Nr.£24. 85. Jahrg. Bezugspreis: BtntcIiöirl-l�OSRt. monati. l.MSRl. frct inS HauS, voraus, ah lbar.EinzlIni »hjmmcrn 10 Sfennig. Poilbezug: Moualüch. vom Bostlchalter abzuholen IJSi Ml., vom Briefträger insHauS gc- brach! 1.04 Ml Unter Kreuzband für Deatichiand und Oesterreich- Unoarn L,— MI. für das übrige Ausland <60 MI. monatlich. Versand inS Feld bei direkter Kestellun« monatl. IMM1. Poltbestellungsn nehmen an Däne» mar!. Holland. Luxemburg, Schweden und die Schweiz. Eingetragen in die Posi-sjeitungS-PreiSIist«. Erscheint täglich. Telegramm- Adresse: .eozialdemolrat Berlin». Vevlinev Volksbleltt. ( 10 Pfennig) Anzeigenpreis: DieftebengespalieneKolonelzeilekollet 80 Pig.„Kleine üln, zeigen". daS fettgedrurlte Wort 30 Psg.(zuiüssig 2 seltgedruckie Wortes. ledeS weitere Wori lö Psg. Stellengesuche und Kchlassiellenanzeigen da? erste Wort 20 Psg.. ledeS weitere Wort!0 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen iür zwei Worte. 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Nachdem seit mehreren Tagen alle feindlichen Versuche, nördlich der Avre weiter vorzukommen, blutig gescheitert sind, legt der Gegner augenblicklich den Hauptdruck seines An- griffcs aus den südlichen S ch l a ch t f l ü g e l, der aus der ersten und dritten französischen Armee unter den Gene- rälen Dcbency und Humbert gebildet wird. Während die englischen Zeitungen mahnen, die Angriffe einzustellen, da die winzigen Erfolge die g r o si e n V c r l u st c n i ch t l o h- n e n und gleichzeitig die englische ssront immer ruhiger wird, greifen die Franzosen seit zwei Tagen unentwegt die neue Froutlinic der Armee Huticr mit starken frischen Kräften an. Tilloy-Cauny sur Matz und Lassigny sind die Brennpunkte ihrer Anstürme, deren nächstes Ziel die Strastc Rohe— Noyon, deren weiteres und Hauptziel aber die Erschütterung unserer Bcrgsront südwestlich Notion darstellt. Bis heute sind durchweg alle diese Angriffe blutig zusammengeschossen und trvt, ihrer freien Beweg- lichkcit steht die deutsche Fcldlinic fest wie irgendeine alte Stcllungssront. Wo der feindliche Heeresbericht Eroberung eines Törfchcns meldet, handelt es sich um Ruinen, in denen nur deutsche Vorposten fasten. Auch der ungeheuren Tank schwärme wird die deutsche Artillerie allmählich Herr. Nach einem so- eben hier eingcaangenen Bericht liegen vor den einzelnen deutschen Divisionsabschnitten 4(1— 50 Tankleichen. Die Verluste des Gegners an grasten und kleinen Tanks gehen seit dem 8. August hoch in die Hunderte. Westfront, 13. August. Tie soeben beendete Zusammenstellung über den Einsatz und Verlust Fachs in Abwehr- und Angriffsschlacht im Juli ei gibt folgende Ziffern: im ganzen kämpften an der Aisnc und bei Reims vom 15. Juli bis zum 1. August 71 f e i n d- I i ch c Divisionen— von denen allein bei der Gegen- offensive an der Aisuc und Marne 50, darunter 1 0 a m e r i- l a n i s ch c, eingesetzt waren. Ter Gcsamtverlust des Ver- band es an gesunden Gefangenen beträgt 20 000. Wenn man die Aussage« dieser Gefangenen über die blutigen Verluste :hrcr Verbände zugrunde legt und von dieser Zahl, die meist stark übertrieben ist, nur ein kleines Drittel ansetzt, kommt nia» auf einen G e s a m t v e r I u st der Fochschen Armeen in der zweiten Iulihälftc bon 150 000 Mann. Dr. Ad. Köster, Kriegsberichterstatter. Humbert, öas nächste Gpfer öer Defaitistenhetze. Poris, 1s. August. Nur wenn diese Vertrauensmänner des Reichstags das Recht haben, stets rechtzeitig von allen politischen Vorgängen unterrichtet zu sein, und wenn ihre Stimme im Rate gehört wird und dort genau ebenso viel gilt, wie die der hinter ihr stehenden Partei, nur dann können peinliche Ueberraschunqcn vermieden, Beschlüsse, denen der Reichstag ans freiem Er- messen seine Zustimmung verweigern würde, rechtzeitig ver- hindert werden. Diese Erkenntnis ist an sich nicht nen. und auf zwei per- schiedenen Wegen hat man versucht, aüs ihr praktische Folge- rnngen zu ziehen. Zunächst war es zur Zeit des Herrn Michaelis die S u b- k o in in i s s i o n des HauptauSschusses, der die Funk- tion eines festen Bindegliedes zwischen Regierung und Reichs- tag zugedacht war. Sie arbeitete mit der Regierung.zusammen die Antwort auf die Note des Papstes aus. In jener Zeit schwebten verschiedene Pläne, diese Subkomniission zu einer dauernden Einrichtung auszugestalten, sie verfiel aber rasch wieder, weil man nach dem Sturz des Dr. Michaelis auf einem anderen, richtigeren Wege die ersten tastenden Schritte unter- nahm. Die Rcichstagsparteien sollten fortab ihre Vertrauens- männer in der Regierung selbst haben. Hertling für das Zentrum, Patzer für die Parteien der Änken, Friedberg tn Preußen zur Schaffung der Wahlreform für die- National- liberalen, das war der Anfang des parlamentarischen Systems. Cs war ein bedeutender Schritt vorwärts— es wäre das Ziel selbst gewesen, wenn aus einer starken Mehrheit eine starke Ne- gierung gebildet worden wäre, die willens und imstande war, sich gegen die von alters her übermächtigen dynastisch-militä- rischen Einflüsse zur Geltung zu bringen. Daran aber hatesgefehlt!. � Graf Hertling hat sein Amt nicht angetreten m dem Bc- wußtsein, eine neue Zeit und ein neues S y st e m zu ver- treten. Er war und blieb im Grunde genommen ein Kon- servativer von jener klügeren Art, die mit dem Zeitbedurfms Kompromisse schließt. Er ist kein Anhänger, sondern ein Germer des parlamentarischen Systems, dem er nur so viel Zu- geständnisse macht, als es unbedingt notwendig fft. Genau so wie er ja auch nicht zu den Schwärmern für das gleiche.Illam- recht gehört, sondern für dieses nur eintritt, weil es schon- gar nickt mehr anders geht. Dadurch ist aber bei aller subjektiven Ehrlichkeit, die vorauszusetzen ist, ein objektiv unklarer und un- ciM'üdftcr Aug in die Politik hineingekommen- Aeuneruch tu e-? anders geworden, mnerlich ist es geblieben wie zuvor, denn es fehlt an der Spitze des Reiches eine starke, auf daS V e r t r a il e Ii d e s V o l k e s nnd seiner Der- i r c t u n g g e st ü tz t e Persönlichkeit. Es fehlt aber auch die enge, dauernde Fühlung Mit den Parteiführern, die in parlamentarisch regierten Ländern eine Selbstverständlichkeit ist. Noch immer gilt der Abgeordnete a � der unberufene und unbeguemc Topfgucker, vor dem man aern die Türe schließt und der einem am liebsten ist, wenn er am weitesten weg ist. Noch immer ist der Reichstag nicht Träger der Reichspolitik, sondern eher rhr Objekt als eine zu bewältigende Schwierigkeit. Und was bestimmte Stellen am Grafen Hertling besonders schätzen, das ist die altcrskluge Geschicklichkeit, mit der er diese Schwierigkeit zu meistern ver- steht. Er hat die Steine aus dem Weg zu räumen, damit es die auf dem Kutschbock beguemer haben. Das ist die weit- verbreitete Auffassung..* � So kommt es, daß wir auch diesmal wieder den beinahe angstvollen Ruf nach dem Reichstag oder nach seinem Haupt- nilsschuß zu hören bekamen, ganz wie rn der Zeit, da wir noch keine„parlamentarischen" Regierer hatten. Wenn em solcher Ruf erhoben wird und Anklang findet, so ist das der beste Beweis dafür, daß die Parlamentarisierung diesmal noch in autgcmeinten Anfängen stecken geblieben ist— es liegt aber in ihm auch ein Ausdruck des Vertrauens zum Reichstag. den dieser nicht unterschätzen sollte.?fa, es liegt darin viel- leicht sogar ein gewisses Ueberinaß des Vertrauens, denn, wie schon gesagt. Wunder tun kann der Reichstag auch nicht, und wenn er erst angerufen wird, wenn das Unheil schon rm Zuge ist, wird es oft �heißen:„Zurück, du rettest den Freund nicht niehr!". �,. Hilfe kann nur eine Aenderung des Systems bringen, die wiederum nur durch eine geschloffene und entschlossene Mehrheit kommen kann. Dann werden wir auch die Paria- nientslosc Zeit sorgenfreier ertragen lernen. Die rutschen Kämpfe. M-Skau, 7. August./, Pfund gehackte Pilze, eine Sardelle, 50 Gramm Speck...". ??? So geht eS weiter. Am Schlüsse aber, in einer„zeit- gemäßen" Betrachtung schreibt die gute Frau:„Wie alles ist, so muß es sein in derWelt. und wie es auch seinmag, iuimeri st es gut im Sinne des Schöpfers." Nachdem wir mit einer gewaltigen Energieaufwendung unseren automatisch sich schüttelnden Kopf zur Ruhe gebracht haben, sehen wir uns noch einmal genau das Titelblatt an: es stimmt: 1918...' Verehrte Verfasserin, wenn wir auch unsererseits ans Rezeptemachen gingen, etwa folgendermaßen: Man nehme das Kochbuch der Frau Klingenianu und schmeiße es in den äußersten Winkel--, so würden Sie das jedenfalls für un- höflich halten. Wir beschränken uns darum auf die gewiß nicht unbillige Frage: Für wen haben Sie diese„Rezepte" über- Haupt geschrieben?? Uns gewöhnlichen Großstädtern, die wir weder Munitions- aktien noch einen Vetter auf dem Lande haben, fehlen nämlich v> i J 1. all die schönen Sachen, von denen in Ihrem„Koch- buch" die Rede ist, 2. die Einsicht für das philosophische Gemüse, mit denen Sie Ihre Rezepte garnieren. Protest gegen die ungenügende Brotration. Die Neuköllner Lebensmittelkommisfion nahm in ihrer Sitzung auf Antrag der sozialdemokratischen Bertreter nachstehende Elil>chlietzung einstimmig an: Der Sonderausschutz II der KriegsnolstandSkommission protestiert gegen die Festsetzung der neuen iWsfilmenge von 200 Gramm pro Kopf und Woche. Die Kommission ist der Auffassung, datz in An- belrnchl der guten Ernte und der ganzen Ernäbrungsverhältnisfe die Mehlmenge so erhöbt lvird, datz mindestens 2000 Gramm pro Kopf gewähr: werden können. Die Kommission ersucht infolgedessen den Lebensmittelverband Grotz-Berlin und die staatliche VerleilungS- stelle Berlin energisch dahiir zu wirken, datz die Erhöhung der Ration so schnell wie möglich durchgeführt wird. Immer noch ohne Kohlen! Die Klagen über Unzulänglichkeit der Koblenbelieferung find in Grotz-BeNin noch nicht ganz verstummt. Noch haben manche Familien auf die neue Karte bisher nicht eine einzige Kohle er- halten, weil ihre Kohlenhändler ihnen nichts liefern konnten. Eni- weder sind die Kohlenzusuhren nach wie vor viel zu gering, oder die Gleichmätzigkeir der Verteilung auf die einzelnen Händler lätzt immer noch sehr zu wünschen übrig. Vor vierzehn Tagen ver- öffenllichte die Kohlen st elle Grotz-Berlin durch die Zeitungen die tröstlich klingende Nachricht, das Koblenshndikat und der Grotzhandel seien ersucht worden, in Grotz-Berlins dicht- beiiedelien Teilen die Belieferung der Kleinhändler zu verstärken. An die Kohleiiverbraucher richtete sie die Mahnung, bei „augenblicklichem Kohlen man gel" einzelner Händler nicht die Ilmschreibung aus Kunden- listen anderer Händler zu beantragen. Offenbar hallen die Anträge sich so gehäufl, datz die Kohlenstelle Einhalt gebieten zu sollen glaubte. Das rechtfcrligte den Schlutz, datz auch die Zahl der mangelhaft belieferten Kohlenhändler und ihrer dar- unter leidenden Kunden imuicr noch recht grotz war. Die Kohlen- stelle hob hervor, solche llmichreibiingsaiilräge seien„in der iUcgel den Interessen der Verbraucher zuwider". Man kann cS aber keiner besorgten Hausfrau verübeln, wenn sie sich hierdurch nicht be« schwichtigen läßt. Die Eltabrungen des vergangenen Winters waren für manche Familie so bitter, datz AehnlicheS in diesem Jahr keiner wieder durchmachen möchte. Ein in der Naunhiistratze woh- nender Witwer mit drei Kindern, dem eine Witwe die Wirtschsifl führt, meldet uns, datz von den für die Wohnung im vergangenen Jahr bewilligten Kohlen 24 Zentner«ngeliefert blieben. Mit um so stärkerer Sorge erfüllt es jetzt die Familie, datz ihr auch in diesem Sonimer auf die neue Karle bisher noch nicht eine einzige Kohle geliefert werden konnte. Einen Antrag, die Umschreibung auf die Kundenliste eines anderen Händ- lers zu verfügen, lehnte die Kohlenstelle zunächst ab. Erst nach Wiederholung des Antrages wurde erreicht, datz sie die Umschreibung bewilligte. Leider rst aber für die Familie hiermit einstweilen nichts gebefiert worden, denn auch der neue Händler hat noch keine Kodlcn für sie. Bor etwa vierzehn Tage» kam die UmschreibungS« bewilligung, doch bisher hat die Frau vergeblich daraus gewartet, datz sie nun endlich Kohlen erhält. Inzwischen ist sie selber zur Koblenstclle gegangen, um den Mißerfolg zu melden. In nicht be- sonders freundlichem Ton wurde sie gefragt, warum sie denn schon wieder komme; ihre Kohlen werde sie bestimmt kriegen, sie solle nur warten.„Bestimmt"— aber wann!? Wie lange sie noch wird warieii müssen, vermag ihr niemaild zu sagen, auch nicht der neue Kohlenbändler. Man stelle sich vor, wie die Frau linier diesen Verhältnissen ihre Wirtschast führen soll! Jetzt im Sommer kann sie ans Gas kochen, gewiß. Aber die Zubereitung des Essens für fünf Personen erfordert einen so großen Gasver- brauch, datz sie dem ihr drohenden Strofzuschlag mit Sorge>ent- gegensehen mutz. Bei der Wäschereinigung verbietet es sich von vornherein, zur Warmwasserbereitung den Gaskocher zu benutzen. Holz als Ersatz für Kohle zu nehmen, ist bei den jetzigen Holz- preisen noch kostspieliger. Von einer Hausfrau, die in solche Be- drängnis gerät, will dann einer noch Geduld fordern? Was Hilst ihr der von der Kohlenstelle gespendete Trost, datz„die Versorgung der etwa augenblicklich ungleichmäßig belieferten Kohlenbändler in den folgenden Monaten ausgeglichen wird I" Besser wär's ge- wesen, von Ansang an durch Druck auf das Kohlensyndikat und den Grotzhandel eine gleichmäßige Belieferung der Klein- h ä n d l e r zu erzwingsn. LestandSaufnahme für Getreide und Mehl. Der Bekämpfung dcS Schleichhandels mit Getreide und Mehl dienen zwei Ver- ordnungen, die der Magistrat heute veröffentlicht. Die eine Ichreibt vor. daß derjenige, der Früchte oder daraus hergestellte Erzeugnisse aatzerhalb der behördlich geregelten Verteilung zum Zweck der Weiiervrräutzcriing erwirbt oder Verträge über den Erwerb solcher Früchlc abschließt, binnen 3 Tagen nach dem Erwerb oder dem Verlragsschlutz dem Magistrat Anzeige zu erstailen hat. Die zweite Verordnung trifft nähere Vorschriften über den Verkehr mit ausländischem Getreide und Mehl. Auch hier ist binnen 3 Tagen dem Magistrat nach näherer Matzgabe der Anordnung Anzeige zu erstatten, insbesondere über die vorhandenen Mengen; für Mehl, das zum Verbrauch im eigenen Haushalt bestimmt ist, gilt die Anzeigepflickt nickt. Da? Auslandsgelreide und Auslands- mehl mutz von inländischer Ware gelrennt aufbewahrt, und es niüffen darüber besondere Bücher geführt werden; entsprechendes gilr für die aus ausländischem Mehl hergestellte Backware, die als solche äußerlich bezeichnet werden mutz. Ausländisches Mehl und das aus ihm hergestellte Brot unterliegen den für inländisches Mehl und Brot bestehenden Kleinhandelshöchstprcifen. Die nrucn Gebühren für Bcrzte. Nach einer Verordnung des Ministers des Innern treten am t. Seprember bis ein Jabr nach Beendigung des Kriegs neue Gebührensätze für Aerzte in Kraft, von denen'wir die wichtigsten wiedergeben: Es kann vom Arzl berechnet werden: der erste Besuch bei dem Kranken mit 3—20 M., jeder folgende Besuch im Verlaufe derselben Krankheit 1,50— 10 M., die erste Beratung eines Kranken in der Wohnung des Arztes 1,50—10 M.. jede folgende Beralung in der selben Krankheit 1—5 M. Die Gebühr für den Besuch bzw. die Beralung schließt die Untersuchung des Kranken und die Verordnung mit ein. Findet jedoch eine besonders eingehende Untersuchung unter Anwendung des Augen-, Kehlkopf-, Ohren«, Scheidenspiegels oder des Mikroskops statt so können hierfür 3—7,50 M. besonders berechnet werden. Beratung esties Kranken durch den Fernsprecher: bei Tage 1,50 bis 5 M., bei Nackt 3—10 M. Eure kurze Bescheinigung über Gesundheit oder Krankheit eines Menschen kostet 2,50 bis 6 M., ein ausführlicher Krankheitsbericht 4 bis t5 M., ein begründetes Gutachten 12 bis 50 M. Ein im .Interesse der Heilung des Kranken zu schreibender Brief 3— IV M. Von besonderen Verrichiungen seien folgende erwähnt: Ein- kpritzungen unter die Haut 2 bis 10 M., Serumeinspritzungcn 3 bis 20 M., Einspritzungen in die Muskeln 5 bis 10 M.. Ein- ipritzungen unmiltelbar in eine Blutader 10 bis 40 M., Eröffnung eines oberflächlichen Abszesies oder Erweiterung einer Wunde 3 bis 10 M., der erste einfache Verband einer kleinen Wunde 1 50 bis 10 M.. Naht und erster Verband einer kleinen Wunde 3 bis 10 M. usw. Die neue» ReichSstenergesehc find von der Biichhaiidlung Vor wäris, Berlin SW. 68, Lindenstr. 3 zu beziehen. Die Te�tausgabe tostet 3,85 M. Inhalt der Ausgabe mit Sachregister: Gesetz über eine außerordentliche Kriegsabgabe für, das Rechnungsjahr 1018.— Gesetz gegen die Steuerflucht.— Umiatzsteuergesetz.— Gesetz zur Bend-rnng deS Reichsftempelgesetzes.— Gchetz zur Aenderung des Wcchselstempelgsietzes.— Wrinsteuergesetz.— Gesetz, betrcffeud Aenderung des Gesetze? betreffend«ine mir den Post- und Tele- graphengebühren zu erhebende antzerordeniliche Reichsabgabe vom 21. Juni 1916.— Gesetz zur Aenderung des Schaumweinsteuer- geietzcS.— Gesetz betrsffand die Besteuerung von Mineralwässern und künstfich bereiteren Gsirärffen, sswie die Erhöhung der Zölle für Kaffee, Tee, Kakao und Schokolade. Der Naustmord in der Karlstraße. Gestern vormittag um 10 Uhr fand eine erneule Bestcktigung des Tatortes statt. Nach dem Er gebniZ aller bisherigen Nachforschungen unterliegl es keinem Zweifel, datz der Mörder seine Tat von langer Hand geplant hat. Als Frau Bennewitz und Tachier um 1 Uhr nachmittags voni Geschäft nach ihrer Wohnung in der Friedrichstr. 106 gingen, blieb bei dem Manne zunächst noch da« Dienstmädchen zurück, um in der Küche noch aufzuräumen. Um 2,J4 Uhr begab sich auch daS Räd- chen nach der Wohnung. Es iah jetzt im Schankraum mir noch einen Gast. Er sah in der dimklen Ecke an dem Tisch, auf dem bei der Auffindung des Überfallenen Wirtes ein volles Bierglas stan>, also an der Stelle, wohin Bennewitz wahrscheinlich das letzte Glas Bier gebracht har. Dieser junge Mann trug nach der Angabe des Mädchens einen grefuen Anzug und einen grauen Hut. Neben dem Tisth mit dein vollen Bicrglas und einem Teller mit Messer und Gabel lagen aus dem Fußboden der Dolch und der Schrauben« zieher. Sie wqren zusammen eingewickelt in ein Beiblntr der „Posener Neuesten Nachrichten" vom 28. Juli d. I.. ein Beiblatt der„B. Z." und ein Beiblatt der„Demschen Tageszeituiig", beide von vorgestern, dem 14. Anglist. Der Täler hat lediglich die Brieftasche geraubt und die offene Ladenkasse nicht berührt. Der Dolch ist aus beiden Seiten geschliffen, als wenn er schon ver- schicdentlich zu irgendwelchen Zwecken gebraucht gewesen ist, auch der kleine Schraubenzieber ist schon gebraucht. Beide sind jetzt im Polizeipräsidumi arisgestelli. Wer nachweist, wem sie gehören, erhält eine erhebliche Belohnung. Ein Nachtwächter erschossen. In der Nacht vom S. zum 9. August gegen l'/t Uhr ist in Alt-LandSberg der Nach»vächler K i e S l e r bei Bertotgung eines HübnerdiebeS auf der nach Strausberg und Fredersdorf sührenden Straße in der Näbe des AleinbahnhosS durch einen Schutz ins Herz getötet worden. Bei der Leiche fand man einen Ne'selorb von hellbraunem Weidengeflecht, 55 Zenti- meier lang, 30 Zentimeter hock, 30 Zentimeter tief, versckllosten mit Vorhängeschlotz an einer Eiscnstange und umschnürt mit einer sauber zopkarlig geflochtenen Schnur aus Rasfiafafer. Der Korb har oben in der Mitte de« Deckel? einen geflochtenen Handgriff und war ge- füllt mit acht hier gestohlenen Hühnern und einer Gans. Außer- dem lag bei der Leiche eine runde, angerostete Eifenstange von 1°/« Zentimeter Durchmesser und 54 Zentimeter Länge, an einem Ende abgehaue« oder abgebrochen und in Handbreile zum besten: Anfassen mit zusammengenähtem Trikatstoff umgeben, am andern Ende mit einer im reckten Winkel angeschiniehelen 5 Zentimeter langen, 2'/, Zentimeter breiten meitzelarttgen Umbiegung versehen. Diese Umbiegung trägt in der Mitte ein Loch, das jedenfalls beim Schmieden angebracht wurde. Dieses Anschmieden ist augenschein- lich erst vor kurzem geschehen. Mir dem Korb ist am 8. August nachmittags ein Mann gesehen worden, der um 8�3 Uhr mit dem Klembahnzuge von Hoppegavten in Alt-LandSberg angekommen ist und vor etwa 3 Wochen schon einmal dort war. Beschrieben wird dieser wie folgt: Atter rund 50 Jahre, ziemlich grotz(etwa 1,75 Meter) gebückte Haltung, hageres Gesicht, anscheinend etwas heisere Stimme, leicht angegraule Schläfen und kurzer, grauer Schnurrbart. Angaben über Kleidung schwanken, ivahrscheinlich trug er schwarze Schnürschuhe, dunklen(braunen) Anzug, Stehlragen, reichlich kurze Hosen und blaue Schirmmütze mir Slurnrband. Bei einem dortigen Schinredenreiftcr hat er am Nachmittag des 8. August einen 22'/z Zenrimeter langen, allen Harr- meitzel abgegeben, der in seinem oberen Teil etwa 2li4 quadratisch geformt ist und zwei eingekörnte, kaum lesbare Anfangsbuchstaben trägt, viellelcht B. D. oder ähnlich. Eine Belohnung bis zu 200 M. wird jedem zugesichert, der zur Ermittelung des Verbrechers bei- tragen hilft. Ein Doppelselbstmord zweier Mädchen wird aus der Hollmann- stratze gemeldet. In dem Hause Nr. 33 wohnte im ersten Stock des Vorderhauses die 35 Jahre alle Anna Lehner, die vom Wirt eins Srube abgemietet und mit eigenen Möbein ausgestattet hatte. Von Beruf war sie Leiterin der Sprelwarenabteilung eines hiesigen Wnrenhauies. Sie erhielt oft Besuch von einer Freundin, einer 13 Jahre alren Verkäuferin Klara Knerdung aus der Camphairsen- stratze, die in ihrer Abteilung angestellt war. Als Anna Knerdung von einen: gemeinschasltichen Ausgang nicht wieder zurückkehrte, er- kündigte sich ihre Schioester nach dem Verbleib der Freundinnen. Nichts Gutes ahnend, ließ sie die Stube der Lehner öffnen. Beide lagen in dem mit Gas angefüllten Räume tot aus dem Ruhebett. Sie baiien sich, dicht aneinander geschmiegt, einen Kissenbezug über die Köpfe gezogen und den Schlauch des Gaskochers in diesen Be- zug hineingeleilet. Die Leichen wurden beichlagnahmt und nach dem Schauhause gebracht. Was die Mädchen in den gemeinsamen Tod getrieben hat, ist noch nicht bekannt. Das Warenhaus erklärt, bei ibm sei nichts vorgekommen, was sie zu dem Schritte hätte ver- anlassen könuen. Briefe riach Zehlendorf. Brieffendungen nach dem Postort Zehlendorf(Wannseebahn) werden von den Absendern im Ober- vostdirektronsbezirk Berlin häufig nur nach den Gebührensätzen des NackbarortverkebrS freigemacht. Den Empfängern entstehen dadurch Ausgaben für Postgebühren. Es wird deshalb von neuem daraus hingewiesen, datz der Postort Zehlendorf(Wannsebahn) nicht zum Nachbarortsvertehr von Berlin gehört. Der wahre Jakob ist erschienen und gelangt heute zur Ausgabe. DaS nächste Bolkskonzert de§ Philharmonischen Orchesters findet heute in der Philharmonie, Bernburger Str. 22/23, statt. Beginn des Konzerts 8 Uhr. Die im Vorverkauf nickt untergebrachielt Karten werden abends an der Kasse verkaust. Der Einiriitspms beträgt 30 Pf. Kasseneröffitirng 7 Uhr. Die Lichtspiele neue Philharmonie, Eopenicker Str. 96/97, an der Untergrundbahn Jnselb rücke, bringen voin 17. bis 22. August das � Filmwerk„Goidclje", welches nach dem bekannte» Roman von E. Marlitt be- arbeitet wurde, auhcrdem noch die Uraufführung dcS Lustspiels„Koch- lössclgräfiu" mit Hanfi Deege in der Hauptrolle. Lichtenberg. KriegSbeschädigtensürsorge. Der Volsttzende dcS KreiSbsuats für Kriegsbeschädrgtensürsorge Lichtenberg,(Stadtrat C a s seb a u m, hat einen eingebenden Bericht über die bisherigen Arbeiten und Erfolge der KriegSbeschädigtensürsorge in Lichtenberg erstattet, aus dem wir folgende Angabeii entnehmen: Die KriegSbeschädigtensürsorge ist seit Juli 1915 tätig: sie hat bis zum Schluß des vierten Kriegsjahres annähernd 2800 Kriegs- beschädigten Rat und Hrlie zuteil werden lassen können. Darunter befanden stch 13 des Augenlichts beraubte Männer, 491 sogen. Schwerbeschädigte, die 50 Prozent und mebr an Erwerbs« fähigkeit verloren batten. Die anderen der Fürsorge Ueber- wiesenen, also die große Mehrzahl, hatten � glücklicherweise leichtere Beschädigungen auszuweisen, so datz � sie vielfach ohne nennenswerte Beeinträchtigung ihrem bürgerlichen Beruf wieder zugeführt werden konnten. Tatkräftige Hille wurde durch Barunterstützungen und Darlehen bis zur Höhe von 1300 M., in einem Falle von 2000 M. erteilt. Hypotheken wurden bestellt. Gewerbetreibenden wurden zu mätzigen Zinsen bequem abtragbare Kapitalien zur Verfügung gestellt. An Stelle der Renten wurden in zahlreichen Fällen auf Grund de« KapitalabfindungSgesetzcS Abfindungssummen gezahlt. Wertvoller noch erscheint die Berussberatung, die den Kriegsbeschädigten viel- fach zuteil werden konnte. Die Aerzteschast hat stch mir großer Bereitwilligkeit in den Dienst der Sacke gestellt. Neben der ärzlstcken Beratung erstatteten als Vertrauensmänner der Für- sorgestelle 9 Depiitationsmitglreder, 16 Berufsberater aus Arbeit- nchmerkreisen und 2 Vertreter des Deutschen Werkmeisterbundes, die notwendigen Guiachlen. Auch für etwa notwendige! weitere Heilbehandlung wurde Sorge getragen. KreiS Niederdarn««. Das Ergebnis der Einkommensteuer. Die staafticke Vercmlagung zur Einkommensteuer har für das Sieuer« jähr 1918 ein Sieuersoll von 8 209 387 M. gegen 5 958 301 M. im Vorjahre ergeben. Auf die größeren Gemeinden des Kreises ent« lallen die folgenden Steuerbeliäqe: I. Veranlagungsbezirk Nieder- barnim-Ost: Friedrichsfelde 504 435(1017: 391 967> M., Friedrichs- hagen 315 964(212 612) M.. Oberschönewerde 577 508(402 318) M., Stralau 86 475(53 597) M., Hohenschönhausen 179 982(107 463) M.. Weitzensee 000 482(609 768) M. Im Veranlagiingsbezirk Nieder- barnim-West: Bernau 113 804(00 876) M.. Pankow 1324 029 (1 128 840) M.. Oranienburg 150 495(146 696) M., Birkenwerdcr 63 041(30022) M., Buchholz 81 973(56 556) M.. Gutsbezirk Frohnau 115 653(79 974), Hermsdorf 176 408(164 484) M. Lübars 180 910 (03 285) M.. Hohenneuendorf 76 563(54 186) M., Reinickendorf 843 680(648 485) M.. Rosembal 114 825« 76 411) M., Niederichön- bansen 369 561(280 054) M., Tegel 487 976(337 053) M., Wittenau 173 450(116 058) M. Besonders stark ist hiernach die Zunahme an Steuerkrast in Weitzensee, wo fast das Doppelte des Steuersolls gegenüber dem Vorjahre erreicht ist, dann in Friedrichsfelde nird den ausgesprochenen Jndustriegemeinden. Bemerkenswert ist auch die starke Zunahme in Birkenwerder um mehr als daS Doppelte, der in dem nahen Oranienburg nur ein ganz geringer Zuwachs gegenübersteht. Im allgSmeinen betrachtet, haben sowohl die ländlichen wie die indu- striellen Vorortgemeiirdeii des Kreises Niederbarnim ziemlich glerchmätzig an dem starken Steigen der Steuerkraft beigetragen. — Verteilung von Salzheringen, llm der Bevölkerung an Stelle der wegfallenden Fleischration in der Zeit der ersten fleischlosen Woche vom 19. bis 2f» August andere Nahrungsmittel zuzuführen, wird auch im Kreise Niederbornim in dieser Zeil durch das Land- ratSamt eine einmalige Verteilung von Salzheringen vor- genommen. Britz. HcriiigSverkauf. Es find noch Heringe nachgeliefert worden und löniien nun diejenigen Einioohner, welche am Dien?« tag und Mittwoch kerne Heringe erhallen tonnten, noch Sonnabend, den 17. August, die ihnen zustehende Menge Heringe in Empfang nehmen. Als Ausweis gilt neben der Britzer Lebensmittelkarte die Kassenguittung vom Einkauf am DierrStag bezw. Mittwoch dieser Woche,_ Nowawcs. Lebensmittel. Auf Abschnitt 46 der Zuckerkarte un!» auf Abschirilt 21 der Zuckerzusatzkarte findet die AuSgabe von Zucker statt. Die Karteninhaber haben von heute bis Donnerstag, den 22. d. M. die Kartenabschnitte 45 und 21 der Zucker» karre bei dem Kleinhändler abzugeben, in dessen Kundenvevzerchni» sie eingetragen sind. . Heute kommt Hti�isrsiiiter zur Verteilung. Die Geflügelhalter mU den Buchstaben N bis S wollen sich in unserer KriegSwirischaftS- obieilung, Nathans, Zimmer 6, zur Empfangnahme der Bezug- scheine melden. Auf das einzelne Hnhn entfällt Pfund Futter. Ju der Woche vom 19. bis 25. August wird Fleisch nicht zur Verteilung kommen. Als Ersatz dafür werden gegen Abgabe der 10 Wochenabschnitte 84 der Fleischkarte 3 Pfund Kartoffeln auf den Kopf der Bevölkerung ausgegeben. Soweit Jugendliche nur die halbe Fleischration erhalten, wird ihnen auch nur die Hälfte der Ersatzmenge, d. h. also IVs Pfund Kartoffeln gewährt. Gerichtszeitung. Der falsche Schornsteinfeger. Als der gröffte Taubendieb Berlins und Umgegend wird der Klempner Max Redet ange» sprachen, der sich gestern wiederum wegen gleicher Diebstähle vor der zweiten Ferienstraskammer des Landgerichts II verantworten muhte. Redet ist ein ganz unverbesserlicher Taubendieb, der des- wegen viele Male bereit« vorbestraft ist. Diese schweren Dieb- stähle verübte er immer ebenso dreist wie raffiniert, indem er sich als Schornsteinfeger verkleidet ungehindert Zugang zu den Dächern verschaffte und von dort in die Taubcnverschläge ein- stieg. Jetzt wurden ihm wiederum mehrere derartige Ein- bräche zur Last gelegt, bei denen mehreren Besitzein über 80 Tauben, darunter sehr wertvolle Brieftauben, entwendet worden waren. Man Hatto ihn insofern dieser Diebstähle übersührt, als er einer Frau eine Anzahl bereits geschlachteter Tauben ver« kauft batte, die als die gcstoblenen Brieftauben durch haitdieller« große Reichsadler auf den Flügeln gekennzeichnet waren. Redel behauptete zwar, diese Tauben von einem richtigen Schornsteinfeger erworben zu habe», mit Rücksicht auf seine Vorstrafen schenkte ihm das Gericht jedoch keinen Glauben, sondern verurteilte ihn zu vier Jahren Zuchthaus. aller Welt. Aus Rache gegen die eigenen Eltern ist die Sljährige Ida Koch aus Bielbaum zur Brandstifterin geworden.< Die K. war schon häufiger mit ihren greisen Eltern des Geldes wegen in Streit ge- raten, wobei die Tochter gegen die alten Leute tätlich wurde, so daß Nachbarsleute und auch der Ortsborsteher einschreiten mußte. Nach einer solchen Auseinandersetzung am letzten Montag entfernte sich die Tochter mit der Drohung, die Eltern würden schon noch an sie denken. Gegen 11 Uhr abends brach plötzlich in dem von den Eheleuten Koch bewohnten Hause Feuer ans, das, pa das Gebäude mit Stroh gedeckt war. sehr rasch um sich griff. Nur mit Mühe konnten sich die alten Leute retten, dagegen wurde der größte Teil der Einrichtung, ein Wagen und Wirtfchaftsgegenstände ein Raub der Flammen. Das Feuer war von der Tochter angelegt worden. Die Brandstifterin beging in derselben Nackt Selbstmord, indem sie sich bei der Alandbrücke von einem Zuge überfahren ließ. Eingegangene Druckschriften. Kriegswirtschaftliche Verordnungen betr. den Wirkungskreis des k. I. Handelsminincriums von Dr. Arnold Lehmann. I. Nachtrag. II Kr. -h 10 Proz. Vcclagsausschlng. Manzschc Verlagsbilchhandlnna. Wien. Joseph Moutfort. Von Albrecht Schaesscr. In Ppc. 7,50 M. Jnsel-Verlag, Leipzig, Kurzestr. 7. DaL Frauenftiniiiircchr vor dem badischcn Landlag. Zwei Reden de? Abg. Oskar Muser. 50 Pf.®. Braunsche Hofbuchdruckerei und Verlag, Karlsruhe i. B._ Briefkasten der NsAMron. ?. N. 96. Die spaniiche Botschait befindet sich Berlin IV 10, Regenten- stiaße 15.— Spandau£»0. Der Beitritt zum Konsumverein ist durchaus zu empfehlen. Auch Spargclder sind dort sicher angelegt.—;n empfiehlt in großer Auswahl die Buch- Handlung Vorwärts SW. 68, Lindenstr. 3. Auch in den Ausgabe- stellen der Zeitung zu haben. Äilehimx 27. Äugrast Rote Kreuz'Lotterie Gesamtw. d. Gewinne Mark 100 000 50000 10000 3a K szu s Lose zu 3,30 M. Vo£tse�T�: � Eine feine Banknotentasohe m. 10 Losen f. 33 M, einschließlich Postgebühr und Liste Gustav Haass Ncltfg.(mn. k. s-wm, Berlin HO 43. Neue KSnigstr 66 und SO 16. Neanderstr. 38 r Drahtstifte unsorttert, in allen Größen, gibt jedes Quantum fosort ab Betaried Dreehsei, Kistenfabriken, Hcrltn MO 55, Hetuerödorfer Straße 15. �TelesomKönigstad�2S0�unt�Alexa� Nr. 224— 141S Unterhaltungsblatt des Vorwärts Freitag, IS. August Der Sang öer Götter. Von Alfred Bratt.-f Kawn Hasfan war ein armer Maiabele-Neger. ES gibt Neger und Neger. Der„TüiiiHphzug" der modernen Kuliur hat ja bekanntlich auch bor der schwarzen Rasse nicht Halt gemacht, auch unter den dunkeihäutigen Söhnen der Erde unicr- scheidet man Analphabeten und Intellektuelle. Die Matabele ober. im liefslen Afrika beheimatet, gehören zu den Stämmen, die noch als.Wilde'1 gelten, die dem seligen Urzustand am nächsten blieben, Der vornehmste Marabele, ja der Häuprling selbst, vermag sich nicht mir dem nordameriianifchen Bruder in Schwarz zu messen, der �sonntags einen Eehrock und steifen Hut srägt und ohne Beben in der dämonischen Sladtbahn fährt. Ganz zu schweigen von jenen kulturgebenedeilen Negern, die man gewissermaßen als Futuristen des schwarzen Volkes bezeichnen könnte, von den Schwarzen, die Schulen besuchen und lange, fehlerlose Briefe schreiben. Ach nein.— von all dem hatte Kaivu Hassan swenn man sich bei einem Neger so ausdrücken darf), keine blasse Ahnung. Kawu Hassan war ein einfacher Matabele- Neger, und da? sagt alles. Er war sogar einer der ärmsten. Die groben Götter hatten sein Weib mir Kindern gesegnet, aber sie halten ihm nicht das für den Hausstand nölige Vieh beschert. Kawu Hassan wußte nichts von.Debet" und.Kredit", aber seine Sorgen waren darum nicht kleiner. Er mußte für die Nachbarn arbeiten, und wenn der Häupt- ling ein Fest gab, stand er in der hinterste» Reihe und bekam bestenfalls eine halbe Brotirucht ab. Im übrigen aber lebte er ganz erträglich und zusriedeu. denn er hatte einen anspruchslosen Charakter und ein naives Gemüt. .Die Matabele geben nicht? auf die Missionare. Sie halten zäh an ihren alten Göltern und an den überlieferten Sitten der Vor« fahren fest. Wenn einer vom Stamme der Matabele fühlt, daß seine letzte Stunde gekommen ist, so wird der Medizinmann gc- rufen. Hierauf Satte selbst der Geringste Anspruch, Der Medizin- mann aber vollsührie den„Sang der Götter", ein rhythmisch ab- geickimacktes Lied, das unter merkwürdig taktfesten Zuckungen seiner Kehle entquoll. Wenn der Sterbende diesen Sang veruabm. so war alles gut: dann durfte er getrost darauf rechnen, im Jenseits würdig aufgenommen zu werden, Einmal erschien zwischen den niedrigen, stumpf kegelförmigen Hütten der Matabele ein weißer 5Nann. Er trug einen wunder- vollen Tropenanzug aus Khalistoff und einen gelben Helm. Er war ein Handelsmann und schien in die Kokosnüsse vernarrt zu sein. Dafür spendete er Schnaps und allerhand andere Herrlich- keilen. Er erzählte, daß er ein.English" sei, ein Vertreter des Aromen Königs, der üöer Länder und Meere herrscbe und auch die armen Matabele in seine weise und übermächtige Obhul ge- nommen habe. Da begab e« sich, während dieser Besucher da? Dorf in Span- nung hieli, daß der Sobn des Häuptlings schwer erkrankte. Es ging ibm schlimmer von Tag zu Tag. und bald wußte man, daß er sterben müsie. Aber das Unglück wollte, daß knapp vorher der alle Medizinmann dos Zeitliche gesegnet hatte, und ein neuer hatte noch nicht die Weihe empfangen. Der Schmerz war groß, denn es schien, als sollte der Häupllingssohn nicht mehr den„Sang der Gölter' vernehmen. Da trat der weiße„English" als Retter auf. Er holte au« seinem Gepäck einen kleinen Holzkaslen, stellte ihn in der Haupt- lingShütle auf und erklärte, der Kunst seiner weißen Brüder sei es gelungen, den„Sang der Götter" einzufangen und in diesen Kasten zu tperren. Und siehe— der.English" drückte auf einen Knopf, und dem Zauberkasten entquoll ein„Sang der Götter" von un- geahnter Schönheit. Die guten Matabele wußten nicht, daß der Zauberkasten ein Grammopbon war und der Göttersang ein Londoner Operetten- lied: das Mädchen in der Untergrundbahn. Der Häuptlingssohn aber konnte selig die Augen schließen.— Sange Zeit verging. Kawu Hassan lebte bescheiden, aber glück- Ii®, und niemals vergaß er das Wunder, das im ganzen Dorfe zur bleibenden Legende geworden war. Da erschienen eines TageS zahlreiche Weiße.� Sie waren alle„English", und sie erzählten, daß der weise übermächtige König Krieg führe gegen die Barbaren und Feinde der Göiter. Und daß die Matabele ihre tüchtigen Männer aussenden müßten, um teilzunehmen an dem großen, ehrenvollen Kamps. Da begann für Kawu Hassan ein kaum glaubliches Traum- dasein mit rätselvollen, gespenstischen Erscheinungen, mit grauem, feuchten Rebel und Kälte, mit Donner und Blitz. Auf einem Schiff, das größer war als viele, viele hundert Matabele- Hütten, fuhr Kawu Hassan»ach Europa. Dort kam er in ein Lager mit feinen Zelten, er erhielt eine schreckliche Donnerbücki'e und mußte schwer aibeiten, um zum Kampf gegen die Barbaren gerüstet zu sein. Und dann kamen sie wieder auf ein Schiff, aber nur für kurze Zeit. Und dann marschierten sie über die Landstraßen Frank» reichS, Tage und Nächte, Tage und Nächte, und zu beiden Seiten rnsielten schwere Wagen ohne Pferde. rolltenProviant- und MunitionS- kolonnen, Lazarettwagen und Geschütze. Und es vergingen Monate. ES verging ein Jahr. Kawu Hassan, der ahnungslose Matabele, war längst moderner Soldat geworden. Er wunderte sich nicht mehr über die riesigen Feuer- schlünde, über die Leuchtkugeln und Raketen, über die weißen Vögel, aus denen inan den Tod hsrabschleuderie. Kawu Hassan war ein Weltkriegssoldat wie jeder andere, er schoß ohne Zögern, er lag im Schützengraben,— die Heimat aber ruhte irgendwo, fern, unsäglich sein hinter den blauen Schieiern der Erinneriing. Dann kam die Stunde de? gewalligsten Schrecken«. Von der feindlichen Seite ging ein Sturmhagcl ous, in den sämtliche bösen Mächte ihre äußerste Kraft bliesen. Es wetterte so dicht und un- gebeuerlich, daß die Luit ganz schwarz und ganz dick wurde. Es diöhnte zwischen Himmel und Erde, und dann sprangen die feind- luben Krieger hervor mit Gewehren. Handgranaten und Bajonelleti, und ihre Flut ergoß sich über die zerschossenen Gräben, die ein- geebneten Wälle, die zertrümmerten Unterstände. Es war ein Orkan des Entsetzens. Ein Orkan, dem niemand zu widerstehen vermochte. Er legte über die Gräben der Matabele und der„English" hinweg und nur die Toten und Vetwundeleu blieben liegen.— Abends. Zum ersten Male dringt wieder ein Mondstrahl durch den schweren Dampf, geistert über die Verwüstung. Es ist still ringsum. Tie Schlacht braust weiter rückwärts," immer weiter zurück. Irgendwo in dem überrannten Kampfabschnitt liegt Kawu Hassan, durch die Brust geschossen. Er liegt in tiefstem Jammer, zwischen Leichen und Sprcngstücken. Er keucht schwer, das Blut springt ihm auf die Lippen; er weiß, daß er bald nichrS mehr wissen wird. Und da klagt seine einfache Seele in großem Schmerz. Denn kein Zaubermann ist da, um den„Sang der Götter" ertönen zu lassen. Kawu Hassan muß elendiglich von hinnen gehen, niemals wird er Eingang finden im Jenseits der schwarzen Brüder. Kawu Hassan schluchzt. Er windet sich im Schmerz der Seele, der schlimmer ist als der de« Körpers. Er wirft sich herum mit der Kraft der Verzweiflung. Und da geschieht das Wunder. Ein rauher Laut, ein zweiter— und»un tönt jener unsagbar schöne Göttersang, der einst aus dem Kasten des weißen Handelsmanns in der Hütte des Häuptlings ge> stiegen war. Kawu Hassan ist mit den Beinen gegen ein Feldgrammophon gestoßen, daS ein englischer Offizier zurückgelassen hatte. Der Apparat war ausgezogen, der Hebel hatte sich gelöst, und»un schnarrte und gluckste es, flötete und schrillte:„das Mädchen in der Untergrundbahn.. Kawu Hassan lächelte und schloß langsam die Augen. Die Glückseligkeit nahm ihn in ihre Arme. Die Erfindung ües Holzfaserstoffes. Unter alle» Ersatzstoffen, welche im Krieg« für die Herstellung unserer Kleider, unserer Wäsche und zahlreicher anderer Gebrauchs. gegenstände in Betracht kommen, steht an crstier Stell« das Papier! Auch dieses würde uns im Stiche lassen, wenn nicht um die Mitte des dorigen Jahrhunderts, genau vor 75 Jahren<1343), seine Massenherstellung aus Holz gelungen wäre. Bis da- hin wurden in Europa Papiere nur aus Lumpen(Hadern) her- gestellt. Ganz abgesehen davon, daß letztere zur Verbreitung der Hadernkrankheit führten, trat um jene Zeit eine große Permehrung des Papierchcdarfs ein, daß die vorhandenen Hadern zur Herstellung entfernt nicht mehr ausreichten und eifrig nach einem Ersatz dafür gesucht wurde. Durch eine Verkettung glücklicher Umstände sollte einem ein- fachen Webermeister in Mittwcida, namens Keller, der große Wnrf gelingen. Tie Erinnerung an sein- Jugendzeit und der Umstand, daß er unter ländlichen Verhältnissen aufgewachsen war, spielten dabei eine entscheidende Rolle. Als Juiige hatte er oft genug das Goethesche Wort: Greif nicht in ein Wespennest, doch wenn du greifst, dann greife fest, in die Praxis umgesetzt und dabei fest- gestellt, daß Wespennester sich toie Papier anfühlen. Diese Tatsache ist richtig und trifft bei uns auf die deutsche Wespe, die gemeine Wespe und die gesellige Wespe zu. Die Aehnlichkeit bei einer sran- zösischen Art(Polistcr gallica) ist so groß, daß sie direkt als Papierwespe bezeichnet wird. Koller hatte als Knabe auch beob- achtet, wie die Wespen eine papierähnliche Masse herstellen, indem sie nämlich dazu die losen Holzfasern von einem alten Schindel- dach herbeiholten. Als Keller beim Grübeln über einen Papier- ersetz soweit war, fiel ihm weiter ein, wie seine Altersgenossen und er als Knabe aus Kirschkernen Ringe hergestellt hatten. Das wurde in der Weise betrieben, daß die Kerne auf einem Brett in entsprechenden Vertiefungen festgehalten und dann mit Sandstein von beiden Seiten abgeschliffen wurden. Der schleifende Saud- stein wurde dabei naß gehalten und war am nächsten Morgen mit einer papierähnlichen Schicht überzogen, von der Keller sich nun deutlich erinnerte, daß sie von mitabgoschliffenen Fasern des unier den Kirschkernen liegenden Brettchens zusammengehalten gewesen ltxir. Das Beispiel der Wespen und seine eigene zufällige, aber unbeachtete Erfindung als Knabe wiesen dem Mann nun de» Weg. Schon seine ersten Versuche fielen befriedigend aus und dGuit war für die Gewinnung von Papier aus Holz der feste Grunr gelegt. Wenn man bedenkt, daß heute drei Viertel der Papier-Erzeugung der ssanzen Welt auf dem Holz als Rohstoff beruht, kann man die Größe dieser Erfindung ermessen. Die Versuche mußten sür maschi- nelle Herstellung natürlich noch ausgebaut werden. Auch die erste Anordnung eines solchen Schleifsysrems ist Keller zu verdanken. Dann aber ereilte ihn da? Erfinderschicksal Seine Mittel reichten zur Weiterführung des Patents nicht aus, und so sah er sich ge- zwungcn, es zu verkaufen. Ein größeres Schleifsystem, nach dem Käufer und Verbcsscrer d«S Patents gewöhnlich VLItcr-System genannt, liefert in 24 Stun- den 1000 Kilogramm Holzsclfliff. Tie Art des Schliffes ist natür- lich im Laufe der Zeit noch verbessert worden. Je nach der Art unterscheidet man setzt Kurz-, Lang- und Tangentialschliff, serner auch Kalt- und Heißschliff. Unier unseren Bäumen sind Fichten, Tannen und Espen zur Gewinnung von Holzschliff am geeignetsten. DaS Verfahren, ans solchem Holzschliff Garne herzustellen, war schon vor dem Kriege liflannt; als Papierstoff-Garne(Silvalin, .Dhlodin u. a.) kamen sie auch in geringer Menge schon in den Handel. Ebenso war es vor dem Kriege im Kleinen schon oelun- gen, diese Garne zu färben und ziemlich dauerhafte Gewebe daraus herzustellen. Letztere hatten nur noch den Nachteil, daß eine Be- rührung mit Wasser vermieden ward»» mußte. Die Notwendigkeit des Krieges hat aucki diesem Mangel abzuhelfen gelehrt, sodaß jetzt sogar schon wasserdicht« Anzüge ans Papier vorliegen. Ein ge- waltiger Fortschritt seit dem ersten tagenden Versuch Keller? vor 75 Jahren? und dieser Versuch selbst ein Musterbeispiel, wie lwhn- brechend oft eine liebevolle und genaue Beobachtung der Vorgänge in der Natur zu wirken vermag. Notizen. — Kuustchronik. Die zum 50. Geburtstage von Max Slevogt für Oktober geplante Ausstellung seiner Werke in der Freien Sezession mutz verschoben werden. — Ein neues Drama.„Willem Marten. ein Volksstuck der Rostocker Genossen Robert Ncspital und Fron, Starosson, wurde in Liegnitz erfolgreich aufgeführt. Die„Liegnitzer. Zeitung" schreibt darüber:„Vor allem ist es die biö in die kleinsten Einzelheiten ge- währte Naturtreue, mit der die Lebensverhältnisse gezeichnet sind. die restlose Anerkennung verdient; die Dichter verdienen Beachtimg." — Als„Tribüne der K u n st und Zeit" gibt Kaftmir EMchmid im Verlage Erich Reiß vom Herbst dieses Jahres ab eine Reihe von Abhandlungen heraus, die Probleme und Grundlagen der neuen Kunst untersuchen. Es soll darin durch die Mitarbeit von Dichtern und Essaisten eine Kunst- und Gcistesgeschichte der Zect in Einzeldarstellungen versucht werden. — Kunstwerke auf dem Rückzug. Infolge der Be. drohung Kölns durch Flieger sind die wertvollsten.Kunsttverke der dortigen Sammlungen zunächst in die Keller getvandert. Von dort hat man sie jetzt— zu erner Art Luftkur— in die Museen von Braunschtveig und Kassel gebracht. Der Kunstfreund kann also dl« Perlen der altkölnischen Malerei und die schönsten Werke Leibis jetzt dort aufsuchen. — Papierräder für K r a ft f a h r z c u g e. Dos neueste Berwenduna«gebiet, das sich daS im Kriege schon beinahe zum Mädchen sür alles gewordene Papier erobert hat, dürste dw Bereitung von Rädern für Kraftfahrzeuge sein. Di«„Papier- zeitung" meldet ein Patent für die Herstellung derartiger Rader. Danach besteht die Bereisimg aus einer lose gewickelten Papier- bahn. welche sich beim Umspannen mit einer Schutzbekleidung wellenförmig zusammenzieht und die gegebenenfalls solche Stoffe als Bindemittel oder Zwischenbahnen enthält, die nachgiebig bleiben und den einzelnen Papkerbahnen Bewegungsfreiheit laffen. Diese mit großem Kräftsaufwand zusammengezogenen Wellen drängen wieder»ach außen, wodurch die Schntzbekleidung stets auf Spanmmg gehalten wird._ 64] Loöz. Das gelobte LaaS. Roman von W. St. R e y m o n t. „Also?" fragte er mit einer vom Zorn gedämpften Stimme. Wütend war er, daß Lucy dieser klassischen Puppe ihr Ge- heimnis ausgeplappert hatte. „Also fassen Sie Vertrauen zu mir und versuchen Sie, sich meine Freundschaft zu verdienen, die Ihnen manchmal sehr nützlich sein kann." „Gut, ich fange sofort damit an." Er setzte sich zu ihr aufs Sofa und küßte sie auf den nackten Arm. „Das ist nicht der Weg, auf dem man zu einer treuen, schwesterlichen Freundschaft gelangt," flüsterte sie lächelnd und rückte etwas weg. „Die Freundschaft darf aber auch nicht so wunderbare Arme haben und so berückend sein." „Und Lucy. Herr Karl! Sie siild ein Menschenfresser. Ich empfange Donnerstags. Kommen Sie recht früh, bitte." Sie nickte ihm zu und ging, die leichte Verlegenheit unter einem Lächeln verbergend. „Herr Borowiecki, Frau Trawinska verlangt nach Ihnen!" rief Bernhard.„Wo ist denn die schöne Frau Direktor?" „Tod und Verderben sät sie mit ihren Augen." „Langweiliges Frauenzimmer!" „Besuchen Sie ihre Donnerstage?" „Was soll ich da! Nur ihre Verehrer und Liebhaber der- kehren da: die früheren, die jetzigen und die zukünftigen... Wir erwarten Sie!" Borowiecki fühlte sich so gelaiigweilt, daß er vorhatte. statt zu Frau TrawinSka zu gehen, unauffällig zu verschwinden; als er aber an den Portieren des nächsten Boudoirs vorbei- ging, stieß er auf Frau Lickcrt, seine frühere Geliebte. Sie trat zurück, und er folgte ihr, von ihren unWider- stehlichen Blicken fortgezogen. Seit einem Jahre hatten sie sich nicht mehr gesprochen; sie hatten sich plötzlich getrennt, ohtie ein Wort der Erklärung. Sie begegneten einander manchmal auf der Straße, im Theater, begrüßten sich von weitem wie ganz Fremde, und doch sah er oft ihr stolzes und trauriges Gesicht vor sich wie einen leisen und schmerzlichen Vorwurf. Schon öfters wollte er mit ihr sprechen, aber er hatte nie den Mut; cS quälte ihn der Gedanke, daß er ihr nichts zu sagen hatte; er liebte sie nicht. Aber dieses unerwartete Zusammentreffen berauschte ihn und durchdrang ihn mit einer schmerzlichen Qual. „Ich habe Sie lange nicht mehr gesehen." sagte sie ruhig. „Emma I Emma!" flüsterte er unbewußt, in das blasse Gesicht blickend. „Das Konzert beginnt, meine Herrschaften!" rief Frau Endelmann, sie mit einem Blick umfangend. Gleich darauf ertönte eine reine, klangvolle Sopran- stimme und überflutete den Saal mit der Melodie eines LiedcS. Der Lärm verstummte, und aller Augen starrten auf die Sängerin. Bloß die beiden hörten nichts außer dem un- ruhigen, bangenden Pochen ihrer Herzen. Frau Liefert ließ sich auf einen von Drachen getragenen, niedrigen Fautcuil nieder. Vom Kamin ergoß sich ein goldi- diger Schein übicr ihr blasses, sehr trauriges Gesicht und färbte es mit einem rosigen Ton. Borowiecki blieb etwas abseits stehen und blickte mit halbgesenkten Lidern auf ihr schönes, aber von den Jahren schon gezeichnetes Gesicht. Unter den Augen lagen ditiikle Flecken, sie schimmerten unter der zarten Puderschicht hervor. Die hohe, schöne Stirn war frei, das schwarze Haar, in dem viele Stlberfädeu glänzten, war über die Ohren gekämnlt, von denen zwei große Brillanten herabhingen. Uni die tief purpurroten, vollen Lippen lag ein Schmerz; die Mund- Winkel senkten sich zu den scharf iimrissenen Kiefern. Ucber dem ganzen Gesicht und über dem.leicht gesenkten Hanpt lag Müdigkeit, wie sie einen nach laitgen, schmerzhaften Kraut- hciten befällt; selbst die noch frischen Lippen sahen aus wie eine welkende Granatblüte, und ihr Gesicht umspielte die herbe, melancholische Milde der von Liebe verzehrten Frauen. Ihre zarten Züge, die jedes Gefühl sofort widerspiegelten. das in ihrem Herzen oder ihrem Hirn auftauchte, zogen sich nervös zusammen und zuckten beim leisesten Gefühlseindruck. Still saß sie da, sich leicht fächelnd, und blickte nicht auf ihn, blickte auf niemand, obwohl ihre strahlenden Augen" den ganzen Saal umfingen; denn sie fühlte seine Blicke auf ihrein Gesicht. Diese verzehrendeu Blicke durchdrangen ihr ver- bittertes und trauriges Herz mit der Oual eines sonderbar brennenden Schmerzes. Er stand so nahe bei ihr, daß sie seinen Atem hörte und das Knistern der Hemdbrust, wenn er sich vorneigte, sie sah seine Hand, mit der er sich auf eine Blumenjardiniere stützte. sie hätte die Augen erheben und sich an dem so sehr Geliebten und so sehr Erwarteten weiden können. Sie tat es aber nicht und saß regungslos da. „Was soll ich ihr sagen?" dachte et wieder. „Die Dame singt schön, nicht wahr?" Sie unterbrach das Schtveigen, ohne zu ihm aufzublicken. „Ja, ja!" erwiderte er rasch. Das Klavier verstummte, und mit noch größerer Kraft brach der Lärm im Saale wieder los. Lakaien reichten Eis, Konfitüren, Kuchen, Bonbons und Champagner. „Arbeitet Ihre Fabrik schon?" „Nein, noch nicht, erst im Herbst," antwortete er erstaunt. Er hatte eine ganz andere Frage erwartet. Sie blickten sich in die Augen und sahen bis in die Tiefen ihrer Seelen. Emma senkte zuerst den Blick, denn ihre Augen füllten sich mit Tränen. Sie sagte leise: „Aus ganzer Seele wünsche ich Ihnen Glück, bei... allem... Sie... glauben mir... hoffentlich.. daß ich eS aufrichtig... meine..." „Gewiß." „Und immer gleich herzlich... unverändert..." Tiefes Leid klang auS ihrer Stimme. „Danke..." Er senkte den Kopf. „Leben Sie wohl," sagte sie, sich erhebend, aber mit einer Stimme, daß er zusammenzuckte und, von einer plötzlick)cn Furcht gepackt, fieberhaft zu flüstern begann: „Emma, geh nicht so fort! Ich muß dich sprechen. Wenn du mich nicht ganz vergessen hast, wenn du mich nicht für einen Schurken hältst, dann gestatte mir, daß ich zu dir komme, ich muß zu dir kommen, ich muß dir sagen... Antworte mir doch, ich beschwöre dich." „Wir werden beobachtet. Leben Sie wohl. Ich habe Ihnen nichts mehr zu sagen. Die Vergangenheit ist in meinem Herzen so abgestorben, daß ich mich gar nicht wehr daran erinnere, und wenn ich manchmal daran denke, dann tue ich es voll Scham." Mit einem tränenfeuchten Blick umfing sie sein blasses Gesicht und ging. ßtatj. folgt) Oeffentliche Mahnung Zill ZGlüilg Mm SlMlii m WWki!. Alle Steuern und Abqubcil. die sür das II. Vierteljahr s<»»Ii/ScPteiilbcr> des Steucrjahres 1918 heute fällig sind «die Steuer usw. wird unter der Voraussetzung fällig, daß die Veranlagung bereits erfolgt ist) und für frühere Zeiten noch rückständig sind, müssen bi» zum 20. August 1918 an die zuständige Steuerzahlstcllc gezahlt sein. Bei Zusendung der fällig gewesenen Beträge auf bargeld- losem Wege oder durch die Post, hat die Einzahlung so recht- zeitig zu erfolgen, das; der Betrag svätesteus am tili. Anguft er. bei der ileuerzirtzlstelle eingegangen ist. Äm 21. 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Im Zusammenhang mit dieser Vereinbarung wird mit- geteilt, daß künftig holländische Einsuhrhändler keine Waren auf holländischen Schiffen aus Schweden, Norwegen oder Dänemark einführen können, ohne daß diese an den holländischen Uebersee- traft adressiert sind. Austritt üer italientsihen Sozialiften aus einer ReglerungskoNMiPon. Rom, IL August.(Stefani.) Die Fraktion der offi- ziellen Sozialisten nahm in ihrer Bologneser Tagung lediglich allgemein Stellung zu der Frage der B e t e i l i- gung oder Nichtbeteiligung anderRegierungs- k o mm ifsion für die Uebergangswirtschaft. Sie sprach in ihrer Tagesordnung den Wunsch aus. daß die Mitglieder, die ihre Entlassung noch nicht eingereicht hätten, dies durch Anerkennung der Gründe der übrigen sozialistischen Deputierten tun möchten. Seit dem Sieg der Mittelmächte am Jl onzo hatten die italieni- scheu Sozialisten gemäß dem Prinzip der Landesverteidigung ihre oppositionelle Haltung ausgegeben, bezw. stark gewildert. Nunmehr scheint sich wieder eine Linksschwenkung zu vollziehen. Geftermchijch-italienischer Gefangenen- austaujch. Wien, IS. August. Dem.Fremdenblatt' zufolge wandte sich der Papst kürzlich mit einem die Einzelheiten genau festlegenden Vorschlag an die österreichisch-ungarische Regierung und Italien, die Kriegsgefangenen, welche länger als Jahressrist fich in Ge- fangenschaft befinden, gegenseitig auszutauschen. Der Vorschlag wurde seitens der österreichisch-ungarischen Regierung zustimmend beantwortet. Die Haltung der italienischen Regierung gegenüber dem Vorschlage ist noch unbekannt. Englischer Kriegswucherskanöal. 5«-Pfennig-Aktien steigen auf M.! Bern, 13. August. Zur Untersuchung d«S unter dem Namen Zellulose s!an dal bekannten Falles krassen Kriegsgewinner» tuntS einer englisch-schweizerischen Gesellschaft hat die englische Re- gierurig einen Ausschuß eingesetzt, der aus namhaften Persönlich- keilen, dem Richter Lord Summer, dem Reeder Lord Jnchcape und dem Großindustriellen Lord Colwyn besteht. ..Times" schreibt: Die einzig feststehende Tatsache in der Affäre ist, daß der Gründer der Gesellschaft, die Zellulose und Azeton für Flugzeugbahnen liefert, dieses Kriegsbedürsnis so aus- nutzte, daß jedwede Sixpence-Gründcraktie später vierzehn Pfund- Aktien gleich wurde. Wenn dieses einem Shndikat von Bäckern passierte, würde die Tatsache ausreichen, die Angelegenheit am Laternen pfähl zu enden. Zellulose für Flugzeuge tft aber schließlich nur ein etwas weniger notwendiger Artikel als das täg- Itche Brot.—„M o c n i n g Post" betont, daß daS ungeheure Wachstum der Zellulosegesellschaft nur dank der außerordentlichen Parteilichkeit der Regierung möglich gewesen sei. Die Affäre würbe für den guten Ruf Churchills vernichtend sein, wenn dieser noch einen solchen hätte. Jedenfalls sollten er sowie die anderen beteiligten Beamten des MunitionsministeriumS während der Untersuchung zurücktreten.—.Daily Chronic! e' weist daraus hin, daß durch den Skandal eine Reihe von Männern bloß- gestellt sind, die mit der Petroleumindustrie zu tun haben, inSbe- sondere der an der Spitze des Petroleumdepartements stehende Ko- lonialsekretär Long, dessen Sohn, Major Long, 6800 Aktien der Zellulosegesellschaft besitze, und der Direktor der Petroleum- exekutive, Professor Sir John Sadman, mit 4350 Aktien. Französischer Bericht vom 14. August nachmittags. Zwilchen Avre und Oife Tätigkeit der Artillerie beider Teile, besonder» im Abschnitt von Roye-sur-Matz und Conchy-leS-PotS. An der VeSle- Front blieben Handstreiche der Deutschen vhne Ergebnis. Die Franzosen machten einen Einbruch in die deutschen Linien in der Gegend von Mesnil-les-Hurlus; eS gab Gefangene. Sonst war die Nacht ruhig. Französischer Heeresbericht vom 14. August abends. Im Laufe des Tages setzten unsere Truppen ihre Fortschritte zwischen der Matz und der Öise fort und nahmen Ribecourt ein. Oeftlich von Belval gelang es unseren Jnfanterieeinheiten, welche die Vorbereitung eines deutschen Gegenangriffes entdeck: hatten, Ge- fangen« zu machen, sieben Offiziere, darunter zwei Bataillons- sührer, und eine gewisse Anzahl Mannschaften. In den Gegenden von Rohe und Lassigny wird der Artilleriekampf sehr lebhaft fort- gesetzt. Frauzösischer Heeresbericht vom 15. August nachmittags. Die Nacht war gekennzeichnet durch ziemlich starke Artillerietätigkeit zwischen Avre und Oise. Ein feindlicher Handstreich in der Champagne im Abschnitt von Marquise erzielte kein Ergebnis. Englischer Bericht vom 14. August nachmittags. Oertliche feindliche Angriffe im Dikkebusch-Absehnitt wurden zurückgewiesen. Im Abschnitt von Vieux-Berquin setzten unsere Patrouillen ihre Vorstöße fort; e? gelang ihnen, unsere Linien ostwärts von dem Dorfe vorzuschieben. Unsere Linie wurde ostwärts von Meteren ein wenig nach vorn verlegt. Englischer Bericht vom 14. August abends. In örtlichen Kämpfen in der Nähe von ParvillerZ erzielten wir Fortschritte und machten verschiedene Gefangene. In Fortsetzung des kürzlichen Ruckzuges im Hebuterne-Alischnitt räumte der Feind die vorderen Stellungen bei Bcaumont-— Hamel— Serre— Puisieux« au• Moni Bucquoy. Unsere Patrouillen stellten die Verbindung mit dem Feind her. Wir gewannen über diese Dörfer hinaus Boden und machten einige Gezangene. Der Fliegerangriff auf Frankfurt. Basel, 15. August. Der Bericht des englischen Flugdienstes vom 13. August lautet: Eines unserer Geschwader griff erfolgreich die Flugzeugwertstätte und die chemisch« Fabrik von Frankfurt a. M. an. Explosionen im Mittelpunkte der Ziele wurden beobachtet. Das Geschwader, da» von einer gtoßen Anzahl deutscher Jagdflugzeuge angegriffen wurde, vernichtete davon zwei. Ter Kamps setzte sich aus einer Strecke von 30 Meilen fort. Alle unsere Apparate kehrten zurück. &n anderes britisches Geschwader griff den Flugzeugplatz Hagenau im Elsaß an. Es wurde beim Ueberfliegen der Linien von einer großen Anzahl deutscher Jagdflugzeuge angegriffen, von denen es vier zerstörte und eitveS zur Landung mit Havarien nötigte. Seiner- seits büßte das Geschwader zwei Apparate ein. Es setzte seinen Flug fort, bombardierte das Ziel und erzielte auf einem großen Flugzeugwerk einen Treffer. Eine andere Bombe zerstörte vier auf der Erde befindliche Flugzeuge. Die„Frkf. Ztg." bemerkt hierzu: Der amtliche englische Bericht über den Flugangriff aus Frankfurt zeigt erneut die Unglaubwürdig reit der feind» lichen Berichterstattung. Wie jeder Frankfurter sich überzeugen konnte, ist weder eine Flugzeugwerkstätte, noch eine chemische Fabrik, die man beide in der Stadt vergebens sucht, getroffen. Auch die Behauptung vom Abschuß von sechs deutschen Flugzeugen bei Hagenau ist unwahr. Versenkungen. Berlin. 14. August. In den Gewässern um England wurden durch die Tätigkeit unserer U-Boote ISlKX» Br.-R.-T. vernichtet. Der Chef des AiuniraljtabeS der Marine. Die meistbombarbiertr Stadt. Bern. 14. August. Journal' meldet aus Calais, daß Calais seit Kriegsausbruch 220 mal Luftangriffen ausgesetzt war. Die Stadt wurde mit 1415 Geschossen verschiedenster Art belegt. TaS verursachte unter der Zivilbevölke- rung den Tod von 135 Personen, während 364 verletzt wurden. Die militärischen Verluste sind nicht angegeben. Das Blatt stellt fest, Calais sei neben Dünkirchen und Nancy die durch deutsche Luft- angriffe an: meisten betroffene französische Stadt. Amerika als Gläubiger Englands. Amsterdam, 15. August. Englischen Blättern zufolge sagte der frühere Schatzkanzler Mr. Kenna in der Unterhaussitznng vom I. August bei der Debatte über die neue Kreditvorlage, er fürchte, daß die Zeit nicht mehr fern sei, wo England, das in diesem Kriege seine Verbündeten mit so be- deutenden Geldbeträgen unterstützt habe, den Bereinigte» Staaten ebenso große Beträge schulden werde, wie es jetzt von den anderen Verbündeten einzufordern habe. Tie Karelier in Finnland. Helsingfors, 13. August. Heute traf eine fernkarelische Abordnung, die vier große Ge- meinden vertritt, hier ein, um der finnischen Regierung ihre Wünsche vorzutragen. Schwermduftrie unö preffe. Handelskammerfyndikus Rocke über die„Ala�. Im„Weltmarkt" veröffentlicht der Hannoversche Han- delskammersyndikus Dr. Rocke einen Aussatz zur Verteidigung der Ala, jener schwerindustriellen Jnseratengesellschaft, die willfährige Blätter mit Anzeigen belohnen und unbotmäßige mit Boykott bestrafen will. Herr Rocke empfindet es als einen „Zwiespalt", wenn der Text des Blattes unabhängig vom In- seratenteil redigiert wird und sagt darüber: So ist auch in einem Teil der deutschen Presse der Z w i e- spalt hervorgetreten, der vorhin festgestellt wurde: der An- zeigenteil wird zur Reklame für die Industrie benutzt und ihr gern zur Verfügung gestellt, und im Schriftteil empfinden die annoncierenden Industriellen eine Vernachlässigung und zum Teil Bekämpfung ihrer Interessen. Ihr Wunsch, hierin Wandel zu schaffen, ist ton ihrem Standpunkt aus begreiflich; nirgends und niemals ist ihr Streben dahin gegangen, die Unabhängigkeit der Presse in Frage zu stellen und nach dieser Richtung einen unzu- lässigen Druck bei Vergebung ihrer Ankündigungen auszuüben(?), wohl aber soll eine bessere Verteilung der Jnseratenaus- träge stattfinden, indem auch Blätter, die bislang durch die einseitig orientierten Annoncenbureaus weniger bedacht wurden, solche er- halten. Eine solche Neuordnung wird Blättern zugute kom- m e n, in denen sich die wahre Stimmung des Volkes wenn nicht überhaupt, so doch bezirkig oder beruflich abgegrenz- t e r Kreise besser widerspiegelt als in den jetzt bevorzugten, ge- lesensten, vom Auslande über Gebühr geschätzten Zeitungen, denen dadurch allerdings unter Umständen eine gewisse Einbuße erwachsen kann, was sie auch recht gut torausempsinden; daher ihre scharfen Angriffe gegen die„Ala", die diese Neuordnung bewirken wird.... Dieser Herr Rocke, den heute wohl nicht mehr allzu viele kennen, war vor ein paar Jahren einige Wochen lang eine Berühmtheit. In einer Generalversammlung des Zentral- Verbandes Deutscher Industrieller war Klage darüber geführt worden, daß sich sogar schon in der nationalliberalen Partei sozialpolitische Bestrebungen geltend machten. Da erhob sich Herr Rocke und erklärte rund heraus, die nationalliberalen Abgeordneten hätten ganz einfach die Interessen der Groß- Industrie zu vertreten, denn diesehabejaihrcWahlen bezahlt. Die Sache erregte unangenehmes Aussehen und Herr Rocke mußte aus der nationalliberalen Partei, der er bis dahin angehört hatte, ausscheiden. Ma kann sich danach vor- stellen, wie es aussieht, wenn dieser Herr Dr. Rocke— dies- ma! auf die Presse—„keinen unzulässigen Druck" ausüben will. Für preußischen Wahlrechtsfrage. Tie Partei Mr und Gegen. In der„Vossischen Zeitung" hat der Oberverwaltungsgerichts- rat Dr. Damme die Auflösung des bisherigen Zusammenhanges in der Nationalliberalen Partei empfohlen, um dadurch die Wahl- rechtsschwierigkeiten zu überwinden. Der liberal gesonnene Teil solle sich absondern, um so die Vorbedingung zu einem Zusammen- schluß des Gesamtliberalismus zu schaffen. Herr Dr. Damme sagt, daß heute sämtliche in Betracht kommenden Parteien national seien und keine das Recht habe, sich in diesem Punkte ein besonderes Verdienst anzumaßen. Die parteioffiziöse„Nationalliberale Korrespon» d e n z" erklärt das für zutreffend; eS sei aber sicher, daß sich in den konkreten Fragen der Kriegspoliiik sehr tiefgehende Unterschiede er- gäben. Die Nationalliberale Partei habe jedenfalls in den Fragen der auAvärtigcn Politik mit der Linken nicht zusammengehen können. Sie sei dabei in sich so einig und geschloffen gewesen, daß alle übrigen Meinungsverschiedenheiten innerhalb ihres Rahmens dagegen zurückträten. Zur Wahlrechtsfrage selbst meint die Korrespondenz, eS sei durchaus möglich und gar nicht so schwer, den Uchcrgang von dem Mehrstimmenrecht zum gleichen Wahlrecht zu finden, sobald man einmal den allgemein politischen Gesichtspunkt anerkenne, ton dem aus das gleiche Wahlrecht als eine unbedingte Staatsnotwendigkeit angesehen werden müsse. Die Korrespondenz gibt die Hoffnung nicht auf, daß«s gelingen wird, die Wahl- rechtsgegner in der Partei noch eines Besseren zu überzeugen. Die Nationalliberale Partei trete in chrer weit überwiegenden Mehrheit für das gleiche Wahlrecht ein und sei auch entschlossen, den Wahlkamps mit aller Kraft aufzunehmen, wenn ein anderer Weg nicht gangbar sei. Bis dahin aber müßten alle Mittel der friedlichen Verständigung erschöpft sein. Die Nationalliberalcn haben es ja schon auf einem Landes- Parteitag mit der„ftiedlichen Verständigung" versucht, die schwer- industriellen Wahlrechtsfeinde aber haben darauf gepfiffen. Wenn sie jetzt erklären, sie seien unter Umständen bereit, für das gleiche Wahlrecht zu kämpfen, so muß man fragen: Gegen wen? Doch in erster Linie gegen ihre eigenen Parteigenossen, die daS Haupt- Hindernis sind! Man weiß nicht recht, welches Bild aus der Zoologie man für diesen Fall wählen soll: das von den Löwen, die einander bis auf die Schwänze auffressen oder das von den Krähen. die«inander nicht die Augen aushacken. Aus alle Fälle aber: wenn sie sich nicht von ihnen scheidet, so trägt die g a n z« Nationalliberale Partei für das Treiben ihrer WahlrechtSgegner die Verantwortung. Die Feit öer schweren Not. Der Hund des Kriegsgewinners— Tie Küche der Prinzessin. Vom Rhein wird uns geschrieben; Bei der BekleidungZ- abteilung in Köln hat die Frau eine? KriegsgewinnerS einen Be- zugschein auf einen„Sweater" für thren Hund eingereicht. Man glaube bitte nicht an einen schlechten Scherz. Die Dame nahm den Autrag bitter ernst, denn sie brachte das Attest eines Tierarztes bei, dahin lautend, der Hund leide an Rheuma- t i s m u s und bedürfe daher eines gestrickten warmen Sweaters. So also bemüht irgendein reiches Frauenzimmer zu Beginn des fünften Kriegsjahres eine Behörde und einen Tierarzt für ihren Hund, in einer Zeit, wo es Millionen Kindern an Strümpfen und zahlreichen Schwerkranken an ausreichender ärztlicher Hilfe fehlt. Die Kölner BekleidungZabteilung hat das unverschämte Ansinnen natürlich abgelehnt. Ter Antrag wird im.Kriegsmuseum' auf- bewahrt. r In der„Kölnischen Volkszeitung' suchte die Prinzessin Franz zu Salm-Salm jüngst eine Köchin. Eine Bewerberin erhielt einen höchsteigenhändigen Brief der Prinzessin aus Hau» Loburg, Post Koesfeld i. W., der u. a. folgende Fragen enthielt: Sind Sie katholisch? Wie alt sind Sie? Sind Sie voll- kommen gesund und leistungsfähig? Verstehen Sie gut die«in- fache sowie auch die feine herrschaftliche Küche? Können Sie backen, einmachen, einschlachten, räuchern und wursten, sowie auch buttern und verstehen Sie auch etwas von der Hühnerzucht? Sind Sie bereits auf dem Lande in einem großen Haushalt in ähnlicher Stellung gewesen?... Es sind hier täglich für fünf bis sieben Personen Herr- s ch a f t und neun bis zehn Personen Dienerschaft zu kochen.... In Haus Loburg ist gut sein. Auch cm Arbeitskräften mangelt eS dort nicht. Anderwärts bietet man Schulkinder zu schwerer Arbeit auf, hier stehen für jeden„herrschaftlichen' Menschen ein bis zwei Diener oder Dienerinnen zur Verfügung. Partemachrichten. Mit der Rominierung ciucs neuen Kandidaten befassen sich zurzeit die Unabhängigen im Kreis R e u ß ä. L. Die am Sonntag in Greiz stattgefundene Generalversammlung dcZ unabhängigen Vereins nahm nach einem Referat von Drechsler eine Entschließung an, wonach der bisherige Abgeordnete Cohen nicht mehr als Vertreter der Unabhängigen zu betrachten sei. Es wurde beschlossen, eine Kommission zur weiteren Behandlung der Kandidatenfrage einzusetzen.'■ Aus dem weiteren Verlauf der Beratungen entnehmen wir, daß die Organisation der Unabhängigen sowohl in finanzieller Beziehung wie auch nach dem Stand ihrer Mitgltederzahl keineswegs auf Rosen gebettet ist. Di« Einnahme inkl. 1635,03 M. Kassenbestand betragen 2133,25 M., die Ausgaben 1954 M. Und von den 1378 im Buch geführten Mitgliedern befinden sich 817 im Feld. Bock- Gotha und Drechsler bestritten, daß die„Regierungs- sozialtsten" ein Recht auf Forderung der Herausgabe des Vcr- mögens haben. Bei Punkt: Aussprache über den Stand der Presse leistete sich der Referent Kiß u. a. die Behauptung, daß ein Teil der deutschen Presse, darunter auch der„Vor- wärt s", aus Reichsmitteln unterstützt werde. Dieser Kitz ist offenbar auf den Schwindel des all- deutschen Herrn Hopfen hineingefallen, � der jüngst vom Verein der großstädtischen ZeitungSverleger aufgedeckt worden ist. Dieser„Unabhängige" ist in seinem Kampf gegen die Partei �v o n den Alldeutschen abhängig, von denen er seine Lügen- Waffen bezieht.__ Znöustrie unö yanöel. Ter Wirtschastsverbaud der Allüerte«. Dem„Nieuive Rottcrdamschen Courant' zufolge enthält die„Times" einen Leitartikel mit der Ueberschrift„E i n W tr t- schaftsverband der Alliierten'. Die„Times" legt den Nachdruck darauf, daß ihrem Korrespondenten zufolge die Amerikaner damit einverstanden sind, daß über die Rohstoffe eine entsprechende Kon- trolle ausgeübt werde, um den Alliierten den Vor- rang zu sichern und bei den Friedensverhandlungen, sowie für die Zeit nachher gegen die Deutschen eine wirksame Karte in der Hand zu haben. Tic„Times" ist der Ansicht, daß diese Formel auch als allgemeine Formel Raum genug für alle Maßregeln der Wirtschaftspolitik gibt, die in England und den anderen alliierten Ländern Europas beabsichtigt werden. Die„Times" ist aber bei alledem sehr enttäuscht über die Erklärung ihres Korrespondenten, daß die Amerikaner für die Reichsvor- zugszölle nichts übrig haben. Sie schreibt: Deutsch- land versteht diese Politik gut, denn es hat aus der Laxheit der britischen Regierungspolitik vor dem Kriege so viel Vorteil wie möglich gezogen. Die Vereinigten Staaten würden dies viel- leicht weniger würdigen können, weil sie immer ehrliche Mit- bewerber auf dem Gebiete des Handels gewesen seien und nicht, wie Deutschland, die britische Handelsfreiheit dazu verwandt hätten, ihre militärische Stärke zu vergrößern. Deutschland sehe sehr gut ein, daß die Einführung von Reichsvorzugszöllm ein Zeichen der Zeit sei, daß die Regierung und daS Volk von Eng- land nicht länger bereit feien, auf Kosten der nationalen Sicher- heit die gegenwärtigen Lebensbedingungen beizubehalten, und daß sie entschlossen seien, die Rohstoffe für die eigene Industrie und das Material für die Volksernährnng nicht ausländischen Handelskoinbinationen, die darauf ausgehen, sich ihrer mit Hilfe des Staates zu bemächtigen, zu überlassen. Alle anderen Völker der Welt hätten schon lange vor dem Kriege dafür gesorgt, daß so etwas nicht möglich ist, und wahrscheinlich habe auch jedes andere Volk außer den Deutschen sehr gut eingesehen, was für eine Gefahr die Weigerung Englands, bei seiner alten Politik zu bleiben, in sich berge. Zun: Schluß erklärt die„Times", diese Politik bilde kein Hindernis für die Durchführung eines definitiven Wirtschaftsverbandes der Alliierten oder für das Zustande- kommen eines Völkerbundes, sie sei vielmehr eine unvermeid» liche Vorbedingung für beide. Denn wenn das britische Reich wie vor dem Kriege an dem Freihandelsdogma hartnäckig fest» hielte, würde es nur ein schwacher Parwer eines Abkommens der Alliierten für die Verwertung von Rohstoffen werden können und würde infolge seiner wirtschaftlichen Wehrlosigkeit nur eine Wiederholung der deutschen Wirtschaftspolitik, wie sie vor dem Kriege war, hervorrufen. Letzte Nachrichten. Die Leipziger Messe. Leipzig, 15. August. Die genaue Zahl der bis heute zur Herbst- messe in Leipzig angemeldeten Aussteller beträgt, wie das Meßamt mitteilt, 5000 Firmen. Damit ist die Aussteller zahl der letzten Frühjahrsmesse, der bisher am stärksten besuchten aller Krieg»- messen, um über 1800, die der letzten Herbstmesse 1917 um über 2400 Firmen überschritten. Bisher weist die letzte FriedeuSmesse, die Frühjahrsmesse des Jahres 1914, die höchste Ausstellerzahl von 4213 Firmen auf, die nun um 300 überschritten ist. Die Besucher- zahl der bevorstehenden Herbstmesse dürfte 1700 erreichen. Lohnbewegung in den städtischen Elcütrizitcts-Wcrkcn Berlin. Zum 1. April d. S- war vom Arbeiterau-schuh der St. E.-W. eine Lohnerhöhung von 20 Pf. pro Sliinde bei der Duellion be- antragt. In der gememsanien Sitzung wurde eine Zulage von 10 Pf. pro Stunde belvilligl. Zum 1. Juli d. I. lvuide eine weitere Erdöhung von 5 Pf. pro Stunde erwartet. Dos; diese letztere Erhöhung in der gcnleinsamcn Sitzung itugefianden sei, stritt die Direktion enlsckieden ab, eS stand Behauptung gegen Behauptung. Die Arbeiterschaft der Werte nahm daher erneut!tlt einer Iveiteren Lohnforderung Stellung. Der ArbeilerauMcbusz erhielt den Auftrag, zum 1. Juli eine weitere Erhöhung des Stundenlohnes um 20 Pf. zu beantragen. Erzielt wurde, nachdem auch VerHand- Inngen mit dem Verband der Maschinisten und Heizer stattgefunden hatten, von der ersten Lohnwochc ini Monat Juli ab eine Erhöhnng des Stundenlohnes um 10 Pf. und von der ersten Lohnwochc im Monat Oktober 1918 ob um weitere 5 Pf. Die Erklärung der Direktion, dast ab 1. Juli keine 5 Pf. bewilligt seien, schlug somit zum Vorteil der Arbeiterschaft aus, indem nun vom genannten Termin statt 5 Pf. pro Stunde 10 Pf. pro Stunde gezahlt werden. Weiter wurde erreicht, dast auch die Arbeiterinnen der Werke dieselbe Zulage wie die Männer erhalten. Bei früheren Lohn- erhöhungen wurden den Frauen stets geringere Zugeständniste ge- nracht. Durch entschiedenes Eintreten des Verbandes der Maschinisten wurde nunmehr hiervon abgewichen. Der Höchstlohn für Arbeiterinnen heirägt jetzt 1,02�,, M. Der Einsiellungslohit 85 Pf. pro Stunde. Der Höchstloh» für Arbeiter beträgt ab 1. Juli 1.47V« M,, der-Einstelluiigslohn 1,25 M. pro Stunde. Außerdem erhalten von der ersten Lohnwoche im Juli ab die gelernten Fachhandwerkcr eine Konjunkiurzulege von 10 Pf. pro Stunde. Für diese beträgt also die Zulage ab Juli 20 Pf. pro Stunde. Bei der Direktion wurde ferner beantragt, in den Betrieben der Werke die achtstündige Arbeitsschicht einzuführen. Die Per- Handlungen hierüber schweben noch. Tic cingctrctcncn Lohnkürzungen. Diese? Thema behandelten in einer sehr gut besuchten Versa m m l u n g im ElewerkschafishauS die H i l s S- und Transportarbeiter auS den Metall- und NüstungSbetriebcn Grost-Berliiis. Obwohl der durchschnittliche Verdienst der HilsS- und Transportarbeiter in den Metall- und Rüstungsbetrieben nur 1,10 M. pro Stunde beträgt, sind dennoch bereits in eimgen Be- trieben Lohnreduziertingen eingetreten. Der Durchschnittslohn betrug im Frieden 45 Pf. pro Stunde, er ist also>vähr«id des Krieges im allgemeinen um 140 Proz. ge- stiegen. Diesem bescheid«ien Verdienst stehen aber die ans-, er- ordentlich hohen Preise für Lebensmittel gegenüber, deren Steige- rimg im einzelnen nahezu 1000 Proz. und mehr ausmachen. Es sei, so wurde betont, eine Tatsache, dast der Lohn eines Hilfs- und Transportarbeiters knapp ausreiche, um Miele, Steuern und die rationierten Lebensmittel zu kaufen; wären gar mehrere Kinder in der Familie, dann reiche das Geld zur Erbaltuno der Familie nicht aus. An eine Ergänzung der Arbeitskleidung, noch dazu bei den heutigen Preisen, ici gar nicht zu denken. Ganz besonders wurden die niedrigen Löhne der A. E.G.-Betriebe besprochen. Hier betrug der allgemeine Durchschnittslohn nur 85 bis 90 Pf., so dah die Hilfs- und Transportarbeiter nur durch reichliche Neberstunden einen Verdienst erreichen, womit dieselben exlslieren können. Sei doch gelegentlich der letzten Lohnforderungen vor dem Kriegsansschaf; festgestellt worden, das; Hrlssarbeiter täglich 16 und 17 Stunden arbeiten, um nur zuredilzulommeii. Wie da die im Betriebe er« hältltchen Waren, 1 Pfund Fleisch zu 10,50 M,, 1 Pfund Mostrich zu 7,20 M,, 1 Pfund Honig zu 10,50 M., 1 Pfund minder- ivertigen Käse zu 4, 20 M. von den Hilfsarbeitern gekauft werden sollen, bleibt ein ewiges Rätsel der Direktion. Es sei daher un° begreiflich, wie bei so niedrigen Löhnen noch Lohnreduzicrimgen vorgenommen oder Aufbesserungen seitens der Untertiehmer ab- gelehnt werden. Ganz im Widerspruch ständen hierzu die Be- bauplungen der Unternehmerpreste über die„Riesenverdienste" der Arbeiter in der Metall- und Rüstungsindustrie. Alle Redner brachten zum Ausdruck, daß die Löhne nicht rück- wärts. sondern auswärts gebracht werden müssen: mit allen Mitteln müste verhindert werden, daß die elende Lage der HiNS- und Transport.rrbeiier durch Lohnkürzungen noch weiter verschlechtert werde. Es wurde daher von der Versammlung an alle in der Metall- und Rüstuiigsrndustrie befchäfligten Hitfs- und Transportarbeiter die ernste Mahnung gerichtet, sofort an den Ausbau der gewerkschaftlichen Organiiaiion zu gehen, um in den kommenden mtausbleibltchen Abwehrkämpfen gerüstet dazustehen. Tie Lohnbewegungen 1918 im Malergewerbe. lieber die diesjährige Lohn- und Tarifbewegung im Maler» gelverbe macht der„Vercitisanzeiger* des Verbandes die folgenden vorläufigen'Ingaben: Es wurde im Durchschnitt erreicht für 1918 eine Zulage von 19,59 Pf. die Stunde. Die 1916 und 1917 vcr- einbarten Zulagen ergaben zusammen 18,85 Pf. Die Durchführung der Teuerungszulage, die für Lohngebiele niii über hunderttausend Einwohnern auf 20 Pf., für alle anderen auf 15 Pf. festgesetzt war. ist fast uiraends auf Widerstand gestoßen; nur vier Lohngebiete mit 0,46 Proz. der Beichäftigten sind unterhalb der zentral ver- einbarten TeucrnngSznlagc geblieben, während 25 Lohngcbietc dar- über hinausgegangen sind.__ Arbeitszeit und Arbeitsleistung. Auf Veranlasfung der britischen Regierung sind bei Arbeitern industrieller Beirebe in sieben Fabriken zwei Jahre lang Untersuchungen übrr Ermüdungserscheinungen bei längerer und kürzerer Arbeitszeit angestellt worden. Die ersten beiden Berichte liegen nach„Jroii Age" jetzt vor. Der eine bezieht sich auf eine Fabrik von Verbandsstoffen mir 2000 Arbeitern, der andere auf ein Werk, das Kriegsmaterial berstcllt, mit 600 Arbeitern. Die wissenschaftlich durchgeführten Untersuchungen ergaben, daß sich bei Ueberstunden und bei Nachtschichten eine so starke Er- nuidung zeigt, daß sie volkswirtschaftlich unzweckmäßig sind. Auch kurze Erbolnngspaii'en änderten daran nicht viel, besonders bei ungünstigem Ernährnngsznstaitd. Verkürzung oder Wegnahme der Ruhepausen, Ueberstunden oder Ein- ziebang des Rnbetages verringern letzten Endes die Produktion. Die Verkürzung emeS 12 ständigen Arbeitstages auf 10 Stunden bewirtie eine absolute Steigerung der Erzeugung um rund 5 Proz. Bei einer Kolonne von acht Arbeitern erhöhte sich die Durchschnitts- leistung bei dieser Kürzung der Arbeitszeil von 262 aus 276 Stück: dieselbe Kolonne brachte aber bei achtstündiger Arbeitszeit 316 Stück heraus. Damit ist wieder einmal der Beweis erbracht, daß auch vom Unternebmerstandvnnkt aus fede Verlängerung der Arbeitszeit über die Achtstiindengrenze hinaus die Produktion nicht fördert, fondern hemmt. in den Badeanstalten 54 684 Mitglieder behandelt. Im Jahre 1917 errichtete die Ortskrankenkasse Sonnebcrg eine.igene Badeanstalt. Eigene Lungenheil st ätten besitzen drei Kassen. Eine An- zahl Kassen besitzen Walderholungsstätten und Kmder-- Heime. Die Ortskrankenkasse Sonncberg hat eine solche Unter» kunftsstättc mit einem landwirtschaftlichen Betrieb verbunden, dessen rc'cher Viehbestand Milch für die erwerbsunfähigkrankcn Kassen- Mitglieder liefert. Von sonstigen Unternehmungen sind zu erwähnen die Phhst- knlische Heilanstalt der Ortskrankenkasse Dresden, die Bein- k l i n i k c n der Ortskrankcnkassen Frankfurt a. M. und Dresden. Der Ortskrankenkassenverband in Stuttgart besitzt seit Jahren ein chemisches Laboratorium, in dem allerLi Harn-, Blut- und Splltumuntersuchungcn vorgenommen werden. Einige Kassen. wie z. B. die Ortskrankenkassc Neukölln, besitzen optische An- aalten. Im Jahre 1917 hat die Einiglingskommission der bam- burgischen Aerzte und Krankenkassen eine R a s i« r st n b e errichtet, in der jeder mit Bartflechte behaftete Kranke unentgeltlich rasiert wird. Weiter erwarben im Jahre 1917 die Ortskrankenkasseir Altona ein Sanatorium, die Allgemeine Ortskrankenkasse Hamburg ein Erholungsheim usw. Von den einzelnen Kassen dürften be- sonders die Oriskrankenlassen Leipzig, Dresden und München obenan stchcn. Erstere besitzt drei Genesungsheims, ein Er- holungsheim für Nervenkranke, ein mediko-mechanisches Institut und ein Röntgeninstitut. Einige Kassen besitzen auch Polikliniken. Zu immer größerer Einführung kommt auch die Selbst» abgab« von Heilmitteln und Verbandstoffen durch die Kassenverwaltungsu. Sie wird seist von etwa einem Drittel �der größeren Krankenkassen geübt. Viele Kassen neben auch Nähr- und Stärkungsmittel, Trogen und abgepackte Arzneimittel direkt an die Mitglieder nach ärztlicher Anordnung ab. Nach den Be- richten deS Hauptverbande? der Ortskrankenkassen hatten 84 mitt- lere Kassen mit 237 382 Mitgliedern durch die Selbstabgobe im Jahre 1917 eine Ersparnis von 50 369 M. Mindestens rund 150 Ortskrankcnkassen besitzen eigeue Vcrwaltungs- gebäude. Besonders hervorragend ist das Gnchäftsgebäude der Orlskrankenkasse Dresden, das einen Wert von SVi Millionen Mark besitzt. Da? Geschäftshaus der Ortskrankenkassc München kostet IVi Millionen Mark.— Man sieht also, daß sich die Krankentrex- sichcrung in dieser Weis« auch„in die Tiefe" entwickelt. SoZiaies. Tic Eigen betriebe der Krankenkassen. Mit der Zentralisation der Krankenkassen ist auch deren Lei- sinngsfähigkeit gewachsen. Naturgemäß häufen sie größere Kapitalien an, und es ist begreiflich, daß damit das Bestreben entsteht, di« Gelder zum Teil durch eigene wirtschaftliche Unternehmungen den Versicherten dienstbar zu machen. So entstehen eine Reihe Veranstaltungen, die vorwiegend der besseren Durchführung der Krankenpflege dienen. Die amtliche Statistik der Krankenversicherung spricht sich über diese Unternehmungen nicht aus; die privaten Erhebungen zeigen aber, daß sie sich in einer kräftigen Entwicklung befinden. Nach dem Bericht de? Hauptverbandes deutscher Ort?- krankenkassen besitzen 18 Kassen Genesungsheime, Die Zahl der Betten in denselben beträgt rund 1400. Ter Wert der Anstalten beziffert sich auf rund fünf Millionen Mark. Die Zät- lung ist aber keineswegs erschöpfend: in Wirklichkeit ist die Zahl der Kassen mit derartigen Unternehmungen größer. Enva 20 Kassen besitzen eine Zahnklinik. Besonders starke'' Inanspruchnahme zeigen die ZahnkliniUn der Ortskranken- lassen Chemnitz, Dresden, Strußbnrg, Düsseldorf, Plauen. Kiel, Barmen. Elberfeld, Braunschweig, Frankfurt a. M.. Bremerhaven usw. Die Zahnklinik des Ortskrankenkassenverbandes Stuttgart besitzt vier Zweigstellen und beschäftigt 16 Zahnärzte, 7 Zabn- trchniker usw. Der Geldwert dcr Leistungen nach den Sätzen der amtlichen Gebübrentaxe berechnet« sich im letzten Jahre aus 280 474 Mark, in Wirklichkeit erforderte die Klinik alles in allem nur einen Aufwand von 179 000 M. Im Jahre 1917 wurde von den OrtSkrankenkaffen Bergedorf und Neumünster je ein« Zahnklinik errichtet. lieber eigene Badeanstalten berichten etwa 10 Kassen. In Wirklichkeit sind auch hier mehr vorhanden. Die Anstalten haben einen Wert von rund 265 000 M. Im Jahoe 1317 wurden WoWätig auf Kosten des Personals. Den Versuchen mancher Arbeitgeber, das Personal zu Wohliahrts- einrichtungen zwangsweise heranzuziehen, ohne daß auch alle Ar- bcitcr an dem Nutzen der Institution teilnehmen können, hat da? Obcrlandcsgericht Eelle durch eine beachtenswerte Entscheidung «inen Riegel vorgeschoben. Eine Holzbearbeitungsfabri? legte nach Kriegsbeginn dem gewerblichen Personal folgende Erklärung zur Unterschrift vori „Unsere Arbeiter, die bei Kriegsausbruch bei uns beichäitigt waren, bezahlen für die Frauen ihrer im Fell« stehenden Kollegen folgende Unterstützungeii usw. Wir bestehen darauf, daß die seit dem 1. August zu einer provisorischen Beschäftigung eingestellien Arbeiter, deren Familien bep ihrer Einziehung zum Heeresdienst nicht unterstützt werden, die oben bezeichneten llnterstützimgen ebenfalls zahlen. Wir ersuchen, das Einverständnis durch Namensunterschrift zu erklären.'' Der Kläger F. hat, um seine Arbeit nicht zu verlieren, mit seinen anderen Kollegen das Rundschreiben unierzcichnet, ficht aber die Gültigkeit durch Klage an und verlangt Rückzahlung der ihm gemachten Lohnabzüge. Das OberlandeSgcricht kam zur antragsgemäßen Verurteilung der beklagten Fabrik, und zlvar mit folgender Begründung: Nach § 117 der Gewerbeordnung seien Abreden zwischen Arbeitgeber und-nehmcr ungültig, die den Verdienst für einen anderen Zweck als für Einrichtungen zur Verbesserung der Arbeiter und deren Familien verwenden wollen. Entgegen der Auffassung des Land- gerichts, das den Kläger abwies, müsse verlangt werden, daß die Vorteil« der Einrichtung grundsätzlich und bestimmungsgemäß allen dazu Beitragenden zustießen. Tie hier von dcr Beklagten � ge- schaff- ne Einrichtung diene dem Wohle der sog.„alten" Arbeiter, deren Einberufung zum Heeresdienst in Zukunft zu erwarten war. Tic anderen Arbeiter waren bestimmungsgemäß von der Wohl- fahrt ausgeschlossen. Das sei eine Einrichtung zum Vorteil eines Teiles dcr Arbeiter unter Ausschluß des anderen Teiles, nicht zum Vorteil der Arbeiterschaft in ihrer Gesamtheit. Darum sei die Ab- rede des Lohnabzugs nichtig. BeruMworilich für Poliilt: Erich KuUiier, Berlin: für den übrigen Teil des Blattest Alfred Tchdiz, Neutölln: für An-cigen: Theodor Glocke, Berlin Derlag: Vorwärts-Verlag G. vi. b. H.. Berlin. Druck' Vorwärts-Buchdriickcrei und VerlagSanslnIt Paul Singer u. Co. in Berlin Sindenstrahe Z. Hierzu 1 BcUn-ic uud Unlerhalurngoblait. lientMclieM Theater. Allabcmllich 8 Uhr: Max Pallenüerg in l>er fesche liu«H. Kamincrspicie. Heuto und moreren T'/.Uhr: Lucia Höflich in Der Welbsteulel. \'olIrsbühne,Th a.Biilowpl. Allabendlich 71/... Uhr: Sommer nachfstrauxtt. Theater äes Westens Bis einsohl. Dienstag, d. 20. Letzte Aufführungen: 71/. Uhr: Moplio. Operette von Kudolf Nelson. Dir.C. Meinhard— H. Bernauer. Theater Königgratzerstr. 8: Schwestern und dor Fremde. KomödienSiatis 8 Uhr: Die Xarla. BerlinerTheater 7UU.: Blltiiblanes Blnt. Theater her FräilrichÄ Boke Friedrich- u. Lin'.onstr 7'!t Uhr. Norden 8650. Heuto Er*rfanfflilii-unB Kaisorplatz 3, eine Treppe. Kin lubti�os Stück mit Mimik nach. Karl Laufs. ■ÄpWJ Friedrichstr. 218 Dir.: James Klein. j 7=, Sonnt. 3',; u.73;4j Todesrennen in der Luft sow. weitere Sensat. Vorvorkuuc an der j Theaterk. Iß— 6 Ülu.| | Sonnt, Ulir jeder' I Erwachs. 1 Kind frei!| Theater fßr Freitag, 16. August. Nur noch wenige Tage! w Im I. Akt: Hias und das Kammer- g kätzchen. a Die Flucht des Hias aus französischer Gefangenschaft. LZ Der Traum des verwundeten Leutnants. Sa im 11. Akt: S Der gescherte Alisi. SS Das ur- fideie Front-Brettl. ia im III. Akt: Das Kriegsgericht ei Die glänzende Film-Einlage:„Sturm auf Schloß Mont-PIaisier". Tiig-lich 7'/, l'liP abends Sonntag: X Vorstcllunscn: 31/, u. T'/j l'lir WALHALLA»_ Theater ♦ Weinbergsweg, jjj SASIRASAKi Letzter Spielmonal. Xägl. 7'/s Uhr, Sonnabend u. Sonntag 3 u. 7'/, Uhr; Das gowahi<;e Massen- Manege- SeliaustSck „Torpedo- los!" Morgen Sonnaberd, nach-1 mittags 3 Uhr: Große Sondervorstellung. Erwachsene und Kinder halbe Freise. Gcwcrkicfyaftsfyaus. Sonntag, den 18. August 1918: Im herrlichen Naturgarten— der Oase des Ostens:— zM- Sommerfest tk Oes MMe« MnOiet-BetennöK(°rt"K;l'""sl Humoristische Vorträge. Konzert vom Berliner Sinfonie-Orchester. Rolf Brunner Gesangs- und Tanz-Dnett sowie der glänzende Variets- Erütlniings- Spielplan! Tägl. 7'/t. Sonnt. 3'/, n.?"/, Nur noch bis 23. August: Gesamt-Gnstt>plel des Herrnfeld-Theaters: mit Dir. A. Elermkeld und Ferd. Grüneoker in den Hauptrollen. (Avis! Abendspezialität: Stralfunbcr Spickaal mit 4 M.,>/. Sah» 6 M.) öalat Sonntag mittag: Hübncriuvpe... Zander, Hollandaise Pscsferlintie.. Hectir, grün... Heringslartosseln. Heute und morgen: Hühuerbrühe, a Liter 60 Pf., und darin gekochte Fetlhühncr, stz Huhn Ist M. SrÄniEN-?Ässt Granlcnstr. 40— 11 fOranienbrücke) Konzert- Kaffee-Kabarett. Reichshallen-Thoater. Aliabondlich 7h, Uhr: Trianon-Theater BM. Friedriohstr.Ztr. 4927,2391 SU. Zum 350. Male: Ber LedsnssEdAer. Komödiu von Ludwig Fulda. Sonnab. nachm. ,4 U. kl. Pr.: iSchnec wittchen. Sonntag 4 Uhr: Hedda Gabler. Admiraispalast. [Die Prinzessin zoaTfagaatj SSajdab. Ocuischt Tätuef Kühler Aufenthalt. ?'/. Uhr. 2, 3, 4, B, 6 M. Artnv i&ahle— Kric u. Sohn— Harry Malten Gertrud Hinzer-Thiele— Christine Faeller. Kr. Kapelle Dirk van Erp. Stock Weinklause mit BarbUfett. Kaftantenallee 7— 9. freute Benestz für Bruno Wiesner, Paul Lilicnthal tinmcilige Anffiibrnng: DieLtinotönigin. Operette von Jean Gubert. Ans- 5 Uhr. Operette st, 8 Uhr. Lasinn-Theater. Lothringer Str. 37. Tägl. st,8 U.: ! DaSgrotzeEiössnunzsprogtamm Der neue Schlager laa Ml El iöWk! Berliner Posse in 3 Akten. Vorher eritkl. Spezialitäten. Hvrauu Wehliagj Caitzoif u.a. wurde am IE d. M!s. in der dlegend am Sencfelderptatz— llntci grundbabn ein Bund Schlüssel. 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