Ur. SS8. SS. Jahrg. Bezugspreis» viertlII!!hri.k.40Mr. m. Bern, 18. September.(Eigener Drahtbericht de»„Vorwärts".) Die französischon Chauvinisten verstärken die Hetze gegen die gemäßigten FriedenSpolitikcr. Sogar Vanderveldes Gefolgsmann und Kabinettchef Dewinne hält e» für notwendig, im Organ der burgfriedlichen Sozialisten, dem„Droit du Peuple" vor diesem Tretben zu warnen. Bemerkenswert ist, daß der Pariser Empfang GomperS, welcher nach der Konferenz in London gu erwarten ist, nur von der Kammergruppe der 41 und den Buchdruckern organisiert wird. Die Parteimehrheit und die großen Gewerkschaften halten sich fern. In der Londoner Delegation der französischen Partei und der Konföderation der Gewerkschaften hat die Linke die MeHtchei-t. In gemeinsamer Sitzung beschlossen die Delegationen, auf Gomperi zugunsten rückhaltloser Annahme des Londo-ner Memorandums einzuwirken. Der„T e m p S" erklärt, die Payer»Rede sei ein Friedens. Manöver, welches dem preußischen Absolutismus und Pveuße-nS Vorherrschaft in Deutschland retten würde. Sie strebe einen Son» derfrisden mit Belgien und die Annexion Belgien? an einen auch von der Ouesselgruppe geforderte» Koniinenieuropa an. Payer? Eintreten für den StatuSquo, und die Gesellschaft der Nationen sei nur dekorativ und ein Versuch, die Alliierten zur Debatte Aer die Kriegsziele zu verlocken. Maßvoller schreibt„Journal des DebatS":„P a y e r sprach ungleich ketzerischer, als der ausgeschiffte Kühlmann und setzte sich in Widerspruch nicht nur zur Rechten, sondern auch zu Hert- ling. Er bog mit vollen Segeln in die Gewässer der Freiluftdiplo- matte ein. Er sprach weder von kleinem Preis, noch von Kon- gressen. Er forderte für die Völker Mitarbeit am Frieden. Wir danken dem Vizekanzler für ,die Unterstützung der Sache, welche wir so lange vertreten haben, mißtrauen aber seiner jähen Bekehrung und müssen die deutsche AuTgabe der Gesellschaft der Nationen, welche er anbietet, genauer prüfen."' Interessant ist, daß die„Aktion f r a n? a i s e" gegen den Leitartikler des„Journal de DebatS", Gauvain, weil er die Bekanntgabe der Kricgsziele der Alliierten fordert, seit Monaten ein« Hetze betreibt. Daudet nennt ihn einen Halbdefaitisten, welcher die Revolutionäre und Sozialisten üBcrtrcffc. Jouhaux schreibt in der„Bataille". daß die Moinungsver. schiedenheiten mit GomperS nicht so groß seien, wie behauptet werde. ..Unsere Haltung ist diktiert durch die Unterscheidung zwischen dem deutschen Volk und den Regierenden. Dasselbe erklärten Wilson und Lloyd George." mV. o i 0. i 1 1 S" schreibt im Leitartikel:«Die Fortdauernde feindliche Angriffe zwischen Ailette und Aisne— Kämpfe östlich der Cerna in Mazedonien. B e r l i«, 18. September 1918, abend». Amtlich. Englisch-französische Angriffe auf breiter Front vom Walde von Havrincourt bis zur S o m m e. Gegen den auf der Mitte des Schlacht- feldes zwischen Hargicourt und dem O m i- gn o n b ach eingedrungenen Feind sind Gegenangriffe im Gange. Au der übrigen Front sind die Angriffe des Feindes gescheitert. Wir kämpfen überall westlich unserer alten Siegfried- st e l l u« g. Amtlich. Graße» Hauptquartier, 18. Sep- tembcr 1918.(WTB) Westlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht. Bei A p e r n wurden Borstöße, beiderseits de? Sa B as s 6e« Kanals mehrfach wiederholte Teilangriffe des Gegners abge- gewiesen. . Heeresgruppe Boehn. Versuche deS Feindes sich nördlich vom Holnon-Walde an unsere Linien heranzunrbeiten, sowie Tcilangriffe gegen H o l n o n und Essigny-lr-Grand scheiterten. Herrrlgrnppe Deutscher Kronprinz. Zwischen Ailette und AiSne setzte der Franzose seine Angriffe fort; am Bormittage stieß er zwischen B a u x a i l l o n und A l l e m a» t, am Nachmittage nach störkstem Feuer ans der ganzen Front mit starten Kräften vor. Der Feind, der zunächst ans P i u o n und südlich der Straße Laffaux— Chavignon in unsere Linien eindrang, wurde im Gegenstoß wieder zurück- geworfen. Die gegen die übrige Front gerichteten Angriffe scheiterten vor unseren Linien. Heeresgruppe Gallwitz. Keine desondere GcfechtStätigkrit. Heeresgruppe Herzog Albrecht. Kleinere Erkundungsgefechte an der lothringische» Front und in den B o g r s r n. Mazedonischer Kriegsschauplatz. Orfilich der ll r r n a stehen die Bulgaren seit dem Ib. 9. im Kampf mit Franzosen, Serben und Griechen. Zur Abwehr des Feindes sind auch deutsche Bataillone eingesetzt worden. Der Erste Grneralquartiermrister. Ludendorff. Ententemächte sind in der Lage, neue Friedensvorstöße zu machen. ES wäre geschickt, wenn die Entente offen ihre Bedingungen be< kannt gäbe und zwar ohne Wagheiten, welche der Geheimdiplomatie offene Tür lassen. Die Demokraten der Zentralländer müssen die Gewißheit erhalten, daß die Entente nicht imperialistische Ziele verfolgt." Der„Populaire" schreibt in einem stark zensurierten Ar- tikel: Jedem vernünftigen Franzosen wird daS Herz höher geschlagen haben, als er die Einladung Oesterreichs las. Aber die Haltung der versklavten Presse muß ent- mutigen. Indes muß man Oesterreich antworten. Einfache Ab- Weisung wäre ungenügend, Man mag von Dhttastien und ihren Ministern waS immer halten, Tatsache bleibt, daß sie eine Friedensinitiative unternahmen, welche ser- nerhin ein Echo weckt. Die Antwort mutz die Möglichkeit eines raschen Friedens ins Auge fassen und wesentlich« Klauseln nach den Gefühlen der Volksmassen, nicht nach den Begierden der Herr» schenden Klassen formulieren." Der„Eclair" schreibt:„Die Redakteure der österreichischen Note bauen ihre Beweisführung, daß eine Annäherung eintrat, weil Wilson und England nicht die Zerstörung Deutschland» und Oester. reichs fordern, auf einer Zweideutigkeit auf. Sicherlich be- deutete der Eintritt Amerikas in den Krieg einen tiefen Ein- schnitt in den Krieg. Aber wenn die Alliierten weder die deutsche, noch die österreichische, noch die ungarische Nation zerstören wollen, so folgt daraus nicht, daß sie die bestehende Verfassung die- ser Staaten ohne Abänderungen in einem dauernden Frieden und berechtigten Bürgerschaften für sich und die unterdrückten Völ- ker vereinbart finden. Weiter ist zweifellos, daß die territorialen Regelungen Osteuropas keine ausschließlich österreichische und deutsche Sache sind. Jeder. Friedensbesprechung muß eine Defini- iion der Begriffe Staat und Nation vorangehen, hernach gilt es die Freiheit aller Nationen nach zu bestimmenden Regeln in einem in- ternationalen abgegrenzten Rahmen von Staaten zu organisieren, welche ihnen die besten Lebensbedingungen sichern.'Anders aus- gedrückt ist, daß die Frag c. ob Oe st e rreich einen Wilson- frieden anstrebt. Leider ist sie zu v e r n e i n e n, und darum hat das Angebot wenig oder gar keine Aussicht," Immerhin andere Töne als der borstehende Kommentar, dessen Verfasser Pierre A lb i n zu den maßvollsten französischen Auslandspublizisten gehört, urteilt der Herausgeber desselben BlatteS, der Elsässer Wertheimer, welcher die Staatsmänner mahnt, in der jetzigen SiegeZstunde weder daS Gebot der Gerechtigkeit, noch die Tatsache zu vergessen, daß täglich tausende st erben und jede ver- fehlte Haltung der Alliierten die Lage der Feinde verbessern kann. (Bei der Beurteilung des„Eclair" ist festzuhalten, daß der„Eclair" der traditionell gemeinsamen ReaktionSpolitik Frankreichs und Oesterreichs gegen ein modernes Deutschland nachstrebt.) „Radical" schreibt:„Hält Burian die Ententestaatsmänncr sür Kinder? Ohne Auftichtigkeit und Klarheit ist nichts zu machen. Möge also Burian sein konkretes Programm vorlegen! An einen neuen SixtuScoup ist nicht zu denken."„PayS" erklärt: „Wenn Deutschland und Oesterreich Frieden wünschen, mögen sie sagen, ob sie den einzigen Frieden annehmen, welcher den Krieg tötet, nämlich die Wilson scheu Formeln." Dagegen schreibt da»«Journal du Peuple":„Wir sehen in diploma- tischen Aussprachen nichts UnzukömmlicheS. Daß unsere Regierungen die Einstellung der Feindseligkeiten ablehnen, ist logisch. Aber womit will man die Abweisung von vorgeschlagenen Auseinandersetzungen begründen? Warum sollte man nicht ebenso wie über daS Schicksal der Kriegsgefangenen über die Kriegs- frage selbst sprechen? Wir sind an einem Wendepunkt deS Kampfes, wo wir auf die ständig wachsende Hilfe Amerikas zählen können. Trotzdem wäre eS verbrecherisch, nicht die Bilanz unserer Opfer zu ziehen und noch zu bewältigende Schwierigkeiten zu erwägen. Sicherlich müssen wir Alliierte nnS zuerst inS Einvernehmen setzen; aber Frankreich, England und Amerika fallen schwer genug in die Wagschale, um kindische Befürchtungen auszuschließen."„,___. Neue Throne oöer neue volksrechte! Von Philipp Scheidemann. Die Welt ächzt in allen Fugen. Der Blutstrom steigt von Tag zu Tag. Ju zermürbender Sorge bangen Mtl- lionen und Ubermillionen von Frauen— in allen Landern!— um ihre Männer und Söhne. Werden sie über- Haupt wiederkehren? Und wenn ja, wie werden sie zugc- richtet sein?. �< Im stillen Kämmerlein aber sitzt da ein Landgraf und lernt Finnisch, damit er wenige Sätze in der Muttersprache der Finnen hersagen kann, wenn er sich ihnen über kurz oder lang als angestammter Landesvater vorstellen wird. Ganz offen heraus gesagt: es ist skandalös, daß der- g l e r ch e n üb e r h a u p t m ö g I i ch i st> Der Herr Land- gras geht freilich„auf eigene Rechnung und Gefahr" tn das Abenteuer— das Reich engagiert sich nicht für ihn.„weder jetzt, noch in Zukunft". So ist dem Schwager des Kaisers angeblich klar und deutlich in Berlin gesagt worden. Diese Erklärung ist aber offenbar ungenügend gewesen, denn sie hat den Fürsten von seiner Bereitwilligkeit, König von Finnland zu werden, nicht abgebracht. Es muß ganz un- zweideutig gesagt werden, daß es sich hier um mehr als um ein persönliches Abenteuer handelt, nämlich um den Anlaß zu einem neuen Bürgerkriege, dielleicht sogar zu neuem Weltenbrandl Die Finnen wollen nichts von Ihnen wissen. Herr Landgraf, lassen Sie sich das gesagt sein! Die Unglücks- raben, die Ihnen die Finnenkrone angeboten haben, haben das finnische Volk nicht hinter sich, sondern geschlossen gegen sich. Daß es die Reichsregicrung nicht verstanden hat, den Landgrafen von seinem Vorhaben abzubringen, zeugt nicht für klares Erkennen der politischen Situation, nicht, für entschlossene Tatkraft. Die Regierung hat es nicht auf einen Konflikt mit den Mächten ankommen lassen wollen, die den Handel mit Herzogshüten eröffnet und die Königs-Tragi- komödie eingefädelt haben. Nun wird sie, wenn nicht alle Anzeichen trugen, den Konflikt mit anderen Stellen auSzn- fechten haben. Diese mit Betriebsamkeit zu etablierenden Thrönchen, der Handel mit den Herzogshüten usw. hätten in unserer Regierung die heftigste Gegnerschaft finden müssen. Die Mehrheit des Reichstags wird hoffentlich keinen Zweifel darüber aufkommen lassen, wie gründlich sie den östlichen Mummenschanz verurteilt. Weder bei uns, noch im Osten wollen die Völker etwas wissen von Erweiterung der bestehenden oder gar von Errick- tung neuer Herrschaftsrechte: hier wie dort will man da- gegen die Volksrechte erweitern und sichern. Die Völker wollen ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen. Deshalb lvird das Selbstbestini- mungsrecht der Völker verlangt. Deshalb soll und muß— wie die Gleichheit vor dem Gesetz— auch die vollkommene politisch? Gleichberechtigung eingeführt werden. Meiches Wahlrecht I Das muß das Grundrecht aller Völker sein, also auch des preußischen Volkes l Uysere Regierung stellt das preußische Volk auf eine harte Probe. Im fünften Jahre tobt der blutige Krieg, in dem von allen Volksgenossen die gleichen Opfer verlangt werden und in den, das schaffende Volk, die Arbeiter, die Kleinbürger, die Kleinbauern und die Angestellten, die schwersten Opfer auch bringen. Trotzdem sieht die Regie- rung monatelang tatenlos zu, wie die preußischen Edelsten und Besten diese? wunderbar schaffende und duldende Volk geradezu verhöhnen. Es ist erstaunlich, mit wieviel Ver- ständnis für dynastische Aonderwiinsche und mit wieviel Verständnix für die Bedurfnisse Ler preußischen Privilegierten die Regierung operiert? aber es ist unbegreiflich, daß sie mit so wenig—.oder besser gesagt— ahne Verständnis den großen Massen des Volkes gegenübersteht. Ist denn die Regierung vollkommen mit Blindheit ge- schlagen? Was soll denn geschxhen. wenn die Entente unter keinen Umständen gewillt ist, Frieden mit uns zu machen? Wenn sie entschlossen ist, den Krieg selbst dann fortzusetzen, wenn a l'l e unsere Eroberungsschwäfeer als erledigt gelten können? Wenn kein Mensch mehr an dem entschlossenen Willen de? Reichstags zweifeln kann,«inen wirklichen all- genr einen VerständigungSfrieden ohne An- nerionen und Kontributionen, auf der Grundlage de? Selbst- bestimmungsrechts der Völker zu schließen? Was soll ge- schehen, wenn strotz der Bereitschaft der Zentralmächte, durch einen wirklich demokratischen Frieden dem Gemetzel ein Ende zu machen und durch Abrüstungs- und Bündnisverträge für alle Zukunft Kriegen vorzubeugen, die Entente den Frieden nicht will? WoS soll geschehen, wenn die Gegner unter keinen Umständen zu einem Frieden der Verständigung bereit sein sollten, weil sie uns niederzwingen wollen, um uns dann den F riechen, wie ihn ihre Gewaltpolitiker wün- schen, diktieren zu können? WaS dann? Dann kann eS doch nur eine? geben: die restlose Orga- mueruchg der nationalen Verteidigung, d. h. die Mobilisierung der letzten Kraft, die Ansehung deS letzten Hauches an die Verteidigung der Heimat! Dann wäre der Augenblick ge- kommen� in dem Jeder erkennen wird, daß es um Tod und Leben, um Ebre und Freiheit, um die Zukunft unseres Volkes, um das Schicksal Unserer Kinder und KindeSkinder- geht. Würde dann diese nationale Verteidigung organisiert werden können von einer Regierung/ die allen Konflikten mit Politik treibenden militärischen Stellen ängstlich vuS dem Wege gegangen ist? Die die von den Russen befreiten Polen, Litauer, Ktzrländer, Esten. Livländer und Finnen durch ihre kurzsichtige Politik geradezu gegen uns mobili- siert hat? Tie dem finnischen Königsspiel ebenso tatenlos zuschaute wie der Affenkomödie, die mit dem preußischen Wahlrecht getrieben wird? Ach, wir haben die� Einwände, warum man aus ver- sassungsrechtlichen und anderen Gründen und Erwägungen so und nicht anders Verfahren ist, bis zum Ueberdruß gehört. Unser ans tausend Wund.en.blutendes Volk, da? um'seine Existenz ringt, will aber nichts wissen von diesen Erwägpn- gen. Das Recht, das- für alle gleiche Recht liegt fonnenksar zutage, Man braucbt e? nur zu heben. Deshalb her damit! Je schneller es unser ist, um so eher wird auch der T,äg des Friedens kommen. Kein Mensch sollte darüber im Zweifel sein, daß das gleiche Wahlrecht in Preußen ein mächtiger Hebel für das Friedcnswerk ist.■ Die das gleiche Wabl-recht bisber hintertrieben haben, belasteten sich mit der gleichen Blutschuld, wie die Eroberungsschwätzer, die den feindlichen KriegShetzeyy immer wieder das Wasser auf die Mühlen leiteten. Daß.unstre„Eroberer" zumeist identisch sind mit den Wahlrechtsfeinden, ist kein Zufall. Den Einfluß dieser pripisegierten Volksfeinde endgültig zu brechen, ist ein dringendes Gebot der Stunde. Gegen öie Paßverweigerung. Die fortgesetzte Verweigerung von Päsien durch die alliierten Regierungen reizt endlich da?-EbrgefiihI der englischen und franzö» fischen Genossen. In der„Humamte* protestier« Paul Mistral sebr scharf gegen die Ententeregierungen, die sich gegenseitig die Ver« anrwortung siir di» Verweigerung von Pässen zuschieben und gegen jene chauvinistischen Parteigenossen, die ihre Regierungen in dieser Ablehnung noch beftärken. Mögen sich auch die Sozialisten nicht über die Opportunität der geplanten internationalen Konferenz einig sein, so gebührt et sich doch nicht, für dt« Regierungen der Entente sich in diesen Streit zu mischen und daZ Verlangen nach Pässen abzulehnen. Die, welche auf den Widerstand der Regie- run'gen rechnen öder den Vorwand für die Patzverweigerung liefern, begehen mehr als einen Akt der Disziplinlosigkeit, sie üben wirk- lichen Hochverrat an dem sozialistischen Proletariat.. ES ist schändisch. Sozialisten in diesem Feldzug mit den schlimmsten Ve- kämpiern des Sozialismus Hand in Hand gehen zu sehen. Der sranzösisch« Parteitag und d.ie Konferenz der interalliierten Sozialisten werde da-u beweisen haben, ob sie wirklich geeignete Mittel wählen wollen, um sich bei ihren Regierungen in gehörigen Respekt zn setzen. DaS gilt auch in der Frage der vccmtwertung der österreiHtschen Röte. Der Konßreß öer Seiue-Zö'üeration. �«nf GruPtzen»eS französischen Sozialismns. p. Bern, 18. September.(Gig. Drahkbericht deS„Vorwärts".) Der Beginn deS Kongresses d�er Seinefeberation, der am Sonntag stattfand, zeigte fünf Strömungen, die Varenne- gruppe, die Linksmehrheit, das Zentrum unter Renaudel und Thomas, welchem S e mll a t beitrat, die L o n g u e t- gruppe und die Zimmerwalder. Renaudel und Thomas legten eine Resolution vor, welche in der Frage der Internationale Zugeständnisse macht und der Regierung' scharf opponiert. M a y e r,a s griff heftig Thomas als Krieg sv erlange- r e r an. Thomas verteidigte mit Leidenschast die Teilnahme an der Landesverteidigung uiid wies den Vorwurf, zurück, fcgß er auf seiner Rußlandreife vor der Revolution antisozialistischc Arbeit verrichtete.__ Schweizer Stimmen zur Zrieüensaktion. Fühlungnahme vor der Note? Sern, 17. September.(Eig. Drahtbericht deS�„vorwärts".) Die„Reue Züri-cher Zeitunig" schreibt:„Dm An- schauungen vom Strafgericht, von d'cr Ausrottung des Militaris- muS, von der Vesreiung unterdrückter Völker steht immer noch keine Tat cntgegcn�die sie zu entkräften vermöchte. Dem Brest« r Frieden wurden �Zusatzverträge hinzugefügt, neue Throne sollen verteilt werden, von der Neuordnung Oesterreich? ist noch nicht« sichrbar, die preußische 25 a h l r e ch t S v o r la g« wird bon dm herrschenden Parteien grausam entstellt. Dazu kommt, daß man in Frankreich jetzt außer der Herstellung Belgiens und der Rückgabe de» Elsaß sowie der Revision der Friedensverträge dürfe die Hoffnung auf Verständigung nicht aufgegeben werden. Heute fei die L a ge a n d e r s als bei dem Angelbot vom 12. Dezember 1916, da Wilson jetzt nicht Neutraler, sondern Beteiligter ist. 1916, da Wilson jetzt nicht Neutraler, sondern Beteiligter ist. Auf ihn blicken Millionm mit banger Sorge. Auch in Amerika erhobt sich die Gefahr des Irrglaubens an militärische Lösungen. Der Artikel schließt:„Weist trotzdem die Allgemeinlage auf eine sofortige Lösung hin? Besitzen die Alliierten nicht schon Mittel, womit ein gerechter Frieden durch Verhandlungen zu erlangen wäre?" Die„B e r n e r Tagwacht" schreibt:„Es handelt sich keines- wegS um konkrete Friedensvorschläge, sondern nur um einen Weg zu Verhandlungen. Einer materiellen Diskussion des Friedensproblems weicht die österreichische Note aus. Die Forde- rung vertraulicher Verhandlungen legt die Befürchtung nahe, daß der Friede abermals über die Köpfe der Völker hinweg ge- schloffen wird. Tatfächlich scheiterten bisherige Friedensversuchs nicht an der Form, sondern an'den imperialistischen Bestrebimgen beider Seiten und an den Wechselfällen der militärischen Lage. Daß e? O e st« r r e i ch mit s e i'n e r Anregung ernst ist, steht außer Zweifel. Daß sie im Einvernehmen mit Deutschland geschieht, Itegt auf der Hand. Ob dem Schritte Oesterreichs e i n FühlungnehmeninEntentekreisenvoranging.ist die Frage. Was man indessen in gewissen Milieus schon vor Wochen hörte, deutet auf ein Fühlung- nehmen beider Mächtegruppen hin, wobei die Schweiz nicht ganz unbeteiligt ist. Die interalliierte firbeiterkonferenz. London, 17. September.(Reuter.) Der Vorsitzende der inter- alliierten Arbeiierkonkerenz erklärte, daß die Anwesenden durch ihr Erscheinen nicht für einen Frieden um jeden Preis eintreten, noch, der Niederlage tn�ie Hand arbeiten wollten, son« der« daß sie einen ehrenvollen und dauerhaften Frieden verlangten. Ueber den österreichischen Borschlag sagte der Vorsitzende, eS sei die Pflicht der Anwesenden, jeden Weg zum Frieden zu untersuchen. KerenSki wurde ein Platz auf der Vorstandsttibüne eingeräumt. 'Henderson teilte mit, daß hie russischen Abgeordneten nicht erschienen seien> aber B a I f o u r habe wissen lassen, daß sie Pässe bekommen hätten, damit sie mit dem nächsten Schiff der Admiralität Bergen verlassen könnten. Henderson las ein Telegramm der russischen Delegierten vor, das die Aufmerksamkeit auf die unaussprechliche Not- läge deS russischen Volke? unter der bolsche- w istischen Regierung richtet und die westlichen Länder er- sucht, Kommissionen nach Nußland zu schicken, um die Politik der Sowjetregierung zu untersuchen. Der Vorsitzende fügte hinzu, daß die Konferenz der Ansicht ist, daß eine Mission nach Rußland gehen soll. Demonstration öer Hegenrevolutionäre. Zusammenkunft in Ufa. London, 16. September.(Reuter.)„Daikh Mail" erfährt aus Wladiwostok vom 14. September, daß das erste direkte Telegramm aus Ufa heute hier eingetroffen ist. In diesem teilte der frühere Minister im Kabinett Kcrenski Afksentiew dem alliierten Befehlshaber mit, daß die Kosakenführer aus den Distrikten Schutsk, Astrachan, Orenburg, Semir Tschcntschensko mit den Tataren in Ufa eine Zusammen- kunft abgehalten haben. Abgeordnete der gesamtrussischen konstit'uierenden Versammlung, Vertreter der Städte in Sibirien und im Wolgadistrikt ebenso wie die Regierung vom Ural und Estland waren anwesend. Der Zweck der Konferenz war die Bildung einer Regierung für Rußland. * Daß die Gegenrevolutionäre jetzi mit äußerstem Hochdruck auf die Stimmung in Rußland zu wirken oewillt sind, zeigt eine Ver- s am m l fl n g von„M i t g l i e d e r n der Reichsduma und des Reichsrates des früheren russischen Kaiserreiches, die in Kiew stattgefunden hat, um die Frage zu beraten, in welcher Weise der Terror in Rußland zu bekämpf en ist. An der Beratung nahmen etwa 46 Politiker teil von der äußersten Rechten, der Rechten, den Oktobristen und Kadetten. Den Vorsitz führt« Graf Alexis B o b vi n s k y. Die Versammlung beschloß, eine Protesterklärung an alle Länder Europas zu richten. Das Zentralkomitee der ukrainischen Kooperativverbände hat dem deutschen Botschafter Freiherrn v. Mumm einen Protest über- reicht gegen die von der Sowjetregierung begangenen Greueltaten. * London, 18. September.(Reuter.)„Times" erfährt aus Wla- diwostok vom 18. September, daß General S y r o t y alle Tscheche- slowaken und die mit ihnen verbundenen Russen befehligt. Unter ihm steht Oberst C e c i h im Westen und Oberst Saida im Osten. Die Tschechoslowskrn sind Herren der Eisenbohnzone; sie mtterhal- ten Beziehungen zu der sibirischen Regierung, der der Kosaken- general Iwanow angehört. Durch den tschechischen Sieg bei Kiachta ist die Lage am Wege nach Urga vcvbeffert. Wie die„Times" vom 11. September aus Peking erfährt, hat die Regierung in Peking befohlen, daß alle Kriegsgefangenen und Bolschewiki, d i über die Grenze kamen, entwaffnet werden muffen. Moskau, 17. September. Nach der„Jswestija" vom 17. Scp- tember verspricht Trotzki in einem Aufruf an die Tschcchoslowaken allen, die sich freiwillig ergeben, Begnadigung und die Mög- lichkeit, in Rußland wie alle übrigen Bürger zu leben. Petersburg, 16. September. Die„Prawdä" bringt Berichte geflohener Arbeiter aus den von der Entente besetzten Nord- gebieten. Danach wunde in der Nacht vom b. zum 6. September die o'berste V e r w a l tu n g"v e rh a fte t. In der Stadt und auf der Eisenbahn begannen Streiks. Unter den amerikanischen Truppen befinden sich russische Emigranken. Petersburg, 17. September. Mit General Kuropatkin wurde General Seleny in Wilikija Luki verhaftet. Saku den Engländern entriß en� Konstantinopcl, 16. September. Nach hier eingegangenen Nach- richten hatte sich in den letzten Tagen die Zahl der au??!ordperfien nach Baku gekommenen Engländer auf mehrere Tausend vermehrt. Sie hotten die Söwjet-Regierung vertrieben mW eine sozial- revolutionäre Verwaltung eingesetzt. Um sie zu vertreiben, gingen tatarische Frei scharen ausKaukasisch-Aserbeid- schon gegen Baku vor. Nach hartem Kampfe gelang es ihnen, die Engländer zu besiegen und die Stadt zu besetzen. Die neuen großen Angriffe im Westen. Berlin, 18. September.(MTB) Tie fortgesetztrn englischen Mißerfolges, an der Cambraifront von Moeuvre bis Spchp haben nur zu cinrr vorläufigen Einstellung der englischen Angriffe ge- führt. Räch einer Pause von 2 Tagen setzte ein neuer großer An- grfff von Havrincourt bis Holnon ein. Tie Hartnäckigkeit, mit welcher die Engländer hier immer wieder angreifen, erklärt sich, ganz abgesehen von Fachs strategischen Plänen, die noch immer auf den Durchbruch zwischen Eambrai und St. Qucntin abzuzielen scheinen, aus der Tatsache, daß die Deutschen vor der Sieg- fricdstellung überall noch die ehemaligen englischen Stcllun- gen halten, so daß die Eogl'ändcr genötigt sind, sich im Feuer der deutschen Artillerie in dem verwüsteten, von allen Hilfsmitteln ent- bläßten Gelände neue Ausgangsstellungen zu schaffen, falls eS ihnen nicht gelingt, sich in den Besitz ihrer alten Stellungen zu setzen. Die gleichen Erwägungen mögen zu der Neuaufnahme der Angriffe im Abschnitt von St. Qucntin geführt haben. Am 17. September setzte um 5 Uhr 36 Minuten vormittggs zwischen Qmignonbach und Somme starkes Feuer ein, dem heftige Angriffe beiderseits Holnon folgten, die im Gegenstoß zurückgeworfen wurden. Gefangene wurden ciogcbracht. Des- gleichen scheiterten weitere Rugriffc um 9 Uhr 30 Miy. südlich Holnon, sowie am Nachmittag nördlich de Holnonwaldes, bei denen ein vorgehendes feindliches Bataillon durch zusammengefaßtes Feuer in seine Ausgangsstellung zurückgetrieben wurde, und ebenso Borstöße gegen E s s i g n V— L c g r a n d. Tie französischen Angriffe zwischen Ailettr und A i s n e dauern an. Nachdem am Bormittage des 17. alle Per- suche der Franzosen gescheitert waren, dix zwei Tage vorher unter schwersten Opfern erzielte Einbuchtung in der deutschen Front bei A l e r a n t z» verbreitern, gingen die Franzosen am Nachmtttagc mit frischen Kräften unter Einsätz von Tanks auf der ganzen Front zum Angriff vor. Anfänglich gewannen die Franzosen in Rich- tung auf Piro« Raum, wurden aber im Gegenstoß wieder zurück- geworfen. Deutsche Feldbattcrien fuhren offen auf, setzten zahlreiche Tank? außer Gefecht und zwangen im Verein mit den Maschinen- gewchrcn der Infanterie die französischen Sturmwcllen zur Umkehr. Zwischen Maas und Mosel fühlen sich hie Amerikaner trotz aller großsprecherischen Behauptungen über Fortsetzung de? Vormarsches und noch zu erwartenden großen Ereign'isseu nur vor- sichtig an die neuen deutschen Stellunpen heran. Die Verhältnis- mäßige Ruhe hier wie an den übrigen Fronten darf jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, daß die gesamte Westfront nach wie vor unter Hochspannung stoht. Ter letzte Lnftangriff auf Paris. Bern, 17. September.„Progres de Lyon" meldet aus Paris: Der letzte Luftangriff auf Paris hfrt großen Schaden angerichtet. Häuser, auf welche Brandbomben fielxn, sind in der Mehrzahl eingeäschert. Die neuen Brandbomben, die die Deutschen verwenden, haben furchtbare Durchschlags- und Spreng- kraft. Das Blatt meldet. fünf Tote und ungefähr zehn Verwün- dete. Der ganze Angriff war außerordentlich hefttg. Mehrere Flug staffeln durchflogen in Abständen von wenigen Minuten das Sperrfeuer und warfen den Andeutungen der Pariser Blätter zu- folge ziemlich über das ganze Pariser Gebiet Bomben ab. DaS französische Abwehrfeuer'soll außerordentlich hefttg gewesen sein. Einer der abgeschossenen deutschen Flieger ist der Kavallerieoffizieu Leutnant von OleariuS. Der österreichische Bericht. Wien, 18. September. Amtlich wird tzerlautbart: Italienischer Kriegsschauplatz. Der Italiener setzte seine Anstrengungen zur Besitznahme unserer Stellungeti im Gebiete des Monte Perticn fort Das Ziel seiner gestrige», von heftigem Artillerie- und Mincu- fcuer begleiteten Angriffe bildete der T a s s o n- R ü ck e n, gegen den er fünfmal Sturm lief. Ter Feind wurde jedesmal in er- bittertcn NahtSmpfen zurückgeschlagc». Am Monte Tomba und Monte Solarolo wurden feindliche Annäherung-?- versuche vereitelt. Auf der Hochfläche östlich Asiago zcitz weise schwere Artilleriekämpsc. Zahlreiche feindliche Flieger hade» auf mehrere Orte hinter der Piavefrout und im Etschtal Bomben abgeworfen, ohne nennenswerten Schaden anzurichten. Albanien. Ein Tsilangriff der Italiener entlang der Küste wurde ab- gewiesen. Auf dem Höhenrücken südwestlich von B e r a t, wo wir unsere Linien südwärts vorgeschoben' haben, wurden feindliche Gegenangriffe zurückgeschlagen. Westlicher Kriegsschauplatz. Bei den k. und k. Truppen nichts von Belang. Der Chef des Generalstabe?. Die feinüliche Gffensive in Nazeüorn'en. An der mazedonischen Front find Sonntag heftige Kämpfe entbrannt. Am ersten Tage gelang den Ententetruppen ein An- griff, der eine neue Frontstellung der Bulgaren bedingte. Die Kämpfe, in die auch deutsche Truppen eingegriffen haben, dauern an. Sofia, 1-7. September. Generalstabsbericht vom 16. September. Mazedonische Front: Nach kurzer Artillerievorbereitung griffen tlalienische Einheiten unsere Stellungen östlich der Höhe lOSl) an. wurden aber durch Feuer zurückgeschlagen. Vom Dorfe' Gradesch mitza biS'znm Berg Jojouh fanden hartnäckige Jnfanteriekämpfe während de? ganzen TageS der unseren neuen Stellungen statt. Unsere Einheiten wiesen, durch Feuer beträchtliche feindliche Kräfte zum Teil nach Nahkamps zurück. Wiederholte Stürme' beträchtlicher feindlicher Kräfte östlich von Gradeschnitza, nördlich von Ä'o b r o p o l.j e nnö beim Dorfe ZborSIo, wobei sie ihnen schwere Verluste zufügten. Südlich von Gewgbeli wurden englische ErlundüngSabteilungen durch Feuer zerstreut. Bei Dojran war daS Artillerieseuer auf beiden Seiten ziem- lich heftig. Mehrere englische ErlundungSabteilungen, die sich unserer südlich von Dojran vorgeschobenen Stellung näherten, wurden verjagt. Französischer Oricntbericht vom 16. September. Die am 15. September an der mazedonischen Front eingeleiteten Operationen wurden am 16. mit vollem Erfolg fortgesetzt. Zuerst wurde die am 15. an, der Front Solol— Dobropolje— V e t r e- n i i geschlagene Bresche nach Westen und Osten erweitert, sie umfaßt gegenwärtig eine Front von über 25 Kilometer und hat eine Tiefe von 7 Kilometer erreicht. Westlich vom S o k o l haben die serbiskben Divisionen die befestigte Zone zwischen Gradescbnitza und dem Solol genommen und de» Fluß Gradeschnitza über- schritten, wobei sie die� von den Flugzeugen der Alliierten mit Maschinengewebrfeuer beschaffenen semdlichen Abteilungen in Unordnung über die Brücke von Razin Bey zurücktrieben. Oestlich vom Vetrenik haben sich die alliierten Streilkräfte de? Massivs deS ChleS und des Golo Bilos sowie der Verteidigungsanlagen von Zborko bemächtigt. Anderwärts nahm unter Ausnutzung deS An- fangserfolgeS eine Jugoslawische Division am 16. mit glänzendem Schwung das Masiv des Kosiak, die. zweite feindliche Stellung und einen die Gegend überragenden Punkt. Insgesamt sind an den beiden ersten Opcralionstagen über 4900 Gefangene, darunter ein Oberst mit seinem Stab/ über 30 Geschütze, zahlreiche Minenwerfer und Maschinengewehre uyd eine beträchtliche sonstige Beute in unsere Hände gefallen. Die Offensivhandlungen dauern an. Hr. 25$ 4 Z5. Jahrgang Heilage öes vorwärts Vonnerstag, 1 9. September 1$ M öen Spuren öes Schleich- hanöels. Wieniel ist schon gegen den Schleichhandel geredet und ge- schrieben worden! Aber, was ist gegen ihn geschehen? Allen Beschwörungen zum Trotz breitet sich dieses Volksunheil aus wie die Wasserpest. Ruhige Beobachter sind der Meinung, das; die Menge der im Schleichhandel zirkulierenden'Waren jener des regulären Handels mindestens schon ziemlich nahekommt. Trotz aller Knappheit gibt es wohl kein Nahrungsmittel, keinen für den täglichen Gebrauch bestimmten Bedarfsartikel, der im Schleichhandel nicht zu haben ist. Nicht nur der Konsument ist es, der sich des Schleichhändlers bedient, um iiber die rationierten Mengen hinaus Nahrungs- und Genußmittel zu ergattern. Die Spatzen pfeifen es von den Dächern, daß so mancher Unternehmer die Fabrikation seiner Waren dank dem Schleichhandel mit Rohstoffen ermög- licht. Man kann, ohne in den Verdacht der Uebertreibung zu kommen, sagen, daß zurzeit etwa jeder Mensch ein Schleich- Händler ist, jeder Volksgenosse sich des Schleichhandels de- dient. Auf dem Lande und in der Stadt, in Fabriken und Bauernstuben, in Werkstätten, Bureaus und Läden, kurz über- all, wo Menschen zusammenkommen, werden Waren zu wucheri- schen Preisen angeboten und gekauft. Mit der Dauer des Krieges haben sich im Schleichhandel jeweils geltende feste Marktpreise herausgebildet, deren Kurve freilich dauernd nach oben steigt. Während noch vor etwa einem halben Jahre in Berlin B u t t e r im Schleichhandel zu 10— 12 M. gehandelt wurde, ist heute der ortsübliche Preis 20— 22 M. Mehl kostet zurzeit 3—4 M., Zucker 4—4,50 Markdas Pfund. Rindfleisch kann man auch in den fleischlosen Wochen für 8 M., Kalbfleisch schon für 7,50 M. haben, während das fettreichere Schweinefleisch erst für 12— 14 M. pro Pfund zu erstehen ist. Wer aber selbst heute noch zum Vegetarismus schwört, kann sich mit Eiern, die pro Stück 80 Pf. bis 1 M. k o st e n, einige besondere Nährwerte zuführen. Kauft jemand heute eine Brotkarte für 2 M., so wird er allgemein als ein Glückspilz angesehen, der für billiges Geld ein Schlemmerlebcn zu führen versteht. Ist doch der zurzeit gültige Tarif für eine Brotkarte 3,50— 4 M., ja, es ist keine Seltenheit, daß bei der knappen legalen Brotration 6 und 7 M. verlangt und gezahlt werden. Tie Binsenwahrheit für Geld ist alles zu haben! gilt heute mehr denn je. Seien es Räucherwaren, Fische, Käse, Obst oder andere Leckerbissen, die der gewöhnliche Sterbliche mehr oder weniger nur noch von; Hörensagen kennt, weil diese Nahrungsmittel aus dem öffentlichen Handel so gut wie ver- schwunden sind, beim Schleichhändler sind sie immer noch zu haben. Und daher kann man sich in den sogenannten besseren Restaurants mit diesen Sachen seinen Gumen kitzeln. Wer 5 M. und darüber für eine kleine Portion Hecht oder Karpfen anlegen kann oder im Restaurant für 10 M. 50 Pf. seine Portion Räucheraal verzehrt, braucht sich um fleischlose Wochen nicht zu grämen und sieht unbewegt auf die Frauen, die sich stunden- lang vorher anstellen, um ein paar trockene Kriegsheringe zu erstehen, und schließlich klagend abziehen müssen, weil die Ware nicht zulangte. Man muß heute leider sagen, daß nach den bisherigen Er- fahrungen diese Zustände noch lange nicht auf dem Höhepunkt angelangt sind. Trotz aller behördlichen Versicherungen, daß man sich bemühe, dem illegalen Handel das Lebenslicht auszu- blasen, ist bisher nur erreicht worden, daß der Lebensmittel- Wucher immer größere Dimensionen angenommen hat, daß immer weitere Kreise vom Schleichhandel erfaßt wurden. Für die weitere Dauer des Krieges ist, wenn die Bekämpfung des Schleichhandels sich in den gleichen Bahnen bewegt, wie bisher, mit Sidjerheit.eine weitere Zunahme des Schleichhandels, eine immer größer werdende Auspowerung des Volkes zu erwarten. Was geschieht dagegen? Man hört wohl ab und zu, daß irgendein kleiner Schieber wegen Kriegswuchers verurteilt wird. Aber all die ungeheuren Mengen, die im Schleichhandel vertrieben werden, entstammen doch der l a n d w i r t s ch a f t- l i ch e n Produktion, sie sind durch gewissenlose Manöver der öffentlichen Erfassung entzogen worden. Und der Schleich- Handel selbst— von dem ein Ironiker gesagt hat, er sei die ein- zige kriegswirtschaftliche Organisation, die sich voll bewährt habe — ist längst aus den Niederungen kleinhändlerischer Schieberei zu einem großkapitalistischen Gewerbe emporgestiegen, in dem Milliarden umgesetzt und„verdient" werden. Verfolgt man die gerichtliche Behandlung der Kriegswucherfälle in der Presse, so denkt man unwillkürlich an das Sprichwort von den kleinen Dieben, die man hängt, während man die großen lausen läßt.» Man hat wohl von einigen hoffnungslosen Versuchen ge- lesen, Gemeindeverwaltungen zu verfolgen, die in ehrlicher Für- sorge für die ihnen anvertraute Bevölkerung ungeheure Lebens- mittelmengen zu Wucherpreisen aufkauften, weil sie sich anders nicht mehr zu helfen wußten, hat aber in keineni Falle gehört, daß die in diesen Handel verwickelten Schleichgrossisten gefaßt worden wären. Wenn irgendeine alte Frau ermordet wird, die gewiß herzlichstes Mitleid verdient, liest man sofort, daß die Polizei„fieberhast tätig" sei, um auf die Spur des Mörders zu gelangen. Ter Schleichhandel droht ein ganzes V o l k zu morden, aber das Auge des Gesetzes bleibt ihm gegen- über blmd, sein Arm schlaff. Der Krieg droht das deutsche Volk als ein Volk von Bettkern und Millionären zurückzulassen. Was aber dann früher oder später kommen muß, ist' nicht schwer zu er- raten._ GroßSerlm Neberall ist Schmalhans Küchenmeister. Dss Körpergewicht eine» Menschen sagt noch nicht« über seinen Gesundheitszustand, und aus einer Zu« oder Abnahme feines Körper- gewichte» braucht nicht ohne weiteres auf eine Besserung oder Ber- schlechterung des Gesundheiiszustandes geschlossen zu werden. Für H-il- und Pflegcanstalten sind aber solche Feststellungen doch von einiger Bedeutung, und mit Recht gilt dort die Zu- oder Abnahme deS Gewichtes als ein beachtenswerter Gradmesser für den Erfolg des Snstallsaufenthaltes und der Heilbehandlung. In den Heim- statten der Stadt Berlin wird regelmätzig das Gewicht der Pfleg- linge ermittelt, auch enthalten die Jahresberichte gewöhnlich� die Ergebnisse für die einzelnen Heimstätten,»er erst vor kurzem� erschienene Bericht über da? Verwaltungsjahr 1816/17(1. April 1916 bis 81. März 1917) bringt in dem Abschnitt über die teimstätte Buch für lungenkranke Männer eine vergleichende usammenstellung der Gewichtsermittelung aus den letzten Jahren und hebt hervor, daß diesmal die Gewicht!« zunähme.erheblich geringer alS in früheren Jahren" waren. Die durchschnittliche Zunahme belies sich in 1913/14 auf 4,85 Kilogramm, in 1914/15 auf 4,41 Kilogramm, in 1915/16 auf 4,3 Kilogramm, in 1916/17 auf nur noch 3,2 Kilo« gramm. Im Jahre 1916/17 war die Gewichtszunahme um ein volle» Drittel geringer als in 1913/14, dem letzten Jahre vor dem Kriege. Man kann die Verschlechterung nicht daraus erklären, daß etwa jetzt den Pfleglingen ein kürzerer Aufenthalt in den Heim« statten gewährt würde als früher. Der Bericht über Buch stellt fest, daß dort in 1916/17 die Aufenthaltsdauer mit durchschnittlich 72>/z Tagen erheblich länger als in früheren Jahren war. Anderer« i Zdöposfc/lboimenten � wer öas Abonnement auf öen»vor- wärts" noch nicht erneuert hat, muß sofort 2,— M. an öen vorwärts-verlag G. m. b. h., Serlin SV, Linöenstr. 3, oöer an öie bekannten ftusgabeftellen einsenden, um sich öie pünktliche weiter- lieferung für Monat Oktober zu sichern. seit« braucht man in dem Nachlassen der Gewichtszunahme auch kein Zeichen des Mißerfolge? der Heimstätten zu sehen. DaS Ergebnis ist kein Wunder in einer Zeit, wo wohl die meisten Leute leichter werden. ES zeigt aber auch, daß die Heimstätteninsassen gewiß nicht im Fett schwimmen. Die ihnen bewilligten Zusatznahrungs- mittel sind so spärlich, daß ihre Kost fich nicht viel von der der Gesunden unterscheidet._ Landaufenthalt für Stadtkinder. Der im„Vorwärts"(Nr. 186) veröffentlichte Artikel über«die Verpflegmig eines Neuköllner KindeS in dem Dorfe Well- m i tz bei Gruben hat die Wirkung gehabt, daß die darin erwähnte Frau M. aus Wellmitz durch den dortigen Pfarrer vernommen wurde. Eine Erklärung der Frau M., vermutlich im Wortlaut sich deckend mit dem an das LandratSamt in Guben übersandten Ver- nehmumgsprotokoll, ist uns jetzt im Wortlaut mitgeteilt worden. Sie ergibt, daß Frau M. die im„Vorwärts" wiedergegebene Schil- derung in einzelnen Punkten bestreitet. Der Inhalt ihrer Erwiderung ist folgender: Die dem Mäid- chen zum zweiten Frühstück und zum Vesper geschnittenen Stullen waren nicht dünn,„wie es /meint die Frau) auf dem Dorfe über- Haupt keine dünnen Stullen gibt". Als Aufstrich bekam das Mäd- chen nicht bloß Mus, sondern auch Butter. Zu Mittag gab eS Rührkartoffeln oder Brühkartoffeln, aber nie Kartoffelsuppe, noch viel weniger eine wässigere. Fleisch gab es nicht dreimal, sondern nur zweimal in jeder Woche, weil Frau M. selber Fleischmarken bezieht. Am Sonntag war die Kost eine andere: Salzkartoffeln oder Klöße. Besonderen Tisch hatte Frau M. für sich und ihren Sohn nie; sie aßen alle zusammen in der Küche, wie eS dort in allen Wirtschaften üblich ist. Frau M. legte auch Wert auf die Zeitpunkt« der Mahlzeiten. Ueber die Arbeitshilfe sagt Frau M., von schwerer Landarbeit könne keine Rede sein. Das Mächen habe nie Kartoffeln gehackt, nie Unkraut gejätet, sondern auf der Dorf- aue mit anderen Kindern in der freien Zeit gespielt. Das Reibe- machen könne höchstens auf das Abwaschen des Geschirres bezogen werden; Stuben habe das Kind nicht reingemacht. Wir hatten die Notiz einer ZeitungSkorrefpondenz entnommen und wollen jetzt nach eigenen Feststellungen dazu folgendes be- merken: DaS Mädchen hielt die Stullen nicht für dick. Ob man auf dem Dorf dünne Stullen überhaupt nicht schneidet, bleibe da- hingestellt. Daß„bloß" Mus als Aufftrich verwendet wurde, ist im„Vorwärts" nicht gesagt. Die Verwechslung der Brühkartof'- feln mit„Kartoffelsuppe" läßt vermuten, daß die Flüssigkeitsbei- gäbe nicht gering war. Bezüglich des Fleisches zeigt die Darstel- lung der Frau, daß in dietem Punkte der ,.VorVärtK"artikel zu günstig geschildert hat. Von Reinigung der Stuben stcbt auch in dem„Vorwärts"artikel nichts. Frau M. wird nicht in Abrede stellen können, daß sie da? Mädchen mit aufs Feld gehen hieß. Dort wurde eS von der Magd dazu angehalten, Kartoffeln zu „häufeln" und Unkraut zu beseitigen. Wußte das die Frau nicht? Angehörige des Kindes haben die Beköstigung als„Hunger- kost" bezeichnen zu müssen geglaubt. Es ist zuzugeben, daß sie sich da im Ausdruck vergriffen haben, DaS Mädchen ist aber wegen der Klage über die Beköstigung vorzeitig durch die Mutter nach Hause zurückgerufen worden. Bon den anderen aus Wellmitz vor- zeitig abgereisten Kindern versichert der Pfarrer, daß sie nur Heim- weh hatten. Eine Absicht, durch Veröffentlichung des Artikel» die Frau M. oder andere Einwohner von Wellmitz zu kränken, lag uns fern. Der Zweck war, auf die Schattenseiten des Landaufenthalt» der Stadtkinder hinzuweisen. Es ist allerdings ein Irrtum, daß die Verschickung der Stadtkinder aufs Land als eine Wohltat an- zusehen sei. Auch da gilt der Satz, daß eine Hand die andere wäscht._ Vcrwaltungsordnnng und Elternbeiräte für höhere Schulen. Unter dem Vorsitz des Unterrichtsministers Dr. Schmidt fand im Kultusministerium eine Besprechung zwischen den Ver« tretern des Ministeriums, der Provinzial-Schulkollegien, des Preußi- schen Städtetages und der Oberlehrerschaft über die im Entwurf vorgelegte einheitliche Verwaltungsordnung für städti- fche höhere Schulen und über die Bildung von Eltern« beträten für staatliche und städtische höhere Schulen statt. An Stelle der bisherigen Kuratorien und Deputationen für die äußeren An- gelegenheiten der städtischen höheren Schulen sieht die neue Ver- waltungkordnung SchulauSschüsse vor, die als Beauftragte des Staates auch die inneren Verhältnifle der Schulen ordnen sollen. Die Leiter der städtischen höheren Schulen sind verpflichtet, alle Anordnungen des Vorsitzenden des Schulausschusses auf Grund der Verwaltungsordnung auszuführen, doch ist dadurch kein Vor- gesetztenverhältnis zu den Direktoren der Schulen geschaffen. Die Einrichtung von Elternbeiräten für alle, auch die staatlichen höheren Schulen, durch die den Eltern die Möglichkeit zu einer Aussprache mit den Schulleitern und der Oberlehrerschaft gegeben werden soll, wurde einstimmig angenommen. Erhöhung der Margarinepreise? Do? Kriegsernährungsamt schreibt: Der Vertrieb der Margarine an das Publikum hat den Kommunalverbänden, insbesondere den Städten mit großer Einwohnerzahl, bisher deshalb besondere und steigende Kosten verursachr, weil nicht, wie bei anderen NahrungS« Mitteln, die gesetzliche Möglichkit gegeben war, die durch die Ver«, teilung an die Groß» und Kleinhändler und den Verkauf durch dies« an die Bevölkerung entstehenden Kosten durch ausreichende Zuschläge zu dem Herstellerpreise zu decken. Durch wiederholte Ein« gaben auS Handelskreisen von einzelnen Kommunen sowie von kommunalen Verbänden ist auf diesen Mißstand hingewiesen und darüber geklagt worden, daß mit den bestehenden geringen Zu- schlügen nicht auszukommen sei. Dieser Mißstand könne nur da- durch beseitigt werden, daß die Möglichkeit geschaffen werde, gleiche Zuschläge wie bei der Butter zu er- heben. Diesen Wünschen trägt eine jetzt erlassene Verordnung des KriegSernährungsamts Rechnung, wonach für die Margarine hinsichtlich der Zuschläge von jetzt ab die gleichen Vorschriften wie bei der Butter gelten sollen. Da die Margarine in gleicher Weise und durch die gleichen Stellen und Händler wie die Butter ver- trieben wird, so erscheint diese Regelung als gerechtfertigt. Bei der zunehmenden Knappheit an Butter infolge verminderter Produktion wird die Margarine für die Fetlversorgung der Bevölkerung wachsende Bedeutung gewinnen. Die Steigerung der Oelgewinnung ermöglicht glücklicherweise eine vermehrte Fabrikation von'Marga- rine. Ob und inwieweit der bisberige, im Verhältnis zu anderen Nahrungsmitteln sehr niedrige Preis der Margarine wird bei- behalten werden können, ist eine Frage, die zurzeit noch nicht spruch- reif ist. Sie wird erst entschieden werden können, wenn das Er- gebniS der diesjährigen Oelfruchternte und ihre Verwendung sich mit Bestimmtheit übersehen läßt. Berliner Lebensmittel. Bis auf weiteres werden aus die roten„A I"«Karten 1 Liter, auf die lila ,AII"«Karten'/«Liter, auf die blauen.S"-Karten l/, Liter und auf die braunen„O'-Karten 1/A Liter Vollmilch ausgegeben. Auf Krankenkarten und Sonderkarten ist die aufgedruckte Menge voll zu verabfolgen. Bis Sonnabend, den 21. September, wird an diejenigen Kunden, die in die Speisefettkundenlisten der in den Bezirken der 34.-83., 40.-43.. 52.-56., 53.— 6l.. 76,, 178., 179., 197., 223. und 228. Brot« kommission gelegenen Geschäfte eingetragen sind, pro Kopf 1 Stück dänischer Weichkäse /Gervaismasse) oder 125 Gramm anderer Art verteilt._ Die verpönten„Ledersohlen". Welche Kleidungsstücke bezugicheinfrei sind und welche nicht, darüber bestehen noch manche Unklarheiten. Bei einem Schuhkauf hat eine ihr Recht suchende Käuferin schließlich die ReichSftelle für Schuhversorgung angerufen, um eine zuverlässige Entscheidung her- beizufübren. Zu einem Paar warmer Hausschuhe mir dünner Ledersohle. die sie für die kältere Jahreszeit brauchte, glaubte sie einen Bezugschein nötig zu haben. Bon einer Berliner Bezugschein- stelle erhielt sie einen sogenannten Sonder-Schuhbedarfsschein, wie er für leichtes Schuhwerk ausgegeben wurde, das noch vor dem Oktober 1916 angefertigt worden war. Man hat von solchen Scheinen gewöhnlich keinen Nutzen, weil es schon lange kaum noch möglicb ist. Lederschuhwerk dieser Art zu erhalten. Auch in dem vorliegenden Fall war der Schein wertlos, denn nachdem die Kauflustige in etwa zwanzig Geschäften vergeblich nach den gewünschten Schuhen ge« sucht und dann endlich etwa« Geeignetes entdeckt hatte, mußte sie sich sagen lasten, daß sür solche Schuhe der Sonderschein gar nicht gilt. Sie trug das auf der Bezugscheinstelle vor und bat um einen anderen Schein, aber dort wußten sie eS besser und erklärten, das Geschäft müsse die Hausschuhe auf den Sonderschein geben. � Also wieder zurück zu dem Geschäft! Doch hier blieb man dabei, daß auf solche Scheine nur jenes vor Oktober 1916 angefertigte Schuh« werk gegeben werden darf, und zur Bekräftigung wurden der Zweifelnden die Bestimmungen vorgewiesen. AIS sie sich daraufhin an die Bekleidungsstelle des Berliner MagistralS wandte, belehrte sie der Leiter des Bureaus, für Hausschuhe kenne man überhaupt keinen Bezugschein, da kämen außer jenen Sonderscheiyen ntir solche sür Lederstiefel und Lederschuhe in Frage. Sollte sie sich nun einen solchen Bezugschein verschaffen und ibn sür die aus wärmendem Stoff angefertigten Hausschuhe hingeben, nur weil die Filzsohlen noch mit dünneu Ledersohlen bewehrt waren? Danrk wäre es ihr ein volle» Jahr hindurch nicht mehr möglich gewesen, festes Leder- schuhwerk zu kaufen I Wer bürgte ihr dafür, daß die .Ledersohlen' der Hausschuhe überhaupt Leder waren? Sie sträubte sich gegen die Zumutung, den einzigen innerhalb eines Jahre? zu beanspruchenden Schein zu opfern und mit ihm die Möglichkeit der Anschaffung festen Lederschuhwerks einzubüßen. Die Schuhe brauchte sie, weil sie bei ihrer Arbeit— sie ist Angestellte eines Verkaufsgeschäfts und muß in einem kalten Laden tätig fein— einen warmen Fuß haben wollte. Aber diese Schuhe im Winter bei nassem Wetter auch auf der Straße zu tragen, war ja numöglich. Kurz entschlossen ging sie zur Reichssielle für Schuh- Versorgung und trug nunmehr dort ihre Sache vor. Jetzt wurde sie belehrt, daß es Hausschuhe mit fester Ledersohle überhaupt nicht mehr giebt und daß Hausschuhe der hier in Frage kommenden Art bezugscheinfrei sind. Die Reichsstelle setzte sich durch Fernsprecher in Verbindung mit dem Geschäft, das für die mit.Ledersohlen" bewehrten Hausschuhe einen Bezugschein gefordert hatte. Daraufhin wurden dann endlich die gewünschten Schuhe ohne Bezugschein ge- geben. Die verpönten.Ledersohlen" sind ganz dünn und dabei so hart und unbiegsam, wie es Leder nicht zu sein pflegt. Das hätte noch gefehlt, daß für diese anscheinend nicht mal aus Spaltleder, sondern auS harter Pappe oder ähnlichem Stoff gefertigten Sohlen, die dem Personal des Geschäftes als.Ledersohlen"� galten, ein Be- zngschein für Lederschuhwerk hingegeben worden wäre! Gefälschte Schuhbedarfsscheine. In Berlin sind in den letzten Wochen mehrfach Personen mit gefälschten SchuhbedarfSscheinen betroffen und verhaftet worden. In ihrem Besitz fand man Scheine mit den nachgemachten Stempeln verschiedener Ausfertigungsstellen und irgendwelchen Unterschristen. Einige der verhafteten Personen verwerteten die Scheine so, daß sie sie als Blankovordrucke an andere Personen weiterverkauften; andere füllten die Scheine selber aus und suchten sich mit ihnen Waren zu verschaffen, um sie dann ohne Bedarfsschein zu Wucherpreisen weiter zu verbandeln. Einer der Verhafteien� hatte dabei geradezu einen Großbetrieb eingerichtet; er beschäftigte vier Ange st eilte, die dauernd unterwegs waren, um auf seine gefälschten Bcdarfsscheine Schuhwerk einzukaufen. In seinem Besitz befand sich ein Verzeichnis aller größeren Sckuhwarengeschäfte Berlins mit den Nummern ihrer Fernsprechanschlüsse. Durch plan» mäßige Erkundigungen verstand er es, seine Angestellten so gut zu unterrichten, daß es einzelnen nicht selten gelang, auf die ge- fälschten Scheine hin am Tage bis zu 10 Paar Schuhe mit Ledersohlen einzulaufen. Für jedes Paar Schuhe wurde dem Anaestellten eine Vergütung von 10 M. bezahlt. Der Besitzer der gefälschten Scheine verkaufte dann das Paar mit einem aber« maligen Aufschlag von 10—20 M. wieder an einen Trödler weiter. Das Mieteinigungsamt ohne Verzug anrufen! Der Magistrat Lichtenberg schreibt: Trotz öffentlicher Be- kannimachung vom 6. Februar wird von der Bevölkerung der§ 2 der Bundesratsverordnung zum Schutze der Mieter vom 26. Juli 19l7 nicht hinreichend beachtet. Danach sind Anträge beim Miet- einigungSamt unverzüglich nach erfolgter Kündigung seitens des Mieters zu stellen.'Die Nichtbeachtung dieser Bestimmung führt in vielen Fällen Ablehnung deS Antrages wegen verspäteter Stellung herbei..Unverzüglich" bedeutet nach dem Sprachgebrauch des Bürgerlichen Gesetzbuchs„ohne schuldhaftes Zögern". ES wird in vorkommenden Fällen den Anlragsberschtigton daher dringend »mpfohlen, möglichst ohne jeden Verzug das SftiignngS« omi anzurufen, damit ihnen die Rechte aus der BundeSratSderord- nuug nicht verloren gehen. Eine Familientragödie. In einem leer stehenden Laden des Hauses Zimmer st raße L6 wurden gestern morgen der Bäcker Karl Fichard mit seinen vier Kindern bewuglloS aufgefunden. Er selbst und sein jüngstes Kind, ein 1 Jahr altes Mädchen, waren tot, die übrigen Kinder wurden in lebensgefährlichem Zustande in ein Krankenhaus gebracht. FichardS Frau war vor einigen Wochen gestorben. Die Sorge um seine vier Kinder, zwei Knaben im Alter von 3 und 9, zwei Mädchen im Alter von 1 und 8 Jahren, lastete nunmehr auf dem Vater, der sich außerdem in wirtschaftlichen Schwierigkeiten befand. Diese Lage hatte in ihm den Entschluß reifen lassen, sich und seine Kinder durch Gas ums Leben zu bringen. Der„Neue Welt-Kaleudcr" gelangt nach Eintreffen vom Ver» leger von der Buchhandlung Vorwärts zur Ausgabe. Jugendtag in Ketzin. 250 junge Proletarier, Burschen und Mädchen aus Brandenburg, Rathenow und Berlin, strebten dem stillen Havelstädtchen Ketzin zu. Der kleine Saal des Wirtshauses vermochte die Menge kaum zu soffen. Der Feier ging eine kurze Aussprache der Funktionäre voraus. Nach einem Prolog und einer Begrüßung durch die Genossin Simon- Brandenburg wechselten Rezitationen, Lieder zur Laute und Reigentänze in bunter Reihen« folge. Genosse Weimann« Berlin richtete eine Mahnung an die Jugend, das festzuhalten, was sie befitzt. Ein allgemeine? Lied schloß die schöne Feier. Sldmirals-Xyeater. Am 20. wird.Der TIsenbahmnarder'(Stuart Wcbbs) zum erstenmal vorgeführt. In den Wittelöbach-Lichtspielen am Bayerischen Platz gelangt am 20., abends 8>/« Uhr, da« neueste FUmwert der Harmonie-Film-Gefellschaft .Der fliegende Holländer' mit voller Orchesterbegleitung zur Aufführung. Radrennen in Treptow. DaS Goldene Rad vierter, fünfter und sechster Lauf über je hundert Bahnrunden. Ergebnisse: 4. Lauf: 1. Janke 29 Min. 14 Sek., 2. Aberger 80, 8. Saldow(Radschaden) 1730 Meter zurück; 5. Lauf: 1. Techmer 29 Min. 41 Sek., 2. Kuschkow(zweimaliger Radwechsel) 1310, 3. Wiewerall(Rad- Wechsel) 2710 Meter zurück f S. Lauf: 1. Bauer 29 Min. 17 Sek., 2. Stelbrink(Motorwcchsol) 1600 Meter zurück, Hoffmann wegen Motorschaden aufgegeben. Schweinefleisch in Flaschen. Di« Schleichhändler erfinden immer neue Tricks, um ihre kostbare Ware den prüfenden Augen des KriegSwucheramtS zu entziehen. So wurde am Schlesischen Bahn- bof ein Mann angehalten, der zwei große Korbflaschen, wie sie zum Transport gefährlicher Säuren benutzt werden, abgeholt hatte. Bei genauerer Untersuchung ergab es sich, daß jede Korbflasche auS zwei Teilen bestand: aus einem kleineren oberen Teil, der mit Essigäther gefüllt war, und ans einem größeren unteren Teil, in dein sich 55 Kilo frischgeschlachtetes Schweinefleisch, sauber verpackt, vorfanden. Die kostbare Ware verfiel der Beschlagnahme. 185 M. für einen Zentner Pflaume«. Zu welchen Ungeheuer- lichkeiten sich der Preiswucher auswächst, zeigt ein kaum glaublicher Fall, den der»Anzeiger für das Havelland' aus Spandau meldet. Danach hat dort in der Altstadt eine Frau verschiedenen Familien und Geschäftsleuten unter der Hand Pflaumen zum Kauf angeboten. Dabei hatte sie den Mut oder die Unverscyämtheit, zu erzählen, daß sie selbst 180 M. für den Zentner zahlen müsse und daß sie an Fracht etwa 5 M. weitere Unkosten für den Zentner habe. Sie wollte sich mit einem ganz geringen Nutzen begnügen, da ihr ein größerer Posten Pflaumen zugesandt worden sei, für den sie und die nächsten Atzgehörigen allein nicht Verwendung hätten. Vernünftigerweise ist niemand auf dieses Wucherangebot eingegangen; leider aber hat auch niemand gegen die Verkäuferin Anzeige erstattet. Der Fall zeigt recht deutlich, wie den Lebensmittelwucherern schon jeder Maßstab in ihren Forde- rungen abhanden gekonimen ist. Das wirksamste Mittel gegen diese wucherischen Auswüchse ist allerdings die Selbsthilfe der Ver- braucher, das heißt Anzeige der Wucherer. Leider fehlt es an dieser wünschenswerten Mitwirkung des Publikums zur Bekämpfung des Wuchers sehr._ Lichterselde. Aus der Gemeindevertretung. Den Gemeinde- beamten unid Lehrern soll gleich den Staatsbeamten auch eine ein- malige Teuerungszulage bewilligt werden. Die Zulagen sollen ab 1. September gezahlt werden. Für die Arbeiter der Gemeinde und die KriegShilfsorbeiter ist eine Erhöhung des Stundenlohnes in Aussicht genommen; etwas Definitives darüber wurde vom Be- richterstatter Bürgermeister B r o h m noch nicht mitgeteilt. Der wichtigste Gegenstand der Tagesordnung betraf die Maß- nahmen gegen die Wohnungsknappheit.„Knappheit" ist aus SchünheitSgründen gewählt worden. Es handelt sich in Lichterfelde um eine ausgeprägte Wohnungsnot, wie aus dem Re- ferat id«S- Bürgermeisters B r o h m hervorging, der sicherlich dar- auf bedacht war, die kraffen Zustände nicht allzusehr hervortreten zu lassen. Nach dem Bericht müsse eine Anzahl Mieter ihre Woh- tiungen räumen, ohne daß eZ ihnen bisher geglückt wäre, ander- weitig Unterkünfte zu finden. ES handele sich um Familien, die durchaus in der Lage sind, Miete zu zahlen. Ztvei Familien seien bereits im Pslegehaus(Armenhaus!) untergebracht; die. Räume dort reichen aber nicht aus. Schleunige Abhilfe sei nötig. Hierfür gebe es zwei Wege; einmal den Ausbau der vorhandenen Dach- und Kellerräume, soweit sie sich dazu eignen, dann die Herstellung von Kleinwohnungen auf Gemeindegelände. Die Verhandlungen mit Hausbesitzern bezüglich der Herstellung von Wohnungen in Dach- und Kellergeschossen habe zu dem Resultat geführt, daß sie diese Wohnungen nicht auf unbeschränkte Zeit der Gemeinde zur Ver- fügung stellen, sondern nur über den Monat Oktober hinaus, also für zirka 6 Wochen. Dann wollen sie freies Ver- fügungsre� t über diese Räume. Die Gemeinde müsse dann mindestens einen Zuschuß zu dem Ausbau leisten und die bau- polizeiliche Erlaubnis zum Bewohnen der Räume auf mindestens zehn Jahre garantiert werden. Schöffe Dr. Fuchs teilte mit, daß zurzeit beim Amtsgericht Lichterfclde zwölf Räumungsklagen schweben. Bis jetzt seien Räume für zirka 70 Wohnungen bcsich- tigt und diejenigen ausgesucht worden, die sich ohne allzu erhebliche Kosten herstellen lassen. Vier Hausbesitzer hätten sich verpflichtet, bis 15. November fertige Wohnungen auf ihre Kosten zur Ver- fügung zu stellen, wenn sie sich die Mieter aussuchen dürfen. Das sei ihnen zugestanden worden. Schöffe L e n g n« r wies eindringlich auf den Ernst der Situation hin und empfahl die energische Inangriffnahme der Wohnungsbauten durch die Gemeinde. Nach längerer Verhandlung wurde der Antrag des Gemeindevorstandes auf Bewilligung von zunächst 100 000 M. zum Ausbau von Dack)» und Kellerwohnungen bzw. von Neubauten angenommen.— Da» Sfillgeld für Frauen über die Reichswochen. Hilfe hinaus soll weiter gewährt werden, da diese Einrichtung sich als durchaus nützlich bewährt hat. Weißensee. AuS der Gemeindevertretung. Der besoldete Schöffe Dr. Klamroth und die unbesoldeten Schöffen Louis und Steinke wurden auf eine weitere Amtsperiode neugewählt. Die bisher bestehenden Ortslöhne wurden auf Antrag des Oberverfiche- rlingsamtes erhöht und zwar für männliche Arbeiter unter 16 Iah- ren aus 3 M.. von 16 bis 21 Jahren auf 5 M. und über 21 Jahre auf 7 M.; für weibliche Arbeiter unter 16 Jahren auf 2,50 M., von 16 bis 21 Jahren auf 4 M. und über 21 Jahren auf 5 M. Die Siandgelder des Pferdemarktes wurden pro Pferd und Wagen von 50 Pf. auf 1 M. erhöht. Das Grundgehalt des zu wählenden besoldeten Schöffen wurde von 4500 M. auf 6000 M. erhöht, steigend von 3 zu 3 Jahren bis 8500 M.; außerdem erhält er eine nicht pensionsberechtigie persönliche Zulage von 3000 M. jährlich. Eine Reihe von Grundstücksverkäufen auf dem Jndustriegelände standen «tif der Tagesordnung, die imr zum Teil erleingt wurden. Solides. Schlafstellenfürsorge. Ein vielfach nur wenig beachteter, aber für das Großstadtleben nicht zu unterschätzender Zweig der sozialen Wohlfahrts- pflege ist die Arbeit an der Verbesserung des Schlafftellenwesens, das während des Krieges infolge der massenhaften Heranziehung von alleinstehenden Arbeitskräften nach den Industriezentren einen außergewöhnlichen Umfang und«ine erhöhte Bedeutung ge- Wonnen hat. In Magdeburg ist diese Tätigkeit seit der ersten Hälfte des Jahres 1917 in planmäßig organisierter Weise ausgeübt worden durch die dem städtischen Wohlfahrtsamt auge- schlossene Fürsorgevermittlungsstelle für kriegsarbeitende Frauen; mit der am 1. Oktober v. I. erfolgten Einrichtung eines städtischen Wohnungsamtes ist die Schlafstellenfürsorge ein Zweig dieser Ver- waltungsstelle geworden. ES werden darin zwei hauptamtliche WohnungSpflegermnen beschäftigt, denen etwa 30 auf die einzelnen Polizeireviere verteilte und in ihnen wohnhafte ehrenamtliche Helferinnen zur Seite stehen. Die mit Hilfe der Revieoakten und der Jndustriefirmen ermittelten Schlafstellen werden von ihnen besucht und geprüft. Die dabei zu erfolgenden Feststellungen be- ziehen sich auf Namen und Stand der Vermieterin, Lage der Woh- nung, Zahl der Wohn- und Schlafräume, sowie der darin unter- gebrachten Personen, ob die Geschlechter getrennt schlafen, wieviel Schlasgänger in einem Räume untergebracht sind, ob für jeden Schläfer eine besondere Bettstatt vorhanden ist, toieviel Betten überhaupt benutzt werden und ob sich Waschgerät im Schlafraum befindet. Weiter wird in dem auszufüllenden Fragebogen an- gegeben, ob der Scklafraum ein Fenster besitzt und wohin es führt, ob er einen befonoeven Eingang hat, ob Kochgelegenheit für die Schläfer vorhanden ist, welcher Wochenpreis von jedem Schläfer gefordert wird und ob die Schlafftellenvergebung polizeilich zuge- lassen ist. Schließlich wird angegeben, welchen Eindruck Wirtin und Wohnung machen in bezug auf. Sauberkeit, Wohnlichieit und dergleichen und ob die Schlafstelle als empfehlenswert, bedingt zu empfehlen oder nicht empfehlenswert zu bezeichnen ist. Bei Be» anstcmdungen wegen Nichterfüllung der über das Schlafstellenwesen bestehenden Polizeivorschriften erfolgt nach einiger Zeit eine Nach- Prüfung. Insgesamt wurden bis zum 1. September d. I. 3341 solcher Schlafftellenprüfungen vorgenommen, darunter befanden sich 1512 Nachrevisionen. Auch die sogenannten„möblierten Zimmer" sind in den Kreis der Schlafttellenfiirsorge einbezogen worden. Der letzteren ist es zu danken, daß sich die vielfach recht unerfreulichen Zustände auf dem Gebiete des SchlasstellenwesenS in gesundheitlicher und anderer Hinsicht ganz wesentlich gebessert haben. Bei der bedeutend gestiegenen Nachfrage nach guten Schlaf- stellen und einfach möblierten Zimmern ist die Schlafstellenfürsorge mit Erfolg bemüht gewesen, durch ihre Helferinnen und vermittels geeigneter Zeitungsartikel auch in solchen Kreisen für die Ein. richtung und mietweise Bereitstellung von Schlafstellen und möblierten Zimmern zu werben, die Einzelräume ihrer Wohnung abzugeben in der Lag« find, ohne aus Erwerbsrücksichden dazu ge- zwungen zu sein. Die angedeutete, oft recht schwierige Arbeit auf dem Gebiet der Schlaft'tellenfürsorge.ist auch insofern von wesent- sicher Bedeutung, als sie zahlreich« wichtige Einblicke in die Ur- fachen und Zusammenhänge sozialer Mitzstänide verschiedener Art und damit die Möglichkest gewährt, ihnen auf wirksame Weise ent- gegenzutreten._ Studium und SittlichkeitSftagen. Dt« Gefährdting unserer VolkSkvast durch die Seuche her Ge- schlechtskrankheiten hat di« Notwendigtest einer tatkräftigen Be- kämpfung dieser Volks seuchen durch die staatlichen und Gemeint«» behörden, sowie die privaten Fürsorgevereine erhellt. Zu einer Besprechung der Aufgaben auf dem Gebiete der Gefahrdetenfür- sorge, sowie zur Stellungnahm« zu den dem Reichstag vorliegenden bevölkerungspolitischen Gesetzentwürfen laden da? Wohlfahrtsamt in Frankfurt am Main und die Frankfurter Franen-Kommissionen zum Studium der Sittlichkeitsfragen die interessierten staatlichen und städtischen Behörden, die Polizeiämter, Fürsorgevereine und Einzelpersönlichkeiten zu einer Tagung in den Burgersaal de? Frankfurter Rathauses am 10. und 11. Oktober d. I. ein. Das Programm sieht außer einem Bericht über die bisherige Wirksam. keit der Vereine und Fürsorgestellen folgende VerhandlungSgegen- stände vor. Am Donnerstag, den 10. Oktober 1918, spricht über Aufgaben der Fürsovgearbeit und ihre Abgrenzung zwischen Polizei, Gemeinden und Fürsorgevereinen Assessor Dr. Maier, Frankfurt a. M.; am F r e i t a g, d e n 11. Oktober 1918, über Der Stand der SittUchkeitgesetzentwürfe Reichstagsabgeordneter Dr. Quarck, Mitglied des ReickstagSausfchusseS für Bevölkerungs- Politik; über Die sozialhygienischen Förderungen zur SittlichkeitS. gesrtzgebung Professor von Düring-Steinnühl; über Di« sozialen Förderungen zur Sittlichkeitsgesetzgebung Landrichter Dr. Bozi, Bielefeld. Anmeldungen zur Teilnahme find bis zum 5. Oktober d. I. an das Wohlfahrtsamt in Frankfurt am Main, Saal-Gaffe Nr. 83, zu richten; von dort werden auf Wunsch die Programme der Tagun- gen kostenlos versandt._ KleinhauS und Kleinsiedlung. Heber eines der wichtigsten wirtschaftlichen Problem«, dem der Krieg im Hinblick. ans die große Wohnungsnot, die Notwendigkeit der Schaffung von Kriegerheimstätten usw. noch erhöhte Bedeutung gegeben hat, wird in Kürze ein sehr bemerkenswertes Werk en scheinen, auf das wir im Hinblick aus die Bedeutsamkeit der Sach� heute schon aufmerksam machen. Geheimrat MuthesiuS, als Vorkämpfer unserer neuen Wohmmgskultur und im besonderen als Bahnbrecher auf dem Gebiete des KlcinwohnungsbaueS und Sied- lungsbaues bekannt, will in einem allgemein verständlich geschrie- benen Buche, das in Kürze im Verlag von F. Bruckmann A.-G. in München erscheinen soll, eine erschöpfende Darstellung alles dessen, was mit dem Begriff Kleinhaus und Kleinsiedlung zusammen- hängt, gebeiu Der Gedanke der ländlichen Klofnfiedlung, schon früher, wie namentlich ein« Anzahl frei entstandener Gartenstädte beweisen, zu großer Volkstümlichkeit gelangt, hat durch den Krieg und die sich verschärfende Wohnungsnot weitere Nahrung bekommen. Daß das Ziel der Wohnungspolitik der Zukunft die allgemein« Auf- lockerung der Bebauungsgedichte unter niöglichster Bevorzugung des Einfamilienhauses sein müßte, wird heute auch von den Gegnern der Bewegung kauirn noch bestritten. Es sieht also in Aussicht, daß in der hochgestefgerten Tätigkeit, die sich im Wohnungsbau nach dem Kriege entfalten wird, das Kleinhaus und die Klein- siedln ng«ine große Rolle spielen werden. MuthesiuS will in seinem Buche zum ersten Male die ganze Gedankenfolge vereinigen und dabei das Bauliche, Technische und Wirtschaftliche gleichermaßen behandeln. Das Buch dieses wirklichen Kenners wird zweifellos für die ganze Bewegung segensreich wirken; wir kommen nach Er» scheinen noch darauf zurück. Gerichtszeitung. Gegen einen Hausbesitzer und Waisenrat richtete sich«irre Anklage wegen Betruges und Urkunden» fäls/chung, die die Strafkammer des Landgerichts 3 beschäftigt«. Der Zimm«rm«ister Franz Schuck ist Besitzer eines Hauses in der Sesenheimer Straße in E h a r l o t t e n b u r g. Er wurde beschuldigt, fast neun Moitate hindurch von der zuständigen Brotkommisiiön für«ine ans drei Köpfen bestehende Mietspartei seines Hauses Brotkarten bezogen zu haben, obgleich die betreffende Mietspartei schon längst nicht mehr im Hause wohnte. Der An- geklagte behauptete, daß er, wenn er einmal zu viel Brotkarten erhalten habe, diese an die Kommission zurückgegeben worden seien. Die Angestellten der Kommission bestritten aber. Karten tn solcher Wenge zurückerhalten zu haben. Dazu kommt, daß in der fraglichen Zeit den HcruSbssitzem ztoeftnal Listen zur Ausfüllung vorgehe gt worden waren und in der von der Tochter des Angeklagten ge- schriebenen Listen die längst nicht mehr dort wohnende Partei immer noch als Hausbewohner aufgeführt worden ist. Der Ge- richtshof war auch der Meinung, daß es dem Angeklagten unbe- dingt hätte auffallen müssen, wenn andauernd � ganze Serien vmi Brotmarken an ihn gelangten, deren Zahl mit der Zahl der Mieter nicht übereinstimmfe. Ein Irrtum seinerseits sei daher nicht anzu- nehmen. Nur mit Rücksicht auf das vorgeschrittene Alter des An- geklagten und dessen bisherige Unbescholtenheit erschien dem Ge- richte die geringste zulässige Strafe von 1 Woche Gefängnis ausreichend. Die wegen Beihilfe angeftagie Tochter wurde frei- gesprochen._ Eingegangene Druckschriften. Die Vereinigten Staaten von Amerika»nd der N-Voot-Krieg von Karl Boy-Ed. 60 Di.— Drei Schläge unserer großen Offensive von Alsred v. Olberg. 80 Pf.—.Drauf' und»Bier Kricgsjahre' von Bodo Zimmermann! 50 Pf. Sämiljch im Verlage von Karl Sigis- mund, Berlin 8W II. OcstcrrcichischeS Proletarier-Liederbuch. 60 Heller. Wiener Polksbuchhandlung Lgnaz Brand u. Co., Wien VI, Gumpcndoffer Straße 18. Merkblatt für die Dabakfermation im Kleinen von Direktor Lambcrger. 45 Pf. Gustav Winter, Buchhandlung Franz Quelle, Bremen, Am Wall 161. Die katbolischen Arbeitervereine als kirchliche Bildungs- vereine von Dr. Otto Müller. 1,25 M. Vollsvcrcins-Verlag G. m. b. H., M.-Tladbach. Stine Menschenkind, von Martin Andersen-Nexö. Geh. 3,50 M., geb. 5.50 M. Albert Langen, München, Hubertusslr. 27. Kriegswahnsinn«nd Anderes. Von Jui. H. West. 1,50 M. Ernst Fwckh Verlag, Basel. Gutes Deutsch. Von Eduard Engel. 4 M. Hesse u. Becker, Verlag Leipzig, Eilenburger Str. 4/5. Bier Jahre Weltkrieg. 4 sarbige Kartenblätter mit kalendarischen Darstellungen aller wichtigen Kriegsereignisse. Von Rektor Haseiberger. 2 M. Verlag von Dietrich Reimer(Ernst Vohsen), Berlin 48. Welchen Standpunkt soll der Jude im Jntereffe deS Gesamt- jndentnms einnehmen? Von Dr. F. Neumann. Preis 30 Centimes. Herausgegeben vom Komitee sür Aufrechterhaltung jüdischer Neutralität. Die Rose von Gravelotte(Rose-Marie). Von Hans von Rein- selS. Geh. 3 M. Verlag von Heinrich Heber.(Kommissionär F. E. Fischer, Leipzig.) DaS neue Gesetz Aber eine außerordentliche KriegSabgabe für da» Rechnungsjahr 1918 und das Gesetz gegen die Steuerflucht. Von E. Zimmermann. Lieferung I. Preis 2,40 M.— Die Umsatzsteuer. Von Dr. jur. Erwin Hirschseid. 2 M.— Kriegsabgabetabelle zum zweiten KriegSstcuergcsetz von 1918. Von Konstantin Miller. Preis 70 Pf. Im Ver- läge von I. Hetz, Stuttgart. Srlefkaften üer Reüaktion. S. Ivv. Wenn es sich nur um Gemeindeeinkommensteuer handelt, so mutz diese gezahlt werden, sonst wird das Einkommen der Ehesrau dem de» Ehemannes zugerechnet, und da der Kriegsteilnehmer nur be! einem Einkommen von 3000 M. steuerpflichtig ist, so kann StaatSiteuer nicht erhoben werden.— Ealey 147. 1. Nein. 2. Eine solche Verfügung besteht aus keinen Fall, eS ist nur leeres Gerede. — Ehefragen 215. Der Betreffende nmtz zurzeit Soldat sein, im Felde braucht er nicht gewesen zu sein. Eine öffentliche Bekanntmachung in der Kirche ist nicht ersordcrlich. Die Trauung erfolgt in einigen Tagen, die Geburtsurkunden sind dazu notwendig. Der Soldat mutz bei der Trauung die Unisorm tragen.— A. 10». Das gesamte Einkommen wird als Grundlage für die Bersicherungspsticht angenommen. Die Einkommens- grenze sür die Verficherimgspfiicht ist aus 7000 M. herausgerückt.— Michel 1057. Ihre Fragen 1 bls 4 sind zu verneinen. 5. Für die Ge- nejenenheime gilt die Borschrist der fleischlosen Tage.— G. L. 24. Nur die aus Kriegsgesangenschast Zurückgekehrten erhalten acht Wochen Urlaub. D. D. Der Bater ist zur Beschaffung einer Aussteuer verpflichtet, soweit es sewe Mittel erlauben.— B. Pf. 100. Der Kriegerwitwe kann bei Bedürftigkeit bis zu 1000 M. Abfindung gezahlt werden. Kriegsunicr- stützung wird auch dann wieder gezahlt, wenn der Ehemann eingezogen ist.— Erbschaft 1877. 1. AuS dem damaligen Konkurs werden jetzt nicht mehr nähere Angaben zu erhalten sein. Bestehen aber Zweifel an dem Umfange des Nachlasses, so könnte von der Betreffenden cm Nachlag- inventarverzeichniS eingesordert werden, das sie coentl. an Gerichtssrelle durch Eid beglaubigen mutz. 2. Nein, belassen Sie eS nur bei der jetzigen Vormundschaft.— N. F. 4. ES besteht wenig Ausficht auf Erfolg der Reklamation, die beim Generalkommando einzureichen wäre.— F. D. 1001. Dagegen wird nichts zu machen sein, da unseres Wissens die H-ib- steine nicht minderwertig sind.— B. iiO. Nein.— O. T. 2350.' Ja. — A. B. C. 1. Die Bestallung des Pflegers liegt dem BormnndschastS- geeicht ob, da? natürlich nicht einen Pfleger benennen kann, der sich autzer- halb deS Wohnortes der KindeSmutter aushält. 2. Die Mutter kann daher nicht verlangen, datz ein von ihr benannter Pfleger anerkannt wird. — H. St. Brandbg. Sie find zur Nachzahlung der Steuer verpflichtet. Bei den: großen Steuerbetrag wird Ihnen aui Aittrag die Sieuerbehörde Ratenzahlungen gewähren. Sie müssen auch die Kommunaliteuer sür den Ort, in dem Sie Ihren Auscnthalt haben, zahlen, nicht sür die Gemeinde, in der Sie früher Ihren Wohnsitz hatten. Den Austritt aus der Landes- kirche erklären Sie durch Antrag beim Amtsgericht Ihres jetzigen Wohn- ortcS.— A. H. 25. Ein solches Gesuch tonnte Erfolg haben. ES wäre an daS Stellvertretende Generalkommando de« ll. Armeekorps in Stettin einzureichen.— E. H. 40. Gehorsamsverweigerung vor versammelter Mannschast wird mit Gefängnis bis zu 5 Jahren, im Felde nicht unter 1 Jahr bestrast. Verweigerung deS Gehorsams vor dem Feinde wird mit Gesängnis bis zu 10 Jahren, evcnt. mit dem Tode bestrast. — Tsch. 0. Der Slntrag aus Altersrente muhte beim BerficherungSamt, Klostecstr. 65— 67, eingereicht werden. Die Sache ist deshalb jedenfalls verzögert.' Fragen Sie zunächst bei der Landesvcrsichcrung deswegen nach. — O. S. 24. Es empfiehlt sich, den Autrag persönlich beim Persiche- rungsamt zu stellen unter Emreichung der letzten OuittungSkarte und der Ausrechnungsbescheinigungen.— Genosse. Die Krankenschwester ist dazu nicht berichtigt. Führen Sie Beschwerde beim Dirckior bezw. Chefarzt des Lazaretts.— H. R. Sie können den Ring nicht zurückverlangen. Es handelt sich nach Ihrer Darstellung um eme Schenkung, die nur vom Bruder rückgängig gemacht werden könnte, wenn sich die Belreflcnde groben Undanks gegen den Bruder schuldig gemacht hat.— P. B. 5. Wir raten Ihnen sehr zur Zahlung der Strafe. Eine gerichiiiche Entscheidung ist zwecklos.— G. W. Nach Ihrer Darstellung ist die Wohnung aus ein Jahr gemietet. Sie sind daher zur Zahlung bis zum 1. Okt. verpflichtet. — P. B. 42. 1. Die Möglichkeit einer Verbindung nach Amerika besteht jetzt nicht. 2. Der Bruder mützt« erst die Staatsangehörigkeit erworben haben. 3. DaS entzieht sich unserer Kenntnis.— D. 48. Sie haben Anspruch aus die erhöhte Löhnung.— Ctzarleroi. Eine solche Bundes- ratsverordnung. wonach den BerusSgenoffenschasten die Kürzung der Renten verboten ist, existiert nicht. Es ist ihnen bei einsang des Krieges nur nahe- gelegt worden, davon Abstand zu nehmen. Dem kommen sie aber längst nicht mehr nach.— September 1018. In linderloser Ehe erben die Eltern bezw. dl« Geschwister die Hülste vom Rachlatz, der nicht zur Wirtschaft gehört. Die KriegS-Kinderspende befindet sich in Berlin, Wichmannstratze 20.— Es werden aber nur bei autzer- gewöhnlicher Bedürjtigkcst zurzeit 20 Mark Unterstützung gezahlt. — S. A., Königshütte. Brief eingetroffen.— Nr. 1 Jeldgran. 1. Nein. 2. Einen ehelichen Fernverkehr gibt eS bis jetzt noch nicht. Die Frau muß daher aus ihre ehelichen Rechte verzichten.— O. H. B. Wenn das von der Partei gestellte Bertlingen, auch aus der Arbeiterklasse Schössen nnd Geschworene zu entnehmen, in Ihrem Falle durchgeführt worden ist, sollten Sie doch wilklich nicht daraus sinnen, mit welchen Mitteln Sie sich von dem Amte besreien können. Es wird dasür übrigen» eine kleine Eni- Ichädigmig gezahlt.— H. G. 101. Die Einschätzung ist zu Recht ersoigt. Sie werden nach dem jetzigen Einkommen eingeschätzt und nicht nach dem vom vorigen Jahre.__ WafferftandSnachrtchten der LandeSanftalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterbureau. Deutfifc« Bauarbelter'Oerband. Verein Berlin. Bezirk Wcddwg. Am IS. September starb unser Mitglied, der Maurer fniKze Thons Die Beerdigung findet beute nachmittag aus dem Nazaretb- Kirch hos in Rcinckendorf. West, Kögel- straße, statt. Am gleiche» Tage starb! das Mitglied, der Hilss- j arbeitet 141/2 j Otto Kaiser 'vom Bezirk Südosten. Die Beerdigung findet heute nachmittag 41/, Uhr auf dem EmmauS-Kirchhos in der Hermaunstraße statt. Ehre ihrem Andenkruk Vvr Vorstanck. Plötzlich und unerwartet salles unser lieber Chef verschied infolge Unglücks- SSA! verband der San- und Schankwirte veuttchlandz. Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nach- richt, daß der Kollege 0tto Lderrlet, Lettestr. S, Bezirk 3, am IG. September verstorben ist. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet am Freitag, den 20. September, nachmittag» 3 Uhr, aus dem französischen Kirchhos in der iesenstraße statt. 73/17 Nie 0rtever»sItung. Fabrikbesitzer Herr HeiPtSSldlt nebst Gemahlin. Sein Biederet] Charakter und seine Zuvorkommenhei!! ! sichern ihm ein bleibendes Andenken. Die Arbeiterschaft der Firma G. Harcndt, Neukölln, Köllnisches User 34. nszssss Hart und schwer tras uns die traurige Nachricht, daß mein innigstgcliebter Sohn, der treusorgende Vater seiner I � beiden Kinder, unser guter Bruder, Onkel, Neffe und| Schwager, der Schütze tterbert SZmon Jnh. des Eis. Kreuzes II. Kl. am 12. August im Alter von 26 Jahren gefallen Ist. Er j folgte seinem Bruder Erwin nach zwei Jahren. Die ticstrauernde Mutter Witwe Lida Simon. Vera und Werner als Kinder. Ella Kraeser alS Schwester nebst Söhnchen Heinz. Schwager Max Kraeser wird seit 1914 vermigt. Knrt und Haus Simon als Bruder- zurzeit im Felde. Sophie Simon als Schwägerin. Neukölln. Pflügerstr. 28. 131A i In Feindesland Dein treues Auge brach, Dein gutes Herz tat seinen letzten Schlag. Ruhe sanft in fremder Erde l AmSonniag, den IS. Sep- tember 1918, verstarb unser Mitglied Sago Raäemann Pankow, Berliner Str. 87. Die Einäscherung findet am Freilag, den 20 Sept., nachmittags 4 Uhr, im Kre- matorium Gerichlstr. 37/38 statt. 301/5 Friede seiner Asche! Am 15. September, nachts 1 Uhr, entschlief nach langem, schwerem Leiden,-mein lieber Mann, mein guter Vater, Bruder, Schwiegervater, Schwager und Onkel Hugo Kudemann im 54. Lebensjahre. Ruhe sanst. Dies zeigt tieibetrübt an Witwe Swise Hudemann nebst-echter und Gchwieg ersehn. BerIin«Pnnkow,lZ.Sept.l91» Berliner Straße 87. Die Einäscherung findet moraen Freitag, den 20 September, nechmittags 4 Uhr im Krematorium Nerichtstraße statt. sWA Ütii die vielen Beweise innigster Teilnahme, wie für die überaus zahlreichen Kranzspenden beim Heimgänge meiner unvergeßlichen Frau, spreche ich hiermit allen Beteiligten meinen tiefgelühltesten Dank aus. Paul Itrngmaiin, 110/17 Kleine Andreasstraße 10. Zähne m. echt. Frießenskaulsehuk 3,50 M. ppan 5 Jahre Garantie, htsebsi Kahnziehen m. Betäubung Sri Beslellirng v. Gebissen gratis. Goldkronen v. 20 Ä. an. 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Mts.. nachmittags 3 Uhr, von der Halle des Virchow-Krauken- hause» nach dem neuen Fohannis-Kirchhos, Plötzen- i«, statt. 195A Du warst so gut und arbeits- freudig, Nur vorwärts streben war Dem Sinn, Doch alles ist umsonst ge- wesen, Dein Leben, ach, eS ist dahin. Bekanntmachung. Vollmilch. Aus Grund des Z 13 der Milchverordnung vom 30. Oktober 1916 wird unter Abänderung der Bekanntmachung der Feltstelle Groß-Bcrlin /Milch) vom 14. September 1918 sür den Bezirk der Fettstelle Groß-Berlin bestimmt: L Es find vom 19. September 1918 ab dl» aus Weste«? ab- zugeben: a) aus die roten, mit einem Kreis und mit ,A II* gekennzeichneten Milchkartcn 1 Liter, b) aus die lila mit„A II" gekennzeichneten Milchkarten "/« Liter, e) aus die blauen mit„B" gekennzeichneten Milchkarten '/, Liter, d) auf die braunen mit ,O* gekennzeichneten Milch- karten st. Liter. � II. Auf Krankcnlarten und Sonderkarten ist die ausgedruckte Menge voll zu verabfolgen. Berlin, den 18. September 1913. Fettstelle Grost Berlin(Milch). Tab. 1V/32 F. M. Spezialarzt v». med. Staedickc* Haut-, Harn-, Gesohlechtsl.. Blutuntersuchg. Friedrichstr, 187-188(a. d. Mohrenstraße, üntorgrdb.) 11-1, 5-7, Stg. 11-1. ! sed« Art, auch hartnäckige und veraltete Fhlst, beseitigt voll- big„Psi-»snn�. Ilebex ce sicher bewährs, M. 8.50. Otis Reich«), B«riln43, SO, Elsunbahcat/.t Zahngebisse, Platin, Gr. 7,80, kauft• Fr«n Wagner. Kaiserstr. 18 I(bUexunderPlatz) Fapier-Fabrrafl-Bßpeilafli in einjähriger Benutzung, tausendfach Uawilhrt. Leiohter, geräuschlos. Gang, wie auf Vollgummi. Keine Bcparaturen. Geringe Abnutzung. _ r.piia- Bei jeder unscastruNa Witterung gebrauchsfähig. 3, Stohenbsrg» Papierröhrenwalzwerk Paplcr-FahrradbereiftiBj. Berlin S, Alto Jaksbstrate 75, Spezialarzt Dr. med. RelBkardt, FitoBnlr.lllt.'Ä� Sydhilie, Harn-, Frauenleiden, Elutuntsrsuchungeii. Modernstes erfolgreichst..HcUoerfahrcn. Teilz. Siehe4LSeit.jtark.Brosch.0,60M., nach außerhalb verschlossen 1 M. 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Grzühlung auf der Zeit ber Revolurions- triege»an Crckmann Ch» tria». DerIndustU-baron. G-schichtr eslfie» amexzlnnischen Millionärs. %** Ä.«IweUir. P. und B. ragendes mt es Auf- MeMildsvttbe,<»n E. Pre. c K.a am. � aus den? �5 fh Vuchhttdl««! Vorwärts Berti« 5t». a», e!»»enDratzc z. «ab 1» be« il»»gabestelle» ber Zelt«««. 4!{aff83lJ8eSl8PCt'.?f.OT..1.95 1 Besteckkssten 3Kon5potlsc]ial8nFü8R.ofhen1.95 4 Tassen... I.95 1 Bratpfanne fÄ I.95 IPutZ'o.Wiaiislastenl.gs PiirzeHsn BüoQterle 1.95 6 Obertassen............... I.95 3 Abendbrotioüer massiT.. 2 Tassen mit Unterlassen Terschiodene Formen..... 3 Kompöttscha!8nTersohied- 1 Formen.. 1.95 1.95 1.95 1.95 1.95 1 Blumenvase SÄ.?'"" 4 Äbendbrotieller eowLa Pcrtonisneii 1 Flasslie Haaröl.......... L95 1 Handsnienel............. 1.95 I.95 1.85 I.95 Belle-aiiinnce-Strasse Gr. 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I.95 4 ObertaSSen weiss oder bunt 1,95 eins 1.85 rus. I.95 verschiedene 1 Formen.... 1 Kompottschale........ 1 Glasteller Ä???? IKäsegJückeSm.'l�s 1 Blumenvase Porzellan, mit<■ est«che« Opernhans ühr: Figaros Hochzeit Priedrlck-l�i'lheljnst. Theater 7'/, Uhr: Uanncrl. (Driiasäderlhaus II. Teil.) Kleines Theater vi, ühr: Der Einsame. Kemlscha Oper U: SehsiraaliliBEiiel, T «tg.«■/. 41 SshwarzwaldMädel. VU ühr liastsplelhans : Sie splscfse Fliege. Metropol-Theater tSJieFaschlngsfee Palast-Theater u�JerStralagef Mzng. .ühr: Das süße Mädel. Stg. S1/,: Der Soldat der Marii. Itealdenz-Tbeater 7V. ohr: Der junge Zar. Sebilier-Tb. Charl. �'/.ühr: Ein Volksfeind Thalia-Theater uhr'lsterderlilfihenileüLinöe Theater am NoUenderfplatz 7 Uhr; Theater den Westens u�': Die lustige Witve mit Guido Thielsöher. Wallner-Theater . tv. ühr: Gral Rabeiiichts. ¥ariete Theater am Kottbusei* Tor Leitung: Direktor Verdinand Wagner. Täjjlidi Vlx Uhr« Die große Variete-Schau. Tixte dw Vorbräg« tob Hermann Frey, Musik von Franz fehmidt-Hegen. Onjrinilenkwhrf».der Dekoratisnin tos Heinrich Zill«. Dirirnnt der Kompeniit Mitwirk emde: Anna Müllers Llncke, Willi Lilie, Hugo Roussel, Tine Trautmani, Robert Wiese. Torverkauf hei A. W® r t h• i st wnd»n der Xageskassi roa IQ'/i— l1/, ühr«nd ab 5 ühr. Hauchen gestattet! "VFM.w Trianon-Theater Bhf. Friodrlelntf.Klir. 4987, 2301 Haut# 8 Uhr znun 886. Hai«: Her Debeassehnler. Bonnab. V,4 Uhr, kl. Preise Schneewittchen. Sonntag V,4 Ühr, kl. Preise; Johannisfener. Allabendlich: LebenssehBler. ff�S�FF�hkiiiijm-jip'i&PKSKSaBHiiBi Beichshallen-Tbeater. Allabendlich 7'/, Uhr u. Senntag nachmittags 3 Uhr: Stettiner Sänger. Nachmittags«rmäßigte Pr«iB#! Täglich Qr.Nachmittags-Konzert im_ 219/19» Kaffee Zielka Equitable-Palast, Frledrichstraße 59/00, Ecke Leipziger Straße, ausgeführt von der Kapelle des 2. Garde- Regiments zu Fuß unter persOnl. Leitnng d. Kgl. Mnsikmelsters Herrn TMEaX Cwl'clf, Anfang S'A Uhr. 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Wir nennen von diesen nur: Herrn Professor A r m in Liebermann,«wen der besten Cello-Künstler Deutschlands, Herrn Karl Richter, Geigenvirtuose von vollendcster Technik, Konzertmeister des Orchesters Herrn B o l l m a n n, einen der bervorragendften Flötisten, und nicht zu vergessen.-'Herrn Musikdirektor Gras, der ja als aus- gezeichneter Geigenlünslter bekannt ist. sämtliche Vorträge sinden auch den stärlslen, sast leidenschaftlichen Beisall.— Die Abende im Kaffee Zieita sind, wie oian weist, dem Kabarett gewidmet, das mit O t t o R e u t t e r an der spitze, mit«wer Schar der allerbesten Künstler dem Publikum jene wahre Unterhaltung bietet, die lange im Gemüte und in der Seele nachhallt._ 219/18 Beine Wanze mehr's 2r nur mit Kammerjlger Berg'« Nicodaai I und II zu erzielen. Jetzt hoste Zelt zur llrutverBlchtanj;. Brfolg verljliiftend. Kinderleicht anzuwend. Ges. gesch. Doppelpak. M. 2.—. Ausreich, für 1— 3 Zimmer u. Betten. Alleinverkauf; Sämtlich« Warenhäuser A. Werthelm. 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Kaum ist die Pilzlaison herangekommen und schon bört man, auch in der näheren Umgegend Berlnis, von Pilzvergiftungen.— Worin haben diese ihre Ursache und wie sind sie zu vermeiden? Ich glaube nicht, dah die Ursachen einfach in allgemeiner Un- kenntnis der Pilze zu suchen sind—, denn zweifellos hat bei der ständigen Aufklärung durch die Presse und bei den jetzt jährlich veranstalteten Pilzausstcllungen wohl jeder, der Pilze sucht, auch ziemliche Kenntnisse der Giftpilze. Der Hauptgrund für die Pilz- Vergütungen dürfte wohl im vielfach mangelhasten Unterscheidungs- vermögen der Kinder zu finden sein.— Ich habe selbst beobachten können, dah Kinder, die ich dauernd auf Pilzwanderungen mit- nahm, immer wieder mit stark giftigen oder sonst nicht emp'ehlens- werten Pilzen ankamen.— Werden Kinder allein aus die Pilzsucke geschickt, so liegt die Möglichkeit vor, dafi Giftpilze mitgesammelt werden.— Sind die Pilze dann unterwegs oder aus der Bahn schön durcheinandergeschüttelt, dann finden sich stets Pilze da- zwischen, die auch von den besten Pilzkennern kaum noch zu be- stimmen sind, von den auf ihre Kinder häufig nur allzu stolzen Eltern im Vertrauen auf deren gute Schule im Pilzsuchen aßet mitgekocht werden.— Die Folgen können dann oftmals sehr traurige sein! Also: E r st e F o r d e r u n g. Verbraucht keine Pilze, die von Kindern oder von Neulingen in der Pilzkunde gesammelt sind, ohne sie noch genau durchzusehen— Pilze, die ihr nicht mehr mit Sicherheit feststellen könnt, werft weg! Als zweiter Grund von Pilzvergiftungen kommt eine gewifie Unvollkommenheit der Volksausgaben unserer Pilzführer in Frage, in bezug auf unseren bösen Knollenblätterpilz und zwei seiner Vettern. Jeder„Führer für Pilzfreimde", oder wie die Bücher sich alle nennen, niacht ganz besonders auf den Knollenblätterpilz, �mauita duibosa oder �mimitu mappu, aufmerksam, erwähnt auch meistens (aber auch nicht immer!), das; er auch in zwei abweichenden Varia- tionen vorkommt, und gibt auch yeivöhulich eine mitunter recht gute Abbildung vom Pilz. Gewöhnlich wird aber verschwiegen, dafi dies« Variationen zum Teil ganz abweichende Merkmate tragen, so daß man es hier in den beiden Brüdern,.Amaiiitg. venia, dem grünen Knollenblätterpilz oder bester grünen Wnlstling, und Arnanita phalloides, dem klebrigen Wulstling, mit überhaupt anderen Pilzen zu tun bat;— der häufig als ejzbar bezeichnete Pantberpilz svon besten Genufi aber selbst nach dem Entfernen der Oberbaut abzu- raten ist) steht z. B. dem Knollenblätterpilz. Amanita. mappa, viel näher, als die anderen beiden, welche beide im Gegensatz zum Amanita mappa keine Hülsenreste aufweisen.— Auf jeder Pilzrafel, in jedem Pilz'uhrer sollten deshalb die drei ganz gefährlichen Pilze mit guten Abbildungen vertreten sein, und jeder angebende Pilz- freund soll diese Zweite Forderung beherzigen: Bevor ihr auf die Pilz- suche geht, vrägt euch auf Pilzausstellungen, oder durch Pilzkenner diese drei tödlich giftigen Pilze ein, die alle drei in der Umgegend von Berlin sehr häufig vorkommen: den Knollenblätterpilz, Amanita mappa oder bulbosa, der selbst in verschiedenen Farbschattierungcn, z. B. gelblich vorkommt, den grünen Wulstling. Amanita verna, und den klebrigen W u l st l i n g, Amanita pballoickes. Man soll daher jeden Pilz, bei dem man nicht ganz sicher ist, daß er nicht zu diesen gehört, grundsätzlich meiden. Der angehende Pilzfreund Hot aber noch ein paar andere Pilze uuter allen Umständen zu meiden— und um sie mit Sicher- heit zu meiden, muß er sie auch ganz genau kennen lernen, am besten durch erfahrene Pilzfreunde; aber die volkstümlichen Führer. wie Michael oder Herrinann usw., bringen von ihnen im allge- meinen ganz gute Abbildungen und Beschreibungen, als da sind 1. Satanspilz und 2. WolfSröhrling, beides selten und nur auf kalkhaltigem Boden vorkommende Pilze. die trotzdem sie roh einen guten, angenehmen Pilzgeschmack haben sollen, tödlich giftig sind, ebenso wie 3. der Königsfliegenpilz, der von dem bekannten gewöhnlichen roten Fliegenpilz sich durch eine bräunliche Oberhaut auszeichnet, bei der häufig sogar die weißen Pustelchcn fehlen. Dann sind aber ohne Zweifel auch schädlich, allerdings ohne im allgemeinen tödlich zu wirken, und trotzdem es Leute gibt, die angeben, die beireffenden Pilze, eventuell nach Abziehen der Ober- haut, gegessen zu haben: 4. der bekannte rote Fliegenpilz, der von sibirischen Völkerstämmen zur Herstellung berauschender Getränke Verwendung findet. 5. der Kartoffelbovist, eine kartoffelähnliche, harte Knolle, die häufig einen angenehmen Pilzgeruch hat, auch oft als „Trüffel* in Trüffelleberwurst verarbeitet wird, aber starke Ver- dauungsbeichwerden hervorrufen kann. Die übrigen schädlichen Pilzsorten sind allgemein am Geschmack und Geruch zu erkennen, entweder schmecken sie bitter oder scharf, oder sie haben unangenehmen, insbesondere auch rettichartigen Ge- schmack usw. Daher Dritte Forderung: Meide die fünf vorstehend genannten Pilze, die du eingehend kennen lernen mußt, iowie alle unan- genehm, auch reltichartig riechenden und alle scharf oder bitter schmeckenden Pilze.— Eine kleine Kostprobe kann nie schaden, doch ist es ratiam, das gekaute Stückchen Pilz wieder auszuspeien.— Der Champignon allerdings hat.auch roh einen ganz vorzüglichen Geschmack und wird auch gern roh verspeist. Wie nun die Pi'ze vielfach im Geschmack dem Fleisch ähneln, so auch in der Schädlichkeit, wenn sie in Zersetzung übergegangen sind. Weich gewordene und in Fäulnis übergegangene Pilze— und Pilze verderben ziemlich schnell— können ebenso tödlich wirken, wie verdorbenes Fleisch. Also. Viert? Forderung: Vermeide alle weichgewordenen oder in Fäulnis übergegangene Pilze, und laß keine Pilzgerichte tage- lang stehen und aufwärmen. Auf einen guten Speisepilz sei hier noch hingewiesen, der in der Umgegend Berlins sehr verbreitet ist: den Perlpilz.— Dieser Pilz gibt bei seinem eigenartigen Aroma gute und ergiebige Mahlzeiten, nur soll man darauf achten, daß die Oberhaut gut abgezogen wird, da die Haut— aber auch nur diese— einen giftigen Stoff enthält. In den Pilzausstcllungen und durch Pilz- kenncr sollte jeder Pilzfreund gerade diesen Pilz gut kennen lernen; bis jetzt wird er leider in UniennniiS von sehr vielen Personen als giftig angesehen und zerstört.— Gerade von dieser Pilzsorte findet man deshalb im Walde außerordentlich viele„Pilzleichen*. Beim Perlpilz ist unbedingt als charakteristisch darauf zu achten, daß das Fleisch zart rosa durchwachien ist.— Fehlt im Fleisch der rosa Hauch, so ist man sicher, auf einen Pantberpilz oder gar auf einen Knollenblätterpilz gestoßen zu sein.— Also Voisicht. Darauf, daß den Pilzen heutigentages ein großer Wert für die Volksernäbrung zukommen kann,'st an dieser Stelle schon kürzlich hingewiesen worden,— man muß aber unter allen Umständen die giftigen Pilze zu meiden wissen! »Der Stralauer§?schzug'. sJm Palasttheater.) Berlin hat sein neues Ausstattungstheater, Palasttheater heißt es, am Zoo ist's gelegen und Fritz Friedniann-Frederich, ein in vielen Geschälten und Künsten erfahrener Mann, will darin der Schaulust dienen. Vom ernsten Schauspiel bis zur Revue will er alles pflegen mit ersten Kräften. Also ein Theater aller Künste: der Inhalt ist Nebensache, die Mache alles. Zur Eröffnung wurden am Dienstag zwei Schriftstellew des Vormärz bemüht, um da? Berlin von heute zu amüsieren. Der eine— Adolf Glaßhrenncr, bekannt unter dem Namen„Brennglas*— ist als nackensteifer volitischer Saliriker unvergesten. Der andere— FuliuS von Boß— war in gewiffem Sinn ein Vorfahre jenes Berliner« lums, dem eben Glaßbrenner erst die rechte Note erfinden sollte. Weil trotz oder vor lauter leichtgeschürzten Muientram keinem modernen Operettisten etwas Neues mehr einfällt— wird die Periode der seligen Biedermeierei wieder auiS Tapet ge- bracht.„Der Stralauer Fischzug* nennt sich diese AuS- stattungSposie. Sie wurde zurechtgemacht aus Stücken gleichen Namens von Voß und Achim v. Arnim. Dazu wurden' Gloß- brennerulke. Nolkslhpen, Lieder und Schnurren ausgeliehen. Dank dieser Beimischung ist die Voßsche Gemütskiste noch halbwegs ge- nießbar. DaS vierte Bild mit der Zurüstung der Handwerker- familie„Juchten* zur Krcmserfahrt nach Stralau bedeutet den „Knalleffekt* der im übrigen lavendelduftigen VerliebungS- und Verlobungsgeschichte von Juchtens Friederike. Zumal dann, wenn die dicke Mehger-Erbtante verstaut wird. Aller sonstige „Humor* will als zu naiv nicht mehr so recht„ziehen*. Manchmal möchte man schon, es werde angekündigt: Aufgepaßt! Jetzl kommt ein Witz! Zur Vermehrung der Lustbarkeit produzierten Lucie Kiesel« hausen und neben ihr einige Balleitdamen die Musik ihrer Beine. Vormärzliche Gavotten, Walzer, Ländler usw. werden getanzt, vor- märzliche Lieder und Gassenhauer gefiedelt und gesungen. Darauf verstand sich der kürzlich verstorbene Bogumil Zepler aus« gezeichnet. Die Instrumentierung dieser zum größten Teil in Vergessenheit geratenen Melodien ist von erlesener Feinheit. Eine ganze Schar erstrangiger Künstler war aufgeboten, um den Betrieb zu beleben. Jakob T i e d t k e führte mit breitem Humor einen behübigen Urberliner Handwerksmeister vor. Alfred Abel glänzte als verführerischer Lebemann und Hans Junkermann, ließ als Darlehns- und Heiratsunter« nehmer Breitseiten Berliner Redensarten IoS.' Durch allerlei Ge- saugskunststücke fesselten die Brüder L i e b a n. Uikig war ein H-nne-und-Hahii°Couplet. Verblüffend und naturalistisch gelang das Durcheinandergelärme der Leierkästen und sonstiger JahrmarktSmusik in Stralau. Die Bilder von Alt-Berlin sind naturwahr gestellt; das Volks- sestgetriebe wird lebendig zur Anschauung gebracht. Aber wenn man wieder auf die Straße hinaustritt, fürchte ich, dürfte das ganze glänzende Aufgebot von Vielerlei rasch verflogen sein. vk. Die Sarfüßlerinnen in öer Großftaöt. Trotz der schon herbstlichen Witterung haben in Hamburg funge Damdn die strumpflose Mode eingeführt. Sie zeigen den entblößten Fuß in Halbschuhen, Sandalen oder hohen Stiefeln. Die Bar- süßlerinnen beteuern, daß sie sich ohne Strümpfe außerordentlich wohl fühlen, daß sie von ihren kleinen Fußleiden sogar besreit seien und über unbequemes Fußzeug bei weitem nicht so viel zu klagen hätten. Allerdings muß die Sohle des SchuhcS im Innern eine weiche Einlage haben, um etwaige Reibungen zu verhindern. Ein klein wenig Eitelkeit mag wohl dabei mitwirken. Mit der strumpflosen Mode wird der Fußpflege wieder große Beachtung zugewandt. Hühneraugen und Ballen werden all- mählich verschwinden und der Fuß wird feine ursprüngliche Form wieder bekommen. Viele dieser Bahnbrecherinnen würden selbst ohne Schuhe gehen, doch der Staub und Schmutz einer Großstadt verbietet eS ihnen. Die Barfüßlerinnen haben zugleich dem Hut und jeder anderen Kopfbedeckung den Abschied gegeben, so daß sie echt sportl'ch auftreten, zumal daS lose Gewand den Vorzug be- kommt. Nett sieht es aus. wenn eine Mutter mit ihren Kleinen strumpf- und bullös daherkommt und alle mit sichtbarem Stolz ihre fortschrittliche Gesinnung zur Schau tragen. Auf abgelegenen Spazierwegen, am Elbestrand, auf der Heide und auf Grasplätzen siebt man die strumpf- und fchuhlosen Bahn« brecher weiblichen und männlichen Geschlechts in allen Altersstufen. Ganz besonders zahlreich tauchen sie an sonnigen Tagen auf, wo die bloßen Füße ein wohliges Sonnenbad nehmen und manche kranken, empfindlichen Fußzehen und-lnöchel abgehärtet und gesund werden. Unter den Verwundeten in den Lazaretten haben viele die S o n n e u f u ß b ä d e r auf warm bestrahltem GraS- � und Sandwege schätzen gelernt und nehmen sie mit großem Vergnügen. Notkzen. — Der Verband zur Förd>rn,ng deutscher Theate rkultur(Ortsverein Berlin) vertestältet in diesem WMeV------- r�r-Cf-- ftinweix ft e*4in_„ W„ WWWWW. tung dos Direnors Emil Bcrisch im C en tra l t h eo t er. erste Aufführung wird am nächsten Sonntag Lessings„Minna von Barnbelm" gegeben. Anfragen erbeten an den Vorsitzenden: Reichs- tagsabgeordneten Heinrich Schulz, SW. 68, Lindenstv. 3. — Der Kampf um den Schauspieler wird wieber einmal gerichtlich ausgetragen. Diesmal handelt es sich um Walter Krauß, den das Kgl. Schauspielhaus dem Deutschen Theater wegengagierl hat. Vorläufig ist Herrn Krauß das Auftreten im Schauspielhaus für die Dauer des noch für güllig erklärten En- gagements schon in seinem Rohrstuhl im Gehöft herum, Ein junger Bursche schob den Stuhl. „In den Garten!* kommandierte er schroff, mit dem Hut die Tauben abwehrend, die ihm nachflogen und sich auf dem Stuhl niederließen. Die zwitschernden, klangvollen Töne des Klosterglöckleins ergossen sich durch die Luft. Vom Warten aus konnte man die Türme und die Fensterreihen des Klosters sehen, die sich über die flachen Dächer des Städtchens erhoben. „Ins Kloster I Pater Liberatus wollen wir besuchen. Beeile dich." Als er zurückkehrte, traf er Anka vor dem Haus. Sie saß auf einem niedrigen Sessel von einer Schar ganz junger Kücken umgeben, und fütterte sie. Mar stand in der Tür und blickte entzückt auf diese Idylle. „Wo warst du, Vater?" „Bei Vater Liberatus." „Geht's ihm besser?" „Ilch wo, er ist schon ganz mente captus, ganz." „Ist das der Geistliche, der gestern bei Ihnen war?" fragte Max. „Nein, das war Pfarrer Simon, und jener ist der letzte der Dominikaner, die in unserem Kloster waren. Pater Libe- ratus ist ein Mann von tiefer Bildung und großer Frömmig- keit, ober... krank. Fast irrsinnig. Und dabei.. Der alte Borowiecki bückte sich zu Max herüber uud flüsterte ihm etwas ins Ohr. Anka unterbrach ihn; sie rief einer Entenschar laut zu. die wie rasend im Teich herum- flatterten, ohne auf die verzweifelten Rufe der aufgeregt hin und her rennenden Henne zu achten, die sie ausgebrütet hatte. „Was ist denn das für eine Entenidylle? Ich konnte wegen dieses Geschnatters gar nicht schlafen," rief Karl, in den Garten eintretend. „Wirst dich in Lodz ausschlafen." „In Lodz lrnb' ich was anderes zu tun," erwiderte er unwillig, begrüßte Anka kühl und blickte gelangweilt auf die blauen Rauchwolken, die sich in Säulen über dem Städtchen erhoben. „Müssen die Herren unbedingt heute fahren?" fragte Anka zaghaft. „Unbedingt, und zwar so bald als möglich." „Dann fahren wir also, ich bin schon bereit." Max sagte es schroff, weil ihn die Unbedingtheit, von der Karl sprach, aufregte. „Nein, nein, die Herren fahren nachmittags, jetzt erlaube ich es nicht. Wir fahren zum Hochamt in die Kirche, Pfarrer Simon müssen wir besuchen. Dann essen wir. Ich habe noch speziell Zajonczkowski und den Pfarrer eingeladen. Und endlich mußt du, Karl, ja auch mit Karczmarek reden. Um drei soll er hier sein. Gegen Abend begleiten wir dann die Herren." Der alte Borowiecki sprach ernst. „Gut, gut l" warf Karl rasch zurück und ging WS Eß- zimmer. wo das Frühstück auf sie schon wartete.. Nach dem Frühstück ging er in den Garten und setzte sich unter einen Apfelbaum, der ihn beim leisesten Windhauch mit schneeweißen Blüten überschüttete. Die Bienen summten in den Apfelbäumen wie in Bienen- stöcken, der ganze Garten schwamm in dem süßen berauschen- den Duft der Flieder- und der Apselblüten und hallte von den Stimmen der Goldamseln wider. Der alte Borowiecki machte ein Schläfchen, wie gewöhn- lich nach dem Frühstück, weil er stets schon bei Sonnenauf- gang aufstand; Anka kleidete sich zur Kirche um, und Max schritt durch die mit Gras bewachsenen Gartenwege, kam wieder an Karl vorbei, sprach aber nicht zu ihm, mied sogar seinen Blick und verschwand Ivieder im Garten. Er glaubte Anka in der Ferne vorbcihuschen zu sehen. Als er sich über- zeugt hatte, daß bloß die mit Blüten bedeckten Apfelbäume so rosig schimmerten, blieb er am Gartenzaune stehen und blickte über die weiten Flächen des blühenden Kornes, daS sich eintönig rauschend im Winde wiegte. Auf einem Steg mitten durch die Felder zog eine lange Reihe rot gekleideter Bäne- rinnen und Bauern in weißen Ja�en in die Kirche. Er ver- saak in diesen Anblick und horchte doch aufmerksam, ob sich nicht irgendwo Ankas Stimme vernehmen ließe. Etwas ging in ihm vor. Er war sich aber nicht klar, was es. war.„Habe ich nicht ausgeschlafen, oder was ist es sonst?" dachte er, seinen schweren Kopf mit den Händen zusammenpressend.„Der Teufel hole so'neu Landaufent- halt!" Er fühlte sich plötzlich so aufgeregt, daß er Karl auf- zusuchen beschloß. „Könnten wir nicht früher fort?' „Hast du es auch schon satt?" „Ich bin tatsächlich ganz außer Rand und Band. Wie ein abgetragener Gummischuh komme ich mir vor. Nachts konnte ich nicht schlafen, und jetzt weiß ich wieder nicht," was mit inir los ist.— Dann bin ich auch unruhig wegen meiner Mutter, und.. ," er brach ab und sprach den Satz nicht zu Ende, stampfte bloß wütend mit dem Fuß in einen Btanlwurfshügel, der gerade frisch auf dem Rasen aufgeworfen war. „Tröste dich, wir fahren schon. Ich muß bloß diesen Frondienst anständig beschließen." „Frondienst?" Max fragte verwundert.„Bater und Braut— nennst du Frondienst?" „Nicht sie meine ich, bloß diese Tölpel, die zu Mittag kommen sollen, und die Besuche;" er wollte daS ihm unwill- kürlich entschlüpfte Wort verwischen. Anka rief vom Gartenweg aus:„Meine Herren, eS ist Zeit zur Kirche!" Sie sah heute reizend aus in dem hellen Kleid aus ganz leichtem Stoff mit einem zarten, blaßvioletten Muster und dem mit Vergißmeinnicht geschmückten Hut. Ein seltsamer Reiz frischer Jugendlichkeit strahlte aus ihren Augen. Kraft und Adel lagen darin. Verzückt und aufgeregt ging Max schweigend eine Zeitlang neben ihr her. Dann aber musterte er mit dem Kennerblick des Fabrikanten ihr Kleid und sagte sehr ernst: „Deine, Brillantine", Karl I Ausgezeichnet im Ton." „Und wäscht sich ausgezeichnet," fügte Anka hinzu, von seinen Worten belustigt. Ihr Lachen berührte Max unangenehm. Er blieb etwas zurück uud blickte auf die breite Gasse des Städtchens, ans der sie zur Kirche schritten. Das Städtchen war eine arm» selige Anstedlung, hauptsächlich von jüdischen Webern bewohnt. Fast in jedem Fenster sah man einen Webstuhl, und in den langen, schwarzen, dreckigen Hauscingängen saßen alte Jü- binnen und spulten Garn auf. Das trockene, eintönige Ge- knatter der Webstühle drang aus jedem Fenster und zitterte in der durchsonntcn Luft. In der Mitte der Hauptstraße blinkten große Pfützen, in denen der Kot nie austrocknete, und in denen Enten in Scharen nach Nahrung suchten. Eorts. folgt.) Verkäufe Rähinelchwen! 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Ein halbes Jahrhundert lang drfuhr das friedliebende Frankreich unwürdige Kränkungen von feiten eines Feindes, der uns nicht verzieh, das; wir ans dem Schiffbruch das Bewußtsein des Rechtes Und der unverjährbaren Ansprüche und der Unabhängigkeit in der Freiheit gerettet haben. Kein Tag verging ohne Kriegsdrohung, ohne irgendeine bewußte Brutalität der Tyrannei. Die gepanzerte Faust, das trockene Pulver und das geschliffene Schwert waren die germanischen Friedensworte. Wir haben diese furchtbar langsamen Stunden durchlebt unter den schlimmsten Vergewaltigungen und Zumutungen, die noch demütigender wurden durch eine niedrige Heuchelei, die, uns zur Annahme eines freiwilligen Joches bewegen sollte, die uns allein vor dem allgemeinen Zusammen- bruch bewahren könne. Der Augenblick ist endlich gekommen, in dem der angebliche Herr der Welt den Entschluß faßte, ein Ende zu machen mit dem ruhigen Stolz der Völker, die es wagten, der ewigen Mißachtung des Herrschers den Dienst zu verweigern, der aus der Versklavung seiner Herde auf die An- .Möglichkeit der Erhebung der edlen Gesinnung bei den unab- hängigen Völkern schloß.(Beifall.) Ohne stichhaltigen Grnnd, ja ohne den Scheim eines V o r w a n d s, hat der traditionelle Angreifer sich auf unser Gebiet gestürzt, um seine großen Verwüstungen wieder auf- zunshmen. Unsere Soldaten brachen auf zu dem ganzen Opfer, das das Wohl des heimischen Herdes forderte. Was sie waren und was sie sind und chaS sie geleistet haben, das wird die Geschichte sagen. Wir wissen eZ im Voraus. Aber erst seit gestern beginnt da? bestürzte Teutschland zu begreifen, was für Menschen es vor sich hat �lebhafter Beifall). Albernerwcife hat es geglaubt, der Sieg würde alles vergessen las- sen. � Uns ere �verwüsteten Felder, unsere durch Minen und Brand veimichtettn Städte und Dörfer, tue planmäßigen Plünderungen, raffinierte Mißhandlung, alle Gewalttätigkeiten der Vergangenheit proz. Schatzanweisun- gen auch dem kleinen Sparer zu ermöglichen. Leider ist sie nicht den Weg bis zu Ende gegangen und hat es unterlassen, die Stücke- lung bis auf 100-Mark-Stücke fortzusetzen, was für eme wirkliche Popularisierung der tatsächlich sehr vorteilhaften 41/? proz. Schatzscheine sehr erwünscht gewesen wäre. Der Vorteil der 4i/n proz. Schatzscheine besteht bor allem darin, daß der Besitzer die Chance eines AuSlosungSgöwinneS hat. Die verbürgte Auslosung und die Erwartung der Prämie sind aber Faktoren, die den Markt dieses PapiereS auch im Frieden sehr stützen werden. Frieden und Währung. Von einem früher unbekannten und seither wieder in Unbe- kanntbeit versunkenen Profesior der Technischen Hochschule Chor- lottenburg namens Klotz ist vor einem Jahre die verrückte These aufgestellt worden, die Währung werde von jedem Friedensschritt der Mittelmächte ungünstig beeinflußt. Wie unwahr daS ist, zeigt besonders der folgende Vergleich: Schweizer Wechselkurse beim deutschen Angebot 1916 österr.-ung. Angebot 1918 12. Dezbr. 13. Dezbr. 14. Sevtbr. 16. Septbr. Deutschland.. 79,60 86,— 63.60 72.— Oesterreich... 49.— 64.— 87,40 42,— Frankreich... 83.75 86.60 80,76 83.60 England... 23,20 23,90 21,10 21,70 Seitdem sich die erste Ueberraschung über BurianS Note gelegt und der Skeptizismus Oberhand gewonnen hat. ist der Wert von 100 M. wieder auf 69 Frank gesunken. AlS neues HanitelSobjekt hat sich die Rechtsform von Aktien- Gesellschaften entpuppt. Die Gründung neuer Altiengesellschaften ist durch ministerielle Genehmigung zur Schonung des Kapitalmarkt? eingeschränkt. Aus diesem Grunde und um die hohen Gründungsrosten zu sparen, wird neuerdings die bloße Rechtsform von Aktiengesellschaften, die ihren flonzen Betrieb veräußert haben, verkauft. Da» ist eine sehr einfache Prozedur. Es wird die Ge- samtheit oder die Mehrzahl der Aktien in andere Hände gegeben und ihr Uebergangswert wird bestimmt durch daS Vermögen der Aktiengesellschaft mehr des eigentlichen Preises der Rechtsform. So ist das 1 Million Mark betragende Aktienkapital der Ersten Berliner Malzfabrik von den Bankfirmen Gebr. Arnhold (Dresden) und A. Falkenburger(Berlin)) an eine andere Gruppe verkauft worden. Anfang Oktober wird eine Generalversammlung stattfinden, in der die Sachlage durch Neuwahlen deS AuffichtSrats zum Ausdruck gebracht werden soll. Die Erste Berliner Malz- fabrik hat vor etwa einem Jahre ihr Fabrikanwesen an die Stadt Neu-Kölln für 676 000 Mk. verkauft. Iugenüveranstaltungen. Arbeiter-Jugendheim, Ltndenftr. S. Morgen Freitag, abends 8 Uhr: Vortrag de? Herrn Haß.— Am Sonntag bleibt da» Heim in- folge der am Nachmittag im Centraltheater stattfindenden Theatervorstellung gefchlossen._ TvetteranSftchten für daS mittlere pteebventfcblanb bis Freitag mittag. Ziemlich warm und zeitweise hetter, jedoch vor- herrschend wolkig oder nebelig, mit leichten Rcgensällen, strichweise Gewttten SZerantwortlich für Politit: Erich Suttncr, Berlin: fllr den übrigen TeU bei Blattei: Alfred Scholz, Neukölln: für Anzeigen: Theodor Glocke, Berlin. Verlag: VorwürtS-Perlag G. irt b. H., Berlin. Druck: BorwSrtS-Buchdruckeret und LerlagSanltalt Paul Singer u. Co. in Berlin. Llndenstratze S. Hierzu 1 Beilage und NnccrhaltungSblatt. Ihe Auge braucht Rahe! Ihre Arbeitskrast und Leistungsfähigkeit, so selbst Ihre gute Laune können durch Ueber- anstrengung Ihrer Augen erheblich leiden. Deshalb sollten Sie Ihre Augen wenigstens vor überflüssigen Anstrengungen bewahren. Unermüdlich ist Ihr Auge in Bewegung. Es blickt umher von rechts nach links, von oben nach unten. So sehr ist Ihr Auge an Bewegung gewöhnt, daß Sie es als unan- genehm empfinden, wenn Sie einen Punkt länger« Zeit fixleren müssen. Dieser hohen Beweglichkeit der Augen soll die Form der Brillengläser entsprechen. Beim Blicken durch die alten geraden Gläser muß Ihr Auge, um genau sehen zu kennen, ständig seine Ak- Sini'z die Augen, Geh'zu Ruhnke/ komodation ändern, d. h. in stetem WechjÄ sich an- und abspannen, weil die Schärft gerader Gläser sich von der Mitte nach dem Rande zu stark ändert. Dieser ständige Wechsel in der Schärfe beunruhigt und ermüdet die Augen. Wollen Sie Ihren Augen solche Utt» annehmltchkeiten ersparen, wollen Sie ihnen die nötige Ruhe gewähren, damit Sie mög- lichst ohne Anstrengung umherblicken, arbeiten, lesen können, so tragen Sie nur Siuhnke's Punktorik-Gläser für M. 8.—, oder die noch besseren aus D.R.P.-Sanoskopglas für M. 10.—, weil Sie dadurch Ihren Augen noch besonderen Lichtschutz gewähren. \ Geh' zaRiumke/ JfSK C\T/ cowlizer SfcMJ, M Chtuffee-Str. 72. M\"!T Jriebd�ft. IM, Med-nau: t«fe a«ll.6tt. VV« Ecke Aouer-Str. 1*» IM Vr. Ecke lototd«»«'©*1* Rheiu»k>tr. 18, Eck«