Nr. 336. 33. Jahrg. Bezugspreis: »Url«ljShrl.M0Ml. monatl l.SVMl. frei inS HailS, vorauZzahlbar. Sinzein« Nummern 10 Pfennig. Postbezug: Monatlich, vom Postfchalter abzuholen ILO Ml., vom BrteftrSger ms Haus ac> bracht l.St Mt. Unter Kreuzband mr Deutschland und Oesterreich- Ungarn S.— Mt. für das übrige Ausland b.so Ml. monatlich. Äeriand ins Feld bei dtrelter Bestellung monaU.2,— Ml. Postbestellungen nehmen an Düne- marl. Holland. Luxemburg, Schweden und die Schweiz. Eingetragen in die Post-Zeitungs-PreiSItste. Erschein» täglich. Telegramm- Adresse: .Sozialdemokrat Berlin". VevNttvv VolksblAkt. (�10 Pfennig� Anzeigenpreis: DtesiebengesvalleneKolonelzeileloslet 80 Pfg..Klein« Anzeigen", das fettgedruckte PZort Z0 Pfg.(zulüssig 2 fettgedruckte Worte!, ledes weitere Wort 16 Pfg. Stellengesuche und Schlafstellenanzeigen daS erste Wort 20 Pfg.. jedes weitere Wort 10 Pfg. Worte über 16 Blichitaben zählen für zwei Worte. 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Zweifellos werden die Gegner gemeinsam vorgehen und auf einer interalli- ierten Konferenz ihre Antwort auf die österreichische Note be- schließen. Auch der parlamentarische Ausschuß Frankreichs, der sich, Blättermeldungen zufolge, mit der Note beschästigen wird, kann der gemeinsamen Entscheidung nur vorarbeiten. Bei uns in Deutschland hat das Vorgehen der Ver- bündeten eine tiefgehende Bewegung hervorgerufen. Ihr erster Niederschlag ist die' E i n b e r u f u n g des H a u p t a u s- s ch u s s e s, die zum nächsten Dienstag, den 2-t. September, erfolgt ist. Ter Vorsitzende, Genosse Ebert, der schon seit Wochen auf die Einberufung drängt, hatte diese ursprünglich schon für diesen Freitag in Aussicht genommen, mußte sie aber auf den Einspruch des Reichskanzlers hin(der ver- reisen muß, aber dabei sein will) auf den nächsten Dienstag ver- schieben. Unter Ueberwindung der zähen Hindernisse, die diesem Plan entgegengestellt werden, wird es hoffentlich auch gelingen, baldigst die Vollversammlung des Reichstags zu- sammentreten zu lassen. Es waren die Vertreter der Mehrheits- Parteien, die die Einberufung des Hauptausschusses beschlossen, die bürgerlichen Parteien müssen sich aber noch zur Ueberzeu- gung durchringen, daß auch die rascheste Einberufung des Reichs- tags selbst nicht zu vermeiden ist. Die sozialdemokratischeReichstagsfraktion ist für Montag, 10 Uhr vormittags, zu einer ge- meinsamen S i tz u ng mit dem Parteiausschuß eingeladen. Tie nationalliberale Reichstagsfraktion tritt heute zu einer Sitzung zusammen, der man in national- liberalen Parteikreisen große Bedeutung beimißt. Tie„National- zeitung" berichtet darüber: Auch in nationallibevalen Kreisen verhehlt man sich nicht, daß der ö st erreich! sch-ungarischen Demarche eine folgenreiche Bedeutung beizumessen ist, welche Aufnahme sie auch bei den Gegnern finden mag und daß unter allen Umständen mit einer unbedingten Nückwirkung auf die innerpolittschen Verhält- niste zu rechnen iist. Ter praktische Kern der morgigen national- liberalen Beratungen ist die Frage einer eventuellen Teilnahme an den interfraktionellen Bespre- chungen der Mehrheitsparteien. Ursprünglich wohn- ten bekanntlich die Nationalliberalen diesen Sitzungen bei, ver- zichteten später aber freiwillig auf eine Beteiligung. Wie wir hören, sind eine Anzahl Fraktionsmitglieder der Ansicht, daß ein Ivestercs Fernbleiben einer Selbstausschal tu ng der Par- tei gleichkäme und daher für sie nur schädlich wirken könnte. .Die Nationalliberalen haben offenbar die Empfindung, daß der Schwerpunkt der Entscheidungen von der gegenwärtigen Re- gierung ab und immer mehr zur Reichstagsmehrheit hinüberrückt, da möchten sie den Anschluß nicht verpassen. * Alle diese äußeren Anzeichen zeigen, daß es in der politi- scheu Welt Teutschlands lebhaft wie in einem Ameisenhaufen zugeht und daß man im Vorgefühl einer ernsten Krisenstimmung lebt. Zufrieden ist mit der Regierung wohl keiner. Die einen sind der Ansicht, daß Herr v. Hintze, der doch neulich erst in Wien war, worauf die landesübliche völlige Uebereinstimmung festgestellt wurde), den Schritt Oesterreichs unter allen Uni- ständen hätte verhindern müssen, die anderen meinen. Deutsch- land hätte sich der österreichischen Initiative von. vornherein an- schließen und mit Oesterreich eine gemeinsame Friedens- Politik vereinbaren müssen, zu der die Festlegung auf den Brester Frieden und die Vorbereitung der finnischen K ö n i g s w a h l wie die Faust aufs Auge passen. Einig ist man in der Auffassung, daß es der Regierung nicht gelungen ist. die so dringlich notwendige Einheit der diplomatischen Front zwischen den Verbündeten aufrechtzuerhalten. Wenn nun der Hauptausschuß am 24. September zusammentritt, so ist zu fürchten, daß er zu spät kommt. Die österreichische Note fordert rasche Antwort, und die finnische Königswahl soll schon am 26. September stattfinden. Es erhebt sich also die peinliche Frage, ob das verzweifelte Hinausschieben aller parlamentarischen Einwirkungen nicht auf die Absicht zu- rückzuführen ist, den Reichstag vor vollendeten Tatsachen zu stellen, wie das sa schon so oft, zuletzt in verfassungsmäßig höchst bedenklicher Weise mit den Zusatzverträgen zum Brester Frieden geschehen ist. Ein solches Mißtrauen ist aber auch nicht geeignet, das Verhältnis zwischen Regierung und Parlament zu bessern. Jedenfalls ist die Ueberzengnng ziemlich allgemein geworden. daß es mit der bisherigen Direktionslosigkeit der Politik nach innen und außen ein Ende haben muß. In der W a h l r e ch t S- frage ist die Regierung auf ein totes Gleis geraten, sie hat' aber nicht den Mut, das zu bekennen und die Konsequenzen daraus zu ziehen. Sa der auswärtigen Politik kreozen sich nach uns der wie vor die Absichten der Zivilregierung mit militärisch-dynasti- scheu Einflüssen, und die Zusammenarbeit mit den Verbündeten erscheint in ernster Weise gestört. Ein Beispiel für dieses gefährliche Spiel der verschiedenen Strebungen bietet die Entwicklung der finnischen Ange- I e g e n h e i t, vor deren entscheidender Bedeutung ein großer Teil der Presse noch immer krampfhaft die Augen verschließt. Die ganze Königsgeschichte ist der Zivilregierung wie ein Dach- stein von oben auf den Kopf gefallen, und anscheinend hat sich noch immer nicht der Mann gefunden, der darüber der ent- scheidenden Stelle reinen Wein einschenkt. Als Napoleon den Holländern befahl, sich seinen Bruder Louis zum König zu erbitten, und als er seinen Schwager Joachim Murat zum Herrn über das Großherzogtiim Berg ein- setzte, hatte er die Schlacht von A u st e r l i tz geschlagen und stand auf dem Gipfel seines Kriegsglückes, auf das sich erst drei Jahre später der erste Schatten senkte. Es muß auszusprechen erlaubt sein, daß sich Deutschland im Herbst 1918 nicht in der- selben Lage befindet, in der sich Frankreich im Jahre 1806 be- fand, und daß die Politik des Reiches auf diese Tatsache Rück- ficht zu nehmen hat. Von der grundsätzlichen Seite der Frage — daß man einem Volk nicht eine Staatsform und ein Ober- Haupt auferlegen soll, die es nicht will— ist dabei noch ganz abzusehen. Waren es vielleicht auch nicht solche grundsätzliche Be- denken, der die Annahme des finnischen Thrones durch einen Verwandten des Hohenzollernhauses auch in den Augen der Regierung widerrieten, so hat ihr, glauben wir, doch nicht die Einsicht gefehlt, daß es notwendig sei,-olle östlichen Fragen jetzt in der Schwebe zu lassen. Sie ist aber mit dieser Ein- ficht leider nicht durchgedrungen, und statt fest zu bleiben, fypt sie vorsichtig nach allen Seiten hin laviert. Die Folge davon ist die jetzt gegebene inner- und außerpolitische Situation, die angesichts der gesamten Weltlage doppelt beklagenswert ist. Ein Ausweg ist nur zu finden, wenn wir r a s ch zu einem festen Kurs gelangen, wenn das Thronabenteuer im Osten ab- gesagt und die Bereitwilligkeit der deutschen Regierung er- klärt wird, auf der von Oesterreich-Ungarn angeregten Be- sprechung alle durch den Krieg aufgeworfenen Weltfragen einer Erörterung zu unterziehen. Nur so kann die deutsche Regierung dem diplomatischen Gegenschlag zuvorkommen, kann die Erklärung vermieden werden, das starre Fe st- halten Deutschlands an dem Vre st er Frieden mache ein Eingehen ans den auf den österreichi- schen Vorschlag unmöglich. Cine englifibe Stimme zur Zrieöensnote. Skeptische Aufnahme. London, Ist. September.(Reuter.) Das liberale„Daily Chronic! e" fchrcibt:„Das österreichische Angebot ist die erste direkte Annäherung eines Kriegführenden, die seit Kriegsbeginn unternommen worden ist. Als solcher kommt ihr besondere Be- deutung zu. Zwei Motive veranlaßten die Note: Eststens der Wunsch, unter den Ententemächten durch den Versuch, das Odium für die Fortsetzung des Krieges ihnen zuzuschieben, Verwirrung zu stiften; zweitens die au'f richtige Friedens sehn sucht in Berlin und Wien. ES wird jetzt zum erstenmal zuge- geben, daß die Mittelmächt« unmöglich den Krieg gewinnen tonnen. An Stelle der vertriebenen Siegesprahle- rei, die den Beginn der großen Kaiserschlacht verkündete, trat die Furcht vor der Niederlage. Die österreichische Note geht jedoch von der Annahme aus, daß auf keiner Seite die Wahrscheinlichkeit eines militärischen Sieges besteht. Von diesem Standpunkt aus tritt die Note für einen Verständigungsfrieden ein. Niemand, der einen Funken von Mitgefühl besitzt, würde auch nur für einen einzigen Tag die Fortsetzung der Agonie dieses Krieges wünschen, wenn sie nicht absolut notwendig ist. Aber nach allen ihren Leiden beabsichtigen die Ententemächte nicht, sich mit einem Schein- frieden abspeisen zu lassen, der nur einen neuen Krieg zu einem Zeitpunkt, der den Militaristen Mitteleuropas genehm wäre, bedeuten würde. Die freien Nationen der Welt sind ent- schlössen, zusammenzuhalten bis die unselige Drohung e n d g ü l- tig beseitigt ist. Das ist unmöglich, bis der gewaltige deutsche Militarismus zerschmettert ist. Nichts außer der deutlichen Niederlage im Anlande oder auf dem Schlachtfeld« wird ihn zerschmettern. Es würde töricht sein, irgendwelche guten Ergebnisse von einer Konferenz zu erwarten, wenn nicht vor der Zusammenkunft der Delegierten eine gewisse Annäherung der Mei- nungen zwischen den Gruppen der Kriegführenden einge- treten ist.. Dafür gibt es wenig Anzeichen. Ehe nicht eine wirkliche Aenderung der Gesinnung und der Methode in Berlin und Wien eingetreten ist, sind Verhandlungen mutzlos. Wir verlassen uns cimfach auf die Logik des militärischen Erfolges, um unsere Feinde zur Vernunft zu bringen, in der Sprache Wilsems:„Wonach wir streben, ist eine internationale Ordnung, die sich auf den umfassenden allgemeiner, Grundsätzen bei Kechti tfsi der Gercchfigkeit gründet.'- Reichstag. Ein finnischer Protest. Aus den Geheimnissen der KönigSmnche. Von finnischer Seite geht uns folgende Zuschrift zu: Die Entwicklung unserer Verfassungsfrage ist in großen Züge« die folgende: Die Regierung Svinhufvuds, von den bürgerlichen Fraktionen des Landtages zusammengesetzt, hat im Dezember 1917 einen republikanischen Verfassungsentwurf als Regierungsvorlage dem Landtage eingereicht. Als Finnland seine Unabhängigkeit proklamierte(6. Dezember 1917), hat der Landtag einstimmig Finnland für eine Republik erklärt. Als solche hat Finnland die Anerkennung Schwedens, Deutsch- l a n d s, Frankreichs und anderer Staaten erreicht. Die BeHand- lung der Verfassungsvorlage war noch nicht beendigt, als der Biir- gerkrieg ausbrach(Ende Januar ILIL). Die Svinhufvudsche Re- gierung hat sich während des Bürgerkriege»«ls die Regierung der Republik Finnland in amtlichen l>Irkund»n«ngegeben; alle Tagesbefehle des Generals Mannerheim erschienen im Namen „des Oberbefehlshabers der Armee der Republik Finnland". Noch im April 1918, als nach Beendigung der Unruhen die Grundgesetzkommission des Landtages Beratungen über die Ver- fassung hielt, wurde einstimmig(die Sozialdemokraten hatten sich zum größten Teile an den inneren Kämpfen beteiligt � und erschienen mit drei Ausnahmen nicht mehr im Landtage), die republikanische Staatsform in erster und zweiter Lesung angenommen. Die reaktionäreD Elemente wagten noch nicht offen als Monarchisten aufzutreten. Im Mai aber hat«in Umschwung stattgefunden. Die Regie- rung hat die republikanische Verfassungsvorlage zurückgezogen und eine monarchische eingereicht und zugleich die Erklärung nbgc- geben, sie stehe und falle mit der Monarchie. Um die Bölksstim- mung für sich zu gewinnen, hat man behauptet, Deutschland wünsche die Monarchie, die Republikaner wünschten aber Wirren und arbeiteten gegen die Interessen Deutschlands� Offiziell nahm jedoch die deutsche Regie' rung eine neutrale Haltung ein. ES arbeitete aber in Hclsing- fors rine Zweigstelle der„Sektion Politik deS Gencralstabes de? Feldheeres", mit welcher unsere Reaktionäre nahe Beziehungen hatten, und diese Sektion hat die monarchistischen Bestrebungen unterstützt. Tatsächlich waren wir nicht ganz frei; es standen � deutsche Truppen überall in Finnland, und Kriegsschiffe lagen im Hafen HelsingforS. Am 14. Juli hat der Landtag in der zweiten Lesung mit 27 Stimmen gegen 53 sich für die monarchische Regie- rungsvorlage ausgesprochen. Um die nötige qualifizierte Mehrheit in der dritten Lesung zu erreichen, hatte man eine gc- waltige Agitation getrieben. Erstens hatte die Regierung zwei sozialdemokratische Mitglieder des Landtages verhaftet; an- dere früher verhaftete, teils unschuldige, waren in Untersuchungs- hast geblieben. Ersatzwahlen für drei verstorbene sozialdemokratische Mitglieder fanden glicht statt. Zweitens hat die Regierung sich auf die deutsche Regierung gestützt. Am 17. Juli gab der sitin- ländische Minister des Aeußeren den Delegierten sämtlicher Frai- tionen eine offizielle Erklärung ab,„die deutsche Regierung halte das Inkrafttreten der monarchischen Staatsform vom Gesichts- punkte Finnlands und Deutschlands aus für daS zweckmäßigste." Einer der maßgrbendcn deutschen Militärs lud republikanische Mitglieder de? Landtage? zu sich ein, um sie davon zu überzeugen, daß ihre Ansichten mit den Interessen Deutschlands nicht übereinstimmen. In der„Norddeutschen Allgemeinen Zeitung erschien Ende Juli ein Artikel, in welchem gesagt wurde, Deutschland könne nicht mit geschlossenen Augen dastehen, wenn Finnland sich eine Staaisform wählt, weine Teilnahme bei der Lösung der Verfassungssrage iverde für Deutsch- land sogar zur Pflicht, da die Interessen sich deckten. Dennoch konnte die Regierung am 7. August nicht die nötige Fünfsechstel-Mehrheit für die schleunige Behandlung der Regie- rungsvorlage aufbringen: cS stimmten trotz des ungeheuren Druckes 32 Abgeordnete dagegekt. Nach der Verfassung sollte die endgültige Lösung der Verfassungsfrage erst nach Neuwahlen folgen. Aber die monarchistische Mehrheit wagte jetzt am 9. August (mit 28 Stimmen gegen 44) einen Antrag anzunehmen, wodurch die Negierung aufgefordert wurde, die notwendigen Maßnahmen vorzunehmen, um einen König(für da? bisher nicht existierende Königtum Finnland) zu wählen. Man stützte sich auf die ver- jährten Bestimmungen des Grundgesetze? von 1772, die unsere Rcchtsgelehrten früher für ungültig erklärt hatten. In Wirklichkeif bedeutete dieser Beschluß des Landtages eine Auf-' Hebung des am 7. August gefaßten, gesetzmäßigen Beschlusses. Der Päsident deS Landtages hat auch gegen die Be- Handlung des Antrages protestiert. Wir können Yen deutschen Prinzen, der jetzt alS König Finnlands Thron auf diese Weise besteigt, nicht anerkennen. Es liegt darin keine feindliche Handlung gegen Deutschland. Wir stehen nur auf dem Standpunkte: man soll an da? Volk appellieren; ein Königtum ohne Zustimmung des Lölkes ist wert- los mi bleibt schwill Dep jc�iAg der ksne wirNiche Volksvertretung mehr ist, und in dem die Soziarbcmokratcn fmit einer einzigen Ausnahme) nicht vertreten sind, ist unfähig, die Verfassungsfrage zu lösen. Er!e?nt schon finnisch! In 4— K Wochen ist der Sfönig fertig. Aus Hclsingfors wir'.? vom lö. September gemeldet; Um Prinz Friedrich Karl Unterricht in� Finnischen zu erteilen, reist Dozent Fr. H e l n a nach Deutschland ab. Sein Aufenthalt wird auf 4 bis 6 Wochen berechnet. So schnell kann also«in deutscher Prinz und preußischer General seine deutsche Nationalität mit einer fremden vertauschen! Ein paar herablassende NedenSarten,, im 4— 6 Wochen eingetrichtert, genügen vollständig dazu Es ist sehr merkwürdig. Wir Volk können gar nicht„deutsch" genug sein, in den obersten Regionen vollziehen sich aber internationale Verwandlungskiinste mit blitz- artiger Geschwindigkeit. Für die Empfindungen, die daZ im Volk hervorrufen muß, fehlt offenbar das Verstchrdnis. Amerikanische Stimmungsmache für Llblehnung des österreichischen Vorschlages. New Uvrk, 15. September. sNeutcrmeldung.) Der Vertreter der Assoeiated Preß in Washington telegraphiert: Die Ansicht der amt- lichen Kreise in Washington gegenüber dem öfter- reichisch-ungarischen Vorschlag■ auf eine Friedensbesprechung ist folgende: Oesterreich-Ungarn ist im Zusammenbrechen, und anstatt die Zeit mit Friedensgeschwätz zu vergeuden, daS schlimmer als nutzlos sein würde, ist jetzt die richtige Zeit, es aufs Härteste zu treffen. Solange eine förmliche Besprechung des österreichisch-ungarischen Vorschlages nicht möglich ist, da der amtliche Wortlaut noch nickt ein- gegangen ist, soll doch von befugter.Seite festgestellt werden, daß jeder Schritt, der von den Vereinigten Sinaten getan werden könnte, im E i n v e r st ä n d n; s mir den Alliierten geschehen wird. Amtlicke Regierungskreise lassen bekannt werden, daß gegenüber der in der Presse erschienenen Fassung des österreichisch-ungarischen Angebots nur eine Antwort möglich sei, und das sei der Schlußsatz aus Wilsons Rede in Baltimore im April: Deshalb ist für uns nur eine Antlvort hierauf möglich: Gewalt, G e-w alt bis z u m äußersten! Gewalt ohne Beschränkung und Be- grenz nngl_ Sompers Reife nach Europa. ,„Ti-meS" bringt ei, wen langen Aufsatz seines Mitarbeiters in Arbeiterfragen über die bevorstehende interalliierte Arbeiter- und. Sozialistenkonferenz kn London, der die Angabe enthält, daß die Reise Go m p e r s nach Europa ans Drängen von Havelock Wilson und»pploton erfolgte, die dem ameri-. kanischen Arbeiterführer dr>a!ht»t«n, daß feine Anwesenheit im Jnter- effe der Sache der Alliierten dringend notwendig sei. Gompers habe daraus gleichlautend A p p l e t o n, Z o u h a ü x und B o W e r- man telegraphiert, daß ,r, wenn Mitte September die inter- alliierte Konferenz von Aribeitervertretern arrangiert werden könne, dazu kommen werde. Infolgedessen hatten die beiden erstge- neunten di« Konferenz in Paris, Bowerman aber namens des Bereinigten Komitees bes.(Aew-rkschaftskongrefses und der Arbeiterpartei gemeinschaftlich mit Heudersou die Konferenz nach London einberufen un� die amerikanische Delegation habe die Teilnahme zugesegat. So komme eS, daß Gompers, der noch vor seiner Abveise von Amsrika ausdrücklich erklärte, daß er nicht zu der gemischten Konferenz von Gewerkschaftlern und Sozia- listen gehe, und betonte, daß der Sozialismus in den Entschlüssen des amerikanischen Arbeitertums keine Rolle spiele, tatsächlich an einer Konferenz teilnähme, bei der der ScvjialismuZ reichlich vertreten sei. Diese etwas abnorme Lage, der gegenüber Gompers sich bereits m Derby befunden habe, biete eine Erklärung für den Mangel an Schneid und Festigkeit in seiner dortigen Ansprache. Das'ändere nichts an der Tatsache, daß. keine Konferenz irgend- welcher Art Gompers veranlassen werde, von seinem und seiner Genossen Entschluß, vor einem Siege der Alliierten mit den D e nt sch»n in keine Verhandlungen ein- zutreten, zurückWkommen. Gomp-rS hat jedenfalls aus dem Verlauf der Konferenz- angelegenheit erfahren, daß die europäische politische Wirklich- keiet stärkere Mächte ins Spiel setzen kann, als die Weisheit solcher aus der amerikanischen Politik gezogenen Entschlüsse sie sich träumen läßt. Siin.Amerikanismus wird auch weiter damit zu rechnen haben._ Die Kämpfe in Rußland. Gefechte im Norden und an der Wolga.— Rücktritt des JnstizkommissarS.— Falschmeldungen von Erschiestungen.. Nach der„Prawda" hat an der Front von Archangelsk ein Geseckt zwischen den Truppen der- Bolschewiki und der englisch- französisck-amerikanisckeii Detackemenis stattgefunden, in dem zu- erst die Bolschewik! siegreich waren. Eine zu Hilfe kommende engliscke Abteilung schlug jedoch die russischen Truppen zurück, welche in Verwirrung und Panik flohen. Unter den russischen Truppen waren Gerüchte ausgestreut, wonach Lenin und Trotzki getötet. Sinowsew geflohen und die Sowjetmacht gestürzt sei. Eine Anzahl von Offizieren liefen zu den Engländern über.— Aus Moskau wird berichtet: Nach dem am 11. September in den Zeitungen veröffentlickten Kriegsbericht sind die Rätetruppen an mehreren Stellen des S ü d a b s ch n i t t e s und auch der N o r d f r o n t in der Ricktung auf Archangelsk in- folge starken seindlicken Druckes zurückgegangen.— Aus Kiew meldet das Wolff-Bureau vom Sonntag: Der Vorstoß der Bol- schewiki westlich vvn Zarizin dauert an. Auf den anderen Fronten finden für die Kosaken günstige Kämpfe statt. Die Freiwilligen- Armee besetzte T u a p s e. Eine Meldung des.Hamb. Fremden- blatt", daß die Sowjettrnppen Samara genommen haben, wird den Ereignissen vorauseilen. Noch der Zeitung.Mir" ff: der Z u st i z k o m m i? s a r wegen Meinungsverschiedenheiten mit dem Vorsitzenden des obersten NevolutionStribunals, Krylenko, über die von.diesem getroffenen Maßnahmen zur Dutchsühr�ing des roten Terrors von seinem Posten zurückgetreten.* Zu seinem Nachfolger wurde K u r k y ernannt. Stockholm, 15. Gepteuebee'. Wie der Korrespondent der Ilele- graphen-Umon von zuständiger russischer Stelle erfährt, werden in den letzten Tagen fortgesetzt falsche Nachrichten über Mordtaten der Bolschewikiregier»ng verbreitet. Vor einer Woche Hai man eine Liste der Großfürsten beröffentlicht, die ermordet oder stand- rechtlich erschossen werden sollten. Die meisten der genannten Großfürsten befinden sich hinter der tschecho-slowakischen Front. Reuerdings wurde gemeldet, daß Protopopow, Maklakow und Bielezki erschossen wurden. Protopopow be-findet sich in Wirk- lichkeit in«inern Sanatorium, Maklakow ist Vertreter der Teilkämpfe zwischen Ailette und Aisne— Der Feind in Bailly— Fortdanernde Kämpfe zwischen Fresnes und östlich Thiancourt— Bomben aus Paris. Berlin, 16. September 1918, abends. Amtlich. Erneute Angriffe des Feindes zwischen Ailette und Aisne find im groftcn gescheitert. Von den anderen Kampffronten nichts Neues. Amtlich. Großes Hauptquartier, 16. Sep- te m b c r 1918. lWTB) Westlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppen Kronprinz Rupprccht und Boehn. In der Lys-Niederung und südlich vom La B a s s 6 e- Kanal führten wir erfolgreiche Unternehmungen durch. Zwischen Havrincourt und E P e h y am frühen Morgen heftiger Artillcrickampf, dem bei und südlich von Havrincourt feindliche Tcilangriffe folgten. Der Feind wurde abgewiesen. TagSübcr blieb die Gcfechtstätigkcit in mäßigen Grenzen. Nord- östlich von V e r m a il d, am H o l u o»- W a l d e und bei Essigny-le-Grand Jnfantcriegefcchte. Heeresgruppe Deutscher Kronprinz. Heftige Teilkämpfe zwischen Ailette und Aisne. Nach vergeblichen Borstößen am frühen Morgen brach der Feind am Abend erneut zum Angriff vor. Im allgemeinen wurde er abgewiesen; er hat die Eindriichktcllc auS den Kämpfen der Bor- tage etwas erweitert und faßte im Südteil von Bailly Fuß. Zwischen AiSnc und BeSlc blieb die feindliche Infanterie nn- tätig. Wir säuberten die auS den Kämpfen vom 14.. 9. noch zurückgebliebenen kleinen Franzofennestcr. Heeresgruppe Gallwitz. Bon der Cotes Lorraine biS zur Mosel lebte der Artillcrickampf am Abend zeitweilig auf. Bor unserer neuen Stellung entwickelten sich mehrfach heftige Jnfantericgescchte, in denen wir Gefangene machten. Am Abend stand der Feind etwa in der Linie Fresnes— St. Hilaire— Hanmont- Rembereourt und im Walde von Rappes. Heercsgrupp'e Herzog Albrecht. Borstöße des Feindes an der lothringischen Front wurden abgewiesen. Als Vergeltung für das fortgesetzte Bewerfen deutscher Städte wurden auf Paris in vergangener Nacht durch die Bombengeschwader 2? 666 Kilogramm Bomben abgeworfen. Wir schössen gestern 24 feindliche Flugzeuge und 15 Fessel- bnllone ab. Der Erste Generalquartiermcister. Ludendorff. Der österreichische Bericht. Wien, 16. September. Amtlich wird verlautbart: Bei M o r i und auf dem Monte Cimonc wurden feind- liche Patrouillen abgewiesen. In den Sieben Gemeinden scheiterten mehrere italienische Vorstöße. Im Brrntatal drückte der Feind unsere Feldwachenlinirn etwas znrück. Im albanischen Küstengebiet versuchten die Italiener vergeblich, uns den Ranmgewiml der letzten Tage wieder zu entreißen. Der Chef des GcnernlstabeS. Kswensknchen Regierung in Paris und Bielezki weilte vor drei Wochen noch in Tobolsk. Moskau, 14. September. Nach einer Meldung der„Jswestija" wurde am 12. September in Witebsk die bekannte Organisa- torin der Frauenbataillone unter der Kerenskischen Re- gierung, Alexandra Bodschkajowa, wegen gegenrevolutio- närer Tätigkeit erschossen. In Smolensk wurde am 2. September die Konferenz der Sowjets des West- Gebietes eröffnet; von den ISS Abgeordneten sind 142 Kommunisten. Die Aufstände in Kasan. Moskau, 12. September.(P.T.A.) Die.Jswestija" teilt am 10. September mit: In Kasan brach eine ganze Reihe von Aufständen gegen die Anhänger der Konstituante aus. Die Ar b e i t�e r der Pulverfabrik empörten sich, ein Teil der mobilisierten Truppen meuterte, außerdem weigert sich das 2. k a s a n i s ch e R e g i m e n t, die Stellungen zu beziehen. Die Dro- Hungen mit standrechtlichen Erschießungen und diese Erschießungen selbst hatten dabei keine Wirkung. Das Regiment wand»« sich stn die Arbeiter um Hilfe. Die Arbeiter beschlossen, ihm zu helfen. Am 3. September wurde der Generalstreik prtiklamiert, der vollkommen gelang. Es fand eine Volks- Versammlung statt, die beschloß, sich mit den Sowjet- truppen zu vereinigen und diesen den Weg nach Kasan zu öffnen. Nach der Versammlung zogen die Arbeiter nach der Pulverfabrik und erbeuteten dort ein Panzerauto und 2 Maschinengewebre. Die Weißgardisten er- öffneten Schrapnellfeuer gegen die Empörer, riefen von der Front ein Offiziersbataillon und eine Abteilung Tschechen zurück und unterdrückten mit.Mühe durch Massen- erschießungen den Aufstand. Es wurde eine Treibjagd auf die Arbeiter in ihren Häusern veranstaltet. Die Exekutiv- kommandos wurden von: Obersien Steffanoff geleitet. Die EnglänAer in Rusfisch-Zentralafien. Moskau, 13. September. Die„Jswestija" bringt Preßstimmen aus Taschkent, wonach daS ehemals reiche C h i w a durch Räuber- banden völlig zerstört sei. Viele Flüchtlinge befänden sich in Petro- Alexandrowsk. An den Ereigniffen in Aschabad(Hauptort der russischen Bahnlinie vom Kaspisee nach Merw) seien Truppen des Khans von Chiwa und des sumidischen Khans beteiligt. Das Pro- letariat in Chiwa erwarte das Eintreffen der Rätetruppen, um sich der Rätegewalt anzuschließen. lieber die Lage in Turkestan erklärt die Zeitung, daß Merw von den Rätetruppen besetzt sei. Bei Samarkand, dem Haupt- sitz der Engländer und Weißgardisten, finden Kämpfe statt. Bei Aschabad haben die Engländer 15 666 Mann stehen, meist Sepoys aus Indien, die über Persien und Afghanistan herangezogen worden feien. Die Truppen seien aber der Agitation zugänglich. In Turkestan ssei die Bevölkerung vollständig aus feiten der Rädegewalt, selbst der Emir von Buchara unicrstütze die Bolsche- wiki, deren Gesandter großen Einfluß auf ihn habe. Der Emir sei auf die Orientierung mit der Rätegewalt angewiesen, da die Vehs ihm nicht mehr gehorchten. Die Verpflegung in Turkestan sei glänzend. Es sei zwar viel Land unbestellt geblieben, infolge des günstigen Wetters sei die Ernte aber sehr gut. Baumwolle reiche für 2 Jahre. Die Eng- länder führen ihrerseits aus den besetzten Gebieten Getreide und Baumwolle nach Persien und Afghanistan aus. Der Bergbau ent- wickele sich gut. Im Falle der Möglichkeit eines Warenaustausches mit Rußland[ei die Lage Turkestans vorzüglich. Der Inhalt der„Jswestija"-Meldung läßt also erkennen, daß die Engländer von Nordpersien aus das reiche Oasengebiet, das einst den Tekketurkmenen gehörte, in ihre Hände gebracht haben, und daß ihre Gewalt sich bereits über dieses wirtschaftlich und politisch für die Beherrschung Zentralasiens wichtige Gebiet und die nördlich vorgelagerten Wüstenlande hinaus erstreckt. Da Samarkand bereits in der Hand der Engländer ist, ist es kein Wunder, daß ihr Einfluß auch in Chiwa und Buchara, den reichen Lascnstaaten am Amu Darja wirkt. Von hier aus ist natürlich auch die Hauptstadt von Russisch-Turkestan, Taschkent, bedroht. Einstweilen befindet sich dieser Platz aber noch in Sowjethänden. Ob er es bleibt, hängt wesentlich davon ab, ob es gelingt, über Orenburg eine feste Verbindung mit dem bolschewistischen Rußland zu sichern. Auch die kürzlich gemeldete Einnahme von U r a l s k und die Kämpfe an der mittleren Wolga, vor allem die Operationen von S a m ckr a, sind für dieses Ziel von Bedeutung. Moskau, 12. September.(PTA.) Glaubwürdige Berichte melden, daß die Tschechoslowakei: und die Weißgardisten Sa- m a ra zu räumen beginnen. Auf ihrem Vormarsch gegen O r e n- bürg werden die Sowjettruppen durch die Mobilisierung der Be- joohner der von ihren besetzten Gegenden ergänzt. Diese Mobili- sierung geht erfolgreich vor sich. Das Schicksal Lockharts unü üer fremö- staatlichen Gegenrevolutionsmacher. Moskau, 13. September. Nach Meldung der Zeitling „Mir" ist das Schicksal des verhafteten englischen Konsuls Lockhart und seiner zum diplomatischen Korps gehörenden Helfershelfer nach nicht entschieden. In Rätekreisen spreche man von der unter den„Verbündeten" Diplomaten herrschen- den Verwirrung und über eine gewisse Bereitwilligkeit der Entente, der Räteregierung Konzessionen zu machen. Bis zur Klärung der Frage bleibe Lockhart in Haft. Nach der „Jswestija" hat Tschitscherin den in Moskau befindlichen Vertretern fremder Mächte folgende Normen über die Be- Handlung nichtrussischer Bürger überreicht: 1. Die Bürger fremder Staaten und Gebiete, welche von Ruß- land auf Grund des Brester Friedensvertrages oder des Er- gänzungsvertrages dazu losgelöst worden sind, sind im Falle der Teilnahme an einer kontrarevolutio- nären Bewegung, an Spekulationen sowie allen son- stigen Handlungen, die gegen die Gesetze der Räterepublik verstoßen, in gleicher Weise verantwortlich wie die russischen Bürger. 2. Sowohl die außcrordent- liche Kommission, als auch alle übrigen Organe der Räte- gewalt sind verpflichtet, von der Verhaftung eines auswär- tigen Untertanen das Außenkommissariat sofort in Kenntnis zu setzen, welches den: Vertreter des Staates Mitteilung macht. Gleichzeitig müssen die Gründe der Verhaftung an- gegeben werden, wobei dem betreffenden auswärtigen Ver- treter alle üblichen Rechte zum Schutz seiner Mitbürger ge- währt sind. Rumänische Schwierigkeiten. Noch kein Austausch der Ratifizierungen des Friedens- Vertrages. Bukarest, 15. September. Auf Anfrage des liberalen Senators Jarca über die Verzögerung des Austauscheslder Ratifizierungen des Friedensvertrages erwiderte Marghiloman: Der Austausch der Ratifizierungen hängt nicht allein von uns, sondern auch von den anderen vier Staaten und von den Beziehungen zwischen den Balkanstaaten ab. Von Deutschland und Oe st erreich- Ungarn liegen diesbezüglich keine Schwierigkeiten vor. Ich glaube, daß der Austausch der Ratifizierungen vor dem 1. No- vember, wenn nicht schon trüber erfolgen wird. Jarca möge wissen, daß Schwierigkeiten auch seitens seiner Parteifreunde gemacht werden, welche uns daS Leben hier in der Moldau vergiften und unsere Lage im besetzten Gebiete schädigen. Auf Entgegnung Jareas, daß der Vertrag Rumäniens mit Deutschland unbekannt gewesen und überdies gekündigt worden- sei, erwiderte Marghiloman: Der Vertrag mit den Mittelmächten war allen Parteiführern, Ministerpräsidenten und Ministern des Aeußeren bekannt. Der Vertrag wurde nicht gekündigt. Beweis dafür ist die Tatsache, daß �Deutschland in Einhaltung des Vertrage» erklärte, daß es den Bukarester Frieden 1913, dessen Aenderung von anderen Staaten verlangt wurde, als endgültig betrachte. « DaS Gesetz über die Zwanzsverpachwngcn der Güter deS Großgrundbesitzes an Bauern hat die Kammer mit 24 gegen eine Stimme angenomn:en. Das Zusammenwirken der üeutschen unö schweüischen /Zrbeiterschast. Kopenhagen, 14. Sept. Ueber das Verhältnis zwischen der schwedischen und der deutschen Arbeiterschaft hat sich der schwedische sozialistische Reichstagsabgeordnete Lindquist, der als Vor- sitzender des Verbandes schwedischer Fachvereine in diesen Tagen hier an der skandinavischen Arbeiterkonferenz teil- genommen hat, zu einem Vertreter dänischer sozialistischen Provinz- zeitungen geäußert. Auf die Frage, ob es richtig sei, daß die schwedische Arbeiterschaft anders zu der deutschen stehe, als die dänische, erwiderte Lindquist. daß eine solche Annahme völlig mißverständlich sei, und fuhr fort: Es bestehen überhaupt keine Gegensätze zwischen den schwedischen und deui- scheu Arbeitern, vielmehr erkennen die schwedischen Arbeiter an, daß die deutschen Arbeiterorganisationen st eis bereit gewesen sind, etwa nötige moralische und finanzielle Hilfe zuleisten. Bessere Kameraden als die Deutschen gibt es in der ganzen Welt nicht, wofür wir bei dem großen Arbeitskompf Beweise genug erhalten baben: ohne die deutsche Kameradschaft hätten wir den Kampf nicht solange aushalten können, wie geschehen. Auch die dänischen Arbeiter haben übrigens bei der großen Aussperrung 1899 die gleiche Er- fahrung gemacht. Wenn wir in Not waren, hat uns niemals ein kräftiger Handschlag der dentschcn Arbeiter geschlr. Wir fahren also fort, das Zusammenwirken mit den deutschen Arbeitern zu festigen. Jeder Arbeiter und Sozialdemokrat in Skandinavien n:uß in be- sonderem Maße mit der starken deutschen Arbeiterbewegung rechnen, und daher wünsche ich, daß die allen Beziehungen den deutschen Arbeitern nach dem Kriege noch stärker und wärmer werden, als vor dem Kriege. Im weiteren Verlaufe der Unterhaltung erklärte Lindquist zur Abhaltung einer internationalen sozialistischen Friedenskonferenz, er wolle zurzeit nur sagen, daß er das Verhalten der Arbeiterklasse in einigen Ländern mit Bedauern be- trachte, das es den Regierungen möglich mache, sich der Abhaltung einer internationalen Konferenz zu widersetzen, die sicher dazu bei- tragen würde, den unauslöschlicher: Haß zwischen den Völkern zu mildern, der jetzt bestehe««id dem schrecklichen Blutvergießen ein Ende zu machen. Nr.2SH ♦ 35. Jahrgang Seilage öes vorwärts Dienstag, 17. September 1918 GroßSerün Wenn man sieben Kinder hat, kann einem die Wohnung suche zu einem Leidens- weg weriren— besonders dann, wenn man neben den sieben Kindern nicht auch«inen entsprechend großen Geldbeutel hat. Eine in Neukölln wohnende Arbeiterfrau, die im„glücklichen" Besitz eines so reichen„Kindersegens" ist, � erzählt uns, was sie bei der Woh- nungsuche hat durchmachen müssen. Seit Juni, wo ihr die Kün- digung zum Oktober zuging, läuft sie in Neukölln umher, aber bis jetzt ist es ihr nicht gelungen, eine andere Wohnung zu finden. Immer wieder mußte sie sich fragen lassen, wieviel Personen zu der Familie gehören, und wenn sie dann gestand, daß sie und ihr Ntann sieben Kinder im Alter von 5 Monaten bis zu 10 Jahren mitbringen würden, winkte jeder ab. Eine oft gehörte Antwort war die, daß für eine so starke Familie die gewünschte Zweiizimmer- Wohnung zu klein sei; aber die Frau geht wohl nicht fehl mit ihrer Vermutung, daß nicht die Sorge um das Wohlbehagen der woh- nungsuchenden Familie die Hauseigentümer oder ihre Vertreter zu dieser Einwendung veranlaßt«. Einige waren offen genug, ihr zu sagen i„Nein, Sie verbrauchen uns zuviel Wasser!" Andere ließen deutlich durchblicken, daß sie die Aufnahme der Familie ablehnten, weil ihnen die vielen Kinder unerwünscht waren.„Wir haben schon genug Kinder im Haus!" erklärte rund heraus die Frau eines Verwalters, und selbst aegen einen Mietezuschlag von einigen Mark für den Mehrverbrauch an Wasser wollte sie die Fa- milie nicht hineinnehmen.„Wir haben schon genug Kinder hier!" suGte auch in einem anderen Haus der Verwalter, und seine Frau belehrte die Mutter der sieben Kinder:„J-a, jetzt können wir uns die Mieter aussuchen."©ine Hauswirtin empfing die umhergehetzte Wohnungsucherin sogleich mit den Worten:„Aber «ur an kinderlose Leute!" Sind solche Erfahrungen geeignet, bei den Minderbemittelten daS Verlangen nach Familienzuwachs zu stärken? Die B-Volke rungspoliti kcr, die so viel von der Notwen- digkeit reichlichen Nachwuchses reden, sollten zunächst mal dafür sorgen, daß für die mit Kindern„gesegneten" Ar- b e l t e r fa m i l i c n der W oh n u n g s b e d ar f sicherge- stellt wird. Tie überall abgewiesene Frau meinte, die Stadt Neukölln werde ihr helfen können und ihr vielleicht auf einem Ge- meindegrundstück eine Wohnung verschaffen. Sie wandte sich mit Eingaben an den Magistrat und später noch an den Oberbürger- meister persönlich, aber beide Male erhielt sie den Bescheid, man habe keine Wohnung für sie. In dem zweiten Descheid wurde aus- drücklich hervorgehoben, diese Ablehnung sei nicht etwa zurückzu- rühren auf Bedenken wegen der Kinderzahl. Nun, das versteht sich doch von selber, daß nicht auch noch eine Gemeinde ihre Häuser den kinderreichen Familien verschließen wird. Was soll die Fa- milie anfangen, wenn sie in den vierzehn Tagen, die ihr bis zum UmzugStag nur noch bleiben, keine Wohnung findet? Soll sie sich Unterkunft im' Obdach anweisen lassen— zum Dank dafür, daß sie allzureichlich sich durch Lieferung von Nachwuchs ums Vaterland verdient gemacht hat? Sankt Vureaukratius und die werdenden Mütter. Unseren Artikel„Ist das Schwangerenfürsorge?" sin Nr. 250) beantwortet der Berliner Magistrat durch sein Nach- richtenamt mit einer Schilderung des Verfahrens, das die Zen- tral stelle für Krankenernährung bei der Zuteilung von Milch usw. an Schwangere befolgt. Wir geben diese uns nicht neuen Mitteilungen wieder, weil die Einzelheiten wissenswert für weitere Kreise sind. Die Zuteilung von Zusatznah rungSmitttln an Schwangere ist durch Erlaß des KriegSernährungsamtS vom 25. Mai 1917 einheitlich geregelt. Danach werden gegeben in der zweiten Hälfte der Schwangerschaft wöchentlich eine Brotzusatz- karte, im letzten Drittel der Schwqngerschafr Karten über täglich % Liter Vollmilch und über monatlich 2 Pfund Grieß oder Deig- waren. Zur Erlangung der Karten genügt che Befchsinigung eines ArzteS oder einer Hebamme über den Zeitpunkt des Beginns der Schwangerschaft. In früheren Abschnitten der Schwangerschaft können Zulagen nur nach den Bestimmungen über die Kranren- Versorgung gegen ärztliches Zeugnis durch die kommunalärztliche Prüfungsstellc bewilligt werden. Die Zentralstelle für Kranken- er'nährung ist an die Bestimmungen gebunden, geht aber insofern über sie hinaus, als sie Schwangeren schon von der zweiten Hälfte der Schwangerschaft ab neben der Brotzusatzkarte noch 2 Pfund Teigwaren im Monat gewährt. Auch für M i lch z u t ei l u n g in den ersten sechs Monaten der Schwangerschaft gelten die Vorschriften für Kranke. Ist der Zeitpunkt der Schwangerschaft einmal . durch Bescheinigung eines Arztes oder einer Hebamme festgelegt, so dauert die Zuteilung ohne weiteres bis zu dem. voraussichtlichen Ende der Schwangerschaft fort. Nur wo nach Berechnung aus der ersten Schwangerschastsbescheinigung die Entbindung bereits er- folgt sein muß, die Schwangerenzulagen aber weiter beansprucht werden, wird eine neue Bescheinigung eingefordert. Fällt dem Verfasser dieser Gegenäußerung des Magistrats nicht ein, wie verhängnisvoll gerade in dem allerletzten Abschnitt der Schwangerschaft die nochmalige EinforderungeinerBescheinigungwerdenkann? Er sagt, dieses Verfahren habe sich als notwendig erwiesen, weil vielfach unberechtigte Forderungen auf Gewährung von Schwan- gerenzulagen gestellt wurden. Die Einrichtung habe, versicherte er, sich bisher bei vielen Tdusenden von schwangeren Frauen de- währt. Die Formalitäten für die Gewährung der ZusatznahrungS- mittel seien von jeder Schwangeren leicht zu erfüllen, da sie nur in einfacher Schwangerschaftsbescheinigung der Hebamme bestehen. ?)as soll eine Erwiderung auf unsere Darstellung des Falles sein, daß infolge Verzögerung der Entbindung eine Schwangere die Weitergewährung von Milch beantragte, bei der Zentralstelle für Krankenernährung auf deren Verlangen ein nochmaliges Zeugnis «inzureichen hatte und auf die'Entscheiduyg der Zen- tralstelle wartend, gerade im allerletzten Abschnitt, der Schwangerschaft die Milch entbehren mußte! DaS Verfahren mag sich„bewährt" haben für die Zentral- stelle— das glauben wir gern. Dagegen dürfte noch so manche andere der vielen Taufende schwangerer Frauen bitter darunter zu leiden gehabt haben._ Killderschuhwerk und warme Winterschuhe. Es hat sich herausgestellt, daß bezüglich der Versorgung von Kindern mir Schuhwerk insofern Schwierigkeiten entstehen, als Kinder ihre Sckuhe oft nicht ein volles Jahr tragen können, während die Bedarssscheinausfertigungsftellen nichr berechtigt find, einer ein- zelnen Person— sofern nicht zwei Paar getragene Schuhe oder Stiefel abgegeben werden— innerhalb eines Jahres mehr als einen Schuhbedarfsschein auszufertigen. Es schweben zurzeit Er- wägungen über eine besondere Regelung der Versorgung von Kindern mit Schubwerk, Bis diese Erwägungen abgeschlossen sind, werden die Bedarssscheinausfertigungsstellen durch die Reichsstelle sür Schuhversorgung ermächtigt, für Kinder bis zu3 Jahren innerhalb eineS Jahres auch noch einen zweiten Schuh- bedarfsschein auszufertigen, sofern eine Abgabebescheinigung über Ablieferung eines Paares Kinderschuhe vorgelegt wird. Gleich» zeitig ist Vorsorge getroffen worden, daß die Erzeugung von Kinder- schuhwerk einsprechend gesteigert wird. Die Kriegswirtschafls-A.-G. in Berlin läßt sür den Bedarf der gemeindlichen Wohlfahrtspflege auS den ihr von der Heeresver- waltung überlassenen Uebcrziehsocken und Schlüpfern warme Winterschuhe mit Lcdersohlen herpellen. Es ist damit zurechnen, daß ungefähr 100000 Paar Schuhe angefertigt werden können. Die Preise dürften sich zwischen 6 und 8 Mark bewegen. Gesuche um Zuteilung sind unter Angabe der ungefähren Anzahl der für diese Sonderzuteilung in Betracht kommenden Per- sonen bis spätestens 15. Oktober bei der Reichsstelle für Schuh- Versorgung. Berlin IV 8, einzureichen. Die Reichsstelle für Schuhversorgung veröffentlicht ferner einige Abänderungen ihrer Ende Juli erlassenen Verordnungen, die unter anderm die Führung von Kundenlisten und die Errichtung einer Aus gleich st eile für den Bertrieb von Schuhwaren vor- sah. Jetzt sollen die Schuhbändler verpflichtet sein, den Gemeinde- Verwaltungen regelmäßig über ihren Wareneingang zu berichten, und die Gemeinden, die Ausgleichstellen eingerichtet haben, erhaben die Befugnis, Besteller, die in die Kundenlisten eines Geschäfts Nn- getragen sind, bei dem sie in absehbarer Zeit nicht beliefert werden können, einem andern Geschäft zu überweisen. Das Obst im Rucksack— genehmigungspflichtig! Die Bczirkssielle für Gemüse und Obst im Regierungsbezirk Potsdam hat für den Regierungsbezirk mit Ausnahme der zum Gebiet des Lebensmittelverbandes Groß-Berlin gehörenden Kom- ! Zeldpost./lbonnenten Wer Sos Abonnement auf öen„vor- wärts" noch nicht erneuert hat, muß sofort 2,-- M. an öen vorwärts-verlag G. m. b. h., Serlin EW, Linüenstr. Z, oüer an öle bekannten flusgabestellen einfenüen, um sich öie pünktliche Weiter- lleferung für Monat Oktober zu sichern. �........... munalverbände(also in erster Reihe für Werder und Umgegend) bestimmt, daß die bisher nur für den Versand mit Eisenbahn, Schiff, Wagen, Karre oder Tier vorgeschriebene schriftliche Genehmö gung auch zur Beförderung von Herbstobst auf Traglasten (Körben, Koffern, Säcken, Rucksäcken usw.) ausgedehnt wird. Die Verordnung ist mit ihrer amtlichen Veröffentlichung bereits in Kraft getreten._ Der notleidende HauSbefitz, verkörpert im„Bunde der Berliner Grundbesttzervereine", hat an das Oberkommando eine Eingabe ge richtet, in der er gegen eine Erweilerung des Mieterschutzes pro« testiert. Er behauptet, daß in Groß-Berlin keine Massenkündigungen vorgekommen seien und man auch keine beabsichtige. Käseverteilung. Bis Freitag, den 20. September, wird an dta jenigen Kunden, die in die Spersefettkundenlisten der in den Bezirken der 22.-27., 50., 201., 222. und 23g. Brotkommission gelegenen Geschäfte eingetragen sind, pro Kopf 1 Stück dänischer Weichkäse (Gervaismaffe) oder 125 Gramm pommerscher Weichkäse verteilt. Zentralauskunftsstrll« der Arbeitsnachweise für Berlin und die Provinz Brandenburg. In der letzten Sitzung des Beirats wurde zum Vorsitzenden der Zentralauskunftsstelle Stadtrat Maaß-Berlin und zum Stellvertreter Bürgermeister Mankopf-Luckenwalde gewählt. Beide Wahlen erfolgten einstimmig. Tie Not unserer Jugend. Eine große öffentliche Kundgebung, veranstalttet von dem Deutschen Jugendfürsorgetag, gemeinsam mit der Gesellschaft für Soziale Reform, wird sich am 20. September, abends 8 Uhr, im Lehrecveremshaus, Alexawderstr. 41, mit der Notwendigkeit befassen, die Not unserer Jugend durch eine groß. zügige Gesetzgebung des Reiches zu bekämpfen. Universitätspro- fessor Dr. Neubecker, Reichstagsabgeordneter Wissel! und Frl. Dr. Gertrud Bäumer werden die allgemeine politische Bedeutung deö öffentlichen Kinderschutzes und der von der Regierung geplanten Jugendämter erörtern. Nachher wird eine freie Aussprache statt- finden. Turnverein„Fichte-. Resultate vom Abturnen am Sonntag, den 15. September 1918. Männer: Jupe 100 Pnntte, Voigt 98 Punkte, Fahle 87 Punlle, Krachensels 85 Punkte, Noack 81 Punkte. Hochsprang: Jupe. P. Zobel je 1,58 Meter. Dreisprung: Jupe 12,10 Meter, Voigt 11,95 Meter. Kugelwerjen, 5 Kilogramm: Dahle 15 Meter. 100 Meter-Lauf: Noack. Jupe 12 Sek. Jugend: Kolberg 106 Punkte, Späth 96 Punkte, Schacbethal 88 Punkte, O. Wolf 86 Punkte, Harter 83 Punkte. Frauen: S. Marggraf 47 Punkte, Broske 40 Punkte, M. Schulz. Danzmann je 33 Punkte, Gelsert. Burdack je 31 Punkte, Renner 30 Punkte. Männer 4X100 Meter-Stasette? Süd-Ost 51'/, Sek., Norden I 52 Sek. Frauen: 4. Abt. 64'/, Sek.. 6. Abt. 66 Sek. Jugend: Süd-Ost 53-/, Sek.. Nord-West 56'/, Sek. Jugend 3X1000 Meter-Stasette: Süd-Ost 10 Min. 34'/, Sek., Nord-Ost 10 Min. 35 Sek. Falsche Anschuldigung. In einer Gerichtsverhandlung, über die wir Mitte Juli berichteten, war der frühere Inhaber der Faßbender- schen Drückerei, Herr Kiefing, von angeklagten ehemaligen Ange- stellten beschuldigt worden, er habe Leute, die Lohnerhöhungen forderten, mit dem Hinweis abgewiesen, sie sollten sich durch die Mitnahme von Brotkarten bezahlt machen. Auch er selbst habe Brotkarten mitgenommen. Wie uns Herr K. jetzt mitteilt, hat er, um die Haltlosigkeit dieser Beschuldigung nachzuweisen, bei der Staatsanwaltschaft Strafantrag gegen sich selbst stellen lasten. Zu dem Doppelraubmord erfahren wir, daß sich wieder mehrere Zeugen gemeldet haben. Ein Mann will den Geldbriefträger Weber noch um 10'/< Uhr vormittags gesehen haben, und zwar in der Spandauer Straße, als er auf das Haus Nr. 83 zuschritt. Er selbst war vor dem Hause Nr. 32 von der Straßenbahn ab- gestiegen und entsinnt sich daher genau. ES bleibt nun noch auf- zuklären, wo sich Weber in der Zeit von 9 Uhr 20 Minuten, seinem letzten Bestellgang, bis zur obigen Stunde aus- gehalten hat. Die Kriminalpolizei ersucht unter Hin- weis auf die Belohnung von 10 000 Mark alle die, die darüber Auskunft geben können, um sofortige Angaben. Del Hausdiener, der die Sachen der„Gebrüder Stubenrauch" nach der Spandauer Str. 33 gebracht hat und wahrscheinlich wesentliche Angaben machen kann, hat sich bisher ebenfalls noch nicht gemeldet. Auch muß Frau Rühle mit Geschäftsleuten, bei denen sie ihre Ein- kaufe gemacht hat, über ihre neuen Mieter gesprochen haben. Auch diese wollen sich melden. Das geheimnisvolle Verschwinden eines Nachtwächters vom Gute Schwante bei Kremmen beschäftigt die Berliner Kriminal- Polizei. Dort drangen in der Nacht zum Sonntag Einbrecher in das Grundstück des Bäckermeisters Spangenberg, stachen ein Schwein ab und nahmen dieses und 22 Brote aus dem Backraum mit. Seitdem ist der Nachtwächter Fischel vom Gut Schwante, daS nicht weit entfernt liegt, spurlos verschwunden. Wilmersdorf. Lebensmittel. Fortgesetzt wird bis einschließlich Sonizfibend, den 21. September, der Vertauf von'/z Pfund Kunsthonig auf Abschnitt 58 der allgemeinen Groß-Berliner Lebensmittel- karte, von 200 Gramm Morgentrank auf Abschnitt 19 der Groß-, Berliner Lebensmittelkarte(J) für Jugendliche und von Pfund Nährhefe auf Abschnitt v der Bezugskarte für Einzelpersonen. Ferner gelangen in der Woche vom 18. bis 22. September zur Ausgabe: Auf Abschnitt 61 der Groß-Berliner Lebensmittelkarte 50' Gramm Morgentrank und 50 Gramm Teigwaren(Wasserware) sowie auf die durch die Brotkommissionen ausgegebenen besonderen Bezugscheine für Kinder im 1. und 2. Lebensjahre je 1 Pfund Kinder-Gerstenmehl und für Kinder im 2. Lebensjahre 1 Dose Malz- extrakt und endlich voraussichtlich von Sonnabend, den 21. September ab auf Abschnitt H der grauen Bezugkarte sür Einzelpersonen 1 Pfund Weißkohlsauerkraut in den Kolonialwarengeschäften. Vom 15. bis 19. September findet unter Vorlage des Bestellabschnittes Nr. 1t der Kaffee-Ersatzkarte bei einem Kleinhändler die Voran- Meldung zum Bezüge von Kaffee-Ersatz statt. Der Verkauf vo r Va Pfund Heringen oder frischen Fiscken bezw. Piund. Räucherwaren auf die Abschnitte A und B der grauen Bezugkarte für Einzelpersonen wird forlgesetzt. Für die Woche vom 16. bis 22. September dürfen auf die Hauptkartoffelkarte 7 Pfund Kartoffeln entnommen werden.__ Lichtenberg. Lebensmittel. In dieser Woche werden veraus- gvbt: Gegen Vorzeigung der Lichtcnberger Lebensmittelkarte in den Kolonialwarengeschäften: inländischer Sauerkohl zum Preise von 50 Pf. pro Pfund. Gegen Voranmeldung: auf Abschnitt 268 E, J, G, K, S der Lichtenberger Lebensmittelkarte je 1 Schachtel Streich- Hölzer(8 Pf., 2 Stück 15 Pf.). Die Anmeldungen dürfen nur in Seifengeschäfien erfolgen. Auf Abschnitt Nr. 273 E, J> G und K je ein Briefchen Süßstoff. Die noch in den Kleinhandlnngen vor- rätigen Bestände an Marmelade können jetzt auf Nr. 56 der ge- meinsamen Lebensmittelkarte mit 250 Gramm zum Preise von 92 Pf. für ein Pfund abgegeben werden. Nach Ausgabe dieser Be- stände gelangt Auslandsmarmelade zum Preise vou 2 M. für 1 Pfund ausgewogen oder einschließlich Glas zur Verteilung und zwar werden nur gegen Voranmeldung abgegeben: auf Abschnitt 56 250 Gramm und auf Abschnitt 57 250 Gramm. In den städtischen Fischhallen und beiden hiesigen Fischhändlern und Räucherwarengeschäften werden abgegeben: Auf Abschnitt 269 E, J. G, K; Frische Fluß- und Seefische. Abschnitt 168E. J, G, K: Va Pfund Räucherwaren, Abschnitt 247 und 261 E, J, G, K: je Vi Pfund Heringe zum Preise von 1,20 M. pro Pfund. Falls die Zufuhr von frischen Fischen nicht ausreicht, werden auf den. Ab- schnitt für Fische noch Va Pfund Heringe als Ersatz verabfolgt.' Mariendorf. Lebensmittel. Die Gültigkeit der zurzeit be- stehenden Zuckerkundenlisten läuft mit dem 30. September ab. Dm Händler haben eine neue Kundenliste anzulegen. Die Empfangs- berechtigten können sich bei dem Händler, von dem sie den Zucker beziehen wollen, in der Zeit vom 2t. bis 26. September eintragen lassen. Es muß die neue Zuckerkarte und Zuckerzusatzkarte mir vorgelegt werden. Nachträge zur Kundenliste dürfen nur er- folgen auf Grund der vorgelegten Zuckerkarlen, wenn die Bröl- kommisston die Karten mit dem Namen des Händlers und mit Stempel versehen hat.— In der Zeit vom 1.5. September bis 19. September ist unter Vorlage des Bestellabschnitts 14 der Kaffee- Ersatzkarte bei einem Kleinhändler zum Bezüge vom Kaffee-Ersatz anzumelden._ NowawrS. Lebensmittel. In dieser Woche werden ausgegeben bei den Kleinhändlern: 100 Gramm Suppen l20 Pf.) auf Abschnitt 64 der Lebensmittelkarte; 100 Gramm Jnlandsmarmelade(19 Pf.) ans Abschnitt 65; in der Verkaufs st elle der Gemeinde. Uhlandstr. 5, ohne besonderen Ausweis, solange der. Vorrat reicht: 1 D o s e B r o t a u f st r i ch(4 M.). Die Karteninhaber haben am Montag, den 16., und Dienstag, den 1 7. d. Mts., die Lebensmittelkartenabschnitte' 64 und 65 bei dem Kleinhändler abzugeben, bei dem sie die Ware zu beziehen wünschen. Die Waren können vom Freitag, den 20., bis Sonntag, den 22. d. Mts., in Empfang genommen werden. Der Fleischverkauf findet in dieser Woche noch am Donnerstag statt. Hroß-Serliner parteinachrichten. SchSneberg. Mittwoch, den 18. d. Mts., abends 8 Uhr. findet im Lokal von G. Groß, Sedanstr. 18, ein Frauen-Lese- abend statt. Vortrag des Genossen Stadtv. Wilh. S t e n z e l über Kommunalpolitik.__ Mus aller Welt. „Wer beten kommt, erhält Kautabak". Zu unserer, dem „Bochumer Tageblatt' entnommenen Notiz vom 13. Juli teilt uns Herr Kaplan Tensundern in Gladbeck mit, daß es dort keinen Rosenkranzverein gibt, der an seine Mitglieder Kautabak ausgeteilr hat. Es soll eine Verwechselung mit dem slowenischen Knappen- verein in Gladbeck vorliegen. Sriefkaften der Redaktion. ft. T. F. 18. 1. Daß nur Bei außergewöhnlicher Bedürftigkeit die KriegSünderfpende gewährt wird, ist uns bekannt. Wir haben aber Ihre- besondere Mitteilung mit Dank entgegengenommen. 6. Darüber sind tu der KriegSzett verschiedene Ausgaben erfolgt, erhalten Sie in der Vorwärts- Buchhandlung. 3. Sie müssen wegen des Rentcuzufchusses mahnen.— — Pionier A. K. 1. Nach der letzten Volkszählung von 1910 wohnten in Berlin 90 018, Leipzig 9084, Hamburg 19 292 Juden. Die weitere» Fragen können wir nicht beantworten.— I.<9. Templin. Wenden Sic sich an den Vorstand der Sozialdemokratischen Partei, Berlin LIV 68, Lindenstr. 3.— Z. 100. Es handelt sich gegenwärtig noch um Frühkohl, der sich zum Einmachen nicht eignet.— H. K. im Felde. Reichstags- abgeordneter Giebel, Berlin-Pankow. Kavalierstr. 4.— M. I. 01. Wenden Sie sich an die Kleiderverwertungsstelle Berlin, Kommandanten- stratze 80/81. Neber die Preise sind wir nicht unterrichtet.— O. P. 100 Lüttich. DaS Wahlrecht zum Reichstag kann vom 25. Lebensjahr an, zum preußischen Abgeordnetenhaus vom 24. Jahre au ausgeübt werden. — E. T. 1911. Die Dornen kann man nicht vepwertcn.— Schacti. 1. Aus Züge kann man nicht verzichten. 2. Wird verschieden gehanbhabt und kommt in der Regel aus' die vorherige Vereinbarung an.— Harlrp, O. Ist uns nicht bekannt.— O. B. 31. 1. Der Antrag ist zu richten an die Kassenstelle, die Ihnen die Rechnung gesandt hat. 2. Als Adresse genügt: Berlin, Rathaus.__ Wasserftaildsnachrtchten der LandeSanftalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wettcrbureau. > a s f e r st a n d am Memel Preael Weichsel Oder Warthe Netze Elbe TUsit Jnsterburg Thorn Ratibor Krassen Frankfurt Schrimm LandSberg Vordamm Leitmeritz Dresden Bardy Magdeburg 14. cm 165 -34 126 137 88 95 5 —25 —180 38 35 15. cm 134 86 92 -26 ! a s s e r st a n d am 14, Saale Havel Spree Weser Rhein Neckar Main Mosel Grochlitz Spandau Rathenow Spremberg Siersdorf Münden Minden Maximil.au Caub Cöln Heilbronn Hanau Trier cm 102 42 4 74 204 183 248 554 167 207 89 119 127 15. cm 108 42 6 72 250 WettcrauSftchtrn für da- mittlere Norddentlchland dts Mittwoch mittag. Im östlichen Binnenlande vorwiegend heiter und trocken, im Westen mid längs der Küste laugsame Zunahme der Bewölkung und später etwaS Regen. Direktion Max Reinhardt. Deutncbes Theater. 7 Uhr: Hamlet. Mittwoch 7 Uhr: In der Neueinstudierung: Maria Stuart. Ka minerspie le. 8 Uhr: Gespenstersonate. Kleines Schauspielhaus. Fasanenstraße 1, Portal 5. 7'/, U: Per Weibstenfel Volksbühne Theater am Bülowplatz. Direktion Friedrich Kayßler. U/j Uhr: Merlin. Tiieater�KöniggratzerStr. 8 Uhr: Ple Schwestern und der Fremde. Komödienhaus °,,z: Der Sehrittmacher. Berliner Theater 7l5U.: Blitaiblanes Blnt. Casino= Theater. Lothringer Str. 37. Tägl.'US U.: Ter neue Schlager KW KS IMl WtfCet! Berliner Posse in 3 Akten. Vorher erstkl. Spezililitiiten. U.a.: Grete l-intls Mensohenaiken. Sonnt. 3'/,: Gin tiileles Uuhn. fdM öer kmönetiM. Fcks Friedrich- u. Dinienstr l'U Uhr. Tägl.: Nord. 8650. Kaiserplatz 3, 1 Tr. Hin lust. Stück m. Musik v. Laufs. v. Höllendorff. Georg. L. Holms, Bonntag 3*12 Uhr: Jnjgfend. National-Theater. V.S Cöpenickor Str. 68.'/z8 Der grolle Operettenerfolg! Priiuenliebe. �'nrvsric. lOVa— 2 u. ab 6 Ubr. 'Apollo- Friedrichstr. 218 Dir.: James Klein. 1 7'U Sonnt. S'l, u. 7V.| September- Sensationen! gSherlock Holmesz der mexikanische Aus brecherkönig. I.eb. Porzellan, Kita Belmoute, die span. Schönheit, und weitere Sensat. Vorverkauf an der ; Tagesk. 10— 6 Uhr. J Sonnt. S'/j Uhr joder j Erwachs. 1 Kind frei!| Walhalla-Theater. 71/, Uhr: Donauliebchen. Rose-Theater. Tl, Uhr: Gastspiel b. Friebrich- ' Wilhelmstäbt. Theaters: Das Dreimiiderlhaas. Trianon-Theater Ehf. Friedrlchstr.Ztr. 4927. 2391 Heute 8 Uhr zum 383. Mole: Per liebcnsschüler, Morg. V-l kl. Pr.: Rotkäppchen. Sonnab. 1/J4 Uhr, kl. Preise: Schneewittchen. Sonntag V,4 Uhr, kl. Preise: Johannlsfener. Tägl. 7>/2. Sonnt. S'/, u�'/j* Das großartige r Zum Schluß: ©Sieroia. GroSe phantastische Waaser- Pantomime in 5 Akten nach Wielands Oberon. Daraus besonders hervorzuheben: Die großen Sturzwellen. Yorverk. an der Zirkus- kasse ohne Aufgeld. Die Direktion bittet, nur an der Zirkuskasse oder bei Wertheim zu kaufen. Admiralspalast. ?'/. Uhr; Wie f�inzessin! von Tragant. Sajdah. Deutsche Tänze. Theater für Dienstag:, 17, September. Palast-Theater Heute 7 Uhr zum 1. Male Contral-Theater uhr: ßie ßose von Stamfiul. Deutsches Opernhaas 7 ubr: La ITavisla. Friedrlch-Wilhelmst. Theater TU Uhr: Hannerl. (Dreimäderlbans II. Teil.) Kleines Theater 7/2 ubr: Der Einsame. Komische Oper' 7V-< SdiwarzwaiduiMel. I.nstsplelhans uhr: Die spsniselie Fliege. Metropol-Theater ;DieFasc])iDosfee TU Uhr Neues Operettenhaus 7>/.uhr: Das süOe Mädel. Der Stralaoer Fisebziig. Kesldens-Theater 7./. ubr: ßerjünge Zar. Schlller-Th. Charl. 71U Das 4jM»!erSlei>elimlt!Neselimeii ms Merlmeii im Gewerkschaftshaus, Engelufer 15, Saal 19. Tagesordnung: 1. Bortrag über:.Steuerreform-. Reserent: Eduard Bernstein. 2. DiSfusfion. 3. Unsere gegenwärtigen Arbeitsverhältnisse. 4. Verschiedenes. Es ist Pflicht eweZ jeden Kollegen sowte jeder Kollegin, pünftlich in der Bersammlung zu erscheinen. Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt. Die Drtsver,valtaag. MWtt fir MWM Baumann, Berechnungen über das Gewindeschneiden... �......... Dworzak, Grundzüge der sträserei..... — Grundzüge der Dreherei..... Gaisberg, Herstellen und Jnstandhalten elektrischer Kraftanlagen........ — Taschenbuch für Monteure, elektrischer Beleuchtungsanlagen..... Graep, L., Kurzer Abriß der Elektrizität..'. Das wissenschaftlicher Betriebsführung tEine Tarstellung des Tahlorshstems) Haas, Der Metallarbeiter, ein Hilfs- und Nachschlagebuch für Dreher und Schlosier... Hammel, Werkstattwinke für den gesamten Maschinenbau............ Jurthc-Nilschc, Die Fräserei....... Krause, Kurzer Leitfaden der Elektrotechnik für Unterricht u. Praxis in allgemeinverständlicher Darstellung............ Lehrgang zur Ermittelung der Wechselräder bei Ganz-, Millimeter- und Modulgewinden.. Lippmann, Hilfsbuch für Dreher...... Los), Handbuch der Dreherei....... ' Ociönbcrcc Prospcll übet diestz Buch kostenfrei) Müllcr-Frcund, Gewindeschneiden. Ein praktisches Hilfsbuch für Dreher........ Ostrowski), Lehrbuch für Dreherei und Werlstatt flüttcr, Taschenbuch für Dreher und Schlosser. Schön, Schule des Werlzeugmachers.... Schuchhardt-Schütte, Technisches Hilfsbuch.. Schwenn, Der moderne Metallarbeiter, Ratgeber für Dreher, Schlosser und Maschinenbauer. Zu beziehen gegen vorherige Einsendung oder Nachnahme des Betrages von der Kuchhanälung vowärtz.'ke«'!il> LA. HS, Cindenffr. 3 i- 1,75 1,60 8,60 4,60 ö,— 3,40 3,60 6,— 13,05 8,80 2,— 4,40 9,35 8,40 3,80 4,25 6,85 ä,— 5,50 Nach dem Rasieren darf Alaunstein nicht mehr verwendet werden. Hygienisch ist nur Acteum-Lösung.desinfizierend u. erfrischend.'/, Fl. 3,50, wo nicht erhältlich, durch Hyglena, Frankfurt a. M. Nur bis Sonnabend, den«1. September, in Berlin täglich von 10—6 Uhr im Hotel zum Grünen Baum, Krausen- straße 56—58(Nähe Leipziger S trage), zahle ich besonders Hobe Preise sür. 103/17ÜI* alte Gebisse pro Zahn bis 4 M.._ auch für den gewöhnlichen Platinzahn 50 Ps. bis 1 M., Platin Nicht-Zahn 1,60—2 M., Platin-Piatten-Zahn 3—4 M.. Metall- gebifle und Brücken bis 150 M. Reine Plattnabsälle, Brennsfiste pro Gramm 8 M. ÜW- Keiner sollte diese Gelegenheit ver- säumen, denn nur durch Massenankauf ist eS möglich, diese toben Preise zu zahlen. Frau Kaatb, Berlin. H.& P.Uder,«,5" Tabak-(üroßhandlung und Tabakiabrik. Rauch-, Kau-, Schnupftabake, Zigarren, Zigaretten Bis'auf weiteres: aj_ Geschäftszeit 8— 11 nnd S— 6 Uhr.— Fernsprecher: Amt Moritzpiatz 3014. Tnknn y Teilz. wöchontl. 1 M. Plomben 1.50. Goldln- 'fi'liiP A"' krönen 18 M. Zahnziehen m. Einspr. höchst uUallllvon U an schmerzlind. ümarb.schlechts.Gebisse. Rep. ZahnarztWoll sof. Potsdamer Str. 55. Hochb. Sprechz. 9-7.» Keine Wanze mehr'S 2r nur mit Kammerjäger Berg's Nicodaal 1 und H zu erzielen. Jetzt beste Zeit zur Brntvemlchtung. Erfolg verblüffend. Kinderleicht anzuwend. Ges. gesoh. Doppelpak. M. 2.—. Ausreich. f,ttr 1—3 Zimmer u. Betten. Alleinverkauf: Sämtliohe Warenhäuser A. Werfheim. Bei Einsendung von M. 2.40, a. Postscheckkonto Berlin 31286. Porto fr. Zusend. n. ausw. d. Gen.-Vertr. Herrn. A. Groesel, Berlin, Königgrätzer Str. 49. TeL Kurf. 474L[202/17* AIS Opfer dieses Bölfer- ringenS starb an seinen schweren Wunden imLazarett zu Aschersleben der Ge- srcite 5A m Böttcher im Reserve-Jni.-Reg. Nr. 52 im Alter von 44 Jahren. Im ticssten Schmerz Frau Minna Böttcher nebst Kindern Lieschen, Richard und Mariechen und allen Verwandten u. Bekannten. Geliebt, beweint und im- vergessen. 8pzs- und Kreditverein Solidara. Am 13. September verstarb unser langjähriges Mitglied, der Gastwirt ködert berede. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heule Dtilistag, den 17. Sep» tember, nachm. 3 Uhr, aus dem Thomas- Kirchhos in Neukölln, Hcrmannstr. 179, statt. 3211b Der Borstand. »«ine M-klMMe Bnlln-CiiWetg. Einladung znl oiMeDMeii Sitz« des MWsses zu Tonnerstag. de» 20. Sep- tember, abends 8 Uhr, im Kassenlokal zu Berlin- Lichtenberg. Magdatenen- straste 16, 1 Tr. 269/18 Tagesordnung: 1. Abänderung des§ 20 Absatz 2 der Satzung.(Drucksache 10.) 2. Die Arztstage. 3. Kaffenangelegenheiten. Der Borstand. Max Liedloff, 2. Vorsitzender. Allgemeine Ortsllrankenkafle für Seillü-kiMWe. DienStag, den 21. Sev- tember 1018. abends 8 Uhr, im Kassenlolat, Berlin-Lichler- felde, Hindcnburgdamm 103: Außerordentliche Ansschutzsitzung mit folgender Tagesordnung: 1. Beschlutzsassung über den Anlaus eines Grundstücks. 2. Wahl von drei Berlreiern gemätz tj 95 der Satzung Berlin-Lichterseide, 269/19 den 16. September 1918. DSV Vorstand. Hans Fischer, Vorsitzender. Spezialarzt Dr. med. Tiaabs beh. schnell, gründl., mögt. schmerzlos u. ohne Berufsstör. Geschlechtskrankheit., geheime Haut-, Harn-,! Frauenleiden, Schwäche. Erprobteste Methoden Harn- und Blutuntersuchung. KöDigstr. ZW. mS&i Spr. 10— lu. 5— 8, Sonnt. 10— 1 la. Stärke schöne weiße Ware, welche sich auch zum roh stärken eignet, empfiehlt[281/8» per Pfund zu 11,50 M. 1 Kilo(2 Psd.) 22 M. per Nachn. oder Vorein- sendnng des Betrages. Deutsche Arbeitsbörse Saarbrücken I./I39. H.Pfau, »•«"Direkseiislr.SO zwisch. Babnh. Alexanderplatz u Poii, eipräfid.— Amt Kst. 3208 Für Garnen Frauen-Bedienung. Isteieranllur alle Krankenkass. Zahngebisse, Platin. Gr. 7.80. kauft* Frau Wagner, Kaiserstr. 18 I(ZUexanderpIatz) Deutscher Iflefallarbclter- Perland Verwaltungsstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nach richt, daß unser Kollege, der Graveur Vslter Riaucke Neukölln, Böhmische alt.?, m 12. d. Bits, gestorben ist. Die Beerdigung findet am Dienstag, den 17. September, nachmittags 2>/2 Uhr, von der Leichenballe des Ge- meinde-Friedhoses, Marien- dorfer Weg. aus stall. Rege Beteiligung wird er- ivariei._ Nachrufe. Den Mitgliedern j erneu zur Nachricht, daß unser Kollege Oskar Meißner Bandelstraße 4 am 2. Juli gestorben ist. Den Mitgliedern serner zur Nachricht, daß unsere Kollegin Minna Gloekner Neukölln, Allerstraße 6 am 16. August gestorben ist. Den Mitgliedern serner zur Nachricht, daß unser Kollege, der Schlosser Emil Andrag Rhkeftraße 43 am 3. d. Mis. gestorben ist. Ehre ihrem Andenken! 118/5 Gie Ortsverwaitung. Perband derHupfcrtthmiede Deutschlands. Filiale Berlin. Am 13. September ver- starb plötzlich unser lang- jähriges Mitglied, der Kollege Willi. Hillenbacti im Alter von 66 Jahren an den Folgen eines Betriebs- Unfalls. Ehre seinem Andenken! Die Einäscherung findet am Mittwoch, nachmittags 4 Uhr, im Krematorium Gerichtstraße statt. Rege Beteiligung erwartet 99/10 Ger Vorstand. Ganz plötzlich und uner- wartet verstarb am 13.Scptbr. vormittags 10 Uhr insolge eines Unglüllsfalles mein lieber Mann, unser guter Vater, Schwiegervater und Onkel, der Montazennieisler Wild. Hilienbacb im 67. Lebensjahre. DieS zeigen mit der Bitte um stille Teilnahme an Frau Helene Hillenbach geb. Becker nebst Kindern und Angebörigen. Berlin, Euter str. 23. Die Einäscherung findet morgen Mittwoch, den 18. September, nachmittags 4 Ubr, im Krematorium, Gerichtfiraße, statt. s320gb Allen Freunden und Be- kannten die traurige Nach- richt, daß mein lieber guter Mann, unser bcrzensgutcr, treusorgender Onkel, Schmie- gersohn und Schwager, der Unteroffizier Bernhard Krauskopf im 40. Lebensjahre, am 23. August 1918 nach schwe- reu Kämpfen das Opfer dieses VölkerringenS ge- worden ist. 31949 Dies zeigen schmerzersüllt an die'tlcsbelrüble Gattin Marie KrauSkopf geb. Buch u. Neffe Walter. Gotlfried Buch als Schwiegervater, Paul Metze nebst Frau u Kindern, als Schwager und Schwägerin, Paul Buch nebst Frau als Schwager i. Schwägerin. Berlin, Dieffenbachstr. 31. Du warst so gut und arbestssreudig, nur vorwärts streben war dein Sinn, doch alles ist umsonst gewesen. dein Leben, ach, es ist da- hin. Du ruhst so sern in fremder Erde von diesem Bölkerringen aus, viel schö- ncr mäPs, du würdest leben und kehri'st nach Friedens- schluß zu uns nach Haus. Du Ichriebst so ost aus Wiedersehen, nun kann es leider nicht geschehen. Ruhe sanst in Feindesland. Am Sonnabend früh 10 Uhr wurde meine liebe, Herzens- gute Frau, Tochter.Schwester, Tante und Schwägerin Emma Simon Ä von ihrem schweren Leiden durch einen sausten Tod erlöst. 321Gb In tiefer Trauer Bichard Simon. Die Beerdigung findet morgen Mittwoch, den 18. September, nachmittags >/zS Ubr, von der Leichenballe des neuen Jakobi-Kirchhojs, Hermannstraße, aus slalt. WfrJIHfr, n.. Unterhaltungsblatt öes Vorwärts v.„-..g„E°pw»b°° Nur öie Sekretärin. Von H. W e g a. „Frau Lotte, bitte, kommen Sie herein 1' Die junge Frau sprang bei diesen Worten empört auf. Was er sich wieder herausnahm! Sie mit ihrem Vornamen anzureden! Natürlich, sie war ja„nur die Sekretärin', wenngleich Frau und wenn sie auch aus denselben Kreisen stammte wie er. Vielleicht sogar aus besseren. Denn man erzählte sich, daß seine Eltern im Kriege 70 durch damals schon beliebre Schiebereien ihr großes Vermögen gemacht hätten, während sie aus einer allen, wenn auch unvermögenden Gelehrtenfamilie stammte. Aber— Empfindlichkeit schien jetzt wenig am Platze. Man wollte nicht verhungern, mußte sich sein Brot verdienen so gut es ging. Sie nahm sich also zusammen und ging ruhig in seine Stube. „Herr Professor?' Freundlich blickte er auf die Eintretende und streckte ihr seine Hand entgegen. „Wollen Sie mir nicht mal erst guten Morgen sagen, Frau Lotte? Haben wohl wieder schlecht geschlafen?' Ihr Blick umflorte sich. „Ich schlafe immer schlecht seit---' sie brach ab und setzte sich an die Schreibmaschine. Nur i h m nichts sagen von den Lualen, die ihte junge Witwenschaft ihr bereitete!„Können wir anfangen, Herr Professor?' Ibn aber schien heut' die Arbeit wenig zu interessieren. „Werden Sie denn nie darüber hinwegkommen, Frau Lotte? So hübsch und jung— da müßte man doch nach zwei Jahren auf einem ganz anderen Standpunkt stehen! Ich begreife das nicht. Nein, dachte sie bei sich, das begreifst du nicht, weil du ein Menich bist ganz ohne feineres Empfinden, weil du gar nicht weißt, wie es ist, jemand mit voller Hingabe zu lieben,— ausgenommen dich selber. Und— ich werde mir sicher nicht die Mühe geben, es dir beizubringen. Es würde ihr ein Verbrechen an Lothar scheinen, bor diesem Mann von ihm zu reden. Und von ihrer wunderschönen, leider so kurzen Ehe. Konnte das überhaupt ein Junggeselle verstehen, der immer nur sich und seinen Neigungen gelebt hatte.— wie das zwischen ihr und Lothar gewesen? Dies innige Zusammenleben und Zusammenwirken! Immer hatte er sie in der Zeit ihrer Ehe teilnehmen lassen an dem, was ihn beschäftigte. An seinem Streben, seineu inneren Kämpfen, an allem, was sein reiches, schönes Gemüt an guten und lieben Gedanken barg. Ihr großes, unwiederbring- lich verlorenes Glück! Eine heimliche Träne stahl sich in die dunklen, schönen Augen, aus denen soviel Güte und Reinheit strahlte. Der Mann am Schreib« tisch sah es und— ärgerte sich darüber. Konnte sie denn an gar nichts anderes denken als an diesen jungen Menschen, der ihr nicht mal ein sorgloses Leben, ihrer reizenden Persönlichkeit durchaus nicht den passenden Rahmen geboten und sie schließlich arm zurück- gelassen hatte, so daß sie gezwungen war, eine Sekretärinnenstelle anzunehmen? Für die Witwe eines Kollegen immerhin nicht sehr „fein'. Aber wollte man ihr näher kommen, durfte man sie nicht ver« letzen, das hatte er bereits gemerkt. „Sassen Sie eS gut sein, Frau Lotte,' begann er. wieder und zwang sich zu einem väterlich-gütigen Ton,„das Wetter ist heute so schön, und da hätte ich ganz andere Pläne. Ich wollte ein bißchen im Grunewald mit Ihnen spazieren fahren, dann irgendwo gemütlich essen— und nachher— nachher mit Ihnen an die Arbeit gehen.' Frau Lottes Lippen kräuselten sich verächtlich. Für wie dumm er sie doch hielt I Und arglos. Sie brauchte nicht in sein Gesicht zu sehen.— der lüsterne Ausdruck desselben stand deutlich vor ihrer Seele und warnte sie. So hatte er schon ein paar Mal be« gönnen und war an ihrer Undurchdringlichkeit gescheitert. Ob er es denn gar nicht einsehen mochte, daß sie für ihn— trotz seines Reichtums— nicht zu haben war? Jetzt blickte sie doch auf, und als sie seine heißen, werbenden Augen auf sich gerichtet sab mit einem Ausdruck, der sie aufs höchste anwiderte, verlor sie die Geduld. Mochte er sie auf die Straße setzen I Der kleine Verdienst wieder dabin sein I Aber einmal mußte sie Klarheit schaffen. Sie vertrug als ehrlicher, anständiger Mensch diesen Belagerungszustand, diese ständige Abwehrbereitschaft nicht mehr. So stieß sie unwillig den kleinen Tisch zurück und fuhr ihn mit zornsprühenden Augen an: „Was soll das eigentlich, Herr Professor? Wollen Sie mich beleidigen?' Der aber ließ sich nicht aus der Fassung bringen; viel zu sehr Loöz. 913 Das gelobte Zand. Roman von W. St. R e y m o n t. Jetzt, wo ihm der alte Müller recht deutlich, gesagt hatte, daß er ihm Mada und die Verwaltung der Fabrik über- geben würde! Er auf einmal ein Millionenvermögen, auf einmal große Geschäfte und unbegrenzte Möglichkeiten in die Hand bekommen konnte. Seit einiger Zeit hatte er einen Abscheu vor kleinen Geschäften, hatte er einen Abscheu vor seiner eigenen Fabrik, an der er seit dem Frühjahr baute, vor diesen zusammengesparten Groschen, die kaum ein paar hundert Rubel ergaben. So viele Jahre verbrachte er im Arbeitsjoch, im harten Kampf mußte er jeden Rubel erringen, so viele Jahre hin- durch mußte er sich die verschiedensten Wünsche versagen und so viele Gelüste unterdrücken, so viele Jahre hungerte er nach einem breiten, unabhängigen Leben— und jetzt, wo er das alles haben konnte, wenn er Mada heiratete— mußte er Anka heiraten und wieder im Joch der Mittelmäßigkeit weiter schreiten... Er sträubte sich aus allen Kräften gegen diese Notwendigkeit. Als Änka erschien, um ihn zum Abendessen zu bitten, blickte er sie ärgerlich an und ging, ohne auf ihre Frage zu antworten, zum Vater, um seinen Fauteuil ins Eßzimmer zu schieben. Das Gespräch während dcS Abendessen? war sehr leb- hast. Der Pfarrer stritt mit ZajonczkowSki um politische Dinge, der alte Borowiecki und Karl eiferten sie au, vor allem Karl, der rücksichtslos über ZajonczkowSki und seine politischen Konjunkturen spottete, über den Optimismus des Pfarrers, und ärgerlich dem Vater die Bemerkung zuwarf, daß die Angelegenheiten der heutigen Politik nicht durch Kanonen, sondern durch die StaatSraison entschieden würden. „Sag' du das ja nicht, mein Lieber," erwiderte der Alte. „ich werde dich jedesmal überzeugen, daß derjenige recht be- hielt, der mehr Kanonen und mehr- Soldaten hatte. Die Raison der Staaten— daS sind die großen Armeen, die kampfbereit auf das Zeichen zum Ausrücken warten, sie sind ihre Seele, die herrscht." „Nein, Herr Borowiecki, die Seele des Staates ist die Gerechtigkeit, die sie leitet." „Die Staaten leitet der Magen und seine Bedürsnissc," rief Karl, um den Pfarrer zu kränken, der bei diesen Worten daran gewöhnt, alle Register aufzuziehen, wenn er eine Spröde gewinnen wollte, entgegnete er sanft: „Frau Lotte—' „Ich verbitte mir diese Anrede!' Auch das noch! Es kostete ihn Ueberwindung, nicht auS der Rolle zu fallen. Was nahm sie sich heraus? Immerhin— sie war doch nur seine Sekretärin, die er aus purem Mitleid so gut bezahlte, denn sie verstand rein nichts, hatte mühsam ein bißchen Schreibmaschine gelernt. Eine gute Allgemeinbildung freilich konnte man ihr nicht abstreiten. Als kluge Frau mußte sie sich aber sagen, daß er sein Geld nicht zum Fenster hinauswerfen wollte! „Wenn ich Sie mit dem Vornamen nenne, so geschieht es doch nur, weil Sie meinem Herzen sehr nahe stehen, Frau Lotte! Liebe Frau Lotte!' Er war ganz dicht an sie herangetreten und berührte leicht ihre duftigen, kastanienbraunen Haare. „Warum sind Sie immer so hart zu mir? Ich habe doch nichts Böses im Sinn. Seine Sanftmut entwaffnete sie. Aber ihre Ehrlichkeit drängte zur Klärung. „Weil ich dies Gefühl nie und nimmer erwidern könnte, Herr Professor l" „Wennschon I' entfuhr es ihm.„Wenn Sie nur dulden möchten, daß ich Sie ein bißchen lieb habe, für Sie sorge. Es würde mich so glücklich machen.' Ganz demütig stand er jetzt vor ihr, die erschöpft in einen Sessel gesunken war. „Was könnte Ihnen das nützen, Herr Professor? Warum wollen Sie Ihre Liebe an einen Holzklotz, einen Eisblock, verschwenden? So schenken Sie sie doch wenigstens einer, die Gefühle.zu heucheln versteht! Mir wäre auch das unmöglich.' Ein rechtes Kind ist sie! dachte er bei sich und fühlte sich immer mehr angezogen von ihrer eigenartigen Persönlichkeit. Jedenfalls, mit uns Männern weiß sie recht wenig Bescheid. Was fragen wir nach Gefühlen--- „Also, wie ist es mit der Spazierfahrt, Frau Lotte? Nur um Ihnen zu zeigen, daß ich es wirklich gut mit Ihnen meine!' Seine Beharrlichkeit hatte noch immer zum Ziele geführt, er wußte es. ' Frau Lotte starrte hinaus in die farbcnsatte Herbstpracht. Die durch Nebeldunst verschleierte Sonne gab Baum und Strauch einen besonderen Reiz. Wie lange war sie nicht im Wagen gefahren? Den Alltag hinter sich lassend? Und hatte es immer so gern gehabt, war so dankbar gewesen, wenn Lothar sie zu einer Spazierfahrt über- redete. Eine der wenigen kargen Freuden, die der rastlos Arbeitende sich gönnte. Dann mußte sie sich recht schön machen, und wenn sie draußen waren, jubelten sie wie die Kinder, riefen ihr'Glück, ihre Seligkeit in den schweigenden Wald hinein.... Wie es draußen jetzt wohl aussehen mochte? Sie war in all diesen Kriegsjahren nicht wieder hingekommen. Seit Lothars Tod reizte auch'die Natur sie nicht mehr. Aber heute— beute fühlte sie Sehnsucht, Sehnsucht, sein Bild dort zu suchen, liebe Erinne- rungen zu wecken. Der andre? Verächtlich stellte sie sich den alternden kleinen Mann mit den häßlichen, begehrlichen Augen vor. Er sollte sie nicht stören. Und wenn sie gehabt hätte, was sie wollte, würde sie schon die Kraft finden, ihn, wie so oft, zu ent- täuschen. Ein frohes Lächeln huschte bei diesem Gedanken um ihre schmalen Lippen. Sie tat doch nichts Böses, wenn sie ihn an all den Frauen und Mädchen rächte, die er an der Nase herum- geführt hatte I „Alio, wir fahren, Herr Professor!' Mit Erstaunen hatte er den Wandel von tiefster Traurigkeit zu Zorn, Empörung und dann schließlich zu froher Laune in ihrem hübschen Gesicht beobachtet, und als sie jetzt vor den Spiegel trat, um ihr schwarzes Hütchen so recht kokett auf das lockige Haar zu drücken, geriet seine Ueberzeugung bedenklich ins Wanken. Konnte ein Mensch, der sich wochenlang stark und unerbittlich gezeigt hatte, so schnell umfallen? Wodurch? War das nun wieder„das Weib', wie er es so oft belagert und— genommen hatte? Das Weib: das eben für Geld alles ver« schenkte? Wir werden ja sehen! dachte er bei sich, während er der zier« lichen, mädchenhast schlanken Gestalt die Tür öffnete. „Er wird ja sehen I' dachte sie bei sich und biß sich heimlich auf die Lippen, um nicht laut aufzulachen. SerUner volks-Zhor:„Selfazau*. Unter allen Oratorien Hände IS ist„Belsazar' eins der am wenigsten bekannten. Nur hier und da wurde es wohl aufgeführt, auch sofort aufbrauste und. beweisen wollte, wie alles vom göttlichen Willen geleitet würde, daß dieser Wille die Ge- rechtigkeit wäre und alles sich darauf aufbaute. Karl erwiderte nichts mehr. Diese fruchtlosen Ausfüh- rungen langweilten ihn. Als aber der Pfarrer, seüi Vater und ZajonczkowSki zugleich mit Beweisen auf ihn eindrangen, daß alles nach göttlichem Willen geschehe, konnte er sich nicht mehr beherrschen und rief zornig: „Erklären Sie sich die Welt, meine Herren, mit Hilfe dcS Katechismus; es ist einfach und manchmal sogar witzig, das läßt sich nicht leugnen." „Wird es Ihnen nicht leid tun, dieses Paradies, das Sie sich hier in Kurowo geschaffen, zu verlassen?" sprach Max unterdessen leise zu Anka. Sie beteiligten sich nicht an der allgemeinen Unterhai- tung. Mar interessierte sich für die hier aufgeworfenen Fragen nicht, und Anka war traurig. Karl war die Tage so ganz anders gewesen, er mied sie beinahe. Eine dumpfe Unruh» bemächtigte sich ihrer, die Ahnung irgendeines Un- glücks.' Sie antivortete deshalb jetzt auch Max nicht und fragte ihn bloß, über den Tisch gebeugt, ohne die Augen zu ihm zu erheben: „Wissen Sie nicht, ob Karl etwas Unangenehmes zu- gestoßen ist?" „Nein. Haben Sie etwas bemerkt?" „Es schien mir so. Aber richtig, ich Hab' ja ganz vergessen, er hat gewiß mit seiner Fabrik genug Sorgen, richtig... fügte sie leiser hinzu, gleichsam bloß für sich selbst, als ob sie den Verdacht und die Unruhe verscheuchen wollte. Sie erhob den Kopf und umfing niit einem innigen, herz- lich besorgten Blick Karls verfinstertes Gesicht und fing die bissigen Blicke auf, die er dem Pfarrer zuwarf. „Und waS machen die Herrschaften mit. der Besitzung?" „Großpapa wollte sie verkaufen, aber Karl wehrt sich dagegen. Ich bin ihm dafür sehr dankbar. Ich habe mich so eingelebt in' diesem Hause und könnte, mir nicht ohne Wehmut ausdenken, daß cS' uns einmal nicht mehr gehören sollte. Fast alle Bäume im Garten, alle Hecken hat teils Karls Mutter, teils habe ich sie gepflanzt. Können Sie sich jetzt vorstellen, wie schwer es mir fiele, von alledem für immer zu scheiden?" „Na, nian kann ja wo anders eine noch schönere Be- sitzung kaufen." „Ja, das kann man, aber es wird nicht Kurowo sein", so von der Berliner Singakademie zu Anfang 189(5. Unlängst auch wieder mal in Leipzig.' Jetzt endlich hat es Ernst Zander dem Berliner Volks-Chor nutzbar gemacht. Einfache Arbeit war das freilich nicht. Das Werk mußte auf die Hälfte der ursprünglichen Zeitdauer gekürzt werden. DeS weiteren hat der Bearbeiter auch den Orchesterpart eingerichtet. Natürlich konnte eine gewisse Ab- schwächung des großen Musikdramas nicht vermieden werden. Lücken und Pausen lassen das ausmerksame Ohr sehr wohl erkennen, daß gesangsdramalische Zwischenfälle fehlen. Immerhin aber be- weist die Zandersche Bearbeitung eine glückliche Hand. Denn der Eindruck von Belsazar als Ganzes, auch in dieser etwas fragmen- tarischen Gestalt, ist stark und tief. Beide Aufführungen in der Garnisonkirche hielt«» die Zuhörer- schaft in starkem Bann. Und das ist begreiflich. Die Musilaliiät, der durchaus dramatische Nerv und Feucrschwung dieser Händelschen Chöre, Einzelgesänge, Rezitativ?, Orchester-, Orgel- und Cembalo- Musik ist unverkennbar und reißt mit. Die zweite Aufführung zumal trug ein frischeres Tempo bei erhöhter gesanglicher und vortraglicher Leistung des VolkS-Cbors. Immer wieder muß der freudige Eifer und spürbare Drang sowohl des Leiters als der aktiven Mitglieder, dem jeweiligen Werk mög- lichst kunstvollendete Wiedergabe zu verleihen, rückhaltlos anerkannt werden. Die Solistenpartien waren sehr tüchtigen GesangSkräkten anvertraut. Frau Lotte Leonhards klanghellem Sopran hätte man freilich für die Partie der Mutter des Belsazar einen etwa? dunkleren Timbre gewünscht. Frau Harth zur Rieden verfügt über eine Altstimme von schönem ausgeglichenem Vollklang. Und die Herren Walter und von Herget meisterten mit ergiebigen Stimm- und Vortragsgualitäten die Tenor- und Baritonparts. Das Phil- harmonische Orchester gab das Jnstrumentelle, und Musikdirektor Eschke führte den Taktstock mit alle beseelender Hingabe. etc. Maxim Gorkis �Weltliteratur". Wi« au? Moskau berichtet wird, hat Maxim Gorki sich jetzt minder Söwjet-Regierung, der. er bisher feindlich gegenüberstand, zur Durchführung etnes großen literarischen Planes zusammen- getan. Er schloß mit dem Volkskommissar für Volksanzklärung Lunatscharski einen Vertrag ab, demzufolge Gorki im Austrage des Komissariats die Organisation eines Verlags unterniinmt, det„Die Weltliteratur" heißen wird. Die Hauptaufgabe des Verlages w-ird darin bestehen, Ucbersetzumgen von allen hervorragenden Werken aus der Litratur aller Nationen aus der Zeit des 18. ftnd 19. Jahrhundert in 2000 künstlerisch illustrierten Bänden herauszugeben. Jeder dieser Bände soll ein bis zwei Erzählungen enthalten, die das Leben der verschiedenen Völker schildern und für ihre Geistes- art charakteristisch sind. Die Auswahl der Werke und die ganze Redaktion ist Gorki überlassen. Unter Gorkis und Lunatscharskis Leitung soll auch eine Halbmonatsschrift herausgegeben werden, die besonders die Aufgabe verfolgt, die russische Gesellschaft über die Verhältnisse im Ausland zu unterrichten. Notizen. — Die nächster Aufführung der V o I k s b ü h n.e wird Anton Tschechows Komödie„Der Kirsch garten" sein. Das Stück ist in Berlin bisher noch nicht gespielt. — Di e Akademischen UnierrichtSkurfe für Arbeiter beginnen am 1. Oktober ihre Abende in deutscher Recht- schreibung und Grammatik, Aufsatzlehre, Literatur, Rechnen und Erdkunde. Jeder Kursus findet einmal wöchentlich, abends von 8 bis 10 Uhr, statt und kostet SO Pf. Es werden Männer und Frauen über 18 Jahre unterrichtet. Anmeldungen im Unterrichts-. lokal, Nicderwallstr. 12, am 28. September von 8 bis 10 Uhr abckids. — Di e K u n st h a l l e Wilmersdorf eröffnete Pariser Straße 48 ihre Herbstausstellung. Eintritt frei; wochentags von 10 bis 6 Uhr, Sonntags von 11 bis 1' Uhr. — Neues von der Kunstseide. Bisher ist Kunstseide,' die auf chemischem Wege aus Hjllzzellstoff hergestellt wurde, Haupt- sächlich als Ersatz fiir Naturseide verwendet worden. Nach der „Papierzeitung" wird aber jetzt Kunstseide in Stapelforin Herne- stellt, also zu Fäden von solcher Länge zerschnitten, daß sie sich wie Baumwolle oder Schafwolle vorzüglich verspinnen laßt. DaS daraus hergestellte Garn hat hohe Festigkeit, läßt sich gut färben, waschen und zu Geweben verarbeiten, aus denen vollwertige halt- bare Kleidung und Wäsche gefertigt werden kann. Für diesen neuen Spinnstoff wächst der Atohstoff, nämlich das Nadelholz, bei uns im Lande. erwiderte sie, unangenehm berührt, daß er sie nicht verstand und ihr nicht nachfühlen konnte, wie man an einem Stück Boden hängen kann, auf dem man aufgewachsen ist. Sie verstummte, weil im Nebenzimmer der Streit zwischen Zajonczkowski und dem Pfarrer ivicder losbrach. Hochwürden schluc aufgeregt mit seinem Pfeifenrohr auf den Fußboden und Zajonczkowski jchrie wütend: „Nie mehr werde ich dieses Hans betreten!" Der Streit währte noch eine Zeitlang, dann fuhr Za- jonczkowski wirklich weg, und auch derPfarrer verabschiedete sich bald und ging fort. TiefeS Schweigen herrschte jetzt im Herrenhaus. Der alte Borowiecki schlummerte in einem Fauteuil. Anka half dem Dienftmädchen bcini Abräumen uitfi Karl saß ganz ver- funken in einem großen Sessel, rauchte Zigaretten und blickte ironisch auf Max, der mit strahlenden?lugen jeder Bewegung Ankas folgte. Bald gingen alle schlafen. Max bewohnte einen kleinen Salon an der Gartenseite des Hauses. Die Nacht war herrlich. Immer wehmütiger sangen die Nachtigallen, bis ihnen im Dickicht am User des Flüßchcns die Amseln erwiderten, und dann ergoß sich eine Flut wunderbarer Klänge in die stille Feier dieser Juninacht voller Wärme, die aus der erhitzten Erde strömte, voller Sterne am Himmel und erfüllt vom Duft des Flieders, der um das ganze Haus herum vor den Fenstern blühte. Max konnte nicht schlafen. Er öffnete das Fenster und blickte in die in Nebel gehüllte Welt. Er dachte gerade an Anka, als er plötzlich den gedämpften Klang ihrer Stimme vernahni. Er beugte sich zum Fenster herau? und erblickte sie am Fenster ihre? Zimmer? sitzend, da? sich in.einem rechtwinklig ans Hau? angebauten Seitenflügel befand. „Warum willst du mir nicht sagen, was' dich bedrückt?" bat ihre Stimme, zum gegenüberliegenden Fenster gewandt. „Nichts bedrückt mich, nervös bin ich", antivortete eine zweite Stimme. „Bleib noch ein paar Tage, dann ivirst du dich be- ruhigen." Ein unverständliches Gemurmel kam als Antwort zurück. Dann wurde die erste Stimme so leise, daß man nichts hören konnte. Nur das Ouaken der Frosche, das Gepolter der auf der Chaussee vorbeifahreudeii Wagen und der immer lauter werdende Gesang der Vögel drangen zu Max herüber. (Forts, folgt.) Verkäufe Nicscpelzlager aller erdenklichster Pclzarten jetzt preis- wert Potsdanicrstraßc 43, Ecke Stcplitzerstraße. Somnier- preise. Nur echte neue Pelz- waren in jeder Preislage. ttrestcr Posten echter Pelz- ßfirmtnrcn, Fuchsfasson, auf Seide pearbeitet,(Zarnitnr Mark W.dll. Ein Posten echter Felle, schwarz und farbig, zum Aussuchen Stiick Mark 9,75 an. 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In schwerem Ringen, bei dem die Artillerie aller Kaliber entscheidend mitwirkte, sind hier und da schmale Landfetzen verloren gegangen, aber die Angriffshandlnng als solche ist völlig abgeschlagen worden. Hartnäckig und ohne Rücksicht auf die Opfer wie im April 1917 greift General Mangin mit der 8. französischen Armee noch immer zwischen A i l e t t c und A i s n e an. Er hat üch über das Laffaux-Stratzenkreuz nach Osten vorgearbeitet, die ans den vor- gehenden Kämpfen blutig.berühmte Allcmantschlucht genommen und zielt augenblicklich gegen die Vaudessauschlucht und Chavignon hin. Wir stehen hier seit mehreren Tagen in einer neuen Schlacht um den Ehcmindes Dam es. Diesmal versucht der Gegner den wichtigen Bergrücken voy Westen nach Osten flan- ticrcnd aufzumeißeln. Tie heute gemeldeten Angriffe zwischen Aisne und Beslc dürften als von Süden kommende Unterstützung dieser Operation anzusehen fein. Tie deutsche Armee Carlowitz verteidigt hier in schweren hin- und hcrwogenden Nahkämpfen jeden Fußbreit Boden. Der Amerikanervornoß bei St. Mihiel ist bis heute im rein Taktischen steckengeblieben. Neue Kämpfe um die deutsche Sehnen- stcllung werden erwartet. Seit einigen Tagen sind die Franzosen auch im Nordosten von Bcrdun lebendiger geworden. Tie Bergafung des deutschen Hintergeländes nnd die starken Patrouillensorstöße in den Wäldern östlich von Tamloup deuten auf die Ausdehnung der französisch-aincrikanischcn Angriffsabsich- tcn nach Norden. Tic ernsthafte Offensive hier aus Linie Rerdun— Bont-a-Moufson würde z» einer französischen Schlacht gegen Metz und das Erzbecken von Brich führen. Doch ist mit der Möglichkeit bloßer Demonstrationen zu rechnen. Dir deutsche Armee in der Woevreebcnc steht abwchr- bereit. Jede Uebtsrraschung ist hier ausgeschlossen. Dr. Adolf K ö st e r, Kriegsberichterstatter. * Französischer Heeresbericht vom 14. September abends. Süd- lich von St. Q u e n t i n haben wir unsere Linien bis an die Wald- ränder von Fontaine-lcs-Clercs vorgeschoben. Zwischen Oise und Aisne machten mir an verschiedenen Punkten bei örtlichen An- grisien. die den Zweck hatten, untere Stellungen zu verbessern, Fortschritte. Troh lebhaften feindlichen Widerstandes haben wir das Torf Alle man t und die Mühle von Laraut genom- mcn. Wir hohen auch östlich von Sancv und nordöstlich von Celles an der Aisne unseren Fortschritt ausgebaut. Tie Zahl der bis jetz gezählten Gefangenen beläuft sich auf 2599. Südlich der Aisne, in der Gegend von M e r V a l machten wir Fortschritte und nahmen das Torf Glenn es; an 299 Gefangene fielen uns in die Hände. Französischer Heeresbericht vom 15. September nachmittags. Bei P a u r a i I l o n hielten die Franzosen im Laufe der Nacht drei deutsche Gegenangriffe gegen ihre neuen Stellungen auf.— Abends. Südlich von der Oise hat der Feind sich abermals mit Gegenangriffen zur Wobr gesetzt; unsere Stellungen sind rest- los aehalten worden. Im Laufe des Tages haben wir uns der Hochfläche östlich von Vauxaillon bemächtigt: weiter südlich ist /os Gehöft Mennejcan überschritten worden, ebenso haben wir die Äuvpe nordöstlich von Celles überschritten. Tie Anzahl der seit gestern früh bis jetzt an der Aisne gemachten Gefangenen über- schreitet, so weit bis jetzt gezählt, 3599. Amerikanischer Bericht vom 15. September abends. Wachsende Tätigkeit der Artillerie nnd der Flieger im Abschnitt von St. Mi- bicl. Bei Tagesanbruch hat der Feind bei St. Hilaire einen Gegenangriff gemacht, ist aber mühelos abgefchlagen worden und hat eine Anzahl von Gefangenen in unseren Händen gelassen. Auf dem link«« Moielufer sind- unsere Linien um ein bis zwei englische Meilen(1999, bzw. 3299 Meter) vorgeschoben worden und begreifen nunmehr Villeceh und N o r r o h mit ein. Gelegent- l-ch der Vorschiebung unserer Linie bis jenseits von Iaulny haben wirJ72 weitere, bei seinem überstürzten Rückzüge- vom Feinde zurückgelassene Geschütze erbautet, was die Gesamtzahl der bis heute genommenen Geschütze auf mehr als 299 bringt. «-' Die VahlrechtskommWon öes Herrenhauses tritt heute wieder zu einer Sitzung zusammen, nachdem sie sich am letzten Freitag bis zu diesem'Dienstag vertagt hatte. Ein Sonn- .tag dauert bei diesem gesegneten Ausschuh eben drei Tage und man wird sich heute mit dem bayerischen Bergsteigcrspvuch begrüßen: Zeit lassen! Mit eifrigster Bereitwilligkeit hatte am Freitag Staatsmintster Tr. Friedberg dam Ausschuß bekundet und bezeugt, daß er vom Geiste der Verständigung beseelt sei und er fügte die Bitte daran, auch weiterhin dieses Geistes voll zn bleiben. So- weit die aus die amtlichen Berichte deZ Ausschusses angewiesene Ocffentlichkeit zu sehen vermag, hat sich dieser Verständi- giingsgeist darin geäußert, daß man- zunächst ohne alle Rücksicht auf die so überaus gründlichen Ausschuß- und Plenarberatungen über das Berufswahlrecht im Abgeordnetenhause von der Regierung allerhand Material darüber verlangte und unter ab- sickitlichcm völligem Ucberseben ihres Eintretens für das gleiche Wahlrecht sie zur Rechenschaft darüber aufforderte, warum sie nicht d:cse und sine Zahlen dem Berufswahlrecht zugrundclcgen wolle— id, als ob sie überhaupt für das Bcrufswablrecht eingetreten wäre oder die Verpflichtung hätte, es zu tun! Von einer Verwahrung der Regierung gegen derartige vcrständigungsgeistliche Zumutun- gen hat man nichts gelesen. Weiter hat man dann das Berufs- Wahlrecht trotz ttüer seiner Ablehnung durch die Regierung f o r- niell beantragt und schließlich hat nzan aus lauter Verstän- digungsgeist auch darüber beraten, wie man zu den Wahlrechts- äuSschlicßungsgründcn des Abgeordnetenhauses noch einen wei- ttren, die Versetzung in die zweite Klaffe des Soldatcnstandes, hin- zufügen könnic. Auch da hat die Regierung den festen Willen zum Nachgeben bewiesen und e-inc Acußerung des Kricgsministers in Aussicht gestellt. Sollte es etwa mehr- als ein bloßes Manöver sein, daß die „Deutsche Tageszeitung" in einem ihrer Anti-Payer-Artikcl die Re- gierung der Herren D r e w s und Friedberg wegen ihres Ver- siändigungsw'.llcns beinahe lobte? lind dann preist Herr Fried- berg den Verständigungsgeist der Herren Herren: Tas ist ja gerade- zu das System Lobichdirski-Lobdumirski! Wie lange noch?! verteiöigung öes berufsstänölschen Wahlrechts. In der„Kreuz-Zeitung" unternimlt ein Dr. Ulrich Kohr. sie dt, den Antrag der konservativen Herenhaus-Fraktion gegen unsere Kritik zu schützen. Herr Kührstedt, der uns Unwissenheit in allen möglichen Tingen vorwerfen möchte, behauptet selber, daß nach dem gegenwärtigen ReichStagswahlrccht Unterschiede im Sttmmgewicht im Verhältnis 1: 39— Wahlkreis Schaumburg- Lippe und Teltow-Beeskow— vorkämen. Herr Kahrjtedt weiß also Die österreichische Zrieöensnote. Weitere englische Stimmen. Amsterdam, 16. September. Reuter meldet aus London: Wir erfahren aus hiesigen gutunterrichteten Kreisen, daß die österreichische Note von den Verbündeten eine- sorgfältige Prüfung erfahren wird. Es dürften wohl deshalb einige Tage vergehen, bevor eine Antwort erteilt werden kann. Inzwischen gibt man der Meinung Ausdruck, daß wenig von einer Konferenz zu erwarten sei, ehe nicht von feiten der Mittel- mächte den einzelnen bestimmten Punkten zuge- st i m m t worden ist. Dazu gehört die Anerkennung der Not- wendigkeit einer Entschädigung an Belgien nnd Serbien durch die Mittelmächte. Der offizielle Inhalt der Note befindet sich noch nicht in den Händen der englischen Re- gierung, da amtliche Telegramme von außerhalb auf einem Umwege einlaufen/ „Daily Expreß" erklärt: Die österreichische Friedensnote bringt den wahren Frieden nicht näher. Die vorläufigen Friedens- bedingungen wurden von den Alliierten immer wieder mitgeteilt. Es sind: Die Zurücknahme deutscher Truppen aus Belgien un>d Frankreich, die Aufhebung der Verträ>ge von Brest-Li- t o w s k und Bukarest, Bürgschaften für Wiederherstellung und Entschädigung sowie die Anerkennung des Rechts aller Völker auf Selbstbestimmung. In der österreichischen Note befindet sich nicht. die geringste Andeutung, daß die Mittelmächte irgendeiner dieser vorläufigen Bedingungen zustimmen werden. „Daily Telegraph" schreibt: Von der österreichisch-umgarischen Regierung wurde ein endgültiger Schritt unternomme'n, der be- weist, daß sie nichts gelernt und alles vergessen hat. Der Vorschlag ist völlig absurd und unaufrichtig. Wir fragen natürlich, warum dieser Augenblick für einen derartigen Appell gewählt worden ist nnd woraus er sich gründet. Der wirkliche Zweck ist zweifellos, Zeit für die Rcorgantsation ihrer erschütterten Truppen zu gewinnen. Kein besserer Weg, diese Pause zu er- reichen, war möglich, als diesem Zankapfel in die Diskussion zu werfen/ Gefühlsgegensätze zu schassen und falsche Hofsnungen auf einen möglichen Frieden zu erwecken. Deutschland wird seine Gesinnung nur durch eine entscheidende Niederlage ändern. „Morning Post" schreibt: Wir sind bereit anzunehmen, daß die Note von Deutschland diktiert ist. Wir haben es mit dem ersten endgültigen Friedensangebot Deutschlands zu tun. Es ist im wesentlichen der Vorschlag eines Waffenstillstandes. Selbst wenn kein formeller Waffenstillstand gefordert würde, muß das Bewußtsein, daß Diskussionen stattfinden den Geist der alliierten Völker und Heere erschlaffen, während die deutschen Heere die Pause benutzen würden, um Zeit zu ge- Winnen, die sie für Rühe und Erholung brauchen. Deswegen ist die erste Frage, ob die Alliierten jetzt einem Waffenstillstand zu- stimmen wollen, der tatsächlich den Krieg unter diesen Bedingungen beenden würde. Nur eine Antwort ist möglich: jetzt pausieren, würde natürlich bedeuten, die Ergebnisse des vicljährigen Kvieges weg- zuwerfen, für immer alle Siegeshoffnungen aufzugeben und die gemeinsame Sache der Zivilisation zu verraten. Spanien als Vermittler. Amsterdam, 16. September. Wie ein hiesiges Blatt er- fährt, wird der Friedensvorschlag der österreichischen Regie- rung an die Alliierten durch Vermittlung der spa- nischen Gesandtschaft in Wien und schließlich durch die spanische Regierung in Madrid den Regierungen, der Ver- einigten Staaten, Englands und Frankreichs übermittelt werden. nicht, daß durch eine Wahlreform, nach der Teltow-Beeskow von nun ab sieben Vertreter wählt, dies Verhältnis zum minoesten aus 1: 4,4 herabgedrückt ist. Im übrigen ist sein« Bezugnahme auf das vergangen« Reichstagswahlrecht aber deswegen völlig be- langlos, weil ja die Sozialdemokratie, die durch die ungerechte Wahlkreiseinteilung verursachte Ungleichheit des Stimmgewichts stets leidenschaftlich bekämpft hat, während die Konservativen sie zu erhalten trachteten. In der Sache selbst bemängelt es Herr Kahrstedt, daß wir den Unterschied des Stimmgetvichts bei einem Berusswahlrecht nach dem Herenhausantrag auf 1:6 bis 1: 19 angegeben haben. Er selbst berechnet den Unterschied nur auf 1:3 bis 1: 4, indem er den Berufszugehörigen noch ihre nichtberuflich tätige Familie zu- rechnet. Also ein konservatives Wahlrecht für Frauen und Kin- der. Aber selbst wenn Herrn Kahrstedt's Berechnung ebenso richtig wäre wi« sie ralsch ist, so dürfte doch auch ein Mann seines Geistes nicht behaupten, daß ein Wahlrecht, das selbständigen Unlerneh- mein das drei- bis vierfache Stimmgewicht gibt, als ein gleiches Wahlrecht bezeichnet werden könne. Und das ist der' springende Punkt! Denn die Konservativen wollten uns ja gerade beweisen, daß ihr berufsständisches Wahlrecht mit dem königlichen Ver- sprechen des gleichen Wahlrechts durchaus vereinbar sei. Schließlich braucht kaum angeführt zu werden, daß der Grund- gcdanke des bcrufsständischen Wahlrechts schon deswegen verfehlt ist, weil bei der Wahl zur höchsten gesetzgebenden Körperschaft nicht nur rein berufliche Interessen in Frage kommen. Ein einfacher Landwirt aus Hinterpommern schreibt uns mit Recht, er habe gar keine Lust einen Mann zu wählen, nur weil dieser auch Landwirt ist, sondern er verlange einen Vertreter, der die Gesamtheit seiner Weltanschauung im Reichstage zum Ausdruck brächte. Das dürfte auch die Meinung der Ueberzahl aller Wähler sein. Möeutscher verbanüstag in Hannover. Jetzt wollen sie keine!?riegshetzer sein! Ter Alldeutsche Verband hielt am 13. und 14. September in Hannover eine Tagung ab, die von der„Deutschen Zeitung" mit entsprechendem Schwung eingeleitet wird. Das Blatt nennt die Gegner der Alldeutscl�n„Lässige, Taube, Blinde und Memmen", sagt aber von diesen selbst, sie wiißten, daß alles verloren sei, wenn sie versagten. In der Versammlung sprach der Vorsitzende C l a ß, der das Nationalgefühl der Franzosen' pries. General v. G e b s a t t e l teilte mit, einer unserer hervorragendsten Generale habe ihm kürzlich gesagt:„Wir haben den Sieg bereits er� stritte ii. Wir müssen ihn festhalten. Das i st in d e r Heimat z n verbreiten!" Was Herr v. Gebsattel hiermit tat. Verbandsdirektor Tr. Leo W e g e n e r forderte, was immer auch aus Polen werden mag, Abtretung eines Sicherheitsgürtcls. Vertreibung der Polen aus ihm und Be- siedelung durch deutsche Katholiken. In einev angenommenen Entschließung heißt es:' „Ter AlldeutickL Verband weist den Vorwurf, zum Kriege gehetzt zu haben, mit Verachtung zurück. Es heißt nicht zum Kriege Hetzen, wenn man die politische Entwicklung der Weltlage durchjchaut und vor einer kommenden Katastrophe warnt, wen» man fordert, daß das eigene Volk dieser Katastrophe gerüstet gegenüber- steht. Das hat der Alldeutsche Verband getan, und die Tatsachen haben ihm recht gegeben. Gleich unbegründet und lächerlich ist der Vorwurfs der Alldeutsche Verband verlängere durch seine an- geblich überspannten Ziele den Krieg. Der Alldeutsche Verband hat keine überspannten Ziele. Was er ver- langt sind nur Lebensnotwendigkeiten des deutschen Volks, während England noch während des Krieges seine Welthecrschafts- Pläne zäh und erfolgreich verwirklicht. Der Vernichtungswille unserer Feinde ist nicht abhängig von irgendwelchen deutschen Kriegs- zielen. Es ist keine Kricgsverlängerung, wenn man durch feste deutsche zuversichtliche Sprache die Achtung des Ausländers vor dem eigenen Volke vermehrt, wenn man den Glauben an den Sieg im eigenen Lande stärkt. Die wahren Kriegsver längerer sind diejenigen, die den englischen, französischen und amerikanischen Zeitungen Gelegenheit geben, von„deutschem Fricdensgeplärr" und „FrieAenswinselei" zu schreiben." Abgesehen von dem Ritt des Herrn Wegener nach Polen ist die Dämpfung des annerionistischen Kriegsgeschreis ebenso unverkennbar wie die Sorge, für die Wirkungen des so oft ver- herrlichten, so oft angeratenen Kriegs nicht mithaftbar gemacht zu werden. * Am zweiten Tage der Verhandlungen glänzt ein Professor M e l z e r aus Hannover. Er hat das Referat für den abwesenden General Keim übernommen, und seine Worte sind offenbar von dem Bestreben diktiert, alles zu übertrumpfen, was Keim etwa hätte sagen können. Zunächst tobt er seinen Zorn gegen Payer ans, den er einen„kleinen württembergischen Spießbürger von engstem Gesichtskreis" nennt. Daß„dieser in die Reichskanzlei verschlagene Schwabe" vom Platze eines Bismarck reden dürfe, sei für das Deutsche Volk eine„schwere D e m ü- tigung." Ein anderer Redner verfährt denn auch nach bewährten alldeutschen Rezepten, indem er Payer's ganzes Auftreten aus dessen anaebliche— französische Herkunft zurückführt! Trod keines Alldeutschwms kann dieser Herr nämlich so viel französisch, daß er das französische Wort paxcr— bezahlen kennt. Payer hieße also eigentlich pg�er usw.... Den Höhepunkt abcr erreicht Melzer's Zorn bei der Besprechung der Burian-Ncte. Herr Melzcr nennt sie einen Akt schnödester Felonie, einen schweren Bruch der Nibelungentreue,— Wie soche Worte in Oesterreich wirken und welchen Schaden für die deutsche Sache sie anrichten, das schert Herrn Melzer ebenso wenig, wie sich je ein Alldeutscher darum bekümmert hat, wer die von ihm eingeworfenen Fensterscheiben bezahlt. Natürlich be- steht für Herrn Melzer kein Zweifel, daß man Belgien be- halten muß, wenn man es nehmen kann. Ob man es behalten kann, das allein ist die Frage(der„Vorbehalt der militärischen Erreichbarkeit" macht Schule.) Ein Pfarrer Hermann aus Wörth macht die Feststellung, daß in Elsaß-Lothringen nur noch ein Fünftel entschieden deutsch gesinnt sei. Der Vevbandstag nahm das ohne Widerspruch auf. Welches Geheul hat doch die alldeutsche Presse seinerzeit hierüber erhoben, als Gen. Wendel im Reichstag in viel milderer Form die Wirkungen der Wkilitärdiktatur im Neichsland auf die Gesinnung der Bevölkerung kennzeichnete. Diesmal, Bauer, ist "ganz was anderes. Schließlich holte sich auch Herr Bacmeister billige Lor- beeren, indem er England mittels der U-Boote auf die Knie zwang. Zlllerdings nur rednerisch. Doch zu seiner Unterstützung erhob sich Ädmiral z. D. Gr a p o w mtt der feierlichen Erklärung: „Der Erfolg des U-Bootes kommt, des können Sie sicher sein. Er kommt, wie Scheer es sagt. Fragen Sie nicht wann, wo und wie. Sie werden es aber erlauben." Ebener Verband und Unternehmergelöer. Eigenartige Kassenführung. Vor einiger Zeit berichteten wir über seltsame Beschuldigungen, die führende Personen des gelben Essener Kriegsbeschädigten- Verbandes wegen des Verbleibs von Unterstützungsgeldern gegen- einander erhoben baben, die dem Verband von der Firma Krupp zugeflossen sind. Nachdem wir eine uns hierzu übersandte„Be- richttgung" des Essener Verbandes bereits beleuchtet haben, er- halten wir das folgende kuriose Schreiben, dessen naiv-anmaßcn- den Inhalt wir unseren Lesern nicht vorenthalten wollen: „An die Redaktion des„Vorwärts/, Berlin. Wir nehmen Bezug auf den Artikel„Wo blieb das G:Id?" in Nr. 248 Ihres Blattes und fordern Sie auf, die im letzten Absatz angedeuteten viel direkteren Wege innerhalb drei Tagen in Ihrer Zeitung zu veröffentlichen. Sollte eine Veröffentlichung nicht erfolgen, so seben wir uns veranlaßt, den Klageweg zu beschreiten. Verband wirtschaftlicher- Vereinigungen Kriegsbeschädigter für das Deutsche Reiche I. A.: gez. H. Zeller." Wenn der Vcrbandsdiktator Adorf— trotz der Unterschrift des Herrn Zeller trägt das Schreiben den Stempel seines selbst- bewußten.. Geistes— glaubt, uns durch derartige Drohnoten ein- schüchtern/zu können, so irrt er ganz und gar. Wir kennen auch andere Fälle, in denen Herr Adorf pathetisch mit Einleitung von Klage gedroht, diese aber dann wohlweislich unterlassen hat. Vor Gericht werden wir gern die verlangten Auskünfte geben; wollen aber einstweilen zunächst der Oeffentlichkeit die Gründe mitteilen, aus denen es sehr wohl möglich ist, daß gewisse Zuwendungen selbst Vorstandsmitgliedern des Essener Verbandes nicht bekannt sind. Die Kassen Verwaltung des Essener Verbandes weist nämlich recht erh�: bliche Mängel auf, die mit der �eit auch unter den Herrn Adorf blindlings ergebenen Verbandsmit- gliedern Unruhe erregten. Auf beftiges Drängen einer Düffel- dorfcr Kreistagung vom 12. Mai d. I. wurde endlich ein Kon- trolluusschuß gewählt, um die Kassenverhälwisse des Verbandes zu prüfen. Der Bericht der Revisoren wurde am 8. August erstattet und lautete einfach vernichtend. Der Kontroll- ausschuß stellte fest, daß die ganze Kassenführung eine höchst mangelhafte war. Ein ordnungsmäßiges Kassen- buch sei bis zum Juni lS18(nach mehr als einjährigem Bestehen des Verbandes!) überhaupt nicht vorhanden. Ebenso fehlten jcg- liche Belege über die seit Bestehen des Verbandes vereinnahmten und vcrausgabtn Gelder. Ein Kassenbuch für diese Zeit wäre anscheinend erst in letzter Zeit mit rekonstruier ten Zahlen angelegt worden. Weiter wurde festgestellt, daß Berbandsvor- standsmitglieder für Reisen unglaubliche Gelder liquidiert haben; so habe, einer für eine Reise nach Berlin über 1999 M. verausgabt! Das ist nur einiges von dem, was uns in letzter Zeit über dcks GeschäftSgebahven des Adorf'schen Verbandes bekannt geworden ist. Wünscht Herr Adorf noch mehr zu erfahren,. so mag er uns ruhig weiter mit seinen Berichtigungen und Droh- bliesen bombardieren. Tagung des Bolksbundes für Freiheit und Vaterland. Der Volksbund für Freiheit und Vaterland bcabsichtigt am 26.127. Oktober d. I.:ii Berlin ans größere Tagung abzuhalten. Sie soll in einer geschäftlichen Sitzung des Vorstandes, des Aktionskomitees und des Ausschusses bestehen sowie in einer Mitgliederversamm- lung, bei der zu den wichtigsten Fragen der Kri-egspolitik Und der inneren Politik Stellung genommen wirk GewerkslWsbewcgung die freien Gewerkschaften unö öer Volks- unö für Freiheit unü vaterlanü. In Nr. S7 des„Correspondenzblaties" vom 14. September bebandelt Frdnz Krüger den von der unabhängigen Sozial- demokratie auf? schärfste angeseindetcu Beitritt der Generabkommis- fion zum Volksbund für Freiheit und Vaterland in einem länge- ren Artikel. Den Vorwurf, die Generalkommission habe durch diesen Beitritt den Klassenkampf und die Arbeiterinteressen ver- raten und sich in ein bürgerliches„harmonieduseliges" Fahrwasser begeben, widerlegt Krüger. Zu jeder Zeit sei es von der klaffen- bewußten Arbeiterschaft aufs schärfste verurteilt lvorden. wenn man in der Gelvcrkschaftsbelvehung die Arbeiter aus religiösen, politischen und sonstigen Gründen auseinandergerissen und ver- schieden organisiert und dadurch dem Unternehmertum Hilfe gc- leistet habe. Aber auch das Zusammenarbeiten mit bürgerlichen Organisationen und Einzelpersonen sei von uns noch nie grund- sätzlich verurteilt worden. Während des Krieges hätten sogar Zeute. die den Unabhängigen sehr nahe stehen, wiederholt mit Bürgerlichen zusammengearbeitet und sogar niit ihnen Wahlen g c a ch t. Eduard Bernstein, Tr. Breitscheid u. a. säßen z. B. in der Vereinigung„Zentrales Völkerrecht" zusammen mit bürgerlichen Pazifisten. Und im November ISIS habe in Königsberg i. Pr. die schon damals stramm oppositionell ge- sinnte sozialdemokratische Parteileitung bei den Stadtverordneten- wohlen ein Kompromiß mit den bürgerlichen Organisationen ab- geschlossen und einen gemeinsamen Wahlaufruf mit der Fortschritt- lichen Volkspartei, mit der wildalldeutschen nationalliberalen Partei und dem crzreaktionären Haus- und Grundbesitzerverein unterzeichnet. Wenn also im Volksbund sich verschiedene Richtungen zur Verfolgunig bestimmter Ziele zusammengefunden haben, so kann keine Rede davon sein, daß die freien Gewerkschaften durch diese Zusammenarbeit an sich irgendwie von dem Wege abgewichen sind, den sie bisher verfolgt haben. Da der Volksbund für die schleunige Herbeiführung eines Verständigungsfriqdgns ohne Eroberungen und Kriegseiütschädi- pung eintrete, die Schaffung einer internationalen Rcchtsorgani- fation der Völker zur Schlichtung aller Streitigkeiten, schleunige Durchführung einer allgemeinen Abrüstung, sowie aus innerpoli- ttschem Gebiet die Gleichberechtigung aller Staatsbürger, rück- s i ch t S l o s e n Kampf gegen die Wahlrcchtsfeinde, weitgehende Be- teiligung aller Glieder des Volkes an der Verwaltung im Reich. Staat und Gemeinde, Ausbau der Sozialgesetzgebung und freies Koalitionsrecht verlange, so sei in diesen Forderungen keine ein- zige enthalten, denen nicht jeder Gewerkschafter und jeder So- zialdemokrat zustimmen könne. Dieser Zusammenschluß sei gerade gegenwärtig umso drin- gend notwendiger, als die Eroberungspolitiker und die Feinde jeder freiheitlichen Ausgestaltung Teutschlands in der Vaterlands- Partei, dem Bund der Kaisertreuen, dem wiederauflebendcn RcichZverl'and gegen die Sozialdemokratie und in anderen Or- ganisationen geschaffen haben, die mit riesigen Mitteln aus der: Millionen der Schwerindustrie und agrarischen Kriegsgewinnler arbeite. Hätte die Generalkommission sich ferngehalten vom Volksbund, so wäre ihr wahrscheinlich von den Unabhängigen der Vorwurf gemacht worden: „Seht nur, wie diese Führer der Arbeiter diese Gelegen- heit vorbeigehen lassen, um einen energischen Kampf für Frie- den und freiheitliche Errungenschaften zu führen, weil sie schon vollständig in der Hand der Regierung sind und nicht mehr zu mucksen wagen. Sogar die Bürgerlichen sind radikaler." ES sei daher notwendig, diesem sinnlosen Kampf entschieden entgegenzutreten und überall die Mitarbeit der Gewerkschaften im Volksbund mit allen Kräften zu fördern. Aus dem Kriegsausschuh für das Schneidergewerbe. Tie vom Bekleidungsamt des Gardekorps und dem Bekleidungs- inftandsetzungsamt beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen hatten am LS. April cc. eine Aufbesserung ihrer Löhne verlangt. In der zwcücn Hälfte des Juli teilten die beiden Bekleidungsämter den Arbntern mit, daß ihre Forderungen abgelehnt seien. Zu «teicher Zeit reichten die Arbeiterausschüsse namens der Beschäf- itgten erneute Forderungen ein. Da der Bescheid der Bekleidungs- ämter sehr lange auf sich warten ließ, so riefen sie den Kriegs- «usschuß an. Am letzten Mittwoch verhandelte der Kriegsaussckuß über die Anträge der Arbeiterausschüsse; die Vertreter der Be- kleidungsämter wendeten ein,'daß der Krtegsausschuß für die Behandlung der Lohnfragen der Bekleidungsämier unzuständig fei, Dieser Einwand der Bekleidungsämter wurde vom Kriegsausfchuß zurückgewiesen, indem er sich für zuständig erklärte. Bei den «eiteren Verhandlungen ergaben sich jedoch Schwierigkeiten in- sofern, als die Forderungen für alle auf den beiden Beklei- dungSämtern, also auch der Schuhmacher. Sattler, Transportarbei- scr usw. gestellt waren. Da der KriegSauSschuß für das Schnei. dcrgewerbe nicht ohne weiteres seine Zuständigkeit ausdehnen kann, so würde entweder vor den anderen in Frage kommenden Kriegs- ausschüssen verhandelt werden müssen oder die Einwilligung zur Verhandlung vor dem Kriegsausschuß des SchncidergewerbeS seitens des Kriegministerium zu geben sein. Wegen der Lohnstreitigke ten gaben die Vertreter der Be- kleidungSämter die Erklärung ab. daß in allernächster Zeit eine Lohnerhöhung zu erwarten sei, jedoch könnten sie noch nicht er- klären, in welcher Höhe eine Aufbesserung gewährt werde. Mit Rücksicht darauf, daß wegen der Zuständigkeit des Kriegs- ' äuSfchussrS noch eine Aeußerung des KriegSminisleriumS von dcpr Bekleidungsämtern eingeholt wird und wegen der in Kürze in Aus- ficht gestellten Lohnerhöhung wurde die Sache vertagt. Wie von den Vertretern der Arbeiterausschüsse dargelegt wurde, ist eine Lohnaufbesserung auf den Bekleidungsämtern dringend notwendig. ES erscheint daher das Drängen der Ar- beiter nach einer reckt baldigen und wesentlichen Lohnerhöhung durchaus gerechtfertigt._ Ter Verband der Buch- und Steindruckerei-Hilfsarbeiter und Arbeiterinnen im Jahre INI 7. Mit dem dritten Onartal 1S17 ist wieder eine Aufwärts- bewegung im Mitgliederbestände eingetreten. Am 1. Juli 1014 waren 16 586 Hilfsarbeiter organisiert, am Schlüsse des ersten Vierteljahres 1017 nur noch 6200. das ist ein Verlust von 0386 Mitgliedern, von denen allerdings 5063 zum Heeresdienst eingezogen wurden. Die anderen verloren gegangenen Mitglieder werden in der Kriegsindustrie bessere Lohnverhälrnisse gesuckr und gefunden haben. Bei den weiblichen Mitgliedern ist vom zweiten Ouartal 1917 wieder eine Zunahme zu verzeicknen, bei den männlichen dagegen erst vom vierten Ouarial 1017 ab. Am Beginn des Jahres waren 6534 Mitglieder vorhanden und am Jahresschluß 7702, darunter 5807 weibliche. Seit dem ersten Ouarwl ist also die Mitgliederzahl um 1502 gestiegen. Der Mitgliederstand von 7702 setzt sich aus 1805 männlichen und 5807 weiblichen Personen zusammen. Die Agilalft», zeigt jetzt wieder bessere Erfolge, da mit den Teuerungszulagen sowie in den Lohnverhältnissen, so unbe- friedigend sie noch sind, doch eine Besserung eingetreten ist, weil eben unter dem starken Mangel an Arbeitskräften die Unternehmer ZugestSudnisse machen mußten. Die Arbeitslosigkeit ist gegen das Vorfahr weiter zurückgegangen, im vierten Quartal ist. sie jedoch wieder etwas gestiegen. Die Krankenziffer hat sich infolge der schlechten Ernährung!- Verhältnisse außerordentlich erhöht. Im Jahre 1016 wurden 2066 Krankbeilsiälle mit 21 148 M. unterstützt, im Jahre 1017 dagegen 3653 Mitglieder mir 25 064 M., es sind also mehr als die Hälfte der Mittlieder krank gewesen.— Die JahreSeinnahme betrug ins- gesamt 807 374 M., die Ausgabe 1öS 249 M. Mit den Borschüssen an die Zahlstellen hat sich das Verbandsvermögen von 187 626 M. aus 235 750 M. erhöht. Zur Beratung über die Durchführung der Teuerungszulagen und der weiteren Regelung der Tanftrage für 1918 machte sich die Einberufung von drei Gauleiterkonfcrenzen notwendig. Die Lage der Dachdecker. In einer gut besuckten Versammlung des DachdeckerverbandeS, die am Sonntag in Wilkes Saat abgehalten wurde, sprach der Verbandsvorsitzende Thomas- Frankfurt a. M� über die Lage im Dackdeckerberuf, Nach einer Betracktung der durch den Krieg ver- ursackten Störungen unseres Wirtschaftslebens führte der Redner aus: Nach dem Kriege gilt eS Ordnung zu schaffen in dem Wirt- ickaftlichen Wirrwarr. Da bat die Vertretung der Arbeiterklasse die Aufgabe, die Verhältnisse iür die Arbeiter so günstig wie möglich zu gestalten. Durck die Parteispaltung ist die volitische Bewegung der Arbeiter zum Teil entwertet. Also wird die gewerkschaftliche Bewegung für die nächste Zukunft eine um so größere Be» deutung haben, Sie wird die gesamte Arbeiterbewegung re- vräsentieren, denn sie wird alle Kräfte der Arbeiterschaft zusammen- iassen, um diele Riesenkraft im Interesse der Arbeiter anzuwenden, Von dieser Kraft sind wir Dachdecker ein Teil. Wir haben uns so einzurichien, daß wir an den Aufaoben, welche die Zukunft der Arbeiteisilasse stellt, erfolgreich mitwirken können. Wir sind in den letzten zehn Jahren etwas in den Hintergrund geraten, Das ist eine Folge unserer Tarifpolitik, die nur aus den Abschluß örtlicher Tarife bedacht war, also nur die örtlichen Ver- bältnisse in erster Linie berücksichtigte und dabei die Allgemein- interesse» nicht genügend beachtete. Den Gedanken des zentralen Tarif'abschlnsses baben wir nicht gepfleat. So entstand ein gewisses Durcheinander örtlicher Tarife und örtlicher Interessenvertretung. Nachdem der Krieg in den wirtschaftlichen Verhältnissen alles über den Hauten geworlen hatte, sagte sich der Zentralvorstand. daß in der Tarifpolitik ein neuer Weg eingeschlagen werden müsse. So sind wir durch zentrale Verhandlungen seit Avril 1917 zu einem zentralen Tarif gekommen. Die Berliner Kollegen sind sa nicht daran beteiligt. Sie haben ihren eigenen Tarif, was sich zum Teil daraus erklärt, daß die Berliner Bauunternehmer eine lokale Organiiation haben. Den Weg des zentralen Tarif- abschlußes dürfen wir nicht wieder verlassen. Gerade für die Zeit der Uebergangswirtichast ist die zentrale Regelung der Lohn- und Arbeitsverbälinisie nötig. Die Aussichten sind für die Dachdecker günstig. Während des Krieges sind nur die allernotwendigften Revaraturen ausgeführt worden. Nack dem Kriege machen sich gründliche Erneuerungen notwendig. Auch die an die Stelle der abgedeckten Kupferdäcker getretene sehr mangelhafte Bedachung muß durch eine dauerhafte ersetzt werden. Dazu konimt. daß der Krieg— ivas wir sehr be- klagen— viele unserer Kolleaen dahingerafft hat und andere so schwer beichödsgt sind, daß sie den Beruf nickt mehr aiiSüben können. Da fast gar keine Lehrlinge mehr ausgebildet werden, ieblt auch der junge Nackwnchs bei den Dackdeckern, Also die Aus« sickten in unserem Gewerbe sind nickt mehr so trostlos wie vor einigen Jahren. Wenn wir verstehen, die Zeit zu nutzen, wenn wir auck unsere Organisation den neuen Anforderungen entsprechend ausbauen, und unS nickt durck die politischen Gegensätze an der Einheitlichkeit der Gelverkschaftsbewegung hindern lassen, dann kann uns der Erfolg nicht versagt bleiben. Der Vortrag fand allgemeinen Beifall. Parteinachrichten. Massenkundgebung der Dresdner Arbeiterschaft. Die sozialdemokratische Parteileitung und der Vorstand des Gewerlschaftskartells zu Dresden hatten für Sonnabend nachmittag die Dresdner Bevölkerung zum Protest gegen die unhaltbar ge- wordenen Ernährungsverhältnisse aufgeboten. In dichten Scharen strömten Arbeiterinnen und Arbeiter in der zweiten und dritten Nach- Mittagsstunde nachdem ausgedehnten Schützenplatz. Um 3 Uhr standen die Massen auf dem großen Platze und seinen Zufahrtstraßen, beson- derS in der Ritzenbergstraße, Kopf an Kopf. An die 20 000 Menschen mochten zusammengeströmt sein, um ihrer Unzufriedenheit mit dein gegenwärtigen Stande der Kriegsernkbrung kraftvollen Ausdruck zu geben und die Berücksichtigung ihrer Forderungen auf tatkräftige Erfassung und gleichmäßige Verteilung aller verfügbaren NahrungS- mittel nachdrücklich zu fordeen. Bon drei an der einen Langseite des SchützenvlatzeS errich- teten Tribünen begannen um 8V„ Uhr die beiden Vertreter Dres- denS im Reichstage, die Genossen Gradnauer und Bück, und der Borsitzende der sozialdemokratischen Landcspartci, Genosse Sindermann, ihre Ansprachen, in denen sie die Zustände im Ernährungswesen und die stielmütterliche Behandlung Sachsens bei der Lebensmittelzuteilung sachlich aber scharf kritisierten und die Forderungen des Volkes zur Besserung der ErnährungSverhältniffe geltend machten. Die Ansprachen wurden oft von lauter Zustimmung unter- brachen und mit stürmischem Beifall aufgenommen. Um 3'/« Uhr unterbreiteten die Versammlungsleiter eine Entschließung, in der u. a. eine Erhöhung der Brotration auf mindesten« 4 Pfund ohne Streckung und der Karioffelration auf 10 Pfund pro Kopf und Woche verlangt wurden. Des weiteren wendet sich die Ent- schließung scharf gegen die Sondervorrechte für Selbstversorgier und die bisher sialtgefundene Sonderbelieferung an Kur« und Bade- orte usw. Am Schlüsse der Resolution beißt eS: .Angesichts des Ernstes der Situation rufen die Versammelten daher den Reichsbehördcn zu: Erfüllet eure Pflicht gegenüber deg an Unterernährung leidenden Schichten des Volkes, ehe diese gesundheitlich vollständig zugrunde gehen!" Ein Wald von Händen erhob sich bei der Abstimmung als Gelöbnis, den Forderungen durch die Förderung der politischen und gewerkschaftlichen Organisationen und der Parteiprefle mit allem Nachdruck Geltung zu verschaffen. Die Entschließung wird durch eine Abordnung der' Dresdener Arbeiterschaft im Kriegs- ernährungsamt in Berlin vertreten werden. Die gewaltige Kund- gebung wird ihren Eindruck auf die verantwortlichen Stellen nicht verfehlen. Der bayerische LandeS-Parteitag findet am 12., 13. und 14. Oktober im M ü n ch e n e r Gewerk- schaflsbause statt. Den Bericht des Laiidesvorstandes erstattet Genosse E. Auer, der auch über Ausbau und Stärkung der Organisation, Agitation und Presse spricht. Dos Referat über Reichs- und Auslaudspolitik hat Genosse Ad. Müller über- nommcn! Weitere Punkte der Tagesordnung sind Parlamentarischer Bericht der Landtagsfraktion, die in der Nachselfion deS Landtags zur Beratung stehenden Gesetzentwürfe und das Genossen» s ch a f t L w c s c n in Bayern. Ten Tod eines rührigen Kämpfers für die Arbeiterschaft hat unsere Parteiorganisation in L u d w i g s h a s e n zu beklagen. August Müller, Stadtrat ifi Ludwigshafen, ist nach längerem Leiden vor einigen Tagen verstorben. Seit 25 Jahren gehörte Müller dem Sozialdemokratischen Verein Ludwigsharen als Mitglied an und in dieser Zeit hat er in eifriger Tätigkeit wertvolle Dienste gelelstet. Unsere Parteigenosse» ehrten diese Tätigkeit, indem sie Müller das Amt als Sladrral anvertrauten. Als solcher hat er eine segensreiche Tätigkeit entfaltet. Von Beruf Maurer, hat der Verstorbene auch seiner GewertschaslSorganisation treue Dienste ge- leistet. Nicht minder betrauert die Genossenschaftsbewegung in dem so früh Verstorbenen einen überaus tätigen Anhänger, der in stiller Kleinarbeit für deren Ausbreitung gewirkt und als langjähriges Aufsichtsrarsmitglied des Konsumvereins Ludwigshafen sich große Verdienste erworben hat. Kurt Eisner, der bekanntlich im Zusammenhang mit der Streik- bewegung im Januar in München verhaftet wurde, ist, wie mir- geteilt wird, nach Leipzig übergeführt worden. Der Neue-Welt-Kalender für 1919 ist soeben erschienen. Ter Preis des mit reichem Inhalt ausgestatteten Kalenders betrögt 60 Pfennig._ Znöustrie und Handel. Kolossale Preissteigerung für Baumwolle. Infolge des schlechten Ernteausfalls, der zurückgehenden Anbaufläche und des sehr starken. Verbrauchs für HeereS- bekleidung und Munitionserzeugung, sind die Preise für amerikanische Baumwolle enorm gestiegen. Der niedrigste Preis für ein Pfund in diesem Jahr betrug 25.70 Cents, der höchste 38,20 Cents.(1 Cent hat nach Friedenswährung 4,2 Pf.) Ein Pfund Baumwolle würde heute in Deutschland unter Berüch'rchtigung der Frachtentcuerung und der Valuta- Verschlechterung mindestens 8 M. gegen etwa 1 M. im Frieden kosten. Schon dieser Umstand weist— ganz abgesehen von dem Mangel an Ware und den Absichten der Entente, einen Wirtschaftskrieg zu führen— ans die große Bedeutung der Stapelfasererzeugung hin, die Baumwolle und Wolle teil- weise entbehrlich macht. Angeblich beabsichtigt Wilson sogar Höch st preise für Baumwolle einzuführen, wobei er aber auf sehr kräftigen Widerstand der südstaatlichen Farmer stoßen wird, Guter Geschäftsgang in der Kaliindustric. In der Gesellschafterversammlung des Kalisyndikats wurde mit- geteilt, daß der Absatz in den ersten acht Monaten 1018 rund 8,1 Millionen Doppelzentner Reinkali im Werte von etwa 211 Millionen Mark betragen hat. Ein Bild über den Gesamtabsatz läßt sich noch nicht geben, weil die Verladungen in den Herbstmonaten von der Wagengestellung, die bis Mitte August ausgezeichne: war, abhängen. Die Nachfrage der Landwirtschaft nach Kalisalzen ist nach wie vor außerordentlich groß, und die Industrie Ivar trotz aller Schwierigkeiten in der Lage, wesentlich mehr als den Friedensbedarf zu liefern. Das bekannte Nicht- preisabkommen wurde für das letzte Vierteljahr 1918 sowie für die ersten vier Monate 1010 neu beschlossen mit der Maßgabe, daß bis zum 15. November jedem Gesellschafter das Recht des Rücktritts zum 31. Dezember 1918 zusteht. In den Ententestaaten dauern die Bemühungen an, sich vom natürlichen deutschen Kalimonopol unabhängig zu machen oder c- doch wenigstens so darzustellen, als wenn man unabhängig wäre. So gibt das„Board of Trade Journal" in seiner letzten Nummer einige Angaben über die Fortschritte, die diese Versuche erzielt haben:„Im Jaihce 1916 versuchte man, die Hochofengase auf Kali zu bearbeiten. Man versuchte durch Beimengung eines kleinen Prozentsatzes von gewöhnlichem Salz zu der Beschickung des Hoch- ofens das im Erz vorhandene Kali freizumachen und damit zu bewirken, daß es sich mit den ausströmenden Gasen zu Botasrbe ver- bindet. Auf diese Weise hofft man 50 000 Tonnen Kalisalze jährlich aus den Chloridabgasen zu erhalten, womit man den Landesbcdarf decken will. Tie Versuche wurden angestellt von der British Potazh Comp., deren Aktien zur Hälft« im Besitze der Regierung sind. NeuevdingS sucht man Kali aus Feldspat zu gewinnen. Auch andere Versuche, wie die Ausnutzung der beim Waschen der Rohwolle sich ergebenden Abfälle sind im Gange." Soweit die Darstellung des „Board of Trade Journals". Demgegenüber muß darauf hingewiesen werden, daß alle diese Dinge sich aus dem Papier-besser ausnehmen als in der Praxis, daß die Hochöfen viel zu verstreut liegen, uin die rationell« Ausnutzung leicht zu gestalten und schließlich, daß England mit seiner kommenden intensiven Landwirtschaft ein Mehr- fachcs seines alten Bedarfs an Kali zu decken haben wird.— Aus den Vereinigten Staaten wissen die„Fiuanzial Times" zu berichten: „Es besteht kein Gründ, daran zu zweifeln.>daß Amerika für un- begrenzte Zeit nach dem Kriege genügend Kali für seinen landwirt- schaftlichen und industriellen Bedarf erzeugen könne. Vermehrter Bedarf wird durch steigende Kalierzcugung aus besseren Quellen gedeckt werden. Tie Binnenseen des westlichen Nebraska liefern eine sehr leicht zugängliche Menge von mäßig hockprozentigcn Kalisalzen.. die durch bloßes Austrocknen ohne weitere chemische Behandlung zu gewinnen sind. Kali wird auch als Erzeugnis gewisser Industrien gewonnen." Die Vereinigten Staaten bezogen bis Kriegsausbruch 250 000 Tonnen Kali aus Teutschland. Im Jahre l9l7 betrug ihre Eigenerzeugung, deren Gestehungskosten außerdem sehr hoch sind. erst 32 509 Tonnen und für das laufende Jahr wird nur auf den doppelten Ertrag gerechnet. Ter demonstrativ zur Schau getragen« Optimismus scheint also verfrüht. Trotzdem wird immerhin mit der Möglichkeit einer Erschüttung des deutschen Kalimonopols über kurz oder lang gerechnet werden müssen. Englands Oberherrschaft auf Spitzbergen. England hat in der letzten Zeit der Beförderung Spitzbergen« scher Kohlen nach Schweden Hindernisse in den Weg gelegt. Lei- Handlungen zwischen Schweden und England haben das Ergebnis gehabt, daß von 0000 To. aut Spitzbergen geförderter Koblcu 800 Tonnen nach Schweden geführt werden dürfen, den Rest Nor- wegen erhält._ Soziales.. Jugrndfürforgetag. Der am 20. und 21. September in Berlin stattfindO.rde Jugendfürsorgetag muß, da der Sitzungssaal des Ab- geordnetenhauses für die außerordentlich große Zahl der ange- meldeten Teilnehmer nicht ausreicht, in den Beethovensaal. Köthener Str. 32, verlegt werden. Eine kleine Anzahl von Teil- nehmerkarten-steht in der Geschäftsstelle des Deutschen Vereins für Armenpflege und Wohltätigkeit, Bcrnburger Str. 24/25, noch zur Verfügung(Teilnehmergebühr 3 M.). Tie Verhandlungen werden eingeleitet durch eine am Donnerstag, den 19., abends 8 Uhr, in der Berliner Stadthalle, Klosterstr. 47-59, stattfindende Begrüßungsversammlung, auf der Professor Alohs Fischer- München über Gemeinschaftsarbeit und PcrsönlichkeitSpflege in der Jugendfürsorge sprechen wird. ?ugenüve?anstaltungen. Verein Arbeiter-Jugend, Abt. Moabit. Morgen Mittwoch. abends 8 Uhr, im Lokat Kunze, Birtcnstr. LS, Vortrag der Frau Böhm- Echuch:.Ziele und Wege der modernen Arbeiterjugend." Gäste ivtll- kommen. Neukölln. Morgen Mittwoch im Jugendheim, Berliner Str. 8S/87, V o r t r ä g des Herrn Haß:.ErziehungSsragcn." verantwortlich für Dolitik:«rich«iittner, Berlin: für den übrigen Teil des Blattes: Alfred Acholz, NeuiSIIn: sür Anzeigen: Tdeodor giloike, Berlin. Berlag: LorwSrtS-Berlag S. m. b. H.. Berlin. Truck: Borwärts-Buchdru-kerci und ZZerlagsanktaU Paul Linger u. Co. in Berlin. Lindenstraße Z. vierz» 1 Beilage und Unierögiiungsblatt.