Ur. 339. 38. Jahrg. Bezugspreis» StertelMru tLo M� mon-tl.l�o«». frei in? Hau».»orau»zahlb sondern er hat ihn aus eigenen freien Entschlüssen gewählt, um einen Um- schwung der Lage herbeizuführen. Bis zu einem gewissen�Grade ist ihm das geglückt. Aber er traf auf zwei ebenbürtige Fechter und der entscheidende Sieg glückte ihm n i cht. Vielleicht nicht ohne eigene Fehler, weil er seine Ueberlegenheit an Streit- kräften am gegebenen Ort und zur gegebenen Zeit nicht völlig ausnutzte oder gegen seine Absichten nicht völlig ausnutzen konnte. Erst als die deutschen Heere der Marncfront sich wieder ge- setzt und der ihnen gestellten Falle entzogen hatten, griff von Amiens her H a i g mit starken Kräften an, nicht im uninittel- baren Anschluß an Fochs Angriffshecre. Auch jener hatte große Anfangserfolge, aber wieder entriß der deutsche Gegenspieler ihm den entscheidenden Sieg, indem er seine Stellung rückwärts verlegte. Etwas durchaus Neues ist das nicht, auch kein Verlassen des Stellungskrieges, sowenig im Februar 1917 der Rückmarsch der Deutschen aus der Sommestellung in die Siegfriedstellung den Uebergang zum Bewegungskrieg bedeu- tcte. Im Gegenteil, nachdem der Gegner einmal die Zahlcnüberlegenheit wieder gewonnen und zu entschlossenen Angriffen ausgenutzt hat, war es offenbar das Ge- botene, daß die deutsche Führung sich diese Uebermach� erst im Angriff auf feste Stellungen ausbluten ließ. Die Verhältnisse lagen nicht so, daß sie ihrerseits unmittelbar zum Gegenangriff großen Stiles übergehen und in der Bewegungsschlacht die Ent- scheidung suchen konnte. Sie mußte vielmehr das Gelände, den Boden, die Bes/stigungen zu Hilfe nehmen, um des Feindes Uebermacht auszugleichen. Indem sie aber die Verteidigungs- linie rückwärts verlegte, glich sie die Wirkung des feindlichen Geschützes, der Minenwerfer, der Maschinengewehre zum Teil wieder aus. Stellungen fand sie in diesem Lande überall, dem seit vier Jahren der harte Stellungskrieg seinen Stempel aus- gedrückt hatte: überall Gräben, überall Drahtverhalle, Keller und Unterstände. Der Boden ist dort immer dem Verteidiger günstig, feindselig dem Angreifer. Nun aber griff Foch zu einer neuen strategischen Aushilfe. Da auch Haigs Angriff südlich der Somme schließlich stecken blieb, erweiterte er die Angriffsfront planmäßig immer mehr.' Noch donnerten die Kanonen an der Avre, der Matz, der Divette, noch folgte dort ein Stoß dein andern, da setzte er bereits einen neuen Angriff zwischen Oise und Aisne an. Und kaum hatte dieser begonnen, da stürmt des Engländers Division bereits in breiten Welley über die Ancre gegen Bapaume, und während sie hier im langsamen Raumgewinne ihr Blut verströmten, verlängerte sich der Flügel des Feinde? niehr und mehr nach Norden, bis er zuletzt über die Scarpe hinüber griff. Anstatt wie früher in Tiefenstürmen sich abzunutzen, suchte der Feind seine Uebcrlegenheit inderBreite geltend zu machen, ein Verfahren, da? stet? die größeren Erfolge in Aussicht ge- stellt hat. Auch von der Mr bis zur Scarpe blieb es dauernd sehr-unruhig, auch hier sollten die deutschen Truppen gefesselt, das Abziehen von Reserven möglichst gehindert werden. So mochte der Gegner hoffen, daß die deutsche Gummistrippe schließ- sich doch zu sehr gedehnt würde und an einer Stelle reißen würde. Freilich kann er so den Kampf nur durchführen, wenn er ein recht beträchtliches Uebergewicht an Streitkräften ' und an Angriffsmitteln zu besitzen glaubt. Jetzt ist es nun an der deutschen Leitung, mit ihren Truppen hauszuhalten und sich Verfllgungskräfte aufzu- sparen für ein Schlußringen. Es kommt wenig darauf an. ob mal die Trümmerstätte eines Dorfes verloren geht; es ist kein erheblicher Verlust, wenn unsere Streiter ein oder zwei oder auch mehr Kilometer Raumes im Laufe der Tage aufgeben. Der Ka in Pf geht vielmehr um die letzte Re- s e r v e, wer sie in den Strudel der Schlacht werfen kann, der wird das letzte Wort behalten, wird schließlich die Vorhand an sich reißen, deni Gegner sein Gesetz auferlegen und den Sieg gewinnen..__ i(desterreichische verfajlungspläne. Die österreichische Regierung teilt amtlich mit, daß sie tatsächlich eine Verfassungsrevision vorbereitet: Tatsächlicher Grundlage entbehrende Nackrichten über die Mitteilung von RegierungSeutwürfen einer Verfassungsrevision an einzelne beim Ministerpräsidenten erschienene Führer politischer Parteien haben zu allerhand Meldungen über den Inhalt dieser Entwürfe geführt. Viesen Meldungen gegenüber sei festgestellt, daß die Regierimg in der Vorbereitung einer Ver» fassungsrevision unter Wahrung aller Ein- heitSinteressen de» Staates zwar eine ihrer wichtig st en Aufgaben erblickt und eine Informierung der Oeffentlichkeit über ibre diesbezüglichen Absichten nicht zu verzögern gedenkt, gegenwärtig aber der Stand der Vorarbeiten ein Hervortreten mit den in? Auge gefaßten Plänen noch nicht zuläßt. Die„Neue Freie Presse" zieht im Namen der finanziellen Solidarität gegen eine Föderalisicrung Oesterreichs zu Felde. Zwischen dem böhmischen, südslawischen, deutschen und polni- scheu Staat würden die aufreibendsten Kämpfe um da? Ausmaß der Beteiligung an den' finanziellen Lasten entbrennen. Das ist' Nnsinn. Auch ein födcralisiertes Oesterreich kann finanzielle HoheitSrechtc haben. Deutschland, die Schweiz, die Vereinigten Staaten— alles Bundesstaaten. deren Finanzen aber trotzdem nicht wesentlich schlechter als die des jetzigen zentrali- sierten Oesterreichs sind! * Gen. Dr. Karl Renner schreibt in der„Arb.-Ztg.":„Die deutsche Ärbeiterschast kann unmöglich länger zusehen, wie durch dir Ungclösthcit der innerstaatlichen Probleme die kriegerische Be- drohung verlängert und das Land einer Katastrophe entgegen- getrieben wird. Darum sind sotvohl der Sudeten- wie der Alpen- ländertag deutlich von der deutschen Bourgeoisie und ihrer Politik abgerückt und haben einmütig die Forderung erhoben, daß die deutsche Nation, sotveit sie in Oesterreich wohnt, aus dem namen- und rechtlosen Bölkergemisch herausgehoben, über die Kronlands� grenzen hinweg geeinigt und mif der Hoheit eigener Staatlichkeit bekleidet wird. Das allein ist ein zweckmäßiges, gerechtes und demokratisches Programm, daS keinem anderen Volke Oesterreich? nahctritt oder präfudigiert. Zugleich aber haben die beiden Tagungen der Begehrlichkeit slawischer Imperialisten einen un- übcrsteigbaren Damm entgegengesetzt. So wenig als sie die, Bor- Herrschaft Teutschcp über Slavcn wünschen oder auch nur zulassen, ebensowenig werden die deutschen Arbeiter je- inals dulden, daß deutsche Gau« fremdnationalen Staaten einverleibt oder deutsche Minoritäten vergewaltigt werden. Nicht gewillt, den Imperialismus der eigenen Nation mitzumachen, lehnen sie es ab, dem Jmperia- liSmus irgendeiner fremden Bourgeoisie, möge sie sich zurzeit auch noch so demokratisch gebärden, Gefolgschaft oder Vorspann zu leisten. Wenn die slawischen BiAlrgevisien und vor allem die slawischen Proletariate auf der Grundlage der Selbstrcgierung jeder Nation und der freien Wirtschaft?- und Verkehrsgemeinschaft aller Nationen einen Ausgleich wollen, so weist ihnen die deutsche Ar- beiterschaft hierzu den Weg. Bekehrt sich der nationale Chauvi- niSirais aller Zungen zu diesem Wege nicht, so ist das Verhängnis für diesen Staat und für alle seine Völker unvermeidlich, denn dann werden diese Völker, jede? für sich oder all« miteinander, fremden Interessen dienstbar werden und ihre geschichtliche Stunde für immer versäumt haben." Der Kampf um Rußland. Towjeterfolge am Ufsuri im Kaukasus und Turkestan. Die Peterthurger Telegraphen-Agentiir veröffentlicht nach wie vor Meldungen, die die militärische Lage der Sowjet- rcgicrung als nicht ungünstig erscheinen lassen. Wie weit diese Meldungen zuverlässig sind, kann freilich erst die Zu- kunft lehren, aber es verdient Beachtung, daß die Gegner der Bolschewisten ziemlich kleinlaut geworden sind. Die letzten 1 Kriegsbulletins der Sowietregierung besagen: Moskau, 28. August.(PTA j An der nordkaukasischen Front haben unsere Truppen laut Nachrichten vom 2S. August «rohe Erfolge davongetragen. Wir hoben Tichoretzkaja, Jekaterindar und A r m a d i r besetzt. An der östlichon Front haben wir südöstlich von AlapajewSk das Dorf AnonowSkofe ge- nommen. Hier ließ der sich znrückziehcnd« Feind auf dem Kampf- felde gegen 200 Tot« und Verwundete liegen. Verlin, 30. August. Die Petersburger„Prawda" vom 28. August schreibt:„Ein glänzender Sieg der Sowjettruppen am Ussuri. Ganze Abteilungen Tschcchoslowaken, Eng- länder, Franzosen und Japaner sind geschlagen und zum Rückzug gezwungen worden. Im Aschahadgebiet ist der Gegner ebenfalls geschlagen. Wir haben die Städte Tad scheu und Merw besetzt. Die 3. Armee geht erfolgreich vor, das befestigte Gebiet der Hauptlinie Per m— Jekaterienburg ist in ustserer Hand. Bei den Shlvinskwerken geht der Gegner von Panik ergriffen zurück. Moskau, 26. August.(PTA) In Turkestan, an der Front von Aschabad, haben wir wiederum einen großen Sieg davon- . getragen. Bei Merw hat der Feind durch unsere Truppen bedeu- tende Verluste erlitten und über 2666 Mann verloren. Sehr seltsame Dinge spielen sich derweil im fernsten Osten ab. Dort ist sich die Entente mit General Horvath, einem der vielen„Retter Rußlands" gehörig in die Haare geraten. Horvaths militärisches Ende spiegelt folgende Meldung: Wladiwostok, 26. August.(Reutermeldung.) Der Rat von Be- fehkshabern sandte ein Ultimatum an die 400 russischen Freiwilligen, die zu General Horvath übergegangen waren und forderte, daß sie sich entweder wieder unter den Befehl de? Obersten To l st off begeben und die Verhältnisse auf diese Weise wiederherstellen oder sich Semenow anschließen oder sich entwaffnen lassen sollten.� Gestern abend erschienen Pa- trouillen der Alliierten nnd Tschechen in den Straßen und um- zingelten die Baracken der Freiwilligen, die die Türen schlössen. Nach vierstündigem Widerstand unterwarfen sich die Russen und wurden entwaffnet. Das Schicksal der gefangenen linken Sozialrevolutionäre. Moskau, 20. August.(PTA) Das Organ der Narodniki-Kom- munisten teilt mit, daß aus dem Kremlgefängnis die linken So- zialrevolutionäre Mstislawsky und Jsmailowitsch freigelassen wor- den sind. S p i r i d o n o w o und S a b I i n sind im Gefäng- ni? belassen worden. Petersburg, 28. August.(PTA) Di« außerordentliche Kam- Mission zum Kampfe gegen die Gegenrevolution beschloß, 20 Mann standrechtlich erschießen zu lasse», darunter eine Reihe von Offizieren des in Krasnoje Selo stehenden Regiments, welche unter dem Einfluß linker Sozialrevolutionäre sich lebhaft an dem bewaffneten Auf stände beteiligt haben. Ferner wurden drei Kommissare der außerordentlichen Kommission wegen A n- nähme von Bestechungsgeldern standrechtlich erschossen. Eine Richtigstellung Troelstras. Aus Genf läßt sich die„Morning Post" vom 20. August 1918 folgendes berichten: Troelstra erklärte vor seiner Abreise von Vevey einer Anzahl Schweizer Journalisten:„Ich habe Hendersons Rede in Northampton am 13. Juli und auch seinen Brief an die „Times" vom 27. Juli gelefim, ebenso den Artikel von Huhsmans im Pariser„Populaire" vom 28. Juli. Hendersons und HuySmanS Behauptung, daß die deutschen Sozialisten unter Scheidemann die Grundsätze der Denkschrift der Verbandssoziali st en vpm Februar annehmen, ist falsch. Scheidemann erklärte mir deul- lich, seine Partei weigere sich, die Denkschrift der Verbands- sözialisten als Verhandlungsgrundlage auf einer internationalen Sozialistenkonftzrenz anzunehmen. Schcidemann erklärte, seine Partei weise dir Denkschrift als zu einseitig zurück, würde jedoch die Stockholmer Denkschrift der neutralen Sozialisten als Verhandlungsgrundlage annehmen. Der Ausdruck „VerhandlungZ g r u u d l a g e" ist zu unterstreichen, denn Scheide- mann sägte nicht, seine Partei nehme die Denkschrift der neu- traten Sozialisten an, sondern nur, diese Denkschrift könnte als BerhandlungSgrundlage dienen. Insoweit diese neutrale Denkschrift für das SelbstbcstimmungSrecht der Elsässer ein- tritt, wird Scheidemanns Partei sie verWersen." Troelstra schloß: „Die deutsche Sozialistenpartei hat ibre Haltung nicht g e- Wechsel t." Zensur gegen Völkerverstänüiguny. Berlin, 20. August.' Laut„Avanti" hat der sozialistische Deputierte Caroti beim Ministerpräsidenten eine Ansrage eingereicht, ob ihm bekannt sei, daß die Zensur die Veröffentlichung der an die alliierten Sozialisten gerichteten Antwort der deutschen nnd öfter- reichischen Sozialdemokratie unterdrückt habe, die von einer hohen Auffassung der Humanität und internationaler Solidarität diktiert sei. Die Zermürbungssthlacht zwisthen /lrras unö No�on. (Telegramm unseres Kriegsberichter st atters.)� Westfront, 29. August. Auf einer Front von über 159 Kilometer Länge steht seit mehreren Tagen der dcntschc Westen unter schwerstem A n g r i f f? d r» ck von drei englischen, drei französischen Armeen und einigest amerikanischen Divisionen. Damit hat sich innerhalb von 20 Tagen T>kr Ueberraschungs- nngriff beiderseits der Lucc in der Tat zu j r n e r g r ö ß t e n Schiach tdesKriegcs ausgewachsen, die ein australischer KorpSkommandant am 6. August prophezeite, und von welcher Clemenceau sagte, daß sie den Krieg noch l 9 1 st in seinem Sinne beendigen würde. Ihr einziges positives Ergebnis ist bisher eine starke Schwächung beider Gegner. Aber während die Deutschen dnrch ihre Opfer das strategische Hauptziel des Gegners täglich neu zerschlagen, steht der Verband trotz nn- geheurer Energie, Einsätze lind Verluste bor dem täglich neuen Scheitern seiner Pläne. Trotzdem Marschall Foch durch immer weitergehende Besetzung der ruhigen Südfront dnrch amerikanische Truppen nach nnd nach fast daS gesamte f r a u z ö s i s ch e H e e r in die Schlacht werfen konnte, nnd trotzdem drei Monate lang aus- geruhte Engländer mit einem noch nie dagewesenen technischen nnd Menschenapparat antraten, hat der Verband in den nun schon dreiwöchigen schweren Kämpfen kaum die Hälfte von jenem Einbrnchsloch wicderbcsrtzt, das die Deutschen einst in sieben kurzen Märztagen stürmend erstritten. Während die Schlacht im Anfang bei getrenntem fran- zösischen und englischen Zangcnangriff noch eine strategische Idee besaß, ist sie durch die letzte Entwicklung wieder z n einer Z c r m ü r b n n g s s ch l a ch t geworden, die ihre Vorbilder nicht in den knrzkn, von einer einzigen Idee ge- tragcnen und durch sie lediglich bestimmten deutschen Offensiv stoßen des letzten Frühjahrs, sondern in stumpfen Material- und Danerschlachteu des Verbandes vom vorigen Iabre hat. Gerade darum aber ist augenblicklich die Schlacht vielleicht auch für Deutschland die größte und wichtig st e des ganzen Krieges. Wenn unsere Linien halten nnd nicht durchbrochen werden, ist sie gewonnen! Alle Einzelmeldungen, die von vorn einlaufen, lassen erkennen, daß das mit derselben Aktivität geschieht wie-früher, wo wir unter weitaus ungün- stigcren Bedingungen fochten. Obschon diese Schlacht als Ab- Wehrschlacht geführt werden muß, bringt sie vielleicht gerade in ihrer Sinn- und Nutzlosigkeit den Gegner eher nnd nach- drücklichcr zur Besinnung, als mancher frühere deutsche Sieg. Endlich ist zu bedenken, daß hinter den kämpfenden Truppen deutsche Führung sitzt und denkt. Wie die vorjährigen Durch. bruchsschlachtcn des Verbandes, so wird auch die Schlacht zwi- schen Ärras und Noyon blutig vcrrieseln. Mit ihr aber ist der Feldzng des Jahres 1918 wahrlich noch nicht zu Ende. Dr. Ad. K ö st e r, Kriegsberichterstatter. Englischer Bericht vom 2 0. August morgens. Unsere Truppen südlich der Somme hielten den Druck auf den Feind während der Nacht aufrecht, ßie rücken nördlich der Somme in östlicher Richtung bis in die Nähe von FontaineS-leS-EroisilleS. Die Nacht verlies an der Schlachtsront verhältnismäßig ruhig. Im Ab- schnitt rittlings der Scarpe machte der Feind gestern abend und in der Nacht östlich und südöstlich von Vis-en-Artois, östlich von Boiry und in der Nähe von Gavrelle starke Gegenangriffe. Diese Angriffe wurden mit Fetndesverlusten nach schweren Kämpfen ab- gewiesen. In der Nacht wurden unsere westlich von Opph einge- richteten vorgeschobenen Posten leicht zurückgenommen, als Folge wiederholter feindlicher Angriffe. Die Zahl der Gefangenen, die von uns seit dem Morgen des 21. August gemacht sind, übersteigt 26 000, im gleichen Zeiträume nahmen wir auch über 100 Geschütze. Bei den letzten Kämpfen südlich und nördlich der Somme nahmen Tanks tätigen Anteil bei allen möglichen Gelegenheiken und lei- steten sehr schätzenswerte und tapfere Dienste im Zusammenwirken mit der Infanterie und den anderen Waffen. Französischer Bericht vom 20. August abends. Im Laufe de? Tages setzten wir ünsern Vormarsch in der Gegend des Nord- k a n a l s fort, den wir vollständig, ausgenommen bei Catignh und Scrmaize, besetzt halten. Wir nahmen den Wald vön Onesnoy nordöstlich von Houvilly und Beaurains ein. Weiter südlich nahm die Schlacht den Charakter großer Erbitterung an. Wir nahmen Noyon in scharfem Kampfe und drangen bis zu dem Südrande von He�plincourt vor. Lestlich von Noyon faßten wir auf den Südabhängen des Saint Simeon-Berges Fuß und eroberten Landrimont und Morlancourt. Wir machten trotz des vom Feinde uns entgegengesetzten Widerstandes im Norden und bei Champ(?) mehrere Vorstöße. Guny und Pont Saint Mard sind in unseren Händen. Von der übrigen Front ist nichts zu melden. Amerikanischer Heeresbericht vom 20. August. Nördlich der Aisne drängen unsere Truppen in der Gegend von Juvigny lrotz Widerstandes des Feinde? vor. Unsere Patrouillen waren längs der Vesle und im Woevr« tätig; sie brachten Gefangene ein. Versenkungen. Berlin, 30. August. Auf dem nördlichen Seekriegsschauplatz wurden durch unsere U-Boote rund 16 500 Vrutto-Negistcr-Ionnen versenkt, darunter im Artilleriegefecht eine U-Boots-Falle in der Gestalt eines Segler?. Der Chef des Admiral- stabes der Marine._ Noch kein Ministerpräsident für Holland. Haag, 29. August. Da? Korrcspondenz-Bnreau meldet, daß die Königin dem königlichen Kommissar in Limburg, Jonkhcer Ruys de Beerebrouck, den Auftrag erteilt hat, ein Kabinelt zu bilden. Jonkheer Ruys hat sich Bedenkzeit ausbedungen. -»- Verschärfung des mexikanischen Grenz- zwischenfaUs. Vollfiändigs Alkoholvcrbot in Amerika. Washington, 28. August.(Reuter.) Eine weitere Meldung aus Nogalcs in Arizona besagt: Obwohl ein Waffenstillstand vereinbart worden war, begannen die Mexikaner gestern abend wieder über die Grenze zu feuern. Die Amerikaner begannen söfort mobil zu ni a ch c n. General Cabell teilte dem Gouverneur der Mexi- kancr mit, daß die amerikanischen Truppen die Grenze überschreiten würden, wenn das Feuer nicht aufhöre. Washington, 30. August. Der Senat hat die Bill, die sich über die vollständige Einstellung der Er- zengung und des Verkaufs alkoholischer Ge- tränke nach dein 10. Juni 1919 ausspricht, a n g e- n v IN m e n. Man glaubt, daß das Repräsentantenhaus sie ebenfalls annehmen wird. Washiugton, 20. August.(Reuter.) Nicaragua und Hon- duraS haben cineu wegen eines seit langem bestehenden Grenz- st r e i t e S drohend»« Bruch abgewender, indem sie über- einkamen, ihre Truppen von ihrer Gienze zurückzuziehen und den Streitfall den Vereinigten Staaten durch ihre Gesandten in Washington zu unterbreiten. Zentrumsweisheit über öie Sozial- üemokratie. Gine unübertroffene M.-Gladbacher Leistung. Dr. rcr. pol. Richard Borger in M.-Gladbach ist einer von dem Dutzend klerikaler Akademiker an der Zentrale des Volksvereins für das katholische Teutschland, deren Lebens- aufgäbe darin besteht, über die sozialistische Arbeiterbewegung zil sammeln, zu sichten und zu schreiben. Ter M.-Gladbachec Apparat steht— das ist nicht zuviel gesagt— einzig in der Welt da. Man stelle sich vor, daß in einem eigens für die klerikale Agitation errichteten Riesengebäudc, das von vier Straßen ein- gefaßt wird, etwa 180 Menschen— wenigstens war dies bei Kriegsausbruch der Fall— tätig sind. Tie Einrichtungen tcch- nischer, bibliothekarischer, archivalischer usw. Art entsprechen natürlich dem Ganzen. Derjenige von den M.-Gladbacher Doktoren, dem die Heber- wcichniig der Sozialdemokratie in ihrer eigentlichen parteipolitischen Betätigung obliegt, ist Herr Richard Berge r. Er hat bereits einige Bücher über unsere Partei im Kriege er- scheinen lassen und läßt sich regelmäßig in Zeitschriften der Zentrumspartci über uns vernehnien, letztens über das sozialdemokratische Aktionsprogramm. Um die Aufmerksamkeit von der Tatsache abzulenken, daß die Zen- trumspartci niemals ein Programm gehabt hat, daß ihre neuen„Richtlinien für die Parteiarbeit" sich um a l l e b r e n z- lichen Dinge(Wahlrecht, Steuern, Zölle, Frauenfrage) herumdrücken und sich über die anderen plitischen Fragen durchweg in einer Form auslassen, die zu nichts ver- Pflichtet, befassen sich die klerikalen Publizisten andauernd mit dem Aktionsprogramm unserer Partei. Ihnen, die über- Haupt kein Programm kennen, ist unser Aktionsprogramm nicht komplett genug, wobei die Herren erstens„übersehen", daß wir doch außerdem unser allgemeines und noch ein besonderes kom- munalpolitisches Programm haben, zweitens daß das Aktions- Programm ausdrücklich nur f ü r die Zeit der U e b e r- gangs Wirtschaft gedacht ist. Es scheint indes tatsächlich so, als ob die klerikalen Kritiker von dem Dasein unseres Parteiprogramms keine Kenntnis haben, und dem erwähnten Spezialisten der M.-Gladbacher Zen- trumszentrale ist offenbar von dem Erftirter Programm nur die Ueberschrift bekannt. Wie könnte er sonst in einem in der Münchener„Allgemeinen R u n d s ch a u", Wochenschrift für Politik und Kultur, erscheinenden Artikel, dessen Schluß noch aussteht, behaupten, in unserem Erfurter Pro- g r a m m stehe„keine Silbe" von Volksherrschaft. Wabl und Verantwortlichkeit der Minister usw., Entscheidung oes Reichstags über Krieg und Frieden, internationale Schieds- gerichtc, Selbstoerwallung u. a. m.! Von diesen Dingen, die jetzt im Aktionsprogramm„programmatisch in den Vorder- grund gestellt werden", sei in unserem Erfurter Programm nichts zu lesen. So steht es wirklich nnd wahrhaftig in Numnier 31 der Münchener„Allgemeinen Rundschau" in dem Bergerschen Artikel. Damit unsere Leser mit eigenen Augen I Nr. 2ZH ♦ ZS. Jahrgang Seilage öes vorwärts Sonnabend, 31. August 1 91 S Groß-berlln Lieber soll das Holz im Walde verfaulen? Infolge der Feuerungsknappheit sieht man in den Wäldern um Verlin viele, die ihre Ausflüge da-yu benutzen, ein bißchen Holz mit nach Haufe zu lbringem Kienäpfel zu sammeln, soll ja wohl mal ganz allgemein erlaubt worden sein, doch kann unsereiner nie so ganz sicher wissen, ob nicht inzwischen schon wieder das Gegenteil verfügt worden ist. Daß Holz nicht ohne weiteres gesammelt werden darf, wird vielleicht den wenigsten bekannt sein, aber es ist leider so. In Friedenszeiten mag mans für nötig halten, daß nicht jeder belie- bige von dem Raff- und Leseholz heimtragen darf, soviel er will. In der Kriegszeit dagegen sollte diese Erlaubnis ganz allgemein erteilt werden und nicht erst verlangt werden, daß der Holz- sammler sich einen Erlaubnisschein beschafft. Eine Einwohnerin von Zshlendors, die um Mitte Februar im Grunewald ohne Erlaubnis etwas Raff- und Leseholz sammelte und im Bezirk der Försterei Dachsbcrg vom Förster aufgeschrieben wurde, muß das jetzt bitter büßen. Sonderbar ist, daß sie für die damals begangene Uebertretung erst im August cineii Strafbefehl wegen Forstdiebstahls erhalten bat. Anscheinend ist die Eintragung in die Forstdiebstahlsliste erst nachträglich bewirkt worden, sonst wäre die lange Verzögerung kaum zu erklären. Die Frau soll 2,50 M. «Strafe zahlen, dazu den Wert des gesammelten Holzes mit 0,50 M.(= 50 Pf.) ersetzen, außerdem Gebühren in Höhe von noch 1,20 M. entrichten, macht zusammen 4,20 M. Für die 50 Pf. Holz- wert ist das hart, ckber sie wird aus Einspruch verzichten müssen, weil sie bei ihrer sicheren Verurteilung auch im Falle einer Er- Mäßigung des Strafbetrages durch das Mehr an Kosten nur noch . ärger geschädigt würde. War es wirklich so unbedingt nötig, die Frau zu bestrafen: Der Zweckverband, in dessen Waldgebiet sie als Holzsammlerin be- troffen wurde, sollte in seinem Machtbereich es allen Einwohnern Grotz-Berlins nach Kräften erleichtern, Holz zu sammeln. Die Holzknappheit der Kriegszeit läßt es geboten erscheinen, daß er der gesamten Bevölkerung ganz allgemein die Erlaubnis gäbe, ohne weiteres von dem Raff- und Leseholz mitzunehmen. Holzknappheit und Holzteuerung haben dem Zweckverband in den letzten Jahren aus seinen Holzverkäufen sehr bedeutende Einnahmen gebracht, so daß er das bißchen Raff- und Leseholz verschmerzen kann. Man komme uns nicht mit dem Hinweis auf den H o l z sch e i n, der für ein Billiges zu haben sei. Es müssen sich jetzt den Holzsammlern auch sehr viele Leute zugesellen, für die nach Meinung der Forst- Verwaltung die Holzscheine nicht bestimmt sind. Vielleicht nicht aus Geldmangel, aber aus Feuerungsmangel hat die Sck>ar der Holzsammlcr sich in den Wäldern um Berlin ins Ungemessene vermehrt. Ueberall sieht man an Sonntagen die Ausflügler sam- meln, um in Rucksäcken, in Handtaschen, in Pompadours ihr bißchen Holz nach Hause tragen zu können. Wahrscheinlich haben die aller- meisten keinen Holzschein, die meisten wissen wohl auch gar nichts davon, daß sie ihn haben müßten. Sie alle sind„Holzdiebe", die „Strafe verdienen"? Dabei liegt in den Wäldern soviel Holz umher, das sonst u n- gesammelt bliebe und verfaulen würde. Es mag sein, daß dies der Forstverwalhing lieber wäre, weil es dem Wald- boden dient. Wir haben aber jetzt eine Notstandszeit, in der solche Rücksichten nicht gelten können. Soll denn der Mensch das Einzige sein, das nicht geschont und mit dem nicht gespart zu werden braucht? Man fordert, daß die Bevölkerung alle Leiden erträgt und in Ge- duld„d'urchhält". Dann möge man verzichten auf kleinliche Verfolgung derjenigen, die mit den Schätzen des Waldes sich das „Durchhalten" erleichtern wollen. Wer in der Kriegszeit das Raff- und Leseholz heimträgt, das wegen Arbeilcrmangel keine Forstverwaltung aufsammeln könnte, mehrt die verfügbare B r e n n sto f f m e n g e. Er tut hiermit etwas, was sogar Aner- kennung verdiente. Und dafür soll er obenein— bestraft werden!? Tie Milchangelegenheit der ftfrnu Bürgermeister Holle batte ein Nachspiel in der letzte» Gemcindeverlretelsitzung zu �Mariendorf. Bürgermeister Holle bemerkte hierzu, daß diese Sache einen ganz unglaublichen Staub aufgewir« bell habe und von den Zeitungen durch die Berichte der Fett- stelle Groß-Berlin aufgebauscht seien. Er habe weiter nichts ver» brochen, als daß seine Frau ab und zu von dem Restaurateur Witlig, der eine Kuh und eine Ziege habe, als Selbstversorger aber zur Abgabe von Milch nicht vervflichtet sei, Milch ohne Karten er« halten. Die Kühe, welche nach Angabe der Feltstelle von feiten der Gemeinde bei Wittig untergebracht seien, gäben keine Milch; er habe auch dem Herrn Wittig keinen Ausirag gegeben, die Milch den Schweinen zu geben. Alle gegen ihn seitens der Fett'« stelle gemachten Vor Ivürfe seien von A biSZ u n- iv a h i: ES find auch bis heule noch keine Anstalten seitens der Fettslelle unternommen, um diese Milch zum Gebrauch ftir die All- gemcinheit zu fasien. Was die Ausübung der Kontrolle anbetreffe, >o wird ja höheren Oris geprüft werden, ob er mit seiner An« ficht oder die Fellstelle Groß-Berlin im Recht sei.— Nach diesen Aussübrungen glaubte der Herr Bürgermeister auf das Einverständnis der Gemeindcvcrlrctcr schließen zu dürfen und wollte zum nächsten Punkt der Tagesordnung übergehen. Dem trat aber unser Genoffe Leip entgegen, der die Sache doch nicht so harmlos ansah, wie es vom Herrn Bürgermeister dargestellt wurde. Die Meinung unserer Frauen im Orte sei die, wenn es nicht die Frau Bürgermeister ge« wesen wäre, welcher dieses Malheur passierte, der Herr Gemeinde- Vorsteher wohl nicht so prompt cinge'chritten wäre. Was nun die ganze Angelegenheit mit Willig anbetreffe, so sei gleichfalls eine ganz andere Stimmung im Ort. Bei diesem Punkt wurde unser Redner vom Gemeindevorsteher mit dem Hinweis unterbrochen, daß das nicht zur Sache gehöre.„Wenn Sie das nicht glau- ben, daß ich für jede andere Frau ebenso ein« getreten wäre so lassen Säe es eben bleiben." Gemcindevertreter Witlig/z und 2 Uhr, nach besonderer Ausgabe-Ordnung.— Ein Posten E i- weitz-Milch, die ausschließlich als Heilmittel für be- stimmte Erkrankungen der Säuglinge und also tzicht als allgemeines Stärkungsmittel Verwendung finden darf,»st durch die Apotheken für 0,75 M. je VierteUiterflasche(ohne Glas) erhältlich, aber nur gegen Vorlegung einer ärztlichen Verschreibimg, in der außer Namen, Alter und Wohnung de§ kranken Kindes die abzu- gebende Menge, sowie die Dauer der Verschreibung vermcrlr fein müssen._ Martendorf. Zu Beginn der letzten Gemeindebertretersitzung erfolgte die Einführung des wiedergewählten Gemeindeverordneten Wittig(U. S.) sowie des neugewählren Vertreters K n a u e r(S. P.).' Alsdann wurde dem Vorschlag des Bürgermeisters zugestimmt, wonach die Beschlußfähigkeit der Gemeindevertretung besteht, wenn ein Drittel der Gemeindevertretung anwesend ist. Durch Ge'etz vom 16. Mai 1918 sei dieses zulässig. Diese Abänderung gelte aber nur für die Dauer deS Krieges. Weitere Ermäßigung des �-rühkartoffelpreises im Kreise Teltow. Die Erzeugerpreise für Frühkartoffeln nähern sich jetzt all- mählich den Preisen für Spätkartoffetn. Der Landrat des Kreises Teltow hat den Aufkaufspreis für 1 Zentner Frühkartoffeln von Montag, den 2. September ab auf 0,75 M. festgesetzt. Gerichtszeitung. Ein nächtlicher Einhnlch mit dem heutzutage schon üblichen Feuergefecht zwischen den Dieben und Schutz- I e u t e n fand gestern vor der Strafkammer des Landgerichts I unter Vorsitz des Geh. JustizratS Dr. Ehricke seine Sühne. Aus der UnteriuchungShast wurde der angeblich geisteskranke Ringkäinpfer Gustav Kallmann, ein schon vielfach mit Zuchthaus vorbestrafter alter Einbrecher, vorgeführt, um sich wegen schweren Diebstahls und Widerstands gegen die Staatsgewalt zu verantworten.— In der Nacht zum 9. Dezember v. I. wurde die Konsumgenossenschaft durch die Aufmerksamkeit des Wächters Heese vom Grundbesitzerverein vor schwe« rem Schaden bewahrt. Heese vernahm das Klirren einer Fensterscheibe und beobachtete sieben Männer, die sich an dem in der Kiautschou- straße 3 gelegenen Laden des Konsumvereins zu schaffen machten. Er holte sofort den Schutzmann Franz Herrmann hinzu und beide gingen an das beute besonders gefährliche Werk, die sieben Verbrecher festzunehmen. Sie kamen hinzu, als die Diebe schon dabei waren, Kisten und Tonnen auf einen mitgebrachten Wagen zu laden. Als der Schutzmann„Stehen bleiben, keiner rührt sich!" rief, antwortete der jetzige Angeklagte:„Schießt doch, gebt Feuer T Es entstand nun ein wütendes Feuergefccht in naher Entfernung, bei welchem die Beamten wie durch ein Wunder unverletzt blieben. Dagegen war Kallmann, als er das Kommando „Gebt Feuer" gegeben halte, von dem Schutzmann durch einen Sckliß ins Bein niedergestreckt. Es gelang leider nur, diesen einen Veibrecher festzunehmen, da die sechs anderen fortwährend schießend flüchteten.— Vor Gericht bezeichnete Med.-Rat Dr. Stürmer den Angeklagten als einen geistig inindermertigeu Menschen. Das Gericht war jedoch der Ansicht, daß dies bei einem so gemein« gdähriichen Verbrecher wie der Angeklagte kein Grund sei. ihm etwa mildernde Umstände zuzubilligen. Das Urteil lautere auf drei Fahre und vier Monate Zuchthaus und die üb- lichen Nebenstrafen.._ Mus alier Welt. Schlagwetterexplosion. Aus Pilsen wird unrerm 30. August gemeldet: Gestern abend ereignete sich im Austriaschachte bei Montau wahrscheinlich infolge schlagender Wetter eine Explosion, durch die eine Anzahl Arbeiter verschüttet wurden. Soweit bisher bekannt wurde, fielen 13 Per- sonen der Explosion zum Opter. Zrauen-Leseabenüe. Schöuebera. Montag, den 2. September, abends 8 Uhr, bei Zimmermann, Eberssw. 26. Vorwag der Genossin R yneck. Lr>eriera»SItchren fixt das mittlere■JlorBdeiitfrtjIand vis Sonntag mittag. Ziemlich kühl. Zunächst zeitweise heiter, aber ver- änderlich, spit»r neue Trübung: besonders UN öslllchen Küjtßngebiel zahl« reiche Regeujälle. Todesanzeige. Nach langer Krankheit atarb um Mittwoch, [ 28. Angnst, im Alter von 59 Jahren unser braver Mitarbeiter, der Sohriftsetzer Thvodop Unserem Geschäfte gehörte er seit seiner Gründung an und an der Herstellung des„Vorwärts" war er mehr als drei Jahrzehnte tätig. Sein aufrichtiger Charakter und«eine treue Pflichterfüllung haben ihm die Liebe und die Achtung seiner Mitarbeiter wie der Geschäftsleitung erworben, die sein Andenken in Ehren halten werden. Torwttrts-Bachdrncbcrel. Am 28. August starb nach zehnmonatiger' Krankheit unser langjähriger Mitarbeiter und lieber Kollege, der Schriftsetzer Thesdor1 Rickeit im 59. Lebensjahre. In der langen Zeit seiner Tätigkeit in unserem Betriebe war der Verstorbene uns jederzeit ein tüchtiger Mitarbeiter und guter Kamerad. Ehre seinem Andenken! | Das Personal der„Vorwärts"-Buchdruckerei j Die Beerdigung findet am Montag, den 2. September, vormittags 10 Uhr. von der Hallo des Gethsemane-Kirchhofes in Nordend aus statt. Am Mütwoch früh>/.9 Uhr I wurde mein lieber Mann,> unser guter Vater, Sckwieger-! valer, Bruder u. Schwager,� der Schriftsetzer TlieoSoi' Rlekeil von seinem schweren Leiden durch einen sanften Tod erlöst. In licscr Trauer Küthchen Rickeit geb Zwirner. Walter Rickeit. z. Z. im Heeresdienst. Georg Rickeit, z. Z. i. Felde. Grich Rickeit.,.„ Lotte Rickeit. Eise Rickeit geb. Knöpkon Zinna Schulz geb. Rickeit. Familie jswtrner. Laudai i Baden. Familie.«»lipke», Gladbeck(Westfalen). Die Beerdigung findet am Montag, den 2.«cptembcr, uormittags 10 Uhr, von der Halle des Gcibscmanc.Virch- bofeS, Nleder-schönhauicu- Nordend, statt. 30Z7b Wir erfüllen hiermit die traurige Pfiichi, von dem Ableben unserer Kollegin Marlha Obst die am 28. August 1918 nach langem und schwerem Leiden an der Proletarier. krankheit verstorben ist, Kcuntni« zu geben. Wir verlieren in ihr eine gute, liebe Kollegin, deren Andenken wir stets In Ehren hallen werden. SIA Die Beerdigung findet heute Sonnabend, nachm. IPL Uhr, von der Leichen- balle des neuen Lakobi- Friedhofs. Neukölln, Her- inannstratze, aus statt. Sie Unzettellten der Öligem. Skizlu'anlitnaaisc lieuilölin. Skkmer�Hdies Qedenken zum Sterbetage S unseres inniggeliebtsn Sohnes und einzigen Kindes, des Musketiers Karl Matschke gefallen am 31. August 1017. Mußtest allzu früh Dein Leben lassen,— Keinen Trost kann spenden das Geschick! Ach. wie liegt Dein Elternhaus verlassen! Aus ihm floh mit Dir Lust, Glanz und Glück. Tränen rinnen, nun ein Jahr gegangen «ehnell dahin, da Dich die Kugel traf! Ruh', Du unser Einz'gor, aus im langen, Kampf- und kummerloson Todesschlaf! Inebe um Dein Angedenken schwebt,—, Elternliebe wacht, so lang sie lebt! In namenlosora Weh 8013h] Karl und Anna Matschitc. NledersoHSnHaussn. Bificherstraße 13. Am 28. August abendS 9'L Uhr verschieb sanft nach 1 langem, ichwerem Leiden, welche» er sich im Felde zu. gezogen bat, mein lieber, herzensguter Mann und iren. s sorgender Batet seiner Kinder Hermann Gr einer-Porth im blühende» Aster von 32 Jahren. Diese» zeigen tiesbeirübt an Antonie Ivreincr-Perth als Gattin, Wolter und Max als Kinder, sowie olle Angehörige». Rubc sonst, Du treugeliebte» Herz.- 131A Wer ihn ha! gekannt, weih. Iväs ich Hab verloren. Die Beerdigung findet Montag, den 2. September, nachmittags 3 Uhr, oo» dir Leichenhalle des Friedhosc» mn Marien dorser Weg au» staii. MgMerSMr«.WeskMer.! OrtSverwoltung Berlin. Militärbranche! Achtung! Tie nächste Branchenvcrsammlung findet bereits am Montag, den 2. September 1918, abends 5'/2 Ustr(gleich nach ArbcitSschluh), im großen Saal des„Gewerkschaftshauscö", Engelufcr 15, statt. Tagesordnung: 1 Stellungnahme zu de» eingereichten Antriigen aus Erhölinng der TeuerungSzniogen. 2. Bericht von der Schlichtungsfvmmiision. 3. Vraiichenongelegeuheiten. Zichiung! Kein Kollege und keine 5!oll«g!n dar! In dieser Brrsammlung fehlen. Im Interesse der Sache bitten wir serner, recht pünktlich zu erscheinen. 158/1__ Rio Rranohcaicltung. rJÜöbel-Oross I.m Osten: Gr. frsMuNsr SJrsße 141 Jim Morden: Inyalltlenstraße§, AcäL� m Möbel auf Kred5t m\ oder bar* ! Speise-, Wofin- u. SctilafzimmBr � I Bunte Küchen. lEinzel-MÖfoel jeder Ärl# xn billigen Preisen. �! Lieferang frei H ä u s, auch nach auswärts. 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Boll® erii!iii.*,2i'!vf"",i AUaeter vael grSsster Michwfrteckaftllcher rrw OreeebetrleH= ■MfcWe.■Sisb.H,!»>»«? VehSe Str. 14, WMiriW. IM, rritUMr. S) Trift;«, srlt» 8rr«8« II. G»exe, Otto C» rMcker rfrangelstr. TS (.». JfanU Eck. CnTrystr. C�.i!EÄEZl$55Ä@ES> Sehabcrt, Cari, KkQB.Hergatr.14S Asssr.U> LO. Kottbaser 8tr. 3. . hIUcISi auchGeleganheitakf, 4 Weiae. l-ftlre. i fO FTltal«* U.SO 3B«Uias| (nie* in»n»n at.Alsflun. I Act.-ä (Icrin.& Ijo, ö«*. aSSSYertHfssläil. 6r:-ggrl I Nr. 23H— Kl 8 Unterhaltungsblatt öZs vsrwarts SoKnabsvS, 51. hannibert, öie Schildkröte. Eine ganz unsymbolische Geschichte von Weinel FrcimUnd. Meine Freundin hat da hinten in Mazedonien irgendwo einen weitläufigen Äetlcr im Felde stehen. Dieser Aetlcr bat schon ver- schiedentlich versucht, ihr Pakete mit Dingen zukommen zu lassen, die heute bei uns rar find. Keines dieser Pakete ist noch ans Ziel gelangt. Wer begreist also nicht ihr Erstaunen, als kürzlich ein zerdrückte» Holzkistchen mit verschiedenen Gucklöchern ankam. Und was war der Inhalt des besagten Kistchens Eine vollständig kompleite griechische Landschildtröle, Testudo graeca, wie sie der Zoologe nennt. Eine komplette Schildkröte, sage ich. Sie ist durch besetztes Feindesland, durch drei verbündete Staaten und einen Teil Deutschlands gegangen und ist noch komplett. Weiht du. was das heiht? Das heiht, das; die Welt wieder ansängt, ehrlich zu werden und daß ich wieder anfangen darf, an das Gute im Menschen zu glauben! Es könnte zwar auch etwas anderes heifien. Es könnte auch beißen, daß der Iiihakt des Paket« von Bulgare» und Ungarn, Oesterreichern und Deutschen, von Militärpersonen, Bahnbeamten und zuständigen Zivilisten für so minderwertig er- achtel wurden daß—— Nein, nein, pkui! Wer wird gleich io ciwas denken! Ich glaube fest an die sittliche Läuterung als Folge des großen Erlebens!— Vorgestern nun brachte mir meine liebe Freundin die Schild- kröte.„Du bist viel zu temperamentvoll, als für dich und mich gut und nützlich ist/' sagte sie zu mir.„Da habe ich dir etwas mit- gebracht, dessen Anblick dich stets beruhigen wird." Und damit gab sie mir den Hanniber:. Haunibert!? Schöner Name, was? Wieso ich dazukomme? Lieber Freund, erstens habe ich die Krott nicht getauft, sondern meine Freundin, und wie sie zu dem Rainen kommt, bleibt ibre Sache. Und dann frage ich dich ja auch nicht, wie du dazu kommst, Müller zu heißen, wo ich dock weiß, über welch ein lächerlich ge- ringe» Quantum Mehl du vertilgst. Wenn du ein anständiger Kerl bist, kannst du meinetwegen sogar Schuiterle heißen und bist mir doch sympathisch. „An Hannibert kannst du dir in mehr als einer Beziehung ein Beispiel nehmen." sagt meine Freundin.„Er frißt in zwei Mo- naten vielleicht drei Salatbläiter und hält doch durckk, während du—"—„Eine kleine Frage!" nnterbrach ich.„Wenn es Hannibert wirtlich zu solchen Glanzleistungen im Himgerkiinstler» tum gebracht hat. so darf man vielleicht annehmen, daß er auch den BerdauüngSabschluß, sozusagen die BUtuiz seiner gastronomischen Bestrebungen, in möglichst großen Abständen und möglichst kleinen Portionen macht?"—„Wie, bitte?"—„Ach so, du verstehst nicht, Wie sage ich es meinem Kinde?--"—„Ist sicher wieder etwa« Unanständiges!"—„Ader nein doch! Es handelt sich um rein natürliche Funktionen. Ich möchte doch nicht, daß mein Zimmer da? Aussehen einer, na sagen ivir einmal einer— Hühnerleiter bekäme."—„Hühnerleiter?—"—„O Schmerz, laß nach I Holt! Ich hgb'S I Huria!"—„Was denn?"—„Wie man'ö sagt! Ist Hanpibatt— stubenrein?"—„Und dazu brauchst du eine halbe Stunde? Also ich beherberge Hannibert nun schon über drei Monate und habe noch nichts von ihm gefunden"— Also, meine Freundin geht und läßt uns allein, Hannibert und mich. Ich lege ihm ein Salatbläilcheit hin t in weniger als zebti Minuten ist es mit Stumpf und Stiel verzehrt.„Du," sage ich. „das muß für drei Wochen reichen l Sei sparsam, sonst lviist du rationiert!" Aber Hannibert kümmert sich nicht»m solche Vor» fiellnngcn! er ist sorglos und gut gelaun!. Er rührt sich nicht vom Fleck und scheint mit offenen Auge» zu schlafen. Uns ich mache mich an die Arbeit. Hannibert macht ganz erschrockene Aug"», und je schneller die Feder über das Pavicr rast, desto.crichtockencr tverden sie. Langsam setzt er sich in Bewegung. Wie ein Miniatur- tank wälzt er seinen g-panzorien Leib über alle Hindernisse, als da sind: Aschbecher, eine Streichholzschachtel, ein Radiergummi, ei» Reimlexikon, ein leeres Pgriemomiaie und eine unbezahlte Schneider- rechnung. „Die Kunst," habe ich gerade geschrieben,„ist die letzte und höchste Offenbarung des menschlichen Seins." Da a-ht's nicht weiter. .Hannibert ist mir anfs Pavicr gerückt. In der Milte macht er Halt und mißt mich mit einem laugen Bltck. in dem ganz entschieden etwa« Verächtliches liegt. Endlich macht er eine Wendung, grinst mir höhnisch zu und verschwindet in der Richtung auf da« Tintensoß. Also nun wieder frisch am die- Arbeit! Aber. Himmel! ivas ist da?? Hinter meinen letzten Satz bat Hannibert einen Punkt gesetzt. Einen Punkt, sage ich dir! Solch einen Punkt bait dn noch nie gesehen. Und so etwas nennt sich stubenrein! Fetzt kann ich mein Manuskript höchstens rioch für agrarische Zeitungen verwerten! In dem Moment tritt mein Freund k»S Zimmer. Er über« schaut mit einem Blick die Silnalion.„Du." spricht er.„da? ist die Stimme der Verinmsl!" Nun wird mir'S aber doch zu toll.„Was?" ickreie ich,„das soll die Sliinrne der Vernunft sein?! Ein Dreck ist's!"-- Meine Freundin hat recht. Sie hat überhaupt immer recht. Ich sollte nicht zu teiiipcrameulvol! sein. Muß mau denn oleich auf den Tisch schlagen, uin seine Meinung z» bekräftigen? Ich balre ja zwar auch reckt; es war wirklich ein Dreck. Das lebrr aber schon der Augenschein; es hätte cincs Appells an das Gefühl nicht bedurkt.-- Seit der Zeit krabbelt Hannibert nur mehr aus dem Fußboden herum, und wir bclde freuen uns unseres Zusammenseins. Und wirklich, nieine Fmuidm ha! recht behalten wie stets. Von Hann»- bert strömt eine Nube aus, die selbst den unrubigsicn Zappelzritzen beschwichtigt. Als ich Hannibert kennen lernte, aii» vorgestern, rauchte ich noch Zigaretten, gestern haue ich miw schon ,»r Zig alt« bekehrt, und heule hin ich bel der berfihlMe» Pieise des armen, aber zvfricdencn Mannes, von der Bismarck io schön gesprochen hatte, angelangt. Sag- mir ja niemand, Haitibert sei ein stumpsfinniges Geschöpf l i>lul:?. mein Freund, ist nickt nur die eiste Büraeäpfllcht. sondern zugleich ein Zeichen von Ueberiegenheit. Haiiiiibcr» in sogar manchmal entsckieoe» ssrtickrittlick gesinnt. Langsam»war. aber sicker wie das Sujickial, durch:, ueir er da« Zimmer von Wand zu Wand. Dann aber erfolgt ciload Merkwürdiges: Dann versucht Hannibert nämlich, an der Wand emporzukrabbtln. Das Er- gebui?' ist immer das g!c-ch-. Er ruht nicht, bis er nnii lautem Krack auf den gepanzerten Rücken fällt und alle Biere hilflos von sich streckt. Wenn ich ihn dann nicht jeweils mitleidig mit besagten allen Vieren wieder auf den sicheren Boden der Tatsack-n zurück» stellen würde, er müßte tagelang vergeben« zappeln. Das komint davon, ivenn'man windigen Idealen nachgebt... Wie, bitte? Was bnimmelst du da? Na aber., lieber Freund, das ist denn doch nur deine gänzlich unmaßgebliche Privatmeinring I Deine Phantasie scheint mir wirklick etwa? überhitzt zu sein. Ick soll von,— preußischen Staat oder gar vom heiligen Deutschen Reich'aesprockeu haben? Daß ich nicht lache!„Bauch und Rücken in drückende Panzer eingezwänat. bewege er'ich nur äußerst lang» sam und schwerfällig vorwärts?" Oho! Und ums hat denn der chronische Umkall Hanniberls bei seinen Wandbestetgungsversiichen Mit der— WgblrechtSoorlage zu tun? Fa. lieber Freund, aus>vas für wirre Gedanken würde Vau» erst deine kranke Phantasie kommen. wenn ick. statt von Hannibert. der Schildkröte, erwa von einem— Kreb? erzählen würde?— Ueberhaupt sei meine ganw Erzählung von Anfang bis Ende eine einzige Anzüglichkeit gewesen?— Nun wird's mir denn dock zu bunt! Ich erzähle nickt iveiter! Meinet- wegen könnt ihr denken, was ihr wollt; ick iedeniolls babe ganz ausschließlich mir von Hannibert, der SchildlrLte, gesprochen, und damit basta!.'__ TchMer-Cheatn:„Su vyKsfeinö�. Das Tchillertheatcr begann seine neue Spielzeit am'Donnerstag mit Ibsens„Volksfeind". Seit.einigen Iahreiz ist man dabei, die Flecken auf der Ibsen-Sanne zu registrieren. Und sicherlich entgeht der kühne Sektierer der bürgerlichen Welt so wenig wie ein cindcfer dem von ibm selbst'austvfte'üen Gesetz der veraltenden Wahrheiten. Aber im„Volksscind" ist er vorläufig noch sehr lebendig. Der Kampf des einzelnen gegen- die kompakt« Majorität wird heute wiederstärker den» friiber empfunden. Und wann hat die Volksvergiftung durch die im„Volksfeind" bloßgestellt- Presse je solchen Epidemie- charakker arrgenoimneti alö in diesem Kriege? Der Vergleich ließe sich noch weiter ausdehnen auf Siockmanu selbst. Wie viele solcher Ideologen rennet! sich heute wieder die Schädel ein. weil sie nicht das Gesetz des. Klassenkampfs verstehen können, so wenig ivie Ibsen selbst, der den zweiten Teil des Vallsjeinde» uns schuldig bleibt. Der erste endet optimistisch, aher kei» Zweifel, die Farkfetzung hätte tragisch oder dock trag'omisch sich gestalten müssen. Der optimistische Grundzug. den Ibsen hier in seinem Helden vorwalten läßt, wurde von der Aufführung stark herausgestrichen. Paeschkes Stockmann �atte sogar einen Stich ins Joviale. Ter Kämpfer, der es mit seiner ganzen Umwelt ausnimmt, kam bei allem Stockgefnchtel nicht heraus und verblaßte ins Phraseologische, wozu allerdings die Versuchung naheliegt. Der spätere'Ibsen hätte die Figur miEkritischcn Augen angeschaut und mit szenischen Lichtern umspielt. Da? Problemmotip anzudeuten, lag Herrn Pacsckke fern. Die schärfer erfaßten und satirisch gezeichneten Vertreter der lokalen Mächte bieten der Darstellung einfachere Aufgaben: Arthur Menzel vor allem gab seinen Aslakscn, den Fnteressonpolitiker, vollendeten Ausdruck fuchsiger Verschlagenheit. Auch Harry För- sterZ Bürgermeister, wie die. wetterwendischen Redakteuce der Herren Braun und' Krämer und nicbt minder der alte Dachs Nils Worse(Karl Elz er) waren gute Typen. Auf der anderen Seile stehen die schlichten, guten, gläubigen-Menschen, Frau und Tochter Stockmann lbesonderS die Petra wurde von Kläre Sclo mit warmen? Gefühl gespielt) und der wackere Kapitän Heister. 'Richard Wirt h). Die Spielleitung verstand es, die Volkc-ver- samm-nng recht lebendig zu gestalten. Ibsens Tendenzstück fand dankbare Anfnahme.— r. Um öen SchwzelsVf« nach Weröer. Wir beginnen die Wanderung in Potsdam. Vom Bahnhof oebcn wir über die Eisenöahnbrücke zur Leipziger Straße. Am WraubauSberg, wo die berülnnten Potsdamer Stangen gebraut werden, und an der Holoinicl Tornow vorüber kommen wir zum User der Havel, ani die Ebausjee Nack Caputh. Linls der Straße steigen benaldete Berge aus, die nach neueren Forschungen einem Eudinoränenpig angehöre». Wir kommen?. der kleinen Siedlung Tcmplin, die an einer rubigen Bück.» des Stromes in stiller Abgeschiedenheit liegt. Die icköne Nfervrou.enade letzt sich fort bi? zu dem kanggeftrecklen Dorf Cavulh. Wir haben den Obstgon der Mark erreicht. Nach Durch- Wanderung des Torfes, die eliva eine Stunde in Anspruch nimmt, gelangen wir an da? Ufer des Schwielowsces; Die Havel folgt in ihrem Laut von. Spandau bis hier einer Secnkette,-sie eine nordost-iüt westliche Richtung hat und als ein Zug von Rlvnenleen autzusassen ist. Vom Schwiclowice benutzt' die Havel einen andere» Rinnenzug durck den Großen und Kleinen Zerns« nach Ketzin zu. der sich von Südost nach Nordwest erstreckt. Beide Nnincniyiieme stoßen in dieser Gegend auseinander, sie wurden in verschiedenen Zeiträumen der eiszeitlichen Vereisung und Absckmcizung gebildet. In der Vorzeit stoß die Havel in der bis- hcrigen Nordost-Südwssiisichtnng weiter durch den Schwielotoiee und dessen geradlinig« Fortsetzung, die die Niederung bildet, in der die vielfach von Dünen durchzogene Kemnitzer Heide liegt. Neber Lehnin zog sie sich Hann zu dem iüdlick gelegenen Glogau-Barnther llritroinlal hin, das sie mil dem nördlichen Berliner Urstromtal verband. Am User de» SchwielowieeS sehen wir, wie auch an den mcist-n anderen Seen. z. B. dein Müggelsee, langgestreckte, wallartige Bus- Pressungen, mitunter von mehreren Dezimetern Höbe, die durch das Eis bervorgerusen wurden. Beim Zintriit von Tnnwettcr werden die Eisschollen aus daS Ufer hinanfgcjchobcn und pressen derartige Walle vor sich auf. An Flottstellc vorüber kommen wir nach Ferck, einem Liebling?» aufeinhalt der Landschaftsmaler. Kur, vor Ferch stehen mehrere alte Eickin am Wege, deren stärkste B1/, Meter Umfang in 1 Meter Höbe, über der Erde hat. Aus einem Brettersteig geht es um da? Südende des Schwielolviee« nack Neue Scheune und dann den „Fußsteig" gen Nordwest zur Straße nach Glindow. Glindow ist bekannt durch ierne zahlreichen Ziegeleien. Der Ton. der hier gewonnen wird, tührl in der Wissenschaft den Namen Glindojver To» oder Band er ton. Er ist von blaiier Farbe und meist feingcschicht-t oder gebändert. Tonige und sein» sandige Schickten wechseln miteinander ab. Seine Ablagerung ersolgl« wahrscheinlich am Ende der vorletzten Eiszeit, aus den SÄMelzwassern. die in große», ruhigen Buchten ibre feinen Be» standteile zu Boden sinken ließen. In den Sauden, die den Ton überlagern, wurden große Mengen von Schnecken gehänsen sowie vereinzelt Knocken von Mammut, Rhinozeros und Hirsch gefunden. Dieie liefern den Beweis, daß-die Ablagerung in einer wärmeren Zwi'cheneiszeit erfolgte. Die Glindowcr Tongruben mit ihren, am Rande der Hoch- stäche ans dem Abraum der Gruben ausgehäiiften gewaltigen Halden sind den Berliner AuSslüglern. unter dem Rämen„Giitzdotver Schweiz" bekannt. Durch das lang ausgedehnte Glindow gelangen Ivir nack Werder, dem»uulischen Jnfetsiädtchen, und fahren von hier nach Berlin zurück. od. NiStiHSN. — M u s i k ck r o n i k Im Friedrich-Wilhelmstädti- scken Theater findet Sonntag, nachmittags 3 Uhr, mit ver- stärktem Orchester eine Wiederholung des letzten Symphoniekonzeris statt. �Schuberts Symphonie in H-Moll und große Symphonie in C-Dur). — Der eingeschmolzene Herder. Als erstes Kriegs- opser unter dgn Denkmälern hat man das Herder-Stcmdbild von Weimar dargebracht. Der„Deutsche Wille" schreibt dazu: Eine Arbeit de? Schwantdaler-SchiilerS Schmier von 1850, war es„nichts Große«", ober wir hätten doch lieber gesehen, wenn man das Denk- mal-Einschmelzen nicht gerade mit diesem„Zivilisten"' begonnen. hätte. DaS Land der Dichter und Denker hat an Denkmälern der. Dichter und Denker keinen Uebersiuß, während wir von metallenen Offizieren Kompagnien zusammenstellen könnten, in denen zudem die einen, ganz wie die andern aussähen. Den Dutzcnddeukmälcrn den Vortritt! Ldöz. 77) Das gelobte Lanö. Roman von 83. St. R e y m o n t. „Fahren Sie zum Himmel mit Ihrer Mltte! Man ist ein vollkommenes Vieh, odet ein Mensch; llebepgänge gibt's in der Natur nicht, höchstens in den Schädeln idiotischer Ideologen." „Ich muß Sie überzeugen, Herr MyszkoivSki. daß ein Fabrikant, daß/ ein Mensch, der Millionen machen will, hundertmal mehr arbeitet als der Arbeiter, und dasz man ihn deshalb achten muß." „Verschonen Sie mich mit Dummköpfen, die sich ab- schinden, um Geld zu machen, erzählen sie mir lieber von allen göttlichen Geschöpfen, die bloß so viel arbeiten, um da- von leben zu können, nur die haben Verstand." „Wenn Sie Millionen hätten, Herr MyszkowSki, würden Sie anders reden." „Ich schätze Sie sehr, Herr Halpern,. aber ick könnte Ihnen noch was Dummes sagen, wenn Sie von Tinge« reden, von denen Sie nickt» verstehen. Ick hatte genug Geld, und habe es verpraßt, da, so!" Er blies Halpern den Ranch in die Augen. „Fragen Sie Kiirvivski, wir haben'S zusammen verpraßt. Ich kümmere mich so viel um Geld, wie um den gestrigen Regen. Sie hatten mich für einen Dummkopf, Herr halpern! Nein, Herr David, um einen Rubel mehr zu verdienen, als ich brauche, werde ich auch keine fünf Minuten früher aus- stehen, als ich grad' mag. und um Milliarden zu machen— werde ich keine Annehmlichkeit des vollen menschlichen Lebens opfern, nickt dem Atmen in freier, sonniger Lust entsagen, nicht meinen Spaziergänge» und den Gedanken Über etwas größere Dinge, als Milliarden, nicht der Liebe,— und so iuefter, und so weiter. Ich werde nicht arbeiten, nein! Weil ich leben will, leben, leben! Ich bist kein. Zugvieh noch eine Maschine, ich bin ein Mensch. Nur der Dumme verlangt nach Geld und opfert alles, um'Millionen zu machen, das Leben und die Liebe und die Wahrheit und die Philosophie und alle Schätze der Menschheit; und wenn er dann schon so satt wird, daß er Millionen aubspeion kann, was dann V" „Dann verreckt er ans seiner mit Eigentumstiteln ans- gestopften Matratze.' Das ist ein großer Trost! Grad' so, als ob er ans nackter Erde verrecken würde. Und wenn man ihn später'fragen würde,-wie er gelebt habe? Dann würde er antworten; ich habe gearbeitet. Wozu.? Millionen Hab' ich gemacht! Weshalb? Na, mn Millioneü zu habeil, daß die Mensckcn mich anstarren, daß ich Equipagen haben und Dummköpfen imponieren kann, und um mitten im im- erfüllten Leben zu verrecken, vor Erschöpfung zu verrecken, aber auf Millionen!" „Sie berühren da eine wichtige Frage, über die man viel reden könnte." „Dann redet nur weiter, ich geh' nach Haus; aber ich werde Cjie noch ein andermal, in einem günstigen Augenblick davon überzeugen, Herr Borowiecki, daß man euch allen einen furchtbaren ArbeitSbazillnS eingeimpft hat, der am ganzen Organismus dar Menschheit frißt, und ich glaube, daß die ganze Menschheit früher untergehen wird, atS eS die Geologen voraussagen, wenn man nicht noch zur Ve- sinnung kommt." Sic gingen aus dem einsamen Bürgersteig die'Straße auswärfs. Nach langem Schweigen ergriff Mywcki daS Wort und begann leidenschaftlich nachzuweisen, das Uebel läge' nicht darin, daß alle zu viel arbeiteten, sondern darin, daß nicht alle arbeiteten. MyszkowSli antwortete gar nichts, verabschiedete sich gleich und ging nach Hause. Borowiecki schallte müden Blickes aus die schlafende, stille Straße. Halpern sing diesen Blick stuf und begann: ,/3ie sehen sich die Stadt an. Sie stellen fest, daß Myszkowskl nicht recht hat; wenn man arbeiten würde, wie er es hacken will, dann ständen hier nicht diese Häuser, die Paläste, die Fabriken und diese Läden, dann stände hier nicht Lodz! Ein schönes Stück Wald gäbe eS hier statt dessen, wo die Besitzer auf Wildschweine jagen könnten." „DaS' würde uns doch nickt»-schaden. Herr Halpern." „Ihnen vielleicht nickt, aber ich brauche Lodz, ich brauche die Fabriken, die große Stadt und den großen Hlrndel! Was würde fch auf dem Laude machen? Was würde ich mit den Bauern ansangen?" schrie er. „Pächter würden sie sein," erwiderte kühl Borowiecki und suchte nach einer Droschke. „Unter denen ist ja auch so eine Konkurrenz, daß sie Hunger? sterben." „Bloß jene, die eS nicht verstehen, die Bauern und die Gutsbesitzer zu beschmuggeln." „Wie heißt? So'n Gerede? Das ist bloß ein anii- semitisches Gerede, an daS Sie selbst nicht glauben, weil Sic sehr gut wissen, daß die Plötze ein großer Gründling ans- fiißi, den Gründling ei» Barsch, den Barsch ein Hecht und den Hecht?. Den Hecht verschlingt der Mensch! Und den Menschen verschlingen andere Menschen, Bankrotte verschlingen ihn. Krankheiten, Sorgen, bis ihn endlich der Tod verschlingt. Das ist alles sehr i» der Ordnung und auch sehr schön, das macht den Betrieb aus der Welt." „DaS ist Talmud-Philosophie, Herr Halpern." „Das ist die Philosophie des SchenS, und ich sehe schon lange mit offenen Augen auf die Welt, Herr Wy'ckcki. Herr Direktor, was denkeil Sie denn von Myszkowski? fragte er und hielt Karl, der sich grad' verabschieden wollte, am Arm zurück. „Ein sehr guter Mensch, ein sehr guter!" erwiderte er ausweichend. „Ein genialer Mensch ist da?! Millionen hat er im Kopf und will sie nicht hervorholen. Wissen Sie, daß er eine neue Erfindung bei Meyer gemacht bat? Ein neue? Mittel zum Bleichen der Weißwaren. Meyer verdient dabei fünfzig Prozent, und loa? glauben Sie, daß Myszkowski davon hat? Nicht" hat er! Für diese Erfindung, die eine Million wert ist, wurden ihm"zwciiaiiscnd Rubel JahreSgohalt angeboten, er nahm eS und geht heut noch in die Fabrik- und arbeitet im Laboratorium! Ich schätze ihn sehr, aber wie einer kein Ver- mögen machon will, ivre einer darüber lachen kann, daß andere Geld machen, da? verstehe ich nicht, das ist für mich ein bißchen finster.'' Er schlug sich an die Stirn. „Gut' Nacht, meine Herren." sagte Karl. „Ich hatte ein Anliege» an Sie und werde es in paar Worten erledigen," begann Wysocki.„Obwohl ich.Sie nicht kannte, wollte ich doch so frei fein und Sie aussuchen und für jemand um etwas bitten. �(Forts folgt.) Die Nachtragsbekanntmnchimg des OkerlomniandoS in den Marlen zu den Bekanntmachungen vom 1. Februar ISIK, be« treffend Beschlagnalzme und AestandSerhebung von Web-, Wirk- und Strickware« sowie Beschlagnahme und Bestandse! Hebung von Bckteidungs- und Ausrüstuiigsstiickcn süii Heer, Marine und Feldpost treten mit ihrer Vcrkülidung am Lt. August ISIS in Jlroft. Die volkständige amtliche Bekanntmachung crsoigt an den Anschlagiälcn und in der„Norddeutschen Allgemeinen Zeitung". (goi. 1. 4. 18. II. Aug.) Bertin, den 31. August 1918. Ter Polizeipräsident. nuLj,. n Teilz. Teöchentl. 1 M. Plomben 1.50. Goldin- /Ft'ilH ii krönen 18 M. SSahnKiehcii m. Einspr. höchst linbUuvan L gn schmerzlind. Ujuarb.scliler.hts. 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Meldeaeit von 11 bis Ist, ühx und 4 st, bis 7 Uhr. �"v n-* sich von bor schier unglaublich erscheinenden Tatsache Wer- zeugen können, wollen wir die betreffende Stelle hierher, zu- gleich aber zur Illustration, die entsprechenden beiden Absätze des Erfurter Programms daneben setzen: Dr. Bergcr in der„Allgciiieincn Rundschau": „Von der Durchführung der Volksherrschast, von einer Mit- bestimmung oder gar einer Eni- scheidung der Voitdvertretung bei der Berufung und Entlassung ded Reichskanzlers, der Staatssekretäre und Minister, sowie deren Verantwortlichkeit gegenüber den Volksvertretungen, von einer Eni- scheidung des Reichstages über Krieg und frieden und Bündnis- Verträge, von der Beseitigung der Geheimdiplomatie, von der Schaffung internationaler Rechts- organimlionen sinternalionale Abrüstüngsverträge, Schieds- gerichte usw.). von der Forderung voller Selbstverwaltung in den Gemeinden, Kreisen und Pro- vinzen ist im Erfurter Pro- g r am m keine Silbe zu I e i e n. Jetzt werden diese Wünsche programmatisch in den Vordergrund gestellt." Punkte 3 und 4 des Erfurter Programms: Ausgehend von diesen Grund- sätzen fordert die sozialdemokra- tische Partei Deutschlands zu- nächst: 1........... 2. Direkte Gesetzgebung durch das Volk vermittelst des Vor- schlags- und Vcrwersungsrechts. Selbstbestimmung und S e l b st- Verwaltung des Volks in Reich, Staat, Provinz und Gc- meinde. Wahl der Behörden durch das Volk,' Vera ni- wortlichkeit und Hast- barkeit derselben. Jährliche Steuerbewilligung. 8. Erziehung zur allgemeinen Wehrhastigkeir. Volkswehr an Stelle der stehenden Heere. E n t- scheidung über Krieg und Frieden durch die Volksvertretung. Schlich- tung aller intern atio- nalen Streitigkeiten aus schiedsgerichtlichem Wege. Es läge nahe, sich über diesen vr. rer. pol. Richard Berger und das Institut, das er vertritt, weidlich lustig zu machen. Aber der peinliche Vorgang hat seine tiefernste Seite: Die M.-Gladbacher Zentrale hat seit ihrem Bestehen, abgesehen von ihren unzähligen Zeitungsartikeln, Büchern, Broschüren usw.� die ungeheure Menge von einhundert Millionen Flugblättern in ganz Teutschland verbreiten lassen, die sich entsprechend dem Charakter und Daseinszweck des Unternehmens überwiegend gegen die Sozialdemokratie richten. Der Ressortakadeniiker der antisozialdemokratischen Abteilung aber hat noch nie das Pro- gramm unserer Partei gelesen. Und doch schreibt er darüber! Jetzt wird man es im Lande draußen besser begreifen, warum unsere Parteifreunde, die init dem Zentrum im harten Kampf stehen, immer wieder erbittert und empört über die Kampfes- weise ihrer Gegner Klage führten. Die alten LanÜfturmleute. (vrundsätze des Ersatzes. Der Kriegsminister hat auf ein Schreiben des Reichs- tagsabgeordneten Dr. Müller- Mciningen folgendes ge- antwortet: Auf die nach hier weitergerichteten Fragen des Landsturm- mantreS Th. der Mumtionskolonne des 6. Rescrve-Futzartillerie- rcgiments«rwidert das Kriegsministerium ergebenst, daß der Wortlaut der Berfügung vom 13. November 1017... über die Durchführung der Ausdehnung der Bestimmungen für die Ablösung der über 45 Jahre alten Landsturmleute auf die Mannschaften b i S z u 4 2 Jahren einschließlich keinen Zweifel läßt. Da für den Austausch bestimmte Voraussetzungen festgelegt sind(Ersatz- tage, nur zum.Kampf im Schützengraben eingesetzte Truppen und- am Kampf unmittelbar mitwirkende Hilfswaffen; sonstige Formationen lediglich, wenn sie dem feindlichen Feuer stark ausgesetzt sind; besonder? berücksichtigendwerte wirtschaftliche, familiäre und gesundheitliche Verhältnisse, die stets zu Ausnahmen berechtigen), kann von einer unbedingten Notwendigkeit der Durchführung keine Rede fein. Die zweite Frage, ob überplanmäßig bei einer For- mation vorhandene ältere Mannschaften ohne weiteres vom Truppenteil oder auf Anordnung der vorgesetzten Behörde zum Eriatzbataillon in Marsch zu setzen seien, wird verneint. Nicht Versetzung in die Heimat, sondern Zurückziehen auß der vordersten Linie zu Etappenformationen hinter der Front kommt zunächst in Frage. Die dritte Frage über Ab- gäbe von überwiesenem Ersatz an andere Formationen ist in der allgemeinen Fassung nicht zu beantworten. Das Bedürfnis an'Ort und Stelle ist hierbei ausschlaggebend. Eine Versetzung zum heimatlichen Ersatztruppenteil kann auf Grund der Verfügung vom 18. November 1017 jederzeit beim Truppenteil erbeten werden. Mannschaften, die sich nach den Bestimmungen in ihren zuständigen Rechten benachteiligt fühlen, steht jederzeit der Beschwerdeweg offen. Dusüehnung üer verstcherungspflicht in üer fingestelltenversicheruny. Der Bundesrat Hai eine neue Verordnung über die Ausdehnung der VersicherungSpflicht in der Angestelltenversicherung erlasse:!. Danach bleiben Angestellte, die aus der Versicherungspflicht wegen UeberschreitenS der Gehaltsgrenze von 5000 M. ausscheiden würden, bis aiif weiteres versicherungspflichtig, solange ihr JahreS- arbeitsverdienst 7000 Mark nicht übersteigt. An- gestellte, die nach dem 1. August 1014 versichcrungSfret wurden, weil ihr JahreSarbcitSverdicnst über 5000 Mark betrug, werden mit dem Anfange des Monats, der auf die Verkündigung der Ver. ordnung folgt, wieder versicherungspflichtig, sosern der JahreS- arbeitsverdienst nicht über 7000 Mark hinausgeht. Von den Rechten der freiwilligen Versicherung für die zurückliegende Zeit kann Gebrauch gemacht werden, diese Beiträge werden unter gewissen Voraussetzungen als Pflichtbeiträge im Sinne deS§ 48 des Versicherungsgesetzes angeschen. Außerdem besteht für Angestellte die Berechtigung, sich auch dann freiwillig weiter zu versichern, wenn sich ihr Jahresarbeitsverdienst auf über 7000 Mark erhöht oder erhöht hat. Der EntmlZnöigungsprozeß im tzaufe tzohenzollern. Di? Enkninndignng mit tkiecht ausgesproche«. Zum EntmündigungSprozeß deZ Prinzen Friedrich Leopold von Preußen geht der„Nordd. Allgem. Ztg." von unterrichteter Seite eine Darstellung zu, die von Wolfs weiter verbreitet wird. Darin wird beklagt, daß in den Berichten der Presse nur die dem Prinzen günstigen Seiten deS Urteils hervorgehoben, die belastenden ver- schwiegen werden. Die»Nordd. Allgem. Ztg." gibt eine Stelle des Urteils wieder, in der gesägt wird, daß die Entmündigung wegen Verschwendung mit Recht ausgesprochen worden sei.— Die Entmündigung, sagt daß offiziöse Blatt weiter, sei erst ausgehoben, nach- dem der Kaiser aus dringende Bitte deS Prinzen und nach Ge- Währung der erforderlichen Garantien zugesagt hatte, einem Antrage auf Wiederaufhebung der Entmündigung nichi zu widersprechen. Danach hat der Prinz die Geschäftsfähigkeit sozusagen nun auf dem Gnadenwege wieder erlangt. Starker ober segensreicher Frieden? Die in Eifenach der- 1 sammelten Psarrerverbände haben ein Telegramm an Wilhelm II.| gerichtet, in dem es heißt:»Möge der starke Frieden nicht fern' sein, den wir mit Ew. Majestät erhoffen." In der Antwort wird die Ucberzeugung ausgesprochen, daß dem deutschen Volke„nach schwerem Kampf um Leben und Freiheit des Vaterlandes ein segensreicher Frieden erblühen wtrd". TaS Gesetz über die Zusammensetzung des Reichstags un? die Verhältniswahl nn großen Reichsiagswahürcisen wird vom„Reichs- anzeiget" veröffentlicht. Abermals ein linksstehender Zcntrumsgcistlicher gematzregelt! Wie aus katholischen Kreisen mitgeteilt wird, hat der Kölner Kar- dinal v. Hartmann den Diözesanpräses der katholischen Arbeiter- vereine, Dr. Otto Müller, seines Amtes entsetzt. Dem Geist- lichen, der als Herausgeber der»Westfälischen Arbeiterzeitung" zeichnet und einen sehr scharfen Kamps gegen die Gegner der Wahlreform in der Zentrumsvartei sühne, wurde eine andere Pfarrstelle angeboten, die er jedoch ausschlug. Auch den Pfarrer Michels in Krefeld, der der Nachfolger des Gemahregelten in dessen Pfarre werden sollte, lehnte ab. Veränderungen in der schwerindustriellen Presse. Die bisher zwischen der„Rheinisch-Westsälischen Zeitung" in Essen und der „Post" in Berlin bestehenden Verbindungen werden gelöst. Der bisherige Chefredakteur der„Rhein.-Westfälischen", W u l l e. siedelt als Leiter des Berliner Bureau? des rheinischen Blattes nach Berlin über. Sein Nachfolger als Leiter der Essener Redaktion wird Dr. Alb recht, bisher Chefredakteur der„Post" in Berlin. Industrie und Handel. Russisches Gold nach Teutschland. Obwohl zwischen Deutschland und Rußland schon seit ge- raumer Zeit ein formeller Friedensvertrag besteht, haben doch die normalen Wirtschaftsbeziehungen noch lange nicht be- gönnen. Das liegt einmal an der Unsicherheit für Eigentuni und Leben in Rußland und dem Warenmangel in beiden Län- dern, dann� aber auch an dem Fehlen der notwendigen recht- lichen Voraussetzungen. Diese wurden erst durch die ihrem Inhalt nach veröffentlichten Zusatzverträge zu dem Brester Frieden geschaffen. Die Zusatzverträge erkennen grundsätzlich die Nationalisier, ungsversuche der Rätercgie- r u n g a n, bedingen aber für enteignetes deutsches Eigentum „die völlige Schadloshaltung der betreffenden Deutschen" aus. Damit ist für die deutschen Reichsangehörigen e i n A u s n a h in e r e ch t gegenüber den Russen ge- schaffen, die sich bekanntlich eine Enteignung ohne Entschädi- gung gefallen lassen müssen. Dem wichtigen Zweck, Sicherheit zu schaffen, dienen auch noch andere Bestimmungen des Zu- satzvertrages, so das Privatrechtsabkommen, Bestimmungen über Anwendung des russischen Erbrechts und über Bank- dcpositen und die Schaffung' zweier internationaler Gerichte in Berlin und Moskau zur schnellen und endgültigen Schlich- tung von Streitigkeiten aus PrivatrechtSverhältnisscn, die vor dem Kriege begründet worden sind. Nach Aufrechnung entgegenstehender russischer Forderun- gen schuldet Rußland für Schadloshaltung deutscher Privat- Personen sechs Milliarden Mark, wovon eine Mil- liarde voraussichtlich von Finnland und der Ukraine über- nommen werden wird. In diesen Betrag ist die Einlösung der russischen Staats- und Kommunalschuldverschreibungen sowie der Obligationen einbegriffen, die von Rußland garantiert worden sind. Mit der Schuldanerkenntnis ist es aber nicht getan, diese Verpflichtungen müssen auch tatsächlich bezahlt werden. Deutschland will sich aber nicht mit den in Rußland selbst und im neutralen Ausland als wertlos an- gesehenen Rubelnoten überfüttern lassen. Es mußten daher auch eingehende Bestimmungen über die Zahlungsweise ge- troffen werden, über die sich aber die amtliche Jffhaltsangabe des Zusatzvertrages ausschwcigt. Die„Frankfurter Zeitung" veröffentlicht Angaben über die ZahlungSmodalitäten, die nach unserem Ermessen r i ch- t i g sind. Danach wird Rußland zahlen zum Teil mit Rubelnotcn, zum Teil mit Waren, zum Teil mit Gold ffnd der Rest wird dadurch beglichen, daß die deutschen Gläubiger russischer Schuldtitel eine verbürgte An- leibe erhalten. Bis zu einem gewissen Grade kann Teutschland Rubelnoten ausgezeichnet brauchen, weil es große Zahlungen in die Ukraine zu leisten hat, deren Erfüllung in Marknoten eine indirekte Ausfuhr von deutschen Zahlungs- Mitteln ins neutrale Ausland bedeutet und dort einen cmp- findlichen Druck aus den Markkurs hervorruft, der sehr über- flüssig ist. Daß die Zahlung mit Waren willkommen ist, braucht keiner Erläuterung. Auch die Ausgabe einer neuen Anleihe, in die die alten.Schuldverschreibungen umgetauscht werden können, ist ohne weiteres verständlich. Von größerer Bedeutung ist aber, daß ein erheblicher Teil der russischen Verpflichtungen in Gold erfüllt werden. Die russische Staatsbank hatte am Schlüsse des Jahres 1913 einen Goldbestand von. über drei Milliarden, die Deutsche Reichsbank nur von über eine Milliarde Mark. Ohne auf die Goldtheorien näher einzugehen, sei darauf hingewiesen. daß Teutschland am Goldwährungssystem— mit Recht I— festhält, wahrend die Räteregierung mit einem wesentlich verringerten Goldbestand— unter Voraussetzung der sozia- listischcn Wirtschaft— auskommen zu können glaubt. Eine ansehnliche Verstärkung des deutschen Goldvorrats wird den arg gewichenen Kurs der Reichsmark in Neutralien heben oder mindestens stützen und den Bezug von ausländi- schen Rohstoffen im Kriege und besonders nachdem Kriege erleichtern. Die Hoffnungen in neutralen Ländern, Deutschland werde auch ihre Ansprüche vertreten, haben sich nicht als be- rechtigt erwiesen. Die deutsche Regierung bat diese undank- bare Aufgabe abgelehnt. Das Schicksal der Kapi- talisten in den neutralen Ländern ist freilich nicht beneidens- wert. Sie haben zu ihrem eigenen großen Besitz an russischen Forderungen während des Krieges auch noch sehr erhebliche deutsche Forderungen an Rußland erworben und seben nun durch hie Annulliernngs- und Enteignungsdekrete der Räte- regierung ihre Hoffnung völlig enttäuscht, die russischen For? dernngen zu ibrem Nennwert einkassieren zu können. Selbst wenn sich die russische Regierung später zu Zugeständnissen biweit erklärte, um wieder im internationalen Geschäftsleben kreditwürdig zu werden, so werden sich doch die neutralen Gläubiger Rußlands mit einer wesentlich geringeren Tibi- dende aus der russischen Konkursmasse zufriedengeben müssen als die deutschen, deren Freude freilich auch erst vollkommen sein wird., wenn die Zusatzverträge tatsächlich ausgeführt sind. Die österreichisckie Währung. Die österreichische Wahrung ist sehr stark gesunken, für 100 schweizerische Franken wurden rm Frieden 06, jetzt aber 251 Kronen gezahlt. Auch gegenüber der Mark, die ja ebenfalls im Ausland unterwertet ist, bedingt die Krone ein DiSagio. Heber diese Währungsverhaltnisse sprach sehr interessant der General-' sekreiär EM. v. Schmidt in der Generalratssitzung der Oester- reichisch-Ungarischeu Bank: „Die Kurse �der auswärtigen Wechsel haben in dem mehr als zweimonatigen Zeitraum zwischen dem 24. Juni und dem 20. August d. I. fast durchweg eine meist fahr bedeutende Erhöhung erfahren. Die österreichisch-ungarischen Kronen Und die deutsche Reichsmark waren auf den neutralen Plätzen stark rückgängig. Hervorgerufen wurde die ungünstige Gestaltung des Krone n- kurses durch die nicht befriedigenden Nachrichten von der West- und Südwestfront, durch die steigende Passivität unserer Handels- bilanz und durch das beständige starke Angebot unserer Kronen- noten im Auslande, das allerdings nicht wundernehmen darf, wenn man weiß, daß allein unsere in der Ukraine stehenden Heere, die Nordwest- und die Ostarmee monatlich 150 Millionen Kronen in Verkehr setzen, welche die Ukraine wieder abzustoßen bemüht ist. Das ununterbrochene h o he K r o n e n a n g e b o t in Berlin— am 26. d. M. waren dort z. B. 20 Millionen Kronen für Zahlung Wien und Budapest und 6 Millionen Kronen Noten am Markte konnte auch durch unsere beständigen JnterventionSkäufe, die noch anfangs Juli 3 Millionen Kronen pro Tag betrugen, ein Be- trag, den wir jedoch in den letzten Wochen aus Mangel an Mark- Valuta auf 1 Million Kronen pro Tag herabsetzen mußten, nicht zum Stillstand gebracht werden, und wir waren gezwungen, im Einvernehmen mit der deutschen Reichsbank unseren Kronenkurs in Berlin langsam zu ermäßigen und dementsprechend die Devise Bcirlin hier, gleichen Schritt haltend, zu erhöhen. In den letzten Tagen waren in Holland Kronennoten, die dort bisher gegen Zahlung Wien und Budapest ein Aufgeld von 1 bis 2 Proz. bedangen, mit einem Verlust von 1 Proz. ausgeboten. Wir intervenierten durch die Firma Pierson u. Co. und hoffen, daß es gelingen wird, das frühere Wertverhältnis wiederherzu- stellen. Daß in den neutralen Staaten die Entente mit Hoch- druck daran arbeitet, den Wert unserer Kronen sowie der deutschen Mark zu drücken, ist bekannt. In letzter Zeit wurden in Holland und in der Schweiz Gerüchte in Umlauf gesetzt, daß unsere Kronennoten in England nachgeahmt und diese Fälschungen von dort ins Ausland gesandt würden. Daß England in früheren Zeiten von solchen perfiden Mitteln Gebrauch gemacht hat. ist historisch. Ob jetzt tatsächlich in England Kronennoten nachgeahmt werden, konnte von unZ bisher nicht festgestellt werden. Es ist also nicht unwahrscheinlich, daß cS sich lediglich um ein Ge- nicht handelt, welches mit der Absicht ausgesprengt wurde, innere Kronen im neutralen Ausland zu diskreditieren. Das Ende des.Dutzend". Die Reichsvegierimg beabsichtigt, in dem neuen Zolltarif die Maßeinheit des„Dutzend" durch das„Zehnt" zu ersetzen, um der Unstimmigkeit, die die Zwölferrechmnig in unserem Tekadensvstem darstellt, den Garaus au machen. Schon die gegenwärtig statt- findende Leipziger Wesse soll mit dem Werke des' Ersatzes de? Dutzend durch das Zehnt praktisch beginnen und somit bahnbrechend und vorbildlich wirken. In absehbarer Zeit wird also das Dutzend jenen Gang gehen, den vorher schon Mandel nnd Schock, Elle und Zoll, Unze und Lot gegangen sind. Tatsächlich fügt sich die Zchnerrechnung unserem ganzen System besser ein. > Künftige Takmkfrenden. Die„Frankfurter Zeitung" berichtet über den Tabakmarkt: Dem Markte in Ersatziabaken wandte sich erhöhte? Interesse zu. Es haben auck die Umsätze in einzelnen Sorten weiter zunehmen können. Nachdem nenerding« durch BundeSratSbeschluß weitere Tabakersatzstofte zugelassen worden sind, dürfte der Verkehr sowieso sich weiter verstärken. Größter Beachtung begegneten Kirsch- b l ä t t e r, während das-.Hauptangebot sich auf Buchenlaub er- streckte daS bei der Mischung mit Rauchtabak in nächster Zeit eine größere Rolle spielen dürfte. � Je nach der Beschaffenheit .tvaren die VreiSforderungen tür Buckenblätter sehr verschieden. Für geschnittene« vorfährtge» Buchenlaub in gut getrocknetem Zu- stand wurden bis zu 125 M. für 160 Kilogramm verlangt.— Ter Verein der Zigarrenfabrikanten in Mannheim schlägt jetzt vor, die Zigarrenherstcllung, wenn auch in beschränktem Umfang, so- lange ausrecht zu erhaltcn. bis die MSer Tabake Verarbeitung?'. fähig sind.__ Leßte Nachrichten. Teutsch-amcriknnisrhcr Gefangenenaustausch. Haag, 36. August.(Korrespondenzburean.t Der amerikanische Gesandte im Haag Gar r ctt ist heute nach Bern abgereist, um als erster Delegierter die Vereinigten Staaten ans der deutsch« amerikanischen Konferenz über den Austausch von Kriegsgefangenen zu vertreten. Der GesandtschastSsckrctär Alexander Kirk wird den Gesandten in der Führung der Geichättc vertreten. Feindliche Heeresberichte. Englischer Voricht vom 27. August abends. Die erfolgreichen Angrifft der 4., 8, und 1. englischen Armee fcit dem 8. August haben die feindlichen Stellungen auf dem alten Somme- Schlachtfeld unhaltbar gemacht. An der ganzen Front von Bapaume südwärts wurde der Feind gezwungen, da? von ihm mit so bedeutenden Kosten im Marz und April dieses JahreS ge- wöstnene Gelände mit großen Verlusten an Gefangenen, Geschützen und Kricgsgerät sowie an Toten und Verwundeten aufzugeben. Wir haben das Westufcr der Somme gegenüber von Brie und Peronne erreicht und diese Orte genommen. Nördlich von letz- tcrem Orte geben wir an der allgeineinen Linie Combles—Morval-— Beaulellconrt— Frenlconrt vor. Ein schärfte Kampf fand im Lause des Tages an dieser Front statt und viele Verluste wurden den deutschen Jnfantrrieinippenkörpern zugefügt, die unseren Fortschritt aufzuhalten suchten. Heute morgen nahmen neusee- ländliche Truppen Besitz von Bapaume, indem sie ftindliche Nachhuten heraustrieben Im Abschnitt nördlich von Bapaume �be- müht sich der Feind noch immer, seine Stellungen zu halten. Unsere Truppen machten nach hartem Kampf« in der Gegend von Frau- court— Ecoust-St. Msnin und Hendeeourt— Leseagnicourt �Fortschritte und brachten zahlreiche Gefangene ein. Nördlich der scarpe setzte eine erfolgreich. durchgeführte Unternehmung unsere Truppen heute in stand, in den Stellungen auf dem Grcenlond-Hügel fest wieder Fuß zu fassen, von wo sie durch die feindlichen Gegenangriffe am 27. August zurückgeworfen worden waren. Wir gewannen weiterhin Boden während des Tages beiderseits dcL Lawe-BacheS, nördlich Bethune sowie östlich des Nieppe-Waldcs. Franzilsischcr Bericht vom 80. August nachmittags. An der Somme und in der Gegend des Nordkanals kein Wechsel im Verlauf der Nacht. Zwischen der A i l e t t e und der Ais n e schlugen die Franzosen mehrere deutsche Gegenangriffe östlich von Pasly zurück und hielten ihren Gewinn aufrecht. An der VeSl? und in der Champagne erzielten deutsche Handstreiche kein Ergebnis. Auf der übrigen Front war die Nacht ruhig. Massentzerurteilung amerikanischer Arbeiter. Amsterdam, 30 August. Aus Chicago wird gemeldet: Ter sördeoalistische Gerichtshof weigerte sich, in neue Verhandlung des Prozesses gegen ungefähr 100 Führer der Jndustrial Workers of the World zu treten, die vor kurzem wegen Verschwörung gegen die Kriegspropaganda der Vereinigten Staaten verurteilt worden waren. »ewerffchajkbewWW tzilfsarbeits? unö Teuerungszulagen. Von einem Hilfsarbsitcr wird uns folgendes geschrieben: Täglich liest ninn in den letzten Wochen Uon angemessenen Teuerungszulagen sür höhere, mittlere und niedere Beamte, von solchen für öilfsarbeitcr habe ich noch nichts gelesen. Was sind'Hilfs- arbeiter? Das sind vorübergehende Hilsslräste, wie man sie recht deuictjtlich nennt, sswar müssen sie bei den Behörden die Arbeit niachen, die die fehlenden Beamten zu tun hatten, und sie müssen sie„voll und ganz" machen, ich habe sogar sagen hören, ebenso gut wie die Beamten, die sie zu vertreten haben. So vorübergehend sind sie auch meist gar nicht, es gibt sehr viele, die seit Beginn des Krieges, also seit vier Jahren, ihren Posten versehen, der größte Teil aber seit zwei und drei Jahren: vorübergehend allerdings in- sofern, als man� sie sofort vor die Türe setzen wird, sobald man sie entbehren zu können glaubt:„Freie Bahn dem Tüchtigen!" Diese vorübergehenden Hilfskräfte müssen oft die Arbeit höherer Beamten machen, es find oft akademisch gebildete und recht gründlich aka- demisch gebildete Leute, die der Krieg um ihr Brot gebracht hat, tut nichts, es sind„vorübergehende Hilfskräfte", die man täglich ent- lassen kann und die man mit einem Hungerlohn. um nicht zu sagen, Verhungerlohn, abspeist. Aber wer mit so wenig Löhn vorlieb nimmt, der braucht doch keine Teuerungszulagen, diese gibt's nur für amtlich abgestempelte, richtiggehende Beamte, nicht sür Leute, denen man täglich den Laufpast geben kann. Die können sich ja noch eine Nebenarbeit verschaffen, wenn sie nicht verhungern wollen. Für sie existiert die Teuerung olsenbar nicht, oder sie verstehen das Hungern besser als andere. Und dabei müssen sie gerade mit dem, was sie durch ihre Arbeit ersparen, die Millionen verdienen, mit denen man den anderen die Teuerungszulagen zahlt. BaS klingt paradox, ist aber so. Noch nie haben die Behörden so billig ge- arbeitet, wie jetzt in der Kriegszeit. Wenn die Unsumme von Arbeit, die jetzt zu leisten ist, von vollbezahllen Beamten geleistet werden sollte, so würde das doppelt und dreifach so viel kosten wie mittels der vorübergehenden Hilsskräftsarbeit. Diese müssen mit ihrer Ar- beit nicht bloss den Gehaltstcil einbringen, der den einberufenen Beamten gezahlt wird, sie müssen auch die. Mehrarbeit, die der Krieg mit sich bringt, so billig liefern, dass die Behörden nicht oder doch kaum teurer wegkommen als in FriedenSzeit cn. Zum Tank dafür gönnt man ihnen, nicht einmal die geringen Teuerungszulagen, die man den Beamten gibt. Das nennt man denn Opfersinn, soziales Empfinden, Gerechtigkeit, vor allem aber„Fürsorge" für die Min- derbemittslten. Das schöne Wort„Gebt", das uns täglich in den Ohren klingt, möchte man den Leuten, die es rufen, zurückgeben. Gebt erst mal selber, bevor ihr verlangt! Doch genug da- von: nur ein Beispiel. Anfang der siebziger Jahre sind Sätze für Vertretung von Oberlehrern aufgestellt worden, 2,30 M. für die Stunde. Dem heutigen Geldwerte nach würde das etwa 6 M. be- deuten. Aber nach wie vor zahlt man akademisch gebildeten Leuten, die diese wissenschaftliche und pädagogische Schwerarbeit leisten müssen, 2,80 M. pro Stunde. Daneben zahlt man ihm noch eine Teuerungszulage, zwar nicht so viel wie den Festangestellten, aber doch die Hälfte oder ein Drittel, denn bei ihm ist ja die volle Tone- rungszulage nicht„an g eb r a ch t". Doch ich will nicht lügen. Vor einigen Wochen hat man sich dazu'aufgerafft, die Riesensnmme von 2,30 M. auf 3 Mark zu erhöhen. Woher diese plötzliche Grossmut? Ich kann mich de? leisen Verdachtes nicht erwehren, dass man diesen armen Leuten damit die bevorstehende Teuerungszulage abkaufen will. Sollte es einem Stadtverordneten einfallen, ganz zage und schämig an die Hilfsarbeiter zu erinnern, wird mmr ihn: mit dem vollen Brustton sozialen Empfindens entgegenhalten:„Aber was wollt Ihr denn, die sind sa eben erst aufgebessert, die brauchen' das nicht, die sind saturiert!" Man darf doch nicht geradezu sagen:„Laßt sie betteln gehen, wenn sie hungrig sind." lDie Lohuverhältnissc in der WelbmctaNindnstrie. Die Tarifverträge, welche in der Gelbmctall'ndustrie Berlins bestanden, sind schon vor längerer Zeit dxirch von Metallarbeiter- verband gekündigt worden, um den Arbeitern Bewegungsfreiheit sür eine zeitgemäße Aufbesserung der Löhne zu verschaffen. Ten Drückern ist es denn auch gelungen, während der Zeit der steigenden Lebens- mittelpreise ihre Löhne nach und nach zu erhöhen, so daß sie jetzt— wie am Donnerstag in einer Versammlung der in der Gclbmetall- industrie Beschäftigten berichtet wurde— einen Stundenlohn von 2,50 M. haben, der in allen Betrieben gezahlt wird. Dagegen konnten. die Gürtler zunächst nicht an eine Lohnbewegung denken, weil ihr Bcrufszweig— hauptsächlich kommt die Herstellung. von Beleuch- tungsgegenßänden in Frage— fast vollständig beschäftigungslos war. Mit der Zeit haben sich aber die Betriebe dieses Berufs auch auf die Kriegsindustrie eingestellt, die Gürtler haben sich neuen Arbeitsmethoden angepaßt und konnten erst in letzter Zeit energisch für die Aufbesserung ihrer Löhne eintreten. Sie stellten in den einzelnen Betrieben die Forderung: 2 M. Stundenlohn, 23 Proz. Lohnzulage, Festsetzung der Akkordpreise derart, daß in Akkord 23 Proz. mehr verdient wird als in Lohn. Die meisten Betriebe haben diese Forderung bewilligt. Einige Betriebsinhaber aber wandten sich an ihre Organisation,'die Vereinigung der Beleuch- tungsköcpersäbrikgnten, und diese bot dem Mctallarbeiierverband Verhandlungen über eine der allgemeinen Lage entsprechende Fest- setzung der Löhne an. Tie Verhandlungen haben kürzlich stattge- funden und das Ergebnis gehabt, daß auch die Fabrikanteuorgani- sation die Forderungen der Arbeiter bewilligte. Gleichzeitig wünschte sie die Einsetzung einer Kommission, die in künftigen Fällen von Lohnforderungen verhandeln soll, damit Lohnbewegungen in den einzelnen Betrieben. vermieden werden. Die nächste Versammlung .der Gelbmetallorbeiter wird über diesen Vorschlag der Fabrikanten Beschluß fassen. Ter Verband der Schneider hält seinen 13. Verbands tag nicht, wie zuerst bekanntgegeben, in Gotha, sondern in K a s s« l ab. �ur bevorstehenden Berufswuhl! Von der Göhilsenorganisation des Verbandes Deutscher Zahn- techniker wird uns geschrieben: Zur kommenden Lktober-Schulcntlassung taucht wieder die Frage der Berusswahl auf. Wir sehen uns veranlasst, alle diejenigen, die den Zahn-echniker-Dentistenberuf ergreifen wollen, zu bitten. sich über Ausbildungsmöglichteiten, pekuniäre Erfordernisse, ein- wairdfreie Lehrstellen usw. möglichst eingehend zu erkundigen, da es für Nichtkenner zu leicht vorkommt, in minderwertige, fragwürdige Psuschpcaxen eingestellt zu werden. ES sei uns verstattet, daraus hinzuweisen, dass laut dem Gesetz der„Reichsversicherungsördnung" sür unseren Beruf eine mindestens dreiiährjge Lehrzeit gefordert wird. Es sind also alle geringeren Lehrzeiten unbedingt als schäd- lich abzulehnen. Für sachliche mündliche Auskünfte steht unsere Buroouleitung: Berlin N. 38, Schönhauser Allee 146a, I, kostenlos zur Verfügung. Schriftliche Anfragen sind unter Beifügung des Antwortportos zu richten an unseren Verbandsschriftleitcr: Herrn Dentist Ulrich, Gera-R., Blücherstr. 29 pt. die Arbeit öer RdchsbLkleiöungS/klk. Einen sehr ausführlichen Vortrag hielt vor einigen Tagen der Ncichskommissar sür bürgerliche Kleidung, Geheimrat Beutler, über die Aufgaben und Maßnahmen der RcichSbekleidungsstelle. Der Redner verbreitete sich über alle Fragen, die auf dem Ge- biete der Bekleidung an die Berwaltung herangetreten seien. Die ganze Größe der Schwierigkeiten ergibt sich, wenn ninn be- denkt, daß unsere Einfuhr an Textilstossen vom Auslände völlig abgeschnitten ist. Dazu kamen, daß sür Armee und Marine der größte Teil der vorhandenen Rohstoffe beschlaguahmr wurde und daß sür die bürgerliche Bevölkerung nur die für die Heeres- Verwaltung nicht brauchbaren Webwaren, die fertige Konsektion. die Zugänge aus den besetzten Gebieten Polen und Belgien, die Ersatzstoffe, Vorräte in öffentlichen Anstalten. Hotels usw. und endlich die überschüssigen Bestände in den Hanshgltnngen in Betrncht kamen.' Die Notwendigkeit der Spariamkech im eigenen Lande führte zum Bczugicheiuverfahren, der freie Handel wurde sür den Vertrieb hochwertiger Waren eingeschalist und auf diese Art durch die Vermilllung der Fachverbändc an den Groß- und Klein- Kandel Waren im Gesamtwerte von 180 Millionen Mark verteilt. Dagegen wurden die Warert, die sür eine tunlichst gleichmäßige Zu- fübrung an alle ärmeren Verbraucher kreise des Reiches bei möglich st billiger Preisverwaltung bestmimt waren, an die Kommunal- verbände verwiesen, die zum größten Teil durch die eingesessenen Klein Handelsgeschäfte diese Ware an die Bevölkerung weiterleiteten. Ter Gesamtwert dieser Zuweisungen betrug 123 Millionen Mark. Zu den Arbeilkgebieteir. m d.nre» die Kommunalv.rbände nicht beian- gezogen werden konnten, für die diö Nei.bsbekleidungsstelle vielmehr eine Zenirolverwaliimg einrichten oder eigene beionbere Organe im Reich schaffen mußte, gehören vor allem 12 000 Anüalien mit mehr als einer Million Insassen, die Deckung des Bedarfs der zahlreichen uniformss'rb'ii Zivilbeamten, davon in den besetzten Gebieten weit über 60 000, im ganzen Reich etwa 000 000. Weitere Autgaben brachte das Hittsdienflgesetz uns? die Einstellung von Millionen neuer Arbeiter in die kriegswichtigen Betriebe. Es handelt'ich dabei um etwa 8 bis 9 Millionen Arbeiter, für die als Mindestmaß un- gesäbr drei Millionen Männeranzügs und eine halb? Million Frauennnzüge beschafft werden mußten. Für die Frauenilcider konnten hil?reichkiide Stoffmengen beschaüt werden dagegen war eS nur möglich, sür etwa 400000 Anzüge Stoffe der Mäniiertleldung zur Pcrss'i>una z» stelle». So mußte sich die Akeichsbeklsidungs- stelle an die Omemeudigkeit der Bevölkerung wenden. Daß es ! dabei olv e Zwang abgehe, habe die glane Aufbringung ! der Anzüge in einer Anzahl von!(?.'eisen bewiese». Man habe nun den Vorwurf crboben, daß jede Klarheit feb!?. ob nicht etwa schon in nächster Zeit ein weiterer Zugriff in die Pcivaiklcidcr- und Wä'che>chrän?e erfolgen weide. Hierzu könne er, der Redner, nur bemerken:„Man kann in Kriegs- zeiten nicht Zusagen und Versicherungen geben, deren Einbaltung nicht absolut feststeht. Wenn aber. namenKich in den letzten Wochen, auf dem Gebiete der Ersatzstoffe derartige Fortschritte gemacht worden sind, die dre ausgedehnteste Verwendung von Web-, Wirk- und Strickwgren ans reiner Zellulosesa>er ermöglichen werden, und Inen» ferner die Herstellung von Geweben ans Kunsrwolle und Künstbainnwolle für die bürgerliche Bevölkerung in größerem Ilm- sauge möglich geworden ist, so glaube ich lagen zu dürfen, daß ein nochmaliger Appell an die Bevölkerung zur tzlbpabe von Kleidungs« stücken mit Ausnahme einer Sammlung für die heimkehrenden Krieger bei Friedensschluß nicht erforderlich sein wird. Die technischen Ver- '»che mit den Stoffen aus der Stapelfaser sind•»bgeichlosien. (5nde dieies und Nnfany nächsten Jahres werden größere Mengen Stoff geliefert werden können." Der Redner bestritt dann, daß die Sammlung von Männeranzügen in der Haupliache für die sehr gut bezahlten Arbeiter der Rüsiunosindustrie bestimmt sei. Mindestens ein Drittel des GeiamtergebniffeS gehe an die Arbeiter der Land- nnd Forstwirtschaft durch Vermittlung der KriegSwirtschafisämter. Die gesammelten Kleidungsstücke werden in ol Reichskleider- lägern zufammenaebracht und hier von Fachleuten sortiert. Es treffe nicht zu, daß die Anzüge an die Konfekiionsgcichäite heraus- gegeben werden und daß der Handel den Verlaui einrichten känne,,wie er wolle. Bezüglich des Patents zur Verarbeitung der Stapelfaier erklärte der ReichSkorlrmisiar, dass er Grund bade anzunchmc». daß das Patent andere Fabriken nicht bindern werde, den Stoff glrch- falls herzustellen. Ein Monopol für gewisse Fabriken werde nicht geduldet werden. Preistre bercien für die zu erwartende Reichs- Ware wären nicht zu besinchten. da dieselbe zu einem ganz be- stimmten vorgeschriebenen Preise zum Vertrieb kommen werde. ?ugenövLranstaZtungen. Jrigendheiin. Berlin. Lindenstr. 3. Sonntag: K-imeröffnnnz 5 Nbr. Abends L�llbr: Vortrag des NeichStagSabg. Genossen Fuchs.— Dienstag: Spiel- und Unterhaltungsabend. Verein Ärbeitcr- Jugend. rüdt. Gesundbriinne». Morgen Sonntag: Schnitzeljagd Bern.nr— Bdpa'tzlee. Tresspunkt 6.1 Uhr morgens Bahnhof Kcjuiidbrunncn. Fnhrgclo 7g Ps. Nrbriter-Tamo.ritcrbiind. Kviunue Grotz-Berlin. llcönngS- st n n d e Montag, den 1. September, abends 8'/, Uhr, bei Schulz, Königs- graben Nr. 2. Letzte Anmeldung zur Prüfung, sämtliche B'bliothekbllcher müssen abgeoeben werden. Gaste baden«imnatiqen ireien stm ilt. AeranNoorNisi lur Botitit:(frich ttuttncr, Berlin: für den ü brisen Teil des VlaltgS: Alsrc!» Scholz, Neulolln: tür Anzeigen. Tlicodor tziloike, Neriin. Lcrleg: Borw«!S/.S 11.: Der neue Schlager MlWiNl Mll! berliner Posie in 3 Akten. l Vorher erstkl. Spezialitäten. ! u a.: Orete Lir.ds Menschenaffen. | Eine glückliche Ehe. Adnsiraispalasl. jöiePrinzesisiayßii Tragant j fSajdab. Deutsche Tänzt l Köhler Aufenthalt. t Uhr. 2, 3. 4, 5, 6 M. Zirkus-Busch-GefcSiido. Sonnabend, 31. Augnst: Letzter ßiinsM 2 Vorstellungen 2 nachm. 3, abds. 7'/, Uhr Nachm. zahl. Erwachsene J und Kinder halbe Preise. Är Praier-teter Kananieuallee 7— 9. TSglieh 9.3 ühr: W Khg'MM Ab 5 Uhr das hervorragende Auguit-Progranim. Tägl. 7'/,. Sonnt. 2'/. u. 7'/, Has NM« Prinra haiierina Valeria linatOKska Ballettmeister u. Solotänzer Piotr Sajifch. ReicSishaüen-Tlisater. iSteülner SaiigSF.j Anfang VI, Uhr. j Morgen, 1(9., 3 Uhr: Erste 1 | Sonntag- Nachmitt.-Vorstell. zu ermäßigten Preisen! Trianon-Theater ßhf. Friedrichstr. Ztr. 4927. 2391 8 U. Ziini 365. Maie: Oer Ssbetissahlller. Komödie von Ludwig Fulda. Sonn ah. nachm.'1,4 U.kl. Hr.: Schnee wlttehen. Sonnt. 3'/, U.; Johannisleuer. Baztirssriusügn-lferzeicitnis | rleriiti-lsre' f; n grzac rrecen, Farben oan ::t. 3J 0 nid»rf«i. H Oetzter Tag! Alice Hechy Rolf ßrunner Gesangs- und Tanz-Duett sowie der glänzende Varleie- EiQffnüngs- Spielplan! noch für eimge Tage zu vergeben. 30326* Cöpenicker Str. 100. Von der Kei- e zurück. Dr. Eupei! 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