Nr.«40. 35. Jahrg. Bezugspreis, «»»rt«ljShrl.ee des Cntentesiegs, sondern die des Verständigungsfriedens. Nur ihre Verwirklichung kann den Chauvinismus aus der Welt schassen und den Krieg besiegen. Dann wird der Krieg als ein Geschäft erwiesen sein, das für niemanden mehr lohnt. Endet aber der Krieg mit dem Triumph der einen Partei und mit der demütigenden Niederlage der anderen, so wird er auch in Zukunft vielen als Mittel der Politik geeignet erscheinen, sei es, um gewonnene Macht zu erweitern, sei es, um verlorene wiederzugewinnen. So kommt man zu dem Ergebnis, daß sich Lord Cecil zwar als Gegner der Alldeutschen bekannt, aber nicht als solcher bewährt hat. Lord Cecil unterscheidet nicht mit Unrecht zwei Deutschland, aber an der Front werden bedeutend mehr Gegner der Alldeutschen totgeschossen als Alldeutsche. Wenn der feindliche Heeresbericht große deutsche Verluste meldet, so kann man sicher sein, daß d a S Deutschland, mit dem Lord Cecil zu sympathisieren scheint, damit eine große Anzahl seiner Anhänger verloren hat. Niemand kann darum von uns verlangen, daß wir Cecils Methode, die Alldeutschen zu bekämpfen, indem man ihre Gegner totschießt, richtig finden. Die endgültige Abrechnung mit dem Chauvinismus kann nicht an der Front erfolgen, sondern nur hinter ihr und auch dort erst dann, wenn es keine Front inehr gibt. Der deutsche Reichskanzler, Graf Hertling, hat sich nun beeilt, die Aeußerungen, die Lord Cecil getan hat, zu beantworten. Leider können wir seine Antwort nicht glück- lich finden. Graf Hertling hatte die beste Gelegenheit, seinem Gegner die Waffen aus der Hand zu winden, indem er sich für den Kanzler der Reichstagsmehrheit erklärte, die im Gegensatz zu den Alldeutschen steht und indem er sich selber darüber hinaus als Anhänger einer Politik zu erkennen gab, die der alldeutschen entgegengesetzt ist. Statt dessen hat er ein tiefes Konchliment vor dem Thron gemacht, das noch innen seine Wirkung nicht verfehlen wird, nach außen hin aber keineswegs als durchschlagendes Beweismittel dafür gelten wird, daß in der deutschen Politik alldeutsche Einflüsse nicht maßgebend sind. Graf Hertling, der gestern die Vollendung seines 75. Le- bensjahres feierte, war offenbar schlechter Geburtstagslaune, wenn er die„N e i g u n g zur Kritik" als Ausfluß der deutschen Krieg Lp sychose bezeichnete. ES ist eine grenzenlose Verkennung der tatsächlichen Verhältnisse, wenn der Reichskanzler meint, die Neigung bestehe nur hier zulande. Sie ist überall vorhanden und sie ist überall ein Moment nicht der Schwäche, sondern eines kräftigen Lebensgefühls. Die kritik- lose Hinnahme aller Regierungshandlungen ist das naive Ideal von Staatsmännern, die ihre Zeit nicht mehr verstehen, vor dessen Verwirklichung aber ein gütiges Geschick das Volk be- wahren möge. Graf Hertling fürchtet, die Parteikämpfe könn- ten den Gegner in seiner Hoffnung auf den inneren Zusammen- brück bestärken. Wo ist aber in Deutschland der Narr, der von der Malvy-Affäre oder von den bevorstehenden Neuwahlen jen- seits des Kanals den Zusammenbruch Frankreichs und Eng- lands erwartete? Wenn sich Graf Hertling durch die Kritik, die an der Rc- gierung geübt wird, beschwert fühlt, warum verteidigt er sich nicht gegen sie, statt sich über sie zu beklagen? Wenn die Gegner wirklich so sehr darauf aus sind, nach Zeichen der Schwäche im Innern Deutschlands zu spähen, als Zeichen der Stärke werden sie diese Angst vor Kritik nicht betrachten können. Da sich Graf Hertling nach längerem Schwelgen zum erstenmal wieder politisch geäußert hat, empfindet man die trockene Gehaltlosigkeit seiner Ansprache doppelt peinlich. Jeder Versuch, sich mit den großen Problemen der Zeit, der Demokratie und dem Völkerbundgedanken auseinanderzusetzen, fehlt. Kein Wort zur brennenden preußischen Wahl- r e ch t s f r a g e ist in ihr enthalten. Sie klingt fast wie ein Bekenntnis zu jenem konservativ gefärbten„Burgfrieden". Gedanken, nach dem die Rechte ruhig im Besitz ihrer Privi- legien verbleiben muß, damit die innere Eintracht nicht ge- stört wird. Kein Versuch ist gemacht, die Umrisse jenes neuen Teutschland zu zeichnen, für da? draußen die Tausende und Abertausende fallen. Wir sahen sie einst noch schattenhaft auf- tauchen in den Reden Betbmann HollwegS, der sich in schweren inneren Kämpfen vom Alten losriß. Graf Hertling aber ist mit allen Fasern leine? Wesens in diesem Alten verwurzelt, in ihm fühlt er sich wohl, und alle Erkenntnis deS werdenden Neuen ist ihm innerlich fremd. Er hat sein Schweigen einst mit dem Ausspruch begründet, daß jetzt die Zeit zu Taten, nicht zu Worten sei, er hat vergessen, daß auch Worte Taten fein können— seine Worte aber waren keine! »» Berlin, 31. August. Ter Reichskanzler empfing heute die Vertreter des Ver- bandes katholischer Studentenvereine Deutschlands, welche ihm anläßlich seines 7 5. Geburtstages eine Glückwunsch- adresse überreichten. Nachdem er den Herren gedankt und einige Worte der Erinnerung an die katholischen Studenten- vereine, deren Mitglied er gewesen, gesprochen hatte, fuhr der Reichskanzler fort: Weichs Anforderungen der furchtbare Weltkrieg im Laufe der verflossenen vier Jahre an den Verband gestellt hat, wie viele Mit- glieder der Aktivita? und der alten Herren bereit? den Heldentod erlitten haben, ist mir bekannt. Sie konnten und wollten nicht zu- rückbleiben hinter den Tausenden von Söhnen unsere? Vaterlandes, die freudig ihr Leben zum Opfer brachten. Aber nicht nur mit der Waffe gilt e?, da? Vaterland zu verteidigen und den Sieg erringen zu helfen. Auch in der Heimat find große und wichtige Aufgaben zu erfüllen, und gerade die akademisch gebildeten Kreise sind in erster Linie dazu berufen. Di« Last de? Kriege? liegt drückend auf unserem Volk, ich will sie nicht durch Worte zu verkleinern suchen. Zu den Opfern von Blut und Leben, von denen kaum eine Familie ganz verschont geblieben ist, kommen die Schwierigkeiten der Ernäh- rung und Bekleidung, alle die mannigfachen Entbehrungen in der Gegenwart und der sorgende Ausblick in die Zukunft. Der Krieg ist das größte Gesamterlebnis für ein Volk, er befähigt zu ungeahnten Leistungen, aber er stellt auch gewaltige Anforderungen an die Nervenkraft. Nicht umsonst spricht man von der Kriegs- pshchoie und bezeichnet damit die seelischen Erscheiungen. welche der Krieg auszulösen pflegt. Kriegspsychose zeigt sich daher bei sämtlichen am Kriege beteiligten Völkern, aber sie tritt je nach der «Eigenart der letzteren verschieden auf. Bei unseren Feinden tritt sie auf in Form eines an Wahnsinn grenzenden Hasses gegen die Zentralmächte, vor allem gegen Deutschland, ein Haß, der durch eine ununterbrochene Kette der un- gehcuerlichsten Verleumdungen genährt wird und sich in unerhörten Schmähungen alle? dessen Luft macht, was uns wert und heilig ist. Bei uiiS dagegen äußert die Kriegspsychose ihre Wirkung vor allem nach innen, in der Verstärkung der Reiguug zur Kritik, die nun einmal den Deutschen eigen ist, und die sich mit Vorliebe gegen die Regierung und ihre Maßnähmen wendet, und fit der VersHärfttng Lör Uarkergegenfätze. lknd darin, m.H., liegt zweifelos ein« Gefahr. Nicht, daß von da eine wirkliche Erschütterung im Staatsleben zu befürchten wäre, dazu ist unser deutsches Volk in seiner weit überwiegenden Mehrheit zu einsichts- voll und verständig, wohl aber durch den Eindruck, der bei unseren Feinden hervorgerufen wird. Sie träumen von einem bevor- stehenden inneren Zusammenbruch, sie bauen daraus ihre SiegeShoffnung und verlängern um deswillen den Krieg. Hier ist darum ganz besondere Hilfe notwendig. WaS wir brauchen, ist ein einheitliches festes Zusammenstehen von Kaiser und Reich, Re- gierung und Volk, und zwar so, daß es auch nach außen deutlich in die Erscheinung tritt und nicht durch den Nebel der Mei- nungsverschiedenheit und ihre Aeußerungen in Wort und Schrift verhüllt wird. Und hierzu beizutragen durch Beispiel und Belehrung, ist Pflicht eines jeden, der durch Beruf, Bildung und Stellung dazu in der Lage ist. Helsen also auch Sie, wo Sie können, eine solche einträchtige Stimmung herbeizuführen, die E i n- heitsfront in der Heimat zu verstärken und weit- hin sichtbar inS Licht zu setzen. Und nun noch zum Schluß ein ganz kurzes Wort über die militärische Lage, vor allem ein Wort rückhaltloser Bewunderung für die fast übermenschlichen Leistungen der Armee in der vergangenen Woche. Sodann aber darf ich sagen, daß unsere Oberste Heeresleitung die Lage mit voller Ruhr und Zuversicht ansieht, auch wenn sie sich aus strategischen Gründen veranlaßt gesehen hat, unsere Linien an mehreren Stellen zurückzuverlegen. Wir haben den Krieg vom ersten Tag an als Verteidigungskrieg geführt, wir haben ihn in Feindesland getragen, um dort unsere Grenzen zu verteidigen und ine heimatlichen Fluren zu schützen. Wir werden dort weiterkämpfen, unsere herrlichen Truppen werden fortfahren, den gewaltigen Ansturm feindlicher Massen zurückzuschlagen, bis die Gegner einsehen, daß sie uns nicht vernichten könen und daher auch ihrerseits zu einer Verständigung bereit sind. Und dieser Tag wird kommen, weil er kommen muß, soll nicht Eu- ropa verbluten und die europäische Kultur in Elend und Barbarei versinken. Wir flehen zu dem Allmächtigen, der uns bisher so sichtbar beigestanden hat, daß dieser Tag nicht allzu lange mehr aus sich warten lassen möge. Meine Herren! Soeben kommt mir das Interview zu Ge- ficht, da? Lord Cecil einem Korrespondenten von„Stockholms Tidningen" gegeben hat. Ich kann mich heute auf Einzelheiten seiner Rede nicht einlassen und übergehe absichtlich alle anderen von ihm geäußerten verkehrten Anschauungen und schiefen Urteile. Nur zwei Punkte greife ich heraus. Lord Tecil begründet feine Zuversicht auf den militärischen Endsieg mit dem ständigen Zuströmen amerikanischer Truppen. Abgesehen von diesem offenen Bekenntnis zum Militarismus, den uns die Entente nun seit KriegSbeginn vorwirft, erinnert mich dieses Hoffen an die vergangenen Jahre des Krieges, in denen zuerst da? treulose Italien, dann Rumänien den Endsieg bringen sollte. Lord Cecil vergißt aber dabei, daß wir inzwischen mit Rußland und Rumänien Frieden geschlossen haben und somit unsere Streitkräfte im Westen ganz erheblich stärken konnten. Der andere Punkt ist die Behauptung CecilS, die Entente könne nicht Frieden schließen, solange Tcuffchalnd von den Alldeutschen regiert werde. Meine Herren! In Deutschland regiert bekanntlich Seine Majestät der Deutsche Kaiser im verfassungsmäßigen Zusammenwirken mit Bundesrat und Reichstag. Für die Beschlüsse des Reichs- tagS ist noch niemals eine einzelne Partei, sei es die alldeutsche oder eine andere Partei, maßgebend gewesen. Ich kenne auch als .Kanzler de? Deutschen Reiches lediglich deutsche Parteien und eine dentsche Politik. Diese zu vertreten ist meine Pflicht und wird eS bleiben. 5orüen Fort- .schritt und nahmen Bullecouvt und Hedecourt bei Tagacourt nach Nr. 240 ♦ 35. Jahrgang 1. Seilage öes Vorwärts M Sonntag, I.September 1018 GroMerlm Eine Kartoffelfahrt. Frau Hilde ivar wieder einmal vor Ablauf der Woche mit der Kartoffelration zu Ende und sah für sich und ihre Familie einige Tage verschärften Hungerns voraus. Bisher hatte sie c? nicht gewagt, hinauszufahren, um auf verbotenem, aber viel bemchtem Wege einige Pfund Kartoffeln einzu- kaufen, denn nicht jedem glückt es, und man hat ja schon os: gehört, dah Frauen, nachdem sie sich stundenweit mit einem Säckchen Kartoffeln geschleppt hatten, die kostbare Last am Bahnhof durch den Gendarm abgenommen wurde. Das mochte Frau Hilde nicht riskieren. Aber jetzt will sie es wagen. Eine Nachbarin hat ihr nach eigener Erfahrung einen Weg gewiesen, auf dem man mit Sicherheit so etwa zwanzig Pfund Kartoffeln nach Hause bringen könnte. Man brauche nur mit der Eisenbahn nach A. fahren, von dort eine Stunde nachdem Torfe B. gehen, wo man ohne Umstände Kartoffeln kaufen und mit dem nächsten Zuge von A. wieder nach Häufe fahren könne. In einigen Stunden sei die ganze Sache er- ledigt. Mit froher Hoffnung und der bestimmten Aussicht auf eine mästige. aber sehr willkommene Vermehrung der unzu- reichenden Kartoffelration trat Frau Hilde am nächsten Morgen die Reise an. Die Fahrt in dem bis zum äußersten vollgestopften Eisenbahnwagen vierter Klasse war eine Qual für die schwächliche Frau. Sie atmete auf. als sie nach einer Stunde den Marterkasten verlassen und die Wanderung in der frischen Morgenluft antreten konnte. Doch der Marsch auf dem durch den nächtlichen Gewitterregen aufgeweichten Land- wege war auch keine Annehmlichkeit. Aber was tut man nicht, uni ein paar Pfund Kartoffeln zu erlangen. Fm Dorfe Ä. angelangt, ging Frau Hilde in den ersten Bauernhof.— Welche Freude! Eine Reihe von Säcken, mit Kartoffeln gefüllt, lehnten da an der Wand. Da wird doch eine Kleinigkeit für mich zu haben sein, dachte sie. Sie trug der Bäuerin ihr Anliegen vor. Doch die schüttelte den Kopf: „Wir dürfen keine Kartoffeln verkaufen, wir müssen alles abliefern."— Da half kein Reden und kein Bitten. Die - Bäuerin liest sich auf nichts ein, sie habe Unannehmlichkeiten, ja Strafe zu fürchten, wenn sie Kartoffeln verkaufen würde. Mit bedeutend herabgestimmten Erwartungen versuchte Frau Hilde ihr Glück in einem anderen Anwesen. Auch hier wies man ihr Verlangen nicht unhöflich, aber mit einer nicht ,zu erschütternden Bestimmtheit ab. Auch im dritten Bauern- .Hofe erlebte sie dem gcichen Misterfolg.„Versuchen Sie es bei -den Tagelöhnern"— sagte die junge Bäuerin—„die brauchen nichts abliefern und haben von ihrer Ernte vielleicht etwas übrig. Aber wenn Sie hier wirklich Kartoffeln bekommen, am Bahnhof werden Sie Ihnen ja doch abgenommen." Das glaubte nun Frau Hilde besser zu wissen, fthre Nachbarin und auch andere Leute hätten doch vor acht Tagen Kar- toffeln von hier unbehelligt nach Berlin gebracht. „Das mag schon sein"— erwiderte die Bäuerin—„aber setzt wird strenger kontrolliert. Am Bahnhof wohnt d?t Kar- toffelhöndler, an den wir liefern. Der sieht, was da vorüber- getragen wird und ärgert sich, wenn hier ein paar Zentner Kartoffeln verkauft werden, die nicht durch seine Hände gehen. Der hat nun die Sache angezeigt, und seitdem muß der Gendarm am Bahnhof jedem die Kartoffeln abnehmen." Während dieses Gesprächs kam eine andere Berlinerin hinzu, die nicht Kartoffeln, aber Gemüse kaufen wollte. Sie nersichertc, sie habe vor einigen Tagen selbst gesehen, daß am Bahnhofe A. niemand mit Kartoffeln durchgelassen wurde. Frauen, die nicht mehr als fünf Pfund Kartoffeln hatten, hätten sie abgeben müssen und seien weinend und jammernd mit leeren Händen nach Hause gefahren. Auch an der Station C.. die näher an Berlin liegt, werde die Kontrolle ebenso streng durchgeführt. An diesen beiden Bahnhöfen mit Kar- toffeln durchzukommen, sei nicht mehr möglich. Das waren schleckste Aussichten für Frau Hilde. Sollte sie Fahrgeld und Zeit nutzlos geopfert und die Anstrengung der Reise ohne Erfolg auf sich gsnormnen haben? Sie will trotz alledem versuchen, Kartoffeln zu erlangen. Dem Rat der Bäuerin folgend, ging Frau Hilde in die Hütte eines Landarbeiters. Ein altes Mütterchen, das allein im Hause war, fand sich nach mancherlei Bedenken schließlich bereit, zwanzig Pfund Kartoffeln abzugeben. Endlich hatte Frau Hilde, was sie so sehnlich begehrte. Aber die Freude über diesen Erfolg wurde gedämpft durch die bange Frage: Wie die kostbare Frucht nach Hause bringen? Den Gendarmen auf den Bahnhöfen A. oder C. in die Hände laufen, das ging nicht an. Also galt es, noch eine Station weiter, nach D, zu gehen, und wenn es auch da nicht glücken sollte, war Frau Hilde entschlossen, zu Fuß nach Berlin zu marschieren. Sie liest sich den Weg nach T. befchreiben und schritt wacker aus. Anfangs ging es ganz gut. Aber mit der Länge des Weges wurde die Last immer schwerer. Stunde um Stunde verging.— Die Beine ermüdeten, die vom Druck des Rucksacks berührten Knochen schmerzten, der Hunger quälte, denn in der Annahme, sie werde mit dem Mittagszuae wieder zurückfahren, hatte Frsu Hilde nicht ein Stückchen Brot niit- genommen. Es würde ja auch zu Hause gefehlt haben. Endlos schien der Weg. Mehrere Stunden war Frau Hilde bereits gewandert. Tq begegnete ihr eine Frau, die im Walde einen Beutel voll Pilze gesammelt hatte. Sie erzählte, ein Soldat, der Gendarmenbienst verrichte, habe sie auf der Landstraße angehalten und den Inhalt ihres Beutels kon- trolliert. Der Schreck fuhr Frau Hilde in die müden Glieder. Der Kontrolle auf den Bahnhöfen ging sie aus dem Wege. Sollte sie jetzt, auf der Landstraße, noch däs Unglück treffen, daß ihr ein Hüter der Ordnung die paar Kartoffeln abnahm? Mit klopfendem Herzen fetzte sie den Weg fort. Aengstlich hielt sie Ausschau näch jedem Menschen, der in der Ferne auftauchte und atmete erst auf, wenn sie erkannt hatte, daß. er keine Uniform trug. Endlich, nach fünfstündigem, nur durch kurze Ruhepausen öfter unterbrochenen Marsch erreichte Frau Hilde todmüde den Ort D. Mit der Straßenbahn gelangte sie nach E. und von dort mit dem Vorortzuge im glücklichen Besitz von zwanzig Pfund Kartoffelii unbehelligt nach Berlin. Solche„Hamsterfahrt" ist kein Vergnügen. Aber die bittere Not treibt täglich hunderte arnier Groststadtbewohner hinaus, um unter den schwersten Umständen ein wenig zur Aufbesserung der kümmerlichen Rationen zu erstehen, Kriegsgefangene als Gutspolizisten. Die Ernährungischwiecigkeii«! haben zu einer Mehrung der Felddiebstähl« geführt, die den Landwirten und auch den gartenbau» treibenden Bewohnern der Umgebung von Berlin viel zu srbaffen macht. Man begreift es, daß gegenüber dieser Plage die Eigen- tümev der Feldsrüchte nicht müßig bleiben, sondern AbwebrmaßreLeln treffen. Aufsehen bat in N e u e n h a g e n an der Ostbahn eine Diebesjagd erregt, die sich im Gebier des benachbarten Bollensdorf unter sehr sonderbaren Umständen abspielte. AuS dem landhausmätzig bebauten Teil des Gemeindebezirks Neuenhagen begaben sich zur Abendzeit mehrere Frauen und Kinder zu einem in der Kolonie?iiederheide wohnenden Landwirt, um kleine Mengen Kartqffcln zun, üblichen Preis zu kaufen. Als sie sich mit ihren Kartoffeln gemeinsam auf den Heim- weg machten und dabei das Gebiet von Bollensdorf durchschritten, trat ihnen aus dem Dunkel der Heide ein baumlanger, mit einem Knüttel bewaffneter Mann entgegen. Mit lautem Ruf gebot er Halt, und auf sein Pfeifen gesellten sich z» ihm nock ein paar Ge- fährten, so daß es für die erschrockenen Frauen und Kinder kein Entrinnen gab. Ruffcn waren es, die ihnen so den Weg vertraten, russische Kriegsgefangene*- das erkannten die Ge- ängstigten bald an den Abzeichen, die sie an den Kleidern der Männer bemerkten.„Kartoffeln geklaut! Deutsche Frauen klauen! Hunger haben!' hörten sie die Mämier sagen. Ach so! Felddiebe sah man in den Frauen und Kindern, die ihre gekauften und bezahlten Kartoffeln heimtrugen! Einen guten Fang glaubten wohl au ihnen die Russen gemacht zu habet,, die auf den, Rittergut Böllens- dorf, � dem Besitzt, un eines Herrn S. Mühlenihal, bc- fchäftigt waren. Wahrscheinlich hallen sie sich nach Dieben auf die Lauer gelegt und freuten sich nun. sie glücklich erwischt zu haben. .Ter Ji rtum lägt sich ja aufklären." dachten die Frauen. Aber das war doch nicht ganz so leicht, weil die Russen ohne deutscheu Miliiär- Posten ausgezogen waren und auch ein deutscher Angestellter vom Gut erst später herbeikam. Den Kriegsgefangenen, die hier G u r S- Polizei gespielt hatten, mutzten die vermeintlichen Kartoffel- diebe zum Gut solgen. Dort empfing die Frau des GutSinspeltorS sie mit den Worten:„Stellen Sie die geklauten Kärtoffeln da hin!" Die Beschuldigten erhoben Einspruch gegen den Verdacht, aber da? halk ihnen nichts. Tatsächlich wurden die Kartoffeln bis auf weiteres einbehalteu— man weist nicht, ob immer noch an einen Diebstahl geglaubt oder der Kartoffelkauf als unerlaubt angesehen wurde— worauf die Frauen und Kinder nach Hänse gehen durften. Ja, dieser Krieg schafft eigenartige Zustände! „Nicht ohne ärztliches Einverständnis." Gegen das U r b a n- K r a n k ei, h a u s der Stadt Verlin richtet sich eine Beschwerde, die einen nun schon un, volle fünf Monate zurückliegenden Fall betrifft. Wir gehen auf die Angelegen- heit erst jetzt ein. weit erst jetzt das Beschwerdeverfahren zu einem gewissen Abschlug gelangt ist. Ein siebzigjähriger Panent S., der mit einer Lungenentzündung eingeliefert wurde, starb im Krankenhaus am nächsten Tage. Bei einem Siebzigjährigen brauchte man einen raschen Tod nicht aui- fällig zu finden, aber ein Sohn dcZ Beistorbenen meinte au§ seinen im Krankenhaus gemachten Beobachtungen schließen zu dürfen, das', der alte Mann ein Opfer falscher Behandlung geworden sei. Er beschwerte sich bei der Krankenhaus- deputation in einer Eingabe, die Vorwürfe gegen das Arzt- und Schwesternpersonal der Anstalt erhob. Der nach einer Reihe von Wochen eintreffende Bescheid schien dein Beschwerdeführer um den Kern der Sache herumzugeben, so dast er später sich noch mit einer Eingabe an den Magistrat wandte. Dieser veranlagte dann die Krankenbausdcputation zu nochmaliger Prüfung, und deren Ergebnis liegt in einem erst nach Monaten erteilten neuen Bescheid jetzt vor.<• ES ist nicht möglich. auS der Darstellung des Beschwerdeführers alle Einzelheiten hier wiederzugeben. Wir können auch nicht et,:- scheiden, ob seine Ansicht zutrifft, datz der Tod seine? Vater-? durch die ihm im Krankenhaus ividerfahiem: Behandlung-beschleiznigr worden sei. Aber das wollen wir feststellen, datz der neu? Bescheid nicht dazu beigetragen hat, diese Annahme der Hinterbliebene,, zu entkräften. Di« Beschwerde sagt unter andern,, der Kranke sei nach seiner Aufnahme n i ch r sofort von einem Arzt» p t e r- i u ch t worden, und noch stundenläng nachher habe man keinen Arzt hinzugeruse». Sie bemängelt, datz die Oberschwester angeordnet habe, den Krankest zu baden, und datz er nachbet trotz kaller Witterung(es war am 81. März!) bei oben offenen Fenstern und offener Tür mit vorn geöffnetem Hemd ins Best gefetzt worden sei. UeberdieS fei dem Kranken, der auch am Halse eine Drüsen- cntzündung gehabt hatte,' von einer noch nickt geheilten Schnitt- wunde der Verband abgenommen und nicht erneuert worden. In ihrem Be'cheid erwiderte die KrankcnhauSdePutation. die Matznahmen der Oberschwester seien nicht ohne ärztliches Einverständnis erfolgt. Man habe d?» Kranken, der u- fcho« hoffnungslosem Zustande a u s g e„ o m m e u wurde,»ur möglichste Erleichterung schaffen wollen. Da er unter den, von ihm ausgehenden üblen Geruch zu leiden hatte, habe man ihn gebadet nnd das Zimmer gelüftet. Eine fosortige weitere linier- suchung würde ihn sehr angegriffen haben, ohne ihm zu helfen. Weil im Augenblick eine weitere Erleichterung nicht möglich war. sei damit bis zum üblichen ärztlichen Nachmittagsbesuck gewartet worden. Der Drüsenverband habe, da er verkrustet, übelriechend und erhitzt war. abgenommen werden müssen. Jedenfalls fei, schlicht der Bescheid, eine PflichtversSumniS weder der Oberschwester noch dem Arzt vorzuwerfen. Wenn wir diese Darstellung richtig verstehen, so wird— nicht mit klaren Worten, aber zwischen den Zeilen— zugegeben, datz den Kranken tatsächlich zunächst kein Arzt untersucht bat. Daraus würde folgen, datz die Oberschwester entschieden hätte, ob der Zustand schon hoffnungslos war oder nicht. Was ste daraufhin anordnete, soll'„nicht ohne ärztliches Einverständnis" geschehen sein. Berichteje sie einem Arzt über den Lodz. 78) Das gelobte£anO. Roman von W. S t. R e y m o n t. „Suchen Sie Beschäftigung für jemand?" „Ja, ich kenne hier so einen armen Teufel, der seit zwei Jahren vergeblich Arbeit sucht." „Ein Fachmann?"» „Ein gewesener Gutsbesitzer, aber ein Mann von makcl- loser Anständigkeit." „Das ergibt zusammen so große Qualifikationen, dast er noch die nächsten zwei Jahre mit demselben Erfolg eine Stelle suchen kann." „Ein sehr armer Mann mit zahlreicher Familie, sie sterben fast Hungers." „Das ist doch keine Ausnahme. An solchen maffgelt's in Lodz nicht." „Vielleicht könnten Sie da helfen. Irgendeine Stellung mit beliebigem Gehalt, die gewöhnlichste würde für ihn schon eine wirkliche Wohltat bedeuten. Entschuldigen Sie. daß ich Sie mit einer Bitte belästige, obgleich ich Sie kaum kenne." „Das ist nicht der Kernpunkt der Frage; die Hauptsache ist, daß ich leider nicht weist,, was ich Ihnen antworten soll. Tie besser bezahlten Stellungen sind nie frei, weil doch für jeden Posten sich zwanzig Kandidaten melden, und zwar Haupt- sächlich Fachleute." „Bei dem handelt'cs sich ja utp die gewöhnlichste Arbeit; weiat Sie also irgendwie könnten.. Borowiecki gab ihm seine Visitenkarte. „Mag Ihr Protcgs mit dieser Visitenkarte morgen nach- mittag zu mir in die Fabrik kommen. Ueber Stellungen verfüge ich nicht, aber ich werde versuchen, etwas für ihn zu machen. Ich garantiere Ihnen natürlich nicht für den Erfolg." Sie gingen nach verschiedenen Richtungen auseinander. XIV. Langsam schritt David Hnlpem die Piotrkowerstraste entlang, sann über Myszkowski nach und vertiefte sich in den Anblick der Stadt, die er aus ganzer enthusiastischer Seele liebte. Er wollte nicht daran denken, dast diese Stadt ihm alles genommen hatte, was er von seinem Vater ererbt; daß er seit Jahren von der Hand in den Mund lebte; dast er immer wieder nach einer anderen Verdienstmöglichkeit suchen mußte; dast er stets bloß auf dem Wege zum Vermögen war und es ihm inimer wieder aus den Händen entschlüpfte; er erklärte es sich mit einem Mangel an Glück, machte aber trotzdem un- verdrossen immer neue Kontors auf. immer neue Läden oder Agenturen und endete immer mit einem Bankrott. Die Hoff- nung verlor er nie, schritt immer mit demselben Glauben durchs Leben, in Lodz und seine Macht vergafft, betäubt von dessen Größe und hypnotisiert von den Millionen, die sich um ihn bentm wälzten. Kinder hatte er nicht und arbeitete bloß für seine Frau, damit sie alljährlich nach FranzenSbad fahren konnte; er selbst kam nie aus Lodz heraus; und es war ihm auch gleichgültig, was er ast, wie er wohnte und wie er sich kleidete. Er besaß nichts, war aber glücklich, dast Lodz imnier reicher wurde, daß er diesen wahnfinnigen Betrieb mit anschauen konnte: die aufgestapelten Waren, daS Getöse der arbeitenden Maschinen, den Lärm auf den Straßen, die vollgestopften Magazine, die neuen Bauten, Millionäre, Fabriken, alles, was diesen Kolost zusammensetzte, der jetzt unter dem stillen, dunklen Himmel und dem dahinfließenden Monde ruhig schlief. ' Er lieöte Lodz. Wie er die Fabrikanten und die Arbeiter liebte und sogar die einfachen Bäumt, die alljährlich im Frühling in Scharen hereinzogen und auf den Straßen laut erzählten, neue Fabriken und neue Häufer würden gebaut und die Be- triebe verstärkt. Er liebte Lodz. Was ging es ihn an, dast dieses Lodz schmutzig war, schlecht beleuchtet, schlecht gepflastert, schlecht gebaut, dast all- jährlich die Häuser über den Köpfen der Einwohner zu- sammenstürzten, sich die Menschen bei hellem lichten Tag in Pen Seitengassen Messer in den Leib rannten! An solche Nebensächlichkeiten dachte er nicht, ebenso wie er nicht daran dachte, dast hier Tausende Hungers starben, dast Tausende im Elend verkamen, dast Tausende mit der Anspannung aller Kräfte um eine elende Existenz kämpften. und dast dieser stille, immerwährende und fürchterliche Kampf. der Kampf, der sogar ohne Hoffnung auf Sieg geführt wurde, mehr Menschen jährlich fortraffte, als die schrecklichsten Epidemien. „Z�as gerade macht den Betrieb," redete er sich ein und freute sich, datz die Stadt mit wahnsinniger Schnelligkeit wuchs, daß er die riesigen Ziffern der Ein- und Ausfuhr bc- wundem konnte, und dast der Umsatz jährlich um viele Millionen zunahm. Seine trockene, semitische Seele dxrsattk in diesen Ziffern und ergötzte sich an ihrer immer steigenden Höhe. Stolz blickte er auf die neuen Millionäre und verehrte sie auS ganzer Seele. In aufrichtiger Verzückung bewunderte er vom Bürgerstcig aus die Pracht ihrer Gespanne und ihrer Wohnungen; enthusiastisch verbreitete er in der Stadt die Höhe der Summen, die verschiedene Baumwoll- und Halb- Wollkönige fürührc Behausungen auswarfen. Das war David Halpern, der jetzt nach seiner Wohnung ging und über Myszkowski nachsann.» Myszkowski war für ihn, den Verehrer deS Geldes, ein ganz unverständlicher Mensch. Er konnte nicht begreifen, tvie man sich nicht nach Millionen bücken kann,, die einem von selbst zurollen. 'Solche Gedanken beschäftigten ihn, als er leise eine �Tür im dritten Stock eines großen Hauses öffnete. Bevor er'ein- trat, vernahm er gedämpfte Klänge, die aus der Tiefe eines dunklen Korridors flössen. Er betrat die Wohnung. Seine Frau schlief schon. Da fx jedoch Hunger verspürte, durchsuchte er die Speisekammer und ging mit einem Stückchen Zucker— er fand nichts anderes— leise in die Küche, um sich Tee zu machen� Der Samowar war schon ausgegangen. er goß sich jedoch Tee in eine Tasse und trank ihn in dem winzigen Vl*zimmer, leise auf und ab gehend, um seine Frau nicht zu wecken und utn etwas von der durch die-Tür herein- dringenden Musik zu hören. Da es ihm aber bald zu langweilig wurde, ging er mit der Tasse in der Hand über den Korridor und klopfte ganz vorsichtig an die Tür, hinter der die Musik erklang.. „Herein!" liest sich eine Stimme vornehmen. Kühn trat er ein, nickte wohlwollend den Spielenden mit dem Kopfe zu, liest sich am Ofen nieder und lauschte, den Tee in kleinen Zügen trinkend, in andächtiger Hingebung. Horn blies die Flöte, Malinowski spielte auf dem Cello, Schulz auf einem Klarinett und Blumenfeld, der das Quintett leitete, auf einer Violine. Die zweite Geige- spielte Stach Wilczek. Justu Jaskulski fast im anderen Zimmer. Auster Horm waren sie alle, Schulkameraden und vor- sammelten sich zweimal tvöchentlich, um zusammen zu musizieren. Worts, folgt.) von ihr für hoffnungslos gehaltenen Zustand und gab dann dieser ohne eigene Prüfung ihr die Anweisung, den Kranken so zu be- handeln? Das war ein abgekürzres Versahren, das wir doch sehr sonderbar finden würden! ES mag sein, dag auch mancher, der nicht' Arzt ist, den Zustand eines hoffnungslos Kranken de urteilen kann. Nur wehren sich sonst gerade die Aerzte sehr heslig dagegen, das; ein„Nichlstndierter" in solchen Dingen den Arzt spielr und folgenschwere Entscheidungen trifft. Man fühlt sich versucht, den Verzicht auf sofortige ärztliche Untersuchung des Eingeliesenen aus dem Aerztemangel zu erklären, unter dem jetzt so manches Krankenhaus leidet nnd den übrigens der Patient S. auch schon zu Hanse vor seiner AnstaktZuberweisung ku spüren bekommen hatte. Wir wissen nicht, wie schlimm an jenem Tage im-'Urban-Krankenhause- der Mangel an Aerzten gewesen sein mag. Aber vielleicht könnte der Beschwerdeführer das durch die staatliche Aufsichtsbehörde feststellen lassen, wenn er jetzt ihr die Angelegenheit zu� Beurteilung vorlegte. Berliner Lebensmittel. K ä s e v y r t e i I u n g bis ö. September an die Kunden, die in die Fetikundenlisten der in den Bezirke:: der 92.— 86., 106.— 112., 171., 202., 219., 220. und 227. Brotkommission gelegenen Geschäfte ein- getragen sind: pro Kopf 125 Gramm Käse. Für frische Fische gelten noch die Abschnitte GZ für je ein Pfund, für Räucherwaren die Abschnitte E s und i für je Va Pmnd. Aus Abschnitt 86 der Sühsioffkarte EI dürfen im September zwei Pälkchcn Süßstoff El-Packung zu je 25 Pf. verausgabt und cnlnonimen werden. Abschnitte 1— 35 haben ihre Gültigkeit ab 1. September verkoren. Für die am 2. September beginnende Fleischkartenperiode können die Fleischkarten vom 2. bis 4. September bei den Brotkommissionen gegen Bezugscheine ans Graupen oder Grieß umgetauscht werden. Gegeben werden wöchentlich auf eine Vollkarte 256 Gramm, auf eine Kinderkarte 125 Gramm dieser Nahrungsmittel. Der Waren- bezug erfolgt aus den kenntlich gemachten Geschäften. Hütet eure Brotkarten! In letzter Zeit erschien wieder in Hanshalten eine Frauens- Person, die sich als Angestellte einer Brotkommission ausgab und Brot- und Nahrungsinittelkarten mit der Begründung zurück« verlangte, daß sie nicht in Ordnung seien. Sie versprach, am nächsten Tage neue Karten zu bringen. Die Person ist etwa 23—36 Jahre alt, hat blondes Haar und trug keinen Hut; bekleidet war sie mit blauein Sommermantel und Halbschuhen. Besondere Kennzeichen: Zwei auffallende goldene Zähne. ES handeil sich um eme Schwindlerin, die sich Karten zu verschaffen sucht. Tie Kleidereinsammlung hat in G r o ß- B e r I i n d. h. in Berlin, den fünf Nachbarstädten und den Kreisen Teltow und Niederbarnim, aus der freiwilligen Hergabe bei weitem nicht diejenige Menge erbracht, die von der Neichsbekleidungsstelle festgesetzt worden war. Bis zum 31. August sollen nicht mehr als etwa 52600 A n z ü g e.abgeliefert worden sein, während die Lieichsbekleidungsstelle geglaubt hatte, aus'der Bevölkerung Groß-Berlins mühelos etwa 96 666 Anzüge herausholen zu köunen. Ob das mit Hilfe der BestandSaufuahme gelingen wird—?_ Brennspinkns wird vom 1. September ab wieder für häusliche Zwecke verkaust. Vier Fünftel der freigegebenen Menge werden zu 55 Pf. das Liter(ausschl. Glas) gegen Bezugsmarken abgegeben, der Rest ist zu 2 M. das Liter sauslchl. Glas) ohne Bezugsmarken zu haben. Der Spiritus zu 55 Pf.' ist bestimmt für Minder- hgtjliitelie, die weder Petroleum noch Ga»noch Elektrizität haben. und für Personen, die ihn in der Säuglings- und Krankenpflege . brauchen.__ Eine Leistung! Der in Nr. 233 erörterte„P r n g e I b e i t r a g zur Kolonial- k r i e g e r sp e n d e", den die Berliner 177. Gemeindeschule ! Gvrlitzer Straße) geliefet r hat, beschäftigt immer noch die betei- 1 igten Pädagogen. Rektor Euler bittet uns nochmals- um Veröffeut- lichung seiner umfangreichen Gegenäußerung, ans der wir in Nr. 238 einige Mitteilungen machten. Wir wiederholen: Unsere Leser werden es thnt ohnedies glauben, daß er über die Sache anders urteilt als wir und daß er dem prügelnden Lehrer beistimmt. Legt Herr Eitler :o großen Wert darauf/ daß die Oeffentlichkeit erfährt, welches Klagelied er über seine Schule und namentlich über die betreffende Klasse anstimmt? Je mehr ein Pädagoge über die ibni anver- trauten Zöglinge klagen zu müssen glaubt, desto mehr sollte er sich sraizen, ob nur' bei ihnen die Schuld zu suchen ist. Auch Lehrer Sprenger, der in Klasse 110 aus Anlaß des- Aussatzes über die Koloniallrieg-rspende jene Abstrafung vollzog, hat sich jetzt bei uns gemeldet. Wenn die Herrvit doch einsehen wollten, daß � bei der immer erneuten Besprechung, die sie wünschen, sie selber nichts - gewinnen können! Herr Sprenger schreibt uns:„Es ist falsch, daß ich Schüler nach Durchsicht de-s betreffenden Aufsatzes bestraft habe, da derselbe noch gar nicht korrigiert ist." Wichtigkeit! Na ja, er fing schon an' zu. vrugeln, als er die Arbeit noch gar nicht durchgesehen hatte. Jungen waren nämlich beobachtet worden, wie sie ihre Arbeiten erst in der Schule loährend der Pause fertig zu machen versuchten. Lehrer Spr. stellte fest, daß mehrere auch den Aufsatz noch nicht eingeschrieben hatten, und er vollzog dann an der ganzen Schar der Uebeliäter die Massenabstrafung. Auch :t kann nicht widerlegen, daß eine Reihe von Schülern dem Auf- setz über die Kolomalkriegerspende eine Tracht Prügel zu danken ha:. Er schreibt:„Bier Schüler wurden bpstraft, weil sie zu betrügen versuchten, indem sie ihre häuslichen Arbeiten vor Beginn des Nnl«t-richts anfertigten: süizf Schüler wurden später bestraft, weil sie den Aussatz nicht eingeschrieben hatten. Wie weit diese neun Schüler eine„beträchtliche Anzabl" ausmachen und wie weit durch die Bestrafung eine Störung des Uutcrrichis ein- «ritt, überlasse ich dem Urteil der Leser." Nun wissen wir's! Wenn Lehrer Spr. von etwa 46 Schülern einer Klasse neun Schüler durchprügelt, so gilt ihm das nicht als eins„beträchtliche Anzahl" und auch eine„Störung des Unterrichts" befürchtet er davon nicht. Das will er doch wohl mit dem oben wiedergegebenen Satz sagen? Gegen unsere wieder- holte Angabe, daß er' die Massenabstrafung im Lause einer einzigen Unterrichtsstunde besorgt hak, äußerte Herr Spr. kein Wort. Das Urteil unserer Leser, dem er die Entscheidung überläßt, ist uns nicht zweifelhaft. Wissen möchten wird, wie über diese Leistung eines prügelnden Lehrers die Schulbehörde denkt. Vorficht! Schreibmaschknenschwindel! Immer dreister wird ein Schreibmaschinenschwindler, der seit einiger Zeit KriegSgesellschaften, Verlagsanstalten, Verbände nnd dergleichen mehr heimsucht. Jetzt arbeitet er schon mit einem Gehilfen. Die beiden-erscheinen morgens früh, wenn außer den Reinemachefrauen noch niemand da ist, und erklären, daß sie beauftragt seien, die Schreibmaschinen nachzusehen. Sie sehen sich dann die Maschinen an, suchen sich die beste aus und erklären den Frauen, sie müßten diese, weil sie schadhaft geworden sei. zur Aus- besserung nach der Werkstatt bringen. Die Frauen haben in der Regel Bedenken nnd bitten, zu warten, bis die Beamten oder An- gestellten da seien. Die beiden Männer, der angebliche Monteur und sein Gehilfe, lassen sich jedoch darauf nicht ein, versichern viel- mehr, die Ausbesserung sei sehr eilig, die Maschine müsse schon um 16 Uhr wieder da sein. Sie nehmen dann die ausgesuchte Maschine kurzerhand mit und laffen sich nicht wieder sehen. Tie Raubmorde in der L i n i e n st r a ß e und in der K a r I- st r a ß e sind noch nicht aufgeklärt. Auch das Rätsel der Zurück- bringung des geraubten Geldes und Sparkassenbuches in die Räume du ermordeten Schankwirtin Frau Messerschmidt in der Linienstr. 63 ist noch nicht gelöst. Die Postkarte,, die der Kriminalpolizei die Rücksendung ankündigte, ist Josepha Pizarack unterschrieben. Ge- wünscht wird, daß alle, die ein Mädchen oder eine Frau mit diesen: oder einem ähnlich klingenden Namen kennen, sich bei der Kriminal- Polizei im Zimmer 126 melden. Es ist immerhin möglich, daß jemand aus der Handschrift erkennt, ob die Karte von einer Schrekberin mit einem ähnlichen Namen herrührt. BolkSkonzcrte-des Philharmonischen Orchesters Pnden statt am Dienstag, den 3. und Mittwoch, den 4. September, in der Phil- Harmonie. Bernburger Str. 22/23. am Freitag, den 6., Montag, den 9. und 16. und Donnerstag, den 26. September, in den Germania- Prachisälen, Chausieestr. 116, am Mittwoch, den 11. und Freitag, den 13. September, im Stadttheater Moabit, Alt-Moabit 47/43. Beginn 8 Uhr. Borverkanf bei der Zentralstelle für Volkswohlfahrt, AugSburgcr Str. 61, bei der Berliner Gewerkschaft-kommission, Engelufer 15, Zimmer 13(außer Sonnabends nachmittags), an der Kasse abends. Eintrittspreis 36 Pf. Kasseneröffnung 7 Uhr. Charlottenburg. Lebensmittel. K a r t o f f e I i?: 7 Pfnnd. Ab- schnitt 36 a— g der Kartoffelkarte-(Kiindenliste), Abschnitt 35 sind bevorzugt zu bedienen und gelten bis einschließlich 2. September. Zucker: 3I4 Pfund auf die Zuckerkarte vom 1. bis 15. September. F a u st k ä s o: 125 Gramm auf die Buiterkarie zum Preise von 2,74 M. pro Pfund. Die Käufer erhalten ihren Käse in den Ge- schäfien, die in den Bezirken der 11., 12., 14., 17., 13., 2t., 23. und 31. Brotkommission liegen. Allgemeine(Vroß-Bcrliner Lebensmittelkarte mit Aufdruck Char- lottenburg. Kunstbonig 256 Gr. Abschnitt X 56 vom 26. August bis 7. September Paketware zum Preise von 33 P. oder Ausstich- Ware zum Preise von 37 Pf. Einmachezucker 1 Bsd. oder Marine- lade 2 Pfd. nach Wahl ohne Voranmeldung auf Abschnitt 59 vom 2. Sevtember ab. Die Ausgabe von Einmachezucker erfolgt in den Geschäfien, in denen die Empfänger in die Kundenliste eingetragen sind, die von Marmelade in den Geschäften, in denen der Empfänger zum Bezüge von Kolonialwaren eingetragen ist. Die Ausgabe von Marmelade erfolgt nur bis zum 16. September. Suppen: 166 Gr. Abschnitt 61 vom 5. bis 14. September. Rote NabritngSmittelkarte. Räucherwaren V? Pfund auf Abschnitt 261 sowie auf Abschnitt„Es" der Berliner Bezugs- karte. Abschnitt 166 sowie die Abschnitte„Et d" der Berliner Bezugskarte behalten ihre Güliigkeit und sind vorzugsweise zn be- dienen; aus letztere Abschnitte darf jedoch nur je Pfund ab- gegeben werden. Frische See- oder Fluhfische je 1 Psimd auf Ab- schnitt 266 sowie auf Abschnitt ,G g* der Berliner Bezugskcirte. Knochenbrüh- oder Fleiichbrühersatzwurfel 3 Stuck auf Abschnitt 263 vom 5. bis 14. September zum Preise von 3 Pf. pro Stück. Im Monat September 1913 wird an die Kinder bis zu zwei Jahren 1 Pfund Kinderger st enmebk nnd außerdem für die Kinder im zweiten Lebensjahre, welche eine„A. Il"-Milchkarte besitzen, s e eine P f ti n d d o s e Malzextrakt zum Preise von 2,20 M. verabfolgt. Die Kindergerstemnehlkarten für Sep- tember sind gegen Vorlage amtlicher Altersnachweise in der Zeil vom 29. August bis 21. Sevtember 1�18 in den zuständigen Brot- kommissionen abzubolen. Malzextrakt wird gegen Abtrenming des obersten Abschnittes der Milchkarte in den 36 städtischen Verkaufs- stellen verabfolgt. Die in der zweiten Hälfte der Schwangerschaft befindlichen Frauen erbalten von der Brotkomniission Karten über 2 Pfund Weizengriqs'oder Hafernähr mittel und außerdem von der KrankenernährungSakvicilung Karten über 2 Pfund Zwieback.' Neukölln. Im Lauke der nächsten Woche kommen zur Ver- teilung: 166 Gramm Grtnipen»oder Grütze auf.Abfchnjtt 66 der allgemeinen Lebensmittekkarte, 225 Gramm Auslandsmarmelade, auf Abschnitt- 55, 256 Gramm AuSlandsmarmekade auf Ab- schnitt 56. Außerdem können an Stelle von Va Pfund Kunsthonig, welcher demnächst berteilt wird, von den vorhandenen Restbeständen schon jetzt Vt Pfnnd inländische Marmelade auf Ab- schnitt 53 entnoinmcn werden. DaS auf die Kinder im ersten und zweiten Lebensjahre entfallende 1 Pfund Kindergersten- inebl ist von den Nachzüglern ans den städtischen Ver- kaufsstellen umgehend abzubolen. Kartoffeibers orgztng: Es werden in der nächsten Woche wie bisber 7 Pfund Kartoffeln pro Kopf abgegeben: 1 Brietchen Süßstoff wird auf Abschnitt iE der Nenköllnsr Haushaltungskarte abgegeben. Fisch- und Raucher- waren: Der Verkauf von 1 Pfd. Frischfisch ans Abschnitt 122 der Warenbezugskarte,% Pfd. Räucherware auf Abschnitt 123 und V„ Pfd. Heringen auf Abschnitt 128 wird kortgesetzt, es wird der Einwohnerschaft jedoch empfohlen, den Abschnitt 123(Herings) bald einzulösen, da derselbe demnächst für ungültig erklärt wird. Die ncuc Kartoffelkundenlistc tritt Montag, den 2. Sepiember. in Kraft. Die bisberige Kartoffelknndenliste verliert mit dem gleichen Tage ibrs Gültigkeit. Kartoffclversorgung. Nach amtlicher Bekanntmachung dürfen in de? nächsten Woche auf die Kartoffclkartenabschnitte 36 a— g sieben Pfund Kartoffeln abgegeben und entnommen werden. Die Kar- toffelkartenabschnitte 35 a— g behalten bis Mittwoch, den 4. Sep- tember, ihre Gültigkeit._ Schöneberg. Bis zum 8. September findet Voranmeldung statt für 256 Gramm Auslandsmarmelade ans Abschnitt 57 der Groß- Berliner Lebensmiilelkarte. Ohne Voranmeldung werden entweder 1 Pfund Einmach-zucker oder 2 Psund Marmelade aus den Doppelabschnitt 59 ver Groß-Berliner Lebensmittelkarte ver- teilt. Ferner werden ausgegeben 166 Gramm Suppen auf Ab- schnitt 66 der Groß-Berliner Lebensmittelkarte und 266 Gramm Suppen auf Abschnitt 19 der Jugendlichenkarte. Wilmersdorf. Lebensmittel. In der Woche vom 1. bis 7. Sep- tember gelangen zur Verteilung auf Abschnitt 66 der allgemeinen Groß-Berliner Lebensmittelkarte 166 Gramm lose Suppen. Ferner ist die Voranmeldung zum Przuge von 256 Gramm Nährhefe auf Abschnitt E> der Bezugkarte für Einzelpersonen(8. Ausgabe, grau) durch Abgabe des Abschnittes 0 derselben Karte bei den Kolonial- Warenhändlern zu bewirken. Der Verkauf von 3/a Piund Heringen oder frischen Fischen bezw. Vz Pkund Räucherwaren ans die Ab- schnitte A und B der grauen Bezugkarte für Einzelpersonen wird fortgesetzt._ Treptow. Lebensmittel. Die Gemeinde derteikt außer den üb- lichen Rationen: 166 Gramm Nährniittel ans Abschnitt 66 der Groß-Berliner Lebensmittelkarte, 256 Gramm Auslandsmatmekade auf Abschnitt 56 der Groß-Berliner Lebensmittelkarte, 266 Granzm Suppenwürfel ans Abschnitt 19 der Groß-Berliner Lebensmittel« karte für Jugendliche, einen Hering auf Abschnitt 133 der Berlin- Treptower Lebensmittelkarte, 375 Gramm Zucker�aus AbsSnitt 46 dea Zuckerkarte des Kreises Teltow für die Zeit vom 1. bis 15. Sep- tember, Ve Psund bis iVa Piund Zucker für Kinder vom ersten bis siebenten Lebensjahre aus Abschnitt 22 der Zusatzzucketkarte des Kreises Teltow. Fische auf Abschnitt 119 der Berlin-Treptower Lebensmittelbezugskarie, Räucherwaren auf Abschnitt 139 der Berlin-Treptower Lebensmittelkarte nach Eintreffen der Ware. In den Gemütebandlungen inländisches und holländisches Gemüse und Werdersches Obst._ Reinickendorf. Vom 3. September d. I. ab gelangen auf dü: Kinderkarte A, Abschnitt September, 1 Psimd Kindergerstenme� oder Hafermehl und auf den Abschnitt V A 4 Pakete Zwieback a 26 Pf. oder 2 Pakete a 46 Pf. zur Ausgabe. Die bestellten Ferkel müssen am Montag, den 2. September, vormittags/ im Depot, Kopenhagener Straße'68, abgenommen woiden.__ Groß-Serliner Partemachrichten. Friedrichshagen. Die Kum Montag, den 2. September, ein- berufene Versammlung ist verboten. Zur nächsten Mit- gliederversammlung wird besonders eingeladen. Theatee öer Woche. Volksbühne: Ab 4.„Merlin".— Opernhaus: 1.„Mignon", 2.„Lohen- grill", Z.„Figaros Hochteit", 4.„Fidelio", 5.„HossmaimS Erzählungen", 6.„Tristan und Isolde", 7.„Tiesland", 8.„Jüdin", 9.„Carmen".— Tchanspieihails: L„Biel Lärm um nichts". 2.„Colbcrg', 3.„Journalisten", 4., 8.„giollfi",„Die Laune der Berliedtcn", 5.„Qnitzow", 6.„Meine Frau, die Sofschauspielerin", 7.„Bram von Messma", 9.„Peer Gvnl".— Deutsches Opernhaus: 1.„Orpheus". 2.„Tannhänser", 3.„Zar und Zimincrmanil", 4., 9.„Schöne Helena, 5.„Hugenotten", 6.„Fledermaus", 7.„Meistersinger, 8.„Martha".— Deutsches: 1. 9.„Faust I", 2.. ö. „Lebender Leichnam", 3.„Weibsteufel", 4.„Hamlet, 6.„Was ihr wollt", 7.„Othello", 8.„Don Carlos".— Kammerspiele: 1., 3., 5., 8,„Kinder der Freude", 2.„Nathan", 4., 7., 9.„Hannelcs Hhnmclfohrt", 6.„Äain", „Besuch aus dem Elhsium".— Lcssing: 1., 2., 4., 6., 9.„Liebe", 3., 8. „Peer Gynt", 5.„Damaskus 1", 7.„Damaskus II".— Königgrätz'er:„Die fünf Frankfurter" 1., 4., 6., 9.„Schwestern und der Fremde".— Kom'ödicnhaus:„Schrittmacher", 3., 6.„Die Zarin".— KlsiWs: 1., 2., 6. „Liebelei", 3. 4., 5.„Jettchen Gebert", 7., 8., 9.„Tie Einsamen".— Schiller Charlottenbucg: 1.„A!t-Hcidelberg", 2., 3., 6., 7., 9.„Ein BolkS- jcind", 4., 6., 8.„Pfarrer von Kirchfeld". Täglich: Berliner:„Blitzblaucs Blut".— Residenz:„Der junge Zar".— Wallncr: Ab 4.„Graf Habenichts".— Trianon:„Lebsnßscküler. — Künstler:„Hutmacher Cr. Dirrchlaucht".— Friedrich-Wilhelmstädtisches: „Dreimäderlhans".— Westen:„Lustige Witwe".— Lustspielhaus: „Spanische-Fliege".— Nellcndors:„Drei alte Schachteln".— Zentral: „CjardaL-Furstm".— Thalia:„Unter der blühenden Linde".— Komische .Schwarzwaldmädel".— Metropol:„Rose von Stambul".— Oper: Neues Lpirettcnhans:: „Warschauer Ballett". „Süße Mädel" Palast-Theater am Zoo: Serichtszeitung. Das gestohlene Fahrrad. Ein mit großer Dreistigkeit ausgesührtec Fahrraddiebstahl gab Anlaß zu einer vor Kammer 5 des Berliner GewerbegerichtS verhandelten Schadenersatzklage. Bei der Firma Schwartzkopfs besteht die Einrichtung, daß Arbeiter, die mit Fahrrädern zur Fabrik kommen, ihr Rad in einem Schuppen unterstellen und dort an- schließen. Außerdem erhält jeder Besitzer eines Rades eine Marke, die� er dem Portier vorzuzeigen hat, wenn er mit dem Rade das Fabrikbor passiert. Trotz dieser Sicherungsmaßnahmcn ist das Rad des Klägers gestohlen worden. Ter Dieb hatte das Schloß erbrochen und das Fabriktor in dem Augenblick passiert, wo der Portier mit einem Manne sprach. Ein- Junge, der dem Portier zur Unterstützmrg beigegeben war. fvagie zwar den Führer des RadcS nach der Marke. der aber ging schnell an dem Jungen vorbei und kam ungehindert zum Tor hinaus. Der Kläger verlangt von der Firma 366 M. Schadenersatz, weil die Firma ihre Aufsichtspflicht dadurch vernach- lässigt habe, daß der Dieb nicht am Fabriktor angehalten worden sei, als er keine Marke vorwies. Das Gericht wies die Klage a L. Ein Verschulden der Firma sei nicht nachgewiesen. Sie habe die nötigen Sicherungen gegen Diebstahl getroffen. Wenn trotzdem im vorliegenden� Falle ein Diebstahl ausgeführt werden konnte, so sei das einem- unglücklichen Zufall zuzuschreiben, für den die Firma nicht verantwortlich gemacht werden könne. Mus aller Welt. Mafsciivergiftungeu nach dem Genuß von Pferdefleisch. In Kannen bei Dortmund sind nach dem Genuß von Pferde- fleisch zahlreiche Personen erkrankt. Nach dem Bericht des Lokal- blattes befanden sich bis Donnerstag nicht weniger als 366 Personen in ärztilcher Behandlung. In einzelnen Familien liegen sämtliche Angehörige schwerkrank danieder. Die Vergiftungen erstrecken sich über die ganze Stadt, doch sind fast ausschließlich Arbeiter- fa milien davon betroffen. Wie unserem Dortmunder Partei- blatt berichtet wird, find leider bereits mehr als 16 Todesfälle zu verzeichnen. Unter den Toten befindet sich auch der Filialleiter der Partei, der Genosse Wilhelm Rose. Ob etwa die Vergiftungen auf PiHfitgier und Gewissenlosigkeit zurückzuführen sind, wird hoffen!- lich die eingeleitete Untersuchung feststellen. Sriefkaften üer Reöaktion. Samariter. Die Adressen der Kst-ankenkassen finden Sie im Berliner Adreßbuch, Teit II, Seite 208.— A. F. Nr. v. Die Kirchensteuer ist bis zum Ende des aus den Austritt solgenden Kalenderjahres zu zahlen. T er Austritt verursacht 4 M. Kosten.— Kriegs invalide 28. Giftige Schnecken gibt es nicht.— M. R. Der Reichskanzler erklärte in der Reichstagssitzung vom 4. August 1914 m bezug auf den deutschen Einmarsch in Belgien unter anderem folgendes: Das Unrecht, waS wir damit tun. werden wir wieder gutzumachen suchen, sobald unser militärisches Ziel er- reicht ist.— O. 5t. 27. Die Adressen der gewünschten Parteizcitungen sind:„Schwäbische Tagwacht-, Stuttgart(monatlich 1,-26 M.),„Müchener Post", München(1,25 M.)— M. G. 387. Wenden Sie sich an den Arbeitsnachweis Berlin C., Gormannstr. 13.— M. M. ZOO. New. — Altersrente 63. Altersrente 295 M. pro Jahr. Die Ncnle ruht nach Z 1311 R.-B.-O. neben der Unsallrentc, soweit beide den 7fl,sachen Grund- betrag der Invalidenrente, also 756 M. pro Jahr, übersteigen.— K. 113. 1. Nein. 2. Ja. 3. Ja, sür das lausende Jahr.— Umschreibung. Das Kind muß an KindeSstal: angenommen(adoptiert) werden. Nur durch notarielle und gerichtliche Urkunden.— Mitau 12345. 1. Ja. 2. Neiu. 3. Nein. 4. Sie haben nur Löhnung zu verlange» sowie Nahrungsmittel, Genußmitlcl tonnen gewährt werden. 5. Kommt auf den Borgesetzten an. — 21. I. 2. Darüber bestehen leine bestimmte» Vorschristen. Es wird je nach Vorrat bewilligt.— H. H. 100. Kommen Sic mit den Papieren in die Sprechstunde.— F. L. 13. Wenn Sie berechtigten Verdacht haben, brauchen Sie sich nur an die Kriminalpolizei zu wenden.— W. W. I. Bruchanlage, Iranlhajte Veränderung der Wirbelsäule, Ptattsuß.— Obermaat. stein.— R. 50. Stellen Sie Antrag an den Kommandanten Ihres Gefangenenlagers.— F. F. 25. Noch sür das auf das Austritts- jähr folgende Kirchenjahr.— stlgiics D. 0. Gewiß kann der Erholungs- Urlaub a!s Heimaturlaub angerechnet werden.— 21. 8. 168. 1. Ja. 2. Beim Bczirkslommando.— F. 3. 50. Sie sind zum 1. Oktober 1918 ordnungsgemäß gekündigt. Rufen Sie aber gleich das Mietemigungs- amt ivegen Aushebung der Kündigung an.— E. B. 108. Ihre Frage wollen Sie wiederholet: unter genauer Angabe der Verhältnisse.— Stenerverwaltung 2. 1. Die Rente selbst muß versteuert werden. 2. Ja, zur Gemeindesteuer. 3. Leide: ja. — E. M. Buchdrucker. Kommen Sie einmal persönlich zur Sprech- stunde.—(f. 29. Sie müssen vorerst der Einderusung Folge leiste«. An- wag wäre zu richten an das Stellvertretende Generalkommando.— Freireligiöse Gemeinde. Sonntag, den 1. September, vormittags 9 Uhr, Pappel-Allec 15,17; Neukölln, Jdealkasino, Weichselstr. 8; Oberschöneweide, Wilhclminenhosstr. 43 bei O. Pamp:„Freireligiöse Vor- lesung."— Vorm. 16'/, Uhr Kleine Frankfurter Str. 6 1 Vorwag von Frau Warte Krische:.„WaS muß der moderne Mensch bei der Kinder» erziehung berücksichtigen?* Gäste willkommen. Wasserstandsnachrichten der Landesonstalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wettcrburcau. ■'■A Ä WelicrauSstwlen für das mittlere Storddeutscbland bis Montag mittag. Ziemlich kühl und vorwiegend trübe: mit weitver- breiteten, im Norden, besonders an der Küste vielfach starken, im Süden meist gerwgen Regenjällen. Dazwischen zeitweise austfarend. Nr. 240 4. ZS. Jahrgang 2� Sonntag, 1. September 1H?S mswMw swr'Tmam. iii.i.w-idjwiini 1............................ iiiMätf�BL��iH#Fbi�ss2B3S5�i80!�aiBg�s!5ssg�iDSit��iEgaBSMtowrjiffMMWTgfi�"cy�3feiHuii>1 imiiwMimmmnmmnBmmBmimnnttmmmmmamamKmmnmmnnnKmmMBma Leipziger Herbstmesie. Von Wilhelm Carle- Frankfurt a. M. Die neunte Kriegsmesse neigt ihrem Ende zu. Fünfeinhalb- tausend Aussteller und über hunderttausend Besucher(d. h. etwa sechsmal soviel als bei der letzten Friedensmesse) hatten sich diesmal zusammengesundea, eine Nekordzisfer, die.in der Geschichte der Leipziger Mustermessen ohne Beispiel dasteht. Wenn auch in erster Linie der gesteigerte Warenhunger die Einkäufer so zahlreich nach Leipzig kommen läßt, so ist doch kaum anzunehmen, daß sie hier Zeit und Geld opfern würden, wenn nicht auch ein entsprechendes Warenangebot vorzufinden wäre. Ge- witz können die Aufträge im allgemeinen weder in der Friedens- qualität noch in dem Frieden sumsang ausgeführt werden, aber es bleibt immerhin bewundernswert, was die deutsche Industrie trotz der ungezählten Schwierigkeiten zu leisten imstande ist. Diese steigende Erkenntnis über unsere wirtschaftliche Leistungsfähigkeit hat auch auf die Abwicklung der Metzgeschäfte insofern einen günstigen Einfluß ausgeübt, als sich Käufer und Verkäufer immer mehr bemühen, die Dinge zu sehen, wie sie wirklich sind. Zwar sind di< Warenpreise hoch, aber die Forderung von Phantasiepreisen ohne Ucbernahme irgendemer Verbindlichkeit bezüglich Qualität und Lieferzeit auf der einen Seite, und das blinde Bestellen um jeden Preis auf der anderen, hat einer ruhigeren Geschäfisauf- sassung Platz gemacht. Man erkennt heute klarer die Möglichkeiten. Die Kunden bestellen ihren regulären Bedarf zu Preisen, die den Verhältnissen angemessen sind, und erhalten dafür in den meisten Fällen die Zusage rechtzeitiger Lieferung in bemusterter Qualität. Im einzelnen wäre zu sagen, daß die keramische Industrie, die zwar Nicht unter dem Rohstoff-, aber unter dem Kohsenmangel leidet, in bekannter Weise gut vertreten ist. Besonders Gebrauchs- geschirr(auch für den Export) ist sehr geftagt. Glaswaren, ins- besondere Luxusgegenstände, sind ebenfalls sehr begehrt. Ebenso erfreuen sich Hans- und Küchengeräte, besonder? Holzwaren, starker Nachfrage, die nicht durchweg be- friedigt werden kaum Der gesteigerte Bedarf an Spielwaren kann infolge Rohstoffmangels nicht gedeckt werden. Während z. B. Spiele aus Pappe in genügender Menge erhältlich sind, hat die Puppenfabrikation durch den Mangel an Stoffen, Zelluloid, Haaren usw., mit grotzen Schwierigkeiten zu kämpfen. Die NahrungSmittclmesse hat dank der behördlichen Verfügungen über Ersatzmittel eine ebenso erfreuliche wie notwendige Reinigung erfahren. Zwar sind es noch übergenug der Fleisch-, Fett-, Gewürz-, Eier-, Likör- usw. Ersatzmittel, deren Wert in keinem Verhältnis zum Preis steht, aber ohne behördliches Eingreifen wäre ihre Zahl sicherlich ins Ungemessene angeschwollen. Ein« steigende Beteiligung hat die Textilmesse aufzuweisen, die durch die gleichzeitig, allerdings getrennt statt- findend« FaserstvffanSstelluns eine wertvolle Ergänzung erfährt. Papiergeweb« jeder Art, inS- besondere für Kleidung und Wäsche, begegnen starker Nachfrage. Man sieht Stoffe mit wunderbarer Geschmeidigkeit, von denen man nicht glauben möchte, daß sie ein Holzprodukt sind. Sehenswertes zeigt auch die Abteilung für Berpackungsmittel, in der insbesondere wasserdichte und säurefeste Papiergefäße Be- achtung und Käufer finden. Neu angegliedert ist zum ersten Male eine Technische und eine Baumaterialienmesse, über die sich Abschließendes noch nicht sagen läßt. Der Gesamteindruck der Messe kann als äußerst erfreulicher bezeichnet werden. Die Messe ist ein deutlicher Gradmesser unserer wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit, der auch im Ausland aufmerk- Verkäufe Pelzgarnituren! Günstiger Einkauf sämtlicher Pelzwaren, da kein Laden. 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Die Leipziger Messe entwickelt sich immer mehr zu einem Zentvalpunkt, der die modernste Form des Warenverkehrs darstellt, weil sie durch möglichste Ausschaltung unwirtschaftlicher Zwischenglieder, wie Reisender, Vertreter, Agenten usw., Zeit, Geld und Arbeit erspart. Durch die Messe hat der Fabrikant Gelegen- heit, seine Kunden persönlich kennen zu lernen und ihre An- regungen und Wünsche selbst entgegenzunehmen. Der Einkäufer wiederum kann sich durch den Augenschein von der Beschaffenheit der Ware überzeugen, Preise und Bedingungen mit denen der Konkurrenz vergleichen und so am vorteilhaftesten bestellen. parteinachrichten. Zum Kesseltreiben gegen die Gewerkschaftsführer. Das Berliner„Mitteilungsbatt" der Unabhängigen betrachtet es anscheinend als seine wichtigste Pflicht, die Arbeiterschaft immer von neuem gegen die Gewerkschaftsführer mobil zu machen. Neuer- dings veröffentlicht das Blatt ein Stück aus einem Protokoll der Gewerkschaftsvorständekonferenz vom August 1914. Es handelt sich dabei um die Beantwortung einer Anfrage des nationalliberalen Abgeordneten De. Böhme, ob die Generallommission zu einem ge- meinsamen Vorgehen aller wirtschaftlichen Organisationen bereit sei. In der Debatte sprachen sich die Vertreter der Generalkom- Mission und die meisten Gewerkschaftsvorsitzenden dafür aus, recht vorsichtig zu antworten und sich freie Hand für die Zukunft zu wahren. Man fürchtete, bei einem Zusammengehen mit Bauern- bündlern, Christen, Hirschen und allen möglichen anderen Ver- bänden in der WahlrÄhtsfrage zu viel von der Wahlrechtsforderung der Arbeiter drangeben zu müssen, und wollte auch in dieser rein politischen Frage nicht ohne Einvernehmen mit dem Parteivorstand arbeiten. Auf der anderen Seite wollte man nicht ablehnen, da vielleicht für das Wahlrecht etwas herauSzu/holen war, und so gab man eine ausweichende Antwort, die Dr. Böhme gestattete, zu- nächst die Vorarbeit bei den übrigen Verbänden in Angriff zu nehmen. Dies ist der Tatbestand, der sich auch aus dem Protokollauszug deutlich ergibt. Das„Mitteilungsblatt" faßt die Sache anders auf: „Nach Ausbruch des Krieges, als die Gewerkschaftsführer wegen dert von ihnen erhofften Neuorientierung vor Wonne bebten, trat eine Gruppe bürgerlicher Politiker an sie heran, mit dem Ersuchen, eine Agitation für die Beseitigung deS preußischen Dreiklassenwahlrechts einzuleiten. Ueber eine solche Zumutung waren aber die Gewerkschaftsführer sehr erschrocken: Sie sollten mitten im Burgfrieden die Neuorientierung in die Tat nmzu- setzen beginnen? Undenkbar!" Und natürlich folgen nun heftige Vorwürfe gegen Bauer, Le- gien, Leipart, Päplow usw. Merkwürdigerweise nicht gegen den Unabhängigen. S t m on vom Schuhmacherverband, der ganz über- einstimmend mit den andern Rednern„größte Vorsicht" bei der Be- antwortung der Anfrage empfahl. Aber der Böhmesche Vorschlag ist schließlich Nach mancherlei Irrfahrten und Mißgeschicken nicht fallen gelassen worden, sondern zur Ausführung gelangt. Im Sinne der Böhmeschen Vorschläge ist schließlich der Volksbund für Freiheit und Vaterland gegründet worden. Und jetzt kommt das Berliner„Mitteilungsblatt" der Unabhängigen mit einer Enthüllung auS dem Jahre 1914, um den Gewerkschaftsführern bittere Vorwürfe darüber zu machen, daß sie nicht schon damals begeisterter in diese Zusammenarbeit mit den bürgerlichen Politikern und anderen Arbeiterorganisationen eingeschlagen haben, um mit diesen gemeinsam für das Wahlrecht zu kämpfen.. UeberdieS sollte da?„Mitteilungsblatt" doch wirklich nicht so sehr den Entrüsteten markieren. Denn selbst unter den heutigen' Unabhängigen befanden sich vor vier Jahren Leute, die unter den damaligen Verhältnissen es nicht für ratsam hielten, in einen ernsten Kamps für die Beseitigung des preußischen Dreiklassenwahl- rechts einzutreten. Diese aus dem Verlauf verschiedener Sitzungen der Patteiorganffation hervorgehende Tatsache kann doch den forschen Kämpen aus dem unabhängigen Lager nicht so ganz aus dem Gedächtnis entschwunden sein. Weshalb also das Geschrei über die pflichtvergessenen Gewerkschaftsführer?! ?nöustrie unö Handel. 1204 Millionen Einlagcnbestand der Groß-Berliner Sparkassen. Nach einer vom Reichsstattsttschen Amt veröffentlichten, von der Berliner Sparkasse zur Verfügung gestellten Uebersicht hatten die 13 Groß-Berliner Gemeinde- und Kreissparkassen Ende März dieses Jahres einen Einlagebestand von insgesamt 1294,3 Millionen Mark zu verzeichnen. Davon entfiel fast die Hälfte auf die B e r- liner städttsche Sparkasse mit 387,4 Millionen Mark. Die zweit- größte Sparkasse Grotz-Berlins ist die Teltower Kreissparkasse mit 166 Millionen Einlagenbestand, die dritte die Schön eberger städttsche Sparkasse mit 191 Millionen. Es folgen dann: die städtische Sparkasse Charlottenburg mit 93 Millionen M., die Niedsrbarnimer Kreissparkasse mit 79 Millionen, die Neuköllner Sparkasse mit 33 Millionen, die Spandauer Sparkasse mit 43 Millionen, Lichtenberg mit 23 Millionen, Wilmersdorf mit 13 Millionen, die Gemeindesparkasse Reinickendorf mit 12 Millionen, Pankow mit 19 Millionen, Weißensee mit 7,4 Millionen, die Stadt- sparkasse Köpenick mit 6 Millionen, die Gemeindesparkasse Steglitz mit 4,9 Millionen und die jüngste Sparkasse Groß-Berlins, Lichter- felde, mit 9,3 Millionen. Der letzte Berichtsmonat Juli zeigte bei allen 13 Groß-Berliner Sparkassen einen Ueberschuß der Ein- zahlungen über die Rückzahlungen in Höhe von zusammen 43.2 Millionen Mark, während im Juli 1917 mit 21,2 Millionen Mark kwm die Hälfte dieses Einzahlungsüberschusses zu verzeichnen war. Auch gegenüber dem Juni 1918, wo der Ueberschuß 33,2 Millionen Mark betrug, ist eine weitere Zunahme festzustellen. Von den größten Sparkassen Groß-Berlins hatten im Juli einen Einlagen- Überschuß aufzuweisen: Berlin 19,2 Millionen, Teltow 73 Millionen, Schöneberg und Cbarlottenburg je 3,6 Millionen, Niederbarnim 2,3 Millionen, Neukölln 2 Millionen und Spandau 1,3 Millionen Mark,._ Der Wille zum Wirtschaftskrieg. Ein Amsterdamer Blatt meldet aus London, daß auf der Ver- sammlung der Banmwollfabrikanten in Liverpool die Bestimmung angenommen wurde, während einer Zeit von 19 Jahren nach dem Friedensschluß keinen Handel mit dem Feinde zu treiben. Auch«in leuchtendes Beispiel der Kriegshypnose. Lizenzvergebung für den Daimler-Motor. Wie die„Franks. Ztg." erfährt, ist vor einiger Zeit der L. A. Riedinger Maschinen- und Bronzewarenfabrik A.-G. in Augsburg und der Neuen Automobil A.-G.(N. A. G.) in Berlin von den Behörden die Zwangslizenz zur Herstellung des Daimler- MotorSiii bertragen worden. Es wurde dabei ein Richtpreis fest- gelegt, der den Unternehmungen einen normalen Gewinn läßt. Soziales. Ter Abkehrschein des Hilfsdienstpflichtigen. Ein Arb e itaeber war unter Anklag« gestellt worden, weil er einen Hilfsdienst Pflichtigen beschäftigte, der keinen Abkehrschein hatte. Das Landgericht hatte ihn freige- sprachen, indem es ausführte, daß auS dem Wortlaut und dem Zweck des§ 9 des Hilfsdienstgesetzes zwar die Verpflichtung zu entnehmen sei, sich genau zu vergewissern, ob der Hilssdienstpflich- tige einen Abkehrschein habe. Es sei aber anzunehmen, chaß der Angeklagte die ihm obliegende Sorgfaltspflicht dadurch erfüllt habe, daß er die mit dem Anwerben der betreffenden Arbeiter beauftrag- ten Angestellten angewiesen habe, nur solche Hilfsdienstpflichtige anznp. len, die im Besitz« eines Abkehrscheins seien. Die Fahr. l ä ss i g k e i t wurde um deswillen verneint, weil bei der Art und dem Umfang deS Betriebes dem Angeklagten nicht zugemutet werden könne, sich persönlich darüber zu vergewissern, daß jeder Arbeiter den vorgeschriebenen Abkehrschein hahe.— Eine andere Ansicht vertrat das Oberlandesgericht Kalmar, das den Angeklagten zu Strafe verurteilte. Der Angeklagte könne die' ihm durch§ 9 des SilfsdienstgesetzeS auferlegte öffentlich-vechi- liche Pflicht nicht einfach auf beliebige Angestellte abwälzen. Diese Bestimmung deS Hilfsdienstgesetzes sei ihrem Inhalte nach eine Polizeivorschrift im Sinne des§ 151 der Gewerbeordnung. Der Angeklagte habe die Pfttcht, soweit ihm in seinem Bettiebe die eigene Aussicht nach den Ver- Hältnissen nicht möglich sei, mit der erforderlichen Sorgfalt ge- eignete Betriebs leiter oder Aufsichtspersonen auszuwählen und diese sorgfältig zu überwachen. Anderenfalls sei er fütp deren GesetzesübertretungeiT strafrechtlich haftbar._ PianoS, Flügel, Harmonien, gebrauchte Pianos und Har- monien billig. Neue Instrumente Teilzahlung. Piauo- fabrik Konrad Krause, Ans- bacherstraße 1, Ecke Kurfürsten. straße._ 21K� PianoS auf Teilzahlung und zur Miete. Pianohandlung, Göbenstraße Ivo._ 61ft* Phonographen-Katz. Gram- mophon-Gramola-Apparate find die besteu. Wieder eingetroffen: Rose von Stambul usw. Neuaufnahmen: Schwarzwald- mädel. Drei alte Schachteln, Alexanderplatz, Weinmeister- straße 2, Cbausseestraße 82, Große Frankfurterstraße 144, Neukölln, Bergstraße 4. 2/37" Friedenspreise! Friedensware. Hunderte gebrauchter Fahr- rüder aller Gattungen, sowie Nennmaschinen, Bezeträder, auch Ersatzbereifuna. 39,—, 60,—, 70,—. Fayrradlager, Weberstraße_42.___ 80K Herrenrad 30,—, Damenrad 75,—, auch Freilaufräder. Kraus. Andreasstr. 22, 1. 101/20 . oi'dee Malerin hat preiswert einige gute Oelbilder abzugeben, Offerten J. 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Geöffnet von 11— IVi und von«Vi— 7 Uhr. Spandau. SIemenSstadt: E. Stahl, Spandau. Marfchallstr. 10. Tegel. Borsigwalde. Wittenau, Waidmanuslust, HermSdori, Hohen-Neue«- dorf. Birkenwerder. Frei« Scholle und Reinickendorf-Weft: Paul Kienast, Borsigwalde, Räuschstr. 10. Geöffnet von 11— IVi und von«Vi— 7 Uhr. Teltow: Pfeifer, Havelstr. 2. Tempekhos: Rud. Ueckermann, Kaiscr-Wilhelm-Siroß« 74. Treptow: Rob. Gramen», Kiefholzstr.«12. vorn 1 Trepp«. Weißensee: W a s i e l e w S k Berliner Mee 11. Wilmersdorf, Halense«, Schmargendorf: Paul Schubert, Wilhelm»- • aue 27. Zossen: Troemel, Wasserstraße 4. Sämtliche Parteisiteratur sowie alle wissenschaftliche» Werke werden geliefert, Sonntag» find die Ausgabestelle« gefchlosse«. Zar Einsegneng Kleid au» schwarzem, alpakka&xtigsm Woil- atoff. Lange! 10, i 1 5, 120,125cm 125.00 Kleid aus schwarzer Seide, mit Stickerei- Verzierung, Lge.! 10, IM' elf: 250.00 BERLIN C Sfianiauer Str. 16 Seiöe u. 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Sachsen. Schmuhl, Wilhelm, Schlosser, geb. 25. 6. 83, Berlin. Wendt, OttO, Maschinenarbeiter, geb. 3. 9. 82, Schlawe. Ehre ihrem Andenken! 117 Tie Lrtsverwaltung. Mer TWiMl'MM. Zahlstelle Berlin. AIS weitere Opfer des Weltkrieges haben wir den Bcr» luft nachstehender Mitglieder zu beklagen: tt„cco> Pmil g°b. 9. 10. 1885 in Belgern, DllSbe, C1I1I1 gefaUcn 14. 6. 1918, RoMor Mnv geb. 2». t. 1898 in Kulmbach, �»suer, ind\ gefallen im Juli 1918. Warl geb. 20. 6. 1894 in KottbuS, UrLdt,NCr, IVcirl gesallcn im Mai 19-8. »omaich. ärtur ftj* UM-»-. Faustmann, Paul iSÄVfiMs!"*' Fflhpr Infi Ann geb. 12. 3. 1879 in Wagstadt. i aucF) JUlldnn löblich verunglückt 26. 7. 1918. Fllndt, Max WZ* � Haeckel, Waldemar'im01;"' Hartmann, Richard 9�25. s.isssmDriesin. gefallen 3. 5. 1918. geb. 30. 8. 1896 in Berlin, gefallen 1. 6. 1918. Haase, Max Krappatsch, Ernst �am42o18!3mf.cnt§'"' Melchert, Georg®erlin' PifOCfl PaiiI geb. 25. 1. 1885 in Nendannn, IVlCgU, r aut gefallen 15. 6. 1918. PtmS Bmnn 9eb. 10. 4. 1897 in Berlin, U-ttNIU gefallen im Aiai 1918. Zador, Hermann Ä�Tm 8eid!er, Ulbert g°M°n k En'«eI' Ctjrf'/ PaiiI geb. 15. 6, 1886 in Berlin, Olirif, 1«Ul gefallen im Mai 1918. TTIoirh ArnnlH geb- 3- 1890 in Berlin. UiriCU, ArUUlU gestorben im Lazarett 4. 7. 1918 Wegener, Willi kTd�otl Wittenberg, Wilhelm 19 7 89 9erIin' Wuttig, Max gefallen 17. 5. 1918. geb. 3. 5. 1890 in Berlin, gefallen 2. 5. 1918. Wir werde« allen ein ehrendes Andenken � bewahren: ! 23/16 Die Orteverwaltong. Als Opfer des Weltkrieges hahen wir folgende I Mitglieder verloren: Ernst Priedel ■'Ml Jahre alt. Max Fourestier 22 Jahre alt. Karl Peukert 22 Jahre alt. Gustav Reich 35 Jahre alt. Ehre ihrem Andenken! Die Drisvem-nltnns. 138 L /Hi*.•->& ��54;V..f -ii.' � yJk:\V; v. Ft'V Am Donnerstag, den 29. August, nachmittags 3'/, Dhr, entschlief sanft nach kurzem aber schwerem Leiden mein innigstgeliehtor Mann und treusorgender Vater, Bruder, Schwager und Schwiegervater, der Restaurateur Wilhelm Erb© einen Tag vor Vollendung seines 58. Lebensjahres. Dies zeigen tiefbetrübt mit der Bitte um stille Teilnahme an 1781L Wllhelniine KrUe, geh Filter, Ijuiwe Sleinbries als Tochter, <»ns.t!iv Onrth und Frau, geb. Erbe, Helift-ich Kautenberjg und Frau, geb. Erbe, Wilhelm Wenzel und Frau, geb. Erbe, Hermann Filter und Familie. Bruno Sembrles und Tochter als Schwiegersohn und Enkelin. Er war der Besten einer! Die Einäscherung findet Montag, den 2. September, nachmittags 4 Uhr. im Krematorium Berlin-Baumschulenweg, Kiefholzstraße, statt. Curn- verein ..sichte" 7. Männer- Mteilg. Mitgl. d. A..T.-B. Den Mitgliedern zur Nach- ! richt, daß unser lieber Turn- genösse Willielin Erbe j am Donnerstag, 29. August, I plötzlich verstorben ist. > Ehre seinem Andenken: Die Einäscherung findet ! am Montag, den 2.«cp- lembcr, nachmittags 4 Uhr, im Krematorium Treptow, j Kiesholzstraßc, statt. 185/4 Ziege Beteiligung. Ist er- j wünscht. Verband der Last- und Schanlnvirte Deutfdllands. Verwaltungsstelle Trept.-Baumschulenweg. Am 29. August entschties nach kurzer Krankheit unser liebes, treues, langjähriges Borslandsmitglied und Kassierer, der Gastwirt ttfilh. Erbe einen Tag vor seinem voll- endeten 58. Lebensjahre> Wir verlieren in dem Entschlafenen einen unserer Besten. Er war stets de- strebt, in korrektester Weise die ihm übertragenen Ehrenämter zur vollen Zufrieden- heit seiner Kollegen auszu- sühran, auch immer bereit dazu, die Interessen de-? GastwirtssiandeS würdig zu vertreten. Wir werden sein An- denken immer in Ehren halten. Die Einäscherung findet am Montag, den 2. Sep- lember, nachmittags 4 Uhr, im Krematorium, Kiesholz» straße, statt. 304lb ' Der Vorstand. I Zentralwahlverein tcltow Beeshow(S. F. D.). | Bezirk Treptow-Baum- schulenweg. Am 29. August verstarb j nach kurzem Krankenlager unser langjähriges, treues | Mitglied, der Gastwirt Vildslm Erde im 53. Lebensjahre. Sein gerader und aus- rechter Sinn sowie sein stets bilssbeccites Wesen sichern ihm ein ehrendes Andenken. Der Borstand. Die Einäscherung findet am Monlaonachmittag 4 Uhr im Krematorium Baum- schulenweg, Kiesholzslraße. statt. 194/9 Am 29. August entschlief sanst und sriedlich nach langem, schwerem Leiden im 45. Lebensjahre mein inniggclicbtcr Mann, unser guter, trensorgendcr Vater, Bruder, Schwager und Onkel 195/'1 Gustav Müller. Um stilles Beileid bitten die trauernden Hinter- blicbenen Gertrud Müller geb. Mix nebst Kindern. Die Beerdigung findet am Dienstag, 3. September, nachmittags 4 Uhr, auf dem alten Pauls- Kirchhos in Plötzensce, Seestrafie, statt. Spezmimt Dr. med. Hasch«, Fri8drichstr.90sVaMMrt Bebandl. von Syphilis, Haut. Harn-, Frauenleiden, jpez.: chromFällc. Schmerzloje, kürzeste Behandlg? ohne Berujsstörung. Blutuntersuchung. Mäß. Preise Teilzahlung. Sprechstunden 11 bi» 1 und 5— 8, Sonnt. 11—1 Als Opfer des Weltkrieges starb am 3. August| 1918 im Feldlazarett des jWestens, nachdem er am I. 8. durch' eine Granate' schwer verwandet, unser Kollege und ArbeiteraussohuiJ- Mitglied, der Ma-| schinenarbgiter Otto Wendt. Wir verlieren in ihm einen unsrer besten und| pflichtgetreuesten Kollegen. Wir werden seiner j .stets gedenken! Dis Mim 11. Kolleginnen öer Finna Lußwig Loewe n. Co. Abt. Werkzeugbau. 111h Als Verlobte empsehlen sich: .4uua Zimmermann, Berlin. Adolf Zyllkowskl, Grünau/Mark. 17421 Schneiderpuppe, 42—44 verstellbar, mit Rohrrock, noch völlig neu, sowie ein ver- schließbares Ladentischpult sind billig zu verkaufen. Zu crsrageu bei Fromkc. Wiesen- straße 5, vorn 3 Treppen.- Plötzlich und un- erwartet tras uns die traurige Nach- richt, daß am August unser einziger geliebter Sohn und Bruder, der Sergeant kielian! Ziminerniann Inhaber des Eis. Kreuzes im 30. Lebensjahre infolge eines BiulfturzeS verschied. Er folgte seinem Bruder Otto ZinrniGnnann dem Reiter bei der Schutz- truppc in Asrika, weicher vor 3 Jahren im gleichen Alter im Lazarett in Ma- rienthal an Typhus gc- jtorben ist. In tiesster Trauer Familie Zimmermann. köargerete Goliaseb, Verlobte. Ww. Anna Zimmermann nebst Kindern, z. Z. in englischer Gesangenschast in Deutsch- Südwcst-Asrika. Die Beerdigung findet am Montag, den 2. September, nachmittag? 4 Uhr, auf dem Heilig-Kreuz-Kirchhoj. Ma- riendors, Eisenacher Straße, statt. 3045b Tempelhos, Ottokarstr. 1. Wir erhielten die traurige Nachricht, daß auch unser zweiter lieber hofsnungs- voller Sohn und Bruder Fritz Knobloeh sein junges Leben in dem schrecklichen Kriege lassen mutzie; er starb an den Folgen einer sich im Felde zugezogenen BlmvergislutZg. Robert Linobloch, zurzeit im Felde. Anna Knobloch. Else Kuobloch. Berlm-Schönebera, Gothen, tr. 23. 251/20 Speziaiam Dr. med. 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Dienstag, den S. September 1918, abends 7 Uhr: Branchen-Versammlung der Älntogenschweitzer und-Schweißerinuen im Gewerkschaftshaus, Engelufer To, Saal 4. Tagesordnung: / l. Branchenangelegenbeiten. 2. BerfchiedeneS. Die Kollegen und Kolleginnen werden ersucht, recht zahlreich und pünttlich z» erschewen. Nach Erledigung der Tagesordnung: Geselliges Beisammensein. 117 Ote Ortsverwal tnwy. Die dritte NachtragSkrtannlmachiii:,, oeS OvcrlommandoS In den Marken vom 1. September 1918 zur BefannNnachunz vom 1. Mai 1915, betresiend Bestandsmeldung und Beschlag. nabme von Metallen tritt mit dem Beginn deS 1. November 1918 in Kraft. Dir vollständige amtliche Bekanntmachung ersolgt an den Anschlagsäulen iftib in der.Norddeutschen Allgemeinen Zeitung". (315. I. 4. 18. II. Ang.) Berlin, den 1. September 1918. Ter Polizeipräsident. Bekotiiitmachung. MMe m MW im SsvWmW. Aus Vrund von% 2 Absatz 2 der Bekanntmachung des Magistrats vom 28. Jim 1916 über den Verkehr mit Äuststosf und über Beschränkung des gewerbliche« Berkaufs von Zucker wird bekanntgegeben, das der Abschnitt 36 der Süßstoff. karte H im September 1918 eingelöst werden kann. Aus diesen Abschnitt find zwei Päckchen Süffftosf H-Padung zum Preise von ie LS Pf. zu verausgaben und zu entnehmen. Die Abschnitte 1—35 dürfen im September nicht mehr ein» gelöst werden. «erlin. den 31. Angibt 1918.. Magigrat der köniyl. Sll»pt- und Reßdenzstadt. 2425 Zu. 18. Zuckerversorgungsfiesie. Dr. R e i m a n n. fölmra bei, f| iise abzugeben. (Meitimp preleveert.) Briefe erbeten Felzwarenlabrlk Kallis, Berlin KW 61 ffl MSbelhalle„Osten Alexanderatr. 14 b, Ecke Schicklerstr.. empfiehlt: Schlafzimmer 9 bAÄ&l 1 Kleide pechrank « Bettntellen 2 Patentrahuicn 2 Steil. Aull. Matratzen 1 Wanchkoiumode m. Spiegel 2 IVachttlecbe. Mvk 2 Stühle ts Universal. 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Tarmkatarrh geheilt— 6. Frau M. Zafte, Berlin, Nollendorjslr. 40 1. Rheumattämus u. steife Zchnlter geheilt.— 7. Herr E. Ehrhardt, Gr.-Lichter- felde, Ningftr. 5?a. Chronisches Hiiftgdlentleiden wiederholt erfolgreich behandelt.— 8. Frau E. Ho- dorff, Berlin, Colbergerstr. 28/29. Nerven- u. Knochen- hautentzundnng— vollständig gelähmt— geheilt.— 9. Herr F. Nahda, Berti«, Prinzen-Allee 72/73. Von Kopf- und Krruzschmerze», trockener Brustfell- entzündung nach Influenza geheilt.— 10. Frau C-. Herzmann. Schöneberg. Fenrigstr. 61. Eiternde Fistel nach Blinddarmoperation geheilt.— 11. Herr E. Ritter. Friedenau, Sponholz:tr. 56. Von Knie- gelenkleiden geheilt.— 12. Frau 51. Rohrmoser, Berlin, Breslauerftr. 1. SMlteS fünfzehnjähriges Herz- leiden geheilt.— 13. Herr M. Auffner, Reinlcken- dorf-BZest, Zlntonienstr. 3. Kiefervereiternng geheilt.— 14. Frau H. Hagel, Sathsenhausen b. Oranienburg L M. Unterl.-Bluiungen und Nerveuleiden geheilt.— 15. Frau Ww. Fritschler, Berlin, Marienburqerstr. 48. Daringeschwulst geheilt.— 17. Herr Erich Bock. Berlin, Havelbergcrftrase 15. Von Nieren- und Blasenleiden. Wassersucht, allgemeiner groffer Schwäche geheilt.— 18. Frau Restaur. Hering, Berlin. Schönhauser Allee 87. Don Basedowscher Krankheit geheilt.— 19. Herr 31. Brase, BIn.-Tempelhos, Friedrich-WIHelmstr. 14. Schweres Rüchenmarkleiden mit Lähninng derBeiue vollständig geheilt.— 20. Frau E. Popp. Bln.. Lichtenberg, Gärlnerstr. 10. Bon chro. nifcher Herzschwäche und Berstopfung geheilt. — 21. Herr A. Schlabih» Berlm, Cuvrivistr. 24. Von GesichiSlupus geheilt: vorher mit Radium erjolglos behandelt.— 22. Herr 91. Hellwig. Bln.-Borstgwalde. (Anststr. 2ö. Von Magengeschwulst, Berstopfung und Nervenschwäche geheilt— 23. Herr Milchhändler Eckert, Berlin.lNrcisenhagen.trstr. 26. Von gichtisch. rheumatischen Schmerzen in Bein und Futzgelenl geheilt.— 24. Herr löastwirt C. Michaelis, Charlottenbürg, Wallslr. 87. Von chronischem Lcberleide» und Eelbsncht geheilt. — 25. Fiau M. Knorr, Bln.-Lichtenberg, �cham- wcbtrslr. 62. Von Herzschwäche, Leberanschwellung und Ntagenkreba geheilt.— 26. Sogn Paut des Äei2:cnstcllerS Herrn Wilhelm Hassner. Bi«.-Wettend, BeamIenhauS. Bon schwerem Beinleiden geheik. Bein sollte abgenomwen werden. 243/16' Briefliche Griginai-Anerkennungen von uns geheilter Patienten stehen im Wartezimmer der Anstalt auf Wunsch zur Einsicht. 4 Getrennte Behandlungsräume für Damen und Herren!+ Sprech- und Behandlungszeit: 0—1, 4—7'/,.— Sonntag und Feiertag: 9—1. Tie ärztliche AnstaltSleitung Qi». ineck.«eler, Arzt. HetlanftaltSbesiver Professor P. MisteSsky approbiert im Ausland Berlin SO. 16, Brückenstr. IOb am Bahnhof Jannowltsbrücke. � Biesdorf-Süll � KaulNilorf-hiild in der Nähe v. Bhs. Sadowa von M- 25,— an. unmittelbar angrenzend an den GM MM Karlshorst Graste Entwicke« iun� der Kolonie in Aus. ficht, daher in furzer Zeit bedeutende. Wertsteigeruiig zu erwartest. Auch-. Gartengrundstücke zur Anlage von Obstgärten. 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In den Tälern des Lawe- und LyS-sflusseS setzten unsere Truppen ihren Vorstoß fort. Englischer Bericht vom 3 0. August abends. Oestlich und nördlich von B a p a u m e schreiten unsere Operationen günstig vor- wärts trotz deS wachsenden feindlichen Widerstandes. Er bitter- ter Kampf fand statt auf dem größten Teil dieser Front; der Feind machte eine Anzahl heftiger Gegen- angriffe. Unsere Truppen drangen in Reinecourt-les-Bapaume und Bancourt ein, wo sie in heftige Kämpfe mit dem Feinde während des ganzen Tages verwickelt waren. Sie nahmen Fremicourt und Vaulx-Vraucourt, wobei sie eine Anzahl Gefangen« machten und erreichten die Westränder von Beugny. In der Gegend von Scoust St. Mein hält sich der Feind noch und leistet hartnäckig Widerstand, hart bedrängt von unseren Truppen, die hier eine Anzahl Gefangene machten. Bei Bullecourt und Hende- court wurden feindliche Gegenangriffe mit großer Entschlossenheit unternommen. Starke Kräfte zwangen unsere Truppen b i s a n die Westränder dieser Dörfer und das deutsche Grabenshstem zwischen ihnen zurückzugehen, wo die feindlichen Angriffe durch unser Feuer aufgehalten wurden. Nördlich von diesen Dörfern wurden heute morgen von kanadischen Truppen beiderseits der Straße Arra S—-E a m b r a i erfolgreiche Angriffe ange- setzt; die feindlichen Verteidigungslinien zwischen Hendecourt und Haucourt wurden genommen �und in dem letzten Dorfe einige hundert Gefangene gemacht. Südlich von Bapaume haben unsere Truppen weiter heftigen Druck auf den Feind ausgeübt und Boden gewonnen. Wir machten ö'tlich und nordöstlich von Clerh 300 Ge- tangene. Im LhS-Abschnitt setzte der Feind seinen Rückzug fort, dicht gefolgt von unseren Truppen. Die Stadt B a i l l e u l ist wieder in unserem Besitz. Französischer Bericht vom 30. August abends. Im Laufe des Tages haben wir auf dem O stufer des Nordkanals feindliche Abteilungen, die noch Widerstand leisteten, zurückge- warfen. Catigny und Sermaize sind in unserem Besitz. In Ver- folgung ihrer Fortschritte haben unsere Truppen den Kanal an zwei Stellen gegenüber von Catigny und BeaurainS überschritten, haben Chevilly und die Höhe Sö genommen und sind in Genvcy ein- gedrungen. Weiter südlich fanden erbitterte Kämpfe in der Gegend nordöstlich und östlich von Noyon statt. Wir haben Happlincourt und den St. Simeon-Berg. Bei diesen Gefechten haben wir mehrere hundert Gefangene gemacht. Zwischen Life und AiSne war der Kampf nicht weniger lebhaft. Auf dem Nordufer der Ailette haben wir das Dorf Champs erobert. Nörd- lich von SoissonS haben wir uns der Orte Chavigny und C u f s i e S bemächtigt und haben unsere Linien an den Westrand von Couch herangeschoben._ Die amerikanischen Sozialisten gegen Wilson Samuel GomperS, der Vorsitzende der amerikanischen Gewerk- schaften, reist nach Europa, um„als Vertreter der amerikanischen Arbeiter" die englischen und französischen Arbeiter zur Fort- setzung deS Krieges bis zum Gewaltsrieden der Entente aufzustacheln. Wir haben schon gelegentlich einiger kraftvoller Aeußerungen dieses Herrn darauf hingewiesen, daß GomperS sich stets im Gegensatz zum Sozialismus befunden hat. Wie aus Amerika«inlaufende Nachrichten zeigen, nehmen denn auch die amerikanischen Sozialisten eine durchaus andere Haltung ein. So haben die Sozialisten von Wisconsin, wie der„New ?)ori Times" vom 27. Juni zu entnehmen ist, kürzlich eine Reso- lution angenommen, die u. a. folgende Punkt« betont: Die Sozia- listen beharren auf den Grundsätzen deS internationalen Sozialis. miis und der menschlichen Brüderlichkeit. Sie sind Gegner des Kriege? und erklären, daß der Sozialismus den einzig echten Patriotismus fceS heutigen Tages idarftcIH. Sie protestieren gegen die Errichtung des europäischen Militarismus in Amerika und fordern das Recht, daß neben der englischen Sprache jedeandere beliebige Sprache gelehrt werden kann. AuS den EntrüstungZrufen des gleichen Blattes geht auch her- vor, daß die New Dorker Mehrheitssozialisten die Entsendung amerikanischer Truppen nach Europa als Verbrechen bezeichnet haben. Trotz dieser Haltung fehlt es den New Yorker Sozialisten nicht an Anhang. Die„New Aork Evening Post" vom 27. Juni meint, daß bei den kommenden Wahlen in 7 New Uorker Wahlkreisen die Aussichten für die Sozialisten gut ständen. Optimistische Sozialisten hofften sogar, 12 Kandidaturen in New Dork durchzubringen. Zurzeit haben die Sozialisten be- kanntlich nur einen einzigen Abgeordneten in New Fork, der die Partei im Kongreß vertritt, Meyer-London. Um die Person Meyer-London? ist übrigen? ein interessanter Streit«ntbrannt. Wie der„New Dorf World" zu entnehmen ist, hatte sich unter den Sozialisten das Gerücht verbreitet, daß Wilson den Abg. Meyer-London auffordern würde, an der geplanten Mission, die nach Rußland gesandt werden soll, teilzuehmcn. Die Partei stellte sich auf den Standpunkt, daß ein jedes sozialistische Mitglied der Mission den amerikanischen Sozialismus zu ver- treten habe und daher von der sozialistischen Partei und nicht vom Präsidenten Wilson auszuwählen fei. Wenn Meyer-London sich ohne Zustimmung der Partei an Wilsons Mission beteiligen werde, so werbe er aus der Partei genau so wie Russell, der seine Ernennung zur Beteiligung in der Mission von Root annahm, aus- geschlossen werden. Russell wurde, wie der Assemblymann Feigen- bäum in einem Interview aussagte, au? der Partei ausgewiesen, damit so die russischen Sozialisten erkennen konnten, daß er nicht für die amerikanischen Sozialisten gesprochen habe. Das amerikanische Mannschaftsgesetz angenommen. Washington, 31. August. Reuter. Der Kongreß nahm das MannschaftSgesetz an, welches alle 18- bis 45jährigen der Wehr- Pflicht unterwirft, und sandte es an Wilson zur Unterschrift. Die französischen Sozialisten unü üie �llliiertenkonferenz. Bern, 30. August.„Petit Parisien" erfährt, daß der ständige administrative AuSschußderfranzösischeN Sozia- listenpartei sich vorgestern abend nach längeren Auseinander- setzungen zur Abhaltung der internationalen s o z i a l i st i- schen Konferenz in London entschloß. Der Ausschuh hatte bekanntlich zuvor verlangt, daß alle sozialistischen Parteien Amerika? förmlich zur Teilnahme eingeladen würden. Betreffs Rußland sprach er die Ansicht aus, Rußland befinde sich nicht mehr im Kriegszustand. Es sei demnach u n- st a t t h a f t, di« russischen Sozialisten einzuladen. Die Eon- federation Generale du Travail hieß gleichfalls die Abhaltung der Konferenz in London unter dem Vorbehalt gut, daß d i e g l e i ch e n Grundsätze wi« für die Konferenz im Februar 1018 in London gültig seien. Der 50. englische Gewerkschaftskongreß. Der englische Gewerkschastskongreß, der am 2. September in Derby zusammentritt, feiert zugleich sein 50. Jubiläum. Die Zahl der organisierten Arbeiter und der Kongreßdelegierten ist höher als je zuvor. Es dürften ungefähr 880 Delegierte anwesend sein, die 4,5 Millionen Gewerkschaftsmitglieder vertreten. Um dem Wachsen der Telegiertenzahl vorzubeugen, wird beantragt, daß für die Zukunft auf je 4000 Mitglieder ein Delegierter kommen soll, anstatt wie bis jetzt auf je 2000 Mitglieder. Dem Kongreß liegen beinahe 100 Resolutionen über die ver- schiedensten Gegenstände vor: Krieg und Frieden, Internationales Bureau, Verhältnis der Gewerkschaften zur politischen Partei, Wirtschaftspolitik, Arbeiterschutz. Die Allgemeine Vereinigung der Textilarbeiter beantragt: „Die Regierung wird aufgefordert, so schnell als möglich Verhandlungen zwischen de» kriegführenden Ländern anzubahnen zum Zwecke der Erzielung eine? gerechten Friedens." Ein Zusatzantrag der Allgemeinen Arbeiterunion verlangt, daß die Friedensbesprechungen erst beginnen sollen, wenn die deutschen Truppen Nordfrankreich und Belgien entweder frei- willig oder zwangsweise geräumt haben. Die See- l e u t e beantragen eine Boykottierung Deutschlands für fünf Jahre nach dem Kriege. Die Druckerei- und Papierarbeiter beantragen:„Die organi- sierten Arbeiter des Bereinigten Königreichs sollen eine Ab- stimmung über folgende Fragen vornehmen: 1. Sind sie für eine international« Konferenz, auf der auch die Ar- beiter der Mittelmächte vertreten sind? 2. Sind sie für das so- fortige Eintreten in Friedensverhandlungen mit den gegenwärtigen Herrschern der feindlichen Länder? 3. Sind sie für die F o r t s« tz u n g d e S K r i e g e S bis zum Siege und bis zur Erhaltung von Sicherheiten gegen die Wiederholung einer solchen Weltkatastrophe? Die Eisenbahner sind der Ansicht, daß die englischen Arbeiter nur dann mit den Sozialisten und Arbeitern der feindlichen Länder in Verkehr treten sollen, wenn diese das Londoner Kriegs- ziel-Memorandum annehmen. Der Parlamentarische Ausschuß des Gewerkschaftskongresses tritt für die Errichtung eines Internationalen Bureaus(Gewerk- schaftS-SekretariatS) ein, das vorläufig nur die organisierten Ar- beiter der Entente-Länder einschließen soll.— Als Gäste sind vom Auslände gemeldet: Franklin und Bowcn aus den Vereinigten Staaten, Kennedy aus Kanada, Jouhaux aus Frankreich. Der Kongreß dauert sechs Tage. Das hollänüische Kabinett zuftanöe gekommen I Amsterdam, 31. August. Unter Vorbehalt t«ilt der Haager Korrespondent des„Algemeen HandelSblad" mit, daß das neue Kabinett, wie er von verläßlicher Seite vernehm«, folgender- maßen zusammengesetzt sein wird: Inneres und Vorsitzender des Ministerrats R y i k; Auswärtiges de Beerenbrouck; Justiz van Karnebeek; Verteidigung NeenSkerk; Finanz Altin g, v. Geusa r; Wasserbauten Trip; Ackerbau Bon- gaer» oder König: KrisiSsachen Dssolstien; Arbeiten Al Ibers« und Kolonien Idenburg. Demnach würde das Kabinett aus fünf Katholiken, drei Antirevolutionären und aus van Karnebeek. dessen politisch« Richtung bisher noch unsicher ist, bestehen.__ Tozialistcnkonferenz von Jnterlaken? In verschiedenen Blättern ist von einer Sozialistenkonferenz die Rede, die in Jnterlaken statt- gefunden haben und an der Genosse Scheidemann teilgenommen haben soll. UnS ist von einer solchen Konferenz nichts bekannt. Genosse Scheidemann hat an ihr nicht teilgenommen. Der Krieg als Jungbrunnens Zwischen der„Deutschen Tageszeitung" und dem„Ber- liner Tageblatt" hat sich ein« interessante Polemik entsponnen. Auf eine beiläufige Bemerkung des„B. T.", daß die Alldeut- schen jahrelang vor dem Ausbruch der jetzigen Wettkatastrophe den Krieg als„den großen Jungbrunnen" herbeigewünscht hätten, hatte die„Deutsche Tageszeitung" geantwortet, dies sei„einebewußteUnwahrheitindenkbarhöch- st e r P o t e n z", die nur den Feinden„wiederum wertvollste Waffen liefere".. Im„B. T." antwortet darauf am Freitag Dr. Fried- richThimme mit einer Reihe von Zitaten, die das„B. T." am Sonnabend noch vermehrt. U. a. werden zitiert die„All- deutschen Blätter", die bei Ausbruch des Krieges, am 3. August 1914, jubelten:„Die Stunde haben wir ersehnt— unsere Freunde wissen eS... n u n i st s i e da, die heilige Stund e!" Auch wir können zu dieser Zitatenreihe noch einen be- achtlichen Beitrag liefern. Im Frühjahr 1918 erschien ein Buch des.Herrn Kurd von Strantz:„Unser völkisches Kriegsziel". Das Buch beginnt mit einem Kapitel:„Ein Selbstbekenntnis", das in folgenden Worten anhebt: „Schon als Schuljunge unter dem Eindrucke de? letzten Dsutsch-Französischen Krieges und dank einem ausnahmsweise vortrefflichen Geschichtsunterricht auf dem damaligen Berliner JoachiinSthalschen Gymnasium war der deutsch« VevgeltungS- kämpf, wi: wir diesen Weltkrieg richtiger beißen müssen, der Traum meines LelicnS, an dessen Erfüllung ich nicht gezweifelt, wobl aber, ob ich ihn bei der unglücklichen FriedenSfeligkeit der nachbismarckischen ReichSloitung noch erleben würde, ein Glück, da» mir beschieden wurde. In Wort und Schrift habe ich für diesen Rachekrieg gefochten, der unsere angestammten Volks- und ReichSgr«nz«n endlich wiederherstellen soll." Im Anschluß an Ausführungen über die Entlassung Bis- marcks heißt es dann weiter: „Damit begann der Abstieg, den nur dieser Weltkrieg auf- halten konnte, den ich ersehnte und voraussah, al» solche Ge- danken unvolkstümlich waren." Auf Herrn Kurd von Strantz trifft also zu, was ein an- derer Alldeutscher, Herr Otto von Gottberg, 1913 in der Wochenschrift„Für Deutschlands Jugend" rief:„Sttll und ttef schlummert im deutschen Herzen die Sehnsucht nach K r i e g." Nur, daß sie in Herrn von Strantz keines- Wegs still geschlummert, sondern sich vielmehr sehr geräusch- voll Luft gemacht hat. Solche Zeugnisse, wie die des Herrn von Strantz oder des Herrn Otto von Gottberg oder der„All- deutschen Blätter", kann auch das lauteste Getobe der„Deut- schen Tageszeitung" nicht aus der Welt schaffen. politische Geburtstagsüepesihen. Hindenburg an Hertling. Berlin, 31. August.(WTB) Dem Reichskanzler Graf v. Hertling ging von dem Generalfeldmarschall v. Hindenburg folgendes Telegramm zu: �... „Euer Exzellenz bitte ich, meinen aufrichtigsten Glückwunsch zum Eintritt in daS neu« Lebensjahr entgegennehmen zu wollen. Indem ch bei dieser Gelegenheit dankbar der volle« Uebereinstim- mung bei unserer gemeinsamen Arbeit gedenke, spreche ich die Hoffnung auS, daß es Euer Exzellenz beschiedsn sein möge, in ganzer Frische n o ch l a n g e als Kanzler des Deutschen Reiche? zu wirken. Deutschland steht in schwerem Kampf. In immer sich erneuern- den Anstürmen versuchen die Feinde, den entscheidenden Durchbruch zu erzwingen, der ihnen bisher immer mißlang; sre werden eS weiter vergeblich versuchen. Noch stehen schwere Kämpfe bevor. DaS deutsche Volk weiß, worum es geht. Es weiß, daß es auf den Schlacht- feldern Frankreichs und Flanderns den heiligen Boden der Heimat verteidigt. Die jüngsten Kundgebungen der feindlichen Staatsmänner zeigen den nackten Vernichtungswillen und bringen einem jeden von uns zum Bewußtsein, welches Schick- fal Deutschland erwartet, wenn es diesen Kampf nicht siegreich 6e- steht. V Ich habe das starke Vertrauen, daß die Heimat in nationaler Geschlossenheit hinter der kämpfenden Truppe steht, um dem lieber- mut unserer Feinde eine sichere Niederlage zu bereiten. gez. Gencralfeldmarschall von Hindenburg." Der Reichskanzler erwiderte hierauf: „Euer Exzellenz sage ich für die so warmen und herzlichen Glückwünsche zu meinem Geburtstage aufrichtigsten Dank. Mt unerschütterlichem Vertrauen blickt das deutsche Volk auf seinen Kaiser und sein Heer, eS weiß, daß eS unter der Führung feiner großen Feldherr» allen Anstürmen der Feinde trotzen wird. Voll Zuversicht und Dankbarkeit erinnert sich daS deutsche Volk daran, daß Euer Exzellenz und General Ludendorff schon ernstere Lagen während des Krieges glücklich für unser Vaterland gewendet haben. ES weiß aber auch, daß nur ein« geschlossene Front in der Heimat dem Heer die Kraft und die Lpferbereitschast gibt, deren eS in dem heißen Ringen bedarf. In treuer Arbeit, in opfermutigem Ausharren wird unser Volk dem Feinde beweisen, daß seine Hoff- nung au unseren inneren Zerfall trügerisch ist und daß Deutschland fester denn je entschlossen ist, dem in übermütiges Reden feindlicher Staatsmänner auSg«st>tzochenen Vernich-» tu ngS willen die Stirne zu bieten. All Meine Kraft werde ich daran setzen, daS deutsche Volk, wenn endlich der Feind die Aus- sichtslofigkeit feiner Pläne erkennt, zu einem Frieden zu führen, der Deutschlands Zukunft sichert und ihm für alle Zeiten feinen Platz im Rate der Völker gewährleistet. gez. Reichskanzler Graf von Hertling." ch Auf ein Telegramm Ludendorffs antwortete der Reichs- kanzler, er möchte bei dieser Gelegenheit„besonders-auS- sprechen, wie hoch ich es schätze, daß das mit dem Herrn Feld- Marschall von Euer Exzellenz mir entgegengebrachte Vertrauen mir meine Arbeit in so hohem Maße er- leichtert". Die Glückwünsche deS Reichstags an den Reichskanzler sprach der Präsident in folgendem Telegramm auS: „Zum bedeutungsvollen Tage entbiete ich Eurer Exzellenz namens deS Reichstags die aufrichtigsten Glückwünsche. Möge Ihr � schönes Lebenswerk durch einen baldigen ehrenvollen Frieden ge- krönt werden. Fehrenbach." Der Reichskanzler erwiderte: „Euer Hochwohlgeboren sage ich für die mir namens des Reichstags übermittelten Glückwünsche meinen wärmsten Dank. Eine ehrenvolle Beendigung des Krieges zum Heil« unseres geliebten Vaterlandes ist das Ziel meines Lebens. Das Vertrauen auf die Kraft und Eintracht unfttes Volkes läßt mich hoffen, daß eS bald erreicht werden möge. Ich rechne hiebbei noch wie vor auf die tatkräftige Mit» Wirkung des Reichstages. gez. Graf von Hertling." Strefemann über Lansöowne. Auf der Landesversammlung der Mecklenburger Nationallibe- calen hielt gestern Abg. Strefemann«ine Rede, in der er sich mit Lord LanSdowne auseinandersetzte. Für seine Verhältnisse war diese Rede recht gemäßigt. Herr Strefemann führte auS, daß durch die Vernichtung der englischen Handelsflotte und das Wachstum der amerikanischen die Seehandelsherrschaft von England auf Ame» rika übergehen müsse. Eine wirtschaftliche Erdrosselung Deutsch- lande nach dem Kriege hält er wegen der Erschließung deS russischen Wirtschaftsgebiets für unmöglich, tritt aber trotzdem für die deutsche Ostpolitik ein, obgleich gerade sie geeignet ist, Deutschland da? ruffische Wirtschaftsgebiet wieder zu verschließen. Erobe» rungSziele werden nur ganz verschämt angedeutet, in dem Sinne, daß man den Feinden„keinen Freibrief" ausstellen dürfe. Herr Strefemann will feindliche Friedensangebote annehmen, versichert aber, daß die Well auf ein neue? doutfcheS Friedens- angebot vergeblich warten würde. In dem Augenblick aber, in dem ein solches Friedensangebot Aussicht auf Erfolg verspricht, wenn auch nur in dem Sinne, daß die Friedensbewegung im Ausland da- durch einen starken Antrieb erhält, dürfte auch Herr Strefemann nicht der Esel sein, sich ihm srnftlich zu widersetzen. Bei der Wertung der Stresemann-Rede im Ausland wird man zu berücksichtigen haben, daß man«S hier mit einem Parteiführer zu tun hat, der den alldeutschen Ideen ziemlich nahesteht und rm Reichstag zur Minderheit gehört. Soziale Aufgaben nach üem Kriege. Auf der Tagung des Gesamtverbandes deutscher Krankenkassen, Sitz Essen, hielt der Präsident des Reichsversicherungsamte? Dr. Kaufmann eine wichtige Rede, in der er programmatische Ge- danken zur Fortentwicklung der deutschen Sozialversicherung vor- brachte. BerufSgenosscnfchaften und LandeSversicherungSanstalten würden künftig unter Führung des ReichSverficherungZ- a m t e» noch enger zusammenarbeiten müssen. Anstatt eines nicht selten planlosen Neben- und GegeneinanderarbeitenS mit feinen bedauerlichen Reibungen, Kraft, und Zeitverlusten müßten Kranken. kassen, Berufsgenossenfchaften und LandeSverficherungSanftalten ge- schlössen«! als bisher vorgehen. Er denke an gemeinfchaft- lich« Geschäft» st ellen je nach Lage der örtlichen Verhält- nisse bei einer Landesversicherungsanstalt, BerufZgenossenfchaft oder Krankenkasse. Unter anderem müßten gemeinschaftliche Abkommen für Krankheit, und Unfallverhütung, für die Ueberwachung der Krankengeld- und Rentenempfänger, für eine großzügige Arbeitsvermittlung, für die Ausgestaltung deS Heilder- fahrenS und gemeinsame Kliniken und Genesungsheime durch ein- heitliche Abkommen mit Krankenhäusern, Apotheken. Bandagisten und gemeinsame Verträge mit Aerztekammern, ärztlichen Standes- vereinen und Fachärzten geschaffen werden. Lette Nachrichten. 129 999 Mark von Einbrechern erbeutet. Breslau, 31. August. In der vergangenen Nacht ist ein Ein- bruch in die Schalterkaff« de» Hauptbahnhofs verübt worden. Es wurden 120 000 Mark entwendet. Der Verdacht richtet s«h gegen vier Personen, die festgenomme» worden find. GewerffchaflsbewWNg Zum Lohnstreit im betriebe üer berliner elektrischen und städtischen Straßenbahn. In der Lohnstreitsachs der Berliner elektrischen und Berliner städtischen Straßenbahn scheinen Ereignisse eintreten zu wollen, die alle Bemühungen des Deutschen Transportarbeiterverbandes und der Kriegsamtstelle in den Marken, diese Angelegenheit auf fried- lichem Wege beizulegen, zu vernichten geeignet sind. Bekanntlich hatte eine Bersammlung des Personals der elektrischen Bahn be- schlössen, die KriegSatntstelle um Vermittlung zu ersuchen. In einer Verhandlung, welche am 19. August vor dem Kriegsamt stattfand, wurden durch den Genossen Rathmann vom Transport- arbeiterverband die Wünsche des Personals vorgetragen. Schon am 26. August teilte Herr Rechtsanwalt Dr. Scholz von der Kriegsamt- stell« mit, daß er mit den maßgebenden Herren gesprochen habe, es werde eine namhaft« Summe für die Erfüllung der Forderungen bewilligt werden. Allerdings bedürfe es noch der Zustimmung an- derer Herren vom Auft'ichtSrat usw. Zu gleicher Zeit hatte aber Herr Dietrich, Direktor der städ- tischen Straßenbahn, den Betriebsleiter der elektrischen Bahn flstztere ist nur der Form nach noch Aktiengesellschaft, gehört in Wirklichkeit auch der Stadt Berlin, und Herr Geh. Baurat Stadt- baurat.Krause ist hier wie bei der städtischen Bahn oberster Chef) Herrn Kanold und die beiden Sberkontrolleure zu einer Sitzung zusammengerufen, um über die Höhe der beabsichtigten Zulage zu beraten. Herr Dietrich bestellte auch gleich den Vorsitzenden des Arbsiterausschusses zu sich, um diesem mitzuteilen, was man be- schloffen habe. Herr Qberkoutrolleur Klink von der elektrischen Bahn teilte das Resultat den Vertrauenslauten auf den Bahnhöfen mit. In beiden Fällen wurde die Vevbandsleitung ausgeschaltet. Der Vorschlag war auch so, daß die Vevbandsleitung schon über die Art seiner Ilnterbroitung hätte protestieren müssen. Herr Dietrich drückt« dem Vorsitzenden des Arbei terausschuss es wieder eine Tabelle in die Hand, die von diesem weder erfaßt, noch in ihrem Wert erkannt wurde, was in einer Versammlung des Personals der städtischen Straßenbahn recht deutlich zum Ausdruck kam. Die tägliche Schicht- zulage solle für die Frauen von 86 Pf. auf 2,25 M., für die Aus- Hilfsschaffner von 1,55 auf 2,25, für das Stammpersonal von 1,75 auf 2,25 M. steigen. Der Durchschnittsdionst solle aber nicht S, sondern 9% Stunden betragen, und ganz nebenbei wurde bemerkt, daß allerdings auch die letzte Lohnerhöhung(Bezahlung der letzten turnusmäßigen Stunde anstatt mit 46 Pf. mit 1 M.) in Fortfall komme. Das würde bedeuten, daß das Stammpersonal eine Er- höhung des Lohnes um SM- Pf., die Schaffnerinnen um 8'A Pf. und die Fahrerinnen um 5 Pf. pro Stunde erhalten würden. Das ist nur ein Bruchteil des Geforderten. Dazu � käme, daß mit der Festsetzung der 9tzistündigen Dienstzeit das Personal in 28 Arbeits- tagen im Monat gegenüber seinen Forderungen 7 Stunden um- sonst arbeiten müßte. Die Bediensteten der städtischen Balm lehnten denn auch die Vorschläge, weil völlig ungenügend, ab. Ebenso leg- ten sie scharfen Protest dagegen ein, daß Herr Dietrich weder die Verbandsleitung, noch die Arbeiterausschußmitglieder� beachte, son- dern nur mit den Vorsitzenden deS Ausschusses allein verhandle. Aus den Kreisen des Personals der elektrischen Straßenbahn, daS aus bestimmten Gründen zu einer Versammlung noch nicht zu- fammenb�rufen wurde, gehen bei der Verbandsleitung die schärf- sten Proteste ein. Am kommenden Dienstag soll nun eine Sitzung des WerkehrsauSschusses resp. Aufsichtsrats stattfinden. Das Per- sonal beider Bahnen hofft, daß sich hier noch alles zum besten kehren wird. Ganz besonder? glaubt es aber auch, daß dem Be- triebsleiter Herrn Dietrich endlich einmal mit Nachdruck gesagt werden muß, daß er die gesamten Arbeiterausschußmitglieder zu respektieren habe. Wenn einige Sozialdemokraten darunter seien, so sei das kein Grund, sie als nicht vorhanden zu betrachten. Herr Dietrich müsse sich doch selbst sagen, daß Arbeiter nicht der all- deutschen Partei angchoven können. Generalversammlung der Holzarbeiter. Neber die Tätigkeit der Zahlstelle Berlin führte der Vorfitzende Glock« in der Generalversammlung am Freitag unter anderem aus: DaS zweite Quartal war durch Arbeiten für die Durch- führung der Teuerungszulage ausgefüllt. Die am 1. April laut Vereinbarung in Kraft getretene abermalige Zulage von 5 Pf. wurde von einem Teil der Arbeitgeber nicht gezahlt. Der� ganze Monat April erforderte Verhandlungen wegen der Durchführung dieser Zulage. Im Mai stellten die Holzarbeiter mit Rücksicht auf die fortgesetzt steigenden Kosten der Lebenshaltung den Antrag, die Teuerungszulage um 46 Pf. zu erhöhen. Es kam zu einer Verein- baruna, wonach die Arbeitgeber 25 Pf. bewilligten. Die weiter steigende Teuerung wird es notwendig machen, neue Lohnaufbesse- rungen zu fordern.— Die Durchführung der bereits bewilligten Zulagen machte, wie gesagt, manche Schwierigkeiten. In 47 Fällen wurde wegen Durchfuhrung der Teuerungszulage und aus Anlaß �on Amboitsniederlegumgen mit den Arbeitgebern verhandelt. Mit »cm selben Gegenstand befaßten sich 31 Werrftattsitzungen, an denen Verbandsvertreter teilnahmen. Wegen Verweigerung der Teue- rungszulagen kam es in 25 Betrieben zur Arbeitsniederlegung, woran 424 Arbeiter und 19 Arbeiterinnen beteiligt waren. Außer den allgemeinen Verhandlungen über die TeuerungS- zulage fanden besondere Verhandlungen für verschiedene Branchen statt. Mit den Goldleistenfabvikanten wurde verhandelt über die Vereinbarung vom 25. Januar betreffend die Teuerungszulage. Eins Verhandlung mit den Kistenfabrikanten, die sich aleichsallS um Erhöhung der TeuevungSzulage drehte, hatte kein Eogebnis. In der Stockinduftrie war es wegen der Teuerungszulage zur Ar- beitsniederlegung und infolgedessen zu Verhandlungen gekommen, die zwar ergebnislos verliefen, aber am folgenden Tage bewilligten die Fabrikanten das letzte Angebot der Arbeiter, die danach vom 1 Juki aß 1B Pf. und Srnt 18. August aS nochmals 18 Pf. Zulage erhielten. ES wird natürlich auch die ferneve Tätigkeit der Organisation darauf gerichtet sein, die Lohne der Holzarbeiter auf eine Höhe zu bringen, die den gegenwärtigen Verhältnissen entspricht. Wenn die Kollegen diese Bestrebungen unterstützen, wird der Erfolg nicht ausbleiben. Die Abrechnung des Kassierers zeigt, daß sich der Bestand der Lokalkasse von 435S5fiM. auf 447 417 M. erhöht hat. Für Unter- ftützungen wurden aus der Haupt- und Lokalkasse zusammen 39 661 M. gezahlt. Den größten Anteil daran hat die Kranken- Unterstützung mit 14 714 M. Die Arbeitslosenunterstützung er» forderte 7977 M. und die Streikunterstützung 9431 M. Nachdem die Versammlung den Geschäftsbericht entgegen- genommen und den Kassierer entlastet hatte, vollzog sie die statinen- mäßigen Ersatzwahlen zur Ortsverwaltung. Es wurden wieder- gwvählt der zweite Bevollmächtigte Güth, der Obmann der Schlichtungskommission M a a ß, die Beisitzer R e i s e ck und L ü d k e, der Revisor Liebermann, der Bibliothekar S p ä t h e, der Angestellte Schade. Da eine frühere Generalversammlung den Angestellten Feudal nicht wiedergewählt hatte, ist die Stelle ausgeschrieben worden. Es haben sich vier Bewerber gemeldet, von denen drei zur Wahl gestellt wurden, weil die vierte Bewerbung nicht ernst zu nehmen ist. Gewählt wurde Zirkel- Neukölln mit 287 Stimmen. Fendel, der sich wieder beworben hatte, erhielt 131 und der dritte Bewerber, W e g n e r, 26 Stimmen. Ein Antrag U l i n s k i, der schon eine ftühore Versammlung beschäftigt hat, wurde, soweit er damals noch nicht erledigt war, aufs neue zur Verhandlung gestellt. Der noch nicht erledigte Teil des Antrages verlangt, daß der Verbandsvorswnd den Austritt des Verbandes aus dem Volksbund für Freiheit und Baterland erkläre und, wenn dies nicht geschehe, ein außerordentlicher Verbandstag zur Entscheidung dieser Angelegenheit einberufen werde.— Der Antrag Ulinski wurde zurückgestellt bis nach der nächsten Konferenz der gesamten Zentralvorstände, die sich— wie mitgeteilt wurde— erneut mit der Frage der Stellung der Gewerkschaften zum Volks- bund für Freiheit und Vaterland beschäftigen wird. Ein Antrag, der von der Ortsvorwalwng beraten und abge- lehnt worden ist, wurde vom Antragsteller Böse aufs neue in der Versammlung gestellt. Der Antrag geht dahin, daß, wenn gegen einen Angestellten der Ortsverwaltung in den Bezirken und Branchen Beschwerden erhoben werden, diese„von der zuständigen Kom- Mission" zu prüfen sind. Diese Kommission soll dann der Generäl- Versammlung, falls st« die Beschwerden für begründet hält. Vor- schlage für die Neubesetzung deS betreffenden Postens machen.— In der Debatte konnte keine Klarheit darüber erzielt werden, welche Kommission mit der„zuständigen Kommission" gemeint ist. Der Antragsteller zog deshalb seinen Antrag zurück, um ihn in klarerer Fassung der nächsten Generalversammlung wieder vorzulegen. Die Berliner Buchbinder im zweiten Quartal. Die am Freitag abgehaltene Generalversammlung der Zahl- stelle Berlin des Deutschen Buchbinderverbandes nahm den Ge» schäfts- und Kassenbericht für das zweite Quartal entgegen.— Der Vorsitzende Würzberger gab einen Ueberblick über die Durchführung der neuen Vereinbarungen über die Teuevungszulagen der Buchbinderbranche. Die von den Buchbindereibesitzern bewillig- ten Teuerungszulagen haben zwar nicht die gewünschte und für notwendig gebaltene Höhe erreicht, jedoch sind ste in einem Maße erfolgt, mit der sich die Arbeitnehmer den Umständen nach zu- frieden geben konnten. Die in den Buchdruckereien beschäftigten Buchbinder konnten es nicht durchsetzen, daß ihnen die Teuerungs- zulage in derselben Höhe gewährt wurde, wie sie für die Buch- bindereien vereinbart ist, da sich die Buchdruckereibesitzer an die Sätze hielten, welche mit den Arbeitnehmern des BuchdruckgewerbcS vereinbart sind. Die Buchbinder haben sich mit den geringeren Teuerungszulagen begnügt, weil ihre Arbeitsbedingungen in den Buchdvuckereien im allgemeinen günstiger sind als in den Buch- b in derei betrieben. Die Durchführung der Teuerungszulagen ging ohne wesentliche Schwierigkeiten vonstatten. Ein« Ausnahme machen nur einige Inhaber großer Buchbindereien. Weil in ihren Be» trieben die Arbeitszeit um eine Stunde verkürzt worden ist, so haben sie die Teuerungszulage nach Stunden berechnet und eine Stunde von der Zulage abgezogen. Dies Verhalten ist vollkommen unzulässig, denn die Teuerungszulage ist für die Woche vereinbart, und die in den betreffenden Betrieben in Frage kommende 51stün- dige Arbeitszeit ist die tarifliche Arbeitszeit. Geyen das Verhalten dieser Arbeitgeber ist Beschwerde bei ihrer Organisation erhoben und wird in nächster Zeit darüber verhandelt werden. In der Album- und Galanteriebrauchs ist die zweite Hälfte der vereinbarten Teuerungszulage am 1. Juli in Kraft getreten und allgemein durchgeführt. Di« Kartonbranche hat ihren Tarif gekündigt und Anträge auf Erhöhung der Teuerungszulage gestellt, worüt*r in der nächsten Woche mit den Vertretern der Unternehmer verbandelt wird. Die Etuibranche hat ebenfalls nach der Kündigung des Tarifs «inen Antrag auf Erhöhung der Teuerungszulage eingereicht. Die Unternehmer haben darauf geantwortet, sie seien bereit, vom 1. Oktober ab eine Zulage von 16 Proz. zu bewilligen.— Mit diesem lächerlich geringen Zugeständnis können sich die Arbeiter natürlich nicht begnügen. Sonst ist aus dem Geschäftsbericht noch zu erwähnen, daß die Zahlstelle am Schluß des Quartals 5666 Mitglieder(1448 männ- liche und 3552 weibliche) hatte. Für UnterstützungSzwecke wurden 12 651 M. ausgegeben._ Ang estelltenfürsorge der Allgemeinen Ortstrankenkasse Berlin-Lichtenberg. Den zum Heeresdienst eingezogenen Angestellten und Hilf?- arbeitern ging kürzlich folgendes Schreiben des Vorstandes zu: An Herrn............ Durch behördliche Bestimmung müssen wir nunmehr die frei- willige Gehaltszahlung(müßte heißen halbe Gehaltszahlung) an die eingezogenen Angestellten und Hilfsarbeiter am 31. August d. I. einstellen. Gleichzeitig sind wir gezwungen, der Ordnung wegen, sämi- liche eingezogene Angestellte und Hilfsarbeiter zum 31. August d. I. zu kündigen. Von diesem Tage ab werden Bezüge irgend- welcher Art an Sie nicht mehr geleistet. Ich bitte Sie aber, nach Beendigung des Krieges oder falls Sie dort früher entlassen wer- den, in unserem Bureau vorzusprechen. Der Vorsitzende: Max Liedlof. Zur Information der eingezogenen Angestellten und Hilfs- arbeiter wäre es doch recht gut gewesen, ihnen den Wortlaut der „behördlichen Bestimmung" und die bestimmende Behörde mitzu- teilen. Lohnherabsetzung für das technische Aufsichtspersonal in den Spandauer Heeresbetrieben. Durch sine Verfügung des„Wumba" war Anfang August eine Neuregelung der Lobnsätze angeordnet worden, durch die für die Meistergehilsen, Revisionsgehilfen und Vorarbeiter eine sehr erheb- liche Verminderung ihres bisherigen Einkommens herbeigeführt wird. Der zugemutete Lohnverlust bewegt sich bei den beteiligten Gruppen zwischen 26 bis 97 Pf. pro Stunde, so daß der Ausfall bis zu 266 M. monatlich beträgt. Bei den Artillcriewerkstätten Süd- und Nord-Spandau wurden die neuen Lohnsätze durch eine VestiTimung angeordnet, die einleitend besagt: Wer mit dieser Neufestsetzung nicht einverstanden ist, muß seine Stellung bis zum 18. 3. kündigen. Schriftliche Kündigungen zu diesem Termin werden bis zum 3. 8. bei K I bzw. T I entgegengenommen. Die Behörde setzt also einseitig die bisherigen Bezüge ganz erheblich herab und stellt das beteiligte Personal vor die Entschei- dung, sich entweder mit dieser nahezu unerträglichen Verschlechte- rung des Einkommens abzufindsn oder auf die weitere Beschäfti- gung zu verzichten. Dabei ist zu bedenken, daß für die Mehrzahl der Beteiligten infolge der Reklamation vom Heeresdienst die hier angedeutete Kündigungsmöglichkeit in der Praxis nur sehr bedingt besteht. Das von der verfügten Einkommensverminderung aufs schwerste betroffene technische Auftichtspersonal hielt am 16. August im große Saale des Patzenhofer zu Spandau eine außerordentlich gutbesuchte Betriebsversammlung ab, in der gegen die Herab- setzung der Lohnsätze entschieden Einspruch erhoben wurde. Die Versammelten erklärten es bei den beutigen Teuerungsverhältnissen als ganz unmöglich, sich mit oiner Verminderung ihres bisherigen Einkommens abfinden zu können. Gleichzeitig wurden der Bund der technisch-industriellen Beamten und der Deutsche Werkmeifterverdand beauftragt, unverzüglich Verhandlungen mit dem„Wumba" einzuleiten, um zunächst min- destens die Wiedereinführung der bisherigen Lohnsätze zu erreichen. Die Verhandlungen der beiden Organisationen mit dem„Wumba" haben inzwischen auch stattgeftinden, doch konnte kein befriedigen- des Ergebnis herbeigeführt werden. Ein« Vertrauensmännerver- sammlung befaßte sich deshalb erneut mit der Sachlage, und es wurde den beiden Organisationen aufgegeben, auf Grund des in der Sitzung erbrachten Materials einen nochmaligen Bermittlungs- versuch zu unternebmen. Falls auch diesmal das„Wumba" keine Geneigtheit zeigen svllle, von der geplanten Lohnherabsetzung Ab- stand zu nehmen, so ist in Aussicht genommcn, die durch das HilsS- disnstgesstz gegebenen Instanzen in Anspruch zu nehmen. Krach im gelben Essener Kriegsbeschädigtenverband. Der Essener ldriegsbeschädigtenvevband hat am 11. August ein« Delegierten Versammlung!n Essen abgehalten, in der es, wie all- mählich durchsickert, infolge der mangelhaften VevbandSfiihrung und Finanzgebarung zu turbulenten Szenen gekommen ist. Die neueste Nummer deS Essener Verbondsorga-ns nennt die Zustände, die auf der Versammlung in Essen zutage getreten sind, unhaltbar, und der Leiter de? Verbandes muß in derselben Nummer betrübt fest- stellen, daß der Verlauf der Versammlung ein der„hehven Sache" der Gelben unwürdiger gewesen sei. Nun scheint eS bereit? im ganzen Verbände zu brennen. Mehrere Ortsgruppen drohen mit ihrem Austritt. Eine der größten, Düsseldorf, hat ihn bereits -vollzogen. Dort wurde dem„Düsseldorfer Generalanzeiger" zu- folge nach Entgegennahme des Berichts über die Konferenz die Auf- sassung geltend gemacht, daß der Vorstand nicht immer die Jnter- essen der Kriegsbeschädigten wahrgenommen hat, wie dies in den Richtlinien des Verbandsprogramms festgelegt ist. Infolgedessen beschloß die Bersammlung einstimmig, das Verhältnis zum Essener Verband zu lösen. Eingegangene Druckschriften. Tie aufgeführten Bücher können durch die Buchhandlung Vorwärts, Berlin SW. 6ß, Lindenstraße 3, bezogen werden. (Die Anzeige der Bücher gilt jedoch nicht als Empfehlung.) Teutschlands Anteil an Indiens Schicksal von A. K. Viator. 1,50 M. Verlag von Ollo Wigand, Lewzlg, Gabelsbergerstr. 1a. Tie Bodenreform von Adolf Damaschke. Broschiert 4 M., vornehm gebunden 5,60 M. Verlag von Gustav Fischer, Jena. P. Bonaventura O. Pr. 1807—1914 von Adolf Donder». S M., kart. 6,60 M. Herdersche Verlagshandlung, Freiburg i. Br. Naturrecht nnd Völkerrecht von Joseph Mansbach. 2,80 M. Herdersche Verlagsbandlung, Freiburg l Br. Reformation von Friedrich Franz von Unruh. 1,50 M. Verlags, anftalt Fritz Stephan, Leipzig-Gohlis. Derantwortllch für Pollttk: Erich»utMcr, Berlin: für den übrigen Teil des BlatteS: Alfred Scholz, Neukölln: sür Anzeigen: Theodor Glocke, Berlin. Verlag: VorwärtS-Veriag ö. m. b. H.. Berlin. Druck. LorwSrtS-Buchdruckerei und Verlagsanstalt Paul Singer u. Co. in Berlin, Lindenstrahe Z. Hierzu 3 Bellagen. Ct.TPcrtßeim In dieser Woche: Vutz* Damenhüte garniert: Samm6t-Matelot... 14.50 � ÜllhUt groß, mir Tüllschleife 3 1.50 Sammetkappe garniert. 36.00 Sammet-oder Sammetband- hüte mit versch. 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