Ur. 342. 33. Jahrg. Bezugspreis: LisrteljZhrl. 4,i0 M!. monatl. 1,50 SSI. frei ins Haus, voraus, ahlbar. Sinzein« Namniern 10 Pfennig. Postbezug: Monatlich. domBostichallrr abzuholen lLO Ml.,dom Br>eftrSger ms Hau» ae- bracht I.St Ml. Unier Kreuzband lür Deurichtard und Oeiterrelch- Ungarn 3,— Ml, für das übrige Ausland ..so Ml. monatlich. Periand ins gtcld bei direkter Peltellung monatl. 1F0 Ml. Polibeltellungen nehmen an Düne- marl. Holland. Luxemburg, Tchweden und die Schwei,. Singelragen in die Polt-Leitungs-Pretslifle. Ericheint täglich. ( IT Pfennig J Anzeigenpreis: Telegramm- Adresse: ,Sioziald««okrat Berlin". Verlinev Volksblcrtt. Die ssebengefpaltene Kolonelzeilelosset 80 Pfg.„Kleine Atüelgen", das fettgedruille Wort 80 Pfg. izulisssig .2 fettgedruckte Wortcf, ledes weitere Wort 15 Pfg. Etellengeiuche und Echlafstellenanzeigen das erste Wort 2V Pfg., icdes weitere Wort 10 Pfg. Cone über 15 Buchstaben zählen für iwe, Worte. Teuerungszufchlag 20°/» Familien-Anzeigen, botitische und gcwerlschasttiche Pereins- lln, eigen 50 Pfg. die geile. Anzeigen für die nüchsie Nummer müssen bis 5 Uhr nachniitiasss im Hauhlgeschüft. Perlm EW. SS, Lindenslratze 8, abiegcben werden. Geöffnet von S Uhr früh bis 7 Uhr abends. �sntralorgan der foztaldemokratf feben Partei Deutfcblands. Redaktion: Ew. 68, Linöenftraße Z. Fernsprecher: Am« Moritzplass, Str. ISt Sv— Xßl 97. Dienstag, den 3. September 1918. Expedition: SW. 68, �lndenstraße 3. gfernsprechrr: Zlmt Morivplass- Nr. 181 90—181 97. englische Angriffe Milche» Scsrpe und Somme. Englischer Angriff tu 45 Kilometer Breite— Schweres Ringen um Hende- conrt und Norenil— Peronne vom Feinde besetzt— Französische Angriffe beiderseits Nesle. Berlin, 2. September 1918, abends. Amtlich. Englische Angriffe zwischen Icarpe und Somme. südöstlich von Arras und nördlich von Peronne gewannen sie Boden? Reserven fingen den Stoff auf. Beiderseits von Bapaume wurde der Feind abgewiesen. Zwischen Tisc un. Aisne haben sich am Nach- mittage nach stärkstem Feuerkampse französische An- griffe entwickelt. Amtlich. Gr»B«z Hauptquartier, 2, S r p- tembcr.lSt». fWTB> Westlicher Kriegsschauplatz. Heercsgruppi:» Kronprinz Rupprccht und Borhn. Vorfeldkämpfe beiderseits der LyS. Zwischen Scarp« und Somme setzte der Engländer auf der li, Kilometer breiten Front seine Nngrir/c fort. Artillcriewirkung gegen die Bereit- stellungsriiiime des Gegners südöstlich von Arras nud beiderseits Bapaume trug tocscntlich zu ihrer Abwehr bei. B r e» u P u n t t e des Fnsailttric'ampfes waren Hendecourt und Norenil, die g.7ichtrrfcldc von Bavaumc und zwischen Rnncourt und Vouchaoesiics. Ter Feind, der nördlich von Hendecourt auf Eagnicourt Boden gewaiiil, wurde durch Gegenangriff wieder auf Hendecourt ztirückgeworfcn. Um Noreuil wurde lange gekämpft; es blikö in unserem Besitz. Beiderseits von Vaulx-Braucourt bolbrcchcnde Panzerwagenangriffe scheiterte». Hierbei schoß die Besatzung eines Flugzeuges der Flicgerabtcilung 252 — Leutnant Schwcrtfcgcr und Bizcseldwcbcl Günter— einen Panzerwagen mit dem Maschinengewehr in Brand und zerstörte einen zweiten durch gut geleitetes Artillcriefcuer. Süd- östlich von Bapaume wiesen wir mit dem Schwerpunkt gegen Billers au FloS gerichtete Angriffe de? Gegners ab. Nördlich der Somme brachten wir de» Feind, der seit frühem Morgen mit starken Kräften vorstieß, in der Linie Sailly— St. Pierre Baast-Wald und östlich von BonchavesneS— Mont St. Quentin zum Stehen. Peronne wurde vom Feinde besetzt. Beiderseits von NcSle setzte der Franzose seine Angriffe fort. Nach stärkstem Trommelfeuer suchte er erneut in ticfgeglicdertcn Jnfaiitcrieniigriffen die Kanalstclluiig zu durchbrechen. Nördlich der Bahn Ncslc-Ham brachte das Reserve- Jnfanterie-Negiment?ir. 56 unter Führung seines Kommandeurs, Majors von Lorbcke, jeden feindlichen Rnfiurm zum Scheitern. Bei weiteren Angriffen am Abend warf es im Verein mit hessischen Kompagnien den eingedrungene» Feind aus seine» Linien wieder heraus. Frldartillcrie, die mit der vordersten In- santerie zum Gegenstoß vorbrach, hatte an dem Erfolge wcscnt- lichen Anteil. Südlich der Bah» NeSle— Hain wiesen Brandenburger und Schlcsier den Feind restlos vor ihren Liniru ab. Auch südlich von Libermont brachen am Abend Angriffe der Franzosen zusauimen. Beiderseits von Noyo» blieb die feindliche Infanterie nach de» schweren und für sie Verlust- reichen Kämpfen des 31. August gestern untätig. Auch zwischen Oise und NiSne blieb dir Gcfrchtstätigkeit meist auf Artilleriekampf beschränkt. Teilangriffe des Feindes in der Ailettc-Niederulig und nördlich vo» Soissons wurden abgewiesen. Der Erste Genrralquartiermeister. Ludendorsf. Ter österreichische Bericht. Wien, 2. September. Amtlich wird verlautbart: Nichts Neues. Der Chef des Generalstabcs. z Sie Zermürbungssthlacht wütet fort. (Telegramm unseres Kriegsberichterstatters.) Westfront, 1. September, abends. Tie englisch-französische Turchbruchsschlacht wütete auch gestern auf der ganze» Front weiter. Ter Schwerpunkt der Kämpfe lag im Süden, wo Marschall Foch zwischen Somme und AiSnr e ine ii neuen gewaltigen Versuch wagte, die augenblicklich wichtigste Bruchstelle der deutschen Westfront einzuschlagen und damit die VeSlc-Linie zu erschüttern. Nördlich Noyo» griff General Humbrrt in der Richtung Guis- card an. Tas Tagesziel war, die dortige deutsche Kanal- st c l l n n g z u d u r ch st o s, r n und durch einen bis Mirancourt im Vcslc-Tal 19 Kilometer vorwärts Bussy vorgetriebenen Keil den Höhen block nördlich Noyonzu iimsaffen. Trotz zahlcnmästigcr Ucbcrmacht blieben.die Angrifsomasscn überall im deutschen Vorfeld liegen. Eine einzige unserer Divisimnen hielt uncrschüttert den Anprall der 129., der 165. und 121. f r a n z ö s i s ch c n T i v i s i o n a u s. Ter feindliche Bericht über diesen Kamps entstellt die Tatsachen. Kein Franzose hat die Höhe 89 nördlich Bussy be- treten; das Torf Sch«willy blieb in deutscher Hand, ebenso wird der St. Simconsbcrg nördlich Noyon von uns gehalten. Oestlich anschliestend an diesen Angriff und mit ihm ope- ratio iininiitelbar verknüpft, entwickelten sich längs des Oise- UserS heftige Uebergangs kämpfe. Wie General Hnmbert im Nordostcn, so sollte General Mangi» im Lsten den Höhenblock von Noyon umklammernd zu Fall bringen. Auch dieser Versuch ist an der Wachsamkeit der deutschen Truppen und durch mustergültiges Zusammenarbeiten aller Waffen im Keime blutig erstickt. Unter dem Schutz des Morgen- ueliclö, der gestern früh über dcr ganzen Flußniederung lagerte, fühlten starke französische Patrouillen au dcr schmälsten Stelle zwischen Aprilly und Brengeuy auf Pontons und Flösten au das Nordufer; mehrere Fahrzeuge wurden schon durch Minen- Werfer erledigt, andere durch Handgranaten oder nach Gcgenstotz in den Flus, zurückgejagt. Nach den letzten Meldungen hält sich nur noch ein einziges französisches Maschinengewehr diesseits des Flusses, sonst ist das Nordufer der Oisc völlig vom Frinde frei. Nach rascher Auswechselung seiner durch die schwere Nieder- läge vom 29. August zersetzten Tivision ist General Mangin zwischen Oisc und Aisne zu einem neuen Angriff angetreten. Aus der schmalen Ailette-Riederung heraus strebt s, in Nordflügel gegen dle Waldhngel von Cuci und Folembray; seine südlichen Divisionen haben sich mit den hier auf günstigem Eeländ" arbeitenden Tanks durch machtvollen Angriff aus den Schluchten südlich Juvignv herausgearbeitet und sind ans den kahlen Höhen zwischen Ailette und Atsne bei Perny und Eon», bis an die Herrstraste Coucy— Soissons gelangt. Tie Lage ist on diesem Abschnitt nicht wesentlich verändert, stellt aber an Truppen und Führvng die höchsten Ansprüche, denn hier zielt der offenbar ungeachtet aller Opfer rücksichtslos arbeitende Gegner am direktesten gegen die deutsche Vesle-Front. Ueber die eben gemeldete Rückverlegung der deutschen Linie in Französisch-Flandcrn, die zur Ausgabe des K c m m e l- Massivs fiührte, sind nähere Einzelheiten erst im Lause der Nacht zu erwhrtc». Dr. A d. Köster, Kriegsberichterstatter. Granting üementiert. Während der ganzen Reise, die Brantlug unlängst in England und Frankreich zurückgelegt hat, sind in der Presse Mitteilungen über Reden und Interviews Brantings erschienen, die beim größten Teil der öffentlichen Meinung Schwedens Verstimmung über eine unvorsichtige Preisgabe dcr schwedische» Neutralität, in der sozial- demokratischen Presse der Zentralmächte aber Einsprüche gegen eine Einseitigkeit hervorriefen, durch die die Vermittlerrolle der neu. tralen Sozialiften zwischen den Arbeiterparteien der kriegführen- den Staatengruppen nur erschwert würde. Wie die„Wiener Ar- beiterzeitung" mitteilt, hat Branting nach seiner Rückkehr Ertlä. rungen des Inhalts abgegeben, daß er die am meisten beanstandeten Aeußerungen gar nicht getan habe. Diese sind danach das Phantasie- Produkt gewiffenloser Journalisten und ein neuer Beweis der von den offiziösen Entente-Nachrichtenbureaus systematisch betriebenen internationalen Ver- hetzungSarbcit. Ein Beweis, der Branting in seiner Entente- freundschaft nachdenklich stimmen konnte. Wir können im Augenblick nicht feststellen, ob sich das Dementi Brantings auf alle oder nur auf einige hier bekannt gewordene Aeußerungen bezieht. Jedenfalls bleibt die Tatsache seiner Reise an die französische Westfront bestehen, die selbst ben Tadel eines so zurückhaltenden Beurteilers wie des Genossen Troelstra gesunden hat._ Malvps Richter. Eine Enthüllung der„Humanitü". Nach telegraphischen Berichten veröffentlicht die„Humanite" die Liste der Senatoren, die für und gegen Malvy gestimmt haben. Aus dieser Liste ist zu ersehen, daß die Verurteilung MalvyZ ausschließlich auf die Stimme der Royali st en und Klerikalen zurückzuführen ist, während die R e p u b l i- kaner gegen die Verurteilung gestimmt haben. Zu den K3 Senatoren, die dagegen stimmten, gehören die früheren Minister und Ministerpräsidenten Bienbenu-Martin, Leon Bourgeois, CombcZ, Doumergue, Jean Dupuy(Besitzer des„Peiit Parifien" und Vorsitzender des Pariser Preffesyndikats), Herriot, Steeg, dcr frühere Präsident Loubet und d'Estournelles de Constant. Dafür stimmten von 96 Senatoren u. a.: Senatspräsident Tubost. die Senatoren Telahaye, Flandin, Monis. Perchot(Befitzer des „Radiccar und großer Kriegsbeferant). Peres und de Selves. Dem Ministerpräsidenten Clemenccau ist diese Enthüllung begreiflicheAveise außerordentlich unangenehm. Er protestiert in einer durch HavaS veröffentlichten Note gegen die Veröffentlichung dcr Liste, die trotz wiedechalten Zenfurverboies erfolgt sei unp keinen Anspruch auf Zuverlässigkeit erheben könne, Nach Sem Attentat. Die nissische Revolution hat ihre neue Parallele zur fran- zösischen: Marat fiel von der Hand Charlotte Cordays, Lenin ist durch die Schüsse Tora Caplans schwer verwundet. Schwer verwundet? lieber Kopenhagen wird schon der Tod des Volkstribunen gemeldet. Aber die Petersburger Telegraphenagentur dementiert diese Trauerbotschaft. Sie be- hauptct, daß sich der Zustand Lenins gebessert hat. Welch ein Wandel! Ein älterer Brnder Lenins ist auf dem dumps-feuchten Hof der Schlüsselburg gehenkt worden, weil er Alexander III. eine Bombe unter den Wagen werfen wollte; und Lenin, dcr Führer der radikalsten sozialdemokratischen Partei Rußlands, da� Haupt der großen sozialistischen Kam- mune, wird das Opfer des Terrors! Der Terror ist immer ein Zeichen von Schwäche. Er ist die Handlung eines einzelnen gegen einen einzelnen. Er schließt das Bekenntnis ein, daß die Massen nicht in den Kampf geführt werden können, mögen sie nicht wollen oder mag eine geschlossene Aktion unmöglich sein. Aber der Terror beweist nicht nur, daß die Terroristen schwach sind, sondern auch die Terrorisierten. Er hat nur Sinn dort, wo die Hoffnung keimen kann, daß mit dcni Tod oder dcr Einschüchterung der leitenden Männer die Stnatsmaschine aus den Fugen geht; er ist sinnlos, wo das umpersönliche Systeni für Dolch und Pistole unangreifbar ist. Die Bolschewisten drohen mit dem Massentbrror gegen die Bourgeoisie. Sie wol/en nicht vor Revniverschützen und Bomben schmeißern kapitulieren. Ihre Standfestigkeit, ihr persönlicher Mut. ihre Entschlossenheit ehren sie und zeigen sie als Männer. die aus den: rechten Holz geschnitzt sind, um in stürmischen Zeiten ihr Schifflein durch eine wilde See zu steuern. Aber auch der Masscnterror ist ein Bekenntnis der Schwäche. Wenn die„Massen" einmütig und ohne zu schwanken den Bolschewismus wollten, wären die Attentate wohl sensationelle, aber keine gefährlichen Ereignisse. Es ist ein vollkommener Ausdruck der tatsächlichen Lage, daß die Räteregierung � die Bourgeoisie Maskaus, besonders die» ehemaligen Offiziere. registrierte unv Mterniebte, als Hiobsbotschaft auf Hiobsbotschaft von dcr tschechoslowakischen Front kam, und daß die Jnrerniertcu bis auf einen kleinen Rest Verdächtiger entlassen wurden, als die Petersburger Telegraphenagentur mit Siegesberichten dienen konnte. Der Massentcrror gegen die Bourgeoisie geht über die Kampfmittel der französischen Devolution weit hinaus, die immer Individuen auf Grund individueller Akte verurteilte. Eine Klasse für Taten von Einzelpersonen mit dieser Schärfe haftbar zu machen, ist ein strafrechtliches Novuni und•könnte wohl einmal als Rechtfertigung dafür dienen, die Arbeiterklasse bei einer anderen gesellschaftlichen Schichtung für die Taten eines Fanatikers verantwortlich zu machen, wie es in milderer Form schon oft geschehen ist. Auch scheint es nicht unbeachtlich, daß sowohl der Mörder Uritzkis wie die Attentäterin Lenins Sozialisten zu sein behaupten, was bei dem ingrimmigen Haß zwischen den Fraktionen des russischen Sozialismus nicht vorweg als unglaublich zurückgewiesen werden darf. Die Untersuchung wird Ichren, welche Motive den Tätern die Waffe in die Hand gedrückt haben. Die Vermutung lipgt nahe, daß das Gefühl nationaler Demütigung durch den Brester Frieden, seine weitherzige Auslegung seitens Deutschland mid die eben geschlossenen Zusatzverträge die Springfedcr der unheilvollen Entschlüsse gewesen ist. Wie die Anschläge auf Eichhorn und Mirbach die Vertreter Deutschlands traf/ so' hätten die neuen Attentate Männer vernichten sollen, die der Nationalismus dcS Verrats des eigenen Volkes an Deutschland zeiht. Eine unbegreifliche Torheit. Lenin war nur in dcr Phantasie der Entente das willige Werkzeug, der feile Agent Teutschlands. Er ist durch feindliches Gebiet in seine Heimat gefahren und hat dep Brester Frieden geschlossen. Das ist wahr. Aber nicht minder wahr ist, daß er die proletarische Nevolution nach Deutschland tragen und die deutsche Regierung mit der schlimmsten Gefahr bedrohen wollte. Im Grunde ver- weigerte auck er dem Brest er Frieden die An-� e r k e n n u n g. Er nannte ihn mit einen: schlagenden Wort eine Atempause, die der russischen Revolution jseit zur Sammlung geben, die kriegführenden Mächte aber zur gegen- .seitigen Zerstörung und Aushöhlung führen sollte. Wie immer man über die praktischen Biöglichkeiten dieser Theorie denken mag. sicher ist, daß sie einen großen Zug hat, und; mag sie auch falsch sein, sich doch vorteielhaft von dem klä.glichcn Fortschreiten und Fortwurstdln der gelernten Diplp- maten unterscheidet, die mit ihr.en ärmlichen Geheimratskniffen und-bedenken wie eine Rechtfertigung der Leninschen Theorie, wie die wahren Schrittmacher seiner Idee erscheinen... Die deutsche Sozialdemokratie lehnt die Leninschen Ge- danken ab. j£ie hat nicht den Mut, dos eigene Land dem Be- liehen des Siegers in Hoffnung auf xine Revolution im sieg- reichen Staat pdex.Staatenbund imiimii'äL Bssin hat-spe- zifische Möglichkeiten der russischen Politik und Gesellschaft internationale Geltung verleihen wollen und damit eine unter Sozialisten nicht seltene Neigung zum Schematisieren, zu apri- oristischen Zielsetzungen bewiesen, die oft genug große werbende � Kraft besitzen. Wenn aber Politik, Wirtschaft und Gesellschaft nach den strengen Gesetzen der Mathematik und deduktiven Logik zu beurteilen wären, so müßte der Mathematikprofessor auch ein guter Politiker sein, nxis aber sicherlich noch seltener ist, als daß ein gelehrter Volkswirtschaftler auch ein erfolgreicher Ge- schäftsmann ist. Leicht beieinander wohnen die Gedanken, doch hart im Räume stoßen sich die Sachen. Und wie wird die Räterregierung diesen neuen Schlag über- stehen? Lenin war ihr geistiges Haupt, ihr anerkannter Fiibrcr. . selbst wenn die Kugel nicht tödlich war, so wird doch seine Tat- kraft, der Eindruck seines persönlichen Eingreifens auf geraume Zeit fehlen. Tie Schwierigkeiten der Sowjets werden wachsen. Ta könnte nichts Törichteres passieren, als daß die deutsche Regierung, von der Ordnungsmanie gepackt, dem sehnsüchtigen Ruf manchen gepreßten russischen Bourgeois folgte und Ruhe stiften wollte. Graf Ncvcntlow kokettiert schon mit dieser Mög- lichkeit. Nun, alle Erfahrungen sollten die Ueberzeugung allgemein gemacht haben, daß man den Polizisten schätzt, solange er schützt, daß ihn aber niemand zum ständigen Hausgenossen haben will. O Reuter meldet Lenins Tod. V e r l i n, 2. September. Ucbcr die von Reuter verbreitete Nachricht von dem Tode LcninS i st an zuständiger Stelle nicht? bekannt. Bei der hiesigen russischen Bertre- tung ist noch heute nacht ein Telegramm eingegangen, wonach der Zustand Lenin? sich gebessert habe. Moskau, 1. September, lieber da? Attentat auf Lenin berichtet die„I? w e st i j a" noch, daß die am Attentat beteiligten Frauen von der Menge fast zerrissen wurden. Nur da? Einschreiten einiger Parteigenossen verhinderte ein Lynchgericht. Die Arbeiter, die in großer Anzahl an der Versammlung in der Michelsohnschen Fabrik teilgenommen hatten, gingen unter dem Eindruck des Geschehnisses noch lange nicht auseinander. Die Nachricht von dem Mordanschlag verbreitete sich augenblicklich in der ganzen Stadt. lieber die Person de? Mörders Urizkys meldet die „KraSnaja Gaseta", daß er sich Leonid Akimowitsch Kannegießer nannte und erklärte, Jude zu sein. Seit den ersten Tagen der Revolution war Kannegießer Mitglied der Miliz des Litejni Bezirks. Im Juli des vorigen Jahres sei er als� Freiwilliger in die Michacl-Artillerie-OffizierSschule eingetreten. Tort sei er bis zur Schließung der Schule geblieben. Während seines Aufenthaltes in der Offiziersschule sei er.V o r s i tz e n d c r des Verbandes der sozialistischen Offiziersschüler des Petrograder Militärbezirks gewesen. Nach sei- nen Angaben sei er damals Mitglied einer sozialistischen Partei gewesen. Er weigerte sich jedoch, diese Partei näher zu bezeichnen. Den Entschluß, Genossen Urizky zu ermorden, habe er, wie die Petersburger Telegraphenagentur schreibt, gefaßt, als in der Presse Bekanntmachungen über Massenerschießungen erschienen seien, die von Genossen llrizkh unterschrieben waren. Auf Bcfra- gen de? Genossen Schatoff erklärte der Mörder, er habe Genossen llrizy schon früher gesehen. Aus den Zeitungen habe er erfahren, wann die Empfangsstunden seien. Er habe den Plan gehabt, ihn zu töten und diesen Plan während der Empfangsstunden im Kom- -Nisssriat des Innern am Freitag, den 30. August, ausführen wollen. Ilm 10 Uhr morgens sei er auf da? MädZfcld gegangen gflh. habe ein Ztveirad für 500 Rubel gemietet. Das Geld habe er sich verschafft, indem er einige seiner Sachen verkauft habe. Ten Revolver besitze er bereits 3 Monate. Der Mörder weigerte sich anzugeben, woher er sich den Revolver verschafft habe. Bald nach der Verhaftung Kannegießer? wurde in seiner Wohnung im Sa- perni Pereulok eine Haussuchung abgehalten. Nach der HauS- suchung wurden seine Verwandten verhaftet. Mobilisierung in Rusiland. Moskau, 30. August.(PTA) Der Spwjet der Volkskommissar« ruft zum aktiven Heeresdienste alle diejenigen in den Jahren 1303 bis 1807 geborenen Arbeiter und Bauern auf, die früher bei der Flotte gedient haben. Nur nicht tzansöampf in allen Gadern In Anknüpfung an unseren Protest gegen die Zlner- kennung des Herzogs von Leuchtcnberg als Bevollmächtigten des Atamans Krasnow schreibt Prof. Dr. P a u l S ch i e- mann der„Franks. Ztg.", daß die Donkosaken die Eman- zipation der für sie arbeitenden Bauern unterdrücken woll- ten. Nach anfänglichem Liebäugeln mit dem Bolschewismus seien sie seine erbitterten Feinde geworden, seitdem sie gesehen bätten, daß die Befreiung der Bauern auf ihre Kosten gehen solle. „Tie Donkosaken unter KraSnow. die Kubankojakon unter Feli- monow, die Astrachaner unter Fürst Tundotow als HetmanS haben den Bolschewismus nicdergezwungen. Das Tongebiet und Astra- chan dürfen bereit? als gesäubert gelten. Am Kuban fechten die � Volschewisten, im Norden von den Kosaken, im Süden von den Georgiern bedrängt, den letzten Verzweiflungskampf aus. Was nun kommt, ist die Reaktion. Bereits sind die Stan- deSuntcrfchiede wieder hergestellt, und so die Rechtlosigkeit de? Bauern sanktioniert. TaS Fraucnwahlrccht ist aufgehoben, und daS neue Regime'hat eine f« schwarz« Färbung angenommen, daß die bürgerlichen Liberalen Rußlands, die ihre ganze Hoffnung auf die Kosaken gesetzt hatten, das Land mit Protest verlassen haben. Nun kann es Teutschland ja nur recht sein, wenn di� befreun- dete Ukraine einen Nachbar erhält, von dem keine neuen Unruhen zu erwarten sind. Aber selbst in irgend einer Weise die dort gc- führte Politik zu sanktionieren und mit ihr in ein Verhältnis wie in den übrigen Randstaaten zu treten, kann ganz gewiß nicht im deutschen Interesse liegen. Die Knechtung des avbeitsfrohen ukraini- schcn Bauern am Kuban und am Don wird man nur mit Be- dauern'beobachten können und keine Mitschuld daran übernehmen wollen. Dazu liegt um so weniger Veranlassung vor, als die ge- samte Struktur der kosakischen Staatsordnung «ine Krönung im Zarentum verlangt. Die Privilegien der Kosaken stützen sich auf die Belohnung der russischen Herrscher für geleistete Dienste. Da» ist die Wurzel ihrer Macht. Wenn deS- halb im Dongebiet jetzt die Sehnsucht nach einer Wiedervereinigung mit Rußland laut wird, so ist das die Sehnsucht nach dem Abso- lutiSmuS. Diese Sehnsucht zu stillen, ist Deutschland gewiß' nicht berufen." Diese Stimme gegen die deutsche Politik, di� sich mit der Anerkennung de? Genetals KraSnow— mag es auch nach- träglich bestritten worden sein— sehr beeilt hat, ist um so wichtiger, als dieser Gegner der Polizeimission Deutschlands in Rußlnnd jahrelang außenpolitischer Leitartikler der— „Krcuzzeitung" gewesen ist. Kein weißer Terror N Tie Rache der Weißgardisten in Mnnland. In krassem Gegensatz zu den wohlfrisierten Erklärungen der finnischen Regierung, daß in Finnland nicht das mindeste von weißem Terror zu spüren sei, steht folgende Schilderung, die wir von durchaus wohlunterrichteter Seile erhalten: . Das Schicksal der roten Arbeiter Finnlands ist schrecklich. Drei Monate sind seit der Unterdrückung der Revolution in Finnland verstrichen und der weiße Terror wütet noch immer im Lande. Es ist klar, daß Finnlands Bourgeoisie beschlossen hat, alle roten orga- nisierten Arbeiter zu vernichten. Aus Finnland wird berichtet, daß dort der weiße Terror während seines Wütcns schon ebensoviel Menschen niedergemetzelt hat, wie im ersten Stadium des Bürgerkrieges umgekommen sind, nämlich 20 000 Männer, Frauen und Kinder. Und noch immer nimmt das wahnsinnige Morden kein Ende. Mehr als hundert Schnellgerichte organisierten die Rache über die„Rebellen", fällen Todesurteile, erteilen vieljährige oder lebenslängliche Gefangenschaft im Zuchthause und konfiszieren das private Eigentum der Arbeiter. Revolutionäre werden nicht wie Kriegsgefangene behandelt, sondern w-e Verbrecher und Sträflinge, welche des Mordes, Raubes oder dergk. angeklagt sind— überhaupt die Unterstützung der Tätigkeit der roten Regierung wird an sich als solches Verbrecher angesehen. So werden die Urteile ausschließlich durch die Rache, Willkür der Richter und den Klassenhaß diktiert. Die Weisizzardisten erklären: das Leben eines So- zialdemokraten sei nicht einmal desjenigen eines Hofhundes wert, und daher sind sie berechtigt, u n- ge st rast einen roten Arbeiter zu töten, wenn eZ ihnen nur einfällt. Warum öer Kemme! geräumt wuröe. Berlin, 2. September. fWTB) Die Stellungen, die sie Deut- schen vor der Gegenoffensive Fochs innehatten, waren aus einer abgebrochenen Offensive entstanden. Sie waren nicht geeignet, um in ihnen eine nachhaltige, auf Kräfte crsparniS hin» zielende Verteidigung zu führen. Infolgedessen sind sie auch nicht ausgebaut gewesen. Von dem Augenblick an, wo die deutsche Füh- rung sich entschlossen hatte, zwischen Arras und SoissonS durch eine großzügige und freiwillige Rückverlegung ihrer Linien den feindlichen P?an eines doppelten Flügelangriffes zu stören, war die Ausgabe der in Flandern noch ver- bliebenen Offensiv st ellung, die durch die erfolgreiche Apriloffensive entstmrden, als keilförmiger Bogen in der Linie Kemme!— Meteren— Morris— Merville, nördlich Bethunc, verlief, die logische Fslge-'der zwischen Scarpe und Ois« durchge- führten Frontstreckung. Mit derselben sorgsamen Vorbereitung wie bisher wurde auch hier die Aufgabe dieses Abschnittes durchgeführt, durch die dem Feinde die Möglichkeit eines umfassenden Angriffes an dieser Stelle entzogen wurde. Tie Räumung selbst blieb dem Feinde tagelang verborgen, alles was in diesem Gelände ihm irgendwie von Nutzen sein konnte, war in alleb Rulje zurückgeschafft, selbst die zahlreichen LeitungS- drähte wurden abgebaut, während die Unterstände uni> wichtigen Berteidigungspunkte, Brücken und Baracken nachhaltig zerstört wurden. Schwache zurückgelassene, mit zahlreichen Maschinen- gewehren ausgerüstete Nachhuten, fügten den endlich folgenden Eng- ländern, die sich so oft im Verein mit den besten französischen Di- Visionen vergeblich um die Wlehercroberung des Kemme! bemüht haften, schwerste Verluste zu. Englischer Bericht vom 1. September. Gestern abend machte der Feind wiederholt Gegenangriffe auf unsere neuen Stellungen bei St. Oucntin. Er wurde zurückgeschlagen und ließ jedesmal nach heftigem Kampfe Gefangene in unserer Hand. Wir machten Fortschritte in der Richtung auf Le Translop und tväh- rend der Nacht vertrieben wir den Feind aus den Dörfern Lou- gatte, Ecoust, Sain: Mein, lvobei wir hundert Gefangene machten. Nördlich der Straße Ar ra s— E a m b r a i wurden von uns über*50 Gefangene bei einer erfolgreichen kleineren Unter- nchmung östlich von Taucourt eingebracht. Im L y S- A b- schnitt dauert unser Vordringen an; unsere Truppen haben die Lawe überschritten und nähern sich der Straße La Bassee— Estaires. An der übrigen Schlacht front fanden kleinere erfolgreiche Unternehmungen an einer Anzahl Punkte südlich der Straße Areas— Cambrai statt. Unsere Truppen vertrieben den Feind nun von der Hochfläche bei Norval und nahmen BeaulenScourt, den Hügel östlich von Rancourt und Fremicourt. Wir bedrängen den Feind hart in Le. Transloy und vollendeten die Einnahme von Bullecourt und Handicourt- Les-Cagnicourt. Wir mach- ten eiitige hundert Gefangene bei diesen Unternehmungen. Ein feindlicher Gegenangriff gegen die von den Kanadiern heute früh nördlich Hendicourt gewonnenen neuen Stellungen wurde abge- wiesen. Unsere Patrouillen schoben sich im Abschnitt von Lens leicht vorwärts. An der Lvs-Front dauert unser Vorrücken an. Unsere Truppen haben Boulieu, Verricr und Steenwerck erreicht und stehen mit dem Feind in enger Fühlung bei Neuve Eglise und Wulverghem. Im August 1018 wurden von den britischen Trup- Pen jn Frankreich 77 318 deutsche Gefangene, einschließlich 1283 Offiziere, gemacht. Im gleichen Zeitraum erbeuteten wir 537 beut- sche Geschütze, darunter über 150 schwere Geschütze, lieber 5750 Maschinengewehre und über 1000 Grabenmörser wurden gezählt. Unter der übrigen Beute befinden sich 3 Eisenbahnzüge, 0 Loko- tnotiven, zahlreiche vollständige MunitionS- und Pionierlager, die viele hunderttausend Bunden Artillerie- und Mörsermunition so- wie Kleingewcchrmunition und ungeheures Kriegsmaterial jeder Art enthalten. Französischer Bericht vom 1. September nachmittags. Die im Gange befindlichen Unternehmungen wurden während der Nacht fortgesetzt. Teile der französischen Infanterie überschritten oen Sommekanal östlich von Epcnancourt. Weiter südlich bemächtigten sich die Franzosen der Ortschaft Roup le Petit und machten 250 Gefangene. In der Gegend nördlich von SoissonS eroberten die Franzosen Leurp und nahmen mehrere heftig verteidigte Widerstandspunkte des Feindes ein. Ungefähr 1000 Gefangene blieben in der Hand der Fratrzosen. Französischer Heeresbericht vom 1. September abends. Im Laiffe des Tages ziemlich starke Artilleric-Tätigkcit in der Ge. gend der Somme und am Nordkanal nördlich der Ailette. Wir haben in dem Wald westlich von Coucy-le-Chsteau und südlich des Flusses Fuß gefaßt. Wir haben uns des Dorfes CrecY-au-Mont bemächtigt. An den übrigen Teilen der Front war der Tag ruhig. die käufliche prefle. Eine Bloßstellung des„Temps". Der„Temps", zurzeit Organ des französischen Ministeriums des Aeußeren, tritt mi? am schärf- sten für ein Einschreiten der Entente in Nußland ein. Die So-wjetregierung revanchiert sich, indem sie durch die PTA. aus den Geheimarchiven des russischen Ministeriums des Aeußeren ein Schriftstück vom Januar l915 veröfsent- licht, durch das der„Temps" auf das peinlichste bloßgestellt wird. Zwei seiner Mitarbeiter, R i v 6 und R o e l— jetzt verantwortlicher Redakteur des„Temps"—, werden darin als käufliche Subjekte entlarvt. Das Schreiben— es ist adressiert an Herrn I. Herbst, Chef des damaligen Entente- Presseburcaus in Sofia— beginnt mit folgenden Worten: „Geheim". Petrograd, Januar 1315. „In Beantwortung Ihres vertraulichen Schreibens Nr. 803 vom 2. Dezember 1011. teile ich Ihnen mit, daß ich in einem längeren Gespräch mit Herrn Charles Rive von diesem erfuhr, daß die ihm von Herrn Roels ausgehändigte Summe von 30 000 Lei dazu bestimmt ist, für uns günstige Telegramme und Artikes, die von Herrn Rive auf Grund der aus Sofia einlaufenden Nach- richten verfaßt sind, in der Zeitung des Herrn Roels drucken zu lassen. Ob diese Summe unter die beiden Herren zu teilen ist, wie Sie in Ihrem Briefe erwähnen, ist meines Er- achtens eine Frage von geringfügiger Bedeutung, dessen Berüh- rung nicht lohnt. An anderer Stelle werden die beiden Helden folgender- maßen charaktcrieüert: Herrn Roels kenne ich nicht und kann ihn von hier aus nicht kennen lernen. Seine Freunde sagen, er scheut keine Mittel, reich zu werden. Wollen wir Herrn Roels an uns fesseln, so müssen wir ihm beständig Geld zukommen lassen, wenigstens ebensoviel wie den anderen, denn im entgegengesetzten Falle wird er sich nach der Bezahlung richten. Was Herrn Rive betrifft, so kennen wir auch keine andere Garantie, als wie das, was er zu unfern Gunsten hier und auch dort geschrieben hat, und daß er einen Teil unserer Subsidie erhalten hat. Wir haben auch noch eine andere Garantie und zwar, in- dem wir die Subsidie ratenweise zahlen und direkt nach Paris senden, alber auch in diesem Falle riskieren wir, daß unsere Sache nicht richtig vrrfochtcn wird. Am Schluß des Schreiben? beißt es noch: Die Tatsache, daß die französische Presse Geld erhalten hat, steht fest. Die Franzosen geben selbst zu: Es gäbe kein französisches Blatt, daS eine Subsidie ablehnt. Es besteht aber trotzdem ein Unterschied, ob der fran- zö fische Journalist eine befreundete Nation verteidigt«der für eine offen zu den Feinden Frankreichs haltende Nation plädiert. Offenbar ist mit dem„Unterschied" nur ein Unterschied Bezahlung gemeint. Natürlich können die letzten Zitate in dieser Verallgemeinerung nicht gelten; aber für einen Teil der bürgerlichen Presse treffen sie zu. Feindlicher Truppentransporter versenkt. Berlin, 2. Sep. tember. Im mittleren Mittelmeer versenkten unsere U-Boote 15 000 Br.-R.-T., darunter einen Truppentransportdampfer von über 8000 Tonnen. Der Chef des AdmiralstabcS der Marine. Mißlungener Luftaugriff auf Cattaro. Wien, 2. September. Die Marinesektion des Kriegsministcriums teilt amtlich mit: Am Vormittage des 30. August versuchten vier englische Land- flug zeuge Anlagen und Schiffe des Golfes von Cattaro an- zuqreffen. Ihre Bomben waren' wirkungslos un? fielen größten- teils in See. Von vier Flugzeugen entkam nur eines, die an- deren drei stürzten ab und zerschellten an den Felsen. Ein verwundeter Flieger konnte geborgen werden, die übrigen sind tot. Ter Barbier als Attentäter. Viktoria(Britisch-Kolumbien), 2. September.(Reuter.) Ter frühere chinesisch)« Unterrichts- minister Tanghanling wurde von einem chinesischen Barbier ermordet. Ter Barbier beging Selbstmord. Einmalige Kriegsteuerungszulage für öeamte. Die Grundsätze für die einmaligen Kriegsteuerung'Szulagen an die Beamten, �Lolksschullehrer und Geistlichen und die ehemali- gen Kriegsbcibilfen an die Ruhegehalisempfänger und. die Hinter- bliebenen von Beamten usw. stehen, wie halbamtlich gemeldet wird, nunmehr fest. Allen für die Gewährung von laufenden KricgstcucrungSzu- lagen in Betracht kommenden planmäßig angestellten und außer- planmäßigen Staatsbeamten mit einem Dienstcinkommen bis zu 20 000 M. einschließlich wird sofort eine außerordentliche einmalige KricgSteuerungszulag« ausgezahlt. Für den kinderlos Verheirateten beträgt diese Zu- läge mindestens 500 M. und höchstens 1000 M. Sie wird im einzelnen wie folgt berechnet: Zu einem Grundbelrag von 250 M. tritt der volle Betrag des monatlichen Gehalts ohne Woh- nungSgeldzuschuß hinzu. Ter sich bei dieser Berechnung ergebende Betrag wird, soweit er unter 500 M. zurückbleibt, auf 500 M. e r, Höhr, soweit er 1000 M. überschreitet, auf 1000 M. ermäßigt. Verheiratete mit Kindern erhalten für jedes Kind weitere K i n d e r z u l a g e n�v o n je 10 P r o z. der sich auS vorigem Ab- sah ergebenden Gesamtzulage. Die Unverheirateten erhalten als einmalige Kriegs- teuerungszülage 70 Proz. der für die kinderlos Verheiratrten gel- tenden Zulage. Auf die einmalig« ÄricgSteuerungszulagc finden im allgemeinen die Bestimmungen über die laufenden Kriegs- teuerungSzulagen Anwendung. Jn gleicher Weife werden auch die Leiter, Lehrer und Lehrerinnen an öffentlichen Volksschulen sowie die Geistlichen berücksichtigt. Entsprechendes gilt für die Lohnangestellten höherer Ordnung. Unmittelbare Staatsbeamte, VolkSschullehrpersonen und Geist» lich« im Rübe stand« sowie die Hinterbliebenen von unmittelbaren Staatsbeamten, Volrsschullehrern und Geistlichen er. halten unter den Voraussetzungen, die für die Gewährung laufen- der Kriegsbeihilfcn an denselben Pcrsonenkreis galten, sofort eine außerordentliche einmalige KricgSbcihilfc, die mindestens 50 Proz., höchstens aber 100 Proz. derjenigen Summe beträgt, die an ein- maligcr KriegSteuerungszulagc unter Zugrundelegung der von dem Beamten usw. zuletzt bezogenen Gchaltsbezüge zustehen würde. wenn der Beamte usw. noch im Dienste wäre. Die Beihilfe ist, wo daS Bedürfnis zur Gewährung einer laufenden Kriegsbeihilfe bereits anerkannt wurde, ohne weiteres zu gewähren, und zwar wird in der Regel derselbe Prozenisatz der Bemessung der ein- maligen Kricgsbeihilfe zugrunde gelegt, der bei der Bemessung der laufenden KriegSbcihilfe maßgebend gewesen ist. Vollivaisen bis zu 18 Jahren erhalten die ihnen zustehende einmalige Kriegsbeihilfe in Höhe von 50 bis 100 Proz. der für das Kind deS entsprecheirden aktiven Beamten usw. zuständigen ein- maligcn KricgsteuerungSzulage. Di« damit vorgenommene Regelung bleibt hititcr dem, waS von den Beamtcnvcrbänden einmütig für unbedingt not, wendig erklärt wurde, weit zurück. Tiefe wiesen bei der ent- 'cheidrndcn Besprechung mit dem Kinanzminister auf die Rowendig. keit hin, den Grundbelrag auf 600 M. und den Zuschlag für Kin- der auf 20 Proz. zu erhöhen. Auf die Tauer wird die jetzt ge- ttoffene Maßnahme, nachdem die wirtschaftlichen Verhältnisse ein- mal inS Rutschen gekommen sind, nicht haltbar sein. \ Nr. 242 ❖ ZS. Jahrgang Dienstag, Z. September 1 4t s Legende. In der Sl. Maria-Magdalen-Kirche in Breslau kielt der alldeutsche Pastor Künzcl eine Propaganda- predigt für die VaterlandZpartei. � Es blinkt in der Sonne der Kirchturmknauf, ein goldener Wetterhahn sitzt daraus. (Indes sich das Rauschen der Orgel erhebt Herr Jesus Christus im Räume schwebt: Jriede, Friede! Und allen, allen Menschen auf Erden ein Wohlgefallen!) Der Pfarrer jedoch mit dem roten Gesicht, von Hassen und Kriegen und Siegen spricht. (Mein Reich, es ist nicht von dieser Welt!) Ein Narr, wer nicht das, was er hat, behält! (Liebe den Feind und reich ihm die Hand...) Nieder mit Frankeich und Engelland! Der Gottesmann schweigt. Es braust der Choral. 'Der Hahn auf dem Turm kräht Zj u m drittenmal! ____ P a u l ch e n. Grotzer Betrug bei der Preußischen Staatsbank. Ein abgeseimker Betrug, der von langer Hand vorbereitet, den Tätern annähernd 6 0 00 Ol) Mark in die Hände spielte, ist bei der Preußischen Staatsbank, Königliche Seehandlung entdeckt ivor» den. Anfang August d. I. überwies ein auswärtiges Handels- unternehmen 600 000 M. zur Gutschrist auf das Konto einer aus- wältigen Bank. Das die Ueberweisung enthaltende Schreiben wurde unterschlagen, dafür ein anderes, gefälschtes untergeschoben, in dem als Gutschrifisempsänger S. Flörshcimer, Edelmetalle, Berlin W. 02, Kleiststraße 42, bezeichnet war. Dieser Betrug war mit so /genauer Kenntnis aller banktechnischen Einzelheiten vorbereitet worden, daß er trotz scharfer Kon- trollvorschrift zunächst unentdcckt blieb und der Geldbetrag der Firma Flörsheimer, die bei der Staatsbank ein Konto unterhielt, gutgeschrieben wurde. Unmittelbar nach der Gutschrist ani 8. und 9. August hob die.Firma Flörsheimer daraufhin den Betrag in zwei Teilbeträgen von 840 000 M. und 254 000 M. ab. Beide Be- rräge wurden aus ihr ausdrückliches Verlangen in bar ausgezahlt, und zwar in Tausendmarkscheinen. Als dieser Tage die eigentliche Gutschriftsempfängerin über den durch die Fälschung aus das Konto Flörsheim abgeleiteten Betrag verfügen wollte, wurde der Betrug entdeckt. Tie mit der Aufklärung der Angelegenheit betraute Kriminalpolizei verhaftete den aus Chemnitz stammenden, als Hilfsarbeiter in der Korrespondenz beschäftigten Guido Ra» bieger unter dem' Verdacht, an der Fälschung beteiligt zu sein. (hegen Rabieger, der das Konto Flörsheimer bearbeitete, sollen eine ganze Reihe schwerer Verdachtsmomente sprechen. Doch könnte er den Betrug nur mir Hilfe mehrerer Komplicen, die außerhalb der Bank stehen, ausgeführt haben. Eine Firma Flörsheimer ist in der Äleiststraße ji2 unbekanm. Ebenso kennt niemand im Kreise der Edelmetallhändlcr diese Firma. Anfang J-uli d. I. mietete in der Kleisiftraße eine Frauensperson für ihren angeblichen Vetter, S. Fiärsheimer, der aus Frankfurt a. M. zuziehen'werde, ein Zim- mer und bezahlte es im voraus. Diese Frauensperson brachte dann einen Briefkasten mit dem Gummistempclaufdruck S. Flors- heimer an der Flurtür des Zimmers an und erschien lediglich, um jeden Morgen den Briestasten, der ausschließlich zur Entgegen» nähme der Korrespondenz mit der Bank bestimmt war, zu leeren. Mit welcher Vorsicht die Fälscher zu Werke gegangen sind, zeigt der Umstand, daß sie zu den wenigen mit der Bank gewechselten Schriftstücken vier verschiedene Sehreibpraschinen benutzt haben: emp Continental, eine Ideal-A.-Maschiise mit großer Druckschrist, eine kleine Adler und eine Schreibmaschine mit kleiner Fraktur- schritt. Schreibmaschinen mit kleiner deutscher Schrift sind ver- höltnismähig selten. Es ist möglich, daß dieser Hinweis auf eine Spur der Täter führt. Die Frauensperson, die in der Kleiststratze das Zimmer für Flörsheimer mietete, ist etwa 24 Jahre alt, mittel- groß und dunkelblond. Sie soll ausfallend langsam und m aus- ländischem oder auswärtigem Dialekt gesprochen haben. Unter dem Verdacht an der Fälschung beteiligt zu sein, war zunächst auch die bei der Staatsbank beschäftigte Hilfsarbeiterikk. Erna Grauert, die zu Rabieger in näheren Beziehungen steht, festgenommen wor- den. Doch ist sie wieber entlassen worden. Tie Staatsbank hat aus Wiederbeschafsting des entwendtten Geldes eine Belohnung bis zu 20000 Mark ausgesetzt. Sie wird gegebenenfalls auch iür Mitteilungen, die zur Ueberführung der Täter dienen, ohne daß das Geld herbeigeschafft wird, aus diesem Betrage entsprechende Belohnungen zahlen. Erwünscht sind der Kriminalpolizei alle Mit- teilungen über den Umgang und Bekanntenkreis Raoiegers sowie Meldungen der Firma, bei der die Briefbogen gedruckt und die Gummistempel mit der Firma S. Florsheimer, Berlin W. 62, Kleiststraße 42,, hergestellt worden sind. Schon die Feststellung, in welcher Stadt das geschehen ist, ist wichtig. Schätze des Waldes. Die B i l z a u s st e l l u n g. die der Berliner Magistrat in diesem Jahr wieder im Märkischen Museum veranstaltet, wurde am Montag eröffnet. Sie bezweckt. Kenntnis der Pilze zu verbreiten, aber nicht lediglich des Wissens wegen, sondern zur Förderung des Sammelns. Zeigen will sie, daß sehr viel mehr Pilze genießbar sind, als der Nichlkenner glaubt. Zugleich soll der Besucher vor denjenigen Pilzarten gewarnt werden, die wirklich un- genießbar oder sogar gesundheitsschädlich und giftig sind. Ein Pilz« kenner von Ruf, der Gemeindeschullehrer Roman Schulz, hat die Ausstellung eriigerichlet. Weil aus ihr die Bevölkerung Groß- Berlins die Anregung zum Pilzesammeln schöpfen soll, bringt sie nur die'in der Mark Brandenburg vorkommenden Pilze. Sie ver- meidet so den Fehler der meisten Ausstellungen, durch ein Zuviel zu verwirren. Sehr anschaulich belehrt sie uns über den Stand- ort der einzelnen Pilzarien, indem sie jede Art in der ihr eigentümlichen Umgebung vor uns hinstellt. Sie täuscht un» das natürliche Bild des Waldbodens vor, aus dem die Pilze aufsprießen zwischen Moos und Nadeln unter Farrenkräuiern und Wachholder- büschen im Schallen von Laub- und Nadelbäumen. Alle Pilze sind mit Namen bezeichnet unter Beifügung einer Angabe darüber, ob sie als genießbar, ungenießbar oder giftig gelten. Wenn ein eß- barer Pilz eine» giftigen Doppelgänger har, ist dieser neben jenen gestellt, damit die Vergleichung erleichtert wird. Man wird sich möglichst bemühen, in der Ausstellung die schlecht gewordenen Pilze immer wieder durch frische zu ersetzen. Doch das hängt davon ab. wie weit das Werter der nächsten Wochen das Wachsrum der Pilze be- günstigt Die Pilzausstellung soll etwa zwei Wochen dauern; sie kann täglich von 10 bis 5 Uhr unentgeltlich besichtigt werden. Der Besuch ist sehr zu empiehlen. Künftig sollte man diesen Ausstellungen eine Pilzberatungsstelle angliedern, dre der Besucher zu weiterer B-lebrimg tn Anspruch nehmen könnte. An der diesjährigen Pilz- ansslellung ist der Kriegsauöschuß für Sammel- und Helferdienst beteiligt, der die Verwertung auch der Pilze zu jördern sucht. Der Nutzen der ganzen Beranstaltung wird freilich dadurch beeinträchtigt, daß die Waldeigentllmer— und zwar nicht nur private— den Pilzsammlern alle möglichen Erschlverungen bereilen. Eine lehr- reiche Ergänzung zu der Pilzausstellung wäre vielleicht eine Aus- stellung der,— Strafbefehle, die so mancher Pilzsucher statt der Schätze des Waldes eingeheimst hat. Berliner Lebensmittel. Mehr Milch glaubt die Fettstelle Groß-Berlin»ür die nächste Zeit wieder zur Verfügung zu haben. Vom 3. September ab iverden die Kinder im l. und 2. Lebensjahr mit 1 Liter, die im 3. bis 0. Lebensjahr mit'/z Liter bedacht. K ä s e v e r t e i l u n g bis 7. September an die Kunden, die in die Fettkundenlisten der in den Bezirken der 113., IM., 130— 132., 182., 196., 203., 209., 221., 226. und 229/ Broikommiision gelegenen Geschäfte eingetragen sind, pro Kopf 125 Gramm Käse. Neue Höchstpreise für Kaffee-Ersatz, Eine Verordnung des Staatssekretärs des Kriegsemährungs- amtes bringt neue Höchstpreise für die gemahlenen' Kaffee-Ersatz- mittel, d. h. sür andere als solche aus Getreide oder Malz. Sie sind höher als die bisherigen, weil im neuen Wirtschaftsjahr, um Rohstoffe, von erheblichem Nährwert möglichst wenjg in Anspruch zu nehmen, nock mehr als bisher ans solche Rohstoffe zurückgegriffen lvird, die sich in Ausbeute und Preis un- günstig stellen. Die Preise der genannten KaffeeiErsatzmittel dürfen nichl übersteigen: pro 100 Kilogramm beim Verlauf an Groß- Händler sür Ware in geschlossenen PackunMn oder Behält- nisten 178.50 M., für lose Ware 105 M.; vro 100 Kilogramm Beim Verkauf an Kleinhändler sür Ware in geschlossenen Packungen oder Behältnissen 193 M., für lose Ware 181,50 M.; pro ein Pfund Beim Verkauf an Verbraucher(Kleinhandel) für Ware, die in ge- sckilosseiien Packungen gder Behältnissen an die Kleinhändler ge- liefert ist, 1,10 M., für andere Ware 1.12 M. Beim Verlaus kleinerer Mengen dürfen Bruchteile eines Pfennigs auf ganze Pfennige nach oben abgerundet werden. Neu ist die Bestimmung. daß die Lieferung durch den Großhändler, falls seine gewerblich« Niederlassung und die Verkaufsstelle des KleisthündlerS sich in dem- selben Gemeindebezirk befinden, frei Verkaufsstelle dÄ Kleinhändlers zu erfolgen bat. Die neuen Höchstpreise treten am 1. O k t o b e r in Kraft. Die Preise des Feigenkaffees und der Kaffee-Essenzen setzt der KriegSausschuß für Kaffee in Berlin fest. Die Bisherigen Höchstpreise sür Kaffee-Ersatzmiltel aus Getreide oder Malz bleiben bis auf weiteres bestehen._ Gcnchmigungspflicht für Schweinehausschlachtungen. Schweinehaltcr in Berlin, die vom 15. September 1918 bis 28. Februar 1919 sich durch Hausschlachtung selbst versorgen wollen, müssen ihre zur ijausschlachtung bestimmten Schweine spätestens bis 15. September dem Magistrat(Abteilung für Fleischbersorgung. Neue Friedrichstr. 1) schriftlich anzeigen. Wer die Anzeige ver- säumt, erhält keine Genehmigung zur Schlachtung. Wer nach dem 15. September Schweine zur Selbsiversorguiig einstellt, hat das sofort, spätestens aber 3 Monate vor der Schlachtung schriftlich anzuzeigen. Die Hausschlachtungen selbst sind nach wie vor ge- nehmigungspflichtig. �Anträge aus Genehmigung sind mündlich mindestens eine Woche vor dem Tage der beabsichiigten Schlachtung im Bureau der Abteilung für Fleischversorgung(Neue Friedrich- straße 1, 1 Tr., Zimmer 1) zu stellen unter Vorlegung einer Be- scheinilsting der Brotkommission über die Zahl der zum Haushalt gehörenden Personen._ Vertreter der Mieterschaft bcitu Oberkommando. Dieser Tage empfing das Oberkommando in den Marken eine Abordnung au« Vertretern der Gewerkschaften, der kauf- männischen und technischen Verbände, des Ver- bandes der Beamten- und Lehrervereine für Groß-Berlin und des Arbeitsausschusses der städ- tischenWeamten und Lehrer, um ihre Wünsche und Dar- legungen roegen Erweiterung des Mieterschutzes ent- gegenzunehmeii. Uebereiustimmend betonten die Vertreter, daß der stetig zunebmende Wohnungsniangel den Vermietern eine Hand- habe zu Massenlündigüngen biete, was in der Groß- Berliner Mieterschast bereits zu schweren Mißstimmungen geführt habe. Gegen die in normalen Grenzen sich bewegenden Mieterhöhungen sei man absolut nicht, nur müsse Protest eingelegt werden, wenn seitens der Haus- und Grundbesitzer bei Mielsteigerungen angeführt werde, daß die hohen Reparaturkosten eine Erhöhung der Mieten erheischen. Mit Recht wies ein Vertreter darauf hin, daß Reparaturen so gut wie ausgeschlossen wären, da die Materialien(Firnis, Lack usw.) gänzlich fehlten. Es sei unbedingt notwendig, daß das. Oberkommando zum Schutze der Mieter und zur Beruhigung der Bevölkerung, besonders auch unserer kämpfenden Familienväter an der Front, ungesäumt auf Grund des Belagerungszustandsgesetzes eine Verordnung erlasse, wonach jede WohnungSändernng und jede Aenderung bestehender Mietsverträge sowie d>e Erneuerung ohne Kündignng abgelaufener Mictsverträge dent Mieteinigung samt zur Genehmigung bezw. znr Festlegung neuer Vertragsbedingungen vorzulegen ist. In Gemeinden, wo keine EinigungSämter beständen, müßten solche schleunigst errichtet werden. Das Oberkommando bemerkte den Vertretern gegenüber, daß Verhandlungen wegen Erweiterung des Mieterschutzes bereits im Gange ivären und daß auf Grund dieser erneuten Besprechung das Oberkommando sich mit dem Staatskommissar für das Wohnungswesens ins Einvernehmen setzen werde._ K. u. k. Valutaausgleich. ES ist allgemein bekannt und da cS täglich in der Zeitung einen KurSzenel gibt, kann es auch kein Staatsgeheimnis sein, daß die österreichisch-ungariscbe Krone im Ausland einen sehr gerinaen Wert hat. sogar im engstverbündeten Deutschland, wie aber erst bei den Neutralen,� die OeDrreich-Ungarn ohne alle sonstigen Gesühle nur rein geschäftsmäßig, kühl gegenüberstehen. Nalürlich verliert auch der Staat viel Geld durch diese Valutaentwicklimg, und da er jetzt der größte Geschäftsmann ist, verliert er am meisten. Aber auf der anderen Seite hat er einen Ausgleicki dafür gefunden, nämlich im Geschäftsbereich des hohen k. u. k. Ministeriums des Aeußeren und deS Kaiserlichen Hauies. Die im uichifeindlichen Auslande lebenden oder sich vorübergehend aufhallenden Staatsbürger brauchen nämlich Päffe und. soweit diese bei den Konsulaten im Ausland ausgestellt oder verlängert werden, wird die in Kronen fällige Ge- bühr nach irgendeinem phantastischen Friedensverhältnis in die Währung des Aufenthalilandes umgerechnet. Das bedeutet in Neu- tralien einen märchenhaften KriegSgewmn für den) Staat, indes handelt es sich dort ja nur um weniger Fälle. In Deutschland aber leben mindestens Hunderttausende Oefterreicker und Ungarn und sie alle, Männer,� Frauen und Jugendliche, müssen de» deutschen Behörden gegenüber stets im Besitz gültiger, mit Photographie ver» sehener Pässe sein. Diese werden von den' Konsulaten höchstens auf die Dauer eines Jahres ausgestellt, Mr mililärvflichtige, wenn auch als nicht geeignet Ilaffifizierte Männer höchsten« auf sechs Monate. Die Gebühr für die Ausstellung oder Erneuerung des Passes beträgt 4Vz Kronen, man muß aber 3 M. 90 Pf. bezahlen, was einem Kroncnkurs von über 85 Ps. entspricht, während der offizielle Friedenskurs bei der Post 85 Pf. war und der tatsächliche Weit der Krone zurzeit kaum 59 Pf. beträgt. Ist es ein zu verwegener Gedanke, daß der Staat seine Bürger sckützen sollte, ohne dabei ein Geschäft zn machen, ja, daß er eS vielleicht gar unentgeltlich tun könnte?? Eine halbe Milliarde Berliner Kriegsunterstützung. 498 Millionen Mark, nahezu eine halbe Milliarde, hat die Stadt Berlin in den ersten vier Äriegsjahren an Heeiesnntcr- stützimgen für Kriegerfamilien aufgewendet, darunter 112 Millionen Mark an Mietebeihilsen. Es sind aufgewendet worden: im ersten Kriegsjahre 40.3 Millionen Mark, im zweiten Kriegsjahre 1l3.3 Millionen Marl, im dritten Kriegsiahre 145,2 Millionen Mark, im vierten Kriegsjahre 192,9 Millionen Mark. Eine falsche Gräfin wurde in einem hiesigen Hotel ersten Ranges entlarvt und seslgenommen. Vor einigen Tagen stieg dort eine Dame ab, die sehr vornehm auftrat und auch eine Zofe mit- brachte. Sie nannte sich.Gräfin Schönburg-Wetzelburg". Ihr ganzes Gebaren ließ es deni Hotelpersonal glaubhaft erscheinen, daß man cS mit einer Äristokratin zu tun hatte. Die Kriminal- poli-ei war jedoch von München aus auf eine Schwindlerin auf- merlsam gemacht worden, die man eifrig suchte. Der Verdacht, daß sich hinter der„Gräfin" diese Schwindlerin verstecke, bestätigte sich. Der„vornehnke Gast" lourde entlarvt und hinter Schloß und Riegel gebracht. Die Verhaftete stammt aus guter Familie und ist die geschiedene Frau eines Arztes. Auch in München lebte sie auf großem Fuße, aber lediglich auf Kosten anderer Leute. Um sich Geld zu verschaffen, nahm sie früher in Luruswarengeschäften die teuersten Sachen auf Kredit, den man ihr gern einräumte. Sie verkaufte sie sofort und erbeutete so große Beträge. Neuerdings erschwindelte sie sich in der Jsarstadt sür mehr als 20 000 M. Pelze. Mit dieser Beute kam sie nach Berlin, um sie hier zu Geld zu machen und dann auch die hiesige Geschäftswelt heimzusuchen. Einen Pelzmantel und einen Pelzkragen konnte ihr die Kriminal- Polizei bei der Verhaftung noch abjagen. GaSvcrgiftuiigeil. In der Freienwalder Straße 15 hatle die 22 jährige Klara R o u s s e l im Bett gelesen und war darüber eingeschlafen. Der Gasautomat war inzwischen ab- gelaufen, ohne daß jemand etwas bemerkt hatte. Als dann die Wirlsleute spät abends nach Haus kamen und 10 Ps. in den Auto- maien warfen, strömte in dem Schlafzimmer Gas aus. Die Gefahr wurde erst bemerlr, als das Mädchen schon tot war.— Gleichzeitig ereignete sich ein ähnlicher Fall in der P ri n z e n- A ll e e 44. Hier erlag die 20 jährige Agnes Krüger, Tochter des Leder« fabrikantcn M. Krüger, einer Gasvergiftung, die ebenfalls auf solche Unvorsichtigkeit zurückzusühren ist. Weitere Gasvergiftungen werden noch aus der Zehdenicker Straße 20, Forster Straße 37 und mehreren anderen Stellen gemeldet. Volkskonzcrt deS Philharmonischen Orchesters heute Dienstag in der Philharmonie, Bernburger Siraße 22/23, 8 Uhr. Vorverkauf bei der Zentralstelle für Volkswohliahpt, Augsburger Straße Ol. bei der Berliner Gcwerkschaftskommission) Engelufer 40, Zimmer 13 (äußeu.Soniiabe»ds nachmittags) und abends an der Kasse. Ein- trittspreis 30 Pf. Kasseneröffnung 7 Uhr. Reinickendorf. Brennholzvcrkauf. Ab Platz am Güterbahnhof werden verkauft an jedermann: Kiefern: Zentner 0.50 M., Raum« meier 55 M.; Buchen: Zentner O M., Raumineter 57 M., an Minder- bemittelte bis zu einem steuerpflichtigen Einkommen von 4200 M.: Kiesern: Zentner 5,50 M., Raummeter 45 M.; Buchen: Zentner 5 M., Raummeter 47 M. Die Abgabe erfolgt im Dreischnitt, bei Mehrschmtt geringer Preisauffchlag. Axt zum Zertleinern steht zur Verfügung. Abgabcscherne sind in der Kohlenstelle, Zimmer 31, räglich von 8—1 Uhr erhältlich. Minderbemittelte haben die grüne Ausweiskarte und das diesjährige SteuerveranlagungSschreibeir, K'riegerfrauen den UnlerstützungSauSweis vorzulegen. — LeiienSmittcl. Anmeldeabschnilt der Eierkarle ist bis 0. Sep- tember in den Eierverlaufssrelleir der Gemeinde zur Abtrennung vorzulegen. Die Händler haben die gesammelten Markenabschnitte am 7. bis lO Uhr früh im Zimmer 23 abzuliefern. Wann Eier auf Abschnitt 13 verreilt werden, wird noch bekannt gegeben.— Auf Abschnitt 9 der allgemeinen Süßstoffkarte II können im Lause des September zwei Päckchen Süßstoff(H-Packung) entnommen werden.— Die beim Ernährungsamt bestellten Hammel können wegen Verweigerung der Einsuhrerlaubnis(1) nicht geliefert werden.__' Friedrichshagln. Lchensmittel. Bis Donnerstag gelangen auf Abschnitt 125 der Lebensmittelkarte je 3li Pfund Marmelade zum Preise von 70 Pf. zur Ausgabe.— Ferner gelangt bis 15. Sep« tember auf Abschnitt- VI der Zuckerkarle je 1 Pfund Einmackiezucker zur Verteilung.— Heute und morgen, vormittags 8—12 Uhr und nachmittags 2—0 Uhr, findet Friedrichstr. 4 Heuverkauf für Klein- tierhalter statt._ NowaweS. Lebensmittel. Auf die Abschnitte 30 und 37 der Kartoffelkarte Iverden in der Woche vom 2. bis 8. September je 7 Pfund und außerdem als Reserve 3 Psund ausgegeben,' so daß im ganzen 17 Pfund verteilt werden. Die Kartoffelrcserve erhöht fich hierdurch auf 8 Pfund.— Ferner werden bei den Kleinhändlern ausgegeben: Auslaiidsmarmelade, 200 Gramm sür 72 Pf. auf Abschnitt 55 der Lebensmiitclkarle; Graupen, 150 Gramm sür 11 Pf. auf Abschnitt 02 der LebenSmittellarte. Die Abschnitte sind bis 3. September bei den Kleinhändler» abzugeben. Die Waren sind vom 0.— 8. soeptembcr dort in Empfang zu nehmen. örieftaften öer �eüaktion. H. 23. 162. 1.■/,„ ist der Mindestbetraz an Hausgeld. ES kann also erhöbt werden.§ 33 V. G. f. A. 2. U. E. wird der Provisionsanspruch von der Kranlhcit nicht berührt. 3. Weitere Schritte sind z. Z. nicht nötig, höchstens eine Erinnerung.— Halderstadt. 1. Der Zuschlag wird ab 1. V. 18 nachgezahlt. 2. Die Zieme erlilcht durch Wiedervcrheiratung, doch wird eine Aosmdimg gezahlt. 3. Die Waisenrente geht weiter.— SB. F. 3. Wenn ein Minderjähriger ohne Einwilligung des Vaters einen solchen vertrag abschlictzt, ist er ungültig.— Stork 166. An das Kriegs. niiiiifterillin, Berlin.— Feldpost 662». Nicht alle Strasen find gelöscht. Es kommt aus die Art und Höhe der Strasc an, dann ob Zivil oder Militär.— O. K. Hl. Hammen Sie zur Sprechstunde zwecks Rück- spracht— R. F. 66. Nein.— P. R. 2. Die Armenverwaltung kann die der Mutier gezahlte Unterstützung von den Kindern einziehen, soweit dieselben znr Zahlung imstande sind. Sie haben kein Er- stattungsrccht an die Brüder.— B. S. 43. Der Trupvcnlcil hat reiht. Für Nachurlaub werden Verpslegungsgclder nicht gezahlt. Wasserstands Nachrichten der Landesanstalt für GewSfierkunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterbureau. W a ss c r st a n d am Memel Tilsit B reget Jnsterburg Weichsel Thorn Oder Warthe Rene Elbe Ralibor Kroijcii Franlsurt Schrimm Landsbcrg Vordamm Leitmeritz Dresden Barbq Magdeburg 31. om 176 — 34 146 122 127 138 84 22 -21 -188 44 46 i. t Cm -33 1 141! 2G9j — 26 Mass e r st a n d am Saale Havel Spree Weser Rhein Neckar Main Mosel Krochlitz Svandau Rathenow Spremberg Kersdors Münden Mwden Maximil.au Caub Cöln Heilbronn Hanau Trier 31. am 64 40 4 82 210 124 203 166 150 93 1. cm 58 40 5 122 191 WetterauSfichten für das mittlere Norddeutschlon» diS Mittwoch initlag. Vielsach heiter und am Tagt ziemlich mild, aber veränderlich, und im Nordwest ziemlich zahlreiche, in den anderen Gegenden mehr vereinzelte, geringe Negensälle. Walhalla-Theater. 7>sz Uhr: Donauliebchen. Theater der FriiriehÄ Ecke Friedrich.- u. Linienstr 7'U Uhr. Tägl.: Nord. 860O. Kaiserplatz 3, eine Treppe. Ein lustiges Stück mit Musik nach Karl Laufs. Gcors: sornlng:. v. �Iiincn�8 Uhr: Dorns Äesi. Ab S Udr die neuen Spezialitäten. Reichstiallen-Ttieater. Abends 7'/, Uhr u. Sonntags- Nachmittag 3 Uhr; Stettiner Sänger. Nachmittags ermäßigte Preise! Admiralspalast. J Die Prlnzessia von Tragant! JSajdah. Deutsche Tänze f Kühler Aufenthalt. 7'/. Uhr. 2, 3, 4, 5, 6 M. iCaffee c/i niftmu/rvr IN ALLEN CROSSEN STETS VORSÄTIC BEI G nM• B-H LEIPZIGER STRASSE KONIGSTRASSE ROSENTHALER STR. AIORITZ PLATZ Spezialarztl Zabngebisse, Dr. med. Haedicke* Haut-, Harn-, Geschlechts!.. Blutuntersuchg. Friedriohstr. 187-188(a. d. Mohrenstraße, i Untergrdb.) 11-1, 5-7, Stg. 11-1. Platin, Gr. 7,60, Ketten, Ringe, Bestecke kauft Prnn Wagner, Kaiserstr. 18 I(Alezanderplatz) Spezialarzt i dotier Bo&atOeitu-BeciiflßD Dr. med. Reinliardl, Polstasiiff.IIJf.1iS""« Sydhills. Harn, Frauenleiden, Blutuntersuchungen. Modernstes, ersotgrcichft.Heilversadren. Teilz. stehe48 Seit, stark. 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Schwarzbtcchklempner und Schlosser. 52b Für die vielen Beweise herz- sicher Teilnahme bei dem Hin- scheiden meiner lieben Frau Clsdctk Ohmen sage ich hierdurch allen Verwandten, Freunden und Bekannten, den Bewohnern des Hauses Graun- straße 34, dem Lotterieverein .Volta' sowie Herrn Janke für die trostreichen Worte meinen herzlichsten Dank. 3059b WtlU Olimen. Statt Kartell! Für die vielen Beweise herz« sicher Teilnahme beim Hin- scheiden meines inniggelicbtcn Mannes spreche ich' hiermit allen Freunden und Bekannten, sämtlichen Vereinen, den Mi-- tern der Häuser Landsberger Allee 40/41 und Petersburger Straße 50, den Artisten, den Angestellten und Pächtern, so- wie dem Sargmagazin Gla- schinsky, meinen tiefgesühltesten Dank aus. 186/10 Im Namen aller Hinterbliebenen MMsnaiiD geb. Waldrnann,' Landsberger Allee 40. Danksagung. Für die Beweise herzlicher Teilnahme beim Hinscheiden unseres lieben Vaters und Schwiegervaters isW Iii sagen wir hiermit unseren herz. sichstcn Dank. 3061b ktax Buchtenkirch. Gertrud Buchtenkirch. Luise Buchtenkirch geb. Barnewitz. Nr. 242— K18 Unterhaltungsblatt des vorwärts Dienstag, Z. September Oer Laubenkolonist. Die Arbeiten i ni September. Tie immer kühler und länger werdenden Nächte beweisen uns Wohl deutlich, dag ivir dem Herbst täglich näher kommen. Möglich, dost uns bald einmal eine Frostnacht ganz eindringlich daran mahnt. Hoffentlich bleibt sie noch recht lange aus. Ist doch infolge des schon lange anhaltenden kühlen Weirers das Wlntergcmüse noch lange nicht�döllig ausgebildet, vielmehr noch arg im Rückstände. Die Sommerwärme feblr uns in diesem Jahre so ganz und gar. Darum, wenn wirkltch einmal Frühfrost eintritt, fliuhe behalten und nicht sofort in aller Hast an die Ernte des Winlergemllses gehen! Fast ohne Ausnahme verträgt es viel mehr Äälte als im all- genieinen angenommen wird. Einige Grad unter Null schaden gewöhnlich nichts. Nur ausgesprochen wärmcbedürtlige Pflanzen, wie Bohnen, Tomaten, Gurken und. Kürbis gehen bei der geringsten Frostbildung zugrunde. Also, wenn Kälte eintritt, must�iian veriilchen, diese Pflanzen zu schützen durch Ueberdecken von Tüchern, Leinwandstücken oder anderen Stoffen, oder auch mit Hilfe von Laubzweigen, die uns der Hollunderbuich oder ein anderer liefert. Meistens wird es sich hier ja nur um kleine Flächen handeln, die sich noch cinigermasten schüven lassen. Die hierzu nötige Arbeit macht sich reichlich bezahlt. Denn gewöhnlich gibt es nur eine Froslnachl, viel sellener einmal zwei oder drei nacheinandcrsolgende, und dann tritt wieder das schönste, warme Herbstwelter ein, und was dem Frost loiderstand, wächst und entwickelt sich weiter. Da- riim versuche jeder, wenigstens die noch tragfähigen Bohnen zu schützen. Sie lohnen es reichlich. Völlig unbesorgt kann dagegen jeder uni seinen Weist-, Welsch- oder Rotkohl sein, ebenso um den Kohlrabi, uni die Kohlrüben, Karollen oder Mohrrüben, Sellerie. Petersilie usw. Alle diese Sachen vertragen obnc geringsten Schaden zu leiden, mehrere Grad Kälte. Ihr Wachstum geht ungestört weiter und bringt dann noch die völlige Ausbildung, eine gewisse Steife des Gemüses zustande. ohne die ein erfolgreiches Einwintern nickt möglich ist. So wächst eS weiter bis gegen Milte Oktober, zu welcher Zeit dann das Ernten ilird Einwintern des Wintergemüses erfolgt. Die so häufig be- Ilagten Mißerfolge mit dem Einwintern beruhen zum weitaus größten Teile darauf, daß das Gemüse viel zu früh geerntet und eingewintert wird, und darauf, daß es infolge dessen noch lange nicht seine volle Ausbildung erreicht hat. Nach dem Vorhergesaalen ist es klar, daß im Laufe deS Sep- tembers die allgemeinen Gartenarbeiten nicht ruhen dürfen. Die Pflege der Gewächse muß mit gleichbleibender Sorge und gleichem Eifer weiter geführtwerden. Sie wird ja immer ein- sacher urid geringer. Der fast anhaltende, leichte Regen enthebt uns der Arbeit de? Wäfferns. Dafür aber wächst das llnkraut um so bester. Die Hacke darf ebenfalls nicht ruhen und muß immer wieder den Boden lockern, um den Wurzeln der Pflanzen die notwendige Luft zuzuführen. Mit dem Hacken geht das Entfernen und Vernichten des Unkrautes Hand in Hand. So sieht das Gärtchen auch immer sguber aus. Wo durch völlige? Abernten ein Beet ganz frei wird, ist es baldigst zu säubern und darauf möglichst tief umzugraben und in rauher Scholle liegen zu lagen. Es darf also nicht geharkt werden. Wie notwendig ein Komposthaufcn ist, soll auch bei dieser Gelegenheit wieder hervorgehoben werden. Alle Reste, die von einem abge- ernteten Beete kommen, gehören auf den Komposthaufen« Wo Klein- Viehzucht getrieben wird, wo Kaninchen oder sogar eine Ziege ge- balten werden, wandert ja fast alles Genießbare in die Mägen dieser Tiere. Aber auch hier ist noch ein Komposthaufen notwendig für unverwendbare Dinge. Vielen ist es ja leider heute noch nicht klar, daß im Kompost ein gewisses Kapital steckt, daS bei . vernünftiger Anwendung eines Tages seinem Befitzer restlos zugute kommt. Um so sonderbarer berührt cS jeden Einsichtigen, immer und immer wieder zu sehen, wie alle Reste, große und kleine, im weitem Schwünge über den Gartenzaun wandern. Zum ersten sieht das recht liederlich und unsauber aus, zum andern aber ist das ein leicht faßliches Beispiel dasj�r, wie das Geld auf die Straße geworfen wird. Ein N e u a n b a u der abgeernteten Beete erfolgt zurzeit höchstens teilweise. Nur Spinat ist noch auszusäen, der bei gün- sligem Wetter noch vor Winter verbrauchsfertig wird, anderenfalls bis zum kommende» Frühjahr überwintert. Auch Rhabarber mag jetzt noch gepflanzt werden. Es ist allerdings anzuraten, die ge- pflanzten Klumpen mit Dung abzudecken. In warmen, geschützten Lagen pflanzt man gegen Ende des Monats allerlei junge Kohl- pflanzen, auck Kopssalat aus, in ziemlich tiefe Rillen, wo- selbst sie überwintern. um im nächsten Frühjahr die erste Ernte zu geben. Ucbcrall ist das nicht durch- zunihren, weil das milde Winterwetter fehlt. Ja, stellen- weise will man davon auch nichts mehr wissen, da recht frühe Winteraussaalcn, im März bis April gepflanzt, meistens schon zu gleicher Zeit fertig sind, dann aber den Vorzug einer viel gleich- mäßigereu Ausbildung haben. Aehnlich verhält e§ sich mit der Herbstaussaat von Zwiebeln, Karotten, Schwarzwurzeln. Der Er- folg ist selten sicher, und nach meiner Erfahrung ist die recht frühe Frühjahrsaussaat stets vorzuziehen. Das gilt besonders für die nähere und weitere Umgebung Berlins. Man bedenke, daß bei etwas zu früher Herbstaussaat schon viele Pflänzchen noch im Herbst auflaufen. Sie überstehen den Winter nur schlecht oder überhaupt nicht. Aber auch das Saatkorn ist in der langen Winterzeil so vielen Fährnissen ausgesetzt, daß es häufig leidet oder auch ganz verdirbt. Ein krankes Samenkorn bringt aber auch nur eine kränk- liche Pflanze hervor und von dieser kamr niemand viel erwarten. Viel anders �die FrühjahrSsaat. Dann kommt das völlig gesunde, ausgeruhte Samenkorn in die feuchte, lockere und schön erwärmte Erde, keimt bald und wächst schnell und sicher zu einent gesunden, lebensfrohen Pflänzchen heran. Das bringt uns ganz andere Er- folge als die recht zweifelhafte Herbstsaat. Etwas Aufmerksamkeit erfordern zurzeit noch die Tomaten. Die nasse, kühle Witterung behindert das Reifen der Früchte un- gemein. Es muß alles getan werden, die Früchte den wenigen Sonnenstrahlen völlig auszusetzen. Ein Teil des Laubes wird daher jetzt entfernt, jedenfalls die Blatteile, welche die Früchte beschallen. Auch die Triebspitze muß abgeschnitten werden. Die ganze Pflanze soll völlig fdei stehen! auch der Erdboden sei völlig frei und oft gelockert, damit er sich leicht erwärmt. Gießen oder' Jauchen darf jetzt nicht mehr stattfinden. Bei den Bohnen lasse man möglichst viel Taschen ausreifen, denn die reifen Früchte sind der beste Dauerzustand und sehr nahrhaft. Selbst noch nicht ganz ausgereifte Früchte geben, wenn gut getrocknet, ein vorzügliches, hochwertige? Nährmittel. Daneben aber muß jeder sehen, daß er möglichst viel Saatgut erhält. Dazu müssen die Taschen aber völlig ausreifen und dazu sind auch nur die längsten und schönsten gut genug. Jeder soll wenigstens so viel Saat ernten, daß. er reichlich doppelt so viel hat, als er im allgemeinen in einem Jahre braucht. Denn es kann ja vorkommen, daß die ersten Aussaaten, so wie in diesem Jahre, restlos erfrieren oder auch, daß die Ernte von Saatgut in einem Jahre ganz unmöglich wird. Dann ist eben der Rest des Saatgutes vom vorigen Jahre da.„ ' Nun die Zeit des Einwinterns des DauergemüseS allmählich heranrückt, muh im Laufe des Monats alles dafür vorbereitet werden. Die vorteilhafteste Art und Weise ist ja das Einbringen der Sachen in einen kühlen Keller. Auch eigens errichtete Erdbuden sind hierfür vorzüglich geeignet. Andernfalls muß eben alles, wie Kartoffeln, eingemietet werden. Wenn Mistbeetkästen zur Verfügung stehen, kann man auch diese nach erfolgtem Ausschachten gut be- nutzen. All das muß vorbereitet, gesäubert und zur Aufnahme des Gemüses fix und fertig gemacht werden. Vor allen Dingen müssen die Räumlichkeiten so sauber wie möglich gemacht und dann so eingerichtet sein, daß zu jeder Zeit frische Luft durchströmen kann. Das Herb st ob st wird weiter gepflückt, nach und nach, immer erst die bestentwickclten Früchte voraus. Mit dem Pflücken des Winterobstes hat es vorläufig noch Zeit, erst im Oktober ist seine Zeit gekommen. Auch hier sind leichte Nachtsröste ohne schädlichen Einfluß. Das Land unterhalb der Bäume muß weiterhin sauber gehalten, hin und wieder auch geharkt werden. Auch darf nicht der Fall eintreten, daß nach dem Pflücken der Erdboden dicht mit Laub und kleinen Zweigen bedeckt ist. Viel zu häufig ist das noch zu sehen, leider! Das Pflücken muß mit der allergrößten Sorgfalt geschehen� so daß die Früchte ebenso schonend und vorsichtig be- handelt werden als der Baum selbst.. Er dankt diese Rückficht- nähme reichlich. Das Herumklettern auf den Bäumen ist unter allen Umständen zu lassen, auch das Abschlagen oder Schütteln der Früchte. S'e sollen sorgfältig gepflückt werden und soweit cS sich vom Erdboden aus nicht ermöglichen läßt, muß eben eine Leiter heran. Recht häufig ist noch der Raum für einen Obstbaum oder auch für B e e r e n o b st frei. Es ist nun an der Zeit, gründlich zu überlegen, w a S gepflanzt werden soll: ob Apfel, Birne, irgendeine Steinobstart, ob Hoch« oder Halbstamm, als Buich oder Pyramide. Für kleine Gärten, die ja meist in Froge kommen, eignet sich der Busch auf Zwergunterlage am besten. Der schon etlvas erfahrene Liebhaber findet sich aber auch schon mit der strengeren Form der Pyramide zurecht. Ist reichlich Raum vorhanden, wird auch ans schnellen Fruchtertrag nicht in erster Linie gesehen, kommt der Halb- stamm in Frage. Er ist besser zu behandeln als der Hochstamm. Jetzt muß für die Pflanzung alles vorbereitet werden, auch soll die Bestellung der Bäume schon jetzt erfolgen, damit in der ersten Oktoberhälfte der Baum gepflanzt werden kann. Gleiche Ueber- legungen gelten für Beerenobst. Von Mitte des Monats an müssen Leimringe um die Stämme der Obstbäume gelegt werden, denn bald kommt der Frostspanner. Da die Klebemasse heute recht schlecht ist, muß öfter nachgesehen und der Anstrich erneuert werden. Dem Blumengärlcken müssen auch einige Stauden gewidmet werden. Besonders ist auf Sauberkeit zu halten. Mit gutem Er- folg sind jetzt noch Stauden anzupflanzen. Blumenzwiebeln können jetzt schon in Töpfe gelegt werden. Fuchsien, Pelargonien und ahn- liche zur Ueberwinterung bestimmte Pflanzen müssen nun umgetopft werden. ob. Konzert öes Deutschen �rbeiter-SLngerbunöes. Es war nicht, wie alljährlich in Friedenszeiten, eins seiner Stiftungsfeste mit chorischen Weltgesöngen, das der Arbciter-sänger- bund am letzten Sonntag in der Philharmonie veranstaltete. Es bedeutete weit mehr:— einen Meilcnzeigcr in künstlerische Zu- lunstsreiche, die erstrebt und erreicht werden sollen. Wie das ge- schehen wird, lehrten hier Programm, Instrumental- und Vokal- körper als eine zu wahrhafter Feierlichkeit emporgesteigerte Einheit. Drei Epochen musikalischer Entwicklung waren in den sinfonischen Werken verankert: die deutsche Romantik in Mendelssohns„He- briden'-Ouvertüie, die Klaisizität in Beethovens„Eroika" und das Zeitalter modernster Nervenkunst in«Tod und Verklarung" von Richard Strauß. Was aber von jenem zu diesem eine Brücke schlägt, das ist die Auswirkung des tragisch- versöhnlichen Heroismus.'. Leiht solchen Meistenverkcn das Philharmonische Orchester seine Unterstützung, so hat der Hörer davon hohen Gewin». DieS- mal doppelt, tvcil Professor Paul Büttner, der Dresdener Sinfoniker und Liederkomponist, der den Arbeitersängern schon so manchen prächtigen Chor geschenkt hat, am Pulle stand. Büttner zeigte sich von zwei Seiten. Einmal als maßvoll beweglicher Dirigent, dem cS gegeben ist, in die Tiefen der vorgeführten Schöpfungen zu steigen und deren ganzen Ideen- und Gefühlsgehalt heraufzuholen. Zum andern als Tondichter, und zwar durch einen Hlpnuns:„Sieg der Freude", dem das gleichnamige Gedicht von Julius Zetfaß zu Grunde gelegt ist. Heller Trompetenklang leitet hinüber aus die Sentenz:„Unsres Tages wollen wir uns freuen und siegen!" Sie bildet gleichsam da? Grundmotiv der Hymne, in mehrfach wiederholter Bekräftigung. Dazwischen rauscht ein Melodiestrom in edler.Schönheit auf, namentlich dort, wo Kampf und Arbeit als Ouell des Daseins, als Räder treibendes Glück gefeiert werden. Dieser Hymnus stellt eine Bereicherung der deutschen ArbeitergesangZ-Litcralur dar. Zugleich weist Büttner, nach Vorgang des einzig gearteten Friedschen Ernteliedes, das den wuchtigen Beschluß machte, dem Männerchor in seiner Einstimmigkeit die wirksamste Rolle zu. Beide Chöre dirigierte Büttner gleichfalls. Da?„Erntelied" jedoch— die schwer- schreitende Wucht des Mcnschenstnmrs beeinträchtigend— meinem Empfinden nach, gegen den Schluß zu überstürzend. 4 vi:. Notizen. — T h e a t e r ck r o n i k. In den Kamm erspielen ge- langen am Freilag Kostkas„Kam" und Wersels„Besuch auS dem Elysium" zur ersten öffentlichen Aufführung. — Vortrag Jin L e s s i n g- M u s e u m spricht am Donnerstag Julius Norden über„Eine Reise uin die Welt während der KricgSzcil". — Das Geheimnis de? Ferngeschütze Sr�llniekK�ir zahlreichen Erklärungen, die die Franzosen für die Wirksamkeit unseres Ferngeschützes zu geben bemüht sind, ragt eine, die wir in der„Victoire" vom Ib. d. finden, besonders hervor. Die Boches, schreibt das Blatt, haben ihr Geschütz in einem solchen Winkel auf- gestellt, daß die Granate fast vertikal in sehr große Höhe aufsteigt. In diesen Höhenlagen, in denen der Luftdruck nur noch sehr schwach ist, ist die Grafiate nun aber nicht mehr den Gesetzen der Schwer« kraft unterworfen. Sie pausiert deshalb dort oben einige Zeit, ehe sie sich entschließt, tvieder zur'Erde hinabzusinken. Wöhrens dessen hört nun aber die Erde nicht aus. sich um sich selbst zu drehen. Leider steht sie im Bunde mit den Deutschen, Venn sie dreht sich von Osten nach Westen. Bis also die Granate herunterkommt, hat die Eide schon eine hübsche Reise gemacht. Nur so erklärt es sich, daß die Deutschen und bloß sie allein so weit schießen können. Loöz. 7gj Das gelobte Lanö. Roman von W. St. R e y m o n t. Sic kamen immer bei Horn zusammen, weil er der wohl- habendste von ihnen war; er praktizierte bloß in Lodz und sein Vater war sehr reich. Er hatte auch die Instrumente an- geschafft; die Seele dieser musikalischen Unterhaltungen war aber Vlu Nienfeld, ein Berussmusiker, der das Konservatorium absolviert hatte. Da er aber von der Musik in Lodz nicht leben konnte, arbeitete er unterdessen in Groffglücks Kontor als Buchhalter. Jusiu Jaskulski war der Jüngste von ihnen; spielen konnte er nicht, verkehrte aber häufig bei den anderen. Endlich brachen sie ab, weil die Aufwartefrau den Sa- mowar hereinbrachte. Horn deckte den Tisch und stellte die Gläser hin. „Herr Holpern, setzen Sie sich doch zu uns," bat er. „Sehr gern." „Was schaust du denn so immer auf die Uhr? Hast du's denn so eilig, Wilczek-?" „Hast du heute noch Dienst?" Wiczck arbeitete in den Eiscnbahnmagazinen. «O nein, vom Bureau habe ich heute ein für alle Mal Abschied genommen." „Wie. was? Hast wohl in der Lotterie gewonnen?" „Du heiratest vielleicht die Mendelsohn?" „Oder verschwindest mit der Kasse nach Amerika?" riefen alle zugleich. „Nichts von alledem, ich habe lvas Besseres. Ein Wutoder- bares Geschäft, das mich ans die Beine bringt, ihr s�lt es sehen, auf vier Beine zugleich." „Warst ja schon immer ein Vierbeiniger!" liest sich Mali- nowski vernehmen und blickte ihn mit seinen grünen Äi�gen an, in denen Verachtung und lknwillen sich spiegelten. „Nie war ich aber ein Idiot, der sich mit Erfindungen abgibt, deren Verwirklichung aussichtslos ist." � „Was wcistt du davon, lvas kannst du überhaupt andvres wissen, austcr lvie man bcini Ein- und Verkauf beschmuggelt; du bist ein einfacher, gewöhnlicher Trödler. Und merk' dir bitte, dast die Idiotien genialer Menschen mehr Nutzen der Welt gebracht haben, wie die praktische Dummheit, die billig einzukaufen und teuer zu verkaufen versteht. Hörst du, Wilczek?" „Ich höre und werde es mir merken, wenn du um neuen Kredit mich angehst." „A propos, last mir zwanzig Pfund Kupferdraht kommen, denselben wie das Ictztemal," warf ruhig Malinowski ein. Trotz seines Zornes notierte sich Wilczek die Bestellung ins Notizbuch. Sie stritten lustig weiter. „Na, aber jetzt ist's genug. Hier ist eine wichtigere Sache," schwenkte endlich Malinowski ab.„Jusiu Jaskulski braucht für morgen ab«id hundert Rubel und bittet uns alle, ihm diese Summe zu leihen. Er wird sie in monatlichen Raten zu zehn Rubel abzahlen. Das Geld bedeutet für ihn eine Lebensfrage, ich bitte euch also auch noch speziell um diese kameradschaftliche Hilfe. Ich garantiere für die ganze Summe." „Du lästt wohl eine Hypothek auf deine Erfindung ein- tragen," sagte Wilczek. „Wilczek!" schrie Malinowski aufgeregt und schlug mit der Faust auf den Tisch.„Meine Herren, veranstalten»vir also eine Sammlung," fügte er mild hinzu und legte die einzigen fünf Rubel, die er besäst, auf den AGch. Schulz legte gleichfalls fünf Rubel hin, Vlumenseld zehn. „Was dann noch fehlen sollte, das lege ich schon zu. Ich Hab' zwar heute gar nichts, kann es mir aber morgen leihen," sprach Horn.„Na, Wilczek, geben Sie mal zwanzig Rubel her." „Ich Hab' keine Rubel bei mir, Ehrenwort, legen Sie fünf Rubel für mich ans." „Das haben Sie sich sehr witzig ausgedacht," bemerkte Horn leise. „Rechnen Sie ja nicht auf ihn. Sie werden schon die achtzig Rubel zulegen müssen, Horn, bis fetzt sind's zwanzig, aber auf alle Fälle vor sechs Uhr morgen abend." „Ganz sicher, kommen Sie morgen zu mir, Herr Jaskulski." Jusiu dankte allen init Tränen der Rührung in den Augen, auster Wilczek. der verächtlich lächelte und immer rascher im Zimmer auf und ab ging. Er hatte wohl Geld bei sich, lieh aber nie etwas. „Wozu brauchst du denn die hundert Rubel?" fragte er Jaskulski. „Wenn du doch nichts hergibst, dann brauch' ich's dir nicht zu erzählen." „Grüst' die Mama von mir." Jusiu aiüwortete nichts darauf: er fühlte sich gekränkt, weil er sich gut erinnerte, wieviel dieser Wilczek ihnen zu der- danken hatte. Rasch lief er mit der frohen Botschaft nach Hause. Das Geld war für die Mutter, der irgendein Bäcker eine Filiale übergeben wollte unter der Bedingung, dast sie eine Kaution von hundert Rubel hinterlegte. Es war dies gewisscrmasten eine Versicherung gegen den Hungcrstod der ganzen Familie. Die Wohnung sollten sie iHnsonst haben und noch einen be- stimmten Prozentsatz vom Verkauf. Eine Weile schwiegen alle. Blumenfeld stimmte seine Geige, Horn trank den Tee, Schulz blickte auf Malinolvski, der mit feinem ewigen Lächeln in algebraische Fornicln starrte, die er auf das Tischtuch schrieb, und Wilczek spazierte immer noch herum und dachte an sein künftiges Geschäft. Ab und zu lieh er ironische, verächliche Blicke über die anderen schweifen, setzte sich manchmal zischend auf einen Stuhl nieder und nahm seinen Schuh»ab. Die eleganten Lackstiefcl, die er an hatte, waren ihm zu eng und drückten ihn immer mehr. Er war mit der übertriebenen Eleganz eines Komniis ange- zogen. „Schulz, ich habe unabsichtlich das Geheimnis eures jungen Kestlcr entdeckt!" begann er, seinen Schuh wieder an- ziehend und den Spaziergang im Zimmer wieder auf- nehmend. „Du hast schon einen besonderen Spürsinn." „Weil iS\ii5?ßall gcnaü hinschaue." „Manchmal verlohnt sich ja so ein genauer Blick I" „Malinowski!" rief er empört und setzte sich, weil ihn der Schuh immer mehr drückte. „Gestern bin ich in der Oststraße einem sehr schönen Mädchen begegnet, ich stieg ihr nach, um sie mir besser an- zuschauen, ihr Gesicht kayr inir bekannt vor. Sie trat in ein Haus in der Dzielnastraste ein und verschwand in einem Hof. Etwas betrübt darüber, beginne ich nach dem Hausmeister zu suchen, um von ihm was zu erfahren, und stoße da auf den jungen Keßler, der grad' durchs Tor tritt. Das schien mir verdächtig. Weil es doch bekannt ist, daß der Keßler immer Mädchen nachläuft. Ich wartete also vor dem Hanse, und nach ein paar Minuten kam er wirklich wieder heraus, aber nicht allein, mit dem Mädchen. Sie Ivar so aufgeputzt, daß ich sie nur mit Mühe erkannte. Sie stieg in einen Wagen ein, der ein paar Häuser wqrtete, und fuhr in der Richtung des Bahnhofes, i Du mußt dieses nowski." Mädchen kennen, Mali- Korts. folgt.) verein„klrdeltsr-hochschllle" e.V. Geschäftsstelle: Berlin 0 2, Neue Friedrichstr. 53—58, II. Einladnng zur Mitgliederversammlung des Vereins„Arbeilcr-Hachschulc" tische Behandlung, die seinem„Burgfriedsns"-Vorschlag in i der Presse der Linken zuteil wurde. Er ist recht unglücklich! darüber, �daß diese Presse zwar den Verständiglingsfrieden mit den äußeren Feinden predigt, aber von einer Vcrständi- gung mit den Andersgesinnten in der Heimat nichts wissen will. D«zu ist zu bemerken, daß die Kriege zwischen den Völ- kern vergänglich, die Kämpfe der I d e e n aber unvergänglich sind, solange die Ideen selbst Bestand haben. Wir bekämpfen ja die Alldeutschen auch nicht mit Handgranaten und Grft- gasen, aber ihren Geist wollen wir aus der deut- schen Politik ausrotten.� Tie Sehnsucht der All- deutschen nach einem inneren Verständigunasfrieden ist auch ein Zeichen der Zeit, aber sie� wird keine Erfüllung finden, denn in diesem Falle sind wir ganz entschieden für einen „Sieg frieden". Die Seschwerüe ües Pfarrers Greber abgewiesen. Wegen Enthebung von seiner Psarrstelle hatte sich der Reichs- tagsabgeordnete Pfarrer Greber bei dem Erzbischof von Köln über den Bischof von Trier beschwert. Diese Beschwerde ist nunmehr abgewiesen und die Verfügung des Bischofs von Trier bestätigt woxden.. Diese Bestätigung war vorauszusehen. Sich beim Erzbischof über den Bischof beschweren, hieß, bei den bekannten Gesinnungen des Kölner Kardinals doch nur, einen gewissen Jemand bei seiner Großmutter verklagen. Der Rejchskommij?ar für Wohnungswesen. Bekanntmachung des Reichswirtschaftsamts.. Der Reichskanzler(Rcichswirtschaftsamt) hat am 31. August 1918 folgende Bekanntmachung erlassen: I. Für die besonderen Aufgaben der Rcichsverwaltung auf dem Gebiete des Wohnungswesens in der Zeit des Ucberganges von der Kriegs- zur Friedenswirtschaft ist im Reichswirtschaftsamt ein Reichskommissar für Wohnungswesen bestellt worden, dem folgende Aufgaben zugewiesen sind: 1, Verteilung verfügbarer Heeres- und Marinevorrätc für Bau- zwecke im Einvernehmen mit dem Reichskommissar für die Verwertung des entbehrlich werdenden HeereS- und Marinegutes, 2. Förderung der Erzeugung von Bau st offen, 3. Regelung des?l b s a tz e s von Baustoffen, -I.Gewährung von Bauzuschüssen aus den durch den Reichskommissar bereitzustellenden Mitteln. FI. Ter Reichskommissar vertritt den Staatssekretär des Reichswirtschaftsamts bei der Durchführung der oben genannten Aufgaben nach außen- hinsselbständig. Ihm wird ein Ausschuß bei- gegeben, der in grundsätzlichen Fragen zu hören ist. Den Vorsitz im Ausschuß, dessen Mitglieder vom Reichskanzler ernannt werden, führt der Reichskommissav. III. Als Reichskommissar ist der Unterstaatssekretär im Königlich Preußischen Ministerium der öffentlichen Arbeiten, Wirk- liche Geheime Rat Dr. Frcicrr von C o e l s von der Brügghen bestellt._ Der �vorwärts" in feindlichen Flugblättern. In feindlichen Flugblättern, die über den deutschen Gräben ab- geworfen werden, findet sich nicht selten eine Bezugnahme auf den „Vorwärts", teils um ihn zu beschimpfen, teils um ihn unter Fälschung seines Inhalts als Gewährsmann heranzuziehen. So enthält, wie uns mitgeteilt wird, eines dieser Flugblätter folgendes angebliches Zitat aus dem„Vorwärts": Die letzte Offensive des Feindes beweist, daß er sich von seiner Mattigkeit erholt hat. Für uns war es ein Märztag." Damit soll der Glauben «•»eil fäc den»Vorwärts' seien Erfolge der Gegner etwas Industrie und Handel. Keine allgemeine Erhöhung der Eiscnpreisc. Von amtlicher Seite hören wir, daß die Nachrichten, in denen von verschiedenen Zeitungen eine allgemeine Erhöhung der Eisen- und Stahlpreissc, und zwar insbesondere mit Rücksicht auf die Kohlenpreiserhöhung, Warenumsabstruer uüd Frachtenvcrteuerung, augekiindigt wird, ni ch t z u t r c f f e n. Es ist lediglich eine bereits seit längerer Zeit bevorstehende Herauf- scbung der Rohciscnprcise erfolgt und auch nur für die- jenigen Roheisensorteu(Stahleisen und Gießereiroheisen), die bis- hex von den Herstellern erheblich unter ihren Selbstkosten an die weiterverarbcitendc» Werke geliefert werden mußten. Dagegen findet trotz des höheren Kohlenpreises und trotz der Warenumsatz- stcuer eine Erhöhung der gesetzlichen Höchstpreise für die Walz- fabrikate nicht. statt, und zwar weder für die vom Stahlwerks- verband bewiMchaftetcn Produkte(Halbzeug, Formcisen, Ober- 'baumatcrial), noch für die L-Produkte(Stabciscn, Röhren, Bleche, Draht und deren Verfeinerung). Tie Erhöhung der Preise für die Oberbanten-Roheisensorten bewirkt aber nur einen Ausgleich inner- halb der Eisenindustrie. Diese Entscheidung kann mit ungemischter Freude als ein Versuch begrüßt werden, das andauernde Anziehen der Preis- schraube zu verhindern und der Erhöhung der Kohlenpreise ihre gefährliche Wirkung für das allgemeine Preisniveau zu nehmen. Die besonderen Ausschüttungen an die Aktionäre, die Dividenden- erhöhnngen und die— volkswirtschaftlich gesehen— der- rückten Steigerungen der Börsenkurse der Montanwerte rechtfertigen vollkommen die Ablehnung einer allgemeinen Preiserhöhipig für Eisen und Stahl. Aus dem Berliner Wirtschaftsleben. Die Hoch- und Unlcrgrundbabn(ohne die Schönebergcr, Wil- mersdorfer und Dahlcmer Bahn) beförderte im Monal August d. I. 7 773 131 Personen gegen 7 671 060 Personen i», gleichen Monat des Vorjahres. Die Einnahmen bekrugen 1 483 280 M. gegen 1031 102 M. Die Slraßenbahn Warschauer Brücke— Lichtenberg vereinnahnne im August 1918 29 768 M. gegen 24 201 M. Dre gesamten Betriebseinnahmen seit dem I.Januar 1918 bc- tragen 12 377 024 gegen 9 333 021 M. im gleichen Zeilraum des Vorjahres. Die Einnahmen der Großen Berliner Straßenbahn und der von ihr milverwalteten Bahnen betragen im Monat August d. I. vorläufig abzüalich der VcrkehrSsteuer 9 103 389 M. im August 1917 endgültig 6 272 349 M., im August 1918 also mehr 2 832 849 M. Eine neue Rede SolfS? Der Zentralverband des Deutschen Großhandels beruft eine außerordentliche Mitgliederversammlung für Freitag, den 4. Oktober in den Plenarsitzungs'aal des Preußi» schen Herrenhauses zu Berlin, Leipziger Str. 3 ein. Im Anschluß an diese Mitglrederversammlung wird Herr Staatssekretär Dr. Sotf emen Vortrag halten, zu dem noch beiondcre Einladungen ergehen werden. De» weiteren ist eine große Kundgebung des Zentralver- bandes»ill den übrigen zentralen berufsständigen Wirtschafts- orgaiiisationcn für die Freiheit der Wirtschaft für Mitte Oktober in Aussicht genommen. I LeSte Nachrichten. Eine schwere Explosion ereignete sich gestern nachmittag in einer chemischen Fabrik in der Riedel st raße zu Britz. Bei dem Unglück, das auch einen starken Brand hervorrief, wurden drei Personen lebensgefährlich verletzt, eine Arbeiterin Berta Ttietz, Gräfe» straße 7, eine Arbeiterin aus der Karlsgartcnstraße 10 und der Ar- beiter Otto Wolfs aus der Thüringer Straße 39 zu Neukölln. Ueber die Ursache der Explosiv« ItnnJx noch nichts festgestellt werden. SeweckschHsbewEimg Eine j�irma, die den IchlichtlZNKsausschust ignoriert 48 La�ckiercr und 45 Arbeiterinnen her Firm.r C. P. G.� Friedenau, mußten den EchlicktungsauSschuß anrufen, weil die Firma ihre Lohnforderung in Höhe von 25 Proz. abge- lehnt hat. Tie Firma hat ein Erscheinen vor dem SchticktungS- ausschutz abgelehnt und will allen Arbeitern, die den Abkehr- schein fordern, denselben gaben. Nach f$ 13 des Hilfsdienstgesetzcs ist der Schlicbtnngsansschuß verpflichtet, auch in Abwesenheit der Firma einen Schiedssvruch zu fällrn. Es wird insbesondere gerügt. daß die Firma das Erscheinen abgelehnt hat. Als eigentümlich muß es bezeichnet werden, daß die eigentlichen Verhandlungen mit dem Arbeiterausschuß, im Werk durch das Verhalten der Firma nicht stattgefunden H«f>en, Die Firma hat im Werk Verhandlungen mit dem Brbciteransfchuh abgelehnt, und lediglich crkläri, daß sie keine Zulagen gibt. Sie bat sich auch vom Arbeiteraiisschuß nicht die Gründe für die geforderte Lohn- zulage vortragen lassen. Es crgcht ein Schiedssvvuch dahin, daß auf die zurzeit geforderten Akkordprcise für alle Arbeiter und Ar- Leiterinnen ob 28. August eine Zulage von 15 Proz zu erfol- g e n b a t.' 75 Arbeiter und 75. Arbeiterinnen einiger Abieilun- gen der gleichen Firma rufen den Schlichtungsausschuß an, weil eine Verschlechterung ihrer Arbeitsverhältnisse eingetreten ist. Tie Firma hat in Schönow bei Teltow einen neuen Betrieb errichtet, und die in Frage kommenden Arbeiter und Ar- deiterinnen sollen in diesen Betrieb übersiedeln. Der nene Betrieb liegt abseits jeder Berkehr �Verbindung, und die in Frage kommen- den Arbeiter haben deshalb gefordert, daß ihnen als Entgelt für die M-Hrauswendung von Fahrgeld und Laufzeit eine tägliche Eni- schädig mtg von 2 Stunden gewährt wird. Der Kriegsausschuß be- dauert, daß auch in dieser Angelegenbeit hie Firma nicht erschiencm ist, da eine persönliche Rücksprache mit der Firma unter allen Um- ständen erforderlich erscheint. Es wurde deshalb beschlossen, die Forderung der Arbeiter und Arbeiterinnen dem Grunde nach a I s gerecbtfertigt zu erklären, und der Firma aufzugeben, sich mit dem Arbeiterausscbuß über eine festzusetzende Entschädigung binnen einer gewissen Frist zu verständigen. Erfolgt dies« Ber- ständigung nicht, wird dor Schlichtungsausschuß erneut zu der Frage Stellung.nehmet!, Außerdem verlangen 11 Putzer und Schmelzer der A. E. G., Hutten st.raß«, eine Erhöhung ihrer Löhne um 15 und 20 Pf. für die Stunde. ES wird festgestellt, daß die Putzer bisher einen Pcr- dienst von 1,70 M„ die Schmelzer von 1,35 bis 1,45 M. haben. Zwei Schmelzer haben bereits von der Firma eine Zulage von 5 Pß er- halten, so daß der Lohnsatz für Schmelzer gegenwärtig 1,40 bis 1,45 M. beträgt. Ein weiteres Zugeständnis bat die Firma abge» kbnt. Es ergeht ein Schiedsspruch dahin, daß alle Arbeitnehmer sofort eine Zulage von 5 Pf. und vom 1. Oktober nöchrnalZ 5 Pf.- erhalten, ohne Rücklicht auf die Zulagen von 5 Pf., die bereits die zwei Schmelzer erhalten haben. 80 Werkzeugmacher der' A. E. G., O b e r s ch ö n e- weide, verlangen eine Lohnerhöhung von 5 bzw. 8 Proz. Die Wcrk'.eugmachrr haben gegenwärtig einen Vcrdionst von 2,36 bzw. 2,48 M. im Durchschnitt. Nachdem die Dreher des Werkzeugbaues in der letzten Sitzung des Kriegsausschusses 10 Pf. Zulage erhal- tcn haben, ergeht ein Schiedsspruch dahin, daß auch diese Werk- zeugmack, r vom Beginn der neuen Lohnwoch« ab eine Zulage von 10 Pf. für die Stunde erhalten sollen. Das Angebot der Firma, 5 Pf. Lohnzulagc zu geben, wird als ungenügend bezeichnet. i_ Anf längere Krankheit folgt die Entlassung. Zu der vor einigen �agen von uns veröffentlichten Notiz sendet uns ein Leser dcS..Vorwärts" eine Zuschrift, worin ein ähnlicher Fall geschildert wird. Demselben— einem erkrankten Buchdrucker— wurde, weil seine Krankheit von längerer Dauer war, von der Firma L. IN. Barschall g'kündigt. Der seinerzeit Gekündigte bemerkt in dem Schreiben: Der Fall ist um so mebr der Feststellung wert, als es eine Firma betrifft, die sich in so mancherlei Beziehung selbst den den Arbeitern gegenüber gesetzlich gewährleisteten Pflichten zu entziehen weiß. Durch Bundesratsverordnung ist jeder Buchdruckereibetrieb ver- pflichtet, den bei ihm beschäftigten Gehilfen Handtuch und Seife zu liefern. Bei der Finna L. Sit. Barschall ist das nicht Sitte, auch zahlt man keine Entschädigung für das Nichtbeliefern. Jeder dort in Stellung tretend« Gehilfe wird gezwungen, aus der Kranken- lasse der Buchdrucker, wo er sich durch jahrelange Mitgliedschaft bestimmte Rechte erworben bat, aus- und zur Kranlenkasse der Buchbinder überzutreten, wo er als neues Mikalied von vorn anfangen muh. Wird er dann während d«r critlm 2u Wochen seiner Mitgliedschaft von einer Krankheit heimgesucht, so hat er auf die Mehrleistungen der Kasse keinen Anspruch, obgleich er bier in Berlin schalt seit 20 Jahren al? versicherungspflichtiges Mitglied un- unterbrochen Beiträge zur Krankenkasse gezahlt hat. Dies alles wird dem bctr. Arbeiter aber nickt beim Engagement, sondern wohl- weislich erst nach vollzogenem Antritt seitens des Herrn Faktors Schröder mitgeteilt. - Ter Porzelkanarbeiterverband kann im Bericht für das Jahr 1017 zum erstenmal seit Ausbruch des Krieges über einen Mitgliederzuwachs berichten. Die Zunahme betrögt 653 Mitglieder, sie ist um so erfreirlichcr, als im Berichtsjahr weitere 450 Mitglieder zum Heere eingezogen, dagegen nur 245 entlassen wurden. Der Mitgliederbestand betrug am Schluß des Berichts- jehres 5077, und zwar 2465 männliche und 2612 weibliche Mitglieder. Seit Kriegsbeginn wurden nicht weniger als 8217 Mit- glieder zum Heere eingezogen. Das finanzielle Ergebnis der Or- ganisation ist im wesentlichen das gleiche geblieben wie im Vor- jähre. Die Gcsamteinnahme ist init 103 055,12 M. um 16130,22 Mark höher als im Vorjahre/ Aber auch die Gesamtausgabe von 103 564,20 M. übersteigt die des Vorjahres um 21260,45 M. Be- trug doch allein die Ausgabe an Unterstützung im Berichtsjahr 18 770,13 M.. 3,85 M. pro Kopf; im Vorjahr aber nur 8174,47 Mar!— 1,67 M. pro Kopf. Diese Steigerung findet ihre Erklä- rung in dem Umstände, daß im Vorjahre Krankenuuterstützung, Fahr- und Umzugsgelder sowie Wöchnerinnenuntersfiltzuug erst vom 14. August ab gezahlt wurden, mithin nur 414 Monate in Frage kommen. Das Verbandsvermögen betrug am Schlüsse des Jahres 1S17 281 170,13 M. oder 57,65 M. pro Kopf und hat nur eine Verminderung von 488,20 M. gegenüber dem Borjahr er- fahren. Die Krankheitsstatistik ergibt, daß von 862 Grkran- kungsfällen die Lungenleidcn allein 139 Fälle, gleich 16,12 Prozent ausweisen. Die an Rheumatismus Erkrankten ergaben 110 Fälle gleich 12,76 Proz., die Magenleiden 101 Fäll« gleich 11.72 Prozent. Die Ursache der großen Zahl gerade der letzteren Er- krankungen, sowie der an Entkräftung und Blutarmut wird zum größten Teil auf die heutige ungenügende Ernährung zurückgeführt. Beicherkt sei noch, daß der Bericht 82 Fälle gleich 9,51 Proz. an Unfall und Verletzungen verzeichnet. Diese verhältnismäßig hohe Zahl wird einesteils darauf zurückgeführt, daß zahlreiche Mitglie- der in berufsfremden Betrieben Beschäftigung gesucht haben. Em Sechzigjähriger. Der erste Vorsitzende des Verbandes der Glaser, Her- manu Sichhorn, begeht am 4. September seinen 60. Geburts- tag. Diese Tatsache verdient um deswillen Erwähnung, weil der Jubilar den größten. Teil seines Lebens ein pflichttreuer Soldat in der Arbeiterbewegung gewesen is/ Denn bereits im Jahre 1876 bekam Eichhorn, der von seinen Verbandskollegen„Cherusker". 'genannt wird, in Leipzig Fühlung mit der Arbeiterbewegung. Bei Gründung seiner Berufsorganisation im Jahre 1885 nahm Eich- Korn regen Anteil und nachdem er von 1890 bis 1900 Vorsitzender der Zahlstelle Karlsruhe gewesen, wurde Eichhorn 1900 auf dem Verbandstag in Stuttgart zum Vorsitzenden des Verbandes und Redakteur des Fachorgans gewählt. Auch politisch ha! H. Eichhorn in seiner Eigenschaft als Stadtverordneter 22 Jahre eine ersprießliche Arbait geleistet. Möge es ihm vergönnt sein, noch lange in geistiger und körperliche Frische im Dienste der Arbeiter- bcwegung tätig zu sein. parteinachrichten. Spaltung mnss sein!' Ein Dlbeiter-Abstinent schreibt unSi Da? Bestreben der l!n- abhängigen, überall in die Arbeiterbewegung SvaltungStendenzen bineinzntragen, macht sich jetzt auch im. Den Ischen Arbeiter- A b st i n e n t« n b u n d". der auf sofialistilchem Boden siebenden Abstinenlenvereinigung, bemerkbar. Die Vereinigung hat es vor dem Krieg auf rund 2800 Mitglieder gebracht, von denen infolge der vielen Einberufungen jetzt nur noch rund 1000 in der Heimat vorbanden sind, und»war meist in ganz kleinen Ortsgruppen von 20—30 Mitgliedern. Man sollte meinen, daß diese doch gemein- schaftlich die Abstinen, provagieren könnien, zumal doch der Alkohol weder„regierungZsozialistisch" noch.unabbängig" ist. Tut nichts! Seit Monaten tobt in dem.Abstinenten Arbeiter", den der Reichs- togSabgeordneie Davidsobn leitet, ein wilder Sturm im Glase Wasier. Dem abstinenten Redakteur wird vorgeworfen, daß er den Klassenkampf zu sebr verwässert babe. Er müsse zu einem „entschieden proletarischen Klasienkampfgeisie" lgegen den Altohol!) zurückkebren. Neuerdings ist dem Bundesvorstand aus Rheinland- Westialen ein Ultimatum gestellt worden: Entweder Ihr beruft sofort eine Generalversammlung ein. oder der Bund wird gespalten I Beitrags'perre nach berühmten Mustern ist schon verkündet.— Der Sektengeist feiert seltsame Triumphe. Zusammenbruch einer unabhängigen Verleumdung. Weil die Polizei eine am 10. Februar d. I. von der unabhän- gigen Sozialdemokratie Mannheim einberufene Versammlung, in welcher Reichstagsabgeordneier Ledcbour sprechen sollte, vereilteltc, wurde unser Parteisekretär Genosse Strcbel beschuldigt, das Stattfinden dieser Versammlung der Polizei mitgeteilt und so deren Verhinderung veranlaßt zu baben. Unter denen, die diese Verdächtigung ausstellten, befand sich auch der Wirt Seizinger. Da von mehreren Seiten dem Genossen Strubel diese Mitteilung hinterbracht wurde, forderte c« unsere Parteigenossen auf, die Aussprcnger dieser Verleumdung zu stellen. ob sie ihre Behauptung aufrechterhalten. In mehreren Fällen er- folgte eine sofortige Zurücknahme der gemachten Aussagen. Der gleiche Versuch wurde auch mit Seizinger gemacht, der jedoch seine Bebauptung gegenüber dem Genossen, welchem er sie aussprach, nicht zurücknahm. Genosse Strobel sah sich deshalb veranlaßt, den Klageweg zu beschreiten. Ein Sühnetermin vor dem Gemeinde- gericht zeitigte durch das Nichterscheinen Seizingers kein Resullat, es fand daher am 30. August die Verhandlung vor dem Schösfw- gericht statt. Die Verhandlung endigte mit dem Ergebnis, daß der Angeklagte Seizinger erklärten„daß er die durch nichts zu bewei- sende Behauptung, Strobel habe das Stattfinden der Ledebour- Versammlung der Polizei hintcrbracht, nicht gemacht habe, noch habe maehen wollen, eine von ihm gebrauchte Redewendung mußte Strobel falsch hinterbracht worden sein." Strobel legte aus eine Bestrafung Seizingers keinen Wert und zog. nachdem obige Er- klärung abgegeben war, seine Privatklage zurück. Für ein einiges und geschlossenes Zusammengchcn der Arbeiterschaft. In einer stark besuchten Volksversammlung in Trois- d o r f bei Düsseldorf sprach Bezirksparteisekrctär Z ö r g i eb e l über das Thema„Im fünften Äriegsjahr" An den mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Vortrag schloß sich eine kurze Aussprache, in der auch ein Anhänger der unabhängigen Sozialdemokraten das Wort nahm; er betonte, daß die Arbeiterschaft wieder einig und geschlossen zusammengehen müsse gegen ihre gemeinsamen Feinde. Mit einem wirkungsvollen Appell zur Stärkung der gewerkschaftlichen und politischen LMni- sationen schloß der Vorsitzende, Parteisekretär Miß, die von bestem Geiste beseelte Versammlung. Eine ganze Anzahl neuer Partei- Mitglieder sowie Leser der„Rheinischeu Zeitung" konnten in der Versammlung gewonnen werden. Soziales. Mehr Hauspflegc für erkrankte Frauen. Ter Haushalt des Arbeiters ist bei einer Erkrankung der Haus- stau und'Mutter äußerst schlimm daran. Das ganze HauSwesen ist aus die Tätigkeit der Frau ausgebaut. Erkrankt sie bettlägerig, dann fällt ihte Arbeitskraft im Haushalt weg, die.Kinder und der Ehemann leiden schwer unter dem Fehlen der hausmütterlichen Fürsorge. Glücklich die Frau, die in solchen Fällen eine hilfreiche Nachbarin oder eine Verwandte oder Mutter zur Hilfeleistung findet. Diese Möglichkeit ist jetzt während des Krieges und durch den Krieg eine verschwindend geringe geworden. Will die Frau hren Haushalt nicht versallen lassen, ihre Kinder nicht verwahrlosen �ehen, bann muß sie trachten, so schnell wie möglich das Bett wieder zu verlassen, auch dann, wenn ihre Gesundheit noch nicht voll- tändig wiederhergestellt ist. Sie wird andererseits das Aufsuchen >es Krankenbettes solange es irgend geht, hinausziehen. Schwere Gesundheitsschädigungen und jahrelanges Siechtum sind nicht selten die Folge einer derartigen Handlungswefie. Diesen Schädigungen könnte vorgebeugt oder sie könnten ver- hütet werden, wenn dem Arbeiterhaushalt eine geeignete Person zur Verfügung gestellt würde, die die Arbeit der erkrankten Hans- trau versieht. Nach der Reichsvcrsicheriingsordnnng haben die Krankenkassen die Möglichkeit, ihren Mitgliedern Hauspflegc zu ge- währen. Die Krankenkasse kann nach � 196 der ReichsversicherungS- ordnung der Wöchnerin Hilfe und Wartung durch Hauspslege- rinnen gewähren und dafür bis zur Hälfte de» Wochengeldes abziehen. Leider aber erstreckt sich die Möglicheit der Gewährung von H a u S pflege nicht auf getvöhnliche Erkrankungsfälle. In solchen Fällen kann die Krankenkasse Hilfe und Wartung durch Kranken- pflcger, Krankenschwestern und andere Pfleger gewähren. Kranken- pflege ist aber nicht Hauspflege. Eine Krankenpflcgeperson kann und will in der Regel nicht auch noch den Haushalt versorgen. Es wäre dringend zu wünschen, daß den Krankenkassen die Möglichchkeit gegeben würde, durch Stellung von Hauspflcgerinnen nicht nur während des Wochenbettes, sondern auch in anderen Erkrankungs- fällen helfend einzugreifen. Es bleiben dann aber noch immer die Fälle übrig, in denen die erkrankte Fron nicht Mitglied der Krankenkasse ist, sei es, daß sie zur Zeit ihrer Erkrankung nicht erwerbstätig war oder es unter. lassen hat, ihre Mitgliedschaft bei der Krankenkasse fortzusetzen. Hier könnte durch die Einführung der Familienhilfe und Gewährung der HauSpflege an die Familie geholfen werden. Bei einer der- artigen Ausdehnung der Sauspflege könnten dann die Kranken- kassen dazu übepaehen, eigene HauSpflegerinnen anzustellen und für deren sachgemäße Ausbildung zu sorgen. Diese HauSpsleae- rinnen könnten Sann auch den Berufsgenossenschaften und-Ge- meinfcen zur Verfügung gestellt werden. Für die Berufsgenossen- schaften ist die Gewährung von HauSpslcge in§ 599 der Reichs- vcrficherungsordnung ermöglicht. ES heißt dort:„Die Genossen- schaft kann mit Zustimmung dcS Perletzten Hilfe und Wartung durch Ktanrenpfleger, Krankenschwester» oder andere Pfleger sH a u s pflege) namentlich auch dann gewähren, wenn die Auf- nähme des Verletzten in eine Heilanstalt geboten, aber nicht aus- führbar ist, oder ein wichtiger Grund vorliegt, den Verletzten in seinem Haushalt oder in seiner Familie zu belassen." Es ist das sine Fassung, deren wörtliche Uebernahme sich auch für die Kranken- Versicherung empfiehlt. Für die Krankenkassen böte sich bier ein geeignetes BetätignngSgebiet, auf dem sie schwere Schädigungen für die Volksgesundheit abwenden Und verhüten könnten. Arbeit ohne Lohn., Wenn gegenwärtig in den Tageszeitungen häufig auf die „bechsn Arbeiterlöhne" hingewiesen wird, vergißt man immer auch zu sagen, wieviel Arbeit nur gegen geringen oder überhaupt ohne Lohn geleistet werden muß..Zu diesen wenig oder nicht bezahlten Arbeitskräften gehören vor allem die vielen Tausende von Lehr- lingen, die in der Industrie, namentlich aber im Handwerk und Kleingewerbe tätig sind. Die ReichsversichcrungSordnung hat auch die Lehrlinge ohne Lohn dem Krankenversicherungszwange unterworfen, und die Kran- keniasscn sind angewiesen, sie besonders zu zählen. Die Berichte der Allgemeinen Ortskrankass« Berlin führen folgende Ziffern von Lehrlingen ohne Entgelt auf: Jahr 1914 1915 19,6 1917 Männliche überhaupt Pro,. 288 0.1 675 0 5 990 0 7 916 0,8 Weibliche überhaupt Proz. 289 479 665 615 0.1 6.2 0.2 0,2 Zusammen 577 1154 1655 1631 ES sei ausdrücklich hervorgehoben, daß eS sich hier nur um solche Lehrlinge handelt, die überhaupt keine Entschädigung, also kein Taschcmgeld. keine Beköstigung, keine Wohnung usw. erhalten. Bekommen sie solche Bezüge, so ist daS bei der Kasse zu meiden und die Lehrlinge werden in die ihrem Verdienst- entsprechenden Lohn- stufen eingereiht Es darf auch nicht übersehen werden, daß in Berlin die Handwerksmeister vorzugsweise den noch oestehenden -ahlteichen„besonderen" LrtSkrankenkassen angehören. BmrkenSwe« ist die ständige Zunahme der Lehrlinge ohne Eni- gelt. Wenn im Jahr« 1917 eine kleine Abnahme der absoluten Zahl(aber nur dieser!) eintrat, so ist da? darauf zurückzuführen, daß nicht etwa eine Zunahme der Zahl der besoldeten Lehrlinge eintrat, sondern daß die Zahl der Lehrlinge überhaupt abgenom- men hat. Ist schon die geringe Entlohnung der Lehrlinge über- baupt ein dunkles Kapitel, über das einmal ein ernstes Wort ge- sprochen werden muß. so ist aber ganz entschieden gegen den Lehrling ohne Lohn Stellung zu nehmen. Die Einrichtung führt einerseits zu der bekannten Lehrlingszüchterei, und es ist kein Wunder, daß die Arbeitgeber da» LehrlingSwei�n nach Möglichkeit ausgestalten wollen. Die Versagung jedweder Entlohnung ist eine Ungerechtigkeit. Die Lehrlinge leisten dock? unter allen Umständen nutzbringende Arbeit, deren Gewinn den Unternehmern zugute kommt. Namentlich jetzt in der Kriegszcit. Andererseits werden gerade in der Kriegszeit die Eltern der Lehr- linge ohne Lohn recht erheblich belastet. Der Krieg brachte eine gewaltige Verteuerung des Lebensunterhalts und rief den Ernährer zum Heeresdienst ein. Ter Lehrling ist heute nickt selten in der FamiUe der alleinige Arbeiter und der— Hauptesser, er müßte eigentlich auch der Verdiener sein. Gegen die Mißstände müßte von allen berufenen Seiten angekämpft werden, vornehm- Itch von den Handels- und Handwerkskammern, aber auch von den Gewerkschaften. Schließlich sollten aber auch die Arbeitereltern nicht so schnell L-brverträge eingehen, die eine Vergütung über-- baupt nicht vorsehen. Tie vereinten Kräfte würden sicher zum Ziele führen._ Betriebsunfall nicht erwiesen! Mit dieser Begründung lehnte die Ticfbau.Derufsgenossen- schaft den Unfallrentenansvruch eines Arbeiters ab. Ter 70 Jahre alte Arbeiter N. versah das Amt eine? Nachtwächters auf einer Baustelle. Eines Nachts hatte er eme Verletzung des Fußes da. durch erlitten, daß ihm ein Stück Eisen auf den Fuß gcfallcn'war. Slugenzeuzen des Unfalls waren nicht und konnten nicht zugeaen sein, weil 31. allein aus der Baustelle die Wache hatte. Indessen als am darauffolgenden Morgen die Arbeiter zur Arbeit kamen, sagte N. dem Scbacht'meister, daß ilirn„der Fuß so web tue", ihm sei ein Stück Eisen aut den Fuß gefallen. N. mußte nach einiger Zeit den Arzt aufsuchen und dessen Hilfe in Anspruch nehmen. Nach Abschluß des Heilverfahrens beantragte N. bei der Tiefbau- Berussgenosienschast, ihm eine Unfallrente zu gewähren. Er wurde indes damit abgewiesen, weil der Unfall nicht erwiesen sei. Ter zur Sache vernommene Schachtmeister könne sich nur erinnern, daß N. ibm über Schmerzen in denn- Fuß geklagt habe; dagegen könne er sich nicht erinnern, daß N. ihm gesagt habe, es sei ihm ein Stück Eisen auf den Fuß gefallen". Danach muß ver Anspruch out Unkallkente als ungerechtfertigt zurückgewiesen wer- den. So die BerufSgenossenschait. TaS ObcrversilbcrungSamt nahm unter Berücksichtigung der ganzen Sachlage, da aucb der be- handelnde Arzt die Erkrankung des FußeS auf einen Betriebs- Unfall zurückführt, an, daß der 70 jährige Mann tatsächlich den Unfall auf der Baustelle erlitten hat. Daß der Schacht- meister sich nicht mehr erinnern kann, daß N. ihm auch geiagt habe, daß ihm ein Stück Eften auf den Fuß gefallen sei, knnn nicbt ausschlaggebend sein Vielmehr sprechen alle Tatsachen dafür, daß die- Verletzuig de? FusteZ sich in der Nackt aus der Baustelle ereignet bat. Die BerufSgenossenschaft ist daher zu ver- urteilen.dem Kläger, vom Beginn der EntschädigungSPslicht. die Unsallrente zu zahlen. Dieser Fall zeigt wieder einmal, daß die Arbeiter die Pflicht haben, von dem Unfall dem Meister oder den Mit- arbeitern Mitteilung zu machen, wenn sie ihre Rechte nicht preis- geben wollen.__ Auebildung von Kriegsbeschädigten für den laudwirtschastlichen Betrieb. Bei der Frage der Zlnsiedelung von Kriegsbeschädigten in ländlichen Kolonien spielt natürlich die Befähigung, einen solchen Betrüb auch leiten zu können, eine groß« Rolle. Sehr viele Kriegsbeschädigte, wecke aus irgend welchen Gründen sich auf dem Lande ansiedeln möchten, müssen diesen Gedanken wieder auf- geben, weil ibnen all und jede Vorbildung dazu fehlt. Diesem Uebelstand will eine Gesellschart abhelfen, die jetzt im Kreise Paderborn unter Jlliitbilfe des Kreises, der Provinz Westfalen und des bischestlichen Stuhles gebildet wurde. Sie führt den Namen Paderborner Kriegevheilstätte. Lehr- und Siodlungsgut G. m. b. H. Im'8 8 der Satzungen dieser Gesellschaft heißt eS:„Das Unter- nehmen ist gegründet, um Kriegsbeschädigte durch Arbeitsbehand- lung u nter ärztlicher Aufsicht zu heilen, landwirtschaftlich und in Werkstätten auszubilden, zur wirtschaftlichen Persönlichkeit zu er- ziehen und anzusiedeln oder anderer wirtschaftlicher Betätigung zuzuführen. Zu diesem Zwecke soll ein landwirikchaftlichez Mustergut mit handwerklichcri Werkstätten aus Grundstücken ein- gerichtet werden, die der Kreis Paderborn in Erbpacht zur Pft'" fügung stellt. Tie Ansiedelung der Kriegsbeschädigten erfolgt im Einvernehmen mit dem Kreise Paderborn, der hierfür dauernd sein Gelände bereit hält. TaS erforderliche lebende und tote In- ventar wird dann von der Gesellschaft nach Möglichkeit besorgt. Di« Gesellschaft kann auch, soweit KriegSbesckädiate nickt mehr in genügender Anzahl vorhanden sind, die gleiche Fürsorge anderen in ähnlicher Weise orthopädisch und chirurgisch zu behandelnden Personen zuwenden." P-rentworttich für Politik: fftiit SnMnrt, Berlin: lür den übrigen leil deS S-Iatt-S:«ltrcd 2