Ztr. 331. 35. Jahrg. Bezugspreis: ÄierteljShrl. 4�0 Mk. monaU. 1,5<>M!. frei ins Haus, vornuSzahldar, Einzelne Nunui�in lv Biennig, Hosibezu�: Mona.enH. vom voilichalter abzuholen 1.S0 M., vom Brieftrüier ms Haus oe- bracht l,S4 MI. Uni« Kreutbanb für De-.ttlchtard und Oesterreich. Ungarn L.— MI. ihr das übrige Ausland «.S0 Mi. menatiich. Äeeiand ms Feld bei direkter Beiteiluna monatl. l&füXL Poilbeitellungen nehmen an Däne» mr:l, Holland. Luxemburg. Schweden und die Schweiz. Eingetragen in die Post-�eitungs-Bretsliste. Erich ein, täglich. Telegramm- Adresse: »Sozialdemokrat Verliu" Verltnev VolKsblntk. c ) Auzeigeuprcis: DiesiebengesvalteneKolonelzetlekosiet 80 Pfg.»Kleine Anzeigen-, das fettgedruckte Wort 30 Zig. izuliisstg 2 fettgedruckte Sorte). iedeS«eitere Vort tb Pfg. Stellengesuche und Echlefstellenanzeigen das erste Wort 20 Pig., iedeS weitere Wort 10 Ptg. Worte über IS Buchstaben zählen für zwei Worte. Teuerungszuschlag 20°/» Familicn-klnzeigen, politische und gewerlschastliche Vereins- Anzeigen so Big. die Zeile. Anzeigen rar die nächste Nummer müssen bis ä Uhr nachmittags im hauptgeschäst. Berlin EW. 66. Lindenstratze 3. ahiegebcn «erden. SsSssnel von 8 Uhr früh bis 7 Uhr abends. �entrslorgan äer fo2ialä6mokrati fcken Partei OeutfckianÄs. Reöaktion: SW. öS» �inüenstraße 2. Zfern'vrecher: Am» Morivviatf, S!r. IKI SV— 151 97. Freitag, de« 33. August 1918. •Expedition; SW. öS, Änöenstraße Z. �feruwrecker: Amt Moritepla«. Nr. 1K1 90— IM 97. Gewaltiges Ringen an der Untre und die Selbstausschaltung öes Reichstags. Aus der gestern veröffentlichten amtlichen Meldung über die Parteiführerk»nferenz beim Vizekanzler geht hervor, daß die Einberufung des Hauptausschusses wie des ganzen Reichs- tags an dem Widerstand der bürgerlichen Parteiführer ge- scheitert ist. Genosse Ebcr�, der Vorsitzende des Haupt- ausschuffes. ist bei dieser Besprechung sehr entschieden für die Einberufung eingetreten, fand aber nur bei dem Vertreter der Fertschrittspartei Dr. W i e m e r eine gewisse, immer noch sehr bedingte Unterstützung. Der Vertreter des Zentrums, Herr Grober, sprach sich gegen die Einberufung aus, und dasselbe taten auch Graf Westarp und Dr.©tiefe- m a n n. Die kleinen Parteien, Deutsche Fraktion, Polen und Unabhängige, waren nicht vertreten. Die Einberufung des Honptausschnsses war bekanntlich von einem fortschrittlichen Bleut, dem»Verl. Tageblatt", ge- fordert worden, und auch die„Zentrums-Parlaments-Korre- spondenz" Hot sich zu dieser Forderung sympathisch gestellt. Es ergibt sich«lso eine gewisse Divergenz der Anschauungen in diesen Parteien selbst. Diese AeinungSverschiedenbeiten über die formale Behand- lung der Oslfragen lassen den Schluff auf sachliche Meinungs- Verschiedenheiten zu. Wer mit den geplanten Zusatzverträgen zum Brester Frieden sachlich einverstanden ist. für den wird es mir der Einberufung des Hauptausschuffes keine Eile haben. Wer umgekehrt in diesen Verträgen einen Fehler sieht, der wird sich bemühen, ihn noch rechtzeitig zu korrigieren, der 'wird sich nicht vor vollendete Tatsachen stellen lassen wollen. Wenn nun über die Zweckmäßigkeit einer Einberufung des Hauptausschusses im Zentrum und in der Fortschrittspartei verschiedene Meinungen vorhanden sind, so dürsten auch die sachlichen Meinungen über die Ostpolitik im allgemeinen und die Zusatzverträge im besonderen dementsprechend auSein- andergehen. Der Vorsitzende kann nicht die Einberufung des Haupt- ausschuffes verfügen, wenn die Partsien, die den Haupt- ausschuß bilden, seinen Zusammentritt nicht wünschen. Als Vorsitzender ist er nicht Parteimann, sondern vollziehendes Organ der Gesamtheit. So muß die Einberufung des Haupt- ausschuffes unterbleiben, und man kann sagen, unter diesen Umständen ist es auch kein Schaden, denn etwas Gescheites hätte dabei doch nicht herauskommen können. Unter den Teilnehmern an der Konferenz herrscht Ueber- einstimniung darüber, daß diese Zusatzverträge selbstverständ- lich der Z u st i m m u n g' d e s Reichstages bedürfen und dem Reichstag sofort nach seinem Zusammentritt vor- gelegt werden sollen. Die Zustimmung wird aber dann nur noch eine bloße Formalität sein. Die Dep«tation mit üer königskrone. H e l f i n g f o r S, 21. August. Zur Vorbereitung der KS- n i g s w a h l ist eiue von der Regierung auscrselfcne D c p u t a- tion nach Deutschland abgereist. Ter Deputation ge- HSren Senator Talas, die chelnaligcn Senatoren Frey und Ncvau- linna, sonne Froiherr A. von Bonsdors an. Die Einführung der Monarchie konnte bekanntlich im finnischen Parlament nicht durchgesetzt werden, die Depu- tation stützt sich aus den Staatsstreich. Wer hat Lust, sich auf die Bajonette zu setzen? Russischer Kriegsbericht. Moskau, 21. August. Im Bezirk von Kasan finden für die Sowjettruppen'erfolgreiche Kämpfe statt. Wir haben das Dorf Waffiliewha eingenommen. Südlicher Frontabschnitt. 35 Werst südlich von Elan wurde das Torf Beresowska von emer seindUchen Kavallerieabtei- lung eingenommen, doch wurde der Gegner durch einen Ansturm unserer Kavallerie vernichtet, aus diesem Dorf verdrängt, und nach der Ansiedlung Wulgarinsk und nach Pekatschew zurückgeworfen. Hier haben wir Gefangene gemacht. Nordöstlicher Abschnitt. In der Richtung von Ka- tschman, südöstlich von der Staiion Oboserni, ist der Gegner von der Station Ewingsk zurückgeschlagen worden. Nord-Kaukasisch er Abschnitt. Der Gegner hat die Dörfer Pitschuga und Ersowk« eingen»M,ien und den Anmarsch auf die Ansiedtun« Orlowk». nordöstlich von Dschumrak. begonnen. Unser Kommando hat-le«atzreOeln zur Abwehr des Gegner« ergriffen. der an demselben Tage in der Richtung von Wolikokniajiza die An- siedlung Pestschanij verloren hat. Scharfe russische Repressalien. Moskau, 21. August.(P. T. A.) Der Kommissar für auswar- tig« Angelegenheiten, k s ch i t s ch e r i n, teilte den Sntontemächten durch den holländischen Botschafter mit, daß Bürger der Sntsnte- Englischer Großangriff südlich Arras— 39 Kilometer breite Offensive ab- geschlagen— Rücknahme der Front süd- östlich Noyon und bei Carlepont— Feind- liche Angriffe zwischen Oise und Aisne zurückgeschlagen. B e r l i n, 2 2. August 1918, a b e u d S. Amtlich. Teilkämpfe bei Baillcul und südlich der Lps. (Gewaltiges Ringen a» der Ancre und Tounnc. Auf dem gestrigen Schlachtfclde nordwestlich Ba° paume und an der Ffront zwischen Albert und der Summe brachten wir großangelegte Angriffe der Engländer durch Gegenangriff zun, Scheitern. Angriffe der Manzusen zwischen Oise«nd Aisne vor unseren neuen StcLungcn. Amtlich. Großes Hauptouartier, 22. August 1918. iW. T. B.) Westlicher Kriegsschauplay. Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht. Im Krrnmelgcbict wurden feindliche Teilangriffe beiderseits der Straße Loker— Dranoeter abgewiesen./ Südlich von Arras hat der Engländer gestern mit neuen großen Angriffen begounrn. Englische Armeekorps und Neuser- länder waren zwischen Mopeuvillc und der Ancre in Richtung auf Bnpaume in tiefer Gliederung angesetzt. Des englische Kavnllerirkorps stand hinter der Front zum Einsatz bereit. Durch stärkeres Artillcriefeucr und mehrere hundert Panzerwagen unter- stützt, stieß die Infanterie des FeindcS aus der etwa 2l) Kilo- meter breiten Front zum Angriff vor. Bor unseren Schlacht- stellungen brach ihr erster Ansturm zusammen. In örtlichen Gegenstößen nahmen wir Teile des dem Feinde planmäßig über- lassenen Geländostreifcns wieder. Der Feind setzte seine heftigen Angriffe den Tag über fort. Ihr Schwerpunkt lag aus den Flügeln des AngriffSfcldes. Sie sind völlig unter schweren Verlusten für den Feind gescheitert. Versuche des Gegners, bei Hamcl die Ancre zu überschreiten, wurde vereitelt. Eine große Anzahl zerschossener Panzerwagen liegt vor unserer Front. Zwischen Somme und Oise verlief der Tag ruhig� Süd- westlich von Noyon haben wir uns in der Nacht vom 20. zum 21. kampflos vom Gegner etwas abgesetzt. Den ganzen Tag über lag daS Artilleriefener deS Feindes noch ans unseren alten Linien. Zögernd fühlten am Abend seine Erkundungs- abteilnugen gegen das Tal der Divette vor. Die im Carlepont- Walde kämpfenden Trupp«, nahmen wir vom Feinde unbemerkt hinter die Oise Mmck? Angriffe des Feindes, die sich hier gestern früh durch stärkstes �mehrstündiges Artilleriefouor vor- b««itcten, kamen infolgodessen nicht zur Geltung. Zwischen Blerancourt»nd der Aisne setzte der Feind seine Angriffe tags- über fort. Rur bei Blerancourt konnte er Boden gewinnen. Der gegen die übrige Front gerichtete und am Abend mit de- sondcrer Kraft beiderseits der Mors«i»Schlncht geführte An- stiirm brach unter schweren Verlusten für den Feind zusammen. Der Erste Gcneralqnartiermeister. Ludendorff. Der österreichische Bericht. Wien, 22. August. Amtlich wird verlautiart: Jtalionischer Kriegsschauplay. Auf dem Monte Cimone wurde ein italienischer Borstoß abgewiesen. Albanien. Ein aus österrcichisch-ungarischen und deutschen Landfliegern und K. u. K. Scefliegera zufamuicngcsetztcs Geschwader griff die feindlichen Fliegcranlagen bei Balona ad. Es wurden zahlreiche Brände beobachtet. Unsere Flugzeug kehrten vollzählig zurück. Der Chef des Generalstabcs. Mächte, und zwar sowohl Diplomaten und Konsuln als auch in Rußland integrierte Bürger, die EitaubniS, Rußland zu verlassen, nur in dem Fall bekommen würden, wemn glcichzeiitig dem russischen Vertreter in England Litwinow, allen russischen Bürgern, dem russischen Agenten in Kristiania, BeuKer, der von den Engländern auf dem Schiff festgenommen wurde, allen in Frankreich geblie- benm russischen Soldaten und anderen, die Möglichkeit gegeben wird, in die Heimat zurückzukehren. Hurafrieüen in öe? Ukraine. Die Kiewer Presse meldet, dcrß sich die ukrainischen politischen Parteien und BcrufSorganisationsen zwecks gemeinsamer Arbeit i unter zeitweibigsr Zurückstellung der Cinze!pr»gra»«ne zu einem Ukrainischen Rationalb und zusammengeschlos- s e n haben. Beigetreton find bisher die ukrainischen Sozialrevo- lutionäre, der Bauernbund, die ukrainische sozialdemokratische Ar- beiterpartei, die Sozialistcn-Födcraltsten, die Samostyjniki-Soziei- listen, der Hauptrat des Verkehrsverbandes, der Post- und Tele- graphenvcrband, die rcchtswissen schaftliche Gesellschaft, der Haupt- rat der galizisch-bukowinischen Ukrcnner. Noch nicht angeschlossen haben sich drr Berbanb der Landwirt«, die Genossenschaften, die Lehrer verbände und Bildungsorganisationen. Die Zortöauer öes Stellungs- kneges. Von Richard Gädke. Marschall Fach hat in unmittelbarer Aufeinanderfolge zwei große Versuche gemacht, aus dem Stellungskriege im Westen hinaus und in einei, entscheidenden Bewegungskrieg zu gelangen. Er hat zu diesem hohen Ziele starke Kräfte eingesetzt, die er sich während des Frühjahres aufzusparen oder wieder neu anzusammeln wußte. Man kann auch nicht leugnen, daß er Gelegenheit, Zeit und Ort gut auszunutzen und sich den wichtigen Kraftzuschuß der Ueber- raschung zu sichern verstand. Daß er beide Male Großes an- strebte, geht aus dem Verlauf der Ereignisse hervor. Bei dem Angriffe des 18. Juli bot ihm die weit vorgetriebene deutsche Flanke zwischen Soissons und Chateau- Thierry zum ersten Male in diesem Kriege die Möglichkeit eines gewaltigen Umfassungsangriffes mit Massen. Sein auf Soissons gerichteter Stoß konnte, wenn er rechtzeitig gelang, die deutschen Heere südlich der Aisne in eine recht schwierige Lage bringen. Der erste, gut vorbereitete und geschickt in einer neuen Karnpfesweise durchgeführte Angriff glückte; der feindliche Feldherr mochte hoffen, beträchtliche Teile des deutschen Heeres südlich der Aisne in verhängnisvolle Kämpfe zu verstricken und im weiteren Verlause hier eine breite Lücke zu schlagen, durch die er die deutsche Front zwischen Soissons und Reims zerbrach und damit den Bewegungskrieg begann. Auch bei seinem zweiten Versuch, der mit großer Schnelligkeit einsetzte, als der erste keine entscheiden- den Ergebnisse geliefert hatte, warf er sich aus die Flanke eines deutschen Stellungsvorsprueges, nordöstlich Amiens, zwischen Ancre und Avre. Auch dort konnte ein schnell errungener Fortschritt im weiteren Verlause Erfolge zeitigen, die ihm zum Bewegungskriege verhalfen. Der Stoß, der wieder in breiter Front angesetzt war, zielte schließlich auf das Hinterland unserer Aisnestellung; die Unternehmung stand also in strategischem Zusammen- hange mit seinem ersten Schlage und sollte dessen Wirkung vervollständigen. Man hat gemeint, daß ein Stoß bei Arras uns unangenehm wäre. Das weiß ich nicht, er hätte in jedem Falle weiter ausgeholt, nicht die nahe Berührung mit der Aisnestont gehabt und war im Falle an- fänglichen Glückes seinerseits deutschen Flankenanzriffen von Nordosten her ausgesetzt. Er hätte schwerlich mehr erreicht als der Angriff auf der Front Albert— Amiens. Eine wohlbegründete Ucbcrlegung war es auch, die Foch den rechten Flügel dar Heeresgruppe Haig zwischen Avre und'Oise anfänglich zurückhalten ließ. Gelangte ihr linker Flügel über die Front Roye— Chaulnes hinaus, so mußte die deutsche Armee Hutier einen übereilten Rückzug über die Linie Lassigny— Noyon antreten— und der-Bewegungskrieg trat in die Erscheinung. Man wird Foch. die Gerechtigkeit widerfahren lassen müssen, daß er in den vier Wochen von Ende Juli bis Mitte August mit gutem Feldherrnblick und kräftigem Entschluß sein Bestes getan hat, um in dem vierjährigen, entschcidungs- losen Stellungskrieg einen neuen Gedanken zu verwirklichen, der Kriegslage im Westen einen vielleicht entscheidenden Umschwung zu geben. Aber seine Pläne sind nicht geglückt. Auch er hat die gleiche Erfahrung machen müssen, die alle seine Vorgänger gemacht haben. Die Schlvierigkeiten, aus dem starren Stellungskriege in den Bewegungs- krieg zu gelangen, sind ungeheure und viel- leicht unlösliche. Solange der Angreifer nicht mindestens eine seiner eigenen Flanken frei bekommt und mindestens eine feindliche Flanke überflügeln und einwickeln kann, solange bleibt er selbst in die Fesseln des Stellungskrieges verstrickt, und alle Anfangserfolge können daran nichts ändern. Die schwere Aufgabe ist Hindenburg einmal in der Masuren- schlacht geglückt, seitdem in vollkommenem Maße niemand mehr. Selbst der Stoß bei Gorlice im Mai 191», selbst beb glänzende Angriff bei Karfreit Ende Oktober 1917 er- starrte frühzeitig wieder zum Stellungskampse. - Das schließliche Scheitern auch des englisch-französischen Angriffes bei Amiens— Montdidier ist für die Schwierigkeit des militärischen Problems, vor dem die Feldherrn und ihre Heere stehen, um so bezeichnender, als hier die Erfolge der beiden ersten Tage, wie wir offen eingestehen müssen, recht beträchtliche waren. Aber sie waren gleichwohl nicht groß genug und dämmten bereits die Hoffnungen der feindlichen Heeresleitung wesentlich ein. Sie bekam die Flanken uichr frei, diese blieben vielmehr vor ungenommenen deutschen Stellungen kleben. Schon der verfrühte Einsatz der Armee Hunlbert am dritten Schlachttage zwischen Avre' und Oise war ein Anzeichen dafür, daß der Flügelangriff nicht zum erwünschten Ziele geführt hatte; man ging zum rx— i rein frontalen Drucke ü6et, dem diesmal die Uebcrraschung fehlte und dem � die Deutschen durch recht- zeitiges Zurückverlegen ihrer Schlachtlinie bereits die Schwungkraft genommen hatten. Die zähe Widerstandskraft der Heere der Gegenwart trat in überzeugender Stärke hervor— eine Folge sowohl ihrer Kampfesmittel als ihrer sichtlichen Stärke und ihres Zusammenhanges. ES hat nie in der Welt bessere Truppen gegeben alS die Streiter der Volks Heere, mit denen die ver- feindeten Mächtegruppen gegeneinander kämpfen. Dazu kommt die geivaltige Schwierigkeit, über das in zahllosen Kratern zerborstene Gelände Geschütze, Schietzbedarf, Ver- pflegung dem vorschreitenden Angreifer nachzufübren. Während er schwächer wird, ist der Verteidiger stärker gc- Wörde n. Die weiteren KampfeLtage, durch die Foch und Haig unter Einsatz neuer Truppen den Sieg zu ertrotzen suchen, zeugen geWitz für ihre Tatkraft und den Opfermut ihrer Truppen, aber sie sind ein vergebliches Aufbäumen gegen ein unerbittliches Schicksal und müssen dem Feinde sehr hohe Verluste gekostet haben. Am 16., 17., 13. und 19. August sind ihm im wesentlichen, abgesehen von ganz geringfügigen Stellungsvorteilen, alle Er- folge versagt geblieben. Die Kämpfe mahnen bereits wieder an das verbissene Ringen im Sommegebict 1916 und in Flandern 1917, in denen der Gegner gleichfalls unter rücksichtslosem Einsatz seiner Massen vergebens versuchte, den Stellungskrieg überzuführen in den Bewegungskrieg. Die örtlichen Fortschritte, die er in dem schwierigen und eng begrenzten Räume zwischen Oise und Aisne erzielt haben will, müßten ganz andere Ausmatze erreichen, um den deutschen Stellungen an der Aisne und ViSla gefährlich werden zu können. Nun dürfen wir eines nicht verkennen: je mehr wir vor- läufig mit der Fortdauer des langsam abbrennenden Stel- lungskricges im Westen zu rechnen haben, um so größere Bedeutung gewinnen— vielleicht nicht für die Entscheidung des Krieges, wohl aber für die Friedensbedingungen— die anderen Kriegsschauplätze im weitesten Umfange, von der Murmanküste angefangen über Sibirien, Bersten, Bagdad nach Palästina, Arabien, Tripolis und weiter bis nach Albanien und vielleicht bis nach Italien hinein. Den Ereignissen. die sich dort abspielen, werden wir unsere Aufmerksamkeit nicht versagen dürfen.' Der gestheiterte Durchbruchsversuch. Eine KriegsreSe Llopö Georges. Henderfon über die Internationale Konferenz. London, 23. Au-gust.(Reuter.) Bei einer Bcranstaltung zugun- stcn des Roten Kreuze! sagte Lloyd George in einer Rede: Ter Krieg ist ein Geschäft, das wir durchführe,» müssen. Der Gedanke an die Art und Weise, wie unsere Soldaten für die Freiheit der Welt gekämpft haben, erfüllt mich mit Bewun» derung und Stolz. Hätte ihr Mut geschwankt, so wäre die Freiheit der Welt von dem unbarmherzigsten Despotismus, den die Welt je gesehen hat, zermalmt worden. Wenn in diesem Augenblick der Despotismus einen Mißerfolg«rlittc-n und sein Ziel nicht erreicht hat, so ist cS allein der Tapferkeit der Mannschaften zu danken. Heber die Notwendigkeit der Ersparung von Kohl« sagte Lloyd George: Alle, die hÄfen, daß mehr Kohlen erzeugt werden, helfen damit den Sieg erringen. Ich freue mich mehr über die bodeut- fawen Aufrufe des französischen Mtnisterpräsi- dentcn und eines der glänzendsten Strategen des Krieges, des großen Marschalls F o ch. Sie haben sich besonders an die Berg- arbeiter in England gewandt, damit diese durch gesteigerte Kohlenerzeugung Frankreich unterstützen. Das Mindeste, was wir für dieses tapfere Volk tun können, ist, ihm mit Kohlen für die Munitionsfabriken, Heimstätten und Industrien zu helfen und es in den Stand zu setzen, seine Ehre zu verteidigen. Redner schloß: Ich wünsche, daß Millionen Tonnen Kohlen während des Winters gespart werden, damit sie in die Hochöfen geschüttet wer- den können, um Granaten, Schiffe und Kanonen herzustellen und auch Frankreich zu helfen. Und das kann erreicht werden. Wenn Lloyd George feine Rede mit den Worten be- gönnen hat,„Der Krieg ist ein Geschäft.. so hat er mit diesem Ausdruck sicher nicht den Krieg als«in nüchternes ge> schäftliches Unternehmen bezeichnen wollen. Dennoch treffen diese Worte weit eher das, waS der Krieg für die englische Kapitalistenklasse darstellt, als die nachfolgenden Redewen- düngen vom Kampf für die„Freiheit der Welt". Der Eng- länder selbst hat ein Sprichwort, das sagt:„Barncherzigkeit beginnt zu Hause". Will England für die Freiheit der Welt kämpfen, so mag eS bei sich in Irland und Indien anfangen. » Nach einer Meldung der„N. A. Z." äußerte sich der englische Arbeiterführer Henderson gegenüber einem Ausfrager deS Bureau Reuter über die Haltung derdeutschenMehrheitS- sozialisten bezüglich der Grundlagen, aus denen die Be- sprcchungen auf de: geplanten internationalen Konferenz abgchal- ten werden. Henderson sagte, daß die Erklärungen und Interviews von Troelstra ihm die Ueberzeugung gegeben haben, daß die deut» schen MehrheitLsozialisten ihre Ansicht bezüglich der Entschädigung von Belgien und der Volksabstimmung in Elsaß-Lotl, ringen nicht geändert hätten. Die Sozialisten der Entente müßten auf den Beschlüssen der interalliierten Konferenz be- stehen. In diesen Beschlüssen wurde bekanntlich festgestelll, daß alle vertretenen Organisationen mit den Prinzipien, keine An- nexionen, keine Strafen und das Recht auf Selbst- Verwaltung, einverstanden fein sollten. Henderson sagte, wir müssen genau wissen, ob«S die Meinung der deutschen Mehrheits- sozialisten ist, daß sie nicht bereit sind, sich uns anzuschließen und zu versuchen, freundliche Lösungen zu finden für die territorialen Fragen, die die Dauerhaftigkeit des Frieden? bedingen werden. Der Bertrag von Bukarest sei absolut unver- e i n b a r mit allen Prinzipien der internationalen Sozialdemo- kratie. Die hollänölschen Kolonien � ein ßanöels- objekt öe? Entente. Der„Telegraf" im Ententcdicnst. Die„Jswestija" erzählt ganz reizende Histörchen: Am 3. Februar 1915 teilt der russische Gesandte im Haag, Swetschin, in dem Geheimtelegramm Nr. 28 Herrn Sasonow folgendes mit: „In dem mir soeben zugestellten Pariser„Temps" finde ich „euvin Aufsatz, in dem in jcn spuren von Pichon und Clemenccau fitt das unmittelbare Eingreifen Japans auf einem der euroväi- scheu Kriegsschauplätze eifrigst plädiert wird.... Ich kann Ew. Exzellenz nicht verhehlen, daß, soweit Holland hierbei in Frage kommt, bei dcm hier gegen Japan wegen' seiner angeblichen Ab- Berlin, 22. August.(W. T. B.) Nachdem die Ententearmeen sich bei ihrem großen frontalen Angriff beiderseits der Avre nach vieltägigen blutigen Kämpfen völlig festgerannt hatten, suchte Foch durch sorgsam vorbereiteten'F l a n ke n st o ß zwischen Oise und Aisne eine Entscheidung zu erzwingen. Durch einen groß angelegten englischen Angriff südlich Arras sollte dieser Plan seine Krönung finden. Sowohl hier wie dort erhofften die Franzosen und Engländer den so oft und so lange er- strebten Durchbruch der deutschen Front. Das Ziel der Engländer für den ersten Kampftag lag, wie Französischer Heeresbericht vom 20. August abends. Südtech der Avre baben wir nach harinäckigem Kampf Beuvr eignes genom- inen. Wir haben gestern bei unserem Vormarsch zwischen der Oite 500 Gefangene gcmachl. Oestlich der Oise griffen unsere Truppen morgens die deutschen Linien auf einer Front von ungefähr 25 Kilometern in der Gegend von Baillq bis zur Aisne an. Trotz feindlichen Wider- standes haben wir auf«lücrein linken Flügel die südlichen Ränder des OurSeamp-WaldeS, die Zu- gänge von Carleponr und CaiSnes erreicht. In der Milte haben wir Lombray und Blsraneourdelle be- fetzt und aus der Ebene nördlich von Bassens Fuß gefaßt. Auf unserem rechten Flügel sind die Dörfer Vezaponin. Tarliers, Cuisy- en-A!inonr und Osly-Eomtil in unseren Händen. Wir haben bei dem Angriff auf der ganzen Front einen Fortschritt von durchschnitt- lieh 4 Kilometern gemacht und mehr als 8000 Gefangen« ein- gsbracht. Die Zahl der bei diesen letzten Ereignissen seit dem 13. August zwischen der Oise und der Aisne gemachten Gefangenen übersteigt 10 000. Französischer Heeresbericht vom 21. August nachmittags. Während der Nacht blieb die Lage zwischen Oise und AiSne unverändert. Der Feind hat keinerlei Gegenangrifte versucht. Heute früh setzten unsere Truppen ihren Vormarsch auf der ganzen Front fort. Carlepont und C u t S sind in unsere Hand ge- fallen. Nach heftigen Kämpfen haben wir westlich von Laisigny Boden gewonnen und mehrere feindliche Handstreiche in der Cham- pagne abgewiesen. Französischer Heeresbericht vom 21, August abends. Zwischen M a tz u n d O i f e hat der Feind trotz feines Widerstandes unter dem energischen Druck unserer Truppen nachgegeben. L a s s i g n y ist gefallen. Weiter südlich haben wir auf dem Ple- mont Fuß gefaßt, den Wald von Orval genommen und unsere Linien bis Chiry— Ourscamp östlich der Oise vorgetragen. Unsere Truppen haben den Erfolg im Verlauf des TageS auf dem linken Flügel ausgenutzt: der Wald und Carlepont sind in unserer Gewalt. Wir stoßen an die Oise östlich von N o y o n zwischen Semoigny und Ponte! se. weiter östlich haben wir den Weg Äohon— Coucy-le Chateau überschritten. Wir nahmen Eam-lin, Fresnes, Blerancourt und schoben unsere Linien bis an Saint Aubin heran vor. Sei: gestern haben wir ungefähr 20 Dörfer befreit und an gewissen Punkten einen Fortschritt von 8 Kilometern erzielt. Englischer Heeresbericht vom 21. A u g u st morgen ö. Wir griffen um 4 Uhr 65 Minuten früh auf weit er Front nörd- lich der Ancre an. Nach den eingelaufenen Berichten machen feststeht, weit östlich der Linie Combles— Bapaume. Trotz des gewaltigen Einsatzes starker frischer Divisionen und zahl- reicher Tankbataillone erlebte die Entente eine schwere Entiäu- schung. Die frühzeitige Bereitstellung der starken englischen K a- V a l l e r i e zeigte die sichere Hoffnung der Briten auf einen Sieg. Dieser blieb wiederum aus, statt dessen erlitten st« eine Niederlage. Ter grotzangelegte feindliche Plan ist sowohl an der englischen wie an der französischen Front unter schweren Verlusten des Gegners bisher gescheitert. unsere Truppen befriedigend« Fortschritte. Wir schlugen starke feindliche Angriffe gegen unsere neuen Stellungen südlich und nörd- lich der Searpe vollständig; zurück. Wir verbesserten unsere Stellun- gen ein wenig in der Nahe von Sampoux und schoben unsere Li- nie zwischen Festubert und dem Lawe-Fluß vor, nahmen Letod-ret nud führten einen erfolgreichen örtlichen Angriff auf einer Front von einer Meile im Locre-Abschnitt durch. Alle Ziele wurden dabei genommen und eine Anzahl von Gefangenen eingebracht. Euzlischer Bericht vom 21. August abends. Unser An- griff am Morgen des 21. August auf einer Front von 10 Meilen, von der Ancre bis in die Nähe von Noyenville, war er- folgreich. Wir drangen tief in die feiüdlichen Stellungen quf der ganzen Front ein und machten eine Anzahl Gefangene. Engländer und Neuseeländer begleiteten die Tanks, stürmten die vorderen Linien unter dem Schutze des Nebels, wobei sie die Dörfer Beau- court sour Anere, Puis au Ront, Bucquoy, Amblainzeville, Noyenville nahmen. Englische Divisionen setzten den Vorstoß bis in die Nähe der Eisenbahnlinie Albert— ArraS fort und nahmen Achin-le Peile, den Logcast-Wald und CourcelleS-le Comte. Schwere Kämpfe an verschiedenen Punkten enttang der Eisenbahnlinie westlich Achict-le Grand. Ein starker feindlicher Gegenan- griff wurde zurückgeschlagen. Unsere Kampfpatrouillen ver- wickelten den Feind in- Gepecht. Gegenüber von Thiepval und nördlich unserer Angriffsfront schoben wir unsere Linie zwischen Boiölcux-sur Mare, Mercedol vor. Auch auf der Lys-Front schoben wir unsere Linien in der Nähe von Le Touret, östlich von Paradis und zwischen Merville und Cuttersteene vor. Wir machien südlich Lefre 138 Gefangene. sichten auf die niederländischen Kolonien herrschenden Mißtrauen, die stsiwer zu beseitigende Befürchtung Platz greifen würde, daß als Opfer für die japanische Hilfe zuguterletzt �twa die holländischen Kolonien auserfehen sein könnten.... Ich würde für die Uebermittlung einiger aufklärender Anweisungen zu dieser Frage sehr verbunden sein." Dieses Telegramm brachte dem neugierigen Gesandten einen deutlichen Nasenstüber ein, indem Se. Exzellenz von olympischer Höhe herab folgendes zu erwidern geruhten: Chiffr. Telegramm des Hofmeisters SasonowZ vom 8. Februar 1915— an den russischen Gesandten im Haag— Nr. 191: „Das Telegramm vom 3. Februar erhalten. Die Heran- ziehung japanischer Truppen könnte unter dem Einfluß der Kriegs- läge und zwar bei kritischer Zuspitzung derselben eventuell erfolgen, baS Verhältnis Hollands zu den Entschlicsiungcn der Verbündeten tönute jedoch keineswegs in Rechnung gezogen werden." In gewöhnlicher Sprache würde das chiffrierte Telegramm des Herrn Sasonow ganz einfach so lauten:„Wenn die Kriegs- läge es erfordern sollte, werden wir die holländischen Kolonien Japan abtreten— ohne darauf Rücksicht zu nehmen, ob es den Holländern recht ist oder nicht." Einer der damaligen Koryphäen der Kulissendiplomaten schrieb an Sasonow:„Es gibt keinen Journalisten, der nicht käuflich wäre, es kommt nur auf die Summe an"—(Brief von M. Jw. Madscharow vom 5. Januar 1915. Nr. 3). Die Herren„Verbündeten" einigten sich dahin, daß jeder den Kauf einer großen Zeitung auf sich zu nehmen habe. Eine sollte England, die zweite Frankreich und eine dritte Rußland be- zahlen. Dieses System,„das französische" genannt, wurde von den Verbündeten schon in der Schweiz, Bulgarien, Spanien, Rumänien und sogar in China geübt. Jetzt war die Reihe an Holland.— Auf den Anteil der Zarenregierung siel der Kauf des„De Telegraf". Im Archiv des Ministerrates dieser Zeit finden wir folgen- des Dokument:„Spezielles Organ des Ministerrates." Ueber die Assignierung eines Kredits an das Ministerium des Aus- wärtigen— für nicht öffentlich zu behandelnde Zwecke.— In dem Blatte heißt es: „Für die Organisation des Kampfes gegen die Verbreitung von Nachrichten im Auslande, die unseren Interessen zuwiderlau- fcn, wäre es wünschenswert, dem in Petersburg befindlichen Kor- respondenten der holländischen Zeitungen„Telegraf", Herrn Felix Bogatzki, eine Subvention zukommen zu lassen." Dieser Herr Bogatzki war, wie der Hofmeister SasonowZ in einem geheimen und eiligen Schreiben an den Ministerrat unter Nr. 1562 mitteilte, zugleich Petersburger Korrespondent der Zeitung„Rußkoje Slowo" und der Pariser Zeitung „Temps" und dem Ministerium als erfahrener verständiger Fachmann bekannt, der die ibm zur Verfügung gestellten Mittel zur Erhaltung der nötigen Informationen mit gutem Erfolge auszulegen wußte. Der Ministerrat beschloß daher, diesem Subjekt, das den Reptilienfonds„verständig" auszunützen ver- stand, asimonatlich bis zur Beendigung des Krieges 756 Rubel zur Verfügung zu stellen. Der Beschluß des Ministerrats wurde„der Merböchsten Begutachtung durch Seine Majestät" unterbreitet. Majestät bestätigte.— Vom Jahre 1915 beginnend— bis zur Oktober- revolution(denn Kerenski schätzte auch solche Subjekte) erhielt der„erfahrene" Herr Bogatzki auS dem Geheimfonds eine„Bei- gäbe". Auch Colijn lehut ab. Haag, 22. August. Dem Korrespondenzburenu wurde mitgeteilt, daß A. Colijn den Auftrag erhielt, ein Kabinett zu bilden, daß er aber den Auftrag abgelehnt hat. Ein Ehloroform-Mentat. Lockspitz-larbeit in der Schweiz. Bern, 2t. August. Dem Genfer Blatte„Feuille" zufolge wurde in Genf durch französische Lockspiyel abermals ein Versuch gemacht, einen jungen Mann durch Betäubung mir Chloroform auf französischen Boden zu locken, wo ihm wahr- scheinlich ein gleiches Schicksal bereitet worden wäre, wie dem Holländer Otten, der in der vergangenen Woche in Grcnoble er- schössen wurde. Der Versuch mißlang und fünf Schuldige konnten verhaftet werden, darunter«in Beamter des französischen K o n s u l a t s in Genf. Der außerordentliche eidgenössische Untersuchungsrichter Brunner hat die Angeklagten verhört, welche all« zugeben, von einem fremden Funktionär Chloroform erhalten zu haben mit dem Auftrage, den Betreffenden, namens Duerr z u betäuben und auf französischen Boden zu schaffen. Ein Boot sei zu diesem Zwecke bereitgeslellr gewesen. Die Genfer Zeitungen mir Ausnahme der»Feuille" berichten über die höchst peinliche Angelegenheit nichts. Versenkung feinülicher Truppentransporte. Paris, 2t. August. sHavaS.) Der Postdampfer Poly- n« s i e n<6373 Tonnen) der MessagerieS Maritimes mit serbischen Truppen an Bord ist auf der Fahrt von Bizerta nach Saloniki am Morgen des 10. August 1918 auf eine Mine gerate» und unter- gegangen. Sechs serbische Passagiere, elf indische Heizer und zwei Mann der Besatzung werden vermißt.— Der französische Dampfer Balkan<1709 Tonnen) der Compagnie Marsellaise de Navigation a vapeur wurde auf der Fahr: von Frank�ich nach Korsika in der Nacht vom 16. zum 16. August torpediert und sank in wcnigcr als einer Minute. Bis jetzt wurden 102 Personen als gerettet fest- gestellt. Berlin, 21. Angust. Im östlichen Mittclmeer versenkten deutsche und österreichisch-ungarische U-Boo'.e 16 000 Br.-R.-T. Schiffsraum. Der Chcf des AdmiralstabeS der Marine. Lustangriff auf Köln. Köln, 22. August. Heule Nacht um 2 Uhr wurde das Stadt- gebier von feindlichen Fliegern überflogen. Es wurden einige Bomben abgeworfen, wodurch Sachschäden entstanden sind. Auch sind einige Verluste an Menschenleben zu be- klagen.__ Der deutsch-englische Gefangenenaustausch. Rotterdam. 21. August. Laut„Nieuwe Rotterdamsche Eourant" werden die Hospitalschisse Sindoro und Zeeland heute abend in Rotterdam er- wartet. An Bord de» Sondoco befinden sich 11 Offiziere, darunter 3 verwundete, außerdem 17 Geisteskranke, ein Arzt, 40 Sanitäter, Nr. 2Z1 ❖ Z5. Fahrgang Heilage öes Vorwärts Freitag, 23. August 1�18 GroßSerlln Mahlzeit! Die Regierung hat gesprochen und von dem, was sie gesagt, holt sich jeder seinen Knochen, den er mit Verstand benagt. Just will man mit Lust beschauen dieser Eintracht schönes Bild, da vernimmt man schon mit Grauen, daß der Reventlöwe brüllt. Zähne fletscht er wie besessen, und eh' man sichs recht versieht, hat er schon den Solf gefressen. Gott, was für ein Appetit!! P a u l ch e n. Brot ohne Mehl. Diesmal bandelt es sich nicht um ein neues Ersatzprodukt, wie wir heute auf allen Gebieten leider so viele haben, sondern um ein neues Verfahren bei der Zubereitung des BroteS. Bei einer Besichtigung der Vollbrol- Verwertungsgesellschaft G. m. b. H. wurde die neue Art der Brotzubereitung sÄroßscheS Verfahren) den Pressevertretern vorgeführt. Dieses Verfahren besteht in der Ausschaltung der Mühle. DaS Korn wird also nicht erst zu Mehl gemahlen, sondern eS wird' gewalzt, nachdem es zuvor von der unverdaulichen Schale befreit wurde. Hat da? Korn die verschiedenartigen Walzen passiert, die es in einen zähen Teig umwandeln, so gelangt es in eine Knetmaschine, wo es mit Sauerteig und Salz duvchgetvirkt wird, und kommt dann in den Ofen. Die Borzüge des neuen Verfahrens, an der der Erfinder zwanzig Jahre gearbeitet hat, liegen in der gesundheitlich einwand- freien Herstellung des Teiges, die rein maschinell vor sich geht, in der vollen Ausnutzung des Getreides und der Ersparnis der Hw kosten, die das Mühlenverfabren in sich schließt. Nach wissenschaftlichen Untersuchungen entspricht das neue Voll' kornbrot«nem Brot, das auS 8l)prozentigem Friedensmehl zube reitet wurde. Die Vorzüge des Grotzschen Verfahren? sind jetzt anerkannt, und die Heeresverwaltung hat zur Bereitung des Militärbrotes einige Maschinen im Betrieb, die sich sehr gut be- währt haben. � Wenn nur 20 Proz. aller Deutschen— so ergibt eine wirtschaftliche Berechnung— diese?„Grovitt-Brot" essen würden, bedeutet» daß eine Ersparnis von 21 Millionen Zentner Brotgetreide jährlich. Auf der Wohnungsjagd. Man schreibt unS: Di« Wogen des Krieges haben mich nach Berlin verschlagen, und die letzten Wochen gehörten der WohnungS- suche. Noch dem ich zunächst selber Umschau gehatten hatte, hielt � ich eS für ratsom, meine Frau an der Suche zu beteiligen; denn sollte sie nut««er weit hinter ihren bescheidenen Ansprüchen zu- rückbletbenden Wohnung sich abfinden, so mutzte sie durch Person- liche Erfahrung am eigenen Leibe kennen lernen, wie es um den Berliner WohnungSmarkt bestellt ist. Meine Frau hat einen wahren Schrecken vor der Großstadt, die sie nur als sine architekto nische Anhäufung von Steinmateriäl auf Asphaltstraßen empfin det, und so gedachten wir möglichst draußen, jedoch nicht zuwsit vom Felde meines Berufes zu w,kmcn. Der erste Besuch galt Lankwitz. Unsere Erwartungon wurden übertroffen: Soviel Grün so nahe bei Berlin! Also zum Wohnungsnachweis. Es war aber nur eine Vierzimmerwohnung angezeigt, und selbst die erwies sich für meine kinderreiche Familie als zu klein. Die winzigen, dunklen Räume lagen zudem zu ebener Erde hinten hinaus in einem feuchten Garten, so daß nie ein Sonnenstrahl hineinkommen würde. Der an sich schon viel zu hohe Preis sollte für den neuen Mieter noch um 4*0 M. gesteigert worden. Eine andere Wohnung war weder in Lankwitz noch in dem zunächst gelegenen Südende zu finden. So kamen wir nach Tempelhof. Auch hier wies der Wohnungsanzeiger nur eine einzige Wohnung auf, und die war nicht beziehbar, weil das Mietcinigungsamt entschieden hatte, daß der Mieter bleiben dürfe. Srundenlanges Suchen in den Straßen hatte ebensowenig Erfolg, wie das gleiche Bemühen in Mariendorf. In Treptow war überhaupt nicht eine einzige Wlchnung irgendwelchen Umfangs zu baben. Da erfuhr ich, daß gerade eben ganz unerwartet in Plötzenfee eine Dreizimmerwohnung frei geworden sei, da der In- Haber, ein überraschend in Urlaub gekommener Frontsoldat, infolge der Aufführung seiner Gattin es für ratsam gehalten hatte, seinen tz-möstand unter erheblichem Geräusch aufzulösen. Ich fuhr so schnell wie möglich hin— aber die Wohngng war schon vermietet. Wir begaben uns nach Charlottenburg auf die Suche. Ohne Er gebnis. In Groß-Lichterfelde sagte man mir beim Wohnungs Nachweis, daß alle angezeigten Wohnungen bis auf eine schon wieder vermietet seien. Ich schleunigst hin! Auskunft: Bedäure, die Wohnuno ist schon vermietet. Eine Wanderung durch den Ort erwies die gl«che Trostlosigkeit wie allerwärts. Inzwischen hatten Freunde sich in anderen Vororten umgesehen, ohne indes mehr Glück zu haben. Die hier skizzierten Wanderungen umfassen einen Zeitraum von acht Tagen. Das Strapaziöse des Unternehmens zu schildern, will ich gar nicht versuchen. Man denke auch an die gegenwärtigen Verpflegungsmöglichkeiten. So entschlossen wir uns, doch in Berlin selber zu suchen. Als man mir aus dem Wohnungsbureau in der Dreibnndstraße den Preis der einzigen zur Verfügung stehenden Wohnung nannte, verließ ich ohne Gruß fluchtartig das Lokal. Wir durchwanderten dos ganze Viertel um das Hallesche Tor herum. Es waren nur große Wohnungen, fünf bis acht Räume, angezeigt.. Darauf durchtrobton wir das Gebiet zwischen Aorckstraße, Ärban, Hasenhcide usw. Ueberall wurden außer einmal einer Sieben- zimmerwohnung mir Ladenräume, Geschäftskeller, Läden mit Wohnung,„helle luftige" Lagerräume und möblierte Zimmer an- geboten. Da wir nicht für Läden und Lagerräume schwärmen, so konnte«! wir nur in» Auge fassen, daß sich die einzelnen Angehöri- gen meiner Familie je ein möblierte? Zimmer in möglichst nahe beieinander liegenden Straßen nehmen sollten, um sich dann zur Aufrechterhaltung der Familienbeziehungen jeden Sonntag gegenseitig zu besuchen. Der Zufall führte unS einen alteingesessenen Berliner in den Weg. Ihm klagte ich meinen Jammer; aber er wußte keinen Rat. Al» ich ihm all die Orte herzähtte, die ich schon resultatloS durchwandert hatte, fragte er:„Waren Sie denn ichon in Wittenau?" Da ich aber bereits ortskundiger bin, als der Spötter vermuten konnte, so gab ich ihm zur Antwort, daß wir zwar noch nicht dort gewesen seien' ich müsse aber nach meinen Ersahrungen und Erlebnissen befürchten, daß unsere Wohnungs- jagd in der berühmten Anstalt bei Wittenau(Dalldorf) enden werde._ Es hat geholfen k Zu unserer ans Neukölln gebrachten Meldung(in Nr. 22S und in Nr. 229), daß im Hause Dona ustr. 40 durch Mietsver- trag die sofortige Auflösung des Mietsverhält- nisses ausbedungen wurde für den Fall, daß die Kinder des Mieters auf dem Hof oder in den Fluren 1 V i e l c n. äußert si-b jetzt auch die Direilion der Neuen B o d e n- A k l, e n g e s e t l f ch a f l. Sie erklärt, die Gesellschaft sei nicht Eigentümerin des Hauses— obwohl sie als solche im Adreßbuch für 1918 angegeben ist— sondern habe nur die Haupt- Hypothek gehabt, die inzwischen an Herrn Bluhm übergegangen sei, und sie führe jetzt die Zwangsverwaltung. Den die Spiele der Kinder betrcffendeli Zusatz des Vertrages habe der Verwalter Waterstradt ohne Wissen der Direktion eingefügt, obwohl ihm nicht erlaubt gewesen sei, Zusätze zu machen. Die Direttion sei mit dem Zusatz nicht einverstanden und werde dafür sorge», daß er au? den Mietsverträgen beseitigt wird. Es hat also geholfen I Wir können mit diesem Erfolg der im„Vorwärts" bewirkten Fest- nagelung eines so unerhörten Mietsvertrages zufrieden sein. Aus dem Hauptanöschutz für Kriegsbeschädigten- Fürsorge. Der Ausschuß beschloß in seiner letzten Sitzung, ihm angebotene gute Wolle für den Preis von 12 000 M. anzukaufen, um daraus Strümpfe für Kriegsbeschädigte anfertigen zu lassen. Die Strümpfe sollen dann von der Kleiderverwertungs-Gesellschaft ziini Selbst- kostenpreis an Kriegsbeschädigte abgegeben werden, völlig mittellose erhalten sie auf Antrag bei der Kriegsfürsorge Poststr. 5 unentgeltlich. Der Roichsauchchuß für Kriegsbeschädigte hat auf seiner letzten Tagung zur Frage der Unterbringung dauernd fiüf- loser Stellung genommen. Es wurde die Unterbringung in pe- Feldpoft�bonaenten! --- Wer das Abonnement auf öen„vor- wärts" noch nicht erneuert hat, muß sofort 1,8S an den Vorwa'rts-Verlag G. m. b. H., Serlin SW, Ändenstr. 3, oder an die bekannten Ausgabestellen einsenden, um sich die pünktliche.Weiter- :: lieferung fiir September zu sichern:: c sonderen Abteilungen bestehender Anstalten befürwortet. Die Kosten sollen von den zuständigen Militärstellen übernommen werden, in Zweifelsfällen hat die örtliche Kriegsbeschädigtenfürsorge einzutreteii. Dem wurde zugostimmt, aber betont, daß öi« Gofahr vorlöge, daß die Zweiselssälle ziemlich zahlreich werden könnten. Die Militär- behörde sei die Instanz, die die Kosten zu tragen habe. Des weiteren wurde bemängelt, daß im Fall der Unterbringung die Rente de« Verletzten zur Kostendeckung in Anspruch genommen wird und die Familie dann der bittersten Not ausgeliefert, die Armenverwaltung in Anspruch nehmen muß. Das sei eine Härte, die nicht gebilligt werden könne. Der Ausschuß ist der Auffassung, daß die Rente nach Lage des einzelnen Falles möglichst zu schoaen sei. In seiner Sitzung vom 7. Mai(siehe„Vorwärts' Nr. 123 vom 11. Mai) hatte der Ausschuß den Kriegsbeschädigtenorganisationen drei Vertreter zum Hauptausschuß zugestanden, die Organisationen insgesamt aufgefordert, Vertreter zu bestimmen.— Der Haupt- kriegerverband antwortete daraus u. a.: „Mit dem Verbands der Kriegsbeschädigten— Leitender Redakteur Kuttner— dürfen die Kriegervereine keinerlei Verbindung suchen, da dieser Verband parteipolitische Zwecke venolgl, während wir in politischer Beziehung mis strengster Neuiraliläl befleißigen müssen. Ebenso ergeht es dem Essener Verband, der von dem Berliner Verband scharf bekämpft und als gelbe Gewerkschaft be- zeichnet wird. Wir sind daher nicht in der Lage für den Berliner Verband einen Vertrauensmann namhaft zu machen.' Eine derartige Antwort, in der Zeit wo immer und immer wieder die Bevötterung ersucht wird, zusammenzuhalten und wo draußen an der Front auch die Kriegsbeschädigten Kuttnerscher Richtung geblutet haben, ist ein starkes Siück. Ebenso ist inter- est'ant die innige Teilnahme, die der Hauplkriegerverband an dem Essener Kriegsbeschädigtenverband nimmt. Der HauvtauSschuß für KriegSbesckädtgtensürsorgc beschloß den erhobenen Einwand nicht gelten zu lassen, sondern die Organisationen zwecks Wahl der drei Vertreter zusanimeilzubcruscti. Beim Ableben Kriegsbeschädigter oder deren Familienangehörigen sollen, wenn sonst Beerdigung von der Armendirektion er- folgen müßte, die Kosten von der Kriegswohlfahrtspflege über- nommen werden. Hier kommt natürlich nur die bedürfnge Lage deS Kriegsteilnehmers oder deren Familienangehörige in Betracht. Kautobakpolonäscu. Zu der von unS gestern unter obiger Stichmarke veröffentlichten Notiz teilt uns die Firma Brunzlow mit, daß»er von ihr verkaufte Kautabak auS echtem Kentuckylabak besteht. Bei dem Mangel aller zur Säurenherstellung ersorderlicheu Ingredienzien sei aber eine längere Haltbarkeit des Tabak» nicht zu erreichen. Die Firma verkaufe daher an ihre Kundschaft nur je eine Rolle, die für den boldigen Verbrauch bestimmt sei. DaS Merkblatt für Friseure. Zur Bekämpfung derPilzerkrankungen der Haare, wird bei den Friseurcm wie berichtet, von Amts wegen ein Merkblatt von Prof. Erich Hoffmann in Bonn verreilt. Per- sonen, so heißt es darin, die an Hauterkrankungen der Bart» oder Kopfhaut leiden, dürfen weder da» Barbisrgewerbe ausüben, noch in öffentlichen Barbiergeschäften bedient werden. Werden sie in ihrer Wohnung bedient dann darf der Friseur nur Gegenstände aus dem Besitz des Künden verwenden. Nach dem Bediene» solcher Kunden hat sich der Friseur unmittelbar die Hände in Iprozentiger Sublimatlösung oder Zprozentiger Karb�säurelösung gründlich zu wasche». Zum Einseisen darf der Rasiserpiiisel nur dam, benutzt werden, wenn er zum ausschließlichen Gebrauch des zu Rasierenden bestimmt ist. In öffentlichen Rasiergeschäften ist der Gebrauch deS Pinsels und der Puderquaste verbolen, ebenso die B«rwe»dung von Waschlappen, Trockentüchern, Bartbinden und dergleichen bei mehreren Personen. Rasiermesser, Scheren und Haarschneide- Maschinen sind vor dem Gebrauch 5 Minuien in Alkohol oder, wenn dieser nicht erhältlich, Zprozentiger Wajserstoffsuperoxydlösung einzulegen, in fließendem Wasser abzuspülen und mit sauberem Zellstoff zu trocknen. Die Desinfeklionsflüssigkeit ist mindestens einmal täglich zu erneuern. Käseverteilung. Bis Montag, den 2g. August, wird an die- jenigen Kunden, die in die Svcisefetlkundenlisten der in den Bezirken der 78.. 84., 105., 192. und 212. Brolkommiision gelegenen Geschäfte eingetragen sind, pro Kopf 125 Gramm Käse verteilt. Das Rätsel des Mordes in der Linienstraße ist noch nicht gelöst Die Schreiberin oder der Schreiber der Postkarie ist noch nittu ermittelt Die Karte deulct aNj die Messerschmidt habe der Schreiberin den Geliebten abspenstig gemacht und sei dafür von ihr bestraft worden. Es ist gut möglich, daß die Tat ein Ausfluß von Eifer- sucht ist möglich auch, daß die Eifersüchtige in einem Manne noch einen Helfer gehabt hat. Doß der Name Josephs Pizarack nicht der der Mörderin, sondern nur angenommen ist, unterliegt keinem Zweifel. Man muß damit rechnen, daß die Mörderin jene Frauens- Person ist, die am Mordtagc morgens bei der Mefferschmidt in der Wirlschast gesehen wurde, erst als sie im Zweispitzhut und im oliv- grünen Kleide mit ihr am Kaffeetisch saß, und etwas später, gegen Uhr. als sie in der Schürze an der offenen Tür lehnte, wie Kellnerinnen es wohl tun, wenn sie gerade mit Gästen nicht be- schättigt sind. Man muß um so eher damit rechnen, daß diese Un- bekannte die Mörderin- ist, weil sie sich sonst wohl gemeldet hätte. Dem Richter entzogen hat sich der 70 Jahre alte Kellner Mandel Kirchhof, der unter dem dringenden Verdacht des Totschlages an dem Nachtwächter Zißler in Alt-Lau dsberg verhaftet worden und der Tat überführt war. � Kirchhof, der zwar leugnete, aber doch wohl einsah, daß es für ihn kein Entrinnen mehr gab, erhängte sich im Gewahrsam an seiner Leibbinde, nachdem er durch Aufzeichnungen über seinen Nachlaß verfügt hatte. In schwere Lesensgefahr geriet gestern die 82 Jahre alte Ehe« ftau Grete Becker mit ihren drei, kleinen Kindern in der Jäger« straße 57 zu Neukölln. Ihr Mann war schon sehr früh nach seiner Arbeitsstelle gegangen und sie legte sich dann mit ihren Kindern wieder schlafen. Erst vormittag» wachte die Frau halb betäubt wieder aus, schleppte sich mit Mühe nach der Flurtür, klopfte dort laut und brach dann bewußtlos zusammen. Nachbarn hatten das Klopfen gehört und drangen ein, als sie auf ihr Anklopfen keine Antwort erhielten. Sie fanden die Frau an der Flurtür und die Kinder im Bett besinnungslos daliegen. Der Hahn der GaSlampe war nicht ganz geschloffen, das Zimmer ganz mit GaS gefüllt. Der Feuerwehr gelang eS, Mutter und Kinder wieder in? Leben zurück zu rufen. Der Hahn war durch irgend ein Versehen frühmorgens nicht ganz zugedreht worden. Im Ncumannschen Kinderhaus findet wieder unentgeltlicher Unterricht in Säuglingspflege statt, mit praktischen Uebnngen, loöcheiitlich einmal. Meidungcu schriftlich oder mündlich, Montag bis Freitag, von 10—1 Uhr im Bureau des Kinderhauses, Blumen« straße 97. Das nächste Volkskonzert deS Philharmonischen Or« ch e st e r s findet heute in der Philharmonie, Bernburger Str. 22/23, statt. Beginn des Konzerts 8 Uhr. Die im Vorverkauf nicht unter- gebrachten Karten werden abends an der Kasse verkauft. Der Ein« trittspreiS beträgt 80 Pf. Kasseneröffnung 7 Uhr. Die Lichtspiele Neue Vbilbarmonie, Cöpcnicker Straße 9S/S7, an d er Untergrundbahn Jnselbrückc, bringen vom 23. bis 2g. August den großen Film.Das Himnielsschiss' mit Gunnar Tolnaes in der Hauptrolle._ Steglitz. Die Wasserversorgung ist nunmehr durfy eine Ent- scheidling des Landeswasseramtes gesichert. Steglitz, das bisher durch die Charlottenburger Wasseöwerke Aktiengesellschaft versorgt wurde, hat diesen Vertrag gekündigt und mit der Stadt Lichtenberg ein Abkommen für die zukünftige Versorgung mit Wasser abgeschlossen. Um die Versorgung von Steglitz durch das Lichtenderger Wasser- werk im KaulZdorfer Busch zu ermöglichen, müssen die Druckrohre durch eine große Zahl von Gemeinden, durch private Grundstücke usw. gcklegt werden. Infolgedessen ist es zu langwierigen Verwoltungs- streitpsrfahren über die Verleihung des ZwangSrechdeZ an Steglitz und über die Gegenansprüche der betreffenden Gemeinden gekommen. Mit der Mehrzahl der privaten Grundbesitzer ist eS zu einer Einigung bereits gekommen. B»sonders erhebliche Einwendungen hatte die Gemoinde Lankwitz erhoben. Der Bezirksausschuß Potsdam hatte Steglitz das Recht zur Durchleguug des Druckrohres auf 30 Jcchiw verliehen. Gegen diese Entscheidung hatten sowohl LanKvitz wie auch Steglitz Berufung beim Landesivasseramt eingelegt, das nun als höchste Instanz die Entscheidung zugunsten der Gemeinde Steglitz gefällt hat. Danach erhält Sieglitz das Recht, bis zum 81. De» zember 1965 sein Wasserrohr durch Lanklvitzer Grundstücke zu führen. Bis zur Herstellung der Druckrohrverbindung vom Kauls- dorfer Wasserwerk der Gemeinde Lichtenberg bis nach Steglitz wird dieser westliche Vorort ans Grund eines besonderen Abkommens mit Wasser versorgt.__ Maricndorf. Verkauf von Heringe». Die Gemeinde verkauft Heringe auf die roten bezw, gelben Gemeinde lobens- mittelkarien aus die Nummern 3001—17 000 für Mariendorf und 401—3500 für S ü d e n d e. Abgegeben werden auf jede Karte 250 Gramm zum Preise von 60 Pf. Gelocht wird Nr. 30. Der Verkauf findet statt in den 3 Gemeindeläden in den üblichen Per« kauf-stulide« 8—1 und 4—7 Uhr. Wer bis nächsten Mittwoch die Ware nicht abholt, verliert das Bezugörecht. Nowawes. Lebensmittel. Es werden ausgegeben bei den Kleinhändlern: 100 Gramm Graupen(7 Pf.) auf Abschnitt 60 der Lebensmittelkarte; 325 Gramm Marmelade zum Preise von 1,17 M. (nicht 1,04 M.) auf Abschnitt 55 der Lebensmittelkarte. Die Ausgabe neuer Milchkarlen für Kinder an die Haus- Haltungsvorstände findet gegen Vorlage der Ausweiskartrn über den Empfang von Milch nur an folgenden Tagen statt: Freitag, den 23. d. Mts., für die Bezirke 7 bis 10; Sonnabend, den 24. d. Mts., für die Bezirke 11 bis 13(Bergstücken, PotStzcmrer Forst und Babelsberg)._ Ssziales. Mitwirkung der Arbeitervertretcr in der Unfallversicherung. Die ReichsvecstcherungSordnung gewährt den Versicherten nur ein sehr bescheidenes Mittvirkungerrcht bei den Äerufsgenosson- schast«i. In der Hauptsache beschränkt sich diese Mitwirkung dar- aus, daß Vertreter der Versicherten in gleicher Anzahl wie die be- teiligteu Vorstandsmitglieder zu den alljähickich stattfindenden Sitzungen zugezogen werden, in denen zu den Berichten der tech- nischen AuffichtÄbsamten Stellung genommen wird und Maßnahmen zur Verbesserung der Unfallvmchütungsvorschriften angeregt werden. Jetzt hat dos Reichsvers icher, ingsamt durch Berös- smrttichung eines von ihm gefällten Bescheides die Anregung ge- geben, Arbeitervertretcr auch bei der Feststellung der Lei» stung der Unfallversicherung mitwirken zu lassen. Der § 1568 der NeichSversichernngsordnung bestimmt, daß die Leistung der Unfallversicherung im Einzelsall vom Vorstand der Berufsgeuos- senschast bzw. von, SektionSvocstmid festgestellt wird. Der§ 1569 gtt'tattet aber durch Satzung festzulegen, daß diese Feststellung auch besonderen Kommissionen" übevtragen werden kann. Ein Genos» senschastSvo-rstan« beabsichttgte nun sein« Satzung dahin zu ändern, daf; dieser dofouderen Komlnffswn, die aus fünf vom Genossen- schaftsvorstand gewählten Mitgliedern besteht, auch ein Vertreter der Vers icher ten angehören muß. Das ReichsversicherungS» amt hat durch Bescheid vom 18. Mai 1918 erklärt, daß es gegen eine solche Bestimmung kerne Einwendung erhebt. Zur Erklärung für diese Entscheidung, die von einem früher gegebenen Bescheid abweicht, verweist das ReichsversicherungSamt auf die inzwischen'eingetretene Aenderung der Rechtslage. Im Gegensatz zu dem alten Gewerbe-Unfallversicherungsgesetz, welche? dieses Recht nur der Knappschafts-Berufsgenossenschaft einräumte, gestattet der§ 687 der Reichsversicherungsordnung allen Berufs- genosselischasten durch Satzung zu bestimmen, daß dem Vorstand auch Vertreter der Versicherten angehören. Daraus ist zu schließen, daß dieses Recht auch für die„besonderen Kommissionen" gilt. Das Reichsversicherungsamt fügt hinzu, daß keine Bsdercksn dagegen bestehen, daß die Arbeitervertreter in den besondoren Kom- Missionen vom Genossenschaftsvorstand aus den vorhandenen Bsr- tretern der Versicherten gewählt werden. Es handelt sich also nur um eine bescheidene Erweiterung der Rechte der Versicherten und es ist noch recht zweifelhaft, ob sich die Berussgenossenschafteii beeilen werden, der Anregung des Reichs- versicherungsamtes Folge zu leisten. Aber die VeröffenWchung dieses Beschsitzes erinnert wieder an die RechÄsstaktt tzte Arbeit«: tn der Verwaltung der Berufsgenossenschasten, an der sie doch auf daS lebhafic-sbc interessiert sind. Soffentlich erfährt auch diese s�rage bei der in absehbarer Zeit unvermeidlichen Revision der Reichsversicherungsordnung eine Regelung, die. der Gerechtigkeit in höherem Maße entspricht als der gegenwärtige Zustand.____ Ms aller Welt. Eine Berdrecherjagd. Bor einiger Zeit Hatto ein gewisser Johann Lehnen aus Neuheidncl in der Gegend zwischen Schwien» tochlowitz und Deulschlandgrube einen Raub au-tgesuhrl und wurde deshalb vom Kriegsgericht in Boulhen steckbrieflich verfolgt. Nun meldete vor einigen Tagen ein FcldArauer aus Neichelschacht der Polizeiverwallung in Kochlowih, dail sich in seiner Familie ein fremder Mann eingenistet habe, der sich vor der Außenwell zu der- bergen suche. Er terrorisiere alle FaimlieiinmgUeder und bedrohe jeden, der ihn etwa verralen würde,»itl Erschießen. Der unheimliche Fremde habe ihn selbst durch Drohungen zur Teilnahme an einem Einbruchsdiebstaht gezwungen. Die Polizei- Verwaltung ließ daraufhin daS betreffende Haus umstellen und die Beamten sorderlen nun den gefährlichen Fremden zur Heber- gäbe auf. Jetzt jagte Lehnerr die Hausgenossen auf den Hof hin- aus und verbarrikadierte sich im Innern des Hauses. Da die Bc- amten nur daS Haus belagert hielten und den Verbrecher auszu- hungern versuchten, wurde ihm die Sache langweilig und er unter« nahm citteii Fluchtversuch. Lehnert kletterte zum Schornstein hin- ans, sprang mit dem Revolver in der Hand auf das niedrige Hausdoch und versuchte von dort den Erdboden zu erreichen. In diesem Augenblick gaben die Beamten eine Salve ab und L., der ilbrigeiis noch eine Reihe von Sirastatcn auf dem Kerbholz hat, stürzte t?t zur Erde. WerlerailSllMtcii fixr das u-tttlcre Storddeutkeiiln«» die Sonnabend iiiir-ag. Zunächst sebr wann»nd schwül, trocken und viel- jach heiter, später langsam von Welten nach Osten fonschvcitcr.bc Trübung und vielfach Gewitterregen mit Abkühlung, Zkllgemeinc Familicnfterbekasse. Sonnlag, den 35. August: Zahl- und Ausnahmcrag von 3— G Uhr in den Restauranis Gerichtstraße 13,�2 und Bnckowcr S trage 14. stSassersiandöi •et LiTilcheeciistaU für Gewässerkunde, mitgelerlt vom Berliner Wetterbureau. Wasserstand am Mcmcl Pregel Weichsel Oder Warthe Netze Elbe Tilsit Insterburg Thorn Nalibor .ftrofsen Frankfurt schrimm t-andsberg Vordamm Deitmer itz Dresden Äarbq Magdeburg 20. em 34» —34 377 130 333 133 74 13 — 30 — 71 —185 1 il 41 i 21.|( am 288 —25 320 179 219 i 207: 10: -30 -70 -188 42 39 W a s j erstand am Saale Havel Spree Weser Rhein Neckar Main Mosel Grochlitz «vandau Rathenow «premberg Lersdoxs Münden Mürben Aiaximit.au Eaub Cötn Hcilbronn Hanau Trier 20. cm 55 34 -6 70 203 112 174 133 171 '39 101 21. cm 53 34 —3 70 204 112 174 ICO IseutNclieg Theater. LeUte Aufführungen 8 Uhr: Msx Pellenkero in Der fesche Uadl. Kaiiimerapiele. Letzte Aufiülmingen S Uhr: lupio Htllich in Der Weihirtpnfel. VolkfBbiihr, e.Th.a.Dillowrl. Leüte Äuriührungau 7'/, U: Hans Y/assmann in SomiuernachtHtraiim. Theater i"KönioiratZ8r Str. 8 Uhr: Dlo(Schwestern und der ITrenide. Komödlenhaus S Uhr: Die Zarin. BerlSner Theater 7" U.; lIUtsctolaneH BInt. Mional-TfaeatBr y Käosehca. Theater liir Freitag, 22. August. Neues Qperettenhaus 7,/tDhr: DSS SHÜB hÜSitk!. Sonnt. 3 Uhr: Der Obersteiger. Contrnl-Thcafer Tst. ubr. Die WzMM Deutsches Operahaus ßie seiri iiletiti Friedrich- Wilbetinsi. Thealei tfl.Mrr-SzzßfejMÄM Kleines Theater 3 Uhr; Aristld und seine Fehler mit Bassonaftiin. Komische Oper SstswaiiwalöRSlifel. Stg. 81/, Uhr: Die KinoiiSnigin, Uhr: JLnstsplethans {Sie spgElscIie Füep. Rose=Theater. s Der MM m. Kartcnb.: BHtemhtffaundlloli., Metropol-Theater Die Rose m SM. 7'/. Uhr: Rcsld.'nu-Th enter vi, uhr: Fliper- Meit. «chlUer-Th.« hart. 7'J.ühr: Jüt-SÄrg. Thaila-Thcater �lüterilErilieiiieii linde Theater am Nollendoriplatz 7(sieben) Uhr: mit Cläre Waldoff. Theater dos Westen» Sonnabend, 24. Anp:., 7 Uhr: Z. 1. Mole: Die lustige Witwe. Mlsr öer FriadrisMl Ecke Friedrich- u. Linienstr t'l, Uhr. Norden 8650. Kaiserplatz 3 eine Treppe. Ein lustiges Stück mit Musik naoil Karl Laufs.' Alice Hechy Rolf Brunner Gesangs- und Tanz-Duett sowie der glänzende Varietä- Erßffnungs- Spielplan! W? Friedriohstr. 218 Dir.: James Klein. j 7'/« Sonnt«V. u. 7'U\ TodesrenneR in der Luft sow. weitere Sensat. Vorverkauf an der Theaterk. 10— 6 Uhr. Sonnt. S1/. Uhr jeder Erwachs. 1 Nur noch wenige Tage! BEB MS" Im I. Akt: Kias und das Kammer- j kätzcheu. ess Die Flucht des Hias ans franzßsischer Gefanjen- schaft. Et Der Traum des ver- 1 wundeten Leutnants. ES Im II. Akt: Der gescherte AHs?. El Das ur- fidcle Pront-Breltl. Si3 Im III. Akt: j Das Kriegsgericht. ES Die glän-j zende Film-Einlage:„Sturm g auf Schloß Mont-Plaisier". THe-Iich 7ll, lThp abend» Sonntas it VorBtellnaj;en «st. u. 7'/, Thr WALHALLA» Theater ♦ Wembergsweg. Casino-Theater. Lothringer Str. 37. Tägl. ,/48U.: Der neue Schlager M Ml Ml MM! Berliner Posse in 3 Alten. Borher erstkl. Spezialitäten. 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Sonntag 8 u. 7 st, Uhr; Das gowaltiga Massen- Manege- Sctiausluck ;„Torpedo- los!" I Morgen Sonnabend, nach- "mittags 3 Uhr: Große Sondervorstellung | Erwachsene und Kinder halbe Preise. Sehluß: Sonntag, 1. Sept. n Ach ute»■■li Eole ftez-Hotsetle Ziehung am 97. August 1911 Oatamtw. u.üauptgew. Ivo SSV-..- SO 000.[ 10000-1 !-415 000•"1 IPorlou. Liste 45 Pf. mehr. 10 Loa« mit Porto u. Uiste 33 M. jüiePrtosinyßiiTfagar.!! |äajdah. Deutsche Tiuze.| Kühler Aufenthalt. Tl, Uhr. 2, 3, 4, 5, 6 M. Iiosss.sor*0 10 Loa« mit Paria II Emil NW& CO. Berlin 21, Bredcwetr. S. Läden; Känigsir. 57, Wadßtr, 1. Hosenthaler Str. 71, MüMersir, 3b, Potsdamer Straße 23 b. LewMchastsHails. Sountag. den L5. August 1918: Im herrlichen Naturzarte«— der Tafe ded Ostens:— SemM CkS Mi«„MWM". ZinirivristiLLke Vorträge. Ksnsert des DcrlZlrcp 8!iikai>ic-Di'cIlc»itci'«. Ei» Prolog— gesprochen von Fräulein A. Brauer. Spickaal mit Salat (Avis! AdendsperlslitSt: S'ralsundcr 4 Mark.) Sonntag tnittag: Klumcnfohlsiippe... 0,50 Schleie, blau..... 4,00 Gefüllter Weihkohl... 8,50 Zander, Hollandaise.. 3,00 Pririzesibokmen m. Maij. th. 2k>0 Pscsicrlinge,.. Fischklötze mit Kraut ttompolt, Salat. Käse. Speise. 2.00 3.00 veulschef lileflilllltbelter- Veebsoll. Vervvaltungeetelle öerlur, Den Mitgliedern zur Nach- I richi, datz unser Kollege, der J Ziohrkeger Leopold BrauQ ä Wilhclmsdavener Stratze 61, j am 20. August gestorben ist Die Beerdigung ftndel I heute Freilag, den 23. August, | uachmiltags 4 Uhr. von der ! steilbeuhalle des Heilands� älirchboseZ in Plötzcnsce j aus statt. Rege Beteiligung wird er- I wartet. 117/14 mit„Ideal"- Fuüunsr Eine sensatiunellc Vervollkommnung Elarlisci wie Pncumatic 6.m. b. IL Balünit> Reifen■ Fabrik Berlin SW61, Watcrloo-Ufcr 19, Fernsprecher: Amt Moritzplatz Nr. 9218, 3038 Den Mitgliedern serner! zur Nachricht, datz unser j Kollege, der Schlosser WiWi Wei® Koppenstr. 69, am 19. August gestorben ist. j Die Einäscherung findet> ! deuteFreilag. de!i33. August, i nachmittags 3 Uhr, im Kre- ! matorlum, Aerichtftr., statt, l Rege Belelligung wird j ! erwartet. �Isekruk. Den Mitgliedern ferner j sur Nachricht, datz unsere j Kollegin, die Arbcilerin Klinkza Ktöckosk' Neukölln, Agerstr. 6, / am 16. August gestorben ist Ehre ihrem Andenken! Die Ortsvcrwaltuug. Verband der Fabrikarbeiter Deutldttands. Zahlstelle GroS-Berlin. Den Mitgliedern zur Nach. richt, datz unser langjähriges Mitglied Mpp Döring ÜSlandslr, 5 am 19, August 1918 ver. ftarben ist. 53/11 Ehre jclnem Slnbcutcu! Die Beerdigung findet am Freitag, den 23. August, nachmittags 4 Uhr, von der Halle des neuen städtstchen Friedhofes in Buch aus Natt. Um rege Beteiligung ersucht _ Die OrtsreriyaltunB. Allen Freunden und Be- I kannten die traurige Nach? I eicht, datz unser iicbce! j Freund 2980b[ Beruliard Bralhe 1 bei den Kämpfen im gefallen ist Er biitterlätzi> zwei Kinder, denen auch schon die Mutter während des Krieges gestorben ist Dies zeigen im Namen j I der Kinder lieibetillbt an � Ewatd Schulz, zurzeit im j Felde, und Frau Nkargaretr. anksagung. Allen Freunden und Bekann- tcn, welchem meine lieben Mann. unserem unvcrgctztichen Valer, Schwiegervater und Arotzvater die letzte Ehre erwiesen haben, sagen wir aus diesem Wege unseren uusrichligstcn Dank. fw. Anna Geriney geb. äoldacker, nebst Kiiider», .Neukölln. Marelchslratze 13. "SpezRlmt Dr. med. Ilaschd, Friedriohstr. 90 sVoMbainb Bchandl. von Syphilis, Haut- Hiixn-, Frrtnenlxiden, spc,.: I chron.Fälle. Schmerzlose, nirzenc Behandlg. ohne Berussstürung. BiriluiNersuchUNg. Matz. Preise Teilzahlung. Sprechstunden ll bis 1 und 5— 8.«umit. 11— 1. 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Der seltsame Dreierzug flog, der Frosch baumelte. Die Menschen sahen sich da« verwundert an, denn man zog niedrig genug, um den Frosch dann und wann Zeit zum AuS- ruhen der Kinnbacken zu geben. Einmal aber machte ein Mensch auch seine Witze über daS Dreigespann:„Wer ist denn von den Drei'n so klug gewesen, auf diesen Einfall zu kommen?" Da konnte sich der Frosch nicht enthalten zu quaken:„Das war ich. ich Naiiirlich mußte das quakende Maul den tragenden Schilfhalm fahren lassen, um reden zu können, und man war immerhin hoch genug, daß das Fröschlein ans die Erde platschte und zerschellte... II. Tie Schild/röte. Einst geschah es und geschah nach Allahs Willen zur Lehre: Eine Schildkröte aus dem unendlichen Meere ging über Land. Einige Schritte vom Wege brachten sie an den Rand eines Brunnens. Eine unvorsichtige Bewegung— und sie plumpste hin- ein, hinunter. Im Brunnen wohnte seit je eine andere Schildkröte. Nach der unier Schildkröten üblichen Begrüßung fragte die Landschildkröte deS Brunnen«:„Woher kommst du?" „Aus dem Meere," antwortete die Verunglückte. „So... Ist es dort auch so prächtig zum Schwimmen und Rudern wie hier? Oder muß man vor lauter Enge ganz kribbelig werden? Ist es anch so groß, das Meer, wie der innere Kreis dieses Brunnens?" „Es ist viel größer im Kreis!" Die Meerbewohnerin wußte nicht. tvaS sie der Landkollegin ander» antworten sollte, ihr einen Begriff von der Unendlichkeit— Schildkrötenuncndlichkeit— deS Meere« zu geben. „Ist das Meer etwa so groß wie der Rand dieses Brunnens, den ich kaum in zwei Sonnenauf- und-Untergängen umschwimmen kann?" „Da? Meer ist viel größer. Dein ganzes Leben hindurch könntest du»ie und nimmer seine Grenze» erreichen. Es bat kein Ende, wie deines Brunnens Rand... Vielleicht, vielleicht gibt es wieder irgendwo Land! So dacht' ich immer. Heute fand ich die eine Seite! Und was habe ich davon? Daß ich hier in der Enge, im Dunkel fest sitze... O, es ist gut, daß das Meer nach den anderen Seilen unendlich ist, daß wir es nicht er- reichen...!" Verachtend entgegnet die Brunnen-Schilbkröte:„Du machst nur diesen Brunnen verächtlich, um deines Lebens Ergehen und Erreichen lügenhaft herauszustreichen!" HI. Tie Legende von der Erschaffung deS Pferde». Als Sarah des KindleinS aenaß, war Hagar die Kebsin AwrumS, vertrieben. Vertrieben in die Fernen der Erde hinaus. Samt ihrem Söhnlein ISmail. Und es geschah und geschah zum Heile. Ismail zog in die Wüste. Allah lenkte seinen Fuß. Und als e? Zeit war, gab e» ihm der Frauen schönste in der heiligen Vier» zahl, auf daß sein Name Dauer habe vor dem Sande und den anderen. Ost genug aber saß KSmail unter den großen Wüstensternen und sann in« Irgendwo. Und der Allmächtige ließ ihm seine Zeit deS Leides. Doch eines Tages sprach Allah aus einem Schweifsterne flammender Wellenbahn: ..Ich kenne deine Sehnsucht, Ismail I Freunde sind wie die Wolke weckffclnd und trügerisch, WeibeSkiebe ist ohne Seele und flüchtig wie der Sand. Treue sehnst du und weißt es nicht. Denn, keines irdi'chen Geschöpfes Treue kennst du. Nur deines Gottes Unwandelbarkeit. Ich bin der Eine, der Einzige, der Allnmfaffende! Niemals gezeugt und niemals zeugend. Ewig bin ich durch mich selbst! Dein Sehnen soll gestillt werden. Denn Leiden, welche Allah sendet, sind Samenkorn? der Rosen I Allahs Gedanken schufen. Und ein Erzengel brachte vom Samum eine Handvoll, ein anderer von sonnenglühenden Wolken eine Handvoll und ein Dritter vom feinsten Goldstaub eine Handvoll. Der Wille Allabs formte au? allem ein von Menschenangen noch nie gesehene« Wesen. Auf vier Füßen schlank wie junge Pal- men, bebt« vor Lebensglück ein Körper, schimmernd wie Goldstaub durch schöner Frauen Haar, mit Augen, welche zitternde Lust und Entzücken strahlten. Also sprach Allahs:„Hier dein Genoffe! Was Freunde nicht haben, Verläßlichkeil, das bat es! WaS der Weiberliebe fehlt: die heilige Treue, er besitzt sie! Und was deines Lebens Tag in seiner Kürze und Beschränkung nicht vollbringen könnte: des SamumS Schnelligkeit ist seinen Füßen eigen!" Und wendete sich zum neuen Geschävf:„Pferd sollst du beißen und untertgn sein meinem au«- erwählten Liebling Ismail!" Ter Engel hieß Ismail sich auf des kniebeugendcn TiereS Rücken zu ietzen, und kaum spürte er die Glut des neuen Genoffen, kaum spürte er die nllahgeliebte Last, so ging er erst, trabte dann und schoß zuletzt durch die Weiten. Und Jömails Wüsteilstrich erschloß sich ihm zum Lande. Allah aber sprach aus der Mitternacht: „Ich habe Wüsten um dich gelegt, aus daß du in deine« Gottes Frieden groß und stark und mächtig werdest I So lasse ------------ IJ.!■——— WM...................................... Wüsten um dich, die kein Feind zu durchbrechen vermag, ohne am Durst, am Hunger, an der Glut zu sterben. Und senge Wüsten um dich, wo deines beflügelten Genossen Hus das letzte Körnchen Sand zerstäubt!" Und Ismail tat„ach Allabs Gebot und schuf das Riesenreich Arab, sich und seinen gottgelicbten Söhnen. Die»vier Mimiten-Nläimer". Als das Hauptmittel in der Bearbeitung der öffentlichen Meinung in den Vereinigten Staaten gelten neben den Zeitungen die„Vier Minuien-Männer", eine vor drei Monaten geschaffene Organisation von redegewandten Leuten, deren Arbeilswcise folgendermaßen geschildert wird: An bestimmten Abenden tauchen die„Bier Minuten-Männer" überall auf, wo es eine Ansammlung von Menschen gibt, iin ZirkuS, in den KinoS, in den Theatern und sogar auf den Bahnhöfen, und dort hallen sie während einer Pauie und auch vor dem Abgang eines Zuges eine Rede von genau vier Minuten Dauer. So sprechen am gleichen Abende in zahllosen Orten über da» ganze amerikanische Gebiet hin alle diese Redner über denselben Gegenstand. Einmal handelt es sich um die Notwendigkeit, den Zucker zu sparen, möglichst wenig Seite zu verbrauchen usw., um die Bundesgenossen zu llnlerstüyen i ein anderes Mal ist je nach den augenblicklichen Erfordernissen die FreiheitSanlerhe dran, oder die Bedürfnisse des Roten Kreuze« und andere KriegSnoiwendigkeiten. Plakate künden vorher allenlhalbon an. übe? welches Thema die„Vier Minuten-Redner" sich am nächsten Abend auslassen werde». Dicie svrtdaucriide Einwirkung auf das leicht beeinflußbare amerikanische Publikum hat denn auch, wie so viele Tatsachen der letzten Zeit beweisen, ihren Zweck nicht verfehlt und einen Zustand geschaffen, Ven man nur mir Massen- Psychose bezeichnen kann. Varum sollen pflanzen nicht in üer vollen Sonne begossen werben! Einmal, weil die Abkühlung zu groß ist. DaS zum Begieße» dienende Wasser hat in allen Fällen eine bedeutend niedere Tempr- ratur als die von der Sonne bestrahlte Pflanze. Noch mehr wird dieser durch die im Somielischein rasch vor sich gehende Verdunstung des benetzenden Waffers Wärme entzogen. Sodann verdunstet in der vollen Sonne auch da? Wasser an der Oberfläche de? Boden« sehr schnell»nd e« bildet sich, zumal auf lehmiger Erde, eine zu- sammenhängende Kruste, die den Zutritt von Luft und Wasser zu den unterirdischen Pflanjenteilen hemmt. Das Begießen der Pflanze mit zu kaltem Wasser ist au« dem zuerst angeführten Grunde ichäd- lich, besonders aber auch de«halb, weil kalte? Wasser schwer und nur in geringen Mengen von den Wurzeln aufgenommen werden kann. Wir' sehen daher manche im ersten Frühling blühende Pflanzen, die ihr Wasser einem kalten, zeitweise sogar gefrorenen Boden entnehmen müssen, mit Einrichtungen gegen zu starke Wasser- abgäbe durch Verdunstung geschützt, um nicht zu vertrocknen. Hier- her gehören z. B. die blougrünen WachSüberzitge von den Blättern des Schneeglöckchen«, der Narzissen und Tulpen. Daß die Tempe- ratur de« Gießwassers diejenige der Umgebung um einige Grad übersteigen soll, ist bei wärmerem Wetter nicht nötig. Notizen. — Da» gerettete Denkmal. In der heiligen Stadt Köln sollte u. a. da» Denkmal de« Gesellenvaters Kalping ein- geschmolzen werden. Dank dem Einareifcn der Stadlverordneten bleibt es aber erhalten. Inzwischen sind anck die katholischen Ge« sellenvereine, die in„Vater Kolping" ihren Organffaror verehren. schützend für da» Denkmal eingetreten und haben nachdrücklich seine Erhaltung gefordert. — Die Brotbäckerei in der GoSanstalt. Der Magistrat der Stadt Reykjavik(Island) hat kürzlich eine Bror» bäckerei in einem besonder« konstruierten Backofen, der in V«x« bindnng mit der Gasanstalt steht, in Betrieb gesetzt. Die über- schüssigc Wärme der Gasanstalt wird auf diese Weise nutzbringend verwertet. Binnen kurzem wird alle» erforderliche Schwarzbrot in der neuen Bäckerei hergestellt werden. — Humor im Justizgebäud«. Im AnwaltSzimmez de? neuen Rudolstädter Justizgebäudes sind mit hoher obrigkeitlicher Genehmigung allerlei Sprüche angebracht, die die edle stitia an ihrem erhabenen Mantel zupfen. Man liest da u. a.: Du mußt, soll man gelebrt Dich nennen, 1b 000 Paragraphen kennen.— Je dicker schwillt ein Aktenstück, je zweifelhafter wir», Dein Glück.— Schnauz niemal« Deinen Gegner an. er ist, wie Du— ein braver Mann.— Prozeßstoff ist ein Haufen Mist, darin ein Körnlein Rechtens ist.— Verlierst Du, laß kein Tränlein rinnen, zwei können nit zugleich gewinnen.__ 70] Loöz. Das ßcbbte£on6. Roman von W. St. R e y m o n t. „Ich habe anch eine Einladung bekommen!- Na, und wie war's denn, waren viele goldne Kälber da?" „Eine glänzende Bezeichnung. Bernhard informierte mich genauestens über jede einzelne Mitgift, na, und wir sahen sie uns der Reihe nach an. Keine interessante Schau» stellung, nein." Melancholisch schüttelte er den Kopf. Emmas Gesicht trat ihm vor die Augen, und ihre Worte kamen ihm in den Sinn. TrawinskiZ wollten auch hingehen. Gestern war er bei mir und sagte es." „Sie waren da. Er langweilte sich in der jüdisch- deutschen Gesellschaft, und sie machte Sensation mit ihrer Schönheit und ihrer Vornehmheit. Frau Smoliuska war auch da." „So? Das ist ein Ercianis. Wie findest du diese antike Schönheit?" „Mehr antik, wie schön." „Hast recht. Ihre Schönheit zehrt am alten Ruhm. In ihrer fernen Jugend hat man'L ihr nachgesagt, und dieses Gerücht hat sich durch ganze Generationen erhalten." Borowiecki verzog bloß das Gesicht, als ob er lachen wollte, und verstummte. „Dir fehlt heut was, wie?" Karl blickte ihn an und spürte ein ungewöhnliches Ver- langen, sein Herz vor jemand auszuschütten, sich auszusprechen, wenn auch nur andeutungsweise, unp doch schwieg er, als er Kurowskis kühles Gesicht und seinen von beißender Ironie erfüllten Blick sah. verschloß sich völlig und hielt die sich ihm auf die Lippen drängenden Worte zurück. „Was niacht denn deine Fabrik?" fragte Kurowski nach einer Weile. „Die Sache steht so, wie ich es dir in meinem letzten Brief geschrieben habe. In einer Woche ist Moritz zurück, und dann geht's an die Arbeit." „Ganz vergessen Hab' ich's, dir zu erzählen, daß ich Fräulein Anka in Warschau gesehen habe." «Ich wußte nicht, daß sie herüberfahren wollte.« Karl reffte sich schwerfällig und schläfrig und legte den Kopf auf die Stuhllehne. „Soll ich dir vielleicht ein Bett reintragen lassen, was?" „Danke, ich geh' gleich nach Hause. Furchtbar ermüdet bin ich, und so eine scheußliche Apathie hat mich gepackt, daß ich mich immer kraftloser fühle." „Laß dich doch von deinem Lakai ohrfeigen, da? wirb dich aufmuntern; es ist zivar ein Radikalmittel, aber die Apathie ist eben der fürchterlichste Lebensfeind." „Du hast mir nicht geantlvortct, ob du Kredit gewährst oder nicht?" „Ja, ich tu'?. Ich bitte dich, warum hast du dem Lakai nicht gesagt, daß dn in Geschäften kommst. Ich hätte dir sagen lassen, daß ich Geschäfte im Kontor erledige, hier aber nur meine Freunde empfange-" „Entschuldige bitte, ich habe fast gedankenlos gestagt. Du darfst dich nicht wundern, daß mir meine Fabrik immer im Kopf steckt. Ich niöchte sie ja so schnell wie möglich im Betneb sehen." „So stark ist bei dir das Verlangen nach Geld?" „Mehr noch nach Unabhängigkeit." „Unabhängig ist bloß das Elend, die Millionäre sind es nicht. Ein Mensch, der einen Rubel besitzt, ist schon Sklave dieses Rubels." „Ein Paradox!" „Ucberlege es dtr mal, und du wirst es einsehen." „Vielleicht hast du recht, aber jedenfalls ist es mir lieber. auf Buchholzschc Art abhängig zu sein, von eigenen Millionen, als vom ersten besten emporgekommenen Knecht." „Das ist eine andere Frage, eine mehr praktische, aber allgemein die Sache fassend, sieht man doch, daß diese Un- abhängigkeit eine absolute Täuschung ist im allgemeinen, und im speziellen ist die Unabhängigkeit reicher Leute eine Sklaverei. So ein Knoll, so ein Buchholz, ein Schaja, ein Müller und hundert andere, das sind doch die elendesten Sklaven ihrer eigenen Fabriken, die wenigst selbständigen Mechanismen. sonst nichts! Du kennst ja das Leben der Fabrikanten und das Leben der Fabriken, und mußt es gerade so gut wie ich wissen. Neberlcge doch bloß, was für eine seltsame Koni- bination sich heute in der Welt entivickelt; der Mensch hat die Naturgewalten gebändigt, eine Menge von Kräften ent- deckt— und hat sich von diesen Gewalten unterjochen lassen. Der Mensch hat die Maschine geschaffen, und die Maschine hat den Menschen zu ihrem Sklaven gemacht; die Maschine wird sich ausbrouen und bis in die Unendlichkeit an Macht zunehmen,»nd ebenso wird die menschliche Sklaverei wimer wachsen und immer größer werden. Das ist eS. Der Steg kostet stets mehr als die verlorene Schlacht. Ucberlege eS dir." „Nein, ich»verde es nicht tun. sonst müßte ich zu ganz anderen Schlüssen kommen." „Ich habe sie schon im Kopf, ich kann sie dir gleich vor- tragen, sie»Verden gleichfalls logisch sein." „ES wundert mich bloß, daß du so bereitwillig dich in die Sklaverei deiner Fabrik begeben hast." „Woher weißt du, daß ich eS bereitwillig getan habe? Warum»villst du nicht eine Notwendigkeit annehmen, eine eiserne Notwendigkeit, ein scheußliches Müssen!" Er sprach rasch und mit einer Wut. die ihm irgendivelche schmerzliche Erinnerungen einflößten. „Du bist nicht konsequent. Wenn ich so dachte und u»»ter einem ähnlichen Gesichtswinkel die Welt betrachtete, dann würde ich überhaupt nichts ansaugen,»vozu denn auch?" „Nin Geld zu haben, viel Geld, so viel als ich gerade brauche, das vor allein. Und dann möchte ich auch diesem Schacherbodcn etwas Tugend einpflanzen," sagte er höhnisch. „Um sie dann um so besser zu verkaufen?" „Was ist die Tugend wert, die man nicht gut verkaufen kann?" „Du warst ja mit deiner nicht sehr spröde," warf Karl hin. da er sich an Kuro»vskis letzten Teilhaber erinnerte, der keinen Groschen aus den» Kompagniegeschäft herausbekam, obwohl er viel bineingelegt batic. „DaS ist eine infame Verleumdung!" schrie Kurowski und schlug den Stuhl heftig zu Boden. Ein mächtiges Feuer flammte in seinen Augen auf, daS Gesicht zuckte heftig vor Erregung; bald faßte er sich aber. setzte sich ivicder, steckte die Zigarette an,»varf sie weg und sagte leise, die Hand ausstreckend: „Entschuldige, wenn ich dir weh getan habe." „Den Gerüchten habe ich ein wenig Glauben geschenkt, weil ich dich nach Lodzer Art beurteilte, aber jetzl glaube ich dir und bin gar nicht bös. Ich verstehe»vohl, daß dich meine Annahme unangenehm berühren mußte." »Ich habe nicht betrogen, denn erstens bot sich keine Gelegenheit, und dann gab es auch niemand, bei dem ich es hätte tun können," sagte er, aber in seinem Zynismus spürte man noch sehr die Erregung. Er ließ sich eine Flasche Wein bringen und trank ein Glas nach Pem anderen. lLsrts. fpiiiU j Zieimng sehen am 27. iagust [Hole Kreuz-Loüerle Gesamtw. d. Gewinns Mark IOOOOO i so oee i ioooo Los® zu 3530 W. 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Bihme ficht, Dresdener Str. 58/51. 1(312 118 Mannschaften, darunter 37 verwundete und 160 Zivilisten mit ftrauen und Kindern. Tie Zeeland bringt IS verwundete Soldaten, 71 Bürger, von deyen 2 verwundet sin-d, und 86 Frauen und Kinder. Außer einem Lffizier, der ln Holland interniert wird, sind alle nach Deutschland bestimmt. Sensationelle Anllage in Schweden. Stockholm, 21. August. Auf Wunsch des amerikanischen Geschäftsträgers in Stockholm hat StaatSminister Eden die Redaktion von„A�it o n b la de t" wegen zweier Aufsähe, in denen die Bereinigten Staaten als Friedens- Hindernis bezeichnet werden, unter Anklage gestellt. B r a n: i n g, der erst gestern in einem Leitartikel der deutschen Reichskanzlei ungeschminkte Raube r_m oral vorgeworfen hat, verteidigt in„Socialdemokraten" diesen Schritt der Regierung, da es sich bei den betreffenden Artikeln um sine schwere Ehren» Verletzung handele. Er fürchtet jedoch, die Anklage könne ohne Er- folg bleiben,„da bei den Stockholmer Gerichten bornierter Rechtsfanatismus" herrsche. Vriitz Max von Saöen über Völkerverstänöigung. Eine Rede zur badischen BerfasfnngSfeicr. Bei einer Feier zum hundertsten Geburtstag der badi- schen Verfassung, die gestern im Karlsruher Itändehaus statt- fand, hielt Prinz Max von Baden als Präsident der Ersten Kammer eine Ansprache an den Großherzog, in der er u. a. ausführte: Ter Krieg hat tief gegraben und Schätze seelischer Kraft in unserem Volke gehoben, die vor dem Kriege mancher Zweifler nur einer heroischen Vergangenheit zutraute. Aber im Gefolge eines jeden schweren und langen Krieges sind bisher immer moralische VolkLkrankheiten einhergezogen. Es wäre vermessen zu glauben, daß irgendeine kriegführende Nation unbe« rührt bleiben kann. Diese Gefahren bedrohen auch u n S, aber sie können beschworen werden, wenn die geistigen Führer sich ihrer Aufgabe bewußt bleiben, in PlawS Sinn Wächter und Aerzte der Volksseele zu sein. Schlimm stünde es um die Nationen, die glaubten, die Fackel der christlichen Gesinnung während des Krieges senken zu dürfen in der Hoffnung, sie nach dem Frieden noch lebendig und stolz wieder erheben zu können. Ein solches Land hätte seinen Posten als Fackelträger der Gesittung verloren. In jedem Land gibt es Demagogen, die diese Sorge wenig kümmert. Ja, die feindlichen Regierungen erblicken ihre nationals Aufgabe darin, die Gesinnung des Hasses und der Rachsucht in dsn Frieden hinüberzurctten und durch Abmachungen zu verankern, die aus dem kommenden Frieden eine Fortsetzung des Krieges mit veränderten Mitteln machen sollen. Wahrlich, das wäre ein schlich- ter Berater der deutschen Nation, der uns aufforderte, uns ein Beispiel an Elcmcnceau und Lloyd George und ihrem neuen Heidentum zu nehmen. Da ist eS tröstlich für uns, zu wissen, daß Eure Königliche Hoheit, getreu dem großen mütterlichen Vor- bild unserer ehrwürdigen Großherzogin Luise, die Aufgabe aller fühvendcn Kräfte in Deutschland daria sehen, die in jahrtausend- langem geistigen Ringen erwählten und erprobten sittlichen Werte, an die wir im Frieden mit jeder Faser unseres Wesens glaubten, auch im Kriege treu zu bewachen. Unsere Art und unsere geschichtliche Entwicklung zeigen uns den Weg zu dieser Wächtcrrolle. Die Verfassung Deutschlands er- möglicht uns die Selbstbestimmung; wir sind nicht gezwungen, in jeder vorübergehenden Aufwallung der Volksleidenschaft, in jedem Auf- und Niederschwenken der Stimmung eine untrügliche Offen- barung des Volkswillens zu sehen, der wir unser Gewissen zum Opfer zu bringen haben. Mobherrschaft, Lynchjustiz, Boykott An- derSdenkender, Pogrom« gegen Fremde und wie die despotischen Gewohnheiten der westlichen Demokratien alle heißen mögen, wer- den hoffentlich unserem Wesen immer so fremd bleiben wie unserer Sprache. Es mag sein, daß die Engländer, Franzosen und Amerikaner wirklich an das Zerrbild Teutschlands glauben, das ihnen ihre verhetzende Propaganda vorspiegelt. Wir kennen unsere Feinde, wie sie unS nicht kennen und nicht kennen wollen. Wir vermögen zu unterscheiden, darum ist es unsere Pflicht, gerecht zu urteilen und nicht zu überhören, wenn gegen Aeußerungen niedriger und roher Gesinnung bei unseren Feinden aus der Tiefe ihrer Völker selbst zornig« Abwehr aufsteigt. Solche Freiheit des Urteils war unS nicht immer gegeben. In jahrhundertelangem Bruderzwist hatten wir die Periode der Un- duldsamkeit durchzukämpfen und zu überwinden. Die Schlichtung der inneren staatlichen und religiösen Gegen- sätze in Teutschland ist im kleinen eine geistige Vorbereitung für eine Zusammenarbeit der Völker geworden. Konnte doch die Einheit des Deutschen Reiches nur gelingen, weil der Glqube an dieses Ideal selbst in den ganz verdüsterten Zeiten deutscher Geschichte niemals erloschen war. So sollten auch alle diejenigen, die das ferne Ziel des Mitein- ander der Völker ehrlich im Herzen tragen, nicht den Glauben an ihre große Hoffnung verlieren, mag uns auch die gegenwärtige Gesinnung unserer Feinde das Wort„LigaderNationen" noch so verdächtig erscheinen lassen. Noch ist Krieg. In England, Frankreich und Amerika hebt schamloser denn je der Vcrrachtungswill« sein Haupt. Ihre alten. langst zusammengebrochenen Illusionen tauchen wieder auf. Sie werden wieder zusammenbrechen. Wir haben eS nicht nötig, uns zur Einigkeit zu ermahnen. Jede Handlung, jede Rede der feind- lichen Regierungen ruft uns zu: Schließt die Reihen! Ter Großherzog antwortete mit einer kurzen Rede, in der er sagte:„Auch Ich gebe Mich der Hoffnung hin, daß die Zukunft ein gegenseitiges Verstehen unter den jetzt feindlich sich�bekämpfenden Völkern und eine auch innere Versöhnung herbeiführen werde. Zurzeit aber müssen wir im Kampf durchhalten und uns im Innern fest zusammenschließen." ♦ Dies alles ist offenbar sehr gut gemeint. Aber wer für ein späteres Zusammenarbeiten der Völker eintritt, darf nickt in den westlichen Demokratien gar zu viel„Mobherrschoft, Lynchjustiz uiw." sehen, sondern muß auch für den großen �Zug dieser Demokratien einen klaren Blick haben. Er muß einsehen, daß sich die Zusammenarbeit der Völker nur im Zeichen der Demokratie vollziehen kann. Das badische Muster- ländle mit seiner svmvathiichcn Dynastie kann nicht Maß aller Tinge und Vorbild für alle Welt sein. Wahlreform irnö Herrenhaus. Zedlitz als Makler. Dem Verfassunssaus'chuß des Herrenhauses, der am 2. Tcptember zusammentritt, erscheint der Freiherr v. Zedlitz in zwei Gestalten— mit seinem Namen hn„Tag" und als „varlamentarisch? Leite" in der„Post"— als treuer Eckart, um ihn auf den rechten Weg des Komproinisse? zu bringen. Im „Tag" schreibt er;. Jetzt, wo das Herrenhaus in Szene tritt, handelt es sich für die preußische Gesetzgebung also nicht mehr um die Austragung des grundsätzlichen Gegensatzes für oder wider das gleiche Wahl- recht, vielmehr ist, soweit es sich um die Verständigung zwischen unseren gesetzgebenden Faktoren dreht, nur noch von aktueller Be- deuhing der Ersatz der vom Abgeordnetenhause vor» gesehenen Selbständigkcitsstimme durch außer- halb der Gestaltung des Stimmrechts liegende Sicherungen gegen Ueberdemokratisierung und eine Lösung der Frage der Z u s a tz st i m m e n, die noch in den Rahmen des Wahl- erlasses vom 11. Juli v. I. paßt und zugleich wenigstens für die wicht ganz extremen Gegner des gleichen Wahlrechts die Brücke zur Verständigung zu schlagen geeignet ist. In der„Post" mahnt die„parlamentarische Seite" den Ausschuß, er möge ssich nur Zeit zur Ueberlegung lassen. Die Meldung, der Ausschuß würde in vier bis fünf Tagen fertig sein, läßt sie befürchten,„daß die Entscheidungen über das Herrenhaus bereits außerhalb der geordneten Geschästsbchand- lung getroffen sind". Und warnend schließt sie: Dia Befürchtung ist nicht abzuweisen, daß in diesem Falle die Hoffnung der Regierung, daS Herrenhaus werde einen Weg zur Verständigung über die Vcrfussungsvorlagen weisen, sich nicht er- füllen, sondern mit einer Erledigung der Streittragen durch Auf- lösung des Abgeordnetenhauses zu rechnen sein wird. Dazu ist zu sagen: die Regierung müßte wahrlich von allen guten Geistern verlassen sein, wenn sie in dieser Zeit auf die Erbärmlichkeit eines faulen Kompromisses zusteuerte. Die Ent- täuschung, die sich dann weitester Volkskreise bemächtigen würde, würde unvermeidlich einen erheblichen Druck auf die allgemeine Stimmung ausüben. Wenn die Regie- rung dafür vor Volk und Geschichte die Verantwortung über- nehmen wollte, wäre sie wahrlich nicht zu beneiden. Das Land braucht mehr denn je einen führenden Mann, der die Händler mit Boiksrechten aus dem Tempel jagt und ohne Schachern und Feilschen dem Volke gibt, was ihm versprochen ist und was ihm gebührt. Gefprengte Wahlrechtsversammlungen. Ein Ruf zur Besinnung. Bekanntlich sind dieser Tage zwei Wahlrechtsversamm- lungen in Elbing und Danzig, in denen Landtagsabgeordneier Genosse Paul Hirsch reden sollte, von unabhängigen Grupven unter Adolf HoffmannS Führung durch Lärmen und Toben gesprengt worden. Genosse Paul Hirsch veröffentlicht über diesen Vorfall, der eine wahre Schande für die ganze Arbeiterbewegung, in erster Linie aber für seine' gewissen- losen Urheber ist, einen Artikel in der„Intern. Korr.", in dem er u. a. ausführt: Haben denn die Hofsinann und Genossen, die sich im Reichstag und Landtag so oft über Verbote von WahlrechtSversammlungen beklagen, gar kein Gefühl dafür, wie erwünscht ihr Auftreten der Reaktion ist? Sehen sie nicht ein oder wollen sie nicht einsehen. daß es in der Sache aus dasselbe hinausläuft, ob die General- kam man dos B-riammlungen für das freie Wahlrecht verbieten oder ob sie selbst durch ihre Freude an Radau und am Partei stank ihre Abhaltung unmöglich machen? Noch steht eS nicht fest, ob das Abgeordnetenhaus aufgelöst wird. Das aber ist klar, daß in einem etwaigen Wahlkampfe die Wahlrechtsgeguer nur durch ein geschlossenes Vorgehen aller Wahl- rechlsfreundo geschwächt werden. Die Unabhiiiigigeu würden daS Maß ihrer politischen Sünden zum Uebcrlaufc» süllcu, wollten sie, wir es leider den Anschein hat, auch dann ihre bisherige Taktik bei- behalten und gewollt oder ungewollt der Reaktion HclfcrSdicnste leisten. Es fehlt gewiß auch unter den Unabhängigen nickt an Männern, die einsehen, daß ihre kleine Partei durch solche Taktik auf die Stufe einer allgemein mißachteten Radau- kompagnie hinabsinken muß. Es scheint ihnen aber die Kraft zu fehlen, diese Entwicklung zu verhindern. Wer hat nun recht? „Daily Mail" und Bund der Kaisertreuen. DaL englische Blatt„Daily Mail" hat, wie wir der„Franks. Zig." entnehmen, tausend Pfund Sterling als Belohnung aus- gesell für denjenigen, der irgend eine Person in Großbritannien ausfindig macht, die direkt oder indirekt Geld aus deutscher Quelle erhälh um damit die Kriegführung Englands zu hin- dern oder jemand, zum Abfall von England zu verleiten.„Daily Mail" führt gleichzeitig ein Beispiel an. wie das Preisausschreiben gedacht isü DaS Hetzblatt behauptet nämlich, der Führer der nie- derländischcn Sozialdemokratie, Gen. Troelstra, habe„von seinem Freunde Scheidcmann, einem zahmen Kaisersozialisten, einen B c- trag von zehntausend Mark für die obengenannten Zwecke erhalten."(!!) Der„Bund der Kaisertreuen" verbreitet bekanntlich in einem seiner Flugblätter die Mär, die deutsche Sozialdemotra- t i e erhielte Unterstützung durch die in Nordamerika gesammelten sechshundert Milljonen Dollar— 2400 Millionen Mark, um durch Erregung von Parteihader und Zwietracht die innere Kraft des deut schen Volkes zu lähmen. Das englische Hetzblatt behauptet im Gegenteil, die deutsche Sozialdemokratie schicke Geld ins Ausland, um die Kriegführung Englands zu schädigen und dort zum Abfall zu verleiten. Man könnte zum Spaß fragen: Wer von beiden hat nun recht? Aber wir glauben, daß diese Nedeneinanderstellung wohl die wirksamste Belehrung dafür bietet, mit welcher Niedertracht hüben wie drüben verbrecherisches Hctzergefindel arbeitet. die Verstaatlichung öes Kohlen-- adbaurechts in Sachsen. Dieser Tage ist in Sachsen daS nach langen und schwierigen LandtagSvsrhanMungen zustande gekommene Gesetz über die� See» staailichung der Kohlenabbaurechts in Kraft getreten. Die Anregung dazu haben bereit» vor zwei Jahren alle Parteien in der Zweiten Kammer durch einen gemeinsam eingebrachlen Antrag gegeben, der fordsrle, die Kohlenfelder de« Landes vor spekulativer Ausbeutung zum Schaden der Allgemeinheit zu schützen. Da Auf» rufe böhmischer Kohlenbaron« bemis gezeigt halten, daß Eile nötig war, wurde zunächst ein Sperrgesetz er- lassen, da« die Aufschließung neuer Kohlenfelder zunächst uniersagle. Dieses Sperrgesctz ist jetzt durch das erwähnte neue Gesetz über die Verstaailichung der Kohlenabbaurechie abgelöst worden. ES wird dadurch zwar da» i» Sachsen seither bestehende B e» s i tz r e ch l der Grundbesitzer am Kohleuunlerirdischen linder nicht ausgehoben, wohl aber das Recht, die Kohlen abzubauen, allem dem Siaaie übe.iragen. soweit es sich um Rohleufelder handelt, die vor dem 18. Oftoller}916 noch nicht erschlossen»arcn. Für die Grundbesitzer wird dieses Recht damit aufgehoben, aller dings gegen eine Entschädigung, die die neue Regelung für den Staat zwar eiwas kostspielig macht, aber doch den angestrebten Zweck, die noch unerschlosienen Kohlenvorrät« des Landes, zumeist Braunkohlenlager, vor spekulaliver und wucherischer Ausbeutung zu schützen, noch ermöglicht. Der grundlegende§ 1 des neuen Gesetzes besagt, daß die Kohle in Zukunft vom Verfügungsrecht des GrundeigemllmerS aus» geschlossen ist, soweit im Gesetz nicht Ausnahmen vorgesehen sind, und das Recht, Kohlen aufzusuchen und zu gewinnen, dem Staaie zusteht. Dieser kann zwar dieses Recht an andere übertragen, doch wird das in größerem Umfange kaum geschehen, weil in Sachsen die Regierung dieKohienselder zur Durchführung der bereits in An- griff genommenen Verstaailichung der ElettrizilätSversorgung selbst benviigt. Ein staatliche« Kohlenmonopol ist allerdings nicht beabsichtigt, denn die seither betriebenen privaten Kohlengruben sollen ja von dem Gesetze nicht berührt werden, allerdings werden voraussichtlich alle neu zu er« schließenden Kohlcnwerke vom Staate betrieben werden, dem dazu, infolge dos neuen Gesetzes das alleinige Rechr zusteht und der überdies bereits auch in Letrieb befindliche Braunkohlenzechen an- gekauft hat. Die schon erwähnte Entschädigung derKohlenfeld- besitz er ist troy aller gegenteiligen Bemühungen der sozialdemo- kratischen Vertreter im Landtage, namentlich unter dem Einfluß der Großgrundbesitzer und sonstiger Eigentumsfanatiker in der Ersten Kammer ziemlich hoch geichraubt worden. Sie besteht in einer FLrderabgave und einer durch das sächsische Herrenhaus tn da« Gesotz gebrachten Vorentschädigung. Ersiere wird für jede Tonne geförderter Kohle gezahlt und beträgt für Braunkohle 3 und für SteinkohleS, dazu kommen bei Braunkohle noch 1�/z Proz. und bei Steinkohle V» Proz. des Wertes. Diese Sätze sollen alle 10 Jahre neu ge- regelt werden. Die Voreutschädigung wird auf Antrag des Grund- besitzers gewährt und soll Besitzern solcher Kohlenfelder zugute kommen, die erst nach Jahren oder Jahrzehnten erschlossen werden. die mithin auf lange Zeit hinaus eine Entschädigung in Gestalt der schon skizzierten Fürderabgabe nicht rechnen können. Diese Borentschädigung soll ein Fünftel de« Wertes des Kohlenlagers betragen; soweit die im Boden lagernden Mengen durch Bohrungen nachgewiesen sind, die auf Kosten der die Entschädigung fordernden Besitzer vorzunehmen sind. Der für die Vorentschädigung maßgebende Wert der Braun- kohlen ist westlich der Elbe mit ß, östlich der Elbe mit 3, und sür Steinkohlen mit 12 Pf. gesetzlich festgelegt, so daß also für eine Tonne in der Erde lagernder Braunkohle 60 Pf. und 1 M., und für dasselbe Quantum Steinkohle 2.40 M. als Borentschädigung zu zahlen sind. Bei der späteren Erschließung der Kohlenlager wird die gezahlte Vorentschädigung samt Zinsen auf die Förderabgab« angerechnet. Bis die Voreutschädigung nebst Zinsen ausgerechnet ist, wird keine Förderabgabe gezahlt. Wird auch diese elwa« hoch geschraubte Entschädigung die Kohlen etwas verteuern, so kommt die Kohle doch noch w esen t« lich billiger zu stehen, als wenn, wie seither, die spekulative Ausnutzung der Kohlenvorräte des Landes zugelassen ist. Daher haben troß allen WiderslrebenS gegen die Entschädigung des Grundbesitzes und trotz sonstiger Bedenken die sozialdemokratischen Vertreter im Landtage sür das Gesetz gestimmt, im Geaensatz zu den drei Unabhängigen, die wieder einmal glaubten, Opposition unter allen Umständen machen zu müssen, ganz gleich, ob dadurch ein bedeutsames Gesetz zu Fall gebracht worden wäre. Aenderung der Versichcrungspslicht i» der Aiigcstellteiiverflchcrung. In der gestrigen Sitzung des Bundesrats wurde beschlossen, der Vorlage betreffend Entwurf von AussührungSbestimmiingeii zum Gesetz über eine außerordentliche Kriegsabgabe sür das RechnungS- jähr 1018, dem Entwurf einer Bekanntmachung über A u S- dehnung der Bersicherungspflicht in der A n- gestelltenversicherung und dem Bericht über den Entwurf einer Bekanntmachung ühcr Gummisauger zuzustimmen. Pfarrer Olrcbcr und die Zentrumsfraktion. Zu der Angelegen- heit des ReichStagsabgeordneten Pfarrer Greber teilt die„Zen- trums-Parlamentskorresvondenz" mit, daß ihres Wissens sich die ZentrumSfraktion des Reichstages über die Aufnahme des Abg. Greber nie ausgesprochen habe. Ein Gesuch Grebers um Aufnahme sei von diesem selbst vor der Beschlußfassung zurückgezogen worden. bis eine Entscheidung der kirchlichen Behörden in dem gegen ihn schwebenden Verfahren gefallen sei. Znöustrie unü Handel. Die BreSlaucr Messe. Neben Leipzig will sich auch Breslau, angeregt durch die Aussichten auf einen regen wirtschaftlichen und politischen Verkehr mit dem Osten,.zu einem Meßplatz entwickeln. Die erste Messe ist am 21. August eröffnet worden. Die führende Note gibt die ober- sch lesische Industrie, aber auch viele Firmen auS dem Zentrum, dem Süden und dem Westen des Reiches haben nuSge- stellt. Auch in chemischen und pharmazeutischen Präparaten sowie in Nahrungs- und Genußmitteln, die allerdings meist nur in der Form des„Ersatzes" vertreten sind, ist der Kreis der ausstellenden Firmen ziemlich weitgczogen; sogar aus Sachsen und selbst au» der Konkurrenzstadt Leipzig sind hier Aussteller vorhanden. Die Abteilimg„Textilstoffe und Textilerfatzstoffe" beschränkt sich meist auf schlestsche Waren, und die Konfektion ist fast ausschließlich Breslauer Herkunft. Dasselbe gilt von Möbeln usw. Im ganzen haben gut ein Drittel der ausstellenden Firmen in Breslau ihre» Sitz, ziemlich stark ist daneben auch Verlin vertreten. Die Schilffaser in der Textilindustrie. Die Verwaltung der Gru schwitzer Textil-Werke A.-G. setzt in ihrem Geschäftsbericht große Hoffnungen auf die SchUsfaser lTypba), deren Jahresproduktion am rund 18 Millionen Kilogramm Trockengewicht geschätzt wtrd. D>eseS Quantum könnte bei systematischem Anbau noch wesentlich gesteigert werden. Die Aufschlie- ßung der Typhafaier müßte um so mehr gefördert lverden. als sie geeignet fei, den Flachs, der zurzeit in der Hanf- und Juleindustrie unwirtschaftlich verarbeilel werde, für die Feinspinneret der Flachs- industrie frei zu machen. Besonders sei jetzt der Hanf dazu bc- rufen, iür die Erzeugung größerer Fasermengen mit einzutreten. Die Schwierigkeit der Saatsrage sei setzt durch den freien Berkehr mit dem Osten gelöst. Am besten laste sich nach Ansicht der Ber- waltung die Nessel verwerten, doch sei die Kultur schwierig, so daß das bis jetzt erzielte Gesamtguantum zu gering sei, um die Textilindustrie nennenS»ert zu beschäftigen. LeSte Nachrichten. Eroßfeuer durch Brandstiftung. Nürnberg, 22. August. In dem Braunschen Sägewerk bei Bahnhof Doos ist heute vormittag infolge von Brandstiftung Großfcuer entstanden, das trotz raschen Eingreifens der Feuer- wehr, dos Hebe- und Gleitwerk, sowie das Sägewerk, Bretter- und Holzlager vollständig vernichtete. Bei dem Brande stizd leider auch zwei Feuerwehrleute verunglückt, die durch eine unl- Sfcl« zum Teil verschüttet wurden, GeWeMBsbewesung Verhandlungen über Teuerungszulagen im Holzgewerbe. Seit mehreren Wochen ist im Holzgewerbe die Arbeiterschaft fast allerorts mit Forderungen auf erneute Teuerungszulagen an die Unternehmer herangetreten, was dazu führte, daß alsbald die Verbände auf beiden Seiten in die Bewegung eingriffen und durch zentrale Verhandlungen eine allgemeine Verständigung herbeizu- führen suchten. Diese Verhandlungen haben am 19. A u g u st in Nürnberg ihren Anfang genommen und nach dreitägiger Dauer zu einer vorläufigen Verständigung geftihrt. Die Unternehme: haben sich nach anfänglichem hartnäckigen Widerstand bereit gs- funden, den Arbeitern erneute Zulagen zu bewilligen, die sich auf 29 bis 25 Pf. für die Stunde, abgestuft nach den Tarifklassen, be- laufen. Hiervon treten 19 bis 15 Pf. für die Stunde sofort in Kraft, der Rest von 19 Pf. fiir die Stunde soll vom 1. Dezember 1918 ab gezahlt werden. Für die Arbeiterinnen und jugendlichen Arbeiter unter 18. Jahren soll die Zulage 19 bis 12 Pf. für die Stunde betragen. Die Mindeststundenlöhne sollen um die gleichen Beträge steigen, auf 1,19 bis 1,49 M. in den einzelnen Tarifklassen für die Arbeiter, und auf 55 bis 77 Pf. die Stunde ftir Arbeite- rinnen. Die Vertreter des Deutschen Holzarbeiierverbandes haben in den Verhandlungen keinen Zweifel darüber gelassen, daß diese Zu- geständnisse angesichts der Zeitumstände durchaus ungenügend sind und es daher abgelehnt, eine feste Vereinbarung auf dieser Grund- läge mit den Unternehmern abzuschließen. Zur Entscheidung über Annahme oder Ablehnung der gemachten Zugeständnisse wird der Holzarbeiterverband demnächst eine Vertreterkonferenz der Ver- tragsorte abhalten, welcher das endgültige Beschlußrecht zusteht. Die Frage der Verlängerung der bestehenden Tarifverträge soll damit in dem Sinne gelöst sein, daß in diesem Herbst die Verträge nicht gekündigt werden, also um ein Jahr verlängert betrachtet werden. Schließlich soll die Bestimmung Geltung erlangen, daß vor dem 1. April 1919 wettere Forderungen nicht erhoben werden dürfen. Der Verband der Lilhogravhen, Steindrucker und verwandten Gewerbe hat im Jahre 1917 wie alle Verbände der kunstgewerblichen Berufe an dem allgemeinen Mitgliederaufschwung nicht teilnehmen können. Bei einem Verlust von 397 war der Bestand am Schluß des Jahres 5135. Aber über eineinhalbmal soviel haben sich.in dem Jahre zum Kriegsdienst zur Verfügung stellen müssen. Rechnet man dazu noch die in die Kriegsindustrie abgewanderten Gehilfen, so kann von einem Verlust au Mitgliedern kaum gesprochen werden. Die Abwanderung erfolgte in der Hauptsache infolge der niedrigen Lohn- und unsicheren Berufsverhältnisse. Betrug doch die Stei- gcrung des Lohnes am Jahresschluß, einschließlich der Teuerungs- zulage», nur 39 bis 50 v. H. des Friedenslohnes. Und das, trotz- dem der Verband mit seinen Funktionären die eigentlichen treiben- den Kräfte darstellten. An der erzielten Lohnerhöhung hatten insgesamt 5687 Mit- glickder Anteil, die 24 189 M. pro Woche erhielten. Streiks haben in dem Berichtsjahr keine stattgefunden. Die Arbeitslosigkeit war auch 1917 sehr gering. Dagegen stieg die Zahl der Kranken von 1394 mit 7134 Krankenwochen auf 1923 mit 9694 Krankenwochen, 'trotz geringerer Mitgliederzahl. Die Einnahmen betrugen 313 999 Mark, die Ausgaben dagegen 297 971 M. Das bedeutete gegen das Vorjahr geringeren Beitragscingcng, aber erböhte Ausgaben, eine natürliche Folge des Mitgliederrückganges. Demzufolge fiel auch- der Ueberschuß. Er betrug 16.8L5 gegen 197 464 M. im Vor- jähre. Der Kassenbcstand beträgt 415 299 M. An dem borjährigen Bestand der Tarifverträge hat sich nichts geändert. Einen Rückgang hat die LchrtzngSabteilung des Verbandes erfahren! ihre Mitgliederzahl fiel von 1996 auf 924. Auch dieser Verlust erklärt sich leicht aus der Tatsache, daß im Steindruck und in der Lithographie mit dem Beruf auch die Anzahl der Lehr- linge enorm zurückgeht. Tie gleiche Beobachtung konnte in den angesckilossenen kleineren Berufen mit Ausnahme der Chemigraphie gemacht werden._ Ter Deutsche Holzarbcitcrverband im ersten Viertel- jähr 1918. Nach der soeben verüsfentliihtcn Abrechnung des Verbands- Vorstandes ist auch im ersten Quartal 1913 eine, wenn auch geringe, Mitgliederzunahme zu verzeichnen. Die Zahl der männlichen Mit- glieder hat gegenüber dem vierten Vierteljahr 1917 eine Steigerung um 979, die der jugendlichen um 268 erfahren; dagegen ist die Zahl der weiblichen Mitglieder um 582 zurückgegangen. Gegenüber dem Vergleichsvicrteljahr des Vorjahres beträgt die Zunahme an Mit» gliedern 9925 männliche, 7968 weibliche und 1981 jugendliche. parteinachrichten. Es geht auch anders! Daß eS, wenn picht gerade ein Mann wie Adolf Hoff» mann das Kommando führt, auch anders geht als in den Ber- sammlungen in Elbing und Dan zig über die der.Vorwärts' am Dienstag berichtete, beweist ein Vorgang in Stettin: Dort sprach kürzlich Geoosie Konrad Haenisch in einer auch von .Unabhängigen' sehr stark besuchten Versammlung über die preußische Wahlrechtsfrage. Zwar versuchten auch hier einige Herren durch mehr oder minder geistvolle Zwischenrufe unfern Redner von den ersten Sätzen seines Vortrages an zu stören, aber die Masse ihrer eigenen Anhänger dachte gar nicht daran, den Spektakel mitzumachen. So vermochte Genosse Haenisch sein Referat fast uu» gehindert zu Ende zu führen. In der Debatte tonnten dann nicht weniger als drei.unabbäiigige" Wortführer ebenso ungehindert ihren Standpunkt vertreten, dem von unserer Seile die Genossen Fritz Herbert. Parteisekretär Hartwig und der Referent selbst nochmals in aller Ruhe die Aussassung unserer Partei entgegenstellten. Warum gehteS nicht überall so wie in Stettin? Die Kreiskonserenz für den 5. schleswig-holsteinischen ReichSrazö. Wahlkreis stellte, nachdem Genosse Winkelmann die Kandidatur des 19. hannoverschen Wahlkreises übernommen batte, den Genossen Richard P e r n e r(Redakteur des.Hamburger Echo') als Kandidal des Wahlkreises aus. Die Zahl der Wahlvereinsmitglieder beträgt zurzeit 2 2 31, darunter 3 99 weibliche. 15 99 Genossen befinden sich im Heeres» dienst. Die.Schleswig-Holsteinische Volk-zcitung' har im Kreiie noch 1084 Abonnenten, unter denen sich 419 Rriegerfrauen befinden. Die Konferenz beschloß eine Erhöhung des Monotsbeilrages von 49 auf«0 Pf. ftir männliche und von 15 auf 39 Pf. für weibliche Mitglieder. Zum Herbst wird vom Bezirksvorstand eine großzügige Agitation geplant. Eine VersammlungSaustZsung gab eS am 18. August in Köln. Redakteur Trimborn sprach in Kötii-Zollstock in einer ordnuugs» mäßig genehmigten Bersammlung unter freiem Himmel. Als der Redner ein Zirar aus der bekaiinlen Bioschüre von Parvus.Die soziale Bilanz des KaiexsS' vorlas, löste der Ueberwachende die Versammlung.auf höhere Anordnung' auf. Die Auflösung ist ganz sinnlos, 1. weil die Broschüre seit Jahr und Tag auch rn Köln in lausenden Exemplaren verbreitet ist, 2. weil fie in der aufgelösten Versammlung ungehindert verkauft werden konnte, 3. weil das anstößige Zitat über die Me, ischenverluste auf das Jahr 1918 gar nicht mehr zutrifft und mit jetzt viel zu geringen Zahlen operiert. See Knochenkrieg. Autoklavenlcute gegen Scheidemandel. In einer am Tonnerstag abgehaltenen Mitgliederversammlung des Schntzverbandcs deutscher Dampfentfettungsanlagen wurde eine Verordnung des Kriegsernährungsamts vom 11. Juli be- sprachen, die die Schließung der Dampfentfettungsanlagen von dem Ergebnis einer Rundfrage über ihre Vetriebsergebnisse und-Verhältnisse abhängig macht. Die Lage ist bekanntlich die: Um die Knochenentfettung raufen sich die Besitzer der Dampf- entfettungsanlagen(Autoklaven) mit der Scheidcmandel-A.-G., die das Fett aus den Knochen auf chemifchenr Wege mittels des Benzolverfahrens gewinnt und behauptet, rationeller zu arbei- ten und durch die Nebengewinnung von Leim ein besonders dringliches kriegswirtschaftliches Bedürfnis zu befriedigen. Das Kriegsernährungsamt wollte schon vor einem halben Jahre die Dampfentfettungsanstalten wegen irrationellen Betriebs schlie- ßen, verschob aber auf den Widerspruch der vom Reichstagsab- geordneten Grafen Oppersdorfs geführten Interessenten die Ausführung seines Entschlusses von Termin zu Termin, bis es mit feiner erwähnten Verordnung voni 11. Juli einen end- gültigen Entscheid vorbereitete. Direktor Dr. K n e t s ch vom Kriegsausschuß für Oele und Fette erwiderte auf eine große Zahl von Fragen, die den im Anschluß an die genannte Verordnung ausgegebenen Frage- bogen betrafen. Er erklärte grundsätzlich sein Wohlwollen für die Tampfentfettunefsanlagen, verwies aber nachdrücklich auf die Notwendigkeit einer Mindestfettausbcute und der Erzeugung von Leim in der vom Kriegsausschuß für Ersatzfutter gewünsch- ten mittleren Art und Güte. Tie Tampfentfettungsanlagen inüßten sich umgehend die für die Leimproduktion notwendige Apparatur besorgen, wozu freilich die schwierig zu erlangende Bewilligung der Kriegsamtsstellen nötig sei. Auf einen Ein- wand, daß die von den Danipfentfettungsanstalten bisher aus den Rückständen gewonnenen Knochenbrühwllrfel für die Volksernährung wichtiger als Leim seien, erklärte Direktor Dr. Knetsch, daß die KnochenbrüWürfel bis vor kurzem nur schwer Absatz fanden und dagegen die Leimnot im Vordergrund stände. Trotzdem wolle er erwägen, ob nicht besonders gut arbeitenoen Dampfentfcttungsanlagen trotz Mangel einer Leimfabrik die Schließung erspart werden könnte. An die Debatte schloß Ach ein Referat des Justizrats Dr. W c r t h a u e r, das niit seinen vehementen Angrissen gegen die S ch e i d e m a n d e l- A.-G. die eigentliche Qumt- essenz der Versammlung bildete. Justizrat Dc. Werthauer griff zuerst die große Spannung zwischen den Knochcneinkaufspreisen und den Preisen für die Er- zeugiuisse der Scheidemandel-A.-G. an, wodurch der Anreiz zu der kriegswirtschaftlich notwendigen Knochensammlung gemindert werde. Einen Antrag einer Finna, gleichzeitig den Preis für die Knocken zu erhöhen und für Knockenfctt zu ermäßigen, habe der damalige Leiter der Knochenstelle Leutnant Schultbeiß, trüber Prokurist der von Scbeidemandel kontrollierten Ceres- A.-G. unter Angabe objektiv unrichtiger Gründe abgeschlagen. Es seien auch an die ebenfalls dem Scheidemandel-Konzern angehörige Concernes-A.-G. höhere Preise(22 M. gegen 18 M.) als an die Außenseiter für die gesammelten Knochen gezahlt worden. Tank dieser hohen Spannung habe sich die Scheidemandcl-A.-G. glänzend saniert und einen Jahresverdienst von 29 Millionen Mark bei einem Aktienkapital von 11 Millionen Mark erzielt, obwohl sie vor dem Kriege dem Zusammenbruck nabe war. Bekanntlich ist vor einigen Wochen_auf Grund der Anzeige eines ftüheren Angestellten gegen die Scheidemandel-A.-G. ein llntersuchungsvenahren wegen schuldhafter Verwendung talscher Formulare eingeleitet worden. Ter Staatsanwalt habe erklärt, es sei bisher weder ein Verschulden noch ein Nichtver- schulden festgestellt. Es handele sich dabei aber nicht um eine bedeutungslose Angelegenheit, sondern eS seien durch die Verwen- dring falscher Formulare den Autoklavenbetrieben erhebliche Mengen frischer Knochen' entzogen worden, was mit einem großen Nutzen (1,5 Millionen Mark) für die Scheii»emandel-A.-G. verknüpft gewesen sei, und es bestände überdies Unklarheit darüber, wo das Produkt aus den Knochen geblieben sei. Die Scheidemandel-A.-G. habe durch Beeinflussung der kricgs- wirtschaftlichen Verordnungen besondere Vorteile erzielt. Die zu ihrer Kontrolle bestimmten Aemtcr seien mit von ihr weiter besol- deten Beamten besetzt gewesen. Die Bureaus lagen unmittelbar aneinander, die Telephonzentrale war gemeinsam. Angeblick sei Leutnant Schultheiß«l? Gegengewicht gegen die Sckeidemandelianer in die Knockienstelle gesetzt'worden weil er einmal vor Jahren in einem Prozeß gegen Scheidemandel ausgesagt habe. Die Berufung auf eine Zeugenaussage qualifiziere aber noch nicht zur Unpartei- lichkeit in der Amtsführung. Vorsitzender des KriegsausfchusseZ für Oele und Fette sei As- fessor Weigelt gewesen, ein Vertrauter Dr. Hclfferichs schon auS der Konstantinopeler Zeit und später gleich ihm Direktor der Deut- scher. Bank. Der Kriegsausschuß für Oele und Fette habe au d'.e Deutsche Bank ftir die en,rm-n von rbm beanspruchten Kredite 5 P«z. Zinsen fw-hlt, während die meisten anderen Krisgsaus- schüsse ihren Geldicdsef bei der Preußischen Seshnndlung zu 4,5 Pr«zent deckten. Dndurch sei eine Zinscndifferenz zu- gunsten der Deutschen Bank und zuungunsten des Kriegsausschusses für Oele und Fette von mindestens 309 090 M. entstanden.(Wenn wir nicht irren, so hat Gcheimrat Dr. Heim schon vor geraumer Zeit die enge Verbindung zwischen diesem Kriegsausschüß und der Deutschen Bank beanstandet. D. R.) Schließlich beschäftigte sich Dr. Werthaüer mit dem berühmten Fettsängcrvertrag, von dem jetzt behauptet wocde, daß er nicht exMiere. Ein föflherer Direktor der Scheidemandel-A.-G. habe aber eidesstattlich versichert, daß er den Vertrag, unterschrieben gc- sehen habe. Mit diesem Vertrage hat eS folgende Bewandtnis: In 6ktstwirtsckaften und ähnlichen Gewerben ist der Einbau eines Fettsängers augeocdnet worden. Die Kosten dieses Ein- baues trägt die Scheidemandel-A.-G. Ihr wird aus jedem Fett- fänger ein Ertrag von 309 Kilogramm vom Kriegsausschuß ftir Oele und Fette verbürgt, und sie erhält für das auf diese Weise gewon- nene Fett 139 M. für den Doppelzentner. Dissec Vertrag ist«uf 5 Jahre nack dem Friedensschlüsse getätigt, woraus der Scheide- mandel-A.-G. für diese Zeit eine Jahresrente von 5 999 999 M. zu- fließt, während die Gastwirte, bei denen die Fetffänger eingebaut sind, wenig oder nichts erhalten. Für den Einbau wurde das S Y- stem Bo wer mann empfohlen, dessen Installierung auch umsonst erfolgte. Die Kesten für den Einbau anderer Svsteme mußten nun von den Gastwirten getragen werden. Dr. flierthauer w:iS nun darauf hin, daß ein salchcr Apv-rat 46 M. kafle,«Sat für IM M. atgenommen Word«, sei. Es sei auch mehr als soaderbar, daß der damalige Beamte des Kriegsaus'chusses für Oele und Fette Kral als Generalvertreter der Westdeutscken Verkaufsstelle für Fett- scheider an jeden dieser Avvarate 10—20 M. verdienen konnte. Apparate anderer großer Unternehmen, wie der Gelsenkirchner Bergwerks-A.-G., der Griesheim Elektron-A.-G. oder von Stumms Hamacher Hütte, seien nicht zum Wettbewerb zugelassen worden. Justizrat Dr. Werthaüer schloß mit dem Wunsche, daß das Reich auf die ihm von der Scheidemandel-A.-G., wie er sagt, wider- rechtlich entzogenen Milliardenbeträge zurückgreife. Direktor Dr. Knetsch entgegnete, daß er bei der Fülle des Materiols in der beschränkten Zeit nicht auf die über- raschenden Angriffe Dr. Werthaners eingehen könne; er be- gnüge sich mit der Versicherung, daß die bisherige Unter) udhung kein Ergebnis gehabt hätte, die einefllrdenKriegsausschußfürOeleundFette so pessimistische Darstellung rechtfertigte. Wir beschränken uns vorläufig auf die bloße Berichter- stattung. Die auf die Denunziation eines früheren Angestellten hin ausgegebenen Mitteilungen an die Presse haben sich als offensichtlich unzureichend erwiesen. Die Versicherung, daß eine Neuverteilung der Zlemter im Kriegsausschuß für Oele und Fette vorgenommen sei, und daß die ftüheren Beamten der Scheidemandel-A.-G. mit ihren ehemaligen Brotgebern in kei- neu Kontakt mehr kämen, hat nicht genügt. Es wird weiter im Dunkeln gemunkelt. Darum haben wir es für unsere Pflicht gehalten, die von Mund zu Mund getragenen Behauptungen zu veröffentlichen. Es ist nun an dem.Kriegsausschuß für Oele und Fette bzw. an seiner vorgesetzten Behörde, dem Reichswirt- schaftsamte, die vorgetragenen Anklagen klar und wirksam zu entkräften. Gecicktszsitung. Was iu der Großstadt alles passieren kann. Durch gelleude Hilferufe, die eine nur mit dem Hemd bekleidete junge Dame ausstieß, wurden in der Nacht zum 18. Januar d. I. die Bewohner eines Hauses einer Straße am Alexanderplatz aus dem Schlafe geschreckt. Eine Frau fand dort die 18jährige Konto- ristin Gertrud R. nur mit dem Hemd bekleidet auf der Treppe sigeud und heftig weinend und jammernd vor. Das junge Mädchen wurde schnell mit den notwendigsten Kreidungs- stücken versehen und machte dann einem Herbeigeholleu Schutzmann folgende recht unglaubhaft klingende Angaben, die bei der Polizei die berechtigte Vermumng auftauchen ließ, es handele sich wieder einmal um einen der vielen fingierten Raubanfälle. Die R. gab an, daß fie am Abend vorher zu einer Geburtstagsfeier eingeladen gewesen sei. Da sie direkt vom Ge- ichäft aus dortbin gegangen sei, sei ihr der schwere österreickiiche Südivein, da sie noch nickr zu Abend gegessen halte, sehr schlecht bekommen. Auf der Straße habe sich plötzlich alles um sie gedreht und als ihr an der Straßenbahnhaltestelle am Aleranderplatz übel wurde, habe sich eine Straßenbabnicksffnerin bilfreich rhrer an- genommen. Mit dem Hinweise, daß eine Straßenbahn nicht mehr fahre, habe ihr die Schasincrin llnterkunsr in ihrer nabe- gelegenen Wohnung angeboten. Sie sei auch mitgegangen und auf der Treppe habe sie sich einen Augenblick nieder- gesetzt. In diesem Augenblick babe die Straßenbahnerin ihr ein mit einer scharfriechenden Flüssigkeit getränktes Tuch vor die Nase gehalten, wodurch ihr fast die Sinne geschwunden seien. Sie habe dann völlig willenlos über sich ergehen lassen müssen, daß die Schaffnerin sie in aller Ruhe bis aüis Hemd auStleidele und dann mir sämtlichen Kleidungsstücksn verschwand. Erst nach einiger Zeit sc, sie wieder zur Besinnung gekommen und habe um Hilse gerufen, worauf Hausbewohner erschienen seien.— Da um jene Zeit das Gerücht kursierte, ein unbekannter Mann habe verschiedene Frauen mil dem Revolver in der Hand gezwungen, ihre Stiefel auszuziehen, glaubre die Polizei nicht an dieses.Märchen' und nahm an, daß es sich um irgendein Liebesabenteuer bandele. Um so größer war das Erstaunen, als die weiteren Ermittelungen ergaben. daß sich die Sache tatsächlich so abgespielt halte, wie die Ueberfallene erzählte. Es wurde festgestellt, daß die Straßenbahnfahrerin Elsa E tz l n g einen Teil der Sachen einem in der Nähe wohnhaften jungen Mädcken geschenkt hatte, weiches sie ahnungslos trug. Stiefel, Strümpfe. Korfett und Beinkleider wurden bei der Etzing selbst gefunden, welche »ach anfänglichem hartnäckigem Leugnen auch zugab, die R. in der geschilderten Weise bis aufs Hemd ausgeplündert zu haben.— Das Schöffengericht Berlin-Mitte vermielUe die E. wegen des Diebstahls zu der mckden Strafe von einer Woche Gefängnis. Gegen dieses Urteil legre die Slaatsanwaltichaft Berufung ein und beantragte vor der Strafkammer die Verurteilung zu einer erheblich höheren Strafe, da es sich um eine wirklich bei- spielSlos freche, nahe an Raub grenzende Tat handele, durch die ein anständiges junges Mädchen in ein übles Gerede gekommen sei, da niemand an jene Schilderung glauben wollte.— Die Bc- rusungSstrafkammer erkannte auf 6 M o n a i e Gefängnis unter Aushebung des milden Schöffengerichtsürtsils. Vom Schleichhandel. Welche unglaubliche Warenmengen im Schleichbandel angeboten sind, zeigte wieder einmal eine Verhandlung, welche gestern das Schöffengericht Berlin-Schöneberg beschäftigte. Angeklagt weien Handelns mit Lebensmitteln ohne Erlaubnis. Höchstpreisüber- schreitung und Kettenhandels waren»er Kaufmann Heinrich E l s n e r und der Kaufmann Dr. Robert Paul i. Elsner, der als Hilfsdienftpflichiiger bei der Ermütelungsstelle auf dem Bahnhof Friedrichstraße tarig ist. hatte in Erfahrung»ebracht. daß durch einen Kaufmann Fischer in Haleuiee Harzer Käse zu be- ziehen sei. In einem Gespräch mit dem Angetlaglen Dr. Pauli, der als Einkäufer für-eine Firma in Marien- darf rätig ist, bot er»ieiem den Käse an und legte für diesen als 180 Kisten aus dem Bahnhof Charlottenburg eintrafen, auch den Betrag von 760 M. für Fracht usw. aus. Der Kaie selbst wurde für 13 450 M. von Dr. Pauli gekauft,«n demselben Tage ober noch beschl.igrivhml und per.Wumba" zugeführt. Eine Durchsuchung der Papiere des Angeklagren Dr. Pauli führre zu der Enrdeckung, daß dieser scheinbar den Schleichhandel mit Lsbensmirteln im großen betrieb. So waren von Dr. P. u. a. angeboren worden: drei Waggons Butter, das Piund 14 M., 190 Zentner irisches Schweine- fleiich, das Pfund 5,10 M., zwei Waggbns gelbe und grüne Erbsen, 30 Kilogramm Sacharin, das Kilogramm 990 M. 199 Zenrner Weizenmehl, das Pfund 3.59 M., 75 Zentner Kakao. 3900 Flaschen Kognak, 6 Zentner Tilsiter Käse. 1 Waggon(200 Zentner) speck, das Pfund 12.50 M. usw. Auf Befragen des Borsitzendeu erklärte der Angeklagre Dr. Pauli, daß ihm diese Waren von dem Sergeanten bei einer Sanilätö- kraftwagenabteilung in Alcxandrowo, Nissen, angeooteu worden Wien. Er bcstriil ganz enrichioden. einen Handel mir diesen Sachen getrieben zu haben, es handle sich in allen Fällen um sogen. Lun- anoebote.— Das Gericht schloß sich nach längerer Verhandlung d«! Ausführungen des Rechtsanwalts A a r o n an, daß weder HöchstpreiSüberschreilung noch Kettenhandel vorliege, und erkannte nur wegen des Handels ohne besondere Erlaubnis auf j e 390 Mark Geldstrafe. Eingegangene Druckftt, ritten. � Erziehung zur Politik. Von Naumann und Seile. 1.2 M. Fort- fchntr(Buchverlag der.Hilfe') G. m. b H.. Berlin- Schönebera. «or der Ueberqaugswirtschaft. Vvn Artur Keiler. 1,S0 M. Frank- furter Soeielits-Truckerei G. in. b. S., Franisurt«. M. Einkochen ohne Zucker. Von Frau Helene Klingemann. Pf. Ed. Focke, Verlagsbuchhaiiölnng, Chemnitz i. Sa. Verannrorltich Ar Potitit- Seich Suttner. Berlin: ISr den übrigen Teil de» Vlatlesi Zllsrcb Schot», Nenlollut für Anzeigen i Theodor Slockc, Berlin. Berlag: Vorwärls-Vcrlag G. m d. H., Berlin. Druck. BorwürIS.?uckit.ruckerei und LerlägSanilalt Paul Einger u. Co. in Berlin. Lindenstrab« 2. Hicrzn 1 Beilage-nh UnterhaltnugSblatt.