itr.230. 35. Jahrg. Bezugspreis t VterleljShrl. 4.50 MI. monatl. frei inS Haus, voraus, ahlbar. Einzelne Nummern III Vfennig. Postbezug: Moncallch. vom Postfchaster abzuholen IM Mb, vom Briefträger ms Haus ge» brachi 1,64 Mb Unter Kreuzband iür Deutschland und Oesterreich. Ungarn S.— Ml. für das übrige Ausland 4.50 Mb monatlich. Beriand ins streld bei direkter Bestellung monatl. 1,80 Mb Postbestellungen nehmen an Däne- mart, Holland. Luxemburg, Schweden und die Schweiz. Eingetragen in die Post-ZeitungS-PmSIiste. Erscheint täglich. Telegramm- Adresse: .Sozialdemokrat Berlin� Vevlinev Volli�ltlnkk. Zcntralorgan der rozialdemottratirchen parte» Deutfcblands. ( 10 Pfennig) Anzeigenpreis: DiessebengespallencKolonelzellekosiet 80 Psg.„iileine Anzeigen", das settgedrullte Wort 30 Psg. lzulästig 2 settgedrullte Worte), icdeS weitere Wort 15 Psg. Stellengesuche und Echlafstellenanzeigen das erste Wort 20 Psg., jedes weitere Wort 10 Psg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Teuerungszuschlag 20°/. Familien-Anzeigen, politische und gewerlschasUiche Vereins- Anzeigen 50 Psg. die geile. Anzeigen sür die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags im Hauvtgeschäsb Berlin EW.S8, Lindcnsiratze 3, abtegeben werden. Geössnet von 8 Uhr stüh bis 7 Uhr abends. Neüaktion: SA). H8, Linöenftraße Z. Zsernidrecher: Amt Maritzvlau, Rr. IS»»»— 151 S7. Expeüition: Sw. öS, Linöenstraße Z. Zferuivrecher: Amt Moristplatz, Nr. IS» SO— IS» S7. Englische Vorstöße bei Neus Berquin und Merville— Zwischen Avre und Oise feindliche Angriffe gescheitert— Seit 8. August über 500 feindliche Tanks zerstört— Französischer Großangriff auf »5 Kilometer Breite zwischen Öise und Aisne— Der Durchbruchsversuch trotz rücksichtslosem Kräfteeinsatzes in unseren vordersten Linien gescheitert. B e r l i», 21. August 1918, abends. Amtlich. In Flandern Teilkämpfe westlich des Kcmmel. Nördlich der Aucre brachen starke auf breiter �-ront in Richtung B a P a u m e geführte Angriffe der Engländer unter schweren Verlusten zu- lammen. Erneuter Dur chbruchsver such der Franzose« zwischen Oise und Aisne ist g e- scheitert. Amtlich. Großes H a u p t q» a r t i e r, 21. A u g» st 191«.(3B. T. B.) Westlicher Kriegsschauplatz. HeereSgruvpe Kronprinz Rupprecht. Bei Neuf Berquin, Merville und südlich der L?S schlugen die im Borgeläude unserer neuen Linien belassenen Jnfanterieab- tcilungc« mehrfach englische Borstöße und Teilangriffe zurück. Maschinengewehre und Artillerie fügten dem Feinde hierbei empfindliche Verluste zu. Jufantcriegcfrchte beiderseits der Scarpe und nördlich der Ancre. Heeresgruppe Generaloberst v. Boehn. Nordwestlich von Rohe schlug eine seit dem 9. August an Brennpunkten des Kampfes fechtende aus Garde- und nieder- fach fischen Rcscrvercgimcntcrn bestehende Division erneute starke Aitgriffe des Feindes ab. Im eigenen Borstoß in die feindlichen Linien machte sie Gefangene. Zwischen Avre und Oise steigerte sich der Artillcriekampf am Nachmittage zu großer Stärke. Beiderseits von CraPcausmeSnil, nördlich und südlich von Lassigny und auf den Höhen südwestlich von Nohon stieß der Feind mehrmals zu starken Angriffe» vor; sie brache» in unserem Feuer oder im Gegenstoß zusammen. Auf dem Schlachtfeld« zwischen Ancre und Avre wurden nach Meldung der Truppen seit dem«. Augnst bisher mehr als. S9t> feindliche Panzerwagen durch unsere Waffenwirknng zerstört. Zwischen Oise und Aisne hat gester« der seit einigen Tagen erwartete, am 18. und 19. August durch starke Angriffe ringe- leitete erneute Durchbruchsvcrsuch des Feindes begonnen. Nach stärlstcr Fcucrsteigerung griffen weiße und schwarze Franzosen am frühen Morgen in tieser Gliederung, nntcrstützt durch zahl- reiche Panzerwagen auf 25 Kilometer breiter Front an. Sie drangen stellenweise in unsere vorderen Linien ein. Gegen Mittag war der erste Ansturm des Feindes in unsere Jnfanteriekampf- stellungen in der Linie Carlepont— südlich von Blcrancourt— Bezaponin— Pommieis gebrochen. Kraftvoller Gegenangriff deutscher Jägerregimenter warf den vorübergehend ans dem Juvignyrücken vorstoßenden Feind auf Bieuxq zurück. Bis in die späten Abendstunden hinein setzte der Franzose seine er- bittertcn Angriffe fort. Sie brachen an der ganzen Front im Fenar unserer Artillerie, teilweise in unseren Gegenstöße» zu- summen. Die Durchbruchsvcrsuche des Feindes sind trotz rücksichtslosen Kräftceinsatzcs und unter schwersten Berlnstcn am ersten Schlacht- tage gescheitert. Schlachtflieger hatten an der Abwehr der Angriffe wirksamen Anteil. In nächtlichen Flügen griffe» unsere Bombengeschwader den im Angriffsgcbiet dicht gedrängten Gegner in Ortschaften, auf Bahnen und Straßen erfolgreich mit Bomben- und Maschinen- gewchrfener an. Der Erste Generalquartiermeister. Ludendorff. Der österreichische Bericht. Wien, 21. August. Amtlich wird Verlautbart: Bei Pervesa versuchten italienische ErkundungSabteilungen auf dem Ostufcr des Piavc Fuß zu fassen. Sie wurden auf- gerieben; sonst vielfach Artilleriekampf. In Albanirn keine besonderen Ereignisse. Der Chef des Generalstabes. Die Kämpfe üer Sowjet-Regierung. Mitzerfolg der Entente im Murman. Irgendeine entscheidende Wendung haben die Kämpfe, welche die Sowjetregierung mit ihren zahlreichen Gegnern führt, auch in den letzten Tagen nicht genommen, doch verstärkt sich der Eindruck einer wachsenden militärischen Widerstandsfähigkeit. Die schon fast verzweifelte Lage der von allen Seiten eingekreisten Räteccgierung scheint— wenigstens stellenweise— eine gewisse revolutionäre Energie ausgelöst zu haben. Ob diese freilich angesichts der allgemeinen Unordnung ausreichen wird, um positive Erfolge zu erzielen, muß abgewartet werden. Dar Sowjetregierung kommt es zugute, daß ihre Gegner teilweise, wie die Tschechoslowaken, weißen Garden usw. wohl auch nur auf einer sehr niedrigen Stufe der militärischen Disziplin und Leistungsfähigkeit stehen, während der andere Teil ihrer Gegner, die geschulten Ententetruppen, durch schlechte Verbin- düngen und große Entfernungen behindert und wenig zahlreich ist. Die Petersburger Telegraphen-Agentur veröffentlicht folgenden offiziellen Kriegsbericht vom l7. August 1918: Nordost front: Unsere Abteilungen besetzten im Vor- marsch längs dem Flusse Onega das Dorf Purgassowo. S ü d s r o n t: In der Richtung nach Kamyschinsk wiesen wir ' den Angriff des Gegners auf das Dorf Orechowo ab. Ostfront: Richtung Alopajewsk: Zusammenstöße von Er- kundungsabteilungen. Die 34--3S Werst von Alapajewsk ent- fernte gesprengte Eisenbahnstrecke wurde von uns wieder her- gestellt. In der Richtung nach Lyswensk besetzten wir die Dörfer Michlewo, Krutoj Log und die Statiön Kormowischtsche. Der Gegner zieht sich nach Kumhsch zurück. Durch Beschädigung des Eisenbahngleises wird die Verfolgung ausgehalten. In der Rich- tung auf Krasnousinsk gingen wir nach hartnäckigem Kampfe bis nach Klanowskoie zurück. Bei. deni Dorfe Kirigischanskaja wird gekämpft. Im Rahon von K a s a n finden heftige Kämpfe start, jedoch ohne sichtbare Ergebnisse. In der Richtung auf S i m- b i r s k entwickelt sich ein Angrifi des Gegners auf Lpolicha, Wo- losnikoska und Sophinowhcp. Wir entwickelten heftiges' Artil- leriefeuer auf Whry und das Eisenbahngleis zwischen Wpry und OchotnitsÄja und drangen bis zur Station Wyrh vor. Auf der übrigen Front ohne Veränderung. Neuere Berichte wissen namentlich von Erfolgen an der M u r- nzanfront zu melden. So besagt eine Nachricht der P. T. A. vom 29. August: Anglo-Franzosen, die sich mit den Tchechoflowaken vereinigen wollten, erlitten in der Richtung auf Onega' eine schwere Niederlage. Unsere Truppen schreiten vorwärts und be- setzten die Station Tschekuj�wo, 89 Werst vor Archangelsk, zwischen Onega und Obosersk. Außerdem fiel ein Dampfschiff des Gez- ners in unsere Hände 59 Werst östlich von Obosersk ist der Feind vor dem Dorfe Selezkaja zurückgeschlagen. Die Versuche unseres FeindeS, im Kasan-Rayon vorwärtszukommen, scheitern an der Standhaftigkeit unserer Truppen, die die Dörfer Jljinskaja und Sochonewo besetzten und zwei Geschütze und drei Maschinen- gewehre erbeuteten. Der Volkskommissar Kredow bezeichnete auf seiner Durch- reise nach Moskau die Lage bei Archangelsk als vollkommen sicher für die Sowjettruppen. Der Versuch des Gegners, von Onega vor- Mckend die Eisenbahnlinie abzuschneiden, habe mit einem vollstän- digen Mißerfolg geendetk Von der tschechoslowakischen Front meldet. P.T.A., daß die Arbeiter der Werke des südlichen Urals sich wie ein Mann gegen die Tschcchostowaken erhoben und erhebliche Erfolge errungen hätten. Ihr Angriff entwickelte sich weiter mit großem Erfolg, da hie Bevölkerung ihnen beistehe. Es sei ihnen gelungen, die Tschecho- slowaken von der Bjelaja zirrückzudrängon. Damit sei die Haupt- Verkehrsader für die Verschiffung des Ufagetreides nach dem Zen- trum Rußlands wieder eröffnet.— Auch von andern Stellen meldet P. T. A. ein Zurückweichen der Tschechoslowaken. Bei diesen sind die Generäle Schtscherbaffchew, der frühere Oberbefehlshaber an der rumänischen Front, und General Tscheremissow, der früher« Ober- befehlshaber der Nordfront, eingetroffen und haben ihre Dienst« angeboten. Nach Meldungen aus Stockholm ist im Gouvernement Twer sine Gegenrevolution gegen die Svwjeinegierung ausgebrochen, ebenso in W j a t k a. ftußeroröentlicher spamscher Ninisterrat. San Sebastian, 29. August. lHavas.) Heute morgen fand unter dem Vorsitz Mauras eine Sitzung des Ministerrates statt, die nicht angekündigt war. Außer dem Finanzminister Besada waren samt- liche Minister anwesend. Errichtung eines internationalen vermittelungsinstituts. Haag, 29. August. sKorrespondenz-Bureau.) ES wurde ein Gesetzentwurf zur Erhöhung des Etats der Auswärtigen Angelegen- heiten für 1918 um 25 999 Gulden eingebracht. Aus dieser Summe sollen Beiträge zu den Kosten für die Errichtung eines internationalen Vermittelungsinstituts im Haag und ein jährlicher Zuschuß an diese Stiftung geleistet werden. Es ist sehr erfreulich, daß während des Weltkrieges auch einmal Geld für den Zweck der internationalen Verständigung aufgewendet wird. Der Skeptiker könnte hinzufügen: beinahe so viel, als eine einzige Sekunde des Weltkrieges kostet... der neue öurgstieöen unö das alte Preußen. In der alldeutschen und der konservativen Presse ist in den letzten Tagen viel von einem neuen Burgfrieden die Rede, der angesichts des Ernstes der Lage abgeschlossen werden soll. Wir haben neulich zu einem derartigen Nor- schlage bemerkt, er scheine darauf hinauszulaufen, daß nach alldeutsch-konservativen Rezepten regiert werden soll und daß die andern dazu den Mund zu halten hätten. S o, fügten wir hinzu, gehe das aber nicht! Die„Krcuz-Zeitung" liest aus dieser Bemerkung das Bekenntnis heraus, daß die Linke einen Burgfrieden„eben nicht will". Wir hingegen schließen aus der Haltung des konservativen Blattes, daß unsere Vermutung vollkommen richtig war, und daß die Rechte den von ihr vorgeschlagenen Burgfrieden an Bedingung c-n knüpft, die für die Linke und ganz besonders für die Arbeiterschaft ganz unannehmbar sind. Die„Kreuz-Zeitung" schreibt nämlich: Tatsächlich ist er(der Burgfrieden) ja auch von Allfang an zu ihren(der Linken) Gunsten gebrochen worden, iiideni die Regierung über das hinaus, was zum Leben des Staates und der Kriegführung unbedingt nötig war, Verändeningen im Slaatsleben nach den Wünschen der Linken in Verschlag brachic. Der Kampf um die preußische Wahlrechtsreform z. B. muß nun durchgefochten werden, nachdem dieser EriSapfel einmal ins Volk hineingeschleudert worden ist. Das einzige, lvas geschehen kann und freilich auch geschehen müßte, wäre eine größere Zurückhaltung in der Polemik und eine größere Mäßigung in der Form, in der sie geführt wird. Aber Bemerkungen, wie die obige des„Vorwärts", wie schwer auch das durchzuführen sein wird. Denn nur bei einer gewissen Gegenseitigkeit läßt sich ein einigermaßen burgfriedlicher Ton ans die Dauer aufrechterhalten. Das ist ganz die von uns gekennzeichnete Art des Burg- sriedens, die einzig zum Vorteil der glücklichen Besitzenden gedacht ist. Die Sozialdemokratie hat das gleiche Wahl- recht in Preußen verlangt, nicht weil sie mit seiner Einführung aus innerpolitischeu Gründen nicht mehr warten könnte, sondern weil sie die Wahlrcform als etwas betrachtet. „was zum Leben des Staates und der Kriegführung unbedingt nötig ist." Den Gegnern war es unbenommen, trotz Burgfrieden gegen diese Meinung zu polemisieren, so lange sie nur die Meinung einer Partei war. Aber sehr rasch verbreitete sie sich mit unwiderstehlicher Kraft in weite Kreise, die sonst über- trieben radikaler Gesinnung durchaus nicht verdächtig sind, und schließlich bekannte sich auch die Krone und die Re- gierung zu ihr. Der gegenwärtige Vizepräsident des preußischen Staatsniinisteriums Dr. �riedberg ist ein alter eingeschworener Feind des gleichen Wahlrechts, er hat sich aber zu ihm bekannt aus nationalen Gründen, aus der Er- kenntnis heraus, daß das gleiche Wahlrecht gerade„zum Leben des Staates und der Kriegführung unbedingt nötig ist". Die Konservativen haben sich durch keinerlei burgfried- liche Rücksichten davon abhalten lassen, gegen die Minister. die für das gleiche Wahlrecht eintraten, einen wütenden Kampf zu eröffnen. Und auch jetzt schreibt das konservative Hauptorgan:„Der Kampf' um dis- preußische Wahlreform muß durchgefochten werden." Das heißt im Munde der „Kreuz-Ztg." doch nichts anderes, als daß die Konservativen fortfahren werden, das von der Krone als deutsche Lebens- Notwendigkeit erkannte gleiche Wahlrecht mit allen Mitteln zu bekämpfen, daß sie nicht ablassen werden von dem Ver- such, das Volk um die Erfüllung eines königlichen Ver- sprecheus zu prellen und die Wahlreform zu einer Schand- und Spottgeburt zu verstümmeln. Dazu aber sollen Krone, Regierung und Volk schweigen— im Interesse des Burg- sriedens! Wir können nur nachdrücklich wiederholen:„So geht das nicht!" Des Ernstes der Zeit sind wir uns wohl bc- wüßt und haben ihn hier stets gepredigt, während an anderen Stellen noch die heitersten Annexionsziele vertreten wurden. Für eine Zusammenfassung aller Kräfte zum Zwecke der Ver- teidigung treten wir nach wie vor ein und halten sie sür notwendiger denn je. Diese Zusammenfassung aller Kräfte ist aber nur möglich, wenn die bisher Bevorrechteten einen Beweis ihrer patriotischen Opferwilligkeit erbringen, sie ist nur möglich im Zeichen der Freiheit. Im Zeichen der Freiheit ist ja auch schon vor mehr als hundert Jahren der Krieg gegen Napoleon zu einem guten Ende geführt worden. Nicht für das alte Preußen, sondern für das neue Deutschland, das werden sollte, setzten sich die hervorragendsten Geister des Landes an die Spitze der Bewegung, nicht für Junkerprivilegien, sondern für. Volksrechte opferte und blutete das Volk. Und jetzt, nach mehr als einem Jahrhundert, in dem der demokratische Gedanke seinen Siegeszug durch die ganze Welt angetreten hat, jetzt sollte es anders sein? Wie wollen denn die im Besitz Verharrenden den allgemeinen Aufschwung der Geister bewirken, der zur glücklichen Beendigung dieses un- geheuren Krieges notwendig ist. wenn nicht durch eine große Idee? Wo ist der wirksame Ersatz, den sie für die weit- bewegende Macht demokratischer Freiheitsideale zu bieten haben? Es bleibt ihnen unbenommen, eine Stimmung, die ihren altkonservativen Idealen gegenüber unbeweglich bleibt, zu bejammern und zu verdammen, aber sie ist nun einmal da.' und es ist eine Tatsache, daß das Volk mit„Kreuz- Zeitungs"-Artikeln und Herrcnhausreden nicht dazu ange- spannt werden kann, sein Aeußerstes herzugeben, daß diese Reden und Artikel vielmehr das Gegenteil der beabsichtigten Wirkung erzielen, daß�sic die Volksstimmung nicht heben, sondern auf sie nur drücken. ES handelt sich aber heute weder um theoretische Spitz- findigkeiten, noch um die Interessen von Minderheiten, es geht ums Ganze! llnd wer große Ziele anstrebt, der muß auch die großen Mittel wollen, die notwendig sind, sie zu erreichen. Das hat die deutsche Regierung in lichten Augenblicken begriffen, aber jedesmal, wenn sie sich zu dieser Erkenntnis bekannte, prasselte ein Hagel von Verwünschungen auf sie nieder. In jedem Versuch, den Volksgeist stärker zu beschwingen, ihn aus große ideale Ziele hinzulenken, zu denen diescr furchtbare Krieg nur ein Durchgangsstadium ist, sehen die Konservativen nichts als eiy gelungenes taktisches Maröver der Sozialdemokratie und einen tückischen Angriff auf ihre altgeheiligte Besitzsphäre. Darum sind die lebhaftesten inneren Kämpfe für die Zu- kunft des Reiches immer noch unendlich viel besser als die Art von„Burgfrieden", die den Konservativen vorschwebt. Dieser Burgfrieden ist der Frieden des Kirchhofs, der Exerzier- platz eines wünsch--und ideenlosen stumpfen Gehorsam, mit einem Wort, er bedeutet den g e f ä h r l i ch st e n Zustand, in den ein Volk, das um seine Existenz kämpft, verfallen kann. Am 2. September tritt der Verfaffungsausschuß des Herrenhauses in die Beratung der Wahlreform ein. Wir hoffen, daß der Versuch, das Volk bei dieser geplanten Ope- ration in eine Narkose des Burgfriedens zu versenken, ver- geblich bleiben wird. Je stärker sich bei dieser Gelegenheit seine Lebenskräfte regen, desto weniger wird man an seiner Zukunft, auch nach außen hin, zu verzweifeln brauchen!_ Nachklang üer Neüe Solfs. I Alldeutsche Kritik. v Die Rede des Staatssekretärs Dr. Solf findet in der Presse eine recht günstige Aufnahme; auch die alldeutsche Presse zeigt sich, wenn auch keineswegs vergnügt, so doch be- merkenswert zurückhaltend. Eine Ausnahme macht Graf Reve ntl ow, der sich in. der„Deutschen Tagesztg." kein Blatt vor den Mund nimmt, sondern folgendermaßen los- legt: Der Staatssekretär hat sich wiederholt gegen die Knock-o»t- Kriegführung, Knock-out-Politik unb Knock-out-Gesrnnung gerichtet und daran einen Angriff gegen diejenigen in Deutschland geknüpft, „die das ewig Gestrige anbeten und mit Angst und Unverstand den herannahenden Morgen einer neuen Zeit erwarten". DaS soll wohl der- Beginn des„Kampfes gegen die Alldeutschen" sein, welchen Professor Delbrück, Dr. Rohrbach u.a.m. als neue Lebens- bedingung de? Deutschen RekcheS fordern... Die Rede des Herrn Dr. Solfs trieft sozusagen von Moral und so ist es um so bemerkenswerter, daß er diesen Artikel nicht auf die eigenen Volksgenossen im Sinne einer selbstverständlichen Pflicht anwendet, sie vielmehr offiziell zu diskreditieren versucht. Die meisten Menschen und nicht zum wenigsten solche,' die sich in hohen amtlichen Slellüngen befinden, glauben, daß sie den„Morgen einer neuen Zeit" sähen und heraufführen helfen. Wir fußen in bezug auf den Krieg auf der Erfahrung, die freilich immer etwas ewig Gestriges ist. Wenn Herr Dr. Solf politisch lieber mit Hoffnungen arbeitel und in diesem Sinne„von großen Gedanken des Völkerbundes" spricht, so ist daS seine Sache, muß aber politisch bedenklich stimmen; er winkt anscheinend über den Ozean hinüber. Das gleiche gilt von seiner Schlußfolgerung, man solle nicht gefühlsmäßig reagieren, indem man sich auf den Boden des Vernichtungswillens stelle und die Völkerversöhnung ausschalte. Auch damit wendet er sich an die Deutschen, obgleich selbst im extremsten Flügel der All- deutschen nie eine derartige Gesinnung vertreten worden ist. Es macht daher den Eindruck, als ob die Regierung mit dieser Rede in erster Linie der Verzichtmehrheit gegenüber Diligentiam prästieren (Eifer bezeigen) wolle. Die„Kreuzzeitung" kritisiert in diesem Zusammenhang unsere Kritik am Brester Frieden und meint, der„Vorwärts" habe„gegen sein Vaterland und für unsere Feinde Partei ergriffen." Das macht sich um so besser, als dieses Blatt gestern noch erklärte, die Presse solle sich bemühen, durch die Art ihrer Polemik den„Burgfrieden" zu wahren. Oer Großkampftag öes 20. August. An der Westfront'war der 20. Nugust ein Tag gewaltiger Kämpfe. Die kurze Zeitfolge, in der General Fach einen Groß- kämpf dem anderen folgen läßt, scheint immer mehr darauf hinzu- deuten, daß der Ententegeneralissimus, ungeachtet aller Opfer, die Waffenentscheidung, koste es was eS wolle, herbeizuführen fuchl. Nachdem die fett Tagen sich unerusgesetzt wiederholenden An- griffe des Feindes beiderseits der Avre unter schweren Verlusten vor der deutschen Bectcidigungsfront zurückgeprallt waren, schritt der französische Führer zu dem von uns erwarteten neuen Angriff zwischen Oife und Aisne. Hier hatten die starken französischen An- griffe des 18. und lv. August günstige Vorbedingungen für den neuen großangelegten Angriff schaffen sollen. Um 7 Uhr morgens begann der wiederum von allen Kampf- mittel« unterstützte Angriff, der diesmal mit weitgest eckten strategischen Zielen an der Bruchstelle der deutschen Front durch energischen Flanken stoß den Durchbruch erzwingen sollte. Tech auch diesmal blieb trotz sorgsamster Vorbereitung der feindlichen Führer der Erfolg versagt. Bereits um die Mittags- stunden hatte die elastische deutsche Verteidigung den wuchtigen feindlichen Ansturm vor ihren Artilleriestellungen zum Scheitern gebracht. Trotz der Größe der hierbei erlitte- nen Opfer setzte die feindliche Führung auch jetzt noch in immer wiederholten Angriffen bis in die Nacht hinein ihre Durchbruchs- versuche fort, ohne jedoch weiter Boden gewinnen zu können. Die .Verluste des Feiendes entsprechen der Stärke des Einsatzes Und der Dauer der fortgesetzten vergeblichen Angriffe. Hier ist die Last pes Kampfes lediglich der französischen Infanterie aufgebürdet, von der die rücksichtslos vorgetriebenen schwarzen Franzofen in GegenS Carfeponk, Nampcel besonders schwer bfirken mutzten. Englischer Heeresbericht vom 20. August abends. Oertliche Kämpfe an beiden Ufern der Scarpe. Wir wiesen südlich des Flusses Angriffe gegen die Posten ab, welche wir östlich der früheren Linie des Feindes einrichteten. Wir rückten ein kleines Stück östlich von Fampoux vor. Wir gewannen auch beiderseits der Lhs weiter Boden, auch nahmen wir Lepmette und stehen östlich von Merville. Wir besetzten auch Vierhouck und La Couronne nördlich von Merville. Ein Geistesarmer von Gottes Gnaüen. Bruchstücke aus dem Tagebuch Nikolaus'. In den„Jswestija" vom?. August waren zunächst die Aufzeichnungen über die letzten Tage des Zaren vor seinem Sturz veröffentlicht. Sorgfältig hatte der Zar aufgeschrieben, wann er spazieren gegangen war und wann er Domino ge- spielt hatte. An der telephonisch übermittelten Darstellung der Lage durch Rodzianko und der damit verknüpften Aufforde- rung zum Thronverzicht bemängelte er zuerst, daß das Schrift- stück so schröcklich lang sei. Derartige Aufzeichnungen, nieder- geschrieben im Hauptquartier in den Tagen, wo die hochlodern- den Flammen der Revolution emporschlugen, wo es sich um Sein oder Nichtsein für Nikolaus selbst, die Dynastie, den Zaris- mus handelte, beweisen die ganze klägliche Bedeutungslosigkeit des Mannes, in dessen verhängnisvoller Hand das Geschick eines Millionenvolkes und damit der ganzen europäischen Kultur lag. Auch die Fortsetzung der Auszüge bestärkt das Bild der Vertrottelung Nikolaus' II., bei dem als einzig menschlich versöhnender Zug sein Familiensinn hervortritt. Selbst sein Sturz vermag ihn nicht zu irgendwelcher Größe zu erheben. Der Haupttvert der Tagebücher liegt auf— meteorologischem Gebiet, denn es ist 30 Jahre hindurch fast Tag für Tag das Wetter in ihnen aufgezeichnet. Auch diese Pedanterie erscheint als Zeichen äußerster Geistesarmut. Nachstehend einige Proben aus der Zeit nach dem Sturz des einst so Mächtigen. Die erste Notiz ist am Tage nach seiner Abdan- kung vom Exzaren zu Papier gebracht. Die Eintragung dieses Tages schloß bekanntlich mit den Worten:„Rings- herum Verrat, Feigheit und Betrug". 3. März. Freitag. Ich schlief lange und fest. Ich erwachte weit hinter Dwinsk. Der Tag war sonnenklar und frostig. Ich unterhielt mich m-it den Meintgen über den gestrigen Tag. Ich las viel über Julius Cäsar. Um 8 Uhr 20 Minuten kam ich in Mohilew an. Alle Chargen des Stabes hatten sich auf dem Bahnhof versammelt. Alexejew empfing ich im Waggon. Um O'A Uhr begab ich mich nach Hause. Alexejew brachte die besten Nachrichten von Rodzianko mit. Es stellt sich heraus, daß Mifcha entsagte. Sein Manifest schließt mit der Zusage, in sechs Mo- naten eine außerordentliche Wahl stattfinden zu lassen. Gotl weiß, was ihn bewegte, solches ekelhafte Zeug zu unterschreiben. Die Unruhen in Petersburg haben aufgehört, wenn es nur so bleiben möchte. 4. März. Sonnabend. Ich schlief gut. Um 10 Uht kam der gute Alex. Dann hörte ich Vortrag. Um 12 Uhr fuhr ich zur Bahn, um meine teure Mutter, die aus Kiew kam, abzuholen. Ich brachte sie zu mir und frühstückte mit ihr und den Unsrigen. Wir unterhielten uns lange. Heute bekam ich endlich zwei Telegramm« von der teuren Alix. Ich macht« einen Spaziergang. Das Wetter war widerwärtig— Frost und Schnee. Nach dem Tee empfing ich Alexejew und Frederiks.— Um 8 Uhr fuhr ich zu der .Mutter zu Tiffft und blieb mit ihr bis 11 Uhr zusammen. 8. März. Mittwoch. Der letzte Tag in Mohilew. Um lOVt Uhr unterzeichnete ich den Armeebefehl, in dem ich mich von der Armee verabschiede. Um 10 Uhr ging ich in das Dienstgebäude, um mich von allen Stabsoffizieren und Ver- waltungsbeamten zu verabschieden. Zu Hause nahm ich dann noch von der Kosakeneskorte und ihren Offizieren Abschied. Das Herz brach mir beinahe. Um 12 Uhr fuhr ich zu der Mutter, frühstückte mit ihr und ihrem Gefolge und blieb dort bis 434 Uhr. Ich nahm von ihr, Sandor, Serjiej, Boris und Alex Abschied. Den armen Nilow ließ man nicht mit mir gehen. Um 4 Uhr 4ö Minuten fuhr ich von Mohilcw ab, von einer Volksmenge, die sehr gerührt er- schien, begleitet. Vier Ausschußmitglieder geleiteten mich in meinen Zug. Ich fuhr nach Orscha und WitebSk. Das Wetter ist frostig und windig. Es ist sehr traurig und schmerzhaft. 9. März. Donnerstag. Ich kam um 3411 Uhr glücklich in Z a r s k o j e S e l o an. Aber, o Gott,'was für ein Unter- schied: Auf der Straß«, um das Schloß, im Innern des Parks Wachtposten und bei de-r Einfahrt ein unfreundlicher Fähnrich als Wache. Ich ging hinauf und fand dort die liebe Alix und die teuren Kinder. Sie sah frisch und gesund aus, die Kinder aber lagen alle infolge einer Erkrankung an Masern im dunklen Zimmer. Sie fiihlen sich alle sehr wohl, außer Marie, die erst vor kurzem an Masern erkrankt war. Wir frühstückten und aßen zu Mittag im Spielzimmer bei Alexiej. Ich sah den guten Benkendorf. Ich ging spazieren mit Wale Dolgoruki unkk arbeitete ein wenig mit ihm im Gärtchen, Henn weiter'weg gehen darf man nicht. Nach dem Tee packte ich mein« Sachen aus. Abends suchten wir die Bewohner unseres Schloßflügels auf und fanden alle beisammen. 27. März. Montag.� lKerenski sucht die Freiheiten des ver- hafteten Zaren einzuschränken und beruft sich zu seiner Verteidi- gung dabei auf die Beschlüsse der Sowjets der Arbeiter- und Sol- datendeputicrten.) Wir begannen die Fasten, was uns aber dies- mal keine Freude macht. Nach dem Gottesdienst kam Kerenski .und bat, unsere Zusammenkünfte etwas einzuschränken; auch sollten wir nicht mit den Kindern zusammensei». Kerenski stellte diese Forderung angeblich, um den Sowjet der Arbeiter- und Soldaten deputierten zu beruhigen. Ilm Gewalt- tätigkeiten zu entgehen, mußte man sich der Anordnung fügen. Ich ging mit Tatjana spazieren.' 30. März. Donnerstag. Es wehte ein scharfer Wind, der wäh- rend des Tages die Wolken vertrieb. Um 10 Uhr gingen wir zur Messe, wobei viele das Abendmahl nahmen. Spazierte kurze Zeit mit Tatjana. Heute fand die Beisetzung der„Opfer der Revolution" statt bei uns im Park gegenüber der Mitte des AlexanderpalasteS, in der Nähe des Chinesischen Palastes. Klänge eines Trauermarsches und der Marseillaise waren zu vernehmen. Um 514 Uhr war alles zu Ende. Um 6 Uhr gingen wir zum Gottesdienst.... 7. April. Freitag. Das Wetter ist schöner und wärmer. Ich ging am Morgen lange spazieren, da es schön war. Am Tage war ich mit Tatjana und Alexei bei der Arbeit. Die Gesichter der Soldaten und ihre saloppe Haltung machten auf alle einen abscheulichen Eindruck. 8. April. Sonnabend. Verlebten still den 23. Jahrestag un- serer Verlobung. Es war ein warmer Frühlingstag. Am Morgen spazierte ich lange mit Alexei. W,r erfuhren, weshalb die gestrige Wache so ekelhaft war: es waren durc�vegs. Soldatendeputierte. Dafür wurden sie von einer guten Wache vom Reservebataillon des 4. Schützenrcgiments abgelöst.... 18. April. Dienstag. Im Auslande ist heute der 1. Mai. Unsere Esel haben daher beschlossen, diesen Tag durch Umzüge durch die Straßen mit Musik und roten Fahnen festlich zu begehen. Augenscheinlich sind sie in unseren Park gekommen und haben Kränze an den Gräbern niedergelegt. Das Wetter wurde gerade schlecht als die Feier begann. Es fiel dichter, nasser Schnee. Um 3% Uhr ging ick spazieren, als alles zu Ende war und die Sonne hervorblickte. 114 Stunden habe ich mit Tatjana gearbeitet. Am Abend fing ich an, den Kindern„A m i l- lionaire girl" laut vorzulesen. 1. Mai. Montag. Ein herrlicher warmer Tag. Am Morgen bin ich schön spazieren aegangen. Von 12 Uhr ab war Geographie- stunde mit Alexei. Am Tage arbeitete ich wieder in unserem Ge- müsegarten. Bis Mitag und am Abend las ich laut vor. Am Abend erfuhr ich, daß Kornilow von dem Posten de? Oberkommandieren- den des Petersburger Militärbezirks zurückgetreten ist und heute, von dem Rücktritt Gutschkows. Immer aus dem gleichen Grunde einer unverantwortlichen Einmischung in die Verfügung der Mi- litärgewalt durch den Arbeiterdeputiertenrat und noch- irgendwelche viel weiter links stehende Organisationen....' 3. Juni. Sonnabend. Nach dem Mocgentee erschien plötzlich Kerenski per Auto aus der Stadt. Er blieb nicht lange bei mir. Er bat, der Untersuchungskommission irgendwelche Papiere oder Do- kumente, die aus die Innenpolitik Bezug haben, zu übersenden.... Nach dem Spaziergang bis zum Frühstück hals ich Korowi- tschenk diese Papiere durchsehen. Am Tage setzte er das zusammen mit Kobilinski fort. Ich beschnitt die Stämme der Bäume am ersten Platz, Wäh- renddessen passierte das Malheur mit Alex' Gewehr; er spielte damit auf der Insel; die Schützen, welche im Garten spo- zieren gingen, sahen es und baten einen Offizier, es wegzunehmen; sie brachten es ins Wachzimmer. Nachher stellte es sich heraus, daß es aus irgend einem Grund ins Rathaus geschickt wurde. Schöne Offiziere, die nicht den Mut haben, den Gemeinen etwas abzuschlagen. Wir waren bei» NachigotteAdienst. Der Abend wie gewöhnlich. 9. Juli. Freitag. Gerade drei Monate sind es her, seit ich aus Mohilew hier, bin und wir wie Gefangene sitzen. Es fällt schwer, ohne Nachrichten von der lieben Mama zu sein, alles übrige ist mir gleichgültig.... Und im Namen dieses harmlosen Narren ist gerichtet und gehängt, Politik gemacht und Krieg erklärt worden! Die sofortige 5rieüensmöglichkeit. Stimme eines französischen Sozialisten. Genf, 18. August. Die„Humanste", welche die Sozialisten aufgefordert hat, im Hinblick auf den nahe bevorstehenden Ratio- nalkongretz der Partei ihre Meinungen zu äußern, eröffnet unter dem Titel„Tribüne du congres" eine eigene Rubrik, in der. R e n e N i c o d, der sich als ein weder zur Majorität noch zur Minorität gehöriger Sozialist bezeichnet, in einem längeren Artikel ausführt: Ich glaube fest, daß der Friede schon jetzt auf folgenden Grundlagen verwirklicht werden könnte: Befreiung sämtlicher besetz- ter Gebiete, Rückgabe seiner Kolonien vom Jahre 1914 an Deutsch- land, Freiheit des Meeres durch Neutralisicrung oder Jnternatio- nalisterung der Meerengen, das heißt Sicherung des freien Zu- ganges zu den Handelsstraßen des Koninents und der freien B e n ü tz u n,g der Seehandelsstraßen für jedes Volk. Ich höre schon die Rufe von Genossen: Und Elsatz-Lothringen und, das unerlöste Italien? Die einmütige Ansicht über diese beiden Fragen ist bekannt, die auf der allgemeinen Friedenskonfe- renz der Lösung zugeführt werden müssen, aber weder die eine. noch die andere ist eS wert, daß ihrethalben der Krieg auch nur eine Minute länger dauern sollte. Dies ist nicht allein meine persönliche Meinung, sondern ich kann auch mit voller Aufrichtigkeit behaupten, daß dies die Mci- nung aller Soldaten ist. Jede gegenteilige Behauptung ruft in den Schützengräben— ich behaupte dies nochmals— heftige Proteste hervor. Unse»� unabweisbare Pflicht ist eS, die Thesen der feindlichen Parteien miteinander in Einklang zu bringen. Wenn die Regierungen uns die Pässe verweigern, werden die Ar- beiterklasse und die Sozialistenpartei die äußersten Möglichkeiten ins Auge fassen und der Bourgeoisie ihre' V e r a n t w o r t u n g für die revolutionäre Lage vor Augen halten müssen, die ihre Halsstarrigkeit unweigerlich geschaffen haben wird. Nicods Vorschläge sind in der Tat die. die den Frieden in kürzester Zeit herbeiführen könnten. Wir wissen wohl, daß es hüben wie drüben Stimmen geben wird, die einen solchen Frieden für einen„Schmachfrieden" erklären— merkwürdig. daß ein Frieden für beide kriegführenden Teile gleichzeitig schmachvoll sein kann!—, aber für Deutschland können wir wohl garantieren, daß jede Regierung im Sturm hin- weggefegt werden würde, die sich weigerte, auf Grund der- artiger Vorschläge in Unterhandlungen zu treten. Ricods Vorschläge zeigen, daß an der Front die Vernunft weit größer ist als in der Heimat— nicht nur in Frankreich. Kriegsverlängerung üurch üie kleinen Nationen. Zu der Anerkennung der Tschecho-Slowaken als kriegführende Macht durch die englische Regierung schreibt der liberale„Daily C h r o n i c l e", die Anerkennung habe sowohl militärisch« als poli- tische Bedeutung. Militärisch erhielten die zerstreuten tschecho- slowakischen Streitkräfte in' Sibirien, Rußland, Italien und Frank- reich in dem tschecho-slowakischen Nationalrat eine anerkannte Zen- tralbehörde. Politisch bedeute der Schritt eine wichtige Fest- legung in der Richtung der Aufte ilung Oesterveich-Un- garns sowie«ine amtliche Anerkennung der tschecho- slowakischen Kriegsziele und der natio- nalen Sei bst bestimmun g. Bekanntlich sei von Groß- britannien, Frankreich und Italien in Versailles auch bereits die künftige Unabhängigkeit Polens anerkannt worden, bezüglich derer auch Wilson stets seine vollste Sympathie bekundet habe. Die polnische Frage, sagt die Zeitung, ist, wie die tschecho-slowakische Frage der Prüfstein für den Charakter des nachkriegerischen Euro- pas, und erstere berührt Deutschland noch direkter als letztere, da einige der hauptsächlichsten Teile Polens unter preußischer Herr- schaft stehen. Was not tut, um in den polnischen und tschecho-slo- wakischen Fragen die festgelegte Politik vollständig zu machen, ist die parallele amtliche Anerkennung der Jugoslawen. Die ge- nannten drei Nationalitäten, deren Unterdrückung durch die Deut- schen und deren magyarische Gefolgsleute die Basis der unverhäu- »ismäßigen Macht Deutschlands in Europa ist, sind nicht durch- weg(!) besonders rückständige Völker. Ein Europa, in dem diese Nationen frei auf den eigenen Füßen gestellt werden, entspricht den Bedingungen der nationalen Freiheit und de? nationalen Gleich- gewicht?. Die kleinen Völker haben in Europa gewiß unter schwersten Unbilligkeiten zu leiden gehabt und unter einem Druck geseufzt, der -nanchen Ausbruch leidenschaftlicher Verzweiflung erklären mag. Aber darum haben sie weder das Recht, ein Hindernis der Ver- ständigung zwischen den großen Völkern zu sein"noch ist es von den Großmächten klug und ihrer würdig, sich von den kleinen Völkern in das Verderben hetzen zu lassen. Es unterliegt wohl keinem Zweifel, daß einzelne kleine Rationen von einem europäischen .Krieg eine Besserung ihrer Lage erwartet haben, die meisten dieser Spekulationen haben sich an ihren Trägern grausam gerächt. Dre KriegSftirie hat gerade die kleinen Nationen fürchterlich heimge- sucht. Die mörderischen Schlachten sind zum großen Teil mif ihrem Boden geschlagen worden, der zum Tummelplatze aller Geister der Vernichtung und Zerstörung wurde. 41nd genau so sündigen die Tschechen, Polen und Südslawen, die die törichten Hoffnungen der Entente auf ein« nationalistische Revolution in Mitteleuropa näh- Nr. 2ZH ♦ 35. Jahrgang Seilage des vorwärts Vonnerstag, 22. August 1�1 8 GroßSerlln �Deutfthlanüs Kraft". Diesen verheißungsvollen Aufdruck trägt eine uns aus dem Feld übersandte Zigarettenschachtel. Nicht mit Unrecht. Denn entnimmt man der recht einladenden Hülle — sie ist mit dem Bild einer flandrischen Küstenwache ge ziert— einen Glimmstengel und setzt ihn in Brand, so fühlt man augenblicklich, daß„Deutschlands Kraft" ungeheuer sein muß, um dieses Zeug vertragen zu können. Nach Eni �fernung des Zigarcttenpapiers ergibt der Augenschein ein 'schwarz-graues Gemengsel verschiedenartiger Substanzen, die offenbar Fabrikgeheimnis sind. Der Geruch ist ähnlich dem einer muffigen Kellerwohnung, in der sich eine Schuster Werkstatt befindet. Nach mehrfachem Einatmen der sich entwickelnden DämWe stellen sich die ersten Symptome der Seekrankheit ein. Soweit unsere gewissenhafte Diagnose. Der Uebersender dieser feinen Marke teilt uns mit, daß er diese Zigarette in einer Marketenderei mit 7 Pf. das Stück bezahlen mußte Er wollte sie gar nicht haben, aber um 20 bessere Zigaretten zu erhalten, mußte er �0 Stück dieser deutschen Kraftprobe mitnehmen. Wer nämlich die schlechten Zigaretten nicht raucht, bekommt auch keine besseren. Wir zu Hause sind ja gewohnt, für teueres Geld jetzt die schlechteste Rauchware zu erhalten. Aber unsere Feldgrauen draußen sollten unbedingt davor geschützt sein, für die knappen Pfennige ihrer Löhnung Schundware einhandeln zu müssen. Zigaretten gibt es noch. Unsere Bundesgenossen haben— sowohl Bulgarien wie Bosnien— vorzügliche Tabakernten. Und das sollte wenigstens reichen, um denen draußen rauchbare Zigaretten zu liefern, die über manchen schweren Augenblick hinweghelfen. Eine seltsame Entdeckung in der Mordangelegenheit Messerschmidt. Ueber eine sensationelle Wendung in der Aufklärung des Raub mordes an der Schankwirtin Mefferschmidt' in der Linienstr. 63 wird einer Lokalkorrespondenz aus dem Polizeipräsidium mitgeteilt: Die Kriminalpolizei hatte nach der Entdeckung des Mordes an der Säiankwirtin Messerschmidt zwecks Aufklärung des Verbrechens eine gründliche Durchsuchung der Wohnung, insbesondere auch der im Schlairoum stehenden Kommode vorgenommen und dabei noch etwa 40V M. in dem verschloffenen obereb Schubsach der Kommode vor« gesunden. Als am Mittwoch, den 14. August, nochmals nach Brief ichasten nachgesucht wurde, machten die Beamten beim Ausziehen des erwähnten Schubkastens eine verblüffende Entdeckung Ei lag nänilich zunächst darin eine ganz freistehende Zigarren liste, imd in ihr befanden sich 500 Mark in Papiergeld. Beim Hochheben der Kiste lagen noch weitere 200 M. daruiner. Dann befand sich neben der Kiste eine kleine schwarze Wachs tuchleinewandmappe und in ihr das bisher fehlende Sparkassenbuch der Messerschmidt über 8700 M. Wenn noch ein Zweifel darüber, daß das Geld und das Sparkassenbuch bei den ersten Durchs iuchungen übersehen sein könnten, hätte bestehen sollen, so wurde dieser durch eine weitere seltjqme Tatsache behoben. Der Kriminal Polizei ging nämlich einige Stunden nach diesem seltsamen Fund eine Postkarte zu. auf der die Absenderin. eine angebliche Joiepha Pizarack, mitteilte, daß das Geld und das Sparkaffenbuch wieder dahin gebracht werden würden, woher sie genommen worden wären. Wer Ausklärung über dies« rätselhafte, in der Geschichte der Kapitalverbrechen bisher wohl kaum dagewesene Handlung«« weise geben kann, wolle sich an den Mordbereitsschattdienst Zimmer 136 wenden. Aus bestimmten, hier nicht mitteilbaren Gründen hat die Kriminalpolizei bisher von der Veröffentlichung dieser Tatsachen abgesehen. Weiter wird noch gemeldet: Die Wohnung der Ermordeten wurde auch nach der letzten Durchsuchung wieder verschlossen und versiegelt. Man legte das Polizeifiegel an der Flurtür an. und zwar nicht nur auf das zugedrehte Schloß, fondern auch noch an mehreren Stellen über dem Spalt zwischen Tür und Türrahmen. Die Schlüffel nahm man nach dem Polizeipräsidium mit. Um so größer war das Erstaunen der Beamten bei der rätselhaften Ent deckung. Bei einer genauen Untersuchung der Flurtür ergab sich, daß daS Siegel auf dem Schloß nicht mehr vor- banden war. Bei dem schlechten Klebestoff mußte man aber damit rechnen, daß es auch von selbst herabgefallen fem konnte. Die anderen aber hafteten noch an ihrer Stelle. Es zeigte sich jedoch, daß sie zur Hälfte gelöst waren. Die Hälste, die an der Tü» saß, war vermutlich mit einent Meffer sauber abgelöst worden, während die andere Hälfte auf dem Türrahmen kleben geblieben war! So hatte der Eindringling die Tür geöffnet, ohne diese Siegel zu verletzen. Und nachdem er sie dann wieder geschlossen hatte, war an der Tür nichts weiter aufgefallen. Die Ermittelnngen führten unterdessen dahin, daß man zwar niemanden gesehen, aber doch etwas gehört hatte. Die Leute, die über der Messerschmidtschen Schankwirtschaft wohnen, waren in der Nacht vom Dienstag zum Mittwoch, den 14. d. Mts. durch ein Geräusch auf die unter ihnen liegenden Räume aufnrerksam geworden. Es hatte sich angehört, als ob die Flurtür zugeschlagen worden wäre. Die Leute wußten aber, daß unten alles verschlossen und versiegelt war, und nahmen deshalb an. daß sie sich getäuscht hatten. WohnungSverband und Wohnungsbaubank Groft-Berlin. Der städtebaulich« Dezernent des Verbandes Groß-Berlin, Stadt« baurat a. D. F. B e u st e r. veröffentlicht in der gestrigen Nummer der.Bauwell" Vorschläge für die Organisation der Maßnahmen zur Bekämpfung der Wohnungsnot in Groß-Berlin. Er betont ein« leitend, daß die kommunale Zerrissenheit Groß«Berlins dringend die Schaffung einer einheitlichen Zentralstelle zur Lösung der Wohnungsfrage erheische und daß es weniger auf die Er bauung von Notwohnungen alS die Errichtung von Dauerbauten ankomme. AIS Zusammenfassung der Kommunalverbände schlägt Beuster den Wohnungsverband Groß Berlin und gewissermaßen alS GeschäftSabteilung dieser Behörde die Bildung einer WobnungSbaubank Groß-Bxrlin G. m. b. H. vor. Der Wohnungsverband stellt den verantwortlichen Träger aller gegen die Wohnungsnot zu ergreifenden Maßnahmen dar; die von Reich und Staat bereitzustellenden Geldmittel und Ländereien werden ,hm überwieien und nach seinen Beschlüssen unier Aufsicht des Ober« Präsidenten als SlaalskommissarS verwandt. Der V-rband legt zu den Reichs« und Staatsmitteln f-inerieiis einen Beitrag hinzu den er durch Umlage unter feinen Mitgliedern aufbringt- als Umlage« maßstab find je zur Hälfte Einwohnerzahl und Steuerkraft gedacht. Entsprechend dem Charakter der Notstandsmaßnahmen soll der Wob- nunqSverband vier Jahre nach Friedensschluß mit England aufgelöst werden. Unter der Voraussetzung, daß die bei der Notaktion ent- stehenden Verlustausgaben zu vier Fünftel von Reich und Staat getragen werden, mithin der Verband l/5 der VerlustauSgaben aufzubringen hätte, wird man die Belastung des Wohnungsverbandes auf etwa 30 Millionen Mark vorläufig annehmen können. Der verfassungsmäßige Aufbau deS Wohnungsverbande» ist «ach Beuster etwa in der Weise gedacht, daft sich der Verbands«. ausfchuß als das allein beschließende Organ des Verbandes aus 12 Abgeordneten der Stadt Berlin, je 2 Abgeordneten der 3 übrigen Groß-Berliner Stadt« und Landkreise und 2 vom Verbandsausschuß zu wählenden geschästsführenden Mitgliedern, also insgesamt aus 30 Mitgliedern zusammensetzt. Die Stimmenzahl ist kommunal- politisch nach Möglichkeik ausgeglichen. Den Vorsitz im Verbandsausschuß führt der Erste Bürgermeister von Berlin, den stellvertretenden der Erste Bürgermeister von Charlottenburg. Nachdem sich zuerst starke Gegensätze bei den Gründungsverhand- lungin über den WobnungSverband gezeigt halten, kann man, wie Baurat Beuster schreibt, neuerdingS die Hoffnung hegen, daß es möglich sein wird, den Verband etwa auf der vorstehenden Grund- läge zustande zu bringen. Ferner schlägt Beuster vor, gleichzeitig mit dem Wohnungs- verband als seine kaufmännische Geschäftsstelle die„Wohnungsbau- bank Groß-Berlin G.m.b.H." zu gründen. Im Gegensatz �znm Verband, der nach wenigen Jahren wieder verschwinden soll, ist sie als Einrichtung von längerer Dauer gedacht. Hierzu kommt, daß neben dem Verband eine Form gesunden werden muß, in der zur Vermeidung der schon gekennzeichneten Zersplitterung der Provinz Brandenburg sowie dem Staat für seine domänen- und forstfiskalischen Ländereien eine Mitwirkung geboten werden kann, in der ferner auch der Großindustrie, dem Bank- kapital uiw. Gelegenheit zur Beteiligung gegeben werden kann. Als Gesellschaft der Baubank, deren Kapital vorläufig 25 Millionen Mark beträgt, und das im Gegensatz zu den VerlustauSgaben des WohnungsverbandeS als rentierende Anlage gedacht ist, kommen in Frage: Reich und Staat, die 7 Groß-Berliner Stadt- gemeinden und die beiden Landkreis«, die großen Kreisgemeinden, die Provinz Brandenburg. Banken, Großindustrie, GeWerk- schaffen, Stiftungen usw. Für das Gebiet der Provinz Branden- bürg außerhalb Groß«Berlins soll eine besondere Provinzial- gesellschaft gegründet werden, die durch Personalunion mit der Wohnungsbaubank in Verbindung gebracht werden könnte.. In den einzelnen Gemeinden und Kreisen sollen lokale Siedlungsgesellschajten mit Hilfe und unter Beteiligung der Baubank gegründet werden, die unter voller Bewegungsfreiheit die örtlichen Träger der neuen Wohnungsunternehmungeu dar« stellen._ Aus der Heimstätte Buch kommt wieder einmal eine Beschwerde, die sich gegen den leitenden Arzt, SanitätSrat Dr. Reuter, richtet. Wer diese Heimstätte von srüher her kennt, wird wissen, daß Herr Dr. Reuter nur zu oft von sich reden gemacht hat. Immer wieder wurde geklagt, daß er gegenüber den Pfleglingen von einer ganz unnötigen Schroffheit war, die ihnen den Aufenthalt in der Heimstätte gründlich verleiden konnte. Lange Zeit war es dann ziemlich still von ihm geworden, aber jetzt scheint er zu seiner alten Liebe, dem soldatisch rauhen .Ton, zurückkehren zu wollen. Als eines Morgens den Pfleglingen statt der Milch die unter dem Namen„Morgentranl" bekannte Suppe gereicht wurde, die nur eine Beimischung von Milch enthielt, erklärten die meisten sie wegen ihres Geschmackes für ungenießbar. Eines Abends gab es in Milch gekochte Hafergrützsuppe, die durch muffigen Geruch auffiel und auch sonst den Verdacht weckte, daß die dazu verwendete Hafergrütze nicht mebr einwandfrei war. Von ollen Pfleglingen tollen nur fünf diese Suppe gegessen haben, sagte Dr. Reuter selber, als er am nächsten Tage beim Frühstück die Angelegenheit vor den im Speisesaal versammelten Pfleg- fingen erörterte. Nach seiner Art warf der Herr Sanitätsrat ihnen die„Liebensivürdigkeit" an den Kopf, sie besäßen Nicht den geringsten Verstand, denn durch- ihre Weigerung, die Suppe zu essen, seien hundert Liier Milch verloren gegangen. Diesen Vor, wurf hätte er nicht den Pfleglingen machen sollen, sondern den die Küche leitenden Personen, die für die Zubereitung verantwortlich waren. Unter den Pfleglingen wurde erzählt, daß schon in der Küche noch vor Zubereitung der Suppe einige Zweifel wegen der zu verwendenden Hafergrütze geäußert worden seien. Der Herr Rat schloß seine Ansprache mir der offenbar spöttisch gemeinten Bemerkung, allem Anschein nach bekämen sie zu viel zu essen, daher werde er die Rationen kürzen. War es Zufall oder geschah es auf Befehl, daß am Abend desselben Tage« die zu den Kartoffeln ge lieferte Heringsbeigabe sehr viel bescheidener als sonst- ausfiel? Kostschmälerung, wie Dr. Reuter sie in Aussicht gestellt hatte, wäre nicht einmal in einer Strafanstalt zu billigen, ge schweige in einer Heimstätte für Lungenkranke. Der Herr Rat, der nach jener Suppenablehnung es für nötig hielt, im Speisesaal zu erscheinen und mit seiner Strafpredigt loszulegen, sollte auch ohne solchen Anlaß möglichst oft seine speisenden Pfleglinge besuchen und sehen, wie's ihnen„schmeckt". Es scheint aber, daß er sonst kein sehr häufiger Gast an dieser Stätte der„Tasel freuden' ist. Wir wüßten ein gute? Mittel, die über dos Essen schimpfenden Pfleglings von ihrer Unzufriedenheit zu kurieren. Alle Angestellten einschl. Oberin und leitender Arzt sollten genötigt werden, die Kost der Pfleglinge zu genießen und Tag für Tag mit ihnen an derselben Tasel zu speisen, Wundery würde man sich da, wie kräftig die„höchsten Spitzen" mitschimpfen würden— und wie rasch das helfen würde I_ Berkehrsmisere. Man schreibt uns: 18 Personen, ohne die Bündel und Pakete, zählten wir am Montag auf dem Hinterperron eines alten StraßenbahnwagepS. Auf jeder Haltestelle mußten Wartende zurück- bleiben. Und dabei war es nicht einmal in der Zeit der Geschäfts- schlüsse. Aber freilich, den Anhängewagen sparte sich die Direktion. die ganz richtig rechnet, daß viele Schafe in einen Stall gehen, und daß die Berliner sehr zum Durchhalten bereit sind, selbst tvenn es nur zum Besten gewisser Aktionäre geschieht. Von der Unbequemlichkeit dieser planmäßigen Wagenüber füllung sei nicht erst viel gesprochen. Aber wieviel Kleider gehen dabei— zerschlissen, wie sie schon einmal sind— in die Brüche, wieviele Kranlheitskeime werden in dieser Körpervermengung über« tragen I Wieviele Personen verunglücken bei dem Versuch, einzn- steigen I Ein Bekannter von mir hat, weil er aus dem Wagen ge- drängt und geschleudert wurde, seinen Anzug total ruiniert. Es war sein letzter. Wer ersetzt ihn den wirklich unersetzlichen Verlust? Ein Dummer fragt noch erst. Zu bedauern und zu bewundern sind die Frauen, die unter solchen Verhältnissen beruhigend und mit einem guten Wort tröstend oder spaßend ihren Dienst tun. Immer wieder, unermüdct und durch nichts aus der Fassung zu bringen, ordnen sie die sich drängenden Massen, ermöglichen Ein« und Aussteigen. Immer wieder plagen sie sich in dem Gewühl, daß ja niemand den Fahr« preis schuldig bleibt. Die Sklaven der Ordnung— wiederholen sie nicht auch im Traume:„Besetzt"—„nach vorne gehen"? Wann wird die Straßenbahn endlich dahin gebracht werden, für ihre erhöhten Tarife auch nur eine teilweise Gegenleistung zu bieten?_ Tas Pfandgeld. Die KriegSverhälwiffe haben zu siner schon recht ausgedehnten Anwendung deS Brauche» der Pfandforderung in Gaftwirffchaffen aller Art für das beim Essen und Trinken benutzte Geschirr, Be- steck usw. geführt. Im allgemeinen läßt sich dagegen nichts sagen, weildie Entwendung der mit Pfand belegten Gegenstände, die auch schon in Friedenszeiten zu beobachten war, sich unheimlich steigerte. ES wurde unter dem Einfluß des Krieges ohne viel Kopfzerbrechen über die Strafbarkeit gestohlen, weil die gestohlenen Gegenstände, deren Gesamtwert für größere Gasthäuser eine recht ansehnliche Höhe erreichte,«llmähltch i« den Haushaltttnge« zu fehlen be- NN ei gaNNen. Früher stellten die Gastwirte diesen gewohnten Verlust von vornherein in ihre Rechnung ein. Jetzt aber kommt in Be- t rächt, daß das geswhlcne Porzellan und Metall einstweilen nur schwer oder gar nicht zu ersetzen ist. Der Schutz hiergegen ist eine gewiß zu billigende Selbsthilfe. Im laufenden Sommer hat es jedoch vielfach befremdet, daß das Pfandgeld gewöhnlich nur von den minderbemittelten Kreisen gefordert wurde, als ob gerade diese mit besonderein Mißtrauen zu behandeln sind, während doch in Gast- wivtskreisen bekannt ist, daß die hier in Frage kommenden Lang- fingereien auch in besten Lokalen und durch„bestes" Publikum vor« kommen. Das Befremden richtete sich vornehmlich gegen den neu- eingeführten Pfandbrauch beim Kaffeekochen in den Hunderten der Groß-Berliner Sommerlokale. Eine Familie von 4— 3 Personen muß für das Kaffeegeschirr runld lO M.Pfand entrichten und ist dann obendrein auf die hintersten Lotalplätze angewiesen.- Dagegen brauchen die Gäste, die den vom Wirt gebrauten Kaffeersatz ent- nehmen und auf den besten Plätzen sitzen dürfen, überhaupt lein Pfand zu zahlen. Diese verschiedenartige Behandlung hat indes eine sehr praktische Seite. Eine Abschreckung vom Selbstkaffeekochen ist zwar kaum eingetreten, die Selbstkocher sind aber nun doch.ge- zwungen, das benutzte Geschirr eigenhändig zur Kafseeküche zurück- zubefördern, um das Pfandgeld zurückzuerhalten. Aus diese Weise spart der Sommerwirt bzw. der Kaffeeküchenpächter erheblich an Zeit, Arbeitskräften und Arbeitslohn. Bedenklicher ist es, wenn man gezwungen webden soll, das beim Essen zu benutzende Besteck zu— kaufen. Solches Ansinnen wurde an eine ältere Arbeiterin kürzlich in einer Kriegsküche von einer Aufsichtsdame gestellt. Die Arbeiterin hatte vergessen, sich ihr Besteck mitzubringen, und bat, ihr ein solches gegen 1 M. oder noch mehr Pfand zu leihen. Das wurde rundweg abgeschlagen, aber dafür angeboten, ein Besteck zü verkaufen. Da die Arbeiterin sich diese für sie unnütze Ausgabe nicht leisten wollte, blieb ihr nichts anderes übrig, als die Küche mit knurrendem Magen zu ver- lassen. In anderen öffentlichen Küchen soll ja das"Besteck mich mit- gebracht werden, wird aber in Notfall anstandslos gcgen ent- sprechendes Pfand geliehen. � Ei« schneidiger Kriegskommissar. » Der st eilvertretende ReichSkommissar für GaS und Wasser, D e m p e li u s-Berlin, hat auf dem Verbandstag der Deutschen Gas- und Wasserfachmänner in Leipzig v o r g e- schlagen, man solle sich bei den Maßnahmen für eine Ein- schränkung des Verbrauchs nicht erst auf langes Prozessieren. Verhandeln usw. mit den Abnehmern einlassen, sondern kurzerhand denen, die zuviel entnommen hätten und dafür keine Strafe zahlen wollten, einfach das Gas usw. abdrehen bezw. das Wasser sperren. Der Herr scheint nicht z» wissen, daß nach dem bisher er- gangenen Gerichtsurteil die Verfügungen über die Erhebungen von Strafgeldern ungültig sind. JDbet sollte etwa gar der Herr nur die Absicht haben, sich als starker Mann zu empfehlen? Kautabakpolonäsen. In der Königstraße sieht man zurzeit Hunderte von Menschen stehen, die sich alle bemühen, bei der Kau- tabakfabrik von Brunzlow eine Rolle Kautabak für 30 Pf. zu er- stehen. Vielfach sind es Kriegerfranen. die für ihren im Felde weilenden Mann einen solchen„Leckerbissen" entnehmen wollen. Nach einer uns vorgelegten Probe scheint es so, daß diese Lutscher nur aus der Ferne betrachtet werden dürfen, denn in der Nähe zeigte das Produkt, trotzdem es erst einige Tage vorher entnommen war, ein durch und durch schimmeliges Aussehen und einen nicht näher definierbaren Geruch, der uns an die so beliebte Kohlrübe erinnerte. Es wäre wünschenswert, daß sich die in Betracht kommende Reichsstelle mal diese Produkte etwas näher ansehen würde. Käseverteilung. Bis Montag, den 26. August, wird an die- jenigen Kunden, die in die Spcisefettkundenlisten der in den Be- zirken der 70., 80.— 82. und 238. Vrotkommission gelegenen Geschäfte eingetragen sind, pro Kopf 126 Gramm Käse verteilt. Gerlchtszeitung. Zweierlei Mass? Mit scharfen Worten ging gestern in einem Rauchertermi» vor dem Potsdamer Schöffengericht der AmtSanwalt Assessor Voß den weiblichen Rauchern zu Leibe. Die 24jäbrige Köchin F. fuhr Sonn- tag, den 2. Juni, mit ihrem Bräutigam nach Wannsee und zündete fich im Vollgefühl ihrer Freiheit aus einem Wege der durch den Wald führt, eine Zigarette an, um sie dann ihrem Begleiter zum Weiterrouchen zu übergeben. Kaum war der erste Zug getan, stand der Gendarm vor der Köchin, notierte sie, und ein Srrasbefehl von 50 M. wurde der Köchin eines Morgens auf den Küchentisch ge- legt. Diesen Rauchermakel wollte die Köchin natürlich nicht aus sich sitzen lassen und vor dem Potsdamer Schöffengericht legte sie mir der Begründung Einspruch ein, daß sie doch nur ihrem Schatz die Zigarette angeraucht habe. Der AmtSanwalt be- an, ragte Ausrechterhaltung des Strafbefehls; denn nicht genug, daß die Mädchen setzt Unsummen für Zigaretten ausgeben, die sie ihren Kavalieren schenken, geht die Sache jetzt soweit, daß der Wald schon von Frauen durch das Rauchen verpestet wird. Die Justizbehörden haben daher auch Anweisung erhalten, die weiblichen Raucher im Waide doppelt zu bestrafen. Das Schöffengericht ließ noch einmal Milde walten und berücksichtigte, daß die Köchin in eine sogenannte Raucherfalle hineingeraten war. Die Strafe wurde daber auf 30 M. ermäßigt. Der Bräutigam hatte nur einen Strafbesehl über 20 M. erhalten.__ Bus aller Melt. Zu einem regelrechten Kampfe zwischen Eisenbahnröubern und Eisenbahnbeamten, bei dem leider einer der Beamten tödlich ver- letzt worden ist, ist es auf der Strecke Bebra— Göttingen gekommen. Auf Bahnhof Bebra hatten zwei Männer, die die feldgraue Unter- osfizierSunisorm trugen, versucht, einen Bahnwagen zu berauben, waren aber durch hinzukommende Bahnbeamte dabei gestört worden. Die beiden Räuber sprangen nun geistesgegenwärtig in den gerade abfahrenden Zug nach Hannover. Auf der telephoniich benachrich- tigten Station Niederbebra wurden die Diebe aus dem Zuge heraus- geholt und festgenommen. Sie rissen fich jedoch plötzlich wieder los, warfen die sich ihnen entgegenstellenden Beamten nieder, zogen dann Revolver, aus denen sie mehrere Schüsse abgaben und flüchteten. Nun entspann sich eine wilde Jagd das Wohratal nach Oberhohne zu. während der die Verfolgten sortgesetzt auf die Eisen- bahnbeamten schössen. Dabei, wurde der Rangierer Bachmann aus EltmannShausen durch mehrere Kugeln tödlich verwundet. Die Räuber sind leider entkommen. Es sind zwei gefährliche Burschen, die schon seil geraumer Zeit Sie Eiseubahnzüge und Güterbahnhöfe in Hessen, Thüringen und Hannover beraubt und dabei große Beute gemacht haben._ Süden. Heimöffnung Jugenöveranftaltungen. abend im Jugendheim DiSkutieraLend. Morgen 7 Uhr. «.»emranSftcluen iür das mittlere Norddeuiiktilant luv Freiing mittag. Im östlichen Küstengebiete überwiegend bewölkt, östec Icichte Rcgensälle, in den anderen Gegenden zunäwst trocken und rüclsach heiter, später zunehmende Bewölkung, in den Mittagsstunden überall ziemlich warm. Eingegangene Druckschristen. Volksvermögen und Kriegsentschädigung. Von Friedrich Prinz zu Lowcnstem.(Sei). 1,20 M.. 25 Proz. Teuerungszuschlag.— Der Konflikt der modernen Kultur. Von Georg Simmer Geh. 1« 25 Proz. Teuerungszuichlag.— Das Wesen des Geldes. Von!�r. Friedrich Vendixen. Geh. 2 M. 25 Proz. Teuerungszuschlag.— Das besetzte französische Gebiet. Von Prof. Dr. Adols Günther. Geh. 6 M., 25 Proz. Teuerungszuschlag.— Der Reichstag und der Friedens- schlus,. Von Dr. Mllller-Meiningen. Geh. 1.20 M., 25 Proz. Teuerungs- zuschlag.— Geist der litopie. Von Ernst Bloch. Geh. 10 M., geb. 18 M., 25 Proz. Teuerungszuschlag. Sänitlich im Verlage Duncker u. Humblot, München XII, Tberesienhöhe 3«. Altc> und neue Faserstoffe. Von Pros. Dr. Paul Arndt. 1,50 M. Berlin VW. 48, Wilhelmstr. 29. Kriegswirtschaft>knd Gemüsebau. Von Dr. Albert Bovenschen. 90 Ps. Deutscher Schristenverlag G. m. b. H., Sellin. Dicre in Ketten. Von Ernst Weiß. Geh. 4,50 M., geb. 5,50 M. S. Fischer Verlag, Berlin W. 57, Bülowstr. 90. Reichskriegsstruergesetze 191$. Geb. 3,50 M. C. H. Becksche Vcr> lagSbuchhandlung OSkar Beck, München, Wilhelmstr. 9. Deutsche Revue. Eine Monatsschrist, herausgegeben von Richard Fleischer. Preis des Jahrgangs 24 M. Deutsche Verlagsanstalt Stuttgart. Wörme— Kraft—»ficht. Von Dr. Wilh. A. Dhes. 3,60 M. Karl Hehmanns Verlag, Berlin W. 8, Mauerstr. 43—44. Karl Marx. Von R. Wildbrandt. Geh. 1,20 M., geb. 1,50 M. B. G. Teubner, Leipzig. öriefkasten üer NeAaktiou. F. C. 27. Ihre Ansragc ist unklar. Kommen Sie in die Sprech- stünde.— H. 2. 77. 1. Beim BezirlSkommando. 2. Die Rente selbst wird nicht kapitalisiert, nur Kriegszulage und VerstümmelungSzulage.— M. ZAZ. 1. Es kommt aus die Vorgeschlen an. 2 Wir glauben nicht. — F. N. 22. U. W. nicht.— 11k G. Kommen Sie in die Sprech. stunde.— Trclleborg. 1. Von Berlin. 2. Von Pankow.— K. A. 599. 1. Nur ausgeschoben. 2. Lohnarrcst kann gelegt werden, soweit der Lohn pfändbar ist. 3 Ein Antrag aus Stundung dürste Ersolg haben. 4. Nein. 5. Ja. 6. Ein Gesetz in der Form bestand überhaupt nicht. Das richtet sich augenblicklich nach den jeweiligen Familienverhältnissen.— V. S. 43. Wieviel hatte denn Ihr Sohn zuerst?— Stdst. Piou. Osten. Beantragen Sie Stundung bis zur Erledigung der Berusung.— H. B. 55. Wahlberechtigt und wählbar sind volljährige Angehörige beiderlei Geschlechts. soweit sie die deutsche Reich? Zugehörigkeit besitzen. Z 2 der Prcuß. Wahl- ordnung.— Nr. 192 F. L. Wenn HilsSbednisiigteit vorliegt, ja.— E H. 27. Nein.— O. M. Röcingaustr. 25. Länger als ein Jahr zurück wird Rente nicht nachgezahlt.<1253 RVO.).— I. M. 15. 1. Ein Rechtsanspruch aus Absindung besteht nicht. ES wird bis zur Höhe von°/, des dreifachen Betrages der Äriegsversorgung gewährt. Wenden Sie sich dort an die örtliche Fürsorgestelle. 2. Richtet sich nach der Höhe deS Verdienstes. — 21. S. 375. Kommt aus die Bedingungen an. unter welchen der Wirt die Erlaubnis gegeben hat.— C. P. 1. Im Brieskasten ist wiederholt ausgesührt, daß Kriegsgetraute nur Anspruch aus Kriegsunterstützung haben, wenn sie einen eigenen Hausstand gegründet haben, oder Veränderungen wie Schwangerichast, Enibindung, Krankheit usw. hinzugetreten ist. Durch bloße Heirat mit einem Kriegsteilnehmer erwirbt die Frau kein Anrecht auf Kriegsunterstützung. 2. Die nächste Instanz ist der RegierungSpräfi- dent.— 2l. B. 9921. Die Steuerbehörde ist im Recht.— W. 207. Der Verlobte ist unter diesen Umständen zur Herausgabe der Geschenke usw. nicht verpflichtet.— W. H. Kastanienalice$$. Die Firma ist zur Nach- zahlung nicht verpflichtet.— Z. D. 1. Ein Kind wird volljährig mit 21 Jahren. 2. Das Kind nicht, höchstens der Verkäufer, wenn es sich um Gegenstände des notwendigen Bedarss handelt.— B. G.$. 1. Die Frau hat Anspruch aus Reichswochenhilje. d.i. 25 M. Entbindungsgeld, Wochengeld für 57 Tage a 1,50 M. und cvent. Stillgeld in Höhe von 50 Pf. pro Tag aus die Dauer von 12 Wochen. 2. Antrag an die Krankenkasse, welcher der Ehemann vor der Einberufung zuletzt angehört hat.— — Düte 1. 1. Nein. 2. Nein.— Willi August 17. Der Urlaub im April kann angerechnet werden.— P. W. 4. K. An die Kricgskindcr- spende deutscher Frauen, Potsdam, Neuer Garten.— P. G. Kreuzbergftr. Ja.■ Falls die Unterstützung eingestellt wird, müssen Sie sofort einen neuen Antrag bei der neuen Gemeinde stellen.— B. 51. Der Kriegsausschuß hat recht. Treten Sie bei dem Betrieb wieder ein und beginnen Sie das Versahren wie vorher, rufen aber zuerst den Kricgsausschuß an, wenn der Abkehrschein verweigert wird.— Schramm. 1. Nein. 2. Nur der Vater kann den Antrag stellen, anS der Feucrlinie zurückgezogen zu werden, wenn der Sohn sich auch in der Feuerlinic befindet.— W. H. 934. 1. Ja. 2. und 3. Können wir nicht beurteilen. 4. Ja. 5. und 5. Auch das können wir nicht beurteilen.— S. 12. 1. Noch für daS Kalender. jähr 1918. 2. Sojern der Verstorbene unvcrbeiratet stirbt, fällt dessen Erbteil den anderen Geschwistern zu.— M. M. 1900. Nein. verkauft 2615. Kommen Sie in die Sprechstunde,— Elfriede 555. Lesen Sie die täglichen Anzeigen vom Vermielungsburcau.— R. P. 149. Die dürsten mit dem Gesuch wenig Ersolg haben.— Tch. in Fuchs. Der Ersolg ist zwar nicht sicher, aber.denkbar. Antrag an das dortige Bezirks- kommando.— W. G. 149. Lesen«je den Bericht in der Sonntagsbei- luge.— N. Jäg-vatl. 3. Sie können die Geschenke zurückverlangen.— I. F. S. N. 21. Es muß Antrag ans Tesiamentscröffnung gestellt werden. Das wird einige Wochen dauern. Der Nachiaßpfleger hat An- spruch ans Entschädigung.— R. St. Mariendors. Bei freiwilligem Ver< laus des Hauses besteht der Mietsvertrag für die Koniraitdauer weiter in allen Punkten.— K. L. 1$.(sie sind zur Zahlung der Steuern ent- s prcchend dem Einkommen verpflichtet.— Elite 1918. Sie können nur die Wirtin aus Bereitstellung des Kellers verklagen. A.- G. Neukölln. — Ldstm. 1. 1. Nur wcün Sie zum Unterhalt verurteilt sind. 2. Nein. 3. Sie kämdn erst an 7. Stelle zur Berücksichtigung, da weder für Frau, noch Kinder zu sorgen haben.— St. hj. 1. Sie könnten die Woh- nung zum 31. 12. 18 kündigen, weil Ihr Ehemann als Kriegsteiincomer gestorben ist. 2. 500 M. und zweimal 108 M.— 7l6 M.— Flieger 1005. Ralgebcr sür Kriegersamilien und Kriegsinoalidcn und Kriegshinterbliebene. Preis 50 Ps. Zu beziehen durch die VoiwäitS-Buchhandiung.— E. L. Nk. 1. Ist ein Bcsehl. 2. Ja. 3 a. Nein. 3 d. Ja, 4. Gelernte Schlosser und Mechaniker. Wasserstandsuachrichten der Londesauftalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterbureau. Letzte Aufführungen 8 Uhr: Max Palicnbepg in Der feaclic Kndl. Kammeraplele. Letzte Aufführungen 8 Uhr: Lucie Höflich in Der fVeibatenfel. Volksbühne.Th a.Bülowpl. Letzte Aufführungen 7'/,U.: Hans Wassmann in SommcniachtBtraam. Dir.C. Meinhard— B.Bernauer. Theater!,nKöniggratzer Str. 8 Uhr: Die fünf Frankfurter. Komödienhaus 8 Uhr: Die Zarin. Berliner Theater 7" U.: Blifzblanes«Int. Rose-Theater. S Jet Mm leg. Garienb.: Bitte rechtfreundlich. toter der FriedrieliM. Ecke Friedrich- u. Linienstr, T8/, Uhr. Norden 8650. Kaiserplatz 3 eine Treppe. Ein lustiges.Stück mit Musik nach Karl Laufs. Alice Hechy Rolf Brunner Gesangs- und Tanz-Duett sowie der glänzende Yarietö- Erötfnungs- Spielplan! 'Apollo-1 Friedrichstr. 218 Dir.: James Klein. |73/4 Sonnt. 31/, u- 77.> Todesrennen in des Luft sow. weitere Sensat Vorverkauf an der Theaterk. 10— 6 Uhr. Sonnt. S'/jUhrieder I Erwachs. 1 Kind frei!| Tägl. 7'/.. Sonnt. S'/jn. 77. Vorletzter Tag! Ges-Gastspiel d. Herrnfeld-Theaters; Die Kriegsgewinnler m. Dir. A. Hermfeld u. Fd. Grün- ecker in den Hauptrollen. Palast-Theater am Zoo Sonnabend, 24. Aug., Tj, Uhr und toigende Tage: Da» Warschauer ßallett v. d. gr. Oper in Warschau. Prtniu ballerina: Valeria Gnatowska Ballettmeister: PiotrZaylich Mueik.- Itg. Prof. S. Singer aus Werschau. Kt. 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Für die zahlreichen Be- weiie herzlicher Teilnahme, sowie die reichen Blumen- spenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes, uniercS unvergeßlichen Va- tcrS, sagen wir aus diesem Wege allen, weiche unserem teuren Enlschlasenen das letzte Geleit gegeben haben, unseren herzlichsten Dank. Wlwe Marie Heinrichs nebst Kindern. flSS Neukölln, Teupitzer Str. 99. nW�»W»WDWW»-II»U»aWM>a Zentral-bcrband der Zimmerer Deutschlands. Zahlstelle Berlin und Umgegend, Bezirk 20. Den Berussgenossen zur Nachricht, daß unser Mit- glied Wiilielm Schmidt infolge eines Berufs« Unfalles verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heule, den 22. August, nach- mittags 4 Uhr, aus dem D neuen Jakobi- Kfrchhos in~ Ncukölln, Hermannstraße, statt. Um rege Beteiligung ersucht 254/6 Der Borstand. verband der Sattler und Portefenlller. Ortsverwaltung Berlin. Den Kollegen hiermit zur Nachricht, daß unser Mit- glied, der Sattler zidert Niebisch Werlstatt C. Pose, verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Freitag. den 23. August, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des neuen Kirchhofes in Neukölln, Her- mannstr. 84—90, aus statt. 158/3 Die Drieverwaltung. Am Sonntag, den 18. Aug, verstarb unser Mitglied Nuxo ZWkr Johannisstraße 3. Die Einäscherung findet am Freitag, den 23 August, vormittag» 1t Uhr, im Kre- malorium, Gcrichtstr. 37/33, statt. 300/20 Friede seiner Asche! Du mußtest uns so früh verlaisen, Und von Deinen Lieben gch'n, Wir können es noch gar nicht fassen. Daß wir Dich nicht mehr wiederscb'n. Allein zu sein, drei Worte leicht zu sagen, Und doch so schwer, so endlos schwer zu tragen. Hart und schwer traf mich die traurige Nachricht, daß mein innigstgeliebter Mann und treusorgender Vater seines einziges Kindes, unser guterSchwicgcrsohn, Bruder, Schwager, der Pionier Rllz'Schelle nach dreijährigen harten Kämpfen und Entbcbrungcn am 12. August dem blutigen Dölkerringen zum Lpjcr fiel. In tiefer Trauer Greta Schelle geb. Hintz nebet Töchterchen Edith, Dertin-Trcptow, KrllllSst. 15. Familie Hintz, Geichwlster Schelle. 29725 Deutscher Metallarbeiter- verband. Verwallungsetelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der j Mechanilcr Karl Habermann Fruch.flr. 37, am 18. August gestorben ist. Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 22. August, nachmittags 27, Uhr, von der Leichenhalle des TbomaS- Kirchhofes in Neukölln, Her- mannstraße, aus statt. Den Mitgliedern ferner zur Nachricht, daß unser Kollege, der Dreher Gustav Brodtke Lindenstr. III, am 17. August gestorben ist.! Die Beerdigung findet am! Donnerstag, den 22. August,! nachmittags 3 Uhr, von I der Leichenhalle des Jerusa- levis-Krrchboies, Hermann- straße, aus statt. Ehre ihrem Andenken! Rege Beteiligung erwarte! I t17/l Die Drieverwaltung. j Deutscher fransportarbelterverband. Bezirksvcrwalt. Broß-Bcrlin Kachrnte. Den Mitgliedern zur Nach- richl, daß unicr Kollege. der Möbcltransportarhcitcr Osvald Swantes am 16- August im Alter von 42 Jahren verstorben ist. Den Mitgliedern ferner zur Nachricht, daß unserÄollege, der Martthallenarbetter Richard Boreiiy am 14. August im Alter von 55 Jahren verstorben ist. Ehre ihrem Andenken k 63/5 Die Bezirkeverwaltung Verband der Bureaiiangettellten Deuttchiands. Ortsgruppe Groß-Aerlin. Den Mitgliedern zur Nach- richl, daß unser Kollege Rermann Hübner am 19. August 1918 im 57. Lebensjahre verstorben ist. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet am 22. August nachmittags 5 Uhr, aus dem neuen Zwölf- Apostel-Kirchhos.Schöneberg, Tempelhoser Weg, statt. Um zahlreiche Beteiligung der Mitglieder ersucht 46/1l Die Drieverwaltung. Zähne m. echt. Friedenskautschuk 3,50 M. MWMW 5 Jahre Garantie.»WD» Zahnziehen m. Betäubung bei Bestellung v. Gebissen gratis. Goldkronen v. 20 M. an. Spez. SS' Zatapraiis Baffani, Verband der Galt- und Schankwirte Deutichlands. Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nach- richt, daß die Frau des Kollegen /Harle, geb. Aßmus, verstorben ist. Ehre ihrem Andenken! Die Beerdigung findet heute Donnerstag, nach- mittags 4 Uhr. aus dem Nilolai-Kirchhos. Prenzlauer Allee 7, statt.-->/15 Die Ortsverwaltung. Grotjahn, Die Forderung. � Ein hvaiemsche Buch über aesundheitsmäßiae Lebenssuh- runo.(Blaue Bücher.) Preis 1 SV Mk. BuÄdcndlung Bor- w'grt», Lindenstr. 3, Laden. Nr. 230— 101S UnterhaltungsblaSt öes vsrwärKs Vonnerstag, 22. Mguft Die Werkstatt. Wenn ich den Trockenspeicher unseres Hauses— nicht unseres Hauses, sondern des Hausherrn, dem unsere Wohnung gehört— besteige, sehe ich immer auf eine einstöckige, barackcnartig gebaute Werlstatt. Sie liegt langgestreckt, frontiert von einem Garten, der eine Augenweide ist. Früher prunkte er im Sommer wohl nur von Astern und Georginen, jetzl erzeugt er auch schöne Kohlköpfe. DaS Gärtchen hat Licht und Luft, weil der Anbau, der eben den Trockenspeicher birgt, nur Erdgeschoß und ein Siockwerk umfaßt. So kann man denn auch leicht durch die offenen Fenster in die helle Werkstatt sehen, in der gehobelt, geschnitzt und gebastelt wird- Je nun, eine Schreinerwerkstatt wird der Leser denken. O ja, eS dünkte mich auch, daß da für die drei Stadien des Lebens ge- arbeitet werde: Ankunft— Ende— und was dazwischen liegt. Oder: Wiegen, Hochzeitsbetten— Särge. Aber ich sehe keine Wiegen, keine Brautbetten, keine Särge. Ich weiß, daß sie alle nicht aus der Mode gekommen sind, aber daß es wichtigere Dinge gibt, als da find: Munitionskisten, Gewehr« kolben, Handgranatengriffe. Es könnte etwas wie das letztere fein, denn ich nehme wahr, wie man an Holzteilen feilt und richtet, die sich menfchlicben Körper- teilen anpassen. Und ich sehe auch, daß man eifrig, fleißig, fast fieberhaft arbeitet. Wohl ein kriegswichtiger Betrieb, denke ich mir. Hobel und Schneidemeffer fliegen� Hände schwingen im Rhyth- mus, und es fehlt nur das begleitende Lied dazu. Ach ja, daran denkt man heute nicht mehr, daß zu einer rechten Arbeit auch ein rechtes Lied gehört. Rechte Arbeit! Gibt eS noch eine rechte Arbeit? DaS Holz fragt freilich nichts danach, zu was es die Handhabe bietet, aber der Handwerker, der früher sein Lied sang, war er nicht auch ahnungslos wie ein Kind zu dieser Zeit und sang...? Ja, ich denke oft darüber nach, wie doch das Lied von der Ar- beit geflohen ist und ich frage mich, ob die Handwerker da unten gar keine Freude mehr an dem Licht und Grün haben, daS in einer großen Stadt doch nur wenigen Arbeitern vergönnt ist? Es macht vielleicht die eintönige Arbeit, philosophierte ich; wahrscheinlich handelt es sich um ein immer- gleiches Stück. Ob- wohl, eS wird viel gefeilt und geschabt, gemessen und geprüft; eS wird mit Mechanikeraugen gearbeitet. Genauer mag eS der liebe Gott bei der Erschaffung dcS Menschen nicht gehalten haben. In meine Betrachtungen fuhr auf einmal die Stimme der Hausfrau:»Wissen Sie, was das ist?" � .Nein." »Eine Ersatzßliederfabrik. Die Leute arbeiten unausgesetzt und außerdem haben sie noch eine Fabrik draußen vor der Stadt." »Und außer diesen gibt es noch eine Anzahl ähnlicher Fabriken," sagte ich nachdenklich. Ich hatte allen Grund, erneut allerlei Be- trachtungen nachzuhängen. __ Julius Setfaß. �vom Vunöer öes Lebens/ So heißt ein kleines, feine» Büchlein von Gertrud Prellwitz sVerlag Eugen Diederichs, Jena. M. 1,20). Und wer eine reine, schöne Stunde erleben will, die ihn über den Alltag des Lebens hinaushebt, der sollre dieieS Buch lesen, Das Buch ist für Eltern geschrieben. Und die Dichterin will den Vätern und Müttern, besonders aber den Müttern, den Weg weisen, wie sie ihre Kinder in geschlechilichen Dingen aufklären sollen. Von einer hohen Warte aus sieht sie das Werden eine» neuen Menschen. Und mit schönen, tiefen Gedanken und noch schöneren Worten führt sie uns zum»Wunder deS Lebens". Und es wird wohl keine Mutter geben, der nicht eine sonnige Helle aus- gehen wird, daß das Werden des Menschen etwas so Schöne?, so Heiliges ist. Und es wird wenig Mütter geben, die nach dem Lesen des BucheS nicht ihre frühere Scham vor diesen Dingen ver- lieren werden. Alles Geschlechtliche wird sich ihnen aus dem bis- herigen Dunkel und Dämmern in eine lichte Freudigkeit verwandeln. Und sie werden den Drang fühlen, ihren Kindern von dieser Freude abzugeben. Sie werden versuchen, ihren Kindern das, was sie wissen sollen, wissen müssen, in der Sprache des Buches oder doch mit ahn- lichen reinen, hehren Worten zu sagen. Sie weiden sich die größte Mühe dabei geben. Aber da nur die wenigsten von uns Dichter find, wird es ihnen doch nicht gelingen, die Worte der Dichtung in den Alltag, selbst nicht in die Aeiertagstunden des Lebens zu tragen. Und das ist gut so. Und wenn viele bei ihrem vergeblichen Mühen verzagen wollen, so tun sie unrecht. Denn nicht in der Sprache der Erwachsenen und nicht mit den Worten der Kunst soll man hier zu Kindern sprechen. Wenn uns Gertrud Prellwitz schildert, wie die Kinder in tiefer Scheu stehen vor dem, was sie noch nicht begreifen können, auch vor Worten, die für sie unverständlich sind, so klingt da» in der Dichtung sehr schwer. Ich zweifle aber, daß eS der Wirklichkeit entspricht. Jedes frische, gesunde Kind fühlt sich durch eine schwere oder unverständliche Sprache gelangweilt. Es will alles ver« stehen. Und in seinem Drange nach Erkenntnis macht es auch vor dem Höchsten, und Heiligsten nicht halt. Ein kleines Beispiel dafür: In einer Mädchenschule erzählt die Lehrerin den Kindern, wie der liebe Gott die Welt und alles, was in ihr ist, erschaffen hat. Als sie zu Ende ist, hebt ein kleines Mädel den Finger und fragt:„Und wer hat den lieben Gott er- schaffen?"-- Wenn Ihr also Euren Kindern vgn dem Entstehen und der Ge- burt des Menschen erzählt, so sagt eS in Eurer eigenen Sprache oder besser noch in der Sprache Eurer Kinder. Sollte aber auch nach dem Lesen des Buches eine Mutter die Notwendigkeit bezweifeln, mit ihren Kindern über diese Dinge zu reden, so mag sie sich gerade durch die Kriegszeit über die Ge- fahren des Nichtwissen? und einer falschen Aufklärung belehren lassen. Hat doch der Krieg ein gewaltiges Anschwellen der Ge- schlechtSkrankheiten gebracht. Hat doch der Krieg stärker als je die Notwendigkeit gezeigt, die Jugend über die geschlechtlichen Gefahren aufzuklären. Und zwar von berufener Seite aufzuklären. Und wer ist mehr dazu berufen, der Jugend auch darin ein Freund und Führer zu sein, als Vater und Mutter? Den vielen aber, die nicht wissen, wie sie ihre Kinder aufklären sollen, sei verraten, daß die ganze Kunst dabei in zweierlei besteht: 1. Denkt natürlich I Gewöhnt Euch vor allem selbst daran, die natürlichen Dinge als natürlich zu betrachten. Und was ist natür- sicher als Geburt und Werden eines Menschen? Und L. Seid wahr! Belügt Eure Kinder nicht. Auch nicht mit Märchen vom Storch und dergleichen. Nicht die kleinste Lüge sei Euch gestattet. Und ich meine hier Lüge im weitesten Sinne: keine Notlüge, keine Ausflüchte darf es Euren Kindern gegenüber geben II Sagt ihnen nicht mehr, als sie fragen. Aber sagt ihnen afleS, was sie wissen wollen, ruhig, als etwas Selbstverständliches. Wo sie Euch gar zu jung erscheinen, vertröstet sie auf später. Aber bedenkt stets, daß solch ein Versprechen Euch heilig sein muß. Und daß die Aufklärung besser zu früh als zu spät kommt. Seid natürlich und wahr. Das ist die ganze Weisheit. Mag es Euch auch oft schwer werde», so zu handeln, eS ist etwas Köst- licheS, Unschätzbares, was Ihr dadurch Euren Kindern auf ihren Lebensweg mitgebt.'*__ K. H. vie veredelte Kohle. Rohöl« und dazugehörige Peiroleumdertvate, Benzin,' Leuchtölc, Trieböle und Schmieröle, werden in Deutschland fast ausschließlich aus dem Ausland, und zwar au» den Vereinigten Staaten ein- geführt. Der Verbrauch an Benzin war in den letzten Jahren vor dem Kriege sehr gestiegen und wird sich nach dem Kriege noch ganz bedeutend vermehren. Auch der Bedarf an Leuchröl wird dauernd hoch bleiben, wenn er auch wegen dcS Wettbewerbs deS elektrischen Lichte? kaum noch zunimmt.' Die Anwendung der Kraft- und Heizöle dagegen wird gewalrig steigen, und desgleichen wird Schmieröl in FriedenSzeiten in größten Mengen gebraucht werden, auch werden an die Beschaffenheit dieser Oele' wegen deS Bedarfs der Großkraftmaschinen besonders hohe Anforderungen gestellt werden. Die»Zeitsckirist für angewandte Chemie" legt nach einer von Dr. Karl Goldschmidt und Fried« länder verfaßten Denkschrift dar, daß unser« einheimischen Erdöl- quellen den Bedarf nur zum geringen Teil befriedigen und daß für die Einfuhr dieser Robölerzeugnisie nach dem Kriege Amerika kaum in BetraÄl kommt. �ES steht auch noch dahin, ob hinreichende Mengen aus Gasizien, Rumänien und Rußland erhältlich fein werden. Wir können aber durch Kohleveredlung zu einem Ersatz der auS- ländifchen Rohstoffe kommen. Es ist gelungen, aus der Braunkohle den Niedertemperawrteer herzustellen, der erdölähnliche Bestandteile enthält, und aus dem Treiböl, Schmieröl und Paraffin gewonnen werden kann. Durch Behandlung dieser Teere nach dein verbesserten Spaltverfahren lassen sich die höher siedenden Bestandteile zum Teil in Benzine uniwandeln. Die in diesem Verfahren nicht zu vermeidenden Ver- luste werden bei dem Berginversahren vermieden. Die synthetischen Lcuchtöle und Benzine sind in diesen Erzeugnissen besonders reich- sich enthalten. Auch hat man es in der Hand, je nach Bedarf mehr niedrig als hochsiedende Bestandteile zu gewinnen. Außer dem Braunkohlengeneratorteer kommen als Aus- gangsstoffe auch Pech und Gudrcn, die Rückstände der Teerdestillation in Betracht. Wenn es gelingt, von den 20 Millionen Tonnen Braunkohle, die die Brilettwerke verfeuern, und den 18 Millionen Tonnen, die die eleltrischen Zentralen, GlaS- Hütren und anderen Fabriken verbrauchen, in paffenden Gene- ratoren den Teer vorher abzuscheiden, können l>/z Millionen Tonnen Teer jährlich gewonnen werden, die veredelte Oelerzeugnisse geben würden. Hiermit allein wäre die vollständige Versorgung des Deutschen Reiches gewährleistet. Da diese große Menge Teer erst im Lauf der Zeit hergestellt werden kann, wird vorgeschlagen, in einer Uebcrgangszeit auch Petroleumzufuhr aus Rußland, Rumänien und Gasizien als billiges Rohmaterial zu verwenden. Damit die neue Industrie lebensfäbig werde, bedarf sie eines Schutzes, und zwar besser als durch Zölle mit Hilfe eines Einsuhrmonopols. Dadurch würde eine Befestigung der Preise auf solcher Höhe erreicht werden, daß eine Sickerstellung der einheimischen Oelsynthese auf jeder Stufe ihrer EntWickelung gewährleistet wird. Wie alt ist öer Getreidebau in Deutschland! Die noch von dem Großmeister der Getreidekunde, Friedrich Körnicke, in seinem Handbuch des Getreidebaues(188b) ausgesprochene Meinung, der Weizen sei erst am Beginn unserer Zeil« rechnung nach Deutschland gekommen, gilt nach den neuesten Forschungen als überwundener Standpunkt.»Daß der Weizen in Deutschland von jeher gegen andere Getreidearlen zurückstand, beweist doch nichts gegen sein hohes Alter,".bemerkt treffend Robert Gradmann in seiner Schrift»Der Getreidebau im deutschen und römischen Altertum". Die jungsteinzeitlichen Funde, sowie die aus der Bronzeperiode und der älteren Eisenzeit bezeugen über jeden Zweifel, daß der Weizen nicht erst am Anfang unserer Zeitrechnung nach Deutschland gebracht, sondern schon ungezählte Jahrhunderte vorher von den Germanen gebaut wurde. Aus dem Umstände, daß der Name Weizen allen germanischen Sprachen eigen ist, darf geschlossen werden, daß er bereits der germanischen Urzeit an- gehörte. Der Roggen kann in Mitteleuropa erst in der UebergangS- Periode don der Bronze- zur Eisenzeit nachgewiesen werden. Roggen- körner sind in Pfahlbauten gefunden worden, die noch der Bronze- oder frühen Eisenzeit angehören und auS dem S. oder 7. Jahrhundert v. Chr. stammen sollen. Indem der Roggen die ältere Gerste überholte, wurde er vielfach das Hauptbrotgcireide der germanischen Stämme, das„Korn" schlechthin. Die Gerste ist für die germanische Urzeit außer durch Funde auch dadurch sichergestellt, daß sie in allen germanischen Sprachen denselben Namen führt. Aber der Ruhm, die älteste und verbreitetste Getreideart zu sein, wird ihr von der Hirse einigermaßen streitig gemacht. Was den Hafer an- betrifft, so führt Plinius es als eine Eigenart der Germanen an, daß sie Hafer bauen und sich von Haferbrei nähren. Die hohe wirtschafltiche Bedeutung des HaferS für das germanische Altertum läßt sich rückwärts aus dem Bilde schließen, das uns spätere Nachrichten darbieten. Keine andere Getreideart wird unter den mittel«. alterlichen Abgaben so häufig und regelmäßig genannt, und zwar gilt das für alle LandcSleile ohne Ausnahme von den Alpen— zum Meeresstrande._ Notizen. — Eine deutsch eärztliche Forschungsanstalt, ist in Smyrna gegründet worden.«» — Schuhe aus Zellstoff. Der im Krieg gegründeten Textil-Jndustrie A.-G.(Tiag) in Barmen soll es gelungen iein, einen neuen Flechtwebstuhl zu bauen, der es ermöglicht, aus Zell- stoffgarnen ein Erzeugnis herzustellen, das die Vorzüge de« Leders in sich vereinigt. Schuhe, aus diesem Stoff hergestellt, sollen voll« ständigen Ersatz für Lederschuhe bieten und auch in normalen Zeilen als vollwertiger Bedarfsartikel gelten können.(Die Mär hört man wohl, allein es fehlt der Glaube, da solche technischen Wunder schon zn häufig angekündigt wurden. Vorläufig müssen wir uns mit einem gröberen Zellstoff— dem Holze— begnügen, das in keiner Weise Leder ersetzt.) SSj Loöz. Das gelobte Land. Roman von W. St. R e y m o n t. Und außerdem, als er sich jetzt an ihre Kusse, an ihre Liebe und ihr edles Wesen erinnerte, an all das, was die Erinnerung in ihrer Gegenwart, dort bei Endelmanns, nicht zu einem heißeren Aufwallen des Blutes bringen konnte— da durchglühte es ihn jetzt, in dieser Erregung, mit einer eigensinnigen, festen Begierde. Ihre Liebe begehrte er wieder. Er konnte den Gedanken nicht mehr ruhig ertragen. daß sie sich für immer getrennt hätten- Und dieser Gedanke betäubte ihn so, daß er ein paarmal bis zu ihrer Wohnung ging, aber nicht eintrat, jedesmal wieder umkehrte. Er hätte sich entschuldigen müssen, und er hatte nichts, womit er sich hätte entschuldigen können. Und dann wühlte auch in ihm die Scham. Er entsann sich genau an die Schwüre und die Versicherungen ewiger Liebe vor noch so kurzer Zeit... Auch schämte er sich der Rührung, die er in diesem Augenblick verspürte. Er hatte sich doch stets von seinem Verstand und von der kalten, nüchternen Vernunft eines Geschäftsmannes leiten lassen, hatte mit Absicht Schlechtes getan, sich jeder guten Regung verschlossen und sein Herz absichtlich mit egoistischen Trug- schlüssen bepanzert. Stets warf er alle» aus dem Budget seines Lebens hin- auS, was nur die Spur irgend eines Gefühls, einer unbe- wußten Aufwallung, irgend eines Interesses allgemeinerer Natur zeigte— alles, ivaS ihn an dem Erwerb eines Ver- mögens und an einem ruhigen Lebensgenuß hindern konnte. Kaltblütig spekulierte er, kaltblütig verführte er Kauen, weil sie ihm billiger kamen als bezahlte Liebe, fast kaltblütig wollte er heiraten, alles berechnete er und trainierte sich so gut, daß er sich manchmal alS ein ganz neuer und anderer Mensch fühlte, daß alle in der Schule, in der Gesellschaft und zu Hanse anerzogenen und eingeimpften Triebe, Bestrebungen und Glaubenssätze— ganz in ihnen verloschen. Er bildete es sicip aber bloß ein. Denn da kam jetzt etwas— bloß die Verachtung einer früher geliebten Frau, ein Nichts— und erweckte mit der unerklärlichen Macht des Zusammenhangs alles Geschehens die so sorgfältig begrabene Welt zu neuem Leben. Angstvoll sah er es jetzt, daß es ihm doch nicht gelungen war, seine ganze Seele mit Geschäften, mit der Fabrik, mit der rein egoistischen Existenz zu erfüllen, daß die Seele voll von Traumbildern war. die wieder aufwachten und mächtiger als früher nach ihrem Recht verlangten. Als wäre die Jugend wieder in ihm erwacht unter der Asche dieses mechanischen Lodzer Lebens, die frühe Jugend mit all ihrem Glauben und ihren Trugbildern. Er spürte ein mächtiges Verlangen nach neuen Erlebnissen. Die Einsamkeit drückte ihn. Rasch ging er in die„Kolonie", traf aber außer dem Zimmcrniädchen niemand an. Er überlegte nicht mehr und ging direkt ins Hotel zu Kurowski, den er seit Wochen nicht mehr gesehen hatte. „Herr KurowSki?" fragte er einen Diener im ersten Stock. „Ich werde gleich nachschauen, ob er schon auf ist." Nach einer Weile kehrte er wieder und bat, ihm zu folgen. „Karl?" fragte eine kräftige, klangvolle Stimme auS dem zweiten Zimmer. „Ja. schläfst du noch?" „Nicht ganz. Geh bitte in den Salon, in zwei Minuten bin ich fertig." Außer der Wohnung bei seiner Fabrik, in einem unweit der Stadt gelegenen Dorfe, hatte Kurowski in diesem Hotel eine zweite Lodzer Wohnung, für„diskrete Funktionen", wie er sich ausdrückte. Jeden Sonnabend kam er herüber und empfing gewöhn- sich abends einen Kreis von guten Bekannten, trank mit ihnen, unterhielt sich und spielte � den ganzen Sonntag über schlief er und fuhr abends nach Hause, um sich erst wieder nach einer Woche zu zeigen. Ein seltsamer Typ eines Entgleisten. Er hatte sich an die Oberfläche dieses„gelobten Landes" geklammert und so weit eingewöhnt, daß er Geld machte und mit der Welt, aus der er emporgekommen war. gebrochen hatte. Man wußte nicht viel von ihm. Vor zehn Jahren erschien er auf dem Lodzer Pflaster mit den Resten eines großen Vermögens, das er lustig, wie es hieß, durchgcbracht hatte. Er gründete eine Fabrik mit einem dunklen Spekulanten und flog nach einem Jahr ohne einen Groschen heraus. Dann versuchte er. etwas selbst zu unternehmen, gleichfalls ohne Erfolg. Und dann lernte er .arbeiten", wie er sein schweres Leben in jenen Jahren be-, v f �«mm?'■'"•■ zeichnete, die er in einer untergeordneten Stellung in der Buchholzschen Fabrik verbrachte. Endlich gründete er wieder mit einem Teilhaber eine kleine Fabrik chemischer Präparate— es hieß, er hätte diese Fakultät in Deutschland absolviert— und machte nicht mehr Bankrott, im Gegenteil, diesmal blieb er da, und sein Teil- Haber, irgendein gewesener Gutsbesitzer, fuhr nach Warschau, um sich bei der Trambahngescllschast um eine Stellung zu bewerben. Die Fabrik entwickelte sich in jenem wahnsinnigen ams- rikanischen Tempo, das man nur in Lodz sehen kann. Seine Energie, die unglaubliche Ausdauer in dem geschickten Aus- bau und die gründlichen fachmännischen Kenntnisse brachten sie rasch vorwärts. Er machte keine Pleite, er brannte kein einziges Mal ab, er betrog nicht und war doch auf dem besten Wege, rasch Vermögen zu machen. Angespannte Arbeit und Ausdauer sollten ihm dazu verhelfen. Im übrigen war er ein seltsamer Mensch. Ein verknöcherter Aristokrat, der die Aristokratie haßte; ein Konservativer, der fanatisch an die Fortschritte der Wissen- schast glaubte; ein Liberaler und zugleich ein verbissener Ver- ehrer des Absolutismus; ein aufrichtiger Katholik, der mit der größten Offenheit über alle Religionen spottete.; ein vor- nehmcr, jede Mühe verachtender Sybarit, und zugleich ein leidenschaftlicher Arbeiter. Er spottete über alle und über alles und hatte doch ein empfindsames Herz für jedes Unglück und verständige Nach- ficht für alle menschliche Fehler. Eine Paradoxa» Gegensätzlichkeit war eS, die ein sehr einheitliches, originelles Individuum verhüllte. „Das ist ein polnisches Mischmasch, dieser Kurowski!" urteilte eininal Buchholz über ihn, der ihn sonst sehr hoch schätzte. Borowiccli horchte auf, er glaubte eine Frauenstimme und das Knistern von Fraucnkleidern in Kurowskis Zimmer zu hören.' ES wurde aber gleich still, und Kurowski erschien in der Tür. Er war etwas unruhig, begrüßte Borowiecki und setzte sich mit einer gewissen Ungeduld an den Tisch. „Kommt heut jemand?" fragte er und erhob seine großen. nußbraunen Augen auf Karl. „Soviel ich weiß, kommen alle. Ganze drei Wochen haben wir uns nicht mehr gesehen. Max, Endelmann und Keßler.kommen bestimmt, denn Max hat ausgeschlafen und die beiden anderen haben sich mächtig gelangweilt heute beim Empfang bei EndclmsnnZ." LForts, folgt) --- 5**-—/ 4' � ly'JL-JSl. SeukWr NMMM MM. Verwaltungsstelle Berlin. Zk 5i, Linienstroste 83—85. Keschästsjeit von 9—1 Uhr und von 4—7 Uhr. Telephon: Amt Norden 185, 1239, 1987, 9714 Sonntag, den 25. Augnst 1918, dormittagS 9'/, Uhr: Vk-aneben-Versammlung der Eisen-, Metall« und Rcvolverdreher, Dreherinnen sowie Rnndschleifer in den Andreas-FestsSle«, AndreaSstr. 21. Tagesordnung: 1. Vortrag über: �Das Arbeitskammergesetz.«' Z. DIZ- kussion. 3. Unsere gegenwärtige Lage. 4 Verschiedenes. Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt. Zur besonderen Beachtung! ES ist Pflicht aller Kollegen und Kolleginnen, pünktlich in der Versammlung anlvesend zu sein, sowie sür zahlreichen Besuch Sorge zu tragen. Auch bitten wir, aus das Lokal Andreas-Feftsälc, Zlndreasfir. 21, zu achten. 117/2 Vi« Orts-vvFwsUmiK. OroBverkanf. Kleinverkanf. Damenhüte ibsss* Cmpresacn, Reinigen n. Schwarzfärben sämtlicher Winterhüte übernimmt Karl Frieirieli, Bamenbiitialirik, Rote+ Lotterie 3667 Gewinne— Mark*. 100 000 1 50 000 f 10 000 Lose ä 3,30 m. Port4pti,,e 10 GIDcktlose sortiert in ein.eleg. Brieft. nur 38 M.inel. 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G. m. d.« Belle-»lliance�rr. 7— Iv. reit, cm ihren eigenen Völkern, die, wenn sie wirklich unterdrückt sind, unter den Folgen der Kriegsverlängerung doppelt leiden, eben weil sie unterdrückt sind. Wilson hat bisher das unwürdige Spiel, die kleinen Völler alz Schachfiguren im Kampf der Großen zu mißbrauchen, nicht mit- gemacht. Nur eine polnische Nationalvertretung ist von ihm anerkannt worden, wobei wohl die alte polenfreundliche Erinnerung an ihre Freiheitskriege und der gesellschaftliche Einfluß hervor- ragender Polen in den Vereinigten Staaten eine Rolle spielte. Die tschechische und südslawische Nationalvertretung ist von ihm noch nicht anerkannt. Er hat selbst die Einmischung in die inneren Verhältnisse der Staaten als kriegverlängernd verpönt. Man darf also wohl mit Spannung zusehen, ob es den englischen Prvpagan- disten gelingen wird, ihn in eine Linie mit dem britischen Kabinett zu bringen. Kabinettsbilüung mit �inöermj?en. Holland auf der Ministersuche. Amsterdam, 21. August. Wie ein hiesiges Blatt aus Apeldoorn vom 20. erfährt, empfing gestern die Königin den ftüheren Minister C o l i j n in Audienz. Der Minister hat sich bisher nicht g e- äußert, ob er die Kabinettsbildung auf sich nehmen wird oder nicht. Dieses ist nun schon der Dritte, der nicht Ministerpräsident in Holland werden will. Amsterdam, 21. August. Die Tatsache, daß es nicht gelungen ist, ein Ministerium zu bilden, gibt einem Teil der holländischen Presse Veranlassung zu einer mehr oder weniger scharfen Kritik. Das Streben des als KabinettsformatorS zurückgetretenen Mon- fignore N o l e n s war darauf gerichtet, ein Ministerium der Rech- ten zu bilden. Es scheint, daß auch die von der Königin zu Rate ge- zogenen Mitglieder der� Linken der Königin zur Bildung eines Kabinetts der Rechten geraten haben, obwohl die Rechte in der neuen Kammer keine Mehrheit hat. Wenigstens hat die Königin in den letzten Tagen ausschließlich mit Staatsmännern der Rechten über das neu zu bildende Kabinett konferiert. Die Versenkung des Dupctit-Thonars. Berlin. 20. August. Der nach feindlicher Meldung versenkte französische Panzerkreuzer Dupetit-ThouarS wurde durch eins unserer U-Boote am 7. August im Atlantischen Ozean vernichtet, während er als Führer schiff einen starken Transport von Amerika nach Frankreich geleitete. Der Chef des AdmiralstabeS der Marine. Oesterreichifch-italicnische KriegSgefangenen-Konfereuz. Bern. 20. August. Nach einer Meldung der Schweizerischen Depeschen- Agentur wurde hier in Anwesenheit des Bundespräsidenten und de? Vizepräsidenten Müller eine Konferenz über Kriegs« gefangenenfragen zwischen Vertretern Oesterreich-UngarnS und Italiens eröffnet. Die Parteiführer beim Vizekanzler. Keine Einberufung des Reichstags. Berlin, 21. August. Amtlich. Der Stellvertreter des Reichskanzlers hat heute im Beisein des Staats- sekretärS v. H i n tz e die Führer der Reichstagsfraktionen zu einer mehrstündigen Beratung empfangen. f s wurden zunächst die deutsch-russischen Z u s a tz v e r- e zum Brest er Friedensschluß und deren geschäftliche Behandlung erörtert. Die Mehrheit der Ab- geordneten vertrat dabei die Anstcht, daß auch nach dem Ab- schluß der zurzeit noch schwebenden Verhandlungen mit Ruß- land von einer sofortigen Einberufung des Reichstags abgesehen werden könnte. Ter Staatssekretär des Auswärtigen Amtes gab im An- schluß daran nähere Auskunft über die außenpolitische Lage und über die Ergebnisse d e r B e r a t u n g e n, die vor kürzem im Beisein österreichisch-ungarischer Staatsmänner und nach Anhörung von Vertretern Polens im großen Haupt- quartier stattgefunden haben. tzunüert Jahre basischer Verfassung. Eine Kundgebung des Grotzherzogs. Das Großherzogtum Baden feiert heute den hundertsten Gedenktag seiner Verfassung. Der regierend« Großherzog Friedrich erläßt zu diesem Tage ein« Kundgebung, in der es heißt: tzckite vor 100 Jahren hat mein Vorfahre Grohherzog Karl dem badischen Volke die Verfassung gegeben. Vertrauen und Liebe zum Volke waren Quelle und Seele dieses Gesetz- gebungswerkes. Mit dankbarer Freude iig Lande selbst entgegen- genommen, mit Anerkennung gewürdigt im weiteren Vaterlande, galt die Verfassung damals als Beginn und Grundlage eines neuen staatlichen Lebens. Fürst und Volk waren entschlossen, nach schwerer Kricgszeit zum Wiederaufbau und zur Fortcnwicklung des vom Großherzog Karl Friedrich gesegneten Andenkens gebildeten Staates in inniger Gemeinschaft zusammen zu wirken. In dem seither verflossenen Jahrhundert wurden diese Hofsnungen nicht enttäuscht. Die zur Mitarbeit berufenen Voltskräfte haben sich tüchtig ge- regt und kraftvoll entfaltet. Der badische Staat ist zu einer festgefügten Einheit, das badische Volk zu einem geschlossenen Ganzen von besonderer Eigenart geworden, die von Mir und von jedem Badenser hoch gewertet wird. In guten wie in schlimmen Tagen hat das VerfassungSwer? sich bewährt als Grundfeste ba- bischer Freiheit und Ordnung. So weit die Verfassung Badens von unseren demokrati- scheu Zielen noch entfernt bleibt, so ist doch anzuerkennen, daß sie sich organisch weiterentwickelt hat, bis sie im Jahre 1904 zum allgemeinen gleichen Wahlrecht gedieh. Von liberaler Seite ist diese Entwicklung oft und mit Recht Preußen als Muster vorgehalten worden. In Preußen blieb das Verfossungsvcrsprechen der Freiheitskriege uncingelöst. bis das Jahr 1848 seine Erfüllung erzwang, in der Gegenrevo- lution wurde das Wahlrecht zurückgeschraubt mit dem Er- folge, daß wir jetzt noch im schwersten aller Kriege um das gleiche Wahlrecht m Preußen zu ringen haben. Auch Baden hat feine sozialen und politischen Kämpfe, aber viel über- flüssige Bitterkeit, die wir in Preußen bis zum Grund aus- zukosten haben, ist ihm erspart geblieben. Ter Aufruf des Großherzogs von Baden bildet daher eine Kritik an Preuß e'n. eine ungewollte zwar, darum aber nur eine desto schärferei Die Not öer unteren Seamten. Ter Ruf nach Teuerungszulage. Der geschäftsführende Ausschuß der unteren Beamten, der 3000«) Mitglieder vereinigt, hat soeben folgende Ent- schließung gesaßt: .Die in der Sozialen Arbeitsgemeinschaft ver» einigten Verbände dev unteren Beamten im Reichs-, Staats- und Kommunaldienst erwarten, daß angesichts der gewaltigen Preis- steigerungen auf allen Gebieten der Lebenshaltung und in An- betracht des unablässigen Sinkens des Geldwertes auch den Be- amten eine sofort zahlbare einmalige Teuerungszulage in ausreichender Höhe gewährt werde, um dringend notwendige, unaufschiebbare Bedürfnisse zu befriedigen und eingegangene Ver- bindlichkeiten lösen zu können. Die Soziale Arbeitsgemeinschaft betont dabei nachdrücklich, daß bei der Festsetzung der Höhe der einmaligen Zulage'der Grad der Bedürftigkeit ausichlag- gebend sein muß, da die geringstbesoldeten Beamtenklassen am schärfsten von der Preissteigerung betroffen werden, indem ihre ge- ringen Vorräte am ehesten verbraucht waren. Bestrebungen, die auch die einmaligen Teuerungszulagen mit der Höhe de» Gehalts ansteigen lassen wollen, müssen auS sozialen Gründen auf daS entschiedenste zurückgewiesen werden. Baldigste Auszahlung der verheißenen Beträge ist unerläßlich.� llm Kaempfs Nachfolge. Als Kandidat für die im nächsten Monat anberaumte ReichStagSersatzwahl im ersten Berliner Reichstags- Wahlkreis an Stelle des verstorbenen ReichStagsprSsidenten Dr. I. Kaempf wird von einer Berliner Lokalkorrespondenz der Fabrik« besitzer Kommerzienrat Dr. C. L. Netter in Firma Wolf Netter u. Jacob genannt. Dr. Netter ist Mitglied der Aeltesten der Kauf- mannichafl, der Handelskammer und Mitbegründer der Metallbörse in Berlin. Ein majcstätsbeleidigender Amtsrichter. Der Amtsrichter Eich- Horn in Sleinach fsachsen-MeiningenZ wurde, wie das„B. T.* meldet, wegen Beleidigung seines ihm angestammten Herzog? zu einem Monat Gefängnis verurteilt. parteinachrichten. Unabhängige gegen Friedensbewegung. Gewöhnlich erheben die Unabhängigen gegen die Sozialdemokratie den Vorwurf, daß sie sich der internationalen Friedensbewegung nicht energisch genug angenommen habe, sie bemühten sich stelS in den Augen der Masse als die radikaleren Pazifisten zu erscheinen und die Sozialdemo- kratie einer der Friedensbewegung abgeneigten Gesinnung zu ver- dächtigen. Um so mehr muß man jetzt staunen, daß ein unab- hängiges Blatt einen Artikel gegen den Genossen Stampfer ver- öffentlicht, in dem diesem gerade umgekehrt seine pazifistische Ge- sinnung zum Vorwurf gemacht und gegen den Gedanken eines Völkerbundes nach dem Kriege in heftigster Weise Sturm gelaufen wird. Da heißt es: Wenn der Völkerbund sich verwirklichen ließe, würden die Rivaliläts« und Machtfragen nicht beseitigt sein und nicht be- seitigt sein können, weil ihre Wurzeln, Kapitalismus und Imperialismus, weitergedeihen. Der Völkerbund würde zer- fallen in zwei Gruppen, deren eine— die stärkere— ihn als Förderung, deren andere— die schwächere— ihn als Hemmnis ihrer.Interessen" anspräche. Keinesfalls aber würde es zu ver- meiden sein, den.Völkerbund" auf Waffengewalt zu basieren. Auch er würde den Militarismus mitschleppen als Blei- gewicht und Fessel zugleich für das inter- nationale Proletariat, für das er wahrscheinlich eine noch üblere Bedeutung erhielte, al« er sie bisher schon hatte. Die Politik, die die Interessen des Proletariats vertreten will, kann sich weder mit dem.Völkerbund" noch mit den Seufzern des Herrn Stampfer begnügen; sie muß auf die Ver- wirklichung des Sozialismus gerichtet sein. Stampfer stellt fest: „Pazifist ist jeder Sozialist, der das Ziel, fernere Kriege durch völkerrechtliche Bindungen unmöglich zu machen, auch als das seine anerkennt." Demgegenüber muß die Frage gestellt werden: Wer Pazifist im Sinne Stampfers ist, ist der noch S o z i a l i st? Wir beantworten die Frage nach dem Gesagten mit: Nein! Ist diese« Urteil richtig, dann gibt es in der sozialistischen Welt, die bisher steis für den Bölkerbundgedanken eingetreten ist, ganz besonders aber unter den Unabhängigen selbst— von einigen mit Seltenheitswert ausgestatteten Exemplaren abgesehen— überhaupt leine Sozialisten. Kautsly, Bernstein, Haase.Ledebour, Breit- scheid usw. sind dann ganz bestimmt.keine Sozialisten". Natürlich wollen sie sich nicht mit dem Völkerbund.begnügen", sondern wollen sie darüber hinaus die Verwirklichung deS Sozialismus, aber darum dreht sich doch nicht der Streit, sondern vielmehr darum, ob der Völkerbundgedanke zu verwerfen und jedes Zusammengehen mit bürgerlichen Pazifisten Verrat am Sozialismus ist. Hier scheint eS mit der.prinzipiellen Klarheit" der Unabhängigen gar sehr im Argen zu liegen._ Einen prächtigen Verlauf nahm eine öffentliche Frauenversamm- lung, die die Sozialdemokratische Partei Hamburgs am Montag einberufen hatte. Mehr als 3 00 0 Personen, vorwiegend Frauen, folgten den eindrucksvollen Ausführungen des Reichstagsabgeordneten Heinrich Schulz über.Die Bevölkerungspolitik und die Frauen". Am Schluß der Versammlung gelangte einstimmig eine Entschließung zur Annahnie, in der sich die Versammelten gegen die beiden Gesetz- entwürfe gegen die Behinderung der Geburten erklären und in dem Gesetz selbst ein unzulässiges Eingreifen in das Selbst- bestimmungSrecht des Menschen, insbesondere der Frauen, erblicken. Im neuen Deutschland! Unter diesem Titel hat der Bezirks- vorstand der sozialdemokratischen Partei für die obere Rheinprovinz eine von Konrad H a e n i s ch verfaßte Agitationsbroschüre heraus- gegeben. Die 22 Druckseilen umfassende Schrift ist im Verlag sür Sozialwiffenschaft, Berlin LIV 68, Lindenstr. 114, erschienen. Industrie und Handel. Halbamtlicher Kettenhandel. In der„Franks. Ztg." beschwert sich ein führender beut- scher Tcxtllindustricller über die Verknüpfung privater und öffentlicher Interessen, in den für seine Industrie zuständigen Gesellschaften, welche, obwohl privatwirtschaftlicher Kon- struktion, doch öffentliche Interessen mit zu vertreten haben. Es handelt sich um eine Kombination von Gesellschaften, die schon vor längerer Zeit Aufsehen erregt hat. Hofrat Hart mann, Besitzer der von ihm unter der Firma W. Hartmann u. Co. G. m. b. H. m Berlin betriebe- neu Papierfabriken, hat mit Herrn Josef Blumenstein die Textil- Union G. m. b. H. in Berlin gegründet, die sich mit dem Einkauf van Papiergarnen in großen Mengen be- schäftigt. Tie Textil-Union begründete mit der Direktion der Diskonto-Gesellschaft die Vereingten Textilwerke G. m. b. H., in deren Auffichtsrat ebenfalls Hofrat Hartmann sitzt: Aufsichtsratsvorsitzender ist der frühere Geschäftsführer des Vereins süddeutscher Baumwollindustrieller in Augsburg, Herr Hofrat Dr. Büttner, der seit Kriegsbeginn geschäfts- führender Direktor des Kriegsausschusses der deutschen Baum- Wollindustrie und jetzt auch im Reichswirtschaftsamt tätig ist. Geschäftsführer der Vereinigten Textilwerke ist der Mitgründer der Tertil-Union Josef Blumenstem. Die Geschäfte wickeln sich nun in der Weise ab. daß die Pgp.lerfgbrlken W, Hartman» y, Co. dmiMgen Spinnereien, Kelche ihre Garne an Textil-Union verkaufen, das zu deren Herstellung erforderliche Papier liefern. Die Textil-Union liefert dann die Garne an die den Vereinigten Textilwerken an- geschlossenen Webereien, deren Erzeugnisse cm die Vereinigten Textilwerke zum weiteren Vertriebe geliefert werden. Nach der Beschlagnahme der Vorhänge wurde die Faferstoff-Vertriebs. gesellfchast m. b. H. in Berlin von Herrn Hartmann gegründet, welche die von den Vereinigten Textilwerken übernommenen Gewebe bezieht. Vor einiger Zeit trat das Gerücht auf, die H ö ch st- preise für Papiergarn würden erheblich her- abgesetzt, um die Kauflust des Publikums für Papiergarns anzuregen. Herr Hartmann nützte diesen Zeitpunkt aus und kaufte bei den Organisationen der Papiergarnspinner große. Garnmengen Ift bis 29 Proz. unter dem Höchstpreise. Er wußte sehr wohl, daß Vorhangstoffe in absehbarer Zeit be- nötigt würden. Nachdem der große Auftrag für Garn und für die Vorhangstoffe vergeben war, brachten aber die� Zeitungen die Nachricht, daß die Höchstpreise für Papiergarn nicht herab- gesetzt würden. Das Ziel des Beschwerde führenden Industriellen ist em hoher Gewinn der Papiergarnerzeuger. Seine Zuschrift muß daher mit Vorsicht gelesen werden. Aber es kann doch nicht verkannt werden, daß die aus der Vereinigung so vieler Funk- tionen entspringende besondere Kenntnis von kommender� Aus- trägen und behördlichen Matznahmen eine Ueberlegenheft im Konkurrenzkampfe sichert, die der Außenseiter schmerzlich emp- findet. Mag auch die Dividende der verschiedenen von Hoftat Hartmann begründeten Gesellschaften begrenzt sein, so ergibt sich doch aus der Vielheit dieser Gesellschaften eine Häufung von Gewinn. Noch weit wichtiger aber ist natürlich jene be- sondere Kenntnis der Interna, von der wir eben sprachen, und der große Einftuß der aus einer so umfassenden Organisation auf die behördlichen Maßnahmen erwächst. Man wird daher dem Industriellen, der mit seinen Klagen an die Oeffentlrchkeit flüchtet, darin zustimmen müssen, daß nicht nur die Höchst- preise für Papiergarn, sondern auch die für Spinn- papier herabgesetzt und die an die niederen Hoch st preise gebundenen Weber veranlaßt werden, die Verkaufspreise ihrer Gewebe einer gründlichen Nachprüfung zu unter- ziehen._ DaS Ende der Stoffuot? Der Leiter der ReichSbekleidungSstelle, Geheimrat Beutler. ist wegen seiner optimistischen Aeußerungen über die baldige Be- Hebung der Stoffnot lebhast angegriffen worden. Er setzt sich nun in einem Interview mit einem Vertreter des„Konfektionär" zur Wehr, erklärt, daß ein nochmaliger Appell an die Bevölkerung zur Abgabe von Kleidungsstücken wohl kaum erforderlich sein werde. und teilt mit, daß die KriegSrohstoffabteilung vor einigen Tagen der ReichSbekleidungSstelle mehrere Millionen Meter Stoffe für Ober- kleidung«nd weitere Millionen Meter Wcbstoffe für Unterzeug sowohl für das letzte Vierteljahr 1918, als auch für das erste Bierteljahr 1919 zur Bersügung gestellt hat. Gleichzeitig versichert Herr Geheimrat Beutler, daß Patentansprüche die Ausnutzung von Erfindungen, die für die Kriegswirtschaft eine Notwendigkeit seien, nicht hindern werden. Diese Ausblicke berechtigen tatsächlich zu einem starken Opti- miSmus, in den wir freilich nach den vielfältigen Täuschungen der 5kriegSzeit— man denke nur an den ukrainischen Brotfrieden I— als vorsichtige Leute einige WermutStröpfen Skeptizismus gießen wollen. Da zu einem Anzüge ungefähr 2 Meter Stoff nötig sind, so kömtten aus 1 Million Meter Stoff für Oberkleidung in jedem Viertel- jähr 330 000 Anzüge hergestellt werden. Da aber G-heimrat Beutler von mehreren Millionen Meter Stoff spricht, so besteht die Hoff- nung, daß ein Mehrfaches davon an Anzügen in jedem Vierteljahr sür die Zivilbevölkerung zur Verfügung gestellt wird. Der „Konsektionär" behauptet, einen Anzugstoff sür Herren zu kennen. dessen Qualität schlechthin nichts zu wünschen übrig lasse, und dessen Meterpreis etwa 14 M. betrage. Wenn der Stoff tatsächlich in dieser verhältnismäßig billigen Preislage geliefert werden könnte, so wäre eS unbedingt Ausgabe der ReichSbekleidungSstelle. zu verhindern, daß Großhändler. Detaillisten und Schneider unter AuSnützung der drückenden Stoff- not große Zwischenzewinne erzielen. Letzte Nackrickten. Die Bedingungen der Sowjetregierung für die Freilassung der Ententegcsandten. Moskau, 20. August. Nach einer Meldung der„Jswestija" von heute hat der V o l k s k o m m i s s a r f u r a u S w ä r t i g e Angelegenheiten an den holländischen Gesandten in Peters- bürg folgendes Telegramm gerichtet: Folge-ndes sind die Vorschläge, die wir den Regierungen der Entente durch Vermittlung des neutralen Konsulatkorps gemacht haben und die per Radio an Herrn Lindleh nach Archangelsk geschickt wurden, die außerdem kollektiv gemacht wurden in Anbetracht dessen, daß die Vertreter der Entente erklärten, daß sie aus Rußland nur kollektiv ab- reisen wurden; den Bürgern der Entente mit diplomatischen und konsularischen Funktionen wird die Abreise aus Rußland unter der Bedingung gestattet werden, daß unser Vertreter L i t w i- now und alle russischen Bürger in offizieller Eigenschaft und mit offiziellen Aufträgen nach Rußland zurückkehren können. darunter unser Agent in Kristiania B eitler, welcher auf der Rückreise nach Rußland, auf dem Wege nach Mursanek, von den Engländern voni Schiff heruntergeholt und von ihnen fortgeführt wurde. � Die Offiziere und Soldaten der französischen M i l t t ä r m i s s i o n werden die Möglich- keit haben, Rußland zu verlassen, wenn Frankreich den russischen Soldaten, welche in diesem Land zurückgeblieben sind, die Möglich- keit gibt, nach Rußland anf jede nur mögliche Weife zurückzukehren unter Beihilfe des internationalen Roten Kreuzes und dreier Mit- glieder des russischen Roten Kreuzes, welche zu diesem Zwecke die Erlaubnis, nach Frankreich zu kommen, erhalten werden. Die englischen und französischen Bürger, welche in Rußland als Z i v i l g e f a n g c n e interniert werden und keine Verbrecher sind, werden freigelassen werden. Die anderen außer den Ver- blechern bleiben in Freiheit unter der Bedingung, daß keiner- lei Maßnamen politischer Repressalien gegen An- Hänger der Ratsgewalt weder jetzt noch später im Gebiet der anglo- französischen und tschccho-slowakischen Okkupation und in den En- tentelcrndcrn ergriffen werden, und daß alle etwa in dieser Rick- tung bereits ergriffenen Maßnahmen zurückgenommen werden. Ten Bürgern der Entente wird die Abreise aus Ruß- land gestattet werden, wenn die russischen Bürger die Er- laubnis zur Abreise aus den Ententeländern erhalten, einschließlich derjenigen, die in die englische Armee cwgestellt wurden. OewerkschofisbetvWUNg Moderne Leibeigenschaft. EZ gehört belanntlich nickt zu den Seltenheiten, daß seitens der Betriebsleitungen die Vorschrift gemacht wird, die Verheiratung des Arbeiters von der vorherigen Genehmigung der Betriebsleitung abhängig zu machen. Den Hahnichen Werken in Großenbaum bei Duisburg ist es vorbehalten geblieben, in der Beschränkung des Persönlichkeitsrechts ein besonders ausgedachtes Glanzstück zu voll- bringen. Die Lohnverhältnisse waren dort immer sehr mäßig, und ob- wohl der Beschäftigungsgrad im Kriege sehr günstig war, ist eine den Kriegsgewinnen einigermaßen entsprechende Lohnsteigerung nicht eingetreten. Um nach außen hin den Schein zu wahren, hatte sich die Direktion nun vor mehreren Wochen entschlossen, eine Neuregelung der Teuerungszulagen zu lreffen, aus der folgendes hervorzuheben ist. Tie Zuschläge betragen für die verheirateten Arbeiter, Männer wie Frauen, 5 Pf. zum Stundenlohn, für die Frau und für jedes Kind unter 14 Jahren 4 Pf. bei einem Schichtlohn bis zu 13,50 M. Bei höherem Schichtlohn betragen die Teuerungszulagen die Hälfte. An die Gewährung dieser Teuerungszulagen wurde jedoch die Bedingung geknüpft, daß sämtliche erwerbsfähigen Mitglieder der betreffenden Arbeiterfamilie bei der Firma Hahnsche Werke be- schäftigl find. Ebenso wurde verfügt, daß in den Kolonie« Wohnungen der Firma künftig der bisherige Mietpreis von 15 M. nur noch den Familien zugebilligt wird, bei denen alle Familien- angehörigen, die zur Arbeit geben, in dem genannten Werk tätig sind. Sind dagegen einzelne Familienangehörige anderweitig in Stellung, so kostet die Miete den doppelten Betrag. Angesichts der dortigen Löhne können natürlich die Arbeiter auf die Inanspruchnahme der Teuerungszulage nicht verzichten. Wer aber von diesem Zuschlag Gebrauch machen will, das beißt wer für seine Arbeit eine ausreichende Bezahlung haben oder sich vor einer plötzlichen lOOprozentigen Mietssteigerung schützen will, der muß sich in das hier angekündigte HörigkeitsverhSltnis fügen und seine ganze Familie in den Dienst seines Unternehmers stellen. Wer wagt es, hier noch von einem freien Arbeitsvertrag zu sprechen j Jede Entschließungsfreiheit, ja man kann sagen die freie Berufs- wähl der Arbeiterkinder wird hier mit einem Federstrich abgeschafft, um dem Arbeitgeber die restlose Ausnützung aller in der Arbeiter- familie verfügbaren Arbeitskräfte zwangsweise zu sichern. So malt sich die Neuorientierung in den Köpfen mancher Unternehmer. Ei»„streng vertrauliches" Rundschreiben gegen einen Arbeiter, der mehr verdienen konnte. Welcher Mittel das Unternehmertum sich bedient, um Arbeiter an der Verbesserung ihrer Etnkommcnsverhältnisse zu bindern, zeigt so recht folgendes von der„Merkur Flugzeugbau G. m. b. H." an die Flugzeuge bauende Firmen übersandtes streng vertrauliches Schreiben: Merkur Flugzeugbau G. m. b. H. Berlin 80 36, 26. Juli 1918. Treptower Str. 36—40. Streng vertraulich. Wir bitten die verehrlickw Direktion, Ihren Betrieb veran- lasten zu wollen, daß der erst 18 Jahre alte Schlosser Max T.. geb. am 21. 1. 1000. wohnhaft zu Berlin sfolgt Straße und Haus- nummer) nicht eingestellt wir!?. T. ist bei uns als Schlosser mit einem Stundenlohn von 1,50 M. angestellt, arbeitet in der Teilschlosserei Akkord und ver- dient durchschnittlich 2,75 bis 3 M. pro Stunde. T. verlangt jetzt einen Abkehrschein mit dem Hinweis, daß er bei der Firma A. E. G., Flugzeugbau Hennigsdorf, 2.50 M. Stundenlohn und entsprechend erhöhten Akkord erhalten kann. Sic werden wahrscheinlich aus dem gleichen Standpunkt wie wir stehen, daß die Verhälinisse, wie sie in der letzten Zerr be- ziiglich Lobuforderunnen heraufgewachsen, dermaßen ungesunde �worden sind, daß Sie unS in diesem Falle unterstützen werden. Wir haben von diesem Falle der Kgl. Inspektion Kenntnis gegeben und erwarten auch von dieser Seite Unterstützung. Es sollte uns sehr angenebm sein zu hören, ob Sie Mtsere Bitte erfüllen werden, und zeichnen wir im voraus bestens dankend hochachtungsvoll Merkur Flugzeugbau G. m. b. H. lgez.) Unterschrist unleserlich. Dieselben Unternehmer, die die Kriegskonjunktur so vortrefflich zu ihrer märchenhaften Bereicherung auszunutzen verstehen, sinden es ungesund, wenn Arbeiter ihre Arbeitskraft dort verkaufen wollen, wo sie dieselbe am besten bezahlt erhalten. Und um diese Absicht des betreffenden Arbeiters zunichte zu machen, wird nicht nur an das Solidaritätsgefübl der Unternehmer appelliert,� sondern mich die Kgl. Inspektion in Kenntnis gesetzt und von dieser Seite Unterstützimg erwartet. Es wäre von Interesse, zu wissen, wie die Kgl. Inspektion über die von der Firma erwartete Unter- stützung denkt._ Not kennt kein Gebot. Bei. Erlangung der letzten Teuerungszulagen haben sich die Bauarbeireiverbände verpflichtet, vor Oktober 1913 keine wetteren Forderungen zu erheben. Das ungeheure Fortschreiten des Tempos der Teuerung hat sie, wie wir kürzlich bereits mit- teilten, indessen gezwungen, trotz des Vertrages eine sofortige weitere Lohnzulage zu fordern. Gegenüber der Weigerung des pnternchmerverbandes, der sich auf den Vertrag beruft, erklärt der„Grundstein", Not kenne kein Gebot und alles formale Recht nütze nichts, wenn der Hunger und der Wille zum Leben die eine BertrmjSpartei zur Durchbrechung des Ver- trage« zwinge. Mit dieser Erklärung haben sie die Arbeiterver- bände auch an das Reichswirtschaftsamt gewandt, da« erwiderte, die Arbeitgeber würden nochmals am 29. August zur Lage Stellung nehmen, und sollten sie Verhandlungen ablehnen, werde die Re- gierung versuchen, eine gemeinsame Aussprache der Vertragsparteien unter amtlicher Leitung herbeizuführen. Auch die Arbeiterschaft des märkischen Sauerlandes fordert kürzere Arbeitszeit. Zu einer eindrucksvollen Kundgebung für die. Verkürzung der Arbeitszeit gestaltete sich eine am Sonntag, den 13. August, in Plettenberg sWestf.) stattgefundene Konferenz der Vertrauens- männer und Arbeiterausschußmitgliedrr der drei Metallarbeiter- verbände für den Lennebezirk des märkischen Sauerlandes. Weit über 500 Kollegen waren aus dem ziemlich ausgedehnten Bezirk er- schienen. Nach einem eindrucksvollen Referat des Kollegen Martin vom Deutschen Metallarbeiterverband, welcher die Notwendigkeit der Verkürzung der Arbeitszeit gerade im hiesigen Bezirk ausführlich begründete, wurde einstimmig eine Entschließung angenommen, wo- nach unter Berücksichligung der heutigen Ernährungsverhältniste nnd des Gesundheitszustandes der Arbeiterschaft eine wöchentliche Arbeits- zeit von 54 Stunden und Sonnabendfrühschluß gefordert werden soll. Die Organisation der Arbeiter sowie die Arbeiterausschüsse wurden beaujiragt, diese Forderung den Arbeitgebern zu unterbreiten und für baldige Durchführung Sorge zu tragen. Die Abrechnung des Fadrikarbeiteroerbandes vom 1. Ouartal 1918 schließt mit einer Gesamteinnahme von 4 452 992.63 M., wovon 3 774 470 92 M. als Kassenbestand vom vorigen Ouartal zu be- trachten sind. Die Gesamtausgabe beträgt 695 476 13 M. Davon sind ollein 203 258.93 M. an Kranke und 213 394.69 M. an Notloge- Unterstützung ausgezahlt worden. Es betrug der Kassenbestand am 31. März 1913 3 757 516,50 M. Nun aber enölich mehr Unfallverhütung! Eine Aufgabe für das Reichsverstcherungsamt. Bei der Beratung des Etats des Reichswirtschaftsamtes be- tonte der Unterstaatssekretär Caspar auf die Klagen des mangeln- den Unfallschutzes, daß das Reichswirtschastsamt schon im ver- gangenen Jahre bei der Heeresverwaltung angeregt habe, die Ge- werbeaufsichtsbeamten und technischen Aussichtsbeamten der Be- rnfsgenossenschaftcn nach Möglichkeit ihrer eigentliche» Aufgabe wieder zuzuführen. Er hob besonders hervor, daß sich die Heeres- Verwaltung dieser Anregung gegenüber durchaus zustimmend ver- halten habe. Wie es in Wirklichkeit auf dem Gebiet der Ueber- wachung des Arbeiterschutzes aussieht, darüber bietet der von uns schon in anderem Zilsaminenhang erwähnte„Bericht über die Tätigkeit der technischen Aufsichtsbeamten der Nahrungsmittel- industrie-Berufsgenossenschaft im Jabre 1917" ein geradezu tlassi- sches Zeugnis. Eigentlich ist schon die Bezeichnung des Berichtes nicht zutreffend. In ihm wird nicht über die Tätigkeit der tech- nischen Auffichtsbeamt e n gesprochen, denn es handelt sich in diesem Bericht ausschließlich um die Tätigkeit des Leiters des tcch- nischen Aufsichtsdienstes, da sich, wie es im Bericht heißt,„die übrigen Beamten, wie in den Vorjahren, als Offiziere im Felde befinde n". Für die Berufsgenosscn- schaft, dessen Kantrollbericht uns Anlaß zu diesen Bemerkungen gibt, hat also die Zusage der Heeresverwaltung noch keine Wirkung gezeitigt. Das ist um so bedauerlicher, als bei der Nahrungs- mittelindustrie-B.-G. nur 337 Betriebe mit 10 714 Vollarbeitern revidiert werden konnten. Dabei sind rund 39 000 Betriebs im Kataster der B e r u f s g en a s f en sch a f t ver- zeichnet. Wir wissen, daß die geringe Zahl der kontrollierten Betriebe nicht auf das Konto des technischen Beamten dieser Berufsgenossen- schaft gesetzt werden darf. Wenn der Wille, fchadenverhütend zu wirken, in allen Berufsgenossenschaften so rege wäre, wie bei der Nahrumgsmittelindustrie-B.-G., wäre manches besser. Um so dring- sicher aber ist die Notwendigkeit, die im Heeresdienste stehenden Aufsichtsbeamten nun endlich wieder ihrer F r i e d e n s t ä t i g k e i t zuzuführen, als die Zahl der Unfälle andauernd zunimmt. Es ist ein Ding der Unmöglichkeit, mit den zur Verfügung stehenden Kräften auch nur die dringlichste Betriebsüberwachung vorzunehmen. In dem uns vorliegenden Bericht wird betont, daß bei dem Fehlen jeder technischen Hilfe vom Berichterstatter nur die allernotwendigsten Revisionen und Unfall- Untersuchungen vorgenommen werden konnten. Was soll ein einzelner mehr leisten, als geschehen, wenn er, wie wir aus dem Bericht entnehmen, in annähernd 80 Fällen wegen Prüfung von Regreßansprüchen besondere Erhebungen über Ver- anlassung und Art einzelner Unfälle anstellen und hierüber jeweils besonderen schriftlichen Bericht erstatten, sich über Anordnungen ver- schiedener Landesbehörden gutachtlich äußern, in 12 Fällen vor Gericht als Zeuge oder Sachverständiger erscheinen und dann an einer achttägigen Dienstreise von Mitglisdern des Reichsversicherungsamts zur Betriebskontrolle teilnehmen mußte? Zumal dieser einzelne die sämtlichen, aus dem ganzen Reiche einlaufenden Un- fallanzeigcn in Unfallversicherungspflichtiger Beziehung zu be- arbeiten hatte. Es erscheint uns unmöglich, daß die technischen Aufsichtsbeamten im Heeresdienste dem Lande ersprießlichere Dienste leisten können, wie in der Heimat im alten Berufe. Hier gilt'S die Er- Haltung der Volksgesundheit und Volkskraft. Die Betriebsüberwachung scheint uns auch aus einem anderen Grunde, als dem geringen Personal sehr im argen zu liegen. Wir entnehmen dem unS vorliegenden Bericht, daß gemeinsame Be- triebsrevisionen mit den Beamten der Gewerbeinspcktion nicht statt- fanden. Die Gründe werden nicht gesagt, doch kann man sie der ganz beiläufigen Bemerkung entnehmen, daß diese Beamten„i n der Hauptsache ihrer eigentlichen Tätigkeit durch die Prüfung von Militär reklamationsange- legenheiten entzogen sind"— der Krieg nimmt nicht nur direkt, sondern auch indirekt die Kräfte der Gewerbcaufsicht in Anspruch. So gehen die Dinge nicht mehr weiter. Andauernd ist eine bedrohliche Zunahme, namentlich der schweren Unfälle-zu verzeich- nen. Abhilfe mutz geschaffen werden. Auf zwei Wegen. Einmal dadurch, daß die Heeresverwaltung nun endlich die Gewerbcauf- sichtsbeamtem und dje technischen Aufsichtsbeamten der Persiche- rungSträger ihrer Berufstätigkeit wieder zurückgibt. Zum anderen aus dem Wege dbs§ 875 R.P.O. Nach dieser Vorschrift können als technische Auffichtsbeamt« auch Personen angestellt werden, die früher den oersicherten Betrieben als Arbeiter angehört haben. Sowohl unter den nicht mehr militärpflichtigen Personen, als auch unter den Kriegsbeschädigten finden sich geeignete Personen ia ge- nügender Zahl. Hier liegt eine Ausgabe für das R e i ch s v e r s i ch e r u ng s a m t vor, von der zu wün- schen ist, daß sie in Angriff genommen wird. Und zwar ohne lange bureauk ratische Erwägungen, sofort! Natürlich bedarf es nicht einer Erlaubnis des Reichsversiche- rungsaints zu einer solchen Anstellung. Deshalb erwarten wir auch z. B. von der Nahrungsmittelindnstric-B.-G., daß sie auf diesem Wege vorangeht, zumal es ja in ihrem technischen Bericht heißt: „Die äußere Ueberwachung der Sich?»heitseinrichtungen der Aufzugsanlagen, die in allerkürzesten Fristen und ohne vorherige Anmeldung zu erfolgen hätte, kann sehr wohl kriegsbeschädigten Fahrstuhlschlossern oder Monteuren übertragen. werden. Es ist endlich allerhöchste Zeit, den Wert des Menschenlebens auch hier zu erkennen!" Handeln heißt es also, schnell handeln! Soziales. Tie Teuerungszulage in der Invalidenversicherung. Durch die BundesratSverordnung vom 3. Januar 19l8 ist den Empfängern einer Jnvalidenrenie eine Zulage von 8 M., den Empfängern einer Witwen- oder Witwcrrente eine solche von 4 M, monatlich iür die Zeit vom 1. Februar 1918 bis Ende Dezember 1918 zugebilligt worden. Diese Verfügung hat die Leistungen der Versicherungsanstalten stark anschwellen lassen. Der zahlenmäßige Nachweis hierfür wird in der Veröffenlsichung über die Verficherungs- leistungen der 31 Versicherungsanstalten im Monat Februar erbracht. Hiernach betrugen die Ausgaben: ' Februar 1917 1913 Invalidenrenten.....'10 044078 M. 20 069 899 M. Krankenrenten...... 1 227 242„ 1 940 603, AllerSrenten...... 2 854 082, 3 149 649„ . Witwen- sWitwer-) Renten. 227 985. 530 584. Wilwenkrankenrenten... 10 702, 22 542, Waisenrenten...... 1 590 274„ 2 634 986, Wilwengeld...... 168 487„ 188 874, Waisenaussteuer...■■ 4 791, 9 903 fr- Zufammeu 16 127 649 M. 28 547 051 M.' Die Rentenleistungen haben sich gegenüber dem Vorjahre zum Teil nahezu verdoppeil. Be: den Aliersrenren ist die C-Ieigerung allerdings nur geringfügig, aber die Altersrentner find aus unbekannten Gründen von der Wohlrar der Teue- rungszulage ausgenommen, obwohl gerade diese Invaliden der Arbeit in der Zeit der Kriegsteuerung eine Aufbesierung ihrer Bezüge dringend notwendig hätten. Auch das Witwengeld weist nur eine geringfügige Steigerung aus. da die Teuerungszulage hierbei nicht gewährt wird. Das Witwengeld ist bekanntlich eine einmalige Leistung, die aber nur dann gewährt wird, wenn die Witwe beim Tode des verficherten Ehemannes die Warte- zeit erfüllt und die Anwartschaft aufrechterhallen har. Den erhöhten Ausgaben der Versicherungsanstalten stehen mich erhöhte Einnahmen gegenüber, die allerdings bei weitem nicht aus- reichen, die Mehrausgaben zu decken. In den ersten fünf Monaten dieses JahreS betrug der Erlös aus Beitragsmarken 12,1 Millionen Mark mehr als in der gleichen Zeit des Vorjahres. Trotzdem braucht man keine Befürchtungen wegen der Leistungsfähigkeit der Versicherungsträger zu hegen. Nach dem zuletzt veröffentlichten Ab- schluß verfügten sie im Jahre 1916 über einen Vermögens- bestand von 2306.5 Millionen Mark und ihr Vermögen, das sich im letzten Frtedensjahr um 176,4 Millionen Marl erhöht hatt�. hat im Jahre 1916 noch einen Zuwachs von 73.8 Millionen Mark erfahren. Im ungünstigsten Falle dürfte die Teuerungszulage zu den Invaliden- und Witwenrenten die Wirkung haben, daß das Vermögen der Versicherungsträger in diesem Jahre keine Steigerung erfährt. Verantwortlich für Politik: Erich Rntwer, Berlin: für den übrigen Teil des Blattes: Alfred Schot», Neulölln: für Anzeigen: Throdor Glocke, Berlin. Verlag: VorwSrtS-Verlag S. m. b. H., Berlin. 2ruck: Vorwärts-Buchdruckerei und BerlagSanftall Paul Singer u. Co. in Berlin. Lindcnftraßs S. Hier»« 1 Beilage«nd Uuterhaltungsblatr. leipziger Sir. sVerjand-Abilg.) Morihplah Königstr. Iftosenihaler Str. 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Geschichte des Ab. falls der Niederlande. 2.2S peualozzi, 3. S. von L.(Burlto. Rabeiai« von Georg Pfeffer. Rouäe-tw Briese von Fr. M.«trchcilen. gBaeae», Zticheed in seinen«riefen von Ed. Kloß. Di« Heiligt Schrift von Ed. Groß. ? vait.O. Gtchgt,/