Mr.»48. SS. Jahrg. Bezugspreis, «terteltShr�<«0 Ml. monaü. 1,801*!. frei In« H-ruS. vorau«zahldar.Stnz«w« »Ummern 10 Mennig. Postbezug: Monatlich, vom Postschalter abzuholen 1.80 Ml., vom Briefträger in« Hau« ge> bracht l.»t Mt Unier Kreuzbanb fflt Deutschland und Oesterreich. Ungarn Z,— Ml, fflt das flbrtge Zlusland <80 Ml. monatlich. Versand in» Zeld bei dtrelter Bestellung monall. IMMl. Bostbestellungen nehmen an Däne- Marl. Holland. Luxemburg. Schweden und die Schweiz. Singetragen in die Posl-zettungs-Preisltste. Erscheint täglich. Xelegramm-«dresso .«ozialdemokrat Berlin», Vevliner Volksblerkk. (ivpfsnnlg� AnzeigenHrciS, DlesiebengestialteneKolonelzelleloslet «0 Psg.„»leine Anzelgcu", da« setlgedniille Wort 30«fg.(zulässig 3 fettgedruckte Wortes, ledes weitere Kort 1b Psg. Stellengesuche und Kchlafstellenanzeigen das erste Wort 30 Psg.. iedes weitere A-rl 10 Psg. Worte über 18 Buchstaben zählen sflr zwei Worte. Teuerungszuschlag 20°/» Farnilien-ilnzetgen, volitische und gewerlschasUiche Berew»» ilnzeigen 80 Psg. die Zeile. Anzeigen für die nächste Nummer rnflssen bis 5 Uhr nachmittags im Hauptgeschä». Berlin SW. SS. Lindensiratze 8, abgegeben «erden. Sleöffnet von» Uhr srflh bis 7 Uhr abend«. Zentralorgan der rozlaldemokrattfcben Partei Deutfcblanda. Reöaktion: SW. HS, �inöenftraße Z. Sernsvrecher: ilmr Morihpltttz, Str. IM. 90—151 97 J Montag, den 9. September 1918. Expeüitlon: SW. öS, Llnöenstraße Z. »ernsprechrr-»mt Moeitzplatz, m. 151 90—161 97. In den neuen Stellungen. was geht in Rumänien vor? Anzeichen neuerlicher feindseliger Haltung. Wien, 7. September. Dett deutschen Nachrichten zufolge hatte das Mitglied der österreichischen Delegation, Mgeordne- ter Dr. v. L a n g e n h a n, mit dem Minister des Aeußern Grafen B u r i a n Besprechungen, worin er an den Minister die Frage stellte, wie er sich zur Wiederaufnahnie der D e l e g a t i o n s- Verhandlungen verhalte. Der Minister des Aeußern ant- wartete, daß es sein Wunsch sei, möglichst bald vor den Tele- gationen erscheinen zu können, er hoffe, daß dies in der zweiten Hälfte des Monats September möglich sein werde und erklärte, falls dies unmöglich sein sollte, werde er zu dem angedeuteten Zeitpunkt bestimmt Gelegenheit nehmen, die Delegierten ver- � traulich über die aktuellen Fragen der Außenpolitik zu unter-. richten. Im Laufe der Besprechung fragte der Delegierte Dr. Langenhan, ob es richtig sei, daß im Aufenthaltsorte des rumä- nischen Königs und in einflußreichen rumänischen Kreisen An- zeichen für neuerliche feindselige Haltung g egen die Mittelmächte wahrnehmbar seien. Der Mi- � nister entgegnete, daß die Regierung allerdings Ansaß habe, � gewisse Vorkommnisse in den von den Mittelmächten nicht besetzten Gebieten Rumäniens mit größ-! ter Aufmerksamkeit zu verfolgen und daß sie nötigenfalls'derartigen Machenschaften mit aller Energie entgegentreten werde.__ Die Senge ües Diplomatenaustauschs zwischen Rußland und der Entente. Moskau, 6. September.(P. T. A.) Eine NotedeSBolkS- Kommissariats des Aeutzeren an den dänischen und schwedischen Konsul vom 5. September 1918 lautet: Nach der Aufdeckung der Handlungsweise der französischen und eng. lischen Diplomaten, die ihve Tätigkeit gegen die Sowjet» macht richteten, sah sich die Regierung der russischen sozialistischen föderativen Sowjet-Regierung gezwungen, die Isolierung ver- schiedener Agenten genannter Mächte vorzunehmen. NichtSdesto- weniger ist die Regierung der russischen sozialistischen föderativen Sowjet-Republik wie früher geneigt, den Tiplomatcnauötausch in die Wege zu leiten, wenn die neutralen Mächte die Garantie übemehmen, daß der Bevollmächtigte Litwinow und alle russischen Bürger Freigeleit erhalten, das Ge- pack LitwinowS und seiner Mitarbeiter ununtersucht durchgelassen wird und seinen Mitarbeitern keine weiteren Schwierigkeiten ge- macht werden. Diese Bedingungen müssen— nebst der freien Ausfahrt aus England und Durchfahrt durch Skandinavien— durch Holland, Norwegen und Schweden garantiert werden. Von der stattgefundenen Uebereinkunft wird Litwinow telegraphisch be- nachrichtigt. Nach Erhalt seiner Antwort, die seine Abreise bestätigt, erhalten Herr Lockhard und seine Begleiter das Recht, das Territorium Rußlands zu verlassen. Das Gebäude der englischen Botschaft wird alsdann dem Schutz« des holländischen Vertreters übergeben. In den anderen Streit» fragen sollen die früheren Vereinbarungen maßgebend bleiben. Der Kommissar deS Aeußeren: Tschitscherin. Kopenhagen, 7. September. In Haparanda trafen am letz» ten Mittwoch der japanische Militärattache, der japa- isssche Generalkonsul und sieben andere japanische Konsulats» beamte aus Moskau ein, um über England nach Japan zurückzukehren. Gestern trafen in Haparanda 300 A m e» rikaner und Italiener ein, darunter das Botschaftsperfo- nal der beiden Lärcher in Rußland, sowie sämtliche Angestellten der Amerikanischen Bank in Moskau. Burzew als Kriegspropagandist. Stockholm, 8. September. Russischen Blättern zufolge will der be» kannte Sozialrevolutionär Burzew sich nach Amerika begeben, um dort gegen die Räteregierung und für ein neues Ein- treten Rußlands in den Krieg zu agitieren. Der»New Aork Herald" hat Burzew feine Dienste angeboten. Die neuen SteUungen eingenommen— Nachhutgefechte vor diesen— Feindliche Angriffe nördlich der Aisne abgewiesen. Berlin, 8. September 1913, abends. Amtlich. Von den Kampffronten nichts Neues. Amtlich. Großes Hauptquartier, 8. Setz. tember 1918.(MTB) Westlicher Kriegsschauplatz. Jnfantcrieabtcilungcn brachten auS belgischen Linien öst- >ich von Merkcm Gefangene zurück. Nördlich von Armen- ticrcs wiesen wir erneute Angriffe der Engländer ab. An der Schlachtfront stehen wir überall in unseren neuen Stellungen. Der Feind suchte gestern südlich der Straße Peronne— C a m b r a i mit stärkeren Kräften an sie heranzukommen. Nachhuten stellten ihn zum Kampf, wichen überlegenem Gegner kämpfend aus und schlugen am Abend westlich der Linie Gouzraucourt— Epehy— Templeux heftige Angriffe ab. Beiderseits der S o m m e ist der Feind auch gestern nur zögernd gefolgt. Wir stehen mit ihm in Linie Bermand— St. Simon und am Crozat-Kanal in GefechtSfllhlung. Nördlich de» AiSne hat sich der Artilleriekampf verschärft. Westlich von Pre- montre— Branconrt scheiterten starke Trilangriffe deS Gegners. Südlich der Ailette hat sich der Feind an unsere Linien östlich von Bauxaillon herangearbeitet. Starke Angriffe zwischen vauxaillon und westlich von BmUp, die sich bis zum Abend mehrfach wiederholten» wurden abgewiesen. Zwischen Aisne und Beste ließ die Kampftätigkeit nach. Der Erste Generalquartiermcister. Ludendorff. Ter österreichische Bericht. Wien, 8. September. Amtlich wird verlautbart: Italienischer kkriegsschanplatz. Sehr rrge Fliegertätigkeit. Sonst nicht? von Belang. Der Chef de? General st abr». Longuet gegen öie Knockont-Politiker. Ein Manifest Clemenoeaus an die Arbeiter. Bern, 7. September. Der Deputierte Longuet pro- testiert im„Populaire" energisch gegen die Knockout-Aeußerun» gen TastS und Churchills, die das Todesurteil gegen die ganze Jugend der Welt feien. Dagegen müsse das inter- nationale Proletariat mit allen Kräften Stellung nehmen. Die englischen Gewerkschaftler hätten der kriegsverläng«,rn» den Politik Havelock Wilsons, Lord Roberts' und son- stiger Kriegsverlängerer eine klägliche Niederlage bereitet. Dies gehe auch daraus hervor, welchen Weg die Arbeiterklassen im vergangenen Jahr« zurückgelegt, wie sie sich vom blinden Thau» viniSmuS und von AuSrottungs-Sophismen entfernt hätten. ES sei Pflicht der Arbeiter und Bauern Frankreichs, durch ihr« Ver- treter im Parlament und durch Anstrengungen in ihren polltischen und wirtschaftlichen Organisationen nunmehr gleichfalls ihren Stand- Punkt in dieser Frage zum Ausdruck zu bringen. Berlin, 8. September. Wie aus Genf berichtet wird, hat die französische Regierung Mitte August ein Manifest in allen Ar- beiterzentren Frankreichs verbreiten lassen, dessen Inhalt fol. gender ist:..Die Regierung appelliert an die Einsicht der Arbeiterklasse, die durch eine bedrohliche Agitation den Sieg der Alliierten, der höchstens noch einige Monate auf sich warten lassen kann, ge- fährdet. Die Arbeiter haben unrecht, wenn sie jetzt verlangen, daß kein Blut mehr vergossen wird, und daß man in FriedenSverhand- lungen eintreten soll. Die letzten Opfer, so schmerzlich sie auch sein mögen, müssen gebracht werden, um den«nd- gültigen Sieg zu sichern. Wenn dieser erst erlangt ist, wird man die Strafen derjenigen mildern können, die ihre Pflicht dem Baterlanide gegenüber nicht ganz erfüllt haben. Eine andere Handlungsweise heißt das Vaterland verraten. Jede Betätigung der Arbeiterklasse, die die Ruhe stört, die für den augenblicklichen Gang der Ereignisse unbedingt erforderlich isi, wird mit der größten Schärfe verfolgt wevden." Während Longuet die Abkehr der Arbeitermassen von der Knockout-Politik eines Gompers und Havelock Wilsons sich voll» ziehen sieht, erkennen wir in dem Manifest der Clemenceauschen Regierung einen verzweifelten Versuch, die Arbeiterschaft für die Politik des Krieges bis zum Endsieg einzufangen. Natür- sich wird auch hier prophezeit, daß der Endsieg, dicht vor der Tür stände und nur noch eine kleine Kraftanstrengung nötig sei, ihn zu erringen. Aber auch in Frankreich werden dergleichen Voraussagen nach mehr als vier Kriegsjahren kaum noch Wir» kung erzielen. Unzähligemal ist vordem schon das gleiche be- hauptet wordm, traf dann die Prophezeiung nicht ein, so wußten die Propheten plötzlich von nichts mehr. Ihre Blamage hin- derte sie aber nicht, sofort wieder mit neuen Prophezei. u n g e n herauszukommen. Schließlich muß doch selbst der Dümmste dieses Spiel der Gewall- und Endsiegspolitiker durchschauen. Elemenceau arbeitet nach dem Rezept: Zuckerbrot und Peitsche. Folgen die Arbeiter seiner Kriegsverlängerungs- Politik, so stellt er nach dem Endsteg— wann wird das sein?! — gnädigst eine Amnestie für Kriegsvergehen in Aussicht. Für die Gegenwart aber ist sein Mittel„die größte Schärfe".— Die französische Arbeiterschaft aber weiß ebenso wie die deutsche, daß das jetzt vergossene Blut noch lange nicht„das letzte" ist, wenn sie sich von den Tewaltftiedenspolitikern einfangen läßt, s. Wohnungsnot unS Einheit Groß-Serlin. Von Paul Hirsch. Dem Groß-Berliner Zweckverband ist, so- weit die Regelung des Wohnungswesens in Frage kommt, durch Gesetz lediglich die Beteiligung an der Feststellung der Fluchtlinien und Bebauungspläne für das Verbandsgebiet und die Mitwirkung an dem Erlasse von Baupolizciverordnungen überwiesen: soweit er sich darüber hinaus mit der Wohnungsfrage beschäftigt, handelt es sich um freiwillig übernommene Aufgaben. Die sozialdemo- k r a t i s ch e Forderung, ihm die Regelung des W o h- nungswesens ganz allgemein zu überweisen, stieß sowohl bei der Regierung als auch bei der großen Mehr- heit des Abgeordnetenhauses auf lebhaften Widerstand. ' Wie schwer sich die gesetzgebenden Körperschaften Preußens dadurch gegen das Interesse der Groß-Berliner Bevölkerung vergangen haben, hat die Folgezeit gelehrt. Wenn heute die Wohnungsnot in Berlin und seinen Vor- orten einen solchen Grad erreicht hat, daß selbst eingefleischte Hausagrarier die Gefahr einer völligen Untergrabung der Volksgesundheit durch die jammervollen Woh- nungsverhältnisse nicht mehr zu leugnen wagen, so trifft die Schuld in weit höherem Maße als die Verwaltungen und Vertretungen der einzelnen Gemeinden die Regierung und die Gesetzgebung. Zu einer richtigen Wohnungspolitik ge- hört eine von sozialen Gesichtspunkten geleitete Sied- lungspolitik. Eine solche aber können die einzelnen Groß-Berliner Gemeinden bei der kommunalpolitischen Zer- rissenheit Groß-Berlins aus sich heraus nicht betreiben, weil die notwendige Voraussetzung hierfür fehlt; innerhalb ihres eigenen Weichbildes steht ihnen der nötige Raum nicht zur Verfügung und darüber hinaus reicht ihre Zuständigkeit nicht. Der Erkenntnis, daß es so wie bisher nicht weiter gehen kann, haben sich auf die Dauer auch die Organe des Zweck- Verbandes nicht verschließen können. Es ist den Vertretern der Sozialdemokratie im Ausschuß des Verbandes und in der Verbandsversammlung zu danken, daß sie wie überall so auch hier das vorwärts treibende Element gewesen sind und schon seit Jahren immer und immer wieder auf die Notwendigkeit einer umfassenden Wohnungsfürsorge für das Verbandsgebiet Groß-Berlin hingewiesen haben. Vor fast drei Jahren hat unser Genosse H e i m a n n die jeder sozialen Empfindung bare Verwertung der f o r st f i s k a l i s ch e n Ländereien um Groß-Berlin durch das Landwirtschafts- Ministerium in der Verbandsversammlung zur Sprache ge- bracht und die Gefahr einer drohenden Kleinwohnungsnot nach dem Kriege geschildert. Heimanns Befürchtungen sind durch die Wirklichkeit weit übertroffen worden, die Wohnungsnot ist nicht erst nach dem Kriege zu erwarten, sondern siei st jetztschon da und sie hat einen Umfang angenommen, wie ibn selbst die schlimm- sten Pessimisten nicht vorausahnten. Wenn noch der letzten Statistik, um nur wenige Zahlen zu nennen, im Mai dieses Jahres in Schöneberg nur noch 266 Wohnungen ohne Ge- Werberäume, darunter nur 266 Kleinwohnungen, in Char- lottenburg nur 536, in Lichtenberg nur 266, in Wilmersdorf nur 173 Wohnungen, darunter nur 62 Kleinwohnungen bis zu 2 Zimmern leer standen, so sind da8 Zahlen, die eines Koinmentars nicht bedürfen, zunial da in den seither ver- flossenen 4 Monaten die Anzahl der verfügbaren Leerwoh- nungen noch weiter zurückgegangen ist. Sogar die Sachwal- ter des privaten Grund- und Bodenbesitzes geben unumwun- den zu, daß Groß-Berlin vor einer erheblichen Knappheit nicht nur an kleinen, sondern auch an mittleren und großen Wohnungen steht. Wenn sie sich trotzdem, wie z. B. der bekannte Kommerzienrat Georg Haberland in seiner neuesten Schrift „Die Wohnungsversorgung nach dem Kriege", gegen die Ab- sichten der behördlichen Instanzen wenden, durch eine Herab- zonung der geltenden Bauordnungen das Groß-Berliner Wohn- und Siedlungsloesen auf neue bessere Grundlagen zu stellen, so ist das ein Standpunkt, der zwar dem Interesse des Terrain- gewerbes entspricht, der aber im Interesse der Allgemeinheit nicht scharf genug bekämpft werden kann. Die Verbandsver- sammlung, der man doch wahrlich nicht bodenreformerische oder gar sozialistische Anwandlungen nachsagen kann, hat denn auch im Gegensatz hierzu in ihrer Versammlung vom 25. März dieses Jahre? mit Dank anerkannt, daß die staatlichen Behörden sich vielfach bemüht haben, bestehende Bauordnungen, insoweit sie mit den derzeitigen Anforderungen der Volksgesundheit in Widerspruch stehen, zu verbessern und gefordert, daß diese Aende- rungen nach einem einheitlichen Plane tatkräftig fortgefetzt werden.„............. Mit diesen Zlenderungen von Bauordnungen— neuerdings hat der Regierungspräsident in Potsdam wieder eine Sonder- baupolizeiverordnung für Klelnhäuser erlassen, die für die Her- stellung von Klcinhäusern erleichternde Bestimmungen bringt— macht die Regierung übrigens nur zum Teil die Sünden ihrer Vorgängerin vom Jahre 1887 wett, die durch einen Federstrich die Grost-Berliner Bevölkerung in Mietskasernen zu- s a m m e n p f e r ch t und einigen wenigen Besitzern ein Mil- lionengi?schenk gemacht hat. Auf der anderen Seite freilich wird dieser kleine Fortschritt dovpelt und dreifach aufgewogen durch die von ihr betriebene fiskalische Wohnungspolitik. Stellt sie doch dem Zweckverbond Groß-Berlin von ihren Domänen- und forstsiskalischen Flächen, die zur Ansiedlung der minderbe- nütteltcn Bevölkerung geeignet sind, nur einen verhältnismäßig geringen Teil zur Verfügung, und noch dazu zu einem Preise, der den beabsichtigten Zweck van vornherein in sein Gegenteil verkehrt, denn das fertige Bauland wird dadurch so verteuert, daß es zur Ansiedlung von Minderbemittelten nicht mehr in Frage kommt. Was seitens der einzelnen Groß-Berliner Gemeinden zur Hebung der Wohnungsnot geplant ist, wird genau so wie die Maßnahmen, die die Minister empfehlen— vorübergehende Freigabe der Dach- und Kellergeschosse, Teilung großer Wohnungen, Umbau von Läden zu Wohnungen, Er- richtimg von Wohnbaracken» und dergleichen— Flickwerk bleiben. Anfang und Ende einer durchgreifenden Wohnungspolitik ist eine großzügige Siedlungspolitik und Hand in Hand damit eine vernünftige Verkehrspolitik. Hierzu aber sind die einzelnen Gemeinden nicht imstande, hierzu bedarf es ihrer Zusammen- tassung zu einen? größeren Gebilde. Mag man das Ziel einer Eingemeindung im Auge hoben, mag man an eine Erweiterung der Befugnisse des Zweckverbandes unter gleichzeitiger Acnderung seiner Zusammensetzung denken oder mag man sich nach den? Programm des Bürgerausschusses mit einer Gesamtgememdcverwalhing unter Beibehaltung von Einzelverwaltungen zur Erfüllung der Aufgaben von nicht gc- meinschaftlicher Bedeutung begnügen, gleichviel welchen dieser Wege man einschlägt, aber so wie bisher kann es nicht Jveiter- gehen. Das sollte endlich auch die Gesetzgebung einsehen und die nötigen Folgerungen daraus ziehen. Die Vernachlässigung Groß-Berlins durch Landtag und Regierung hat wenn irgendwo so auf dein' Gebiet des Wohnungswesens und des damit zu- -animeiihängenden Sicdlungs- Und' Verkehrswesens unheilvolle Folgen gezeitigt. Viel Zeit ist schon verflossen, aber noch ist es nicht zu spät, das Versäumte nachzuholen. Jede Stunde, die die gesetzgebenden Körperschaften weiter in Untätigkeit verharren, vergrößert die Gefahr und schädigt den Staat, dem nach den un- geheuren Verlusten dieses Krieges an der Erhaltung einer ge- ' linden, durch schlechte Wohnungsverhöltnisse nicht in noch höherem Maße totbringenden Krankheiten ausgesetzten Bevölke- rung gelegen sein muß.______ Seschleumgung der ukraimsch-rusiischen ßrieöensverhanöiungen. Kiew, 7. September. Der Ministerpräsident Lysogub gab den Vertretern der deutschen Presse als Zweck seiner Berliner Reise an, er wolle Deutschland um Vermittlung zur Be- s ch l e u n i g u n g der u k r a i n i s ch- r u s s i s ch e n F r i e- densver Handlungen bitten. Deutschland hätte sich dazu bereit erklärt. WTB. erfährt an zuständiger Stelle, daß auf russischer Seite derselbe Wunsch b e st e b t. die Friedcnsvcrhand- langen möglichst bald zu Ende zu führen. De? vollendete Rückzug. Verlin, 8. September lMTB) Am 8. August erfolgte der eng- lisch-französische Angriff gegen die Arme« bon der Marwitz, d-r zum Einbruch zwischen Ancre und Abve führte und in seiner Folge den Entschluß der deutschen llveriten Heere?- » leitrmg zu einer großzügigen Rückverlegung ihrer Linien veranlaßt«. Am 8. September nieldet der deutsche Heeres- bericht, daß die deutschen Truppen überall in ihren neuen Stellungen st eben. Genau einen Monat haben Eng- länder und Franzosen also gebraucht, um da» Gelände tu Verlust- reichen Kämpfen gegen zähe Nachhuten mühsam und blutig wieder in ihren Besitz zu bringen, das die Deutschen Ende März in acht Tagen in unerhört raschem und erfolgreichem Vorstoß durchmaßen. Wie der deutsche Heeresbericht gm Tage des Ueberraschungserfolges Haigs zwischen Ancre und Avre offen meldete:„Ter Feind ist in unsere Stellungen eingebrochen", so meldet er am 8. September ebenso kurz, daß die Deutschen in neuen Stellungen sieben. Der Rückzug über dies Gelände, da? noch die Spuren der Zerstörung von der deutschen Frontverlegung aus dem Jahr« 1917 trägt, das die schauerliche Sommewüste birgt, im Osten von der Kilometer tiefen Trichterzone vor der Siegfriedstellung begrenzt wird, wäh- rend im Westen an der im Bewegungskrieg erstarrten Front Eng- länder und Franzosen eine neue Todeszone schufen, dieser Rückzug stellte bei den beschränkten hier zur Verfügung stehenden Berbin- dnngslinien unerhörte Anforderungen an Truppe und Führung. Planmäßig reihte sich eine Frontverlegung an die andere. Wo dem Gegner örtliche Einbrüche in die von Tag zu Tag sich der- schiebenden Linien gelangen, wurde ihre Wirkung durch Gegen- angriffe oder großzügige operative Maßnahmen st e t s aufgehoben. Die nächtliche Ablösung vom Feinde gelang fast immer unbemerkt und ohne größere Opfer, als die Natur von Rückzugsgefechten bedingt. Der beste Beweis dafür sind die geringen Gefangenen und Beutezahlen, die Engländer und Franzosen im späteren Perlauf der Kämpfe melden konnten. Kriegsmateriol, Munition, Verpflegung, wie alles, was dem Feinde von Wert sein könnte, konnte rechtzeitig und in Ruhe zurückgeführt werden. Die Deutschen sind jetzt wieder an bewohnte Gegen- den mit allen ihren Hilfsmitteln heran. Engländer und Fran« zosen mit ihren Hilfsvölkcrn liegen nach einem unerhön Verlust- reichen und anstrengenden Vormarsch in einer Zone des TodeSund derVerwüstung, diesie größtenteils selber ge. schaffen haben. Bewohnbare Dörfer und Städte gibt eS hier längst nicht mehr, und wo? Engländer und Franzosen nach der deutschen Siegfriedbewegung im Jahre 1917 an Barackenlagern und sonstigen Unterkünften neu geschaffen haben, taben die Deutschen jetzt auf ihrem Rückzüge zerstört. Ebenso wurden alle Unterstände und Stollen gesprengt, alle Kunstbauten an Straßen und Bahnen ver- nicht«, alle Brunnen und Wasserwerke zerstört. Ungeschwächt in Kampfkraft und Selbstvertrauen sehen Führung und Truppe den noch bevorstehenden schweren Kämp. f e n entgegen. Französischer Heeresbericht vom 7. September abends. Im Laufe des Tages erreichte der Vorstoß unserer Truppen an der Sommesront eine Tiefe von sieben oder acht Kilometer. Der Feind, dessen Widerstand stark gewachsen ist, konnte trotz aller Anstrengungen unseren U ebergang über den St. Ouentin- Kanal nicht verhindern, den unsere Truppen bei Pont-Tugnp und St. Simon nach heftigem Kampf überschritten haben. Diese beiden Orte sind in unserem Besitz. Von Norden nach Süden stehen wir auf der allgemeinen Linie: westlich von Vaux-Fluguieres, Happon- court östlich von Pont-Tugnh und St. Simon, Avesnes, westlich von Jussy der Eisenbahnlinie Ham— Tergnier— Amigny— Rouh und Berisis. Der Feind überläßt uns überall sehr wichtiges Material. An der Ailettefront und zwischen Ailette und AiSne geringe Veränderung. Nördlich Vauxaillon machten wir Fortschritte und nahmen Celle? an der Aisne. Zwei starke feindliche Gegenangriffe südlich Mouliu-Laffaup wurden zurückgeschlagen. Auf diesem ganzen Frontabichniit iowie nördlich von Vesle reagierte der Feind heftig durch Artilleriefeuer. Englischer Bericht vom 7. September abends. Auf der ganzen Front südlich von Havrincourt dauert der deutsche Rückzug an unter dem beständigen nahm Druck unserer Truppen. Wir haben die Lrnis Beauvois, Roisel, Havrincourt-Wald erreicht. In häu- figen Gefechten mit den deutschen Nachhuten machen unsere Vortcuppen Gefangene und bringen dem Feinde viele Verluste bei. Tie uns mit anderem Kriegsmaterial in die� Hände ge-allenen Lager von Kohlen und Wegsbaumaterial beweisen die Abficht des Feindes während der Wintermonate im Besitz des SommeschilachifeldeS zu bleiben und die eilige Art des Rückzuges. zu dem er geztirnngen wurde. Nördlich von Havrincourt nahmen unsere Truppen den starkbefestigten als„Herd des V erder- b e n s" bekannten Punkt aus dem Westufer des Nordkanals gegen- über Hermies, wobei sie eine Anzahl Gefangene machten und Ma- schinengewehre nahmen. Englischer Heeresbericht vom 7. September. Um'ere Truppen machten gestern abend und heute nacht weitere Fortschritte östlich und nordöstlich von Peronn«. Sie haben Haucourt. Sorel-le-Grand und M«tz-en-Couture genommen. Nördlich der letzteren Ortschaft drangen sie in die westlichen Teile des Waldes von Havrincourt ein. Sie machten ein« Anzahl Ge- rangen«. Nördlich vom La Basieekanal gewannen unsere Pa- lroüillen Boden in den deutschen-Stellungen bei Canteleux und BiolaineS. Weiter nördlich führten wir gestern abend eine erfolg- reiche kleinere Unternehmung bei Berkem, der Höhe 83 und Wul- Kleines(Theater:»der Einsame" von Hans flohst. Direktor Altmann, der vor Jahren eine auf den Grabbeton vorzüglich abgestimmte Ausführung von„Scherz, Satire, Ironie und tiefere Bedeutung" mit JanningS in-der als Eelvstporträt gedachten Hauptrolle brachte, mag als Bewunderer von Grabbe auf dieses Stück, das van ihm handelt, besondere Hoffnungen gesetzt haben. Aber der Teilnahme und dem Verständnis des Zuschauer? rückt der Unglückliche, dem Freiligraths berühmte Gedächtnisstrophen ein kongeniales- Denkmal wuchtiger Größe setzten, hier nicht näher. Wie könnte auch ein Drama, das Gräbbe, dem Menschen, in feinem Alltagsleben, dem Durcheinander von Großsprechereien, von Trotz und maßlosen'Exzessen nachgeht, auch den Hauch des Visionären, das in jenen Werken lebt, erneuern. Je mehr der Mann von seiner Größe rgdet, je weniger glaubt man ihm. Derartig« problematische Naturen enthüllen ihren Kern vor allem in den Reflexionen, mit denen sie ihr Tun begleiten, in Monologen, die nur in freiem novellistischem Rahmen, womöglich als Tagebuchaufze/Ichnungen, zu fassen sind. Auf der Bühne wirkt die Anhäufung äußerlich in Dialogform gekleidcrter Selbstgespräche, wozu Jähst seine Zuflucht nimmt, ermüdend. Vor allem fehlt aber im Gefüge eine innere EntWickelung, die die Empfindung notwendigen Zusammenhangs erzeugen würde. Die Borstellung von Grabbe, die man aus knappen biographischen Notizen schöpft, empfängt durch dies« Szenen keiner- ie: Bereicherung. Ja, gewisse Züge einer hier und da auftretenden Idealisierung, die durch die sympathische Erscheinung de? Dar. stellers, Paul Bildt, noch unterstrichen wurde, erschweren einen näheren Kontakt, statt ihn zu fördern. Ohne den Stempel einer auch bereits im Aeußeren hervortretenden Anomalie, wie ihn Jannings damals der Figur gab. erscheinen die pathologischen Ex- zentrizitäien noch viel unverständlicher. I Christian Grabbe, Sohn eine? ZuchihausinspektorS, dem nur die größten Opfer der Eltern die Bahn zur Universität er- öffneten,"vermochte sich riirgen-d? zu halten. Auch da? Aemtchen eine? Auditeurs, daS ihn eine Zeitlayg nährte, verscherzte er sich durch seine Schuld. Seine Ehe war unglücklich. Er starb, erst fünf- unddreitzigjährig, im Hanse der verlasienen Gattin, bei der er schließlich Zufluch! suchen mußte, von der Mutter bi? zum letzten Augenblick gepflegt. Iahst führte ihn in den ersten beiden Bildern als begeisterten, vom jungen Glücke einer reinen Liebe getragenen Poeten vor. Da? Toben eines wilden Selbstzerstörungstriebes soll durch die Verzweiflung«Aäxh poecken. dex nqch de�r Tod« der Geliebten der Einsam« verfällt. Doch dieser Wendung den Schein von etwas Ueberzeugendem zu geben-, reichte die Kraft nicht aus. Das spätere rohe Treiben steht im Widerstreite mit dem AnfangS- bitd«. Man steht ihn im Zechgelage trunken in zynischen Tiraden sich ergehen; bei der Scheukmamsell will er die tote Frau ver- gesien. Er sinkt so tief, daß er in kalter Tücke des Freunde? Braut verführt, die, aus feinen Armen flüchtend, sich sogleich ertrankt. Auch da? ruft ihn zur'Selbstbesinnung nicht zurück. Er taumelt fort. Erst in der Szene mit der Mutter, die von Alice Tor- ning mit schlichtester Natürlichkeit gegeben wurde, regt sich«in leiser Widerklang menschlicherem Empfinden»; wa» ibn nicht hin- dert, der alten Frau den letzten Taler abzunehmen. Vor den Phi- listern in der Kneipe, die einen Jux sich machen wollen, deklamiert er himmclstürmende Verse, klagt beim Schnapsglas auf feiner Bude über da? Elend dieser Welt und wird dann endlich von der Wirtin, die ihre Bude schon einem zahlungsiäbigeren Mieter versprochen, tot im Bette aufgefunden. Ohne Steigerung im Kreis sich drehend, zieht da? an dem gequälten Zuschauer vorüber. DaS Spiel Paul Bildts entsprach, wie gesagt, so wenig Grabbe?. Die Physiognomie war durchaus der Anklage des Stückes. Inszenierung und Darstellung zeigten liebevolle Sorgfalt. Neben Alice Torning wären insbesondere die Vertreterinnen der beiden kleinen anderen weiblichen Rollen Leonor« E h n und Eugenie Schulz zu nenuen. Der Autor, einer unserer jüngeren Dramatiker, wurde am Schlüsse gerufen. ckt. Ein Vogel, der das fliegen verlernt hat. Einer der eigenartigsten Vögel ist der nur auf der 16898 Oua- dratkilometer großen französischen Insel Neu-Kaledonien köstlich von Australien» lebende„Kagu", dem die Wissenschaft den Namen RbinocKetus jubatus Vcrr. et Des Murs gegeben hat. Er sieht wie «n kleiner Kranicb aus, trägt eine prächtige silbergraue Federhaube und ist mit Ausnahme der kastanienbraunen, schwarz und weiß ge- bänderten Schwungfedern in ein elegante? Grau gekleidet._ Sein langer Schnabel und die Bern« sind hell korallenrot, die Iris des Auge» ist tieftot. In seinem Buch über Neu-Kaledoven(Neu- Kawdonien und die Loyalth-Jnseln. Basal 1917, Georg u. Co.) schreibt der Basler Naturforscher Fritz Sarasin: Der Kagu ist voll- kommen wehrlos; er versteht keinen ernstlichen Gedrauck zu machen weder von seinem starken Schnabsl noch von seinen kräftigen Be:- nen. Vor der erst in verhättnismäßig neuer Zeit erfolgten Ankunft de? Menschen auf Neu-Kaledonien hatte der Kagu auch keinen Feisid zu fürchten, und daher kommt ek wohl, daß er verlernt hat, sen« vgxgem au?, deren Ergebnis war, daß wir 89 Gefangene machten und unsere Linien auf eine kurze Strecke in Richtung MessmeS vorschoben. Änsere Verluste im U-Soot-Krieg. Berlin, 8. September. Die britische Admiralität gibt bekannt, daß sie zur Fübrung des Wahrheitsbeweises für die"Behauptung des englischen Premierministers, daß 189 U-Boote von ihnen vernichtet worden seien, 189 Namen von gefallenen, ge- fangenen und internierten Kommandanten deut- scher U-Boote veröffentliche. Zunächst sei festgestellt, daß in der Liste keine Offiziere genannt sind, über deren"Schicksal die Ange- hörigen nicht bereits Nachricht erhalten baben. Die Ver- öfteiitlichung. die eine Reih? falscher Angaben, besonders hinsichtlich der Dienststellung der aufgeführten Offiziere enthält und schon dadurch Rückschlüsse auf die Zahl der ver- lorenen Boote ausschließt, ist natürlich dazu bestimmt. bei uns einen niederschmetternden Eindruck zu machen und uns zu verleiten, durch amtliche Berichtigung wertvolles militärische» Nachrichtenmaterial zu geben. Das deutsche Volk weiß zu genau, in wie schwerem Kampfe unsere tapferen U-Boots-Besatzungen seit mehr als vier Kriegssahren stehen und daß in zunehmendem Maße von ihnen Opfer haben gebracht tverden müssen. Man wird unseren Verlust an U-Booten bedauern, jedoch ist er für jeden Fach- mann durch die wachsende Zunahme der Gegenmatzregeln und die größere Zahl der am Feinde befindlichen U-Boote durchaus erklärlich. Zu ernsten Bedenken könnten unsere Verluste mit dann Veranlassung geben, wenn der Zuwachs an Booten die Zahl der vernichteten nicht überträfe. Daß wir aber mehr Boote bauen als verlieren, ist von amtlicher Stelle wiederholt unzweideutig festgestellt worden. Zerstörung deutstber Schiffe in Chile. Militärische Besesimtg. Haag, 6. September. Aus Santiago wird gemeldet: Die Ver- suche der deutschen Bemannungen, die in den chilenischen Häfen lie- gendcn deutschen Schifte zu vernichten, waren sorgfältig vor- bereitet, denn die ZerftörnngSarbeit hat in drei verschiedenen Häfen gleichzeitig angefangen. Nur die energische Haltung der Hafenbehörden hat die Schiffe vor vollständiger Zerstörung bewahrt. In Corral, wo sehr viele Deutsche wohnen, wurden vier Damp- f e r mit zusammen 13 999 Tonnen vollständig unverwend- bar gemacht. In Valparaiso wurden die Maschinen deS Damp- fers Norf vernichtet und später übec Bord geworfen. In Autofa- gasta. dem großen Ausfuhrhasen von Bolivien, sind die Maschinen der Dampfer Carnac und Thesalia v o l l st ä nd i g mit D h n a- mit z e r st ör t worden. Die Behörden haben sofort auSge- dehnte Maßnahmen zur Vorbeugung weiterer Ausschreitungen ge- troffen, indem sie Soldaten an Bord der deutschen Schiffe schickten. Der Konteradmiral GomeS, allgemeiner Befehlshaber der chileni- scheu Häfen, hat seinen Unterfiihrern besohlen, überall, wo deutsche Schisse liegen, diese Schiffe genau zu beobachten. Die chilenische Presse verlangt Mäßnahmen gegen die internierten deutschen Schiffe ähnlich denjenigen in Argentinien, Peru und Uruguay. Insgesamt liegen in chilenischen Hären 32 deutsche Dampfer und 37 deutsche Segelschiffe mit zusammen 239 999 Tonne». Paris, 7. September. HavaS meldst aus Santiago de Chile: Infolge Sabotage an deutschen Schiffen, die bei Corral ankern, hat die Regierung angeordnet, daß sämtliche in chilenischen'Häfen an- lernden deutschcn Schiffe militärisch besetzt werden. Fusatzverträge und Sozialpolitik. Die„soziale Praris" stellt mit berechtigter Entrüstung fest, baß auch in den deutsch-russischen Ergänzungsverträgen international-sozialpolitischen Abmachungen nicht eine Zeile gewidmet ist, obwohl sämtliche sozialpolitischen Körperschaf- ten dringend dazu geraten hatten und der Reichstag auf An- regnng des Gen. David und unter Befürwortung sogar des nationalliberalen Herrn Stresemann der Reichsregierung einstimmig anempfahl, den internationalen Arbeiter- schütz bei künftigen Friedensverhandlungen ernsthaft zu be- rücksichtigen und zu fördern. Mit vollem Recht erklärt die „Soziale Praxis" zu dieser sonderbaren sozialpolitischen Ob- struktion der Reichsregierung: Wir glauben nicht, daß die Reichsregierung bei der Arbei- t« r s ch a f t noch ein so groß:? Kapital von Vertrauen zu ver- wirtschaften hat, daß sie e? sich leisten kann, sie nicijt nur bei großen Gelegenheiten wie der preußischen Wahlreforrn, sondern auch bei kleineren durch Zusagen, deren Erfüllung verschleppt wird, Flügel zum Fliegen zu benutzen. Er gebraucht sie bloß, um damit seinen Lauf zu beschleunigen und, im besten Falle, um sich einige Fuß hoch über den Boden zu erheben. Wird dieser Vogel erschreckt, so legt er sich platt auf die Erde, breitet seine Flügel nach vorne fächerförmig au? und versteckt darunter Kopf und Hals. Dabei glaubt er sich wohl sicher, und man kann ifm in dieser Stellung ohne weiteres fangen. Das Gescbrei des Kagu ist dem Bellen junger Hund« ähnlich; es erklingt nur in den srübeften Morgkiismnden. Dieser Vogel lebt in kleinen Gesellschaften. Sein Nest, das von rundlicher Form ist, legt er auf der Erde unter Buschwexk an; es hat etwa 33 Zentimercr Durchmesser und ist 12 Zentimeter hoch. Tie Unterlage besteht aus durchcinandcr gesteckten dürren Aesten. Tarauf ruht eine dicke Schickte großer Blätter, welche das Lager für das einzige Ei bilden. Der Kagu lebt bloß im Süden Nau- Kaledoniens, und zwar fast ausschließlich in dem menschenleeren Busch, und Waldgebiet der dortigen Serpentinformation. Än Zahl geht er immer mehr zurück. Von den Eingeborenen, die sein Floiftfc lehr hoch schätzen, wurde er von altersher gejagt und mit Schlingen gefangen, doch hättcir die Eingeborenen kaum seine Existenz als Art bsdroht. Erst als die Europäer kamrn und Hunde und Katzen mitbrachten, nahmen die STagltväjjel rasch ab, da es mit Hilfe von .Hunden sehr leicht ist, sich der Vögel zu bemächtigen. Auch fallen viele selbständig jageliden Hunden und verwilderten Katzen zum Opfer. Ferner wirkt die Liebhaberei der europäischen Damen auf Neu-Kaledonten für gefangene Kagus verderblich, weil der hohe Preis, der gezahlt wird, die Eingeborenen verlockt, auf die Vögel Jagd zu machen. Sarasin meint, der Kagu Jfönnde nur durch 2m- lags eines ausgedehnten und wohlbewachten Schutzgebietes vor dem Untergang bewabrt werden; in dem Schutzgebiet"hätte jede Jagd durch Eingeborene und Europäer perboten zu werden. H. F. Notizen. — Der gesamte Kohlenverbrauch Deutschlands verteilt sich nach der„Zeiljchr. der Dampskesseluntersuchungs- und Versicherungsgej.' folgendermaßen: Ituttd 11 Proz. verbraucht der Bergbau selbst, einschließlich des Erz- und Kalibergbaues, verkolt werden ausschließlich der von den Gasfabriken gebrauchten Kohlen« mengen etwa 23 Proz., die zum weitaus größten Teil dem Ver- brauch der Eisenwerke zugerechnet werden müßten, diese verbrauchen dan� noch weitere 20 Proz., Eisenbahnen und Schiffahrt bean- svruchen 19 Proz.. die Bauindustrie. Kalkwerke, Zementfabriken, Ziegeleien, Glashütten usw. etwa 7 Proz, Gasanstalten und Elelrrizirätswerke 6 Proz, P aprer fabrilen 2 Proz.. die chemische Judustcre etwa ebensoviel,' Brau- und Zuckerindusirie je etwa 1,5 Prozent, Textilindustrie und Landwirtschaft je etwa 1 Proz., und für Hausbrandzweck« werden etwa 19 bis 12 Proz. verbraucht. _i3 zu verstimmen. Im vorliegenden Falle hätte ste ein Entgegen- kommen nichts gekostet als etwas guten Willen. Diesen hätte sie selbst dann ausbringen können, wenn sie— fälschlich— in den sozialpolitischen Vereinbarungen mit der Sowjetregierung nur eine Demonstration für einen großen Menschheits- geöanken hätte erblicken wollen. Tie Suche hat aber noch eine andere Seite. Kann sich wirklich der Reickstag damit abfinden, daß die Regierung kühl über seine einmütigen Anregungen hinweggeht? Das ist auf sozialpoli- tischem Gebiete in den Kriegsjahren schon wiederholt geschehen, u. a. in der Frage der gesetzlichen Regelung des Arbeitsnachweis- Wesens.' Es wird gut sein, wenn er keinen Zweifel darüber läßt, daß zumindest gute und starke Gründe vorliegen müssen, wenn seine Wünsche übergangen werden. Tie deutsche Arbeiterschaft hat einen Anspruch darauf, daß der Volksvertretung dies« Gründe mitgeteilt weroen. Iiaumacher unö Kriegsrerlängerer. Eine Rede des sächsischen Ministerpräsidenten. Bei dem llöjährigen Jubiläum der„Dresdener Neuesten Nach- ncbten" hielt der sächsische Ministerpräsident, Gras Vitztum v. Eck- stadt eine Rede, in der er sagte, es sei fast keine Brücke der Ver- siändigung mehr vorhanden, zwischen den sogenannten Pazi- irsten, Flaumachern, Kriegsverlängerern unid A n n e x i o n i st e n. Und doch, fuhr der Minister fort, müssen wir immer wieder den Versuch machen, uns zu sammeln. Das ist frei- lich nur möglich unter dem festen Entschluß des DurchHaltens. Es ist über Fricdenssehnsucht und Friedensbereilschaft schon so viel ge- svrochen worden, daß man sagen kann:„Je mehr man vom Frieden redet, um so ferner rückt e t." Aus den Aeuße- rungen der gegnerischen/ Staatsmänner wissen wir ja nun, daß die Erfolge, die die feindlichen Armeen in letzter Zeit erstritten haben, unsere Gegner in eüwn Siegstaumel versetzt haben, aus dem beraus sie nicht nur jedes Friedensangebot ablehnen, sondern uns Kriegsziele enthüllen, die die völlige Vernichtung deutschen Wohl- standes und deutscher 5lultur zur Folge baben müssen. Der Friede, den sie uns in diesen Reden in Aussicht stellen, ist überhaupt kein Friede mehr zwischen zwei Gegnern, die ihre gegenseitige Daseins- Berechtigung anerkennen, sondern die Erdrosselung Deutschlands. Ihnen gegenüber erscheint jeder Versuch einer Verständigung au?- siebtslos. Wir müssen uns daraus beschränken, ihnen die heuchle- rische Maske vom Gesicht zu reißen, mit der sie versuchen, uns schrittweise ein Zugeständnis nach dem anderen zu entlocken, ohne sich selbst auch nur im geringsten zu binden. Mit feindlichen Agenten, die überall nmherschlichen und die Siegeszuversicht untergrüben, müsse kurzer Prozeß gemacht wer- den. Der Minister verlangte schließlich, da das Vaterland in Ge- fahr sei, von jedem den Einsatz seiner Persönlichkeit und Zurück- stellung aller Meinungsverschiedenheßten. Ter sächsische Ministerpräsident liegt, wi« man nicht erst seit gestern weiß, im Kampf zwischem„Flaumachern" und„Knegsver- längerem" entickneden noch aus der kriegsverlängernden Seite. Das zeigt auch sc-in Eintreten für einen neuen Burgsrieden a la Gebsattel. x Der 6rcf muß nicht ins Gefängnis! Ein begnadigter Getreideschieber. Man erinnert sich noch des Aufsehen erregenden Posener Schie�rprozesses,, in dem als Hauptperson ein Graf Miel- z p n Dk i sBruder des früheren Reichstagsabgeordneten) figurierte. Der Manu wurde damals, und zwar wirklich von Rechts wegen, wegen umfangreicher Getreideschiebungen und Höchstpceisüber- schreitungen zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt. Jetzt kommt die Nachricht, daß die Gefängnisstrafe im Gnadenweg« zu einer Geldstrafe verwandelt worden ist. In den deutschen Gefängnissen und Zuchthäusern sitzen zahl- reiche Personen, die kein Getreide geschoben und die keine Höchst- preise überschritten haben, Leute, die bei ihrem Vergehen v o n keinerlei Gewinnsucht geleitet waren. Sie sind lediglich durch ihre politischen Anschauungen m,t dem Strafgesetz in Konflikt geraten. Man kann die Meinungen dieser Leute bekämpfen aber nicht bestreiten, daß sie mit unbefleckter Ehr« in die Zelle gegangen sind und mit unbefleckter Ehre aus ihr zurückkehren werden. Sie dürfen gar nicht in einem Atem genannt werden mit Menschen, die in dieser Zeit um schnöden Gewinnes willen die A.llgemeinheit schädigen. Wenn jetzt ein Mielzynski begnadigt wird, während jene die über sie verhängte Freiheitsstrafe anschei- nerd bis zum letzten Tag absitzen sollen, so wird solche unterschied- liche Behandlung zu sehr bitteren Betrachtungen Anlaß geben. Glaubt man sich der Strafe als eines Abschreckungsmittels bedienen zu müssen, so müßte dieser Grundsatz für adelige Getreide sckieber doch mindestens in gleichem Maße gelten wie für st r e i k e n d e Arbeiter. W'll mau aber Gnade üben, wer verdient sie wobl zuerst? Uns scheint, als ob es auf diese Frage nur eine Antwort geben könnte. Oder ist die agrari- We Presse vielleicht anderer Meinung? Wir wären sehr gespannt sie zu hören! Gegen üen Rajsenselbftmorü. Tie Tagung des Teutschcn Vereins für öffentliche Gesundheitspflege. Unter starker Beteiligung bekannter Htigieniker und ärztlicher Autoritäten hat der Deutsche Verein für öffentliche GesundHeits- pflege in Köln seine erste Kriegstagung begonnen. Zunächst sprach Pros. Kruse- Leipzig über„Neue Ziele und Wege der öffent- lichen Gesundheitspflege". Angesichts des blutigen Aderlasses, den der Krieg herbeigeführt habe, müßten alle Kräfte zur Hebung der Bevölkerungsziffer eingesetzt werden. Erhaltung und Stärkung der Erzeugten, Bekämpfung des Geburtenrückganges und die Ver- besserung des Nachwuchses seien erforderlich. Wir verlieren jährlich 41)0000 bis 5 00000 Menschen durch F e b l- und Totgeburten, durch Abtreibungen und Ge- schlechtskrankheiten. Die Mutterschastsversicherung müsse ia ausgebaut werde», daß sich jede Mutter wenigstens 6 Monate lang ausschließlich ibrem Säuplmg widmen könne. Bei den k. einen Kindern müßte gegen die Jnsettionskrankheiten angetämpst werden, die uns jährlich 60 000 Menschen raubten; bei der heran- wachsenden Jugend fordere bereits die Tuberkulose zahlreiche Opfer. Hier sei auf ausreichende Ernährung und gesund« Wohnung das Hauptgewicht zu legen, was der Redner im einzelnen begründet. In den letzten 14 Jahren sei daneben ein wachsender Geburten- rückgang zu verzeichnen, der langsam zum Rassenselbstmord cusiirten könne. AlS zweiter Redner sprach Prof. K r a u t w i g über die Not- wendigkeit der sozialen Hygiene. An die Referate schloß sich, eme sehr lebhafte Debatte. Wo blieb üas Geld? Seltsames vom Effener Verband. ")n einer Lübecker Kriegsbeschädigtenversammlung rühmte sich der Vorsitzende, der dortigen Ortsgruppe des gelben Essener Ver- bandes.Herr Hoff, daß sein Ariegsbeschädigtep.verband d-c Unter- stüfbjnff der Arbeitgeber genieße, so hätten Krupp und andere Firmen einen Beitrag von 50 000 Mark gestiftet. Zu einer Be- sprechung von Kriegsbeschädigten und Kriegsteilnehmern in Dort- muni?, in der diese Behauptung den anwesenden Essenern ent- gegengehalten wurde, erklärten zwei Hauptvorstandsmitglieder des Adorsschen Verbandes, die Herren Ante und Bier haus, mit aller Bestimmtheit, daß die Vereinigung von Krupp kein Geld er- balten habe, sie müßten es wissen, wenn es der Fall wäre. Die Herren stellten jedoch nicht unbedingt in Abrede, daß Krupp das Geld angewiesn haben könnte, sie bestritten nur Entschieden, daß es in die Kasse des Verbandes gelangt sei und äußerten in diesem Zusammenhang in sehr drastischer Weise einen Verdacht, der auf das Vertrauen, das sich die Führer des Essener Verbandes gegenseitig entgegenbringen, ein überaus bezeichnendes Licht wirft. Wir können hierzu noch bemerken: Daß Krupp dem Essener Verband Summen von vielen tausend Mark angewiesen hat, ist nicht erst durch dir Angaben deS Herrn Hoff, sondern schon auf viel direkterem Wege bekannt geworden. Wenn nun zwei Mitglieder de? Hauptvoritandcs bestreiten, daß das Geld in die Kasse des Verbandes gelangt sei, so wird der Essener Verband nicht umhin können, zu dieser Behauptung Stellung zu nehmen. �lbanKerung öer verorönung über Gier und bierähntiche Getränke. Der Staatssekretär des KriegsernährungSomtS hat gemäß den eingetretenen Steigerungen der Unkosten der Brauereien die Er- höhung des Herstellerhöchstpreises für Bier aus 2g M. angeordnet und dazu mit Wirkung vom 1. Oktober 1918 an bestimmt, daß der S t a m m w ü r z e geh a l t des zur Herstellung gelangenden Bieres mindestens 2 und nicht mehr als 3,5 vom Hun- dert zu betragen hat. Eine Fehlergrenze ist nicht zugelassen. Die Regelung hat zur Voraussetzung, daß die Gerstebelieferung die gleiche bleibt, wie im Wirtschaftsjahr 1917-18. Außerdem ist be- stimmt worden, daß die steuerliche Mehrbelastung des Bieres, die ab 1. Oktober 1918 durch das neue Biersteuevgesetz eintritt, und der bierähnlichen Getränte, die durch da? Gesetz be- treffend die Bestcuerurg von Mineralwässern und künstlich bereiteten Getränken ab 1. September 1915 eingetreten ist, in Höhe von 5,50 Mark bei Bier und in Höhe von 10 M. bei bierähnlichen Getränken dem Höch st preise zugeschlagen werden darf. Das gleiche ist für die Rachsteuer, soweit solch« zu cntrichien ist, vorgesehen. Für den Bierhandel ist ein« neue Bestimmung dahingehend gcklroften worden, daß dieser, soweit für ihn nicht überhaupt der Herstellerhöchstpreis gilt, mit Wirkung vom 1. Oktober 1918 an dem Höchstpreise neben den baren Auslagen für die Versendung ab Ver- ladestell« des Herstellungsortes und Rücksendung der leeren Fässer bis zu dieser nur Mebrerträge zuschlagen darf, welche, einschließlich Kommissions-, Vermittlungs- und ähnlichen Gebühren sowie für alle Arten von Aufwendungen, insgesamt einen von den Landes- bohörden nach einheitlichen Richtlinien festzusetzenden Höchstsatz nicht überschreiten dürien. Außerdem ist nunmehr ausdrücklich ausge- sprachen worden, daß die Höchstpreise, verringert um eine etwaige Ausfuhrvergütung, auch für Bier und bier- ähnliche Getränke gelten, die vom Hersteller oder durch an- dere Personen aus einem anderen Brausteuergebiet in das Gebiet der Norddeutschen Brausteuergemeinschaft geliefert werden. Für Biere, die aus dem Ausland eingeliefert werden, gelten sie nicht. Ebenso ist die bisherige Bestimmung, daß die Vor- schristen keine Anwendung finden, aut das Bier, das auf An- fordern der Heeresverwaltung oder der Marineverwaltung an die Feldtruppen zu liefern ist, unberührt geblieben. Vellmars Nachfolger im Rcichstaq. Für die durch die Man- datSniederlegung des Genossen v. P o l l m a r notwendig gewordene ReichstagScrsatzwahl in München II ist als sozialdemokratischer Kandidat der Landtagsabgeordnete Erhard Auer ausgestellt worden. Ob sich das Zentrum an dem Wahlkamps beteiligen wird, steht noch nicht fest. „Stammtisch, durch den Krieg verwaist, sucht Mitglieder, nur Männer deutscher Gesinnung. Miesmacher verpöm. Ost. M. 2791 Königsplatz 17.*— Dieses Inserat steht in den all- deutschen„Leipz. Neuesten Nachrichten".— Das ist die Werkstatt, wo sie. Blitze schmieden. Letzte Nackrickten. Die verhafteten Entenie-Gcsandtcn. Stockholm, 8. September. Einer der gestern auf der Flucht aus Rußland hier angekommenen Amerikaner bestätigte„Stock- Holm? Tidningen* gegenüber, daß die Mitglieder der eng- lischen Gesandtschast in Rußland verhaftet wor- den seien. Tie Abfahrt aus Rußland sei völlig fluchtartig ge- Wesen, so daß Näheres übcx das Schicksal der ftanzösischen und englischen Gesandtschaft nicht zu ersahrcm sei. Ter amerika- n i s ck e und italienische Gesandte befinden sich nicht unter den Angekommeven, sie versuchen, wie„Aftonbladet* er- särht, mit den im Mimmangeb'et operierenden Entente- truppei, in Verbindung zu kommen. GroßSerÜn Der Getrug bei üer preuß. Seehanölung« Ter größte Teil des Geldes aufgefunden. Zur Aufklärung des Bankbetrugs bei dxr Preußischen See- Handlung erfahren wir noch folgende Einzelheiten: R ab ig er, der trotz seines hartnäckigen Leugnens als der Haupttäter und eigent- liebe Anstifter des Betrugs gilt, hatte bald erkannt, daß er in Ziegler, der zwar ein sehr gewissenhafter, strebsamer Arbeiter, aber ebenso weljunkundig war, den„richtigen" Mann gesunden hatte. Er näherte sich ihm als wohlmeinender Freund und legte ihm durch anschauliche Schilderungen klar, wie vergeblich doch all sein Ehr� geiz und Streben sei. Trotz all seiner eifrigen, unermüdlichen Arbeit werde er nie zu großen Geldmitteln kommen. Er schilderte ihm weiter das Leben und die schönen Reisen der Begüterten in so glänzenden Farben und setzte schließlich hinzu, daß es sich, wenn e>r mit ihm zusammenarbeiten wolle, wohl machen ließe, sich in den gemeinsamen Besitz piner größeren Geldsumme zu fetzen. So gewann er nach und nach Macht über den unerfahrenen jungen Mgnn, bis dieser aus feine Pläne einging. Als Ziegler im Besitz des Geldes war, verlangte Rabiger seinen Anteil, doch händigte ibm Ziegler auf wiederholtes Dräng« zunächst nur 5000 M. aus, weil er befürchtete, daß dieser leichtsinnig werden und dadurch auffallen würde. Er entschied sich dafür, das Geld mit Wäschestücken nach der Heimat zu senden. Er schrieb nach Hause, daß sich in dem Paket wichtige Dokumente befänden, die in einem Bankhaus in Freiburg i. Br. zur Ausbewahrung ge- ge.ben werden sollen. Dies alles räumte er bei seiner Festnahme iosort ein und so wurden dann zwei Beamte der Kriminalpolizei und ein Beamter der Bank sogleich nach Freiburg entsandt, um das G ld.sicherzustellen. Die Beamten suchten zunächst Mutter und Schwester des Ziegler und e'ne Freundin der Schwester air auf deren Namen die Pakets in der Stahlkammer der dortigen Städti- scheN Sparkasse niedergelegt worden waren, beschlagnahmt»« den Schein und fanden dann auch in dem Depot 575 000 M. in Tausend- markscheinen, wie sie die Schwester Zieglers bei der Preußischen Seshandlung erhoben hatte. Außer diesen 575 000 M. wurden noch 13 500 M., die auf ein Sparkassenbuch der Mutter und 5000 M., die auf ein Sparkassenbuch der Freundin eingezahlt worden waren, beschlagnahmt. Der Mutter hatte cr von dem erschwin- delten Gelde zunächst 15 000 M. gegeben, die er angeblich bei seinen„Kriegsgeschäften" verdient hatte. 1500 M. hatte er nach- träglich davon während seines Urlaubs für Anschaffungen und bei gemeinsamen Ausflügen verausgabt. Der Freundin O. hatte er seine, besonders als Vorführer im Marmorhaus ersparten 4000 M, gegeben mit dem Hinweis, daß diese ihm das Geld verwalten solle. Kurz vor Ablauf des Urlaubs ließ er sich davon wieder 1000 M. auszahlen, von denen 700 M. in seiner Wohnung und die restlichen 300 M. bis auf einen kleineren Betrag in seiner Brieftasche vor- gesunden wurden. Auch diese 4000 M. stellte er der Bank zur Deckung des Verlustes sofort zur Verfügung. Von den 600 000 M. sind danach bereits insgesamt 592500 M. für die See- Handlung gerettet. Die Schwester Zieglers sowie seine Mutter und die Freundin O. wurden auf freiem Fuße belassen, weil angenommen wird, daß alle in gutem Mauden gebändelt haben. Sparsamkeit im Gasverbrauch empfiehlt die Kohlen stelle aufs neue der Bevölkerung Groß- Berlins. Sie teilt uns mit:„Die anhaltende Steigerung des Gas- Verbrauchs in Groß-Berlin nötigt dazu, brneu! nachdrücklich an die Beobachtung der Bestimmungen über die Einschränkung des� Gas- Verbrauchs zu erinnern, nach denen kein Verbraucher vierteljährlich mehr Gas verbrauchen darf als 90 Proz. des Verbrauchs in dem entsprechenden Vierteljahr des Jahres 1916. Die Versorgung der Gasanstalten mit Steinkohlen ist durch Förderungsausfall infolge der.Grippe und durch die ständig wachsenden Ansprüche der Rüstungsindustrie an die Kohlenvorräte erschwert. Daher kann mit einer verstärkten Koblenversorgung der Gasanstalten in ab- sehbarer Zeit nicht gerechnet werden. Um Stockungen in der all- gemeinen Gasversorgung zu verhüten, müssen die maßgebenden Srellen alle Maßnahmen treffen, die eine Beschränkung der Gas- entnähme herbeizuführen geeignet sind. Jeder Verbraucher hcm- delt daher nicht nur im allgemeinen, sondern auch in seinem eige- nen Interesse, wenn er unter Rückstellung aller Sonderwüusche die erlassenen Einschränkungsvorschriften aus das genaueste beachtet." Bei den Rüstungsberrieben, die selber auch viel Gas brauchen, wird eine Einschränkung nicht für möglich gehalten. Wenn ge- spart werden soll, müsse das— meint man— in Betrieben anderer Art, in Geschäften und in Haushaltungen geschehen. Wir ver- muten, daß bei der in letzter Zeit beobachteten Mehrung des Gas- Verbrauchs, soweit Haushaltungen daran beteiligt sind, auch der Gemüsesegen des Sommers mitgewirkt hat. Wer viel Gemüse kocht, braucht viel Feuerung. Soll gegen die Kohl en knap p- heit, die immer noch andauert und zur Gasverbrauchseinschrän- kung zwingt, wirklich nichts zu machen sein? Der Reichskommissar glaubt, daß er dieselbe Kohlenmenge wie bisher, aber leider nur diese wird bereitstellen können. Auf«in Mehr an Kohlenzufuhr sei nicht zu rechnen, so daß bei Fortdauer der Gasverbrauchssteige- rung die Gaswerke in Verlegenheit kämen. Das Heil wird da wie- der von den berüchtigten Strafgeldern für Mehrver- brauch erwartet. Gegen sie hat nicht nur die Bevölkerung, son- dern auch in einigen Gemeindeverwaltungen sich Widerspruch ge- regt. Wir hören, daß zur Verhütung von Mehrverbrauch künstig die Einziehung der Strafgelder streng betrieben werden soll. Nur in besonderen Fällen, z. B. bei Krankheit oder bei Familienzuwachs, will man Milde walten lassen. Wie weit der Bevölkerung diese neue Mahnung zur Sparlam- keit befolgen kann, muß abgewartet werden. Anscheinend will man sie auch deshalb zu äußerster Sparsamkeit zwingen, weil die aus Sicherheitsgründen notwendig gewordene Wiederverstärkung der Sträßenl�leuchtu.n� in Berlin einen beträchtlichen Mehrverbrauch erfordert. Wünschenswert ist, daß den unter der Petroleumknapp- heit leidenden Heimarbeitern die Gasbenutzung durch schnelle Her- stellung von Anschlüssen ermöglicht wird— trotz Gasknappheit. Der Sportpark Treptow wartete gestern mit einem jrei-f/halti- gen Programm auf. Zlvei Dauerrennen, der große Herbstpreis über eine Stunde und ein Vorrennen über 20 Kilometer vereinigte Hoffmann, Kuschkow. Stellbrink und den vor einigen Tagen aus dem Felde zurückgeilehrten Saldow am Staxt. Das Borreruieu gewann Hoffmann in gutem Stil; den'großen Herbstpreis Srcll- brink kamvslos, nachdem.Hoffmann und Kuschkow infolge zwei- mnligen Nadschadens weit ins Hintertveffen geraten waren. Saldow gab das Nennen bald auf, was wohl� aus� die Strapazen der Kriegsteilnabme zurückzuführen sein dürfte.'Für den recht knappen sportlichen Genuß der Dauerrennen wurden die zahlreiaz erschienenen Radsportliebhaber dann durch gute und erstklassig besetzte Fliegerrennen reichlich entschädigt. Insbesondere � ein Fliegerwettkampf in fünf Läufen zwischen Abraham. Lorenz, Rutt, Schräge und Wegener hielt das sportliche Interesse wach. Aber auch in einem Prämien- und Zweisitzersahren kam es zu überaus heißen Kämpfen. Nachstehend die Ergebnisse:„ Vorrennen. 20 Kilometer: 1. Hoffmann 17 Mrn. 54 Sek., 2. Stellbrink 150, 3. Kuschkow 1060, 4. Saldow 3310 Meter zurück. — Fliegerwettkampf, fünf Läufe über je 900 Meter nach Punktwertung, 1. Lauf: 1. Rütt, 2. Abraham. 3. Schräge, 4. Wegener; 2. Lauf: 1. Lorenz, 2. Abraham, 3. Schräge, 4. Wegener; 3. Lauf: 1. Rütt. 2. Lorenz, 3. Schräge, 4. Abraham; 4. Lauf: 1. Ruit. 2. Lorenz. 3. Wegener, 4. Abraham; 5. Lauf: 1. Lorenz, 2. Rutt, 3. Schräge, 4. Wegener. Gesamtergebnis: 1. Rütt 5, 2. Lorenz 6, 3. Abraham 12, 4. Schräge 12, 5. Wegener 15 Punkte.— Prämien- sabren, 18 Bahnrunden: 1. Rudel 7 Min. 52 Sek., 2. Müller. 3. Techmer, 4. Sawall.— Zweisitzerfahren 1800 Meter: 1. Rüit- Ahraham 2 Min. 56 Sek., 2. Lorenz-Häusler, 3. Krahner-Petri, 4. Freiwald-Bethge.— Zweisitzertrostfahren, 1200 Meter r 1. Rabe- Rädlitz 1 Min. 38 Sek., 2. Schrage-Rudel, 3. Techmer-L'.nsener.— „Großer Herbstpreis", 1 Stunde: 1. Stellbrink 64 Kilometer 620 Meter, 2. Kuschkow 2340 Meter zurück, 3. Hoffmann weit zurück, Saldow ausgegeben._ � Eharlottenburg. Lebensmittel. Es gelangen zur Ausgabe:- Als Ersatz für Fleisch 3 Pfund Kartoffeln auf Abschnitt 66 der Groß-Berliner Lebensmittelkarte. Die Gültigkeit dieser Abschnitte erlischt mit dem 9. September einschließlich; ferner 7 Pfund Kar- ioffeln auf Abschnitt 372— g der Kartosselkarte. Diese Abschnitte verlieren mit Ablauf des 11� September ihre Gültigkeit. Auf die Butterkarte vom 9. bis 12. September einschl. in den in den Be- zirken der 1., 6„ 20. und 25. Brotkommission gelegenen Geschäften 125 Gramm Pommerscher Weichkäse(1,69 M.) oder Faustkäse(2,74 Mark pro Pfund). Auf die Allgemein« Groß-Berliner Lebensmittelkarte werden verteilt 1 Pfund Einmachezucker oder 2 Pfund Marmelade nach Wahl, ohne Voranmeldung auf Abschnitt 59 vom 2. bis 15. Sep- tember. Die Ausgabe von Einmachezucker erfolgt in den Geschäft ten, in denen die Empfänger in die Z'gckerkundenliste eingetragen sind, die von Marmelade>n den Geschäften, in denen der Empfän- ger zum Bezüge von Kolonialwaren eingetragen ist, 100 Gramm Suppen auf Abschnitt 61 vom 5. bis 14. September. 100 Gramm Suppen auf Abschnitt 64 vom 12. bis 21. September. Auf Abschnitt 65 vom 12. bis 21. September 100 Gramm Jnlandsmarmelade zum Preise von 19 Pf. Auf die rote Nahrungsmittelkarte werden aus- gegeben: 14 Pfund Räucherwaren auf Abschnitt 201, sowie auf Ab- schnitt der Terlmer Bezugskarte; ferner je 1 Pfund frische See- oder Flußfische auf Abschnitt 200, sowie auf Abschnitt„Gg" der Berliner Bezugskarte. 3 Stück Knochcnbrüh- oder Fleischbrüh- ersatzwürfel aus Abschnitt 203 vom S. f>:» 14. S.ptember zum Preise von 3 Ps. pro Stück, In diesem Monat wird cm die über TO Jabre alten Personen einmalig 1 Flasche sterilisierie Vollmilch eum Preise von 2,50 M. aus Grund von besonderen BerechtignngS- karten verabsolgr An d!e Kinder bis zu 2 Iahren wird 1 Pfund Kindergersienmehl in diesem Monat und außerdem für die Kinder im 2. Lebensjahr, welche eine„A Il"-Milchkarte besitzen, je eine Pfunddose Malzextrakt(2,20 M.) verabfolgt. Die in der zweiten Hälfte der Schwangerschaft befindlichen Frauen erhalten von der Lrotkommisfion Karten, über 2 Pfund Weizengrieß oder Hafer- Nährmittel, Wilmersdorf, Milchkartcnausgabe. Die Ausgabe der Mager- milchkarten lOktober bis Dezember) für Kinder im T. bis 12. Lebensjahre findet am Dienstag, den 10., Mittwoch, de-n 11., Donnerstag, den 12., und Freitag, den 13. September, durch die Brotkom- Missionen statt. Gleichzeitig mit den Magermilchkarten werden Zufatz-Juckerkarien(September bis Oktober) für Kinder im T. Lebensiahre ausgegeben. — Lebensmittel. Fortgefetzt wird bis einschl. Donnerstag, den 12. September, der Verkauf von 100 Gramm losen Suppen auf Abschnitt 60 der allgemeinen Groß-Berliner Lebensmittelkarte. Ferner gelangen in der Woche vom 9. bis 15. September zur Aus- gäbe: auf Abschnitt 58 der allgemeinen Groß-Berliner Lebens- nnttelkarte 250 Gramm Kunsthonig, auf Abschnitt 13 der Lebens- nrittelkarte für Jugendliche 200 Gramm Morgentrank und auf Abschnitt D der Bezugskarte für Einzelpersonen(8. Ausgabe, grau) 250 Gramm Nährhefe. Außerdem läuft bis einschließlich Sonn- tag, den 15. September auf Abschnitt 59 der allgemeinen Groß- Berliner Lebensmittelkarte die zweite Verteilung von Einmache- zucker. Zur Abgabe gelangt 1 Pfund Zucker. Auf Abschnitt 51 der Eierkarte kann vom 9. bis einschl. 21. September 1 Ei zum Preise von 38 Pf. das Stück abgegeben werden. Der Verkauf von% Pfund Heringen ober frischen Fischen bzw. Vi Pfund Räucherwaren auf die Abschnitte A und B der grauen Bezugskarte für Einzelpersonen wird fortgesetzt. Für die Woche vom 9. bis 15. September dürfen auf dte Abschnitte 37»— g der Hauptkartoffelkarte je V> Pfund Kartoffeln, zusammen also höchstens 7� Pfund Kartoffeln abgegeben und entnommen werden. Die Abschnitts 37»— g der Hauptkartoffel- karte haben in der Woche vom 9. bis 15. September auch in Schank- und �peisewirtschaften Gültigkeit. — Neue Kundenlisten für Eier. Vom 9. bis 12. Schüember ist die Neusintragung für Eier vorzunehmen. Auch diejenigen, welche in dem bisherigen Geschäfte weiter kaufen wollen, müssen in dieser Zeit die Neneintragung dort vornehmen lassen. Zum Zweck der Eintragung ist der Anmeldeabfchnitt der neuen Eierkarte vorzn- legen. Wer die gesetzte Frist versäumt, hat bis auf weiteres keine Möglichkeit, Eier zu beziehen. Nowawes. Lebensmittel. Es werden ausgegeben bei den Kleinhändlern: 100 Gramm Suppen zum Preise von 2L Pf. auf den Kartenabschnitt 63 der Lsbensmitielkwrte; 250 Gramm Kunsthonig zum Preise van 38 Pf. auf den Kartenabschnitt 58 der Lebens- mitielkarte; 200 Gramm Bisquit zum Preise von 1,28 M. auf den Kartenabschnitt 20 der Lebensmittelkarte für Jugendliche. Die Karteninhaber haben am Montag, den 9., und Dienstag. den 10. d. M. die Lebensmittelkartenabschnitte 63, 53 und 20 bei dem Kleinhändler abzugeben, bei dem sie die Ware zu beziehen wünschen._ Die Kleinhändler habo�die abgetrennten Abschnitte am Mitt- woch, den 11. d. M. der Kriegswirtfchaftsabteilung einzureichen. Verspätete Anmeldungen werden nicht berücksichtigt._ Die Waren sind gegen Abgabe der vom Kleinhändler auSge- stellten Bescheinigung vom Freitag, den 13.. bis Sonntag, den 15. d. M. in Empfang zu nehmen. In den Verkaufsstellen der Ge- meindc, Zietenstr. 27 und Uhlandstr. 5, ohne besonderen Ausweis, soweit der Vorrat reicht. 1 Glas Mostrich zum Preise von 25 Pf., 1 Dose Brotaufstrich zum Preise von 4 M. Die Geschäftsräume Priesterstr. 81 sind für da? Publikum von Montag, den 9. M. ab nur wochentags von 8 bis l Uhr geöffnet. Neukölln. Lebensmittel. 250 Gramm lose Suppen oder Suppenwürfel oder Morgentrank werden im Laufe nächster Woche auf die Abschnitte 61 und 62 der allgemeinen Lebensmittelkarte ab- gegeben. 475 Gramm Auslandsmarmclade werden auf Abschnitt 55 und 56 je nach Eintreffen bei den Kleinhändlern verkauft. Der Verkauf von 100 Gramm Graupen auf Abschnitt 60 wird fortge- setzt. 1 Büchse kondensierte Milch oder 1 Flasche sterilisierte Milch oder Sahne oder Milchpulver werden an die bisher nichtbelieferten Inhaber der Abschnitte 120 J, E. S, K der Warenbezugskarten in den städtischen Verkaufsstellen abgegeben. Als Ersatz für die aus- fallende Fleischmeng: werden in der Woche vom 9. bis 15. Septem- ber auf Abschnitt v6 der allgemeinen Lebensmittelkarte 3 Pfund Kartoffeln abgegeben. Der Verkauf von 1 Pfund Frischfisch auf Abschnitt 122 der Warenbezugskarte,% Pfund Räucherware auf Abschnitt 133 und K Pfund Heringen auf Abschnitt 128 wird noch fortgesetzt. Treptow. Lebensmittel. Außer den üblichen Rationen werden verteilt: 250 Gramm Marmelade auf Abschnilt 57, 100 Gramm Graupen auf Abschnitt 61 der Groß-Berliner Lebensmittelkarte. Fische auf Abschnitt 119 und Räucherwaren aus Abschnitt 139 der Treptower LebvnSmittelbezugskarte. Pankow. Lebensmittel. Im Laufe dieser Woche gelangen in den bekannten Verkaufsstellen zur Verteilung: Auf die allge- mein« Lebensmittelkarte 250 Gramm Marmelade auf Abschnitt 57, 100 Gramm Nährmittel auf Abschnitt 60(nach Ein- gang der Ware), 500 Gramm Einmachezucker auf Abschnitt 59(so- weit derselbe noch nicht entnommen ist), 3 Pfund Kartoffeln als Ersatz für die in dieser Woche ausfallende Fleischmenge auf Ab- schnitt 66 unter gleichzeitiger Vorlegung der Kartoffellarte. Auf die Pankower Lebensmittelkarte 2 Eier auf Abschnitt 125, Heringe(worüber nähere Bekanntmachung erfolgt), Raucher- waren(soweit solche eingehen) auf Abschnitt 114 bzw. 123. Auf besondere Karten nebem der feststehenden Brot- und Mehl- ration voraussichtlich 40 Gramm Butter und 30 Gramm Marga- rine, 7 Pfund Karwffeln(die sofort entnommen werden können) auf die Abschnitte 124»— g der Pankower Kartoffelkarte, 375 Gramm Mucker auf Abschnitt 17 der allgemeinen Zuckerkarte, gültig vom 1. bis 15. September. Zulagen für Kinder bis zu 2 Jahren: 500 Gramm Haferflocken für den Monat auf Bezugscheine, 375 Gramm Zucker- zulage für Kinder bis zum 1. Lebensjahre auf Abschnitt 17», b und c. für solche im 2. Lebensjahre 250 Gramm Zuckerzulage auf Abschnitt 17» und b, und für solche vom Beginn des 3. bis vollende- ten 6. Lebensjahre 125 Gramm Zuckerzulage auf Abschnitt 17 der Zusatzzuckerkarte.— Militärpersonen erhalten 3 Pfund .Kartoffeln auf Abschnitt 1, 2 Eier auf Abschnitt 2 und 250 Gramm Marmelade auf Abschnitt 3 der Lebensmittelkarte für �Militär- Urlauber der 37. Woche vom 9.— 15 September.— Anträge auf Sonderzuweisung von Fleisch zu Einsegnungen, Hoch- zeiten und anderen Familienfestlichkeiten können nicht mehr Berücksichtigung finden, nachdem die Zuweisung der zur Versorgung der Bevölkerung erforderlichen Fleischmenge auf Grund der abgelieferten Fleischinarkenabschnitte der Reichsfleischkarte erfolgt. Mariendorf. Lebensmittel. Verkauf von Mar- melade. Die Gemeinde verkauft auf Abschnitt 65 der Groß- Berliner Lebensmittelkarte Marmelade. Abgegeben werden 100 Gramm zum Preise von 19 Pf. Der Verkauf findet in den drei Gemeindeläden statt in oer Zeit vom 9. September bis 12. September 1918. Für die bis zum 14. September nicht abgeholte Ware erlischt das Bezugsrecht. Wetterausfichten für daS mittlere Norddeutschland biS Dienstag- mittag. Zeitweise heiter, jedoch überwiegend bewölkt, mit öfter wiederholten, im Nordwesten stellenweise stärkeren, in den anderen Gegenden schwächeren Regenfällen; in den Tagesstunden ziemlich mild._' Grsß-Serlmer partemachrichten- Sozialdemokratischer Verein Kreis Niederbarnim, Bezirk Lberschöncwridc. Mittwoch, den 11. September 1918, abends 8>4 Uhr: Mitgliederversammlung bei Ladewig, Laufencr Straße 5. Tagesordnung: 1. Vortrag des Genossen Hinnrichsen über:„Die zunehmende Teuerung, ihre Ursachen und Wirkung." 2. Diskussion und Vereinsangelegenheiten. Um pünktliches und zahlreiches Er schein en der Genossinnen und Genossen sowie Ge- finnungsfveunde ersucht Der Vorstand. Ms aller Welt. Tie Fleischvergiftungen in Kamen. Die Pferdefleischvergiftungen in Kamen, über die wir schon kurz berichteten, haben einen erschreckenden Umfang angenommen. Bisher wurden nicht weniger als 16 Todesfälle und 4 2 3 Er- krank ungen festgestellt. Vielfach sind ganze Familien in Mit- letdenschaft gezogen; es mangelt zunächst auch an Pflegepersonal und ärztliche Hilfe ist bis jetzt noch nicht ausreichend beschafft. Das Fleisch, das zu den Vergiftungen führte, war von dem Pferdemetzger Weber in Verkehr gebracht und bestimmungsgemäß an die minder- bemittelte und fchwerarbeiiende Bevölkerung verkauft worden. Wie aus einer amtlichen Klarstellung hervorgeht, stammte das Fleisch von zwei notgeschlachteten Pferden, deren eines an traumatischer GeHirnverletzung und das andere an Schwäche gelitten haben soll. Beide wurden zum Kamener Schlachthof gebracht, dort von dem amtlichen Fleischbefchauer und Hallenmeistec Kefenbaum besichtigt, freigegeben und gestempelt. Die Erregung(besonders unter der Arbeiterschaft) ist unge- heuer. Das zeigte sich ganz besonders bei der Trauerfeier für das erste Todesopfer, den Genossen Rose. Uebec 50 Arbeiter erklärten zum Protest ihren Beitritt zur Sozialdemokratischen Partei. verantwortlich iLr Volitil: Erich ftnitnci, Berlin: Mr den übrigen Teil des Blattes: Wfrrd Scholz, Neukölln: für Anzeigen: Theodor Glocke, Berlin. Verlag: VorwärtS-Verlag W. in. B..H., Berlin. Druck: BorwärlS-Buchdruckerei und VerlagSanflalt Paul Singer u. Co. in Berlin. Lindenstraße Z. WaiizeiiumiÜ0tteii mit Brut werden radikal vernichtet durch Wanzentod Pfeifferol in Flaschen zu 4,50 M., 3,— M., 1,75 M. und 1,— M. und Mottentod Pfeifferol(50 Pf.) überall zu * haben. Äerr Paul Rades, Drogerie, Turmstraße 48, schreibt:„Ihr Wanzentod Pfeifferol ist vorzüglich, ein Kunde empfiehlt Ihr Präparat immer dem anderen". Dirsktion Max Reinhardt.. Deutsches Theater 7 Uhr: Faust I. Dienstag 7 ühi: Hamlet. Kammerspiele S Uhr: Hanneles Himmelfahrt. Dienstag 0-8 ühr: Kinder der Freude'. Ädmiralspatast. TU Ehr; Die Prinzessin i von Tragant. Sajdah. Deutsche Tänze ioHer-Eiiiricif stellen ein 18662 Spezialkonsfruktionen, Steglitz, Birkbuschstratze 37. Spezialarzt Dr. med. HaachS, Friedrichstr.SO SwÄbahnh. Behandl. oonSyphilts- Haut- Harn-, Krauenleideu, jpez.: chron.Fälle. Schinerzwse. kürzeste Behandlg. ohne Berilssstörnng. Blutuntersuchung. Matz. Preise Teilzahlung. Sprechstunden 11 bis 1 und 5— 8, Sonnt. 11— 1 Spezialarzt Dr. med. L-oaba beh. schnell, griindl., mögt. schmerzlos u. ohne Berujsstör. ÜoschlechtskraRkheit., geheime Haut-, Harn-, Frauenleiden, Schwache. Erprobteste Methoden Harn- und Blutuntersuchung. KÖaiptr. U 38, Mexanderpl Spr. 10— lu. 6—8. 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Telephon: Amt Norden 185, 1239, 1987, 9714. Mittwoch, den 11. September 1918, abends 5'/, Uhr, im Lokal von Gottlieb Schulz. Cranicnstrnise 69; Braftdien-Versammlung für alle Militäreffekten-Gürtler. Tagesordnung: 1. Die Lohnverhältnisse in der Branche. 2. Verschiedenes. Es ist dringende Pflicht aller Kollegen, pünktlich zu erscheinen. Die OFtSTenraltanK. Werber zur vnwerbung hundert Arbeiter mehrerer ______ wollen sich melden bei Kami Brand, Berlin W 9, Schelingflr. 7.' Kastenwagen und olle anderen Transport- geröte lief, billigst. Grotz. Vorrat