Nr. S4S. 38. Jahrg. Bezugspreis» «iert-IZSHrU�so Ml. monaH.l,80»!I. hei tnS Hau., botauS�aOßat.Shtjeln« Nummern 10 Mennig. Postbezug: Monaiiich. vom Postichalter abzuholen ILO Mb, vom Briefträger in? Hau« ae- bracht 1,«. Ml. Unter Kreuzband fttr Deutschland und Oesterreich- Ungarn 3,— Ml. fttr bat übrige Ausland 4,50 Ml. monatlich. Seriand int Feld bei direkter Bestellung monall.lZOMl. Postbestellungen nehmen an Däne- mark, Holland. Luxemburg, Schweden und die Schweiz. Eingetragen in die Post-Zeitungt-PretSIIste. Erscheint»Sgl««. relsgramm- Adresse: »Eozialdemokrat Berlin- Verlinev Volksblskt. (iv Pfennig) Anzeigenpreis» Diest-bengespalleneKolonelzellekost-t 80 Psg.„Nlctne Anzeigen-, da. settgedruSte Wort 30 Psg.(zulässig 2 setlgedrucklc Worte), icdeS weitere Wort IS Psg. Stellengesuche und kchlasstelleiianzeigen das erste Wort 20 Pfg.. jedes weuere Wort ZO Psa. Worte über 15 Buchstaben zählen sllr zwei Worte. TeuerungSzuichlag 20%. Familien-Anzeigen, politische und gewerkschafstiche Vereins- Anzeigen 50 Psg. die Zeile. Anzeigen sür die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags im Hauptgeschäsl. Berlm KW. OS. Llndenstrasie 3. ablegeben werden. Sebfsnet von 8 Uhr srüh bis 7 Uhr abends. ZcntvaXoygun der fozialdemohratSrcbcn parte» Deutfchlands. Reüaktion: sw. SS» Linüenstraße 2. Fernsprecher: Amt Moritzplatz. Ar. IS» Sv— 151 97. Sonnabend, de» 7. September 1918. Expeüitton: SM. SS, üinöenstraße 2. Fernsprecher: Nmt Moritzplatz. Ar. 1S1 Sv— 151 S7. Kubiger Zug im Metten Die Wahlreform im yerrenhaus. Fünf Tage Erholungspause.— Die Konservativen für stänvische Vertretung. Der amtliche Bericht meldet: In der heute zu Ende gehen- den Generaldiskussion wurden vorzugsweise die vermutlichen Wirkungen erörtert, welche die Annahme deS gleichen Wahl- rechts oder die Nichtdurchführung der Julibotschast haben wür- den; auch das Verhältnis der Julibotschaft zur Osterbotschaft wurde besprochen. Von konservativer Seite wurde in Aussicht gestellt die Einbringung von Vorschlägen in der Richtung eines berufsständischen oder eines Gruppenwahlrechts für das Abgeordnetenhaus. Die Kommission beschloß sodann, die Speziglberatung am Mittwoch, den 11. September, zu beginnen. » Wie weiter gemeldet wird, findet am Dienstag eine Vor- besprechung der Ausschußmitglieder statt.- �m Volk, man könnte wohl bald sagen ohne Unterschied der Partel, ist man der Ansicht, daß dieser ganze Ulk zum Ernst unserer Zeit schlecht paßt. Wann macht die Regierung damit Schluß? Austausch üer öeutsch-ruPschen Ratifikations-Urkunöen. Berlin, 6. September. Amtlich. Im Auswärtigen Amte sind heute die RatifikationS-Urknnden zu den am 27. v. MtS. unterzeichneten deutsch-russischen Ber- trägen, nämlich dem Ergänzungsvertrag zum Friede«?- Vertrag sowie dem Finanzabkommen uud dem Privatrechts- abkommen zur Ergänzung deS deutsch-russischen Zusatzvertrags ausgetauscht worden. Die Verträge werden demnächst veröffentlicht werden. Einen Auszug aus dem umfangreichen Vertragswerk, dessen Wortlaut uns in später Stunde zugeht, finden unsere Leser auf der dritten Seite deS Hauptblattes. Der Inhalt ist durch die von unS seinerzeit veröffentlichte offiziöse Mitteilung schon bekannt und hier eingehend gewürdigt worden. Ein weiteres Eingehen auf den Inhalt �»er Verträge behalten wir uns vor. Vorstoß üer französtschen Kammersozialisten. Diskussion des Malvy-Urteils. Bern, 5. September. Wie.TempS' berichtet, beabsichtigen die Sozialisten, heute sofort nach dem Zusammentritt der Kammer eine Interpellation über die allgemeine innere und auswärtige Re girrungSpolitik einzubringen, eS scheint jedoch nicht, daß diese vom Standpunkt deS Kabinetts aus eine beachtenswerte Folge haben könnte..TempS' fordert die Kammer auf. sich recht ruhig zu zeigen, und schreibt, die Kammer sei weder dazu da, militärische und strategische Pläne auszuarbeiten oder zu korrigieren, noch habe sie das Recht, von den Gerichten gefällte Urteile zu revidieren. ES genüge, daß die Kenner nützliche Gesetze machen, notwendig sei, daß sie irritierende Diskussionen und die Diskussion über die Maloy-Afföre vermeide. DaS Blatt fordert die Kammer auf, den Richterspruch bezüglich Malvys ohne weiteres anzunehmen, nur an Krieg und Sieg solle man denken..Petit Partsien* glaubt, daß angesichts der günstigen militärischen Lage die Kammersitzungen in großer Ruhe und Ge- schlosienheit vor sich gehen werden. Die sozialistische Presse, allen voran.Humanils*, erklärt, daß dir Malvy-Vffäre unbedingt zur Sprache gebracht und von Grund au» erörtert werden müsse. Nach Meldung Schweizer Blätter handelt es sich bei dem Borstoß der französischen Sozialisten nicht nur um eine Besprechung deS Falles Malvy, vielmehr werde im Mittelpunkt der Debatte die Friedensfrage stehem_ Schwere Mißhanülung Macöonalös. Ein Sieg kriegshetzerischen Rotvdytuins. Bern, V. September. Zu den schweren Ausschreitungen in Plumstaad am 81. August, wobei Ramsay Macdonald mit knapper Rot der Steinigung entging, erfährt.Dailh News", daß der Arbeiterführer eine Beriammlung unter freiem Himmel an« gesagt und eine Rede zugunsten deS Freien Wortes angekündigt hatte. Die Föderation entlassener Sol- baten und Seeleute veranstaltete aber auf demselben Platze zu früherer Stunde eine Gezendemonstralion. AIS nun Macdonald und seine Freunde ihre Versammlung eröffnen wollten, wurden sie mit Steinen und Flaschen angegriffen. Die Mit- glieder der Föderation stürmten die Tribüne und der- hinderten durch lärmendes und rohes Geboren, wobei viele Personn schwere Verletzungen erlitten, die Abhaltung der Versammlung.»Daily News* schreibt hierzu: Es besteht kein Zweifel, daß der scheußliche Ausbruch von Rowdytum wohl organisiert war. Wenn daS Grundrecht des Freien Wortes wirklich beseitigt werden soll, ist eS fraglich, wofür wir eigentlich kämpfen. Die Tyrannei de» Rowdy ist ebenso bedrückend Feindliche Angriffe zwischen Ploegfteert und Armentiöres zuriickgeschlagen— Heftige Jnfanteriegesechte im Vorfeld der neuen Stellungen— Kämpfe an der Beste. Berlin, 6. September 1918, abends. Amtlich. An den Kampffronten ruhiger Tag. Kleinere Gefechte im Borgeländc unserer Stellungci». Amtlich. Großes Hauptquartier, 6. September 1918.-gänzungSbestimmu»ge« zum Beamten-PensionSgcsetz und zum Gcmcindebcschlutz über Ruhegeld und Hintrrbliebcnenversorgung. § 1. Den im Dienste der Stadt beschäftigten Personen �(Beamte, Arbeiter usw.), die infolge Kriegsbeschädigunz dieiistunfäbig ge- morden sind, aber noch keinen Anspruch auf Ruhegeld haben, w:rd Ruhegeld und Hinterbliebenenversorgung gewährt auf Grund der nachfolgenden Bestimmungen: � � '§ 2. Voraussetzung zur Gewährung des Ruhegelde» und der Hinterbliebenenversirgung ist eine mindestens einjährige ununter- brochene Dienstzeit in einer städtischen Beruxlwng vor der Ein- ziehung zum Kriegsdienst. � 8. Das Ruhegeld beträgt: nach vollendetem 1., aier vor voll- cndetem.N Dienstjahr 12 Sechzigster, 4. Dienstjahr 13 Sechzigste!, 5 Dienstjahr 14 Sechzigst-l, 6. Dienstjahr 15 Sechzigstel, 7. Dienst- jähr 16 Sechzigstel, S. Dienstjahr 17 Sechzigstel, 9. Dienstjahr 18 Sechzigstel, 19. Tienstjahr 19 Sechzigstel, weiter steigend nach den bereits bestehenden Bestimmungen. Z 4.§ 17 des Beamten-Penstonsgesetzes, beireffend erhöhte Anrechnung der Kriegszeit, findet sinngemäße Anwendung für Beamte und Arbeiter. § 5. Etwaige Kürzung des Ruhegeldes bei anderen Bezügen aus Mitteln des Reichs usw. treten nur ein, wenn 8 19 des Ge- meindebeschlusses erfüllt ist(Erreichung des Durchschnitts-Arbeits- Verdienstes). Kriegs- und Verstüminelungszulagen kommen nicht in Anrechnung. z 6. Den Hinterbliebenen der im Kriegsdienst Ge- fallenen oder an deü Folgen des Kriegsdienstes Gestorbenen wird Witwen- und Waifengeld nach den Bestimmungen des Gemeinde- Beamten-Gesetzes und des Gemeindebeschlusses vom 39. Oktober 1913 gewährt. Die Mindestrente siir Witwen beträgt 240 M., das Waisengeld für Kinder 69 M. (Sinngemäße Anwendung des Z 7 des Gemeindebeschlusses.) § 7. Das Witwen- und Waisengeld wird bei Bezug anderer Militärrenten nicht gekürzt. Z 8. Die in vorstehenden Bestimmungen enthaltenen Vergün- stigungen finden auch für diejenigen Personen(Beamte und Ar- heiter) sinngemäße Anwendung, die bereits 19 Jahre und länger im Dienste der Stadt beschäftigt sizsi). § 9. Die Zahlung der in diesen Ergänzungsbestimmungen vor- gesehenen Renten findet rückwirkend ab 1. April 1918 statt." Der Magisiratsvertreter erklärte, daß bereits die Vorarbeiten zur Ilmänderung der Ruhegehaltsbestimmungen getroffen seien, und der Magistrat der Stadtberordnetenversammlüng eine Vorlage auf der gewünschten Grundlage zugehen lassen wird. Aufnahme einer E9-Millionen-Anlcihe. In der letzten gehe!» men Sitzung der Berliner Stadtverordnetenversammlung wurde die Magistratsvorlage über die Aufnahme einer Stadtanleihe in Höhe von 69 Millionen Mark für die Gas-, Wasser- und Kanalisations- werke sowie den Bau der Großmarkthalle für Obst und Gemüse unverändert angenommenn. Mit der Wahl des Magistratsrats Dr. W. Alexander zum Direktor der städtischen Gaswerke erklärte sich die Versammlung einverstanden. Wichtig für Reisende nach Ocsterrcich-Nngarn. Für Reisen nach Oesterreich-Ungarn bedürfen alle Angehörigen anderer Staa- ten eines Sichtvermerks der k. u. k. Ossterreichisch-Ungarisehen Ver- tretungSbehörde, in deren Amtssprengel ihr ordentlicher Wohnsitz belegen ist. � Der Äeisende hat diesen Antrag unter Vorlage eines vorschriftsmäßigen Reisepasses in der Regel persönlich vorzubrin- gen. Jeder Antragsteller hat einen eigenen Fragebogen in zwei, bei Wirtsehastsreisen in drei Anfertigungen auszufüllen. Jeder Fragebogen mutz ein Lichtbild des Reisenden erhalten und voll- ständig, besonders eingehend und eindeutig hinsichtlich des Reise- zieles, des ReisewegeS und des Reisezwecks ausgefüllt werden. Zur Vmneidung zeitraubender Erhebungen und Rückfragen sind ge- nügende Belege zur Begründung des Reiseansuchens beizubringen. Der Fragebogen geht zunächst an die Paßvisakommiffion des k. u. k. Ministerium des Aeußern in Wien. In besonders dringen- den Fällen kann Drahtzustimmung dieser Stelle eingeholt werden. Von vorheriger Anfrage darf die Vertretungsbehörde absehen, wenn es aus besonderen Gründen— insbesondere bei amtlichen Reisen oder urkundlich nachgewiesener Notwendigkeit und �Unaufschiebbar« keit der Reise— geboten ist. Der Sichwermerk wird auf 39 Tage berechnet, doch können auch Dcruersichtvernierke erteilt werden. Hierfür ist aber stets die Zustimmung der Paßvisakommission in Wien erforderlich. Die Notwendigkeit der Reise ist nachzuweisen. Erlaubt sind Reisen für staatliche oder öffentliche wirtschaftliche Zwecke, sowie solche Reisen, bei denen getvichtige Pivatobliegen ernstlich zu berücksich- tigen sind. Anträge ftir Dergnügungs- und Erholungsreisen, Rci. sen zum Besuch von Angehörigen und Bekannten, für die Mit- nähme nicht unbedingt erforderlicher Begleiter und ftir alle Reisen, deren Notwendigkeit nickt glaubhaft dargelegt werden kann, haben keine Aussicht aus Genehmigung. Anträge für Uebersiedlungsreisen können nur ausnahmsweise berücksichtigt werden. Gefährliche Fahrgäste. Das Polizeipräsidium teilt mit: In letzter Zeit find wieder zahlreiche begründete Klagen darüber laut geworden, daß ein großer Teil der tveiblichen Fahrgäste auf der Hoch- und Untergrundbahn sowie in den Straßenbahnen un« gesicherte Hutnadeln trägt. Ein solches Verhalten läßt leider einen bedenklichen Mangel an Rücksicktnahme auf die anderen Fabrgäste erkennen und kann, da e? bei der jetzt fast stets vorhandenen Ueber- füllung der öffentlichen VerkehrßHrittel eine große Gefahr bedeutet, nicht länger geduldet werden. Das Polizeipräsidium nimmt des- halb Veranlassung, die Polizeiverordnung, die da» Tragen un- gesicherter hervorstehender Hutnadeln verbietet, erneut in Erinne- rung zu bringen. Zuwiderbandelnde haben künslighin— außer dem Ausschluß von der Fahrt— polizeiliche Feststellung und Be- strafung zu gewärtigen. Ein Fall von Scheintod rief in der vorletzten Nacht im Westen große Aufregung hervor. In einem Pensionat war die Gattin eines Rechtsanwalts aus der Provinz abgestiegen, die aus unbe- kannten Gründen Gift nahm. Als man sie nach Mitternacht auf- fand, gab sie kein Lebenszeichen mehr von sich. Ein Arzt, der sofort gerufen wurde, stellte den Tod fest. Dieser wurde dann auch der Revierpolizei gemeldet. Sie beschlagnahmte die„Leiche" und ord- nete ihre Ueberführung nach dem Schauhause an, um dort die Todesursache genauer feststellen zu lassen. Bald erschien dann auch der Wagen. Der Leichendiener jedock glaubte noch Lebenszeichen zu erkennen und machte als Sachkundiger Wiederbelebungsversuche, die nach geraumer Zeit auch Erfolg hatten. Jetzt ließ man schnell einen Krankenwagen kommen, der die Wiederbelebte nach dem Krankenhause brachte. Die Aufregung im Hause war sehr groß. Auch in der Nachbarschaft sprach sich der Vorfall herum und gab zu allerlei falschen Gerüchten Veranlassung. Tödliche Strnssenbahnunfälle. Bei dem Versuch, einen Straßen- bahnwagen während der Fahrt zu besteigen, ist Donnerstag der 72jährige Arbeiter Wilhelm Hirschall aus der Mathildenstr. 9 in Oberschöneweide ums Leben gekommen. Der Greis wollte, als er von der Arbeitsstelle kam, an der Treskowbrücke einen in der Rich- tung nach Cöpenick verkehrenden Straßenbahnwagen während der Fahrt besteigen, glitt vom Trittbrett ab und stürzte nieder. Der alte Mann geriet dabei unter den Beiwagen und würde überfahren. Mit schweren inneren und äußeren Verletzungen wurde er nach dem Königin Elisabcth-Hospital geschafft, starb jedoch bereits auf dem Transport dorthin. Von einem Straßenbahnwagen getötet wurde der 5 Jahre alte Sohn Friedrich des Korbmachermeisters Hähnel aus der Neuen Jakobstr. 13. Der Knab» lief in der Nähe der elterlichen Wohnung im Eifer des Spiels vor einen Wagen der Linie 88, wurde über- fahren und so schwer verletzt, daß er auf der Stelle stcrrb. Zu dem Raubmord an der Milchhänblerin Frqu Gehler! in Wilmersdorf erfahren wir, daß sich das Befinden des Schwagers der Ermordete», des Schlossermeisters Wilhelm Kleiber, der be- kanntlich von einem der Mordbuben durch Hammcrschläge schwer verletzt worden war, inzwischen soweit gebessert hat, daß Lebens- gefah: nicht mehr vorzuliegen scheint. Im Dienste tödlich verunglückt ist der 65 Jahre alte Schneider Karl Grell aus der Lpchener Straße 18, der im freiwilligen Hilfsdienste auf dem Nordbahnhos beschäftigt war. Er geriet dort unter eine Lokomotive und starb im Lazaruskrankenhaus an den Folgen seiner schweren Verletzungen., „Großer Septemberpreis". Der Sportpark Treptow beran- staltet morgen den Großen Septemberprei». Derselbe läßt nicht nur die Dauerfahrer, sondern auch sämtliche deutschen Flieger zu Worte kommen. Tie Dauerrer.nen führen über 29 Kilometer und 1 Stunde. In denselben wird der deutsche Meister Saldow zum ersten Male in dieser Saison am Start erscheinen. Außcr�ihm nehmen derran teil der Eurovameister Stellbrink, ferner Fritz Hoff- mann, welcher in den Vorläufen zum Großen PreiS»on Berlin so hervorragend gefahren hat, und Kuschkow. Letzterer ist einer unserer jüngsten Fahrer, von dem man das beste erwarten darf, und gerade in diesem Rennen ist ihm Gelegenheit geboten zu zeigen, daß er vielleicht befähigt ist, bald in die erste Klasse aufzurücken. Die Fliegerrennen bringen mit Riitt und Lorenz an der Spitze alles an deutschen Rennfahrern an den Start, was nicht im Felde steht. Wilhelm Hagenbccks Tierschau und Zeltzirkus verabschiedet sich am Sonntag in zwei Vorf-eUungen vom hiesigen Publikum. Auch am Sonnabend stnden zwei Vorstellungen statt. An beiden Tagen in den Nachmittagsvorstellungen Vorzugspreise. Lichtenberg. Die Bürgermeisterwahl. Die Stadtverordneten« Versammlung vom Donnerstag stand in der Hauptsacke im Zeicken der Bürgermeisterwahlen. Bald bei Eintritt in die entsprechenden Punkte der Tagesordnung machte sich der Wunsch nach einer Aus- spräche bemerkbar. Stadtv. G e n s l e r von der Bürgerlichen Frak- tion sprach sein Befremden über die schnelle Anietzüng der Wahl aus und bemerkle, er wolle zwar den Ausdruck Ueberrumpelung nickt gebrauchen, um nicht zur Ordnung gerufen zu werden, aber tatsächlich habe die Ansehung der Wahl eine gewisse lieber- raschung bei ihm und vielen seiner Freunds hsrvorgenffsii. Stadtv. Schachtel beantragte nunmehr unter Hinweis auf die Geschäftsordnung die Ocffentlicbkeit auszuschließen. Nach Beendigung der Beratung wird die Oeffentlichkeit wieder hergestellt und zur Wahl geschritten. Das Ergebnis ist, daß Oberbürgermeister Ziethen mit 47 von 59 Stimmen zum Oberbürgermeister gewählt wird. Stadtsyndikus Dr. M a r e tz k y, der für den Bürgermeister- Posten kandidiert, erhält 33 Summen und aus Bürgermeister Dr. U n g e r, der sich wieder zur Wahl gestellt hatte, entfallen 13 Stimmen. Dr. Maretzky ist demnach vom 1. April 1929 aö zum Bürgermeister gewählt. Die weiteren Punkte fanden zum Teil rasche Erledigung, zum Teil wurden sie in geheimer Sitzung verhandelt. Neukölln. Lebensmittel. Auf Abschnitt 55 der allgemeinen Lebensmitletkarte dürfen 225 Gramm Äuslandsmarmelade(Pfund 2 M.), auf Abicknitt 56 259 Gramm in denjenigen Geschäften, rn denen der Karteninhaber zum Bezüge von Kolonialwaren ange- meldet ist, entnomnien werden. Die neuaufgelegte Kundenliste für den Bezug von Kolonialwaren und Brotausstrichrnitteln ha: bei diesem Verkauf nock keine Gültigkeit, weil die Belieferung der Kleinbändler nach Maßgabe der alten Kundenliste erfolgen mußte. Die Kleinhändler haben nach ihrer Belieferung im städtischen Lager sofort mit dem Verkauf der Auslandsmarmelade zu beginnen und denselben eine Woche lang durchzuführen. Sie sind verpflichte! den Beginn des Verkaufs durch em von der Straße aus fichibare» Plakat anzuzeigen. Es wird darauf hingewiesen, daß ans den an der Lebensmittel- karte noch verbleibenden Abschnitt 51 Nährmittel abgegeben werden. Das Mittelstück mit dem Abschnitt 51 ist daher sorgfältig aufzu- bewahren._ Schöneberg. Die neuen Teuerungszulagen. Der Magistrat hat entsprechend einem Beschluß der Stad'.verordnetenversammlimg neue Bestimmungen über die Gewährung von laufenden Kriegsteuerungs« zulagen ausgestellt. Danach erhalten Beamte, Lehrpersonen der höheren und Mittelschulen, dauernd beschäftigte Privaidienß- verpflichtete, Arbeiter und Arbeiterinnen Teuerungszulagen, die sich nach den drei Gehaltsgruppen für Ledige auf monatlich 65, 79 und 76 M., für Verheiratete auf 119, 115 und 129 M. belaufen; für ledige Magistratsmitglieder betragen sie 89 M., für verheiratete 125 M. Ledige Arbeiter und Arbeiterinnen erbalten täglich 2,59, verheiratete 3.59 M. Zulage. Neben diesen Grundkelrägen wird für jedes Kind 39 M. monatlich gewährt, für jedes Kind von Ar- beitern und Arbeiterinnen 1 M. täglich. Die bisher gewährten Kriegsbeihilfen fallen fort. Im Falle der Geburl eines Kindes wird«ine Beihilfe von 69 M. gewährt. Die Empfänger von städtischem Ruhegebalt, Witwen- und Waisengeld erhallen bei vor- bandener Bedürftigkeit aus Antrag Teuerungszulagen. Die neuen Sätze treten mit Wirkung vom 1. Oktober 1918 in Kraft. Friedenan. Die Spiclplatzfrage beschäftigte die letzte Gemeinde- vertrctersiyung. Entsprechend dem Antrage des Gemeindevorstandes lehnte die Gemeindevertretung eS ab. neue Fluchtlinien für den Platz hinter dem Lazarett an der Fehler- und Laubacker Straße festzusetzen und damit diesen Platz, der schon jetzt als Turn- und Spielplatz benutzt wird, dauernd als Spielplatz auszuweisen. Da« gegen wurde gemäß der Anregung des Verbandes Grotz-Berlin der Spielplatz am Maybachplatz durch Festsetzung von Fluchtlinien aus Grund des neuen Wqhnungsgesetzes dauernd als Freifläche zu Spiel- und Erholungszwecken festgelegt. Es handelt sich hierbei um einen Vergleich.— In geheimer Sitzung beschloß, wie wir erfahren. die Gemeindevertretung, der Anregung des Telrower Kreis- ausschusses nicht stattzugeben, sondern die Gemeindc-Wertznwachs- steuer in Anbetracht der Belebung de» Grundstücksmarkles weiter zy erheben._ Gerichtszeitung. Aus Liebe zu einer Sterbenden? Wegen Vergehens gegen den jetzt vielgenannten§ 133 Str.G.B. lEntwendung aus amtlichem Gewahrsam/ war der frühere H i l f s- Landbriefträger Roller vom Schöffengericht zu der niedrigsten gesetzlich zulässigen Strafe von drei Monaten Gefängnis verurteilt worden und hatte gegen das Urteil Berufuna erngelegr. Vor dem Landgericht II gab er eine erschütternde Darstellung von der traurigen Lage, in der er sich damals befunden und die ihn zu den Straftaten verleitet habe. Seine Frau habe s. Z. schwer- lrank gelegen. Der Arzt habe ihm zur dringenden Pflicht gemacht, kräftigende Lebensmittel zu beschaffen, wenn er seine Frau am Leben erhalten wolle. Sie selbst habe ihn von ibrem Krankenbett, welches auch ihr Totenbett wurde, angefleht, ihr Nah- rungsmitiel zu beschaffen, damn sie am Leben bleibe, und in diesem Zwiespalt von Liebe und Pflicht habe er sich verleiten lassen. au« 22 Feldpostpäckchen Lebensmittel, wie Butter. Keks, Schokolade und Wein zu entwenden. Er sei aber umsonst vom Wege der Pflicht abgewichen, denn seine Frau sei infolge der hinzukommenden Ent- kräflung verstorben. Als Kronkenernährung habe sie �lediglich einen Viertelliter Milch erbalten. Wie die Ermiuelungen ergaben, hat der Angeklagte vom Todestage seiner Frau an sich nicht mehr an fremdem Eigentum vergriffen.— Der Verteidiger. machte geltend, daß da» Gericht angesichts dieses traurigen Sachvorhalts die Möglichkeit habe, den bei- nahe fünfzigjährigen. bisher völlig unbescholtenen Angeklagten, dem selbst von der Postbebörde das beste Zeugnis ausgestellt werde. aus Grund des sog. N o t st a n d s p a r a g r ap h e n ö4 St.G.B. V« dem Gefängnis zu bewahren. Tatsächlich habe der Angeklagte in eine»! unverschuldeten, aus andere Weise nicht zu beseitigenden Avtstand getändelt, um einen Angehörigen aus einer gegenwärtigen Gefahr für Leib und Leben zu erretten. Auf eine Frage veS Borsitzenden, ob er alle entwendeten Lebensmittel ausschließlich seiner Frau zugewendet oder ob er auch selbst etwck» davon genossen habe, gab der Angeklagte die letztere Möglichkeit zu. Das' Gericht hielt au? diesem Grunde und ferner, weil der Angeklagte die Mög- lichkeit gehabt habe, sich für seine kranke Fran auch anderweitig kräftigende Nahrungsmittel zu beschaffen, und schließlich auch, weil ef dem Gericht aus eigener Erfahrung bekannt sei, daß die Feld- postpccketchen heutzutage in den wenigsten Fällen Lebensmittel, ton- dern zumeist Gebrauchsgegenstände enthalten, die Tatbestands- merkmale des Nolstandsparagraphen für nicht vorliegend. Die Berufung des Augeklagten wurde verworfen. Sind wissenschaftliche Vorträge Lustbarkeiten? Das Oberberwaltungsgericht hat für die Frage, ob eine steucr- Pflichtige Lustbarkeit vorliegt, eine wichtige Entscheidung getroffen und u. o. ausgeführt, für den Begriff der Lilstdarkeit kommt es darauf an, ob eine Veranstaltung vorwiegend der Ergötzung oder Unterhaltung?u dienen bestimmt und geeignet war. Treffe dies M, so haben sie die Eigenschaften von Lustbarkeiten, auch wenn mit ihnen gleichzeitig ein höheres Interesse der Kunst und Wissenschaft verfolgt und wahrgenommen wurde, und dann seien sie nach Steusrordnungen, die alle Lustbarkeiten besteuern, steuerpflichtig. Hingegen seien Veranstaltungen, die im wesentlichen wissenschaftliche Zwecke verfolgen, keine Lustbarkeiten und werden daher von einer Ordnung, die nur Lustbarkeiten besteuern wolle, nicht getroffen. Entscheidend komme immer die Art der Veranstaltung in Frage; Vorträge rein beiehrender Natur werden durch reklamehafw?ln- kündigung nickt zu Lustbarkeiten. Die Frage, ob eine Vorführung physikalischer Experimente sich in den Grenzen eine? rein wissen- schasllicheu VorlrageS halte oder nicht, sei tatsächlicher Natur; mit einer wissenschaftlichen Veranstaltung müsse aber dann gerechnet werden, wenn sie darauf ausgehe, das Wesen der Naturkräfie, ihre Gesetze. Zusammenhänge und Wirkungen zum Verständnis zu bringen und sich dazu auch der Experimente bediene, während die andere Art mit ihren Experimenten mehr auf die Vorführung des Merk- würdigen oder Wunderbaren ausgehe. Tic Entlassung infolge eines Samariterdienstes. Ein Liebeswerk hatte der Lageristin Hedwig L., die vor dem Berliner Kaufmannsgericht als Klägerin gegen die Bergmann- Äktiengesellschaft auftrat, die sofortige Entlassung eingetragen. An einem Sonnabend erfuhr das junge Mädchen, daß die in einem Vorort Berlins wohnende Tante verstorben war. Da ihre Mutter auch schwer leidend ist, so fuhr sie selber sofort in das Trauer- haus, um sich der kleinen unmündigen Waisen anzunehmen. Sie wollte zwar ursprünglich am Montag wieder zu den Eltern zurück- kehren. Zufälligerweise mufften aber zwei der kleinen Waisen für die Ferienkolonie ausgerüstet werden. Die Klägerin setzte darum alle KleidungS- und Wäschestücke instand und arbeitete fieberhaft, nur um die armen kleinen Bettern für die Reise fertigmachen zu können. Am Dienstag früh entschuldigte sich dann die Angestellte, das Kündigungsschreiben war aber bereits an sie abgegangen. Die Gesellschaft wandte ein, der Verdacht, daff es sich um„Schwindel" handelte, sei dadurch bestärkt worden, daff der Vater der Klägerin anscheinend von dem Liebeswerk seiner Tochter nichts wußte, als ein Beamter der Gesellschaft bei den Eltern Nachfrage hielt. Dies klärte sich aber damit auf, daff der Vater, der Lokomotivführer ist, erst in der betreffenden Nacht von einer Dienstreise gekommen war. Das Kaufmannsgericht hielt die Entlassung nicht für hinreichend begründet, weshalb der Klägerim das Gehalt zustehe. Sie hätte sich zwar sofort entschuldigen müssen, aber unter Berücksichtigung der ganzen Umstände sei die Verfehlung nicht so schwer zu bewerten, daß sie gleich mit sofortiger Lösung des Dienstverhältnisses geahn- dct werden müßte. Auf die Tätigkeit eines Lockspitzels war wieder einmal ein Strafversahren zurückzuführen, welches gestern das Schöffengericht beschäftigte. Wegen eines angeblichen Handels mit Gold waren der Kaufmann Rudolf, dessen Ehefrau und der Kaufmann Gold- man« angeKagf. Es handelte sich hler wiedmmt mn elnen Fall, wo ein Lockspitzel der Polizei unbescholtene Leute zu einer straf- baren Handlung verleiten wollte. Der Angeklagte Rudolf hatte eines Tages dem Mitangeklagten Goldmann gesprächsweise erzählt, daff trotz aller Mahnungen das Goldgeld abzuliefern, immer noch ganz erhebliche Mengen Goldstücke, insbesondere auf dem Lande, im Verkehr wären. Er habe in verhältnismäßig kurzer Zeit 1500 M. in Goldstücken eingenommen. Goldmann erzählte dies weiter und ans diese Weise erfuhr auch ein in Diensten der Polizei stehender Flieger Cohn von dem Vorhandensein des Goldes. Dieser erschien eines Tages in dem Geschästslokal des Rudolf und begann hier auf die allein anwesende Ehefrau einzureden, ihm das Gold zu per- kaufen. Durch allerlei NebsrrcdnngZkünste gelang es ihm, die Frau zu veranlassen, ihm die Goldstücke zu zeigen. Obwohl Cohn schlich- lich 60 M. fiir das Zwanzig-Mark-Stück bot, lehnte Frau R. den Verkauf ab und schloff die Goldstücks wieder ein. In diesem Augen- blick erschienen bereits die niit Cohn im Einverständnis handelnden Kriminalbeamten auf der Mldfläche und beschlagnahmten die Gold- stücke.— Der Amtsanwalt erblickte in dem Verhalten der Ange- klagten dem Wortlaut der Verordnung entsprechend die„Unternch- mung" eines Gotdhandels und beantragte gegen die Eheleute Ru- dolf je 15 00 M. und gegen Goldmann 2 000 M. Geldstrafe. Von Rechtsanwalt Dr. Joachim czyk wurde eine scharfe Kritik an dem Verhalten der Polizei geübt, welche nur befugt sei, Gesetzes- Verletzungen zu verhindern bzw. den Täter zu ermitteln, nicht aber anständige, unbescholtene Leute zu Straftaten zu verleiten. Glück- ltcherweise sei der Lockspitzel in dem vorliegenden Fall nicht zum Ziel gekommen, da das Gericht wegen eines„Rücktritts vom Ver- such" unbedingt auf Freisprechung erkennen müsse. Das Gericht folgte auch diesen Ausführungen und erkannte gegen die Eheleute Rudolf auf Freisprechung auf Kosten � der Staatskasse. G o l d- mann wurde zu 200 M. Geldstrafe verurteilt. TsreireligiSke Gemeinde. Sonntag, den 8. September, vormittags 8 Nhr. Pappel-Allce 15,17; Neukölln, Jdcallasino, Wcichselltr. 8; Obcrso'öneweide, Wildelminenhosstr. 13 bei O. Pomp:„Frcireliziöse Vorlesung."— Vorm. IG/, Uhr Kleine Frankfurter Str. ü: Vortrag von Herrn Emil Eichhorn:„Naturwissenlchaft und Religion."— Gäste willkommen. Zlllgemeine Familiensterbekasse. Morgen: Zahl- und Aufnahme- tag von 3— 6 Uhr im Restaurant Gertchtstraße 12/13. önefkasten öer Reöakti'on. G. S. 1880. Sie sind, ohne in dm Besitz eines schriftlichen Miets- Vertrages zu sein, zur Zahlung der erhöhten Miete verpflichtet.— M. 2 08. Die Kündigung gilt als zugestellt. Sie sind zur Räumung der Wohnung verpflichtet.— D. K.$88. 1. Versetzung nach einem baye- riichen Truppenteil findet nicht stattX 2. Nein. 3. Nein. 4. Ja.— Gewissen 1918. Kommen Sie möglichst Sonnabend nach S Uhr zu uns in die Sprechstunde.— Sl. H. 100. 1. Ihre Strafe ist durch den kaiser- ticken Erlag nicht gelöscht. 2. Ja.— Z. 33. Eine solche Verfügung de- steht nicht. Ihr Eoeman» kann zum Frontdienst verwendet werden.— L. D. 3. Die Frau kann zur Arbeit nicht gezwungen und ibr die Unter- stützung nicht entzogen werden. Führen Sie Beschwerde beim Landrat, nachdem Beim Reglenmgspröfidenten.—«. y. 100. Nein.— Kurt B. 24. Die Mutter hat Anspruch auf Unterstützung. Nachzahlung seit dem Tode des Vaters wird nicht erfolgen. Ein Gesuch um Zurülkziedimg aus der Front ist völlig aussichtslos.— 100 Feld. 1. Die Küchen- kominissiokt wird vom Kompagniesührer bestimmt. 2. Sie hat Bc- schwerdcn entgegenzunehmen. 3. Der Kompagniesührer.— N. llld. Darüber müssen Sie mit dem Arzt sprechen, auf dessen An- ordnung eine Unterbrechung der Schwangerschaft erfolgen kann. — Ke 2. 1. Klage aus Ehebruch muß innerbalb LMonatcn nach Kenntnis des Ehebruchs eingereicht werden. 2. Nein. 3. Das ist nicht vorher zir bestimmen.— A. B. 31. Erwerbung der Staatsangehörigkeit ist auch jetzt möglich. Der Antrag kann natürlich abgelehnt werden, er ist bcini Polizeipräsidenten einzureichen.— K. I. 8. Landsturmpflichtig, Krankheiten des Mundes oder Rachens.— G. Schn. 41. Der Mutter kann ans Antrag die Löhnung gewährt werden; Antrag ist beim Ersatzbataillon des Truppenteils zu stelle», dem der Sohn angehört— G. I. 003. IrtNciit. 2. Den Anverwandten-kann bei Bedürftigkeit ein Teil oder die volle Löhnung gewährt werden; es besteht kein absoluter Anspruch darauf, die Mutter muß sich alio damit bescheiden.— C. P. 99. 1. Die Frau erbt die Wirtschasts- und Hochzeitsgeschenke im voraus, vom übrigen Nachlaß steht ihr in kinderloser Ehe außerdem die Hülste zu. 2. Svvv Mart— stJk. I. 1. Ja. 2. Bei Ablehuung kann Bestrajung erfolgen. 3. Ja.— D. 30. 1. Beim Magistrat. 2. Ja.—(?, B. NcuhnldenSleben. Ja. — L. Z. 131. 1. Für einen, den zurzeit aktiv Dienenden. 2. und 3. Das ist keine KricgSversügung. sondern der Anspruch aus Auswandscutschädigung bestand auch schon in Friedenszeiten. 4. Ja. 5. Ein Einspruch ist alio zwecklos.— A. H. 103. Ihre Bemerkung„Deutsch schreiben lassen" ist unklar. Ist der Betrefsende deutscher Staatsangehöriger geworden, so würde doch seine Entlassung aus der Gcsangenschast erfolgen.— Pionier Nr. 17. Kriegsgewinnsteuer wird von Ihnen nicht erhoben.— Schriftsetzer G. Urlaub soll alljährlich, soweit eS der Dienst zuläßt, erteilt werden. AS- solutcr Anspruch besteht daraus nicht.— 81. K. Karlshof. Als Arbeiter sind Sie versicherunqspstichtig. unbekümmert um die Höhe Jckres Gehalts. Als Werkmeister, Betriebsbeamtcr, Handlungsgehilse iisw. nur bis zur Höhe van 2000 M. jährlich.— K. 3t. 907, W eistensee. 1. und 2. Ja. WafferstanbSnachrichten der LandeSanftalt für Gewäfferklmdc, mitgeteilt vom Berliner Wetterbnreau. ?SetterauSflchten kür das mittlere Norddeutschland bis Sonntag mitrag. Im östlichen Küstengebiete vorwiegend bewölkt, öster leichte Regenfälle; in den anderen Gegenden größtenteils trocken und viel- iach heiter, in den Mittagsstunden ziemlich mild. Direktion Max lieinkardt. ItcntKche» Theater. 7 Uhr: Othello. Sonnt,"l1/.: Fuhrmann Henschel. Sonntag 7 IJbr: Don Carlos. Kamin erspiele. 8 Uhr. Hanneies Himmelfahrt. Sonnt. 2'/, IIa Eine giilokl. Ehe. Sonntag 7'/, Ulir: Kinder der Freude. Volksbühne Theater am Bülowplate. Direktion Friedrich Kayßler. 7';, Uhr: Herlin. Dir. C, Meinhard— R. Bernauer. Theater dnKöniggratzer Str. 8 Uhr: Die ftnf Frankfurter. Komödienhaus 7S/,: Oer Schrittmacher. Beriiner Theater 7"U.: Bllriablaaes Blnt. Trinfion-Theater. Bhf. Frieiiriohslr.Ztr.4927, 2391 8 Uhr. Ida Wüst in: Der Sshstisseliftler. Heute Sonnab. st ,4 U., kL Pr.: Schneewittchen. Morgen Sonnt, st, 4 U., kl. Pr.: .Joiianniisfeaor. Mittw. st, 4 Uhr: Rotkäppchen. Theater für Sonnabend, 7. Sept. Centrai-Theater 7'/, mm: Big CsÄttirstio. l>eatschcH Opernhaas 61/, Uhr: Die Melster- sinperfon X'iSrnberg Kleines Theater 8 Uhr: ZI I.Male: 'MVhr:; ßer Ejnsaöie Komische Oper O ScitwarmlilöL Morg. 3>/<: Schwarzwaldmädel. 7% Uhr LinNttiptelhan* Zum 800. Male j: öle WiM fliege. Tlieatsr äer FrieiliicfeM. Ecke Friedrich- u. Linienstr 7st'. Uhr. Tägl.: Xord. 8650. Kaiserplatz 3, 1 Tr. Hin lust Stück m. Musik v. Laufs v. Müllendorff. Georg. L. Holms. Sonntag 31/, Uhr: JiiRCnd. Metropol-Theater uh': Die Rose m StamtaL Nei'es Opsrettentiaiis 7»/, uhr: Das süße Mädel. Sonnt. 3 Uhr: Der Obersteiger. Prledrldi-Wllhelmst. Theater Tff.vhr: KMlMMW. Kealdcna-Theater tu Her jijffi Zar. Schlller-Th. Chart. 3 Uhr; Alt-IIelflelberg. 7'/,XThr: Ell! VM8lSM!l Thalia-Theater uaterderWtaitenüiiie Theater am Nollendorfplatz 7 Uhr: ltN Theater den Westen» �DieiustigeWilws mit Guido Xhielscher. Wallner-Theater tu uhr-. Gral RzbeiuM Hilda(iarden in ihren Tänzen. DasGeislerlenster Illusionsakt. Georg Bauer Stegreifdichter sowie M fk vollstlindij* t f S Sc neue| U Tägl. 7'/.. Sonnt. 3'/, u. 7»/. I.etaste Woche! Gas Warschauer Ballett. Neues Programm. j Johann Strauß- i Theater Steglitzer Straße 86. Sonnabend u. Sonntag 7-/. Uhr: Gastspiel 8der Tanzkünstlerin| Rüse ICaryn im Singspiel „ASt-Vlien" ■Vorverkauf Wprtheim' und Tageskasse 10— 1: Kastanienallcc 7— 0. Täglich-/,» Uhr: iSpaiiealfi Dorns Rest. Ab 6 Uhr die neuen Spezialitäten. 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Zenker, LoUnpOug-GrcübelFieb,| � 11 crlin-KianJcvrlts, Kaiscr-Wilhelm-Stp. 17. Tilelilige fionte.UrS �Flugmotorenba» werden sofort eingesteilt. 17581-« Loeb- Werke Äküengesellsehafi, C'faarlottenfcnrg, Frltschcstr. S7/Ä8. 17861-* Maurer ZimmerSeute Bauarbeiter auch Frauen verlangt (Mau Dsütscties Naiional-Theafer (Zirkus Scbumann), Eingang Karlstraße. MM. MMM. AlWklliM -w-.,,-», MW MWWlikN TIWM lttbi! Iii!' Mi- UEd wird für dauernde Stellung gesucht von Hermann Sciimldt's Buch- und Kunstdruckersi G. m. b. H.. O 27, ÄlexanderstraCe 22. Werber zur Anwerbung mehrerer hundert Arbeiter wollen stch melden bei li«rl Brand. Berlin W 9, Scheltingstr. 7.* Tüclitige Tiscliier auf eichene Schlafzimmer verlangt 1785L* Ä.& H. Weiöner, Liebenwalder Str. 11. «U.SAIM für genaue Paßarbeiten an Rundjchietsmaschine gesucht von C. Kärger A.-Q., Krantstr. 52. Oachciecker1 für dauernde Landarbeit werden sofort eingestellt. 1L83L* W. Kinzel Jr., Dachdecker- ineis-cr, Greifenberg. 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Hof II. ©•»•••««©O®«C®«»««®«« S Elsendreher fär Lellspindelbänko sucht Äkl.-Ges. Freund, Chariotlenburg, 18731- Frankiintiitratic O. Tüchtige Werkzeugmacher sofort gesucht. 16532* Loeb-Werke Äktlengeselischaft, J�erlin-Ifolienscli�nhanscxi. Einrichter tüchtige, für Elsenzünder, nur gelernte Leute, sucht Äkt.-Ges. Freund, Charlottenburg, FrankHn.-straüe 6. 18741- Kitfahrer tri Beservefahrer kräftige, des Fahrens kundige Leute(auch Kriegs- 1 verletzte), stellt sofort ein 187 iL j Engelhardl-Brauerei, Chariolienburg, Sopbie-Charlotten-Straßo VL. Gewandter Fräser am Horizontal-Bohrwerk gesucht. Orenstein& Koppel- Arthur Koppel Aktienscsellschatt, 18592* liOkomotlvfabrlk Non aivc». 'Schlössen, Fein-j mechaniker gesucht. ?ranUonia««bl Tempelhof, Itlngbahnstraße 4. Zinamerleuie, EinscSialer und£lSGBlf sofort gesneht. Polier Matthes, I Albatroswerke, Eingang V. _ Johannlbihal. An�tr&g'ermueii für den„Vorwärts" werden eingestellt in folgenden Filialen Qnnljn• Markusstr. 36. Petersburger PI. 4. ®C1 tili. Lausitzer Platz 14/15. Immanuel- kirchstr. 12. Lindenstr. 3. Greifenhagener Straße 22. W ilhelmshavener Straße 48. Blumenthalstr. 8, Hol part., Stolpmann. SChönCbCrg I Meininger Straße 9. Chariotlenburg: Sesenhehner Str. 1. StegiltZ I Bemsee, Mommsonstr. 59. Wilmersdorf: Wilhelmsaue 27 bei Schubert. Meldezeit ronll bis 1'/, Uhr und 41/, bis 7 Uhr. Neukölln: Siegfried-str. 28/29, Baumschuienweg: Ober-Schöneweide: Falkenberg: Köpke, Kiefholz- straße 179. Paul, Mathildenstraße 5. Salzmann, Gartenstadt- str. 10, für Alt-Glienicke. I iplltpnhfim* Wartenberg-strafle 1 lauilcliucry. und Ält-Boxhagen 56. Weißensee' �,asie.iewa??' �orhnor Allee 11. Werkzetig« räser, W erkzeugdreher, Betriebsschlosser, Bauschlosser, 1853S Schlosserhelfer, Klempner, Spritzerinnen für Lackiererei, Maschinenarbeiterinnen, Transportarbeiter, LraUc ÜtkaCiCiiiien stellt sofort ein H. Frisier Äkt.-Ges.. Berlin-Olserschöneweide Tüchtige Optiker die nach PcobegiaS und Dicke arleilen können, sowie optische llüfsardeiter werden für dauernde Arbeit eingestellt. VoiKtländer& Sohn A.= G., OptlHcho Werke, Braansrhwelg. 263/3* SfiMEL'SC i Erfahrener Elektriker für alle vorkommenden Arbeiten sofort gesuchL Xissarettenfabrik Garbäty, 127L Paukow, HadlicbstraQe. Werkslatllehrlinge für Schlosserei, Dreherei, Modelltischlerei stellt ein 18722 Maschinenfabrik Prometheus, Reinickendorf, Hauptstr. 25—27. Zlniegermnen, Bogettfättgermnen, Mädchen zum Anlernen, Prägerinnen, Burschen finden dauernde Stellung bei Hermann& Schmidt Akt.-Qes., Schönhauser Allee 164. 18122* Perfekte Jackenarbeiterinnen für unser Maßatelier sofort verlangt Meldungen R. M. Maassen, Oranienstr. 165. iotl* Nr. 246— lcok,' der um 1510 die ersten Tabak- fendungen aus Amerika erlebte und ihre chemische Prüfung irb Paris veronlatzt hat; Mansarde von dem französischen Baumeister Maniarb im 17. Jahrhundert; Pompadour von der bekannten Marquise, der Geliebten Ludwigs XV.; Schrapnell von seinem E findcr, dem englischen Oberst Shrapnel, und schlietzlich Laza- relt von Lazarus. Deutsche Personennamen, die Galtungswörter geworden sind, sind Dietrich iDiebsschlllfselj und M e g a, .Dirne" von Mechthild; Rüpel kommt von Nupprecht her. Auch eine Reihe von Zeitwörtern hat sich gebildet. Dem bohkottieren und bramarbieren vergleichen sich lynchen, von dem Farmer John Lynch in Nordkarolina. <19. Jahrhundert).ebenso verballhornen, von dem Buchdrucker Vallhorn, 17. Jahrhundert, der neue Ausgaben verschledterte; ferner galvanisieren und röntgen, die wohl allgemein bekannten Ursprungs sind; pasteurisieren, von dein Pariser Arzt Pasleur,'das Auskochen organischer Stoffe in geschlossenen Gläsern lkezeichneiid und da« siimühnliche einwecken, von dem Erfinder deS Weckapparates, dem Ingenieur Weck; bessemern bedeutet die Anwendung von Besscmers, des eng- liichen Technikers. Verfahren, flüssigen Stahl zu reinigen vermittels dnräigeblasener Luft; mauscheln kommt von Mansche, Mosch? d doch sind dicie Zeilen noch gar nicht so lange her: sie liegen kaum mehr als ein halbes Jahr- hundert zurück. In dem Deutschland vom Anfang de? 19. Jahrhunderts gab es nicht weniger als 30 selbständige Postverwaltungen, die sich die einzelnen Staaten und freien Reichsstädte neben der dem Fürsten von Thtwn und Taxis als Ltr.chslehen verliehenen Reichspost auf- getan hatten. So zersplittert, wie damals das Deutsche Reich selbst war, war auch sein Briesverkehr und sein Briefporto, denn die Münzsysteme, die Briefmarken und die Gebühren waren überall vcr- schieden. DaS Aufgeben und Freimachen eines Briefes war ein schwieriges Geschäft. Die ersten Briefkasten wurden erst 1848 in den Strotzen angebracht. Bis dabin mutzte jeder Brief an den Postschalter gebracht und da« Porto dort in bar erlegt werden. Der Postbeamte nahm eine höchst verwickelte Berechnung vor, um das Briefporto herauszubekommen oder wenigstens annähernd zu tarieren, denn das Porto steigerte sich nach der Mcilenzahl in vielen Abstufungen und konnte je nach dem Weg, auf dem der Brief be- fördert wurde, bald teurer und bald billiger ausialleu. Innerhalb des preußischen Gebietes bclics sich das höchste Porto auf 19 Silber- groichen, eine Summe, die nacki dem heutigen Geldwert sicherlich mit 3 M. zu beziffern wäre. Ein Brief von Königsberg nach Berlin kostete 9 Silbergroswen, ein Brief von Frankfurt a. M. nach Daniig 15 Sitbergroschen! Dazu kam dann noch meistens ein Extrabestcllgeld. Noch kostspieliger gestaltete sich die Frankierung eines Brieses nach dem Ausland Das Porto für einen Brief von Kopen- bogen nach Berlin belief sich 1839 ansö? Schillinge. Da man nicht genau berechnen konnte, wie hoch das Briefporto sei, so schickte man die Briese meistens unfrankiert. Ein Strafporto gab es noch nicht, und der Empfänger eriuhr wenigstens genau, was es kostete. Von der Umständlichkeit und Unsicherheit der Briefbesörderung jener Tage können wir unS, trotz unserer Klagen während der Krieg szeit, keine Vorstellung machen. Zwar wurde jeder Brief, der eine'remde Postaustalt berührte, dort sorgsam gebucht; aber irotz- dem kamen sie sehr häufig nicbt an, so datz man den Empfang eines Briefes stets als eine All Glücksfall betrachten mutzte. Um das teure Porto zu sparen, schrieben die Kaufleute Mitteilungen an mehrere Personen derselben Gegend auf ein Blatt, das dann der erste Empfänger zerschnitt und verteilte. Das Beispiel Englands, das im Jahre 1840 das Porto für einfache Bliese aus einen Penny festsetzte, blieb auch auf Deutschland nicht ohne Ein- fliitz, und so. kam im Jahre 1350 der deutsch- öfter- reichische Postvereinsvcrtrag � zustande, der alle diesem Verein angehörenden Siaaten zu einem einheitlichen Postgebiet zusammen- schlotz. Immerhin blieben doch noch viele Teile Deulschlands autzerbalb, iodatz die Zahl der verschiedenen Postgebicte Ende der 50er Jahre erst„aus 17 herabgekommen' war. Das Briefporto war für da« PostvereinSgebiet auf 1, 2 und 3 Silbergroschen fest- gesetzt' zu!eich wurde sür Nichtfrankatur ein Straiporlo angeordnet, das Frankieren aber durch die allgemeine Einführung der Post- SonnabsnS, 7. September marken erleichtert. Nun war der Weg zur Besserung betreten, und er wurde fortgesetzt durch die Herabsetzung des Portos für ganz Deutschland und Oesterreich auf einen Silbergroschen, durch die Einführung der Postkarten und endlich durch den Weltpostverein. von gifizgen unö ungiftigen Pilzen. Trotz aller Bemühungen, durch Merkblätter mit Abbildungen, Wanderausstellungen und Ilnterricht in den Landschulen Aufklärung über die Gestalt und die Farbe giftiger und ungiftiger Pilze zu verbreiten, sind die Verwechselngen noch immer häufig, und die Zahl der Unglücksfälle mehrt sich besonders in dieser Zeit, in der die Zahl der Sammler so viel größer geworden ist. Besonders häufig ist die Verwechselung des beliebten Champignon und des hochgiftigen Knollenblätterschwammes, die daher rührt, daß diese Schwammart äußerst wbwcchselungsreich in ihrem Aussehen ist, und daß sie gerade zwischen harmlosen Arten angetroffen wird. Es gibt zwar alte Haus- und Bauernregeln, die besagen, daß Pilze, die milchen, verfärbte Bruchflächen zeigen, Ringe am Stiel und weiße Sporen tragen, ebenso wie die mit Löchern an der Unter- seite des Hutes giftig sind. Aber diese Merkmale genügen nicht? auch die Schwarzfärbung von Zwiebeln beim Kochen mit giftigen Pilzen ist kein sicheres Unterscheidungsmittel, wie es ja auch nicht genügt, wenn man Pilze durch Kochen in Salzwasser entgiften will. Das Gift des Knollenblätterschwamms ist wie jedes Alkaloid schon in den geringsten Mengen von stärkster Wirkung. Es genügen wc>- nige Milligramm, um die stürmischsten Erscheinungen auszulösen. Schon nach kurzer Zeit stellen sich Schwindel und Krämpfe, Leib-- schmerzen und Erbrechen ein. Besonders stark leidet unter dem Gift die Leber, die in fettigen Zerfall gerät. Die Behandlung kann sich nur auf die Beseitigung und Linderung der Symptome richten. Der französische Forscher Cakmette hat versucht, ebenso wie gegen Schlangengift durch allmähliche Immunisierung von Tieren ein Heilserum gegen die Vergiftungen mit dem Knollvnblätter- schwamm zu gewinnen. � In der Arzneikunde benutzt man noch an- dere Pilzalkaloide zu Heilzwecken, so das Agaricin, das vom Lärchen- schwamm stammt und bei der Bekämpfung von Schweiß wirksam ist. Das Gegenstück dazu bildet das Musmrin, der wirksame Be- standteil des Fliegenpilzes: es verengert die Pupillen und steigert die Schweißabsonderung. Da es die entgegengesetzten Wirkungen hat wie das Alkaloid der Tollkirsche, das Atropin, wird es auch als Gegengift bci Tollkirschenvergiftung verabreicht. Acht Milligramm Muscarin töten eine Katze in 10 Minuten. Merkwürdigerweise wird es aber von oswsiatischen Nomaden als Rauschmittel benutzt. Während bisher meist die Ansicht vorherrscht«, Pilze seien nur schwer verdaulich, haben die Arbeiten Klostermanns und seiner Mitarbeiter«rgebdn, daß im Durchschnitt 85 Proz. des Pilzstick- stoffes ausgenutzt werden. Ein gleich günstiges Resultat chat sich auch sür die Kohlehydrate der Pilze herausgestellt, deren Aus- nützung 94,8 Proz. beträgt. Für die leichte Verdaulichkeit spricht auch die lockere, brüchige und wenig inkrustierte Membran der Pilze. Klostermann weist darauf hin, daß man den Pilzen bisher noch nicht die Beachtung geschenkt hat, die sie als Nahrungsquelle jedenfalls verdienen. Es mutz aber davor gewarnt' werden, Pilze, die im Zerfall begriffen oder angefressen sind, mit zu verwenden; man soll auch nicht Reste von PUzgerichten, die bereits einige Tage zubereitet gestanden haben, noch genießen. Es ist auch falsch, ein- gesammelte Pilze zunächst längere Zeit zusammengepackt, noch dazu an einem warmen Ort aufzubewahren; man soll sie vielmehr sofort ausbreiten, durchsehen und reinigen, da sie von innen her- aus einer Zersetzung unterliegen. Notizen. — Die große Berliner Kunstausstellung wird in der Kgl. Akademie der Künste am 14. September eröffnet. — Stroh und Holz als Viehfutter. Stroh und Holz so„auszuschließen", daß es das fehlende Kraftfutter ersetzen kann, ist eine wichtige Aufgabe der Kriegswirtschaft geworden. Es ist aber darüber hinaus ein Problem von dauernder Bedeutung. Ucber den jetzigen Siänd dieser Frage berichtet in der Deutschen Jandwirtscbaftsgesellschast Prof. Semmler. Um die Zellulose den Bakterien im Tierdarm zugänglich und damit für das Tier aus- nutzbar zu machen, wird es im Natronverfahren aufgeschlossen. So kann man jetzt aus 100 Kilogramm Trockenschrot vom Stärke- wert 10,5, 60 Kilogramm Kraftschrot vom Stärkewert 33 erzielen. Würde alles Stroh so verarbeitet, so würde man 20 Millionen Tonnen Kartoffeln damit ersetzen. Loöz. 83) Das gslobte Land. Roman von W. St. R e y m o n t. „Na, einen speziellen Grund zur Freude Hab' ich ja nicht! Aber hören Sie mal, vielleicht kaufen Sie mir die Möbel ab." warf er rasch hin, Borowieckis Blick meidend. „Verkaufen Sie Ihre Möbel?" „Ja, ja... ich möchte diesen Kram los werden, ich der- kauf's billig, wollen Sie's haben?" „Darüber reden wir ein andermal; aber hören Sie mal, wenn irgendeine plötzliche Verlegenheit Sie zu diesem Schritt treibt, na, dann könnte ich Ihnen vielleicht aushelfen, feien wir aber aufrichtig miteinander." „Nein, Geld brauch' ich nicht, aber auch mit den Möbeln kann ich nichts anfangen." Karl blickte ihm in die Augen und sagte nach einer längeren Pause teilnahmsvoll: „Ist es wieder nichts mit Ihrer Heirat?" „Na ja, nichts, nichts!" Er begann rasch auf und ab zu gehen, um die Erregung, die ihn durchschauerte, zu verbeigen. Seine Kiefer zuckten krampfhaft, manchmal blieb er stehen und atmete tief auf, lieg seinen leblosen Blick über Karls gleichgültiges Gesicht schweisen. zog den Nock vom Buckel herunter, wischte sich- die schwitzenden Hände ab und lief wieder herum, immer größere Kreise um den Tisch be- schreibend. Karl sagte nichts mehr und vortiefte sich in die Arbeit, warf nur, als Murray in die.Küche' hinausgelaufen war, ihm einen verächtlichen Blick nach und brummte:„Senti- mentaler Affe l" „Erst gestern Hab' tch's eigentlich eingesehen, daß die Ehe eine bittere Satire auf die Liebe und die menschliche Würde ist," begann Murray, den unterbrochenen Spaziergang wieder aufnehmend. „Je nach dem!" „Erst gestern Hab' ich's eingesehen, daß es die un- moralischeste Institution ist. jawohl! Die Eiie, daS ist ein Wust, eine Gosse schmutziger Lägen, Gemeinheiten, in- famster Heucheleien und Falschheiten! Das werden Sie doch nicht leugnen, was?" Er redete sich in immer heißeren Groll hinein. „Ich werde eZ weder leugnen noch behaupten, weil mich daS doch gar nichts angeht. Ihr ganzer Groll ist aber wohl auf eine persönliche Enttäuschung zurückzuführen, was?" „Ich empfand es schon immer so, schon längst sehe ich klar." „Warum heiratet Ihr eigentlich nicht?" fragte Boro- wiecki. Murray wurde verlegen, schwieg eine Weile und lehnte seine glühende Stirn an die kühle Fläche einer Handpresse, die auf dem Tische stand. „Einen zu großen Buckel Hab' ich und zn wenig Geld. Wenn ich blind wäre, dumm, vom Krebs zerfressen, aber wenigstens ein Buchholz wäre, dann würde mir eine jede von euren Polinnen auf den Knien Liebe bis in den Tod schwören!" flüsterte er grollend. „Ach so. also eine Polin hat Sie abgewiesen?" murmelte Borowiccki bösartig. „Jawohl, eine Polin, also die Verkörperung der Dummheit, der Falschheit, der Launen, der bösen Instinkte, der.." „Sie verfügen ja über einen reichen Wortschatz synonymer Ausdrücke," unterbrach ihn Borowiecki ironisch. „Ich habe Sie uin Ihre Bemerkungen nicht gebeten," zischte jener, mit den spärlichen Zähnen bleckend. „Ich habe Sie auch nicht um ihre Vertraulichkeiten er- sucht." „Der Herr Rat lassen den Herrn Direktor bitten!" rief ein Arbeiter, den Kopf durch die Tür zum Laboratorium hereiusteckend. Karl ging zu Vuchholz. Murräy schämte sich seiner eigenen Heftigkeit, sie tat ihm etwa? leid, trotzdem aber durchdrang ihm die Bitternis der Enttäuschung mit einem Groll gegen die ganze Welt und speziell gegen die Frauen. Deshalb ließ er in der Abteilung der Trockenfarbeu, wo einige Frauen arbeiteten, sich laut unterhielten und lachten, an ihnen seine ganze Wut aus. Eine von ihnen verprügelte er, die andern warf er sofort hinaus und schlenderte in der Fabrik herum, nach einer Gl- legenheit suchend, um schreien und strafen und Arbeiter hinaus- werfen zu können. Buchholz saß in der Druckerei und sagte, Karl be- grüßend: „Knall kommt Sonnabend. Kommen Sic zu mir, abends, nach oben." '„Gut: aber weshalb gehen Herr Rat aus, solche An- strengungen können Ihnen schaden." „Jcki kann nicht mehr ruhig zu Hause sitzen, alles lang- weilt mich, ich brauche Bewegung." „Ja. warum gehen dann der Herr Rat nicht irgendwo anders spazieren?" „Ich bin heut' ausgefahren, das langweilt mich noch mehr; was gibt's Neues?" � „Die Arbeit geht wie gewöhnlich." „Gut. Warum geht denn die Fabrik heut so still?" flüsterte er, erstaunt aufhorchend. „Sie geht doch wie gewöhnlich!" erwiderte Borowiecki und verschwand in den Sälen. Eine Zeitlang fing Buchholz mit dem Ohr das be- täubende, monotone Getöse der Maschinen auf, das wie ein dröhnendes Sausen herüberklang, hörte aber nicht viel, weil er ganz unfähig war, sgine Aufmerksamkeit durch irgend etwas zu fesseln. Bald wurde es ihm zu schwül und zn heiß in der Druckerei, er trat also vor die Fabrik heraus und setzte sich auf einen hervorstebenden Brunnenkasten am Teiche, in den die zu Wasser verdichteten verbrauchten Dämpfe abflössen. Mit halbgeschlossenen Augen irrte er an den Umrissen seiner Fabriken einher, an den Reihen der braunen Waggons, die mit Kohle und Waren beladen in den Hof und unter die Magazine einliefen; an den in der Sonne glänzenden Dächern, an den Schornsteinen, die von der Sonne gerötete Rauchgarben ausspien, an den winzigen Silhouetten der Ar- bester, die unter den Magazinen herumhuschten und die Waggons schoben. Nur mit großer Mühe konnte er in der von der Sonne durchsättigten und von Rauch und Kohlenstaub erfüllten Lust atmen. Ein starker Husten packte ihn, er ging aber nicht nach Hause, denn im selben Augenblick befiel ihn eine seltsam angenehme Ohnmacht. Mit ihrer ganzen frühlinglichen Pracht schien die Sonne, und ein weicher Wind wehte von den feuchten Feldern. Ucber der verrauchten, mit dem Getöse der Fabriken erfüllten Stadt und über den stillen, leeren Straßen hing die riesige Himmel- blaue Kuvpel. Unablässig hallten die Fabriken vom Rhythmus der Arbeit wider. Endlich �rhob sich Buchholz und ging nach Hause. Es befiel ihn aber das Gefühl einer solchen Ohnmacht den rie- sigen Bauten gegenüber, diesen mächtigen Maschinen gegen- über und der Kraft dieses kolossalen Lebens der Fabrik, daß er sich kaum weiterschleppen konnte, und sich im Park noch einmal, mit unbewußtem Neid, nach den roten, riesigen, mit allen Fenstern glänzenden Bauten umschaute. (Sott;, folgt.) Dsuttcltfc ftktaltartKlter' Verbat)(U Vorwaltunesstelle Barlin. Den Mitgliedern zur Nach- j richt, daß unser Kollege, Ser� ! Dreher Üm\M Pose Kristianiastr. 117, am 2. d. M. gestorben ist. Die Beerdigung findet am j Montag, den 9. Sept., nach- mittags 3 Uhr, von den j Leichenballe des Dotn-ZUrch- hoset, Müllerstragc 72, auöj statt. Ziege Betclliglmg wird j erwartet. I�acZkruk. Den Mitgliedern serner I ! rur Nachricht, daß unser j j Aollege, der Rohleger Gastsv Flechner SäUmeräborr, Baoensche Straze 31, ! am 31. v. Mts. gestorben ist. Den Mitgliedern serner j ! zur Nachricht, daß unser j ■ College, der Gürtler !Fr?.nxüie8eÄetter! Andrcasstr.33, \ am 22. August gestorben ist. Den Mitgliedern serner I zur Nachricht, daß unser ! Kollege, der Schlosser I Ernst Sehmikalla Schöneberg, Würzburger Straße 20, am 20. August gestorben ist. Ehre ihrem Andenken! 117/16 via Ortavan»aIt!inB. für Feuerbestattuns.| Sitz Berlin. Gegr. 1905. Am 2. d. MS. verstarb I unser Miglied, Frau Helene Bernhardt geb. HUttle. I Ehre ihrem Andenken? j Die Einäscherung findet heute Sonnabend, den 7. d. M., I nachmittags 3 Uhr, im Krematorium Gerichtitr. 37 I statt. 298/19 Um zahlreiche Beteiligung 2 ersucht Oer Torstand. Verband der Burrauanseftellten Seutldbiands. Ortsgruppe Groß-Berlin. Am 26. August verstarb nach längerer Krankheit unser Mitglied, der Kranken- tasscngeschästssührer Pa»! Napan im 70. Lebensjahre. Magna» hat unserem Verband sast 25 Jahre an- gehört und jederzeit regeS Interesse für unsere Be- grebungcn bekundet. Wir werden sei« An- denken in Ehren halten! Die Beerdigung findet am Montag, den 9. Sep. tcmber, nachmittags 5 Uhr, aus dem städtischen Fricdhos iu Schönebera.Maxstr. 12/15, von der Leichenhalle aus statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 16/13 Die Ortsverwaltung. Verband der Sattler und Portefeunier. Ortsverwaltung Berlin. Den Kollegen hiermit zur ! Nachricht, daß unser Mit- s glicd, der Sattler Paul Hempel (Firma ö. Kaufmann) verstorben fit Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heut« Sonnabend, den 7. d. Mts., nachmittag» 2'/« Ubr, von der Leichenhalle des städt. Friedhofes in Stahnsdors aus statt. 158/6 Die OrtSvcrwaltung. verband i der Burcauangeltcllten Dcuifcbiands. Ortsgruppe GroB-Berlln. Den Mitgliedern zur Kennt- | ni». daß am 2. Eevtember ; unser langjähriges Mitglied, ! der Kranlenkasjenbeamte (Zeorss öartels im 57, Lebensjahre ver- starben ist. 46/14 Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet am --Sonntag, den 8. September, ! nachmittags 4 Uhr, aus dem Gemcindejriedhos in Berlin- Äeißcnsee, Rölckestraße, statt. Um rege Teilnahme bittet Die Ortsverwaltung. Die Nachtragsbekanntmachung deS Oberkommandos in den Marken zu der Bekanntmachung vom 22. Dezember 1917, be« treffend Beschlagnahme und Meldepflicht aller Arten von neuen und gebrauchten Segeltuchen, abgepaßten Segeln einschließlich Liektauen, Zelten(auch Zirkus« und Schaubudenzeltcn) Zelt- Überdachungen, Markiicn, Planen(auch Wagendeckeni, Theater- kulisscn, Panoramaleinen, tritt mit ihrer Verkündunz am 7. September 1913 in Krnst. Die vollständige amtlich« Bekanntmachung erfolgt an den Anschlagsäulen und in der»Norddeutickcn Allgemeine» Zeitung'. (328. X. 4. 18. II. An.,.) Berlin, den 7. Sebicmber 1918. Ter Polizeipräsident. Sekamitmadtung. Gemäß§§ 2 und 3 der Verordnung über die Abgabe und Entnahme von Fischen und Fischwaren vom 5. Juli 1918 wird jür den Gemeinocbezirk Berlin bestimmt: 1. Aus Abschnitt Groß h der Berliner BezugSkarte entfällt V« Ktlofframm Salzheringe. 2. Der Nleinbandelspreis für>/, Kilogr. Salzheringe wird durch Aushang bekannt gemacht. 3. Der Abilbnitl der unier Nr. 1 erwähnten Karte ist in der Zeit vom 7. Sepkember bis 11. September nur in denjenigen Geschäften abzugeben, deren Zriasfting zum Heringshande! durch ein gedruäieS Aushängeschiid.Verkauf von Heringen aus Lebensmittelkarten der Stadt Berlin" gekennzeichnet ist. Der Abschnitt mit dem kleinen.1' dient als Quittung. 4. Die Kleinhändler haben die von ihnen abgenommenen Kartenabschnitie groß„L* gesichert gepackt, mit ihrem Namen sowie dem Kamen des Großhändlers versehen und unter gc- nauer Bezeichnung der Menge sofort an den Magistrat, Äb< ieitung sür Fischoeriorgmig. Dircksenftr 45 IV einzureichen, Jeder Kleinhändler hat, sobald die Ware zur Stelle ist, den Verkauf zu deginnen und den Derkaufsbeginn durch Anschlag an einer von außen sichtbaren Stelle anzuzeigen. Berlin, den 5. September 1918. Magistrat Königl. Haupt- und Residenzstadt Abteilung für Fischversorgung. Loehning. Tgb. Nr. 1967 Fisch 18. Bekanntmachung. Vom Montag, den 16, September 1918 ab dürfen Kartoffeln aus Urlanberkarte« nur noch in folgenden Geschästen ab- gegeben und entnommen werden 1. Gcharle 2. Wildgrube 3. Tchnrh 4. Krug 5. Schneider 6. Schüler 7. Heiland «. Hinze 9. Wallbnrg 10. Giedow 11. Keil 12. Hellriegel 13. Koop 14. Schmieger Buggenhagenstr. 8. Elberfelder Str. 7. Neue Höchste. LI. Prinzen-Allee g. Wilhelmftr. 43. Eneisenaustr. 88. Dieffenbachstr. 3K. Alexandrinenftr.»8. Grenadierstr. 4a. Michaelkirchstr. L«. Wiener Str. 31. Beymeftr. 23. Grandenzcr Str. 16. Hufelandftr. 17. 15, Wollschlaeger Pappel-Allre 12/13. 16.«läge 17. Werner 18. Conrad 19. Manke 20. StradeS 21. Heinz 22. Külow 23. Schlüter 24, Becker 25. Kaiser 26. Hoppe Borndolmer Str. 32. Novalisstr. 3. Steglitzer Str. 86. Demminer Str. 2. Grtebenowstr. 21. Kopendageuer Str. 46. Baruimstr. 33. Malplaqnetftr. 13. Müllerstr. 136. Ebelingstr. 46. Grellstr. 18. II. In denselben Geschäften dürse» diejenigen, die nicht in eine Kundenliste für Kartoffel» eingetragen sind, die 3 Pfund Kartoffel«, di« aus Grund unserer Bekanntmachung vom 30, August 1918 als Ersatz in der 2. fleiichlöse» Woche ausgegeben werden, gegen Abtrennung des Abschnittes 66 der Groß-Brrlmer Lebcnsmittellarte in der Zeil von Freitag, den 6. September bis ciuschlietzlich DienStag, den 13. Sep- tember entnehme». Berlin, den 5. September 1918. Ullgistrat der König!. Haupt- und Rkßdeujstadt. J,-Nr. 993 Kart. 18._ Wermuth._ r$®1 Gelegenheitskauf nur so lange Vorrat reicht� �eich. Schlafzimmer, r Vilphon bullarai! stabil, mit Friedenslack , aUtUCU, gestriohen, von 875 M. an SlubeDeiBrielitaDgen,Ä�7Ä� Einreine Schränke, Vertiko, Rnhcbetten zu sehr billigen Preisen.— Großes Lager— taor Lagerung bis Oktober kostenlos"®® Auf Wunsoh Zahlungserleichterung. Naugebauer Charlotteobarg, �Wllmersdorfer Str. 128, 1, Kein Laden. EntzScMeFmii! Bssis Feile! 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Soweit zwischen den beider- seitigen Fronten nicht bereits ein geregelter Berkehr besteht, wird ein solcher von den Demarkationskommissionen ein- gerichtet werden. Artikel 2. Die deutsch-russische Kommission zur Festlegung der im Artikel 3. Abs. 1 des Friedensvertrages vorgesehenen Grenz- linie soll auch die im Artikel 6 Abs. 2 dieses Berttrages vereinbarte O st grenze Estlands undLivlands genauer fest- legen. Nach der im Absatz 1 vorgesehenen Festlegung, der Ostgrenze Estlands und Livlands wird Deutschland das von ihm besetzte Ge- biet östlich dieser Grenze unverzüglich räumen. Artikel 3. Teutschland wird das von ihm besetzte Gebiet ö st- lich der Beresina nach Maßgabe der Barzahlungen, die Ruß- land nach Artikel 2 des Deutsch-Nussischen Finanzabkommens vom heutigen Tage zu leisten hat, schon vor Abschluß des allgemeinen Friedens räumen; die näheren Bestimmungen hierüber, insbeson- dere die Festsetzung der einzelnen zu räumenden Abschnitt« bleiben der im Artikel 2 Abs. 1 dieses Ergänzungsvertrags erwähnten Kom- Mission überlassen. Die vertragschließenden Teile behalten sich vor, wegen der vor Abschluß des allgemeinen Friedens zu bewirkenden Räumung deS Besetzungsgebiets westlich der Beresina nach Maßgabe der Erfüllung der übrigen von Rußland übernommenen finanziellen Verpflich- tungcn weitere Vereinbarungen zu treffen. Zweites Kapitel. Loslösungsbestrebungcn im Russischen Reiche. Artikel 4. Deutschland wird ssch, soweit nicht im Friedensver- trag oder in diesem Ergänzungsvcrtrag ein Anderes bestimmt ist, in die Beziehungen zwischen dem Russischen Reiche und seinen Teilgebieten in keiner Weise einmischen, also ins be- sondere die Bildung selbständiger Staatswesen in diesen Gebieten weder veranlassen noch unter- stützen. Drittes Kapitel.. Nordrussische Gebiete. Artikel 5. Rußland wird alSbald alle verfügbaren Mittel an- wenden, um in Wahrung seiner Neutralität die Entcnte-Strcib träfte au? den nordrussischen Gebieten zu entfernen. Deutschland übernimmt die Gewähr dafür, daß während dieser Operationen von finnischer Seite irgendwelche Angriffe auf russisches Gebiet, insbesondere auf St. Pe- tersburg, nicht erfolgen. Artikel 6. Nach Räumung der nordrussischen Gebiete seitens der Entonte-Streitkräfte werden die örtliche russische K ü st e n- schis fahrt innerhalb der 3 Meilen Grenze der Nordküste sowie die Segelfischerei innerhalb eines Streifens von 3l> Meilen ent- lang dieser Küste von der Sperrgebietsdrohung autz- geschlossen werden. Die Organe der deutschen Seekriegsleitung werden in einer noch näher zu vereinbarenden Weise Gelegenheit erhalten, sich davon zu überzeugen, daß diese Vergünstigung nicht zur Beförderung von Bannware mißbraucht wird. BierteS Kapitel. Estland, Livland, Kurland und Litauen. Artikel 7. Indem Rußland den in Estland und Livlanb bestehenden tatsächlichen Verhältnissen Rechnung trägt, ver zich- tet es anf die Staatshoheit über die'fe Gebiete sowie auf jede Einmischung in deren innere Verhältnisse. Ihr künftiges Schicksal wird im Einvernehmen mit ihrer Bevölkerung bestimmt werden. Aus der ehemaligen Zugehörigkeit zu Rußland werden Est- land und Livland keinerlei Verpflichtungen gegenüber Rußland erwachsen. Artikel 8. Zur Erleichterung deS russischen Handelsverkehrs über Estland, Livland, Ktirlcmd und Litauen wird nachstehendes vereinbart: § 1. In Estland, Livland, Kurland und Litauen soll der Durchgangsverkehr von Waren nach und von Rußland auf den Zollstraßcn völlig frei sein, ohne daß die durchzuführenden Waren irgendwelchen DurchgangSabgaben oder allgemeinen Transportsteuern unterworfen werden dürfen. § 2—3, sowie S enthalten ausführliche technische Einzel- bestimmungen. § 4. Rußland soll bei Reval, Riga und Windau zweckmäßig be- lezenc Frcihafengebicte zugewiesen erhalte», in denen die Lagerung und Umpackung der aus Rußland eintreffenden oder für Rußland bestimmten Waren ungehindert stattfinden und die Abfertigung des Austritts aus dem russischen Zollgebiet und des Eintritts in das- selbe durch russische Beamte stattfinden kann. Artikel 9. Das Wasser des PeipuSsee» darf nach keiner Seite dergestalt künstlich abgeleitet werden, daß eine Senkung Ms Wasserspiegels eintritt. Auch darf auf diesem See keine Raub- Wirtschaft in Ansehung des Fischbestandes betrieben werden; eine nähere Vereinbarung hierüber bleibt vorbehalten. Die Wasserkräfte der Narowa sollen auch für die ElektrizitätS- Versorgung des Petersburger Gouvernements nach Maßgabe einer darüber zu treffenden besonderen Abmachung tunlichst nutzbar ge- macht werden Artikel 10. In Ansehung Estlands, Livlands, Kur- l a n d s und Litauens sollen mit Rußland unter anderem Ver- einbarungen über folgende Punkte getroffen werden: 1. über die S t a a t s a n g e h ö r'i g k e i t der bisherigen ruf- fischen Bewohner dieser Gebiete, wobei ihnen jedenfalls ein Optio ns. und Abzugsrecht gewährt werden muß; 2. über die Herausgabe des in Rußland befindlichen Eigentums von Angehörigen dieser Gebiete, insbesondere von öffentlich-rechtlichen Verbänden, Anstalten und Stiftungen, sowie des in den Gebieten befindlichen Eigentums russischer Staats- an gehörigen; 3. über die Auseinandersetzung wegen des Vermögens der durch die neuen Grenzen zerschnittenen Kommu- nalbezirke; 4. über die Auseinandersetzung wegen der Archive, wegen der Gerichts» und Verwaltungsbehörden, wegen der Gerichts- und Verwalrungsdepots sowie wegen der Personenstandsregister; 5. über die Behandlung der neuen Grenzen; 6.. über die Wirkung der Gebietsvcrändcrungen auf die Staatsverträge. Fünftes Kapitel. Russische Schwarzmccrgebietc mit Ausnahme Kaukasicns. Artikel 11. Teutschland wird, vorbehaltlich der Bestimmungen im Artikel 12. die von ihm besetzten russischen Schwarzmccrgcbicte außerhalb Kaukasiens nach der Ratifikation des zwischen Rußland und der Ukraine abzuschließenden Friedens- Vertrags räumen. Artikel 12. Die Teile deS Besetzungsgebiets, die nicht zu dem im dritten ukrainischen Universal vom 7. November 1317 erwähnten Gebiete gehören, werden von den deutschen Streit- kräften spätestens beim Abschluß des allgemeinen Friedens geräumt werden, sofern bis dahin der Friede zwischen Rußland und der Ukraine nicht zustande gekommen sein sollte. Tie Räumung der Eisenbahnlinie Rostow— W o r o n e s ch sowie des östlich davon gelegenen Besetzungsgebiets und eines West- lich davon gelegenen angemessenen Grenzstreifens mit Einschluß der Stadt Rostow wird erfolgen, sobald dies russischerscits ver- langt werden wird. Bis zur Räumung wird Deutschland auf dem im Besetzungsgebiet gelegenen Teile dieser Bahn die Beförderung von Getreide und anderen Waren für die russische Regierung unter Aufsicht russischer Beamten'.»lassen; das Gle�cbe gilt für die im Besetzungsgebiet gelegenen Teile-der Eisenbahnlinien Tagan- r o g— R o st o w und T a g a n r o g— K u r s k während der Dauer der Besetzung. Solange da? Donezbecke« gemäß Artikel 11, Artikel 12 Abs. 1 durch deutsche Truppen besetzt bleibt, erhält Rußland vost den dort geförderte» Kohlenmcngen monatlich eine dreifach größere Tonncnzahl, als cS gemäß Arttkel 14 Abs. 2 a» s dem Bakugebiet Rohöl oder Rohölprodukte an Teutschland überläßt, und eine vierfache größere T o n n e n z a h l für die darunter befindliche» Bcnzinliefe- r u n g e n; soweit die Kohlenförderung im Tonezbcckcn hierzu nicht ausreicht oder für andere Zwecke verwendet werden mnß, wird sie durch deutsche Kohlen ergänzt werden. Sechste? Kapitel. Kaukasien. Artikel 13. Rußland erklärt sich damit einverstanden, daß Deutschland Georgien als selbständiges Staatswesen anerkennt. Artikel 14. Deutschland wird keiner dritten Macht bei etwaigen militärischen Operationen in Kaukasien außer- halb Georgiens oder der im Artikel IV Abs. 3 des Friedens- Vertrages erwähnten Bezirke Unterstützung leisten. Auch wird es dafür eintreten, daß in Kaukasien Streitkräfte einer dritten Macht die nachstehende Linie nicht überschreiten: Kura von der Mündung bis zum Orte Petropawlowskoje, von da an Grenze des Kreises Schemacha bis zum Orte Agrioba, weiter gerade Linie bis zu dem Punkte, wo sich die Grenzen der Kreise Baku, Schemacha und Kuba treffen, dann Nordgrenze des Kreises Baku bis zum Meer. Rußland wird im Bakugcbict die Gewinnung von Rohöl und Rohölprodukten nach Kräften fördern und von dem gewonnenen Mengen ein Viertel, jedoch monatlich mindestens eine noch zu ver- einbärende bestimmte Tonncnzahl, an Deutichland überlassen; so- weit die im Bakugebiet gewonnenen Mengen zur Lieferung dieser Tonnenzahl nicht ausreichen oder für andere Zwecke verwendet werden müssen, werden sie durch anderwärts gewonnene Mengen ergänzt werden. Der Kaufpreis wird aus den Preis der gemäß Artikel 12 Abs. 3 an Rußland zu überlassenden Kohlenmengen und im übrigen auf die gemäß Artikel 3§ 2 des Deutsch-Ruffischcn Finanzabkommens vom heutigen Tage rufsischerseits cnr Deutsch- land zu liefernden Wareubeträge verrechnet. Siebentes Kapitel. Behandlung der nach Friedensschluß von deutschen Streitkräften beschlagnahmten russischen Kriegsschiffe und russischen Vorräte. Artikel 15. Deutschland erkennt das Eigentum Rußland? an den nach der Ratifikation des Friedensvertrages von deutschen Streitkräften bcschlagiiapmtcn russischen Kriegsschiffen an, vorbe- baltlich der Auseinandersetzung Rußlands mit der Ukraine und Finnland über das Staatsvermögen deS ehemaligen russischen Die beschlagnahmten Kriegsschiffe bleiben bis zum Abschluß des allgemeinen Friedens unter deutscher Aufsicht. Artikel 16. Deutschland erkennt den Anspruch Rußlands auf Vergütung für die russischen Vorräte an, die nach Friedensschluß außerhalb der Ukraine und Finnlands von deut- schen Streitkräften beschlagnahmt worden sind. Diese Vergütung wird bei der Auseinandersetzung über die finanziellen Verpslichmn» gen Deutschlands und Rußlands aus dem Zusatzvertrag zum Friedensvertrag verrechnet. Achtes Kapitel. Schlußbcstimmungcn. Artikel 17. Dieser ErgänzngSvertrag soll ratifiziert und die Ratifikationsurkunden sollen bis zum 6. September 1913 in Berlin ausgetauscht werden. Der Vertrag tritt am Tage des Austausches der RatiftkationZ- Urkunden in Kraft. Das Zinanzabkommen. Artikel 2. Rußland wird zur Entschädigung der durch russische Maßnahmen geschädigten Deutschen unter Berücksichtigung der entsprechenden russischen Gegenforderungen und unter Anrechnung des Wertes der nach Friedensschluß von deutschen Streikräften in Ruß- land beschlagnahmten Vorräte einen Betrag von 6 MU l i a r- den Mark an Teutschland zahlen. Artikel 3. Die Bezahlung der im Artikel 2 erwähnten 6 Milli- arden Mark erfolgt in nachstehender Weise. Z 1. Ein Betrag von 1l4 Milliarden Mark wird durch Heber» weifung von 245 564 Kilogramm Feingold und 545 449 969 Rubel in Banknoten, und zwav 363 628 000 Rubel in Stücken zu 59, 199 oder 599 Rubel, 181 812 999 Rubel in Stücken zu 259 oder 1999 Rubel, bezahlt werden. Die Ucberweisung erfolgt in fünf Teilbeträgen, nämlich: 1. einem am 1. September 1918 zu zahlenden Betrage von 42 869 Kilogramm Feingold und 99 909 999 Rubel in Bank- noten, und zwar 69 699 999 Rubel in Stücken zu 59, 199 oder 590 Rubel, 30 399 909 Rubel in Stücken zu 259 oder 1999 Rubel, 2. vier am 30. September, 31. Oktober, 30. November und 31. Dezember 1918 zu zahlenden Beträgen von je 59 676 Kilogramm Feingold und 113 635 999 Rubel in Banknoten, und zwar 75 757 999 Rubel in Stücken zu 59, 199 oder 599 Rubel. 37 878 099 Rubel in Stücken zu 259 oder 1999 Rubest Die Teilbeträge sind in Orscha oder Pskow de» Beauftragten der deutschen Regierung zu übergeben; die Beauftragten werden beim Empfang eine vorläufige Ouittung ausstellen, die nach Ab- schluß der Prüfung und Zählung des Golde? und der Noten durch eine endgültige Ouittung ersetzt werden soll Z 2. Ein Betrag von 1 Milliarde Mark soll durch Liefe- rung russischer Waren nach Matzgabe der darüber zu treffenden besonderen Vereinbarung getilgt werden. Die Waren sind im Werte von je 59 Mllionen Mark bis zum 15. November und 31. Dezember 1318, im Werte von je 159 Millionen Mark bis zum 31. März, 39. Juni, 39. Sptember und 31. Dezember 1919, im Werte von 399 Millionen Mark bis zum 31. März 1929 zu liefern; soweit die Lieferungen bis zu diesen Terminen nicht erfolgen können, würde der jeweils fehlende Betrag alsbald entweder in deutschen Reichsbanknoten zum Nennwert oder in Feingold und Rubelnoten nach dem Verhältnis drei zu zwei, und zwar zu einem jeweils festzusetzenden Kurse, zu begleichen sein. § 3. Ein Betrag von 2}4 Milliarden Mark wird bis zum 31. Dezember 1318 durch Uebergabe von Titeln einer vom 1. Januar 1913 an mit 6 vom Hundert verzinslichen und mit � vom Hundert zuzüglich der ersparten Zinsen zu tilgenden Anleihe beglichen werden, die von der russischen Regiening im Nennbetrag der bezeichneten Summe in Deutschland aufgenommen wird, und deren Bedingungen als Bestandteil dieser Vereinbarung gelten sollen. Als Sicherheiten für die im Absatz 1 bezeichnete Anleihe sollen bestimmte Staatseinnahmen, insbesondere auch die Pachtgebühren für gewisse an Deutsche zu erteilende wirtfchaftliche Konzessionen haften; die Sicherheiten sind im einzelnen durch eine! besondere Vereinbarung festzusetzen, dergestalt, daß die veranschlag- ten Jahreseinkünfte aus ihnen den Jahresbetrag der Verzinsung und Tilgung um mindestens 29 vom Hundert übersteigen. Z 4. Wegen des Restbetrags von 1 Milliarde Mark bleibt, soweit seine Zahlung nicht mit Zustimmung Deutschlands von der Ukraine und Finnland bei ihrer Vermögcnsaus» einandcrsetzung mit Rußland übernommen wird, eine besondere Vereinbarung vorbehalten. Arttkel 4— 6 betrifft Entschädigung für in Rußland befindliche Vermögen sgegen stände ckon Deutschen, die vor dem 1. Juli 1913 zugunsten des Staates oder einer Gemeinde enteignet worden sind,, Zweites Kapitel betrifft die Herausgabe der beiderseittgen Bankdepot? und Bankguthaben. Drittes Kapitel. r'! Ausgleich gewisser Verschiedenheiten der beiderseitigen Wirtschaftssysteme. Arttkel 11. Vermögensgegenstände von Deut- scheu werden künftig in Rußland nur dann enteignet oder sonst der Berfügungsmacht des Eigentümers entzogen werden, wenn die Enteignung oder sonsttge Entziehung auf Grund einer für ä l 1 s Landeseinwohner und Angehörigen eines drit» ten Landes und für alle Gegenstände der gleichen Art gelten» den Gesetzgebimg zugunsten des Staates oder einer Gemeinde er- folgt und der Eigentümer sofort in bar entschädigt wird. Artikel 12— 14 regeln diese Frage im Einzelnen. Arttkel 15. Die deutsch-russische Nachlaßkonvention vom 12. November 1874 bleibt mit den Matzgaben in Kraft, daß in Ansehung aller seit der Neuordnung de? Erbrechts in Rußland eingetretenen Erb fälle die für bewegliches Eigentum vorge- sehenen Bestimmungen auch für unbewegliches Eigentum gelten, daß von der Erbschaft eine Steuer nur vom Heimatstaat des Erb- lassers erhoben werden darf, und daß, solange in Rußland das Erbrecht abgeschafft oder wesentlich eingeschränkt ist, eine Kündigung der Konvention nicht erfolgen kann. Das Privatrechtsabkommen vegelt im ersten Kapitel die RechtsverhältnisseauS Wechseln undSchecks; im zweiten Kapitel die Rechtsverhältnisse aus Va- lutageschäften; im dritten Kapitel gw erbliche Schutzrecht«; im vierten Kapitel Verjährungsfristen. Fünftes Kapitel. Schiedsgerichte für zivil- und handelsrechtliche Streitigkeiten. Artikel 13. Zivil- und handelsrechtliche Stteittgkeiten zwischen den beiderseitigen Staatsangehörigen können nach Maßgabe der nachstehenden Bestimmungen der Zuständigkeit der nationalen Ge- richte entzogen und der Entscheidung von Schiedsgerichten unterbreitet werden. Artikel 19. Die Schiedsgerichte in Berlin und Moskau werden wie folgt gebildet: Deutschland und Rußland ernennen für jedes Schieds- gericht je einen Richter und einen Stellvertreter. Die Dänische Regierung wird gebeten werden, �ruS der Zahl ihrer Staats- angehörigen gleichfalls für jedes Schiedsgericht einen Richter und einen Stellvertreter zu ernennen. Die weiteren Artikel regeln das Rechtsverfahren im einzelnen. Versenkungen. Berlin, 6. September. Unsere Mittel- meer-Unterseeboote derseakten 13 999 B.-R.-To. Schiffsraum. Der' Chef des Admiralstabes der Marine.. Der englische Schiffsbau. London, 5. September.(Reuter.)' Die Admiralität teilt mit, daß im Vereinigten Königreich im Monat August 124 675 To. Schiffsraum fertiggestellt wurden, gegen 141 948 To. im Juli.— In den zwölf Monaten bis zum 31. August wurden 1 512 540 To. Schiffsraum her. gestellt. Der Gencralkonttolleur für die Handelsschiftahrt schreibt die verminderte Erzeugung im August der in den Schiffs- werften herrschenden Influenza und dem Umstände zu, daß die Ereignisse an der Westfront eine Vermehrung' de? geschulten Personals in den Werften verhinderten. Er glaubt aber, daß sehr bald die Möglichkeit bestehen wird, die Bautätigkeit für die Kriegsmarine einzuschränken und daß dann mehr geschulies Personal für den Bau von Handelsschiffen verfügbar sein würde, sodaß die Erzeugung gegen Ende dieses Jahres erheblich zunehmen werde. Von deirffcher Seite wird hierzu geschrieben: DaS Bauergeb- nis betrug im Mai 137 274 To., im Juni 134159 To.; man steht also einen beträchtlichen und steigenden Rück- gang. Um das im englischen Weißblatt vom 23. Mai 1918 vorausgesagte Jahresergebnis von 1.8 Millionen Brutto-Register- Tonnen zu erreichen, müßten in England in jedem der letzten 4 Monate deS JahreS über 59 Proz. mehr gebaut werden, als im August. Die Berhandlunge» der Aalanbskommission stnd bis 16. Sep- tember vertagt worden. Dann sollen sie in Stockholm wieder tral verhalten._; Leiste Nachrichten. Schweden und der Frieden. Stvckholm, 6. September. Am Donnerstag empfing der schwe- dische Staatsminister Eden eine Abordnung der schwedischen Friedens- und Schicdsgerichtsvcreimgung, die um die Mitwirkung der Regierung bei der Jntttative zur Einleitung von Frie- densverhandlnngen bat. Der Staatsminister wies auf seine frühere Erklärung hin und betonte die Bereitwilligkeit der schwedischen Regierung, nach ihren Kräften am Zustandekommen des Friedens mitzuwirken, doch sei es vollkommen aussichtslos, sich zu diesem Zwecke an die kriegführenden Mächte zu wenden. Da- gegen wurden bei den skandinavischen Minjsterzusammenkünften Erwägungen über die Zusamenberufung einer Konferenz zwischen den neutralen Staaten zur Wahrnehmung von deren Interessen bei und nach rFiednöschluß angestellt. Auf einer solchen Konferenz dürfte es ihre Hauptaufgabe sein, soweit das für die Neutralen. möglich ist, die Arbeit für den Wiederaufbau der internattonalen Rechtsordnung auf sicherem Grunde und für die Befestigung der Dauerhaftigkeit des Friedens vorzubereiten. Der Staatsminister teilte mit, daß durch Verhandlungen, die in letzter Zeit zwischen Schweden, Norwegen und Dänemark geführt wurden, der Gedanke einer neutralen Konferenz einen bedeutenden Fort- schritt gemacht habe, und sprach die Hoffnung aus, derselbe möchte auch Anschluß bei anderen neutralen' Ländern finden. Brand eines Gebäudes der A. E. G. Gestern abend um H9 Uhr geriet aus noch unbekannten Grün- den der an der Hussitenstraße nahe dem Humboldthain gelegene große Schuppen der A. E. G. in Brand. Es gelang der Feuer- wehr, den Brand auf den Schuppen zu beschränken, der jedoch selbst niederbrannte. Der Brand wird keine Betriebsemstellung zur Folge haben. Der Verkehr in der Hussitenstraße mußte zeitweilig gesperrt werden. GelverffchchsberveMS Lohnvereinbarung im tzoiZgewerbe. Am 2. September tagten tn Berlin die Bertreterversamuv lungen der Arbeitgeber des Holzgewerbes und des Holzarbeiter Verbandes, um Stellung zu nehmen zu dem Ergebnis der Ver Handlungen über neu« Teuerungszulagen für die Holzarbeiter, die am 19. bis 21. August in Nürnberg zwischen den beiderseitigen Vertretern stattgefunden hatten. Das Resultat dieser Lerhand lungen ging dahin, datz den Arbeitern über 18 Jahre eine neue Zulage von 19 bis IS Pf. ab 194 August und weitere 19 Pf. ab 1. Dezember dieses Jahres.zu zahlen sind, während die Arbeite rinnen und jugendlichen Arbeiter unter 18 Jahren 19 bis 12 Pf. Zulage an den beiden Terminen erhalten sollten. Diese Zugeständnisse der Unternehmer entsprechen bei weitem nicht den Wünschen und Forderungen der Holzarbeiter, insbe- sondere hatten diese in Anbetracht der ungeheuerlichen und unaus- gesetzt steigenden Preise für alle Lebensbedürfnisse wesentlich höhere Zulagen erwartet. Weiter hatten sie sich bereit erklärt, die»der- fraglichen Lohnbestimmungen der Tarifverträge den veränderten Verhältnissen und Bedürfnissen beider Teile mehr als bisher an- zupassen, und ebenso verlangten sie in den Fragen der Arbeits- zeit, Akkordarbeit, Ueberstunden, Montagearbeiten usw. zeitgemäße Neuerungen. All diesen Forderungen setzten die Unternehmer den entschie- densten Widerstand entgegen, eS war mit ihnen zu keinem befriedi- genden Resultat zu kommen. Aus diesem Grunde und weil auch die materiellen Zugeständnisse ganz ungenügend waren, lehnten die Arbeitervertreter in der Verhandlung die endgültige Zustim- mung zu dem Angebot der Unternehmer ab. Die Entscheidung hierüber sollte den Vertretern der Mitglieder vorbehalten bleiben. Die Aussprache auf der Städtekonferenz der Holz- arbeiter am 2. September war demnach auch von dem schärfsten Unwillen über das geringe Entgegenkommen der Unternehmer be- herrscht und fast alle Redner ohne Ausnahme wandten sich ent- schieden gegen den Abschluß einer solchen Vereinbarung, die den berechtigten Ansprüchen der Arbeiter nur in so ungenügendem Maße Rechnung trägt. Allseitig wurde die Wiederaufnahme der Verhandlungen mit der Arbeitgeberkommission verlangt, um die Zulagen wenigstens annähernd so zu erhöhen, daß sie den auf- gestellten Forderungen einigermaßen entsprechen würden. Ebenso bildete die tblehnende Haltung der Unternehmer in den oben- bezeichneten Nebenfragen ein starkes Hindernis für die Zustim- -mung zu der Vereinbarung. Das endgültige Scheitern der Ver- bandlungen würde nicht nur die für alle Holzarbeiter in den Vertragsorten gebotenen Zulagen, sondern auch den Bestand der Tarifverträge und damit ein beträchtlich Stück Lebensarbeit der Organisation in Frage stellen. Wenn es denn eben nicht anders geht, werden die Holzarbeiter auch ohne Tarifvertrag fertig werden, vielleicht sind«S aber andere Leute, denen später einmal der dertragslose Zustand schlecht be- kommen könnte. Die ungenügende Höhe der Zulagen,-die Teilung derselben auf zwei Termine, wodurch die Wirkung einer augenblicklichen Hilfe gegen die Not arg eiHgeschränkt wird, und ferner die Be- stimmung, daß vor dem 1. April 1919 neue Forderungen nicht erhoben werden dürfen, übten auf die Städtekonferenz der Holz- arbeiter einen solch deprimierenden Einfluß aus, daß am Schluß der Beratung trotz der empfehlenden Haltung des Verbands- Vorstandes und der Verhandlungskommission ein« starke Minder- heit gegen den Abschluß der Vereinbarung votierte. Mit 61 gegen 39 Stimmen erklärte sich die Konferenz schließlich für die An- nähme derselben. Es wurde aber vom VerbandSvorstand verlangt, daß er noch- malS mit der Vertretung der Unternehmer wegen der Abänderung bestimmter Punkte in Verbindung zu treten habe. Die Erbitterung der Arbeiter und ihre berechtigten Forderun- gen sind nur allzusehr begründet, als daß sie sich weiterhin mit der- artigen minimalen Zugeständnissen nach Hause schicken ließen. Das kann als das feststehende Resultat dieser Bewegung der Holzarbeiter unbedingt konstatiert werden. Der ausgehaltene Werkverei«. Der gelbe„Werkverein" wendet sich in seiner jüngsten Nummer gegen die in unserem Artikel„Gelber Humbug"(Nr. 229) enthaltene Bemerkung:„Der in der Hauptsache von Krupp unterhaltene„Gewerkverein"..."— Der.Werkverein" bezeichnet diese Bemerkung als„unsinnige, lügenhafte Be- hauptung". Tie Aussagen in dem Prozeß gegen die M.-Gladbacher „Westd. Arb.-Ztg." müßten dem„Vorwärts" genügen, solche „Lügen" zu unterlassen; sonst droht der„Werkverein" auch uns mit dem Kadi.- Der Prozeß in M.-Gladbach, dessen Einzelheiten unS nicht bekannt sind, war, wie wir aus dem„Werkverein" ersehen, 1912. Vor uns liegt der Wortlaut eines allerdings nicht für die Oeffent- lichkeit bestimmten Briefs des Dr. Bovenschen von der Haupt- stelle des ReichSverbandes gegen die Sozialdemokratie und darin steht dieser Satz:„Der„Werkverein" wird dabei in der Haupt- fache von Krupp ausgehakte n." Der Brief trägt das Datum des 28. Februar 1913. Das ist natürlich kein„Beweis", aber man sollte denken, daß Dr. Bovenschen vom Reichsverband, der zu den Erzeugern der gelben Verbände gehört, Bescheid wüßte. Vor uns liegt noch ein Schriftstück, das vom 29. April 1914 da- tiert ist, vom„Verband der wirtschaftsfriedlichen nationalen Ar- beitervereine im rheinisch-westsälischen Industriegebiet" ausgeht nnd an die Vereine des ProvinzialverbändeS gerichtet ist. ES landelt sich also um diejenigen Gelben, deren Zeitimg der„der- leumdete"„Werk ver ein" ist. In diesem Rundschreiben heißt«S: „Vom Kaiserlichen Statistischen Amt ist an die Werkvereine ein Fragebogen gerichtet worden, in dem auch ge- fragt wird, wieviel neben den eigenen Beiträgen der Mitglieder an Beiträgen von anderer Seite, insbesondere von der Werkeleitung, dem Verein zugeflossen sind. Wir haben bekanntlich nie ein Hehl daraus gemacht, daß wir Beiträge von feiten des Werkes als eine Selbstverständlichkeit betrachten, die in den Ver- Hältnissen ihre Rechtfertigung findet. Es ist aber nicht erforder- lich, daß die Höhe dieser Beiträge zur Debatte gestellt wird. Wir empfehlen Ihnen deshalb, wenn Sie den Fragebogen ausfüllen, nur die Gefamteinnahmen Ihres Vereins anzugeben, jegliche Spezifikation der Einnahmen aber zu unterlassen." Jedes weitere Wort würde die Wirkung dieses Dokuments abschwächen. Der„Werkvevein" hat an dem Kopf jeder Nummer stehen: „Der Werkverein ist Eigentum der wirtschaftsfriedlichen nationalen Arbeiterbewegung, zu deren Förderung auch feine U e b e r f ck ü f s e dienen."— Ueberschüsse, bei einem Blättchen, das vierteljährlich 89 Pf. kostet? Man betrachte sich nun die letzte Seite einer be- liebigen Nummer des„Werkvereinß" und man bat des Rätfels Lösung: Auf der vierten Seite steht seit Jahr und Tag in jeder Nummer ein großes Inserat von Krupp; darin werden den wirtschaftsfriedlichcn Arbeitern empfohlen: Schiffssteven in den größten Abmessungen, Stahlgußkurbelwellen, Turbinenteile aller Art, Schiffsanker, überhaupt aller Bedarf für Eisenbahn, Schiffbau. Lokomotiv- und Maschinenfabriken, Walzwerke Usw. Ein ebenso große» Inserat hat in jeder Nummer das große Werk von Gebrüder Stumm, also die Firma, deren Name k für alle Zeiten mit der Lrgsien Scharfmachern lind Arbeittt- knechtung verknüpft bleibt. Die ManneSmann-Röhrenwerke, das Eisen- nnd Stahlwerk Hantel u. Lueg in Düsseldorf, die Ma- schinenfabrik Schieß, die Rheinische Metallwarenfabrik, die Dort- munder Union, das Oberbilier Stahlwerk, das Stahlwerk Ohligs, Tälbot in Aachen, dann eine Anzahl Großunternehmer tn Hoch- Und Tiefbau haben fast in jeder Nummer große Anzeigen, aber nicht, um Arbeftskräfte zu suchen, sondern um den„Werkverein"— auszuhalten. Denn die In- teressenten, die Walzwerkserzeugnisse, Lokomotiven, Schiffsmaierial usw. kaufen wollen, sehen sich nichi�vorher den Anzeigenteil des —„Werkvercins" an, sonder« die Spczialpresse für dstse Ding?. Und ist vielleicht auch das keine Unterstützung des„Werk- Vereins" durch das Unternehmertum, wenn dies Blatt die Ar- beitgeber anbettelte, ihnen zu ermögl-chen, wie bisher„den Kampf gegen die Streikgewerkschaften auf breiter Grundlage" zu führen und dem„Werkverein",„wie dies von feiten fast aller übrigen Arbeitgeber geschehen ist. auch fernerhin in unseren Bestrebungen beizustehen und unsere Zeitung den?lr- beitern Ihres Werks zunächst für ein Vierteljahr zugehen zu lassen"? Wir denken, daß das gelbe Papier an diesen Beweisen genug haben wird. Da w-r auch für die Folge von der großen deutschen Oeffentlichkeit ernst genommen sein möchten, so körrnen wir dem„Werkverein" den Gefallen nicht tun, seine Hinweis auf die„Siellungnabme" des Bundestages zu Hannover zur Streik- frag« für bare Münze zu nebmen.?l� diesen Humbug glauben nicht mal die—„Inserenten" des„Werkverein". ? Das„Sächsische Bolksblatk" in Zwickau IM mit, baß eS infolge der wiederum sehr vermehrten Aufwendungen genötigt ist, den Be- zugspreis von 1 M. auf 1,29 M. zu erhöhen. Der Transportarbeiterverband im Jahre 1S17. ES geht wieder aufwärts auch in dieser, in den letzten Friedens- jähren drittgrößten deutschen Gelverkschaftsorganisation. Dos be- weist der Jahresbericht des Vorstandes, der in dem soeben er- schienenen Jahrbuch veröffentlicht ist. Durch eine gewaltige Agitationsarbeit in 18 835 Versammlungen und Zusammenkünften wurden 28 744 neue Mitglieder gewonnen, 18 418 mehr als ini Jahre 1916. Der Mitgliederverlust beträgt 16 929 und 6858 Mann zum Heeresdienst. Die Mitgliederzahl stieg von 58 597 auf 64 725. Zum erstenmal seit Gründung des Verbände? überwiegt die Zahl der weiblichen Neuausnahmen die der männlichen, an erstcren sind 14 985, an letzteren 14 927 zu verzeichnen. Der Krieg hat der Frauenarbeit auch in dieiem� Gewerbe in weitestem Umfange Bahn gebrochen, wir finden jetzt unter den Mitgliedern deS Verbandes weibliche Lagerarbeiter, Packer. Hausdiener, Marktbekfer, Fahrstuhl- führer, Einkassierer. Kutscher, Mitfahrer, Bierfabrsr. Kellcrarbeiter. SvedittonS- und Eveichereiarbeiter. Kohlenarbetter und Hafen- arbeiter. Kainrbeiter und Kranführer, Straßenbahnführer und Schaffner, Postaushelfsr und noch andere Branchen mehr. Da? Jahr 1917 war für den Verband ein Jahr intenffvsier Arbeit für die wirtschaftlich« Befferstellung der BenifSgenoffen. Nicht weniger als 1296 Lohnbewegungen wurden in 8646 Betrieben für 199 378 Beteiligte geführt. Von allen Bewegungen ist nur eine einzige gänzlich erfolglos geblieben, alle anderen Bewegungen haben zum nrößeren Teile mit vollem, zum kleineren Teile mit tcilweisem Erfolg geendet. Dieser glänzende und seit Bestehen der Organisation einzig da« stehende Abschluß der Lohnbewegungen ist nächst der strammen und ausdauernden Arbeit der Mitglieder den Arbeiterschutzbestimmungen des HilsSdienstgesetzcs zu danken, die in kritischen Fällen immer die Möglichkeit baten, selbst die hartgesottensten Unternehmer vor die Kriegsausschüffe und SchlichtungSkommissioncn zu zitieren und sie dort zu Verhandlungen zu zwingen. Die wöchentlichen Lohn- zulagen bewegten sich 1917 bis zur Höhe von 42 M. pro Woche. Die Bewegungen des Jahres 1917 haben außerdem für 5633 Be« teiligte eine Verkürzung der Arbeitszeit um Va bis 6 Stunden pro Woche gebracht. Dann für rund 47 999 Personen die Erhöhung der Bezahlung für Ueberffunden bi» 59 Proz. Entschädigung für Sonntagsarbeit für 29 999 Personen. Dazu kommt eine ganze Reihe kleinerer Vorteile. Dank der geringen Ausgaben für Lohnbewegungen konnten sich auch die Finanzen des Verbandes etwas erholen. Trotzdem durch die Haupikasie 858 416 M. in den verschiedenen Unterstützungsarten an die Mitglieder zurückgezahlt wurden, konnte ein Vermögens- zuwachZ von 197113 M. erzielt werden. Die.Hauptkasse des Ver- bandes verfügte am Schlusie des Jabres 1917 über einen Kasten- bestand von 1 152 693 M.. die Ortskaffen über einen solchen von insgesamt 434 136 M. Das sind Miitel, die allerdings stark ver- mehrt werden müssen, sollen die Transportarbeiter für die sicher eintretenden großen Lohnkämpfe in kommender FriedenSzeit genügend gerüstet sein. Ter Zentralverbant, der Sattler hatte am Schlüsse deS zweiten Vierteljahrs 1918 einen Bestand von 8313 männlichen und 7449 weiblichen Mitgliedern. Von diesen 15 753 Mitgliedern wurden 14 261 voll beschäftigt, während 871 mit einer kürzeren Arbeitszeit vorlieb nehmen mußten. In dem Ouartalsbericht kommt zum Ausdruck, daß momentan von einem gewissen Stillstand in der Or- ganisation gesprochen werden könne, was in erster Linie auf die mindere Beschäftigung in der LederauSrüstungsindustrie zurückzuführen sei. In einer ganzen Reihe von Orten, namentlich in Norddeutschland und Sachsen, haben Entlassungen stattgefunden. Die Firma L. M. Barschall sendet unS mit Bezug auf unsere Notiz in Nr. 242„Auf längere Krankheit folgt Entlassung" eine Zuschrift, worin betont wird, datz die Entladung des vermutlichen Briefschreibers deshalb erfolgt sei, weil derselbe sich in seiner Tä- ti�keit wiederholt groß« Nachlässigkeiten Hube zuschulden kommen lassen. Handtücher zu liefern sei sie außerstande, da der Hand- tuchlieferant die Lieferung eingestellt habe. Seife habe die Firma soweit wie möglich beschafft und dem Personal zur Verfügung ge- stellt. In die Buchbinderkasse einzutreten sei jeder Buchdrucker ver- pflichtet, da die Firma gezwungen sei, alle Leute in dieser Kasse anzumelden, weil der Buchbindcrcibetrieb der. größere sei. Im übrigen käme die Firma ihren Leuten in jeder Weise entgegen, was am besten daraus hervorgehe, daß sie während des ganzen Som- merS den Sonnabendnachmittag frei gebe, und zwar ohne jeden Lohnabzug. Die Firma tue das, um den Leuten Gelegenheit zu geben, sich bei den augenblicklichen schlechten Lebensverhältnissen einigermaßen zu erholen. Parteinachrichten. Spaltung muß fein! Unter dieser Ueberschrift hatten wir in Nr. 242 des„Vorwärts" der Zuschrift eines Arbeiter-Abstincntcn Raum gegeben, worin von Spaltungstendenzen der Unabhängigen auch im„Deutschen Arbeiter-Absttnentenbund" Mitteilung gemacht wird. Am Schluß der Zuschrift wird darauf verwiesen, daß dem Bundesvorstand aus Rhcinland-Westfalen«in Ultimatum gestellt worden sei: Entweder ihr beruft sofort eine Generalversammlung ein oder der Bund wird gespalten! BeitragSsperrc nach berühmten Mustern ist schon verkündet. Die Leitung des Gaues Rheinland-Westfalen deS Deutschen Ar- beiter-Abstinentenbundcs sendet uns mit Bezug aus diese Notiz eine Zuschrift, in welcher der Wortlaut des Antrages wiedergegeben ist, den die 19. Gaukonfercnz bezüglich der Einberufung der statutari- schen Generaloersammlung durch den Bundesvorstand beschlossen hat. In diesem Antrage wird auch das Zurückhalten der Beiträge für den Bund bis zum Stattfinden der Generalversammlung ge- fordert. Von einer Spaltung des Bundes sei weder in dem Antrag, noch sonst auf der Konferenz die Rede gewesen. Wir haben vom wesentlichen Inhalt auch dieser Zuschrift Kenntnis gegeben, ebne uns zum Richter deS Streites im Arbeiter- Abstinentenbund aufspielen zu wollen. Die erste Zuschrift verfolgte den Zweck, darzulegen, daß der Parteizwist in völlig sinnloser Weise auch in eine so kleine Organisation getragen werde. Eine AuS- tragung des Streites kann natürlich in den Spalten des„Vor- wärt»" nicht erfolgen. ?nöustrie und Handel. Aus dem Berliner Wirtschaftsleben. In der am 6. September abgehaltenen außerordentlichen Gciieralversanimlung der Brauerei Ernst Engelhardt teilte General- direktor N a ch e r mit, daß in der nächsten Zeit der Bierpreis von 23 auf 29 M.' für den Hektoliter erhöht werde, wozu noch die Brausiener von 5,59 M. komme, so daß ab 1. Oktober ein BicrprciS von 34,50 M. gelten werde. Die Generalversammlung war ein- berufen worden, um über die Erhöhung deS Grundkapitals um 659 999 M. auf 4 Millionen Mark Beschluß zu fassen. Die Kapitalserhöhung ist notwendig geworden, weil die Gesellschaft die Brauerei Oswald Berliner und Anteile der Königs- berger Dampfbrauerei erworben hatte. Es ist aber nicht richtig, daß das HofbräuhauS in Bamberg für Rechnung der Engelhardt-Brauerei angekauft worden sei, es sei vielmehr in die Hände eines Konsortiums übergegangen. Dagegen habe sich die Gesellschaft an dem Ankauf des Alexanderplatz- Hotels beteiligt, sich den Ausschank gesichert und sdaS Zentral- dureau dorthin verlegt. Die Engelhardt- Brauerei sei durch die von ihr vorgenommenen Erweiterungen die viertgrößte Brauerei Deutschlands geworden, in finanzieller Konstruktion stehe sie am g ü n st i g st e n da. Der Absatz habe sich infolge der Angliederungen und Kontingenterwerbungen trotz einer nur fünf- prozentigen Belieferung ungefähr auf gleicher Höhe wie im Ge- schäftsjahr 1917 gehalten. Die Dividende beträgt wieder 15 Proz Die Verwaltungen der Dclmenhorstcr Linoleumfabrik„Anker- marke", Delmenhorst, und der Deutschen Linoleumwerke Rixdorf, A.-G., Neukölln und Berlin, sind darüber einig ge- worden, den demnächst einzuberufenden Generalversammlungen die Verschmelzung der beiden Gesellschaften vorzu- schlagen, und zwar auf der Basis, daß die Delmenhorster Linoleum- fabrik„Ankcrmarke" die Deutschen Linoleumwerke Rixdorf A.-G. aufnimmt und den Aktionären für drei Rixdorser Aktien mit Di- videndenscheinen für 1918 u. ff. zwei Aktien der Delmenhorster Linoleumwcrke„Ankermacke" mit Dividendenscheinen für 1918 u. ff. gegeben werden, so daß die neuen Aktien den alten Delmcnhorster- Linoleumfabrik-Aktien vollkommen gleichberechtigt bleiben werden. Beide Verwaltungen Versprechungen sich von diesem Zusammenschluß besondere Erleichterungen der durch die N e be rg a n g s z e i t ge- botenen Schwierigkeiten." Die Liquidation der de Wcndel-Werlc. Die rücksichtslosen Eingriffe der französischen Regierung in deutsches Privateigentum haben die deutsche Regierung veranlaßt, die Zwangsliquidation über französischen Besitz in Deutschland an« zuordnen. Eines der wertvollsten wirtschaftlichen Faustpfänder in deutscher Hand war der de Wendelsche Besitz. Von der auf rund 1999 Millionen Tonnen geschätzten Erzmenge Deutsch-LothringenS gehörte de Wendel allein> ein gutes Drittel nämlich 659 Millionen Tonnen. Ihm geHörle» Kohlen- und Erz« gruben, Hütten-, Stahl- und Walzwerke, Nebcnbetricbe aller Art einschließlich einer Waggonfabrik und eine land- und forstwirtschaftlich genutzte Fläche von 4399 Hektar. Angesichts des glänzenden Geschäftsganges fehlte e» nicht an Kauf« liebhobern. Der Besitz ist jetzt geleilt veräußert worden. Die nach dem in der Elektro-Jndnstrie tätigen Landrat v. Raumer genannte Raumergruppe, in der sich u. a. die 21.®.®.. die AugSburger, Nürnberger nnd die Eßlinger Maschinenfabrik, die Firma Wolff, Netler u. Jakobi in Slraßburg und die Stahlwerke Lindenberg in Rem« scheid befinden, hat den ungleich größeren Teil für 2t9 Mill. M. erworben, während der kleinere Teil für 59 Millionen Mark an den StahlwerkSverband übergeht. Ein Drittel der Kaufsumme ist sofort zu bezahlen, der Rest nach Friedensschluß. Die Raunier- Gruppe plant zur Uebernanme ihres Beiitzteils die Errichtung einer Aktien- Gesellschaft mit 139 Mill. Mark Aktienkapital und einer späteren Obligationenausgabe und will zu Erneuerungen und Erweiterungen der Werke noch 69 Mill. Marl in die Anlagen einbauen. Der StahlwerkSverband geht mit der Absicht um, den ihm zugeschlagenen Teil in eine Gewerkschaft einzubringen. Dem Reiche, bezw. den interessierten Bundesstaaten soll bekanntlich das Recht vorbehalten sein, sich später mit 51 Proz. an den beiden Unternehmungen zu beteiligen. Soziales. Wirksamerer Schutz der Arbeitskrast. Durchaus im Einklang mit dem von uns an dieser Stelle schon mehrfach und eindringlich Dargelegten vertritt Dr. Heiz Potthoff im „Fränkischen Courier" vom 27. August 1918 die bringende Not- wendigkeit eines wirksameren Arbeiterschutzes sn der NacbkriegS- zeit. In einem größeren Auflatz erörtert P. in dem bezeichneten Blatte die Frage der„Zwangswirtschaft oder Wirtschaftsfreiheii". Er kommt zu einem der Gemeinwirtschaft freundlichen» Stand- punkte. Zwei große Gebiete der Staatsbetätigung unterscheidet er, das der Persorgung der gesamten Bevölkerung mit dem zum Leben Notwendigen, möglichst auch mit dem zur Zivilisation Wünschen», werken und zum anderen das soziale im engeren Sinne. Hier sagt Potthoff nun: Wir stehen vor einer weitgehenden Umstellung der geiaerblichen Betriebe von der Krieg?, auf die Friedenswirtschaft. Diese arbeitet unter sehr schwierigen Bedingungen wegen der Knavpheit an Roh- stoffen, an Schiffsraum, wegen der Valutaschwierigkeiten, bei ver- stärkten Wettbewerbs der Nationen auf dem Weltmarkte.- Wir müssen Unsere Gclttrng auf dem Weltmärkte wiedergewinnen und können es angesichts des Hasse? der halben Welt gegen unS nur mit sehr guten, preiswerten Leistungen erreichen. Die Notwen- digkeit, alle Betriebe und Kräfte, alle Rohstoffe und Maschinen rationell auszunutzen, wird weitgehende Aenderunqen hervorrufen. Dabei besteht die Gefahr, daß an der allerwichtigsten Kraft Raub- bau getrieben wird, nämlich an der menschlichen Arbeitskraft: daß sie ohne Rücksicht aur duuernde Leistungssäbigkeit durch übermäßige Anspannung zu rasck abgenutzt wird, und nach kurzem zu den Millionen d?r Krieo�ß«"' bädi-ften w-ftere Millionen von versorgungsbedürftigen Invaliden der Arbeit kommen. Dem muh nach Möglichkeit vorgebeugt werden. Wir treiben jetzt unter dem Druck des Krieges bewußt Raubbau an der Gesundheit vieler Tausender von Rüstnngsarbeite'n vor r- Er muh sieb auf die Dauer scbwer räcken an der Volksgesundheit. Deswegen ist sobald als möglicb eine Gegenwirkung nötig durch weitgebende staatliche Sozialpolitik, vor allem durch Arbeiterschuy, Wiedereinführung und Verbesserung der Regelung der Arbeitszeit, durch Gesundheitsschutz in den BeiriebSeinrichtungen usw. Der Staat kann die Arbeitsbedingungen weder der Willkür de? Unter- nehmertumS, noch einem Kamps zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer überlassen. Er muß Wege bereiten zur Verständigung der Parteien über angemessene Bedingungen und muß nach Bederf auch mit gesetzlicher Regelung eingreifen. Wir wollen hoffen, daß solche Worte nicht auf ein taube? Gehör stoßen._ Verantwortlich für Politik!»rich ShtHnei, Berlin: tllr den übrigen Teil de» BlatteZ: Alfred Echolz, NeuISlln: für Anzeigen: Theodor Glocke, Berlim Verlag: VorwärtS-Verlag G. in. b. H.. Berlin. Druck: BorroSriS-S�chdruckerei und v-rlagSanltalt Paul Einger u. To. w Berlin. Lindenftratze S. Ster»« 1 vetlage und Unterhaltungsblatt.