Ur. A38. 35. Jahrg. Bezugspreis» BterteIiahu.t�0MI, monatl.1.r0v!!. frei tnS Hau», vorauSzahwur.Stnzelne Rummern 10 VIennig. Pottbezug: MotmlUch. vom Postichalter abzuholen I,S0 Mb, vom Briefträger insHauS ge> bracht 1,St Mb Unter Kreuzbanb tür Deutichlarb unb Oeslerreich- Ungarn 3,— Mb. für daS- übrige Ausland t.S0 Mi. monatlich. Beriand WS Feld bei direlter Beftelluno monall. lZoMi. Pottbettellungen nehmen an Täne» mar!. Holland, Luxemburg, Schweden und die Schweiz. Eingetragen in die Poft-ZeitungS. Preisliste. Erscheint täglich, Telegramm» Adresse: »Sozialdemokrat Berlin�, Vevlinev ( 10 Pfennig) Anzeigenpreis: rieN-bengespalteneKolonelzetlelostet 80 Plg.„Kleine Anzeigen". daS settgsdruckte Wort 30 Pfg. tzulisfig 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 15 Pfg. Stellengeiuchc und Schlafstellenanzeigen das erste Wort 20 Pfg.. jedes weitere Wort!0 Pfg. Worte über 1b Buchstaben zählen für zwei Worte. Teuerungszufchlag 20%. Familien-Anzeigen, volitischc und gewerlschaftliche Vereins- Anzeigen 50 Pfg. die Zeile. Anzeigen für die nächste Nummer niüisen bis ä Uhr nachmittags im Haurigeschäft. Berlm KW. 03, Ltndensttatze 3, abiegeben werden. lSeSffnet von 8 Uhr früh bis 7 Uhr abends. Zcntralorgnn der rozialdcmokratifcben Partei Deutfcblands. Redaktion: SW. 6$, LinöensKaße 3. Fernsprecher: Amt Morittpla«. Str. ISI 90— ISI S7. Freitag, de« 33. August 1S18. Expedition: EW. öS» Lindenstraße 5. Fernsprecher: Amt Morttzplatz, Nr. 90—161 97. Die deutfcb rutfifcben Zufatzverträge Hinter den deutsch-russischen Ztisatzverträgen, die setzt zwar immer'noch nicht wörtlich, aber wenigstens.inhaltlich publiziert werden, verbirgt sich weit niehr, als der bescheidene Name besäest. Sie sind nicht bloß eine unselbständiae Er- gänzung, sondern eine grundlegende Umgestal- t u n g des Friedensvertrages von Brest-Litowsk urib stehen diesem daher an politischer Bedeutung mindestens gleich. �Ter Staatssekretär Solf hat jüngst den Frieden von Brest-Litowsk mit einem Rahmen verglichen. Bleibt man in diesem Bilde, so sind die Zusatzverträge nicht die erwartete Aussüllung des vorgezeichneten Rahmens, sondern die voll- kommene Umgestaltung und Neukonstruktion des gesamten Rahmenwerks. Auch in dem neuen Rahmen bleibt noch ebenso viel auszufüllen wie im alten. Wir stehen vor der Tatsache, daß der Frieden von Brest- Litowsk aufgehoben und durch einen Frieden Nr. 2 ersetzt worden ist. Tas geht schon daraus hervor, daß die im Frieden Nr. 1 festgelegte A b g r e n z u n g s l isl i e, die Livland und Estland beim Russischen Reiche beließ, durch die nunmehr vollzogene Abtrennung der beiden Provinzen von Rußland einfach aufgehoben worden ist. Ebenso die Kaukasusarenzlinie durch das selbständig gewordene Ge- orgien. Die deutsche Regierung gibt allerdings das Ber- , sprechen ab, daß sie weitere Lostrennungsbestrebungcn von Rußland nicht unterstützen wird. Diese Erklärung erfolgt nach vollzogener Abtrenmmg von Finnlind, Estlands Liv- land, Kurland. Litauen, Polen, der Ukraine> der Krim, von Batum-Kars-Ardahan sowie Georgien. Weitere Ahtren- nungen hat. unseres Wissens bisher auch der extremste All- deutsche noch nicht verlangt., � Uebrigens enthält die deutsche offiziöse Verlautbarung über die Rechtsgrundlage der bisher erfolgten Ab- trennuichen ein beachtenswertes Zugeständnis. An der Stelle. wo von der Selbständigkcitserklärung Georgiens die Rede ist, heißt es nämlich, daß diese in Formen erfolgt sei, die selbst die von der Sowsct-Regierung aufgestellten,„extrem demokratischen Bedingungen" erfüllten. Damit ist zugegeben, daß die von der Sowjet-Regierung das von ihr proklamierte Selbstbestimmungsrecht der Völker an be- stimmte demokratische Voraussetzungen ge- b u n d e n hat, daß es also unzulässig war, die Beschlüsse eines � kurländischen oder livländischen Landesrats als die Verwirklichung des von der Sowjet-Regierung selbst der- kündeten Selbstbcstimmungsreästs anzusprechen. Diesen Standhunkt hät die deutsche Sozialdemokratie und der„Vor- wärts" schon früher gegenüber der rechtsstehenden Presse der- treten, als diese aus der Proklamation der Sowjet-Regierung einen Rechtstitel für die Loslösung dieser Länder von Ruß- land herleiten wollte. Aber damals ist uns keine Unter- stützung seitens der Regierung zuteil geworden, obwohl diese jetzt hinterher unfern Standpunkt als den rechtlich allein haltbaren anerkennt. Aber lasten wir die Rechtsfrage, obwohl sie von der poli- tischen Beurteilung der Verträge nicht zu trennen ist. zu- nächst beiseite, und betrachten wir die neuen Festsetzungen unter rein politischen Gesichtspunkten. Eine Revision des Vertrages von Brest-Litowsk ist eingetreten, aber keine Re- Vision in dem Sinne, wie wir sie für unbedingt erforderlich und nützlich gehalten hätten, sondern gerade in entgegen- gesetzter Richtung. Wer den im Frieden von Brest- Litowsk eingeschlagenen Kurs für den richtigen hielt und nur beklagte, daß er nicht energisch genug durchgeführt sei, der mag jetzt Befriedigung äußern. Wir können umgekehrt nur sagen, daß unsere seinerzeit gegenüber dem Frieden von Brest-Litowsk geäußerten Bedenken und Befürch- t u n g e n durch die Potenzicrung des � Friedensinhalts gleichfalls potenziert worden sind. War der Frieden von Brest-Litowsk eine Gefährdung der Interessen des deutschen Volkes, so ist es der potenzierte Frieden Nr. 2 in gesteigertem Maße. Schon in unserem gestrigen Leitartikel haben wir die eine Seite der Frage behandelt: wie sehr durch die voreilige Zimmerung von Thronen und Thrönchen im Osten der all- gemeine Frieden, den das deutsche Volk herbeisehnt, erschwert und hinausgezögert wird. Aber nicht nur die Herbeiführung des Friedens, sondern auch seine künftige Aufrechter- Haltung erscheint durch die neuen Abmachungen gefährdet. Wir glauben, kurz gesagt, nicht daran, daß ein dauerndes friedliches und freundschakt- liches Verhältnis zwischen dem deutschen und dem russischen Volke herbeigeführt wird durch einen Frie- den, der die deutsche Machtsphäre bis vor die Tore Petersburgs vorschiebt und der das Russische Reich, das hundert Jahre und länger um den Zugang der Ostsee ge- kämpft hat. wieder auf den Stand eines Kontinental- st a a t e s zurückschraubt. Die deutsche Regierung selbst hat hierfür ein Gefühl ge- Englischer Angriff südlich der Searpe— Erbitterter Kampf um Boiry Notre Dame— Siebenmaliger vergeblicher �eindesansturm an der Straße Arras— Cambrai— Neue Stellungen zwischen Somme und Oise— Bapaume und Noyon aufgegeben. Berlin, 29. August 1918, abeudS. Amtlich. Südwestlich von Arras haben sich am nach- mittage neue Kämpfe entwickelt. Borfeldgefechtc vor unseren neuen Linien östlich Bapaume— Pe- rone— östlich Noyon. Jnfanteriekämpfe an der Stilette. Zwischen Ailettc und Aisne sind b e- sonders starke Angriffe von 5?ran- zosen und Amerikanern unter schwer- sten Verlusten für den Ffeind völlig gescheitert. Bisher sind mehr als 30 zer- schofsene Panzerwagen gemeldet. Amtlich. 1918. >roßeS Hauptquartier, 29. August Westlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppen Kronpriu» Rupprecht und Boehu. Auf dem Echlachtfclde südöstlich don ArraS brach am frühen Morgen dicht südlich der Searpe ein englischer Angriff im Feuer zusammen. Um Mittag nahm der Feind seine Durch- bruchsuersiichr mit neuer Wucht wieder aus. Zwischen Searpe und Scnsee-Bach setzte er fünfmal zum Angriff an. Pom- Wersche und westpreußische Regimcltter brachen auch gestern wieder den Ansturm des Feindes. Durch flankierendes Feuer ihrer Artillerie wirksam unterstützt, warfen sie jedesmal den Feind wieder zurück. Boiry Notre Dame war Brennpunkt erbitterten Kampfes. Dreimal wurden die Trümmer des OrteS im Gegenstoß dem Feinde wieder entriffcn. Bei erneutem feind« lichen Angriff am Abend blieb der Ort in Feindeshand. Der Hauptstoß des englischen Angriffs traf württcmbergische Regi« mcntcr beiderseits der Straße Arras— Cambrai. Siebenmal stürmte der Feind vergeblich an. Panzerwagen fuhren auf und neben der Straße immer wieder von neuem heran, in tiefer Gliederung folgte die Infanterie. Sir blieb im Feuer unserer Maschinengewehre und in vorderster Linie ausfahrender Geschütze liegen. Wo der Feind in unsere Stellung eindrang, warf ihn unser Gegenstoß wieder völlig zurück. Südlich von Croisilles und südöstlich von Mory wurden englische Angriffe abgewiesen. Südwestlich von Ba- p a u m e leine Jnfanterirtütigkeit. Auf der Stadt selbst lag schweres englisches Feuer. Bei de» Kämpfen am 27. 8. um Thilloy tat sich das Jnfanterie-Rcgimriit Nr. 2vti besonders hervor. Seine 9. Kompagnie hielt den Westrand des Ortes, obwohl sie durch feindlichen Einbruch nördlich von ihr im Rücken bedroht war, bis zur letzten Patrone und dann mit dem Bajonett. Aus selbständigem Entschluß kam ihr die 3. Kompagnie desselben Regiments zur Hilfe»md warf den Feind aus dem Orte wieder hinaus. Nördlich der Somme erncuerte der Feind am frühen Morgen seine Angriffe zwischen FlcrS und Culu. Bei Hardccourt drang er in unsere Linien ein. Im Gegenangriff warf ihn das Kaiser Franz Gardc-Grcnadicr-Regiment Nr. 2 unter Führung seines Kommandeur?, Major Otto, im Verein mit hessischen Kompagnien wieder zurück. Zwischen S o m m e und Oise blieben Bortruppen vor unseren neuen Stellungen in GefcchtSfühlung mit dem Feinde, der am 27. 8. nur zögernd, gestern schärfer über Dom- Pierre— Bcllvy—Ncsle—Bcaulicu—Suzoy folgte. Sic zwange» ihn mehrfach zu verlustreichem Angriff und wichen dann aus. Südwestlich von Noyon griff der Feind nach stärkster Feuer- Vorbereitung unsere alten Linien an; sie waren von uns nicht mehr besetzt. Noyon lag unter schwerstem Feuer her Frau- zosen. Die Stadt liegt vor unserer Kampf- front. Nördlich der AiSne nahm der Franzose unter Heranziehung von Amerikanern seine Angriffe wieder auf. Unter schwersten Verlusten wurde» sie abgewiesen. Am Pasly- Kopf schlugen Kavallerie-Schützcn-Regimcnter fünfmaligen An- stürm des Feindes zurück; mehrere Panzerwagen wurden zer- schössen. Der Erste Generalquartiermeistcr. Ludcndorfs. Der österreichische Bericht. Wien, 29. August. Amtlich wird verlauthart: Italienischer Kriegsschauplatz. In den Judikarie« dei Bezzecca und auf der Hochfläche der Sieben Gemeinden Erkundungögefechte. Sonst nichts von Belang. Albanien. Zwischen Janiea uud Bojusa sowie im SLdteil deS Tomor- GedirgeS hat der Feind erneut Stellung genommen. Der Chef des GcneralstabcS. habt, als sie der rusiifckjen freien Handel durch das Baltikum und eine Anzahl Freihäfen an der Ostsee zu- sicherte. Die bolschewistische Regierung hat sich damit be- gnllgt, und es wird ihre Sache sein, das russische Volk davon zu überzeugen, daß diese Regelung den russischen Interessen genüge. Für uns bandelt es sich hier nicht um russische, son- dern um deutsche Interessen. Kein Mensch in Deutsch- land glaubt an ein unbegrenztes Leben der bolschewistischen Regierung in Rußland, und es ist anzunehmen, daß eine folgende Regierung nur mit äußerstem Unbehagen eine Mieter st ellung Rußlands an der Ostsee ertragen wird, wo es früher Hausherrenrechte ausübte. Ebenso glauben wir nicht, daß das deutsche Volk an der Herbeiführung engerer staatsrechtlicher Beziehungen zu den baltischen Provinzen, wie sie durch die geplante Personal- union entstehen sollen, große Freude erleben wird. In der Schule ist es uns als ein Glück für Preußen gepriesen worden, daß es 1815 den Anteil an der zweiten und dritten polnischen Teilung, der chm 1897 durch Napoleon entrissen wurde, nur zum geringeren Teile. wieder erlangte. Man scheut sich auch jetzt, Gebietsteile, von denen man sichere Opposition erwartet, in das Deutsche Reich aufzunehmen. Aber das bedeutet für diese zugleich, daß sie des Schutzes des aus dem gleichen Wahlrecht hervorgegangenen Deut- schen Reichstages verlustig gehen. Der Deutsche Kaiser erhält ein Land, in dem er ohne Reichstag regieren kann, sekundiert von einem Landtag, der etwa auf der Höhe des ■mecklenburgischen steht. Wer glaubt, daß solche Zustände im zwanzigsten Jahrhundert längere Zeit ohne schwere Rei- bungen und Erschütterungen bestehen können, gibt sich schwerer Selbsttäuschung hin. Und ebenso, wer vom deutschen Volk Bereitwilligkeit erwartet, dauernd für die Aufrechterhaltung einer„Ordnung" einzustehen, die es selbst nicht billigt. Ein Wort verdient auch noch der Finanzvertrag. Wir erfahren, daß bei der Pauschalierung und Aufrechnung der gegenseitig zu ersetzenden Kriegsschäden ein Saldo von sechs Milliarden zuungunsten Rußlands bleibt. Es wird uns versichert, daß diese Summe aus genauen und ge- wissenhaften Berechnungen beruhe. Trotzdem wird der Reichs- tag nicht darauf verzichten können, diese Berechnungen i m einzelnen kennen zu lernen und zu prüfen. Es handelt sich hier nicht um eine von Staat zu Staat zu zahlende Kriegsentschädigung, sondern um die Entschädigung durch den Krieg in ihren Rechten getroffener Einzel- Personen. Der Reichstag wird sich daher auch für die Frage interessieren, in welcher Weise die zunächst an das Deutsche Reich gezahlte Pauschalsumme den einzelnen Be- schädigten zugeführt wird. Es sind jedenfalls in den Zusatzverträgen noch eine ganze Reihe von Punkten enthalten, die näherer Aufklärung be- dürfen. Tie Herren W i e m e r und Gröber haben, wie uns scheint, in jeder Beziehung voreilig gehandelt, als sie. durch ihre persönliche Zustimmung zu diesen Verträgen die Zustimmung des Reichstages vorwegnahmen.' Herr Solf wird unsere Bedenken vielleicht damit zu be- schwichtigen suchen, daß ja auch der Zusatzvertrag nur ein Rahmen sei. Richtig, aber durch die neue Form des Rahmens ist die Schwierigkeit einer befriedigenden Ausfüllung ge- wachsen. Es bestehen noch Möglichkeiten, durch die Gewäh- rung f r e i e st e n S e l b st b e st i m m u n g s r e ch t s an die von Rußland abgetrennten Randstaaten„ auch auf diesen Zu- satzverträgen noch eine Entwicklung aufzubauen, die eine be- friedigende Zukunft erhoffen läßt. Aber durch die jetzige Tätigkeit der deutschen Politik sehen wir diese Möglichkeit mit jedem Tage sich verengern. Deswegen gibt freilich die Sozialdemokratie den Kampf für eine bessere Lösung der Ostfragen nicht auf. Er gebt parallel mit dem Kampfe um die Demokratisierung und die freiheitliche Entwicklung des deutschen Volkes selber. Eins' entscheidet das andere. Beides ist aber heute nicht entschieden, die Ostfrage so wenig durch den Frieden von Brest-Litowsk und die Zusatzverträge, wie die Frage der inneren Freiheit Teutschlands durch die Beschlüsse des Dreiklassenparlaments. Der Kampf mag noch jahrelang dauern, wie er enden wird, ist uns nicht zweifelhaft. *• Die„Nordd. Allg. Ztg." teilt halbamtlich mit: � Als Ergebnis der seil mehreren Monaten in Berlin geführten deutsch-russischen Ve rhandlnngen sind, wie bereits gemeldet wurde, am 27. o. Mls. drei Verträge, nämlich ein Er« gänzungsvertrag zum Brester Friedensvertrag sowie ein Finanzablommen und ein PrivatrechtSabkommen ?ur Ergänzung deö Detttsch-öiussischen Zusatzvertrages, durch den Staalsjelretär von Hintze und den Ministerialdirektor Kriege auf deutscher und dem diplomatischen Vertreter Rußtands, Herrn Joffe, auf russischer Seite unlerzeichnet worden. In dem Augen- blick, wo die Entente gegen Rußland zu Felde zieht, um das Rad der Geschichte rückwärts zu drehen und eine neue Ostfront aufzubauen, bedeutet der Abschluß dieses Vertragswerkes einen entschiedenen Schritt vorwärts auf dem Wege zur Befriedigung des Ostens� denn es dient in seiner Gesamtheit dem Zwecke, Schwierig« leiten und Meinungsverschiedenheiten gütlich zu lösen, ReibungS- flächen zu beseitigen und die Wiederanknüpfung geregelter Be- ziehungen zu fördern. Ueber den Inhalt der Verträge, die sowohl auf demscher wie auf russischer Seile zunächst noch der Ratifikation bedürfen, kann schon jetzt folgendes mit- geteilt werden. Der Ergänzungsvertrag ist dazu bestimmt, eine Reihe politischer und militär« volitilcher Fragen z» regeln, die im Anschluß an den Friedensvertrag, und zwar in der Hauptsache dadurch entstanden, daß die Bezieh ungenRrißlands zu denselbständig geivordenen oder ngch Selbständigkeit ringenden R a n d v ö lk e r n noch ungeregelt sind. Es ist allgemein bekannt — wenn auch die Entenlepropaganda diesen Tatbestand immer wieder zu verwischen sucht—, daß die Vierbundmächle beim Beginn der Brester Friedensverhandlungen nur für die Unabhängigkeit der- jenigen Randstaaten eintraten, die bereits imLaufederkrie- gerischen Ereignisse vom Zarenjoch besreit worden waren. Während der Brester Verhandlungen inachle aber der Prozeß der Los- lösung der Randvolker, mächtig gefördert durch den von der Sowjets« regierung verkündeten Grundsatz d e S S e l b st b e st i nrm u n g s- rechts, unaufhaltsame Fortschritte. Der Vierbund konnte, sein Interesse den jungen Staatswesen nicht versagen, die ihm als erste die Friedenshand boten! und so wurde schließlich in dem Friedensvertrag, der am 3. März in Brest zur Unterzeichnung kam. der Kreis der in der einen oder anderen Weise bcrückfichtigten Rand- staute» weiter gezogen, al? ursprünglich vorgesehen war. Indes war die LoslosungSbewcgiing, wie nicht anders erwartet werden konnte, damit keineswegs zum Stillstand gekommen: hierbei handelte es sich teilweise um gegen revolutionäre Be«. st r e b u n g e n mit dem offenkundigen Zwecke, den Sturz der Räte- regierung zum Nutzen der Entente herbeizuführen, teilweise bandelte es sich um Vvlkergruppen, die ehrlich für ihre S e l b st- st ä n d i g k e i t kämpften und Anschluß an Deutschland suchten. Alle diese Vorgänge erforderten ein« offene und klare AnS- cinanderietmug zwischen Teutschland und Rußland, eine Auseinander- setzuna, für die der B r e st e r Friede die Grundlage bot, die aber im einzelnen die inzwischen eingetretenen Tatsachen und Verhältnisse zu berücksichtigen hatte. Dabei wußte sich die deutsche Regierung eins mit dem deutschen Volke in dem Grundsatz, eine gewaltsame Abtrennung bisher russischen Gebietes weder zu veranlaffen noch zu unterstützen. Dieser Grundsatz, der in dem Ergänzungsvertrag ausdrücklich niedergelegt worden ist, sichert Rußland auch für die Zukunft die Möglichkeit, seine inneren Angelegenheiten— so weit nicht die Entente mit militärischem Aufgebot dazwischentritt— s e l b st zu ordnen, und erscheint so als ein Fundament, auf dein jede russische Regierung, die nicht den Krieg mit Deuischland will, bauen kann und bauen muß. Unter den Randstaaten, die sich schon vor Abschluß des Brester Frieden? an Deutschland um Hilfe gewandt hatten, stehen Estland und Ltvland durch ihre nachbarliche Lage wie durch die altüber- lieferte Kulturgemeinschaft im Vordergrund des deutschen Znteresses. Der Brester Friede batie bekanntlich vorgeseben, daß diese Länder durch eine deutsche Polizei macht besetzt werden, bis dort die Sicherheit durch eigene LandeSeinrichtnngen gewährleistet und die staatliche Ordnung hergestellt sein würde. Die Erreichung dieses Zieles verlangte.aber, wie sich bald erwieS, eine Klärung des Verhältnisses der Länder zu Rußland, wobei der schon in der Aera KerenSki zum Ausdruck gelangte Wunsch der LoS- lösung nicht übergangen werden konnte: Für Rußland kam es dabei hauptsächlich darauf an, seinen wirtschaftlichen Ausgang zur Ostsee nicht zu verlieren, und so ergab sich die im ErgänzungSvcrlrag vereinbarte Lösung, welche die Selbständigkeit der baltischen Länder besiegelt, aber der russischen VolkSwirtichait durch Sicherungen von Handels- wegen und Einräumung von Freihäfen die Tür nach der Ostiee für alle Zukunft offen hält. ES versteht sich, daß damit für die Gestal- tung oeS Schicksals dieser Länder zunächst nur die inter- nationale Grundlage gegeben ist, während die sonstigen damit zusammenhängenden Fragen, insbesondere das Verhältnis dieser Länder zu ihren anderen Nachbar st aaten in der Schwebe bleiben. Unter den im Brester Frieden noch nicht berücksichtigten staat« liche» Neubildungen an der Peripherie Rußlands hat Georgien auf dem Wege zur inneren Festigung bemerkenswerte Forlschritte gemacht. Da die Vorgänge bei der Wiedererstehung dieses Staats- weienS auch den extrem demokratischen Grundsätzen entsvrehben, womit die gegenwärtige russische Regierung da? von ibr verkündete Selbstbestimmungsrecht interpretiert, ist es gelungen, Rußlands Zustimmung zu der von diesem Staate begehrten Ancr- kennung zu erlangen. Was die übrigen Staatenbildungen im Kaukasus anlangt, so waren für dieie ähnliche Zugeständnisse wie für Georgien von Rußland in dem Vertrage nicht zu erlangen, Die russische Regierung ihrerseits legte auf die Sicherung des BakugebictS mit feinen reichen Naphthaquellen den allergrößten Wert; ihrem Wunsche konnte sich Deutschland, soviel an ihm liegt, umsowenigrr entziehen, als Rußland seinerseits die Verpflichtung übernahm, einen Teil der NaphthaauSbeutefürdcn Bedarf Deutschlands und seiner Verbündeten zur Verfügung zu stellen. Neben den politischen Fragen, welche die Entwicklung deS RandstaatenproblemS feit dem Brester Friedensschluß aufgeworfen hatte, galt es auch die militärische Lage zu klären, die dadurch ent- standen war, daß einzelne Randstaaten in dem Ringen um die Be« hauptung ihrer staatlichen Ordnung deutsche Truppen gegen' die drohende innere Zersetzung zu Hilfe gerufen, und daß russische Land- und Seestreitkräfte im Wider- spruch. mit den Weitungen der offiziellen russischen Regierung Feind» seligkeiten gegen diese deutschen Truppen begangen hatten.-Der Ergänzungsvertrag sieht eine Liquidierung dieser Konflikte im Geiste wechselseitigen Entgegenkommens vor und gewährt Rußland darüber hinaus werlvolle Erleichterungen der militärischen Bedin- gungen des Friedensvertrags. Was insbesondere daS gegenwärtige deutsche Okkupationsgebiet östlich der Ukraine anlangt, so ist hier für die Dauer der Okkupation den wirtschaftlichen Bedürfnissen Groß- rußlandö durch besondere Bestimmungen Rechnung getragen. In dem Finanzabkommen lverden die finanziellen Verpflichtungen Deutsch- lands und Rußlands aus dem Deulsch-Russischcu Zusatz- verrrag, die Herausgabe der beiderseitigen Bankdepots und Bank- guthaben sowie der Ausgleich gewisser Verschiedenheilen der beider« seitiaen WirtschastSsqsteme gereaelt. Die wichtigsten gegenseitigen finanziellen Verpflichtnagen Deutschlands und Rußlands aus dem Zusatzvertrag sollen durch Zahlung von Pauschalsummen abgegolten werden. Auf Grund dieser Pauschalierung hat Ruhland unter Anrechnung der entsprechenden deutschen Verpflichtungen an Deutschland noch einen Betrag von(5 Milliarden Mark zu zahlen, wovon indes 1 Milliarde voraussichtlich von der Ukraine und Finnland werden übernommen werden. Tie Pauschalierung beruht auf einer sorgfältigen— in Deutschland bereits feil Lahreq vMepiMvl— Festlegung feej; in den beiden Ländern den Angehörigen des anderen Teiles erwachse- nen Schäden; sie schließt insbesondere auch die Vergütung für die Verluste in sich, die Deutschs durch die von der russischen Revo- lutionsgesetzgebung bis zum 1. Juli 1318 angeordneten Ent- eignungsmaß nahmen erlitten haben. Auch da, wo die Berechnung der Schäden nur schätzungsweise erfolgen konnte, standen ausreichende, von beiden Seiten nachgeprüfte Unterlagen zur Ver-� fügung, die eine annähernde Genauigkeit der Schätzung ermöglichten. Der große Vorteil, den die vereinbarte Pauschalierung für bmde Teile bedeutxt, liegt auf der Hand; denn alle Weiterungen, die naturgemäß mit der internationalen Erledigung der einzelnen Schadensfälle verbunden gewesen wären, sind nunmehr zum Nutzen der Beziehungen zwischen den beiden Ländern ein für allemal ausgeschaltet. Da ferner das in dem Brester Zusatzvertrag zur Feststellung der Schäden vorgesehene internationale Kom- missionsverfahren schon wegen der Verkehrs- s ch w i er ig k e i t e n in den meisten Fällen lange Zeit in Anspruch nehmen würde, gelangen die betroffenen Deut- scheu auch sehr viel f r ü h e r, als sie es sonst erwarten konnten, in den Besitz der zum Wiederaufbau ihrer wirtschaftlichen Existenz erforderlichen Mittel. Anderseits hat die Pauschalierung zugunsten Rußlands die Gewährung von Zahlungsbedingungen er- möglicht, die niit den gegenwärtigen Finanz, und WirtschaftSver- hältuissen des Landes im Einklang stehen. Für die Herausgabe der beiderseitigen Bank- depots und Bankguthaben ist eine besondere Regelung vorgesehen worden, weil die allgemeinen Bestimmungen des deutsch- russischen Zusatzvertrags über die Behandlung derartiger Ver- mögenswerte nicht ausreichend erschienen, um eine baldige und reibungslose Durchführung einer solchen Herausgabe zu gewähr- leisten. Die zurzeit noch schwierigen Verkehrsverhältuisse zwischen den beiden Ländern sowie die durch die Nationalisierung der russischen Privatbanken herbeigeführte Umwälzung im russischen Bankwesen würde es den Beteiligten einstweilen kaum gestatten, die gewünschten Verfügungen über ihre Depots und Guthaben auf rein privatem Wege zu treffen. In Ueberein- stimmung mit den Vorschlägen der in erster Linie beteiligten Kreise ist daher die Abhebung der Depots pnd Guihaben zunächst zwei Staatskommissaren übertragen worden, welche die Anträge der Berechtigten und sodann die eingezogenen Vermögenswerte an bestimmten Terminen austauschen sollen. Die weiteres Bestimmungen des Finanzabkommens verfolgen den Zweck, gewisse Verschiedenheiten, die infolge der russischen Revolutionsgesetzgebung zwischen den beider- seitigen Wirtschaftssystemen entstanden sind, tunlichst auszugleichen. Es handelt sich dabei zunäckist um die von der russi- scheu Regierung eingeleitete sozialistische Enteignungsgesetzgebung. Obwohl nicht zu verkennen ist, daß diese Gesetzgebung, insbesondere die Verstaatlichung des Grund und Bodens sowie aller größeren Handels- und Jndustrieunternehmungen, einen solchen schweren Eingriff in die deutsche wirtschaftliche Betätigung in Rußland bedeutet, war davon auszugehen, daß Rußland freie Hand in der Gestaltung seiner inneren wirtschaftlichen Verhältnisse beanspruchen kann und dabei nur solchen Beschränkungen unterliegt, die sich aus all-� gemein anerkannten Grundsätzen des Völkerrechts ergeben. Danach kann deutscherseits nur gefordert werden, daß jede Ausnahme- gesetzgebung zuungunsten Deutschlands ausgeschlossen und daß die völlige Schadloshaltung der betreffenden Deutschon gesichert ist. Dementsprechend wird die Enteignung von Vermögenswerten in Rußland grundsätzlich unter der Voraus- setzung anerkannt, daß sie allen In- und Ausländern gegenüber gleichmäßig durchgeführt und auf» rechterhalten wird, und daß die deutschen Berechtigten in jedem einzelnen Falle sofort eine durch eine unparteiische Instanz festzusetzende Entschädigung erhalten. Es besteht mithin keine Gefahr, daß etwa die wirtschaftliche Betätigung von Deutschen in Rußland ausgeschaltet wird, während eine solche Betätigung den Angehörigen dritter Länder ermöglicht bleibt. Ein zweiter Punkt, in dem die sozialistischen Maßnahmen der russischen Regierung mit den wichtigen deutschen Interessen in Widerstreit zu geraten drohten, liegt in der allgemeinen Beschränkung, die allen russisthen Staatsangehörigen in der Verfügung über ihre in Rußland befindlichen Bankguthaben auferlegt worden ist; denn diese Beschränkung müßte in zahlreichen Fällen dazu führen, daß russische Schuldner zur Erfüllung ihrer fälligen Verbindlichkeiten gegenüber deutschen Glänbi- gern außer st ande sind. Es ist deshalb vereinbart worden, daß die Beschränkung insoweit nicht Platz greift, als das Bank- guthaben zur Befriedigung einer einwandfrei festgestellten, vor dem 1. Juli 1018 entstandenen deutschen Forderung verwendet werden soll. Schließlich waren in diesem Zusammenhang noch die Anordnungen der russischen Regierung zu berücksichtigen, die aus eine teilweise Aufhebung de? Erbrechts hinauslaufen. Um aus diesem Gebiet einen billigen Ausgleich zwischen den beiderseitigen Interessen herbeizuführen, ist vorgesehen, daß die mit der Ratifi- zierung des Friedensvertrags wieder in Kraft getretene deutsch- russische Nachlatzkonvention vom Jahre 1874 jedenfalls solange in Geltung bleiben soll, als die erwähnten erb- rechtlichen Anordnungen der russischen Regierung in Kraft bleiben, und daß diese Konvention auch nicht etwa auf dem Umweg einer Nachlaß st euer illusorisch gemacht werden kann. DaS Privatrechtsabkommen behandelt zunächst einige Rechtsmaterien, deren Regelung in dem Zusatzvertrag ausdrücklich vorbehalten war,»nd zwar Rechts» Verhältnisse ans Wechseln und Schecks. Valutageschäfte, gewerbliche Schutzrechte und Verjährungsfristen. Daneben hat aber eine Frage ihre Lösung gesunden, die eine über däs rein prmvtrechtliche Inter. esse hinausgehende Bedeutung besitzt. Es ist nämlich für alle wichtigen vor Kriegsausbruch begründeten PrkvatrechtS Verhältnisse zwischen Deutschen und Russen eine internationale Gerichtsbarkeit vereinbart worden, die den Zweck hat, Streitigkeiten aus diesen Rechtsverhältnissen möglichst rasch zu entscheiden und zugleich die dabei austauchenSen schwierigen Fragen des internationalen Rechtes nach einheitlichen Grundsätzen zu lösen. Diese Gerichtsbarkeit soll durch zwei internationale Gerichte mit Sitz in Berlin und Moskau ausgeübt werden, die sich aus je einem dänischen Präsidenten sowie je einem deutschen und einem russischen Richter zusammenfttzen und in erster und letzter Instanz entscheiden. Eine solche Einrichtung, die einem dringenden Wunsche der be- teiligten Kreise entspricht, wird sicherlich dazu beitragen, den Rechts- verkehr zwischen beiden Ländern sicherzustellen, und dadurch auch die Anbahnung normaler Geschäftsbcziehungen zu fördern. Wie sich aus den vorstehenden Darlegungen ergibt, sind beide Teile nach Kräften bemüht gewesen, die mannigfachen Schwierig- ketten, die der Herstellung eines wirklichen Friedenszustandes im Osten entgegenstehen, auf dem Wege freundschaftlicher Verständigung zu überwinden. Wenn gleiches Bemühen auch bei der Ausführung der Verträge am Werke bleibt, kann auf eine allmähliche Festigung der deutsch-russischen Be- ziehungen gehofft werden, die, gleichviel welches der weitere Gang der inncrrussischen Entwicklung sein mag, zweifellos im Interesse beider Reiche gelegen ist. Die Entente gegen Spanien. Kampf um den Frcigeleitschcin. Paris, 29. August. lHavas.) Nach einem auf einen Bericht des Marine- und des BlokadcministerS sowie des Ministers des Aenßcren hin ausgegebenen Erlast wird jedes neutrale Fahrzeug, das sich u n t e r feindliche Kontrolle stellt, indem es freies Geleit vom Feinde annimmt, daS von den Alliierten nicht anerkannt wird und im Gegensatz zur Ausübung ihrer Rechte als Kriegführende steht, vorbehaltlich deS Beweises de§ Gegenteils als im Interesse eine? feindlichen Staates fahrend angesehen und unterliegt der Wegnahme und Beschlagnahme, ebenso wie Waren feindlicher Her- kunft oder Bestimmung, die seine Ladung bilden. Diese neue Maßnahme bildet offenbar den Gegenzug der Entente gegen den Versuch, den deutsch-spanischen U-Boot- Konflikt friedlich-schiedlich zu regeln. Die spanische Regierung hat von der deutschen Ersatz für den torpedierten Schiffsraum verlangt, die deutsche Regierung ist aber auf diese Forderung nicht eingegangen, sondern hat der spanischen Schiffahrt Geleitscheine in Aussicht gestellt, die sie vor warnungsloser Torpedierung sichern sollten. Nun erklärt die Entente: Wir werden solche neutrale Schiffe, die von Deutschland freies Geleit annehmen, als dem Feinde dienend behandeln und wegnehmen. Ausgenommen ist nur der Fall, daß die Fahrt mit Gcleitschein auf beider- seitiger Anerkennung Deutschlands und der Entente beruht, der kommt aber für Spanien hier nicht in Betracht. Spanien ist also zwischen zwei Feuern, d. h. es steht vor der Wahl. seine Schiffe entweder von deutschen U-Booten weiter ver- senken oder sie von der Entente wegnehmen zu lassen. Ter Zweck der Uebung ist offenbar, eine friedliche Ab- machung zwischen Spanien. und Deutschland zu verhindern und Spanien in den' KriM gegen Deutschland zu treiben. Durch diesen Druck soll SMnien schließlich als Bundesgenosse auf die Seite der Entente getrieben werden. Sachlich bedeutet das Anerbieten Deutschlands, den Spaniern Geleitscheine auszustellen, eine Erleichterung des Verkehrs nicht mit Deutschland, sondern mit der En- t e n t e. Indirekt wäre also die Entente Nutznießerin des deutschen Entgegenkommens gewesen.'Das genügt ihr aber nicht, sie spielt ein höheres Spiel um Leib und Seele des spanischen Volkes. Von hier auS kann man sich aber schwer vorstellen, daß das brüske Eingreifen der Entente von Spanien als ein freundlicher Akt und als verlockende Ein- ladung in ein' sonst'recht kostspieliges Bundesverhältnis empfunden werden könnte. Die wirren in Rußlanü. Ein Fühler Wilsons,-j- Uneinigkeit unter den Feinden der Bolschewistcn.— Tie Lage der Tfchechoslowaken. Die Erklärung, mit der Präsident Wilson die Ziele der amerikanisch-japanischen Intervention auf die Rettung der Tschechoslowakcn begrenzte, bewies, daß er keinesfalls ein Feind des bolschewistischen Rußlands erscheinen wolle und an der Hoff- nund festhält, die Räteregierung zu sich hinüberzuziehen. Die abwartende Haltung, die Wilson in den langen und provozieren- den mexikanischen Unruhen eingenommen hatte, schloß von vorn- herein ans, daß diese Kundgebung nichts als Humbug ist. Jetzt bat der Präsident einen neuen Versuch unternommen, mit den Bolschewistcn in Kontakt zu bleiben, obwohl die diplomatischen Beziehungen eigentlich abgebrochen sind, da der amerikanische Generalkonsul Pecle in Moskau abberufen, wenn auch nicht ab- gereist ist. Laut„Nienwe Rotterdamsche Conrant" melden die amerikanischen Blätter vom 18. Juli, daß Präsident Wilson den Plan zu Entsendung einer wirtschaftlichen Kom- ni i s s i o n nach Rußland, um den Wiederaufbau der vernichteten ruffischen Industrie zu fördern, gebilligt hat. Zum Leiter der Kommission wurde der Eisenbahnsachverständige Daniel W i I- l a r d ernannt. Der Präsident der New Dork National City Bank. V a n d e r l i p, wird die finanziellen Arbeiten der Kom- Mission leiten. Gestern wurde erst ein Staatsstreich der in Wladiwostok resi- dicrenden Generale P l e s ch k o w und Horvat gemeldet. Er hat die Anerkennung der Alliierten nicht gefunden. Die Konsularbehörden haben dem militärischen Beirat empfohlen, die Truppen der Generale Pleschkow und Horvat zu entwaffnen. Ihr Rat wird wahrscheinlich befolgt werden. Dagegen hat der allgemeine Vormarsch der alliierten Truppen nach der U s s n r i f r o n t am 24. August begonnen. Eine tschechische Kommission, die von Wladi- Wostok abgereist ist, um sich nach Washington zu begeben, ver- weilt jetzt auf ihrer Durchreise in Tokio. Ihr Führer S p a t sch e t wies darauf hin, daß es in erster Linie in der Absicht der Alliierten lag, die Tschechoslowaken zu befreien. Es sei jedoch deutlich, daß jetzt ein zweiter und größerer Plan verwirklicht werde, näm- lich die Erhaltung und Ausbreitung der von den Tschechen besetzten Stellung. Die Lage ist jetzt mit Rücksicht auf den nahen Winter sehr ernst. Oestlich des Baikalsees ist eine tschechische Abteilung von 5000 Mann isoliert, während die Armee in der Mandschurei, die 7000 Mann zählt, stündlich japanische Hilfe erwartet. Die Baikal- armee ist schlecht ausgerüstet. Das Gebiet zwischen den beiden Armeen wird von Sowjettruppen� beletzt gehalten. Tie ein- zige Hoffnung der Tschcchoslowaken sind die aus der Man- dschurei vorrückenden Truppen. Erschütterung der japanischen Regierung. Laut„Nieuwe Rotterdamsche Courant" erfährt„Times" aus Tokio vom 20. August, daß die Lage sehr gespannt ist. Die Zeitung„Kokumin" vom 20. August schreibe; Der Vor- sitzende des Repräsentantenhauses O o k a hatte eine Unter- redung mit Terauchi und Geto und verlangte den Rück- tritt des Kabinetts, weil er glaubt, daß ein solcher Schritt beruhigend wirken würde. Terauchi gab Ooka zur Ant- wort, daß die Regierung bereit sei, zurückzutreten, sobald die Unruhen beendigt sind. Tie Zeitung„Kokumin" schließt daraus, daß das Kabinett nächsten Monat seine Entlassung nehmen wird. —)- Der Zwift in üer französischen Sozia!- öemokratie. .France Libre.* das Organ VarenneS, Albert Thomas' usw., nimmt sehr kräftig gegen eine Auslassung der Bolschewiki zu der interalliierten Sozialistenkonferenz Stellung, verlangt dagegen, daß die russischen Sozialrevolutionäre und die s o z i a- listischen Deputierten der Konstituierenden Ver» sammlung an ihr teilnähmen, weil sie sich sowohl in ihren Er- klärungen als durch ihre kriegerische Hallung gegen Deutschland ausgesprochen hätten. . P o p u l a i r e da» Sprachrohr Longuets, bemerkt dazu ironisch: Jedenfalls werden wir auch die Tschechoslowaken zulassen, nicht aber die italienischen Sozialisten, die dem Kriege nicht mit der nötigen Begeisterung zugestimmt haben, und wird der Mann, der den Sozialismus immer beleidigt, der Amerikaner Gompers, zum Präsidenten bit Konferenz gewählt werden. Der �Populaire" hat schon vor einigen Tagen die famose Ab- ficht enthüllt, die kriegLfeindlichen griechischen Sozialisten aus- zuschließen und dafür den Vertreter einer Gruppe zuzulassen, die eigens gegründet wurde, um den Ententeenthusiasmus deS sozia» listischen Griechenlands zu markieren, Nr.2Zi» Zj.lohrgaig DOttiOött0 Jceltog, 30.pugu(I1918 GroßSerlin Die Menget Wieviel Einheiten sind mindestens notwendig, domit daraus eine„Menge" entsteht?— Lache nicht, lieber Aeser, die Frage ist ernst und hat mich in verschiedenen Augenblicken meines Lebens stark beschäftigt. Namentlich dreimal habe ich erleben müssen, daß der Begriff der Menge im gewöhn- lichen Leben ganz außerordentlich überschätzt wird. Das erstemal war es, als ich den Bericht des Kreisblattes in iE über die dort stattgefundene konservative Wählerver- sammlung la�. Auf dieser waren zugegen: Der Vorsitzende, ein Gendarm, der konservative Kandidat, ein Ritterguts- besitzer aus der Umgegend, sein Kutscher, fünf von dem Rittergutsbesitzer mitgebrachte Landarbeiter, der Redakteur des Kreisblattes und ich, im ganzen 12 Personen. Trotzdem berichtete das Kreisblati am folgenden Tage, der Kandidat dabe„vor einer andächtigen Menge" gesprochen. Damals lächelte ich, wurde aber bald belehrt, daß der Begriff der Menge noch weit geringer sein kann als 12. Ich war Zuhörer in einem bekannten Landfriedensbruchprozeß. Der Angeklagte sollte, wie das Gesetz sagt, vor einer„Man- schenmcnge" zu Gewalttätigkeiten aufgereizt haben. Der Beklagte berief sich daraus, daß zur Zeit der Tat die Straße bereits„gesäubert" war und sich nur noch ganzjnenige Personen in der Nähe befunden hätten. Aber der Staatsanwalt dozierte mit strenger Miene:„Meine Herren, der Begriff der Menschenmenge ist im Gesetz nicht genauer beschrieben. Daher nmß angenommen werden, daß zur Erfüllung dieses Begriffs unter Umständen bereits die Zusammenrottung von zwei Personen genügt..." Bis� gestern glaubte ick. daß diese Definition eines Staatsanwalts nicht zu unterbieten sei. Ich bin bekehrt. Als ich gestern meinen amtlichen Lebensmittelkalender studiere, finde ich dort auch eine Bekanntmachung über Verkauf von Eiern auf Abschnitt soundsoviel der grün-gelb-roten Lebens- niittelkarte, und am Schluß heißt es wörtlich: M e n g c: E i n Ei... Ich wiederhole meine zu Anfang gestellte Frage: Wieviel Einheiten sind mindestens notwendig, damit eine„Menge" entsteht?— Wer lacht noch? Was sich von selbst verstand! In den von der Gemeinde Weihen see als Metz- braucherin genntzlen Häusern an der Ecke der Langhans- und der Friesickestrahe Halle, wie wir in Nr, 216 und in Nr, 218 berichtelen, der Verwalter mehrere nach Steigerung der Mieten neu, abge- schlosiene und durch Unterschriften schon vollzogene Verträge für nugültig erklären wollen, weil er versehentlich die Mieten noch nichi genug ge st eigert hätte. Das von den Mietern angerufene Mietcinigungsamt hat inzwischen, wie wir hören, unter Aushebung des schon angesetzten Verhandlungstermins kurzerhand den Bescheid erteilt, es bleibe bei den bereits in ihren Händen be- findlichcn Verträgen, Dah an der Gültigkeit der Ber- rräge nicht gerüttelt und nur so entschieden werden konnte, verstand sich von selbst. Wahrscheinlich hätte das Einigungs- anir auch die von den Mietern schon angenommenen Steigerungen, die der Verwalter als irrtümlich und noch zu niedrig bezeichnete, für mehr als reichlich erklärt. Der Verwalter, der den tollen Ver- inch machte, die Verträge umstohen zu wollen, ist durch einen Nach« fo!ger abgelöst worden. Nach seiner Darstellung konnte man an- nehmen, dah er im Einverständnis mit seinen Vollmachtgebern ge« handelt hätte. Ten prügelnden Lehrern. In Nr. 233 berichteten wir über einen von der Berliner 177. G e in e i n d e s ch u l e(Görlitzer Strahe) gelieferten „Prügelbeitrag zur Kolonialkriegerspende". Wegen eines von der Klasse 110 anzufertigenden Aufsatzes über die Kolonialkriegerspende sah Lehrer Sprenger sich veranlaht, eine Reihe von Schülern mir Stockhieben zu bestrafen. Aus Lehrer- kreisen sind uns zwei Erwiderungen zugegangen, die als Straf- predigten gedacht sind, als Strafpredigten nicht gegen jenen Lehrer, sondern gegen den„Vorwärts". Die Verfasser nehmen beide nicht Anstoh an der von dem Lehrer vollzogenen Abstrafung, sondern an der durch den„Vorwärts" bewirkten Veröffentlichung und Be- nrteilung, Rektor Euler von der 177. Schule schreibt unS, die genannte Klasse habe sich an der von den obersten Klaffen durchgeführten Samm- lung zur Kolonialkriegerspende gar nicht beteiligt. Wir haben das auch gar nicht behauptet, sondern nur in einem einleitenden Satz allgemein die Beteiligung von Schulkindern an der Spendensamm- lung erwähnt. Ein Erlebnis war aber die Veranstaltung mit ihrem Drum und Dran auch sür diejenigen Kinder, die nicht mit- sammelten, und der Aufsatz wies sie besonders eindringlich darauf bin. Rektor Euler widerlegt nicht, höh der Aussatz über die Kolonialkriegerspende einer Reihe von Schülern eine Tracht Prügel eingebracht hat. Dah er über»die Nöstrarung ander? urteilt als wir, werden unsere Leser ihm glauber., auch ohne dah wir seine Meinungsäuherung in ihrem ausführlichen Wortlaut wiedergeben. Wir vermissen in der reichlich langen Zuschrift eine Mitteilung darüber, wieviel Junge» der Lehrer im Laufe der einen Stunde nacheinander verprügelt bar. Nur das erfahren wir, dah auch noch andere Schüler ivegcn anderer Arbeilen von ihm bestraft worden sind. Zum Schluh klagt Rektor Euler, das Verhältnis der Schule zur Elternschait und ihre Arbeit an der Volkswohlfahrt werde auf solche Art gefährdet.„Auf solche Art" soll heihen: nicht durch die Slückhiebe des LehrerS, sondern durch Erörterungen im „Vorwärts". Es ist glaubhaft, dah wir„auf solche Art" dem be- treffenden Lebrer vielleicht unbequem werden. Wir wissen aber, das; wir durch unsere iriiik dein Wohl der Schule dienen. Hiermit ist auch da? geiogr,>va? wir dem Verfaffer der zweiten Zuschrift erwidert hätten. Er ist Lehrer, versichert aber, dah er Lebrer Svrcua>r iiicln ierui. Aus seinem Schreiben spricht eine frei>ndlia>ere Gesinnung 7ür uns als aus dem eifernden Herzens« erguh des Rektors, doch eine Strafpredigt hält auch er. Auch er beklagt, dah solche Veröffentlichungen einen Lehrer in eine unan« genehme Lage bringen. Gewih, wir wünschten, dah wir das nicht nötig hätten. Aber das kann uns nicht irre machen an unserer Pflicht, die der Schule gilt. uhpolonaisen. Vor einigen Tagen hallen wir den Uebelstand gerügt, dah sich ein groher Teil der Einwohnerschaft schon nachts vor den Schuh- geschäften ausstellen mnh. um am anderen Morgen Schuhe zu er» halten. Besonders die Ansammlung vor der KleiderverweriungS- stelle Groh-Berlin, Kommandantenstr. 80/81, hatten wir bemängelt. Auf unsere Kritik ist diese Stelle zu der Anordnung gekommen, dah von der laufenden Woche ab Schuhe nur gegen Eintritts- karten ahgegebe» iverdeu. Diese iverden den Antragstellern zu- geschickt, wie es in der ersten Zeit des Schuhverkaufs gescheden ist. Die Kleiderverwerluiigs-Gl'iellichast erhielt den Auslrag. die Au- nabmestelleu der Kominunalverbände zu ersuchen, wiet�r Listen von solchen Personen anzufertigen, die Schuhe beziehen wollen! serner wurde bestimmt, dah, abgesehen vom Bezugschein, die Betreffenden einen Ausweis über ihre Person vorlegen müssen, da es sich herausgestellt hatte, dah man mit diesen Karten Handel trieb und sie mit 1, 2 und 3 M. bezahlt wurden. Berliner Lebensmittel. Am 1. September treten neue Butterpreise in Kraft. Der Preis sür die Kopsportion von 40 Gramm ist auf 48 Pf. festgesetzt. Die Preissestsetziing ist durch die Veränderung der Erzeugerpreise für Butter und Milch veranlaht. Gemäh dem Beschluh des Lebensmittelverbandes Groh-Berlin gelangen demiiächst in Berlin auf Abschnitt 57 der Lebensmittel- karte der Stadt Berlin 250 Gramm AuslandSmarmelade zur Ausgabe. Die Voranmeldung findet in den durch ein Aus- hängeschild gekennzeichneten Geschäften am 30., 31. 8. und 2. S. statt. Sobald die Ware den Kleinhändlern zugerollt ist, wird der Verkauf beginnen. Der Kleinhandelshöchsipreis beträgt 2 M. für das Pfund. Die Ersatzmiitelstelle Groß- Berlin und für die Provinz Brandenburg erlätzt heute eine Bekanntmachung betr. Reuregelung über Herstellung und Verkauf von markenfreier Wurst aus Ziegen-, Kaninchen- und Geflügelfleisch. Schon wieder ein Raubüberfall/ Ein überaus dreister Raubanfall ist am hellen lichten Tage in Charlottenburg verübt worden. In der Kaiser-Friedrich-Str. 67 daselbst wurde die Pensionsinhaberin Anna Fürst von zwei Männern, die am Tage vorher ein Zimmer gemietet hatten, über- fallen und schwer verletzt. Die Täter, die das von ihnen gemietete Zimmer fast völlig ausgeplündert hatten, versuchten zu flüchten, wurden jedoch eingeholt und festgenommen. Wir erfahren hierzu noch folgende Einzelheiten: Am Montagnachmittag erschieven bei der 56jährigen Witwe Anna Fürst ein Soldat, ein Mann in Zivilkleidung und eine Frau und mieteten ein Zimmer, das sie sofort bezogen. Der Vermieterin erschienen die Mieter von vornherein nicht ganz zuverlässig, und ihr Verdacht verstärkte sich, als sie am Dienstagmorgen gegen 8 Uhr den Soldaten dabei antraf, als er mit einem großen Paket das Zimmer verließ. Frau F. argwöhnte sofort, daß sich in dem Paket, das die Gäste nicht mitgeführt hatten, gestohlene Sachen aus dem Zimmer befanden und verlangte Zutritt zu dem Zimmer, der ihr aber gewaltsam verwehrt wurde. Auch lehnten die Mieter ent- schieden ab, ihr, sobald sie das Pensionat verließen, den Schlüssel zu dem Zimmer auszuhändigen. Im Laufe der erregten Unter- rsdung fiel plötzlich der Soldat über die Pensionsinhaberin her, schlug auf sie ein und zog schließlich ein dolchartiges Messer, mit dem er auf die Frau blindlings einschlug, bis diese besinnungslos zu Boden flel. Dann ergriffen die Täter die Flucht, alsbald ver- folgt von Hausbewohnern, die auf die Hilferufe der bald wieder zum Bewußtsein gelangten Frau Fürst hinzueilten.. Es entspann sich eine wilde Jagd, doch gelang es schließlich, einen der� Flüchtlinge auf dem Stuttgarter Platz einzuholen. Der andere Täter und die Frauensperson wurden noch im Laufe desselben Tages auf dem Stettiner Bahnhof festgenommen. Die Ueberfallene hat eine schwere Schädelvcrletzung erlitten, die ihr mit einem stumpfen Gegenstand zugefügt worden sein muß. Ihre ganze Kleidung war durch Dolch- stiche zerfetzt; glücklicherweise hat sie nur leichtere Stiche und Risse davongetragen. Die Verletzte erhielt auf der im gleichen Hause befindlichen Rettungswache die erste ärztliche Hilfe und verblieb in ihrer Wohnung. Augenblicklich besteht Lebensgefahr nicht mehr. Die Verhaficteii sind gestern in das Moabiter Unters.uchungs- gefängnis eingeliefert ivorden und verweigerten Vovläusig jede Auskunft über ihre Person.' lieber Obstbcwirtschaftung. Das KriegSernährungsamt sibreibt: Die Verordnung über den Abiatz von Frühobst im Havelobstgau vom 24. Mai ist von der ReirvSstelle sür Gemüse und Obst, da die Frühobsternte im wesentlichen als beendigt anzusehen ist, aufgehoben worden. Die durcki die Verordnung der Reichsstelle vom � IS. Juli für das ganze Reich erlassenen Bestimmungen� Über die öffentliche Bewirtschaftung der Aepscl, Birnen und Zwetschen gelten sclbstver- ständlich auch im Havelobstgau. PilzauS stelliing. Der Magistrat Berlin veranstaltet im Verein mit dem Kriegsausschuß für Sammel« und Helferdienst auch in diesem Jahre eine Piizaiisstellung im Vortragssaal des Märkischen Museums. Sie ist voin 2. September ab täglich von 10—5 Uhr bei freiem Einlnlt geöffnet. Die in der Mark sich findenden Speisepilze und auch ihre uugenießbaren und giftigen Doppel» gänger werden täglich in ergänzter und erneuerter Auswahl zur Schau gebracht. Glückssterns Unglück. Ungewöhnliches Pech hatte ein Brotkarten» Händler, obwohl er ausgerechnet Glücksstern heißt. Der Mann hatte mit seinem verbotenen Handel bisher guten Erfolg, auch Mittwoch noch, als er. in der Alten Schönhauser Straße auf Absatz ausging. Vorsichtig und sorgfälrig suchte er die Leute aus. denen er ein An» gebot inachte, und dennoch kam er endlich an den Unrechten, einen Kriminalbeamten, der jene Gegend auf Brotkartenhändler beobachtete. Der Beamte nahm Glücksstern fest, als er auch ihm Karten anbot, dazu noch seinen Bruder, der den Verhafteten zu hefteten versuchte und endlich noch einen dritten Manu, der dazu kain und sich ein- mischte, einen gewissen Zingelmann, der sich ebenfalls als Brotkarten- Händler entpuppte. Ein großer Butterdiebstahl, der gegen Ende vorigen Monats verübt wurde, ist jetzt von der Kriminalvolizei vollständig ans- geklärt worden. Damals wurden der Feltsielle in der Hasenheide von einem ungetreuen Kutscher 100 Faß Butter gestohlen. Sie kamen bald darauf, als die Veruntreuung durch die Zeitungen ging, bei zwei Großbetrieben, die sie gutgläubig erworben hatten, wieder zum Borschein. Der Krimlnolpolizei ist es gelungen, alle Be- teiligten Nack und nach hinter Schloß und Riegel zu bringen, bis auf einen, der noch gesucht wird. Ein Kaufmann Glinski batte von einem Kutickcr Sander erfahren, dah ein hiesiger Betrieb eine große Menge Butter von der Fettstelle demnächst abfahren werde. Sander machte sich auch anheischig, ihn« diese Butter zu„liefern", wenn er sie sofort wieder absetzen lönne. G. bot darauf die 100 Faß einem Schankwirt Winkel an und durch dessen Vermittlung erwarb sie ein zum Heeresdienst eingezogener und ans dem Lazarett beurlaubter Kaufmann Lehmann, der als Einkäufer eines Großbetriebes auftrat, für 168 000 M. Nachdem man soweit war, schob Sander einen Händler Kallenbach als Kutscher bei dem Fuhrbetrieb ein und dieser spielte ihm dann die Ladung in die Hände und brockte sie gleich zu Winkel. Von dort wurde sie den beiden Großfirmen zugekührt, die sie für ihre Arbeiter verwenden wollten. Lehmann erhielt zunächst 33 000 M. bares Geld und einen Scheck über 30 000 Mark. Die Summe wurde dann verteilt. Als man gerade dabei war, Hilter der Flagge einer Geburtstagsfeier bei einem Schank- Wirt das gelungene Geschäft ordentlich zu begießen, kam plötzlich die Kriminalpolizei und nabm die Gesellschaft fest. Sander, der die 10 000 M. noch in der Tasche hatte, lieh seine Brieftasche mit diesem Schatz heimlich am Bein hinuntergleiten und unter den Tisch fallen. Die Sckankwirtin fand später die Tasche und behielt sie einstweilen. Nach einer Stunde kam ein Mann, der sich als ein Bruder des Kutschers Sander vorstellte und klagte, dah dieser mit der Brieflasche sein ganzes HandelSvermögen verloren habe. Seine Frau und Kinder sähen nun mittellos zu Hause. Die Wirtin übergab ihm die Brieflaiche. Der Mann war aber nickr Sander, sondern ein Unbekannter, der von der Kriminalpolizei noch gesucht wird. Der Zoo wird teurer! Infolge der Teuerungszuschläge für Gehälter, Löhne, Kohlen, Futtermittel hat sich die Zoo-Verwaltung entschlossen, die Eintrittspreise zu erhöhen. Vom 1. September ab kostet der Eintritt Wochentags wie Sonntags 1 M.. abends 60 Pf. Der billige Sonntag ist auf 50 Pf. sür Erwachsene erhöht, für Kinder dagegen auf 25 Pf. herabgesetzt worden. Die Soldaten zahlen im Kriege weiterhin 10 Pf. Das nächste Bolkskonzert des Philharmonischen Orchesters findet heute Freitag, den 30. August, in der Philharmonie, Bernburger Straße 22/23, statt. Beginn des Konzerts 8 Uhr. Die im Vorverkauf nicht untergebrachten Karten werden abends an der Kasse verkauft. Der Eintrittspreis beträgt 30 Pf. Kasseneröffnung 7 Uhr. Charlottenburg. Allgemeine Speisung. Die Ausgabestelle in der Pestalozzistrahe 50 wird Sonnabend, den 31., geschlossen. Anmel- düngen werden dort am Freitag und Sonnabend nicht mehr an- genommen. Den Teilnehmern wird anheinigestellt, sich zwecks weiterer Beteiligung an der allgemeinen Speisung an die in der Nähe gelegenen Ausgabestellen Friedbergstr. 1 Ttnb Kaiser-Friedrich- Str. 100 zu wenden. — Städtisches Fleischschauamt. Im städtischen Fleischschauamt Spreestr. 27/30 in Charlottenburg befindet sich eine Trichinenunter- suchungsstation. Hier kann jeder wochentäglich von 8— 10 und 6 bis 6 Uhr Schinken, Speck, Schweinefleisch und Wurst untersuchen lassen. Die Untersuchung kostet für den Schinken 50, für ein Stück Speck, Schweinefleisch oder eine Wurst 15 Pfennige. Da viele Fleisch- waren aus den besetzten Gebieten, in denen eine geordnete Fleisch- beschau nicht bestehr, eingeführt wird, ist die Untersuchung ein dringendes Gebot der Vorsicht, wie verschiedene Fälle von Trichinose- erkraniung beweisen. Zur Untersuchung genügt aber nicht ein be- liebiges Stück Schinken oder Speck, sondern es muh der ganze Schinken, das ganze Stück Speck oder Schweinefleisch oder die ganze Wurst eingeliefert werden, da nur der Fachmann entscheiden kann, in welchem Teile die Trichinen sich aufzuhalten pflegen. Außerdem erfolgt gleichzeitig eine Untersuchung auf Finnen. Da nur crbsen- grohe Proben entnommen werden, auch eine Feststellung über die Herkunst oder Markenfreiheit der Fleischware nicht erfolgt, so kann 'im gesundheitlichen Interesse nur geraten werden, von dieser Einrichtung allgemein Gebrauch zu machen(soweit die Gebrauchs- gegenstände dazu beim Publikum vorhanden sind. D. Red.). Mariendorf. Berkauf von AuslandSmarmelade. Die Gemeinde verkauft auf die noch nicht belieferten Abschnitte 55 der Groß- Berliner L.'bcnsmittclkarte 225 Gramm ausländische Marmelade zum Preise von 30 Pf. Der Verkauf findet in den drei Geinemde- lüden statt. Wer die Ware nicht bis zum 4. September abholt, verliert das Bezugsrecht.— Auf Abschnitt 66 der Gcohberliner Lebensinitrelkarte gibt es 250 Gramm ausländische Marmelade; die Karten sind bis Sonnabend, den 31. August, den Händlern vorzulegen. Der Verkauf beginnt Donnerstag, den 5. September, nachmittags 4 Uhr, und endet am 12. September. Der Preis sür 250 Gramm beträgt IM.— Für Personen über 70 Jahre werden abgegeben: entweder 1 Pfd. Himbeersast zum Preise von 1.28 M. oder 1 Kilogramm-Doic gezuckerte Kompott- srüchte für 1,75 M. oder 2 Kilogramm-Dose ungezuckerte Kompottfrüchte zum Preise von 4 M. Vorzulegen ist der Bezugschein für Zwieback. Der Verkauf findet statt in den drei Gemeindcläden bis Sonnabend, den 31. August. Weißens«. Ans der Gemeindevertretung. In das Kuratorium der gewerblichen Fortbildungsschule wurden sämtliche bisherigen Mitglieder auf weitere drei Jahre erneut gewählt. Die Errichtung einer Gemeinde-Besohlonstalt zeitigte bei einigen bürgerlichen Ver- tretern ihren kleinbürgerlichen Standpunkt, weil sie befürchteten, dah den kleinen Schuhmachern eine gefahrdrohende Konkurrenz entsteht. Als jedoch der Bllgcrmeister seine Erfahrung mit der Besohlung seiner eigenen Stiefel in der Familie zum Besten gab, Ivaren auch diese Herren mit der Errichtung einverstanden. Unter dem Namen „Gemeinde-Bcsohlanstalt Jnh. Bruno Sensfuh" wurde ein Vertrag angenommen, wonach der Unternehmer jede gewünschte Arbeit an Ausbesserungen von Schuhen auszusühren hat. Als Sohlen konimen Ersatzsohlen aus Leder zur Verarbeitung zu den von der Ersatz- sohlen-Geicllschaft festgesetzten Höchstpreisen. Die Preise sind durch Aushang im Geschäft zu ersehen. Die Besohlanstalt ist von 9— 12 und 2—6 Uhr geöffnet. Der Siedlungsgesellschaft Niederbarnim m. b. H. tritt die Gemeinde mit einem Betrage von 100000 Mark> bei, während weitere 200 000 Marl zur Gründung einer Orts- Siedlungsgesellschaft bereit gehalten werden. Für talsächlich in der Gemeindeverwaltung verbrachte 25jährige Dienstzeit soll den Gemeindeangestellten eine Ehrengabe überreicht werden und zwar sollen erhalten die mittleren Beamten und Lehrer je 200 Mark, die unteren Beamten und Arbeiter je 100 Mark. Friedrichsfelde. Abgabe v«« Einmachcznckcr. Der vom Kreis überwiesene Einmachczucker gelangt auf den Sonderabschnitt 6 mit dem Zucker auf den laufenden Abschnitt 17 vom Dienstag, den 2., bis Sonnabend, den 6. September, durch die Kleinhändler zur Ausgabe._ NowaweS Lebensmittel. Abschnitt 46 der Zuckerkarte und Abschnitt 22 der Zuckerersatzkarte müssen von heute bis Montag, den 2. September, dem Kleinhändler zur Anmeldung vorgelegt werden. Die Ausgabe des Zuckers erfolgt von Donnerstag, den 5., bis Dienstag, den 10. September. Gleschzeitig mit der Ausgabe dieses VerbrauchszuckerS wird auf Abschnitt 46 der Zuckerkarte ein Pfund Einmachezucker verteilt. Die Eierkarten müssen heute und morgen dem Kleinhändler zur Anmeldung vorgelegt werden. Von Mitiwoch, den 4., wird auf jeden Abschnitt ein Ei a 38 Pf. abgegeben. Groß-öerliner parteinachrichten. Friedrichshagen. Das rücksichtslose Treiben der Vaterlands- Partei— besonders in den Schulen— veranlaht die sozialdemokratische Parteileitung Montag, den 2. September, abends 8 Uhr, im Brauerei-Ausschanl, Scestrahe, eine Mit- glieder-Versammlung einzuberufen, an der auch Gäste teil- nehmen können. Tagesordnung: Friedrichshagener Schul- s k a n d a l. Referent Landtagsabgeordneter K on r a d H a e n i s ch. Alle ,BorwärlS"leser sind hiermit eingeladen. Jugenüveranstaltungen. Jugendheim Lindcnstraste 3. Heute Diskutierabend Gen. Berger. WasscrstandSnachrtchten der Laudesanftalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterburcau. Srkefkasten der Reöaktkon. E Zä). 10. Wenden Sie sich persönlich an das Ardciterselreiariat, Berlin, Engeluser 15.— O. H. 7. Vorläufig wird d>e Steuer ab 1. 3. 18 gestundet, Ipäler auf Antrag iiiedergeschlagen.— A. B. 24. Sie können leider nichls dagegen machen. Nach einjährigem Vermitztsein kann Ihr Mann für tot erklärt werden. Damit ist aber noch lange nicht gesagt, dag er tatsächlich tot ist.— G. 22. Sie haben Änfpruch auf Reichst .wochenbilsc, wenn Ihr Mann infolge Kriegsdienstbeichädigung nur teilweise erwerbsfähig ist, also nur geringen Verdienst bat.— Rente 44. 1. LanbeZversicherungZanstalt Berlin. 2, Eine KranlhiltZöeschelnIgung der Krankenkasse, die letzte OuittungSkarte und die früheren Ausrechnungs« Bescheinigungen.— P. M. 814.' Sie lind zur Nachzahlung abzüglich der Kriegsunterstützung verpslichtet.— I. III. ZI. U. W. haben Sie dazu kein Recht.- H. R. 157. Die Löhnung wird nicht nachgezahlt.— (Kngel. Sie haben keinerlei Anrecht aus das uneheliche Kind, nur die Mutter.— Ni. W. B. Nach 8 62 des Berficherungsgesescs für An- gestellte erhält eine weibliche Versicherte, welche insolge Verheiratung aus der oersicherungspskichtigcn Beschäftigung ausscheidet, die Hälfte der ein- gezahlten Beiträge erstattet. Bei der slnvalidenvcrsicherung findet eine BeilragSerstattung in solchen Fällen nicht statt.— Statte. Solange eine Tntscheldmtg nicht erfolgt ist, kann Ihnen die Unterstützung nicht entzogen werden.— F. D.(g. 14. Sie können nur das verlangen, was in Ihrem Vertrag steht, mehr nicht.— L. M. B. 40. Nein. — 30. R. Charlottenburg. Wir können Ihnen solche Firmen leider nicht nennen.— E. L. 35. Das Bureau befindet sich in Falkenberg. VLetterauSftrfitcn kür das mittlere NorddeuriUiland bis Sonnabend mitrag. Zeitweise heiter, jedoch kühl und unbeständig mit öfter wiederholten im Südosten vielfach starken in den meisten anderen Gegenden geringen Regenfällen. NentueO«« Tlisat«»?. Heute 8 Uhr. morgen Ist, Uhr letzte Aufführungen: Max Pallenberg in I>er fesche Slodl. Sonntag 7 Uhr: Faaat I. Mtg. 7; Der lebende Leichnam. Kamme rspiele Heute 8 Uhr, morgen 8 Uhr letzte Aufführungen: Lucie Höflich in Der Weibstenfel. Sonntag 7st, Uhr; Kinder der Freude. Montag 7: Nathan dar Weise. TljeateriTKijniggratzBrSir. 8: Schv/astern und der Fremde. Komödienhaus 7 Uhr zum ersten Male: Der Schrittmacher. Berliner Theater 7" U.: Blltzblaxies Blut. Theater tür Freitag, 30. August. Central-Theater � TV. Uhr: ßie Ms(M. Oeutscheo Opernhan» TUhr: Die loten Äugen Frledrich-Wlihelntst. Theater 7v. uhr: Bas DfEiuiäilerlliaüi Kleines Theater 8 Uhr: Arlstld und seine Fehler mit Bassermann. KoniiHctae Oper ScliffariwalWel. Stg Sst, U.: Schwanwaldmädel. Nalional-Theater 3\Ä Mäuschen. Tlieatßr der FriedrieiiÄ Hoste Friedrich- u. Linienstr 7st. Uhr. Tägl.: Nord. 8650. Kaiserpiatz 3, eine Treppe. Ein lustiges Stück mit Musik nach Karl Laufs. Georg: Tornin«. v. Tlöllendorir. Rose-Theater. nik Jet üaöere ico. Gaticnb.: Bitte reohifreuntlllch. Kustsplclhaa» uhT Die s, Metropol-Theater uhr': Die Dose von SlaaiiiüL Tst.uhr: Das sfiOe Mädel, Sonnt. 3 Uhr: Der Obersteiger. Kealdenz-Thenter TV. Uhr: FliBiEr-KlWeB. »chlller-Xh. Chari. tv. uhr: Die Ehre. Thalia Theater u�Dülertiertilfilieiüleii linde Theater am Nollendoriplafz 7(sieben) Uhr: 'fmflöt mit Cläre Waldoff. Theater des Westens TV, Uhr Die lustige Witwe mit Guido Thielscher. NUR NOCH 10 TAGE! HEUTE 7 IS&RRiSilll Zirkus-3usch-Gebäude. Xur noch PI-3 Tage! Walhalla-Theater. 7',, Uhr: Donauliebchen. Friedrichstr. 218 Dir.: James Klein. | 7 st, Morgen 7V, 1 letzter Tag | d. großen Aug.-Progr. 1 1 Toöesrenneo in dsr Luft sow. weitere Sensat. Vorverkauf ah der| Tageslc. 10—6 Uhr. Morgen 2 Vorstell. 3V, und 1'lt mr ziRKm Vorverk.: Wertheim u. Zirkaskasse. Telephon; Königst. 140. süfffite Kastanienallce 7—0. Täglich st ,8 Uhr: Die M-AiiO 8lb 5 Uhr das hervorragende August-Programm. Reichslialien-Theatsr. Steltiaer Sänger. Anfang 7'/, Uhr. Nächstun Sonntag, 1./S., 3 U.: Erste Nachmlttags-Vorstell. zu ermäßigten Proisen! Das erfolgreiche Massen-Manege-Schaustilok „Torpedo- los!" 30 Artisten In der Luft 30 Morgen Sonnab. 2 Vorstellungen, 3 u. 7V. Uhr. Schluß: Sonntag,'1. Sept. 2 Vorstellungen. Casino-Theater. Lothringer Str. 37. Tägl.'/.S U.: Der neue Schlager TW Ml Ml roieOer! Berliner Posse in 3 Alten. Vorher erftkl. Spezialitäte«. U.a.: Grete Linde Menschenaften. Sonnt. 3'/.: Eine güickliche Ehe Ädniiraispalast. lülePfliizessiiiVBnTfapij JSajdah. Deutsche Tänze.f Kühler Aufenthalt. TU Uhr. 2. 3, 4, 5, 8 M/ ■Vorletzter Tag! Alice Hechy Rolf Brunner Gesangs- und Tanz-Duett sewie der glänzende Variete- Eröffnunps- Spielplan! Gewerttfcl)a!t$l)du$. Sonntag, den 1. September 1918, liält im groftcn Saal der Verliaud der Korduldlijtr und vemnudter Deruft sein Kerbstfest ab. Künstlerische Tarbietungen, humoristische Vorträge, �nnter Mitwirkung des Sinsonic-lCrchesterS. Tägl. 7'/,. Sonnt.3V,u.7ä/4 Das Prima hallerirtn Valeria Gnatowska Ballettmeister u Solotänzer Plotr Zajlleh. Trianon-Theater Bhf. Frtedrlohstr. Ztr. 4927. 2391 SU. Zum 363. Male: Der gebenssehßler. Komödie von Ludwig Fulda. Sonnab. nachm. st. 4 U.kJ. Pr.: Schneewittchen. Sonntag! Uhr: Hedda Gabler SV»«»»«»»»»««»««» £iehtspielhaas Große FranklurtErStpaBe 28 a. d. 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Für die Teilnahme an der Beerdigung meiner lieben, iinvergeglichen Tochter läge ich hiermit allen Freunden und Bekannten uieinen herzlichsten Dank. Fei'dgnandl nebst Kindern. Ein wirtschaftlicher unseres Handels n. der Industrio wird die Folge dieses Krieges sein. Eine tick- greifendeÄenderung unseres gesamten öffentlich. Lebens steht bevor und unzählige Stellen werden neu zu schaffen sein. Es werden daher überall geprüfte und geschulte Kräfte gesucht sein. Beamte, Lohrer, Angestellte d. Handels u. d. Industrie sollten nicht vorsäumen; jetzt ihre Vorboreitun- fen zu troffen. Das beste littel, rasch u. gründlich, ohne Lehrer, durch einfach. Selbstunterricht auf ein EsaÄien vorzubereiten, die Einj.-Preiw.-Prüfung u. das Abitur.-Examen nachzuholen od. die fehlenden kaumänn. Kenntnisse zu ergänzen sowie eine vortr. Allgemeinbildung sich anzueignen. bietet die Selbstuntemchts- Heihoda..Güstin". Ausführt. 30 S. starke Broschüre kostenlos durch Bonness& Nachfeld, Potsdam, Postfach 224. 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Die verschieden» geschlechtlichen Keimzellen— Samen und Eier— werden entweder von gelrennten männlichen und weiblichen Körpern beherbergt, doch kommt eS daneben auch vor, dast ein und dasselbe Individuum so- wohl Samen als auch Eier trägt: wir sprechen dann von Zwittern, die besonders im Pflanzenreiche häufig sind. Die männlichen Keim- zellen gehören zv den kleinsten, die weiblichen zu den gröhtcn Zellen der vielzelligen Lebewesen. Aus der Vereinigung einer männlichen und einer weiblichen Keimzelle entsteht ein neues Lebewesen, ein neues Individuum, dessen Wachstum wieder, wie bei den Eitern, durch sorlwäbrende Zellteilungen vor sich geht. Die Zellen, auch die Keimzellen, enthalten ichars umrissene Körperchen t Kernstäbchen oder Chromosomen: dies? letztere De- zeichnung erhielten sie. weil sie sehr leicht künstliche Farbstoffe ans- nehmen und sich, daher deutlich sichtbar machen lassen. Bei der Zellteilung, durch welche, wie schon gesagt, das Wachstum der Lebe- weien stattfindet, teilt sich jedes Kernstäbchen in zwei Teile und die Spalthälrten wandern in entgegengesetzte Zellregionen. wo sie zn neuen Kernen verklumven. Dazwischen areiit mittlerweile die Terlungssurche des Zelllcibes ein und vollendet die Zweiteilung der ganzen Zolle. Alle Körperzellen haben eine gerade Zahl von Kernstäbchen, die in allen Zellen einer und derselben Pflanzen- oder Tierart dieselbe ist. Bei den Keimzellen jedoch verhält es sich anders. Sie„reiten" auch durch Teilungen, die aber so schnell vor sich gehen, das; zur Spaltung der ein- zelnen Kernstäbchen keine Zeit bleibt: daber wandern ganze Kernsläbchen in die Zellpole, je eine Halbpartie nach rcchiS, die andere nach links, io dasi hierauf i» den reisen Keini- zellen die Zahl der Kernstäbchen auf die Hälfte herabgesetzt ist. Erst nach der Vereinigung von Ei und Samen ist wieder die normale Zabl von Kernstübchen vorhanden. Doch auch da ist ein Aiisnobme- fall hervorzuheben. Bei den niännlichen Individuen ist nämlich in den Keimzellen meist nur ein Kernstäbchen weniger vorbanden als bei den weiblichen,»nd die Gesamtzahl dieier Körperchen ist eine ungerade: wenn sie beim Weibchen 1b beträgt, dann hat das Männchen blosi S. Statt des Fehlens eines Kernstäbchens kann es vorkommen, daß eines nicht vollkommen ausgebildet und daber minder sniikiionsiählg ist. Hatte, die un- reife männliche Keimzelle 9 Kernstäbchen, so haben die aus der Reifeteilung herbrngegangenen Samenzellen oder Spermatozoen zur Hälfte vier und zur anderen Hälfte iünf Kern- siäbchen. Versuche haben nun ergeben, das; bei der Vesruchlniig von Eiern durch Samen, die nin ein Kernstäbchen weniger eni- halten als die andern, männliche Lebewesen entstehen; kommen dagegen Samen und Eier mit gleicher Kernstäbchenzahl zu- lammen— sagen wir je 6—, so entstehen weibliche Individuen. Es kommt alio beim Zuiammentreffen männlicher und weiblicher Keimzellen die Bcstiinmnng des Geschlechts der Nachkommen zustande. und den Ausschlag gibt dabei die Zahl der Kernstäbchen der männlichen Keimzelle. Ist ein solches Stäbchen weniger vorhanden, so ist die Folge die'elbe wie bei der Emwicklung von Individuen aus unbefruchteten Eiern; denn bei Bienen, Ameisen usiv. werden ostmal? allein die befruchteten Eier zu Weibchen, während die Männchen aus völlig unbefruchteten Eiern hervorgehen, was man als Jungfern zengung oder PartbenoWese bezeichnet. Soweit haben wir es mit feststehenden biologischen Tatsachen zu tun. In einem eben erswienencii Buchs verlriit aus Grund dieser Tatsachen Pros. Pau! K a m in e r e r die Ansicht, die grösiere oder kleinere Masse des.Chromaliiis", aus dem die Kernstäbchen der Keimzellen besiehe», sei tiir die Vesiimmiing des Geschlechts das Entscheidende, und er wirfr die Frage ans, welches der tiefere Sinn des größeren Besitzes an Kernstäbchen- masse sei. Da das Chroinatin linier anderem auch die Funktion hat, die Stoffwechselvorgänge der Zellen zu vgeln, so liegt es nahe, daß eine Zelle, die ein Mehr dieser Substanz hat, zugleich über ein energischeres Stoffwechielvermögen veisügt; sie wird voraussichtlich in die Lage kommen, sich besser zu ernähren, als eine chrvmatinärmcre Zelle, wenn die ErnährungS- bedingnngen der Umgebung es zulassen. Der chromatinreichere Zellkern, sagt Kammerer, mästet sich einen unifänglicheren Zellen- *> GeschlechtSbestimmung und Geichlechtsverwandlung. 1918. Verlag von M. Perles. Wien MM cpwrrssas? leib heran. Diese größere, besser ernährte Zelle ist weiblich und macht alles iveiblich, waS an Zellen im selben Individuum von ihr abstammt. Auch die Beeinflussung geichlechllich schon bestimmter Zellen wird für möglich gehalten. Kammerer meint, beftigster Mangel kann eine bereits weiblich veranlagte Zelle männlich umschalten, und stärkste Mast vennag eine männlich vor- bereiteie Zelle weiblich umziistimmcn. Bei höheren Tieren und Pflanzen stoßen freilich derartige Versuche wegen des komplizierten »nd schwer lenkbaren StoffwechselmechanismnS auf erhebliche Wider- stände, aber daß die Beeinflussung statifinden kann, beweisen die bejahend ausgefallenen Experimente an niederen Tieren und Pflanzen. Kämmerer nimmt ferner einen Zusammenhang zwischen dem Reifungs, und Eriiäbrungsznstand der Keimzellen an. So kommt das verichiedem. Größenvcrbälinis zwischen Eikern nnd Eileib, daS das Ei in auieinandersolgenden Sinsen seiner Entwicklung annimmt, ebensovielen Ernährnngsveischiedenbeiten gleich, die sich im natür- lichen Verlaufe seines Daseins tauch ohne Aenderung der äußeren Ernäbrungsbedindiingen) der Reibe nach einfinden. Vom Ernäh- rnngsminimum des frühreifen Stadiums leitet das Kcimleben zum Optimum der Vollreife binan und dann wieder zu einem Minimum hinab: dem der lleberreifc. Je nachdem in welchem Reife- und Ernähriingsznflaiid das El von der Besruchtung ereilt wird, die ihm iortab eine ganz andere Bahn auizwingt. die Bahn der individuellen Entwicklnng, je nachdem wird weibliche oder mann- liche Richtung eiuges-vagen; letztere nach dem vorher Gesagten dann, wenn die Besruchtung bei minderem Ernährungszustand — in der Früh- oder Ueberreiie— erfolgt. In der Wirklichkeit durchkrenzen sich offenbar häufig der innere mit dem Reifegrad verbundene Ernährungszustand des Eies lind der äußere Er- nSbrungseinfluß: gnic Ernährung von außen loird den Einfluß der Früh- oder Ueberreife mildern, schlechte Ernährung von rni�en wird die Gegensätze der Reifezuitäiide steigern. Je schlechter die Er- nahrung von außen ist, desto mehr besteht die Möglichkeit, mich ans Vollreifen Eiern männliche Individuen hervorzubringen. Also ist die Zunahme der Knabcngcburten im Krieg nicht überraschend. Beim'Menschen stehen der gewollten Geschlechtsbestimninng kaum zu überwindende Schwierigkeiten entgegen, weil ivir noch inimer nicht imstande find, den Slosiwechsel mcnichlicher Keime von außen her in die eine oder andere Richtung zu zwingen. Min- destens gilt dies von der Sicherheit im Einzelfall. Sonst ist Kammerer davon überzeugt, daß'scharfe EntfettiingSkliren, vereint mit der Obiorge für Befrnchtiing spätre i'er Eier, die Wahr- icheinlichkeit e i n e r K n a b e n g e b n r t auf mehr als 9 9 Proz. erhöhen: ebenso wird eine Mädchengeburt als Folge einer Masikur in Verbindlliig mit Befruchtniig yites Vollreifen Eies höchst wahrscheinlich. Aber von Gewährleistung des Erfolges kann leine Rede fein. Ein weiterer Grund hierfür ist vermutlich folgender: ES ist nicht aekagt, daß vom schlechten Ecnähi tingsziistand des Gesamt« organismlis alle seine Zellen initbetroffen werden nlüssen i be- stimmte Zelliorten verstehen es, sich auf Kosten ihrer Nachbarzellen, oder auch weiter Entfernter Zellgruppen, gut zu ernähren, auch wenn der Organismus als Ganzes Hunaer leidet. Recht fraglich ist ob die willkürliche Bestimmbarkeit des Ge« schlechis de? Nachwuchses beim Menichen im A r t i n t e r e s s e gelegen iväre. Kammerer verneint dies, und man muß ihm eniffhieden zustimmen. Bei den Mensche» Ituirde— im Gegensätze zu den Bienen—„kurzsichiig« eigensüchtiger Elternwunsch � toie weitsichtig- machtgieriger Völkerwunsch uns eher ein Nebcrmaß von Drohnen bescheren. Denn wünschen sich nicht die meisten Eltern lieber Buben. seden-allS den sogenannten Stammbalier? Und braucht nicht der Gcwallstaat von heutzutage vor allen Dingen Soldaten. Soldaten und wieder Soldaten?" Vermöchie« wir das Geschlecht unserer Kinder seihst zu bestimmen, io könnte bald Not von dem einen Geschlechts, dem weiblichen ein- treten. Die Allffüllling der vom männermotdenden Krieg gerissenen Lücken dürfen wir getrost der Natur' überiasien! Sprechen die Ameisen! Bei verschiedenen Tieren wurde bisher eine nnzweifelhafte Vcr- ständigustg durch Laute festgestellt. Wen» daher die Frage auf- geworfen wird, ob auch bei Jnseklen etwas Derartiges vorkommt, so unnß man zunächst dagegen einwenden, daß sie ja leine Organe zur Lauigcbung besitzen. ES muß also eine Verständigung zwischen ihnen ans anderer Basis beruhen. Das einzige Organ, daS naturgemüßerweise bei *s Die Befruchtung menschlicher Eier im Stadium der Früh- reife ist aus phhsiologischen Gründen unmöglich. ihnen in Frage kommen kann, sind die außergewöhnlich beweglichen und fein enipfiiideiiden Führer. Schon Juies Fabre, der berühmte französische Entomologe, hat durch ansglebige Versuche festgestellt. daß bei vielen Jniekien durch Abschneiden der Fühler ein voll ges Versagen der Beweglichkeit, des Geruchs und sogar der Fortpflanziingsinstinkte erzielt werden kann. Die genannien Unter- iuchungcn ans diesem Gebier wurden jedoch an Ameisen gemacht und haben merkwürdige Erfolge gezeitigt. Ihre Spiache besteht in einem Trillern der Fühler, das auf dem Kops oder an den Fühlern des Partners ausgeübt wird. Zwölf verschiedene Worte oder Be- griffe bat man bei ihnen unterscheiden können. Und zwar besteht dieier Unterschied in verschiedenem Rhythmus des Klopiens. Sie können Furcht, Kampflust, Aufmertsanikeit, Raubgier, Aufforderung zur Hilfeleistung ohne weiteres durch diese Fiihlericvläge über- niittetii. Es ist eine eigentümliche Parallele, wenn man im Gegen- satz zu dieser Jnsektensprache an die Trommelsprache der zentral» airilaniichen Eingeborenen denkt. Denn auch hier ist der Rhythmus des Klopfens das Bestimmende für den Ausdruck. Man könnte beinahe von einer primitiven Spracheinheit reden, die unter gleichen oder mindestens ähnlichen Verhältnissen gesetzmäßig eintreten muß. Auch der Kulturmenich hat ans diese Klopfsprache nicht ganz ver- zickten können, denn der Morfe-Telegraph ist ebenfalls nichts anderes als die Wiedergabe rhythmisch verschiedetker Klopftöne. Die sterbenöe WinKmüllerei. Schon vor dem Kriege wurde gelegeiitlich immer wieder darauf hingewiesen, daß die Zeit der Windmühlen, die einst in so großer Zahl io vielen Orten des norddeutschen Tieflandes da? Gepräge gaben, wohl bald dahin fein weide. Eine Windmühle nach der anderen sank in Asche, viele davon traf der Blitz, andere wieder wurden abgebrochen, weil die Kleinmnllerei ganz im allgemeinen über fchlechie Zeiten klagte. Das ist im Kriege anders geworden, aber daß Windmühlen, die einmal gestürzt sind, wieder errichtet werden, das kommt wohl so gut wie gar nicht vor. So bat sich die Zahl der Windmühlen seit KriegSbeginn w'eder um Hunderte verringert Viele von ibnen sind außer Beirieb, weil Flügel ab- gebrochen sind, die nicht ersetzt werden köniien. Es gab früher Städte, bei denen die Windmühlen reihenweise standen, besonders in der Provinz Posen und im nördlichen Schlesien, recht-? der Oder. Man sprach emst von.Wiiidinühl-Franstadl", von„Windmühl- Gubrau" u. a. m. Bei manchen dieser Städte' standen einst an jeder der hinausführenden Landstraßen ein Dutzend und mebr Windmühlen— bet Fraustadl wurden noch 1883 nicht weniger als 45 Windntüblen gezählt, bei Rawitsch 28—, aber zum großen Bedauern aller LandschaflShelinde nimmt ihre Zahl ständig ab. Gckegentiich macht eine Windmühle besonders von sich reden, wie die unliebsam berühmt gewordene ostpreußische Mühle, deren Besitzer bekanntlich die Mühlenflügel während der Kämpfe des JabreS 1914 so gestellt haben soll, wie sich die deutschen'Truvpen bewegten. UebrigenS ist dies Vorkommnis, das sogar Stoff zw Romanen gegeben hat. wahrscheinlich eine der vielen Kriegslegenden. Sollten aber auch alle Windmühlen dahinsinken, eine wird sicher alle überdaucril. Die historische Mühle in Potsdam am Schloß- garten von Sanssouci, über deren Klappern sich einst Friedrich der Große so ärgerte. Ost reißt auch der Sturm die auf wenig festem Fuße stebenden Wiildmühlen hin. So wurde im Januar 1913 eine llniveü Schildberg(Prov. Posen) stehende Windmühle von einem orkanartigen Windstoß eriaßt und samt dem Gesellen fortgeschleudert, io daß sie völlig zerbrach. Den zufällig in der Mühle arbeitenden Gesellen sand man schwer verletzt 25 Meter weit von den Trümmern. In der ll'.ngebnng von Berlin sind in den letzten 25 fahren über, huiidert Windmühlen dem Abbruch versallen. an die heute noch. verichieden? Slraßciinamen der Neictishaiiptsiadt erinnern(Mühlen- straße, Müblendamiii u. a.). Hier ist es ivie anderswo auch besonders die überwältigende Konkurrenz der Dampfmüh lo gewesen, die den Windmühlen den Untergang gebracht hat. Notizen. — Nene Dramen. Walter H a s c n c ße b e r hat ein Schau- spiel„Die Menschen" vollendet, das im Verlage von Paul Easfuer erscheinen wird. — Ein E r f i n d u n g§ i u st i t n zur Förderung' technischschöpferischer Arbeit und Unterstützimg von Erfindern und Bermrti« lnng von Erfindungen ist in G'i e ß e n in Gründung begriffen. — Franz v. V e c s e y, der ungarische Geigenkünstler, ist bei einem ÄiiSfliige mit einem Flngzenge in Budapest veiunglückl. Er wird längere Zeit nicht austreten können. 7Sj Äoöz. Das gelobte Lenö. Roman von W. St. R e y m o n t. „Kann ich schon gehen?" fragte leise flüsternd der Lakai. „Geh. geh!" erwiderte er ärgerlich und rief, als der Diener schon bei der Tür ivar:„August!" Der Lakai kam zurück und wartete. Da begann Buch- holz langsam' ihn nach seiner Frau und nach seinen Kindern auszufragen und fragte so gnädig, daß August sich iu qo hörige Entfernung von der Neichiveite seines Stockes zurück- zog und schüchtern antwortete, durch diese unerhörte Güte beunruhigt. Buchholz wollte ihn nur so lange als möglich im Zimmer zurückhalten, konnte es ihm aber nicht grad' ins Gesicht sagen, daß er bleiben solle. Das seltsame Gespräch ermüdete ihn bald, und schließlich winkte er dem Lakai, er solle' gehen. Er blieb allein, imd diese seltsamen Aengste vor der Ein- samkeit und die dunkle Furcht durchbohrten seine Seele mit immer schärferen Lanzen. Eifrig horchte er auf den Schall von der Straffe, aber die Straße schlief schon, und die leiseren Echos vermochten nicht durch die eisernen, mit Tuch beschlagenen Fensterläden durchzudringen. Er erhob sich auf die Ellenbogen und horchte lange iiiit angehaltenem Atem, krampfhast den Revolver umspannend; es schien ihni nämlich, daß sich Schritte durch die leeren Zimmer näherten, ja, er hörte es immer deutlichen Es kam aber niemand, bloff die.klagenden Töne einer tickenden Uhr drangen aus irgendeinem Zimmer bis zu ihni. Dann schien es ihm wieder, daß die schwere Samtportiere, die die Tür verdeckte, sich seltsam balischte, als ob ein Mensch hinter ihr stünde. Er kachelte über seine Täuschung und lag wieder ruhig da; das Licht hatte er gedämpft. Einschlafen konnte er aber nicht. Die Stunden verrannen so furchtbar langsam, daß sie ihni wie Ewigkeiten schienen. Beruhigen konnte er sich' immer noch nicht. Die Ans- reg, mg und all die Aengste wuchsen im Gegenteil immer mehr' und verdichteten sich langsam zu der Furcht vor dem Tode. Es schien ihm, daß er gleich, im Augenblick sterben werde, und er sah es so klar, so gepackt hatte ihn dieser surchtbare Gedanke, so betäubt. d»ß er aus dem Bette sprang, als ob er flüchten wollte, am ganzen Körper vor Angst zitterte und heftig auf den dieiisihabenden Lakai, der unten schlief, zu schellen begann. „Schnell, der Doktor soll sofort herkommen," rief er mit blassen Lippen. Als bald daraus Hammerstein erschienen war, sagte er zu ihm: „Mir fehlt WaS! Untersuch' mich mal ordentlich und rate ivas." „Ich finde nichts," erlviderte der verschlafene Arzt, als er ihn lecht sorgsältig untersucht hatte. Buchholz erklärte ihm seinen Zustand. „Wenn der Herr Rat ausgeschtafen haben werden, dann vergeht das alles." „Dummkopf!" antwortete ihm Buchholz heftig, nahm aber die große Tose Ehloral und schlief bald ein. ** * Bon der übermäßigen Arbeit ermüdet, fuhr Borolviecki in die Stadt, um ein Glas Tee. zu trinken. In der Konditorei war es schon ganz leer um diese Zeit, bloß im letziei/ Zimmer saßen unter einem Spiegel Wysocki, David'Holpern nnd Myszkowski, ein Jffgenieur der Baron Meyerschen Fabrik. Er setzte sich zu ihnen. Mit Wysocki wurde er gleich bc- kannt gemacht. Ueber einen kleinen Tisch gebeugt, schlug David Halpern mit seinen mageren Händen auf die Tischplatte und schrie: „Sie, Herr Myszkowski, Sic wissen nicht, was die Arbeit in Lodz abivirft, iveil Sie es nicht wissen ivollen, aber ich iverdc Sie überzeugen, ich werde Ihnen die Resultate zeigen!" Er zog ans seiner Brieftasche einige Ausschnitte des „Kurier", hielt sie ihm vor die Augen hin und laS: „Hören Sie zu: vom Z'2. bis. zum 28. betrug die Lodzer Ausfuhr: 1791 Pud Eisenwaren, 1161Ü Pud Garn, 22 852 Pud Baumwollwaren, 10 809 Pud Wollwaren. Sagt Ihnen das gar nichts? Das hat sich wohl selbst verarbeitet! Gleich werde ich Ihnen zeigen, ivaS in dieser Woche in Lodz ge- arbeitet wurde." „Langweilen Sic uns nicht mit Ihren Statistiken. Garyun, drei Kaffee! Sie trinken doch mit, Herr Boro- wiecki?" „Nur paar Ziffern tvcrde ich Ihnen vorlesen. Hören Sie zu, meine Herren, das ist so wertvoll wie die Bibel, vielleicht sogar bißchen mehr: Folgende Einfuhr: 11719 P»d Wolle. 12833 Pud Garn, 7303 Eisen, 46)8 Maschinen. 877! Schmierfett. 30117 Mehl, 8794 Getreide, 18085 Gerste, 36850 Holz, 120632 Rohbaumwolle, 1 032 360 Pud Steinkohle. Die Ziffern klingen schön, ein schönes Stück Papier so'ne Liste; Lodz muß schon einen guten Magen haben, um das alles zu verdauen, da muß»mu schon bißchen arbeiten, und dann sagen Sie, daß nur die Summen arbeiten." „Und das Weh. das Bich, das mit der Peitsche getrieben wird," sprach ruhig Myszkowski, den Kaffee schlürfend, i „Aj, aj, was reden Sie da! Wie heißt Peitsche? Wo ist Peitsche! Menschen müssen arbeiten.?ta, sagen Sie mal selbst, was würde so ein einfacher Bauer machen, tvenn er nicht arbeiten müßte. Verschimmeln iviirde er vor Faulenzerei, und vor Hunger verrecken." „Lassen Sic das! Begeistern Sie sich nur weiter für die Arbeitsamkeit der Stadt, preisen Sie nur weiter Ihr wunder- bares Städtchen, küssen Sic nur jedem die Hände, der Millionär werden will, und erzählen Sie tveiter, daß die Millionäre nur deshalb zu ihren Millionen' gekommen sind, weil sie am meisten gearbeitet haben." „Natürlich haben sie's daher,>uo hättest sie's sonst her- nehmen sollen!" schrie Halpern aufgebracht. „Weil sie dümmer sind als Zhre Arbeiter. Deshalb haben sie das Geld." Ich verstehe Sic überhaupt nicht mehr. Meiner Treu, Herr Myszkowski, ich verstehe gar nichts mehr von dem, was Sie reden. Bis jetzt ivußte ich inimer/ daß derjenige, der was arbeitet, auch was hat, und derjenige, der arbeitet und klug ist, noch mehr hat, und derjenige, der sehr klug ist, uild sehr arbeitet, der macht Millionen!" schrie laut Halpern. „Worum handelt sich'S denn?" fragte Borowiecki, der sich nicht klar>var, worum die beiden stritten. „Ich behaupte, daß alle Millionäre, auch diejenigen, die mit der ganzen Anspannung ihrer und fremder Muskeln und Kräfte arbeiten— Dummkopfe sind. Kretins sind. Herr David Halpern behauptet das Gegenteil. Er redet unglaub- lich dummes Zeug zu Ehren der Arbeit, stellt auf die Altäre Vieh, das auf seiner Streu von Gold fault, und will, daß ich es bewundere." „Und die Wahrheit liegt wohl in der Mitte!" warf Wysocki ein, der bis jetzt geschwiegen hatte. (Forts, jolgt.) Zentrum: Albert Hahnisch, Ackerstr. 174, om Koppenplatz. von 11— IVi und von 4'!i— 7 Uhr. 2. Wahlkreis: S. und SW.; Gustav Schmidt, Bärwaldstr. 42, an der Gneisenaustraße. Veössnet von 11— 1V4 und von 4iä— 7 Uhr. 3. Wahlkreis: St. Fritz, Prinzenstr. 31. Hof rechts pari. Geöffnet von 11— HÜ und von— 7 Uhr. 4. Wahlkreis: Osten: Robert Weugels, MarkuZstr. 36. Geöffnet von 11— lU- und von 414—7 Uhr.— Karl Melle, Petersburger Platz 4('ijnbett). Geöffnet von 11— 1!4 und von 414— 7 Uhr. 4. Wahlkreis: Südosten: Paul Böhm, Lausitzcr Platz 14/1S. Geöffnet von 11— 114 und von 4V4— 7 Uhr. 5. Wahlkreis: Leo Zucht, Jmmanelkirchstr, 12(Hof). Geöffnet von 11— l'/i und von 414— 7 Uhr. 6. Wahlkreis Moabit): Joseph, Wilhelmshavener Straße 48. Geöffnet von 11— 114 und von 414— 7 Uhr. Wcddinz: I. Hönisch, Müllerstr. 34», Ecke Utrechtes) Straße(Laden). Geöffnet von 11— 114 sind von 4,4— 7 Uhr. Roscnthaler und Oranienburger Vorstadi: A. Wolgast, Wattstr. 3. Geöffnet von 11— 114 und von 414— 7 Uhr. Gcsnndbrimnen: Fischer, Bastianstr. 6(Laden). Geöffnet von 11 bis 114 und von 414— 7 Uhr. Schönhauser Vorstadt: Karl Mars, Greifenhagener Straße 22. Ge- öfsnet von 11— 114 und von 414—7 Ubr. Adlershof: Feuerstein, Piömarckstraße 82. Alt-Glienicke, Falkenberg: S a l z n: a n n, Falkenberg, Gartenstadtstr. 13. BaumschickenWeg: Karl Köpke, Kicsholzstr. 173. Bernau, Ziontgental, Zepernick, Schönow, Schönbrück und Buch: Heinrich B r o s e. Bernau, Mühlcnstr, b(Laden). Zeitungs-Ausgabestellen nnd Jnseraten-Annahme. Geöffnet Biesdorf: W. Dannederg, Wiktoriastraße 11. Bohnsdorf: Horlemann, Genosienschastshans„Paradies". Charlottcnbnrg: Gustav Scharnberg, Sesenheimer Straße 1. Geöffnet von 11—114 und von 414— 7 Uhr. Eichwalde, Schmöckwitz, Zeuthen, Miersdorf: Oskar Mahle, König- straße 51. Fredersdors-PcterShagen: Uffenwasfcr, Pctershagen. Friedenau, Steglitz, Siideude: H. Bernsee, Steglitz, Mommsenstr. öS. Friedrichshagen, Fichtenau, Rahnsdorf, Echöneiche, Klei«- Schönebeck: Ernst Werlmann, Friedrichshagen, Köpenicker Straße 18. Grünau: Franz Klein, Friedrichstr. 13. Johannisthal: Max Gonfchur, Parkstr. 23. Karlshorst: Frau Sachse, Junker-Jörg-Str. 7 II. Kaulsdorf: Fr. H i m p e l, Bülowstraße 21. Königs-Wusterhausen, Wildau, Riederlehme, Schcnkendors: Friedrich B a u m a n n, Luckcnwalder Straße v. Köpenick: Emil W i ß I e r, Kietzer Straße 6(Laden). Geöffnet von morgens 7 Uhr bis abends 8 Ubr. Lichtenberg I, Fricdrichsfclde, Hohenschönhansen: Otto S e i k e l, Warten- bergstraße 1(Laden). Geöffnet von 11—114 und von 414—7 Uhr. Lichtenberg II. Rumnwlsburg, Stralau: N. Rosenkranz, Alt-Box- bagcn S6. Geöffnet von 11— 114 nnd von 414— 7 Uhr. Mahlsdors: Frau Strauß, Lindenstraßc 11. Mariendors, Marienscldc: August Leip, Chaufleestr. 23. Rcuenhagen: Johann Hübscher, Schmidtstraße 14. Reukölln: M. Heinrich, Neckarstr. 2(Laden). Geöffnet von 11—114 und von 414—7 Uhr. Blankenburg: Neukölln-Britz: Rohr, Siegfriedstr. 28/23. Geöffnet von 11—114 und von 414— 7 Uhr. Riederschöncweide: Wilhelm Unruh. Brückenstr. 13, II. Nowawcs: Karl Krähnberg, EiserUiahnstr. 13. Obcrschöneweide: Ida Frei dank, Bismarckstr. 2ö, I. Pankow, Niederschönhausen, Nordend, Franz.-Buchholz, R i ß m a n n, Pankow, Mühlenstr. 73. Reinickendorf-Ost, Wilhelmsruh und Schönholz: P. G u r s ch, Provinz- straße S6(Laden). Schöneberg: Wilhelm Bäumler, Meininger Straße 3(Laden)- Geöffnet von II— 114 und von 414— 7 Ubr. Spandau, Siemensstadt: E. Stahl, Spandau, Marschallstr. 13. Tegel. Borsigwalde. Wittenau. Waidmannslnst, Hermsdors, Hohen-Reuen- dors, Birkenwerdcr, Freie Scholle und Reinickendors-Wcft: Paul K i e n a st, Borsigwalde, Räuschstr. 13. Geöffnet von 11—114 und von 414— 7 Uhr. Teltow: Pfeifer, Havelstr. 2. Tempclhof: Rud. Ueckermann, Kaifer-Wilhelm-Straße 74. Treptow: Rob. Gramenz„Kiefholzstr. 412, vorn 1 Treppe. Wcißensee: Wasielewski, Berliner Allee 11. Wilmersdorf, Halensee, Schmargendorf: Paul Schubert, Wilhelms� aue 27. Zossen: T r o e m e l, Wasserstraße 4. Sämtliche Partciliteratur sowie alle wissenschaftlichen Werke werden geliestwi. 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Andererseils prallen sie mit Kolonnen gegen vorbe- reitete deutsche Stellungen und erleiden im Feuer der Maschinen- gewehre und Lauerbatterien schwere Verluste. Das wenige, was die Deutschen in der Somme Wildnis während ihres letzten Durchmarsches neu gebaut hatten, wivd planmäßig zerstört. Englischer Bericht vom 28. August morgens. Gestern nahmen unsere Trupven südlich der Somme Foucaucourt, das der Feind mir Maschinengewehren zähe geHallen Halle. Nördlich der Somme griffen wir an und nahmen den größeren Teil des Fronce-Waldcs, wobei wir eine Anzahl Gefangene einer preußischen Gardedivision machten. Südlich der Scarpe verbesserten die Truppen der ersten Armee ihre Stellungen beiderseits der Siraße Arras— Cam« b r a i und haben die Ränder von Hancourt und Votry-Notre Dame erreicht. Nördlich der Scarpe waren heflige feindliche Gegen- angriffe gestern nachmittag längs der Bahn- linie Arras— Douai angesetzt, die unsere vor- geschobenen Truppen um einige Hunderl Dards znröckdrücklen bis zu den allen deutschen Gräben auf dem Greenland-Hiigel, wo der feindliche An- griff unter unserem Feuer zusammenbrach. Die britischen Truppen führten gestern eine erfolg- reiche örtliche Unternehmung beiderseits der Straße Neufberquin— Estaires aus, schoben ihre Linien auf einer Front von etwa vier Meilen vor und machien eine Anzahl Gefangene. Englischer Heeresbericht vom 28. August abends. Südlich der Somme üben australische Truppen Druck auf den Feind aus und haben die allgemeine Linie FreSnes-Herbecourt erreicht. Der Feind leistet harinäckigen Widerstand vor den Flußübergäiigcn bei Brie und Perronne. Auf dem nördlichen Sommeufer nahmen unsere Truppen Curlu und Hardccourt nach hartem Kampf und rücken in der Richtung MaurepaS vor. Zwischen Bapaume und der Scarpe wurden unsere Angriffe heule fortgesetzt iind an allen Punlten Fortschritte erzielt CroifilleS, wo der Feind Verzweifellen Widerstand leistete, wurde allmählich von Londoner Trupven umfaßl und ist nun in unserer Hand. Englische Truppen erzwangen sich ihren Weg vor- wäris in der Richtung auf Vraucourt und füdöst- lich Fontaines-les-Croiselles. Nach schwerem, den ganzen Tag andauernden Kamps warfen kanadische Truppen den Feind aus mehreren stark verteidigten Vunklen und Wichligen Grabensysteinen und nahmen die Orte Boirh-Notne Dame und Pelves. Eine Anzahl Gefangene wurde von uns- im Laufe dieser Unternehmung gemacht. Wir schoben unsere Linie tagsüber nördlich Locon vor. Französischer Heeresbericht vom 2 8. August nachmit- tags. Im Laufe der Nacht setzten die französischen Truppen, die jetzt in Fühlung mit den feindlkchen Nachhuten stehen, ihren Vor- marsch fort. Nördlich und südlich der Avre haben wir Chaulnes, Omiecourf, Balatre, Roiglise und Vervillieres besetzt. Weiter südlich sind wir in den Wald von Crapeaumcsnil eingedrungen und haben OiveS genommen. Heute früh haben wir unser Vpr- Lücken gegen die Somme fortgesetzt. Wir haben nördlich der Avre die allgemeine Linie L i c o u r t— P o t te— M c S n i l-l e-P e t ick— Reslc erreicht. Seit gestern sind etwa 30 Ortschaften wieder. erobert worden. Wir sind im gleichen Zeitraum an gewiffen Stellen 12 Kilometer vorgerückt. Französischer Heeresbericht vom 2 8. August abends. Im Laufe des Tages setzten unsere Truppen die Verfolgung des Fein- des fort, der sich unter unserem kraftvollen Druck auf einer tyront von 30 Kilometer Hals über Kopf zurückzieht. Wir haben die Hohen des linken Sommeufers von Cizancourt bis zu der Gegend östlich Nesle erreicht. Nördlich der Oise nahmen wir �uzoh, Pont-I'-Eveque, Vauchellcs und Porquericourt. Unser Vorrücken an diesem Tage überschreitet an manchen Stellen zehn Kilometer. Seit dem Morgen wurden etwa 40 Ortschaften Wiek«» genommen. In dem vom� Feinde zurückgelassenen bedeutenden Material fanden wir 3 mit Kriegsqcrät beladene Eisenbabnzüge. Wir machten 500 Gefangene. Zwischen Oise und Aisne fanden lebhaite Kämpfe in der Gegend von Iuvigny statt, in deren Ver- lauf die Amerikaner mehrere feindliche Gegenangriffe tapfer ab- wiesen. Ein starker deutscher Versuch, die Vesle südlich von Ba- zoches und FiSmeS zu überschreiten, wurde gleichfalls von den amerikanischen Truppenkörpern angehalten. Auf der übrigen Front war der Tag ruhig. Das unerreichte Ziel ües Gegners. lTelegramm unseres Kriegsberichterstatters.) Westfront, 28. August. Seitdem Marschall Haig mit vorzugsweise kanadischen Divisionen auch die nördlich der Scarpe stehenden Ver- bände der Armee v. Below angreift, steht der ganze deutsche Arras-Bogcn von südlich Lens bis ins Sommc-Tal in s ch w e- rem G r o st k a in p f. Da gerade hier hinter den deutsche» Linien keine wichtigen strategischen Einzelziele locken, kann der Zweck der neuen ArraS-Schlacht nur die Zcrfch m ette- ™ n g uu d endliche Durchbrechung unserer Front sein. Au diesem Ziel gemessen, bedeuten auch die gestrigen Kämpfe, deren Schwerpunkt südlich der Scarpe lag, eine glatte Niederlage des Feindes. In immer geschmeidiger werdender Abwehrtaktik, nntcr hervor- ragender Beteiligung vorgezogener leichter Geschütze dämmte die deutsche Infanterie auch gestern die überlegenen Massen- fluten des Gegners ein und steigerte feine B e r l n st c stellenweise auf erschreckende Höhe. Immer noch hält sich der Schutthaufen deS ehemaligen Bapaume, obwohl es vom Norden und Süden durch den Feind idrohcnd umklammert wird. Einige Trümmcrstättcn Wiedas Bahnhofsvicrtel vonRoenxundChcrisyim Norden, Chaulnes und Rohe im Süden gaben wir preis, andere wie Flers und Montanban erkämpften wir entschlossen zurück, über- all das einzige Ziel im Auge haltend, den Feind sich v eL b l u t e n z u lassen, und die eigene freie Abwchrlinie so günstig wie möglich zn gestalten. Gestern abend lief die deutsche Lioie von Gavrclle Über Rocnx Hancourt, Hendccourt und Bapaume bis Montauban. Dauert die Rück- sichtslosigkeit der feindliche« Anstürme an, so wird sich diese Linie in den nächsten Tage» hie und da nach deutschem Be- Ver S. Großkampftag. Die Kunstbauten der Bahnen und Straßen werden gleich den Unterständen gesprengt. Tie Hauptlast der Kämpfe um diese für uns bedeutungslose Einode tragen nach wie vor die australischen Divisionen. Sie alle sind zwischen der Somme und Chaulnes, oft sogar zum zweiten oder dritten Male eingesetzt. Südlich Chaulnes mußten bereits Franzosen die Engländer ablösen. Ebensowenig Erfolg wie die britischen Truppen hatten am 28. August die mit Unterstützung der Amerikaner angreifenden Franzosen nördlich der Aisne. Ter Masseneinsatz der in Serien von Hunderten während des vergangenen Jahres fertiggestellten Panzerwagen sollte die Erfolge sichern. Es zeigt sich jetzt, daß die auf die Tanks gesetzten großen Hoffnungen sich nicht erfüllen. Die deutsche Per- teidigung wird der Sturmwagen täglich besser Herr. Infanterie, Tankabwehrgeschütze und Krastwagenflaks haben sich in der Ab- wehr und Erledigung des neuen feindlichen Kampfmittels zu- sehend- vervollkommnet. dürfnis ändern. Bis heute hat der Gegner au der ganzen Front nirgends einen entscheidenden Erfolg erzwingen können. Wie das drüben auf die Truppe nnd ihre Führung wirken wird» bleibt kaltblütig abzuwarten. Ge- fangencnaussagcu aus jüngster Zeit lassen darauf schließen, daß der strategische Mißerfolg und die schweren Verluste die an- s ä n g l i ih e Hochstimmung bei den Engländer« und Franzosen merklich untergraben habcn. Dr. Ad. K ö st e r, Kriegsberichterstatter. Gegen üie Verschleppung ües Caillaux- vrozej?es. Die„Humanits" teilt mit, Caillaux sei an Arteriesklerose er« krankt und werde voraussichtlich in den nächsten Tagen ins Ge- fundheitsgefängnis in FreSne übergeführt und zur Untersuchung feines Zustandes würden mehrere Aerzte herangezogen. Caillaux beschwerte sich über die ihm zuteil werdende Behandlung. Seine Ueberführung in die politische Abteilung könne erst dann erfolgen, wenn über die Anschuldigung und den aburteilenden Gerichtshof beschlossen sei. Der Hungertod. Eine österreichische Statistik. Die österreichischen Blätter veröffentlichen folgende dürre Statistik, die in der Tat keiner Erläuterung bedarf: Es werden jetzt die Zahlen über die Ausbreitung des Hungerödems in Böhmen vom Monat Juli bekanntgegeben; es geht daraus hervor, daß die Hungerkrantheiten in stetem Wachsen be- g r i s f e n s i n d. In den meisten Orten DvutschböhmenS habcn sich die Todes- und Erkrankungsfälle gegenüber dem Monat Mai vervielfacht. Tie Höchstzahl finden wir wieder im Bezirk Reichenbcrg; dort zählte man bereits im Mai 809 Kranke und 5 Tote. Im Juli stieg diese schreckliche Zahl auf 1500 Kranke und 30 Tote! Diesem Bezirk reiht sich Warnsdorf an, wo die Hungerkrankheit schon im Mai 659 Opfer mit 7 Toten forderte; heute zählt der amtliche Bericht 1281 Kranke mit 2V Toten auf. Ilnd wie dort, so auch in den anderen 38ezirken der Randgebiete Deutschböhmens: Haida 369 Kranke, 2 Todesfälle; Teplitz 155 Kranke(Mai 34); Hohenclbe 144 Kranke(Mai 17); Weipert 131 Kranke, 6 Tote(Mai 114 Kranke, 4 Tote); Schluckenau 127 Kranke (Mai 9); Rcichenberg-Stadt 119 Kranke; Graslitz 95 Kranle, 5 Tote(Mai 24 Kranke); Neudek-Platten 85 Kranke, 8 Tote(Mai 45 Kranke, 5 Tote); Aussig 85 Kranke, 2 Tote(Mai 47 Kranke); Gablonz 82 Kranke. 3 Tote(Mai 64 Kranke, 6 Tote); Elbogen 96 Kranke, 2 Tote(Mai nur' 10 Kranke); Trautenau 77 Kranke, 1 Todesfall(Mai 38 Kranke); Faltenau 74 Kranke, 3 Tote(Mai 24 Kranke); Tetschen 68 Kranke, 2 Tote(Mai 37 Kranke); Eger 63 Kranke, 5 Tote(Mai 5 Kranke!); Rochlitz 65 Krank«(Mai 8 Kranke); Zwickau 103 Kranke(Mai 14 Kranke); Deutsch-Gabcl 3 Kranke, 5 Tote(Mai 3 Kranke); iBenscn 49 Kranke; Saaz 50 Kranke und 6 Tot«(Ma> 1 Kranker); Böhmisch-Kamnitz 34 Kranke; Asch 20 Kranke(Mai 14 Kranke); Karlsbad 17 Kranke, 3 Todesfälle(Maj 6 Kranke; es stich dies nur di« Krankenhaus- fälle; die Gesamtzahl im Bezirk ist noch nicht bekannt); Görkau 12 Kranke; Brüx 6 Krank«(Mai 6 Kranke). TaS sind die wichtigsten deutschen Bezirke— die tschechischen Bezirke blieben auch im Julj von der Hungerwassersucht verschont, gerade so wie im Mai, gleichwie im Vorjahr. Nur der Bezirk Prag verzeichnet 7 Krankheitsfälle: 5 Fälle in Kölligsaal, 3 Fälle in Eule. 1 Fall in Karolinental. Karolinental hat außerdem noch 8 Erkrankungen und 2 Todesfälle in■ der Landesirrenanstalt in Bohnitz. Hierzu kommt noch der tschechische Bezirk Mühlhausen, welcher, sonst ödem- frei, im Juni 53 Erkrankungen aufweist, die jedoch nicht aus das Konto der dortigen Bewohnerschaft, sondern auf die schlechte und mangelhaste Ernährung in der Irrenanstalt Woporan zurückzuführen sind. Auch die Strafanstalt Karhaus hat 4 Todesfälle. Die finnisch-russischen Friedensverhandlungen sind für einige Wochen vertagt worden, damit die Unterhändler Gelegenheit er- halten, sich mit ihren Regierungen persönlich in Verbindung zu setzen. Ameriknnisch-mexikanische Freundlichkeiten. Das Gvenzposten- gefecht bei Nogales ist abgeflaut. Generalmajor Holbrook wurde mit dem Grenzschutz betraut und erhielt ausreichende Instruktionen. Wie verlautet, wird der mcxianische Militärgouverneur auf An- ordnung Carranza- kommen, um da- Bedauern der mexi- kanischen Regierung auszusprechen. Külfertreue Arbeit. Ein neues Verleumder-Fluzblatt. Nachdem die„Kaisertreuen" jüngst behauptet hatten, die Sozialdemokratie sei von Amerika bezahlt, verkünden sie jetzt in einem neuen Flugblatt, daß der„Vorwärts" von der deutschen Regierung gekauft sei. Es wird darin gesagt: Die sozialdemokratisch«.„Münchener Post" spricht vom kaiser- treuen Skandal. Unser Wirken ist kein Skandal, aber ein Skandal ist es, daß die oben genannten Zeitungen nnd ihr.Trotz unsere ehr- liche Arbeit derart begeifern, und ein noch viel größerer Skandal ist«S. daß diese Blätter.von der Regierung bezahlt werden. Daß die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" ohne die Staatsunterstützung keine drei Tage erscheinen konnte, das weiß jedermann. Daß aber der„Vorwärts" jahrlich von der Regierung eine viertel bis eine halbe Million erhält und da-„Berliner Tageblatt" gar 2!«» Millionen— nach amtlichen Quellen—, das wissen die wenigsten. Rudolf Mosse erhält für seine Zeitungen insgesamt vom Reich jährlich 3?L Millionen! Seit Beginn des Weltkriege- 15 Millionen! Tiefe blödsinnige Verleumdung ist bekanntlich schon ein- mal von einem gewissen Dr. Hopfen verbreitet worden. Tie Vereinigung Groffstädtischer Zeitungsverleger hat daraufhin festgestellt, daß es sich um die teilweise Rückvergütung der Papierpreissteigerung bandelt, die allen Zeitungen ohne Unterschied der Richtungen, den„unabhängigen" ebensogut wie den alldeutschen, nach Maßgabe ihres Papierverbrauchs zusteht. Mit seinen(übrigens willkürlich gegriffenen) Zahlen will aber der„Bund der Kaisertreuen" den Anschein erregen, als ob„Vorwärts" und„Berliner Tageblatt" von der Re- gierung irgendwelche Ertravergütungen erhielten. Es macht sich gut, daß der„Bund", der sein Publikum derart anlügt nnd anschwindelt, sich selber als den Vertreter der„germanischen Weltanschauung" bezeichnet, die„kein De- magogentum kennt". Weiter heißt es in dem Flugblatt: „Wir kämpfen für die Rechte der Krone, auch wenn sie mit Pauken und Trompeten in den Abgrund fahren will." Das Blatt trägt die geschmackvolle Ueberschrift„Heeres- bericht von der inneren Front" und die Unterschrift:„Der Bund der Kaisertreuen. Für den Vorstand: von Knobels- d o r f f, Major z. D.. Vorsitzender. Dr. jur. Friedrich K a r b o. Direktor der Deutschen Ansiedlungsbank, Rittergutsbesitzer, Landtagsabgeordneter, Berlin." �üüetttfche Schulpropaganöa. Tie Tätigkeit des Provinzial-Schulkollegium Kassel. Das bekannte bunte Plakar, das zur Annexion Belgiens auf- fordert, ist au» in vielen Schulen aufgehängt worden. Für jene der Provin, Hessen ersvlne die Berbreilung zentral durch das Provinzjal-SÄuIkollegium in Kassel. Uns geht ein solches Plakat mir vorgedruckter Adresse zu. die lautet:„An den Herrn Drrelior der Oberrealschule in.. Nur der Ortsname ist mrt Trnle ge- schrieben. Das Exemplar trägt den Amtsstempel sowie den Ver- merk:. F r e i laut Ablös. Nr. 21. Kgl. Pr. Prov. Schulkollegium." Genoße v. Vellmar legt seine Mandate nieder. Nach einer Meldung der.Münchener Post' hat Genosse v. Vollmar den Bureaus de» Reichstags und des bayerischen Landtags mitgeteilt, daß er aus Gesundheitsrücksichten seine Man- date niederlege. Man wird in der sozialdemokratischen Partei und weit über sie hinaus diesen Beschluß lebhaft bedauern, weil mir ihm die Hoffnung verschwindet. Genossen v. Vollmar bald wieder im parlamentarischen Leben auftauchen zu sehen, in dem er zur Zeit seiner Vollkraft eine so bedeutende Rolle gespielt hat. Schon seit Jahren jedoch war Genosse v. Vollmar durch seine schwere Krank- heit dem politischen Leben ferngehalten, und im Reichstag war er längst nur noch ein gern gesehener, aber seltener Gast. Wir wünschen dem verdienten, im 69. Lebensjahre stehenden Parteigenossen in seiner Zurückgezogenheit Erholung, die es ihm ermöglicht, wieder seine Kraft für die Partei einsetzen zu können. wie dies seinen eigenen Wünschen entspricht. Sein Rücktritt vom Reichstagsmandat macht eine Nachwahl in München II notwendig. Dort war Genosse v. Vollmar bei den Wahlen von 1912 niii 56 601 Stimmen gewählt worden. Außer- dem wurden Stimmen abgegeben: Liberale 23 899, Zentrum 19 241, Bauernbund 1349 und konservative 544. Der KroiS ist seit 1890 sozialdemokratisch, durch Vollmar. vertreten, für dessen markante Persönlichleit nun ein Nachfolgn�gemcht werden muß. Ter Reichskanzler ist gestern aus dem Heluptguerrtier nach Berlin zurückgekehrt. Die Wahlrechtskommission deS preußischen Herrenhauses wird nicht, wie es beabsichtigt war, am 2. September, sondern erst am 4. September zusammentreten. Am Montag werden aber bereits die beiden Fraktionen zu Vorbcratungen sich vereinigen. Bcrbilligung der Zigaretten. Der Bundesrat soll die Absicht haben, der Zigaretten industrie die Ermächtigung zu erteilen, bei der Zigarctrenherstcllung bis zu 50 Proz. Ersatz für Tabak zu ver- wenden Dadurch soll nicht nur eine Streckung der vorhandenen Vorräte aus mehrere Jahre, sondern auch eine.Herckbdrückung des Kleinverkaufspreises der billigsten Sorte auf etwa 5 Pf. für da- Stück erreicht werden. Lesste Nachrichten. Versenkung eines französischen Truppentransporters. Bern, 29. August.„Journal" meldet aus Port VeiidreS: Durch ein U-Boot wurde auf der Hohe von Port Vendres ein un- genannter französischer Truppentransportdampfe r� ver- senkt. Besatzung und Truppen seien gerettet, nur S a ch- s chK den sei angerichtet worden. Aufschub der polnischen Siaatsratstagung. Warschau,"28. August. Die Presse bringt heute eine Mitteilung, daß der Zusammentritt deS Staatsrates, welcher auf den 2. September festgesetzt war, vorläufig auf- geschoben ist, » HewerkschaflsbewElmg Fortschreitende Entwicklun-, im Deutschen Eisenbahner- verband. Der Deutsibe Eisenbahnerverband Kielt am Mittwoch eine Mit flliederversammlung aller Berliner Ortsciruppen ab. Der BezirkSlciter Kaulfuß gab den Gcschäftsberichl für das erste Halbjahr 1O13. Der Bericht zeigt, daß der Verband ununterbrochene Fortschritte gemacht hat. Die Mitgliederzahl der Berliner Ort« gruppcn hat sich ständig vermehrt. Sie ist in der Zeit vom 1. Ja- nuar bis 1. Juli um rund 20 Prozent gestiegen. Der Erfolg ist um so höber. anzuschlagen, als die Verhältnisse in Berlin der agitatorischen Tätigkeit besondere Schwierigkeilen bieten. Auch in finanzieller Hinsicht ist die Lage durchaus günstig. Die Beiträge der Mitglieder sind fast restlos eingegangen.— Was die praktischen Erfolge der Verbandstätigkeit betrifft, so verwies der Redner dar auf. daß am 1. April eine Lohnaufbesserung von 4 Pf. für die Stunde und neuerdings wieder eine Erhöhung der Teucrungs- zulage erreicht worden ist. Wertvoller als die Lohnaufbesserungen ist es, daß die Sonntagsarbeit um eine Stunde verkürzt worden ist. Dadurch wird der Beweis erbracht, daß die jetzt übermäßig lange Arbeitszeit ohne Nachteil für den Betrieb aus ein für die Arbeiter erträgliches Maß herabgesetzt werden könnte. Die Versammlung nahm den Geschäftsbericht sowie den Bericht des Delegierten zur Gewerlschaftskommission ohne Debatte ent« gegen. Kaulfuß teilte mit, daß ihn der BerbandSvorstand zum 1. Oktober als. Bezirksleiter nach Magdeburg versetzt hat und in- folge dessen das Berliner Bezirksburcau aufgelöst wird, woraus sich die Notwendigkeit ergibt, die schon früber beschlossene Znsammen« legung der Berliner Ortsgruppen zu verwirklichen.' Der Versamm« lung lag ein dahingehender Antrag der Funktionärkonferenz vor, der nach längerer Debatte mit großer Mehrheit angenommen wurde. Der Antrag besagt in der Hauptsache: Der Vorstand wird beauf« tragt, unverzüglich Schritte in die Wege zu leiten betreffs Anstellung eines Verwaltungsbeamten für Berlin, damit endlich die am 16. Januar beschlossene Zusammenlegung der Berliner Ortsgruppen erfolgen und das beschlossene Ortsstatut in Krait treten kann. Die Stelle des Verwaltungsbeamten soll ausgeschrieben werden. Falls sich unter den Bewerbern eine brauchbare Kraft aus den Reihen der organisierten Eisenbahner befindet, soll diese den Vorzug haben. Unternehmerfield für Gelbe. Die Gelben wehren sich bekanntlich stet? entrüstet gegen die Behauptung, daß sie eine Schutztruppe der Unternehmer zur Niederhaltung und Bekämpfung der Arbeiterintereffen seien und zu diesem Zwecke durch Gelder der Unternehmer ausgehalten würden. Dafür, daß das richtig ist, liegen zahlreiche Beweise vor. Neuerdings wird der Beweis wieder durch ein Schriftstück erbracht, das unser Hannoversches Parteiblatt veröffentlicht: Hannover, den... März 1918. Berein der Metallindustriellen der Provinz Hannover und angrenzende» Gebiete. Firma Hannover. Betr. Beitrag zu den Koste» der Geschäftsstelle des Bezirksverbandes der Werkvereine. Wir teilen Ihnen ergebenst mit, daß die Unterstützung der Werkvereinssache im verflossenem Jahre insgesamt 4269 Mark erfordert hat. An diesen Kosten beteiligt sich eine auswärtige Firma frei- willig mit 361,26 Mark, so daß noch 3838,86 Mark aufzubringen sind. Am 31. Dezember 1917 waren insgesamt 18 Firmen mit T�erkvereinen und S184 Mitgliedern vorhanden; es entfallen demnach auf das Werkvereinsmitglied 74, 631 Pf. Da Ihr Werkverein nach Ihrer Angabe..... Mitglieder hat, so haben Sie zu zahlen____ X 74,051 Pf.=---- Mark. Wir bitten Sie, diesen Betrag unserm Konto bei der Hon- noverschen Bank zu überweifen. Hochachtungsvoll Verein der Metallindustriellcn der Provinz Hannover und der angrenzenden Gebiete. gez.: E. Garvens. Wie aus dem Schriftstück der Unternehmer ersichtlich ist, handelt es sich nur um einen Beitrag zu den Kosten der gelben Geschäfts- stelle, daher die verhältnismäßig geringe Summe. Im allgemeinen ist bekannt, daß die Uutctne hiner auch recht ansehnliche Summen zur Verfügung stellen, wenn es gilt, sich eine Schar williger und gefügiger Arbeiter zu halten. Ordentlicher oder außerordentlicher Verbandstag? Der Verbandsvorstand des Handln ngSgehilfen-Ver« b a n d e s hat bei den Orlsgruvpen und Zahlstellen eine Umfrage vorgenommen, ob sie für die Äbhallnng eines ordentlichen oder außerordentlichen Verbandstages sind. An dieser Umfrage hatten sich bis zum 26. August 99 Ortsgruppen mit 2 6 3 4 4 Mitgliedern beteiligt. Von 166 meist kleineren Ortsgruppen und Zahlstellen war eine Antwort nicht eingegangen. Für die Abhaltung eines ordentlichen Verbandstaqes erklärten sich 16 8 5 4, eines außerordentlichen 11565 Mitglieder. Gegen die dem- nächstige Abhaltung eines Verbandstages überhaupt sprachen sich aus: Braun sch weig mit 396 Mitgliedern, Hamburg 3532, Ilmenau 28, Breslau 368, Hildesheim �19, Senflcnberg 22, zusammen 4295 Mitglieder. Hamburg ist für den Fall, daß ein Ver- bandstag dennoch zustande kommen sollte, für einen ordentlichen Verbandstag. Die„Handlungsgehilfen-Zeitung" wird nach einem Beschluß deS Verbandsvorstandes vom 1. Januar 1919 ab in einem kleineren Format(wie die„Arbeiter- Jugend" und die„Gewerkschaftliche Frauenzeitung") erscheinen._ Völlige Sonntagsruhe im Handelsgewerbe. Dieie Frage erörtert Herr Warenbausbesitzer Willi Cohn in Halberstadt in einem Artikel des„Konfektionärs". Er weist nach, daß der Gedanke und der Wunsch nach der völligen Sonntagsruhe im Handelsgewerbe«nf dem Vormarsch ist und sich allen Einreden zum Trotz durchsetzen wird. Alle sozialen Fortschritte werden darauf hinzielen müssen, die Kräite der Angefteliten zu schonen und ihre Arbeitsfreudigkeit zu crböbni. Man wird in Zukunft nickir nur Wirlschafts-Ockononiie, tonderil vor ollen Dingen Menschen-Oeko- nomie treiben müssen. Und die beste Oekoiiomie wird die sein, die den Angestellten die unbedingt nötige Zeit zur Erholung und zur Erfrischung gewährt._ Erhöhung der Bergarbeiterlöhne. Wie aus Liegnitz gemeldet wird, sind aus die Eingaben der Bergarbeiterorganisali onen hm die Zusicherungen von Lohn- ciböhiingcn eriolat. Vom 1. Sepieniber d. I. ab werden die Durch- scbniuslöhne für Hauer von 9 nui 16 M.. der Abickilag von 5,56 M. auf 6 M. erböbt. Auch die Löhne aller anderen Arbeiter und Ar- beiterinnen sollen entsprechend aufgebessert werden.- Schließlich ist den Arbeitern mitgeteilt worden, daß eine Ausbesserung der Teue- rungszulagcn für' kinderreiche Familien„in Erwägung gezogen" wird. l Parteinachrichten. Tic Hamburger Parteigcnosscnschaft und der Entwurf des Aktionsprogramms. In einer Delegiertenversammlung der drei Hamburger Wahl- kreise, die dieser Tage im großen Saale des Gewerkschaftshauses tagte, referierte Genosse Fritz P a e p l o w über den Entwurf des Aktionsprogramms der Sozialdemokratischen Partei. Der Referent bat zum Schluß seiner Ausführungen, dem Entwurf seine Zu- stimmung zu geben.— In der Diskussion wurde die Arbeit der Kommission anerkannt und zum Ausdruck gebracht, daß die Partei- instanzen sParteivorstand und Parteiausschuh) recht bald dem Ent- Wurf ihre Zustimmung geben möchten, damit das Aktionsprogramm als Richtschnur für die Tätigkeit der Partei dienen könnte.— Bei der Abstimmung wurde der Inhalt des Entwurfs einstimmig gut- geheißen._ Aus der Solinger„Hochburg". Die„Bergische Arbeilerstimme" veröffentlicht den Jahresbericht des Sozialdemokratischen Volksvereins für den Kreis Solingen =0,46% 695= 0,61% Erkrank. d.Atm- Organe.. 7361= 4,79% 7442= 5.37% 8439= 7,44% weiblichen Mtigliedern Lungenkrankheit. 618= 0,24% 742= 0,27% 990= 0,36% Erkrank, d. Atm.-' Organe.. 9502= 3,91% 12946= 4.82% 14186= 5,11% Die gemeinsame Betrachtung dieser Erkrankungen macht sich nötig, weil die Grenzen nicht genau zu ziehen sind und häufig die Diagnose aus Bronibialkalarrh lautet, trotzdem die weitne Einwick- lung Lnngenkatarrh, Tuberkulose uiw, ergibt, "Für Kur- und Berpflegungskosten an Krankenhäusern, Sana- torien, Heil- und Erbolungsstätten wurden 2 471 532,48 M, gezahlt oder pro Mitglied 6,32 M. gegen 5,35 M. im Borsahre. 3319 Mit- gliedern gegen 2653 im Jahre 19l6 wurde Auienthalisveränderung zu Kur« und Erholungszwecken mit 113 162 Unterstützungstagen be- willigt. Betriebsunfälle wurden 9673 bearbeitet; eS kamen ans je 166 männliche Kassenmitglieder 5,73 Uufälle�gegen 5,66 1916 und auf je 166 weibliche Kassenmitglieder 1,14 Unfälle gegen 6,69 1916. „Je mehr neue, mit den Betriebsgefahren nickt bekannte Arbeitskräfte i» den Betrieben Beschäftigung finden, um so mehr wird Leib und Leben der Arbeiter'chast gefährdet." Der Bericht be- mangelt unter anderem den außerordentlichen Rückgang den die Tätig- keit der technischen Aufsichtsbeamten während des Krieges erfahren hat. Sind doch die aus Velriebsb«sichliglingen entfallenden Tage von 46 567 im Jahre 1912 ans 25 363 Tage 1916 zurückgegangen. Es wird hingewiesen auf§ 875 R,V,O,, daß als Auisichtsbeamie auch Personen angestellt werden, die früher den versicherten Be- trieben als Arbeiter angehört haben. Wochcnhilfe wurde 4654 Wöchnerinnen 227 151 Tage gewährt. Kriegswochenhilfe für Rechming des Reiches in 3166 Fällen. Sterbegeld wurde für 4476 Todesfälle geleistet, es entfielen auf 106 mäniil. Kassenmitglieder 2,17 Sterbesälle gegen 1,63 1916 . 166 weibliche„ 6,73„„ 6-,58„ Die meisten Opfer erforderten wiederum die Erkrankungen der Atmungsorggne und besonders die Lungentuberkulose. 57,83 Proz. der gestorbenen Männer und 38,77 Proz. der gestorbeneli Frauen waren über 56 Jabre alt. Für ärztliche Hilfe wurden 2 138 613,81 M. oder 5,46 M. pro Mitglied verausgabt, für Arznei und Heilmittel 1 929 393,56 M. oder 4,94 M. pro Kopf gegen 4,64 M, 1916. Mittagessen für er« krankte Mitglieder wurden 39 535 Portionen ausgegeben. Von der getroffenen Einrichtung wurde demnach nur recht selten Gebrauch gemacht. Die Kasse kaufte in Buckow, Kreis LebuS. das Sanatorium Waldfrieden und hat dasselbe seit 1. Januar 1918 als Genesungs- heim für weibliche Mitglieder in Betrieb genominen. Wachstum der„Produktiun". Tie„Produktion", Hamburg, hat im Monat Juli erstmalig in ihren Verkaufsstellen einen Umsatz von mehr als drei Millionen Mark(3 676 887,45 M.) erzielt. Das Wachstum des Betriebes war auch während des Krieges ein so rasches, daß die Räumlichkeiten bei weitem nicht mehr den gesteigerten Ansprüchen genügten, in?- besondere fehlt es an ausreichendem Lagerplatz. Die„Produktion" hat deshalb vom Hamburger Staat auf der Peute ein 15 660 Quadratmeter großes, mit Bahn- und Wasseranschluß versehenes, sehr günstig gelegenes Grundstück erworden mit dem Rechte, weitere anliegende 15 666 Quadratmeter ncm) einigen Jahren hinzuzu- kaufen. Hier soll neben einer Reihe kleinerer Nebenbetriebe ein großes neues Zentrallager errichtet werden. Zur Erweiterung der Bäckerei und Mühle in der Hegestraße sind bereits früher geeignete Nachbargrundstücke erworben worden. Das Kindererholunasheim „Produktion" in Haffkrug(Ostsee) wird gegenwärtig durch Umbau der vorhandenen Räume seiner Bestimmung nähcrgesührt._ Veramworlli« für Politil: Erich Kuttnrr,?erlin: für den üdriaen Teil des Blattest Alfrrd Scholz, Neutdlln: sür Anzeigen: Theodor Glocke, Berlin«erlag: Borwärts-Berlag K. m. b. H„ Berlin, Druck, Borwarts-Buchdruckerel und VerlagZanstaU Paul Singer u, To, in Berlin. Lindenstrabe 3. Hicrt« 1 BeUllge»nd Unterhaltungsblatt.