Ur. 229. 33. Jahrg. Bezugspreis, StertelZSHrl. 4�0 Ml. monaU.l.BOMl, kei ins Haus,»oruuSzcchlbar.Etnzelne Nummern 10 Biennig. Postbezug: Monaliich, vom Postschalter abzuholen 1,60 Mb, vom vriefträger ms Haus ae- bracht 1,14 Ml. Unter Kreuzsand sur Deun chiar d und Oesterreich. Unoarn S,— Ml, für das übrige Ausland 4,60 MI. monatlich, Persand ins Feld bei direkter Bestellung monall, iMZMl. Postbestelungen nehmen an Düne- mark, Holland, Luxemburg. Schweden und die Schwei», Singerragen in dt» Post-Zeitungs-PreiSliste. Erscheint täglich. Telegramm- Adresse: »Tozialdemokrat Berltu». Verlinev VulK?»blctkk. ( 10 Pfennig) Anzeigenpreis, Die stedengespallenc Kelonelzeilelosiet Sl> Pfg.„Kleine Anzeigeu", da» lettgedructte Wort 30 Pfg,(zulässig 2 settgedruckle Worte), jedes weitere Wori 16 Psg, Stellengesuche und Schlasslellenanzeigen des erste Wort 20 Psg.. ledes weitere Wort!0 Pig Worte über 16 Buchslaben zählen für zwei Worte, Teuerungszuschlag 20»/» Familien-Anzeigen, volinsch« und gewerlschasUiche Vereins- Anzeigen SO Psg, die Zeile, Anzeigen für die nächste Nummer müssen biS ö> Uhr nachmittags im Hauxtgeschäsl Berlin 638.68, Lindensiratze 3, ab legeben werden. ISeSffnet von S Uhr srüh bis 7 Uhr abends. �entralorgan cler fo�isläemokratifcken Partei veuttckianäs. Neöaktion: SM. HS, �inöenstraße 5. ?»ern>vrech«r: Amt Mortstvla«, Ar. 161 90— 151 97. Mittwoch, de« 21. August 1918. Expeöition: SM. HS» Änüenstraße Z. Ssernsprechrr: Amt Morrtlplirtz. Str. 181 SV— 181 97. Solfs friedensrede wider ßalfour. In der klugen und trefflich stilisierten Rede, die der! Staatssekretär Dr. S o l f gestern abend bei einem Empfang vsn Parlamentariern und Journalisten gehalten hat, findet sich neben vielen anderen auch die gute Bemer- kung: wenn die feindlichen Diplomaten vor vier Jahren eben- soviel getan hätten, um den drohenden Krieg zu vermeiden, wie sie jetzt tun, um den drohenden Frieden abzu- wehren, so wäre der Krieg nie susgebrochen. Das mag gel- ten mit dem Hinzufügen, daß nicht nur die feind- l i ch e n Diplomaten im Willen zur Friedenserhaltung nicht stark, in der Wahl ihrer Mittel nicht geschickt genug gewesen sind. Man kann aber auch weiter sagen: Wenn von deutscher Verantwortlicher Stelle immer so gesprochen worden wäre, wie Sols gestern gesprochen hat, und mehr noch, wenn der Geist, der diese Rede erfüllt, auch alle Taten der deutschen Re- gierung gelenkt hätte, stünde vielleicht heute schon manches für das deutsche Volk und die ganze Welt besser, als es in diesem Augenblick leider noch steht.- Wenn man bedenkt, daß Sols gestern Interpret von Aeußerungen sein mußte, die weniger verständig sind ais seine eigenen, und Advokat von Handlungen, die hinter seinen eigenen idealen Forderungen weit zurückbleiben, so wird man zugeben müssen, daß er seine Aufgabe mit außer- ordentlichem Geschick gelöst hat. Der geistig sonst hochstehende englisch« Minister Balfour, der in die Arena einer ziemlich unbedenklichen Kriegshetze herabgestiegen ist, findet in Sols einen Gegner, der den umgekehrten Weg geht und der aus dem Getümmel niedriger Leidenschaften zur Höhe der Idee hinaufschreitet. Sols hat der Ehre des englischen Volkes kein Leid getan. Er h«t zu den Engländern als Mensch zu Menschen gesprochen. und es ist nur zu wünschen, daß recht viele von ihnen bereit sein mögen, auch als Menschen ihn anzuhören. Er hat aber sehr richtig bemerkt, daß für manche der regierenden Engländer die hohe Moral, die sie predigen, nur die Jdeo- logie ist, hinter der sich ein sehr robuster Weltbeherrschungs- und Eroberungsdrang verbirgt. Gibt es aber von dem, was an England zu tadeln ist, in Deutschland gar nichts? Der Staatssekretär des ReichSkolonialcrmts hat sich bemüht, gerecht zu sein, er hat zugestanden, daß es Chauvinisten und Jingos, Weltcroberer auf dem Papier und Verherrlicher des Knockout, des nieder- schmetternden BoxerstoßeS, hüben wiedrüben gibt. Das ist aus dem Munde eineS Staatssekretärs schon viel, und eine kleine Gruppe, die Ursache hat, sich getroffen zu fühlen, mag nicht mit Unrecht in Sols einen neuen Kopf der Hpdra ent- decken, der sie soeben erst einen namens Kühlmann abgeschlo- oen hat. Aber h«t diese Gruppe wirklich keinen Einfluß? Rühmt sie sich nicht soeben, im' Innern eine Schlacht ge- Wonnen zu haben, deren Gewinn sie die Schlappen im Westen leicht verschmerzen läßt? Wohl uns, wenn sich die deutsche Politik von den Einflüssen dieser kleinen Truppe stets ferngehalten hätte! Aber da kommt der Staatssekretär auf B r e st- L i t o w s k zu sprechen und man muß wieder aufrichtig die Geschicklichkeit bewundern, mit der er das tut. �a, Sols hat die deutsche Politik v»n Brest-LitowSk viel geschickter verteidigt, als Bal- s«ur die Absicht Englands, die deutschen Kolonien in die Taschen pu stecken. Ueberzeugend kann er aber nicht wirken, weil Tatsschen immer stärker als Worte sind. Wo»ar denn die„grsße Uebercinsftmmung" zwischen der deutschen und der russischen Regierung?- Sie schien sich wohl anzubahnen, aber sie wurde durch einen Faustschlag zerstört. Das Wort: „W i r s i n d d i e S i e g e r" und alle Folgerungen, die aus ihm gezogen wurde«, zerschlugen sie bis in den Grund. Nur über die Methoden der Randvölker-Befreiung sollen Mei- nungsverschiedenheiten bestanden haben, da die deutsche Re- gierung den„Weg der Anarchie und des Massenmordes" nicht gewollt hätte! Ja, aber es gibt noch einen anderen Weg, den eingigen, der zum Ziele führt, und das ist der Weg einer geordneten Demokratie. Kann Herr Sols behaupten, daß die deutsche Politik im Osten diesen Weg ge- gangen ist? Ja, gegen Tatsachen kann auch Herr Sols nicht. Sonst aber war seine Rede so gut, wie sie ein Mann ap seinem Platze nur immer halten konnte. Schärfer als er eS getan hat, konnte eine Politik des Knockout fdaS englische Wort ist knapper und eindrucksvoller als das umständliche deutsche: „nur militärische Entscheidung") nicht abgelehnt werden. Lauter und deutlicher konnte nicht ausgesprochen werden, daß die deutsche Politik nicht auf„Raub und Ruhm" ausgehen soll, sondern auf Weltfrieden und Pölkerversöhnung. Natürlich wird e» draußen nicht an Ttimmen fehlen, die erklären werden, die Rede SolfS sei der politische Widerhall der militärischen Ereignisse im Westen. Gegen eine solche Unterstellung wäre die deutsche Regierung viel besser ge- schützt, wenn sie immer klar und unzweideutig die Bahn ge- wandelt wäre die der hohe Gedavkenslug des Redners ihr vorzcichnet. Aber selbst wenn die Gegner von ihrem Ar«. wohn nicht abzubringen wären, ja, wäre es denn eine Schande, wenn man in Deutschland aus Erfahrungen ge- lernt hätte!."Wenn jetzt das ganze Volk bis zu den„Maß- gebenden" hinauf begreift, daß ein Frieden ehrlicher Völker- Verständigung sein Ziel sein muß, bietet sich da nicht eine Ge- legcnheit für alle, die guten Willens sind? Oder müssen die Völker drüben auch erst noch einmal die Erfahrung machen, daß die Träume ihrer Jingos und Chauvinisten von einem Gewaltfrieden über Deutschland unerfüllbar sind, müssen sie den Zusammenbruch dieser Illusionen noch einmal mit Strö- men ihrefi Blutes bezahlen? Die Rede Solfs kann ein Stück eines guten Werkes wer- den. Nur eine Waffe muß man denen, die eS wieder zerschlagen wollen, aus der Hand winden, nämlich die Behaup- tung, daß Reden wie diese keine Bedeutung hätten, daß es den Ministern wohl erlaubt sei, die Politik anderer mit muntern Reden zu begleiten, daß aber zwischen Worten und Handlungen die Kluft offen bleibe. Sols feiert das wieder- erwachende unausbleibliche Vertrauen von Volk zu Volk. Wer um Vertrauen wirbt, darf Vertrauen nicht versagen und muß zeigen, daß er selbst Vertrauen verdient. Wenn wir das vertrauen— nicht der Jingos und Chauvinisten drüben— aber das Vertrauen der Völker draußen wiedererobern, so ist das die schwerste, größte ober auch die wertvollste Er- oberung, die wir heimbringen können. Doch dazu ist noch mancherlei zu tun! * V* Berlin, 20. August. Bei einem Empfang in der Deut- scheu Gesellschaft hielt heute abend der Staatssekretär des Reichskolonialamts, Dr. Sols, eine Ansprache, in der er sagte: Die große Kraftprobe an den europäischen Fronten, das Kämpfen und Leiden unserer Vollsgeuossen so nahe von uns nimmt die ganze Aufmerksamkeit der Nation für sich in Anspruch. Darüber mochte wohl das Schicksal unserer Kolonien etwas in den Hintergrund treten, ja selbst das Schicksal derjenigen, die schon über vier Jahre lang einen verlorenen Posten mit sel- tenem Wagemut, mit beispielloser Erfindungskraft und Leidens- jähigkeit verteidigen, lief Gefahr, ich will nicht fasje unserem Herzen, wohl aber unserem Bewußtsein forner zu rucken, als eS die Gerechtigkeit verlangt. Ich darf«S heute aussprechen, daß die Sicherstellung«nsever kolonialen Zukunft nicht allein als da? Ziel unserer.Regierung und bestimmter Interessengruppen gilt, sondern, daß es ein d e u t- sches Bolksziel geworden ist. Bis tief in die Arbeiterkreise hinein ist heute das Bewußtsein lebendig, daß die Erhaltung un- seres kolonialen Besitzes eine Ehren- und Lebensfrage für Deutsch- land als Großmacht ist, daß das koloniale Kriegsziel an nationaler Bedeutung keinem anderen KriegSziel nachsteht. Diese Einigkeit ist besonders wohltuend angesichts der Pläne unserer Feinde, die in den letzten Tagen so deutlich enthüllt worden sind, wie nie zuvor. Meine Herren, es liegt heute eine der bedeutsamsten Aeutze- rungen der englischen Politik vor, die Rede des Herrn Balfour im Unterhaus. Der Staatssekretär des Auswärtige» meldet in aller Form Englands Anspruch auf die Annexion unserer Kolonien an und zögert nicht, diesen Anspruch moralisch zu begründen. Das ist nun einmal notwendig in England! Zu diesem Zweck be- schäftigt er sich nicht allein mit unserer kolonialen Methode, son- dem geht mit vollen Segeln in die große Politik, unternimmt «enen moralisierenden Weltspazi ergang und verkündet am Schluß die englische Glaubenslehre, die darauf hinausläuft, da? Recht Englands auf Weltherrschaft als etwa? Selbstverständliches hinzustellen, Deutschiands Anspruch aber, eine Großmacht zu sein, moralisch zu vernichten. Balfour behauptet, da? intellektuelle Deutschland sei von einer moralischen Gewaltlehre beherrscht. Meine Herren, hüben«nd drüben gibt es Chauvinisten und Jingos. Hüben und drüben gibt es Leute, die das Ew i g- G e st r i g e anbeten und mit Angst und Unverstand den herannahenden Morgen einer neuen Zeit erwar- ten. Vor dem Kriege bildeten diese Leute bei uns eine kleine Gruppe, ohne Geltung in der Politik und ohne Einfluß auf die Regierung, die sie dauernd bekämpften. Während des Krieges ist ihre Zahl in der Tat gewachsen, nicht etwa, weil das Streben nach deutscher Vorherrschaft in der Welt bei uns tiefer Wurzel geschlagen hätte, sondern weil sie Zuzug bekamen aus weiten Kreisen besonnener und besorgter Patrioten. Unter ihnen sind viele, die vor dem Kriege die Ideale der Völkerverständigung, des guten Willens und der Fairplah in den internationalen Beziehungen hoch hielten, deren politische Glaubenslehre aber durch die Erfahrungen des Krieges zusammengebrochen ist. Wer trägt die Schuld? Niemand anders als die Gesinnung unserer Feinde. Dieselbe Gesinnung, die de« großen Gedanken d«S Völkerbundes durch die gleichzeitige Forderung des Handelskrieges gegen Deutsch- land entwertet und zu einer Spottgeburt gemacht hat.„Können wir Euch nicht militärisch vernichten, so vernichten wir Euch durch den Völkerbund!" Wenn ich glaubte, daß die Gesinnung, die heute MVA MMMk««« ifflk. Gesteigerte Artillerietätigkeit bei Bailleul — Merville geräumt— Erfolgreiches Stosttruppunternehmen bei Lihons— Er- bitterter Kampf zwischen Beuvreignes und der Oise— Frischeingesetzte französische Divisionen zurückgeworfen— Zwischen Oise und Aisne feindlicher Angriff ab- geschlagen. B e r l i», 20. August 1918, abeudS. Amtlich. Zwischen Oise und Aisne hat heute der seit einigen Tagen erwartete, am 18. und 10. Auzust durch starke Angriffe eingeleitete erneute Durchbrnchsversuch der Firanzose« begonnen. Nach erbittertem Kampf wurde der erste Ansturm des Feindes in unseren Schlachtstellungen gebrochen. Amtlich. Große? Hauptquartier, 20. Aug« p ISI».«n, wenn Kinder auf den Fluren>o»>e auf dem Ho! spielen.■* Nein, dieses Ncchl hat er u r ch t— dieie« Recht darf er»icht haben! Wir wiederholen, daß eine so i»wrhörte Veftirmnimg deS Mietvertrages ein sofortiges und rücksichttlase»»inichreiten der Behörde rechtfertigen würde. Beschädigungen und Eni- worden seien. Der Ver« auSbedungen. daß tri e und in den Flirre» etwa Herr Vlubm hiermit be- Eine Mietsteigerung. Zu dar i» Nr. lbll veröffentlichten Mittetlung„Der städtische Lehrer als HauSeigeRtumer" über den B«rlin»r Hauseigentümer Lahrer Nk a n i g,«uS dessen HauS Füröringerstr. 11 über eine Mretsteia?ru»g berichtet wurde, erhalten wir jetzt von Horrn Manig eine Gegenäußerung. Er lbei�ichnet die über ihn gemachten Angaben als zum Teil unrrchtig und wünscht, daß durch Berafsentlichung der von ihm selber geaebenen Darstellung„sein Ruf vor der Ocffentlichkeit und seiner Behörde gegenüber wieder- hergestellt"»nrd. Air nrüsten unS darauf beschrä*ken,»uS seiner langen Anschrift nur daS wiederzugeben, �oaS zur Sache gehört, und einige ergü»«ende Bemerkungen einzusiigen. Herr M. betont, daß die betreff?*«? Aohnumg, in der ein Fräulein F. w»hnt, im Vorderhaus zwei Treppen hach liegt. Sie bestehe nicht aus einem einfensterige» Zimmer, einer Küche und einem.mit einem Fen- stcr verfei�nen Gang", wie im„Vorwärts" gesagt wurde, sondern au"„einem sehr breiten Varderzimmcr und einem schmalen Hin- terzimmer, Küche,.Karridor, großer, dunkler Kammer(Alkoixn) usw. Ergänzend wolen wir bemerken, daß die Breite beträgt bei dem einfeasterigcn Vordeagimmer 3 Meter, bei dem einfensteri- gen Hinterzimmer nur 1%, Meter, weShalt dieses wie ein„Ganz" «usfiebt, und van der Mieterin s, bezeichnet wurde. Herr M. stellt fsrner richt»g, haß hie Misterin»icht 1514, sonder» am 1. Mai 121* einzog. Der damals geforderte Preis van 31 M. sei also wicht etwa der normal« Preis vor dem Kriege gewafen. Damals ha!w er drei Wohnungen leerstehend gehabt, auch habe er für sechs Kri-gerfrauen und für die»isista« anderen Mieter die Miete er- «äßige« müssen. Um niw vermieten zu können, habe er die Wohnung, die früher für K) M. und seit 1912 ausnahmsweise für 58,36 M. vermietet wuada« sei,» gwei kleinere Wob»ungen zer- legt. De» ei»?» T»il verriüetete er an Frl. F. für 21 M.,«e» au« einem zn�eisensterigen Vorderzimmer bestehenden V«ft nahm eine andere Miewrm für 18 M., wofür ste aruh dc« Korridor und die Wasserleitung in«er Kiich« von Frl. F. mitbenutzen dürft«. Die Miete van 81 M. sei, u r« i n e„A o tm iet e" gewesen. Herr M. schraibt im» weiter, seit Oktobir 1917 habe er zunächst ange- strebt, wieder den„»»rmalen Mietpreis" zu erzie- l e n. wa« ih«. wie«ar setzt gezahlte Preis von 82 R. zeige,«ach nicht einmal zum Oktabar 1218 gelungen sei. Hier wollen wir nochmals erwähnen, datz Herr M. zum Ottaver 1917«uf 32 M. steigerte und»am MieteiniMinaSamt 3* M. zugebilligt erhielt, dann zum Aaril 1218 auf 48 M. steigerte und nun vom Mieteinigungs- amt 82 M. zugebilligt»hielt. Er weist eS als unrichtig zurück, daß er zum Oktaber 1218 wieder und gar«uf 4L M. steigern wollte, vielmehr habe er nur glatt gekündigt. DaS MieteinigungSamt habe die Kündigung aufgehoben, doch ohne über die Miete, deren Er- höbung gar nicht beantragt worden sei, etwas zu ent- schudcn. Zu ihrer irrigen Meinung war die Mieterin gelangt. weil sie»ach ein« vc» ihr wahrscheinlich mißverstandenen inü»i> kichen«eußeru», de» Herr» M. sich,»je ste nn« sagt,»s der Erkenntnis dieser bedauerlichen Verhättniße ist die «agamfierte Arbeitetschaft Groß-BerlinS dazu übergegangen, die >rdait der Jugeiidbeweg»:», wieder mehr als eS in den letzten Jahren möglich war, zu säcdern. Auch die Jugend selber bemüht sich in dieter Richtung. Sie sucht durch festeren Zusammenschluß die s»üb»r? reiche persönliche und materielle Hilfe der Erwachsenen nach Möglichkeit zu ersetzen. Sie hat sich den„Verein Ar- heiter- Jwgcnd Groß- Berlin" geschaffen. um hier durch Belehrimg und Unterhaltung in Jugendheimen, durch Sport und Spiel und Wanderunarn den MterSgenoffen die fehlende familiäre Freundschasl zu ersetzen. An der Arbeiterichaft liegt rf sie in dielen dankenswerten Bestrebungen nach Kl ästen zu unter- stützen. Hellt ihr. die arbeitende Jugend in größerer Zahl zu- sammenzusübren, damit ste auS dem Großstadtsiraßengttriebe befreit wird. Anmeldungen zum Verein für alle im.Alter von 14—18 Jahren stehenden Jugendlichen beiderlei Geschlechts werden im Jugend heim. Berlin 81V 68, Linde»str. 3, entgegengen ommen. DaS Jugendheim ist geöffnV DienStagS, Freitag? und Somn tag?, abends 6—'/.lO Uhr. Die Anmeldungr« können auch schaiftz lich unter der gleichen Adresse erklärt werden. Strengere BeaufstchtiguAst der G«stwlrtschaften. Um den Versuchen vorzub«:gen, Gastwinschafien auf Grund von hemikichen Schlachtungen»amenAich während der fleischlosen Wochen mit Fleisch zn versorgen. daS dann mgrkenfrei an die Gäste abgegeben wird, ist die strenge Beaufsichtigung der Gast- statten a«ge»rdnet warben. Auf Verlllgnng de« LnndeSfleischamtS werden Gastwirtschaften, bei denen der verkauf von marken« Pflichtige« Kteisch während der fleischlosen Wochen oder zu anderen Zaite» die Abgab« von Fleisch ohne Marken festgestellt wird, un- nackkichtlich auf kürzere oder längere Zeit geschlossen.— Die Groß- Bertiner Kommunalverbände bringen jetzt diese Warnung öffentlich zur Kenntnis._ Kein Brotmangel. Wie nn" das LandratSamt de? Kreise? Nieder- barnim mitteilr. kann eS sich bei der Beschwerde über Brotmangel nur um Klagen einzelner Einwohner handeln. Die Gemeinden sind vom Amt ordnungsmäßig beliefert worden und baden auch keine Beschwerde wegen ungenügender Bratbelieferung erhoben. Zur Kleiderabgabe. Für den WirtichaftSbezirk Groß«Berlin (also für die Gemeinden Berlin. Chatloltenburg, Berlin-Schöiieberg, Berlin-WilmerSdorf und die Landkreise Teltow und Niederbarnim) ist die Frist für die Beendigung der NeickSlleidersamuilung durch die ReichSbekleidungSstelle bis zum 31. August verlängert ivorden. Der Nachtwächtertotschlag bei Alt-LandSberg ist von der Kriminalpolizei aufgeklärt worden. Unter dem dringenden Verdacht der Täiexfckaft wuade va» ibr gestern der 79 Jobre alte, auS ij�-ag gebtrffge Kellner und Geich« ftssllhrer Wenzel Kirchhof auS der «llllackeberger Str. IS verpaffet. I» der Nacht zum 9. August gegen IV, Uhr wurde dar Nachtwächter ZieSler ans Alt-Land»berg von emem Hllhnerdied, den er verfolgte, auf der Straße nach StrauS- berg und Fredersdorf in der Räb- deS Kleinbahndofes crjchossen. Der Schuß traf da« Herz und führte s»t»rt zum Tode. Bei der Leiche fa»d ma» eiae Elsenstange mit einem Hal«, und ei»er mit Trilatsioff umwickelten Handhabe und einen Reisekorv au« hell- braunem Weidangeflecht. Die Verfolgung der Sacke führte a»f den alle» Kirchgok,»er in Eggersdorf«in Gartangrundstiick besitzt. Kirchhof hrit. wie die Ermittelungen weiter er- gavan.»ach»er Aufstndang deS erschastenen Nachtwächters ei»»erstörte» Weie» gezeigt und Ju Angehörigen geäußert, e« fei itpn, ol« er Hühner habe holen wollen, etwas Unangenehmes zu- gestoßen. Er habe auf jemand,»er ihn anhalten wollte, geichossen, wisse abor nicht, waS daraus gaworden fei. Auf Kirchhof paßt auch die Beschreibung»eS alten RaaneS. der an dem Tage mt« dem Korde gesehen worden war. Auch kann er nicht leugnen, daß er in der Gegend«ewese» tst. Schwerdewstend für ihn ist der Umstand, daß er den Reisekorb als sein Eigentam anerkennen muß. Er ver- sucht jedoch, sich auch in diesem Punkte mit einer ganz unglaub- würdigen Erzählung herauszureden. Eine ganze Familie an Pilzvergiftung erkrankt. Abermals wird eine Pilzvergtiluug gemeldet, der leider auch ein Mrmckenleben zum Opfer gefallen ist. Nach dem Genuß von Pilzen ist die ganze Familie d«S Gaftnnchs EiSner au" Schöneiche bei FriedrichShagen iimrr vergiffingSerfcheimmgen schwer erkrankt. Die Erkrankten maßten sich sämtlich in ärztliche Beha»dl«»», bogode«. doch ist ei»er »or Eöhwe mr den Folge» der Ptl,ver�ft»»g gestorben. DSe drei a»d«ren Personen befinden sich dagegen auf dein Wege der Besse- ru»z, LehenSgefahr besteht bei ih»en incht. Do«»ächfle Aolktikanzert bei Philharmonischen O r- ch e st e r« st»det heute in der Philharmonie, Beruburger Str. llSchS. statt, vegir» de« Kongert« 8 Uhr. Die im vorverkauk nicht unter- gebracht»« Karten wKden abe»d» an der Kasse verkauft. Der vw- lrwt« preis beträgt 30 Pf. Kaffeneröffiiun, 7 Uhr. Weihenfee. Lebensmittel. Vom 21. bis 24. August findet die Ausgabe von Salzheringen statt und zwar Caselerstr. 2, PistoriuS- ftvaße 24 und LcmghanSftr. 193. MS Ausweis sind die neuen all- genreinen Lebensmittelkarten der Gemeinde vorzulegen. Auf jede Lebensmittelkarte wird 1 Salzhering zum Preise von 42 Pf. ab-" gegaben. Einwickelpapier ist miizubringen.—?l»f Abschnitt 58 der allgw« einen Lebensmittelkarte der Gemeinde Weißensee entfallen 250 Gramm Kunsthonig. Die Entnahme kann heute und morgen in dem Geschäft stattfinden, in welchcni der Karteninhaber sich zum Bezüge von Nährmitteln angemeldet hat. Neben der neuen ist auch die alte Lebensmittelkarte vorzulegen. Neukölln. Errichtung eine? Refmm-NealzNiniiasiunj?. Die Er- ösfming der Unter-Tertia de? unter Angliederung an die bestehende städtische Realschule zu errichtenden Rcform-Realgymnasiums nach Frankfurter Zehrpfim zum Herbst dieses Jahres ist infolge Anmel- ' dung einer ganügensen Anzahl von Schülern nunmehr beschlossen i ivorden. A»wekdu»a«>»«nmt noch Herr Realschuldirekdor 9v. l m der Skoaischule i* der B»t>di»straß« e»t,eOe». Reinickendorf. Verleihung»on Handw-ze«. Der Gemein»«, vorstand teilt mit: Für den erleichterler, Kohlentransport sind«ms dem Depot. Kopenhagener Straße, und bei Bachmann, Eichborn- i straße 83, Handwagen aufgestellt.� welche den Einwohnern gegen eine Benutzungsgebühr von 30 Ps. pro Stunde jederzeit zur Ver- I sügung stehe». Mariendorf. Verkauf von Marmelade. Die Gemeinde verkaust in den drei Gameindeläden auf Abschnilt 53 der Groß-Ber« liner Lebensmittelkarte 290 Gramm Marmelade zum Preise von 87 Pf.— Für die bis zum 29. August nicht abgeholte Ware erlischt da? Bezugsrecht.— Auf die Abschnitte 4S bis 51 der Groß-Berliner Lebensmittelkarte entfallen zusammen 1000 Gramm Graupen zum Preise von 72 Pf.— Auf Abschnitt 17 und 18 der Jugendlichen insgesamt 259 Gramm Morgentrank zum Preis« van 4 5 P f. oder 250 Gramm Gran Pen zum Preis« von 1 8 P f. Die Lebensmittelkarten sind zur Abtrennung der Abschnitte spätestens bis zum Freitag, den 2 3. A u g u st bei einem beliebigen Händler oder in den Gemeinde- läden vorzulegen. Nachanmeldungen finden nicht statt.— Der Berkauf an die Einwohner beginnt am Donnerstag, 29. August, bezw. Freitag, den 3 0. August, nachmittags 4 Uhr.— Für die bis zum 5. September nicht eingelösten Ab- schnitte erktschl das Bezugsrecht. Britz. Lebensmittel. Auf Abschniit 36 der Berliner LedenS- »littelkarte sollte im Monat Juni ein Pfund Marmelade je Person verabfolgt werden. Diese Marinelade ist jetzt eingetroffen und wird ab Donnerstag, den 22. August, bei den Kleinhändlern ausgegeben. Da anzunehmen ist, daß der Abschnitt 86 der Berliner Lebensmittel- karte nicht überall aufbewahrt wurde, wird die Ausgabe, ein Pfund je Person, auf den Abschnitt 17 der Britzer Lebensmittelkarte er- folgen. Gerichtszeitung. Ein dreister Diebstahl von 5O0 M. führte gestern den Schlsffer Richard Pelz vor die Fericnstrafkammer des Land- gerichtS III.— Der Angeklagte hatte als Schlosser Wochenlöhne von weit über 100 M. gehabt, kam aber trotzdem mit seinem Geld« nicht an«, da»r gewissen Kriegsgewinnlern nachäffte und in Lack- stieieln»»d Gamaschen, da« lilaieidene Talcheutüchelchen in dem begürtolten kaffeebraunen Anzug, in Gesellschaft van allerlei Däm« »en bau» Wein zu Wucherpreisen den„Kavalier" spielen wallte. Die Folie war. daß er in Schulden geriet, die ihm schließlich über den Kops wuchsen. Um sich auf irgend eine Weise in den Besitz van Geldmitteln zu setzen, trieb er sich in Berlin umher. inS- besandere in der Nähe»an Depositenkassen«der Banken, um schließ« lich am 15. Juni d. I. ew an Straßanraud grenzendes verbrechen zu begehe». Al« an dielem Tage eiye Witwe Marie Sch. die Filiale der Deutschen Bank in der Maucrstraße verließ, wurde sie van dem Angeklagten unauffällig bis nach Charlottenburg verfolgt. Vor dem Haufe Leonhardstraße 14 sprang der Angeklagte plötzlich auf sie zu und entriß der Ueberraschten die Handtasche, welche 200 M. in bar und für 50 000 M. Wertpapiere enthielt. Auf die Hilferufe der Ueberfallenen wurde Pelz von Passanten verfolgt und nach einer längeren Hetzjagd festgenommen. Die Handtasche mit ihrem wertvollen Jnball konnte der Bestohlenen sofort zurück- gegeben werden.— Der Staatsanwalt beantragte, da es sich um einen äußerst frechen Diebstahl bandle, zwei Jahre Gefängnis. DaS Urteil lautete auf ein Jahr Gefängnis. ftus alier Weit. SchRereS Bahnunglück. Wiener Blätter melden ou§ Billach, in der Nacht zum 14. August erfolgte auf der Station Uggowitz der StaatSbahnlime Villach— Pontafel der Zufam- menftotz zweier Urlauberzüge. 13 Militärpcrfonen, darunter einige Offiziere, wurden getötet. Von den Verletzten starben am nächsten Tage 5 Personen. Die Ursache des Zusammen- stoßes war falsche Weichenstellung. Nckordbesuch der Leipziger Messe. Nach einer Mitteilung deS MeßamtS sind bisher öKOO Firmen «lS Aussteller zur Messe angemeldet. Damit ist die bi«her am ftirfften beschickte KriegSmcsie um 1300. die letzte FriedenSmesse um 809 Aussteller übarscheitten worden. Man rechnet mit einer Besucher- zahl von 70 009._ furchtbar verbrannt. Dortmund. Im ThomaSwerk der Union zersprang eine Gieß- pfamie. Der flüssige Stahl ergoß sich über den Gießer Karl Vollermann, der furcktbare Verbrennungen am ganzen Körper erlitt. Zwei andere Arbeiter kamen mit weniger gefährlichen Brand- wunden davon._ 7000 Zentner Getreide verschwunden. Ambcrg. In der Kunstmühle von Metzer sind nach einer Mit- teklung de? Magistrat« 7009 Zentner Getreide verschwunden, wo- von 800 Zentner der Stadt Arnberg und 1500 Zentner dem Landes- bezirkSausjchuß gehörten. Der beschuldigte Müller Halle seit drei Jahren lerne Bilanz gemacht.__ Grosse Neberschwemmung in China. Hongkong. Der Canton-Flnß ist über die Ufer getreten. 0000 Personen sind obdachlos und 250 000 lSmaen mcht genügend mit Lebensmtlieln versorgt werden. llNasserstandSnachrichte» der LnndrSanflolt für Mrwässerkuude, mltzetetN»am Sediner WcUcrSmeau. xoiini'r&rnn JiiiirnZ. yciirociie heller, ieoort) ziem>lN) aioi uno uoer» roicflcnb bcwöttt, im Binnenland« meist gerüige, an den Küsten etwas stärkere Regensälle. Deutsches Theater. Letzte Auüühruagen 8 Uhr: Max Pallsnberg in Der fesche Kadi. Kammersplele. Letzte Aufführungen 8 Uhr: Lucia Höflich in Der Welbsteafel. Tolk8btlhne,Th.a.3liiowpl. Letzte Aufführungen 71/, U.: Hans Wassmann in Sommernachtstraam. Ttieater�KöniggrätzerStr. Zain 550. Male: 8 Uhr: Die fünf Frankfurter. Komödienhaus 8 Uhr; Die Xarln. Berliner Theater 7» iL- Blitsblaaes Blnt, Nalional-Thealer y Mäuschen. Rose-Theater. £•: Nr Wime leg. Gartenb.: Bitte rechtfreundllcti. Theater fler krickiedM. Ecke Friedrich- u. Linienstr 7'/, Uhr. Norden 8650. Kaiserplatz 3 eine Treppe. Ein lustiges Stück mit Musik nach Karl Laufs. Alice Hechy Rolf Brunner Gesangs- und Tanz-Duett sowie der glänzende Variete- Eröffnungs- Spielplan! 'Apollo-1 Friedrichstr. 218 Dir.: James Klein. | 7Vt Sonnt SV, u. 7'/.| Todesrennen in der Luft sow. weitere Sensal Vorverkauf an der i Theaterk. 10— 6 Uhr. j 1 Sonnt. 3'/, Uhr jeder I I Erwachs. 1 Kind frei I j Tügl. 7'/.. S.nnt.3'/,n.7V. Drittletzter Tag! Ges.-Qast- spiel d. Hermfeld-Thottlors: Die Kriegsgewinnler m. Dir. A. Hermfeld u. Pd. Grün- ecker in den Hauptrollen. | Nur noch wenige Tage! DER„HliS TSgl. 7»/, U. abends. Heute nachmittag 1 3'l, Uhr: Familien- und 1 ] Scnaiervorst. z. kL Fr. j Walhalla- j Theater, Weinhergsweg I Trianon-Theater Bhf. Friedrichstr. Ztr. 4927, 2391 8 U. Zum 355. Male: Der Eebstissshüler. Komödie von Ludwig Fulda. MW a. d. AndreasstraBe STea! Aeu! Zum erstenmal Im Film: Gespenster nach dem Drama von Henrik Ibsen Anfang 7 Uhr. Voranzeige: Ab 23. August Rigoletto. Theater für Mittwoch, 21. August. Neues Operettenhaus 7i/2uhr: Das süße Mädel. Besidenx-Thcater 7'/» Uhr: Fliffiner-Kläreim Centrai-Theater vi, mm: ßje Csartläsürstin. Dcntwchcs Opernhaas Tv.uDie Fletiermaus Frledrlch-Wilhelmst. Theater 7vItJhr:iJa5flrESDätlEriliaiis, Kleines Theater 8 Uhr: Arletld und seine Fehler mit Baesenaann. Koinluche Oper TV-: SdiwarzvalUel. linstspleltaans uh': Die spaBlsclie Fliege. Metropol-Theater rrhr: DlB ROSB fQß MM. Schiller-Th. Ctanrl. 7ll, Uhr: Thalia Theater uSloterilerlileBilEsLinile Theater am Noilendorfplatz 7(sieben) Uhr: mit Cläre'Waldoff. Theater de« Westen« Sonnabend, 24. Aug., 7 Uhr: Z. 1. Male: Die lustige Witwe. IEUE RÜGSTRÄSSE 28 AM ALEXANOERPLATZ ZELTZIRKUS fl\wiLH. /|L m i c Casino-Theater. Lothringer Str. 37. Sögt.'1,8 U.: Der neue Schlager Na» lg«! ml MM! Berliner Posse in 3 Affen. Vorher erftkl. Dpezialttittcn. 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Aus Grund beS§ 92 der Ausführungsbestimmungen beä Bundesrats zum Umsatzsteuergesetze werden die zur Entrichtung der Abgabe vom Warenumsahe verpflichteten gewerbetreiben- den Personen und Gesellschaflen in Berlin aujgesordert, den steuerpflichtigen Betrag ihres Warenumsatzes für die Zeit vom 1. Januar bis 31. Juli 1318 bis spätestens zum Ablause des Monats August 1913 der zuständigen Steuerlasse des Magistrats(siehe unten l) schriftlich oder mündlich anzumelden und die Abgabe gleichzeitig mit der Anmeldung einzuzahlen. Die iilbgabepflicht für Zahlungen und Lieserungen von Gegenständen der in der Belanntmachung de« ReichSfanzlers über die Sicherung einer Umsatzsteuer aus Luxusgegenitände vom 2. Mai 1918 bezeichneten Art aus Grund de« Waren- umsatzstempelgesetzes besteht nur bis zum 6. Mai 1918 ein- schließlich. Als steuerpflichtiger Gewerbebetrieb gllt auch der Betrieb der Land- und Forslwiriichast, der Viehzucht, der Fischerei und des Gmtenbaues sowie der BergwerfSbetrieb. Belauft sich der Jahresumia»(als solcher gilt der Gesamt- betrag der unter das Warenumsatzstempelgesetz vom 26. Juni Abgabepflicht nicht. Zur Vermeidung von Erinnerungen emp stehlt eS sich aber, in diesem Fall« der Warenumsatzsteuerstelle eine die Nichieinreichung einer Anmeldung begründende Mit- teilung zu machen. Wer der ihm obliegenden AnmeldungSverpflichtung zuwider« handelt oder über die empsangenen Zahlungen oder Lieserungen wisstnilich unrichtige Angaben macht, hat eine Geldstrase ver- wirkt, welche dem zwanzigsachen Betrage der hinterzogenen Ab. gäbe gleichkommt. Kann der Betrag der Hinterzegenen Abgabe nicht festgestellt werden, so tritt Geldstrvfe von 150 M. bis 30 000 M. ein. Zur Erstattung der schriftliche» Anmeldung find Bordrurte»n verwende», die vom 26. dieses Monats ab bei den städtischen Steuerfassen lostenlos entnommen werden können und aus Antrag zugesandt werden. Steuerpflichtige find zur Anmeldung verpflichtet. auch wenn ihnen Anmeldungverdrude nicht zugegangen find. Für die Zuständigkeit der Steuerkaffeu ist maßgebend der Stadtbezirk, in dem sich befindet a) bei eingetragenen Firmen das Geschäftslokal, b) bei nicht in das Handelsregister eingetragenen Firmen die Wohnung des Gewerbetretbeuden. Berlin» den 16. August 1918. WarenumsatzstenerKklle des Magistrats. 821 W. St. 13. Hamburger. Norööeutsiher Llopö Sremen Mbt. Assekuranz empfiehlt Reisegepäck- Versicherung zu mäßigen Prämien. Nähere ffuskunst: öerli» w 64, Kajütenbüro Unter ö.Lmüenk thotel�ülon) Serlin NV 40: 5- Montanas ?nvali6enstraße?Z. Sie spielen sofort Dandollnc, l»aa(c, OUarrc nach D. R.-Patenl a. Syst. Bs De Bs Verlangen Sie Liederhest Nr. 159. rn* I Preis 3,50 M. pro In ffr. TägL viele Dankschreiben. Dretzscl-oAteher, knuckt. t. ÜL, Hoheustauscnstr. 21 Dtutldxr niftallarbester- Verband. Verwaltungsstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Zlach- richi, daß unser Kollege, der Rohrleger M Volz JSlandilraße 15 am 18. August gestorben ist. Die Beerdigung findet am Freitag, den 23. August, nachmittags 5'/, Uhr. von der Leichenhalle des Markus- Kirchhofes in WilhcimSberg- Hohenschönhausen aus statt Den Mitgliedern ferner zur Nachricht, daß unser Kollege, der Klempner Otto Abrahams Muskauer Straße 23 am 16. August gestorben ist. Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 22. August, nachmittags 31/, Ubr, von der Leichenhalle des Thomas- Kirchhofes in Neukölln, Her- mannstraße, au» stalt. Den Mitgliedern ferner zur Nachricht, daß unser Kollege, der Mctalldrückcr Max Hansehbaeh Dunderstraße 67 am 19. August gestorben ist. Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 22. August, nachmitiags 4'/, Ubr, von der Leichenhalle des Himmel- sahrts-KirchhoseS in Nordend aus statt. Rege Beteiligung wird er« wartet 116/15 Aachrnl. Den Mitgliedern ferner zur Nachricht, daß unser Kollege, der Uhrmacher Friti Schnart Neukölln, Kanncr Str. 32 am 13. August gestorben ist. Ehre ihrem Andenken! Die Drtsverwaltung. — a— ana— iui im i iü verband der Gaft- und Scbanhwlrte Deutfdilands. Zahlstelle«erlin. Den Mitgliedern zur Nach- richt, daß der Kollege Julius Kaiser Reichcnberger Str.154, Bez.4, am 17. August verstorben ist. Ehr« seinem Andenken! Die Beerdigung findet heule Mittwoch, nachmittags 4's, Uhr, aus dem Thomas- Kirchhos in Neukölln, Her- mannstraße, statt. 73/14 Um rege Beteiligung er- sucht Die Drtsucrwaltung. verband der Saltler und Portefeulller. Ortsvenualtung Berlin. Den Kollegen hiermit zur Nachricht, daß unser Mit- glied, der Sattler Ferdin.Jiirgensen (Wertstatt Buneck) verstorben ist. Ehre feinem Andenken Die Beerdigung findet am Donnerstag, d. 22. August, nachmittags 2'/, Uhr, von der Leichenhalle des Luisen- Kirchhofes in Neukölln, Her- mannstraße, aus statt. 168/2 Nie Drteeerwaltung. Am 18. August verschied nach langer Kranlhcit unsere liebe Kollegin Klara LcKol? im 18. Lebensjahr. Wir werden ihr ein dauern- de» Andenken bewahren. Dl« Kolleginnen der Hanptexpedition de»„Torwttrta". Schmerzliches Gedenken zum Sterbetage mewcS lieben Mannes, treu- sorgenden Vater», meines inntg geiteben Sohne» und Schwiegersohnes, � meines einziaenBruderS, Schwagers und Onkels deS Musketiers Frost Apel. gefallen am 21. August 1917 in Rumänien infolge Brustschuffes im blühenden Atter von 36 Jahren. Du warst so brav, so erbeitSsreudig.— Und vor- wärt? strebte stets Dein Sinn.— Doch alle» ist um- sonst gewesen.— Denn Du bist selber nun dahin.— Du warst so gut. Du starbst so früh,—- Wer Dich gelaunt, vergißt Dich nie. Witwe E. Abel »ebst Kindern. Eltern und Geschwistern. Zu lausen gesucht: 3 Jahrgänge»BorwärtS- 1V11- ISIS- 191« einzeln oder komplett. Offerten mit Preisangabe unter E. 2«n die Expedition de»»Vorwärts-, IbSfffl* Nr. 229— 191$ Der Geöante öes Völkerbundes in der Geschichte. Von Dr. Paul Landau. Der Gedanke von der Begründung eines Völkerbundes, durch den neue Wellkriege nach Möglichkeit ausgeschlossen werden sollen, ist während der gegenwärtigen Katastrophe der Menschheit immer lauter ausgesprochen trwrden. Zunächst waren es die Neutralen, die für dies« Idee eintüten, die damals noch nicht am Krieg be« teiligten Amerikaner.!tu Heren Wortführer sich Wilson machte, dann auch besonders die Schwerer, deren Bundespräsident Calonder ein eifriger Vorkämpfer deS Gedankens ist. Auch in England hat jetzt die Völkerbundsidee, für die sich besonders Lord Bryce begeisterte, in jüngster Z�it zahlreiche Anhänger gesunden, so daß namhafte Führer der verschiedenen politischen Parteien, Lord Greh und Henderson, mit Schriften über dies Problem auftraten. In Deutschland ist der Gedanke zuerst von Bethmann Hollweg freudig begrüßt worden, denn er steht uns ja besonder« nabe, da er von Deutschen schon früher leidenschaftlich befürwortet wurde. In dem unruhigen Chaos der Geister, das der Krieg hervorgerufen, ist die Frage freilich noch viel umstritten. Während man bei uns nicht feiten der Auffassung begegnet, der Völkerbund der Vcrbandsvölker habe die Knebelung und Au«- schließung Deutschlands zum Ziel, behaupten wieder konservative englische Blätter,. wie die.Morning Post', die Idee sei nichts anderes als eine.deutsche Falle", vor der man sich im angelsächsi» schen Lager sehr in acht nehmen müsse. Die Zukunft wird lehren, ob diese ans der Not des Weltkrieges geborene Bewegung wirklich zur Schöpsung einer.Liga der Nationen" führen wird. So wenig bisher eine praktische Verwirklichung gelungen, so ist doch der Ge- danke uralt, ist seit langem ein Allgemeingut der Kulturnienschheit, und eine Wanderung durch die Jdecnyeschichte der alten und neuen Welt beweist, daß der Völkerbund hochfliegenden Geistern und unter der Last der Kriege stöhnenden Völkern stets als ein glückverheißendes Ideal auf ihrem Leidenswege vorangeleuchtet hat. Schon im klassischen Altertum gab es unter den griechischen Stämmen eine Art Völkerbund: es waren die schon in alter Zeit gestifteten Amphiktponen, VertragSgenosienschaften der einzelnen Nochbarstämme, die später zum heilige» GottesfriedenSbunde aller derer erhoben wurden, die dir(Götter deS alten Hella» auf ein und denselben Kultstätten verehrten. Freilich war das eine durchaus nationale Einrichtung, die nur daS griechische StammeSbewußtsein beben konnte und die nicht hinderte, daß dieses leidenschaftliche Volk sich doch in Bllrgerkämpfen zerfleischte. Die Möglichkeit eineS intcr« nationalen Völkerbundes Ivar erst ini römischen Kaiserreich gegeben, als die weltbeherrschende Macht der Kaiser einen Zusammen- fchlnß aller Völker nahelegte. Der im dritten Jahrhundert n. Chr. regierende Kaiser Probus hat durch einen Völkerbund den ewigen Frieden herbeiführen wollen und besohlen:.Keine Waffen sollen mehr auf Erden geschmiedet werden, die Völker keine KriegSsteuern mehr tragen!" Doch sein Plan zerschellte an der Kriegslust seiner Legionen, und so lebte sein Wollen nur als ein schattenhafter Traum fort. Die Idee einer internationalen Völkergemeinschaft in einer Universalmonarchie wurde im Mittelalter aufrechterhalten. In der christlichen Weltanschauung erscheint ein harmonischer Bund aller Völker, an desien Spitze bald der Papst und bald der Kaiser gestellt wird, wie die alle« überwölbende und bekrönende Kuppel de» ganzen Gesellschaftsbaue». Am schönsten und klarsten ist der Gedanke des WeltfriedenSstaateS von Dante in seinem Buch über die Monarchie ausgesprochen worden. Dieses Ideal eines geistlich-weltlichen UniversalstaateS, der von einer Per- iünlichkeit beherrscht ist, wird dann allmählich immer mehr abge- lehnt, je stärker das Nationalbewußtsein in der Renaissance herbor- tritt und je mehr daS religiöse Gefühl seine alleinige Geltung ver- liert. Der letzte Prediger deS mittelalterlichen WeltstaateS, der Scholastiker Pierre Dubais, der um die Winde de» 13. und 14. Jahrhunderts König Philipp dem Schönen den großzügigen Entwurf eines internationalen Staatenbundes vorlegte, sucht bereits an Stelle des Deutschen Kaisers die Oberherrschaft in dieser Völker- gemeinschaft dem französischen Könige zu sichern. Im Zeitalter der Kreuzzüge hatten die deutschen Kaiser auf praktische Weise versucht, ihrem durch ewige Fehden zerriffenen Lande und dann der Welt überhaupt einen dauernden Frieden zu sichern. Kaiser Heinrich II. versuchte den Papst und den französischen Nachbarn vergeblich zu einem Friedensbunde zu bewegen; Heinrich IV. gebot zu Weihnachten 1102, als er die Fahrt nach dem Heiligen Land gelobte, zugleich einen allgemeinen Landfrieden, der alle christlichen Völker umfassen sollte. Diese praktischen Versuche hatten ÜoSz. 08] das gelobte Lanö. Roman von W. St. R e y m o n t. Absichtlich verließ er die Endclmannsche Wohnung nicht gleich nach Krau Lickert, um keinen Anlaß zu Bemerkungen und neuem Klatsch zu geben, der sie schon lang genug herum- gezerrt hatte. Er hatte sich höllisch gelangweilt: was ging ihn die Ge- sellschaft an, die Vorträge, das neue Vild? Er war noch von dem sonderbaren Gespräch mit Emma und von ihren letzten Worten ganz betäubt. Er konnte feinen eigenen Zustand gar nicht verstehen, denn noch nie hatte er sich so aufgeregt und sich so peinlich be- rührt gefühlt. „Sie verachtet mich und haßt mich I" dachte er, und diese Verachtung und der Haß schmerzten ihn immer tiefer. XII. Auf dem Bürgerstcig, vor der Tür seiner Wohnung, er- wartete ihn eine Frau mit vier Kindern, dieselbe, die sich schon lange bei Buchholz um die Entschädigung für den Tod ihres Mannes bemühte. „Gnädiger Herr I Mit einer demütigsten Bitte komm' ich da," flehte sie und warf sich ihm zu Füßen. „Was wollt Ihr?" fragte er schroff. „Von wegen dem. daß der gnädige Herr mir versprochen haben, daß die Fabrik mir zahlen wird, von wegen, daß die Maschine meinen Alten«useinandergerissen hat." „Ach, Ihr seid die Michalak?" fragte er freundlicher und blickte auf ihre geröteten Augen und das abgezehrte, vom Elend zerfressene Gesicht.„Zweihundert Rubel sollt Ihr kriegen. Ihr müßt also zu Herrn Bauer gehn, der zahlt's Euch aus. Er hat die Sache unter sich." „Ich war ja schon heut bei ihm. aber diese Pest, der hat mich die Treppe runtergeschmissen und durch den Lakai sagen lassen, daß er mich ins Kriminal steckt, wenn ich ihn so über- laufe, wenn er seinen Feiertag hat. Verrecken soll er, der Hund, um uns arme, elende Waisen!" „Kommt Montag ins Kontor des Herrn Buchholz, dann werdet Ihr ausbezahlt. Wartet noch diesen einen Tag." Leise begann sie zu weinen und blickte ihm mit einer verzweiflungsvollen Ratlosigkeit in die Augen. ebenso wenig einen dauernden Erfolg, wie der kühne Plan zur Gründung eines europäischen Friedensreiches, mit dem der Hussiienkönig Podebrad von Böhmen 1462 hervortrat. Sein Projekt trägt zum erstem»»! einen ganz weltlichen Charakter, indem der Papst dabei ausgeschaltet wird. Die Herrscher Europa? sollen zu einem allgemeinen Fürsten- bund zusammentreten, der die Vertreibung der Türken und die Herstellung eines dauernden Frieden? zur Auf- gäbe hat. Jeder Krieg unter den Verbündeten ist Verbote»! ein juristisches Parlament entscheidet Streitfragen zivischen den Völkern auf friedlichem Wege, und neben ihm steht ein Bundesrat, der die Leitung der politischen Beziehungen besorgen soll. Ein ähnliches Ziel verfolgt der berühmte Entwurf einer„christlichen Republik", der von Heinrich I V. von Frankreich ausging. Er wollte, aller- dingS auf der Spitze des Schwertes, Europa den ewigen Frieden bringen, indem er die ihm verbündeten Staaten zu einer einheit- lichen Macht zusammenschließen wollte, um durch diese— die übrige Welt zu erobern und zu einer„christlichen Republik' zu vereinigen. Heinrich? Plan ist dadurch bedeutsam, daß bei ihm zum erstenmal da« Nationalitätenprinzip bewußt ausgesprochen wird. Jedes Mitglied des Völkerbundes soll seine nationalen Rechte be- wahren. Di« realpolitische und nationale Grundlage im Plan Heinrichs IV. bildet den Ausgangspunkt für die bedeutenden Völkerbundktheorien. die im Laufe des 18. Jahrhundert» hervortraten. DaS Zeitalter der Aufklärung, daS den Krieg al« etwas Unvernünftiges durch Ver- nunftSmaßregeln aus der Welt schaffen wollte, bat den Völkerbund zu ihrer LieblingSidee erhoben. DaS größte Aufsehen rief der Eni- Wurf deS Abb« von Saint-Pierre hervor, deffen im Jahre 1713 veröffentlichter Vorschlag zur Gründung eine» StaatenverbandeS direkt an„Heinrich den Großen' anknüpft. Der Bund soll in erster Linie die christlichen Staaten umfassen, doch denkt der Abbs auch daran, einen Versuch mit einem asiatischen Staaten- verband zur Wahrung des gegenseitigen Besitzes zu niachen. Die Hauptgrnndsätze sind die folgenden: 1. Zwischen den zu dem Bund gehörenden Fürsten besteht ein ewiges Bündnis. 2. Jeder Ver- bündete steuert im Verhältnis zu seinen Einkünften zu den gemein- somen Aufgaben der granclo allisrncs zu. 3. Die Verbündeten ver- zichten für sich und ihre Nachfolger auf immer auf den Weg der Waffen und entscheiden ihre Streitigkeiten durch Vermittlung. 4. Gegen jeden Abtrünnigen geht der Bund mit den Waffen vor und zwingt ihn zur Anerkennung der Bundesgesetze, b. Di- Verbündeten unterhalten einen dauernden Ausschuß von Bevollmächtigten, die die Interessen des Bundes wahren und vertreten. AI» Fortsetzer St. PierreS ist Rousseau zu betrachten, der seine Ideen über einen allgemeinen Staatenbund in einer nicht erhaltenen Schrift niedergelegt hat. Rousseau erhoffte den Frieden und das Glück der Menschheit von einem Zusammenschluß der kleinen Staaten, die gemeinsam den nach Macht strebenden großen Staaten einen ge- nügendcn Widerstand entgegensetzen würden. In denselben Ge- dankengängen bewegen sich die Entwürfe und Pläne anderer Theoretiker der AufklärungSzeit. Den Höhepunkt dieser ganzen Gedankenentwickelung bildet Kant, der in seinem Buch„Zum ewigen Frieden" die Einrichtung eineS VölkcrstaateS fordert, der zuletzt alle Völker der Erde in einer Weltrcpublik umsassen soll. Diese bochfliegenden Gedanken eine» den ewigen Frieden bringenden Völkerbundes, die das Ende des 18. Jahrhunderts ver- klärten, fanden zu Anfang des 19. Jahrhunderts eine teilweise Ver- wirklichung in der„heiligen Allianz", der allmählich alle europäischen Staaten mit Ausnahme Englands beitraten. Die feierliche Erklärung der Großmächte über ihre Gemeinsamkeit in dem Streben nach Aufrechterhalrung des Friedens führte einen ganz neuen Grundsatz in das öffentliche Leben Europa? ein. Doch stand schon damals England abseits, und von England ist auch die kurze Herrlichkeit dieses Völkerbünde» untergraben und zerstört worden. Die Idee freilich ging nicht unter, sondern sie fand immer neue Vertreter und Vorkämpfer. Renav trat unmiitelbar nach dem Tage von Sedan sür einen Zusammen- schluh der europäischen Staaten ein. Roch weiter gingen die Vor- schlüge des berühmten Völkerrechtslehrers Bluntschli, der einen„Welt- verfaffungsstaat" forderte, und das Idealbild der„Vereinigten Staaten von Europa' hat die internationale Friedens- und FreiheitS- liga auf ihre Fahne geschrieben. Neue Sinfonie-Konzerte. (Im Friedrich-Wilhelmstädtischen Theater.) Nunmehr hat sich auch die Leitung de« Friedrich-Wilhelm- städtischen Theaters in den Dienst einer höheren Mufikpflege ge- „Kommt also Montag, wie ich's Euch gesagt habe," sprach er und ging in die Wohnung. Durch Matthias ließ er ihr einen Rubel geben. Max lag, mit der Pfeife zwischen den Zähnen, auf der Ottomane und neben ihm saß Murray, schwarz gekleidet, mit sehr gerührtem Gesicht, und blickte süß in seinen Hut, den er in der Hand hielt. Seine Kiefer liefen heut schneller wie gewöhnlich, er kaute ständig und schubste seinen Buckel so oft vor, daß der Rock ihm bis auf den Nacken rutschte. Karl nickte ihnen mit dem Kopf zu und ging in sein Zimmer. Die Papiere auf dem Schreibtisch brachte er in Ordnung. richtete die Blumen in den Vasen, blickte lange auf eine Photographie Ankas, öffnete einen Brief, las ihn aber nicht, legte ihn beiseite und begann ans und ab zu gehen, setzte sich auf alle Stühle, blickte durchs Fenster. Wie ein Mensch, der direkt ins Herz getroffen wird und sich über seinen eigenen Zustand keine Rechenschaft ablegen kann und nach allen Seiten schwankt, suchte er unbewußt, sein Gleichgeivicht wieder zu bekommen und sich mit seinen Gedanken an irgend etwas zu klammern. Er konnte die nagende Erinnerung an EmmaS Worte nicht los iverden. Endlich setzte er sich ans Fenster und starrte gedankenlos in den schwindenden Tag, der mit dem letzten Schein der Abendröte über der Stadt verlösch. Er ließ die Lampen nicht anstecken, saß im Dunkeln und horchte auf das Rauschen der einschlafenden Straße. Baunis Stimme klang selten herüber, dafür aber hörte er immer deutlicher das gedämpfte, dumpfe Flüstern des Engländers: „Was wollen Sie! Ein Hund geivöhnt sich an seine eigene Hütte. Wissen Sie, wenn ich bei Smolinskis bin, dann erfaßt mich so eine sonderbare Wärme, so eine Ruhe, so gut ist's mir da, hell und lustig, daß ich dann angstvoll daran denke, daß ich wieder in meine Wohnung zurück muß. zu den leeren Wänden und in die finsteren, kahlen Räume. DaS Junggesellentum ist mir schon so ekelhaft geworden, daß ich heute grade beschlossen habe, mich..." „Zu erklären... Das wievieltemal ist es eigentlich schon?" brummte Max. „Ja, ich werde mich erklären, gleich nach Ostern wird die Hochzeit stattfinden, im Juni nehme ich Urlaub und bringe £1 W0 Mittwoch, 21. August stellt, und zwar mit Sinfonie-Konzerten, die an Sonn- und Feier« iags-Nachmitlagen Werke klassischer und moderner Komponisten zu volkstümlichen Preisen vermitteln sollen. DaS erste dieser Konzerte hat am Sonntag stattgefunden. Zwei Sinfonien von Franz Schubert, deren Entstehung in daS letzte Jahr seines allzufrüh beschlossenen LebenS fällt, umrahmten drei gleichfalls um jene Zeit geschaffene Lieder. Diese— man begegnet ihnen nicht allzuoft— waren: „Der Jüngling und der Tod",„Der Wanderer an den Mond" und „Die Allmacht". Die Ausführung dieses Programms voll kostbarster Edelsteine beansprucht höchste Künstlerschaft. Das erbeblich verstärkte Theater- Orchester ivird geleitet von seinem ständigen Kapellmeister Eduard K ü» n c ck e. Ein un- gemein feinfühliger Dirigent offenbarte sich da. Die»n- vollendete H-moII- Sinfonie haben wir ja von der hiesigen und der unvergleichlichen Wiener Hofkapelle gehört. Höher gebts wobl nicht. Dennoch— was Künnecke, zumal in der herrlichen Odnr-Sinsonie zuwege brachte, darf als starke künstlerische vortragSleistung an- gesprochen werden. Er dirigierte auswendig mit bewundernswerter nachschöpferischer Selbständigkeit und mit einer den kolossalen Auö- inaßen, sowie namentlich der glanzvollen, sarbengesäitigten In- strumentierung des Werke» nachspürenden Eindringlichkeit, die für wirkliche» Verlrautsein zeugt. Auch am Klavier bewährte sich Künnecke als diskreter Begleiter der von Angelika Rummel init ausdrucksreicher Altstimm« und ehrlicher Empfindung vorgetragenen Gesänge. Nach diesem guten Beginn darf man sich von diesem Musik- unternehmen jedenfalls rtnen gedeihlichen Fortgang versprechen. vl:. die schöne Hanö öer Arbeiterin. Mit Neid wird vielleicht manche auf ihre Schönheit eitle Frau, die auf die Pflege ihrer Hände alle besonderen Mittel verwendet, die Belehrung empfangen, daß c3 ihr trotz allein schivcr fallen wird, mit einfachen Arbeiterinnen in diesem Punkt in erfolgreichen Weit- beiverb zu treten. ES gibt nämlich ein« Handarbeit, die scheinbar ohne Wissen und Willen ihres Vollbringers eine verblüffende Schön- heit der Hände auslnldet. Diese Entdeckung bat Prof. Wetekamp, der darüber in der Wochenschrist„Umschau" berichtet, in einer großen Stahlsedernfabrik gemacht. Ihm siel dort nicht nur die Mngerfertigkeit der Arbeiterinnen an den Maschine» auf, die eine Verfolgung mit dein Auge überharrpt nicht mehr gestattet, sondern auch die außerordentliche Schönheit fast aller Hände, die er dort an der Arbeit sah. Er schloß sogleich, daß es damit eine besondere Bewandtnis haben müsse, da er noch niemals so viele vollendet schöne Hände beieinander gesehen hatte. Ohne Zweifel liegt hier ein Einfluß der Berufstätigkeit vor, für die überhaupt nur sehr ge- schickte Hände brauchbar sind, die dann wohl durch die fortgesetzte Hebung ohne Bedarf eines KraftaufwandZ immer weiter in ge- sieigerter Sck-önheit ausgebildet wexden. Wer von Natur den An- sprächen nicht zu genügen vermag,'scheidet eben aus, und dadurch vollzieht sich eine Auslese, in der nur die feinsten Hände bestehen. Diese Beobachtung hat auch ihre praktische Seite, da es möglich sein müßte, die Auswahl der Arbeiterinnen von vornherein nach einer Prüfung der Hände zu bewerkstelligen, Prof. Wetekamp verweist auch auf den Grund, warum das Klaöier- oder Geigenspiel nicht zu dem gleichen Erfolge führt, wie insbesondere die Hände de- rühmter Klavierspieler beweisen. Hauptsächlich dürfte da die er- forderliche Spannfähigkeit der Hände einen unvorteilhaften Zwang ausüben. Notizen. — D i e Volksbühne eröffnet unter der Leitung Kahß- lers am 4. September die neue Spielzeit mit JmmermannS „Merlin", der damit zum erstenmal ans die Bühne gelangt. Den Merlin spielt Friedrich Kahßler, den Satan Ernst Stahl-Nachbaur. — D i« Mei st erWerke der Casseler Galerie in Petersburg. Wie verlautet, sollen in dem jetzt endgültig mit Rußland abgeschlossenen Vertrage auch die kostbaren Gemälde nach Cassel zurückgegeben werden, die vor mehr al» 100 Jahren von dort geraubt wurden und dann in den Besitz deS Kaisers von Rußland kamen. Diese Meisterwerke bilden seitdem eine Hanptzierdc der Pelershurger Eremitage. ES sind vorzügliche Arbeiten der größten Meister darunter: an erster Stelle die„Große Kreuzabnahme" R e m b r a n d t s, die berühmte Fol« der„Vier Tageszeiten" von Claude Lorrain, die„Farm" und die„Szenen aus dein Leben eine? Jäger»" des Tiermalers Paul P o t t e r, die„Wacht- stube" und das„Doelenstück" von T o ni« r s. eine der schönsten Amsterdamer Ansichten von v. d. Heyden, sodann ein Meister- werk der italienischen Kunst, die„Heilige Familie" von Andrea d e l S a r t o. meine Frau nach England zu meiner Familie. Ach, wie schön sie heut in der Kirche lvar. rief er. „Wer ist es denn, die Erkorene?" „Sie crfahren's morgen." „Eine Deutsche? Eine Jüdin, eine Polln?" forschte Max neugierig. „Eine Polin." „Wenn sie katholisch ist, dann wird sie Sie doch nicht heiraten, die halten an ihrer Religion niit dem Eigensinn Trunkener." „Schad' nichts, ich muß Ihnen im geheimen verraten, daß ich, sobald sie meine Braut wird, zum Katholizismus übertreten werde. Mir ist das ja gleich, meine einzige Re- ligion ist doch die Liebe." Borowiecki unterbrach ihr Gespräch. „Kommst du zu KurowSki, Max?" „Ja. Gehst du schon?" „Ja. Auf Wicdersehn, Murrayl" „Ich komm' mit Ihnen." Rasch schob er seinen Rock znrecht, verabschiedete sich, und beide gingen hinaus. Borowiecki mengte sich unter die Arbeiteimaffen. die aus defl Seitenstraßen herbcifluteten und die Bürgerstcige der Piotrkowerstraße anfüllten, und ließ sich gedankenlos von ihnen tragen. Es war noch zu früh, uin zu Kuroivski zu gehen, aus der Wohnung hatte ihn die Langeweile vertrieben, ui'd so schleppte er sich die Straße entlang. Er wußte nicht, was er mit sich und den paar freien Stunden anfangen sollte. Er bog in die Benediktstraße ein und dann in die Pro- menadestraße, weil sie dunkler und finsterer war. Er schritt die Alleen auf und ab. Er wollte sich ermüden, um durch die physische Anstrengung die sonderbaren Stimmen zu be- täuben, die in seinem Gewissen erwachten, ihn immer schmerz- hafter erregten und dann in ein noch dumpfes, noch unbe- wüßtes Leid um Emma ausklangen. Wieder von neuem begann er über das Verhältnis nach- zugrübeln, das er so brutal und unmenschlich gelöst hatte. und das sie heute mit einer haßerfüllten Verachtung aus ihrem Leben strich. Er war kein unerfahrener oder senti- mentaler Jüngling mehr, er war nicht immer sähig. mensch- liches Elend nachzufühlen, trotzdem drückte ihn jetzt das Be- wußtsein deS großen Leids, das er ihr zugefügt. (Lortj. folgt.) MK( WMlSM'MM. BerwaltnnqSfteke Berlin. Hl S4. Linienstrake 8Z— 8S. Geichäftszeit von 9—1 Uhr und von 4—7 Uhr. Telephon: Amt Norden ISS, 1239, 1987, 9714. Morgen Donnerstag, den SÄ. Nugust, abcpds T'/j Uhr, im„Kvsliner Hof", Kösliner Straße 8: WT Versammlung"WU der Former und Berufsgenossen. Tagesordnung: 1. Unsere Lohn- und Arbeitsverhältnisse in den einzelnen Gießereien. 2. Diskussion. Z. Verschiedenes. KM- Es ist unbedingte Pflicht aller Kollegen, pünltich zu erscheinen. 116/91 Die Ortsverwaltnnjf. Wagen aller Art bejte Arbelt,»reliwertl Sfieiwaföfsharis Bernhard Ksilich Grosec Hambnresr Str. 21-23 beim Hackescb�o Markt Bahnhof Börse. pft moderne Metallarbeiter. Ratgeber für Dreher, Tchloffer u. Maschinenbauer. 4. Aufl. 349 Seiten, geb., mit IZb Abbild. Von Otto Schwenn.! Dieses Werk seht jed. Metallarbeiter in den etand, schnell i u. sicher die vorkommenden Berechnungen der Räder au � Drehbänken z. Gewindeschneiden vornehmen zu können. 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Die»Deutsche Tageszeitung" spricht dem HauptauSschuß deS Reichstages und diesem selbst daS Recht ob. sich um die baltische Frage zu kümmern, weil sich die künftige Personalunion als reiner StaatSvertrog darstellt, der dem Votum d«S Reichstages nicht unter» liege. Anders sei eS aber mit der polnischen Frage bestellt, gegen deren jetzt in den Vordergrund geschobene Lösung daS agrarische Organ Vorbehalte geltend macht. Eine Extratour tanzt der Freiherr v. Zedlitz-Neukirch in seiner.Post". Er nimmt gegen die Idee der Personalunioa sehr scharf Stellung: .Diese Personalunion erfreut sich anscheinend gleichsam mit hypnotischer Kraft besonderer Vorliebe. Sie paßt in Wirklichkeit aber doch nicht für eine Zeit, in der monarchische Einrichtungen nur dann lebenskräftig sich erweisen, wenn sie mit' Land und Volk fest verwachsen sind. Die Personalunion ist dagegen ein Rück- stand aus der Zeit des reinen Absolutismus, sür die Ludwig XIV. das Wort geprägt hatte:„LiTütst c'est rnoi" Wenn jetzt auch aus ganz besonderem Grunde eine Personalunion zwischen ge- wissen Randstaaten und einer der Mittelmächte angemessen erscheint, so bandelt es sich doch eben nur um Ausnahmen, welche lediglich die Regel bestätigen, daß die Personalunion an sich eine durchaus veraltete Einrichtung ist. Plänen dieser Art gegenüber ist daher größte Skepsis am Platz. Vor allem müssen dynastische Rück- sichten hier wie bei der Konstituierung der Randstaaten überhaupt . ganz ausgeschlossen sein. Sonst ist die Befürchtung eines schweren Rückschlages, und zwar auch für die' Mittelmächte, ja für den monarchischen Gedanken selbst nicht abzuweisen." Freiherr von Zedlitz-Neukirch läßt sich ein Hintertürchen offen, wie es dem opportu-riflischen Charakter dieses Politiker« entspricht. Aber ganz offenbar zielt sein Einspruch, der die Form eines Protestes gegen die austropolnische Lösung hat, in Wahrheit dagegen, daß der König von Preußen den Herzogshut aus den Händen der baltischen Barone nimmt. Daraus entspringt seine Sorge bor einer schweren Enttäuschung und einer Gefährdung des monarchischen Gedankens. Der Kampf um öen Osten. Ein neuer, vom 14. August datierter Bericht der„Franks. Ztg." aus Moskau wirft einiges Licht auf die so unklaren und widerspruchsvollen Vorgänge in der Räterepublik. Danach hat die plötzliche Abreise der deutschen Botschaft bei den Sowjets die Befürchtung neuer Verwicklungen hervor- gerufen und Karl Radeck war bereits auf der Reise nach Berlin, als er Joffe begegnete, der seine Befürchtun- gen zerstreuen konnte. Tie bolschewistische Regierung organi- siere jetzt tatkräftig den Kampf gegen die Tschecho-SIowaken, deren Erfolg' zum Teil aus dem Verrate der Führer bolsche- wistischer Truppen hervorgegangen seien. Jetzt befänden sich die meisten Führer der antibolschewistischen Parteien jenseits der sogenannten Tschecho-SIowaken-Front. Dann fährt der Bericht fort: „Aus ein-r Quelle, die Glauben beansprucht, deren Zuverläs- sigleit aber nicht nachgeprüft werden kann, verlautet weiter, daß zwnckien der Parteileitu.ig der rechten Soziulvevolutionare und der Kadetten bereits ein Kompromiß über die Zusammensetzung der künftigen Regierung geschlossen sei. Danach sollen d-e S.-Üw, obgleich sie über die Mehrheit von Anhängern verfügen, sich bereit erklärt haben, den bürgerlichen Kreisen in der künttigen Regierung die Führung zu überlassen, da fie aus Gründen des Burgfriedens' gezwungen seien, fürs erste auf die Durchführung ihres inner- politischen Reformprogramms zu verzichten.„ftm übrigen ist yeyt, wo die Räteregierung den Willen zeigt, sich mit kräftigen Schlägen zur Wehr zu setzen, wenigeralSjederAugen- blick sich mit Erörterungen über die Form einer etwaigen tünf- tigen Regierung abzugeben." Tie bolschewistische Regierung habe zur Sicherung gegen konterrevolutionäre Putsche 15 000 Offiziere unter den härtesten Bedingungen interniert, die von einem aus C.hin es en bestehenden Frenidenregiment bewacht werden. Inzwischen meldet aus Moskau ein am 17., August abgegangenes Telegramm, daß von diesen Offizieren ein Drittel Verwendung als Militärinstruktoren finden und der Rest zu Zwangsarbeiten im Hinterlande herangezogen werden. Die Bolschewisten drohen mit der schrankenlosen Schreckensherrschaft, wenn die Bourgeoisie an Widerstand denke. Auch vor öffent- lichen Hinrichtungen werde man nicht zurückschrecken.' Ter größte Feind der bolschewistischen Regierung ist aber vielleicht die passive Resistenz der Bauern, deren große Mehrzahl sich schon jetzt weigert, das neugcerntete Ge- treibe an die Räteregierung abzuführen, und die Gleichglll- tigkeit der Massen. Mit großer Reklame und Aufge- bot von Fahnen, Automobilen, Flugzeugen fand eine Parade der revolutionären Truppen statt, bei der aber von den vielen Arbeitern Moskaus nur zehntausend Mann anwesend waren. Die„Voss. Ztg." bestätigt die Nachricht, daß die Sowjet- regierung die neuen deutsch-russischen Vereinbarungen im all- gemeinen angenommen und im besonderen Deutschland im Bai- tikum freie Hand gelassen habe. Die Räteregierung habe da- durch eine gewisse Stärkung erfahren, daß die linken Sozial- revolutionäre der inneren Politik der Bolschewisten ihre Zu- stimung ausgesprochen und in der äußeren Politik jeden Kom- promiß mit irgendeinem Imperialismus abgelehnt hätten, wo- mit sie die ententistische Orientierung verworfen hätten. Da- gegen hätten sich die Rechten Sozialrevolutionäre mit den Mos- kauer Kadetten geeinigt, welcher Koalition sich auch die anti- semitischen Rückschrittler unter Purischkewitschs glorreicher Führung angeschlossen hätten. Führer der Rechten Sozialre- volutwnäre ist Tschernow, der ehemalige Vorsitzende der ge- sprengten Konstituante. Wenig Glück bat der frühere Duma- Präsident, der bekannte Oktobristenführer Rodzianko. bei den Donkosaken unter Krasnow gefunden. Die Donrepublik ist so erzkonservativ, daß Rodzianko als gefährlicher Umstürzler aus- gewiesen wurde. Es ist aber nicht ausgeschlossen, daß Motive der internationalen Politik auch eine Rolle spielen. In diesem Zusammenhange sei an die Berliner Reise de? Herzogs von Leuchtenberg als Vertreter der Donrepublik erinnert. Meuterei in KraSnoje Selo. Petersborg, IS. August. Ein Teil der Garnison von KraSnoje Selo mit dem Kommandeur an der Spitze hat gemeutert und beabsichtiat zunächst gegen Petersburg zu marschieren. Die Meu. lerer schienen sich indessen wieder zu beruhigen. EinigungSversuche der Antibolschewiste« in Sibirien. Amsterdam, 20. August. Einem hiesigen Blatt« zufolge er- fährt.Times" aus Wladiwostok: Die verschiedenen konkurrieren- Regierungen haben, wie eS scherst, beschlossen, eine Komrnissipn| oder einen Rat zu bilden, zu dem jede drei Vertreter entsendet. Die I rein sozialistische Negierung wünscht ihren Premierminister Lad- roth zum Vorsitzenden dieser Kommission, während die Kadetten dieses Amt Horvath übertragen wollen. Tschechischer Rückzug in Ostsibirie». Wladiwostok, 17. August. Reuter. In Nikolajewsk wurde eine Abteilung japanischer Marinetruppen zum Schutz- der japani- sehen Bevölkerung gelandet. Ein heftiges Gefecht zwischen Tschechen und Bolschewiki an der Ussurifront endete mit dem Rückzüge deS tschechischen Vorstoßes. Für den Terror! Moskau, 18. August. Das Blatt der linken Sozialrevolutionäre „Snamja Borbh" widmet sein« heutige Nummer der Verherrlichung deS Mörders des Feldmarschalls von Eichhorn durch ein schwarz- umrahmtes Gedicht, sowie einen mit„Tiere" überschriebenen Leit- artikel von Grigorjew, der zu weiteren Gewalttaten aufhetzt. Zeinöliche Kriegsberichte. Franzüsifcher Bericht vom 19. August abends. Zwischen Matz und Oise haben wir unser Vordringen fortgesetzt. Im Lauie des Tages haben unsere Truppen trotz hartnäckigen feind- lichen Widerstandes sich des OrteS FreSnisres bemächtigt und die Ränder westlich von Lassigny erreicht. Weiter südlich sit es uns gelungen, aus dem Wald von Thiescourt herauszukommen. Auf unserem rechten Flügel haben wir Pimprez genommen und sind zu den Rändern von Dreslincourt vorgestoßen. Nördlich von der A i s n e haben wir unseren Erfolg zwischen Carlepont und Fontenoy ausgebaut und das Dorf Morfain genommen. Die Zahl der in dieser Gegend seit gestern gemachten Gefangenen erreicht 2200. Von der übrigen Front ist nichts zu melden. Franzilsischer Bericht vom 20. August, morgens. Beiderseitige Artillerietätigkeit in der Gegend von Lassigny und Dreslicourt. Zwischen Oise und Aisne besetzten französische Truppen am Abend daS Dorf Vassens, nordwestlich von Versaine. Ein feindlicher Handstreich westlich von Vaisons des Champagnes erzielte kein Ergebnis. Die Nacht verlief überall sonst ruhig. Deutsche Flieger haben in der letzten Nacht Nancy mit Bomben belegt. Es werden 6 Tote und 20 Verwundete unter der Zivilbevölkerung gemeldet. Englischer Bericht vom 19. August. Heute morgen hat der Feind an einer Front von einer englischen Meile(1600 Meter) einen heftigen Angriff auf unsere Stellungen zwischen LihonS und Herle- ville gemacht: es gelang ihm. an zwei Punkten in unsere Linie ein- zudringen, aber er wurde durch unseren Gegenangriff sofort wieder hinausgeworien und die Lage völlig wiederhergestellt. Wir fügten dem Feinde starke Verluste zu. Im Abschnitt von Merville dauert unser Vordringen an: auf einer Front von einigen 10 000 DardS(etwa 9 Kilometer) ist ein beträchtlicher Fortschritt erzielt worden. Unsere Truppen baben die Linie der Straße erreicht, die von Paradis, ToleS und PureSbecqueS her durch Merville führt, und sind in Merville eingedrungen. Die Gesamtzahl der von uns gestern in der Gegend von Outtersteene gemachten Befangenen beträgt 67S einschließlich 18 Offiziere. Englischer Heeresbericht vom 20. August, morgenS. Wir schoben gestern abend unsere Linie in die Nähe der Straße Vieux Berquin— Cuttersteene vor, wobei wir 182 Gefangene machten. Wir wiesen vier Angriffe gegen unsere Posten nordöstlich von Chilly ab und machten einen erfolgreichen Vorstoß gegen einen Posten westlich von Brahe. Unsere Patrouillen machten weitere Fortschritte zpu- schen den Flüssen Lowe und Lys und befinden sich jetzt L st l i ch v o n der Straße Paradis— Terville. Der Dunö üer Lanüwirte für Arbeiter- Wahlrecht! Landwirtschaftskammcrn gegen ArbeitSkammern. Der engere Vorstand des Bundes der Landwirte veröffent- licht in der„Deutschen Tageszeitung" eine Erklärung, die für eine Stellung des Wahlrechts zu den Landwirtschaftskammern auf eine breitere Grundlage eintritt. Die Erklärung weist dar- auf hin, daß das Landwirtschaftskammergesetz von 1894 das Wahlrecht zu den Kammern auf diejenigen Landwirte be- schränkt, die eine selbständige Ackernahrung besitzen. Infolge- dessen blieben voni Wahlrecht ausgeschlossen alle Angehörigen des landwirtschaftlichen Berufs, deren»Besitz ihnen einen genü- genden Lebensunterhalt nicht zu bieten vermag, welche daher die freie Zeit, die ihnen ihre eigene Wirtschaft läßt, zu land- wirtschaftlichen Arbeiten in anderen Betrieben verwerten müssen, ferner die in der Landwirtschaft tätigen Beamten und diejenigen landwirtschaftlichen Arbeiter, welche ohne eigenes Besitztum oder Pacht als Arbeiter in der Landwirtschaft tätig sind. Diesen Mitgliedern des Landwirte- berufs will jetzt der Bund der Landwirte ein.Wahlrecht zu- billigen. Die Erklärung sagt u. a.: Die deutsche Landwirtschaft kann nur in allen ihren Teilen als ein gemeinsamer, geschlossener Beruf angesehen werdew Der Vcr. such, diesen zu zerreißen und einzelne Glieder aus dem Beruf und seinen Interessen herauSzu.lö- f e n, mutz im weiteren Verfolg zur Vernichtung des landwirt- schaftlichen Betriebe» führen, mit all den Nachteilen, die sich hier- durch für daS Baterland notwendig ergeben müssen. Wie das In- teresse der kleinen Besitzer mit dem deS großen Besitzer? an dem Blühen und Gedeihen der Landwirtschaft in vollem Maße über- einstimmt, so ist dasselbe der Fall für die ir der Landwirtschaft als Beamte und Arbeiter tätigen Kräfte; auch ihre Zukunft hängt von dem allgemeinen Gedeihen de,r Land- Wirtschaft ab. Sie alle müssen daher gemeinsam mit an der Förderung deS Berufes arbeiten. Gerade hierin liegt ein grund- fStzlicher Unterschied zwischen den landwirtschaftlichen Arbeitern und den industriellen Arbeitern. Der industrielle Arbeiter hat stets nur ganz besondere Teile der großen Arbeit zu leisten, der land. wirtschaftliche Arbeiter mutz befähigt sein; alle' vorkommenden Ar. betten der Landwirtschaft zu erfüllen. Es genügt hierbei nicht nur di« mechanische Ausführung, sondern es bedarf der einsichtsvollen Leistung. Die Erlernung dieser Fähigkeit und die Erwerbung der Erfahrungen hat der landwirtschaftliche Arbeiter aber auch in seinem eigenen Interesse zu erstreben, da auch er fast ausnahmslos irgend» eine landwirtschaftliche Tätigkeit als eigene Einnahmequelle für sich auszuüben hat. Gerade hieraus ergibt sich, daß «in« Trennung der Interessen der Arbeitgeb, er und Arbeitnehmer in der Landwirtschaft nicht möglich i,st. Das Eintreten der Agrarier für ein Arbeiterwahlrecht in 'irgendeiner Form müßte geradezu als ein Wunder erscheinen, wenn der Zweck nicht allzu deutlich zutage läge. Die Aus- dehnung deS Wahlrechts zu den Landwirtschaftskammern ist nur als ein Mittel gedacht, die Einbeziehung derLand- arbeiter in die Arbeitskammern zu verhindern. Damit die Arbeiter keine wirkliche Vertretung in den Arbeits- kammern erhalten, soll ihnen eine Scheinvertrctung in den Landwirtschaftskammern zugebilligt werden. Zu diesem Zweck wird auch eine Lehre von der Interessen- Harmonie auf dem Lande verkündet, die vor den Tatsachen in I keiner Weise Stich hält. Der Auftchwuog der LckndV&jchsst vor dem Kriege hat nichts dazu beigetragen, die elende Lage der Landarbeiter zu verbessern. Die Interessen des vom Bund der Landwirte müßig angerufenen Vaterlands fordern aber nicht, daß das arbeitslose Einkommen aus dem Grundbesitz un- gemessen steigt, sondern den der wirklich arbeitenden Landbevölkerung, von der die Landarbeiter einen wichtigen Teil bilden, die Möglichkeit sozialen Ausstiegs erschlossen wird. Darum gehören die Landarbeiter in die Arbeits- kammern!__ Krückmanns gewonnene Schlachten. Trost für die Schlappe« im Westen. In der„Unabhängigen Nationalkorrespondenz" veröffent- licht Prof. Krückmann- Münster i. Westfalen einen Artikel, in dem er auseinandersetzt, die Offensive im Westen fei nur ein Zeichen der Schwäche des Gegners. Wenn die Engländer angriffen, ohne auf die Amerikaner zu warten, so müßten sie es sehr eilig haben. So traurige Gestalten wie ein Kühl- mann, der erklärt, daß der Krieg nicht bloß durch die Waffen- gewalt beendet werden könne, gebe es in England freilich nicht. Und dann fährt der Professor wörtlich fort: Trotzdem sollen wir glauben, daß England mürbe wird? Ge- wiß, denn die Entschlossenheit der Führer ist noch nicht die G e- schlösse nheit de« Volkes, und an ihr beginnt eS offenbar z u mangeln. Sonst würden die Engländer nicht zu gleicher Zeit— Hohn des Widerspruchs— in öligem Pazifismus machen und wütende Angriffe gegen die deutschen Linien richten. Sie haben es zu eilig und diese Eile ist verdächtig; doppelt des- halb, weil die neue Ernte eingebracht wird, England eS eigentlich also noch lange mit ansehen könnte. Aber nach den letzten Mißerfolgen kann man ja ganz verzagt werden! wird Herr Hasenfuß einwerfen. Gewiß kann man das, wenn man nämlich eine feige Hasenseele hat. Andere haben es nicht nötig. Wird denn vergessen, wie ungemein wir uns verbessert haben,«IS Kühlmann ging und Hintze kam, Holtzendorff ging und Schecr kam? DaS sind ganze gewonnene Schlachten, neben denen die Schlappen im Westen keine Rolle spielen. Dieser Professor lehrt also, daß die Engländer infolge von Mangel an Geschlossenheit kaputt gehen müssen, und dabei sind ihm selber Siege über Kühlmann und Holtzendorff bedeutend wichtiger als Siege über Foch und Haig. Der Gesunöheitszuftanö öes tzeeres. Mitteilungen von zuständiger Seite ist folgendes zu ent- nehmen: Der Gesundheitszustand der Armee ist dauernd günstig. Beim deutschen Feldheere betrug der Kranlenzugang bei den Truppen in einem Monat durchschnittlich, berechnet auf Tausend der Kopfstärke, im ersten Kriegsjahre 120, im zweiten Kriegsjahre 100. im dritten Kriegsjahre 80 und im August bis November 1917: 76. Die Zu- gangSziffer ist also dauernd gesunken. Nur F l e ck f i e b e r und Malaria weisen eine Zunahme der Zugänge im Lause der drei Kriegsjahre auf; diese Zunahme ist durch die Ausdehnung des Kriegsschauplatzes auf den von diesen Seuchen besonders heimgesuchten Gebieten des Ostens, namentlich des Balkans, ohne weiteres erllärlich. Beim Wechsclfieber handelt eS sich vielfach um Rückfälle. Die Erkrankungen an Diphtherie zeigen in den beiden letzten Jahren einen erhöhten Zugang gegen- über dem ersten Kriegsjahr in Uebcreinstimmung mir den Verhält- nissen bei der Zivilbevölkerung. Fast gleich geblieben ist der Zu- gang an Geschlechtskrankheiten, die gegenüber den letzten Friedensjahren sogar eine geringere ErkrankungSziffer aufweisen. Alle übrigen Krankheiten, insbesondere die Kriegsseuchen. zeigen eine zum Teil sehr erhebliche Verminderung. Pocken sind nur ganz vereinzelt aufgetreten' Beim Unterleibstyphus ist eS gelungen, die im ersten Kriegsjahre aufgetretenen einzelnen Herde einzudämmen und die weitere Ausbreitung dieser Krankheit zu verhindern. Die Ruhr zugänge entfallen in der Mehrzahl auf die Sommermonate. Asiatische Cholera trat nur ganz vereinzelt, hauptsächlich auf dem östlichen und mazedonischen Kriegsschauplatze aus. Sehr erfreulich ist der Rückgang der Zugangsziffer an Tuberkulose von 2.8 im ersten Krieg?jahre auf 1.1 auf das Tausend der Kopfstärke im dritten Kriegsjahr«. Von den Verwundete», abzüglich der Gefallenen und der später ihren Wunden Erlegenen, gelangen rund 73 Pr»z. zur Front zu- rück, bei 10 Proz. tritt Dienstunbrauchbarkeit ein. während der Rest al« garnison- und arbeitsverwendungsfähig beim Heere verbleibt- Von allen in Heimatlazarette gelangten verwundeten und kranken Angehörigen des Feldheeres werden rund 90 Proz. wieder dienst- fähig(kriegs-, garnison- und arbeitsverwendungssähig). die Sterb- lichkeit beträgt 1.1 Proz.. während es sich beim Rest von 8,5 Proz. um Dienstunbrauchbare handelt, zum Teil aber auch um Personen, die zunächst beurlaubt, in Kurorte usw. gesandt, später aber wieder dienstfähig werden. DaS ZahlcnverhältniS der Dienstfähigen ist also in Wirllichkeit etwas höher als angegeben. 7 Die Zahl der erblindeten HeereSangehörigen beläuft sich jetzt auf 2045!_ N Noch immer der Lufitania-Fall. Stockholm, 18. August. „Astonbladet" meldet unter der Uebcrschrift„Endlich Klarheit in der Lusitania-Afsäre". daß aus dem-Prozeh der überlebenden Passa- giere gegen die Cunord-Linie jetzt das Vorhandensein von M u n r t i on auf der Lusitania klar hervorgegangen sei, daß also diejenigen die Schuld an dem Unglück trügen, die aus dem Munitwnsdampfer Passagiere mitgenommen haben. Rumänische Wirtschaft vor dem Kriege. Bei der Requivie- rungskommissicm in Galatz wurden Unter schleife in Höhe von vier Millionen entdeckt, die unter der früheren Regierung Braiianu-Take-JoneSeu von den damaligen leitenden Beamten der Stadt und des Distriktes begangen würden. Letzte Nachrichten. Tie Bratianu-Regicrung soll verhaftet werde«. Bukarest, 20. August. AuS Jassh wird amtlich gemeldet: Mi- teScu, der Präsident deS parlamentarischen Ausschüsse», der mit der Untersuchung der Vergehen der in Anklagezustand verfetzten Minister der Regierun, Bratianu beauftragt ist, beantragte in der gestrigen Kammersitzung den Ausschluß der Oeffent- lichkeit, um im Interesse der Untersuchung wichtige Mitteilun- gen zu machen. Nachdem MiteScu«ingehende Erklärungen abgegeben hatte, verlangte er die Genehmigung der Kammer, einen aus parlamentarischer Initiative hervorgegangenen Entwurf eine» Ge- setze» vorlegen zu dürfen, wonach der Ausschuß berechtigt sein wird, die Verhaftung der ehemaliee« Minister zweck? Vorunter- suchung zu veranlassen. Die Kammer stimmte dem Vorschlag zu. Nachdem die Oesfentlichkeit wieder hergestellt worden war, legi« MiteScu den Gesetzentwurf vor. In der heutigen Sitzung wird die Aatmnex über die Vorlege abstimmen. GMMkschüWMWNg Ei«e SeZirkskonferenz öes Deutjchen Eisenbahner- veebanöes. Am i8. August tagte im Gewerlslbuftshause in Hamburg eine vom SX®. 5?. einberufene Konferenz für den Eifenbahndirektions- beznk Altona. LlMvoljl e-S die erste Konferenz war, die seil der Gründung des Verbandes im Bezirk statliand, versammelte sie doch eine stattliche Zabl Eisenbahner des Werkstätten-, Betriebs- und Fahrpersonals Viele davon nahmen zum erstenmal an einer gewerkschaftlichen Konferenz teil. Der Verbandsvorsitzende B r u ii n e r erinnerte in seiner BcgrüstnngSrede daran, dah Hamburg historischer Boden für die Eiienbahnerbewegung sei. Hier sei einst der alte Hamburger Verband gegründet worden, dessen Mitglieder von der VerWallung rücksichtslos gemaßregelt wurden. Bezirksleirer Kamps konstatierte in seinem Bericht, daß die Zahl der Mitglieder im Bezirk in l1/* Jahren sich von 300 auf weit über 8000 erhöht habe. Er schilderte dann die Erfolge auf dem Gebiete der Lohn- und Dienstverhältnisse. Ueber die letztere Frage erstattete der Vorsitzende B r u pr ni ein instruktives Referat. Zur Agitation wurde ein BezirkSbi irat gewählt, der aus den Orten Haniburg, Harburg, Flensburg, Lübeck, Neu- münstjr und Wittenberge sechs besähigte Vertreter erhielt, die nun eine lebhafte Propaganda für den D.E.V. entfalten, werden. Wie die Konferenzen in anderen Bezirken, so legte auch die Hamburger Konferenz Zeugnis davon ab, daß die Organi- sierung der Eisenbahner� sich unaufhaltsam vollzieht. Hand in Hand damit geht die gewerkschaftliche Schulung und damit der wirtschaftliche und kulturelle Ausstieg. Nach ihrem ganzen Ver- lauf muß die Hamburger Konferenz als ein Markstein in der Gc- schichte der Eiseubahuetbeloegung angesehen werden. Gelber Humbug. Der in der Haupiiache von Krupp unterhaltene„Werk- v e r e i n", Wochenschrift für die„wirtschafrsfriedliche nationale Arbeiterbewegung", leistet sich in der jüngsten Nummer(33 v. 17.8.) eine Polemik gegen unfern Artikel s.Vorw." v. 13.8.). der sich über die„Drohungen" luftig gemacht hatte, die das gelbe Blatt gegen die Regierung wegen deS bekannten Artikels der„Nordd. Allg. Ztg." von sich gab. Das gelbe Blatt will es nicht wahr haben, daß die„WirtfchaflSfriedlichen" a u f den Streik grundsätzlich verzichten: „Daß dicie Behauptiing den Tatsachen nicht ent- spricht, sollte allmählich selbst dem„Vorwärts" bekannt gc- worden sein... Falls ihm jedoch diesmal der wirkliche Sach- verhalt zu Ohren gekommen sein sollte, daß der Bund deutscher Werkverenre nämlich niemals auf den Streik ver- zichtet hat, wäre die gegenieilige Behauptung nur eine von den zahllosen Verleumdungen mehr, die von der Sozial- demokratie über uns verbreitet werden." Wir wissen, daß die Gelben und ihre Gönner sich große Mühe geben, die wirlschaftSfriedlichen Verbände als richtige un� vollgültige Arbeiterverciniguiigen im Sinne des§ 152 anerkannt zu sehen. Sie möchten in den mancherlei schon vorhandenen und in der Folgezeit, auck» nach dem Kriege, noch entstehenden Körper- schasten, Ausschüsien usw. als gleichberechtigt zugelasieir werden, um so in diesen paritätisch zu gleichen Teilen aus Arbeitern und Unternehmern zusammengesetzten Körperschaften allemal die wirk- lichen Arbeitervertreter in die Minderheit zu versetzen, indem sie be« rufsmüßig mit den Unternehmern stimmen. Daß die GeWerl- schasten auf ein solches selbstmörderisches Ansinnen niemals ein- gehen können, ist so selbstverständlich, daß darüber kein Wort weiter zu reden ist. Die gelben Verbände sind keine Arbeiter-, sondern Unternehmervertretungen; von Unternehmern und deren Agenten sind sie ins Leben gerufen, werden sie unterhalten und unter- stützt. WaS die erwähnte'„Verleumdung" betrifft, so möchte der „Werkoerein", daß wir den gelben„NichtVerzicht" auf das Streikrecht für bare Münze nehmen. Wenn wir sagten, daß die Gelben grrnidiätzlich auf den Streik verzichten, so ist das noch eine sehr milde Form für die Tatsache, daß sie grundsätzlich auf dem Boden deS Slreikbruchs stehen und lediglich als Streikbruchverbände ins Leben gerufen worden sind. Wo sie vorherrschen, wirkt ihr Daiein schon allein keimtötend auf jede noch so begründete und berechtigte Arbeitseinstellung, ja auch nur Lohnbewegung. Der den Gelben freundlich gegenüberstehende Sozialpolitiker Dr. Fr. Rößler schreibt zutreffend in dem Thimmeschen Sammelwerk„Vom inneren Frieden": „Ausschlaggebend für die Beurteilung der sog. gelben Gewerkschaften bleib: die Frage des Streitrechts. Es ist zwar nur ein Teil der Gewerkvereine, welche durch ihre Statuten ihre Mitglieder ausdrücklich verpflichten, auf das Streik- recht zu verzichten. Es bleibt aber mehr oder minder klar ausgesprochen doch der Zweck der Werkvereine, den Streik als Waffe im wirtschaftlichen Kampf a u s z u- schalten." Gerade der„Werkverein" hätte sich in diesem Punkte in Schweigen hüllen sollen. Einer der geistigen Führer der Gelben- bewegung, Dr. Nathanson, schreibt in der„Deutschen Industrie" (Nr. 3. 1914); „Die Werkvereine der Berliner Richtung halten grundsätzlich fest an dem gesetzlich gewährleisteten Koalitionsrecht und Streik- recht und wollen von diesem Rechte nur einen vernünftigeren Gebrauch machen als die Kampfgewerkschaften. Die Werk- vereine der we st deutschen Richtung verzichten ent- weder faktisch auf diese Rechte oder lehnen nur zuni Schein einen direkten Verzicht ab." Herr Nathanson„vergißt" nur zu sagen, wo denn die„streik- freundliche" Richtung jemals von dem Recht der Arbeitseinstellung „faktisch" Gebrauch gemacht hat. 1913 auf dem B u n d e s t a g Deutscher Werkvereine in Augsburg stellten Berliner Delegierte den Antrag:„Vereine, die in irgendeiner Form auf das Streikrecht ver- zichteu, werden nicht in den Bund Deutscher Wcrkvereine aufge- nommen." Der Antrag wurde abgelehnt. Hier hat der„Werk- verein" einen bündigen„grundsätzlichen Verzicht auf das Streik- recht". Aber gerade die Richtung des.Werkvereins", der Essener Werkvercin Krupp, ging noch weiter, indem er bean- tragte: „Solche Vereine werden in den Bund deutscher Werkvereine nicht aufgenommen, die in Streikkassen sammeln." Durch die Ablehnung des Berliner Antrages erledigte sich der Antrag Essen. Der Berliner Antrag war nichts als eine aus agitatorischen und propagandistischen Gründen geborene Heuchelei. Der Vorsitzende Schönknecht(Berlin) erklärte:„Wir wollen uns doch nichts vormachen: Wo ein Werkverein bei einem sozial gesinnten Unternehmer besteht, ist kein Streik zu fürchten; bei einem unsozialen Unternehmer aber kann kein Werkverein bestehen. ES ist kein Liebäugeln mit dem Streikgedanken und mit Streikabsichten, die zu dem Antrag geführt haben."— Nein, man wollte mit dem Antrag nur Ginipelfang treiben. Der Gelben- führer L e b i u s schrieb mit Recht an Prof. Budde:„Es kommt ja nicht darauf an, wie wir etikettiert sind, sondern wie wir in Wirklichkeit sind." Haben nicht die Gelben für das Verbot d e S Streikposten st ehens und gegen die Aufh ebung deS 8 1�3 gewirkt, wie sie ja auch gegen Arbeits- losenversickerung, gegen kurze Arbeitszeit, gegen öffentliche Arbeitsnachweise und so manche andere fortschrittliche sozialpolitische Einrichtung angegangen find. Zum Dank für alles dies erlieh die Vereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände im November 1916 eine Geldsammlung für die gelben Verbände, nach- dem die Vereinigung, wie es in dem Zirkular hieß,„sich dem HauptauSschuß nationaler Arbeiter- und Berufsverbände als Spitze der wirtschaftsfriedlichen Organisationen beratend und unter- st ü tz e n d zur Seite gestellt und sich die Förderung der wirtschaftsfriedlichen Arbeiterbewegung angelegen sein gelassen" hatte. Beiträge von Unternehmern betrachten die gelben„Arbeitervereine" nach eigenem Eingeständnis als„eine Selbstverständlichkeit, die in den Verhältniffen ihre Rechtfertigung findet". Auf der anderen Seite aber erklärte einige Wochen nach Einleitung der obigen Bettelei der.Werkverein" (16. Dezember 1916)," daß die Gewerkschaften und die Werkvercine eine Welt trennt und daß es zwischen ihnen kein Zusammen- arbeiten, kein Paktieren und kein Kompromiß geben kann".— Das Herz der Gelben gehört dem Unternehmer- und Scharfmachertum, ihr Haß der unabhängigen Arbeiterbewegung. 18 Prozent Lohnabzug. Von einem Arbeiter der Orhx-Motorentverke in Reinickendorf wird uns>»lgendes geschrieben: Seit einigen Monaten dominiert in den Oryx-Motorenwerken ein neuer kaufmännischer Leiter. Als derselbe sich in dem Betriebe mit einer Rede für die letzte Kriegsanletbe einführte und die ver- sammelte Arbeiterschaft mit„Kameraden" anredete, glaubte dieielbe eS begänne für sie eine goldene Zeit. Von dieiem kindlichen Glauben ist die Arbeiterschaft jetzt bereits gründlich kuriert. Der neue Herr bat sich nach einigen Monaten sehr gewandelt. Genau so wie die andern Eiienindustriellen.w'll auch er den Lohn der Arbeiter- schaft um 15 Prozent kürzen Um zunächst einen lleinen Versuch zu machen, ob sich die Arbeiterichaft die Löhne fo leichten Herzens kürzen läßt, wurde den Lackierern und den Sattlern angekündigt, daß ibr Lobn um 15 Prozent herabgesetzt werde, wem e5nichtpaßt. der könne aufhören. Eine AuSspiache mit dem Arbeiterausschuß hatte den Er- folg, daß die Lohnkürzung wieder aufgehoben wurde. Jetzt sucht der GelchZftSleiter auf einem anderen Wege zu seinem Ziele zu kommen, denn die neueingeftelllen Schloffer haben einen Schein unterschreiben müffen, daß sie nur 35 Prozent zu den Akkord- preisen erhalten. Bisher erhielten die alten Schlosser 50. die Saitler 45 und die Lackierer 35 Prozent Kriegs- und TeuerungSaufichlag. Liegt schon in der verschiedenen Zulage eine Ungerechtigkeit so war eS eigentlich unverständlich, daß gerade denjenigen, die die wenigsten Prozente erhalten, zuerst abgezogen werden sollte. Zu den Lohnabzügen nahm am Montag, den 19. d. Mls., eine Betriebsversammlung in Brückners Restaurant Stellung. Die Anwesenden brachten einmütig zun: Ausdruck, daß bei dieser Teuerung ein Lohnabzug unmöglich sei. und sie beauf- tragten den Arbeiterausschuß, beim KriegS-SchlichtunnsauSschuß die nötigen Schritte zur Abwehr zu unternehmen. Besonders die weiblichen Anwesenden machten geltend, daß eine Lohn- erhöbunz unbedingt Min Platze wäre. Alle diejenigen, die den Weg zur Organisation biSger noch nicht gefunden haben, wurden ersucht, sich schleunigst ihrem zuständigen Verbände anzuschließen. Ter Wiedereintritt in das Leipziger GewcrkschaftSkartell wurde in einer Mitgliedervelsommlnng des ZcntralverbandeS der Handlungsgehilfen. Filiale Leipzig, nach eingebender AuS'prache gegen sechs Stim rwe n beschlossen. Im übrigen wiirde ein Antrag des Ortsdorstandes auf Abhaltung eines ordentlichen Verbandstages angenommen. Achtung, Mitglieder des Metallarbeiterverbandes k Die nächste ordentliche Generalversammlung deS Metallarbeiter- Verbandes findet nicht am 23. September, sondern am 39. Sep- temb er statt. �_ Die Orlsverwaltung. „Die soziale Hilfsarbeit der deutschen freien Gewerkschaften während des ersten KriegSjahrcs.". Unter diesem Titel ist im Per- läge von Albert Nauck, Berlin, Wilbelmstraße, ein 176 Seiten um- fassendes Buch von Dr. Walter K i e g e l erschiene». Der Skr- safser entwirft unter Beibringung eines reichhaltigen Tatsachen- Materials ein anschauliche? Bild von den UnterstützungSmaßnahmen der Gewerkschaften am Anfang deS Krieges. Zugleich zeigt er, wie diese Organisationen der Arbeiterklasse durch ihre rastlose Mitwirkung auf den vcrschiedenstcn Gebieten des so�aleu 2 eben 5 im Interesse der werktätigen Schichten wirkten. Wer sich eingehen- der darüber informieren will, in wie uneigennütziger und auf- opfernder Slkisc die Gewerkschaften von Anbeginn sich in den Dienst der durch den Krieg besonders in Mitleidenschaft gezogenen Volksschichten gestellt haben, dem bietet dieses Buch eine gute Ge- legenheit hierzu._ ?ugenüveranftaltungen. Arbeiter-Jugend Gesundbrunnen. Heute Mittwoch, abends 8 Uhr, im Lokal von Burlcrt: Mitgliederversammlung. Neukölln. Heute abend 8 Uhr im Jugendheim, Berliner Str. 87/88, Vortrag deS Herrn Drahn: Die Fauitsage.— Nächsten Sonntag, den 25. August, im Jdeal-Kaiino, Weichlelstr. 8, Lichtbilder- Vortrag: Wanderungen in der Mark(Vorführung einer Anzahl färben» prächtiger Lichtbilder. Vortragender: Herr Vowitz. Außerdem wirkt mit die Musikabteilung des Touristenoereins„Die Naturfrennde". Einlaß 7 Uhr. Gäste willkommen. Jcrontwortlich sür Politik: Erich Suitner, Berlin: sür den übrigen Teil d-S Blattes: MIrcd Scholz. Neukölln: für Anzeigen: Theodor Glocke, Berlin. Verlag: BorwSrtS-Berlag G. m. b. H.. Berlin. Druck. Vorwlrts-Buckidruckerei und BertagSanliall Paul Singer u. Co. in Berlin. Lindenltratze 3. Hicrzn 1 Anlage und Uutcrhaltungsblatt. arbeiten Sie gern? Sie kSnnen kein Vergnügen an Ihrer Arbekt findoii, wenn Sie nicht mehr gut sahen können. Ke»au ang«pcifcie®tih'er können Ihnen solche Arbeiien, die Jchn«« bwhcr zur Lav«inrbnt, angenehm machen. M««m Ihre At»>c» Ihnen Be- schwerde» bertUmi, so besuchen Sie u*«, rmd wir wollen Ihn«, ohne jede igerpslichtn», Ihrersettz zeize», wie sehr mchere Smeoskop-Släser Ihmm Ihre Slrireit erlsichtern Heise» kt»nen Ate imsex«»erte ZAmdichech uns»re Dienste zu schittzen«ach, bchsuci»achstehendos Scher wen. Herrn Optiker Ruhnke! Vielen Da»k Sic Ihre sie im deiche Zusendung. Ich wustte ja, d»js Sie in jeder veziShmes reell sind. Aus Ihre Kulanz den sich auch Ihr ganzes Geschäft ausgebaut. Ihr Entgegenkvimnen Ihrer Kundschaft gegenüber ist überall bekannt, und ich wandte mich desh«lb an Sie. 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