Nr. 349. 3o. Jahrg. Bezugspreis: Lierteljährl. 4.20 MI, monatl�l.SVMI. trei ins Haus, dorauszahldlir.EwzeIne Nummcrn 10 Vsennig. Postbezug: Wonailich.vom Postschaltcr abzuholen ' ILO Mt., vom Briefträger ins Haus ge- bracht l.M Mb Unter Kreuzband für Deutichiard und Oesierrelch. Ungarn S.— Ml. für daS übrige Ausland s.S0 Mb monatlich. Lersand ins Reib bei direlter Bestellung monatl. 1,80 Mb Postbestcllungcn nehmen an Däne- marl. Holland. Luxemburg, Cchweden und die Schweiz. Eingetragen in die Post-Zeirungs-Pretsliste. Erscheint täglich. Telegramm- Adresse: »Sozialdemokrat BerltU (10 Pfeiwig Anzeigenpreis: Verlinev Volksblstt. Tsntralorgan der fozfoldeniokratdcbcn Partei Deutfd�laiids. Diesiebenges�alteneKolonelzeiletosset 80 Pfg.„Kleine Riizeigeii-, das tetlgcdruckle Wort 30 Pfg.(zulässig 2 sengedruftte Wortes, sedcs weucre War 15 Psg. Stellengesuche und Echiasstellenanzeigen das eri«? Wort 20 Big.. ledcs weuere Wo« lv Pia. Lorie über 18 Buchstaben zählen für zwei Worte. Teueruugszuichlajj 20%. Fainilien-Anzeigen, volitische und gewertschnittiche Berein». Anzeigen bv Big. die sieile. Anzeigen iür die nächste Nummer müssen die 5 Udr nachniitlags im Haudlgeichäsi. Z-rlm EW.S8. lltndenslratzc it. ob?egebcn werden. Beöfsnel von S Uhr ftüh bis Uhr aieiids. NeSaktion: SW. 68» �inüenftraße Z. Fernsprecher: Amt Moritzpla», Rr. 1S1»v— 1SI S7. Dienstag, den 10. September 1918. SSKSESMO Expeöition: SN. 68. Lwüenstraßi 2. kkrrnkpreches: Amt Vtsritsvlat». Nr. lZH.S0— slkl 37. BW—ss Kämpfe an der Strasse Peronne-Cambrai. Wahlrecht und Lanöesverteiöigung. Die konservative Presse fährt fort, jeden inneren Zu- sammenhang zwischen der preußischen Wahlrechtsfrage und der Landesverteidigung in Abrede zu stellen. Sie tut das, wie zugegeben werden soll, in notwendiger Selbstrechtfertigung, da sie sonst eingestehen müßte, daß ihre Anhänger die Sache der Landesverteidigung schädigen. Diesen schwersten Vorwurf will sie auf ihnen nicht sitzen lassen. T-arum erklärt sie immer wie- der: zu behaupten, daß irgendein Volksteil seine Bereitioillig- kcit zur Landesverteidigung von der Einführung des gleichen Wahlrechts abhängig mache, hieße diesen Volksteil be- leidigen. Mit der gleichen Beweisführung ließe sich auch die Aus- rechterholtung noch schlimmerer Einrichtungen als das Drei- klassenwahlrecht, ließe sich die Sklaverei, die Leibeigenschaft das Prügelrecht der Landherren über das Gesinde und ähnliches ebenso gut rechtfertigen. In der Tat hat ja auch kein Volks- teil die Erfüllung seiner Pflichten gegenüber dem Lande von der Beseitigung noch so drückenden Unrechts abhängig ge- m acht. Aber auch die konservative Presse wird zugeben, daß der Erfolg der Pflichterfüllung in hohem Grade davon. hängt, in welchem Geiste und mit welchem Herzen ksiese Pflicht erfüllt wird. In Erkenntnis solcher Zusammenhänge haben verschiedene Mitglieder>c preußischen Regierung anerkannt, daß die Lösung der preußischen Wahlrechtsfrage eine Frage der Landes- Verteidigung ist. Insbesondere ist sich der den Konscr- vativen sonst sehr nahestehende wztionalliberale Staatsminisier Dr. Friedberg der Pflicht zur Wahlrcform als einer Pflicht der Landesverteidigung bewußt geworden, und er hat sich wiederholt in diesem Sinne ausgesprochen. Schließlich zu welchem Zweck ist denn die Mitternachtsbotschaft des 11/12. Juli erfolgt, wenn nicht zu dem, die moralische Widerstandskraft des Volkes zu stärken? Wenn jetzt die edlen und erlauchten Herren, statt dem Volk sein Recht, werden zu lassen, sich in inittelalterliche Liebhabereien vertiefen und an einein ständischen Wahlrecht hernmtüfteln. so ergibt sich daraus ein Vorwurf gegen sie, den kein Regen von ihnen abwäscht. Es ergibt sich aber daraus weiter, daß es aus dem wohlverstandenen Interesse der Landesverteidigung ge- schieht, wenn wir an die Regierung immer wieder die Frage richten: Wann endlich wird mit dieser Tragikomödie Schluß gemacht? Die Aerftö'rung deutscher Schiffe in r a i sind erneute Angriffe der Engländer ge- scheitert. Von den übrigen Kampfabschnitten nichts 9ie»es. Amtlich. Großes Hailptqnartier, S. Sep- trmbrr lS18. Westlicher Kriegsschauplatz. Oertliche Kämpfe nördlich vom Ploeqstcert-Walde »nd am L a- B a ss 6 c- K a n al. Nördlich von Armen» t i b r e S griff der Feind von neuem an; wir wiesen ihn ab und machten Gesanfleue. Am Kanalabschuitt Arleux— Havrincourt Artillerietätigkeit und Erkundiingsssefechte. Südlich der Straße P e r o n n e— C a m b r u i setzte der Feind seine Angriffe unter Einsatz stärkerer Kräfte gegen die Linie Gonzcancour:— Epehy nördlich von Templeux fort; fie scheiterten unter schweren Berlnsten für den Gegner. Ilnsere Bortruppcn verwehrten gestern überlegenem Feinde das Vordringen über St. Simon und de» C r o z a t- Kann l. Ertlmdungögcfechlc zwischen Oise und Ailette. Zwischen Ailette und Aisne brach der Feind nach mehr- fach vergeblichen Teilangriffcn gegen Abend zum geschlosicnen Angriff vor; er wurde auf der ganzen Front teilweise im Nah- kämpf und durch Gegenstöße blutig abgewiesen. Zwischen Aisne und V e s l e scheiterten Tcilangriffe, in der Champagne Tcilvorstöße des Gegners. AuS einem englischen Geschwader, daS zum Angriff gegen Mannheim vorstieß, wurden fünf Flugzeuge abgeschossen. Im August wurden an de» deutschen Fronten ösS feind- liche Flugzeuge, davon 62 durch unsere Flugabwehrgeschütze, und 53 Fesselballone abgeschossen. Hiervon sind 251 Flugzeuge in unserem Besitz. Ter Rest ist jenseits der feindlichen Linien er- kcnnbar abgestürzt. Wir haben im Kampf 143 Flugzeuge und 86 Fesselballone verloren. Der Erstr Generalquartiermrister. Ludendorff. Der österreichische Bericht. Wien, 9. September. Amtlich wird vcrlautbart: Auf dem Monte Pertica wurden vorgestern abend und gester» früh italienische Angriffe durch Feuer abgeschlagen. Der Feind erlitt schwere Verluste. Der Chef des GeneralstabeS. Gebietszuwachs nebensächlich. Aufgabe der sozio- listischen Partei ist es, diesem Gedanken zum Triumph zu ver- helfen. Sie muß im Einvernehmen mit der Conföderation g6n6rale du travail es durchsetzen, daß die i n t e r n a t i o n a- len Arbeiterorganisationen bei den Porbe- reitu Ilgen zü Friedensverhandlungen ver- treten sind. Falls der Nationalkongreß praktische Mittel zu deren Verwirklichung festlegen könnte, würde er der Partei und der Welt den größten Dienst erweisen. Dr. Freiherr v. Spitzmüller— österreichisch- ungarischer Jinanzmirnster. Di« Wiener Montagsblätter teilen mit, datz der ehemalige Minister im.Kabinett Körner, Dr. Frefh. v. Spitzmüllcr, zum Fe- meinsamen Finanzminister ernannt ist. Diese Ernenung ist nicht ganz ohne Interesse. Oesterreich und Ungarn haben als selbständige Staaten je ein eigenes vollzähliges Ministerium. Für die gemeinsamen Angelegenheiten— auswärtige Politik, gemeinsames Heer, gemeinsame Finanzen— besteht ein gemeinsames Ministerium. Graf Burian, der?lutz«n- niinister, verwaltet gleichzeitig seit geraumer Zeit da? gemeinsame Ministerium der Finanzen, so datz der gemeinsame Ministerrat nur aus zwei Personen bestand, dem ungarischen Grafen Burian und dem unpolitischen Kriegsminister. Dieser Zustand der AuS- scholtung Oesterreichs mutzte besonders jetzt in Oesterreich schwer empfunden werden, da die Ungarn zum Dank für ihre Unterstützung der aüstropolnffchen Lösung die Reichslande Bosnien und Herzego- wina beanspruchen, die dem gemeinsamen Finanzministerium zur 'Verwaltung zugeteilt siud� In Oesterreich knüpft sich an die Er- nennung des Herrn v. Spitzmüller die Hoffnung, datz allzu starke ungarische Einflüsse unterdrückt werden, big auf einseitige Lösungen hinzielen, Denkschrift über öas Ernährungswesen. Parteivorstaud und G c n e r a!l o m in i s si o n der Gciverk- schaften an de» NcichSknuzler. Der Vorstand der Sozialdemokratisch-e-n Partei und die GeneraZkommissioil der Gewerkschaften haben an den Reichskanzler in der Frage de? ErnährungZwesenS die folgende Denkschrift gerichtet: Berlin, den 9. September 1918. Die steigende Unzufriedenheit, die aus allen Teilen des Reiches und den verschiedensten Volksschichten wegen der unzureichende» Lebensmittelversorgung in bitteren Klagen und Forderungen an unS zum Ausdruck kommt, veranlaßt uns nochmals, die Aufmerksamkeit Euer Exzellenz ans die h ö ch st b e d e n k l i ch e n Z u st ä n d e zu lenken, unter denen die breiten Massen des Volkes gegenwärtig zu leben gezwungen sind. Wir haben diese Klagen wiederholt inündlich und schriftlich in eingehend motivierten Darlegungen Eurer Exzellenz und Ihren Herren Vorgängern vorgetragen, dem Kriegscmährungd- amt und dem Reichsamt des Innern übermittelt, ohne von letzterem in allen Fällen Antwort erlangen zu können. Leider fanden unsere Vorschläge in den meisten Fällen nicht genügend Beachtung, unsere e r n st e n Warnungen, die wach- sende Erbitterung durch ungeeignete Maßnahmen nicht noch zu steigern, wurden in den Wind geschlagen. So sind die Lebensverhältnisse des erwerbstätigen Volkes ständig schlechter geworden. Jede Erböhung des Lohnes, jede Teuerungszulage war längst durch die gesunkene Kaufkraft des Geldes wirkungslos gemacht. Die Politik des KriegSernäh- rungsamts, die lediglich durch Preisanreiz eine Erhöhung der Produktion zu erzielen versuchte, führte gleich einer Schraube ohne Ende zu einer Verteuerung aller Lebensmittel, die mit den gesteigerten Produktionskosten nicht gerechtfertigt werden kann. Erzeuger und Händler sind trotzdem mit den Gewinnen noch nicht zufrieden. Während Millionen Männer aus dem Sckssacht- feld ihr Blut dem Vaterlands geben müssen, werden ihre Auge- hörigen zur ewigen Schande unserer Zeit von eigenen Volks- genossen ausgesogen, die durch schamlosen Wucher mit Lebens- Mitteln die letzten Kräfte der Armen verzehren. Arbeiter, Angestellte, Beamte und Angehörige des Mittelstandes leiden in gleichem Maße unter diesen Zuständen. Ihr Einkommen reicht nicht zum Einkauf der allernotwendigsten Lebensmittel. Die durch die öffentliche Bewirtschaftung erreichbaren Lebensmittel sind in ihrer Menge zu gering, um daS Leben zu erlMlten; so kann sich niemand dem Schleichhandel entziehen. Für Kleidung, Schuhe, Wäsche, HauSlialts- und Wirtichafts- gegenstände müssen Phantasiepreise gezahlt werden, die für die meisten unerschwinglich sind. Seit Jahren konnte hier vielfach keine Ergänzung erfolgen. Vergeblich wehren sich Erhaltungs- Wille, Ordnungsliebe und Reinlichkeitsbsdürfnis gegen dieses Verhängnis. Alle Ersparnisse werden aufgezehrt, nur um das bloße Leben zu erhalten. Mit dem Wirtschaftsniedergang geht der körperliche Kräfte- verfall Hand in Hand. Tie lange aedauernde Unterer n ä h- r u n g bringt nicht nur eine erhöhte Sterblichkeit der llinder und der alten Leute; Frauen und Männer der Arbeiteiflasse leiden gesundheitlich aufs schwerste. Eine Besserung der Ernährnngsverhältnisse muß unter allen c Umständen Platz greifen, wenn die Volksgesundheit dauernd nicht 'noch schwereren Schaden erleiden soll. Leider hat gerade die letzte Zeit mehrfache Verschlechterungen gebracht. Die Getreidepreise wurden erhöht und die Regierung bezeichnete die Erhöhung als eine solche, die sich auch für die Minderbemittelten„in erträglichen Grenzen" bewege. Neben der Brotpreisechöhung stieg der Preis der so unentbehrlichen Nährmittel, z. B. der für Grieß von 32 auf 48 Ps., für Graupen von 36 auf 44 Pf. pro Pfund; das ist eine Steigerung von 59 bzw. 25 Proz. Zu der Herabsetzung der Brot- ration, die dauernd bleivn soll, kam die Kürzung der Fleischration und die Einführung fleischloser Wochen. So sind dem Volke neue Entbehrungen auferlegt. Die wohlhabende Bevölkerung verschafft sich mit Hilfe des Schleichhandels ohne Rücksicht ans dessen fortgesetzt steigende Preise doppelte Lieferung und hilft sich so über die fleischlosen Wochen und die sonstigen Entbehrungen hinweg. Tie Armen und Minderbemittelten aber. müssen vierzehn Tage— einen halben Monat!— ohne ein noch so kümmerliches Fleischgericht vegetieren. Die zugesagten Ersatz- mittel sind ungenügend und können die entgangene Fleischnah- rung nicht ersetzen. So sind Brot und Kartoffeln in steigendem Maße das Rückgrat unserer Volksernährung geworden. Deshalb ist es unabweisbare Pflicht der verantwortlichen Stellen, der Vevölke- rung schnellstens für diese Verschlechterung mindestens ein erhöhtes Maß von Kartoffeln zu geben. Der Hinweis auf das reichliche� vorhMdene Geixuise gMNgt nicht, m. diesen Anspruch zuriickzMeiserl.(Seift WiftM NähMerl, zumal bei fettloser (Zubereitung, kann Fleisch und Kartoffeln nicht ersetzen, ganz ab- gesehen davon, daß so große Quantitäten nicht erhältlich oder bei den riesigen Preisen für die Minderbemittelten nicht er- schwinglich sind. Trotzdem besteht die Wstcht, der Kartoffelversorgung des kommenden J�hreS wieder daS unzureichende Quantum von sieben Pfund Kartoffeln pro Kopf rind Woche zugrunde zu legen. Der Staatssekretär des KrieaSernährung»amtS gibt bekannt, daß diese Festsetzung als„vorläustge" bi? zrir Feststellung des Ernte- ergebnisses zu gelten habe. Dann solle aeprüst werden, ob eine Erhöhung möglich sei. Genau die gleiche Erklärung, derselbe tröstende Hinweis ist d«r Bsdölkerung noch aus denr verflossenen Jahr in Erinnerung. Trotz der glänzenden Kartoffelernte war damals eine Erhöhung der Kartoffelration auf Ist Pfund pro Woche nicht zu erreichen. Transportschwierigkeiten wurden als das Haupthindernis gegen die Erfüllung dieser Forderung ins Feld geführt. Jetzt wird der gleiche Einwand erhoben. Im Volke ruft diese Ankündigung neueErregung her- vor. Sollte seine Erbitterung sich in Formen entladen, die wir nicht wünschen, so trifft die ganz« Schwere der Schuld allein die verantwortlichen Stellen des Reichs. Die Erfahrung hat gezeigt, daß im verffossenen Jähr die Bevölkerung mit der Ration von sieben Pfund Kartoffeln nicht auskommen konnte. Wer es eben konnte, hat sich darüber hinaus selbst mit Kartoffeln versorgt. Die„TmnSportschwierigkeiten" des KriegsernähnMgsamts schufen eine glänzende Konjunktur für den Schleichhandel, der die Schwierigkeiten spielend überwand. So zwangen o r g a n i- satorische Unfähigkeit oder mangelnder Willen das darbmde Volk, 20— M M. für den Zentner Kar- raffeln zu zahlen. Der Visenbahnen beförderten Tag für Tag Hunderttausende, die Kartoffeln in geringen Mengen in die städte brachten. Die Folg««lso lvar, gesteigerte Belastung der öffentlichen Transportmittel und rmwirtschaftlichr Art der Zu- führung von Lebensmitteln. Eine reichlichere Belieferung mit Kartoffeln kvirkt dem Schleichhandel erfolgreich entgegen. Was drakonische Straf- bestimmungen niemals erzielen können, würde durch sie erreicht. Die Beibehaltung der Kartoffelration von sieben Pfund muß die Bevölkerung als Begünstigung des Schleichhandels empfinden. Bereits am 28. Januar 1918 erklärte Herr Professor Dr. 1 u t t n e r im Parlamentarischen Beirat des Kriegsernährungs- amts, daß ein? Herabmmderung der damals gegebenen Lebens- mittel unerträglich und eine Erhöhung der Kartoffelration auf Ist Pfund das Gebot unabweisbarer Notwendigkeit wäre, um das Minimum zur Erhaltftng von Gesundheit und Leben zu er- reichen. Seit jener Zeft ist, wie wir ausführten, die Brotration herabgemindert, die Fleischration verkürzt, sind fleischlose Wochen eingeführt worden und durch steigende Teuerung der Einkauf erschwert. Deshalb ist eine Erhöhung der Kcwtoffcl- ration selbst auf Ist Pfund heut« nicht mehr ausreichend, um den notwendigen Ausgleich herbeizuführen. Wir müssen daher Eure Exzellenz aufs dringendste ersuchen, zu veranlassen, daß alle» geschieht, damit diegesamteKar- toffelernte von der öffentlichen Bewirtschaf- tung erfaßt, durch geeignete Maßnahmen die vorhandenen Transportschwierigkeiten bewältigt und eine wesentliche Er- höhung der Kartoffelration baldigst durchgeführt wird. Der Regierung ist die Stimmung in der Bevölkerung nicht unbekannt; sie darf ihr nicht gleichgültig sein. Es unterliegt keinem Zweifel, daß wir einem Zustand entgegentreiben, der verhängnisvoll werden muß, wenn die Regierung nicht endlich entschlossen ist, mit jeder Begünstigung der Produ- zentcninteressen zu brechen und den Lebensbedürfnissen des Volkes Rechnung zu tragen. Der YartekvsrstanS öer Sszialöemokratifchen Partei Deutschlanös. Fr. Ebert. Die Generalkommiff»on öer Gewerkschaften Deutschlands. Carl Legten. Der britifthe Gewerkschasts- kongreß für Friedensverhandlungen nach Räumung Belgiens und Stordfrankreichs. Bern, S. Sepkember.(WTDj Cw? t> r i t te P erh an b lu n g S- tag des britischen Gew«ckschafMvn!gresses galt der Erledigung der von zahlreichen Selwn Semrtragten vsrschicfcm formulierten FricdeNSentschlicßnnzcn. Abgesehen von ewer provozierenden Rede.Havekost Wilsons verlief die Ausfprachd unerwartet ruhig, da, wie der Sonderbericht- erstatter der„Daily News" mitteilt, die hervorragendsten Vertreter ler verschiedenen von einem sosortigen VerständigungNsrieden biS ; im entscheidenden Gewaltfrieden gehenden Richtungen vor Eröffnung der Verhandlung sich auf eine einzige gemeinsame Eni- schlteßung geeinigt hatten, die folgenden Wortlaut hat: „Dieser Kongreß bestätigt die Entschließung des Kon- gresses zu Blackpool und ersucht um eine Erklärung der KriegSziele der interalliierten Konferenz in London, welche fordert, daß jede willkürliche Macht allerorten, d-ie für sichjm geheimen und nach freiem Ermessen den Frieden der Welt stören kann, V e r- n i ch t e t werde oder fall? die Vernichtung gegenwärtig unmög- lich ist, zum wenigsten zu tatsächlicher Machtlosigkeit gebracht werde. Er fordert weiter, daß, wenn bei den(sttiedenZ- konferenzen der Fried tkn erörtert wird, eine an gemessene Vertretung der Arbeiterschaft zugelassen werde. Ter Kongreß ersucht die Regierung, sofort die Friedensverhandlungen zu eröffnen, sobold der Feind freiwillig oder gezwungen Frank- reich und Belgien ränmt nüd bekennt sich erneut zu den Grund- sähen der Internationale«fs der sichersten Garantie für den Weltfrieden." Ter Abgeotchrrete Thomas vmt dttc ffilfenktaftttemnion befüc- rortete die Annahme der Entschließung. Redner wies darauf hin, paß es der Arbeiterschaft der Ententeländer gelungen sei, trotz der rvoßen MeinungSderschledenheit zu einer einheitlichen p ci e gsgi e le r k lä r u n g zu gelangen, welche bisher die ein- -.ige greifbare Erklärung für die Herbeiführung des Welt- iriodens sei. Die aus den feindlichen Ländern darauf eingegangenen iiitworten hätten freilich enttäuscht; insbesondere sei die der deutschen Mehrheitlsozialiston leider unbefriedigend. ber dieser Umstaick torichpig» niemand, di» Bemühungen der Ar- -eiterschaft,«ll« Weg» 5«r Hw&etführrmg ein?« bleibenden Frieden« :m versuchen, zu vernrteilon. Thomas sprach � von den derzeitigen militärischen Erfolgen, warnte aber davor, nicht deshalb, weil die dunklen Wolken sich etwas geklärt bättcn und nach vier Iahren tndlich einige Erfolge errungen worden seien, die Kriegs ziele zer Arbeiterschaft naÄ derverändcrten Kriegs- karte zu modeln. Laßt uns nicht nur unseren Soldaten und SexIMem fondgr» auch den Mneoten und den Feinden ankündigen, daß die britische Arbeiterschaft kein einziges Menschen- leben opfert, um dem britischen Reiche einen Dard Boden hinzuzufügen.(Beifall.) Laßt uns in diesem Jubi- länrnsjahr unseres Kongresses sagen: Nicht nur hält die Arbeiter- schaft zusammen, sondern aus der Asche dieser furchtbaren Hölle dieses Gemetzels soll eine Bewegung entstehen, die nicht lokal und itational, sondern international ist, auf daß die Arbeiter der Welt wissen mögen, daß die die Bruderschaft der Menschen die beste Bürgschaft für den Frieden ist.(Lauter Beifall.) T h o r n e von der allgemeinen Arbeitcrföderation unterstützte die Entschließung. Thorne betonte weiter, daß keine internationale Sozialisteitkonferenz möglich sei, bis die sozialistischen Parteien der Mittelmächte ebenso ihre Friedensziele formuliert hätten wie die Ententesozialisten. Nächster Redner war der Pazifist Turner von dem Textil- arbeiterverband. Er wies darauf hin, daß die vorliegende Eni- schließung das' Ergebnis eines vernünftigen Kompro- Misses sei. Er selbst wünsche den Frieden, sobald ein solcher irgendwie möglich sei. Er glaube nicht, daß irgend semand im ganzen Lande nicht den baldigsten Frieden herbeiwünsche. Turner sagte weiter: Oft sagen wir in Unmut, daß wir fortfahren müssen, die Deutschen, Oesterreichec und Türken zu töten, bis sie aus- gerottet sind.(Zurufe: Jawohl!) Rache mag süß sein, aber sie ist für mich und viele andere weder Pilosophie noch Religion. Für die Mütter des britischen Reiches würde es keinen Wert haben, wenn wir eine Million Deutsche töteten und dabei hunderttausend ihrer Söhne verlören.(Beifall.) Wir wollen den Militarismus vernichten, aber es besteht die Gefahr, daß wir, wenn wir gewisse Mächte hier ermutigen, die unsere Presse leiten und unfern Premier- minister führen, hier ein S y st e m aufrichten, das dem, was wir in Deutschland bekämpfen, s e hr ähnlich ist.(Beifall; Zu- rufe: Etwas für Northcliffe!) Tille tt von der Dockarbeiterunion beschuldigte die deut- scheu Sozialdemokraten, die Sache der Demokratie preis- gegeben zu haben. Havelock Wilson von der Seemannsunion sprach in scharfer, sarkastischer Weise gegen die Entschließung. Er protestierte dagegen, daß die F r ied e n s v e rh a nb- lungen beginnen sollten, wenn Frankreich und Belgien von den Deutschen gesäubert wären, denn man dürfe Rußland nicht vergessen. Die Anhänger des Arbeiterstaates verurteilten den PrussicmiSmus, sie seien gegen das Kaisertum. Tatsächlich sei kein Heller Unterschied zwischen ihnen und den preußischen Herren, die sie verurteilten. Sie redeten von Kriegszielen der Ar- beiterschaft ohne ein wirkliches Mandat der Arbeiterschaft zu be- sitzen. Wahrscheinlich fürchteten sie, die sich Demokraten nennen, vor das Volk zu treten, ihre Kriegsziele darzulegen und dem Volke zu sagen, daß sie mit Teutschland zu verhandeln wünschten, wenn eZ Belgien und Frankreich geräumt habe. Wenn ein Einbrecher in ein HauS eindringe und die Familie vergewaltige, und man er- wische ihn, wie er das Silbergeschirr wegnehme, so sage man dann zu ihm guten Tag, Herr Einbrecher, wollen Sie bitte in mein Privatzimmer treten und wollen wir verhandeln?(Beifall.) Shaw von der Weberunion wies darauf hin, daß die Eni- schließung zum ersten Male klar die Bedingung aufftclle, daß die deutschen Sozialisten genaue Antwort auf das interalliierte Kriegsmanifest geben müßten, ehe die Verhandlungen mit ihnen möglich seien. Amman von den Postangestellten erklärte, daß die Absicht derer, die fiir einen Verhandlungsfrieden einträten, darauf gerichtet sei, die Männer an der Front zu unterstützen, die dort stünden, weil sie dazu gezwungen toürden. Wenn man irgendein Land im Felde besiege, befestige man den Militarismus nur um so mehr. Wer anders sei denn für die jetzige Lage Rußlands verantwortlich als die alliierten Regierungen und die englische Re- gierung im besonderen? Es bestehe praktisch ein Bündnis zwischen den Alliierten und den Mittelmächten, die Demokratie Rußlands zu zertreten. Ich glaube, schloß Redner, daß wir Deutschland im Felde schlagen werden, aber während ihr Deutschland schlagt, werdet ihr hier zu Hause geschlagen und durch die preußischen Methoden versklavt. Der A r b e i t e r m i n i st e r Roberts, der als Delegierter der Schriftsetzerunion sprach, stellte fest, daß die Entschließung einer- seits Verhandlungen mit den feindlichen Sozialisten ausschließe, bis sie ihre Kriegsziele erklärt hätten, was v c r m u t- lich nie geschehen werde, andererseits aber den Kongreß ver- pflichte, die Durchführung des Krieges zum mindesten zu fördern, bis die Deutschen aus Frankreich und Belgien getrieben seien. Gleich- zeitig belehrte er den Kongreß, auf dem so viel von Demokratie �die Rede sei, daß die Arbeiterkonferenz allein keineswegs das ganze Volk repräsentiere. Ein demokratischer Friede werde ein solcher sein, der von den repräsentativen Regierungen der deinokratischen Länder geschlossen werde. Die britischen Ar- beitervertreter hätten«in Recht, bei den Friedensverhandlungen mitzureden, aber nur in demokratischer Weise nach Ab- Haltung allgemeiner Wahlen durch Beeinflussung der Re- gierung im Unterhause. Nach Schluß der Aussprache wurde die Entschließung gegen nur sechs Stimmen angenommen. Für die Freunde eines baldigen Verständigungsfriedens ist das Resultat des Gewerkschaftskongresses, selbst wenn man von den Exentrizitäten eines' Havelock Wilson absieht, wenig befriedi- gend. Die angenommene Entschließung fordert die britische Re- gierung im Vordersatze zur Einleitung sofortiger Friedens- Verhandlungen auf, um im Nachsatz diese Aufforderung völlig aufzuheben. Denn sie wird an die Bedingung geknüpft,„sobald die Deutschen freiwillig oder gezwungen Nordfrankreich und Belgien geräumt haben". Diese Bedingung ist derart formuliert, daß an ihren baldigen Eintritt kein vernünftiger Mensch glauben kann. Gewiß soll Deutschland auch nach unserer Ansicht freiwillig Belgien und Nordfrankreich räumen. Aber diese Räu- mung kann er st auf Grund des Friedens, nicht vor dem Frieden geschehen. Oder welche Garantie bieten die briti- schen Gewerkschaften dafür, daß, wenn diese Räumung noch wäh- rend des Krieges erfolgt, die alliierten Heere nicht in Deutschland einzudringen suchen, daß die Kanonen der Entente nicht über die Grenze schießen, daß ihre Flugzeuge nicht Bomben auf die als- dann sehr nahe gelegenen Städte des rheinischen Industrie- reviers werfen?! Stellt man dagegen die Sache auf die andere Alternative: die Deutschen werden zwangsweise ans Belgien und Nordfrank- reich Vertrieben, so macht man den Frieden von dem G I ü ck d e r Waffen abhängig, tut also das Gegenteil dessen, was die Freunde des Verständigungsfriedens anstreben. Diese Bedin- gung läuft nicht auf eine Kriegsabkürzung, sondern auf die schlimm st e Kriegsverlängerung heraus, zumal die Erreichbarkeit des militärischen Zieles denn doch einstweilen sehr in Frage steht. Auf diesem militaristischen Wege ist zum baldigen Verständiglingsfrieden nicht zu kommen. Die an unsere Adresse gerichteten Vorwürfe der englischen Gewerkschaften treffen uns nicht. Solange sie selber Chauvinisten vom Schlage Havelock Wilsons in ihren Reihen zählen, solange Kriegshetzer wie Gompers und Hughes, der die Hälfte aller Deutschen totschlagen will, auf ihrer Tagung willkommene Gäste sind, solange sind sie die allerletzten, die das Recht zu derartigen Anklagen hoben. Der Redner/der pathetisch ausrief, daß Eng- land keinen Yard Boden für sich durch.den Krieg gewinnen wolle, möge doch einmal die englische Regierung fragen, wie sie sich die Zukunft Palästinas, Aegyptens. Mesopotamiens, Syriens, Persiens und der deutschen Kolonien vorstellt?! Mehr als die Resoliltion, die das Ergebnis eines Kompro- inisses ist, zeigt die Debatte das Anschwellen der Friedens- bewegung in der englischen Arbeiterschaft. Wenn diese kein Menschenleben für einen Aard Bodens hingeben will, und wenn die deutsche Arbeiterschaft, wie ihre Vertreter nnzähligemale erklärten, genau auf demselben Standpunkt steht, so ergibt sich daraus der Schluß, daß die vorhandenen Mcinungsverschieden- heiten nicht unüberwindlich sein sollten. Das Gewirr öer Repeeffalien. Eine Erkärnng der Sowjetregicrung. Moskau, 6. September. Amtlich teilt PTA mit, daß das Volkskommissariat für Auswärtige Angelegenheiten eine Erkläruitg erließ, die nochmals auf das kompiratorischeTreibender Vertreter Englands und Frankreichs hinweist, den die Sowjetregierung keine unbeschränfte Freiheit einräumen konnte, und dann fortfährt: Da die englischen und französischen Truppen in das Territorium der Russischen Sozialistischen Föderativen Sowjetrepublik eindringen zur Unterstützung offe- ner Aufstände geg.cn die Sowjetherrschaft, während die diplo- matischen Vertreter dieser Mächte innerhalb Rußlands Organ i- sationen zu seinem Staatsumsturz schaffen und die Macht an sich zu reißen versuchen, so steht die Regierung der russischen Republik unter dem Gebot der Notwendigkeit, koste es was es wolle, die notwendigen Maßnahmen zur Selbstverteidigung zu ergreifen. Alle internierten Vertreter der englischen und französischen Bourgeoisie, unter denen sich kein ein- ziger Arbeiter befindet, werden sofort in Freiheit gesetzt werden, sobald die russischen Staatsangehörigen in Eng- land und Frankreich und im Okkupationsgebiet der. verbündeten Truppen und und der Tschecho-Slowaken Repressalien und Verfolgungen nicht länger ausgesetzt sein werden. Die englischen und französischen Staatsangehörigen werden sofort die Möglichkeit erhalten, das Territorium Rußlands zu verlassen, sobald dieselbe Möglichkeit den russischen Staats- angehörigen in England und Frankreich zugestanden wird. Tie französischen Militärpersonen wctkden diese Mög- lichkeit erhalten, wenn russische Soldaten unter Anteilnahme des internationalen sowie des russischen Roten Kreuzes aus Frankreich' zurückbcfördcrt werden. Den diplomatischen Vertretern beider Teile darunter dem Rädelsführer der Verschwörung Lockhardt, wird die Möglichkeit zur gleichzeitigen Rückkehr eingeräumt werden. Schon nachdem die Regierung der Sowjetrepublik die obengenannten Entschließungen angenom- men hatte, erhielt sie von der englischen Regierung die Funk- spruchmitteilung von der Verhaftung des Genossen Litwinow und seines Personals. Dieser Umstand kann von uns nur als eine überflüssige Bestätigung für die Nichtigkeit unserer Handlungen und die völlige Berechtigung unserer Befürchtungen angesehen wer- den, als wir die Abreise Lockhardts und seiner Mitarbeiter aus Rußland vor der Abreise Litwinows aus England ablehnten. Tie in dem englischen Funkspruch sowie in der gleichzeitig durch Funkspruch erhaltenen Erklärung der französischen Regierung enthaltene Drohung für den Fall der weiteren Inhaftierung englischer und französischer Staatsangehöriger i n- dividuelle Repräs salien gegen alle hervor- ragenden Bo Ischewiks, die in die Hände der betreffenden Regierungen fallen sollten, anzuwenden, bedeutet für uns nicht? Neue?, da schon jetzt derartige Repressalien, darunter die Füsilierung von Sowjetmitgliedern im Okku- pationsgcbiet der Ententemächte, durchgeführt werden. Wir bleiben bei nnscrem früheren Borschlage, auf Repressalien AcrX zicht zu leisten, falls die Ententemächte von solchen absehen sollten. Wie wir schon wiederholt darauf hingewiesen haben, beziehen sich unsere Vorsichtsmaßregeln ausschließlich auf die englische und fran- zösische Bourgeoisie, während wir keinen einzigen Arbeiter irgend- wie einschränken werden. » Moskau, 7' September.(PTA) In einer Verschwörerwoh- nung wurde der im KriegSkommiffariat tätig gewesene Oberstleut- nant Friede verhaftet, der mit seinem Bruder, einein Hauptmann, im Dienste der Sowjetmacht stand. Sie haben sich sowohl s y st e- matische Aneignung von Geheimdokumenten zu- schulden kommen lassen, als auch Uebermittlung von N a ch r i ch- ten über die S o w j e t t r u p p e n v e r s ch i e b u n gi n an die englisch-französische Mission. Man verfertigte einige Abschriften der einlaufenden Nachrichten und händigte sie an verabredeten Stellen auf den Boulevards einer Vermittlerin, einer Schauspielerin, aus. Während der Haussuchung sind in der Wohnung des Oberstleutnants Friede Geheimdokumente vorge- funden, deren Raub von der britischen Regierung freigebigst bezahlt wurde. Die Vergeltung der Zlttentate. Petersburg, 7. September.(Wiener Telegr.-Korresp.-Bureau.) Amtlich wird bekanntgegeben, daß bisher als Vergeltung für die Ermordung Uritzkis 512 sogenannte Gegenrevolutionäre, darunter 10 rechte Sozialrevolutionäre, erschossen worden sind. Die Namen der Erschossenen sind bisher nicht veröffentlicht. Es wurde die erste Liste der im Falle eines neuen Attentats zu erschießenden Geiseln veröffentlicht. Sie umfaßt 121 Namen, meist vormalige Offiziere, darunter die Großfürsten Dimitri Konstantinowitsch, Paul Alexandrowitsch, Nikolai Michaile- witsch, Georg Michailowttsch und Gabriel Konstantinowitsch, ferner Werschowski, Krieg sminister unter Kerenski, Paltschinski, Minister unter Kerenski, Fürst Schachowski, einige bedeutendere Bankiers, einig« serbische Offiziere, rechte Sozialrevo- lutionäre, der ehemalige Oest�rreicher Popper, Herausgeber der Börsenzeitung, der Kavalleriekorpskommandant Ben Nachitsche- wanski, der Kommandant des 1. ArtillerickorpS General Baranzew, der Kommandant des ersten Gardekorps Graf Potok, Graf Sabello, der Generalleutnant Komarow, die Generale Wintulow und Toll. Moskau, 7. September.(PTZl.) Alle Provinzial-Towjcts haben beschlossen, das Attentat auf Lenin mit dem s y st e m a t i. schen Massenterror gegen die Bourgeoisie und ihre Agenten zu beantworten. Stockholm, 9. September.(TU.) In der Nacht zum 2. Sep- tember wurden nachstehende Personen in Petersburg verhaftet: Der Schriftsteller A. I. K u p r i n, S. U. P r e p p s e r, M n i ss e l, der frühere Finasizminister K o k o w z e w und L cha k o w S k i. Petersburg, 5. September.(PTA.) Zum zeitweiligen Stellver- treter des Vorsitzenden der Kommission zur Bekämpfung der Gegen- revolutton ist an Stell« UritzkyS Gleb Jwaniwitsch Bokij gewählt worden. Der Zentralausschuß ber Partei der linken Sozialrevo- lutionäre(Internationalisten) benachrichtigt die Parteiprgant- sationen, daß der Zentralausschuß das Attentat der Weißgardisten auf den Vorsitzenden des Rates der Volkskommissare, Leoin, e n t, jchitdenver urteilt, Nr. 249 ♦ ZS. Jahrgang Seilage des vorwärts Dienstag, 10. September 101 S GroßSerlLn Ein albernes Machwerk. Vor uns liegt ein Flugblatt, das in verschiedenen Gemeindeschulen verteilt worden ist und eine Werbung für die nächste Kriegsanleihe darstellen soll. Das Titelbild stellt den bekannten Soldaten mit dem Sturmhelm dar, der dem Arbeitsmann an der Drehbank die Hand reicht. Dar- unter aber steht—:„Fritze Bollmann und sein Onkel Max". Dann kommt ein Gedicht, dessen„Gehalt" in der Wirkung etwa der Kolik gleichkommt. Onkel Max fragt nach dem Frieden: „Sobald wir jefiegt ha'm!*— Erwiderte Fritze— „Bor allem kriegt England noch eertS uff die Mütze! Denn England hat doch blofe Schuld daran, Det ick nich bei Muttern bleiben kann!— Aber et wird schon jeschafftl Und et wird ooch jesiegt! Bis die janze Bande am Boden liegt!'— Onkel Max aber sagt:„Nich so hitzig, mei Lieberl Warum lägen wir denn die Waffen nich nieder? Wir führen ja doch bloß Krieg for de Reichen I Und da soll ich noch Kriegsanleihe zeich'en??'— Die weitere Entwicklung dieser Disharmonien bis zum grandiosen Schlug, dag Onkel Max ganz begeistert doch Kriegsanleihe„zeich'et", wollen wir dem Leser und dem Setzer nicht zumuten. Die gleiche Rücksicht möchten wir auch den Schulbehörden gegen die geistig wehrlosen Kinder an- empfehlen. ' Der Kriegsanleihe isi mit solchem Humbug nicht ge- dient; von der Arbeiterschaft wird eine solche blöde Auf- fassung vom Kriege, wie sie ihr durch„Fritze Bollmann und Onkel Max" untergeschoben werden, nur als Beleidigung empfunden- Aufklärung des Raubmordes in der Karlstrahe. Verhaftung des Raubmörders und seines Spießgesellen. Am Sonntag ist eS gelungen, den fahnenflüchtigen Matrosen Roman BrhweghnSki in Posen zu verhaften, deS- gleichen dessen Spießgesellen Anton KulawSki. der während der Ausführung deS Raubmordes Schmiere gestanden haben soll. Nach Bekanntwerden der Festnahme der beiden Täter auf dem hiesigen Polizeipräsidium wurde sofort aus telegraphischem Wege amtlich in Posen nachgefragt, jedoch steht der Bescheid hierauf noch aus. Wie seinerzeit ausführlich berichtet, wurde am 14. August gegen ll'/z Uhr nachmittags der am 21. Januar 1863 zu Luckenwalde geborene Schankwirt Hermann Bennewitz von einem Soldaten in seiner in der Karlstraße 27 gelegenen Schankwirtschaft in einer großen Blutlache neben dem Schanktisch liegend tot aufgefunden. Dem Wirt war mit einem leeren Bierseidel die Schädeldecke zertrümmert worden. Der Mörder hatte ihm dann die Briestasche mit einer größeren Geldsumme aus der inneren Westen tasche geraubt und dann unerkannt die Flucht argrisfen. Die sofort eingeleiteten Ermittelungen der Berliner Krimtnalpolizei ergaben, daß der am 3. April 1895 zu Posen gebütige Schlächter Roman Brywezynski als Mörder in Frage kam. Er hatte vorher mit anderen fahnenflüchtigen Matrosen in der Schankwirtschaft von Bennewitz verkehrt und war, während es gelang, die Freunde wegen verschiedener Straftaten festzunehmen, verschwunden. Er hatte sich besonders durch Aeußerungen, die er vor dem Morde mehreren Personen gegenüber getan, verdächtig gemacht. So hatte er unter anderem zu einer Frau gesagt, daß„Alfred", sein Freund, sich nicht wundern solle, wenn er einen großen Kra« keel in den Zeitungen lesen und er nicht wiederkommen würde Er ließ dann aber später von sich hören. Bon einer anderen Frau hatte er sein Bild unter der Begründung zurückverlangt, daß er sich mit dem Freunde gezankt habe und sie daher kein Bild mehr von ihm brauche. Auch bei feinen anderen Bekannten konnte, als sich der Verdacht gegen Brywezynski verstärkt hatte und die Kriminalpolizei nach einem Bilde suchte, diese zunächst auffallender weise nirgendwo einS finden, obwohl sich Brywezynski kurz vorher mit seinen Freunden hatte photographieren lasten. Dennoch gelang eS, ein Bild aufzutreiben, das dann sofort in großer Menge ver« vielfältigt und überallhin versandt wurde. Ein besonderes Augenmerk wurde seiner Heimatstadt Posen zugewandt, wohin auch sofort ein Beamter der Berliner Kriminalpolizei mit dem ganzen Material fuhr. Der Gesuchte war dort aber zunächst nicht zu finden, jedoch kam man auf seine Spnr, die erkennen lieb, daß Brywezynski sich auf dem Lande umhertrieb und mit Speck. Ziegenfleisch und anderen Lebensmitteln Schleichhandel trieb. Auch war er auf kurze Zeit nach Berlin gekommen, sofort aber wieder abgereist. Nach Posen wies auch der in der Schank- Wirtschaft zurllckgelastene Dolch, der in eine Ausgabe der Posener „Neuesten Nachrichten" vom 23. Juli 1918 eingewickelt war, die wiederum hier in Berlin in eine Nummer der„B. Z. am Mittag vom Mordtage eingeschlagen war. Wie auö Posen mitgeteilt wird,•'gelang es der dortigen Polizei, den Brywezynski in einem Stallgebäude zu ermitteln und sestzw nehmen. Der gleichfalls verhaftete Anton KulawSki soll bei dem Raubmord nicht nur Schmiere gestanden, sondern sich auch direkt daran beteiligt haben. Beide sind geständig und'werden sofort von Posen abgeholt, um hier eingehend verhört zu werden. Wäsche und Kleidung für Minderbemittelte� Zur Versorgung der ärmeren Bevölkerung für den kommenden Winter wird die Reichsbekleidungsstelle allen Kommunalverbänden Waren folgender Art überweisen: 1. Oberkleidung für Frauen und Mädchen: Jackenkleider, Röcke. Blusen, Mädchenkleider; 2. Wäsche stücke«0 für Erwachsene: Männerhemden, Frauenhemden, Männer Unterhosen, Frouenunterhosen, Unlerröcke, Wöchnerinnenunterlagen; d) für Kinder: Knabenhemden, Mädchenhemden. Unterröcke, Trikot, wasche; c) für Säuglinge: Jäckchen, Hemdchen, Windeln, Unter, lagen. Nabelbinden, Wickeltücher. Im Monat September werden alle Kommunalverbände Zw teilungSbescheide erhalten, in denen die Mengen der ihnen zuge, teilten Waren enthalten sind. Bei der großen Knappheit der Web- und Wirkwaren ist eS der Reichsbckleidungsstelle bis auf weiteres unmöglich, größere Mengen als die im Zuteilungsbescheide ge« nannten zu liefern. Sie muß daher ersuchen, die überwiesenen Mengen so sparsam wie möglich zu verwenden. Weitere Papicrpreiserhöhung in Sicht! Der Verein deutscher Zeitungsverleger hat zu Mittwoch, den 11. September, nach dem WeinhauS Rheingold eine allgemeine Zeitungsverleg'er-Versammlnng einberufen. Der einzige Punkt der Tagesordnung lautet: Papieiprcis und Tagespresse. In- I ein bedeutender Aufschlag auf ven Papierfabrikanten beabsichtigt sei. den Papierkilopreis von dem zragesyrvnung tauiei: o"-•>•"> der Verkaussstelle Eiuleitungszirlular weist der Borstand des Vereins darauf hin, daß t vollendeten 7. Lebensjahr« Die Stadtverordnetenversammlung am Donnerstag wird sich u. a. mit den Lohn« und Arbeitsverhältmsten der städtischen Arbeiter, mit dem Bring- und Holsystem bei der Steuereinziebung, mit der Herabsetzung der Höchstpreise iür Kartoffeln, mit der Errichtung eines Wohlfahrtamtes, mit der Ernährung der Berliner Bevölkerung und mit der Bundesratsverordnung zum Schutz der Mieter be- schästigen. Ferner soll die Vorlage über die Gewährung von Ruhegeld und Hinterbliebenenversorgung für die ohne PensionS« berechtigung im Dienste der Stadt dauernd beschäftigten Personen, Beamte, Angestellte, Arbeiter usw., über Ergänzungsbestim« mungen zum Beamtenpensionsgesetz und zum Gemeindebeschluß über Ruhegeld und Hinterbliebenenversorgung verabschiedet werden. Außerdem kommen noch einige weniger wichtige Borlagen zur Beratung. Käscverteilung. Von heute bis Sonnabend, den 14., wird an diejenigen Kunden, die in die Speisefettkundenlisten der in den Bezirken der 140.— 144., 147., 148.. 150., 151., 205.. 213.. 238. und' 237. Brotkommission gelegenen Geschäfte eingetragen sind, pro Kopf 125 Gramm Käse verteilt. Lehrficvenvermittlllng. Den Familien, deren Söhne und Töchter in wenigen Wochen zur Schulentlassung kommen, bereitet die Wahl eine? geeigneten Berufes oft große Sorge. Besonders ist dies der Fall, wenn der Vater im Felde steht und die Mutter allein diese für die Zukunft des Kindes so wichtige Entscheidung zu treffen hat. Die Zentralstelle für Lehrstellenvermittlung, Am Köllnischen Park 3. bietet allen vor der Berufswahl stehenden Knaben und Mädchen kostenlos sachkundigen Rat und vermittelt Lehrstellen für alle handwerksmäßigen kaufmännischen und gewerblichen Berufe. Die Sprechstunden finden statt werktäglich von 9—12 Uhr, an Sonn« tagen von 10—1 Uhr.« Die PilzauSstcllung im Königlichen Botanischen Museum in Dahlem, Königin«Luise»Str, 6— 8, ist vom 12. Bis 18. September täglich von 10 bis 5 Uhr geöffnet. An den Wochentagen wird Herr Dr. E. Ulbrich um 12 Uhr erläuternde Vorträge halten. Eintritt frei; für Sckmlcn muß für je 30 Kinder ein Begleiter gestellt werden. DaS Berühren der ausgestellten Pilze ist verboten. DaS Museum bleibt Mittwoch, den 11. 9. geschloffen. Zur Aufklärung drS großen BankbetrugeS bei der Preußischen Seehandlung wird berichtet, daß von den Beamten, die nach Frei- bürg gefahren waren, um das Geld dort sicherzustellen, 589 700 Mark beschlagnahmt worden sind. Unbckunnte Leiche. Am 17. Juli ist am östlichen Habelufer bei Schildhorn die Leiche einer weiblichen Person aufgefunden worden. Die Unbekannte ist 1,68 Meter groß. 25— 30 Jabre alt und hat dunkelblondes Haar. Bekleidet war sie mit dunkelblauem Gummi« mantel, weißer Bluie, schwarzem Tuchrock, weißer Untertaille. weißem Hemd, gez. 8., schwarz- und weißgestreiftem Unterrock. weißem Beinkleid, langen schwarzen Strümpfen und schwarzen Halbschuhen. Mitteilungen, die zur Feststellung der Toten dienen können, nimmt der Amtsvorsteher über Grunewald Forst im Amts haus Grunewald, die Nachrichtensammelftelle über Vermißte und unbekannte Tote, Berlin ZTO, Zimmer 46, und jedes Polizeirevier entgegen._ Neukölln. Winterversorgung mit Kartoffeln. Der Magistrat beabsichtigt lvie in de» Vorjahren eine Vorversorgung mir Kar. toffeln für die Haushaltungen auch für diesen Winter insoweit zur Durchführung zu bringen, als die Anlieferung der erforderlichen Kartoffeln von den zugewiesenen Ueberschußkreisen vor Beginn der Frostperiode einireten wird. ES werden zweierlei Bestell-Listen ausgegeben werden, und zwar für Belieferung„frei HauS" iListc A) und„ab Verteilungsstelle" (Liste B). Bei Eintragung in die Listen ist hierauf genau zu achten da spätere Umänderungen in der Art der Bestellungen nicht mehr möglich find. Sowohl die Festsetzung des Preises, welcher für die Selbst- abholer natürlich niedriger sein wird, als auch die für jede Person in Aussicht genommene Höchstmenge an Kartoffeln steht noch nicht fest; beides wird später bekanntgegeben werden. Desgleichen wird die Festsetzung der Verbrauchszeit, welche unter Zugrundelegung einer Wochenmenge von sieben Pfund und außerdem von ein Pfund Schwund erfolgen wird, noch veröffentlicht werden. Mit Rücksicht auf die durch den Krieg emgetretenen schwierigen Abfuhrverhältnisse wird ersucht, tunlichst von der Bestellung„ab Verteilungsstelle" Gebrauch machen zu wollen. Für die„frei HauS"« Lieserungen wird darauf aufmerksam gemacht, Saß die Anlieferung nur frei Keller oder Erdgeschoß erfolgen kann. Für weitergehende Leistungen sind besondere Vereinbarungen über die Entschädigung mit den Abträgern zu treffen. Es wird auch besonders hervor- gehoben, daß Beanstandungen bezüglich des Gewichts oder auch der Beschaffenheit der Kartoffeln nur sofort bei der Anlieferung dem Händler gegenüber vorgebracht werden können. Abmieter, Schlafburschen usw., welche von dem Rechte der Vor- bestellung Gebrauch machen, werden besonders darauf aufmerksam gemacht, daß der Magistrat bei � späterem Wegzuge oder hervor- tretenden Unstimmigkeiten grundsätzlich in keiner Weise eingreifen oder aber Ersatz durch Kartoffelkarten leisten wird. Für Kriegs« unterstiitzungSberechtigte wird in diesem Jahre die Abgabe der Kartoffeln ohne sofortige Bezahlung nicht wieder erfolgen; auch diese Besteller sind zur sofortigen Bezahlung verpflichtet. In Fällen, in denen ausreichende Mittel hierfür nicht vorhanden flild, ist besonderer Antrag auf Borschutzgewährung im Militärbureau zu stellen. Vorbestellungen sür Gast- und Schaukwirtschaften sowie Bäckereien und ähnliche Betriebe können in diesem Jahre nicht er- folgen._ Wilmersdorf. Eröffnung einer Freibank. Zum Verkauf bedingt tauglichen Fleisches von Schlachttieren(Sckiwein. Rind, Kalb und Hammel) wird demnächst eine Freibank eröffnet werden. Der Ver- kauf erfolgt an bedürftige Einwohner auf Grund einer besonderen Kundenliste zu ermäßigten Preisen in Mengen von 350 Gramm rohen oder 500 Gramm gekochten Fleisches auf eine Fleischkarte, für einen Haushalt jedoch nur bis zu 1 Kilogramm wöchentlich. Die Kundenliste wird in Zimmer? der städtischen Fleischversorgung, Brandenburgische Straße 1, 1 Treppe, in der Woche vom 16. bis 21. September, täglich von 8—3 Uhr. zur Eintragung aufgelegt. Die Eintragung erfolgt gegen Vorlage der Reichsfleischkarten und eines Ausweises, welcher durch den zuständigen Bezirksvorsteher, Armen- oder Kriegspfleger auf Antrag ausgestellt wird. Der Termin der Eröffnung der Freibank sowie die Reihe der in jeder Woche bezugsberechtigten Kunden wird noch bekannt ge- geben. Alles Nähere veröffentlicht der Mogistrat durch Säulen- anschlag._ KreiS Teltow. Ermäßigung des KartoffelpreiseS. Der Tel- tower Kreisausschutz �hat bestimmt, daß der Preis für 1 Pfund Speisekartoffeln, die für den Verbrauch in der Zeit nach dem 15. September bestimmt sind, im Kleinhandel zwölf Pfennig nicht übersteigen darf. Wcißensec. Lebensmittel. Vom 9. bis 14. September wird in C a s e l e r st r a ß e 2 für jedes Kind bis zum sine Büchse kondensierte Magermilch oder 250 Gramm Halbmilchpulver ab- gegeben. Zugleich mit der Milch werden ssir Kinder bis zum vollendeten 2. Jahre die auf sie entfallenden 500 Gramm Nähr- mittel lZwieback oder Kindergerstcnmehl) verabfolgt. Für Kinder bis zum vollendeten 6. Lebensjahre sind die Milchkarten und für Kinder vom vollendeten 6. bis 7. Jahre die Ausweise, die ihnen in den Schulen ausgehändigt werden, vorzulegen. Es kostet: eine Büchse kondensierte Magermilch 1,20 M., 250 Gramm Halbmilch- Pulver 1,25 M., 500 Gramm Zwieback 2 M. und 500 Granu» Kindergerstenmehl 76 Pf. Britz. Lebensmittel. In dieser Woche gelangen in der Verkaufs- stelle der Gemeinde zur Abgabe: Auf die Britzer Lebens- mittelkarte Abschnitt 32 100 Gramm Nährmittel, Abschnitt 33 und gegen Vorlage der Karte für Jugendliche Vr Pfund Zwieback, Abschnitt 84 ein Hering. Abschnitt 35 eine kleine Flasche, 250 Gr. Speisewürze für Haushalte bis vier Personen, eine größere Flasche 460 Gramm für Haushalt über vier Personen soweit Vorrat. Ab- schnitt 36 und gegen Vorlage einer Bezugbescheinigung sür Personen von 70 Jahren und darüber 1 Pfund Sago je Person. Gültig ist dieselbe Bezugbescheinigung, auf welche ftr der vergangenen Woche schon verabfolgt wurde, Abschnitt 37 Sonderzuteilung. Mariendorf. Berkauf von Heringen. Die Gemeinde verlaust am 10. September auf Abschnitt 30 der Gemeinde-Lebensmittcl- karte Heringe, sofern die Belieferung von Nr. 3001 bis 17000 in Mariendorf und 401 bis 3500 in Südende bei der letzten Verteilung nicht erfolgt ist.— Gleichfalls auf Nr. 84 der Gemeinde- Lebensmittelkarte gibt es vom 11. September bis 16. September in Mariendorf, Chauffeestr. 283, für die Nrn. 1 bis 5000 und Chauffeestr. 37 für die Nrn. 5001 bis 10000 Heringe. In Südende im Gemeindeladen Steglitzer Str. 24 wird aus die Nrn. 1 bis 2000 am 11. und 12. September Hering verteilt. Auf jede Karte entlällt 1 Hering a 55 Pf. Wer die Ware bis zum 19. September nicht abholt, verliert da? Bezugsrecht. Oberschöneweidc. Die„JorwärtS"-Spcdition hat Anfang dieses Monats die Genossin Paul, Malhildenstr. 5, übernommen. Wir bitten, alle Bestellungen an sie zu richten. Hroß-Serliner Partewachrichten. Spandau. Am Mittwoch, abends 8% Uhr, Mitgliederversammlung bei Steinmetz, BiSmarckstr. 8. Tagesordnung: „Die Frage des Wahlrechts". Referent: ReichStagsabgeordnetcr> Stahl. Alle Vorwärtslefer und Freunde der S. P. D. sind eingeladen.__ Genchtszeitung. Eine Anklage wegen Raubes führte den Dreher Alfred Pilz vor das Schwurgericht am Landgericht I. Bei der im Hause Friedrichstr. 233 domizilierten Werkzeugsabril von Busch ist als Kontoristin ein junges Mädchen, augestellt, zu dessen Aufgaben eS gehörte, des Sonnabends das zu Lohnauszahlungen erforderliche Geld von der Bank zu holen. Als sie Sonnabend, den 11. Mai, mit einer Summe von 4150 M. zurückkehrte und den Hausflur des zweiten Hofes betrat, erschien hinter ihr plötzlich ein aus dem Abort kommender auffallend großer Mann, warf dem Mädchen Sand ins Geficht und entriß ihr die Aktenmappe nebst Inhalt. Ms da? Mädchen laut um Hilfe rief, warf der Räuber die Tasche weg und rannte davon. Er wurde auf der Straße von mehreren Per- foncn verfolgt, rannte in die Marktballe hinein und entkam im Augenblick. Einer der Verfolger sah ihn aber bald wieder und er wurde zur Polizei gebracht. Er bestritt, der Täter gewesen zu sein. ES stellte sich aber heraus, daß der Angeklagte früher bei Busch beschäftigt gewesen war, mit den Verhältnissen Bescheid wußte, nach feiner eigenen Angabe an jenem Tage im Hause Friedrichstraße 233 gewesen war und angeblich nach Arbeit gefragt hatte. Dazu kam, daß von mehreren Personen sowohl nach seiner ©tawr als auch nach einem bestimmten Merkmale an seiner Kleidung auf das bestimmteste als der Täter wiedererkannt wurde. — Die Geschworenen sprachen den Angeklagten des Raubes schuldig und billigten ihm mildernde Umstände zu. Das Gericht berück- sichtigte die Frechheit, mit der der Angeklagte diesen Uebcrfall am hellichten Tage in der so belebten Fricdrichstratze ausgeführt hat und verurteilte ihn zu 2 Jahren Gefängnis und 3 Jährest Ehrverlust. Zu dem Goldhandelprozeß, über den wir am vergangenen Sonnabend berichtet hatten, werden wir von verschiedenen Seiten um die Mitteilung gebeten, daß der darin als Polizeispitzel er- wähnte„Flieger Cohn" nach amtlicher Auskunft ein Flieger Rudolf Cohn ist._ Mus aller Welt. Liebe und Schleichhandel. Folgender Beitrag zur Kulturgeschichte der großen Zeit ver- dient aus die Nachwelt gebracht zu werden. Eine Frau P. aus Charlottenburg unternimmt«ine Reise und lernt auf der Eisen. bahn einen Landwirt aus Ottorowo, Kr. Samter, kennen, dessen ent, gegerikommendes Wesen sie ermutigt, in einem Brief an ihn die Anknüpfung geschäftlicher Beziehungen zu versuchen. Sie erhält darauf folgende Antwort, die uns der entrüstete Ehemann zuschickt: Ottorowo. Kr. Samter, den 2. 9. 18. Sehr geehrte Frau P..., ihren werten Brief erhalten, u. daraus ersehen, da« sie sich ettvas Lebinsmittel gern holen wollen. Nun will ich auch ihnen entgegenkommen. Und können sie nach Samtcr kommen u. zwar muffen sie Morgens um 6 Uhr dasein. Wfo sie fahren Donnerstag Abend ich weis die Stunde nicht. fort bis Kreuz, dort umsteigen. Ich hin auch da aber werde erst um 8 Uhr dort sein, drum fragen sie wo der Weg hingeht nach Ottorowo. alsdann muffen wier uns treffen. Ich bringe ihnen 20 Stk Eier 15 Pfd Mehl Yz Ctr. Kartoffeln etwas Gurken und 2 Pfd Fleisch auch 3 Pfd Käse. Ich will für die Sachen kein Geld. Mus ihnen aber gestehen, icb will mal gut L i b e n. A l s o s i e w i s s e n w a S i ch w i l I. Wenn wir uns erst kennen, können sie alle Monat kommen u. ich werde sie schon immer was besorgen. Also bestimmt Freitag. Wenn nicht bitte um Antwort. ES grust unter einem süssen KusS ihr H. S..... Eine vollkommenere Form der Naturalwirtschaft bei der be- kanntlich verschiedene Bedürfnisgüter in bargeldlosem Verkehr mi einander ausgetauscht werden. läßt sich nicht gut denken. Ist das die Stufe innerafrikanischer Negerstämme? Oder schon etwas tteser? Bon Einbrechern ermordet. Görlitz. 9. September 1918. Am Sonnabend wurde in Jagen 13 des Reviers Langenau der Görlitzer Heide der 19jährige Hilfssörster Hüsemann ermordet aufgefunden. Hüsemann ist vermutlich von Einbrechern ermordet worden, die er beim Teilen der Beute aus einem Einbruch über- raschte. Die Staatsanwaltschaft hat die Untersuchung eingeleitet. Die OKuktiog der Leiche findet morgen statt, Snefkasten der Redaktion. ■ 9. K. Cinc sozialdemokratische Zeitung in polnischer Sprache ericheint in Deutschland nicht.— Murkel»<». t.— 3. Die Unterrichtsanstalt des ktöniglichcn Kunstgewerbeniuseums besindet sich Prinz-AIbrecht-Strage 8. Wegen des Beginns der Kurie sragen Sie am besten dort an. Wenden Sie sich an solgende Adresse:.Agsnos des renregnement pour pri- sonniers de guerre, Genf, Eue de l'Atliende.— W. M. 25. Davon ist uns nichts bekannt.— H. St. 91.„Königsberger Volkszeitung", Königsberg i. Pr., Vorder-Rosjgarten.— Qbermatr. P. S. Im Brics- kaiten ist für derartige Abhandlungen nicht Raum. Die Nummer des . Vorwärts" vom 3. April 1918 enthielt einen Aussatz darüber. Auch gibt es billige Broschüren über die Tabakhcrstelluna, die Sie durch die„Vor- wärts"-Luchhandlung, Berlin SW 68, Lindensir. 3, bestellen könne».— K. 55 359. Wir sehen Ihren Mitteilungen gern entgegen. Wenn es sich allerdings um militärische Angelegenheiten handelt, so'wenden Sie sich -an den Rrichstagsabgeordncten Daniel Stückl-n, Berlin-Friedcnau, Feuer- bachstratze 16.— Bade» 23. 1. Dr. Heinrich Rraun, der Gatte der ver- slorbenen Lily Braun, ist identisch mit dem in jenem Buche angegebenen Dr. Heinrich Brandt. Sie verwechseln ihn irrtümlicherweise mit unserem Genossen Dr. A d o I s Braun in Nürnberg, der der Bruder des Dr. Heinrich Braun ist. 2. Beide sind unseres Wissens nicht identisch. — W. 59V. Das Buch können Sie zum Preise von 1 M. durch die Vorwärts- Buchhandlung, Berlin SW 68, Lindenstratze 3, beziehen.— Haus 13. Kleiderläuse sind nur zu beseitigen, wenn man die Kleider längere Zeit ganz heißen Wasserdämpsen aussetzt.— Flieger 193. Das Versahren ist uns nicht bekannt. Wenden Sie sich an einen Fachmann. — Haubitze. Besten Dank für Lhr Schreiben. Wir haben es als Material unserem Reichstagsabgeordnelen D. Stücklen. Bcrlin-Friedenau, Feucrbach- straße 16, überwiesen.— Herrsurth 2. Da Liebknecht zu vier Jahren einem Monat Zuchthaus verurteilt ist, dürste seine Entlassung vor Ablauf des Jahre? 1920 nicht erfolgen.— Pionier SB., Fp. 121. Für Bucheckern werden pro Kilo 1,80 M. gezahlt.— Nr. 83 107. Der Höckiftpreis ist nicht überall gleich. Für die Provinz Brandenburg beträgt er pro Tonne; Korn 305 M., Weizen 325 M.— Christstr. Die Ukrainische Gesandt- schast befindet sich Kronprinzenufer Nr. 10.— R. H. 5. Zeitschiist „Der Eisenhändler", Bunzlau. Wegen des Näheren fragen Sie dort an. Nach langen, schweren Leiden entschlief sanft am| 7. September unsere geliebte Freundin Frau Einntf Charlotte Lewin �geb. Sternberg im SUter von 37 Fahren. 106/11 j In Liebe und Trauer Vi-. Zlsrtba W�goetalnsKl. Margarete Reich. Ann! Blnmcnfcld. Nach schwerem Leiden ver- !'chicd meine innigstgclicbte Frau, unsere geliebte Schwie- ! gertochtcr. Schwester, Schwä- s gerin, Nichte und Tante �mmz Ciiarictte Lewin, geb. Sternberg. Wer die Enlschlasene ge- lannt, wird unfern Schmerz ermessen. Im Namen der Hinter- bliebenen llcrthold I-eirln, zurzeit Thaerstr. 2. Beerdigung Donnerstag, den 12., 11 Uhr, neue Halle Weifiensee. Von Kondolenzbesuchen bitte höfl. abzusehen. s3135b Zlm Freitag, den 6. Sep- tcmber, starb nach nur kurzem Krankenlager unser verehrter Obersaktor Herr SermsM Kübne im 78. Lebensjahre. Wir verlieren in ihm einen humanen Vorgesetzten und werden seiner in Ehren ge- denken. Trauerfeier: Mittwo den 11. September, na!. mittags 3 Uhr, inderLeichen balle des III. Friedhofes der Gemeinde Pankow, Schön- holzer Heide. 1339b Ose Psreovsl der Firma Otto von Holten, Berlin. Plötzlich und unerwartet i 1 traf uns die Nachricht, dag I s am 8. August unser geliebter I Sohn, Bruder, Schwager| und Onkel, der Sergeant ltiebsrd Flck Jnh. des Eis. Kreuzes im 32. Lebensjahre infolge eines Granatvolltreffers ins Lager sein Leben lassen mutzte. 3131b In tieser Trauer | Die Eltern, Geschwister und Angehörigen. Berlin E, Gleimstr. 52. Itanksagnng. Für die vielen Beweise herz- licher Teilnahme und die Herr- lich-n Kranzspenden bei der Be- erdigung unserer lieben Tochter Klara Gehler geb. Hahn sagen wir allen unseren herz- lichsten Dank. 3132b Aug. Hahn und Frau. Spezialarzt Dr. med. L-aabs beh. schnell, gründl., mögl. schmerzlos u. ohne Berufsstör. Geschlechtskrankheit., geheime Haut-, Harn-, Frauenleiden, Gch«6che. Erprobteste Methoden Harn- und Blutuntersuchung. Hgstr. M„SÄ. Spr. 10— lu. 5—8, Sonnt. 10— 1 j Warum lias Weib am Manne iieiiet al Mann am Weibe. 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Gunstige j Gelcgenheits-Käufe. Der Kohlenverband Berlin, den 2. September 1918 Groß-Berlin. Bekanntmachung über Festsetzung von Briketipreisen snr Küchen- und Osenbrand. Auf Grund der Bekanntmachung des Bundesrats über die Errichtung von Preisprüfungsilellen und die VerforgungS- regelung vom 25. september/4. November 1915(Reichs-Gesetzbl. S. 607 und 728) in Verbindung mit der Anordnung der Landes- Zentralbehörden über die Errichtung deS Kohlcnvcrbandes Groß- Berlin vom 21. August 1911 wird sür das Gebiet des Kohlen- Verbandes Groß-Berlin, nämlich die Stadtkreise Berlin, Ehar- lottenburg. Neukölln, Berlin-Schöneberg, Berlin-Lichtcnberg, Berlin-Wilmersdorf sowie die Landkreise Teltow und Nieder- barnim, mit Zustimmung der Aussichtsbehörde folgendes be- stimmt: 8 1. Bei Abgabe an Verbraucher darf der Preis von Briketts sür Küchen- und Osenbrand nicht übersteigen: bei Selbstabholung durch den Verbraucher von der Abgabcstellc....... 2,60 M. sür je 1 Ztr. bei Abwerfen auf dem Straßendamm vor dem Grundstück des Verbrauchers.. 3,15.»» 1, bei Abwersen aus dem Hose des Grundstücks 3,25,,, 1, bei Lieferung frei Erdgeschoß oder Keller. 8,35 ,,, 1, § 2. Der Kohlenhändler ist verpflichtet, den Verbrauchern an derjenigen Abgabcstelle, an der sie in die Kundenlista einge- tragen sind, die Briketts auf Berlange« zur SelbstabHolung zur Verfligung zu stellen. 8 2. Die Kohlenstelle Groß-Berlin wird ermächtigt, für das Ge- biet der Landkreise Teltow und Nicderbarnim mit Zustimmung des zuständigen LandratSamtes sür einzelne Stadt- und Land- gemeinden aus deren Antrag eine von der Preisfestsetzung des § 1 dieser Bekanntmachung abweichende PreiSsestsetzung zu treffen. 8 4. Zuwiderhaudlungen gegen die Bestimmungen dieser Be- kanntmachung unterliegen der Bestrafung gemäß ß 17 Ziffer 2 der Bekanntmachung deS Bundesrates über die Errichtung von PrciSprüsungSstellen und die Versorgungsregelung vom 25. Sep- tember/l. November 1915. 8». Diese Bekanntmachung tritt mit dem Tage der Veröffent- lichung in Kraft. Ter Kohlenverband Groß-Berlin. Wcrmuth. 5819. 18. Hla. Zlnfhng Beptember // im IMoi&l \Is>adcn 15+lT>iz,driQß.sht i�3>\ ♦ ek UsfCtitK 2XTiA&iif iron&tnpe2e.n. 9 Teilz. wöchentl. 1 M. Plomben 1.50. Goldin- l"- krönen 18 M. Zahnziehen m. Einspr. höchst an. schmerzlind. Umarb.schlechts.Gebisse. Rep. ZahnarztWolf sof. Potsdamer Str. 55. Hochb, Sprechz. 9-7.* VM. IkBfMamauaBMMaaa aaaaaamUaaUMaaa«« aBMaa««»! j Kamlelden-Sehanditmg Heilanstalt Berlin W, 1 Bülowstr. 12, pt. ; TeL Lützow 9604, Prospekt H. Transr- iBehlsidnsHg; lür Damen umd MKctcften. 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Siedig. Berlin W, Rosenheimer Str. 28. Gibt es eiw Auferstehung LpSZisISVÄ Gl«.« Ä?g.... Bf. mel Reiuliardl, Diese höchst aktuellen, viel besprochenen Fragen behandelt die soeben erschienene Broschüre: Dlbtes einen Gott oder gibt es keinen? Zwei tiefgründige Schriften, für jedermann lesenswert. Versand erfolgt' per Nachn. v. M. 1,10 franko v.Verlage: KarlSehBlze, 5asdcb!,rK' , Wittenberg St. 28. Von der Reise zurück* Dr. Bresin, Arzt und Frauenarzt, Berlin-Wilmerd., Kaiser-Allee 41 Sydhilis, Harn-, Frauenleiden, Blutunfersaohungen. Modernstes erfolgreichst. Heiloerjabreu. Teilz. Sie Hess Seit, stark. Broich. 0,60ist., nach außerhalb verschlossen 1 M. H. Pfau, Bamiagist �"""DlreksenslF�O zwisch. Babnh. Alexanderplatz u Bolizeipräsid.— Amt Kst. 3208 Für Damen Frauen-Bedienung. Lz-ierani sür alle Kranf enkass. (CA-■ MWmelsmMgkll uni) ZOMkkM »er VMeigemssen am Mittwoch, den 11» September, abends 8 Uhr. Sozialdemdr. Vernn für Serliu l. Mitgliederversammlung bei Glane, Kommandantenstr. 88. Tagesordnung: 1. Dortrag des Genoffen Bartels über daS neue Aktionsprogramm. 2. Diskussion. 3. Verschiedene wichtige Mit- teilungen. Sosialdemokr. Verein für Serlin II. Mitgliederversammlung im Jugendheim Lwdenstr. 8, 2. Hos links S Tr. Tagesordnung: 1. Vortrag des Genossen Max Grunwald. 2. Diskussion. 3. Ver- schiedenes und Kreisangelegenheiten. Sozialdemokr. Verein für SerlinIII. Mitgliedervers ammlung im GewerkschaftShauS, Engeluser 15. Tagesordnung: 1. Vortrag deS Genossen Eugen Brückner über daS Versicherungs» Wesen während der Kriegszett. 2. Diskussion. 3. Vereinsangelegenheiten. Zniialdemokr. Verein för Serliv IV. Mitgliederversammlungen: Petersburger Biertel: bei Kühn, Echrewer« straße 58. Landsberger Biertel t im Elyfium, Lands- berger Allee 40. Frankfurter Viertel: im Kleinen GeWerk- schaftshanS, Eltsabethstr. 11. Stralauer Viertel: bei Fr. Kienitz, Simon- Dach-Str. 24, Ecke Renaler Straße. Görliber und Eöprnilker Biertel: bei Fröhlich, MuSkauer Str. 1. Vortrag: Was müssen wir von den Mieteinigungsämtern wissen? Reserent: Genosse MeiSner, Beisitzer im Mieteinigungsamt Berlin. SoMldemokr. Verein fvr Kerlia V. Mitgliederversammlung im Rosenthaler Hof, Rosenthalcrftr. 12. Vortrag deS ReichStagSabg. Robert Schmidt. Zozinidemolir. Verein für Kerlin VI. Mitgliederversammlungen: 1. u. 2. Abt. bei P. Dobrohlaw, Swinemllnder Straße 11. 8. u. 4. Abt. bei Bnrg, Prenzlauer Allee 189, Ecke Raumerstr. 5. Abi. bei Grünau, Stahlheimer Str. 80, am HurNannblab. 6. Abt. bei Goldschmidt, Stolpische Str. 36. 7. Abt. bei Kor», Gleimstr. 10, Ecke Fallplatz. 8. Abt. bei Hosfmann, Swtnemünder Str. 47. 9. Abt. bei Öbiglo, Stralsunder Str. 11. 10. Abi. bei Carus, Voltastr. 37. 11. Abt. bei Paul, Gartenstr. 101. 12. u. 15. Abt. bei Bauer, Birkenftr. 29a. 13. u. 14. Abt. bei Kleinert, Levetzowstr. 21, Ecke Jagowstraße. 18. und 19. Abt. im»Schwedenzelf, Ecke Schwedenstraße und Exerzierstraße. 16., 17. 20., 21. u. 22. Abt. bei Sachse, Lindower Straße 26. Tagesordnung: Die bevorstehende Wahl im 48. Kommunal« Wahlbezirk. Reserent: Stadtv. Emil Dittmer. Sochldkmokrat. Verein fvr Teltow- Keeskow-Storkow-Eharlottenbnrg. Mitgliederversammlungen: .41t- Gülenlebe-Kl'nllrenbeifSt beiMeier, Straße am Falkenberg 19/20. BohnsHorl bei Heimann. Riedelfiraße. Brltz-Bnckow bei Otto Bahr, Britz Werderstr. 37. vhnelottenbur-x. im BolkshauS, Rosinen. straße 3(Saal). Referent: Gen. S. Katzen. stein über.Die Uebergangswirischast nach dem Kriege." DaS Erscheinen aller Mit- glieder ist unbedingte Pflicht. Ctipenick, Altstadt, bei Gustav Müller, Alter Markt. Dammvorstadt, bei Karl Reckzeh, Kaiser- Wilhelm-Srr. 5. Kietzer Borstadt, bei Otto Fiebach, Müggel- heimer Str. 1. Köllnische Vorstadt, bei Albert Stippekohl, Schönerlinder Str. 5. Bi-oll-l-lelitei-lelele. Dienstag, den 10. September, abends 8 Uhr, bei Drägert, Hindenburgdamm 45. Vortrag des Gen. Karl Thielicke über.Neue Zeit— Neue Aus- gaben." •lohannlntbiil bei Gobin. Roonstraße 2. Vortrag des Gen. Kart Wücke über.Unsere innerpolitischen Kämpse der Gegenwart." I-nndn lt-!. s o n n t a g, den 15. September, abends-/z8 Uhr, bei Dohn, Kaiser-Wilhelm- Straße 34. Zlnrlenckor-l, im SPortrestaurant,Chauffee- straße 44. ZkeahUIIn. Paffage-Festsäle, Bergstr. 152. Vortrag des Redakteurs Erich Kuttner über .Politische TageSsragen." Dislulfion. Ver- schiedeneS. 8ehbnebei-s bei Ernst Obst, Martin« Luther-Straße 69. Bortrag des Stadtv. Ken. Czerminski über.Wichtige Kommunal- sragen." Die Wichtigkeit der Tagesordnung erfordert daS Erscheinen aller. Stegllt-i. Die Mitgliederversammlung fällt am Mittwoch aus und wird später noch be- lannt gegebeu. Veinpelhol bei Paul Schade, Berliner Straße 121. Ii-eptowr-BaninsebnleiiTOex. Beitrags. kasiierung bei Eberl, Treplow, Graetzstr. 1 und bei W. Erbe, Baumschulenweg, Baum- schulenstr. 14. Wlldan bei Otto Schumann, Schwartzkopff- straße 120. Wllnzei-sckoek bei Max Schäfer, Branden- burgische Str. 69. Vortrag der Genossin Marie Juchaez über„Ernahrunzssragen." Diskussion. SojialdtvlliMscher Vereiu für Nltdrrtlllrtlim. Mitgliederversammlungen: lkriine,-. Milgliederversammlung bei Eich. Horn, Wilhelm'traße..Vorwärts"- Leser sind eingeladen. Fredepudorf- Pctcpshagren- Bpnch- nihhle bei Heuer in Petersyagen: Be- zirkSabend. Tagesordnung: 1. Vortrag über .Die neuen Ausgaben der Partei." 2. Bei- tragsleiiiung. Ertrasleuer und Bezirkskasfe. 3. Die Vorgänge in den Dorsparlamenlen. 4 Verschiedenes..Vorwärts'-Lejer und Parleisreunde willkommen. JLlchtenbcrg bei Hamann, Krossener � Straße 35, Ecke GryphiuSstraße. Vortrag des Stadtv. Gen. Scheffel.Die Entwicklung Japans zum Kulturstaat." Gäste und „BorwärtS"-Lcscr sind eingeladen. ?fle«Iep»ehOnhnu»,en. Heute Dienstagabend nehmen wir an der Pankower Versammlung teil. Am Mittwoch, den 18. September: Mitgliedcrver- s a m m l u n g. Ääheres wird noch bekannt- gegeben. Dbepnehvne'welele bei Ladewig, Lausencr Str. 5. Tagesordnung: 1. Vortrag des Genoffen Hinrichscn über.Die zunehmende Teuerung, ihre Ursachen und Wirkung." 2. Diskussion und VcrcinSangelegenhcitcn. Um pünktliches und zahlreiches Erscheinen der Genossinnen und Genossen sowie Ge- sinnungssreunde wird ersucht. Bnnho'H', Nlederscheinhanscn und Buehholz. Dienstag, den 10. Sep- tembcr, abends 8 Uhr, im Lokal»Zur Hütte", Pankow, Breite Str. 16, Mit- gliederversammlung. Tagesordnung: Vor- trag über.WaS hindert den Frieden k" Referent Reichstagsabgeordneter Rudolf Wiisell. Diskussion. Verschiedenes. Gäste willkommen. Relnleken«lopl-Dt>t. Mittwoch, den 11. September, abends 8 Uhr, Zusammcnlunjt. Reinickendorj- Mitte und schweizer Viertel bei Köster, Holländer, Ecke Thuner Str. Reinickendors-Ost: Provinzstraße mit Neben- straßen bei Renmann, Provinzstraße, Ecke Hoppestraße. �, Wcißensce bei Stärke, Charlottenburger Straße 3. In allen Veranstaltungen Aufnahme neuer Mitglieder und Entgegennahme der Beiträge.„Vorwärts"-Leser sind eingeladen, Die Vorstände. Nr. 249— 191$ Zigeunersolöaten. Von P o ld i Schmidt. Die neue Speise. Ein Zigeunersoldat bat eine ukrainische Bauersfrau um ein wenig zu essen. Die Frau wies ihn kurz ab und sagre� sie habe nichts im Hause. „Aber gute Frau," bettelte der Soldat,„bloß ein wenig ge- wöhnlichen Eisennagelbrei wirst Du einem braven Soldaten doch nicht abschlagen?" Die Frau horcht auf;„Eisennagelbrei? Was ist das?" fragt sie. „Nun Eisennagelbrei. Kennt man den hier bei Euch nicht? Dann will ich Dir zeigen, wie man ihn macht. Einen eisernen Nagel hast Du doch?" Die neugierig gewordene Frau fischt aus einer Holzbüchse einen schönen, neuen Nagel heraus.„Kannst Du den brauchen?" fragt sie. „Ja, der ist recht," sagt der Zigeuner.„Jetzt brauche ich bloß noch drei Eierchen, ein Stück Speck und Salz. Ob Du diese Dinge auch hast?" „Aber sicher," entgegnet die Frau,„ich bin doch kein Bettel» weib!" Während der Zigeuner den Nagel in seiner Efeschale hin und herschüttelt, nimmt sie die verlangten Zutaten vom Herdbrett und reicht sie ihm. Er tut alles in seine Eßschale, macht einen raschen Schritt zur Türe und sagt: „Also, jetzt gehe ich zur Kompagnie und dort koche ich das Ganze genau so wie Rührei mit Speck. Wenn Du es aber Deinem Bauer machen willst, dann vergiß nicht, vorher den Eisen- nagel herauszunehmen, sonst, meine Gute, schlägt er dich blau!" * Kriegs st rapazen. Nach einem langen, beschwerlichen Marsch darf das Regiment endlich rasten. Die Soldaten werfen ihre Lasten ab und lagern sich auf den heißen Boden hin. Der Zigeuner Ruszko Ferencz kommt zufällig neben seinem Hauptmann zu negen. „Wenn diese Geschichte einmal aus ist," redet der Hauptmann den Zigeuner an,„dann wirst Du Deinen Kindern genug von den Strapazen zu erzählen haben, die Du mitgemacht hast. Was, Ferencz?' „Da wird nicht viel zu erzählen sein, Kapitän Urnak," meinte Ruszko.„Wenn ich daran denke, was mein Bater uns immer er- zählte, der den Feldzug von 1866 mitgemacht hat l" „Was kann Dein Vater schon erzählt haben?" wundert sich der Hauptmann.„Dieser 66er Feldzug war doch nur ganz kurz und gar nicht beschwerlich I" „Kann sein, Herr Hauptmann," antwortet Ruszko,„aber eS gab doch damals noch die Prügelstrafe?!' • Grundlose Bevorzugung. Am Morgen liest der Feld- webel im Dienstbuch des Korporals vom Tage, daß Madah Adi sich wegen Urlaub zum Rapport gemeldet hat. „Ausgeschlossen, mein Sohn," belehrt ihn der Feldwebel.„Du kommst erst aus dem Hinterland, und Urlaub kriegt nur, wer länger als seckis Monate hier draußen ist." „Wieso, Herr Feldwebel?", fragt Maday verwundert,„die Frauen von den alten Frontsoldaten, die können auch nicht mehr wie ein Kind im Jabr kriegen!" * Ein Schwur. Nach vielen schönen Wochen, die das Regiment in Bukarest genossen, kam es weit aufferhalb der Stadt in Reserve. Kaum Hörle der Zigeuner Daniel Dani, daß ein junger Oberarzt jetzt die Krankenbaracke leite, meldete er sich auch schon krank. Er kondte nur angeben, daß er sich am ganzen Körper wie zerschlagen fühle, mehr wußte er nicht. Aber der Oberarzt wußte schon, wie ein Zigeuner simulieren kann. Deshalb untersuchte er ihn dreimal gründlich bis in die Haarwurzeln, dann sagte er: „Ich will Dich zwei Tage hier behalten, trotzdem ich eine Krankheit nicht finden kann. Aber das sage ich Dir: Wenn Du dann noch immer nicht weißt, was Dir fehlt, sperre ich Dich ein, so wahr als Krieg ist!" Am dritten Morgen meldet sich der Zigeuner gesund. Loöz. 851 Das gelobte Lanö. Roman von W. St. R e y m o n t. Da packte ihn plötzlich eins furchtbare, wilde Furcht an die Kehle. Wie wahnsinnig stürzte er sich zum nächsten Fenster, klammerte sich an das Gitter und wollte um Hilfe rufen, zuckte aber bloß krampfhaft zusanimen und lallte vor sich hin, mit flehentlichen, verzweifelten Blicken die Arbeiter anstarrend, die im Hofe die Waggons beluden. Niemand kam ihm zu Hilfe. Dumpf rauschte die Fabrik wie ein ewig brandendes Meer, und die letzten Kräfte verließen ihn, und die Hände glitten am Gitter herab, und schwer fiel er auf die Stoffballen zurück. Mit der letzten, übermenschlichen Anstrengung sprang er noch einmal auf und holperte über die Warenstöße, die ihm von allen Seiten den Weg zu versperren schienen, fiel wieder hin und konnte sich nicht mehr erheben. Er kroch bloß noch ein Stück weiter, rang verzweifelt nach Lust, tastete mit den schon erstarrenden Fingern herum, krallte sich in den eisernen Boden ein? plötzlich, wie mit einem Messer gerade ins Herz getroffen, nach Luft schnappend, richtete er sich ganz hoch auf, stieß einen kurzen, schrecklich gellenden Schrei aus und stürzte bewußtlos zu Boden. Weithin hallte der Schrei; Arbeiter liefen herzu und drängten sich ratlos um ihn, wagten aber, von Angst gepackt, die noch zuckende Leiche nicht' anzurühren. Und so lag er ausgestreckt und steif da. In dem fahlen, schiefen Gesicht traten die roten Augen aus den Augenhöhlen. Die Kiefer weit aufgerissen, mit dem letzten, erstarrten Todes- schrei auf den Lippen lag er da— düster wie die ihn umgebenden Warenhaufen, ohnmächtig wie die Millionen, neben denen er verschied. Bloß dieser erschütternde, auf seinen Lippen ver- steinerte Schrei eines geknebelten Wesens schien noch in dem dämmrigen Saal zu heulen— unter der eisernen Decke, in der engen Gasse, inmitten der Berge von Waren. Er durchdrang die Wände und verband sich mit dem niächtigen Getöse des Lebens, von dem die Stadt erzitterte und von dem die Fabriken erdröhnten. XVI. Zwei Ereignisse setzten Lodz in Bestürzung: der Tod des alten Buchholz und das Herauffchnellen der Baumwollpreise bis zu einer noch nie dagewesenen Höhe. -„Schön," sagt der Oberarzt und ruft zwei Krankenschwestern als Zeuginnen zu sich.„Ich habe geschworen, Dich einzusperren, wenn Du heute nicht weißt, was Dir gefehlt hat. Also..." „Geschworen ist geschworen, Herr Oberarzt," sagt der Zigeuner und kratzt sich am Kopf.„Und was mir gefehlt hat, war wahr- haftig der Schlaf." * Die Wirkung. Nach dem Rückzug der Italiener über die Piave blieben verschiedene Truppenkörper dort in Reserve. Am Abend spielten zwei Zigeuner den Offizieren auf und wie immer bei solchen Gelegenheiten, riß die feurige Musik die jüngeren Herren auch bald zum Tanze hin. Nach einem Csardas bleibt ein Leutnant atemlos vor den Musikanten stehen, wirft ihnen eine Geldnote in Mütze und sagt: „Ihr TeufelSzigeuncr, ihr geigt ja wie die Engel. Man merkt kaum, das man tanzt!" „Und je länger ein Zigeuner aufspielt, desto leichter tanzt ein Ungar auch. Herr Leutnant werden daS schon später ganz deutlich merken," belehrt ihn einer der Zigeuner. Ungläubig sagt der Offizier:„Unsinn! Woran soll ich das denn merken?" „An Ihrer Brieftasche, Herr Leutnant," antwortet der Zigeuner. * Erschmeichelte Rettung. Die Kompagnie lagert auf einer Wiese. Der Zigeuner Halgas Ferencz liegt auf dem Bauch, daS Gesicht in den Armen vergraben. Da nähert sich ihm der Hauptmann und ruft ihn an. HalgaS macht bloß eine unwillige Bewegung. Noch einmal ruft der Hauptmann ihn beim Namen, diesmal schon etwas schärfer. Der Zigeuner rührt sich nicht, der Hauptmann wird böse. Er wiederholt seinen Anruf und jetzt klingt eS bereits wie ein einschlagender Blitz. „Und wenn Du mit den Beinen in der Lust zappelst, Du Kälbchen, mich hältst Du doch nicht zum Narren I' brummt der Zigeuner. Die Kameraden lachen, stoßen ihn mit den Füßen an und einige sagen:„Halgas, eS ist wirklich der Herr Hauptmann!" Jetzt entschließt sich Halgas endlich, verstohlen auszublicken. Bell Schreck sieht er seinen Hauptmann vor sich. Aber jetzt ist es zu spät. Darum hebt er nur ganz wenig den Kopf, blickt gerade- aus und sagt: „Ihr Trottel, unser guter Hauptmann, der piepst doch nicht so wie ein weinender Hammel, der'donnert nur so, gerade wie Gott selbst. Mich könnt Ihr nicht täuschen I" Dann vergräbt er seinen Kops noch tiefer, während der Haupt- mann lächelnd abgeht._ Erstes Sonntagskonzert öer Volksbühne. Sonnrag mittag hat das erste der für das laufende Winter- Halbjahr geplanten zwanzig Sonntagskonzerte stattgefunden. Sin- fonische Werke von drei Romantikern hatten diesmal den Vortritt. Mendelssohns„Hebriden"-Ouvertüre. Schumanns„Frühlings-Sin- sonie" B-dur und Tscbaikowskis., Sinfonie patheüque". So gewiß diese Tonichöpier sich in einem gemeinsamen Aus- gangspunkt berühren, so verschieden äußert sich ihre Persönlichkeit. Mendelssohn wird immer durch ein Erlebnis von außen her angeregt. Erst dann stricht er aus, was er empfunden. In diesem Fall schildert er die anläßlich eines Besuches der Fingalshöhle auf den Hebrideninseln cmpfan- genen Ratureindrücke. Stürme, Wogcnschlag, sanftere Winde, die sich dort verfangen, deutet er als Stimmen seltsamer Luft- und Meeresgeister. Es ist ein herrliches Tongemälde— aber es greift uns nicht ins Herz. Schumann wirkt schon unmittelbarer, wenn auch seine FrühlingS-Sinfonie als literarische Nachwirkung eines Gedichts von Adolf Böttcher— einem einst vielgelesenen Lyriker in„Goldschnitt"- Format— zu gelten hat. Von seiner Persönlichkeit und einer seligen, beseligenden Naturschönbeit klingt es in allen Farben aus allen Instrumenten. Schumann ist deutsch— gerade in seinem Verhältnis zur Heimat. Auch Peter T s ch a i k o w s k i wird den Romantikern beigezählt; zwar wenigstens als einer, der sich von ihnen befruchten ließ. In formaler Hinsicht sicherlich. Aber er ist doch Vollrusse in jeder seiner Daseinsbekräftigung als Musiker. Slawische Gefühlskontraste sind in westeuropäischen Kunstformen aufgefangen, die aber doch hie und da sbeispielSweise im seltsamen Fünfvierteltakt des Buchholz war tot! Mit Blitzesschnelle flog die Nachricht durch Lodz und rief tiefe Erregung hervor. Man wollte an seinen Tod nicht glauben und schüttelte ungläubig die Köpfe. Nein, es konnte nicht sein. „Es ist nicht wahr!" Einige leugneten eS entschieden. Vuchholz war tot? Jener Buchholz, der immer schon da'war, von dem man seit fünfzig Jahren sprach, dessen jeder einzelne Schritt alle interessierte, der unumschränkt über Lodz herrschte; jener Buchholz, dessen Reichtum alle blendete, der Machthaber, die Seele der Stadt und ihr Stolz! Der von allen Verfluchte und von allen Bewunderte war tot! Bestürzung bemächtigte sich der Massen, die sich mit der einfachen Tatsache des Todes nicht abzufinden vermochten. In allen Kontors, in' den Werkstätten und Fabriken begann man unzählige Legenden von seinem Leben auszu- spinnen, von seinen Millionen und von seinem Glück; die finsteren Arbeitermassen begriffen seinen eisernen und rück- sichtslosen Willen nicht, mit dem er nach Belieben alles und alle beugte, verstanden seine Genialität nicht, die so einzig in ihrer Art war. Die Massen sahen bloß den Erfolg— die riesigen Reichtümer, die vor ihren Augen emporwuchsen, vor ihnen, während sie jetzt geradeso wie früher nichts be- saßen. Unglaubliche Dinge raunte man sich von ihm zu. Die einen behaupteten, er hätte eine Falfchmünzerwerk- stätte betrieben; die ganz Unwissenden, die vor kurzem erst vom Land in die Stadt gezogen waren, schworen, der Teufel sei mit ihm im Bunde gewesen; auch solche gab es, die zu jedem Eid bereit waren, sie hätten Hörner auf seinem Kopfe gesehen, er sei selbst der Teufel gewesen; alle aber konnten an einen gewöhnlichen Tod. an einen solchen, der auch jeden von ihnen hinraffen konnte, nicht glauben. Die Nachricht war aber wahr. Jeder, der Lust hatte, konnte sich in dem Buchholzschen Palais davon überzeugen. Der große Vorraum war in eine Totenkapelle umgewandelt. Auf dem schwarzen Tuch, mit dem der Raum ausgeschlagen war, glitzerten silberne Tränen. Buchholz lag auf einem niedrigen Katafalk, inmitten von Palmen, Blumen und großen Wachskerzen, deren Lichter im Klang der düsteren Psalmodien flackerten, die der zahlreiche Klerus Tag und Nacht ohne Unterbrechung sang. Buchholz wartete auf den Tag. feines Begräbnisses und war unterdessen eine Beute der neugierigen, von allen tlC Dienstag, 19. September zweiten, oder in der Zwölfachtelpartie des nächsten Satzes) gewaltsam-leidenschaftlich durchbrochen werden. Was bei Tschaikowski aufklingt, ist nicht Byronscher Weltschmerz, wie er eiwa durch die Poesien Puschkins tönt. Wenn von einem Sinfoniker, gilt von Tschaikowsky: daß sich in jedem wahrhasten dichter-künstle- rischen Genius die Natur seines Volkes spiegelt. Dem tiefen Lauscher offenbart sich der große Leidensschmerz des durch lange Jahrhunderte geknechteten Russenvolkes— eines Schmerzes, der manchmal mit einer an Beethoven erinnernden Ausdrucksgewalt er- schütternd zum Herzen redet. Das Philharmonische Or- ch e st e r spielte, wenn schon alles schön, doch dies Werk besonders hinreißend. Solch Wunder bewirkte trotz aller Selbstverständlichkeit virtuoser Spielleistung der Dirigent. Und das war N i k i s ch. Fest, wie gegossen, steht er im Tongewoge. Und wenn er zuweilen die Musiker sich allein überläßt— eine Hand- oder Armbewegung meistert alles und alle. Um nur eins anzudeuten: In wunder- barster Klangschönheit ließ er im Schlußsatze jegliche Klage bis zum Sterben sacht und sanft versäussln... Hernach rauschte ihm der Dank des übervollen Hauses in einmütigen Beifalls- und Hervor- rufen nach._ ek, kann man öas Leben verlängern! Die oft aufgeworfene Frage, ob eine künstliche Beeinflussung der Lebensdauer möglich ist, behandelte R. Demoll in einem Vor- trage, den er im Münchener Verein für Naturkunde gehalten hat. Er ging dabei, wie einem Bericht der„Naturwissenschaften" zu ent- nehmen ist, von der Erwägung auS, daß die Entwicklung erst mit der Beendigung der Altersveränderungen abschließt. Man kann also sagen, daß der Organismus sich tot entwickelt; eS handelt sich demnach um die Frage, ob es möglich ist, den Ablauf der Entwicklungs- Vorgänge zu beeinflussen. Es ist zunächst zu untersuchen, ob sich die Entwicklung verlangsamen läßt, ohne daß die Stoffwechselprozesse be- hindert werden. Dabei ist durchaus nicht vonvornherein abzulehnen, daß die Vorgänge der Entwicklung und die des Stoffwechsels von- einander getrennt werden könnten, wenngleich die Frage auch heute noch nicht' entschieden ist. Auch heute lietst eS durchaus im Bereich des Möglichen, daß durch Wiederholen einzelner Abschnitte der Ent- Wicklung infolge einer teilweisen Regeneration des Körpers� daS Leben verlängert wird. Weiter erhebt sich die Frage, ob eS möglich ist, nicht das Einzelwesen, sondern die ganze Art so zu beeinflussen, daß eine länger lebende Rasse entsteht. Wenn man annimmt,, daß- der Tod der Gehirnzellen eine ausschließliche Funktion ihrer Tätigkeit ist, so daß eine gegebene Masse lebender Substanz nur zu einem be« stimmt festgelegten scharfbegrcnztcn Energieumsatz befähigt ist, so kann eine Rasse von der doppelten Lebensdauer nicht gezüchtet werden, ohne daß zugleich die LcbenSintensität auf die Hälfte herabgesetzt würde. Die Tatsachen sprechen aber gegen eine solche Annahme, und es erscheint daher im Prinzip möglich, Arten hinsichtlich ihrer Lebensdauer umzuzüchten. Ebenso wie es gelungen ist, dem Schwein eine besondere Maftfähigkeit oder dem Huhn eine hohe Legcfähig- keit anzuzüSten, wird auch die künstliche Beeinflussung der Lebens- dauer möglich sein. Für den Menschen wird eine solche Umzüch- tung aber nicht in Frage kommen, da er dem Experiment nicht zu- gänglich ist._ Notizen. —„M ä ß für Mgß". Die„Volksbühne" svrrfc in den nächsten Tagen„Maß für Maß", die selten aufgeführte Shakespeare- Komödie, im Theater am Bülowplatz zur Aufführung bringen. Gustav Landauer brachte am Sonntag in der ersten seiner Ein- führungen ins Drama das Stück einer zahlreichen Zuhörerschaft nahe. Landauer hält die Komödie für sine der reifften Schöpfungen Shakespeares, für eine Offenbarung der genialen Allscitigkeit-des Meisters, seiner kritischen Schärfe, seiner Seelenkunde und jener Reinheit, die sich vor der gewagtesten Problemstellung nicht" zu scheueu hraucht, endlich seiner Güte und Zartheit. Er empfiehlt übrigens mit Recht die Dramen vorher zu lesen, da nur so der volle Genuß der Aufführung ermöglicht ivird. — Schweizeri sches Müsikfest in Leipzig. Die Stadt Leipzig veranstaltet von: 15. bis 21. September ein Musikfest, dessen Programm ausschließlich Schweizer Musik, in der Hauptsache von Schweizern zum Vortrag gebracht, umfaßt. Zwei Abende(15. und 21. Sep.) sind der Oper„R a t c l i f f" des Züricher Kompo- nisten Volkmar Andrae gewidmet. Der 16. und 20. Sept. bringen Orchesterkonzerte. Der 18. Sept. gehört dem Liede. Othmar Schoeck beherrscht hier das Programm. Der 19. Sept. bringt drei Werke der schweizerischen Kammermusik. — Heber„Sonne, Mond'und Sterne als Weg- weiser für"unsere Flieger, Matrosen und Feldgrauen" spricht Dr. Archenhold am Mittwoch, 3 Uhr, in der Trepww-StcrUwartc. Seiten hercinströmenden Massen, die sehen wollten, wie jener legendäre Buchholz aussah, jener Herr über das Leben von Hunderttausenden von Menschen, jener gewaltige Millionär. Angstvoll standen sie in der Stille einer seltsamen Traurig- keit vor dem leblosen Machthaber, der jetzt ruhig dalag, mit einem versteinerten, blassen Gesicht in dem silbern schimmernden Sarg, ein kleines schwarzes Kreuz mit den Händen umfassend. Er lag mit dem Gesicht direkt der weit geöffneten Tür zugewandt und schien mit den eingefallenen Augen durch die fast schwarzen Lider zu blicken, auf den Park, auf die Mauern der Fabrik, auf die Rauchwolken ausspeienden Schornsteine, ans sein früheres Königreich, auf die ganze Welt, die er niit eigenem Willen aus dem Nichts emporgerissen hatte und die jetzt in der Fülle all' ihrer Kräfte lebte; denn man hörte bis hier- her das Krachen der Maschinen, das Pfeifen und Schnaufen der einlaufenden und auslaufenden Züge, alle Phasen der riesigen Produktion, die durch die Anstrengung des Geistes und der gebändigten Materie zustande gekommen war, welche in all den gewaltigen Fabriksbauten heulte. Zwei Mächte standen sich gegenüber— der tote Mensch und die lebendige Fabrik. Der Schöpfer und Bändiger der Naturgewalten wurde zu ihrem Sklaven, und von dem Sklaven blieb nur ein bis zum letzten Tropfen Blut von diesen Gewalten ausgesogener Fetzen. Knoll, der am Sonnabend zurückkam, traf ihn nicht mehr am Leben an. Die Vorbereitungen zum Begräbnis ließ er von einem der Angestellten treffen. Er selbst vertiefte sich in die Nach- lasfenschaft. Im ganzen Palais herrschte Trauer, daS ganze Stock- werk, das der Tote bewohnt hatte, vereinsamte völlig. Frau Buchholz saß wie gewöhnlich tagelang mit dem Strickstrumpf in der Hand, verzählte sich nur häufiger in den Maschen, verfiel häufiger in ein stumpfes Nachsinnen und blickte• häufiger zum Fenster hinaus. Manchmal leuchteten in ihren blaffen verlöschten Augen Tränen auf, und dann schlich sie sich durch die leeren Zimmer, ging nach unten und. schaute angstvoll und verwundert auf das leblose Gesicht ihres Mannes. Dann kehrte sie noch ruhiger, noch mehr ab- gestumpft durch die Einsamkeit wieder auf ihr Zimmer zurück und suchte Trost und Vergessen in den Gebeten; sie sprach sie dem Zimmermädchen nach, die sie ihr laut vorlas. Gort!. foIgU Verkäufe Pelzwareu! 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Aber ihre klagcnlose Geduld und Gefaßtheit zwingen Ach- tung ab. Tie einst so industriegeschäftige und mit den alten Häusern und stillen Anlagen doch beschauliche Stadt— ein Gemisch von Essen und Paderborn im Minaturformat— Douai liegt in den letzten Z ügcn. Auf den ehemals so lebendigen Straßen tummeln sich mehr herrenlose Hunde als Menschen umher. Alles in Kellern versteckt! Frische Trichter auf den Boulevards. Bomben in der Peterskirche. Granatlöcher im Dach des Theaters. Das „Hotel zum Hirschen", in dem so mancher, der von hier an die Front zog, seinen letzten fröhlichen Abend verbrachte, ist ausgestorben. Flatternde Gardinen aus den Fenstern des„Kochelbräus". Verlassen die Läden der Hauptstraßen, die großen Magazine, die kleinen Pa- Piergeschäfte, die Gemüsekeller in engen Nebengassen am Kanal. Ab und zu knarrt noch ein hochbeladcner Wagen durch die stille Stadt. Durch die niedrigen Fenster der Arbeiterhäuser steht man in onSgestorbenc Küchen und Höfe. Hie und da ein Gestcht am Fenster, das schleunigst verschwindet, denn der Engländer schießt sich von Vimhhoche mit hoch über der Stadt liegenden Brennzündern auf den Bahnhof ein. Rings um die Stadt bollern Flaks und Ma- schinengewehre. Aus dem feindlichen Bombengeschwader flattert ein brennendes Flugzeug ab— zwei Menschenleben stürzen durch den Himmel! Auf das Dach des alten Rathauses prasseln kleine Spreng- stücke herab. Ein Priester verpackt im Rathaushof Monstranzen und Bltarqeräte der bedrohten Kirchen. Heute ist Douai noch nicht tot. Aber sein Schicksal ist besiegelt. Es stirbt den langsamen gualvollen Tod von St. Quentin und Lens. Dr. Ad. Köster, Krirgsberichterstatter. Französischer Bericht vom 8. September abends. Im Laufe des TagseS machten unsere Truppen einen neuen Fortschritt nördlich der Somme. Wir haben Fluquiäres und Happen- c o u r t genommen. Destlich dieses Dorfes haben wir L e Harne! genommen. Südlich der Somme wurde der Widerstand des Fein- deZ besonders hartnäckig bei den nördlich und östlich St. Simon ge- lieferten Kämpfen.?l v e s n e, das von den Deutschen ange- griffen und zum Teil von ihnen genommen wurde, ist nach erbitter- tcm Kampf wicdererobert worden, wobei wir Ii» Gefangene mach- ten. A r t e m p S lnordöstlich von St. Simon) fiel in unser« Hände� Auf beiden Ufern der O i s e haben wir östlich von Fargniers und westlich von Servais Boden gewonnen. Französischer Bericht vom 8. September nachmittags. Nördlich der Oise bemächtigten sich die französischen Truppen des Torfes M e n ne s s i s und sind an den St. Ouentin-Kanal herangekommen. Südlich der Oise rückten sie in Richtung Servais vor. In der Gegend von Lafsaux sowie nördlich von Celles an der Aisne hielten sie trotz niedrerer deutscher Gegenangriffe ihre Stellungen. Zwei Handstreiche in der Champagne brachten Ge- fangene ein. Englischer Heeresbericht vom 8. September nachmit- tags. Bei Einbruch der Nacht hatten unsere Truppen gestern Willevoque und Saintemillo(!) genommen und den größeren Teil des Herringcourt-Waldes in Besitz genommen. Gestern abend und während der Nacht fand ein örtlicher Kampf östlich von H e r m i e s und im Abschnitt westlich von Armentieres statt, ohne die Lage wesentlich zu verändern. Westlich von La Bassee machten.unsere Patrouillen weitere Fortschritte in den Stellungen des Feindes. Englischer Heeresbericht vom 8. September abends. Auf dem südlichen Teile der Schlachtfront sind unsere Truppen jetzt inl das Gebiet der Verteidtgung>S st eilungen eingetreten, das früher von uns gegen die deutsche Märzoffensive erachtet wurde. Der Feind bietet vermehrten Widerstand in diesen vorbereiteten Verteidigungsstellungen. Heute fanden scharfe Kämpfe an verschiedenen Punkten statt. Unsere Vortruppen drängen vorwärts und gewannen Boden in Richtung auf Per- mand, HesbeScourt, Epehh. Oertliche feindlichst An- griffe wurden am 8. September südlich von Ploegsteert und östlich von Wulvcrghem zurückgeschlagen. An der übrigen englischen Front nichts von besonderem Interesse zu melden. Die Zahl der von den englischen Truppen in Frankreich gemachten Gefangen e-n überfchröitet in der ersten Septemberwoche 13 000. Cin Aufsatz ües Grafen Gzernin. �ur de» Völkerbund. Gegen die Alldeutschen. In der„Neuen Freien Presse" plädiert Graf O t t o k a r C z e r n i n dafür, daß die Mittelmächte die Friedensbetoegung durch Ausarbeitung eines realisierbaren Planes internatio- naler Schiedsgerichtsbarkeit und_ Abrüstung beschwingen. Mit bitteren Worten erinnert Graf Czernin alle, die es an- geht, daran, daß er bereits vor Jahresfrist ohne Erfolg auf die Notwendigkeit der Herabminderung weiteren Rüstungs- Wettbewerbes hingewiesen habe. „Mag sein, daß cs damals noch zu früh war, mag sein, daß die Erde damals noch nicht genügend mit kostbarem Menschenblut gedüngt war, damit dieser Samen hätte aufgehen können. Die Höffnung beS Siegfriedrns beherrschie im Herbst vorigen Jahres f noch die Gemüter— weniger bei uns als in Deutschland, viele maßgebende Faktoren der Mittelmächte wollten damals kein Kompromiß, welches so eingreifende Folgen in die eigene Staatlichkeit involviert." Graf Czernin kehrt sich dann in glücklicher Polemik gegen jene geistlosen Anbeter der rohen Gewalt, welche den Krieg als notwendig erklären, weil der Kampf der Vater aller Tinge sei. Der ehemalige österreichische Außenminister der- gleicht die Stellung des Völkerrechtlers mit der des Arztes, denen Tätigkeit schon segensreich ist, wenn sie das llebel mildere. Wenn aber die unbelehrbare» Anhänger des finster» Glaubens an die Notwendigkeit des Krieges internationale Vereinbarungen für unmöglich hielten, so würde es ihnen doch nur nützlich sein, wenn sie die Probe auf das Exempel machten und der Welt durch Versuch den Nachweis erbrächten, daß der Gedanke utopisch ist. „Wenn, wie sie. behaupten, die einschlägigen Beratungen am Konscrenziischc die Undnrchführbarkeit des /Versuches beweisen müssen— was ich absolut nicht glaube—, so ist dies noch immer kein Grünt», die Beratung» limine(von Anfang an) abzulehnen Im Gegenteil, jene, welche das weitere Wettrüsten, die weitere RüftungSkonkurrenz für eine unvermeidlich« Notwen- digkeit halten, haben da? größte Interesse daran, uns zu beweisen, daß die Abrüstung unmöglich ist, schon um die phantastische» Kosten, welche sie den Völkern weiter ausbürden wollen, vor der Welt zu rechtfertigen. Darüber dürfen wie unS jedenfalls keiner Täuschung hingeben, daß der Widerstand, dem Gedanken der Ab-' rüstung auch nur prinzipiell näherzutreten, der stärkste Balken ist, der das Friedcnstvr noch versperrt, und ich halte diesen Wider- stand daher für einen schweren kriegsvcrlängernden Fehler, von welcher Seite er immer kommt." Graf Czernin erinnert dann an Greys Schrift über den Völkerbund und erklärt, daß, wenn England in diesem Kriege den deutschen Militarismus nicht durch inter- nationale Rechtssatzung ablöse, es mit jedem künftigen Jahre größere Gefahren laufe, ohne daß es die Gewähr hätte, wieder die ganze Welt zum Bundesgenossen gegen Deutschland zu haben, �„denn eine schlechterediplomatische Vor- b e r e i t u n g f ü r d e n K r i e g, als es die der Mittelmächte war, ist doch w o h l u n d e n k b a r", wie Graf Czernin mit einem Seitenhieb gegen Graf Berchtold hinzufügt. Czernin erklärt, daß die englische Furcht vor dem deut- schen Militarismus eine Torheit sei, weil die Mehrheit de� deutschen Volkes nur friedliche Gesinnungen kenne. Aber: „Eine kleine Minderheit in Teutschland denkt anders. Diese Minderheit nennt einen jeden Verständigungsfrieden Verzichtfrie- den. Ich habe niemals ein gei st los eres Schlagwort gehört, Verzicht auf die Weltherrschaft, Verzicht auf einen Re- vanchekrieg, Verzicht auf Unterdrückung anderer— ja, Verzicht auf die volle freie friedliche eigene Entwicklung— niemals! Wenn ein Soldat von der Front kommt, ein Soldat, der die Schrecken des Krieges kennt, und wenn dieser Mann jedes Kompromiß verwirft Und den Kampf bis zum äußersten verlangt, so stehe ich bor diesem Helden mit dem Hute in der Hanj»; abdr wenn ein Mann vom Hinterland, so ein Hinterlandshcld, der nie eine Kugel pfeifen gehört hat, der kaum etwas von dem Kriege verspürt, der gemächlich nebe« dem Krieg daherlcbt, wenn so ein Mann Blut» riinstige Zeitungsartikel schreibt, keine Verständigung will und unausgesetzt von den anderen, wohlverstanden nur von den an- deren, die größten Opser verlangt— dann habe ich für so ein Exemplar sehr wenig übrig. Aber diese Männer sind nicht Deutsch- land. Das wirtliche Deutschland will ebenso wie wir einen ehrenvollen Frieden, es will keine Weltherrschaft, keine weiteren Kriege und keine Unterdrückung fremder Völker. Und dieses Deutschland ist unser unzertrennlicher Bundesgenosse bis zum guten oder schlechten Ende. Ehre, Bundespflicht und Selbsterhaltungs- trieb erfordern dies. Diesem Deutschland haben wir unser Wort verpfändet und wir werden es halten." Schärfer noch als in früheren Reden hebt Graf Czernin hervor, daß Oesterreich-Ungarn in der von ihm emphatisch gefeierten Bundestreue für das pazifistische Deutschland ausharren müsse, daß es aber nicht verpflichtet sei, jede all- deutsche Tollhäuslerei folgsam nachzumachen. Graf Czernin schließt mit dem Wunsche, daß die Mittelmächte selbst die Initiative ergreifen: Da maßgebende Stellen des Berliner Kabinetts sich heute öffentlich zu dem Gedanken(des Völkerbundes) bekennen und da, wie ich vermute, auch unser Minister des Aeußern dem Prinzip nicht ablehnend gegenübersteht, so scheint nichts im Wege, daß die Mittelmächte die Grundprinzipien dieser neuen Wcltordnung aus- arbeiten und damit vor die Welt treten. Graf Czernin schließt mit dem Wunsche, daß der öfter- reichisch-ungarische Minister des Aeußern diese Gedanken bald in den Delegationen vertrete, deren Einberufung eine unaufschiebbare politische Notwendigkeit sei. Der Völkerbund als Schiedsrichter. Der zehnte nordische interparlamentarische Kongreß, der in Kopenhagen tagte, erklärte in einer einstimmig angenommenen Resolution den. dauernden Frieden am besten durch die Errichtung des Völkerbundes gesichert; er würde zugleich allen Nationen die Bedingungen für ein unabhängiges Dasein und freie wirtschaftliche Entfaltung sichern.„Es wäre von größter Bedeutung, wenn der Völkerbund auf der gegenseitigen Verpflichtung der Staaten ausgebaut würde, jeden Streitfall, der nicht durch diplo- matische Mittel lösbar ist, friedlicher Behandlung zu übergeben, so daß zum wenigsten a) Streitfragen, die von beiden Parteien als NechtSstreitfragen betrachtet werden, endgültig entschieden werden je nach Wahl entweder durch einen festen Gerichtshof für internationale Rechtspflege oder durch den bestehenden Haager Schiedsgerichts hos; b) jeder andere.Streitfall einem unparteiii schen internationalen Unter- suchungs- und Vergleichsamt zur Lösung übergeben wird, wobei die beteiligten Staaten sich verpflichten, innerhalb der für die Beilegung festgesetzten Frist zu keinem Rechismittel zu greifen. Die Frist für die Beilegung darf nicht zu kurz be- messen sein und das Amt, in dem die beteiligten Parteien selbst vertreten sind, soll das Recht haben, den Parteien den Vor- schlag zur Lösung des Streites zu unterbreiten." Die Versammlung fühlt sich überzeugt, daß schon ein großer Schritt zur Beendigung des Krieges getan wäre, wenn von ver- antwortlicher Seite bei beiden kriegführenden Gruppen dem Gedrtnken des Völkerbundes vorbehaltlos zugestimmt würde. Zusatzverträge unö Sozialpolitik. Zu den Klagen der„Sozialen Praxis" über die Nicht- berücksichtigung der Arbeiterschutzfragen in den Zusatzverträgen zum Frieden von Brcst-Litowsk erfahren wir, daß die Aus- scheidung dieser wichtigen Materie mit der Notwendigkeit be- gründet wird, zunächst das Dringendste beschleunigt zu er- ledigen. Ueber den Abschluß eines weiteren Zusatzvertrages, der die Angelegenheiten des Arbeiterschutzes betreffen soll, schweben ernste Erwägungen. Gerüchte. Das„Leipziger Tageblatt" gibt zu den jüngsten Wiener Besprechungen des Staatssekretärs v. Hintze eine Anmerkung, die besagt, man erwarte in kurzer Zeit' an den leitenden Stellen in Deutschland und in Oesterreich-Ungarn wichtige Veränderungen. In Berlin werde Graf.H e r t l i n g von seinem Posten scheiden und durch Dr. Sols ersetzt werten, während Erz b e rg er und Scheidemann als Vertreter ihrer Parteien in die Regierung eintreten würden. Es handelt sich um leere Kombinationen. Der Fortschritts kämpf um Herlin 1- Kempner endgültig aufgestellt. Im Lehrervereinshause fand pestcrn abend eine Wählcrvcr- sammlung der Fortschrittlichen Volkspartei statt. Als erster Redner begründete Geheimrat Cassel die Ablehnung seiner Kandidatur. Cr habe sich während seiner jahrzehntelangen Tätigkeit für die Partei nie um ein Mandat beworben, das habe ihm auch diesmal ferngelegen. Er bitte, einheitlich für den Kandidaten der Partei einzutreten. Gehcimrat c ni p n e r gab zu. daß er seine Wahl als ein Wagnis betrachte. Für seine politische Auffassung seien folgende Richtlinien maßgebend: Unsere Verteidigung soll zeigen, baß wir Kraft genug besitzen, jedem Angriff gewachsen zu sein, ohne auf Eroberungen auszu- gehen. Die Vaterlandspartei, die Alldeutschen und wie sie sich auch nennen mögen, müssen entlarvt werden. Sie könnten aus den Resultaten ihrer Politik nur die Folgerung ziehen, sich aufzulösen. Wir verlangen eine Weltpolitik der Versöhnung. In der Frage der Uebergangsivirtschaft müsse das Zwangssystem schon während des Krieges abgebaut werden. Das M i e t s» Problem wurde erst gestern vom„Vorwärts" in einer Weise behandelt, die das Wesen der Sache nicht trifft, die Gegen- sätzlichkeit verschärft— ob aus Parteiabsichten, das wisse er nicht. Nach allgemeinem Beifall nahm der Redakteur der„Volks- zeitung" Nuschte das Wort. Er trat für die Schilderhebung D e rn b u r g s ein. Dernburg sei ein internationaler Name, der Mann des Verständigungsfriedcns schlechthin. Alan stände jetzt in einem psychologischen Moment, wo man eine große weltpolitische Wirkung mit der Wahl erzielen könne.— Ein weiterer Debatte- redner erhob die Wahl zur H a u s b e s i tz e r s a ch e. Herr Dernburg habe die Hausbesitzer schwer gekränkt und nur die aller- größten Kälber wählten ihre Metzger selber. Ein folgender Redner verurteilte den Vorrodnier aufs schärfste. Würde die Versammlung auf diesen Standpunkt treten, so würde die Partei auf das Hausagrariertum festgelegr. (Lebhafter Beifall.) Nach weiterer Debatte, in der nochmals ein Hausbesitzer androhte, gegen die Kandidatur Dernburg zu stimmen, erhielt Geheimrat Kempner das Schlußwort, in dem er sich gegen den Vorwurf verwahrte, Vertreter einer Finanzgruppe zu sein. Die Abstimmung ergab 103 Stimmen für Kempner, 90 Stim- men für Dernburg. Der begnadigte Graf. Zu der Mitteilung von der Begnadigung des Grafen Mielzynskr erfährt WTB, daß der Verurteilte seine sechs Monate betragende Gefängnisstrafe bis auf einen Rest v o n e i n und einem halben Monat, der in eine Geld- strafe von 30 000 M. umgewandelt worden ist, verbüßt bat. Der Verurteilte ist aus der Strafhaft entlassen worden, nachdem der Gefängnisarzt seine infolge einer schweren Erkrankung eingetretene Haftunfähigkeit festgestellt hatte. Der Obcrdada als Nachfolger Kacmpfs. Der Klub Dada(Fu- turistische Spaßmacher für Kriegsgewinnler und andere Leute, die sich im Kriege langweilen) erläßt in dadaiflischem Kaufmanns- deutsch folgende Erklärung in der Presse: „Bezugnehmend auf die Kundgebung der liberalen Presse Berlins vom beutigen Tage, morgens, teilen wir Ihnen crgebenst mit, daß unser Oberdada sich mit der Absicht trägt, am Montag, 9. d. M., abends, in der allgemeinen W ä b l e r v e r s a m m l u n g des Fortschrittlichen Volksvereins das Wort zu nehmen." Der„Oberdada" heißt Herr B a a d�e r und behauptet einer der fähigsten Architekten Deutschlands zu sein. Nach den Angaben seines Klubs begann er„die Reihe seiner bedeutenden Erlebnisse am Silveslertage deS Jahres 1876 mit einem Alpenglühen von un- erhörtester Pracht, das in ganz persönliche Beziehung zu ihm trat. 2>/z Jahre später feiene er zum ersten Male für sich allein den Goilesdienst in heiliger Nacktheit in einem einsamen Hain an den Ufern des Zürichsees." Das ist alles mögliche. Aber als„Ober- dada" wirtte der selige Kaempf weit imposanter. In seinen Göttern malt sich der Mensch. Warum wir immer noch keinen Frieden haben, darüber belehrt die Mitwelt Herr Schul- direktor Schröter aus Norden im frommen„Reichsboten". Er meint: Es liegt mir ganz fern, meinem lieben deutschen Volke irgendwie Weihrauch zu streuen. In» Gegenteil, ich mache kein Hehl aus meiner Ueberzeugung: wir sind cs noch nicht wert, daß Gott der Herr uns de» entscheidenden Sieg und de» ersehnten ehrenvollen Frieden schenkt, und aus eigener Kraft werden wir dessen auch niemals würdig werden. Wenn wir dieses Ziel er- reichen, so werden wir noch mehr als Blücher nach den Befrei- ungskrieg'en Ursache haben, Gottes große Barmherzigkeit zu preisen, der wir es zu danken haben. Aber das muß wahr sein: wenn irgend ein Volk auf Erden friedliebend, gutmütig und ver- söhnlich ist, so ist es das deutsche. Der Mensch schafft bekanntlich Gott nach seinem Ebenbilde. Für Schuldirektor Schröter ist Gott der Herr ein finsterer Schultyrann, dem auch der bravste seiner Schüler noch nicht brav genug ist— und auch nie werden wird, um gute Behandlung zu verdienen. Wir sind friedliebend, gutmütig, versöhnlich,— aber den Frieden ver- dienen wir nml, vier Jabren Krieg noch immer nicht. Mit den Leiden Millionen Unschuldiger hat der liebe Gott Schröterscher Anschau- ung nicht das mindeste Mitleid. Es klappt! Nun wissen wir auch wirklich, warum der Krieg da ist! Die„Krcuzzeitung", die fast ausschließlich auf Guts- h ö f c n gelesen wird, hat ihrer Sonntagsprcdigt den sehr zeitgc- mäßen Bibel text Matth. 6, 31 unterlegt:„Darum sollt ihr nicht sorgen und sagen: Was werden wir essen, was werden wir trinken, womit werden wir un? kleiden," Der Sonn- tagsprediger meint: Das müssen wir lernen aus dieser Zeit der Not: Aufschauen zu dem. der allem Fleische seine Speise gibt zu seiner ZeitI Welch eine ungeheure Verantwortung lastet auf unsere»» Gott! Er hat»'cht nur die Menschen zu versorgen, die denken und arbeiten können, sondern auch die unzähligen Tiere. Und in seinem Haushalte ist alle? so köstlich eingerichtet, daß alle? klappt, daß selbst die hungrigen jungen Raben nicht verderben. Ja wirklich, es klappt! Wie es klappt! Jeden Tag legt der Weltkrieg sechstausend tote Menschen auf die Schlachtfelder, damit die jungen Raben nicht verhungern. Und wir leben derweil von fleischlosen Wochen. Ja, Herr Pfarrer, köstlich ist dieser Haushalt eingerichtet! Letfte Nachrichten. Das neue niederländische Kabinett. Haag, 9. September. Korrespondcnzbnreau. Das neue Kabinett wurde heute gebildet und setzt sich wie folgt zusammen: Vorsitz und Ministerium des Innern RuyS de Beeren- b r o u ch, Ministerium des Aeußeren der Bürgermeister vom Haag van Karnebrek, Finanzministerium der Stadtverordnete von Amsterdam de Vries, Kriczsministerinm und vorläufig Marine- Ministerium der Generaldirektor des Post- und Telegraphenwesens Altina van Geusa», Direktor des Rcichswasserbauanites Obcringenicur K o e n i g, Arbeit, Landbau, Hairdcl und Industrie va» Dsselstein» Justiz HremSkerk, Kolonien I d v n- bürg. Binnen kurzem werden eingerichtet werden ein Unter- richtsdepartemcnt, dem eine Abteilung für Kunst und Wissenschaft angegliedert wird, mit Dr. de Visier als Minister und ei» neues Departement für Arbeit, an dessen Spitze Professor A a I b e r s e treten wird._ Das Einrücken der Japaner in Chabarowsk. Amsterdam, 9. September.„Times" berichte» au? Wladiwostok: Am Freitagmorgen rückten Japaner und eine Ab- teilung Truppen des Generals K a l m i t o w in Chabarowsk ein. Die berühmte Brücke über den Amur ist unbeschädigt. Viele Lvko- Motiven und anderes rolleitdcS Material wurde erbeutet. 35 Pol- schewisten gerieten in Gefangenschaft. Tie Bolschcwiki-Armee und 1000 Deutsche haben sich nach Blagowestschensk, ungefähr 370 Meilen westlich gelegen, zurückgezogen, GewerWWewWns Dee Metallarbeiterverbanü im Jahre 1917. Die bisher beispiellose Entwicklung des Deutschen Metall- arbeitcrtuvbandes im Jahre 1S17 erläutert daS soeben vom Vor- stand desselben herausgegebene Jahr- und Handbuch für Verbands- Mitglieder. Das dritte Kriegsjahr hat dieser größten der der Generalkommission der Gewerkschaften Deutschlands angeschlossenen Organisationen die höchste Mitgliedcrzunahme seit ihrem Bestehen gebracht. Die Mitgliederzahl stieg von 247 360 Ende 1916 auf 392 930 am Ende deS Jahres 1917, das ist um 14S 570= 59 Proz. Die bisher größte Mitgliederzunahme hatte der Verband im Jahre 1910 mit 90 667, sie wurde also durch das Jahr 1917 bei weitem übcrtroffen. Die Ursachen dieser sprunghaften Entwicklung sind besonders zu suchen in der mit der Durchführung zahlreicher Teuerungs- und Lohnbewegungen verbundenen Werbetätigkeit für die Organisation. Das erfreuliche Wachstum der Organisation ist aber zugleich«ine Widerlegung aller jener, die in dem Hilfsdienstgesetz sowie in der von der Verbands leitung betriebenen Politik in der Kriegszeit ein Hindernis für«ine erfolgreiche Entwicklungs- und Betätigung?- Möglichkeit für den Verband sehen. Der Bericht betont sogar, daß noch größere Erfolgs zu verzeichnen wären, wenn dem Verband für die Bewältigung der Arbeiten mehr Angestellte zur Ver- fügung gestanden hätten. Die Zahl der zum Militärdienst eingezogenen Verbandsmit glieder betrug noch 320 023, sie hat sich gegen Ende 1916, an dem 318 847 Mitglieder ihrer Militärpflicht genügten, nur um 1181 gesteigert. Es wird indessen damit gerechnet, daß die Zahl der dem HecreSverband angehörenden ftüheren Mitglieder um einige Zchntausende geringer ist, da sich sicher nicht alle zur Anferttgung von HeereSarbeiten Entlassenen beim Verband gemeldet haben. Bemerkenswert ist der starke Zustrom deS weiblichen Element?, dir allerdings in der vermehrten Heranziehung der weiblichen Ar- bsitskräfte für die Rüstungsindustrie seine Erklärung sindet. Am Ende deS Berichtsjahres betrug die Zahl der weiblichen Mitglieder 8 2 9 0 9. Däö weibliche Element erweist sich allerdings noch als sehr unbeständig hinsichtlich der Organisationszugehörigkeit. Denn dcm durch Beitritt erfolgten Zugang von 101 635 steht ein Abgang von 59 160 weiblichen Mitgliedern gegenüber. Jeder mit dem Organisattonslcben vertraute Gewerkschafter weiß jedoch, daß die Beständigkeit der weiblichen Orgamsations- zugehörigkeit eine Frag« der organisatorischen Erziehung und Durchbildung ist. Das Jahr 1917 mit seiner wachsenden Teuerung aller Lebens- und Bedarfsartikel war für den Verband aber auch«in Rekord- jähr an Lohnbewegungen. In der Berichtszeit sind zusammen 2531 Belvegungen in 463 Orten und 7465 Betrieben mit 1 920 422 beschäftigten Personen durchgeführt worden. Beteiligt an diesen Bewegungen waren 1 577 792 Personen, von denen 436 610 im Verband organisiert waren. Außer den Lohnforderungen wurden auch zahlreiche Bewegungen für eine Verkürzung der Ar- bcitszeit durchgeführt. In 252 Fällen wurde für 257 000 Personen eine wöchentliche Verkürzung der Arbeitszeit von insgesamt 884 756 Stunden erreicht, das sind durchschnittlich fiir den einzelnen Beteiligten pro Woche 3,42 Stunden. Eine Erhöhung des Ver- dienstes wurde in 2236 Fällen für 1 128 535 Personen um zu- sammen 6 516 219 Mk. die Woche, das ist im Durchschnitt 5,77 M. pro Woche erzielt. Zuschläge für lleberstunden erhielten in 354 Fällen 226 706 Personen, für Nacht- und Sonntagsarbeit in 347 Fällen 223 963 Personen und in 460 Fällen wurden für 416 444 Beteiligte sonstige Verbesserungen erreicht. Die Reinein nahinen der Hauptkasse und der Lokalkassen be- trugen im Berichtsjahr über 13 Millionen Mark gegen Millionen im Jahre 1916. Die Steigerung beträgt demnach über 3)4 Ml- lionen Mark. Die Ausgaben des Verbandes sind von etwa Millionen Mark auf 7 Millionen Mark gestiegen. Im großen ganzen gewährt unS das Jahrbuch einen Einblick in die Fülle aufgewendeter Arbeit, die notwendig war, um die glän-enden Erfolge für die Organisation zu erreichen. Heute, im 3. Quartal 1918, können wir bereits sagen, daß die größte Organisation der deutschen Gewerkschaften eine weitere Steigerung ihrer Mitglicderzahl um zirka 50 000 verzeichnen kann. Diese Tatsache ist ein Beweis dafür, daß die in der Metall- Industrie beschäfttgte Arbeiterschaft im Deutschen Metallarbeiter- verband immer mehr diejenige Organisation erblickt, welche allein energisch und mit Erfolg ihr« Jutereffen wahrzunehmen vermag. Die Bremer Gewerkschaften zur Ernährungsfrage. Die Bremer Vertrauensleute der Gewerkschaften beschäftigten sich in einer Versammlung mit dem heutigen Stand der Ernäh- rungsfvage. Nach einleitendem Referat-beteiligten sich in der Dis- kussion auch Mitglieder der eingeladenen bremischen städtischen Lebensmittclkommission. Es wurde von der sehr gut besuchten Kon- ftrenz folgende Resolution einstimmig angenommen: .Die Versammlung aller Vertrauensmänner der Gewerk- schasten Bremens, in der alle Betriebe vertreten sind, erklärt, daß die heutige Gestaltung der Ernährungssrage zu unhaltbaren Zu- ständen führen und die Volksgesundheit untergraben müssen. Sie verlangt dringend, daß die bei der bisherigen Versorgungspolittk seitens der maßgebenden Instanzen bisher gemachten Fehler in bczug auf Erfassung und Verteilung der Produkte endlich vermieden werden. Sie richtet aber auch an die Lcbensnttttelkommission daS dringende Ersuchen, Mittel und Wege zu finden, um eine Aufbesse- rung der bremischen Versorgung herbeizuführen, da im anderen Falle die bremische Arbeiterschaft den Anforderungen, die bei der in fast allen Betrieben herrscheichen langen Arbeitszeit an sie ge- stellt werden, nachzukommen nicht mehr in der Lage ist, und mit allem Nachdruck für Beseitigung jedweder Uebersttindem in den Be- trieben und darüber hinaus auf eine Verkürzung der Arbeitszeit hinzuwirken sich verpflichtet fühlt." Tagung der wirtschaftsfricdlichen Slrbeitervereine. In Dortmund traten am Sonntag die„wirtscbastSfried- liehen" Arbeitervereine zu ihrer 8. Tagung zusammen. Ter Vor- sitzende Jensen- Hamburg stimmte in seiner BegrüßungZ- anspräche an die Delegierten und Vertreter der Behörden ein Klagelied an, daß die Bestrebungen der wirtschaftsftiedlichen Ver- eine bei amtlichen Stellen nicht immer diejenige Würdigung fänden, die sie im Hinblick auf ihren Nutzen für das Vaterland und ihre Stärke billigerweise zu beanspruchen hätten. Ten Beweis dafür, daß die wirtschaftsfriedlichen Arbeitervereine nur friedlich gesinnt sind, wenn es die Interessen der Unternehmer wahrzunehmen gilt, daß sie aber sofort in stärkste Kampfstellung treten, wenn von den freien Arbeiterorganisationen die Rede ist, lieferte Hetz- Essen in seinem Referat über„Zwang oder Verständigung". Sein« �Darlegungen waren lediglich darauf berechnet, die deutschen„Streikgewerkschaften" als die gewaltsamen Störenfriede des Wirtschaftslebens, die Unternehmer — ihre Freunde und Gönner— aber als reine Unschuldslämmer hinzustellen, mit denen es sich stets gut auskommen ließe. Ueber„Freiwillige Verständigung nach Wirt- schaftsfriedlichen Grundsätzen" referierte der Haupt- geschäftsführer der Deutschen Vereinigung, Dr. Engel. Dieser Herr wittert in den der Förderung des sozialen Friedens bestimm. ten staatlichen Einrichtungen lediglich Institutionen zur AuS- breitung der sozialdemokratischen Herrschaft. Wirts chaftSfriedlühc Betrachtungen zur Wohnungsfrage" stellte H a l b a ch- Essen an, der sich gegen den Bau von Wohnungen durch den Staat wandte; letzterer sollte sich darauf beschränken, durch gesetz- liche Maßnahmen die private Bautätigkeit zur vollen Beschaffung deS WobuungSbcdarfs zu stärken. Desgleichen fei der Bau von reinen Werkwohnungen in verstärktem Maße anzu- streben.__ parteinachrichten. Die Stcrbekassc des Sozialdemokratischen Wahlvereins. Die Generalversammlung des Sozialdemokratischen Wahlver- eins in Magdeburg hat für die Mitglieder des Vereins die Errichtung einer Unierstützungsvereinigung für den Sterbesall be» schloffen, die bereits mit dem 1. Oktober in Kraft tritt. Der Be- schluß wurde gefaßt, um den Mitgliedern zu ermöglichen, im Todes- fall ihren Angehörigen einen Zuschuß zu den Begräbniskosten zu sichern. Die Mit�dschaft ist eine freiwillige. Mitglieder der UnterstützungSvereinigung können bis zum 31. Dezember dieses Jahres alle dem Sozialdemokratischen Wahlverein angehörenden Mitglieder werden, ganz gleich, in welchem Alter sie sich beftnden. Nach dieser Zett ist die Ausnahme nur zulässig für solche Mitglieder, die das 50. Lebensjahr nicht überschritten haben. Der monatliche Beitrag ist auf 15 Pf., öas Eintrittsgeld auf 30 Pf. bemessen. Die Unterstützung beträgt beim Tod eines Mitgliedes: nach einjähriger Beitragsleistung 50 M., nach zweijähriger 55 M, nach dreijähriger 60 M.. nach vierjähriger 65 M.. nach fünfjähriger 70 M. Erfolgt der Eintritt in die Vereinigung noch vor dem 31. Dezember d. I., so wird bereits nach dreinionatlicher MiigliedSdauer Sterbegeld gewährt. Tie Unterstützungsvereinigung soll nicht andere schon be- stehende Einrichtungen ähnlicher Art überflüssig machen, sie soll uur eine Ergänzung sein._ Zum Zwist im Arbeiter-Abstinentenbund. Genosse Davidsobn sendet uns hierzu noch eine Zuschrift, um deren Aufnahme er dringend ersucht. Wir kommen den, Wunsche deshalb nach, weil Gen. Davidsohn Mitglied des Bundesvorstände« � und zugleich Hauptangegriffencr seitens der oppositionellen Sirö- mung ist; bemerken möchten wir jedoch, daß wir damit die AuScin- andersetzung über das Thema im„Vorwärts" schließen. „Der Leiter des Bau? VIII des Deutschen Arbeiter-Absli- nentenbundos. Gen. Riep-Elberfeld, bestrettet im„Vorwärts" vom 7. d. M., daß Spaltungs-Tendenzen bei der derzeitigen Wühlarbeit in Rheinlano-Westfalen ein« Rolle spielen. Demgegenüber brancht nur darauf aufmerksam gemacht zu werden, daß Gen. Martmöller aus Annen auf der Gautagung am 7. Juli d. I. für 5 Delegierte eine Erklärung abgab, wonach sie der Ansicht seien: der Bund solle in eine parteipolitisch einseitige Stellung geleitet werdenl(Ein der Konferenz als„Gast" beiwohnendes Mitglied verlangte: man sclle mit den„sogenannten Mehrheitsleuten" brechen! Essener und Kölner Anträge, die— laut offiziellem Bericht— den Anschein erwecken konnten,„einseitig" zu sein,„aber gerade das Gegenteil wollten", wurden zurückgezogen....) Tavidsohn." Industrie und Handel. Ein Milliardenskandal. Die Ssterreichische Regierung beim Holzverkauf düpiert. Der Bericht deS SnbkomitecS an den WiederhersiellungZank. schuß über die Wirtschaft in den galizifchen Staats- und Fond: forsten hat lebhafte Aufmerksamkeit erregt. Die Wiederherstellung der im Kriege zerstörten Gebiete erfordert große Mengen vgn Holz, und dies führte den Ausschuß zur Prüfung der Gebarung in den Forsten, die der Verwaltung des Ackerbauministeriums unterstchen. Der Bericht kommt zu dem Ergebnis, daß durch die Wirtschaft in diesen Forsten nicht nur die WiederherstellungSaition sowie die Beschaffung von' Brennholz für die Bevölkerung er- schwert, sondern auch den, Staate ein bedeutender Schaden zu- gefügt worden sei. DaS Ackerbauministerium hat. wie der Bc- richt feststellt, die ihm zur Verfügung stehenden Mengen an Bau- und Brennholz in den Jahren 1916, 1917 und 1918 bis in die letzte Zeit mit zumeist auf zehn Jahre abgeschlossenen Vor- trägen verkaust, ohne daraus Rücksicht zu nehmen, daß die Holz- preise von Tag zu Tag steigen. Ter Verlust, den der Staat hier- durch bei dem Wiederaufbau in Galizien erleidet, wird mit nicht weniger als einer Millarde und fünfzig Millionen Kronen, die finanzielle Schädigung de? griechifch-orientalifchen ReligionZfondZ in der Bukowina bei Zugrundelegung der letzten Holzpreise mit 10,48 Millionen Kronen berechnet. Es wurde eine Lage geschaffen, die ein Kuriosum im vollsten Sinne des Wortes ist: a) Das Ackerbauministerium verkauft die jährlichen Bau- Holzkontingente an Händler um den Preis von 15 bis 23 Kronen den Kubikmeter am Stamm und die Wiedcraufbouzentrale kauft das Bauholz von Händlern oder privaten Waldeigentümcrn um mehr als 200 Kronen den Kubikmeter lok» Bahnstation. b) Das Ackerbvuministerium verkauft die jährlichen Brenn- bolzkontingente den Holzhändlern um den Preis von 3 bis 4,50 Kronen den Raummeter loko Wald und die Bevölkerung der Städte zahlt diesen Händlern 150 bis 200 Kronen für den Raum- mcter loko Stadt.(Im Winter 1917/18 kostete in Wien ein Kilogramm Brennholz 45 Heller. Wenn man annimmt, daß ein Raummeter weiches Brennholz 406 Kilogramm wiegt, so kam ein Raummeter Brennbolz in Wien auf 172 Kronen; gegen- wärtig zahlt man in Wien für einen Raummeter Brennholz 250 bis 300 Kronen.) Es wurden Verhältnisse geschaffen, daß die Bevölkerung der Städte im Winter 1916/17 und 1917/18 das Brennholz um 129 bis 200 Kronen von den Spekulanten hat kaufen müssen, während das Brennholz in den Sraats- und Fondsforsten an den Speku- lanten und Holqhändler— wie oben angeführt wurde— um den Preis von 3,80 bis 4,50 Kronen verkauft wurde! Es wurden Verhältnisse geschaffen, daß die Landbevölkerung, die vom Bezug der Kohle ausgeschlossen wurde, in jenen strengen Wintern gar kein Heizmaterial hatte und zuschauen mußte, wie die Holzhändler da? in den Staats- und Fondsforsten gewonnene Holz mitunter über die Land-, ja sogar Reichsgrenzen zu SpetulationSzwecken exportierten. Angeblich wird der österreichische Ackerbaumimster Gras Silva-Tarouca, der auch schon öfters als Kandidat für daS Ministcrpräsidium genannt worden ist, demissioniere»». Wekrerunsftchten für das mittlere Noeddeutsibiaiid btv Mittwoch mittag. Zeitweife heiter, jedoch vorherrschend wolkig, mit öfter wiederholten, im Südosten meist geringen, in den anderen Gegenden etwas stärkeren Regcnsällen und wenig veränderten Temperaturen. verantwortlia für Politik: Stich anttnee, Berlin: für den vdrsgen Teil de» Blattes: illfted Bchol», SleuMUn; für Anzeigen: Theetwi Gl-ckc, Berlin. Parlag: LorWärtS-Verlag®. nr b. H., Berlin. Druck: Vorwäriz-Buchdruckerei und BerlagSanslalt Bau! Singer u. Ca. in Berlin. Lindenstrabe S. Hierzu 1 Beilage und Unterlialtiingsblatt. Dirsbtiou Max Roinhardt. Deutsches Theater 7 tlhr: Hamlet. MittTtooli 7 Ulir: Don Carlos. Kammerspiele 7'!, Uhr. Kinder der Freude. Mittwoch 71/, Uhr: Kinder der Freude. Volksbühne Theater am Bülowplate. Uirelction Friedrich Kayßler. 71/, Uhr: Merlin. Uir.C. Meinhard— R.Bernnuer. ineafer�KöniggralzerStr. 8 Uhr; Die fiini Frankfurter. Komödienhaus 7*1,: Der Schrittmacher. Berliner Theater 7» 17.: Blltnblauea Blut. Trlanon-Thcater. Bhf. Frtedrioh8tp.Ztr.4927. 2391 Leute 8 Uhr zum 375. Male: Her I-ebenaHchUIer. Mittw. nachm.'1,4 ü. kl. Pr.: Rotk&ppcbou. Sonnab. nehm.'1,4 U., kl Pr.: Schneewittchen. Sonnt, nehm.'1,4 ü., kl. Pr.; Johann Infeaep. Mtspietes Große FrankliirterStfaße 28 u. d. AndreaMtraOe Mit Gesang. Fr. Zelnik— Lia Mara. Anlang 5 I hr. OiMMMWUM Theater ffir Dienstag, 10. September. Centrai-Theater 7V. uhr: Die CsariiasfürsdiL Deutschest Operuiina« Uhr: Figaros flochzeil Friedricb-Wllbelmst. Theater 7'/.uhr:ßasi)mfetel!iaüs. Kleines Theater s uhr. Der Einsame. Komische Oper 7V.: SdiwarzwaMiä T/4 Uhr: l-nstsplelhans : Die spaoisetie fliege. Metropol-Theater Die Rose von Mul. Uhr: Neues Operettenhaus Tv.uhr: Das sOße Mädel. Palast-Theater Dienstasr, 17, Sept., 7 Uhr: Der Stralauer Fiseiizug. Walhalla-Theater. Uhr: Donauliebchen. Rose-Theater. vi, Uhr: Residenz-Theater TU Ohr: DEr MgE U. Sctalller-Th. Chart uhr: Pfarrer von RireMeld. Thalia Theater uhÄrderhlendenlindfi Theater am Nolleadoripiatz 7 Uhr: Theater de# Westens u�Dielustlge Witwe mit Guido Thielscher. Wallner-Theater vi, Uhr: Graf Rabenlehls. i'/gS HATIOMil-THEÄTER. V28 ' Der große Operettenerfolg! Prinzenliebe. Musik von Walter Bromme. Preise: 10, 8, 6.50, 4.50, 3, 2 M.(10-/,-2). Casino-Theater. Lothringer Str. 37. TcgI.'/,8 U.: Der neue Schlager Nil Mt Ml«er! Berliner Posse in 3 Akten. Borher erftkl. Spezialitäten. U.iu Grete Linde Menschenaffen. Sonnt, vft,: CinaitOcklloheEht. iM666M06666M66666666»M666MtH»»j Admiralspalast. 7',. Uhr: Dis �ritizessmi voa Tragant Sajdah. Deutsche Tänze. Mauerstraße 82 Zimmerstraße 90/91 Eröffnung Donnerstag, den 12. er. mit einem Großen Konzert der Berliner Liedertafel Chormeister: Johannes Stehmann in Vertretung des zum Heeresdienst einberufenen Chormeisters Max Wiedemann unter Mitwirkung des Berliner Konzerthaus- Orchesters Leiter: Komponist Franz von Blon. Anfang 7 Uhr. Anfang 7 Uhr. Alle Vergünstigungen aufgehoben. Kord-Mast ßronnenslr. 18. Invalidenstr. Friedrichstr. 218 Dir.: James Klein. | 7'l, Sonnt 3>k, n. 7'/,| Scptcmbcr- Sennatloncn! IShcrlock llolmcsj der mexikanische Aua brecherkönig. Lieb. Porsellan, Hit« Belmonte, die span. Schönheit, und weitere Sensat. Vorverkauf an der Tagesk. 10— 6 Uhr. Sonnt. 3'/, Uhr jeder | Erwachs. 1 Kind frei! 1 Neu eröffnet!!! 2. Kabarett- Bühne Waller Steiner j und das große September- Programm![ L Kapellen£ Mer iSer MleiM. Boke Friedrich- u. Linienstr. 7*1, Uhr. Tügl.: Nord. 5050. Kaiserplatz 3, 1 Tr. Ein lust Stück m. Musik v. Lauts. v. Möllendorff. Georg. L. Holn.s. Sonntag 3'l, Uhr: Jnjpcnd. EHBBRaaraKBSUUlWIJU Reicbshalien-Tiieater. Allabendlich VI, Uhr u. Sonntag cachmiitags 3 Uhr; 1 Stetüner Sänger, j Nachmittags ermäBigte Preise! Kastanienallee 7—9. TOglich'/£ Uhr: Dorns Rest. Ab 5 llhr die neuen Spezialitäten. 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