Ur. 236. 33. Jahrg. Bezugspreis: Vieri-ljähr�-USOM!. monol!, l.BOSRl. frei ins Hau«,»or>mSzahlb«r.EtnzeIn« Nummern 10 Vfenntg. Postbezug: Mosnrtlich. vom Postschaltcr abzuholen l.bC Ml., Dom s&clcf tröget ins Hau» gebracht 1,6-1 Mi. Unter ttreuzband für Dearschland und Oesterreich. Ungarn L.— Mt. für d»K übrige Ausland <50 MI. monatlich. Versand ins Feld bei diretter Bestellung monatl. iMMi. Postbestollungen nehmen an Däne- mark, Holland. Luxemburg, Schweden und die Schweiz. Singetragen in dt« Post-Zeitungs-PreiSIiste. Erscheint täglich. Telegramm. Adresse: »Sozialdemokrat Berlin-. Vevlinev DolKsblAtt. (�IQPfennig�) Anjeigruprei«: DiestebengesvalteneKolorelzeilefostel 80 Pfg.„Kleine Anzeigen", das fettgedrullte Wert Z0 Pfg. izuläffig 2 feltgedruote Worte), i-des weitere Wort 15 Pfg. Stelengefuche und Echlafstellenenzeigen»». erste Wort 20 Pfg., jedes weiter« Wort lO Pfg. Worte über 15 VuchstOen zählen für zwei Worte. 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Aber sonderbar: dieses Interesse scheint sich auf die Anwartschaft eines Erzherzogs auf den polni- schen Thron zu konzentrieren und auch darin zu erschöpfen, ob- wohl es eigentlich viel wichtiger wäre, die G r e n z e n des neuen Staates als seinen künftigen König zu kennen. Doch dürfte die Annahme nicht fehl gehen, daß die Polen bei dieser Lösung nicht allzu schlecht davonkommen. Ein öfter- reichischer Erzherzog wird kaum das Szepter eines verstüminelten Landes sichren wollen. Die Absichten deutscher Annexionisten auf das Land bis zum Narew und das Oberschlesien benachbarte Kohlenbecken dürften ausgegeben sein. Wie die Grenzen aber gegen Litauen, Rußland und die Ukraine verlaufen werden, ist ganz unbekannt. Doch das Gespenst einer vierten Teilung Polens, das die galizischen Polen zu so rücksichtsloser Oppo- sition aufgeregt hatte,.dürfte gebannt sein. Die polnische Frage ist deshalb so schwer lösbar, weil ein polnischer Nationalstaat: von zwei Mächten gegründet wird, die sechst einen nicht unerheblichen Prozentsatz geschlossen siedelnder Polen zu ihren Bürgern zählen und sie aus ihrem Staatsver- band nicht entlassen wollen. Die polnische Politik der Mittel- mächte ist dadurch von einem Widerspruch in sich selbst belastet. Dieser Widerspruch wird in der Kriegszeit besonders leb- hast empfunden und liefert dem national-politischen Radikalis- inus einleuchtende Argumente. Die Fälle in der Geschichte sind wohl selten, wo die Bevölkerung eines besetzten Gebiets in heißer Liebe zu den Besatzungstruppen entbrennt. Und wenn es auch unerlaubt ist, zwischen dem deutschen Volksheere und den rohen Söldnern.des Dreißigjährigen Krieges oder den Abenteurern, die den Ruhmesfahnen Napoleons folgten, einen Vergleich zu ziehen, so hat doch Polen das Besatzimgsheer zum Teil ebenso erhalten müssen, wie Deutschland die Heere des Wallenstein oder des großen Korsen. In einem gewissen'Sinn war diese Er- Haltungspflicht noch größer und umfassender. Denn in dem großen Religionskriege und den Koalitionskriegen waren die Heere nur klein, ihr Aufwand vergleichsweise gering. Sie kan- tonierten jeweils auch nur in bestinimten Distrikten, so daß die Lasten zeitlich verteilt waren und Erholungspausen eingeschoben wurden. In Polen und den anderen besetzten Ostländern war das ganz anders: alle diese Länder wurden systematisch in den Dienst der deutschen Kriegführung gestellt. Ten..Fabrikanten wurden Maschinen enteignet, den Bauern Vieh wegheführt und Abgabeleistungen auferlegt. Ja noch mehr: polnische Arbeiter wurden in Deutschland in den Dienst der heimatlichen Kriegs- arbeit gestellt und im Reichstag sind mehr als einmal ein- dringende Klagen über die dadurch bewirkten überharten Bin- düngen erhoben worden. In so rauhem Klima gedeiht dos zarte Gewächs der Völkerfreundschaft schlecht. -Das polnische Volk hat als solches keine Gelegenheit gehabt, sein Schicksal zu bestimmen. In seinem Namen haben Polen gesprochen, von denen gesagt wird, daß sie n ü r eine Minderheit vertreten und die in ihrer.Stellung von den Besatzungsmächten abhängig sind. Die Entschließungen der galizischen Polen sind regelmäßig über die jetzigen Verträge mit den Mittelmächten weit hinausgegangen. Aber auf der anderen Seite kann nicht übersehen werden, daß eine vierte Teilung Polens verhindert wurde und daß das nationale Ideal der Ver- einigung aller Volksgenossen in einem Staate weder von Deutschland noch von Frankreich erreicht wurde, ohne daß dieser Verzicht in jedem Falle zu kriegerischen Verwicklungen geführt oder auch nur politische Reizungszustände geschaffen hätte. Wenn sich die Mittelmächte einmal entschlossen haben, in Polen feste Verhältnisse zu schaffen, wobei es dabingestellt bleibe, ob der gegenwärtige Augenblick für dieses Wagnis reif gewesen ist, so müssen sie den selbst gewählten Weg mit herzhafter Entschlossenheit gehen. Wenn sie sich von einem selb- ständigen, von Rußland losgelösten, mit ihnen selbst eng ver- bunde'nen Polen politischen Nutzen versprochen haben, so müssen sie darauf verzichten, mit Zwang die Früchte ihrer Politik zum Reifen zu bringen, und darauf vertrauen, daß die Polen selbst mit der Zeit den Nutzen dieser Politik erkennen und würdigen. Kein Nürnberger Trichter kann die propagandistische Wirkung eigener Erfahrung und Erkenntnis ersetzen. Eine Unter- drückungsvolitik gegen die Polen im eigenen Lande treiben, hieße fortab den Jrredentismus nicht nur züchten, son- dern auch rechtfertigen.. Darum ist. soweit es die Kriegsnotwendlgkeiten irgendwie gefüllten, ein sofortiger Abbau der militärischen Zwangsver- Starke Feindesanftriffe beiderseits Roye von der Armee Hutier zum Scheitern gebracht— Schwere Kämpfe nordwestlich Lasftgny— Beiderseits der Avre unsere Linie gegen Massenanstürme gehalten— Fliegerangriff auf Darmstadt. B c r l i n. 17. August 1918, abends. Amtlich. Beiderseits der Avre sind wiederum mehrfach wiederholte Angriffe des Heindes völlig gescheitert; zahlreiche Panzerwagen wurden zerschossen. Zwischen Oise und Aisne am frühen Morgen starker Fenerkampf; feindliche Tcilangriffe wnrden abgewiesen. Amtlich. G r» tz e s Hauptquartier, 17. August 191».(W. T. B.) Westlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe Kronprinz Rupprrcht. Zwischen Fser und Anrre nahm die Gcfcchtstätigkcit während der Rächt in einzelnen Abschnitten zu. Lebhafte Erkundungs- tätigkeit. Erneute Vorstöße des Feindes bei Birux Berquin und nördlich der Äucrr wurden abgewiesen. Heeresgruppe Generaloberst v. Boehn. Beiderseits»on Roye setzte der Feind von neuem zu starke» Angriffen an. Sie dehmen sich am Nachmittage nach Norden bis lüdwestlich von ChaulncS,»ach Süden bis nordwestlich von Lassiguy aus. Franzosen und Kanadier versuchten hier in immer wieder erneutem Anstürme bis in die späten Abendstunden de» Durchbruch durch unsere Stellungen zu erzwinge». Die Armee deS Generals von Hutirr brachte ihre Angriffe völlig zum Scheitern. Franzosen, die die Hauptlast des Kampfes trugen, er- litten wiederum schwerste Verluste. Bei und südlich von Hallu traf unser zusammengefaßtes Ar- tillcriefcuer Bereitstellungen deS Feindes und Ansammlungen von Panzerwagen. Feindliche Angriffe, die hier in den Abend- stunden zur Durchführuug kamen, brachen vor unseren Linien zu- sammen. Der Schwerpunkt der gestrigen Angriffe lag beiderseits der Avre. Mehrjach wiederholte stärkste Artillerievorbereitung ging hier den tiefgegliederteu Jnfantericangriffen voraus. Bei Gohen- court gewann der Feind vorübergehend gegen Roye etwas Boden. Unser nördlich an der Stadt vorbei vvrbrcchcndcr Gegenangriff warf den Feind wieder zurück. Teile unserer vorderen Kampslinie an der Straße AmienS Roye, die yach Abschluß der Kämpfe am Abend noch im Besitz des Feindes blieben, wurden während der Nacht wiedcrgrnommcn. Südlich der Avre brachen die mehrfach wiederholten französischen Angriffe vor unseren Kampflinicn restlos zusammen. Bor allem kani hier die Wirkung unserer Blaschincngewchrc voll zur Geltung. Bei und südlich von Benvrcignes brach»uscr Artillrriescuer die Kraft des feindl.cheu Ansturms. Nur an einigen Punkte» kam es zum Artillcriekampf; wir schlugen den Feind znrnck- Starkc Fliegertätigkrit über dem Kampffclde. Leutnant Udct errang seinen 56. Luftsieg. Zwischen Oise und Aisne scheiterte in den Morgenstunden ein Borstoß des Feindes südlich von Nampcel. Heeresgruppe Deutscher Kronprinz. Kleinere Jnfanteriegefcchtc. An der Besle lebte der Ar- tillcriekamps vorübergehend ans. Heeresgruppe Herzog Albrecht. Fm Snndgau brachten Sturmabteilungen, die mit Flammen- Werfern nördlich von Larzitzen in französische Gräben rindrangen, Gefangene zurück. Unsere Jagdträste schaffen aus einem Geschwader, das Darmstqdt mit Bombe« angriff, vier englische Großstug- zeuge ab. Der Erste Generalquartiermeistcr. Ludcndorsf. Der österreichische Bericht. Wien, 17. August. Amtlich wird verlautbart: An der Südwcstfront keine nennenswertc Gefechts- tätigkeit. Bei der Abwehr eines auf Tricnt gerichteten Fliegerangriffes schoß Oberleutnant Nevratil einen englischen Osfizierfiicgcr ab und errang dadurch seinen achten Luftsicg. In Albanien wurde der Angriff mehrerer italienischer Schwadronen auf Stellungsteile im Semeni-Bogcn abgewiesen. Der Ehef des Generalstabes. tvaltung zu beginnen. Manche wirtschaftliche und soziale Mo- tive könnten den Polen, sobald erst eine freundlichere Zukunft die erbitternden Erinnerungen der Okkupation gemildert hat, den Anschluß an die Mittelmächte vorteilhaft erscheinen lassen. Die Preise für die Erzeugnisse der polnischen Landwirtschast werden nicht mehr von dem Wettbewerb der russischen Ueberschußgebiete gedrückt, sondern den in Deutschland geltenden stark angeglichen werden. Mit anderen Worten: die Grundrente steigt und mit ihr der Bodenpreis. Das deutsche Vorbild und das der Posener Polen wird sicherlich zur I n t e n s i v i e- rung der Landwirtschaft anregen. Für die deutsche Sozialdemokratie und die deutschen Gewerkschaften erwächst die Pflicht, mit stärkstem Nachdruck die Interessen der polnischen Industriearbeiter und Sachsen- g ä n g e r zu vertreten. Dadurch wird dem national- irredentisstschen Chauvinismus Boden entzogen und verhütet, daß deutsche und polnische Junker und Kapitalmagnaten aus dem Menschenreservoir des Osten eine einzige ungeheure Streik- brecherkolonne formieren. Die stärksten Bedenken gegen einen Anschluß an die Mittelmächte und eine Loslösung vom russischen Markt haben bisher die polnischen Industriellen und Kaufleute erhoben. Diese Einwände dürften infolge der wirtschaftlichen und sozialen Gestaltung Rußlands sehr viel an Gewicht verloren haben und durch die'Möglichkeit einer Ans- fuhr in die Ukraine gegenstandslos geworden sein. Leider ist es durchaus zweifelhaft, ob die Mittelmächte diese günstigen Möglichkeiten langsam ausreifen lassen werden. In scharfem Gegensatz zu den Russen, die in Polen bewußt den Bauer gegen den Großgrundbesitzer ausspielten und dadurch der alten polnischen Revolutionsideologie das Rückgrat brachen. Die bisherige Politik der Mittelmächte, die eigenen Besitzinteressen des neuen Königs und seine innigen Familienverbindungen inst dem polnischen Hochadel rechtfertigen die Befürchtung, daß in Polen wie in Preußen mit den Junkern gegen die breite Masse regiert werden soll. Wenn das polnische Experiment schon gewagt und die Be- freiung Polens offiziell ausgerufen worden ist, so gibt es nur eine Bürgschaft für den Erfolg dieser Politik: den ehr- I i ch e n Mut zur Konsequenz. Eine weit ausschauende gerechte Staatskunst darf die Polen nicht als Obiette der deutschen Politik und der deutschen Wirtschastsbedürchisie be- trackten, sie muß ihren Staat und ihre Wirtschaft als Selbst- zweck anerkennen und sie selbst als Träger eigener Interessen achten! Der ruPsche Bürgerkrieg. Die Nachrichten aus Rußland lvidersprechen einander und sind offenbar von bestimmten Interessen beeinflußt. Die Ententepresse meldete bis vor kurzem den baldigen Nieder- bruch der Bolschewisten und berichtete triumphierend von den großen Erfolgen der Tschechoslowaken. In den letzten Tagen verfolgt sie die entgegengesetzte Taktik, um die Vereinigten Staaten und Japan zu einer starken Intervention in Sibirien zu veranlassen. Sic hat dabei besonders den Widerstand Wilsons zu überwinden, der in seiner, rtculidjcn Erklärung an die Vertreter der amerikanischen� Presse den Zweck der japanisch-amerikanischen Truppenlandungen mit der Rettung der Tschechoslowaken begrenzte, eine eigentliche Intervention ablehnte und die Wichtigkeit der Westsront betonte. Wenn die Engländer in Nordrußland Verbindung mit den Tschechoslowaken suchen, io werden sie jetzt, vor Eintritt der kalten Jahreszeit, erhebliche Truppen festlegen müssen. Zur Ausführung dieses Planes wäre es unumgänglich, Wologda, Solwytschcgowsk, Wjatka, Perm und Kotlaß zu be- setzen und dabei im Kampfe eine Entfernung von etwa 2>AX> Werst auf Wasser- und Eisenbahnwegen oder mehr als IflOO Werst in gerader Richtung zurückzulegen. Die Finnen dürften eine so bedrohliche Entwicklung einer neuen Ostfront mit der Basis in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft nicht mit verslbränkten Armen betrachten. Der sinnische Kriegsminister erklärte nach einer Meldung aus Helsingfors in einem Tagesbefehl, daß infolge des Vorgehens der Verbandsmächte an der Mnrmanbahn, d i e De m o b i lA- s a t i o n d e s f i n n i s ch e n H e e r e s n i ch t i n A n s s i ch t genommen wer.den könne. Es Muß aber dabin- gestellt bleiben, ob sich die Ententetrnvpen wirklich von ihrer maritimen Basis, kurz bevor der Häsen von Archangelsk ver- eist, entfernen werden. »* * l Russische Kriegsberichte. Stockholm, 17. August. Der Korvcspondent der Telegraphen- Union erfährt: Während die Rote Garde unstreitbare Vorteil: durch ein schneidiges Vorgehen gegen die Tschechen bei Sizran und bei Perm davonzutragen vermochte, lausen in Moskau Nachrichten ein, die besagen, daß Abteilungen Kosaken und Tschechoslowaken, die von Bauernbanden unterstützt werden, sich bis in die Wladimir- gegend vorgeschoben und die wichtige Stadt Murom, nur 3M Kilo- meter von Moskau gelegen, besetzt haben. Moskau, 12. August.(Sß. A. T.) Im U r a I ist es der Weißen Garde geglückt, im Rayon Jekatarinburg eine Reihe von Ortschaften zu besetzen, deren Verlust für das wirtschaftliche Leben des Sowjet- Rußlands von großem Schaden sein dürfte. Diese Besetzung de- deutet indessen auch für die Konterrevolution ernen gefährlichen Boden, da die Sowjettruppen im Rücken ein Gebiet der ständigen Gärung behalten. Die Bauern des Wolgagebietes verhalten sich gegenüber den Truppen der Weißen Garde ablehnend. Moskau, 15. August. Die Presse meldet: Krisgsminisier Kedeow drahtet ans Wolvgda, das, die Entenjetruppen im Abschnitt Archaitgelsk auherArtillcrirreichwritezurückgegan- gen sind. Die Sowjettruppen haben den Baikal-Tunnel ge- sprengt. Englands Schutz der nationalen Selbstbestimmung. Bern, 17. August. Zu den Truppenlandungen der Entente in Kola, Archangelsk und Wladiwostok schreibt.Daily News" in ihrem Leitartikel vom 13. August: Die so geschaffene politische Lage ist für diejenigen, die aufrichtig ftir den von den Alliierten erklärten Grundsatz des Rechts der Völker, ihre eigene Regicrungsform zu bestimmen, eintreten, alles andere als befriedigend. In demselben Artikel beißt es: Die Landung der Alliierten in Archangelsk war gerechtfertigt, weil sie dazu von dem örtlichen Sowjet eingeladen waren, die Landung in Wladiwostok aber vollzog sich gegen den Widerstand eines Sowjets, der an der Wahlurne im Schatten des bewaffneten TerroriSmuS siegreich war,. f Rnstland und die Miierte«. Amsterdam, 17. August. Die„Times" berichten aus New Dork: AmerikahatalleVerhandlungen mit derBolsche- wikiregierung in Rußland abgebrochen. Die ameri- kanischen Konsuln in Moskau wenden am 5. August ihren Posten verlassen und dem dortigen schwedischen Generalkonsul vorläufig die Wahrnehmung der amerikanischen, englischen und japanischen Interessen übertragen. Das Ministerium des Auswärtigen in Washington hat verschiedene Telegramme vom amerikanischen Generalkonsul Poole erhalten. Dieser berichtet, daß Lenin am 20. Juli wiederholt in offiziellen Versammlungen des Sowjet er- klärt habe, daß der Kriegszustand zwischen der russischen Republik und den Alliierten bestehe. Tschitscherin teilte später Pool« mit, daß Lenin seine Erklärung in einer geschlossenen Versammlung des Sowjet abgelegt habe und versprach feierlich, daß den alliierien Regierungsoeamten nicht zu nahe getreten werden soll. NichtSdesto- weniger seien aber die Bolschewikibehörden gewaltsam in die fran- zöfischen und englischen Konsulate eingedrungen und hätten die Generalkonsuln und ihr Personal verhaftet, die jedoch am folgenden Tage infolge der Bemühungen des schwedischen Generalkonsuls wieder freigelassen wurden. Tschitscherin erklärte darin, daß die Sowjetregrerung nicht er- lauben werde, daß die Kommission, wie zuerst verabredet und zu- gesagt, abreisen dürste, und daß billige rliche Untertanen der alliierten Länder al? Geiseln für die Sicherheit der Mitglieder des Sowjet in den von den Alliierten besetzten Gebieten zurückgebalten werden sollten. Poole hat daraus geantwortet, daß die Untertanen der alliierten Länder nicht eingeschüchtert werden könnten, und daß das neue System von Repressalien der Sowjetregierung nur zur Folge haben könne, daß die Mitglieder der Regierung individuell dafür verantwortlich gemacht würden. Amsterdam, 17. August. AuS Stockholm wird der.Times" ge- meldet: Es ist noch nicht bekannt, ob der wieder auf freien Fuß gesetzte engliscbe Konsul in Moskau die Stadt wird verlassen dürfen. Es ist festgestellt worden, daß Litwinow, der Gesandte in London, keine Pässe zum Verlassen Englands erhalten llmn, sobald der Moskauer englische Konsul in Stockholm eingetroffen ist. Neue Tagnng der Sowjets. Stockholm, 17. Auoust. Anfangs September findet in Moskau die sechste Tagung der Sowjets von ganz Ruh- land statt. An den Beratungen, die von außerordentlich hoher Be- deutung sein werden und ihr Urteil über den Kriegszustand mit den früheren Verbündeten ausbrechen sollen, werden auch Abgc- ordnete Polens, der Ukraine, Finnland?, Estlands, Kurlands, des Kaukasus, TurkestanS, BcssarabirnS, Sibiriens usw. teilnehmen. Tie Bolschewiste« gegen eine internationale Konferenz. Stockholm, 16. August. Laut„Sorialdemokratrn" hat die sozialdrmokraiischs Arbeiterpartei Russlands an sämtliche sozio- listische Parteileitungen Europas und Amerikas ein von den Bob schwrwikis unterdrücktes Telegramm abgesandt, in dem mitgeteilt wird, daß vierzig Vertreter verschiedener Werkstätten, welche die Einberufung einer allgemeinen Arbeiterkonferenz besprachen, per- haftet und dem höchsten Rovolutionsgericht überliefert wurden. Unter den Verhafteten befinden sich Abramowiftch, Altor, Vahkalin und Emirnoss. DaS Telegramm fordert zu einem unmittelbaren Eingreifen von feiten der sozialistischen Parteien auf, um die Cr- mordung der Gefangenen zu verhindern. Um Chaulnes und Noye. Ter 5?eind zum??rontangriff gezwungen. Zu den neuen Anstürmen der Engländer und Franzosen gegen die Stellungen der Heeresgruppe Boehn schreibt die.Npr. Eorc." im Anschluß an den letzten deutschen Generalstabsbericht: Ebenso wie das Ausweichen der Franzosen bei unserem Juliangriff gegen die feindliche Champagnefront unsere Heeresleitung vor neue Ausgaben stellte, sah der Gegner infolge der Neu- bildung unserer Front zwischen Somm« und Marne seinen bis- herigen Operationsplan durchkreuzt. Seine Angriffe waren Plötz- lich L u f t st ö ß e geworden. Das gut ausgebaute Nachschubnetz wurde abgelöst von einem wegelosen, in ein einziges großes Trichter- selb verwandeltes Gebiet, über das das gesamte schwere Material nachgezogen werden mußte; eine Verzögerung in der Fort- setzung der feindlichen Angriffe war die unausbleib- liche Folge. Andererseits mußte damit gerechnet werden, daß Foch alles aufbieten würde, um die begonnene Gegenoffensive nicht durch die deutschen Maßnahmen im Sande verlaufen zu lassen, und so sehen wir jetzt die feindlichen Divisionen von neuem gegen die deutschen Stellungen anrennen. Allerdings erfolgen die jetzigen Angriffe des Gegners unter anderen Bedingungen als die bisherigen. Die Ausgleichung unserer Front auf fast dem ganzen Abschnitt zwischen Ancre und Aisne— Marne.hat dem Feinde so ziemlich alle FlankierungSmöglichkeiten entzogen: er muß sich jetzt im großen und ganzen schon zu Frontalangriffen bequemen, wenn er etwas ausrichten will. Daß er sich aber dadurch viel große- ren operativen Schwierigkeiten, vor allem bei weitem größeren blutigen Verlusten aussetzt al? bei der Umsassungstaktik, wo ein gut Teil der Sturmarbeit von dem Vernichtungsfeuer der Artillerie geleistet wird, versteht sich von selbst. Es kann daher nicht überraschen, daß den jetzigen Angriffen unserer Gegner nicht einmal jene Anfangserfolge ibeschieben gewesen find, die sonst jede Offensivunternehmung auszuweisen pflegt. Ueberall kamen die deutschen Gegenmaßnahmen voll zur Wirkung. Die Hauptziele des Gegners sind wiederum die beiden wich- tigen Bahnknotenpunkte Chaulnes und Roye. Beide Ziele sollten nach dem Eingeständnis des Feindes bereits am ersten Tage ihrer Angriffe zwischen Somm« und Avre erreicht werden. Kanadier und Franzosen aerfuchtLn ay zaKrMes ZMen hex Front Chaulnes — Lassignh den Dürchbruch, aber es blieb bei dem Versuch. Chaulnes sollte offenbar durch Umgehung von Süden her in die Gewalt des Feindes gebracht werden, worauf die heftigen Kämpfe bei Hallu schließen lassen, wo schon vor acht Tagen die Angrisse der Franzosen unter schwersten Verlusten zusammengebrochen waren. Auch jetzt wieder haben die Franzosen die Hauptlast des Kampfes zu tragen gehabt, so daß ihre blutigen Verluste wiederum außer- ordentlich schwer sind. Der zweite Brennpunkt des gestrigen SchlachttageS lag im Räume von Roye. Aber auch hier brachen alle Angriffe der stark massierten Sturmwelle zun: Teil durch unser Ar- tilleriefeuer, zum Teil im Jnfanteriekampf zusammen. Da, wo der Feind vorübergebend vorwärts zu kommen vermochte, wurde ihm jdec Gewinn nach kurzer Zeit wieder abgenommen und er in die A usgan gsste llu ngen zurü ckg« trieben. Auch die französische MilitSrprcsse kann die ungeheuren Blut- opfer nicht länger verschweigen, die jowohl bei dem ersten Angriff östlich Anriens wie auch bei den jetzigen Kämpfen von den Fran- zosen gebracht wurden, ohne daß dieser riesigen Einbuße an Volks- kraft ein entsprechender Gewinn in militärischer Beziehung gegen- über zu stellen wäre. Man merkt also auch bereits aus der anderen Seite, daß der Triumph, mit dem man die ersten Erfolge begleitete, verfrüht war, und daß sich der volle Wert der deutschen Verteidi- gungskrast erst ergeben wird, nachdem jetzt, durch die Maßnahmen der deutschen Heeresleitung das Gleichgewicht der Kräfte wieder hergestellt ist._ Das angebliche ßrieöensangebot Liopö Georges. Ein Leitartikel des„Giornale d'Jtalia" vom 8. August führt aus: Nach Lloyd Georges Kundgebung zum Eintritt in das fünfte .Kriegsjahr hat der Verband Anfang ISIS dem Feinde ehrenvolle Friedensvorschläge gemacht. Aber wie die Mittelmächte stets alle Friedensabsichten der Verbandsmächte begruben, so haben sie mich damals wieder die Verbandsvorschläge zurückgewiesen, in der Hoffnung, Rußland mit Hilfe Trotziis und Lenins zerstückeln und den Weftmächten den Frieden mit den Waffen aufzwingen zu können. Ludendorff drohte mit seiner Demission, die Alldeutschen und Annexionisten, das ist drei Viertel Deutschlands(?! Red.), tobten. Hertliug und Kühlmann mußten nachgeben. Ilnter dem Druck des Generalstabes brachte die deutsche Regierung alle Ver- Handlungen zum Scheitern, und am 21. März kündigte der deutsche Heeresbericht die große Enffcheidungsschlacht an. Die Verantwortung für das neue Blutvergießen fällt so allein aus den blinden Eroberungswillen Deutschlands, das einen vorteil- haften Frieden zurückwies, den es heute freilich nicht mehr haben kann. Es ist daher eine Lüge und Heuchelei, wenn der Deutsche Kaiser jetzt zu Beginn deS fünften Kriegsjahres die Schuld an der Fortführung des Kampfes auf den Verband ab- wälzen will. Hierzu schreibt die offiziöse„Nordd. Mg. Ztg.": „Dieser zuerst von Lloyd George als Antwort auf Lord Lansdownes Brief vom 31. Juli unternommene und von einem großen Teil der gegnerischen(namentlich italienischen) Presse aufgegriffene Versuch, die Schuld an der Kriegsfort- setzung den Mittelmächten aufzubürden, rechnet allzu sehr mit der Leichtgläubigkeit oder dem schlechten Ge- d ä ch t n i s der Mitwelt. Mit dem„von Deutschland abge- lehnten Friedensangebot" sind offenbar die Bedingungen ge- meint, die Lloyd George am 5. Janrmr den Führern der britischen Gewerkschaften als die Kriegsziele des Verbandes binstellte. Wie sah denn diese„von den Beherrschern Deutschlands mit Vorbedacht abgelehnte gerechte und vernünftige Regelung der Weltoerhältnifse" auö? Neben der Wiederherstellung und vollen Entschädigung Bel- giens, der Wiederherstellung Serbiens und Montenegros, der Räumung der besetzten Gebiete Frankreichs, Italiens und Rumäniens verlangte Lloyd George: die„Wiedererwägung" des„Unrechts von 1871", ein unabhängiges Polen, das„alle wahrhaft polnischen Elemente" vereinigen sollte— nach dem Sprachgebrauch der Verbandspolitiker also auch Daring, Thorn, Oberschlesien I—, die Umwandlung Oesterreich- Ungarns in einen Staatenbund, die Erfüllung der nationalen Ansprüche Italiens und Rumäniens, die Lostrennung Arabiens, Syriens, Palästinas. Armeniens, Mesopotamiens vom türkischen Reiche, fieics Verfügnngsrecht der Friedens- konferenz über die deutschen Kolonien„nach Maßgabe der Wünsche der Eingeborenen"(!), Bestrafung Deutsch- l a n d s für alle Verletzungen des Völkerrechts durch ent- sprechende Rationier ungderRoh st o ff e. Das also waren die„ehrenvollen Friedensvorschläge", deren Ablehnung das„Giornale d'Italia" uns zum Vorwurf macht— wozu noch zu bemerken ist, daß Lloyd George jene Vorschläge nicht einmal als das„volle Kriegsziel" Englands, sondern nur als vorweg von Deutschland anzu- nehmende Vorbedingungen ieder Friedensunterhandlung aufgestellt wissen wollte! Die iveitcr vorgeschlagene Gründung eines Völkerbundes sollte hiernach offenbar nur dem Zweck dienen, diese„gerechte und vernünftige Regelung der Weltverhältnisse" von Englands Gnaden durch inter- nationale Garantie zu einem dauernden Znstande zu machen. Von einem seiner eigenen Landsleute hat sich Lloyd George sagen lassen müssen, daß ein solches Friedensangebot für die Mittelmächte unannehmbar sei, da damit etwa der zehnte Teil des Deutschen Reickies, ein Drittel der habsbnrgischen Monarchie und die Hälfte der Türkei gefordert werde!" Keine ßrieöensinitiative öer schwedischen Regierung. Stockholm, 18. August.(Meldung von Svenska Tele- grambyran.) Die Guttemplerloge forderte die schwedische Regierung auf, die Initiative zur Friedens ver« m i t t l u n g zu ergreifen. Der Staatsminister Eden ant- wortete nach Befragung seiner Kollegen, daß trotz deS lebhaften Wunsches der Regierung, an der Beendigung des Weltkrieges mitzuarbeiten, eine Initiative ihrerseits zweck- los sei, solange der Wunsch, eine Vermittlung anzunehmen. bei den Kriegführenden nicht vorhanden sei. Die Regierung verfolge jedoch mit größter Aufmerksamkeit die Entwicklung an der Friedensfront und werde nicht ver- fehlen, ihre Dienste bei Gelegenheit anzubieten. Zu dieser Kundgebung bemerkt„Politiken", mit bitterer Enttäuschung werde das schwedische Volk von dieser Mitteilung Kenntnis nehmen. Die übrigen Blätter äußern sich nicht, nur „Sozialdemokraten" ist sehr zufrieden und erklärt, daß eine FriedenZinitiative jetzt angesichts der deutschen Polilik von Brest-Litowsk und der Gewaltpoliuk auch in Belgien zweifellos zur Folge haben müsse, daß der ungebetene Vermittler in ein verdächtiges Licht gerate.— Dies ist die„Friedenspolitik" Branting« l Die franzosischen Sozialiften und die Entente-Konferenz. Gegen die geplante Verfälschung. Wir haben bereits die Ausführungen des„Populaire" wieder- gegeben, wonach die Ententeregierungen bestrebt sind, die für den 16. September einberufene Sozialistenkonferenz zu verfälschen und zu dieser lediglich den kriegshetzerischen Elementen Zutritt zu ge- statten. Nunmehr hat der ständig« VerwaltungSausschutz der f r a n- zöfischen S o z i al i st en pa rt«i, wie Renaudel in der „Humanite" mitteilt, beschlossen, an der interalliierten sozialisti- scheu Konserenz teilzunehmen, jedoch unter der Bedingung, daß die Konferenz in Paris abgehalten wird und daß alle Arbeiter und Sozialisten, auch die Bolschewiki, die offiziellen italienischen Sozia- listen und die Sozialisten der Bereinigten Staaten, die anläßlich der letzten interalliierten Sozialistenkonferenz nicht eingeladen waren, daran teilnehmen. Augenblicklich findet ein reger Tele- grammwcchscl zwischen Paris und London zur Erzielung einer Einigung statt. Der VecwaltungsauSschuß hat ferner in langen EniMießungen gegen die Verurteilung Malvys Ein- spruch erhoben. Bern, 16. August. Bezüglich der Weigerung der englischen Regierung, drei Vertretern des britischen AcbeiiertumS Pässe nach der Schweiz zur Zusammenkunft mit Troelstra zu er- teilen, bemerkte Henderson in einer Unterredung in Cardiff: Die Politik der Regierung läuft offenbar daraus hinaus, daß den Arbeiterdelegierten für Auslandsreisen nur bei Missionen der Regierung Vertrauen geschenkt wird. Was wird das organisierte Arbeitertum auf diese Politik antworten? Das wird die Jubiläumskonfernz in Tcrbv nächsten Monat zu entscheiden haben. Der letzte Kongreß erklärte sich zugunsten einer inter- nationalen Acbeitcrkonserenz. aber die Regierung hat beständig alle Anträge, Erleichterungen dazu zu gewähren, verweigert. Der Premierminister sagt sogar, daß der Krieg bis zum bitteren Ende ausgesochten werden muß, und diese Politik befindet sich, wie das Arbeitertum gestehen muß, in starkem Gegensatz zu seiner eigenen Entscheidung. Das Arbeiterum will den Sieg für die große Sache gewinnen, indem es den Militarismus zu zer- stören und die Frciheft der Demokratie auszurichten sucht, aber es hat wiederholt seinen Willen erklärt, die militärischen Bemühungen durch vorbereitende Besprechungen mit den Ar- beitervertretern der feindlichen Länder zu unterstützen. Jedoch die Regierung sagt: NeinI Der Kon- greß wird zu entsck>eiden haben, wie weit er bereit ist, diese Ent- schcidung hinzunehmen. Die deutsche Sozialdemokratie und »Socialisie ödge'. Eine Abwehr. „Le Socialiste Bclge" vom 10. Aug-nft beschäftigt sich in zwei Artikeln mit der deutschen Sozialdemokratie und dem„Vorwärts" in einer Weise, die entschiedenen Widerspruch herausfordert. An uns richtet er die recht überflüssige Frage, wie wir zu den vier Punkten Wilsons stehen, und meint, wir würden auf diese Frage keine Antwort geben, weil unsere Politik, die die deutschen Interessen den internationalen voranstelle, die? verbiete. Nun gibt es gar nichts Leichteres, als die grundsätzliche Zustimmung zu den Prinzipien Wilsons auszusprechen, fintemalen dies die leitenden Staatsmänner Deutschlands auch schon getan haben. Aber diese Prinzipien lassen der Auslegung ein Ivettes Feld, und einer Aus- legung, die den imperialistischen Zielen der Entente den Weg ebnet, widerstreben wir allerdings. „Le Socialiste Belge" sieht nicht und will nicht sehen, daß es imperialistische Ziele hüben und drüben gibt. Daß er die deutsche Sozialdemokratie beschuldigt, dem einbeimischen Jmperia- liStnuS Vorschub z u leisten, sei nur als Beispiel dafür angeführt, wie verschieden sich in verschiedenen Köpfen die Welt malt. In der alldeutschen Press« lesen wir täglich, daß wir die deutschen Interessen an die Internationale verraten hätten. Die Quelle, aus der die Vorwürfe des„Socialiste Beige" stammen, erkennt man sofort, wenn in seinen Artikeln von den deutschen Sozialdemokraten als den„zocialistes dependants" die Rede ist.„Locialiates dependants* ist die wörtliche Uebersetzung von „abhängige Sozialisten", des Ekelnamens, den uns die„Un- abhäi�z igen" in ihrer Selbstüberhebung verliehen haben. Auch sonst kehrt in französischer Uebersetzung die ganze erhabene Phraseologie wieder, die wir aus dem„Mitteilungsblatt" und anderen Stätten unabhängiger Erleuchtung kennen. „Le Socialiste Beige" will aber den Krieg nicht eher enden, als bis der deutsche MflitariSmus zerschmettert ist, einen anderen scheint er nicht zu kennen, und er meint, wenn Deutschland sich nicht demokratisiere, dann müsse der Krieg Wetter fortgeführt wer- den, bis Deutschland bereit sei, von außen h e r die Bedingungen des Weltfriedens anzunehmen. Während wir für einen raschen Frieden ohne Annexionen und für die volle Wiederherstellung Belgiens eintreten, predigt«Le Socialiste Belge" den Krieg bis ans Ende, und glaubt dann noch, uns Vorwürfe machen zu können: er uns! Selgien und Longwp-öriep. Angebliche Aenfternngen Hintzes. In der„Westminster Gazette" vom 15. Infi wurde ein Artikel veröffentlicht, in dem es u. a. hieß: Laut eingegangener Mitteilungen soll Herr v. Hintze, wiewohl ihm der Maulkorb vorgebunden worden war, in der geheimer: Beratung mit den Parteiführern gesagt haben, Deutschland könne ohne eine ihm durch ein politisches und militärisches Abkommen mit der belgischen Re- gierung verschaffte Garantie, Belgien nicht räumen, und es könne keinen Frieden schließen, bevor die deutsche Industrie durch die Aufnahme des Eisengebietes von Brietz und Longwh in dem Deutschen Reich endgültig gesichert sei. ES ist erstaunlich, daß man in London sogar schon zu wissen glaubt, was ein deutscher Staatssekretär in geheimer Beratung mit den Parteiführern gesagt hat, noch erstaunlicher. daß sich ein sonst ernstes Blatt wie„Westminster Gazette" zum Träger eines so haltlosen Klatsches macht. Von der ge- Heimen Beratung weiß man hier ebensowenig, wie von den angeblichen Aeußerungen des Herrn v. Hintze. Eine Regierung, die bereit wäre, an jenen beiden Fragen den Frieden scheitern zu lassen, hätte in Deutschland neun Zehntel des Volkes gegen sich, und ihr Dasein wäre nicht von langer Dauer. Der Prozeß gegen die polnischen Legionen. MarmaroS Szigei, 15. August. �Meldung des Wiener K. K. Telegr. Korresp.-Bureaus.) Im Verlaufe deS dritten, vierten und fünften Tages des BeweiSoerfahrenS wurde der gewesen« Kam- Mandant des polnischen HilfSkorpS, Generalmajor Zie- cd* Zenge vernvwwen. Gr gab in kehr«tSführlichen Hr. 226•» ZS.�ahrgavg SeiSage öes Vorwärts Sonntag, 1 S. fwgust 1 91$ GroßSerün Erweiterung der Befugnisse der Mieteinigungsämter. Auf Anregung des Verbandes der Beamten- und Lehrervercine für Grotz-Bcrlin fanden jüngst Desprechuugcn mit Vertretern Groh- Berliner Organisationen verschiedener Berufsklassen über die berrschonden Wohnungsverhältnisse innerhalb Grotz-Verlins statt. An den Beratungen beteiligten sich der Allgemeine Ersenbahner- verband, der Arbeitsausschutz der Berliner städtischen Beamten und Lehrer, der Verband der Beamten- und Lehrervereine für Grotz-Berlin, die Gewerkschaften, die kaufmännischen und tech- nischen Verbände, der Mieterbund Grotz-Berlin und der Werk- meifterbund. Als erste praktische Arbeit des gemeinsamen Zu- sammenwirkens haben die beteiligten Verbände nachstehende Ein- gäbe an das Oberkommando in den Marken gerichtet: „Tie Wobnungsnot wird von Tag zu Tag brennender. Die bestehende autzerordentliche Knappheit an Klein- und mittleren Wohnungen gibt den Vermietern eine Handhabe zu Massenkündi- zungen und unausgesetzten Mietsteigerungen. Da die Bundesrats- Verordnung vom 26. Juli 1217 die Anrufung des Mieteinigungs- amts für den Fall einer vorherigen Wohnungskündigung zulätzt, find die Mieter vollkommen schutzlos in allen Fällen, in denen auto- matisch ablaufende Mietverträge abgeschlossen wurden und beim Abschlutz neuer Mietverträge, bei denen der sonst für alle Gegen- stände des täglichen Bedarfs bestehende Schutz durch Höchstpreise, Gewinnbcschränkungen und dergleichen fehlt. Zahlreiche Gemeinden im Bezirk des Oberkommandos in den Marken besitzen überhaupt noch keine Mieteinigungsämter, da deren Errichtung nicht obliga- torisch ist und vielfach der durch die Verordnung vorgeschriebene juristische Vorsitzende nicht zur Verfügung steht. Angesichts der dringenden Notlage, in welcher durch die unhaltbar gewordenen Verhältnisse auf dem Wohnungsmarkt die Arbeiter, Angestellten und Beamten geraten sind, haben bereits verschiedene General- kommandoS für ihren Bezirk Notverordnungen zum Schutze der Mieter erlassen.(1., 2., 7., 18. und 20. Armeekorps.) Die unterzeichneten Verbände von 366 000 Beamten, Angestellten und Arbeitern aus dem Bezirk des Oberkommandos richten deshalb an das Oberkommando in den Marken das dringende Ersuchen:' Das Oberkommando in den Marken wolle auf Grund des Delagertlngszustandsgesetzes verordnen, dah im Bereich des Ober- kommandos jede Wohnungskündigung, sowie jede Aenderung bestehender Mietverträge und jeder Abschlutz neuer, sowie die Erneuerung ohne Kündigung abgelaufener Mietverträge dem Mietcinigungsamt zur Genehmigung hzw. zur Festsetzung neuer Vertragsbedingungen vorzulegen ist. Bis zur Entscheidung des Mieteinigungsamts ist die Ausschreibung oder Weitervermietung besetzter Wohnungen zu verbieten. In Ge- mcindcn, die kein M'eteinigunqsamt besitzen, ist die schleunige Er- richtung solcher— nötigenfalls ohne Bestellung eines juristischen Vorsitzenden— zu verordnen. Gleichzeitig ersuchen wir das Generalkommando in den Marken, eine Abordnung der Verbände zu einer mündlichen Darlegung der Verhältnisse und Begründung unserer Wünsche zu empfangen." Auch in anderen Fragen, die das Gebiet des Wohnungswesens be- rühren, haben sich die Verbände Grotz-Berlins ein weiteres gemein- schaftliches Zusammenwirken vorbehalten. Brotmangel herrscht seit Tagen an verschiedenen nördlichen und südlichen weiter enllegenen Vororten. Da in den großen Orlen mit ihrem Massen- verbrauch die Mehlversorgung überall geregelr arbeitet, so icheint es sich n»r um Organrjarionssehler zu bandeln. Bielleichr werden jene kleineren Orte bei der schnellen Versorgung weniger berück- fichtigt, weil dort in der Tat viel Selbstversorger wohnen. Es gibt aber auch genügend Volksieile, die auf die Broilieserung durch den Bäcker angewiesen sind, weswegen die Störung sehr unliebsam empfunden wird. Von mehreren Grotz-Berliner Gemeinden ist bereits ein Antrag aur Erhöhung der Brotration eingebracht worden, mit dem sich der Lebcnsmittelverband demnächst beschäftigen wird. Mannelade ein wichtiges Volksnahrungsmittel. Die ReichSstclle für Gemüse und Obst sähreibt: Zur Ver- sorgung des deutschen HeereS und der Heimat mtt Brotaufstrich- Mitteln sind etwa 7 Millionen Zentner Marmelade erforderlich. Tie Fabriken sind angewiesen, wegen des grossen Bedarfs an Marmcladcnobst allcS zu tun, um auch die kleinsten Mengen an Obst hereinzubekommen. Es leuchtet ahne weiteres ein, datz, je weniger Obst in die Marmeladenfabriken wandert, entsprechend weniger Marmelade hergestellt werden kann. Das sollten sich alle diejenigen vor Augen halten, die Obst noch immer als ein Ge- nutzmittel betrachten, während es tatsächlich heute in Form von Marmelade ein wichtiges Nahrungsmittel geworden ist. Bei den im allgemeinen wenig günstigen Aussichten der Obsternte mutz jeder Erzeuger sowie jeder Konsument strengstens daraus bedacht sein, die Allgemeinheit nicbt durch ungerechtfertigte Anhäufungen zu schädigen. Wer heute im.Hamstern einen Höchsterfolg zu er- zielen versucht, handelt mit Rücksicht aus die schlechte Obsternte leichtfertig an der Allgemeinheit. Nicht minder wichig ist die Mah- nung: Laßt das Obst ausreifen und vermeidet den Unfug durch frühzeitiges Abreitzen den Ernteertrag zu mindern. Obst kommt auf den Markt Nach einer neuen Verordnung soll nun doch noch Obst auf den Markt kommen. Leider nicht in dem bisher gewöhnten Zustand. Es sollen nämlich nicht die Früchte, sondern nur die Blätter grötze- ren Kreisen der Bevölkerung zugänglich gemacht werden. Auch ist die neue Verwendungsart in erster Linie nur für das männliche Geschlecht gedacht, wobei wir durchaus nichts gegen die Emanzipa- tion der Fvau gesagt haben wollen. Es heitzt: Der Bundesrat hat unterm 12. August genehmigt, datz den Herstellern von Tabakerzeugnissen auch die Verwendung von Vir- nen-, Aepfel-, Walnutz-, Haselnutz- und Topi- namburblättern als Ersatzstoffe bei der Herstellung von Tabakerzeugnissen und tabakähnlichen Waren unter den bekanntem Bedingungen gestattet werden darf. Hersteller von Tabakcrzeug- nisten, die diese Ersatzstoffe zu den genannten Zwecken verwenden wollen, haben vorher die Genehmigung des zuständigen Haupt- amtes einzuholen. Also Obstkanaster ist der nächste Ersatz. Berliner Lebensmittel. Für die Woche vom 18. bis 24. August werden in Berlin verausgabt: 1 Pfund Fische gegen Hergabe des Abschnitts G g, je Va Plund Räucherwaren gegen Hergabe der Abschnitte E e und J i und Vj Pfund Heringe nach Voianmeldung und Hergabe von Hb. Auf Abschnitt 53 der Lebensmittelkarte der Stadt Berlin entfällt V» Piund Kunsthonig. Der Preis beträgt 37 Ps. für Va Pfund, 73 Pf. für ein Piund im Ausstich und 75 Pf. für ein Pfund in fertigen Pfundpackungen. Der Bestellabschnitt 58 darf nur in dem- jenigen Geichäit, in dem der Verbraucher zum Zuckerbezug ein- getragen ist. abgeliefert werden, und zwar vom Montag, den 12., bis einschliesslich Mittwoch, den 21. August. Auf Abschnitt 50 der Eierkarte kann vom 19. bis 31. August ein Ei entnommen werden. Bis Donnerstag, den 22. August, wird an diejenigen Kunden-, die in die Speisefetikundenliften der in den Bezirken der 35., 48., 174., 197. und 239. Brotkommissio» gelegenen Geschäfte eingetragen sind, pro Kopf 125 Gramm Käse verteilt. Wichtig für Kriegshinterbliebene. Wolffs Bureau meldet: Den Kriegshinterbliebenen wird er- ueut nahegelegt, beim Tode ihres Ernährers sich sofort an die ört- liche Fürsorgcstclle für Kriegshinterbliebene zu wenden. Diese Fürsorgestellcn, die an fast allen Orten, auf dem Lande vielfach bei den Landratsämtern, errichtet sind, stehen den Kriegshinterbliebenen unentgeltlich mit Rat und Tat bei, stellen die Anträge auf Ge- Währung der gesetzlichen und sonstigen Hinterbliebenenbezüge auf und helfen den Kriegshinterbliebenen im Falle der Not durch Ver- mittlung von Beihilfen oder Gewährung von Unterstützungen. Letzteres ist besonders dann von Wert, wem, ein bereits auSge- fchiedencr Hceresangchörigcr stirbt und seine Familie iu Bedräng- nis hintcrlätzt. Die Anweisung der Versorgungsgebührnisse be- ansprucht nämlich in solchen Fällen längere Zeit, weil erst geprüft werden mutz, ob die Todesursache mit einer Dienstbeschädigung oder KriegSdtenstbcschädigung des Verstorbenen in Zusammen- hang steht. Um einer wirtschaftlichen Notlage vorzubeugen, wende man sich daher so bald als möglich an die Fürsorgestelle. Zur Kleiderabgabc. Durch verschiedene Zeitungen wird die Mitteilung verbreitet, datz durch die jetzt betriebene Kleiderabgabe der Reichsbekleidungsstelle etwa der Bedarf eines halben JahreS gedeckt würde und man daher mit einer Wiederholung. der Kleider- fammlung zu rechnen habe. Die Neichsbekleidungsstelle erklärt demgegenüber, datz sie die Wiederholung einer derartigen Kleider- fammlung für die Arbeiter nicht beabsichtigt. Zu dem Raubmord in der Karlstrajje wird noch gemeldet: Hinter der Tür der Slbankwirtichaft des ermorderen Bennewitz hat die Kriminalpolizei noch einen Hammer gefunden, der von dem Mörder bei der Ausführung der Tat ohne Zweifel mit benutzt und damr weggeworfen worden ist. Es steht fest, datz er Bennewitz nicht ge- hörte. Es ist ein schon gebrauchter Hammer, dessen Stiel aus einem Stück eines früheren SpazierstockeS besteht. Der Stiel ist rotbraun gestrichen. Unten zeigt er eine Brandstelle. In den Hammer ein« geschlagen ist ein Herz mit den Buchnaben K. S. Wer über diesen Hammer und seinen früheren Eigentümer irgend etwas mitzuteilen weiß, wird ersucht, sich im Zimmer 186 des Polizeipräsidiums bei Kommissar Kunze zu melden. Für 80 000 M. Beute machten Einbrecher in der Nacht zum Sonnabend in der Alten Leipziger Str. 20. Sie verschafften sich dort Zutritt in die Räume eines im ersten Stock gelegenen Ge« schästes, indem sie eine GlaSsüllung über der EingangStür ein» stießen und stahlen Spitzen, Seide, Blusen und dergleichen mehr. Von den Einbrechern und dem Verbleib der großen Beute hat man noch keine Spur gefunden. Rose-Theater.»Der andere Weg", Schauspiel in vier Akten von Paul Z o d e r. Der Verfasser des am Freitag zur Erstauf- sühiung gelangten Werkes sucht religiöse Konflikte zu lösen, die sich aus der Heirat de? Sohnes eines orthodox gläubigen jüdischen Klein- bürgers mit einem Christenmädchen ergeben. Trotz der besten Ab- sichten bleibt aber das Stück in den Ansätzen stecken; wir erleben mit den Darstellern nicht die seelischen Konflikte, sondern hören auf der Bühne nur mehr oder minder richtige Deklamationen über jüdischen und christlichen Glauben. Bon den Darstellern verdienen Traute T i n i u S(Betty) und Rosa S ch ä f f e l(Rebekka) rühmend hervorgehoben zu werden. Auch die Herren R e d w i tz und G e t t k e boten passable Leistungen, die sonstige Darstellung war unter dem Durchschnitt. Johann-Strauß-Theater nennt sich ein neues Theaterunter- nehmen, das heute, abends 7� Uhr, Steglitzer Straße 35 eröffnet wird. Als Erstaufführung kommt der SingspielzykluS»Alt-Wien* von Gert Nicolai, Musik von Edgar Vogel, zur Darstellung. U. a. wurden Inga Holm, Jenny Plaschke und Karl Munckel als Haupt- darsteller verpflichtet. Die Regie führt Edgar Vogel. DaS nächste VolkSkonzrrt dcö Philharmonischen Orchesters findet Montag, den 19. August, m der Philhormonie, Bernburger Str. 22/23, stall. Beginn des Konzerls 8 Uhr. Die im Vorverkauf nicht unter- gebrachten Karten werden abends an der Kasse verkaust. Ter Eintrittspreis beträgt 30 Pf. Kasseneröffnung 7 Uhr. Schäncbrrg. Lebensmittel. Bis zun, 20. August findet Bor- anmeldung stait für 250 Gramm AuSlandsmarmelade auf Ab- schiüll 56 der Groß-Berliner Lebenömiitelkarte. Ohne Voran- Meldung werden 250 Gramm Kunsthonig auf den Doppel- abschnitt 53 der Grotz-Berliner Lebensmittelkarte verteilt; ferner werden ausgegeben ein Ei auf Abschnitt 50 der Eierkarte, ein halbes Pfund Heringe auf Abschnitt 23 der Schöneberger Fischkarte, 200 Gramm Suppen aus Abschnitt 51 der Groß- Berliner Lebensmittelkarte und als Ersatz für da? fori- fallende Fleisch drei Pfund Kartoffeln aus die zehn Abschnitte Nr. 34 der Schvneberger Fleischkarte; außerdem wird als Fleisch- criatz in den durch roten Anschlag kenntlichen Geschäften Knochen- extrakt zum Preise von 1.85 M. da» Pfund auf den Doppelabichnitt Nr. 3 der Schöncberger Bczugskarle abgegeben.— Vom 26. 3. bis 3. 9. findet ohne Voranmeldung eine Sonderverteilung von Kinder- maiSmehl. Malzextrakt, Mandelspeise und Dauermilch an die Kinder bis zum 10. Lebensjahre statt. Die Bezugscheine werden bei der Hauplkartcnverteilung vom 20.— 23. August ausgegeben. Wilmersdorf. Lebensmittel. ES gelangen in der Woche vom 19. bis 25. August zur Ausgabe: Auf Abschnitt 54 der allgemeinen Groß-Berliner LebensmineUarle: Vs Piund Kunsthonig, auf Abschnitt 9 der roten HaushaltunflS-Bezugskarte: 50 Gramm Knochen- brühextrakt bezw. Knochenbrüh-Würselmaffe in den besonders bekannt zu machenden Kolonialwarengeschästen sowie auf die durch die Brollonimissionen ausgegebenen besonderen Bezugscheine für Kinder im 1. und 2. Lebensjahre: je 1 Pfund Kinder-Gerstenmehl und für Kinder im 2„ 5. und 6. Lebensjahr«: je 1 Dose Malzextrakt. Der Verkauf von Heringen, frischen Fischen und Räucherwaren wird fortgesetzt. Aus die Abschnitte 34a bis 34g der Kartoffelkarte dürfen 7 Pfund Kartoffeln entnommen werde». Martendorf. Schau, schau, der Herr Bürgermeister! In der Dienstognummer hatten wir über das Pech des dortigen Bürgermeisters berichtet, dessen Frau bekanntlich von einem Kon- trolleur ver Fetistelle Grotz-Berlin angehalten wurde. Diese Ueber- schrift scheint den Herrn sehr geärgert zu haben, denn er hat unS 66) £oöz. Das gelobte£and. Roman von W. St. R e y m o n t. »Das ist ein modailliertcs Bild, sehen Sie, hier steht's, .Medaills d'or1, das ist ein massives Bild und kost' schönes Geld, was?« „Wieviel?« warf Grotzglück leise hin und glättete mit dem Zeigefinger seiner linken Hand, an dem ein in Gold gefaßter Llutstcin funkelte, seinen harten, schwarzen Backen- bart. „Wieviel?" wiederholte er leise. Er sprach inimer leise und zog mit großem Ernst die tiefschwarzen Brauen hoch, die sich in scharfen Halbkreisen von seiner vorspringenden Stirn abhoben und einen kräftigen Kontrast zu seinem- weißen Haar und der rosigen Gesichtsfarbe bildeten. „Das weiß ich nicht, das erledigt mein Sekretär," er- toidcrft? Endelmann nachlässig. „Sehen Sic sich diese Landschaft hier an, das lebt ja alles, das bewegt sich." „Sehr schöne Farben!" brummte einer. „Und noch schöneres Kapital, was?" „Ja, ja! So'n Rahmen zu so'ner Landschaft kost' schon schön waS," sprach ernst der dicke Knaabe und klopfte mit Kennersinn mit seiner Zigarrenspitze auf den Bronzerahmen. „Sie könnten sich doch sogar goldene leisten, Herr Knaabe; denn wer sich einen Hut leisten kann, der muß sich doch auch den Kopf dazu leisten können," lachte Großgliick, der seine Behauptungen immer mit Vergleichen bekräftigte. „Das ist ein genialer Satz, Herr Großglück." sagte Bern- hard, das Lachen zurückhaltend. „Auch das kann ich mir leisten," flüsterte bescheiden der Bankier. „Meine Herren, bitte, hier noch eine Madonna, eine Ko- pie nach Cimabue. aber besser wie's Original, mein Wort drauf, daß sie besser ist, ganze tausend Rubel kostet sie. was?" rief Endelmann. als er ein zweifelndes Lächeln auf den Lippen des Bankiers erblickte. „Wollen wir mat sehen, ich liebe sehr Madonnen. Meiner Marry habe ich eine Murillo Madonna gekauft, es macht ihr Spatz, so ein Bild in ihrem Zimmer zu haben, warum sollt' ich ihr da teins kaufen?" So sahen sie sich eine ganze Reihe von Gemälden an und gelangten vor ein großes, mythologisches Bild, das die Hälfte der Wand einnahm und den Eingang zum Hades darstellte. „Das ist ein großes Stück!" rief Knaabe erstaunt. Endelmann begann das Bild zu erklären, aber Großglück unterbrach ihn lebhaft. „Ach was, das ist ein einfacher Totengräber und das ist ein ganz dummes Bild, wozu soll man so traurige Sachen malen! Wenn ich ein Begräbnis sehe, dann muß ich mich gleich kurieren, paar Tage habe ich dann Schmerzen im Herz. Wer sterben soll, soll sich doch ertränken!" „Die zweite Numnier des Konzertprogramms! Bitte in den Salon, meine Herren I" bat Frau Endelmann. „Zu dieser Galeric muß man Ihnen gratulieren, gratu- lieren muß man," rief der Bankier. „Was werden die da im Salon anstellen?" „Hier ist das Programm bitte, da steht's gedruckt." Bernhard reichte ihm einen langen Streifen aus Roh- seide mit Handmalerei verziert, auf dem das Programm in französischer Sprache gedruckt war. Sie kehrten in den Salon zurück, als es drüben schon etwas ruhiger wurde. Ein Herr und eine Dame trugen einen französischen Dialog vor. „.Aft mon Dieu, mon Die«, trän joli, tres joli f" schrie entzückt und ganz laut die mit Edelsteinen beladene Frau Kohn. „Was kosten sie dich. Endelmann," fragte leise Großglück. „Hundert Rubel und das Abendessen, aber tausend sind sie wert, weil sich die Gäste so glänzend amüsieren." „Das ist eme gute Idee, ich werde sie mir zum Namens- tag meiner Frau bestellen." „Bestellen Sie sie gleich, dann bekommen Sie einen guten Rabatt,� flüsterte ihm Bernhard zu und ging zu Mela, die jetzt ganz einsam dasaß: Rosa hatte sich in die erste Reihe gesetzt, um ja kein Wort vom Dialog zu verlieren. „Wovon träumst du, Mela?" „An dich Hab' ich in diesem Augenblick gedacht," flüsterte sie leise und erhob die grauen Augen zu ihm. .„Nein, an Wysocki hast du gedacht!" zischte er und pflückte ärgerlich die Hyazinthenbtüten, die auf dem Tischchen standen, an das er sich gesetzt hatte. Erstaunt und wie verschüchtert blickte sie ihn an. „Geradesagut Hütte ich auch an L. Landau denken können. oder an irgendeinen Bekannten, deren Namen du mit gleichem Scharfsinn hättest nennen kömien, wenn du meinen Worten keinen Glauben schenktest." „-Entschuldige, Mela, Hab' ich dir weh getan?" „Ja, du weißt doch, daß ich nie etwas sage, was ich nicht denke." „Gib mir deine Hand." Sie streckte ihm die Hand entgegen; er küßte sie innig. „Wenn Wysocki es tun darf, darf ich's doch auch!" er- klärte er, als sie ziemlich heftig die Hand zurückzog. Aber, ä propos Landau. In der Stadt erzählte man mir, daß du ihn heiratest, ist daS wahr?" „Und was hast du denen geantwortet, die dir von meiner Heirat erzählten?" »Es ist ein Gerücht, daS nie in Erfüllung gehen wird." „Ich danke dir, es wird wirklich nicht in Erfüllung gehen. Mein Wort geb' ich dir darauf, daß ich ihn nie heiraten werde," fügte sie kräftiger hinzu, als sie Unglauben in seinen Augen erblickte. Befriedigung strahlte aus seinem Gesicht. „Ich glaub's dir. nicht für einen Moment habe ich an- genominen, du könntest ihn heiraten. Du und so ein ordinärer Ladenschwengel, ein einfacher Macher ohne Erziehung, ein dreckiger Jud'. Schlimmstenfalls wäre mir schon Wysocki für dich lieber." Ihre Augen funkelten auf, leichte Röte bedeckte ihr Ge- ficht, sie senkte die Lider unter seinem prüfenden Blick, machte sich an ihrem Armband zu schaffen und flüsterte: „Du hast Wysocki nicht sehr gern?" „Ich schätze ihn als Mensch, weil er anständig und ziem- lich verständig ist, aber als deinen Verehrer kann ich ihn nicht ausstehen." „Du sprichst so, bloß um was zu sagen, du weißt doch sehr gut, daß er es am wenigsten ist," sagte sie scheinbar auf- richtig; sie wollte von Bernhard Näheres über Wysocki er- fahren, falls er etwas wußte. Sie nahm an. daß sie als Freunde auch vertraulich mit» einander sprachen. „Ich weiß genau, was ich sage. Er gibt sich keine richtige Rechenschaft darüber, daß er dich liebt, aber er liebt dich." „Was tut's, er ist ja doch katholisch!" rief sie unWillkür- lich und verriet so ihr Geheimnis. Eorts. folßU auf unseren Artikel eine längere Darstellung des dortigen OrtS- blättchens zugeschickt. Der Vorgang wird von dem Beschwerdeführer im allgemeinen als richtig zugegeben und besonders betont, dost die Milch von einem Selbstversorger stammt, der zu keinerlei Abgabe verpflichtet ist und ihm hier und da etwas abgibt. Zum Schluh gibt dann der Bürgermeister zu. dem Kontrolleur solange die Ausübung einer derartigen Kontrolle im Amtsbezirk untersagt zu haben, bis er sich von den gesetzlichen Bestimmungen in Kenntnis gesetzt habe, was ja inzwischen geschehen sein dürfte. In einem sfalle allerdings haben wir dem Bürgermeister schwer Unrecht zugefügt, indem wir schrieben, daß er wohl nur gegen seine eigene Frau so galant sein würde. Er versichert uns, daß er �ede andere Frau ebenso unter st üt hätte, worauf wir allen Frauen Mariendorfs den guten Rat geben, wenn ihnen ähnliches passiert, sich an ihren Bürgermeister um Schutz zu wenden, seine Galanterie reicht für alle so bedrängten Frauen aus. Dies der wesentliche Inhalt der Erklärung des Bürgerrneisiers, die den ganzen Vorgang ziemlich harmlos erscheinen läßt. Aber er bat doch die Rechnung ohne drn Wirt gemacht, denn jetzt fährt die Fettstelle Groß-Berlin mit grobem Geschütz auf, die den harmlosen Vorgang doch als recht eigenartig erscheinen läßt. Sie schreibt: Der Beauftragte der Fetlstelle Groß-Berlin hat am 3. d. Mts. gelegentlich einer Revision in Mariendors auf Grund der ihm ge- machten Angaben festgestellt, daß die Gemeinde Mariendorf zur- zeit acht Kühe zur Verfügung hatte, die zur Schlachtung bc- stimmt waren. Die Kühe wurden täglich gemolken und die Milch dem Restaurateur H. Witiig, Kaiserstraße 1, überlassen. Der Restaurateur hat auf die Frage des Beauftragten erklärt, es sei ihm bekannt, daß diese Milch zur Sammelstelle Treppens gehöre, daß er aber von der Gemeinde ausdrücklich ermächtigt worden sei, die Milch zu behalten und auch zur Fütterung von Schweinen zu verwerten. Bei der Revision stellte der Beanftragte zwei Eimer süße Vollmilch, einen Topf mit Käse und einen Topf, der äugen- scheinlich Sahne enthielt, fest. Diese Feststellungen sind auf Grund der Angaben der Beteiligten gemacht, während weitere Feststellungen durch das Dazwischentreten des Bürgermeisters verhindert wurden. Die Sachlage ist also hiernach die, daß der Bürgermeister von Mariendorf zunächst einen Restaurateur ermächtigt, die Milch von 3 Kühen zu behalten und daß dann weiterhin eingestandenermaßen die Frau des Bürger- Meisters von diesem Restaurateur markenfrei Milch bezieht. Daß die markenfreie Abgabe von Milch unzulässig ist und zwar � auch für Selbstversorger, und daß die Fettstelle Groß-Berlin an- gesichts der großen Milchknappheit mit allen Mitteln hiergegen an- kämpft, ist jedem Groß-Berliner Bürger bekannt. Das Urteil über das Verhalten des Bürgermeisters von Mariendorf kann hiernach der Oeffenilichkeit überlassen bleiben. Die Fettstelle Groß-Berlin hat von dem Hergang bet der vorgesetzten Behörde sdem Landrat des Kreises Teltows Anzeige erstatiet. Der Vorfall läßt hieraus deutlich die Schwierigkeiten ersehen, gegen die die Fettstelle Groß- Berlin sMikchs zu kämpfen hat. Hier ist ihr sogar von dem Ober- Haupt einer Gemeinde entgegengewirkt worden; sie soll an Revi- sionen gehindert werden, zu denen sie zweifellos berechtigt ist. Im übrigen ist zu bemerken: Die Frau des Bürgermristers, die sich von dem Restaurateur die Milch geholt hat. hat auf die Fragen des Kontrolleurs freiwillig Rede und Antwort gestanden, wie auch, nach dem ausdrücklichen Bericht des Kontrolleurs, sich bis zu dem schroffen Dazwischentreten des Bürgermeisters der ganze Vorgang in aller Ruhe abgespielt hat. Ncinickendorf. Lebensmittel. Auf Abschnitt 12 der Eierkarte wird vom Montag, dem 19. d. MtS., in den Eicrverkausssiellen der Gemeinde je 1 Ei zum Preise von E5S Pf. abgegeben. Auf Abschnitt 58 der Lebensmittelkarte Groß-Berlin werden 259 Gramm Kunst- Honig zum Preise von 73 Pf. für 1 Pfund abgegeben. Die An- meidung bei den Kleinhändlern und den amtlichen Verkaufsstellen hat bis einschl. 19. d. MtS. zu erfolgen. Vom 19. bis 25. August können auf die Abschnitte 34 a bis g der Kartoffelkarte 7 Pfund Kartoffeln entnommen werden. Auf die Fleischvollkarten sind 3 Pfund, auf die Kinderfleischkartenabschnitte 1�/z Pfund Kartoffeln abzugeben. Mit dem 22. August d. I. vcr- lieren die Kartoffclkartenabschnitte ihre Gültigkeit. Britz. Lebensmittel. In der Woche vom 19. bis 25. August gelangen in der Verkaufsstelle der Gemeinde zur Abgabe: Auf die Äbschuitte 43, 49 und 59 der Berliner Lebensmittelkarte 1 Pfund Graupen je Perlon. Auf die Britzer Lebensmittelkarte Abschnitt 12 1 Pfund Schmierseifen-Ersatz je Haushalt; Abschnitt 13 Va Pfund Mostrich je Haushalt, soweit Vorrat; Abschnitt 14 Va Pfund Scholle in Gelee bis Haushalt von 4 Personen, über 4 Personen 1 Pfund Scholle in Gelee oder eine bezw. zwei Dosen Fisch- konserven; Abschnitt 15 159 Gramm Puddingpulver je Haushalt; Abschnitt 16 Sonderzuteilung, und auf Abschnitt 6 der Eierkarte wird ein Ei iAiislaiidswares verabfolgt. Theater öer Woche. Kgl. Opernhaus: IS.„HoffmannS Erzählungen", 19,„Figaro? Hochzeit", 20.„Der fliegende Holländer", 21.„Rigoletw", 22.„Carmen", 2Z.„Fledcr- maus", 24,„Martha", 25.„Rosenkavatier", 26,„?lida",— Igt. Schau» spielhaus: 18.„Tie O.uitzows", IS,, 22., 25.„Meine Frau, die Hosschou- spielcrin", 20.„Kvritz-Pyritz", 21.„Beer Gvnt", 23.„Heimat", 24.„Viel Lärm um Nichts", 26.„Tic Journalisten".— Lesung: 18., 19., 21, 22,, 24., 25., 26. Einaklerabend, 20., 23.„Liebe", IS. it., 25. n.„Hans Huckcbcw".— Königgräßer: 18., 20.— 25.„Die fünf Fraukflirter", 19., 23., 26.„Tic Schwestern und der Fremde".— Deutsches Opernhaus: 18., 22.„Hofsmanns Erzählungen", 19., 25.„Zigeunerbaron", 20.. 21.„Fledermaus", 23.„Tic schöne Helena", 24.„Tonnhäuser"", 26.„Meistersinger", 25. n.„Martha". Täglich. Volksbühne:„Ein Sommeruachtsiraum".— Deutsches:„Ter fesche Rudi".— Kammerspiele:„Der Weibsteufel".— Wcs-cnS: 18. bis 20. „Inkognito", 21. bis 23. geschl., 24. bis 26.„Die lustige Winvc", 18. n., 25. n.„Glück im Winkel".— Deutsches Künstler:„Ter Hutmachcr seincr Durchlaucht", 18. n., 25. n.„Klublente".— Komödienhaas:„Die Zarin". — Berliner:„Blihblaucs Blut", 1?. n., 25. n.„Die:»Uc Komteß".— Schiller Charlottcnburg:„Alt-Heidelberg.— Kleines:„Arislid und seine Fehler", 18. n., 25. n.„Am Tcetisch".— Residenz:„Flimmer- Klärchen".— Komische Oper:„S chwarzw aldi» ädel".— Neues Operettcnhaus:„DaS süße Mädel", 18. n., 25. n.„Obersteiger".— Friedrich-Williclmstädtischcs:„Das Dreimöderlhaus", 18. n.„Symphoinekonzert", 25. n.„Liolctta".— Metro- Pol:„Rose von Stambnl".— Trianon.„Lebensscknflcr".— Thalia:„Unter der blühenden Linde".— Lnstspielhans:„Die spanische Fliege", 18. it., 25. n. „Rcnaissanec".— Theater am Rollendorsplatz:„Drei alte Schachteln", 13. n, 25. n.„Immer feste druss".— Theatee der Friedrichstadt:„Kaiserplav 3". — Rose:„Der andere Weg": Gartenbühnc:„Bitte, recht freundlich".— Walhalla:„Der Hias".— Urania:„Tic Fahrten des Hilfskreuzers„Wolf"", Mus aller Weit. Warschau, Ein Boot mit 25 Personen gekentert. Als der Pasiagierdampicr, der läglick, zwischen Warschau und Plock verkehrt, die Ortschaft Czcrwinsk passierte, ging vom Ufer ein Boot mit 25 Fahrgästen ab, die mit dem Dampfer nach Warschan fahren ivolltcn. � Wohl infolge der starken Strömung(die Weichsel führt Hochwassers schlug das Boot heftig an den Dampfer an und »enterte. Von den 25 Passagieren gelang eS nur elf zn retten, vierzehn ertranken. SvetterauSstchtrn kür daS mittlere?torddcu«s>tiland dtS Montag mittag. Mäßig warm, veränderlich, überwiegend bewölkt, mit wiederholten leichten Regensällcn, strichweise Gewitter. Nr. k, 11.00 io großer Auswahl Nr. I. Miederleibchen ringsherum aus Stickerei-Stoff, s 1 nf\ m-Banddurchz. � �«UU Nr. 2. Untcrziehbluse aus besticktem|(• n/5... Batist m. Spitze 15. Uü Nr. 2 BERLIN C Sfiandauer Str. 16 vamen'wasihe 15.00 T agkemJ«m Rumpf gestickt.. T* 4. J zweimal Stickerei-Ein- X aghemd sats und Ansatz... •— Tag- u. Nachthemd Vjarnitur aus Batist m. 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Nessaur., Eharlottenburg, Hutten- strahe 12. Chronischer Mittelohrcatarrl, geheilt.— 5. Herr W. Pursche, Berlin-ZldlerShof, Helblgstr. 29. Von Ainaengeschwüre» u.Darmkatarrh geheilt.— 6. FrauAt. .�afke. Berlin, Nollendorsstr.49 I. Rheumatismus u. steife Schulter geheilt.— 7. Herr E. Ehrhardt. Wr.-Lichter« frldr, Ningstr. S2a. Chronisches Hüftgelenkleiden wiederholt erfolgreich bebandelt.— 3. Frau E. Ho- dorff, Berlin, Colbergerstr. 28/29. Nerven-«. Knochen- Hautentzündung— vollständig gelähmt— geheilt.— 9. Herr F. Nahda, Berlin, Prwzen-Allee 72/73. Von Kovt- und Krruzschmerzen, trockener Brustfell- entziindung nach Influenza geheilt.— 10. Frau E. Herzmnnn, Schäneberg; Feurlgstr. Sl. Eiternde Fststel nach Blinddarmoperation geheilt.— 11. Herr E. Ritter, Friedenau, sponholzltr. öS. Von Knie- gelenkleidcn gebellt.— 12. Frau 31. Rohrmoser, Dcrliu, BrcSlaucrstr. 1. AlteS fünfzehnjähriges Herz» leiden geheilt.— 13. Herr Ak. Zlnftner, Reinicke». dorf-West, Antonlenstr. 3. Ktefervcreiterung geheilt.— 14. Fran H. Hagel, Tachsenftausen b. Oranienburg t. M. Unterl.-Blutnnge» und Nervenleiden geheilt.— >5. Frau Ww. Fritschler, Berlin, Marienburgerstr. 48. Darmgeschwulst geheilt.— 17. Herr Erich Bock, Berlin, Havelbergersirasie 15. Von Nieren- mid Blasrniride«, Wassersucht, allgemeiner grosser Schwäche geheilt.— 18. Frau Nestaur.-Scring, Berlin. Schönhauser Allee 87. Don Basedowscher Krankheit geheilt.— 19. Herr A. Brase, Bln.-Dempelhof, Fricdrich-Wilhelmstr. 14. Schweres Rulkenmarkleide» mit Lähmung derBeine vollständig geheilt.— 20. Frau E. Popp, Bln.. Lichtenberg. Gärtnerstl. 10. Bon chro- nifchcr Hmschtoäche und Berstopfung geheilt. — 21. Herr 31. Schlabift, Berlin, Caprivistr. 24. Von GestchtSIiiVus geheilt x vorder mit RaSium erfolglos behandelt.— 22. Herr Zi. Hellwig, Bin.-Borfigwalde, Ernststr. 25. Von SNageugeschwutst. Berstopfung und 'Nervenschwäche geheilt.— 23. HcrrMilchhäiidlerErkert, Berlin, Kreisenhagcnerstr. 2ß. Von gichtisch-rheumatischen Schmerzen In Bein und Fuggelent geheilt.— 24. Herr Gastwirt C. Michaelis, Chorlottenburg, Wallftr. 87. Von chronischem Leberleide» und Gelbsucht geheilt. — 25. Frau M. Knorr, Blu.-Lichtenberg.«rcharn- weberstr. 52. Von Herzschwäche, Leberanschwellung und Magenkrebs geheilt.— 26. Sohn Panl des WciienstellerS Herrn Wilhelm Haffucr, Bln.-Westend, Beamlenhaus. Von schwerem Betnleiden geheilt. Bein sollte abgenommen werden. 243/16« PM Briotliohs Driginal-Anerkennungen von uns geheilter Patienten stehen im Wartezimmer der Anstalt auf Wunsch zur Einsicht. 4 Getrennte Behandlungsräume für Damen und Herren!+ Sprech- und Behandlungszeit: 9—1, 4—7'/,.— Sonntag und Feiertag: 9—1. Die ärifllchcSnfiaitsIcitmtgör. med. Geier, älezt. Heilaustaltsbesifter Professor P. Mistelsk� approbiert im Ausland kerlia 80. l6. örückeastr. l0d am»«biibel danoovvitnbl'tleke. 1 -TABAK- ähnlich in Aussehen, Geruch, Geschmack und Packung ist iltmani '�Tieue Verbesserte -Pfeifen� iMlsdiimgj; fiTiif Tabaklauge ' stark duohsetzh In der heutigen Zeit der Surrogate and des Ersatzes, die so viel Minderwertiges auf den Markt bringt, ist es besonders wissenswert, M. Guttmanns neue verbesserte Pfeifenmisohung kennen zu lernen. Jeder, der sie einmal probiert, wird ihr ständiger Freund. 45 jährige praktische Erfahrungen auf dem Gebiete der Raüchtabakherstellung gibt die beste Gewähr für die sachgemäße Herstellung. Besonders die längere Einwirkung einer starken konzentrierten Tabak- lange macht M. Guttmanns neue verbesserte Pfeifonmischung wohlbekömmlich und mild und löst das von verwöhnten Pfeifenrauchern erwünschte Wohlbehagen, aus. 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Haupt- und Restdeinstadt, Tgb.-Nr. 387. Ei. 18. Reicke. Bekanntmachung. MM«« WM. Gemäsi§ 5 der Verordnung des Magistrats Berlin über i/cbenSmiltelkartcn vom 18. Ottober 1916 wird für den@c« meindcbezirk der Stadt Berlin bestimmt: I. Aus Abschnitt Nr. 58 der i?rosi. Berliner Lebeusmiitellarte mit Aufdruck»Stadt Berlin" ist'/, Psund Kunsthonig abzu- geben. II. Die Preise sür Kunsthonig betragen: »7 Pf. für'pfmtbj jm Nuzstich. 75. ,1, in fertigen Psundpackungen. III. Der Bestellabschniit Nr. 58 der Oirosi. Berliner Lebensmittel- forte mit Ausdruck»Stadt Berlin" darf nur in demjenigen Geschäft, in dem der Verbraucher zum Zuckerbezug in das Kundenverzeichnis eingetragen ist. gegen Abstempelung des EmpfmigZabschnitieS abgeliefert werden, und zwar in der Zeit von Montag, den 19. August 1918, bis Mittwoch, den Sl. August 1918 einschl. Nachträgliche Anmeldungen sind nicht zulässsg. IV. Jeder Kleinhändler ist verpflichlet, sobald er die Bare zur Stelle Hai. den Bertaussbeginn durch Anschlag anzuzeigen. Der Käufer ist verpflichtet, bei der Entnahme des Kunsthonigs den EmpsangSabschnitt vorzulegen; der Vertäufer hat den Empsangsabschnitt abzuschneiden und an sich zu nehmen. V. Die Kleinhändler haben die von ihnen angenommenen Bestellabschnitte an den Großhändler, von dem sie den Kunst. Honig beziehen, entweder durch Bote» oder eingeschriebenen Brief abzuliefern, und zwar bis Freitag, den ÄS. August 1918. Die Uederseudnng durch gewöhnliche« Brief ist«n. znläsfig. Der Großhändler Hai die Abschnitte sofort on die Zucker. Zuteilungs- Gesellschaft weiterzugeben; von dieser sind die Abschnitte bis zum Sonnabend, den 31. August 1918 der ZuckervcrsorgungSstellc Berlin einzureichen. Berlin, den 16. August 1918. Magistrat der Kömgl. Haupt- mid Restdmstadt. Znckerversorgungsstelle. 2347/Zu. 18. Bekanntmachung. Das städtische OrdonnanzbauS, Neue Königstr. 21, soweit e» der Einquartierung und Verpflegung von Miiitärperfonen dient, soll aus die Zeit vom 1. Ofiober d. I. bis 1. Oktober 1921 meist« bietend verpachtet werden. Die Vertragsbedingungen liegen in unserm Militär-Bureau, Erdgeschoß, zur Einficht aus und werden Klosterstr. 68, auch gegen' Di« Gebote ...,. XU» dort . von 1,50 M. abschriftlich verabfolgt. sind schrlstlich und verschlossen unter der Be- zeichnung»OrdonnanzhauSangelegenheiP bis 5. September d. I. einschließlich, der unterzeichneten Deputation einzureichen. Die Eröffnung der eingegangenen Gebote erfolgt öffentlich in dem zu diesem Zwecke aus rcreitag, den 6. September d. I., vor- mittags 11'/, Uhr, in unserm Bureau, Klosterstr. 68. Erdgeschoß, anberaumten Termin. Berücksichtigt werden nur solche Gebote, deren Bieter vor der Eröffnung der Gebole die Bedingungen unterschrieben und dadurch sür den abzuschließenden Vertrag als bindend anerkannt und ferner die Bielungssicherheit von 100 M. bestellt haben. Berlin, den 10. August 1913. StkNtr-Dkputatiau des Magistrats. Tgb. Nr. 36 Mil. 1/18. Abteilung IV. Sausse, Stadtrat. Oessentiiche Wim M AmMiW Die am 16. August 1913 fällig gewordenen Steuern für Juli/September 1918 und ferner die noch sür Aprll/Juni 1918 rückständigen Steuern sind WtllM Dls» 24. MI 1918 an die zuständige Steuertasse zu zahlen. Nach Ablauf dieser Frist erfolgt ohne weitere Benachrichtigung unverzüglich die tostenpsllchilge Beitreibung Im VcrwalwngZzwangSversahren. CUne besondere Mahnung durch Versendung von Mahnzettetn findet nicht statt. Die Slcuerzahttarle ist bei der Zahlung vorzulegen. Berlin-Schäueberg, den 18. August 1918. Der Magistrat. Berliu-Biimersdors, den 18. August 1918. Der Magistrat. Berlin-Friedenau, d. 18. August 1918. Der Gemeindevorsland. «�NorKöeutscher klopö Seemen /lbt. �Hekuranz rmpfiehlt Reisegepäck- Versicherung zu mäßigen Prämien. Nähere Auskunft: Serlin w 64, Kajütenbüro Unter S.tlinüenl lhotelflülon) Serlin NW 40:$. Montanus ?nvattöenftraße 43. Toilz. wöchenü. 1 M. Plomben 1.60. Goldin- kronen 18 M. Zahnziehen m. Einspr. höchst __ 80 sehmerzllnd. Umarb. schlecht«. Gebisse. Eep. ZabnarztWolt sof. Potsdamer Str. SS. Hoehb. Spreohz. 9-7.« Mliitagsvonl-a gesciilossen Perser und Deuischs Icppis Möbelstoffe, Gardinen, LSuferstoffe, Tisch-u. Diwandecken Tüllbett decken, Steppdecken empfiehlt Emil Lefevre ßerlin-Söd. Seit 1882 ffffOranießMISS. keinerlei zu ähnlich laut. Firma! Ziehung schon 27. August Rote«f» Lotterie 3667 Gewinne— Markw. 100000 1 10 000 1 10 000 i.iZ8öL.3.30�.''°75''pL'"° 10 Glfiekslose sortiert in ein olsg. Brieft. nur38 M.incl. Porto U.Liste Berlin C 2, Mühlendamm 3. r ßiesdorf-Slld � Kautsdorf-HUd in der Nähe v. Bhs. Ssclows jHN. von M. 20,— an. 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Undenau, Oust., Metallarbeiter, geb. 12. 4. 1899 in Zlltendors(Ostpreutzen). KrUNQ, Elektromonteur, geb. 16. 7. 1833 in Weitzenfee. Bauekl, FlN!?ZI, Schlosser, geb. 15. 4. 1830 in Johannisthal. Üfelke, Fritz, Arbeiter, geb. C. 4. 1894 in Liegnitz. Wolke, Kobert, Dreher, geb. 15. 1. 1899 in Leipzig. Ehre ihrem Slr.denken: 116/16 Tie Ortsverwaltung. ZetM Set Sftsfiftn, SdiseiSetlnoen! M MM«« MfWÄS. fiiiale Berlin, SeöaUianltraße 37—38. Tcm Nndenken unterer aus dem KriegSschauPlai, gefaUcneu KoUegen: Am 6. Juni 1918.siel im Westen der Wäsche- I Zuschneider, Kollege Otto Weier. Am 19. Juli 1918 fiel im Westen der Herrenmaß- j schneider, Kollege Paul Hänisch geb. 11. 12. 1895. Am 21. März 1918 fiel im Westen der Herrenmaß- schneider, Kollege August Wendorf geb. 17. 10. 1892. Am 5. Juli 1918 starb im Lazarett der Damen- konjeltionsschneider, Kollege August Töpfer geb. 18. 11. 1873. Am 23. Mai 1918 starb im Lazarett der Herren- Maßschneider, Kollege Kermarm Heuseier geb. 25. 12. 1876. Ehre ihrem Andenken 1 I>Ie OrtsTcrwaltungr. Plötzlich und unerwartet nerschied am 16. August, früh| t 9 Uhr. mein lieber Mann, unser guter treusorgender Vater,. Schwiegcr- und Großvater, Bruder, Schwager und Onkel, i | der Möbelpolierer. 29506| Gustav Heinrichs Im 63. Lebcnssahre..Ein schneller Tod erlöste ihn von! � seinem langjährigen, aus Gram um den Verlust seiner beiden Söhne auss höchste gestiegenen Nervenleiden. Dies zeigen licsoctriibt an Wwe. stiarlo lleinriebs geb. stelvstert Klara liottmann 1 Willi Koffmann l als Frida Heinrichs I als Otto Bollmus J Schwleger- Martha Ballmus| Töchter Rochus Nagale I söhne Emma Nagele j Heinz und Gerd als Enlel und alle Verwandten. Neukölln, Teupitzcr Str. 93. Geliebt, beweint und unvergessen. Die Beerdigung findet am Dienstag, nachm. 5'/, Ahr,! j von der Leichenhalle des GemeindesriedhosS, Mariendorscr I Weg, aus statt.___ ZUfe wsTvo" 3,50 fflark an «pcz. Kronen, u gaumcniosen Zahnersatz. Zahnziehen, plombieren. v-ntlst M. Pinsky, W? Zweigverein Berlin. Im Felde sind folgende Kollegen gefallen: Dcllz8?fflis!s!, Karl, Fliesenleger. Bezirk Friedrichshagelt � �flöll, UlIDB, Spanner. Bezirk Neukölln. Höf!!?, �sssLl, Fahrstuhlarb citer. Bezirk Ostm I. Knop, Friadncll, Fliesenleger. Bezirk Moabit. Ktllllie, WÜliallB, Putzer. Bezirk Teltow. !.angnks, AlffGd, Putzerträger. Bezirk Wedding. �inscklss, Paül, Rabitzputzer. Bezirk Neukölln. Pöllllksß, Kermann, Htllsarb. Bezirk Tharlottenburg. kÜLKkst, M3X, Hilfsarbeiter. Bezirk Osten II. 8aöl!ß, Harmann, Hilfsarbeiter. Bezirk Wilmersdorf. Schäfer, AliyilSt, Maurer. Bezirk Moabit. Stehle, Johann, Stukkateur. Bezirk Westen. WaiSCh, OttO, Maurer. Bezirk Norden I. �linllO, Paul, Stukkateur. Bezirk Oranienbrg. Vorstadt.� Ehre ihrem Andenken! 140/18 I»le Ortlloke Versvesltnug. ■HmHUBBBBnnHHHi Verband der Saftler und Portefeuällcr. Ortsverwaltung Berlin. Den Kollegen hiermit zur Nachricht, daß unser Mit- glicd, der Militärsattlcr Otto 1«bdei-t Firma B. Wiedermarm verstorben ist. Ehre seinem Andenken l Die Beerdigung findet am Dienstag, den 20. August, Machmitlag? 4'/, Ubr, von der Leichenhalle des Markus- Kirchhofes, in Wilhclmsbcrg au? statt. 158/1 Die Ortsvervraltung. Brbelter' Radfahrer- Bund .Solidarität'. Mitgliedschaft Neukölln. S(IS 12, und 13. Opfer dieses Weltkrieges fielen im Juni 1913 Misere treuen Mitglieder Kim! Fiebach, Willi Müller. I Ehre ihren» Andenken k > 185A Die Drssvenvaliung. Am Mittwoch, d. 14. Aug., verstarb mein lieber Mann, der Schriftsetzer Köder! Scilmock im 76. Lebensjahre. 2943b Dies zeigt ticsbetrübt an Wv. Luise Scbmock. Beerdigung: Montag, den 19., nachm. 5 Uhr, Heilig- Kreuz-Friedhof, Maricndors. L Verband der Rureauangcltellten Deutldtlands. Ortsgruppe Groß-Berlin. Nachruf. Den Mitgliedcnt zur Nach- richi, daß unser Kollege der Kranlenkassenangestcllte Psul flet- am 13. August 1918 im 57. Lebensjahre verstorben ist. Ehre seinem Andenken k 46/11 Die Ortsverwaltung. Plötzlich und unerwartet erhielt ich die traurige Nach- richi, daß mein lieber, guter, unvergeßlicher Mann, der Klempner 135A ImW Helling, Jnh. des Eisernen Kreuzes 8 11. Klasse, nach 42motlatigen, schweren Kämpfen im vollendeten 40. LcbenSsahre am 24. Juli 1913 durch Granat-Voll- trcster als Opfer des Welt- kricgeS Im Westen gefallen ist. In tiefem Schmerz Emm» Helling geb. l-eschkc. Neukölln. Weisestr. 53 IV. Am 14. August verstarb infolge einer Bruchoperation der Sctzerinvalide ködert 8edmoek im 76. Lebensjahre. Wir betrauern in ihm einen guten, braven.Kollegen. dessen Andenken wir stets in Ehren hallen werden. Die Rollegen der Herd- deutldten BudtdrucRerei und Verlaitgsanftalt. Die Beerdigung findet am, Montag, nachmittags 5 Uhr aus dem Hcilig-Kreuz-Kirch- hos(Mariendors) statt. Fern von seinen Lieben starb am 9. August infolge seiner schweren Verwundung in einem Kricgslazarett mem heißgclieblcr Mann, der trcuiorgcnde Vaterseiner beiden Kinder, unser guter Sohn�Schwiegersobn, Bru- der, Schwager und Onkel, der Werkzeugmacher 185A Haus Wäetto Kanonler in einem Feld» artilleric-Reg. im 35. Lebensjahre. Im tiessten Schmerz im Namen der Hinterbliebenen Neukölln, den 17. 8. 18. Die ttettrauernde Gattin Panla netto, geb. Heinrich, Ernst und(Ji*sel. Nachruf. Am 30. Juli d. I. fiel als Opfer des Krieges mein lieber Sohn, unser guter Bruder und Onkel Meli Meyer im blühenden Alter von 20 Jahren. Dies zeigen um stille Teil- nähme bittend an Der ticfbetrübte Äatcr und Geschwister. Thacrstr. 9. Max Meyer. Oskar Meyer. Frieda Ztzrenzel, Gerda Jrcnzel. als Nichten. Allen Verwandten, Freun- j den und Bekannten hiermit 1 eie Nachricht, daß cm 15. j August nach kurzem Leide» ! unser lieber Vater.Schwtcger- I vater, Großvater und Onkel, der Klempner FMiiar i im 71. Lebensjahre ver- j sterben ist. Dies zeigen ticsbetrübt an Die trsuornden Hinterbliebenen. Die Beerdigung findet ! Mittwoch, den 21. August, ! nachmittags 3'/, Uhr,»on der Halle des Zentralfricd- hojcs" in Friedrichsseide auS I statt. Schmerzliche Erinnerung zum 42. Geburtstage mtincs innig geliebten, ünvergeß- lichen Mannes, unseres ' gitcn Vaters, des Gastwirts Faul Schröter in einem Zlrm.-Bataillon, gestorben am 9. November 1916 an den Folgen einer schweren Operation. In trauriger Erinnerung Ella Schröter geb. Thurm, Gertrud und Irmgard als Kinder. Fern im Westen da ist ein Grab, da senkte man mir mein Liebstes und meiner Kinder besten Vater hinab. Im fremden Land, weitab vom, Heimatberd, da liegt einer begraben, der uns io überaus wert. 2948b Schlafe wohl in fremder Erdel Datiklagiuig. Für die vielen Beweise herz- lichcr Teilnahme und reichen Kranzspenden bei der Beerdi- gung unseres lieben SobneS und Bruders 185A Haus Sehnalke sagen wir allen Verwandten imd Bekannten sowie den Mietern deS Hauses Erkstr. 10, dem Personal der Firma Fritz Werner und dem Gesangverein unseren herzlichsten Dank. Besonders danken wir noch dem Genossen für die trostreichen Worte am Sarge unseres lieben Sohnes. Die trauernden Eltern Franz und Emilie Dchnalke und Geschwister. Neukölln, Erkstraße 10. Spezialarzt Dr. med. Haache, friedtiohslr.üO®£SS Behaudl. von Syphilis, Haut- Harn-, Frauenleiden, spez.: chron. Fälle. Schmerzlose.türzestc Behandig. obne Berutsstöruna. Blutuntersuchung. Maß. Preise Teilzahlung. Sprechstunden 11 bis 1 und 5— 8. Sonnt. 11— 1. J. Baer Badstr. ÄS Eck. Prinz.-Allee Herren- u. Knab.- Moden, Eerufskl. Einsog».- Anzüge llopgen.Gr. Stoff- lager, eleg. MaB- nnfarlig. Billigste, feste Preise Spezialarzt Dr. med. 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Als schließlich die Vereinigung der beiden Teile durchgeführt war, sei dies direkt ein n: i l i t ä rif ch c s Unglück gewesen, da die zweite Brigade durch die Ideen der ersten in eine ganz andere Stich» tung gelangt und dadurch militärisch geschwächt worden sei. In der Frage der E i d e s I e i st u n g durch die Legionäre be- tonte der Zeuge, daß insbesondere durch Zeitungen und durch an- dere Mittel gegen die Zentralmächtc agitiert wurde, und daß als Folge davon die Internierung der ersten und der dritten Brigade in Kongreßpolcn erfolgte. Tie zweite Brigade unter dem Koni- mando des Majors Zagorski, eines außerordentlich tüchtigen Offi- zier», habe den Etd geleistet, sei jedoch bei der Beerdigung in War- schau als Verräter und Knechte beschimpft worden. Die Nachricht über den Brcster Friedensvertrag, insbesondere über den Friedensschluß mit der Ukraine, machte aus die Legionäre einen niederschmetternden Eindruck.— Trauer- und Grablieder waren zu hören. Der Zeuge besprach sodann die Ereignisse am l4. und Ib. Fe- bruar, an welchem Tage ihm Hauptmann Pomazanski meldete, daß die Leute einpackten, Fuhrwerke belüden und sich marschbereit machten, um über die Grenze zu gehen. Nachdem der Zeuge noch die Ueberzeugung ausgesprochen hatte, daß viele Legionäre nicht wußten, worum es sich eigentlich handelte, und daß sie von den übrigen überlistet und einfach mitgezogen wurden, wurde die Verhandlung unterbrochen. Das enge Mnünis mit Gefteereich-Ungarn. Ankündigung österreichischer Reformpläne. Anläßlich des Geburtstages des Kaisers empfing der öfter- reichisch-ungarische Bolschafter Prinz zu Hohenlobe-Schillingsfürst die österreichische und die ungarische Kolonie. Hierbei hielt der Botschafter eine Ansprache, in der er sagte: Ans Tod und Leben verbündet find Orsterreich-Ungarn und Deutschland allen Gefahren gewachsen, in welcher Form immer dieselben an sie her- antreten mögen. Als heftiges Erbe hat unser Kaiser und König das Bündnis mit dem Deutschen Reiche übernommen und als solches wird es weiter von ihm gehütet und gepflegt. I«, länger umfa je enger die Gemeinschaft ist, in der man lebt, um so besser lernt ein Teil, den andern kennen, lernt ihn eben kennen mit allen seinen Eigenschaften, und daß fich darunter manch- mal auch solche finden, die einmal beim einen und dann wieder beim andern einen gewissen Widerspruch hervorrufen, das ist doch nur natürlich. Wenn Leute, die ihren Lebensberns im Bekritteln nnd im Bemängeln sehen, sich öfters und eingehender, als eS nötig gewesen wäre, gerade darüber ausgelassen haben, so war dies viel- le-cht bedauerlich, ich habe eS ab>.r nie tragisch genommen; denn ein Bündnis, dem wir in Oesterreich-Ungarn und in Deutschland so unendlich viel und vielerlei zu danken haben, ist über jegliche Art kleinlicher Nörgelei erhaben, vor allem auch schon deshalb, weil es nicht die Unterordn ung der Interessen des einen unter jene des anderen fordert. Je vielköpfiger eine Familie, um so leichter hat der Außenstehende Gelegenheit, sich Eingang in dieselbe zu ver- schaffen— und so versuchien denn auch unsere Gegner mit der ibnen eigenen Skrupettosigicit sich in die vielköpfige österreichische Völkerfamilie einzudrängen, um Zwiespalt unter sie zu säen. Daß eS innerhalb der Mauern des alten Gebäudes, das als österreichisch- ungarische Monarchie seit 1b26 gar vielen Stürmen standgehalten bat, so manches neu zu ordnen gibt, das wissen wir selbst. Die Zeit steht eben niemals still, aber die leiienden Staatsmänner wer- den, ihre Zeichen erkennend, allen gerechtfertigten Wün. scheu der einzelnen Völker Rechnung zu tragen verstehen. auf daß sie alle sich ungehindert weiter entwickeln und im Frieden miteinander gedeihen mögen. Englischer Bericht vom 16. August. In der Nacht haben wir unsere Linie nordöstlich von M o r l a n c o u r t ein wenig vor. Oert- liche Kämpfe am nordöstlichen Saume des Wäldes von Th i« p- v a l, wo unsere Patrouillen auf das linke Ancreufer übergegangen sind. Unsere Patrouillen machten zwischen Beaucourt-sur- A n c r e und Puisi«ux-au-Mont Fortschrftte. Englischer Heeresbericht �vom 16, August abends. Am IS. August abends wurden die Stellungen bei D e m a r V heftig an- gegrstfen; wir schlugen den Feind mit großen Verlusten zurück, wobei SSV Gefangene gemacht und eine Anzahl Maschimengewehre erbeutet wurden. In Verbindung mit den Franzosen rückten wir beute in diesem Abschnitt in der Richtung auf FreSnoy.leS» R o y e und Fransar beträchtlich vor. wobki wir Gefangene machten. Englischer Heeresbericht vom 17. August mittags. Wir machten Fortschritte nördlich der Straße von Rohe und nördlich der Ancre. In der Nachbarschaft von Vieux Berquin rückten wir nach scharfem Patrouillengefecht vor. Franzi) ftscher Heeresbericht vom 16. August abends. Während des Tages wiesen unsere Truppen durch eine Reihe von örtlichen Angriffen den Feind trob seines Widerstandes in der Gegend w e st- lich von Roye ab. Nördlich der Avre schoben wir in Verbin- dung mit den Kanadiern unsere Linien auf der Front G o y e n- c o u r t— S t. Martin l e s Tri o— L ancourt bor. Südlich der Avre drangen wir tief in den Wald von Loge? ein. Von der übrigen Front ist nichts von Bedeutung zu melden. Franzöfischcr Heeresbericht vom 17. August mittags. In der Gegend westlich von Rohe während der Nacht starke Artillerietätig. seit. Südlich der Avre setzten französische Truppen ihren Vormarsch im LogeS-Walde fort und erreichten den Ostrand des Waldes. Zwischen der Mab und der Oise haben wir starke feindliche Angriffe auf die Carnoisfarm abgewiesen und unsere Stellungen gehalten. Nordwestlich von Reims erzielte ein feindlicher Handstreich auf Neuvillette kein Ergebnis. Französischer Fliegerangriff auf ein Lazarett. Berlin, 17. August. Am verflossenen Sonntag um die Mittagszeit überflog ein französisches Flugzeuggeschwader M o n t m e d y und warf mehr als 4V Bomben auf ei» deutsches Lazarett ab. Von den kranken und verwundeten Soldaten wurde eine Anzahl ge- tötet und verletzt, außerdem wurden fünf Kinder, die in der Nähe spielten, schwer verwundet. Eins von ihnen ist infolge der schweren Verletzung gestorben. Das Hospital, das als solche? durch ein großes Genfer Kreuz gekennzeichnet ist, ist den Franzosen schon au? FriedenZzeiten genau bekannt. Bern, 16. August. Französische Blätter melden, daß einer der besten Flieger der Vereinigten Staaten, Alan Winslow, im Somme- gebiet im Luftkampf gefallen s«. China baut Stahlschiffe. Bern. 16. August.„Temps" meldet aus Schanghai: Das erste in Ebina erbaute Stahlschrff ist in Hang. kong auf der Schiffswerft der Whampoo Dock Company vom Stapel g: laufen. � Verienkunzc». Berlin. 16. August. Im östlichen Mittelmeer versenkten unsere 11-Boote neu erdings etwa 15 0«0 Brntto-Register-Tonurn. Der Chef des AdmlvalstabeS der Marine. Eine Eisenbahn auer durch den Balkan. Bern, 16. August. „Matin" teilt mit, die Verwaltung der öffentlichen Arbeiten in Rom habe den Plan einer transbalkanischen Eisen- bahn grundsätzlich genehmigt. Von Valona ausgehend, solle sie dem Semeni und Tevoli folgen und nordwärts bis Tomritsch, so- dann südlich und östlich am Maliksee und weiter am Ostufer des Prespasees entlang gehen und nördlich von ihm in Monastir mün- den, von wo eine Verbindung mit Dedcagatsck sehr leicht herzu- stellen sein würde. Diese Eisenbahn werde 266 Kilometer lang sein. Ter Zweck der„Befreiung". Amsterdam, 17. August. Reuter teilt in einer längeren Meldung mit, daß in Palästina mit der Rekrutierung unter der jüdischen Bevölkerung begonnen worden ist._ Schwermöuftrie und pre�e. Eine Berichtigung der„Ala". Wir erhalten folaenbe Zuschrift: In dem Artikel„Schwerindustrie und Presse" in Nr. 224 des „Vorwärts" vom 16. Vlll. 18 wird behauptet, die unterzeichnete G. m. b. H. sei eine schwerindustrielle Jnseratengesellschaft, die will- fährige Blätter mit Anzeigen belohnen und unbotmäßige mit Boykott bestrafen will. Das ist nicht richttg. Richtig ist vielmehr, daß die„Ala" entsprechend ihrer Firmierung eine Allgemeine An- zeigengesellschaft ist, wie die älteren Unternehmungen ihres Ar- beitsgcbietes, ferner daß es weder zu ihrer Aufgabe gehört, irgend- welche Blätter mit Anzeigen zu belohnen, noch andere durch Boykott zu bestrafen. Ala Allgemeine Anzeigengesellschaft m. b. H. Daß die„Ala" regelmäßig, wenn von ihrer Tätigkeit öffentlich gesprochen wird, ihren angeblich rein geschäftlichen Charakter behauptet, ist bekannt. Auf der anderen Seite hat der ihr nahestehende Dr. Rocke zugegeben, daß die annon- cierenden Industriellen im redaktionellen Teil nicht an- gegriffen zu werden wünschten, und der ihr noch näherstehende Herr Kirdorf hat ganz unverblümt mit einem Boykott der widerstrebenden Presse gedroht. Es steht demnach im Belieben des Lesers, ob er sich an die offiziellen Erklärungen der Ge- sellschaft halten will oder an die authentischen Kommentare der ihr nahe und nächststehenden Herren. Im übrigen sei bei der Gelegenheit gesagt, daß die So- zialdemokratie und ihre Presse in diesem ganzen Kampf neu- trale Beobachterin ist. Sie hat weder von dem Wohlwollen der Schwerindustriellen etwas zu erwarten, noch von ihrem Zorn etwas zu fürchten, dank der Eigenart ihrer Organi- sation kommt der Geldsack an sie nicht heran. Bei den b ü r- g e r l i ch c n Journalisten macht sich dagegen sehr stark die Sorge bemerkbar, daß sie durch die Macht der„Ala" auf- gekauft oder hinausgeworfen werden könnten, und diese Sorge dürfte auch durch die vorstehende Erklärung nicht beseitigt worden sein._ veröienftlose Wochen der Zleifcher. folgen der fleischlosen Woche» snr das Meischergewerbe. Der Deutsche Fleischerverband und mit diesem mehrere Zweck- verbände für das Flerschergewerbe hatten beschlossen, einen An- trag cm die Reichsfleischstelle zu richten,„um die Verluste, welche die fleischlosen Wochen nach Ansicht des Flsischsrgewerbcs unbedingt im Gefolge haben müssen, in eNvas auszugleichen, den Bruttover- dienst der Fleischer von 12 Proz., welcher schon jetzt in keiner Weise als ausreichend zu bezeichnen sei, auf 20 Proz. zu erhöhe n". Auf diesen Antrag ist jetzt die Antwort seitens der Reichsfleisch- stelle zugegangen, daß diese von einer allgemeinen Neuregelung deS Fleischerrohgewinncs absehen müsse. Ueber den Antrag des Deut- schon Fleischerderbandcs seien die Aeußerunzer, der Bundesregierungen eingeholt worden, die in der Mehrzahl sich ablehnend ver- halten, zum Peil auch erklärt hätten, daß erforderlichen Falles not- leidende Verkaufsstellen zusammengelegt werden müßten.— Die Reichsfleischstelle verweist die Vertreter des Fleischergewerbes an die zuständige Stelle, weil sie glaubt, im Einzelfalle die erfordcr- lichen Maßnahmen den Landesregierungen überlassen zu sollen.— Nachdem aber diese Stelle schon der Reichsfleischstelle einen ab- lehnenden Bescheid erteilt hat, erhoffen die Fleischervertretungen von dieser Seite keine Hilfe mehr für den Ausfall des Verdienstes für die bevorstehenden vier fleischlosen Wochen. Es sollen nunmehr die städtischen Behörden ersucht werden, den Fleischern zu Hilfe zu kommen und eine Schadloshaltung für ihren ErwerbSvcr- lust herbeizuführen. Die beste Lösung wäre jedenfalls hie, den gesamten Fleischerei- betriebe zu kommunalisieren und die dazu notwendigen Kräfte gegen anständige Löhne und Gehälter einzustellen. Krkegswucher mit Wolldecken. Mar! Geldstrafe. Die Strafkammer in Traunstein verurteilte nach einer Mel- dung der„Frankfurtor Zeitung" die Direktoren der bayerischen Wolldcckenfabrik Bruckmühl, die 35 060 Kilogramm ihrer Produkte verkauft und dabei einen Wuchergewinn von 173 000 M. erzielt haben, zu 100 000 M. Geldstrafe und einem Jahr Gefängnis. Ter übermäßige Gewinn wird eingezogen. Kurze Beine. Herr Adorf, der Führer des gelben Essener KriegsbeschädigtenverbandeS, hatte bekanntlich dem Gen. Scheide- mann nachgesagt, dieser habe ihm erklärt, er hätte keine Zeit für die KriegSbejchädigten. Gen. Scheidemann hat diese Verleum- dung bereits energisch dementtert. Jetzt muß ein Vertrauensmann der Essener, Redakteur Paguin, in der„Westsälischen Volts- zeitung" zugestehen, daß sich der betreffende Vorgang in Wirr- lichkeit ganz anders abgespielt habe: Danach erschienen am 18. Juni vier Vorstandsmitglieder de? Essener ZdriegSboschädigtenverbandes im Reichstag, um einzelnen Parlamentariern ihre Wünsche vorzu- tragen. Als Scheidemann herausgebeten wurde, ließ er sagen, er könne momentan den Sitzungssaal nicht verlassen, da er a l s n ä cy- ster Redner zu Wort komme. Paquin selber nennt diese Erklärung Scheidemanns durchaus einleuchtend.— Die Wahrheitsliebe des Herrn Adorf erfährt übrigens in den„Mitteilungen de? Reichsoundes der Kriegsbeschädigten" eine neue Beleuchtung. Diese veröffentlichen ein Schreiben des OberpräsidialrateS Brey er in Magdburg an den Vorstand des Essener Verbandes. AuS diesem Schreiben geht hervor, daß Herr Adorf über eine zwischen ihm und Ol>«rpräsidialrat Brever stattgefundene Unterredung total u«- wahre Berichte in der Oeffcntlichkeit verbreitet hat, worüber Herr Breyer sich hesttg beschwert. Ganz ähnliche Beschwerden haben früher der Kölner Landesrat Horton und der brandcnbur- gische Landesdirektor v. Winterfeldt gegen Adorf erhoben. — Damit ist dieser Gelbenführer genügend gekennzeichnet. Niederschlagung von Untersuchungen gegen Kriegsteilnehmer. Der„Reichsanzeiger" vom 16. August veröffentlicht das vrcußische Gesetz vom 18. Juli 1918 über die Niederschlagung von Unter- suchungen gegen Kriegsteilnehmer. Danach können Untersuchungen gegen Kriegsteilnehmer wegen Vergehen, die vor oder während der Einberufung zu den Fahnen begangen worden sind, im Wege der Gnade auch dann niedergeschlagen werden, wenn bereits ein gericht- liches Verfahren rm Gange ist. Parteinachrichten. Augsburg für die Einheit der Partei! Zu der paricizerstörenden Arbeit der Unabhängigen nahm eine Versammlung aller Vertrauensleute und Funktionäre der Augs- burger Parteiorganisation Stellung. Nach einem Referat deS Vor- sitzenden, Genossen Simon, gelangte einstimmig eine längere Eni» schließung zur Annahme, in der das Vorgehen einzelner Anhänger der Unabhängigen, auch in die Sieihen der sozialdemokratischen Ar- beiter Augsburg« Uneinigkeit und Zersplitterung zu tragen, aus das entschiedenste verurteilt wird. Ein solches Vorgehen nütze nur den Feinden der Arbeiterschasi und erschwere den Kampf um politische Freiheit und wirtschaftliche Vesserstellimg. Die von der deutschen Sozialdemokratie seit ihrem Bestehen erzielten Erfolge seien erreicht worden durch die auf den Massen beruhende Stärke der Organisation, durch die Einheit deS Willens. Diese Tatsache sei auch die Voraussetzung für künstige Erfolge für die Arbeiterschaft. Mit Genugtuung kann festgestellt werden, daß die Augsburger Parteiorganisotion nach jahrelanger Stagnation einen erfreulichen Aufschwung genommen hat._ Eine erfolgreiche M itglicd erw erbuu g. kann unsere Magdeburger Parteiorganisation verzeichnen. Wie in der guibesuchten Generalversammlung des Sozialdemokratischen Wahlvereins mitgeteilt wurde, sind bei der Agitation für die Or» ganisation 034 Mitglieder gewonnen worden. Die Versammlung nahm alsdann ein Referat deS Genossen BeimS über das Attronsprogramm der Partei ent- gegen. Ter Redner betonte, daß eine Partei, die mit der Ent- Wicklung gehen wolle, eutiprechend den neuen sozialen Formen auch ihre Ziele weiter stecken müsse. Es gebe nichts Schädlicheres, als an Forderungen festzuhalten, die einmal ganz richtig waren, aber von der Entwicklung überholt seien. Noch befinden sich die Dinge in Fluß, aber soweit eine Linie der Entwicklung erkennbar sei, müsse die Partei ihr Wirken pxogrammatisch zu bestimmen suchen. In dem vorlieaetiden Programm vermisse er, Redner, ei» Eingehen aus die Agrart?tonn. Ohne sozialistisches Agrarprogramm werde die Partei in Zukunft nicht auskommen. In diesem Sinne äußerte sich auch Genosse Landsberg. Genosse W i t t m a ck hält es sür erforderlich, daß neben dem Agrarprogramm auch die Stellung der Partei zur Kabinettsrage formuliert wird. Im übrigen sei zu er- warten, daß der P a r i e i t a g endgültig über das AktionS- Programm zu bestimmen habe. « In einer Mitgliderversammlung des Sozialdemokratischen Parieivcreins Elberfeld-Barmen konnte nach einem Referat des Genossen W a l d t über das A k t i ans Programm der Vorsitzende Genosse D r ö n e r. das Einverständnis der Versamm- lung mit dem vorliegenden Entwurf feststellen. Znöustrie und Handel. Zweifel in die deutsche Währung. Zur Palutafrage schreibt ftian der„Frankfurter Zeitung" aus Holland: Durch holländische Börsenblätter läuft die Mitteilung, daß in Teutschland mit>der Möglichkeit beträchtlicher Herabsetzung der Münzeinheit auf die Hälfte zu rechnen sei. Tatsache sei, daß einige holländische Banken ausstehende Akark-Guthaben verpfändet haben. Gewährsscheine eingefordert haben als Sicherheit für die durch Aendcrung der Goldwährung in Deutschland allenfalls entstehenden Verluste. Es ist augenfällig, daß diese Gerüchte der in Holland in fremden Valuten spekulierenden Baisseparteien starke Trümpfe in die Hand geben, weshalb im Interesse der Handhabung des deutschen Wechselkurses ein amtlicher Widerspruch sehr erwünscht Ware. Wir braucken wohl, so bemerkt die..Frankfurter Zeitung", nicht aus- drücklich hinzuzufügen, daß an diesen bösartigen Gerüchten, die in kurzsichtiger Weise im neutralen Ausland in Umlauf gesetzt sind, kein wahres Wort ist._ Material für die Preisprnfungsstelle«. Die Z e i y e r Eisengießerei- und Maschinen- bau- 21.°®., die für das Jahr 1S13/14 mit Rücksicht auf den KriegSauSbriich ihre Dividende von 20 Pro,, auf 12 Proz. herunter- gesetzt hatte, in den folgenden Jahren 1914/15 und 1015/16 bei diesem Satze verblieben war und im Vorjahre den letzteren auf den Frredensstand von 20 Proz. erhöbt hatte, sckilägt für daS am 30. Juni abgelaufene Geschäftsjahr 1917/18 die Verteilung von 30 Proz.-ft 10 Proz. BonuS, allo insgesamt 40 Proz. Dividende vor auf das Aktienkapital von 1 824 000 M. Der Bonus dient. wie die Firnm erklärt, als teilweiier Ausgleich für die in den ersten KriegSjahien verringerte Friedensdividende. Solche enormen Gewiiinsteigcrungen laden zu einer strengen Ueberprüfung der gewährten Preise ein. Wenn da« nicht geschieht, verlieren die PreisprüfungSstelleir der Kriegsämter einfach ihr Lebensrecht._ Velou-Schisssbau-A.-G. Unter dem Namen einer Beton-Schiffsbau-A.-G. in Hamburg wurde hier eine Gesellschaft mit einem Aktienkapital von einer Million Mark gegründet. Die Aktien werden zum Kurse von 107 Proz. ausgegeben._ Bcvölkrrungszuuahme in südfranzösischen Städten. Wie„Affärsvärlden" berichtet, weisen viele Städte in Süd- Frankreich während des Krieges einen bedeutenden Zuwachs der Bevölkerung auf. Die Bevölkerungszahl in nachstehenden Städten har wie folgt zugenommen: 1014 1918 Marseille...... 600 000 947 000 Lyon....... 530 000 740 000 Bordeaux...... 201678 325000 Toulouse......» 150 000 210 000 Orleans...... 72 000 110 000 Le Maus...... 69 000 98 000 Tours....... 67 000 100 000 Der Zuwachs ist zum Teil auf die Flüchtlinge aud Nord- Frankreich Und Paris zurückzusnhren. aber hauvtiächlich dem Aufblühen der Kriegsindustne und der Ankunft großer Mengen farbiger Arbeiter ans den Kolonien zuzuschreiben. Letzte Nachrichten. Radziwill und Ronikier befriedigt. Ihr Programm durchgedrungen. Warscheu, 17. August. Nach einer Berliner Sondermeldung de«„Przeglad Poranny" äußerte sich. der Direktor des polnischen Staatsdepartements Prinz Janusz Radziwill über seine Reise ins Hauptquartier dahin, daß er von ihr sehr befriedigt sei. Grgf Adam Ronikier, der Berliner Delegierte der polnischen Regierung, habe Pressevertretern gegenüber mitgeteilt, daß die Aussichten der Entwicklung der polnischen Frage, wenn man aus dem Verlaufe der Konferenz schließen wolle, sehr gün- st ig ständen. Er sagte: Das Programm, welches wir in? Haupt- quartier mitnahmen, hat alle Aussicht auf Verwirklichung. ES werden natürlich noch weitere Verhandlungen nötig sein; diese sind aber nicht mehr grundsätzlicher Patur. GMsrkschLMwVims Ucbercinstimmung? „Der Bund"� das Organ dcs KarlellverbandeS deutscher Werk bereine erklärt, daß er mil der„Norddeutschen Allgemeinen Itg� nbereinstimine, wenn dieselbe sich kürzlich gegen die mit finanziellen Mitteln künstlich großgezücbteie» sogenannten gelben Organisationen gewendet habe. Die unabhängige SSerlvereinsbewcgung habe von jeher erklärt, daß sie von solchen Gründungen nichts wissen wolle. Auf sie könne das Urteil des RegicrungSorganS keinerlei Bezug haben. Wir begreifen es, daß der„Bund" die sogenannte unabhängige Werkbereinsbewegung mit den verrufenen Gelben nicht identifiziert haben möchte, können jedoch einen wesentlichen Unterschied zwischen beiden nicht herausfinden. Das Unternehmertum hat an dem Be- stehen der Werkvereine genau das gleiche Interesse wie an dem der Gelben und eS mag schließlich den vom„Bund" betonten Unter« schied zwischen beiden Lieblingen noch gar nicht so genau erkannt haben. Beide Organisationsformen verdanken ihre Entstehung der Gunst und materiellen Unterstützung des Unternehmertums und sie können nur fortbestehen, indem beide an den vitalsten Interesse» der Arbeiter» ilasse Verrat üben. Für die Vorgänge, die sich im Lager der Unternehiner abspielen, hat der Bund ja kein Auge. Daß dieselben ans ihren Tagungen, in geheimen Zirkularen usw. fortgesetzt gegen die Organisation der Arbeiter mobil machen, ist in den Spalten dieses Organs vergeblich zu suchen. Daß aber die„Kampfgewerkschafleu" gleichfalls an ihre Mitglieder herantreten und dieselben ermahnen, für kommende Kämpfe gerüstet zu sein, kennzeichnet dieses wirischaftSfriedliche WerkvereinSorgan als .Streikhetze der roten Gewerkschaftsführer", die von heißer Sehnsucht nach neuen großen Arbeitskämpfen erfüllt seien. Soll man es ernst nehmen,' wenn der„Bund" gar die Be- hauptung aufstellt, daß die„Kampfgewerlschaftcn�S t r e i k h e tz e statt i o z i a I e r Unter st ützungStätigkeit betreiben? Sozialpolitiker von Ruf und RegierungSkreise rühmen die gewallige soziale Unterstützungstätigkeir der Gewerkschaftsbewegung und ein solches Blatt wagt cS, seinen Leserkreis immer wieder von neuem anzulügen? Fragen wir zu welchem Zweck? Nun. weil diese Methode un- ehrlichen Kanipfes das Mittel ist, womit die.deutschen Werkvereine" zusammengehalten werden. Der„Bund" hat wahrlich nicht nötig, von den„Gelben" abzu- rücken, er und seine Getreuen sind tzichtS anderes als die ergebenen Schildlnappen de» Unternehmertums. Erfolgreiche Lohnbewegungeu i»» der Berliner Textilindustrie. Nachstehende Lohnbewegungen in den verschiedensten Berufs- gruppen geben ein treffliches KriegSbild aus der Textilindustrie. In der Färberei und ch e m i sch e n R e i n i g u n g S a n st a I t W. Spindler forderte die Arbeiterschafr durch ihren Ausschuß am 21. April d. I. eine IlZprozentige Lohnzulage mit der Begrün- dung, daß die Firma Spindler immer noch sehr niedrige Löhne zahli und deshalb in einigen Abteilungen ständiger Arbeitermangel besteht. Um diese gewiß sehr geringe Forderung fanden viele Ver« Handlungen statt, bi» endlich am 6. Juli folgendes Resultat erzielt tvnrde: ES erhielten die Handwerker und Arbeiter 2,40 M. bis 4 M. wöchentliche Zulage, die Arbeiterinnen 1,80 M. und nur die Akkordplätterinnen eine lOprozernige Erhöhung ihrer Stütklöhne. In der Färberei und chemischen Reinigungsanstalt Kalläne u. Meiling ging es bedeutend schneller. Am 1. Juli forderte der Ausschuß eine Erhöbung der Stunden- und Wochenlöbne und schon nach zwei Wochen erhielten die Arbeiter 2 bis 6 M. und die Arbeiterinnen 1,50 bis 8 M. Zulage. Die M ö b e I p o s a m e n t i er e forderten in allen noch vor- handenen Betrieben einen Mindeststundenlohn sür Gehilfen von 1,00 M., für Arbeiterinnen 80 Pf. auf tariflicher Grundlage. Diese Forderung wurde am 30. Mai d. I. an die beiden zuständigen Arbeitgebcrorganisationen eingereicht, und Ende Juli erfolgte die Antwort, die Lohne sind jetzt schon den Zeitverhältnissen angepaßt und eine Unzufriedenheit hinsichtlich der Löhne bestände bei den Gehilfen nicht. Trotzdem wurden die Löhne der Gehilfen teilweise von 1,10 auf 1,40 M. und die der Arbeiterinnen von 50 ans 70 Pf. pro Stunde erhöht. In der Ordensband Weberei Karl Knoblauch war wegen Berichlcchterung des Materials der Ler- dienst erheblich gesunken. Einen Garantielohn zu zahlen oder den Stücklohn zu erhöhen, lehnte die Firnra ab. E» kam am 1. August zur Arbeitsniederlegung. Am nächsten Tage schon kam eS bei einer Verhandlung zur Einigung. Der Weblohn lvurde um 1 Pf. pro Meter und Band erhöh! und den Arbeiterinnen der Wochenlohn auf 30 M. erhöht. In der Strickerei Felix Lande tvar ebenfalls wegen Materialvcricklechterung der Verdienst gc- funken. Diese Senkung des Verdienstes wurde der Firma vom Ausschuß mittels einer einwandfreien guten Statistik bewiesen und innerhalb 2 Tagen wurde ohne Arbeitsniederlegung durch Ver- Handlung erreicht, daß für Militäriocken auf Füßlinge der Stück- lohn pro Paar von 30 auf 34 Pf. und für Längen von 7>/z auf Ö'/g Pf. erHöhr wurde; die Lohnarbeiterinnen erhielten eine Er- höhung ihres festen Wochenlolinc» von 30 aus 33 M. Die P o r t e p e e a.r b e i t e r i n n e n der Firnia Tröltsch u. Han- s e lm a n n forderten eine Erhöhung ihrer Stücklöhne um 50 Proz. und wollteil dann auf die bestehende löprozentige Teuerungszulage verzichten. Im Durchschnitt wurde diese Forderung voll bewilligt. Die U n i f o r ni st i ck e r i n n e n hatten qn den Verband der Uniform st ickcreien Deutschlands einen Antrag auf eine 40 prozentige Erhöhung der Stücklöhne gestellt. Die Cbeis haben aber nur �15 bis 25 Proz. bewilligt, und zwar derart, daß auf die jetzt gangbaren Stickereien nur 15 Proz. Erhöhung kamen, sogar auch für Marine- Deckoffizier-Abzeichen, die sehr schlecht bezahlt werden, so daß die Sückerinnen hierbei kaum 50 Pf. die Stunde verdienen. Der Arbeitgeberverband lehnte jede Verhandlung ab und weil die Slickeriiinen mir der bisherigen Regelung der Lohnstreitigleit durch- aus nicht eiiiverstaiidcu find, dürfte diese Angelegenheit noch ein ernstes Nachspiel haben. In der Draht seilspleißerei der Flugzeugwerke E. Rumpler wnrde der Stücklohn um rund 20 Proz. gekürzt, für l>8 Spleiße von 56 M. auf 45,44 M. Nach mehrfachen Ber- haiidliuigen und Drohung mit dem KriegSauSschuß gelang es den Kollegen, diese 20 Proz. Abzug, gleich 25 M., auf 15 M. zu er- niedrigen, aber auch diese» hätte nicht sein brauchen, wenn die Kollegen gleich von Anfang an treuer zu ihrer Organisation gestanden hätten. Das Gesamtbild ist nun folgendes. Die ersten 6 Lohn- bcwegungeu brachten für 434 mäuiitiche und sür 553 weibliche in Summa 037 Personen einen wöchentlichen Mehcverdienst von 3600 Dl.__ Wie sich die„hohen" Arbciterlöhne verkrünieln. Au» den Kreisen der Bergarbeiter wird der.Schlesischen Berg» wacht" geschrieben: Durch die bürgerliche Presse jeder Art und jeder Richtung gehen fortgesetzt die abenteuerlichsten Nachrichten über die in» Märchen- hafte gestiegenen hohen Löhne der Arbeiter. Wie eS in Wirklichkeit damit beschaffen ist, wie unter allen Umständen daiür geiorgt, daß die Arbeiter trotz ihrer„riesigen" Löhne nicht so üppig werden wie die Kriegsgewinnler, dürfte sich aus folgendem ergeben: Die Verwaltung der F u ch» g r u o e zu W e i ß st e i n hat einen Posten A r b e i t S h o s e n für die Arbeiter erworben, die sie zum Selbstkostenpreise von 42,50 Mark— in Worten vierzig und zwei Mark samt fünfzig Pfennigen— abgibt. Im Frieden zahlte man für die gleiche Hose nicht mehr als 3,50 Mark. Ver- gleicht man die Lohnsteigerungen der Bergarbeiter, die im Höchst- falle 6 M. pro Schicht ausmachen, mit der Preissteigerung dieser armseligen Unaussprechlichen, dann müßte der Bergarbeiter pro Schicht seine 30 M. verdienen. Denn diese Preissteigerung ist nur eine von vielen Dutzenden, die alle an den„Rieienlöhncn" der Arbeiter zehren, wie ein Blutegel, und seinen„Riesenlohn" in Nichts sich verlrüineln lassen. Es ist daher nur eine Selbstver- ständlichkeit, wenn der Arbeiter seinen Lohn zu erhöhen trachtet und es ist nicht inehr wie recht und billig, wenn die Bergarbeiter angesichts dieser Sachlage entschieden auf eine nnSgiebige Lohnerhöhung bestehen._ Entschadiqung für die durch die fleischlosen Wochen arbeitslos werden Gesellen und Arbeiter. Der Hauptvorstand des ZentralverbandcS der Fleischer hatte bei der RcichSregierung beantragt, die durch�die fleischlosen Wochen unverschuldet in Not geratenen BerusSanqehörigen zu entschädigen. Das ReichSwirlschastSamt hat auf diese Eingabe geantwortet, daß auf die Unterstützung erwerbsloser Fleifchergehilfen die allgemeinen Bestimmungen de- Bundesrats über die Kriet"wirtschaftSpsiege ohne weiteres Anwendung finden. Vertretern des Verbandes wurde außerdem in mündlicher Verhandlung zugesagt, daß die Unter- slützung auch den erwerbslos werdenden Arbeitern und Arbeiterinnen gewährt werde._ Tie niedrigen Löhne in den A. E. G.-Betrieben. In dem Bericht über die gut besuchte Versammlung der Hilfs- und Transportarbeiter in der Freitagnummer de»„Vorwärts" war bereits von den niedrigen Löhnen der A. E. G.-Betriebe die Rede. Ein in der A. E. G. beschäftigter Arbeiter sendet unS hierzu folgende Zuschrift: Bei den ungelernten Arbeitern. Arbeiterinnen und Wochen- löhnern der A. E. G., Ack-rstraße, und dazu gehörigen Nebenwerken mackt sich schon seit geraumer Zeit eine große Unzufriedenheit darüber bemerkbar, daß die«. E. G. unter den Großfirmen die niedrigsten Löhne zahlt. Die oben genannlen Gruppen reichten im April d. I. an die Direktion der A. E. G.. Ackerslr., eine geringe Lohnforderung ein, die jedoch noch nicht einmal zur Hälfte be- willigt wurde. In der darauffolgenden beschlußfafienden Versammlung gab sich die Arbeiterschaft damit zufrieden, erklärte aber, in nächster Zeit erneut eine Lohnforderung einzureichen. AlS letzteres geschah, lehnte die Direktion jedes weitere Zugeständnis, ja sogar jede Ver- Handlung mit dem ArbeiterauSschuß ab. Sluch vor dem Kriegs- auSsckuß und dem KriegSamt, das in dieser Sache angerufen wurde, kam nichts Wesentliches heraus, als daß jedem der Abkehrschein zugesprochen wurde. Den Albeitern stehen augenblicklich weitere Mittel nickt zur Verfügung, um zu ihrem Recht zu kommen. Angesichts dieser Sachlage ist die Empörung unter den un- gelernten Arbitern zu verstehen. WaS soll ein Familienvater, der zwei oder noch mehr Kinder hat, mit einein Wochenverdienst Pon 47.40 M. bei ü4stündiger Arbeitszeit anfangen? Nach Abzug von 2,01 M. für Kranken- und Invalidenversicherung kommt er sogar nur mit 45,39 M. nach Hause. Damit kanu er seine Familie nicht erhalten. Ferner werden speziell in dem Werk Ackersiraßc in manchen Ab- teilungen die von der Direktion bewilligten Zulagen noch nicht ein- mal von den Meistern gezahlt. Dabei ist zu bemerken, daß auch den Arbeiterinnen die festgesetzten EinstollungSlöhne selten bezahlt werden. So läuft das ganze System auf eine Lohndrückerei schlimmster Art hinaus. Und dies ist eine Welifirma, die durch Heeresauflräge gut verdient hat. Zum Schluß sei noch bemerkt, daß bisher Arbeiter und Ar- beiterinnen, die 20 Jahre im Betriebe waren. 100 M. als Geschenk und 6 Tage Urlaub erhielten. Diese Vergünstigung wird ni Zu- kunst denjenigen Personen nicht mehr gewährt, die Etile Januar am Streik teilgenommen haben. Soziales. Deutscher Jugendfürsorgetag. Für den am 20. und 21. September d. I. im Abgeordneten» hau» in Berlin stattfindenden Deutschen Jugendfürsorgetag ist die Tagesordnung nunmehr versendet worden. Zur Verhandlung steht die Frage:„Jugendämter als Träger der öffentlichen Jugendfürsorge im Reich." Professor Dr. Klumier- Frankfurt a. M. wird über die Notwendigkeit des Ausbau» der öffentlichen Jugendfürsorge im Reich. Direktor Dr. Blaum-Straß- bürg über ein Reicbsgesetz über Jugendämter sprechen. Im An» schluß daran wird Bürgermeister von Hollander-Mannheim Nicht» linien für die Schaffung leistungsfähiger Jugendämter in den Städten, Fräulein Dr. Kröhne-Tüsseldorf für solche aus dem Lande geben. Den Schluß wird ein Referat von dem Leiter des Berliner Städtischen Jugendamtes, Lic. Stegmund-Schultze, über das Zu- sammcnarbeiten der Jugendämter mit der freien Liebe-tätigkeit bilden. Di« Teilnahme an den Verhandlungen ist nur auf Karten zulässig, die vom 31. August an gegen Einsendung von 3,— Mark von der Geschäftsstelle des Deutschen Vereins sür Armenpflege und Wohltätigkeit, Berlin SW. 11, Bernburger Str. 24/25 i Geschäfts- stunden 0— 3 Uhr), zu beziehen sind. Tie vorbereitenden Druck- sachen werden den Teilnebmcrn unentgeltlich geliefert. Eingeleitet wird die Tagung durch einen am Donnerstag, den 19. September, stattfindenden BcgrüßungSabsnd, auf dem Profeffor tzllohs Fifcher-München über„Gemeinschaftsarbeit und Persönlich- keitspflege als Grundlagen und Formen der Fürsorgetättgkeit" sprechen wird. Für Freitag, den 20. September, ist eine öffentliche Volts- Versammlung in Aussicht genommen, deren Programm noch ver- öffentlicht werden wird. Gerichtszeitung. Ein 15 jähriger Luftmördcr. Der Mädähenmord in der Stargardter Straße, welcher Ends März d. I. großes Aufsehen erregt hatte, beschäftigte gestern die 2. Fcrtcnstrafkammer des Landgerichts I unter Ausschluß der Oeffcntlichkeit. Aus der Untersuchungshaft wurde der 15 jährige Arbeitsbursche Paul L e i p n i tz vorgeführt, um sich wegen Mordes und Sitilichkeitsverbrechens zu verantworten.— Wie noch erinnerlich sein dürfte.wurde Ende März dieses Jahres im Gartenhaus des Hauses Starxavdter Straße 3s dt« neunjährige Schülerin Edith Karczewski, das einzige und auffallend hübsche Kind einer Witwe, als Leiche in einem Tack aufgefunden. Wie der Gerichtsarzt im Beifein der Mordkommission feststellte. tvar daö Kind offenbar erstickt worden. Hände und Füße der Leiche waren mit Bindfäden fest zusammengeschnürt. Als Täter wurse noch an demselben Tage der in demselben Hause, wohnhafte fünf- zehnjährige Paul Lerpnitz festgenommen, der nach anfänglichem Leugnen die Tat, ohne besonldevc. Reue zu zeigen, offen einräumt. In der Vernehmung des jugendlichen Mörders stellte e» sich heraus. daß das Motiv zu der furchtbaren Tat auf geschlechtlichem Gebiete lag und leider auch der„Kientopp" einen gewissen unheilvollen Ein- fluß aus dcn Fünfzehnjährigen ausgeübt hatte. Wie 2. angab, habe er sich schon seit langem ein Mädchen näher ansehen wollen und schon wiederholt verflicht, ein kleines Mädchen, das ihm besonders gut gefiel, mit Puppenlappcn in die Wohnung seiner Mutter zu locken. Als das Kind nicht kam, habe er beschlossen, es zu töten, und zwar habe er den Plan, wie er die Tötung ausführen wollte, in einer Kinovorstellung gefaßt, in der ein Mensch durch einen Faustschlag und Erwürgen bewußtlos gemacht wurde. Als die kleine Edith zu ihm kam, habe er ihr zuerst einen Faustschlag ins Auge versetzt und sie dann solange gewürgt, bis sich der Körper nicht mehr bewegte. Vor der Heimkehr seiner Mutter habe er die Leiche zusammengeschnürt und in einem Sack nach dem Boden hinauf- getragen. Wie die wetteren Ermittelungen ergaben, hatte Leipnitz dann ruhig Stbendbrot gegesieir und sich zu Bett gelegt, wo er bis gegen 12 llhr mittags ohne zu träumen gesckftafen Hab«. Erst a!s die Beamten kamen und die Wohnung durchsuchten, sei ihm unhcim. Itch geworden. Er kaufte sich, um sich das Leben zu nehmen, ein Taschenmesser und fuhr mit der' Straßenbahn nach dem Ferienheim in Blankenfelde� in dem er als Schüler öfter gewesen war. Hier öffnet« er eine Kartoffelmiete und kochte sich in einer unbenutzten Küche Kartoffeln. Als er dcs Abends nach der Stargardter Straße kam und hier eine aufgeregte Menschenmenge vor dem Haufe stehen sah, habe er es mit der Angst zu tun bekommen und sei wieder nach Blankenfelde zurückgelaufen. Am nächsten Morgen sei er wieder nach der Stargardter Stiaße gegangen und habe sich hier in dem Keller versteckt, in dem er dann entdeckt und verhaftet wurde.— i In der gestrigen Verhandlung wurde wegen Gefährdung der Sitt- lichkcit die Oeffentltchkeit ausgeschlossen. Das öffentlich verkündete Zlrtcil lautete wegen T o t s ch la g s und Sittlichkcitsvcrbrcchcns auf 6 Jahre Gefängnis. Lerenlivortlich für Politik: lkrtch Stniinn, Berlin: für den übrigen Teil des Blattes: Alfred Scholz, Neukölln: für Anzel«en: Theodor Gloike, Berlin. Verlaß: Vorwärts-Verlag®. in. b. H., Bcrlm. Druck: Borwärls-Buchdruckcrci und Verlagsanftalt Paul Singer u. So. in Berlin, Lindeiiltratie 3. Hierzu 2 Beilagen. Cl. 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