etwas Kalbfleisch, welches ganz phantastische Preise kostet. Weiter zeigt der Moskauer Brief an sehr drastischen Beispielen, wie die örtlichen Sowjets sich um die von Moskau kommenden Be- fehle und Weisungen absolut nicht kümmern, so daß eine Jen- tralmacht in Rußland überhaupt nicht mehr existiert.. Stockung der femülichen Gffensive. Berlin, 13. August. Nachdem ffich die englische Offensive zwischen' Ancre und Avre nach den schweren und opferreichen ver- geblichen Angriffen der letzten Tage an der Grenze des alten Somme-SchlachtfcldcS festgclaüfcn hat, verhielten sich die Engländer am Vormittag des 12. ruhig und setzten erst im Verlaufe des Nach- mittags� und abends zu starken Teilangriffen beiderseits der Römerstraßc sowie südlich des Luce-Baches an. Teilweise brachen diese Angriffe bereits im deutschen Abwehrfeuer zusammen. Wo die britischen Sturnrwellen bis an die deutschen Linien heran- kamen, wurden sie im Gegen st oß wieder geworfen. Da- gegen setzten die Franzosen nochmals mehrere frische Divi- s i o n e n ein, um die Stellungen zwischen Avre und Oise, auf die die Deutschen in so geschickter und für die Franzosen so Verlust- reicher Weise ausgewichen waren, doch nocb zurückzubrechen. Starke Kavalleriemassen standen zur Verfolgung bereit. ■ Im Morgendunst griff die französische Infanterie an. Allein trotz der schweren Beschießung, die dem Angriff vorangegangen war, empftng ungeschwächtes Maschinengewehrfcuer die Sturmwellen. In der Gegend des Loges-Waldes, von der Matz bis östlich RessonZ und südlich L'Ewuvillon rannten die Franzosen immer wieder vergeblich an. Tie Art, wie sie'an manchen Stellen bis zu fünfmal hintereinander vergeblich stürm- ten, erinnerte an die russischen Massenopfer. Allein die gewaltigsten Anstrengungen der französischen Regimenter blieben vergeblich. Wo sie geringe Vorteile errangen, wurden sie ihnen alsbald wieder durch die Deutschen abgenommen, die im raschen G e g e n st o ß die Fran- zosen aus den genommenen Gräbeit wieder warfen, den Fliehenden nachsetzten und ihnen zahlreiche Gefangene abnahmen. Französischer Heeresbericht vom 12. August abends. Zwischen Avre und Ocse haben unsere Truppen das Dorf Gury genommen und einige Fortschritte nördlich von Roye-sur-Matz und Chevincourt gemacht. An der Veslefront haben wir zwei heftige Angriffe gegen unsere Stellungen auf dem Nordufer de? FluffeS in der Gegend von FiSmeS abgewiesen. Sonst war der Tag überall ruhig. Französischer Heeresbericht vom 18. August nachmittags. Von der Nacht ist kein Ereignis von Bedeutung zu melden. Mehrere fxindliche Handstreiche in den Vogescn und im Ober-Elsaß hatten kein Ergebnis. Englischer Bericht vom 12. August. Wir haben unsere Linie in der Nähe der Straße nach Roye, östlich von FortueScourt und auf dem Südufer der Somme vorgeschoben und dabei Hunderte von Gefangenen gemacht. Wir haben Prohard südlich von der Somme nach heftigem Gctecht besetzt, in dem der Feind schwere Berluste an Gefangenen und Toten balle; der Kampf dauert an. Die Fran- zosen auf dem rechten Flügel der Engländer haben LeS Loges ge- nommrn. Englischer Heeresbericht vom 13. August mittags. Wir machten einen weiteren Borstoß im den Stellungen nördlich der Straße von Roye und an dem Norduser der Somme und brachten weitere Ge» iangene ein. � Ein feindlicher Angriff auf unsere Stellungen im Ah- schattl Maris wurde abgeschlagen. Nr. 222 ♦ 35. Jahrgang Seilage ües vorwärts Mittwoch, 14. �ugujNHIS Monopolisierung unserer Wasiersiraßen. von Otto H u e. Der Bericht des Reichstagsausschusses für Handel und Ge werbe(Reichstagsdrucksache Nr. 1689) stellt fest, daß die Wasserfrachten bedeutend höher sind als die Eisen bahntransportko st enl Stets war das gerade Gegenteil der Fall, woraus sich ja auch die rege Propaganda der Massengüterversender für den Ausbau der Binnenwasser straßen erklärt. Nun aber mußte der Vertreter des Reichs kohlenkommissars in dem genannten Reichsausschuß zugeben, es sei„eine eigentümliche Erscheinung, daß der W a s s e r> tr a n s p o r t jetzt teurer ist als der Eisenbahntranspork.. Süddeutschland ist im weiteren Umfange auf den Wasser- b e z u g(der Kohlen) angewiesen, der die Kohle verteuert." Früher war das genau umgekehrt. Es ist eine altbekannte Volks- und weltwirtschaftliche Erfahrung, daß Massengüter weitaus am billigsten auf dem Wasserwege befördert werden können, weshalb eine engbrüstige Eisenbahnpolitik dem Ausbau der Wasserstraßen sich mindestens unfreundlich entgegenstellte. Um so erstaunlicher wirken darum die Mitteilungen eines süddeutschen ReichstagSauSschußmitgliedes, für München bestimmte Ruhr-Stückkohlen würden jetzt durch die Benutzung des Wasserweges über Mannheim pro Zentner um 54 Ps., über Würzburg sogar um 1,10 M. pro Zentner im Vergleich zur Eisenbahnftacht verteuert. Andere KommissionSmit- glieder bestätigten und ergänzten diese merkwürdigen Angaben, der Vertreter des ReichskohlenkommissarS bestritt sie nicht, erklärte sich aber als für„Kohlenpreisfragen, Höhe der Schiff- fahrtSabgabcn" nicht zuständig. Diese außerordentlichen, die bekannten früheren Fdacht- preisrelationen total umstürzenden Wasserfrachttarife können nicht auf eine entsprechende Erhöhung der Mannschaftsentloh- nung zurückgeführt werden. Nach mir vorliegenden, vom Deut- schen Transportarbeiterverband mit wohl fast allen namhaften Schiffahrtsgesellschaften im Gebiete deS Rheinstroms und seiner Nebenflüsse abgeschlossenen Tarifverträge stellen sich die zu den regulären Wochenlöhnen während des Krieges bewilligten Teuerungszuschläge sehr niedrig. Zwei Bundesratsverordnungen vom 18. August 1917 können diese„Merkwürdigkeiten" aufhellen. Durch die eine ist die Schiffahrtsabteilung beim Chef des Feld- eisenbahnwesens ermächtigt worden, eventuell auch zwangsweise„Besitzer von Binnenschiffen... für bestimmte Bezirke... zu Betriebsverbänden... zu vereini- gen." Auf diese Weise sollte zur Entlastung der Eisenbahn der Massengütertransport in geeigneter Weise auf die Wasser» straßen überführt werden. An sich ein gutes Vorhaben, aber die so kartellierten Schiffsbesitzer erhielten dadurch mächtige wirtschaftliche Organisationen, die es verstanden haben, die gegnewärtige Notlage unserer Verkehrseinrichtungen durch Hinaufschrauben der Wasserfrachttarife weidlich auszu- nutzen. Den nun behördlich organisierten Schiffsbesitzern konnte es nicht schwer sein, ihre Preisforderungen durchzudrücken, zu- mal die militärische Oberbehörde einfach verfügt, daß bestimmte Massengüter(vornehmlich Kohlen) nach bestimmten Verbrauchs- gebieten nur auf dem Wasserwege befördert werden dürfen. Dazu kommt noch die zweite Bundesratsverordnung, laut welcher „für Beförderungen auf Binnenwasserstraßen, für das Schleppen, Beladen und Löschen von Binnenschiffen sowie für die Miete von Binnenschiffen...Höchst- und M i n d e st- preise festgesetzt werden" können. Die Preise werden durch die Schiffahrtsabteilung beim Chef des Feldeisen- bahnwesens„festgesetzt", nachdem ein von dieser militäri- schen Oberbehörde eingesetzter„Frachtausschuß" oder„Sachver- ständigenausschuß' gehört wurde. Soweit ich übersehe, bestehen diese Ausschüsse nur aus Vertretern der Schiffahrts u n t e r- n e h m e r(unter militärischem Vorsitz), wenigstens ist mir von einer Berufung von Arbeiter-, Mannschafts- und Konsumenten- Vertretern nichts bekannt geworden. Meines Wissen» sind hauptsächlich berufen die Mitglieder des auf Grund der preußi- schen Verordnung betr. Wasser st raßenbeiräte einge- setzten U n t e r n e h m e r Vertretungen. Als„Meldestellen" fiir den Bedarf an Kahnraum und Schleppkraft sind von der mili- tärischen Schiffahrtsabteilung die bedeutendsten Unternehmer- firmen in der Binnenschiffahrt eingesetzt. Die eigentlichen Be- triebsleiter sind die privatkapitalistischen Schiffs- und verwandte Transportgesellschaften an unseren Binnenwasser- straßen. Diese zum großen Teil schon früher Verbündeten Unternehmungen besitzen nun eine umfassende Kartei- lierung, die es ihnen erlaubt, unseren Wasser- straßentransport systematisch zu monopoli- sieren! Die totale Umkehrung der Frachtpreisverhältnisse zwischen Eisenbahn und Schiffahrt ist zweifellos eine Folge der bereits weitvorgeschrittenen privatkapitalistischen Monopolisie- rung unserer Wasserstraßen. Wie zielbewußt unsere Reichsregierung die monopolistische Kartellierung der Binnenschiffahrtsunternehmer fördert, ergibt sich aus Z 10, Ziffer 1 und 2 der Bundesratsverordnung vom 18. August 1917. Dort wird nicht nur die Ueberschreitung der Höchstpreise mit schwerer Strafe bedroht, sondern es verfällt auch einer G e f ä n g n i s st r a f e bis zu einem Jahre und einer G e I d st r a f e bis zu 15 000 M.,„oder... einer dieser Strafen", wer niedrigere als die festgestzten Mindest- preise gewährt, verspricht oder anbietet oder sich eine Leistung. für die Mindestpreise nach§ 1(der Verordnung) festgesetzt sind, zu niedrigeren Preisen gewähren läßt!" Mehr können die kartellierten Schiffahrtsunternehmer denn wirklich nicht ver- langen. Die rigorosesten privaten Preiskartellvorschriften haben so die Weihe der deutschen Reichsregierung erhalten. Damit vergleiche man aber auch die hartnäckige Weigerung ziviler und militärischer Oberbehörden, sich für M i n d e st l o h n f o r d e- rungen von Arbeitern und Ange st eilten energisch zu perwenden. Hier wird es geradezu als eine„Aufrechterhal- tung des Burgfriedens" bezeichnet, die„Frage des Mindestlohnes ruhen zu lassen". Ja, es wird direkt verboten, in Versammlungen die„Mindestlohnfrage" zu erörtern. Gegenüber den Trans- vortunternehmern auf unseren Wasserstraßen aber wird die Unterschreitung der Frachttarife mit schwerer Gefängnis- und Geldstrafe bedroht. Wenn diese Verteuerung der Kohle zum Dauerzustand würde, dann können sich die Verbraucher von Massengütern noch auf„allerhand" gefaßt machen. Die zweifellos notwendige Er- Weiterung unseres BinnenwafferstraßennetzeS, der Bau der pro- jektierten Verbindungskanäle(Mittelland, Donau-Rhein-Mosel, Ostkanal usw.) würde dann auch eine systematische Erweiterung der privatkapitalistischen Monopolisierung unserer auf Allge- meinkosten hergestellten und erhaltenen Wasiersiraßen bedeuten. In dieser Richtung bewegt sich ja der privatkapitalistische Kampf gegen das staatliche S ch I e p p m o n o p o l, das zurzeit nur erst für den Rhein-Herne-Kanal und seinen unmittelbaren An- schlllssen gilt. Es darf aber nicht geschehen, daß unsere natür- lichen und künstlichen Wasserläufe, wenn auch nicht formell, so doch tatsächlich, in das Eigentum privater Unternchmersyndikatc übergehen sollen.. v Mkohol unö Arbeiterschaft. von«in«m Bereiter Arzte, dar jetzt zur vertre- tung nn Plauenschen Grund« bei Dresden weilt, er- halten wir folgende Zuschrift: Zu den wenigen Segnunyen, die neiben so vielein llnheÄ dieser furchtbarste aller Kriege unserm Volde beschert hat, gehört ohne Zweifel eine Verringerung d«S Alkoholismus, um mit diesem Namen alle die schädlichen Folgen d«S Alkoholmißbrauchs zusammenzufassen! Was int kühnsten Alkoholgegner sich nie haben träumen lassen, ist Taffache geworden: Der Gedanke der Enthalt- samkeit hat in breiten Schichten unserer Bevölkerung Fuß gefaßtl Allerdings vorläufig noch der Rot gehorchend, nicht dem eigenen Triebe, haben viele Männer sich von den alkoholhaltigen Getränken abgewendet; denn die Getränke, welche unter dem Namen Bier verkauft wenden, find so dünn und alkoholarm, daß sie die Anziehungskraft auf den Biertrinker eingebüßt haben; andererseits sind die hochprozentigen alkoholhaltigen Getränke, die Branntweine und Schnäpse wie Kognak, Arak, Rum, Steinhäger usw., teilweise vollkommen von der Bildfläche verschwunden oder wenn noch im Handel zu haben, so enorm teuer, daß sich nur reiche Leute ihren Genuß gestatten können. Mag man sich zu den De- strcbungen auf Enthaltsamkeit vom Alkohol stellen wie man will, der Tatsache ktnm man sich freuen, daß diese durch die Krieg sver- Hältnisse herbeigeführte Enthalffamkeit oder doch Mäßigkeit, wie sie jetzt von hunderttausenden von-deutschen Männern geübff wird, «in©egeitsquell für unser Volk in sittlicher und geistiger Beziehung gewovden ist. Denn vergessen wir nicht, wie der Dämon Alkohol unaufhörlich am Marke unsere» Volkes gezehrt hat, wie er so man- ches Lebensglück zerstört hat, wie er zu einem hohen Prozenffatz die Gefängnisse, Zuchthäuser, Irren- und Jdiotenanstalten, Kran- ken- und Sicchenhäuser bevölkert hat, wie er, um nur eins heraus- zugreifen, der beste Freund und Mitarbeiter der Tuberkelbazillen, de» SchwmdsuchtSerregers, ist, dem er das Feld ebnet und den Boden vorbereitet zu seiner Entwicklung! Vergessen wollen wir nicht, daß der Trinker mit dem Gelde, da» er nach dem Wirtshaus trug, auch sein Familienglück und feine Gesundheit mit zu Grab« trug. Wir wissen ja, daß vielfach die traurigen, sozialen Verhältnisse an dem Alkoholelende der Arbeiter die Schuld trugen. Denn je jämmerlicher mancher Arbeiter be zählt wunde, je elender et hauste, je dürftiger er sich er- nährte, um so leichter suchte er im Alkohol seine Sorgen zu er- tränken, im Alkohol suchte er Vergessenheit seiner traurigen und elenden Lage. Der Krieg hat nun viele tausend« Familien ihres Ernährer» deraubt, und andererseits haben— so paradox es klingt — Tausende von Familienvätern, die dem Dämon Alkohol verfallen waren, jetzt unter den Kriegsverhältnissen den Weg zu ihrer Fa- mili« zurückgefunden. Die politisch und gewerkschaftlich organisierte Arbeiterschaft hat von jeher die Bekämpfung des Alkohol- mißbrauchs auf ihr« Fahne geschrieben, unter dem richtigen Ge- sichtSwinkel, daß nur eine nüchtern« und klar denkende Arbeiter- schaff in der Lag« ist, ihvs hohen Kulturaufgaben zu erfüllen und den sozialen Aufstieg zu vollenden. Sie hat von jeher dar- auf hingewiesen, daß der Alkohol, unmäßig genossen, der größte Feind der Arbeiterbewegung ist, indem er die besten Kräfte de» Proletariats lähmt; er fetzt dem Arbeiter eine rosige Brill« auf und schläfert ihn«in, so daß er sich seiner traurigen Log« nicht be- wüßt wird. Und doch bedarf es der Anspannung aller geistigen und physischen Kräfte, um di« Arbeiterschaft aus den dumpfen sozialen Riederungen emporzuführen. Nicht vergessen wollen wir auch, wie die Gewerffchaften nicht müde geworden sind, den Alkohol- mißbrauch direkt zu bekämpfen, und indirekt, indem sie jederzeit für höhere Löhne, kürzer« Arbeitszeit, kurz Besserung der sozialen Verhältnisse der Arbeiter einzutreten und ihr BildungS- und Wissensniveau zu erhöhen bestrebt waren. Gerade hier im Plauen-schen Grunde, wo zum großen Teile ein« tüchtige, im Geiste der modernen Arbeiterbewegung erzogene Arbeiterschaft wohnt, hat man Gelegenheit, die Segnungen der Tätigkeit der Gewerffchaften zu beobachten. ES macht geradezu Vergnügen, wenn man als Arzt bei Krankenbesuchen die anheimeln- den Arbeiterwohnungen— oft die reinsten Schmuckkästchen— betreten und die zierliche Sauberkeit und Ordnungsliebe der Ar- beiter Hände bewundern kann. Es ist besser geworden. Di« Ar- beiterfchast hat sich den Fesseln de? Alkohols entzogen. Und wo e» bisher noch nicht im vollen Maße de-r Fall war, hat der Krieg dies« Segnung gebracht. Hoffentlich-dauernd! Niemals war klares Den» ken für die Arbeiterschaft so notwendig, wie heute. Man gebe sich keiner Täuschung hin! Die Völker sämtlicher kriegführenden Staaten gehen einer schweren Zeit entgegen; nur zu bald werden schwere Krisen unser Wirtschaftsleben in allen Fugen erschüttern lassen und bei derartigen wirffchaftlichen Katastrophen pflegt die Ar» beiterschaft mit am mofftcn in Mitleidenschaft gezogen zu werden; die Löhne schmelzen wie Märzenfchnee an der Sonne dahin, wenn nicht eine starke Gewerffchaft hinter dem Arbeiter steht, und das Gespenst der Arbeitslosigkeit grinst dem Proletarier an. Deshalb möge sich die Erkenntnis immer mehr Bahn brechen, daß die Ar- beiterschaft den Ausstieg nach der Höhe nur dann zu vollenden im- stände sein wird, wenn sie in Partei und Gewerkschaft fest organi- siert ist, wenn in die Arbeitergehirn« Wahrheit und Klarheit«in strömt, wenn die Herzen erfüllt sind von der heiligen Liebe zum Volk«, wenn die Devise lautet: Mit ver» einten Kräften und eiserner Energie die�Rerven gestrafft und die Muskeln gespannt und die Blicke auf das letzte Ziel gerichtet. Nachschrift der Redaktion: Es ist erfreulich, daß der Verfasser im Plaue nschen Arunde gute Wohnverhältnisse gefunden hat. Di« Aerzte in den Großstädten müssen leider nur zu oft um- gekehrte Erfahrung«, machen. Die Verbesserung dieser Verhältnisse ist für die dauernde Bekämpfung de» AlkoholiSmuS«in« überaus wichtige Vorbedingung. GroßSerlln Ein übler Kniff» Ein Leser macht uns auf folgende Notiz der.Deuifchen Tage»- zeitung" aufmerksam: Spinat mit Setzei 40 Pf. W-r hatten Gelegenheit, unS in Berlin in den letzten Tagen von-der Güte in mehreren Munitionsfabriken den Arbeitern und Angestellten gereichten Spesien persönlich qu überzeugen. In Moabit kamen wir zur Mittagszeit in einen großen Betrieb, als dort ein Setzei mit Spinat und Bratkartoffeln, Speise verabreicht wurden, wofür 40 Pf. gezahlt werden mußten. In einem anderen Betrieb gab es mittags Deutsches Beefsteak mit Schoten und Mohrrüben, Salat usw. für(3(3 Pf. einschl. Salzkartoffeln von ganz Vorzug- licher Qualität. An Spandau und Tempelhof erhielten die Arbeiter für sehr billiges Geld(? D. R.) Butter, Eier und fetten Speck in solcher Menge, daß einige davon noch etwa?«m Fremde abgeben konnten. Die Absicht dieser Notiz liegt auf der Hand; sie'st auch in die auswärtige Presse übergegangen, wo sie ganz falsche Auffassungen von der Ernährungslage de» Berliner Arbeiters bewirkt. In Wirk- lichkeit stellt sie direkt eine Verhöhnug der Arbeiterschaft vor, die ein anderes Lied von dem Futter singen kann, mit dessen Hilfe sie sich bei Kräften erhalten muß. Es ist wohl nicht zuviel verlangt, wenn wir die„Deutsche Tageszeitung" um nähere Angaben bitten; wir halten es nämlich nicht für ausgeschlossen, daß einer ihrer Skribenten einem Schau essen beigewohnt hat. Die Ar- beiter der betreffenden Betriebe könnten sich dann einmal über ihr Eldorado äußern; vielleicht können 099 von 1000 Betrieben sich ein Muster daran nehmen. Nur für ZahlungSfShige? Bezugsscheine cmf Kleidung sind gebührenfrei zu erteilen. Diese Vorschrift war nötig, we'l sonst dem Unbemittelten die Anschaffung von Kleidern noch mehr erschwert wüÄe. Warum wird nun nicht dafür gesorgt, daß auch aus der Erteilung von Bezugsscheinen auf Krankennahrung den Antragstellern keine Kosten ent- stehen? Den Schein gibt die KrankenernährungSstelle umsonst, aber nur gegen Einreichung eines Arztzeugnisses, das der Antrag- steller selber beschaffen muß. Immer wieder hören wir die Klage, daß durch die Kosten des Zeugnisses dem Unbemit- telten der Bezug von Krankennährmitteln ver- teucrt oder überhaupt unmöglich gemacht wird. Eine Kciegerftau berichtet uns, daß sie gezwungen war, sich wegen der ZeugniSkosten für gewahrte Kranken milch zunächst mit ihrem im Felde stehenden Mann in Verbindung zu setzen. Der Mann mußte ihr die erforderlichen 5 Mark schicken; aber die Be- schaffung deS Zeugnisse» verzögerte sich dadurch so, daß die Foau den Antrag auf Weitergewährung von Milch für ihr 7jähriges Kind erst drei Tage vor Ablauf der Geltungsdauer des allen Scheines einreichen konnte. Die Krankenernährungsstelle verlangt, daß dies 3— 4 Wochen vorher geschieht, weil sie viel Zeit braucht, bis sie mit der Entscheidung fertig wird. In dem vorliegenden Fall kam der Bescheid noch verhältnismäßig rasch,.schon" nach nicht ganz zwei Wochen, wodurch i-ndeS nicht verhindert iverden konnte, daß da» kränkliche Kind neun Tage hindurch M>lch entbehren mußte. Daß statt der vom Arzt für notwendig gehaltenen Menge von% Liter die Krankenernährungsstelle nur% Lider bewilligte, sei nebenbei erwähnt. Dieses Schicksal teilt das Kind mit sehr vielen anderen Kranken, denen die vom Arzt verordnete M'lchmenge durch'die Krankenernährungsstelle gekürzt wird. Rech schmerzlicher wirkt es, wenn die Krankenernährungsstelle auf das Urteil ihre« Vertrauensarztes gar keine Milch bewilligt. Wie mancher Kranke, der solchen Mißerfolg fürchtet und die un- nütz« Ausgabe scheut, mag von vornherein darauf verzichten, Milch- gewährung zu beantragen! Dies« Schädigung der Unbemittelten ließ« sich vermeiden, wenn dir Gemeinde die Kosten für dteAttesterteilung übernähme. Sie könnte daS in der Form ttm, daß ste Arzte besoldete, denen die Untersuchung der Antragsteller zu über- tragen wäre. Jeder Antragsteller müßte gezwungen werden, sich an die Aerzte der Gemeinde zu tuenden, und nur dt« von ihnen auSgeferffgten, für sämtliche Antragsteller kostenlosen Zeugnisse dürsten zugelassen werden. Es wäre dann nicht möglich, daß Wohl- habende sich durch einen gefälligen Hausarzt irgendeine schw.-re Krankheit bescheinigen lassen, von der bei Verweigerung der Milch ein« Lebensbcdrohung zu erwacten sei. Wir vermuten, daß da viel« Wohlhabende ihre„Krankheit" loS würden, womit noch eine recht hübsche Menge Milch für wirklich Kranke fr« und verfügbar werden könnte. Gegen unseren Vorschlag läßt sich kein Grund an- führen, der stichhaltig wäre. Für ihn spricht die Notwendigkeit, auch Kranken der unbemittelten Volksschichten den Bezug von Milch z» sichern. Der Bezugsschein auf .Krankenmilch darf keine Kosten verursachen, ebensowenig, wie der Bezugsschein auf Kleidung. Bei dieser Gelegenheit wollen wir noch eine andere Klage erwähnen, die unS von derselben Kriegerstau vorgetragen wird. Auch mit einem KleiderbezugSschein kann man's erleben, daß er Kosten verursacht. Die Frau hatte im Winter für ihr Kind einen Bezugsschein auf einen neuen Wintermantel erhallen; sie unterließ aber den Kauf, weil ihr der Preis zu hoch war. AIS sie im Frühjahr den Schein auf eine Sommerpelerine umschreiben lassen wollte, wurde sie genötigt, durch ein Arztzeugni» die Unent- behrlichkeit einer solchen nachzuweisen. Tatsächlich neigt da» Kind sehr zu Erkältungen, so daß e» auch im Sommer oft einer warmen Hüll« bedarf. Da» ArztzeugniS kostete 8 Mark, womit die Gesamtausgabe für die Pelerine von 16 Mark auf ZI Mark stieg. Auch solche Zeugnisse müßten nur von den Aerzten der Gemeinde aus- gestellt werden dürfen und dann gleichfalls kostenlos sein. Hier wie bei den Milchbezugsscheinen würde daS den Unbemittelten eine Erleichterung bringen und Mißbräuche vorbeugen. Der jetzige Zustand birgt in sich die Gefahr, daß Wohl- habende dank ihrem Geldbeutel sich Bevorzugun- gen verschaffen. Da» Karnickel de« Sankt Bureatikratiit». Beim Treptower Ringbahnhof ist ein Sack mit einem lebenden Kaninchen gefunden worden. Der zuständige Amtsvorsteher macht bekannt, daß Eigen- tumsrechie binnen JabreSfrist geltend zu machen sind. Wird nun das Karnickel in Amtspension gegeben und ein volle« Jabr lang auf Gemeindekosten durchgesilttert? Das kann eine hübsche Kosten- rechmmg werden, wenn das Amtskarnickel mit bekannter Fruchtbar- keit für Nachkommenschaft sorgt. Tankt Bureaukratiu« schreibt aber auch noch in KriegSzeiten wegen eine» gefundenen lausigen Kar- nickel« die öffentliche Bekanntmachung ausdrücklich vor. Berliner Lebensmittel. Auf Abschnitt L der Berliner BezugSkart» gelangt V4 Kilogramm Salzheringe zum Preise von 0.S0 M. zum Berkauf. Di« Abschnitte müssen in der Zeit vom 14. bis 17. August in den durch ein gedrucktes Aushängeschild.Verkauf von Heringen ans Lebensmittelkarten der Stadt Berlin" gekennzeichneten Geschäsien gegen Quittung deS Verkäufers abgegeben werden. In der Zeit bi» Sonnabend, den 17. August, wird an diejenigen Kunden, die in dt« Speisefettkundenlisten der in den Bezirken der 44. bis 47., 50., 51., 201., 222. Brotkommiffion gelegenen Geschäfte eingetragen find, pro Kopf 12b Gramm Käse verteilt. Mieiestekgermig auch ohne Woh»«ngS»«tzm»g. Die Hauseigentümer begründen die Steigerung der Wohnungsmieten unter anderm damit, dah in der Kriegs- aeit die Kosten der Unterhaltung eines Hauses gestiegen seien. In Verlin und Vororlen haben sie bei ihren Mietesteigerungen sich sür die den Mietern übersandten Benachrichtigungen aumeist des Musters bedient, das ihre Vereine ihnen empfohlen halten. Immer wieder las mail in solchen Steigerungsbriefen, dah die Ausgaben für Hausausbesserungen, für Müllabfuhr, Wasscrlieferung und Treppen- deleuchtung angenommen haben. Sonderbar wird aber die Be- rufung auf diesen Mietesteigerungsgrund manchem Mieter scheinen, der seinem Hauswirt tatsächlich gar keine Mehrkosten vcr- ur sacht. Im Hause Buttmannstrahe 1V auf dem Gesundbrunnen, das den Graybschen Erben gehört, wurde auch einem im Heeresdienst stebeiiden Mieter eine Mietesteigerung mit einer derartigen Be- gründung übersandt. Der Brief war nach Art eines Formulars mir der Schreibmaschine angefertigt, woraus man schlichen darf. dah er allen in Betracht kommenden Mietern in demselben Wort- laut gugegangen ist. Nur die Unterschrift und die voneinander ab- weichenden Angaben für die einzelnen Mieter, a-®- die Höhe der neuen Wohnungsmiete, waren handschriftlich eingefügt. Das Schreiben lautete: Berlin, im Juni 1318. Sehr geehrter(geehrte) Herr(Frau)! Die Ausgaben sür die Unterhaltung deS Hauses sind weiter in erheblichem Mahe gestiegen. So sind die Kosten der Müll- abfuhr, der Wasserbelicferung und Treppenbeleuchiung wesentlich erhöht worden. Auch höhere Steuern werden erhoben werden. Da der Hausbefitz die Mehrleistungen bei seinen grohen Aus- gaben nicht mehr übernehmen kann, so sehe ich mich gezwungen, die Beträge auf die Mieter zu übertragen. Ihre Wohnung kostet dementsprechend vom 1. Oktober Z918 ab jährlich 8 M. Miete. Sollten Sie eine Instandsetzung auch nur eines Teiles Ihrer Wohnung wünschen, so mühten Sie die Instandsetzungskosten selbst tragen oder in eine entsprechend höhere Miete willigen. Das Schreiben erbitte unterschrieben zurück bis zum 25. Juni. Hochachtungsvoll Grzhb. Die Miete für diese im Ouergebäude vier Treppen hoch ge- legene, aus Stube und Küche bestehende Wohnung hatte bis zum Herbst vorigen Jahres 20 M. für den Monat betragen, stieg von da ab 22 M. und soll nun weiter auf 25 M. steigen. Der Mieter, dem von seiner Frau der Kündigungsbrief ins Feld nachgeschickt wurde, hat sich jetzt mit der Bitte um Rat an seine Gewerkschaft gewendet. Gegenüber dem Hinweis auf die Erhöhung der Haus- Unterhaltungskosten stellt dieser Mieter eine Gegenrechnung auf, wonach an ihm die Eigentümer des HauseS sogar gespart haben. Zwar ist der Kriegsteilnehmer noch Inhaber der Wohnung, tatsächlich wird sie aber schon seit langem nicht benutzt. Der Mann ist seit 3 Jahren Soldat, und die Frau hält sich mit den Kindern seit dem Sommer vorigen Jahres bei ihren Eltern in Westpreuhen auf. Da läht die Steigerung der Miete sich aus dem vergangenen Jahr wirklich nicht mit Mehrausgaben begründen, die diese Familie verursacht hätte. Ihr kann es ganz gewih nicht angekreidet werden, wenn das Haus mehr Aufwendungen für Wasserverbrauch, für Müllabfuhr usw. hat. Geradezu erheiternd wirkt in dem vor« liegenden Fall die Bedingung, dasi künftig der Mieter selber die Kosten für etwaige Wohnungsausbesscrung tragen soll. Er schreibt, dasi während der nun sieben Jahre, in denen er die Wohnung gehabt hat, auf Kosten des Eigentümers nichts daran gemacht worden fei. Der Kriegsteilnehmer bezeichnet die ihm übersandte Miete- steigerung samt ihrer Begründung als»bald zu stark' und vermißt die notwendige Rücksichtnahme auf Kriegerfamilien. Man muß in der Tat fragen, wo der Schutz vor wirtschaftlichen Schädigungen bleibt, der den Kriegsteilnehmern verheißen ist. Zu bedauern wäre, wenn die Familie, wie es nach dem Wortlaut des Schreiben? scheint, Unterlasten hätte, das Mieteinigungsamt anzu- rufen. Das sollte in jedem Fall geschehen, wo ein Mieter durch WohnungSlündigung oder Mietesteigerung sich benachteiligt fühlt. Verhaftung in der Raubmortangclegenheit. Die Ermittlungen der Kriminalpolizei haben gestern auch zu einer Verhaftung geführt. Der Mörder der Schankwirtin Messerichmidt wurde von Anfang an unter den Gästen der Ermordeten gesucht. Bei ihren Nachforschungen ermittelte nun die Kriminalpolizei eine Kellnerin, die sieben Tage lang bei der Ermordeten beschäftigt gewesen war. Während dieser Zeit erhielt sie wiederholt den Besuch ihrer Schulfreundin Erna Wollenberg und deren Bräutigams, eines Soldaten Karl Germer. Die Messerschmidt äußerte zu der Zeugin wiederholt, daß sie gegen den Besuch ihrer Freundin nichts einzuwenden habe. Ihren Bräutigam dagegen mochte sie nicht. Zu mehreren anderen Zeugen sagte sie, sie habe Angst bor ihm und wolle mit ihm nichts zu tun haben. Worauf diese starke Abneigung beruhte, weiß man noch nicht. Germer wohnte mit der Wollenberg zusammen, bei einer Frau in der Gormannstraße, war aber seit dem Auffinden der Leiche von dort verschwunden. Er ging meistens in bürgerlicher Kleidung. In der Nacht, nach der die Mcstcrschmidt ermordet auf- gefunden wurde, habe er nach seiner Aeußerung in dem Hause Linienstr. 65 geschlafen. Die Wollenberg erzählte dann, ihr Bräutigam iei nach Ostpreußen gegangen, nachdem sie ihn neu ein- gekleidet habe. In Wirklichkeit aber war er noch in Berlin und gestern mittag wurde er in der Wirtschaft in der Münzstraße, wo er sich mit der Wollenberg traf, von Kriminalbeamten festge- nommen. In dem eingehenden Verhör bestritt er entschieden, mit der Mordtal etwa? zu tun zu haben. Auch die Wollenberg will davon nichts wisten. Beide haben sich schon in viele Widersprüche verwickelt. Unter dem Verdacht des Doppelmordes ist der frühere Hochbahn« schaffner Wessel verhaftet worden. W. wurde zu Beginn des Krieges eingezogen und später als Feldwebel nach Büdingen kom« niandiert, wo er zu der Frau des Landwirts Weber in nähere Be- ziehungen trat. Mitte Juni reiste er nach Berlin und fuhr von hier mit seiner Frau nach Gartz a. d. O. Bei einem gemeinsamen Bad in der Oder verschwand Frau Wessel und wurde einige Tage später als Leiche geborgen. Am 25. Juli wurde der Landwirt Weber in Büdingen erschossen. Jetzt tauchte das Gerücht auf. Wessel habe Weber ermordet, um seine Frau heiraten zu können. Ein Alibibeweis, den Wessel verbuchte, mißglückte; weder bei seinen Eltern in Charlottenburg, noch in seiner Wohnung in Lichtenberg bat er sich zur Zeit des Mordes aufgehalten. Wessel und die Frau deS Erschossenen wurden nun verhastet. Protest der Händler gegen die neue Milchverteilung. Eine sehr stark besuchte Versammlung der Milchhändler Groß-BerlinS be- lchäftigte sich mit den Maßnahmen der Fettstelle Groß-Berlin, die bekanntlich eine Teilung der Milchgeschäfte in solche für die Be- lieferung mit süßer und solcher mit angesäuerter Milch vor« genommen bat. Nach längerer Diskusston wurde nachstehender Beschluß gefaßt: Die Versammlung steht nach dem Bericht des Vorstandes nach wie vor auf dem Standpunkt, daß es bezüglich der Milckbeliese- rung bei dem jetzigen Zustande sein Bewenden haben muß. Die Zweiteilung der Geschäfte in solche, die nur süße und solche, die nur angesäuerte oder saure Milch feilhalten, bedeutet nicht nur eine Schädigung der Milchhändler, sondern auch der Verbraucher. Der Milchhändlerstand hat bis jetzt in allen Lagen seine Schuldigkeit ge- tan und empfindet die oberflächliche und überhastete Neucinteilung als eine unnötige Belästigung, da die Milchhändler sehr wohl in der Lage sind, beide Sorten von Milch in einwandfreier Weise an die Kundschaft zu bringen. Die Versammlung erhebt auch ent> ichiedenen Protest dagegen, daß die berufenen Vertreter der Milch- bändler bei der Vorbereitung so entscheidender Maßnahmen nicht ge- hört worden sind. Sonntagsarbeit i« der Landwirtschaft. Zur Sicherung der Volksernährung find, wie jetzt die Regierungsbehörden mitteilen, die gegenwärtigen Erntearvetten und die bevorstehenden BestellungS- arbeiten als solche anzusehen, die auch an Sonn- und Feiertagen unverzüglich vorgenommen werden müssen. Umsatz- und Luxnssteuer. Im Anzeigenteil erscheint eine Be- kanntmachung des Magistrats über die Anmeldung zur Umsatz« und Luxussteuer, auf welche die Gewerbetreibenden in ihrem eigenen Interesse dringend hingewiesen werden. Die ungewöhnlich kurze Frist ist durch 8 14 des Gesetzes vorgeschrieben. Gewerbliche Korrespondenz an Heeresangehörige. Die Ober- Postdirektion schreibt: Nach der Feldpostdienstordnung haben Sen- düngen in rein gewerblichen Angelegenheiten der Absender oder Empfänger keinen Anspruch auf Gebührenvergünstigungen. Die Uebersendung von Anpreisungen und Anerbietungen rein gewerb- licher Art unter der Bezeichnung»Feldpostbrief' ist daher unzu- lässig. Sendungen in rein gewerblichen Angelegenheiten der Ab« sender oder Empfänger find nach den vollen inländischen Gebühren- sätzen freizumachen. Es kosten also zurzeit Briefe bis 20 Gramm 15 Pf., über 20 bis 250 Gramm(ohne Zulassung eines Uebergewichts) 25 Pf., Post- karten T'/a Pf. Nicht freigemachte oder ungenügend freigemachte Sendungen werden als unbestellbar behandelt. Drucksachen, Ge- schäftspapiere und Warenproben sind im deutschen Feldpostverkehr nicht zugelassen. Es wird dringend davor gewarnt, Briefsendungen zur Erlangung der damit verbundenenen Gebührenvergünstigungen unrechtmäßigerweise mit dem Vermerk.Feldpostbrief' zu versehen. Die Postverwaltung leitet in allen zu ihrer Kenntnis kommenden Fällen dieser Art gegen die Absender das Strafverfahren wegen Portohinterziehung ein. Lebensmittelkarten für Binnenschiffer. Neber die Ausgabe der Ausweise und Lebensmittelkarten für Binnenschiffer auf den Ber- liner Wasserstraßen und dem Neuköllner-Britzer Kanal hat der Polizeipräsident von Berlin folgendes bestimmt: Vom 15. August ab findet die Ausgabe nicht mehr in den Schiffermeldestellen, son- dcrn nur noch auf den WasserbauLmtern I(Burgstr. 2, 1 Treppe) und II(Jnvalidenstr. 52, Erdgeschoß links) an den Wochentagen von 8 bis 6 Uhr und an Sonntagen von 8 bis 11 Uhr vormittags statt. Jedem Schiffer ist eS freigestellt, von welchem Bauamt er seine Karten entnehmen will. DaS nächste Bolkskvuzert deS Philharmonischen Or- ch e st e r S findet heute in der Philharmonie, Bernburger Str. 22/23, statt. Begirn des Konzerts 8 Uhr. Die im Vorverkauf nicht unter- gebrachten Karten werden abends an der Kasse verkauft. Ter Ein- trittspreiS beträgt 80 Pf. Kasseneröffnung 7 Uhr. Halbe Geldscheine. Einen eigenartigen Schwindel mit Kassen- scheinen berreiben seit einiger Zeit nocb unbekannte Betrüger in größerem Umfange. Sie suchen Geschäftsleute dann auf, wenn viele Kunden im Laden sind und die Geschäftsleute es eilig haben. Auch sie kaufen eine gewisse Menge und geben einen zusammen- gefalteten Kassenschein in Zahlung. Der Schein liegt so, daß die Geschäftsleute an der Farbe und Zahl gleich sehen können, daß fie es mit einem echten Kassenschein zu tun haben. Im Drange der Geschäfte geben sie auf ihn gleich heraus und stecken ihn dann ohne Prüfung ein. Erst wenn sie ihn später entfalten, entdecken sie, daß sie nur die Hälfre eines richtigen Scheines erhalten haben. Fast täglich gehen bei der Kriminalpolizei Anzeigen über Betrügereien dieser Art ein, mit Kassenscheinen von 2—50 M. Arbeiter-Xurnerbund t. Kreis. Resultate von den Sportkämpscn am 11. August aus dem»Fichte'> Sportplatz in Treptow. Männer: Hochsprung. Anders und Schulze, Rathenow, 1.58 Meter. Weitsprung, Juve. Berlin, 6,00 Meter, Loose, Rathenow, 5.96 Meter. Stabsprung. Dahle, Berlin, 3,00 Meter. Loose, Rathenow, 2.80 Meter. Speerwersen, Loose, Rathenow, 43,05 Meter. Kugelslotzcn, Voigt, Berlin, 9,60 Meter, Dahle, Berlin, 9,13 Meter. 100-Meter-Laus, Busse, Rathenow, 11'/, Sek. 1000-Meter-Laus. Horst, Rathenow. 3 Min. Sek. 4Xt00-Meter-Slasette, Rathenow und Berlin Süd-Ost 501/, Sek. 1000-Mcter-Stasette. 5 Läujer (beliebiger Wechsel) 2 Min. 13 Set.— Jugendliche: Hochsprung, Bäcker, Brandenburg, 1,43 Meter. Schaebethal, Berlin, 1,43 Meter. Weil- sprung, Bäcker. Brandenburg, 5,17 Meter. Grassow, Rathenow, 5,10 Meter. Stabsprung, Kolberg, Berlin, 2,50 Meter. Speerwerjen, Wollgaft, Berlin, 32,00 Meter. Bäcker, Brandenburg, 31,20 Meter. Kugelstoßen. Sacht- Icbcr, Berlin. 7,95 Meter. 100- Meier< Laus. FelS, Brandenburg, 12'/, Sek. 300- Meter- Hindernislaus. Fels, Brandenburg. 51'/, Sek. 4X100-Meter-Stajctte, Brandenburg 53 sck. Olympische Staseite, Berlin Süd-Ost 28'/, Set.— Frauen: Weitsprung, Meto Zlcumann, Berlin, 3,58 Meter. Brunke, Neukölln, Gi-sc, Schöneberg, 3,56 Meter. Ball- wciterwersen, Leulchner, Berlin, 36,75 Meter. 100-Meter-Laus, Schröder, Neukölln, 14'/, Sek. 4X100-Metcr-Stasettc, Neukölln 60V, Sek. 10X100- Meter-Stasette, Neukölln 45'/, Set. Charlottenburg. DaS Steuerbringverfahren. Der Magistrat fordert alle Steuerzahler aus. die laufenden sowohl wie etwa rück- ständige Steuern bis zum 20. August an die zuständige Steuer- Zahlstelle einzuzahlen. Siehe Bekanntmachung im Inseratenteil. Schöneberg. Fleisch für Zuckerkranke. Zuckerkranke, welche auf ärztliche Bescheinigung Zusatzfleischkarten erhallen, können bis zum 16. August einschl. in der Krankenstelle Neues Rathaus, Zimmer 266, ihre Fleischkarten zur Abstempelung vorlegen, damit sie auch während der fleischlosen Wochen Fleisch beziehen können. Die Antragsteller haben sich dabei durch Vorlegung deS Bcwilligungs- scheines auszuweisen._ Kreis Teltow. Die neue Browersorgung. Die zum Lebens- mitielverband(Brotkartengemeinschasl) Groß-Berlin gehörenden Gemeinden des Kreises Teltow regeln die neue Brotversorgung vom 10. d. M. ab nach der gemeinsamen Verordnung des Lebens- miitelverbandes. Für den übrigen, mehr ländlichen Teil des Kreises hat der Vorsitzende des Teltower Kreisausschusses bestimmt, daß die Abgabe und Entnahme von Brot und Mehl vom 19. August ab nur aus Grund von Kreisbrotkarten zulässig ist. Brotgewicht und der Preis entsprechen der Regelung im Groß-Bcrliner Lebens- mittelverband mit dem Unterschied, daß auch Weizenbrot im Gewicht von 50 Gramm(Schrippe), soweit ein Bedürfnis dazu vorliegt, hergestellt werden kann. Der Preis dafür beträgt pro Stück 3 Pf. Weißensee. Lebensmittel. Es entfallen auf die Abschnitte 65, 56 und 57 der allgemeinen Lebensmittelkarte insgesamt 725 Gr. Auslandsmarmelade, deren Abnahme am 14. und 15. August in dem Geschäft erfolgen mutz, in dem der Inhaber der Lebensmittel- karte zum Bezüge von Nährmitteln angemeldet ist. Nowawes. verkauf von Heringen. Heute findet von 8—1 und 8—7 Uhr in den Verkaufsstellen der Gemeinde auf folgende Nummern des Ausweises der Berkauf von Heringen statt: Winkel Nr. 951 bis 2103 und 3001— 3050, Frömmelt 151— 1350, Müller 2701 bis Schluß- nummer und 1— 300, Rudow 1001—2200, Ziegener 501—1700. Hrog-Serllner parteinachrichten. Groß-Serltn. Heute abend 8 Uhr: Mitgliederversammlungen und Zu- sammenkünfte der Parteigenossen.— Entgegennahme der Beiträge und Aufnahme neuer Mitglieder. Berlin 7. bei Glaue, Kommandantenstraße 88. Berlin II. 1. und 2. Abt. Westen bei Rickert, Sternmetzstr. 36a.— 3-, 4. und 5. Abt. Friebrichstabt un-d Südwesten, Linbenftr. 3, 2. Hof. 3.— 6. Abt. Südwesten bei Schuster, Chaunssoplatz 4.— 7. und 8. Abt. Süden bei Reim, Urbansrr. 29. Berlin III.■nv- im GewerkschaftShaus, Engelufer 15. Berlin IV. Petersburger Viertel bei Kühn, Schreinerstr. 58.— Lands- berger Viertel im Elqsium, Landsberger Allee 40.— Frankfurter Viertel im Kleinen Gewerkschaftshaus, Elisabethstr. 11.— Stralauer Viertel bei Fr. Kienitz, Simon-Dach-Str. 24, Ecke Revaler Straße.— Görlitzer und Cöpenicker Viertel bei Daus, Lausitzer Str. 46. Berlin V. 1. und ls Abt. bei Winzer, Christburger Str. 9, Ecke Winsstraße. 1b Abt. bei Schwanherz, Naugarder Str. 3.— 2. und 3. Abt. bei Kuhn, Linienstr. 8.— 4., 5. und 6. Abi bei Pickert, Linienstr. 195.— 7. Abt. bei Leidig, Schlffbauevdamm 22. Berlin VI. 1. und 2. Abt. bei Dobrohlaw, Swinemünider Str. 11.— 3. u. 4. Abt. bei Burg, Prenzlauer Allee 189, Ecke Raumerstr.— 5. Abt. bei Gruna«, Skrijlheimer Str. 30, am Humannplatz.— 6. Abt. bei Goldschmidt, Stolpische Str. 36.— 7. Abt. bei Korn, Gleimstr. 10, Ecke Falkplatz.— 8. Abt. bei Hoffmann, Swinemünder Str. 47.— 9. Abt. bei Obiglo, Stralsunder Str. 11.— 10. Abt. bei Carns, Voltastr. 37.— II.'Abt. bei Paul, Gartenstr. 101.— 12. und 15. Abt. bei Bauer, Birkenstr. 29a.— 13. und 14. Abt. bei Lange, Wiclefstr. 45.— 16., 17., 20., 21. und 22. Abt. bei Sachs, Lindowcr Str. 26.— 18. und 19. Abt. im»Schwedenzclt", Ecke Schweden- und Exerzierstraße. Teltow-Bceskow. Alt-Glienicke-Falkenberg: bei Fritz Bahr, Cöpenicker Str. 45, Zahlabend. Bohnsdorf: bei Heimann, Riedelftvaße. Britz-Buckow: in Beckers GesellfchaftshauS, Britz, Chaussee- straße 97. Charlottcnburg: im Bolkshans, Rosinenstr. 3 lSaal). Köpenick: Altstadt bei Gustav Müller, Alter Markt.— Dammvorstadt bei Karl Reckzeh, Kaiser-Wilhelm-Str. 5.— Kietzer Vorstadt bei Adolf Ticke, Marienstr. 17.— Köllnisch- Vorstadt bei Albert Stippekohl, Schönerliwder Str. 5. Martendorf: im Sportrestaurant, Chausseeftr. 44. Neukölln: 1. und 2. Bezirk bei Schulz, Reuterstr. 47.— 3. und 4. Bezirk bei Karl Müller, Weserstr. 200.— 5. Bezirk bei Schittlcr, Weichselstr. 5.— 6. Bezirk bei Noack, Weserstr. 41.— 7. Bezirk bei Robert Iben, Boddinstr. 58.— 8. Bezirk bei Kleinert, Stuttgarter Straße 7.— 9. Bezirk bei Nitzschc, BerthelSdorfer Str. 8.— 10. bis 12. Bezirk bei Lehmann, Böhmische Str. 43.— 13. bis 17. Be. zirk bei Cenkel, Hermannstr. 175.— 18. bis 20. Bezirk bei Richnow, Prinz-Handjery-Str. 69.— 21. bis 23. Bezirk bei Hentschel, Herr- furthstr. 27.— 24. Bezirk bei Bär, Karlsgartenstr. 4. Schöneberg: bei Obst, Martin-Luther-Str. 69. Steglitz: bei Clement, Düppelstr. 7. Trcvtow-Baumschnlcnwcg: bei Erbe, Baumschulenstr. 14. Wildau: bei Schumann, Schwartzkopffstr. 120. Wilmersdorf: Die Mitgliederversammlung findet nicht am 14., sondern erst am 21. August statt. Näheres am 20. August im „Vorwärts". Niederbarnim. Erkner: Hei Eichhorn, Wilhelmstroß«. Lichtenberg: bei Kurkowsky, Pfarrstr. 72(am Verbindungsweg). Obrrfchöneweide: bei Ladewig, Laufenerstr. 5. Rcinickendorf-Ost: für Reinickendorf-Mitte. Residenastraß« und Schillerviertel bei Käsler, Holländer Ecke Thuner Straße, für Reinickendorf-Ost, Provinzstraße mit Nebenstraßen, bei Neumann, Provinzstr. 84. Ecke Hoppestraße. Reinickendorf-West: bei Schiller, Antonisnstr. 10. Wcißensee: bei Stärke, Charlottenburger Straße 3. Soziales. Zuschüsse zu den Unfallrenteu. Das Rcichsversicherungsamt hat einen Runderlaß an die Berufsgcnossenschaften ergehen lassen, der auch sür di« Versicherten Bedeutung hat, die Anspruch auf die Zulage zu ihrer Unfallrentc haben. Wir bringen ihn daher zur allgemeinen Kenntnis: „Nach§ 7 der Ausführungsbestimmungen des Reichsverstche- rungsamts zur Bekanntmachung vom 17. Januar 1918(Reichs- gesetzblatt Seite 31) über die Gewähruung von Zulagen zu Ver- letztenrenten aus der Unfallversicherung vom 24. Januar 1915 (Amtliche Nachrichten des R.V.A. 1918, Seite 154) mutz die Eni- scheidung deS Versicherungsträgers den Vermerk enthalten, daß sie endgültig wird, wenn dar Verletzte nicht binnen einem Mona: nun, ihrer Zustellung den Einspruch bei dem Oberversicheruugsumi ein- legt. Das für den Einspruch zuständige Oberversicherungsamt ist zu bezeichnen. Diese Bestimmungen sind, wie bei der Prüfung von Beschwerden der Rentenempfänger wahrgenommen ist, von ver- schiedenen Berufsgenossenschaften nicht beachtet worden. Das Reichsvcrsicherungsamt sieht sich daher veranlaßt, an ihre genau« Einhaltung zu erinnern. Eine Berufsgerwssenschaft hat eine sehr zweckmäßige und sozial richtig empfunden« Maßnahme getroffen. Sie läßt den Renten. empfängern, die voraussichtlich Anspruch auf die Zulage haben, unter eingehender Mitteilung des Inhalts des§ 1 der Bundes- ratsverordnung vom 17. Januar 1913 eine Aufforderung zugehen, bald einen Antrag auf Gewährung der Zulage unter Benutzuna der mitfolgenden einen Vordruck für den Antrag enthaltenen Postkarte an die Berufsgenossenschaft oder an das zuständige Versicherungs- amt zu richten, falls sie glauben, einen berechtigten Anspruch auf die Zulage zu haben, tes wird zur Erwägung empfohlen, ob nichl, solocit es noch nicht geschieht, in ähnlicher Weise zu verfahren sein möchte, weil namentlich die auf dem Lande lebenden und die nicht organisierten Rentenempfänger zum Teil nichts von der Bundes- ratsverordnung erfahren und deshalb keinen Antrag auf Zahlung der Zulage stellen. Auch wird den Versicherungsträgern nahegelegt, Anträge auf Zulagen möglichst wohlwollend zu behandeln, insbesondere bei der Prüfung der Frage, ob Tatsachen die Annahme rechtfertigen, daß die Zulage nicht benötigt wird, Leistungen, auf die der Renten- empfänger keinen Rechtsanspruch hat, nicht zu berücksichtigen. Ebenso wird empföhlen, bei Prüfung der Frage, ob sich der Verletzte im Inland oder gewöhnlich im Ausland aufhält(§8 1 und 5 der Bun- desratsverordnungj zugunsten der in besetzten Gebieten im Kriegs- dienst oder im Hilfsdienst stehenden Renteuempfänger, soweit an- gängig, wohlwollend zu verfahren. Das Reichsversicherungsamt macht hierbei, ohne der Entfchei- düngen der zuständigen Rechtsprechungsinstanzen vorzugreifen, auf folgende Punkte aufmerksam: Die in der einschlägigen Literatur vertretene Auffassung, daß nur solche Verletzte Anspruch auf die Zulage hätten, die zur Zeit des Erlasses der Bundesratsverordnung über die Gewährung der Zulagen vom 17. Januar 1918(Amtliche Nachrichten des R.V.A. 1918, Seite 153) schon eine Rente von mindestens zwei Dritteln der Vollrente bezogen, trifft nach der Ansicht d«S ReichSversichcrungs. amts nicht zu. Der Wortlaut des§ 1 der Verordnung,„Verletzten, die eine Rente von zwei Dritteln oder mehr der Vollrente be- ziehen', bietet zu dieser engen Auslegung keinen Anlaß. Vielmehr steht die Zulage auch solchen Verletzten zu, bei denen di« Voraus- setzungen des§ 1 der Bundesratsverordnung erst nach ihrem In- krafttreten erfüllt werden. Unrichtig erscheint dem ReichsversicherungSamt auch die von einer Sektion vertretene Auffassung, daß die Zulage solchen Vcr- letzten nicht zu gewähren sei, die zwar eine Rente von zwei Drittel? der Vollrente und mehr beziehen, aber bereits vor dem Unfall im der Erwerbsfähigkeit beschränkt waren. Maßgebend find vielmehr nur die Hundertsätze der Rente. Ebensowenig entspricht die Nebung einer BerufSgenossenschsft, die Zulagen nur dann rückwirkend zu gewähren, wenn dies aus- drücklich beantragt wird, der Bundesratkverordnung. Nach§ 1 der Verordnung wird die Zulage für die Zeit bis zum 31. Dezem- ber 1318 gewährt, also gemäß§ 12 an sich vom 1. Februar 1318, dem Tage des Inkrafttretens der Verordnung, ab; Z b enthält nur insofern eine Einschränkung, als die Zulage nicht länger als drei Monate rückwärts, gerechnet vom Beginn des Monats, in welchem der Antrag eingegangen ist, gewährt wird. Enthält der Antrag nicht selbst eine Einschränkung, so ist davon auszugehen, � daß mit ihm die Zulage in dem nach der Verordnung zulässigen weitesten Umfang erstrebt wird." „Ich habe dem Bericht nichts hinzuzufügen." Die UnfallverchütuRgsvorschrifien der Berufsgenvssenschaften decken sich nicht überall mit den ein gleiches Gebiet betreffenden Polizeiverordnungen. So schreiben z. B. die Preußischen Polizei- Verordnungen zur Fahrstuhlsicherheit keinen besondere» Abschluß des Fahrschachtzuganges einer Aufzugsanlage vor, wenn die Fahr- bühne nicht ordnungsgemäß betreten werden kann. Daß solche Anlagen auch nicht entfernt Anspruch auf Sicherheit machen können, versteht sich von selbst. So war denn in einem in einer stillgelegten Malzdarre untergebrachten Gemüsetrocknungsbetriebe ein mit Zuschlagen von Fässern beschäftigter Böttcher durch Ab- stürz m den Fahrschacht schwer verletzt worden. Di« berufs» genossenschaftliche Revision ergab, daß die Anlage im alten, unge- sicherten Zustande im Einverständnis mit dem tue Kontrolle dieses �Betriebes ausübenden Dani�esse-lüberimuhnngsverein weiter be- 'trieben worden war. Di« Beruft Genossenschaft benachrichtigt« da- von das Kgl. Preuß. Handelsmini st erium. Natürlich hat dieses Anlaß genommen, dafür zu sorge«, daß die maßgebliche Polizewerordnung soforl verbessert und weiter- gehende Sicherung vorgeschrieben wird! Das meinst du, lieber Leser I Nein, so arbeitet man im Handelsministerium nicht. Erst Be- richte. Dann Antwort an die BerufSgenossenschaft, die lautet:. „Nach einem Bericht des Königlichen Regicrnugspräsidenten in Cöln, der sich auf Feststellungen des Dampskcsselüberwachungs- Vereins stützt, erfolgte die Benutzung des Aufzuges in der Weife, daß die Malzwagen den Fahrkorb vollständig ausfüllten, so daß Personen behindert waren, noch auf dem Kahrtorbe Platz zu finden. Außerdem Ivaren die Ladeöffnungen so vcrfte inert, daß die Höhe vom Fußboden bis zum Lattenverschlag nur etwas über einen Meter betrug. Ter Verein ist der Meinung, diese Anordnung erft- spreche den AussührungSbestimmungen zu den ZK 13 bzw. 23 der Au szugsverordnrurg. Ter Gewerbeinspektor berichtet, auch in anderen Mälzereien seien die Aufzüge ähnlich ausgeführt. Die Ausführung entspreche den Bestimmungen des Z 23 III der AuszugSverordnung auch hiu- sichtlich der Art des Belädungsinittels der noch vorhandenen Malz- karren, welche die Plattform des Fahrkorbcs vollständig besetzen und das Betreten des Fahrkorbes verhindern. Bei der jüngst stattgehabten Besichtigung der Anlage durch den Gewerbeinspektor mußte allerdings beanstandet wecken, daß der Lattenverschluß im zweiten Äellerraume schadhast, in dem S. Stockwerke dagegen so dicht war, daß die jeweilige Stellung des Förderkorbes nicht außer- halb der Fahrbahn überblickt wecken konnte. Auch fehlten in den Kellerräumen und in den oberen Stockwerken die festen Hanidgriffe und einige Schilder an den Ladevffnungcn. Die Ladeöffnung im Hauptarbeitsraume im Erdgeschosse, an der der Unfall sich ercig- nete, befand sich in vorschriftsmäßigem Zustand. Wecken die beanstandeten Mängel abgestellt, was der Gewerbe- Inspektor durch eine Zuschrift an den Unternehmer bereits in die Wege geleitet hat, so sind gegen die Fahrstühlanlage aus Grund der Uufzugsverocknung keine Einwendungen zu erheben. Ich habe diesem Bericht meinerseits nichts hinzuzufügen." Aber wir haben diesem Bericht noch etwas hinzuzufügen. Au- nächst, daß der Betriebsunternehmer, weil er die weitergehenden Unfallverhütnngsvorschriften der Berussgenossenschaft unbeachtet ge- lassen, von dieser in Strafe genommen wurde, wie es nur recht und billig. Dann aber, daß wir uns die Aufgaben einer höchsten Landes- zentralbehöcke so borstellen, daß sie führend und leitend, vorausschauend bessern, also regierend wirken soll. Daß ihre Tätigkeit sich nickst nur auf die Kontrolle zu erstrecken hat, ob überall die auf dem Papier stehenden Vorschriften eingehalten wucken, sondern auch dar- aus, ob sie den berechtigten Ansprüchen genügen. Und wenn es nicht der Fall, wie unzweifelhaft hier, dann hat sie ihnen etwas .h inz n z u fügen". Aber bis das geschehen, hat sie durch vor- läufige Anordnung einzugreifen, oder die nachgeordneten Stellen zu solchen Anocknungen anzuhalten, damit weiterer Schaden verhütet werde. Hier hätte sofort eine Anordnung an die zuständige Polizeibehörde ergehen müssen, ge- m ä ß§ 12<)ä der Gewerbeordnung, im Wege der Ver- ordnung für die einzelne Anlage vorzuschreiben, den Betrieb so zu ge st alten, daß die Arbeiter ge- gen Gefahren für Leben und Gesundheit geschützt sind und bis das geschehen, die Weiterbenutzung der fraglos g.e fährlichen Anlage zu verbieten. So denken wir uns die Aufgaben einer Landeszentralbehörde und das möchten wir denn doch dem Bericht noch.hinzufügen". flus aller Welt. Ein«euer Eisenbahnzusammeustost. Hamburg. Infolge UeberfahrenS des Haltsignals der Zugmclde- stelle.Weser-Elbbrücke" ist am 13. August nachts 2 Uhr ein von Harburg nach Wilhelmsburg fahrender Güterzug auf einen im Gleis haltenden Arbeitszug aufgefahren. Vom Zugbegleit- personal wurde die Hilfsschafineriu Meta Schluntz aus Hamburg getötet, der Zugführer Becker, der Schaffner Deckert sowie die Hilfs- sckaffnerinnen PeterS und Seewald sind leicht verletzt. Die Personenzuggleise sind infolge des Unfalls auf etwa 12 Stunden gesperrt. Der Verlehr wird durch Umleiten der Züge über die Gütergleise aufrechterhalten. Die Untersuchung ist eingeleitet worden. Ein neuer Stand— die Kochmeistcr. In Dresden haben es dtz: Meister vom Kochlöffel zu einem neuen, in heuliger Zeit besonders wohlklingenden Titel gebracht. Die dortige Köcheinnung kam bei der Behörde darum ein, es möge ihren Mitgliedern die Befugnis erteiU werden, sich fortan des Titels.Kochmeister" bedienen zu dürfen, und die Gewerbekammer Dresden billigte auch das Ver- langen nach dem neuen Titel für den Fall, daß der Titelsuchende zur Führung des Meistertitels in Verbindung mit dem Kochhand- werk schon berechtigt ist.— Der.Herr Kochmeister" wird demnach in Sachsen bald eine sehr beliebte Anrede sein. Es soll zugegeben werden, daß das Kochen jetzt im Kriege eine besondere Spezialität geworden ist und großeü Spürsinn und ökonomisches Talent erfordert. Aber wenn alle, die sich auf diesem Gebiete andauernd betätigt haben, vor allem die Arbeiterfrauen, auf den Meistertitel Anspruch erheben wollten, so dürste cS bald soviel Meister geben, daß die Dresdener Köche doch nicht mehr daraus hervorragen würden. Die Dresdener Köche scheinen vom .Stahlbad" sehr wenig profitiert zu haben. Sriefkasten üer Redaktion. 81. G. 12. Der Wirt ist leider zur Mictsteigcrung berechtigt, auch wen« sich der Mann im Felde befindet. Die Frau mutz sosort das Mict- emigungsamt anrufen, welches eventuell die Mietsteigerung als ungerecht- sertigt verwcrsen und die Kündigung aufheben kann.— K. Z. 133. Das ollamt ist im Recht. Neber die«erzollung hat nur da» Zollamt km ahmen der gesetzlichen Bestimmuugen zu befinden.— R. P. 57., Kommen Sie in die Sprechstunde.— M., Lichtenrade. Garnisondicnst- sähig sürs Feld. Krankheiten und Schwächlichkeit cinzelyer Gliedmatzcn Tau glich jür Landsturm.— F. B. Sft. Sie müssen für Ihre Frau zahlen. Sie haben ja die Annahme der Bücher verweigert. Nach Zahlung stehen Ihnen dieselben wieder zur Verfügung.— S. K. 100. Wey» die Mutter das Geld in Verwahrung genommen hat, ist fie auch ersatzpslichiig. WasserstandSnachrichten der LandeSanstalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterburcau. Gewwnanszng der IS. Prenhifch- SKddentfchen (S3«. Königlich PreuKischen) Klasse, ,l-tterke 2. Klaffe l. ZichungStag 13. August 1»tS IJluf jede gezogene S.nmmer gnd zwei gleich hohe Gewin»» gefallen, und-war je«t»er auf die Lose gleicher»inmmcr tu den beide» «ibieilungen I und II_ (Ohne Gewähr«. Et.-A. s. L)(Nachdruck verboten, In der BormittagS-Ziehung wurden Gewinne über SS Mk. gezogen: 2 Gewinne zu 6000 Mk. 188123 2 Gewinne zu 3000 Mk. 72215 4 Gewinne zu 1000 Mk. 131603 100783 8 Gewinne zu 500 Mk. 1263 1 85576 155822 199372 16 Gewinne zu 400 Mk. 4567 49821 55383 65483 S4962 146791 169201 217226 26 Gewinne zu 300 Mk. 8441 12240 24570 41839 43601 46586 61850 75573 99688 105175 154252 159556 212884 82 Gewtime zu 200 Mk. 2874 3030 7572 9555 16493 17651 26032 28428 28939 30053 38395 43078 55418 68217 68290 76133 85246 90120 95889 97965 104215 110000 130821 135453 149199 151031 152385 156715 160183 160632 163201 177199 179739 182103 187030 188763 189588 197847 201544 214979 215473 In der Nachmittags. Ziehung wurden Gewinne üöer 96 Mk. gezogen: 2 Gewinne zu 40 000 Mk. 134910 2 Gewinne zu 20 000 Mk. 6537 2 Gewinne zu 10 000 Mk. 207453 2 Gewinne zu 3000 Mk. 112928 6 Gewinne zu 500 Mk. 164877 194004 207641 8 Gewinne zu 400 Mk. 73564 120736 139139 213831 34 Gewinne zu 300 Mk. 2168 8966 16385 47397 63839 63888 74170 80521 106076 110553 165301 157500 170102 197733 205581 207479 216667 64 Gewinne zu 200 Mk. 3320 14565 19872 23011 ,24139 32062 33344 36949 38922 40733 56038 57220 67725 69501 77664 83044 80780 102150 111883 121597 125326 128582 145022 153665 164236 173505 174048 180354 196304 197075 208140 212348 lleatischcs Theater. Allabendlich 8 tlbr: Max Palienberg in Der fcschc Itudl. Kaininernpiele. Heute und morgen 7'/« Uhr: lucie Höflich in Der Welbsteufel. Tolk8bUfane,Th.a.BDIowpl. Allabendlich 71/, Uhr: Semmernachtstranm. Tbeaier des Westens Bis einschl. Dienstag, d. 20. Letzte Aufführungen: 7'/, Uhr: Operette von Rudolf Nelson. Dir.C. Meinhard— R. Bernauer. Theater!,. Königgrätzerstr. 8 Uhr: Die fünf Frankfurter. Komödienhaus 8 Uhr: Die Karin. BerlinerTheater 7l" ü.; BUtablanes Blut. Theatep iler Friedriehstaät. Ecke Friedrich- u. Linienstr. 7'i. Uhr. Norden 8650. Der golden« Spiegel. Bonnab., d. 17.: ErstaufWhrunj .Kaiserplatz 3 eine Treppe". Ein lustiges Stück mit Musik nach Karl Laufs. Priedriohstr. 218 Dir.: James Klein. |7»/4 Sonnt. 31/, n. 7°,.) Todesrennen in lier Luft sosv. ffeitere Sensat. Vorverkauf an der j Theaterk. 10— 6 Uhr. Sonnt, S'/s Uhr jeder I ! Erwachs. 1 Kind frei! I Trianon-Theater Bht. Frledriohslr.Ztr. 4927,2391 8 U. Zum 348. Male: Der Sebensschüler. KomCdie von Ludwig Fulda. Sonnftb. nachm.'I,i TL kl. Pr.: Schneewittchen. Sonntag i Uhr: Hedda Gabler. Theater lür Mittwoch, 14. August. Komische Oper TV..- SeliwarmlWel. Central- Theater . Uhr-, üe CsanlasIilrstiD. Dentachce Opernhaus Die Fledermaus Friedricb-Wilbelmst. Tbeatei 7*/. uhr: ßasßreiÄPte. Kleines Theater 8 Uhr: Arletid und seine Fehler mit Bassermann. Metropol-Theater Die Dose von StauM 7'/. Uhr: Neues Operettenhaus 7*/, uhrs Oes süße Mädel. Cinstaplelhaus Uhr: Die spanische Fliege Kenldcnx-Theater 7'/, uhr: Fümer-Klärelien. SchlUer-Th. Chart. 71/, Uhr: AWeW. Thalia-Theater 7st. Uhr; Theater am Nollendorfplatz �l|, Uhr: Iii EU Im l»KO«KAMM I DIE BEUBEBEÖWENL HEUTE zwei Vorstellungen: S1/. und 7'/. Uhr. Nachmittag Vorzugspreise. HAGEÜBESK KEET ZIRKUS— Nur kurze Zeit. Neue Königstraße 28— am Alexanderplatz. Vorverkauf; Wertheim und Zirkuskasse. Telephon: Konigst. 140 Alice Hechy Rolf Brunner Gesangs- und Tanz-Duett sowie der glänzende Variete- Erötfnungs- Spielplan! Admiralspalast. J Die Prinzessin von Tragant| JSajdab. Deutsche Tänze f Kühler Aufenthalt. TU Uhr. 2, 3, 4. 5, 6 M. Tägl.T«/,. Sonnt. 3'/, 0.7'/, Nur noch bis 23. August: G esauit-Gaataplel des Herrnfeld-Theaters: Die KriegpioDler mit Dir. A. Herrnfeld und Perd. Griinecker in den Hauptrollen. Casino- Theater. Lothringer S trotze 37. Wiedereröffnnae Freitag, 16. 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Alle diejenigen, deren Kartosieldorrat bei ordnungsmäßigem Ver brauch nach?lbla»s der EintragnngSsrist ausgezehrt sein ivird, crbaltcn bei ihrer Brotkommission die Kartoffelkarten und einen Vordruck zur Nachanmeldunz, Die bisherige Kundenliste dehält solange ihre Wirb samkcit, bis durch besondere Bekanntmachung des Ma- gistrats der Verkauf auf Grund der neuen Kundcnliste angeordnet wird. Bei der Anmeldung zur Kundenliste ist der an jeder Kar- toffeltarte besindlichc Anmeldcabschnitt nach sorgsältiger AuS- süllung von Name und Wohnung des Anmeldenden dem Klein- Händler einzuhändigen. Die'Anmeldung dars durch ein HaushallungZmitgllcd auch sür die übrigen Mitglieder dcS Haushalts erfolgen, Es dürscn nur soviel Personen in die Kundenliste ein- getragen werden, alS Anmeldeabschniüe übergeben sind. II. Die Bestimmung zu I findet auch aus Hotels, Schani- und Speisewirlschaslen, Pensionate, PrivaimiltagStischc und andere sür die Bewirtung von Personen cingcrichlete Betriebe, scrner aus Krankenhäuser, Lazarclte, Gesängnissc, Erziehungsanstalten, wohltätige Einrichtungen, Kaniincu gelvcrbiichcr Betriebe, und andere VcrpfleguugSalistalten Anweudung, soweit sie nicht etwa mit Kartoffeln versorgt sind und soweit fic ihren Kartoffelbedars beim Kleinhändler decken, Die Inhaber oder Leiter dieser Betriebe haben bei der An- meidung eine Bescheinigung über die Höhe ihres WochenbedarsS vorzulegen, die soweit dte Kartoffclbezugscheine von den Gast- wirtskvminissioneu ausgestellt werden, von dem Obmann der zuständigen GastwirtSkommsffön und -soweit die Bczugsäieine unmittelbar vom Magistrat, Zlbtcilung für Kartoffelversorgung, ausgegeben ««Verden, von dieser ausgestellt sein muffen. Beziehen die vorgenannten Betriebe ihren Bedars un- mittelbar vom Grosshäudler, so bat die Anmeldung zum Bezüge beim Magistrat. Abteilung für Kartoffelvcrsorguug. «chiltlerstr. S, schriftlich zu erfolgen, und zwar unter Einsendung einer schriftlichen Erklärung des Großhändlers, daß er die Lieferung übernimmt, und soweit die Kartofselbezugscheine von den GaitwiriStommissionen in Empfang genommen werden, unter Beifügung einer iBeschetuigung des Obmann« udcr die Höhe deS Kartoffelivocheubedarfs. III. Die Anmeldefrist für Emiragnng zur Kundenkiste muß un- bedingt cingcbalten werden. Eine Verlängerung der Frist findet nicht statt. Wine Versäumiing der Anmeldefrist hat den Ausschluss des Kartossclbezuges von einem Berliner Händler bis ans weiteres zur Folge. Ausnahmen können vom Magistrat, Abteilung für Kartoffelversorgung, aus Antrag zngtlasscn werden. Die Anträge sind nur schriftlich unter Darlegung der Gründe sür die Versäumnis der EintragungSfrist an den Magistrat. Abteilung für Kartoffelversorgung. Schtckler- strasse S, zu richten. � Zur Auslegung der Kundenlisten find nur diejenigen Klein- häirdlcr befugt, dte zurzeit Kartoffeln im Kleinhandel abgeben. und die sich dem Magistrat, Abteilung sür Kartoffclversorgung, gegenüber schriftlich verpflichtet haben, mindestens die Menge Kartoffeln fachgemäß einzulagern, die fie zur Besriediguug ihrer Kundschaft sür eine Woche benötigen. Die Kundenlisle ist vom Kleinhändler in zwei Exemplaren auszustellen und beide Exem- vlare sind mit den gesammelten Anmcldeabschnittcn und Be- iheinigungcn— II dieser Verordnung— am 18. August von 9 b:S 1 Uhr, am IS. bis 21. August von 8 Uhr morgens bis 7 Uhr abends beim Magistrat, Abteilung für Kartoffelversorgung, Schicklerstr. 5, bczw. im Laijen Schicklcrftr. 6 abzugeben. Y. Im übrigen bleibt die Verordnung vom 18. Dezember 1SIK betreffend Einrichtung von Kundenlisten für den Absatz von Kartoffeln durch den Kleiiihaudel unberührt. Berlin, den 7. August 1918. Wnyißrat der Königl. Haupt- und Rkfidenzstadt. Tacb. Nr. 817. Kart. 1 8. Neicke._ KtellähneBs Spezialität: Zähne ohne Gaumenplatte! Gold-Technik! Kronen von 20 Mark an! - l'marbeltnng: nchlcchtsltasender OeblsMe.— Zahnziehen mit Betiinhung nach bewährtep Methoiie PcrsSnl. Mandatitensiuchaiig» Hat kostenlos! »illl�c Preise, ev. Tcllzahlunjj;. Zahn-Praxis M. LÖSer, Brunnenstr. 185 swisohen Rosenthaler Platz und Invalidenstraße. Sprechstunden täglich von 9—8 Uhr ununterbrochen. Sonntags von 9— 12 Uhr vormitt. Telephon: Norden 9283. Sitte genau auf StrsBe und Hausnummer zu achten. Bekanntmachung. Aus Grund des§ 14 des UmsatzsteuergesetzeS vom LS.InI1 1918 und dcS Erlasses dcS Herrn FinanzmiiiisterS vom 89. Juli 1918— III 7111. II 10642— werden die Steuerpflichtigen, für welche das Umfatzstcueramt Berlin zustündig ist, aufgesordcrt, ibr Unter- nehmen— und sofern sie die im K 8 des Gesetzes genannten Gegenstände sLuxusgegenstände) umsetzen, auch dies— bis zum 15. August 1918 schnstlich oder mündlich dem Umsatzstcueramte, klosterstr. 1L/1öa, II, anzuzeigen. Von der Anzcigcpflichi sind befreit diejenigen Uniernehmen, die für das Kalenderjahr 1917 eine Anmeldung zum Waren umsatzstcmpel abgegeben haben und nicht die tm§ 8 des Ge> jetzcs genannten Gegenstände im Kleinhandel absetzen. Die Anzeige hat zu enthalten: 1. Namen oder Firma, 2. Wohnort(Sitz oder Leitung) nebst Straße und Haus. nummer des Unternehmens, 3. Art des Unternehmens. 4. Angabe der Gegenstände, die das Unternehmen umsetzt oder der Leistungen, dte cS auSsührt, nach ihrer. Handels- üblichen Bezeichnung. Werden LuxuSgegcnstände der im§ 8 deS Gesetzes bezeich- liefen Art umgesetzt, so sind sie nach der Ncihcnsolge und den Bezeichnungen des§ 8 auszusühren. Wer dieser AnmeldungSpflicht nicht rechtzeitig nachkommt. kann nach ß 38 Absatz 4 des Gesetzes mit einer Ordnungsstrafe bis zu 150 M. bestraft werden. Der Umsatzsteuer unterliegen abweichend vom Warenumsatz- stempcl nicht nur die Warenlicscrungen, sondern auch die soiiftiaen Leistungen solcher Personen, die eine selbständige ge- werbliche Tätiglcit mit Einschluß der Urcrzeugung und deS Handels ausüben, soweit die LIeseruogcn innerhalb dieser ge- werblichen Tätigkeit liegen. Der Steuerpfltcht unterliegen hiernach zum Beispiel auch Gastbausbctiiebc. BesörderungS- unternehmen, soweit sie nicht durch ff 2 Absatz 5 deS Umsatz- sleuergesetzcS ausgenommen sind, das Lagcrungs- und Ver- wahrungsgcwcrbc. das Vcrgnügungsgcwerbe, Wäscherei, Handels- betriebe jeder Art, iiiSbcjonderc auch insoweit sie Reparaturen, Instaval ionen«. ähnl. ausfübren, knicht aber die Rechtsanwälte, Privatlehrer, Acrzte und künstlerische Bcruse. DaS Umsatzstcueramt Berlin ist zuständig, sosern da»'Unier- nehmen in Berlin betrieben wird. Wird rS in mehreren Steuer- bezirien betrieben, so ist Berlin nur zuständig, wenn hier die Leitung des Unternehmens ihren Sitz, oder, wenn ein Sitz nicht vorhanden ist, der Steiicrpflichligc feinen Wohnsitz oder Aus- enthalt Hut.(Vergl. ff 34 des UmsatzsteuergesetzeS.) Berlin, den 12. August 1913. der Königlilhen Haupt- und KtSdenfkudt. Reicke. Bekanntmachung. DaS städtische Ordonnanzbaus, Neue Königstr. 21, soweit es der Eingiiartierung und Vcrpstcgung vo» Mllitärpersonen dient, soll aus die Zeit vom 1. Oktober d.I. bis 1. Oktober 1921. meist- bietend verpachtet werden. Die Leriragsbcdingungen liegen in unserm Mtlitär-Vureau, Klosterstr. 68, Erdgeschoß, zur Einsicht aus und werden dort auch gegen Zahlung von 1.50 M. abschristlich verabfolgt. Die Gebote sind schrlstlich und verschlossen unter der vc> zeichnun g.OrdonnanzhauSangelegenheil" btS 5. September d. I. einschließlich, der unlerzeichneien Deputation einzureichen. Die Eröffnung der eingegangene» Gebote erfolgt öffentlich in dem zu diesem Zwecke aus Freitag, den 6. September d. I., vor- mittags ll'/z Uhr, in unserm Bureau, Klosterstr. 68. Erdgeschoß, anberaumten Termm. Berücksichtigt werden nur solche Gebote, deren Bieter vor der Eröffnung der Gebote die Bedingungen unterschrieben und dadurch sür den adzuschllegendeii Vertrag als bindend anerkannt und semcr die Biclungssicherhctt von 100 M. bestellt haben. Berlin, den 10. August 1918. AttUtr-Dkpntation des Magistrats. Tgb. Nr. 36 Mil. 1/18. Abicilung IV. Sauste, Stadtrat. ISasiep-Cpeme-S',?,!«« hygieni scher als verderbliche Rasicr-Cremes und billiger Dose 1.50. J. W. Zimmer� Frankfurt a. ITI. 08/8* Bekanntmachung. Gemäß ff 2 und 3 der Verordnung über die Abgabe und Entnahme von Fischeil und Fischivaren vom 5. Juli 1918 wird sür den Gemeindebezirk Berlin bestimmt: 1. Aus Abschnitt II der Berliner vezugskarte entfällt »/, Kilogramm Sttl�efinge. 2. Der Kleinhandelspreis beträgt'für>/, Kilogramm Salzheringe 1,20 M. 3. Der Abschnitt der unter illr. 1 erwähnten Karte Ist in der Zeit vom 14.-17. August nur in denjenigen Geschäften gegen Quittung abzugeben, deren Zu- lassung zum HcringShandcl durch ein gedrucktes Ausbängeschild„Verlaus von Heringen aus Lebens- miilellartcn der Stadt Berlin' gekennzeichnet ist. 4. Die Kleinhändler baden die von ibnen abgenom- mcnen Karlenabschnitte gesichert verpackt, mit ihrem Namen sowie dem Namen des Großhändlirs versehen und unter genauer Bezeichnung der Menge sofort an den Magistrat, Abteilung sür Fischversorgung, Dirchenstr. 45. IV, einzureichen. Jeder Kleinhändler hat, sobald die Ware zur Stelle ist, den Verlaus zu deginnen und den Ver- kaufsbeginn durch Anschlag an einer von außen ficht- baren Stelle anzuzeigen. Berlin, den 13. August 1918. Magistrat der König!. Hnnpt- und Rkstdrnlstadt. Abteilung für Aischversorgung. Tgb.-Nr. 1800. Fisch 18. L o chnin g. 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Ein Artikel der.Deutschen Zeitung* üher das «Königreich Finnland* beginnt mit dem Satze: � Der Volkswille Finnlands hat sich, falls der gegen- wärlige Landtag in Helsingfors i h n gerreu widerspiegelt, für die Monarchie ausgesprochen. Selbst die«Deutsche Zeitung* dürfte wisien, da st der finnische Landtag nur ein Rumpfparlament ist, aus dem fast die Hülste seiner Mitglieder ausgeschlosien worden ist. Von einer Wider- spiegelung der Volksmeinung kann daher auch nicht im entferntesten die Rede sein. Fliegerangriff auf Calais. Calais, 12. August.(HavaS.) Feindliche Flugzeuge überflogen trotz Sperrfeuers die Stadt, warfen Bomben und schössen aus Maschinengewehren. Zur Wohnungsnot. Ter„Staatskommiffar für Verhinderung des Klein- Wohnungsbaues". Die vom Reiche unter Beteiligung der Bundesstaaten und der Gemeinden in Aussicht genommene Aktion zur Abbürdung der Bau- kostenüberteuerung der Kleinwohnungsbauten während des Krieges und in der UebergangSzeit wird— wie der Staatskommissar für Wohnungswesen soeben mitteilt— noch länger dauernde Verhand- langen erfordern. Trotzdem sollten die Gemeinden in dringlichen Fällen sofort zur Beschaffung von Wohnungen schreiten, sei es durch Neubauten, Barackenbauten oder Umbauten. Der Staats- kommissar ist überzeugt, dost alle Bauarbeiten, die jetzt borge- nommen werden, zur Sicherung ihrer Wirtschaftlichkeit Zuschüsse aus öffentlichen Mitteln erforderlich machen; es müsse aber grund- sätzlich verlangt werden, daß auch die Arbeitgeber angemessene Zu- schösse geben. „Manche Gemeinden werden aber zögern*— schreibt der Staatskommissar weiter—,«diese Zuschüsse zu geben oder mit • dem Bauen selbst vorzugehen, weil sie erst abwarten wollen, wie ■ die Grundsätze für die Beteiligung von Reich, Staat und Gemeinde an der Abbürdung der Ueberteuerungskosten endgültig gestaltet werden. Soweit hierbei die Befürchtung mitspielen sollt«, dah die schon vorher in Angriff genommenen Bauten dieser Zu- schüsse nicht teilhaftig werden könnten, erklären wir zur Bc- Hebung dieser Besorgnisse, daß fürden Fallder Bewilli- gung von Zuschüssen aus Staatsmitteln zur Errichtung von Wohngcbäuden oder Behelfsbauten usw. die festzustellenden Grundsätze für die Gewährung dieser Zuschüsse auch auf der- artige, von Gemeinden oder Gemeindcverbänden schon jetzt in Angriff genommene oder mit Beihilfen unterstützte Bauten sge- meinnütziger Gesellschaften) Anwendung finden werden.* Also«s steht noch gar nicht einmal fest, ob Zuschüsse aus öffent- lichen Mitteln gewährt werden und ob der einstimmige Beschlust des Reichstages, für derartige Zwecke 600 Millionen bereit zu stellen, durckigeführt wird. Wollten aber einzelne Gemeinden und Baugenossenschaften trotz dieser zweifekhaften Aussicht, Zuschüsse au? Reichs, oder Staats- Mitteln nachträglich zu bekommen, das graste Risiko des so» f o r t tg e n Bauens übernehmen, so dürfte diese Unternchmungs- lust endgültig unterdrückt werden durch die ausdrückliche Bemerkung des Staatskommissars, datz ein Anspruch auf Bewilligung von Zuschüssen im einzel- nen Falle aus dieser Erklärung nicht hergeleitet werden kann, und datz insbesondere die Bewilligung auch davon abhängig zu machen sein wird, datz die Notwendigkeit der Bauten nach- träglich von uns anerkannt wird. Nach dieser Kundgebung ist man versucht, von einem Staats- kommissar zur Verhinderung von Klcinwohnungsbauten zu sprechen. Erstens ist es überhaupt noch zweifelhast, ob es Staats- oder Reichs- luschüsse gibt, und zweitens läuft man das Risiko, datz hinterher Bureaukrat das Kunststück fertig bringt, zu„beweisen*, datz die Äleinwohnungsbauten nicht notwendig gewesen seien, trotzdem jetzt doch kein Bau in Angriff genommen werden kann, bevor nicht nur die örtliche Baupolizei, sondern auch die zentrale Bautenprüfitclle des Kriegsamts die Dringlichkeit de- Baue? anerkannt hat und ausserdem Baustoffe auch nur nach Prüfung der Dringlichkeit frei» gegeben werden. Diese aufreizende Passivität gegenüber der schon vorhandenen und nach dem Krieg zur Katastrophe werdenden Wohnungsnot ist einfach unbegreiflich! Wenn man aber in den muffigen Amtsstuben hört, dah die Geheimräte der preutzischen Staatsvegierung sich die unbequeme Arbeit vom Halse laden wollen mit der Bemerkung:„Der Krieg ist eine Angelegenheit des Reiches, folgedessen hat das Reich auch für die Beseitigung der Wohnungsnot allein zu sorgen.. ,* und die Herren bei dew Reichsbehörden die Akten mit anderen Argumenten wiederum den Staatsbehörden zurückschicken, dann findet man allerdings eine Erklärung für diese monatelange Ver- zögerung irgendeiner Entscheidung in dieser so brennenden Frage. Bei ernstem Willen müssen und können die Mittel für Bauzuschüsse herbeigeschafft werden. Bei den durch da? Reich sub. ventionicrten Bauten der Rüstungsindustrie werden an manchen Stellen Millionen von Mark verpulvert durch unzweckm ästige und unüberlegte Neubauten, und auch bei manchen Milftärbauämtern herrscht der Grundsatz, immer jetzt feste Geld bewilligen lassen, jetzt geht's spielend leicht, so lange alles aus dem Kriegsfondö ge» nommen wird, später, wenn der Reichstag wieder die Gelder zu bewilligen hat. ist das Drausloswirtschaften nicht mehr so einfach. Wir. glauben, nicht deutlicher werden zu müssen, um die matz- gebenden Stellen zu veranlassen, auch in dieser Richtung zu ver- suchen, Gelder für von Kleinwohnungsbau frei zu bekommen. Auf Üie finanzielle Beihilfe der Gemeinden zum Kleinwohn angs- bau während des Krieges wird keine allzugroste Hoffnung zu setzen sein, denn in erster Linie sind es die Gemeinden mit starker Ar- bciterbevölkerung, bei welchen die Wohnungsnor am gröstten ist. Gerade diese Gemeinden droben aber schon durch dae bisher ent- standenen enormen Kriegslasten wirtschaftlich zusammenzubrechen. * Eine offiziöse Korrespondenz meldet: Die bisherigen Richtlinien für die Mitwirkung der Kriegs- a m t st e l l e n bei der Regelung der Bautätigkeit sind für das Bau- jähr 1918 ergänzt worden. Hauptsache bleibt es, die. Leistungs- fähigkeit der Kriegsindustrie auf dem erreichten Stande zu halten. Der Bau von landwirtschaftlichen Betriebs- gcbäudcn ist in stärkerem Masse als bisher zu fördern. Neue Aufgaben ergeben sich aus der Gestaltung der Wohnungsfrage. Das KriegSamt hält es für seine Pflicht, durch geeignete Matznahmen der schon vorhandenen oderzuerwartendenWohnungSnotvorznbeugen. Die Kriegsamtstellc» jmi» daher angelmefe» worden, soweit eine Wohnungsnot wirklich besteht und die Dringlichkeit ihrer Beseiti- gung nachgewiesen ist, die erforderlichen Bauten wirksam zu unter- stützen und die benötigten Baustoffe freizugeben. Die Feststellung der Dringlichkeit erfolgt im Einvernehmen mit den zuständigen Zivilbehötden. In Betracht kommen: A. Umbauten und Ausbauten, insbesondere Umbau von größeren Wohnungen durch Zerlegung in kleinere, eine Mast- nähme, die meist ohne erhebliche Schwierigkeiten ausführbar und nach Möglichkeit zu fördern sein wird. Ausserdem kommen in Frage Ausbau der Dachböden für Wohnzwecke sowie Neuanlagc von Kellerwahnungen, letztere sind jedoch nur zulässig in ganz besonde- reu Notfällen und unter baulich und gesundheitlich besonders günstigen Verhältnissen bei schärffter Beurteilung. L. Notstandsbauten, z. B. Baracken in behelfs- mästiger Ausführung, ein Aushilfsmittel zur beschleunigten Beseiti- gung der Wohnungsnot, das nur in dringenden Ausnahmefällen zu empfehlen ist. C. Neubauten, a) Fertigstellung der stillgelegten Wohnungsbauten: Die Weiterführung ist von Fall zu Fall zu prüfen und kann, wenn es die Verhältnisse einigermaßen zu- lassen, namentlich bei geringen Anforderungen an beschlagnahmten Baustoffen, genehmigt werden. b) Bau von Einzelwohn- und Gruppenhänsern. Die Anträge sind von Fall zu Fall zu prüfen, jedoch unter schärfster Beurleclung, soweit es sich um grötzere Wohnungen handelt. Luxus- bauten sind verboten. c) Kleinwohnungsbauten sind mit allen Kräften zu fördern. Anträge aus der Industrie auf Herstellung von Arbeiterwohnungen sowie seitens der Gemeinden sind der Bautenprüfftelle umgehend zur Prüfung vorzulegen. Die Genehmigung ist abhängig zu machen von der Zusfimmung der zuständigen Landes- und Gemeinde- behördsn. Die Kriegsamtstellen sind angewiesen worden, die zur Förde- rung dieser Aufgaben etwa erforderlichen Einzeldispensc oder grundsätzlichen Dispense von den bestehenden seuer- und bau- polizeilichen Vorschriften bei den zuständigen Behörden zu er- wirken. Eine Entscheidung über den Zeitpunkt, an dem nach dem Kriege die unter A genannten neu entstandenen Wohnungen ge- räumt werden müssen, hat durch die jeweils zuständige Regierung (in Preußen durch den Oberpräsidenten) zu erfolgen. Für die Zuführung der notwendigen Baustoffe ist als Grundsatz festzuhalten, datz die nächstgclegcnen Bezugsquellen zu wählen sind und daß Landfuhrwert sowie Wasserwege für den Transport mög- lichst ausgenutzt werden._ der Ruf nach üem tzauptausschuß. > Die„Deutsche Tageszeitung" wendet sich gegen die vom„Berliner Tageblatt* geforderte Einberufung des Haus- haltsauSschusscs des Reichstages. Das agrarische Blatt .schreibt: „Es dürfte keinem Zweifel unterliegen, datz das„Berliner Tageblatt* mit dieser Bedllrfniscmpfindung nicht gerade die Spitze der Mehrheit des deutschen Volkes hinter sich hat. Die hungert wirklich in diesen Tagen ernster Entscheidungen nicht nach neuem parlamentarischen Gezänk, nicht nach Aktionen der Verzichtsmehrheit zur Festlegung deS neuen Mannes, der das Steuer der auswärtigen Politik führt, nicht nach neuen abgepreßten Erklärungen, nach dem Muster der letzten de« Kanzlers über Belgien. Und der Hauptausschust selbst sollte sich schliestlich erinnern, wie unsterblich seine Mehrheit sich im Kriege bezüglich der Verhältnisse in der Ukraine blamiert hat, und auf den Ehrgeiz, aus den weiter nördlich gelegenen Gebieten Anlässe zu neuen Blamagen zu holen, verzichten. Wenn je, so gilt in diesen wahrhaft ernsten Wochen das Wort des Kanzlers, auf dem er leider nicht fest genug bestehen blieb:»Jetzt ist nicht Zeit zu Worten, sondern zu Taten.* Diese Argumentation deS alldeutschen Blattes spricht eigentlich sehr dafür, daß der HauShaltsausschuss zu- sammcnberufen wird. Auf der anderen Seite möchten wir das„Verl. Tagebl." fragen, ob es annimmt, baß Zentrum und Fortschrittspartei nun bereit sind, gemeinsam mit der Sozialdemokratie etwas Entscheidendes zu tun, um Ordnung in die deutsche Politik zu bringen._ Der Zwiespalt im Zentrum. Zurück zu Ketteler.— Katholische Arbeiter gegen Geistliche. Die Richtlinien für die Parteiarbeit d«S Zentrums, das sog» neue Programm, wurden mit der zugestandenen Absicht geschaffen, die Partei über den nahezu unüberbrückbar scheinenden Zwiespalt hinwegzubringcn. Mit dem Hinweis auf die neuen Richtlinien glaubte noch die„Kölnische Voltszeitung* die wuchtige Kölner Rede Stegerwalds abtun zu können. Sobald diese Rede aber im Druck vorliegt, wird sich zeigen, datz der rollende Stein nicht mehr aufge- halten werden kann, denn Stegerwald ist nur da? Instrument einer Bewegung unter den ZcntrumSproletariern, einer Bewegung, die seit Monaten in unaufhaltsamem Anwachsen begriffen ist. Es wird viel zu wenig beachtet, daß Stegerwaids rücksichtslose Angriffe auf die Zentrumspolitik nur eine zweite Auflage der Reden sind, die einen Monat vorher in Bochum vor 2000 rheinisch-westfälischen Arbeiter-Zentrumswählern die katholischen Arbeiterführer K l o f t, Vogelfang, Wieber, Brust u. a. gehalten haben. Dort ist unter stürmischer Zustimmung erklärt worden, daß die katho- tischen Arbeiter unter keinen Umständen mehr ihreStimmeeinem Parteikandidaten geben wer- d.en, der ein Gegner des gleichen Wahlrechts ist, > oeder bei Landtags-, noch bei Reichstags-, noch bei Gemeindewahlen: sie würden, wenn nötig� da? gleiche Wahlrecht mit anderen Parteien gemeinsam durchzubringen versuchen. In ihrer jüngsten Nummer berichtet die katholische„Westd. Arbeiterztg.*(M.°Gladbach) über eine Konferenz von Vertrauens- männern der katholischen Arbeitervereine des Kreises Köln- Mülheim. Diese haben sich einstimmig für das gleiche Wahl- recht erklärt und Protest erhoben gegen eine Anzahl Geistlicher, die „katholische Arbeiter gegen katholische Arbeiter ausgespielt und da- durch eine große Erregung unter den Arbeitern* hervorgerufen hätten. Gegen„solche Anmaßungen einzelner Herren legen die Vertrauensmänner entschieden Verwahrung ein*. Man muß bedenken, daß es katholische Arbcitervereinler sind, die in einem solchen Tone zu geistliches Herren reden, und man mutz sich klar darüber sein, was ein katholischer Priester für katholische Prole- tarier bedeutet: er ist für sie nahezu ein Wesen höherer Art, wird „Hochwürden" und„Ehrwürdiger Vater" angeredet. Aber das ist nicht alles: Die Konferenz, beschloß ein Mitzbilligungs- Votum gegen den den katholischen Arbeitervereinen vom Erz- bischof hingesetzten Bezirkspräses, den Geistlichen Rektor v. Weschpfennig(Mülheim), weil er sich als Gegner deS gleichen Wahlrechts betätigt und sich an den erwähnten Treibereien beteiligt hat. Und überdies wurde dieses Mistbilligungsvotum mit der Aufforderung an den Herrn,„seine bisherige Haltung einer Revision zu unterziehen*, in dem in hunderttausend Auflage er- scheinenden Verbandsorgan veröffentlicht. Der Vorgang steht einzig da in der Geschichte der katholischen Arbeitervereine. Er zeigt, wie grost die Erbitterung ist, in die die Arbeiteranhänger deS Zentrums durch dessen Politik gekommen sind. Zur selben Zeit steht ein anderer Ankläger im bürgerlichen Flflgcl d« ZcnftMnspaxtei auf. Das«Dü�efd-or�er Tage. blatt", nächst der„Köln. Volksztg." das bed-ufendste wesl- deutschen klerikalen Organe, nnterzieln>n viec cirrikeln die ganze b i s h e r i g e P o l i t i k des Z e n r r»>p s einschließlich des evcn veröffentlichten„neuen Programms" einer vernichtenden Kritik. Abgesehen von den kirchenpolitischen Forderungen habe das Zentrum gar kein Programm; seine Politik sei lediglich taktisch, niemals gru üb s ä tzl i ch orientiert;>es habe keine politischen Ziele und Ideale, für die die Massen sich begeistern könnten. ES habe lediglich der Rcgierung die Auf- gäbe der Verständigung und des Ausgleichs der Interessen und Parteien abgenommen. Die„Parteilehre* des Zentrums stehe stau in einem Programm in Wahlaufrufen. Dadurch habe das Zentrum eine Beweglichkeit und S ch in l c g s a m f e i t erlangt, die das 11 m- lernen immer leicht machte, aber in immer weiteren Wählerkreisen werde der Mangel grundsätzlicher Bestimmtheit als Schwäche empfunden und habe zweifellos manche Entfremdungen zur Folge gehabt. Das Zentrum müsse„mit dem Bekennt- nis zur christlichen Weltanschauung Ernst machen; es mutz seine ganze politische Arbeit mit dem Geist des Christen- tums erfüllen"; bei„vielen und wichtigen Aufgaben* habe das Zentrum„bisher die chri st licheWcltan schauung allzu wenig um Rat gefrag t". In den Reden und Schriften der Ketteler, Moufang, Schings und Hitze finde man die heute noch gültigen Richtlinien für eine staatliche und gesellschaftliche Neuordnung im. christlichen Geiste, um die kapitalistische Wirtschaftsordnung zu überwinden. Das Zentrum müsse treiben: christlich-soziale Politik. Bischof Ketteler hat im Jahre 1871 ein Programm für das Zentrum auisgcarbcitet. Man winkte ab, weil man erstens über- Haupt kein Programm wollte, und zweitens ganz besonders kein? im Geiste Kettelcrs. Heute aber ist das Zentrum weiter denn je entfernt von den Ideen der christlichen Sozialpolitik von dazumal. Es hat seinen Frieden mit dem Kapitalismus gemacht und ist regierende Partei geworden. Das vornehme Unternehmerblatt. Ein Tenunziantenstück der„Rheinisch- Westfälischen Zeitung". Eine denunziatorische Höchstleistung hat das Essener Blatt der rheinisch-westfälischen Schwerindustrie zuwege gebracht. Wegen be- kannter Vorgänge auf einer Berliner Kriegsbeschädigtenversammlung hatte vor einiger Zeit das Oberkommando in den Marken unserem Redaktionsmitglied Kuttner jede Tätigkeit für den von ihm mir» begründeten«Neichsbund der Kriegsbeschädigten und ehemal. Kriegs» teilnehmer* untersagt. Gleich daraus setzte von alldeutscher Seit« eine systematische Verleumdungskampagne gegen den Gemäss» regelten ein, dem u. a. nachgesagt wurde, er habe die Gelder zur Gründung des ReichSbundcS von russischen Bolsche» w i st e n(!) erhalten. Eine Variante dieser Behauptung brachte auch die«Nheinisch-Wesisälische Zeitung", worauf ihr Kuttner eine pretzgesetzliche Berichtigung zuschickte. AuS Wut darüber, datz es diese abdrucken mutzte, versah das Unternehmerblaft den Abdruck mit dem dcnunziatorischen Hinweis, Kuttner habe durch die Einsendung der Berich- ligung gegen das ihm vom Oberkommando in den Marken auf- erlegte Verbot verstoßen. Offenbar hatte die«R.-W. Z." geglaubt, im Schutze deö Verbotes unwidersprochen ver- leumden zu können. Bei dieser einen Denunziation, die zunächst keine Folgen hatte, blieb es jedoch nicht. Die«R.-W. Z." hatte nämlich zu der Fest- stellung der Berichtigung, daß der Reichsbund von keiner Seite finanzielle Unterstützung erhalten habe, allerhand zweifelnde Zusätze gemacht, die in dem Schlüsse gipfelten, an ihrer ursprünglichen Behauptung müffe doch etwas Richtige/ sein. Das veranlatzte Kuttner zur Einsendung einer zweiten Berichtigung. Diese erschien jedoch nicht im Druck. Dafür erhielt ihr Einsender dieser Tage eine Vorladung auf daS Berliner Polizeipräsidium. Dort wurde ihm eröffnet, er fei angeschuldigt, gegen daS Verbot des Oberkommandos in den Marken verstoßen zu haben, und als Be- weiSstück wird ihm vorgelegt— daS Original eben seiner an die „Rheinisch-WestfSlische Zeitung" gesandten Berichtigung. Wohl- gemerkt: die Berichtigung ist niemals der Oeffentlichkeit bekannt geworden, ihr Original aber liegt bei den Akten deS Ober- kommandos in den Marken I Wie eS dort hingekommen ist, dafür gibt eS nur eine Möglichkeit. Die gebührende Bezeichnung für die Handlungsweise der «Rheinisch-Westfälischen Zeitung* zu finden, überlassen wir unseren Lesern. Eine Erklärung findet sich vielleicht darin, daß das schwer- industrielle Organ selbst ein starkes Interesse zur Sache hat. Einer ihrer Redaktcure, Herr Schneider, ist nämlich Vorstandsmitglied des gelben Essener KriegSbeschädigtenvetbandeS, der sein Leben von den Geldern der Firma Krupp und anderer Schwerindustrieller fristet. Wer die Kampsesweise dieses gelben Verbandes kennt, wundert sich über nichts.... Was man nicht entbehren kann. Das Baterland und der Gehrock. Die„Deutsche Tageszeitung" bringt folgenden bekannten Aufruf:* Die Opferpflicht für paS Vaterland verlangt von allen die Abgabe entbehrlicher Anzüge für die kriegswichtige Heimarmee und Landwirtschaft. Gleich darunter aber einen Artikel, der in folgenden Sätzen ausklingt: Graste Sorge bereitet eS, daß viele Berufe, wo der Dienst» aufwand einfach mehr Garderobe verlangt, als sie z. B. mancher Bureaubeamte nötig hat, wegen scheinbar überflüssiger Kleidung auch zur Ablieferung aufgefordert werden könnten. Es wird u. a. auf die Personen, die bei Prüfungen und Inspektionen zu tun haben, hingewiesen, so Iß B. Geist- liche, Schulinspektoren usw. Diese können bei ihrer öffentlichen Arbeit Gchrockanzüge außer ihren häuslichen Anzügen gar nicht entbehren. Mindestens sollten diese für das Amt er- forderliche Sachen bei weiterer Ablieferung in Anrechnung kommen.' Gegen die Abforderung von Anzügen nach den geplanten Richtlinien läßt sich gewiß mancherlei einwenden, aber daß der Herr Pastor und der Herr Inspektor onhe Gehrock nicht prüfen und nicht inspizieren können, ist denn doch eine Vor- stellung, die zu dem sonst soviel berufenen Ernst der Zeit wenig paßt._ Letzte Nachrichten. Demonstrationen und Zusammenstöße in Kopenhagen. Kopenhagen, 12. August.(W.T.B.) Hier haben stürmische Demonstrationen der S y n d i k a I i st e n stattgefunden, wobei es zu recht bösartige» Kämpfen mit der Polizei kam,.. HewerkschaflsbewMng Tarifbewegung in der Maft-Zchuhbranche. Die im Verbände der Schuhmacher orqnnisiericn Schogarbeiter der Matzbranche beichäfligten sich in einer am Montag im Gewerk« schaflshmise abgehallenein gut besuchten Versammlung mit der Lc- ratung eineZ neuen, von der SchlichtungSkominission vorgelegten Lohntariss. Hamm acher als Vor sitzender bemerkte ein» leitend, dah die Annahme des im April von den Arbeitgebern ge- machten Angebots, auf den Grundlohn des FricdenstarifS eine ISO prozentige Erhöhung nur für die Dauer des Krieges zu gewähren, von den Kollegen sehr bald als schädlich empfunden worden sei. Die Vertrauensmännerkonferenz babe sich deshalb erneut mit der Tariffrage beschäftigen müssen und sei zu dem Resultat gekommen, zum nächsten zulässigen Tarifkündigungslermin(15. Augustf neueLohnforderungen einzureichen. In eingebenden Beratungen habe die Schlichtung?» kommission einen neuen Tarif ausgearbeitet, der auf der Basis des Grundlohne« iHcrrenarbeit I.Klasse 20 M., II. Klasse 18 M.: Dainenarbcit I. Klasse 19 M., II. Klasse 17 M.> für die eitirclne» Positionen des Tarifs eine Erhöhung der Preise um 110 bis 180 Proz. Vorsicht, die auch für die künftige Friedens- zeit in Geltung bleiben sollen. Die Festsetzung einer hierneben noch zu fordernden Kriegszulage sei Aufgabe der Versammlung. In lebhafter Diskussion wurden sodann die einzelnen Positionen durchgesprochen und der Vorschlag der Schlichtung?- kommission als das mindeste dessen bezeichnet, wo« notwendig sei, um einesteils der Verteuerung aller Lebensbedürfnisse ein Gegen- gewicht zu bieten, dann aber auch die Lage der Arbeiterschaft in künftigen Zeiten weiter erträglich zu gestalten. E i n st i m m i g angenommen wurde sodann der Antrag, den bis 1. Oktober geltenden Tarif am 1. Aug» st zu kündigen und für eine» neu abzuschließenden die Vorschläge der Schlichtung«» kommission zit züglich eines Kriegszuschlags von 50 Prozent als Forderungen zu stellen. Ferner beschäftigte sich die Versammlung init der angesichts der ständig steigenden Verteuerung aller Arbeilsmaterialien geradezu brennend gewordenen Frage der F o u r n i t u r e n l i e f e r u n g. Es gelte, bei Gelegenheit der Tarifrevision auch den Mißstand ans der Welt zu schaffen, daß der Arbeiter Garne und andere Materialien aus der eigenen Tasche bezahlen und dadurch seinen Verdienst schmälern müffe, obgleich festgestellt werden könne, daß in einzelnen Geschäften die Fournitur der Kundschaft mit in Rechnung gestellt werde. Wenn die Arbeitgeber in dieser Frage bezüglich der Heimarbeiter Schwierigkeiten machen sollten, so müsse darauf verwiesen werden, daß einmal die Arbeiter schon lange die Schaffung geregelter Betriebswerkstätten verlangen, andererseits aber auch die Berech- nung der zu den einzelnen Arbeiten notlvendigen und auch den Heimarbeitern zu liefernden Furnitur durchaus möglich sei. Der Antrag, bei der Tarifrevision die freie Lieferung der Furnitur zu verlangen, fand einstimmige Annahme. Zur Frage der Gewährung eines bezahlten Urlaubs wurde nach kurzer Debatte der Antrag angenommen, auch diese Forderung bei der Tarisrevision zu vertreten, und zwar in folgender Staffelung: Bei einer BeschättigungSdauer von 6 Monaten bis 1 Jahr 3 Tage, 1 bis 3 Jahren 6 Tage, 3 bis 6 Jahren 10 Tage und über 6 Jahre 1t Tage Urlaub. In den Kreisen der Arbeitgeber der Maßbrancke machen sich in letzter Zeit Bestrebungen auf Schaffung eines Reich«- t a r i f S geltend. Zu einer demnächst stattfindenden vorbereitendep Besprechung wurde für Berlin der Kollege Blasiert delegiert. Generalversa»nmlung der Transportarbeiter. Der Deutsche Transportarbeiterverband, Bezirk Grotz- Berlin, hielt am Montag seine ordentliche Generalversammlung für das 2. Quartal ab. Bei Erläuterung deS Geschäftsberichts wies der Bezirksleiter Werner darauf hin, dah zu den hohen Lebens- mittelpreisen jetzt noch die unerschwinglich hoben Preise aller Be- darfsartikel kommen, so. daß von einer wirtschaftlichen Besserung nicht geredet werden könne. Es müsse daher unsere Aufgabe sein, die Lohnverhältnisse der Teuerung anzupassen. Lohnbewegungen fanden im letzten Quartal bei 180 Firmen mit 12 199 Beteiligten statt, wodurch eine Lohiierhöhuiig von 55 938,05 Mark erzielt wurde. Die Agitation erstreckte sich auf 599 Zusammenkünfte. Neu- ausnahmen wurden 741 männliche und 092 weibliche, in Summa 1433 erzielt. Der Mitgliederbestand betrug am Ende des zweiten Quartals 16 068. Der Kassenbericht ergab eine Einnahme und Ausaabe von 199 701,95 M. Der Kassenbestand betrug am Schluß des Quartals 37 774,97 M. Am Schluß des Berichtes wie? der Bezirksleiter darauf hin. daß der Tarif der Rollkutscher und Bodenarbeiter von der Organi- sation gekündigt worden ist. In dem neuen, den Unternehmern eingereichten Tarif wird neben Erhöhung deS Lohnes, Verkürzung der Arbeitszeit und Be- zahlung der Sonntagsarbeit verlangt. Die Spediteure haben darauf geantwortet, daß sie den neuen Tarif rundweg ab- lehnen, aber einer Erhöhung des Lohnes um 9 M. wöchentlich zustimmen. Demgegenüber stehen die Rollkutscher und Boden- arbeiter auf dem Standpunkte, unter allen Umständen mit den Unternehmern in Verhandlung zu treten, um eine Einigung herbei- zuführen., In der Diskussion wurde gewünscht, daß künftig in dem ge- druckt vorliegenden Kassenbericht die Ausgaben für Unterstützungen von den persönlichen und sächlichen getrennt und mehr spezialisiert werden möge. Dem soll Rechnung getragen werden. Zwei vor- liegende Anträge, die in einzelnen Fällen Urabstimmung und vor der Generalversammlung eine Funktionärversammlung wünschten, gelangten ohne Diskussion zur Ablehnung.* Kein freier Sonnabcudnachmittag bei Krupp. Im Beisein von Vertretern deS KriegSamts Berlin, Münster und Düsseldorf fand im Essener Raihans eine Verhandlung deS SchlichtungsauSschusfes statt, in der über die Forderung des Ar- beiterausschustes der Firma Krupp auf Freigabe des Sonnabend- riachmittags beraten wurde. Der nach mehrstündiger Ver- Handlung gefällte Schiedsspruch stellt fest, daß die Forderung der Arbeitervertreter auf Arbeitszeitverkürzung zurzeit einen erheblichen ProduktionSauSfall ergeben würde. Dem Ver» langen nach. Arbeitszeitverkürzung könne nicht stattgegeben werden, da die Vertreter der Heeresverwaltung er» klärten, daß ein solcher Ausfall unter keinen Umständen ertragen iveiden könne. Dagegen wurden die Arbeiterverlreter auf die Er- klärung der Vertreter der Firma Krupp verwiesen, daß sofort nach Fortfall der Kriegsnotwendigkeiten eine anderweitige Regelung der Arbeitszeit nach allen Richtungen wohlwollend geprüft werden sollte. Es soll jedoch sofort in eine Prüfung der Anregung der Arbeiter- Vertreter eingetreten werden, ob nickt in einzelnen Betrieben Arbeitserleichterungen stattfinden könnten. Der für die gesamte Kriegsindustrie wichtige Schiedsspruch wurde einstimmig gefaßt und beide Parteien haben sich ihm sofort unterworfen. « In Solingen wurde eine erhebliche Arbeitszeitverkürzung durchgesetzt. Eine von 2000 Personen besuchte Arbeiierversammlung stimmte den Vereinbarungen mit den Arbeitgebern zu, wonach die Arbeilszeit. die bisher 55 bis 63 Stunden, durchschnittlich 54'/, Stunden, wöchentlich betrug, in der ganzen Industrie einhenlich auf 54 Stunden, für Feuerarbeiter auf 52 Stunden wöchentlich herabgesetzt wird. Alle Arbeiter, auch die Akkordarbeiter, erhalten für die ausfallende Arbeitszeit eine Lohnentschädigung. Unternehmer und Angcstelltenvcwegung. In Duisburg fand vorige Woche eine imposante Auge- stelltenversammlung staft, deren Verlauf zeigte, daß die Angestellten mehr und mehr ihre Klassenlage zu erkennen beginnen. Diese Versammlung Hai auf die dortige Großindustrie einen nachhaltigen Eindruck gemacht. Bemerkenswert ist eine Auslassung der„Bcrgwcrkszeitung", die im Anschluß an den Versammlungs- bcricht sich wie folgt äußert: „Die in ihr(der Versammlung) zum Ausdruck gekommene Stimmung scheint typisch zu sein für die heulige Denkungs- weise sehr weiter Kreise der Angestellten. Diese Folgerung kann geschlossen werden daraus, daß den radikalsten Ausführung.» der Redner nicht widersprochen wurde, daß im Gegenteil der Bei- fall um so stärker und nachhaltiger war, je radikaler die Gedanken und Worte der Redner klangen. Daß selbst eine Organisation, wie der Gruben- und Fabrikbeamtenverband, der sonst auf gemäßigtem Boden steht, derartigen Kundgebungen sich anschließt und sogar in der� letzten Nummer seiner Zeitung seine Mitglieder wiederholt zu zahlreichem Besuche auffordert, besagt genug. Von Verständigung war nur an sehr wenig Stellen die Rede. Widerhall fanden diese Worte überhaupt nicht. Dagegen erfreuten sich die Forderungen auf nachdrücklichen Kampf des größten Beifalls. Besonders bedenklich erscheint auch vom Standpunkt der Angestellten die Bildung einer Einheitsfront mit den Kampfgewerkschaften. ES besteht die große Gefahr, daß die Sozialdemokratie sich auch der Angestelltenbewegung bemächtigt. Die früher gemäßigten Verbände haben, wie der Verlaus der Versammlung klar erwies, die Führung vollkommen verloren.. Selbst wenn sie wollen, können sie nicht mehr zurück. Nach den Erfahrungen der letzten Zeit ist eine sehr schnelle Linksentwicklung höchstwahrscheinlich. Vielleicht gebrauchen die Angestelltenverbände zu einer Entwicklung, zu der die Kampf-- gewerkschaften 30 bis 40 Jahre benötigt haben, nur noch 2 oder 3 Jahre. Bisher haben erst wenige Arbeitgeber erkannt, wie wich- tig es ist, die Organisationsbestrebungen derjenigen Angestellten zu unterstützen, die mit der Werkleitun.g friedlich ver- handeln wollen. Wenn Bestrebungen dieser Art in Zukunft nicht eine ganz andere Berücksichtigung erfahren, können sehr leicht Folgen eintreten, die in ihrer Schwere jetzt noch nicht übersehbar sind." Wer pon den Angestellten noch nicht überzeugt sein sollte, daß sie nur durch festen Zusammenschluß etwas erreichen können, der wird durch die Drohung auf Züchtung und Unterstützung gelber Angestelltenverbände wohl belehrt worden sein. Verkürzung der Arbeitszeit in der sächsischen Metall- industrie. Der'Metallarbeiterverband. Verwaltungsstelle Dresden, ist in eine Bewegung zur Herbeiführung einer kürzeren Arbeitszeit ein- getreten. In einer ganzen Reihe von Betrieben wurden den Unter- nehmern durch die Arbeiterausschüsse Beschlüsse von BetriebSver- sammlungen unterbreitet, die eine Verkürzung der Arbeitszeit for- dern. Die U-iiternehmer haben den Wünschen der Arbeiterschaft jedoch nicht Rechnung getragen, sondern darauf verwiesen, daß diese Fragen von Organisation zu Organisation geregelt werden müßten. Hierauf hat eine Besprechung der Beauftragten der Metallarbeiter mit dem Vorstand des MetallindustricllcnverbandcS der Kreishaupt- Mannschaft Dresden stattgefunden. Von den Unternehmern wurde eine Verkürzung der Arbeitszeit als nicht durchführbar erklärt. Sachsen habe schon im allgemeinen die kürzeste Arheitszeit in ganz Deutschland, eine weitere Herabsetzung sei nicht notwendig. Im übrigen würde durch ein« Verkürzung der Arbeitszeit ein merklicher ProduktionSauSfall eintreten.— Eine Versammlung der Metall- arbeiter beschäftigte sich jetzt mit dieser Angelegenheit. Es wurde ausgeführt, daß die Frage der Arbeitszeitverkürzung nicht wieder von der Tagesordnung verschwmdcn werde. Nicht ganz mit Unrecht könnten die Industriellen ir.S Feld führen, daß eS einen großen Teil von Arbeitern �und fpezwll Arbeiterinnen gäbe, die durck Ueberstunden den Beweis erbringen, daß eine 53stündige Arbeitszeit noch längst nicht daS Höchstmaß von zu leistenden Arbeitsstunden sei. Verschiedene Behörden vertreten, so wurde weiter betont, die Auffassung, daß eine Arbeitszeitverkürzung gleichzeitig auch Pro- duktionSausfall bedeuten müsse. Sie rechneten aber nicht damit, daß die heutige Ernährungsweise einen Zusammenbruch unserer ganzen Volkswirtschaft mit sich bringen müsse, wenn nicht durch eine Ver- kürzung der Arbeitszeit die Arbeitskraft des einzelnen sowie die der Allgemeinheil geschont werde. Für die Arbeiter sei also letzten Endes die Frage der Arbeitszeitverkürzung eine Existenzfrage.— Die KriegSamtstclle XII glaubt, daß die Einführung des Acht- stundentages nur auf breitester Basis, d. h. nur für ganz Deutsch- land, geregelt werden könne. Die Zentralvorstände der Gewerk- schaften müßten eventuell in Verhandlungen mit dem Kriegsanit Berlin treten.— Die Versammlung der Metallarbeiter protestierte schließlich gegen den ablehnenden Bescheid der Industriellen. Anschlusi an den Reichsbnnd. Die Ortsgruppe Groß-Berlin deS Bundes Deutscher Kriegs- beschädigter, Sitz Hamburg, bat in ihrer Veriammlung vom 4. August ihre Auflösung beschlossen und dem Reichsbund der Kriegsbeschädigten und ebemaligen Kriegsteilnehmer das Mitglieder« Verzeichnis zwecks Aufnahme der Mitglieder in deir Reichsbund zur Verfügung gestellt. Die Berliner Mitglieder des Hamburger Bundes haben damit zum Ausdruck gebracht, daß sie auf dem Boden der Einigung stehen und die Zersplitterungstäiigkeit ihrer Bundcsleitung in Hamburg nicht billigen. Parteinachrichten. Das Wahlrecht darf nicht besprochen werden. In zwei Mitgliederversammlungen der Partei im Bezirk der Stadt Dortmund sollte Reichstagsabgeordneter M. König am 11. August über die Tätigkeit der Reichstagsfraktion berichten. Beide Versammlungen wurden aber nur mit der Ein- ichräukung genehmigt, daß über das Wahlrecht nicht gesprochen wer- den dürfe! Die Versammlungen sollten hauptsächlich der Klärung von Meinungsverschiedcnheircn Sienen, die hier und da über die letzte Zustimmung zu den Kriegskrediten entstanden waren. Dem Bericht des Genossen König folgte bei sehr gutem Besuch auch eine ausgiebige Aussprache, in der sich erwies, daß es hauptsächlich die Mängel der Lebensmittelversorgung sind, die eine fast verzweifelte Unzufriedenheit schaffen; auch die Teuerung, mit der die Löhne nicht Schritt halten, verursacht wachsende Erbitterung. Aus allen Ausführungen aber klang das steigende Mißtrauen in die Regierung wegen ihrer Haltung in ber Wahlrrchtsfrag« und dem Abschluß des OstfriedenS. Im Bezirk Dortmund-Eving konnte der Versamm- lungSleiter in bezug auf die Fraktionspolitik die volle lieber- « i n stimm un g mit dem Vortragenden feststellen, während in Dortmund-Stadt folgende Entschließung einstimmig angcnom- men wurde: „Die Mitgliederversammlung des Sozialdemokratischen Ver- eins der Stadt Dortmund erklärt sich mit der Zustimmung der Reichstagsfraktion zu den Kriegskrediten«inverstanden. Sie billigt die Aribeiten der Fraktion und erkennt an, daß sie im Interesse der Arbeiterklasse geschehen, sind. Doch erwarten die Versammelten, daß die Reichstagsfraktion der Regierung den schärfsten Kampf erklärt, wenn sie von der Babn des VcrständigungsskiedenZ abgeht und den Krieg nicht beendet, w:nii die Gegner zu einem ehrenvollen ""rieben bereit siffd oder die Regierung ihre Zusagen einer frei- eitlicheren Verfassung Preußens nicht erfüllt. Die Versammelten erkennen ferner an. daß die Fraktion in der LcbenSmittelfrage pflichtbewußt gehandelt hat, aber, sie wünscht, daß die Regierung ganz entschieden zu einem bessereu ünd gerechteren System der Versorgung gedrängt und vor allem dem Höchstpreis- Wucher der verschiedenen Reichsstellen ein Ende gemacht wird, Die ReichStagSfraktion muß., entschieden gegen den Maulkorb protestieren, der jetzt dem Volk in- der Wahlrcchtsfragc angelegt wird, da er eine Beleidigung und Entwürdigung der Bevölkerung ist, die in diesem Kriege ganz ungeheure Leistungen vollbracht hat." Zur Taktik der Partei nabm eine Kreiskonierenz ftir Bonn- R h c i ii b a ch Stellung. Nack einem Vortrag des Genossen S o l I m a Ii ii(Köln) wurde einstimmig dieselbe Entschließung wie in Köln angenoninien, die von uuS ichon vciöffeinlicht ist. Auch die Wabüreisorgauiiation in Trier stellte sich auf den Boden der Kölner Entschließung, ?nöustrie unö kanöel. Die Fabrikation künstlichen Gummis. Die„Fraulfiirtcr Zeitung" berichtet üßcr die Möglichkeit der Gi'mmifabrilat'on aur künstlicher Grundlage im Jnlande. Die Diskussion über den fhinhctiichen Kautschuk wurde angeregt durch eine Meldung. wonach die F a r b e n i a b r i k e n vorm. Friedrich B o y e r u. Co. in Leverkusen umfangreiche Neuanlagen für künstlichen Kautschuk bcrstellen. Ueber dieies Pro- blem bat die zustäiidigstc Stelle, Geheimrat Duisberg, bei Entgegen« nähme der ihm verliehencii Bunienmedaille im Frühfabr Aufschluß gegeben. Dgnach war technisch das Problem schon im Frieden ge- löst worden; man hatte aber die bereits aufgenonimene Herstellung wieder einstellen müssen, als der Preis für Plantagen» gumiili von 30 M. auf 4 M. das Kilogramm fiel. Als dann im Lauft des Krieges empfindlicher Gumniiinangel eintrat, waren leider die Apparate längst abgebaut, vor allein aber feblleu die Rohstoffe Aceton und Aluminiuni. Bald ober gelang es bekanntlich, beide im Inland herzustellen, und die Leistungsfähigkeit ist für Aceton wie für Aliiminiüm im ständigen Steigen: Iväbrend jener aus Kohle und Karbid gewonnen wird, wurde unter finanzieller Mitwirkung des Staates auch die Aluminiumgewinnuiig im großen aufgenommen, hauptsächlich durch Gricsheim-Ele ktron, die in Gemeinschaft mit der Metallgescllschait drei Anlagen er» richtet hat, aber auch durch andere Konzerne. Nach Erledigung dieser Wichligen Vorsrageu konnte man an die Kautschukgewinnung gehen. Diese bot relativ wenig Schwicrigkcilen, soweit Hart- gummi in Betracht kam. während Weichgummi namentlich aufäng- lich außerordentlich schwierige Probleme zu köken gab. Wie die Meldung über weitere Neubauten vermuten läßt, scheint seit jener Rede die Entwicklung nicht still gestanden zu sein, tatsächlich hört man auch von größeren Belieferungen der Gunrniiwareniabriken. Die offene Frage gegenüber allen diesen tschniichen Fortschritten ist immdr: wie verhält es sich mit der wirt- fchaftlichen Konkurrenzfähigkeit gegenüber den alten Waren? Die Frage beantworiet sich bei den vcrichie- denen Ersatzstoffen ganz außerordentlich verschieden. Synihetischcr Kautschuk— io schien es wenigstens bisher— dürfte zu den Stoffen gehören, bei denen die Konkurrenzfähigkeit reckt zweifelhaft ist; namentlich wenn man die Verkaufsoreise hört. Diese stellen sich auf ein Vielfaches der Londoner Kautfchuknoticrung. Dabei ist zunächst zu bemerken, daß Plantagenguiumi eine der ganz tvciiigen wichtigen Wellwaren ist, die infolge Ueberproduklion heilte eher billiger sind als im Frieden. Weiter aber ist zu bedenken. daß für die Vorprodukte des Kautschuks zurzeit anormale Preise zu zahlen find, einige hundert Prozent mehr als im Frieden. Und schließlich dürften die Fabrikanten nach den zurzeit üblichen Grund» sätzen ihre Kalkulalioir so„vorsichtig" wie nur möglich aufstellen. d.h. also nicht nur auf eine möglichst sofortige Amorlisalioir der Au? lagen, sondern auch auf entsprechende Gewinne hinarbeiten." Nochmals die Stapelfaser. Der.Köln. BollSztg." wird über das Ausmaß der Herstellung von Stapeliaicrgarn von einem Fachmann geschrieben: Die Ver. Glanzstoff-Fabriken, Elberfeld, die eigentlichen Führer auf diesem Gebiete, haben 25 Jahre gebraucht, um über die Kunstseideber- stellung mit großen Opfern und sachlichen Leistungen einen wirlltch brauchbaren Wollecrsotz herzustellen. Erst jetzt sind sie soweit ge» kouimc», daß ein tadelloser, die Schafwolle voll» ständig ersetzender Rohstoff hergestellt wird, der nur den Nachteil hat, daß er noch ziemlich teuer kommt, und daß er nur in beschränkter Menge hergestellt werden kann. Alles, was davon bis fetzt davon erzeugt wird, ist für den Bedarf der Heeresverwaltung beschlagnahmt und auch tatsächlich erforderlich; für den Zivilbedarf wird Stapelfaser in abiehbarer Zeit nicht zur Veriügung stehen. Zwar arbeiten jetzt bereits sechs Fabriken in Deutschland an der Herstellung des Slapeifaseirohstoffs; deren Erzeugung ist aber schon deshalb beschränk:, weil zurzeit nicht genügend Chemi» kalicn, die zur Herstellung erforderlich sind, zur Verfügung gestellt werden können. Sachverständige Kreise halten eS deshalb für ausgeschlossen. daß in den nächsten Jahren, d, b. während der Kriegsdauer, eine Erzeugung von 20 Millionen Kilo auch nur annähernd erreicht wird; demgegenüber war der regelmäßige Bedarf an Schafwolle in Deutschland bisher mehr als 200 Millionen Kilo jährlich. Die Stopelfaier tann also zunächst noch nicht den zehnten Teil des erforderlichen Wollbedarfs ersetzen und dieser Teil wird für den HeereSbedarf als Ergänzung der einheimischen Wollerzeugung Ver» wcndung finden. Dagegen ist zuzugeben, daß das Erzeugnis von Stapelfaser. wie es jetzt bergesielll wird, die Wolle vollständig ersetzt, ja noch an Haltbarkeit. Elastiziiät and Güte übertrifft, so daß sich tu künftigen Friedenszeilen die völlige Unal-hängigkeit Deutichlands von der australischen, südafrikanischen und La-Plata-Wollversorgunz ergeben wird. Reichlich 400 Millionen Mark jährlich(zu Friedens» preisen berechnet) können dadurch der deutschen Volkswirtschaft er» halten bleiben. Ein neues grosses Kohlenuntcruchmeu. Zwischen der Fürstlich Pleßschen Gcncraldirektiou unh der Firma Beer. Sondheimer u. Co., einer der größten deutschen MerallhandelSfirmen, ist ein Vertrag zustande gekommen, dem- zufolge die Frankfurter Firma an der Berwertung der Pleßschen Kohlenfelder sich maßgeblich beteiligt. Die neuen Aufschlußarbeilen sollen sobald als möglich begonnen werden. Geplant ist zunächst die Anlage eines großen Elektrizitätswerkes sowie der Bau chemischer Fabriken, um die gewonnene Kohle im eigenen Betriebe verarbeiten zu können. Das Objekt bcläufl sich insgesamt auf mehrere Hundert Millionen Marl. Die glänzende Konjunktur in der Zuckerindustrir. Der Aufsichts- rat der Trackenberger Zuckersicderet A.-G. bat beschlossen, der ordentlichen Haupivcrsammliing bei etwa gleichen Abschieibungcn wie im Vorjahr(i. B. 59 000 M.) eine Dividende von 10 Prozent gegen gegen 0 Proz. für 1910/17 und 4 Proz. für 1915/10 zur Verteilung vorzuschlagen. rvetterauSllchten für das mittlere tHordbcutf rtilanS bis ToniicrStag mittag. Mäßig warm, beränderliche Bewölkung, im Netten nur bcreinzeltc, onlich der Oder zahlreichere, grögtenteilS geringe Regen- iälle, strichweise Gewitter. Verantworlttch für Politlt! Stich Sutinct, Berlin! ftlr den Illingen Teil des Blatte« i Altred echol«, Neulllln: für iliizelgen i Throdor Glocke, Berlin. Verlag: Vorwärts- Verleg». m. 6. Berlin ttrntf; BorwärlS-Buchdruckeret und Sctlaosaiiiw.ü Paul Einger u. Co. tu Berlin. Cirbenf trotze 8, Cicrix 1 Betlagr aub Unterhalt«, gSdlatt.