Ur. 361. 3o. Jahrg. Bezugspreis- VterreliSbri. o.tOMl. monatl. I.SVMl, frei ins HauS. voraus, ahlbar� Einzeln« Nummern 10«fcnnig. Postbezug: Wonaruch.vom Poltschalter abzuholen ILO Mb.dom BriestrSger ins Haus ae- bracht l.Ss Ml. Unter Kreuzband ffit Deulschiar d und Oesterreich. Ungarn 4.— Ml. kür das übrige Ausland 5.SO Ml. monatlich, Sersand ms Feld b et dtrelter Bestellung monatl. 2,— SRI. Bostbettellungen nehmen an PSne- marl. Holland. Luxemburg, Schweden und die Schweiz. Eingetragen in dt« Polt-tseitungs-Preislist«, Erschein» täglich. Telegramm- Adresse: .Sozialdemokrat Berlin' Berliner VulfrsblnK. ( 10 Pfennig� Anzeigenpreis- DiellebengeldaUeneKolonelzeileloslet 80 Psg..Klein« Anzeigen-, da» settgedruckte Wort ZV Pfg.(zulüsstg z settgedruckte Wortes, jede» weitere Wort 1B Psg. Stellengesuche und Kchlafstellcnanzeigen das erste Wort 10 Big.. iede» weitere Wort 10 Pia. Worte über 16 Buchstaben zählen stir zwei Worte. Teuerung«,!, schlag 20»/» Familien-Anzeigen, velitische und gewerlschaftlich« Berein»- Anzeige» »0 Big. die geil«. Anzeigen für die nächsle Nummer müssen bi« s Uhr nachmittag» im HauMgeschäsi Berlin SW.KS. Lindeiiltrage 3, abiegebcn werden, geöffnet von S Uhr früh bi» ? Uhr abend». Z�entralorgan cler fozinidcmökratifdncn Partei Doitfcblands. Neüaktion: Ew. 68, Linöenstraße Z. Zhernivreckier: Amt Morittplan, Str. IKl g»— S7. Expeüitio«: SW. 68» �ioüenstraße Z. iherniprechrr: Am- Morinplatz. Nr. 151 90—161 97. Neue englische Grossangriffe gescheitert. Scheiüemann zum österreichischen Vorschlag. Gegen die Scharfmacher der Kriegsverlringerung. Genosse Scheidemann erklärte einem Vertreter deS Kopen- Hagener Blattes.Politiken" auf seine Frage, wie er sich zum österreichischen Friedensvorschlag stelle, das folgende: Der österreichische Vorschlag ist und bleibt vernünftig, auch wenn er zehnmal abgelebnt wird. Und er wird nur noch ver» nünitiger. wenn er nach jeder Lblebnung erst recht wiederholt wird. Bei jedem Slreil halten es die verständigen Leute für selbst« verständlich, daß man den Streitfall so rasch wie möglich zu schlichten bestrebt sein muh. Die Partei, die nicht verhandeln will setzt sich vor den Augen aller Welt ins Unrecht. Wenn jetzt, wo es um millionenfach mehr gehl, eine Mächtegruppe jede Verhandlung ablehnt, so handelt sie nicht anders als scharfmacherische Unternehmer, die jede Unterhandlung mit ihren Arbeitern ablehnen und Unterwerfung auf Gnade und Ungnade ver« langen. ES ist zu bedauern, datz keine völkerrechtliche Institution besteht, die die Regierung in der Kriegführung zwingt, vom ersten Tage deS Krieges an Einigungsverhandlungen einzuleiten und ste fo lange fortzusetzen oder zu wiederholen, bis sie zu einem positiven Ergebnis geführt haben. Der sogen..Abbruch der diploma« tischen Beziehungen" ist der größte Blödsinn, der von mensch« lichen Gehirnen ersonnen worden ist. Der österreichische Borschlag forderte die Wiederanknüpfung diplomatischer Beziehungen, d. h. die Wiedeianknüpfung von Beziehungen zur menschlichen Vernunft. Kein Wunder also, daß er alle KriegSphantasten. alle EroberungS« sSiwäyer und Vernichtungspolitiker an Schreibtisch und Stamm« tisch, kurz alle, die gehängt zu werden verdienen, gegen sich hat. Desto sicheier hat er die Soldaten aller Fronten, die blutenden Völker aller Länder und Weltteile sür sich, und darum muß er, wenn nicht schon jetzt, so doch bei seiner zweiten oder dritten Wiederholung zum Ziel kommen. Attentat auf Trotzki. Leipzig, 20. September. Wie der Sonderberichterstatter der„Leipziger Abendzeitung" aus Kiew meldet, wurde auf Trotzki in K n r s k ein Attentat unternommen. Ein Soldat schoß auf Trotzki, verfehlte ihn aber. Der Korrespondent meldet weiter, daß'die ukrainische Regierung eine Verschwörung zur Ermordung des Leiters der russischen Friedcnsdelegation RakowSky aufgedeckt habe, Nach einer, Stockholmer Meldung, die sich auf russische Blätter stützt, ist auch auf den Kriegskommissar P o s e r n ein Attentat verübt worden und zwar in Petersburg. Posern blieb jedoch unverletzt. Die Attentäter sind ergriffen und auf der Stelle erschossen worden. Weiter wird von einem Atten- tat auf zwei Mitglieder des Kricgsrates, deren Namen nicht genannt werden, berichtet. Im Zusammenhang mit diesen beiden Attentaten sollen' in Petersburg wieder 73 Mitglieder der Sozialrevolutionäre erschossen worden sein. Wien, 20. September.(Wiener Korrcsp.-Burcau.) In dem wichtigen Bahnknotenpunkt KoSlow vor Woronesch wuvde eine weitverjivdgte Verschwörung entdeckt, die vom Vorsitzen. den deS Sowjets Jawrow und dem Kriegskommissar Koruchowitsch geleitet wurde. Die sogenannte eiserne Kompagnie der Roten Armee trat zu den Verschwörern über. Zwei Regimenter blieben jedoch der Regierung treu. Di« Unt»vdrückung de» Aufstände» geht im ganzen Krei» vor sich. Die interalliierte /irbeiterkonferenz. Der„Nieu'we Rotterdamsche Courant" meldet aus London: Der frühere französische Minister Albert Thomas sagte in der interalliierten Arbeiterkonferenz über die rasche Verwerfung der österreichischen Note durch Amerika: Wir ehren und bewundern zwar die raschen Methoden unserer amerikanischen Freunde, vor allem auf dem Gebiete der Industrie, sehr, aber in der Diplomatie ist doch die Zeit, die man anwendet, keine vergeudete Zeit, und wenn die Alliierten einige Tage miteinander ver« handelt hätten, hätte das sehr nützlich sein können, Ramsay Macdonald sagte: es mag zwar großartig aussehen, wenn man in einer � halben Woche ant« wortet. aber im Kriege ist das keine Methode. Nach langer Erörterung wurden die beiden E n t« schließungcn der Konferenz bezüglich Rußlands an den Ausschuß zurückver-wiesen. Die Konferenz hat alsdann unter Vorsitz von Bronckere(Belgien).nachstehende abgeänderte Resolution mit großer Mehrheit a n- genommen: „Die Konferenz ist der Meinung, daß in Ueberein- stimmung mit Artikel 6 von Wilsons 14 Punkten die gegen« Südlich der Somme Essigny-le- Grand geräumt— Französische Angriffe zwischen Vauxaillon und Jony. B e r l i«, 21. September 1918, abends. Am tlich. Vor unserer Siegfried- Front zwischen dem Walde von Gouzeancourt und Hargicourt sind große einheitliche Angriffe der Engländer unter schwersten Verlusten für den Feind gescheitert.__ Amtlich. Grefte« Hauptquartier, 21. September lSl8.(MTB) Westlicher Kriegsschauplatz. Heeressruppr Kronprinz Rupprrcht. Ocftlich von Merke« wurde ein bclqischcr Teilangriff ab« gewiesen. Rege ErkundungSlätigkeit zwischen Ly» und Scarp». Bei Abwehr englischer Bataillone, die nördlich von La B a s s ö e vorstieße«, machten wir 5t> Gefangene. Heeresgruppe Beetz n. Zwischen Gouzeaueourt und der Somme zeitweilig starke Artillcrietötigkeit. Ein englischer Teilangriff nvrdwestsich von B e l i r o u r t scheiterte vor unseren Linien, Südlich der Somme nahmen wir unsere noch weit vor der Stellung br- lasse»»» Bortruppen auf diese zurück und riumten somit auch Essigny-le«Grand. Heeresgruppe Deutscher Kronprinz. Zwischen B a u x a i l l v n und Jony folgten am Abend heftigem Feuer feindliche Angriffe. Auf dem Höhenrücken westlich von Jony faßte der Feind Fuß; im übrigen wurde er ab« gewiesen. Bei den Heeresgruppen Gallwitz und Allrecht keine besondere Gefechtstätigkeit. Der Erste Generalquartirrmeister. Ludeudorff. Der österreichische Bericht. Wien, 21. September. Amtlich wird verlautbart: Italienischer Kriegsschauplatz. Eine feindliche Unternehmung gegen StellungSteile im Tonale-Abfchnitt wurde durch unser BernichtungSseuer im Keime erstickt. In den I u d i k a r i e n, im C o n c i- T a l r, bei M e r i und auf der Hochfläche örtliche Kleinkämpse. Zwischen B r e n t a und P i a» e beschränkte sich der Jta< liener nach den Mißerfolgen der letzten Tage aus schwächere Bor- stoße gegen unsere Tasson-Stellungen nordöstlich de? M o n t e P e r t i c a, die alle restlos abgewiesen wurden. Westlicher Kriegsschauplatz. Bei den k. u. k. Truppen nichts von Belang. Albanien. Keine nennenswerte Gefechtstätigkeit.\, Der Chef de» GeneralstadeZ. wSrtige Anstrengung der alliierten Regie« rungen, dem russischen Volke Beistand zu leisten, nur von dem aufrichtigen Wunsche geleitet werden darf. Freiheit und Demokratie zu erhalten, um den Frieden der Welt zu schützen, in dem wertvolle Ergebnisse der Revolution dauernd gesichert werden können." Die Konferenz ist also mit einer nebelnden Freiheits- Phrase dem unzweideutigen Für oder Wider zur Frage der Intervention ausgewichen. Sie hat sich für Wilsons Aktion erklärt und zugleich mit demokratischer Schönrednerei dar« getan, wie ste's in der Praxis mit dem SelbstbestimmungS- recht der Völker halten will. Obendrein aber muß das Welt- friedens henialten, das faule Spiel zu verdecken. London, 2l. September,(Reuter.) Die Arbeiterkonferenz nahm zum Schluß den Bericht der Kommisston über die Kriegsziele in der durch die Konferenz verbesserten Fassung an und vertagte sich. Die Einnahme von Sakii. Auch die Naphthaquellen besetzt. Konstantinopeler Blätter lvciseu zur Einnahme von Baku darauf hin, daß der Feind keine Zeit hatte, die Naphtha« quellen und Anlagen, die gleichfalls besetzt sind, zu zerstören. Ein deutscher Vorschlag zu einem völkerbunö. . Der Zentrumsabgeordnete Matthias Erzberger hat soeben im Verlage von Reimar Hobbing in Berlin eine etwa 200 Seiten lange Schrift„Der Völkerbund. Der Weg zum Weltfrieden" erscheinen lassen. Der Schwerpunkt dieser Schrift liegt in seinem Schluß, dem Entwurf der Verfassung eines Völkerbundes, zu dem die vorausgehenden Blätter die Begrün- dung liefern. Ter Wert deS Buche? wird in diesem Fall dadurch erhöht, daß es nicht von einem Sozialdemokraten, sondern von einem einflußreichen Mitglied einer großen bürgerlichen Partei her- rührt. Der Anschluß der Sozialdemokratie an den Gedanken des Völkerbundes ist bekannt, er kommt in seinem Keime schon im Erfurter Programm und später in weiteren programma- tischen Erklärungen der Partei zum Ausdruck. Außerhalb der Sozialdemokratie waren es aber bisher nur einzelne deutsche VölkerrechtSlehrer und Pazifisten, die sich zu der Idee dc§ Völkerbundes bekannten und ihre Gedanken über diesen Gegen- stand näher formulierten. Die Schrift Erzbcrgers beweist, daß der Völkerbundgedanke auch außerhalb der Sozialdemokratie und der kleinen bürgerltch-pazifistischen Kreise in Deutschland eine politische Macht geworden ist. Der Entwurf Erzbergers zerfällt in 7 Kapitel und inS- gesasiit 40 Artikel. Das erste Kapitel behandelt die O r g a n i- sation des Völkerbundes, der definiert wird als„ein ewiger imd zur friedlichen Erledigung aller zwischen den Staa- tcn entstehenden Streitftagen und zur gemeinsamen Pflege deS Rechte? und der Wohlfahrt aller Völker". Der Anschluß an den Bund soll durch Parlamentsbeschluß erfolgen, und der Bund soll als zustandegekommen gelten, wenn mindestens das Deutsche Reich, England, Frankreich, die Vereinigten Staaten von Nordamerika und Rußland ihren Beitritt erklärt haben. Jeder Staat soll in der Voll- sitzung des Bundes einen Delegierten haben. Die gemeinsamen Derwaltungsangelegenheitcn werden von einem ständigen Ver- waltungsrat im Haag geführt. Dieser Bund soll den terri- torialen Besitz eines jeden Bundesstaates sowie den ungestörten Besitz semer Kolonien gewährleisten, jeder Bundesstaat soll in seinen innerpolitischen Angelegenheiten völlig unabhängig, in außenpolitischen es insoweit sein, als dies der Rahmen der Bundesverfassung zuläßt. Beleidigungen fremder Völker durch die Presse sollen strafbar sein, auch soll zwischen den Staaten ein Berichtigungszwang für die Presse geschaffen werden. Das zweite Kapitel behandelt die ewig neutralen Staaten, deren Neutralität unter BundeSschutz gestellt wird, ■das dritte sehr wichtige führt die näheren Bestimmungen über die Schaffung eines obligatorischen Schiedsgerichts aus, dem alle Streitigkeiten, die nicht durch Diploma- tie oder Vermittlung erledigt werden können, zu unterwerfen sind. Außer dem Schiedsgericht soll noch ein OderschiedSgericht gebildet werden. Iede Partei wählt einen Schiedsrichter, beide Schiedsrichter wählen einen Obmann. Einigen' sie sich über den Obmann nicht, so bezeichnet jede Partei eine andere Macht als ihren Vertreter, diese beiden haben dann eine Einigung zu versuchen; gelingt auch diese nicht, so entscheidet unter näher ausgeführten Modalitäten das Los. Für die Vollziehung der vom Schiedsgericht resp. vom OderschiedSgericht gefällten Urteile übernimmt der gesamte Bund die Garantie. Ebenso greift er gegen jeden Staat ein, der, statt daS Urteil des Schiedsgerichts anzurufen, abzuwarten und anzunehmen, kriegerische Handlungen vornimmt. Zur Begründung dieser früher viel angefochtenen Idee der obligatorischen Schiedsgerichtsbarkeit macht der Verfasser in längeren Ausführungen die, heute wohl allgemein als treffend anerkannte Bemerkung, ein ungünstiges Urteil sei immer noch besser als ein verlorener(wir möchten sogar sagen: auch als ein gewonnener) Krieg. Das vierte Kapitel behandelt die Abrüstung. Die Bundesstaaten sollen sich verpflichten, ihre Streitkräfte nach einem Schlüssel, dessen Aufstellung einem besonderen Abkom- men vorbehalten bleibt, stetig zu vermindern und sie zu keinem Zweck als zur Aufrechtcrhaltung der inneren Ordnung, der Verteidigung gegen einen Angriff auf ihr Territorium und der gemeinsamen Exekutive des Völkerbundes zu gebrauchen. Kapitel 5 behandelt die wirtschaftliche Gleichberechtigung und das Prinzip der offenen Tür. Es fordert freie Durchfuhr und gegenseitige allgemeine Meistbegünstigung, , so daß jede Begünsttgung, die ein Staat dem andern gewährt, (zugleich auch allen andern zufällt. Für die ersten zehn Jahre soll der Ueberschuß an Roherzeugnissen nach einem Schlüssel verteilt werden, der entsprechend der Einfuhr von 1913 unter Berücksichtigung besonderer Bedürfnisse festgelegt werden soll. Im sechsten Kgpitel, daZ drs Freiheit deS ZZelt- Verkehrs bchcmdelt, wird die Jnternationalisierung der Meerengen unö mcerverbindenden Kanäle, soweit nicht beide Ufer im Besitze desselben Bundesstaates sind, ferner die Auf- Hebung des Seebeutercchts und des Blockadercchtes gefordert. Diese Rechte sollen nur zu Zwecken der Bundeserekution ange- wendet werden. Das siebente Kapitel erklärt Afrika für ewig neu- tral und verbietet die Aushebung von Truppen in den Ko- lonialgcbicten. �,. Zjchlutzbestimmungen behandeln dann die Exekutive des Völkerbundes, die bei jeder Verletzung der Bundes- Verfassung solidarisch durchzuführen ist. Die Mittel bestehen im Abbruch der diplomatischen Beziehungen, Wschlietzung der Friedensstörer von Ein- und Ausfuhr, Post, Eisenbahn, Tele- graph, dem Zablunpsverbot, der Verhängung der Blockade. Falls ein friedebrechender Staat die Grenzen gegen einen Bun- desstaat überschreitet, tritt die Pflicht gemeinsamer militärischer und maritimer Unterstützung ein. Ein Bundesstaat, der, ohne an- gegriffen zu sein, zu den Waffen greift, wird aus dem Bund ausgeschlossen. Die Kosten, die den Mitgliedern des Völker- bundes aus den Maßnahmen der Exekution entstehen, zahlt der fricdebrechende Staat. Tics sind im wescrctlichen die Grundbestimmungen des von Erzkrger gelieferten Entwurfes. Sie im einzelnen inner- halb derselben Nation zu diskutieren, mag man auch gegen den einen oder den änderen Punkt in seiner näheren Formuliening Bedenken tragen, hätte wenig Zweck. Hauptsache ist, den in Teutschland lebenden VöKerbundgedanken mit den Vorschlägen anderer Völker zu vergleichen und auszugleichen, bis ein brauch- bares Ergebnis zustande kommt. Auch hier wird die inter- nationale Diskussion nur Vorarbeit liefern können, die Haupt- aufgäbe wird der kommenden Friedenskonferenz zufallen. Und was sie betrifft, wäre zunächst eine Einigung der Völker' we- nigstens darüber dringend zu wünschen, daß ein Entwurf eines Völkerbundes ihren ersten Verhandlungspunkt bil- den muß. Stellt sich nämlich die gemeinsame Bereitwilligkeit heraus, den kommenden Friedensznstand durch eine internationale Organisation solidarisch zu sichern, so erscheinen dem- gegenüber alle anderen Streitfragen als Angelegenheiten zwei- ter Ordnung. Vor die Wahl gestellt, entweder einen territoria- len Anspruch aufgeben oder auf die schon sichtbar gewordenen Vorteile deS Völkerbundes verzichten zu inüssen, wird jlcher Steint sich in seiner Neigung zu Zugeständnissen bestärkt suhlen. Wird der Völkerbund Wirklichkeit, so sind die Vertragsrechte, die jedeni Staat daraus entspringen, Hauptsache; Gebiets- und Geldfragen sinken aber verhältnismäßig zur Bedeutung von Lapvalien herab. m_.. Wenn z. B. eine befriedigende Regelung der Rohston- Verteilung erzielt wird, hört die Frage, ob dieses oder jenes Rohstoffgebiet seiner unmittelbaren Macht untersteht, für jeden Staat auf, lebenswichtig zu sein. Ist der Frieden durch Verträge gesichert, so kommen territoriale Grenzsicherungen nicht mehr in Frage. Wichtiger freilich noch als der Wortlaut des vorge- ichlageneii Völkcrbundvertragcs wird der Geist sein, in dem er beschlossen und durchgeführt wird. Es scheint uns folge- riSiiig, daß Erzkrger den Völkerbund erst dann als zustande gekommen betrachtet, wenn die stärksten Völker der Welt ihm beigetreten sind, denn ein Völkerbund, der ein starkes Volk aus seiner Mitte ausschließt, wäre doch nichts anderes als eine Allianz zum Schutz und Trutze gegen das draußen ge- büebene starke Volk. Ter Völkerbund wird aber erst dann als Friedensmacht effektiv, wenn er so stark ist daß jeder Fi iedeusb recher sich ihm gegenüber von vornherein in hoff- uungsloser llnterlegenheit befindet, al'o allen Grund bat, in seinem eigenen Interesse von der Entfesselung eines Krieges abzustehen. In den allgemeinen Ausführungen Erzbergers ist vor allem das Kapitel Belgien interessant. Erzberger er- klärt nämlich mit vollster Offenheit, daß im Falle Belgien das Unrecht auf deutscher Seite sei, daß von einer belgischen Schuld nicht gesprochen w e r d e n, k ö n n e, daß Belgien gar nicht anders handeln konnte, als es gshandelt bat. Für die Absicht einer Grenz- Überschreitimg von französischer Seite lasse sich kein einziger stichhaltiger Beleg anführen, es sei von deutscher Seite sogar festgestellt worden, daß der französische Mo- b i l m a ch u n g s p l a n e i ii c n Einmarsch in Bei- g i e n nicht vorsah. Wir können zur Bestätigung der Auffassung Erzbergers hinzufügen, daß das belgische Militär bei Ausbruch des Krieges Befehl hatte, entsprechend den Pflichten Belgiens als neutraler Staat, jede Grenzüberschrei- tung mit bewaffneter Hand zu Verbindern, gleichviel, ob sie von deutscher oder französischer Seite kommen möge. Ter Fall Belgien liegt also vollständig klar, und man sollte von deutscher Seite jeden Versuch aufgeben, ihn zu verdunkeln. Trotz Meinungsverschiedenheiten im einzelnen, die einer Verschiedenheit der Weltqnschauungen entspringen, sind wir geneigt, der Schrift Erzbergers einen hohen Wert bcizu- messen. Sic bildet ein Gegenstück zu den Schriften der Eng- ländcr Grey und Henderson und des Franzosen Milhaud und liefert gleich ihnen Steine zum Bau einer besseren Mensch- hcitsz'ukunft._ ßü? und gegen öie Sunan-Note. New Porl, 18. September. jRcuter.) Wilsons nach- drückliche Ablehnung der österreichischen Vorschläge findet die uneingeschränkte Billigung der Presse in allen Teilen der Ver- einigten Staaten. Da? neue Wiener.„AckUuhrblatt' erfährt aus diplomatischen Kreisen: Der russische Sowjet beschloß, sich der österreichisch-ungari- scben Friedensnote anzuschließen. Der ukrainische Ministerrat hat an alle Neutralen eine Note Gerichtet, in der er die Z u st i m in ii n g zur Note ausdrückt. Der Ministerrat plant auch, sich in dieser Angelegenheit an die Ententemächte zu wenden. In der Schweiz haben sich sotort mehrere p a z i f i st i s ch e Körper schatten für die Sache der österreichischen Friedensnote ein« gesetzt. Das Komitee des katholischen Instituts für einen Versöhnungs- frieden in Freiburz, da« Initiativkomitee zugunsten eines dauernden Friedens in Gens und die Frauenliga für den Frieden in Freiburg haben im Namen von 40 001) Unterschriften von Schweizern und Ausländern, die in einigen Tagen gesammelt wurden, folgende Kundgebung an die kriegführenden Regierungen und Völker gerichtet: „In Erwägung des UmstandeS, daß eine kriegführende Partei vorschlägt, in Friedensverhandlungen einzutreten, ohne einen Waffenstillstand zu verlangen. Daß die Zahl der Opier an Toten. Verstünmielteii und Verwundeten zehn Millionen zählt,— das FriedcnSbedürfnis sich bei allen Völkern mehr und mehr fühlbar macht.— die Ziele, für die sowohl die eine wie die andere Gruppe der Kriegführenden zu kämpfen vorgibt, die gleichen sind,— die Hoffnung auf einen Waffensieg die Quelle allen Leidens ist,— das künftige Glück und das Gedeihen der Völker nur auf einem Verständigungsfrieden und auf gegenseitigen Kon- zeisionen aufgebaut werden kann,— die Fortsetzung des Krieges die ganze Welt in moralischer und materieller Beziehung in den Abgrund stürzt,— wenden wir uns in einem dringenden Aufruf an die Regierungen der Entente und bitten sie, die Note der ö st erreicht sch-ungarischen Regierung in Beratung zu ziehen und im Interesse der Men'ch- heit in Verhandlungen einzutreten. Derjenige, der sich weigert, eine Verständigung herbeizuführen, lädt vor Gott und den Menicben die schrecklichste Verantwortung auf sich. Wir haben die feste Ueberzeugung, daß das menschliche Gewissen in dieser Stunde erwacht, in der alle Menschen vor Freude und Erwartung gezittert haben, und da die Welt die Lösung des größten Trauerspiels der Weltgeschiibte erwartet, wenden wir unS auch an das Schweizer Volk.»Gib ein Zeichen dieses Erwachens! Tue deine Pflicht! Zeige den verirrten Völkern über den Haß hinweg den Weg zum Frieden, zum Heil! Biete den Kriegführenden deine Bermittliing an." Der schnellen Antwort der amerikanischen Regierung wird es nicht gelingen, die Rufe nach dem Frieden, die überall zum Auf- flammen bereit sind, plötzlich niederzudämpfen. Eine neue wuchtige Woge der Friedensbewegung wird aus den Völkern in alle Welt aufsteigen, und die Kriegsscharfmacher werden das ihre dazu tun, ihre Wucht zu steigern. In Amerika haben die Lente von der„Liga zur Erzwingung de? Friedens' sich schon mit laiitem Gescbrci für Wilsons Ablehnung ins Zeug gelegt. Ihre Resolution erklärt, die Liga habe sich zu einem Frieden verpflichtet, der die Vernichtung des deutschen Mili- tariSmuS und die Schaffung einer Liga der freien Völker ins Werk setzt. Die Resolution schließt:„An einer Besprechung mit einem uneroberten Deutschland teilzunehmen, käme dem Eingeständnis gleich, daß unser Vorhaben miß- glückt ist.' Hinter dieser KricgSliga stehen die Taft und Konsorten und sie werden sich zwetsellos mit amerikanischen Schall- Mitteln rühren, ihre Formel in den Alliiertenländern tonangebend zu machen. * Berlin, 20. September. In Rom wurden, wie„Corriere della Sera' berichtet, verschiedene ZeitungSauSrufer verhaftet, weil sie Blätter mit der Ankündigung der Wiener Note vor Kasernen und Fabriken auf eine Weise ausriefen, die den inneren Widerstand zu schivächen geeignet gewesen sei. Die russisch-öeutschen Seziehungen. Moskau, 19. September.(PTA.) Am lt. September beginnt in Wilna die Demarkations-Kom Mission ihre Ar- bcit. Tie Kommission wurde auf Grund der Zusatzverträge mit Deutschland vom 27. August berufen, um die Grenzen E st- lands und Livlands und die Termine und Ordnung der Räumung der zeitweise von deutschen Truppen okkupierten Gebiete, die auf Grund desselben Vertrages geräumt werden müssen, zu bestimmen. Moskau, 18. September(PTA.) Am 12. September beginnt in der Stadt O r s ch a auf Vorschlag des deutschen OrtZkommandcurS, eine spezielle Kommission an der Durchführung der R ä u- mungderKreiseStenninundLepel durch die deutschen Truppen zu arbeiten. Von russischer Seite sind in dieser Kommis- sion der Oberste Kriegs-Sowjet, das Volkskommissariat des Auswärtigen und das Exckntiv-Komitee des Wcstgebietes vertreten. Englischer Gffensivangriff in Palästina. Konstantinopel, 21.September. Türkischer Tagesbericht vom 20. September. Palästinafront: Der erwartete Angriff der Eng- ländcr hat begonnen. Nach heftigstem Artilleriefeuer setzte am 18. September abends der Kampf östlich der Straße I e r u s a. lem— Nablus in breiter Front ein. Der erste Ansturm des Gegners zerschellte an der tapferen Gegenwehr unserer Truppen. Um Mitternacht führte der Feind neue Truppen zum Angriff vor. Der Kampf mit den dauernd verstärkten Kräften wütete die ganze Nacht mit äußer st er Heftigkeit. Bei Tagesanbruch war die Kraft des Angreifers gebrochen und der Stoß in der Linie Dschalüd— Wadi— Abu— Zecka ausgefangen; in- zwischen eröffneten die Engländer auch im K ü st e n a b s ch n i t t stärkstes.Artilleriefeuer, in das seine Schiffsgcschütze von See ein- griffen. Nach zweistündiger Feuervorbereitung und. nach erbitter- tcm Nahkampf gelang es ihnen, in unsere Stellungen zwischen Küste und Eisenbahn Lidtul— K e r m einzudringen. Dem Druck des an. Zahl weit überlegenen Gegners aus- weichend, nahmen wir unsere Truppen in die Tul— Kcrm-Stellung, in welcher weitere Angriffe des Gegners erwartet werden. Am Jordan nahmen' wir feindliche Truppenbewegungeit in Wadiandscha und in der Gegend Jericho unter wirksames Feuer. An der Straße Jericho— Tell— Nemrin lebhafte Patrouillen- und Fliegertätigkeit. Auf den übrigen Fronten nichts von Bedeutung. Gewaltige Riistungspläne Japans. „New Dork Eve-ning Post" veröffentlicht eine Korrespondenz aus Tokiq, wonach bei einem Anfang Juli abgehaltenen japa- nischen Kronrat eine ungehg«re Vermehxung der Land- und See- streitkräfte beschlossen wurde. Die Armee, die bisher ein- undzwanzig Divisionen zu vier Regimentern zählte, soll mit einem Kvstenausivandc von 174 Millionen Den auf zweiundvierzig Divisionen zu drei Regimenter» erhöht werden. die in 21 Armeekorps zerfallen. Die Marine soll ans drei Schlachtgcschwadcr zu je 8 Linienschiffen nebst einem Kreuzer- gcschwader von 8 Panzerkreuzern gebracht weroen, wofür die Kosten auf 1060 Millionen Den veranschlagt sind. Ueber den Zeitraum der Durchführung des Programms, dessen Annahme an- geblich das japanische Volk als hochbedeutsam ansieht, verlautet nichts. Die Korrespondenz bemerkt u. a.: Japan erwartet offenbar nicht, daß die R ü st u n g e n nachdem Kriege abnehmen werden, und daß aus dem vorgeschlagenen Völker- bund zur Erzwingung des Friedens viel werden wird. Vielleicht bedeutet das neue Rüstungsprogramm lediglich, daß Japan ent- schlössen ist, sich ohne Rücksicht auf die Kosten von seinen Freunden unabhängig zu machen. Sein vorkriegerisches Wehrprogramm war erklärtormaßen mit Rücksicht auf die Bedingungen in- Rußland und China aufgestellt. Offensichtlich deuten die neuen Pläne sowohl ein erweitertes Ziel, als auch eine intensivere Politik an. Der französtslhe Kammerabgcordnete Abel Ferry, der bei Vauxaillon verwundet worden war, ist am Sonntagabend in dem Feldlazarett gestorben, wo er behandelt wurde. Eine Lungen- cntzündung. die sich seiner Brustwunde zugesellte, hat seinen Tod herbeigeführt. Dem Ministerium Viviani gehörte Abel Ferry als Iluterstaatssckretär an. Er schied Ende 191ö aus, als Briand sein Ministerium bildete. Der Großangriff im Räume Cambrai— St. Huentin. Telegramm unseres Kriegsberichterstatters. � Westfront, 20. September morgens. Seit zwei Tagen hat der vorausgegangene schwere Großan« griff auf die Armee v. Marwitz von neuem begonnen. Ter Gegner hat das Stoßzcntrum weiter südlich in den Raum Cambrai— St. Ouentin verlegt. Tie kahlen Hügel von Haurincourt bis zum Omignonbach bildeten das erste Ziel des breiten Angriffs. Am 18. September morgens, kurz nach 3 Uhr, setzte stärkstes Artillerie- fcucr ein. Tann erfolgten massierte Jnfantcrieangriffe mit zahl- reichen Panzerwagen und Jagdfliegern. Unser rechter Armee- flügcl wies den Swrm standhaft ab. Gouzcaucourt wurde gehalten. Epehv erbittert umstritten. Das Dorf, von unseren Gebirgstrup- Pen zäh verteidigt, wechselte mehrfach den Besitzer und erlag dem übermächtigen Aufgebot des Gegners, der nur eben die Dorfränder besetzt hält. Tie Unseren behaupteten sich dicht östlich und hielten auch das südwestlich gelegene Torf L c m p i r c, das kaum weniger bedroht war. Nachmittags hatte der Engländer Kraftwagenvcrstärkungen her- angeholt und begann um k Uhr einen neuen Borftoß. Abermals wurde er auf dem rechten Armccflügel von Jägern blutig abgc- wiesen. Um den kleinen Gauchcwald, südöstlich Gonzeanconrt, entwickelte sich schwerstes Ringen. Jäger zu Pferde und Dragoner. Schulter an Schulter mit Infanteristen, rangen um jeden Fußbreit Boden und eroberten den Wald zweimal zurück. Die Armccmitte hielt uncrschüttert stand; auch die Garde auf dem linken Flügel verteidigte ihre Stellungen erfolgreich. Erst als der Gegner um Mitternacht nach stärkstem artilleristischem Aufgebot seine Massen abermals vortrieb, wurden von ihm einige Vorteile erreicht. Den Australiern gelang der Borsprung gegen Belliconrt— Bel- l e g l i s e. Tie Heftigkeit des gegnerischen Druckes erklärt sich aus dem Bestreben, einen guten Uebcrgang über den Scheldekanal zu gewinnen. Er verläuft nördlich Belliconrt bis Le Catclet etwa 5 Kilometer unterirdisch. Diese natürliche Brücke hofft der Eng- ländcr offenbar für seine Tanks auszunutzen. Auch gestern wurden die schweren Angriffe fortgesetzt. Doch macht sich an einzelnen Ab- schnitten Kampfniiidigkeit des Gegners bemerkbar. Einzelne Zanks drehten ab und ließen zögernde Kolonnen allein vorgehen. G o n- zeaucourt, wo der Feind eingedrungen war, wurde von Tra- goncrn unter Führung ihres Kommandeurs im Hänserkampf er- stürmt und gehalten. - Dr. Ad. K ö st e r, Kriegsberichterstatter. Französischer Heeresbericht vom 2 0. September. Im Laufe deS Tages erweiterten die Franzosen ihren Fortschritt im Osten von Essigny le Grand ebenso wie auf dem Plateau der Ferme Moissy und machten Gefangene. Der Artillerie- kämpf blieb in der Gegend von St. Ouentin und nördlich der A i s n e lebhaft. U eberall sonst verlief der Tag ruhig. Englischer Bericht vom 2 0. September nachmittags. Gestern griffen kurz vor Mitternacht die englischen Truppen im Lempire— Epehy- Abschnitt an. Trotz deS beträchtlichen Widerstandes uyd gegen schweres Artillerie- und Maschinengewehr- fcuer wurden bis zu einer Tiefe von mehr als einer Meile über die srübere von uns in dieser'Gegend gSlvonnene Linie hinaus Fort- chritte gemacht. Ein als Malassise-Farm bekannter befestigter Ort wurde nach hartnäckigem Widerstände erobert und zugleich damit eine Anzahl kleiner Gehölze,— feste und zur Verteidigung ein- gerichtete Oertlichkeiten(Localities»—, die einen Teil unseres alten Verteidigungssystems bilden. Im nördlichen Teil der Schlacht- front griffen unsere Truppen gestern abend M o e u v r e-an und eroberten es zurück. Auch hier war der Widerstand des Feindes hartnäckig und der Kampf ist noch im Gange. An anderen Teilen der Shlachtsront und nordwestlich von Hullnch wurden von uns in örtlichen Gefechten einige Gefangeue gemacht. Nördlich von Le n s wurde eine feindliche Angriffsabtcilung abgewiesen. Englischer Bericht vom 2 0. September abends. Am Morgen vollendeten schottische Truppen die Einnahme von Moeuvres, indem sie den Widerstand eine? Teiles des Fein- deS überwanden, der noch in dem Dorfe aushielt. Nach schwerer Beschießung lieferte der Feind heute morgen einen starken örtlichen Angriff gegen unsere Stellungen nordwestlich von Hullnch. Der Angriff wurde vollständig abgewiesen, wobei eine Anzahl Gefan- gener in unserer Hand verblieb. Heute morgen führten englische Truppen mit Erfolg eine kleinere Unternehmung nordwestlich von La Bassee aus. Sie schoben unsere Linien über 2.'-, Meile bis an die Dörfer Rüe des Maries lMareto?) und La Tourelle vor.� Wir brachten über 100 Gefangene ein. Ein später, im Ver- lau?- des Tages unternommener feindlicher Gegenangriff wurde nach schweren Kämpfen abgeschlagen. Trotz des ungünstigen Wet- tcrs wurden von uns 5K Tonnen Bomben auf verschiedene Ziele abgeworfen. Aincrikanisif>cr Bericht vom 2 0. September. Erneute Versuche des Feindes, in unsere Linien an vier verschiedenen Punkten in der Woevrc-Ebene und in den Vogescn einzu- dringen, wunden. abgewiesen. Abgesehen von Artiberictätigkott in der Woevrc-Ebene und im Elsaß ist nichts weiteres zu berichten. Fliegerangriffe auf deutsche Lazarette. Eine deutsche Protestnote. Wegen zahlreicher Fliegerangriffe aus deutsche Lazarette ist am 18. v. der schweizerischen Gesandschaft in Berlin folgende Ver- balnote zugestellt worden: „Das Auswärtige Amt beehrt sich, die Schweizerische Gesandt- 'chaft zu benachrichtigen, daß nach Mitteilung der deutschen Obersten Heeresleitung in neuerer Zeit folgende feindliche Fliegerangriff: auf deutsche Lazarette ausgeführt worden sind; 1. Am 13. Juni d. I. fand ein Angvfff von zwölf feindlichen Flugzeugen ans das.Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in Trier statt; die Zahl der Opfer betrug stoben Tote und Ver- wundete. 2. Am 21. Juni d. I. wurden Lazarettanlagen im V e s l e- ta I e angegriffen. 3. Am 15. Juli d. I. erfolgte ein Angriff auf das Krankenhaus in O f f e n b u r g. 4. Am 22. Juli d. I. griffen 50 feindliche Flugzeuge am hellen Tage Lazarettanlagen bei Moni Nortre- Da m e an. Es wurden 30 Personen ge. tötet und 70 verwundet, darunter der Freiburger Arzt Dr. Gotzler, öin französischer Arzt, eine große Anzahl Schwestern sowie franzö- fische, ainerikanische und deutsche Verwundete. ,5. Am 1. Augusb dieses Jahres wurden bei einem Angriff auf Düren die Pro- vinzial-Blindcnanstalt und eine Schule getroffen. 6. Bei einem Angriff am gleichen Tage auf das Kriegslazarebt in Laby bei CönflanS wurden 2 Kerfonen getötet und 67 verwundet, dar- unter 13 schwer. 7. Am 11. August wurden bei einem Flieger- angriff auf Montnedy um 1 Uhr 15 Minuten nachmittags etwa 40 Bomben auf eine deutlich mit dem Genfer Roten Kreuz gekenn- zeichnete Lazarcttanlagc abgeworfen. Von den Kranken und Vor- wundeten wurden 6 getötet und 21 verletzt. Außerdem wurden fünf in der Nähe des Lazaretts spielende Kinder teilweise schwer ver- wundct. Da die sämtlichen Lazarette durch Rote Kreuze deutlich als solche erkennbar gemacht waren, so scheint es sich um ein plan« mäßiges Borgehen der gegnerischen Heeresleitungen gegen die deutschen Sanitätsanlagen zu handeln. Die Deutsche Regierung legt gegen diese fortgesetzten Ver» letzungen der Bestimmungen der Genfer Konvention auf da? nach. drücklichste Verwahrung ein und bittet die Schweizerische Gc- sandtschaft zu veranlassen, daß dieser Protest auf schnellstem Wege zur Kenntnis der Französischen und Britischen Regierung gebracht .wird.' Nr. 261 ❖ 35. Jahrgang 1. Seilage öes vorwärts Sonntag, 22. September 1918 deutscher Jugenöfürsorgetag. Am Sonnabend wurden die Verhandlungen fortgesetzt mir einer Erörterung der Frage: Wie schaffen wir leistungsfähige Jugendämter m Stadt und Land? Ucber Jugendäinter für die Städte führte Bürgermeister von Holländer- Mannhei maus: Nur die �Jugendfürsorge darf Aufgabe der Jugendämter fein. Die Jugendpflege soll man ihnen wicht oder höchstens einer besonderen Abteilung der Jugendämter überweisen. Die Schulentlassenen und Heranwachsenden, besonders die Jugend der Arbeiterbevölkcrung, haben da großes Mißtrauen. Auch bei Vcfchränkung auf die Jugendpflege ist die Tätigkeit der Jugendämter weit verzweigt und verantwortungsvoll und schwie- rigor als etwa die Armenpflege. In den großen Städten kann das Jugendamt nur Einrichtung der Gemeinde sein, was aber Be- teülgung der Staatsbehörden nicht ausschließt. Beteiligung deS Vormundschaftswesens, der Polizeibehörde, der GefundhcitSbe- Hörde ist nötig. Leitung des Jugendamts sowie Anstellung und Beaufsichtigung der Beamten muß Sache der Gemeinde sein, soweit nicht ein staatliches AufsichtSrecht in Frage kommt. Die Leitung soll weder einem Schulmann noch einem Arzt übertragen werden. sondern einem unparteiischen Bcrwaltungsbeamten. Aber Schul- mann und Arzt müssen mitwirken, desgleichen muß die freie Liebes- tätigkeit im Jugendamt vertreten sein, im besonderen die Frauen und auch die Gewerkschaften. Zu warnen ist aber davor, das Jugendamt mit einer zu großen Zahl Mitglieder zu beschwe- ren. Je mehr Mitglieder ein Bcrwaltungskörpe-r hat, desto schlechter arbeitet er. In großen Städtne muß dem JugendamtSleiter «in Direktor zur Seite stehen. Nötig ist hier ein Stab von Be- a m t e n, daneben di« Mitwirkung zahlreicher ehrenamtlicher Kräfte, ohne die ein» wirklich umfassende Jugendfürsorge rticht möglich ist. An die Beamten sind strenge Anforderungen zu stellen, namentlich in bezug auf. ihre Charaktereigenschaften, da sie mit der Bevölkerung in Berührung kommen. Das alleS, schloß der Vortragende. betrifft die äußere Form deS Jugendamts. Sie ist nicht unwesentlich, aber natürlich tritt sie zurück gegenüber dem Inhalt, den wir dem Jugendamt zu geben haben.(Sehr starfcr Bcisall.) Dr. Marie K r ö h n e- Düsseldorf behandelte die Jugend- ämier für das Land. Für das Land werden sie von vielen vor- warfen, aber auch ihm sind sie nötig. Dort kann aber ihre Orgai. nisation einfacher sein. Sollen sie leistungsfähig werden, so müssen sie sich fernhalten von der Armenpflege. Man löst die Ausgaben der Jugendfürsorge auf dem Lande nicht durch Uebernahme der Kosten auf Landarmenverdände. Auf dem Lande will niemand arm sein, das ist da eine Schande. Zu den Aufgaben der Jugend» ämter gehört die Zusammenführung von Schule und HauS durch Erziehungsbeiräte aus Laien, durch) Btütterabende usw. Sie sollen wirklich» Pfleg«, und Srziehungsämter sein. Den Eltern gilt die Tätigkeit der Jugendämter, aber au« der»rziebung«- Pflicht muh allmählich Grziehungsanleiwng werden. Für da« Land ist zu beachten, daß dort der Gemeinschaftscharakter stärker und da» hm die Verwabriosung geringer ist. Die Jugendfürsorge darf dort nicht aus dem Zusammenhang mit der Familienfür- sorge gerissen werdon. Auf dem Lande ist da« Wohlfahrtsamt noch nötiger als das Jugendamt. Nach diesen grundsätzlichen Fra- gen erörterte die Vortvagende praktische Einzelheiten. Sie wünscht über den.k�reisjugcndämtcrn die zusammenfassenden LandeSjugend- ämtcr. Auch auf dem Lande sei Heranziehung von Arbeiter» Vertretern mönnkichen und weiblichen Geschlechts zu den Jugendämtern empfehlenswert. Unerläßlich seien neben ehrenamtlichen Hilfskräften beruflich ausgebildete Beamte, der Berufs- Vormund, der Fürsorgearzt, die Sozialbeamtin. Der sozial tätigen Frau müsse man di« Anerkennung als.Stand" neben dem de? Seelsorger«, bei Lehrers, des Arztes wünschen.(Beifall.) An der mehrstündigen Besprechung beteiligten sich etwa ein viertelhundert Redner. Gegen den Entwurf des preutzi- schen Jugendfür iorgesetzes wurden verschiedene Beden- kn vorgebracht. Mehrere Redner äußerten Befürchtungen wegen deS Eingriffes in die S e I b stv er w al t u n a der Gemeinden. Oberbürgermeister E u n o-Hagen meint, das Jügendamt könnte nicht nur in den Städten die Selbstverwaltung schwächen, sondern auch auf dem Lande die Macht des Landrats noch stärken. Auf dem Lande werde oft aus dem Jugendamt nur ein vaterländischer Erauenverein werden und der Gendarm in der Jugendfürsorge die auptperson sein., In der Nachmittagssitzung referierte Lizentiat S i c g m u n d- Schultz« über: wählerverfammlung in öerlin I. Eine öffentliche Wählersersammlung, eiuberusen von der Sozialdemokratischen Partei, findet Mittwoch, de» 20. September, abend? 8 Uhr, in HaverlandS Fcstchte», Neue Frirdrichstr. 35, statt. Referent ist der Kandidat der Sozialdemokratischen Partei, Stadt- j»erordnetrn-Borstchcr-Stelloertreter Hugo H e i m a n n. Das Wahlburrau der Sozialdemokratischen Partei befindet sich l Lindcnstr. 3 im BezirkSsckretariat Groß-Berlin. Adreffe: Th. ! Fischer. Berlin 8>V 68, Lindrnstr. 3, Telephon Amt Moritz- p l a tz 3 K 4. »Wie kann die freie Liebcstätigkeit zu einem vollen Erfolg der Jugendämter beitragen?" Die Stellung der Jugendfürsorgevereine zu den Jugendämtern ist bisher überall freundlich gewesen. Ihre freie Liebcsiätigkeit wird durch das Jugendamt nicht überflüssig gemacht. Das Jugend- amt soll nur tun, was die freie Liedestätigkeit nicht tun kann. Diese mutz denjenigen Teil ihrer Arbeit, den nicht daS Jugend- amt nach seiner Bestimmung übernimmt, fortführen. Sie muß ihre Arbeit noch erweitern, muß auch ihre Arbeitsweise auf das Jugendamt übertragen. Den Jugendämtern drohen die Gefahren deS grünen Tisches, da könnte die freie LiebeS- tätigkeit heilsamen Einfluß ausüben. Mit den Bureaumethoden muß gebrochen werden, Achtung vor der Jugend und vor der Kleinarbeit an ihr ist auch dem Jugendamt nötig. Redner, der seit kurzem Direktor dek Berliner Jugendamtes ist, schilderte, wie leicht er in diesem Amt den Verkehr mit Menschen verlernen könnte. Als Direktor verkehre er mit ihnen eigentlich nur noch durch > Fernsprecher, und daß gar mal ein Jugendlicher vor den Direktor > gelangt, würde mancher Beamte geradezu als eine Beleidigung ansehen. Aber auch die f r'e i e L i e b e s t ä t i g k e i t muß ihre Mängel �ablegen. Sie mutz sich in die von den Jugend- ämtern zu schafsende Ordnung fügen, die Unordnung � zwischen den Vereinen und in ihnen muß aufhören. Der Erfolg der Jugendämter ist davon abhängig, daß ihre Tätigkeit des 1 Ordnens auch von der freien LiebeStätigkeit aufgenommen wird. (Lebhafter Beifall.) Gegen eine Aeußerung des Referenten, die Jugend müsse vor falschen Erziehungsmetboden geschützt werden, wandte sich in der Besprechung der Reichstagsabgeordnete Genosse W i s s e l l. Das Jugendamt solle nicht entscheiden: DaS ist die appro- bierte Erziehungsmethode! Nur wenn es tolerant sei, könne es Wurzel schlagen in der breiten Masse des Volkes. Die Tagung endet? mit einstimmiger Annahme einer Entschlieffmig: D»r Deutsch« V»g«»s»rsor»»»ag HAt kst Gtabt»«io Lan» al» Träger der öffentlichen Ingen plfirsorge für unerläßlich. Di« verwaltungsmäßige Organisation sei»nter Ermöglichung weitgehender Mitarbeit der Körperschaften frei« LiebeStätigkeit einheülich durchzuführen. Vorzusehen sei Ueber- tragung der Derufsvormiindschaft an die Jugendämter und Ueber- nähme der Kosten für hilfsbedürftige Kinder auf größere Ge- meindeverbände. Der Vorstand des Deutschen Jugendfürsorge- tageS soll bei Reichsbehörden und Reichstag dahin wirken, daß baldigst Jugendämter in Stadt und Land den Bundesstaaten durch Reichsgesetz zur Pflicht gemacht werden. GlDfrBerlw frommer Wunsch. Ach, könnte ich wie. Fritze Engel reimen, ES war so schön, allwöchentlich im»Ulke" dem sogenannten liberalen Vulke das Oberstübchen gründlich zu verschleimen. Ach, könnt' ich so von edler Prosa triefen wie Rosner-Karl. der Kriegsberichterstatter... Halb Scherlskribente und halb Tageblatter— hei wie die Patriotentränen liefen! Hätt' ich wie NoSner spaltenlang geflötet: Wascht, wie trinkt der Kaiser und waS tut er? sprach ich wie Engel schlicht: ER ist mein Bruder, Weil ER in Essen jovial geredet... Die gute Pressekuh versteht zu milchen, daß einerseits die alten Weiber flennen, die andern aber stillvergnügt erkennen: Die schönsten Witze sind die unfteiwill'gen! _ Paulchen. Verltner Lebensmittel. Der Magistrat veröffentlicht heute eine Karkoffelverordnun» für daS Wirtschaftsjahr 1913/lS. Gleichzeitig ist«me Bekannt- machung erlassen, in der die grundlegenden Bestimmungen für die- jenigen Personen enthalten find, di« Kartoffeln von aus- wärtS aus Erzeugerkreisen beziehen wollen. An- träge sind in dem Büro der Kartoffelversorgung vom 23. Septem- ber bis 1l>. November werktäglich von 8 bi« 3 Uhr zu stellen. Zur Vermeidung von Dnsammlungen sollen Aniragsteller mit den Anfangsbuchstaben A— G am Montag und Dienstag, diejenigen mit H— P am Mittwoch und Donnerstag und diejenigen �mit O— Z am Freitag und Sonnabend einer jeden Woche dt« Anträge stellen. Bei dem Antrage sind vorzulegen: Bescheinigung der Broikommission über Name, Wohnung und Kopfzahl der Familie, die Karioffelkarte, au» der der Nam« des Kleinhändlers, bei dem der Antragsteller in der Kundenliste eingetragen ist, hervorgehen muß, der Fracht- brief und ein mit der genauen Adresse de« Verbaderö und mit Freimarke(20 Pf.) versehener Briefumschlag. Ferner muß der Antragsteller den genenicn Namen und die Wohnung de« Frzengsr». von dem er die Keertoffeln zu beziehen wünscht, und den Land- kreis, in dem der Ort gelegen ist, angeben. Zur Deckung der«nt- stehenden Kosten an Vermittlung, Portoauslagen und V-rwal- tungskosten sind 80 Pf. für jeden einzuführenden Zentner sofort bei Stellung de« Antrage« zu entrichten. Bis Mittwoch, den 28. September, wird an diejenigen Kunden. die in die Speisefettkundenlisten der in den Bezirken der 78., 77. bis 79., 88.-90., 97.— 100.. 104., 105., 176., 181., 192., 198., 212. und 216. Brotkommifsion gelegenen Geschäfte eingetragen sin», pro Kopf 1 Stück dänischer Weichkäse oder 128 Gramm Käse anderer Art verteilt. Mit Rücksicht rnis die schwankende Zufuhr von Heringen, die eine gleichmäßige Verteilung an sämtliche Berliner Einwohner nicht stets ermöglicht, wird für den Bezug von Heringe,, eine Kundenliste eingeführt. Es wird dann je nach E:*- gang bekannt gemacht, in welchem Dezirk der Brotkommifsione» die Al>gabe der Heringe erfolgt. Die Anmeldung zur Kundenliste erfolgt vom 28. September di» S. Oktober. Bei der Anmelbun, daben die Anmeldenden di» Berliner BezugSkarten vorzulegen un» dar Händler hat den Abschnitt'„ST Set««pegSl-ute«r sich»u nehmon.««dom AwmlWnd«!«ff«n«»eschemd- g»ug üb«»>» ihm z»»«»lesen« SJurntt« fe# K»nd«noerj«chn:sse« »»»zustellen,__ KSscverteilnng in Krost-Verkln. Die Fettstelle Groß-Berlin macht darauf aufmerffam, daß da« Mittelstück der zurzeit gültigen Speisefettkarte in der kommonden Woche für den Käsebezug bei der guartiarweisen Verteilung aus- zubewahren und nicht fortzuwerfeu ist. In welchen Quartiere« Käse verteilt wird, wird noch bekannt gemacht. Da? Obst deS Selbswerforger«. Mit Bezug auf ein« Blätte». Meldung, nach der den Erzeugern von Obst im Havelobstgau für jede Person des Hausstanoes 76 Pfund aus der Ernte amilich zugebilligt worden seien, teilt die ReichSstell« für Gemüse un» Obst mit, daß diese Anordnung nicht von ihr, sondern von der .Kreisstelle in Bclzig, und zwar nur mit Wirkung für den Kr«» Delzig erlassen sei. Der irrigen Auffassung, al« ,ei.ve gleiche Abgrenzung überall im Deutschen Reiche angezeigt, müsse ent- gegengctreten werden. Vielmehr erfordere da» Juteresse einer ausreacheuden Marmeladeversorguug, daß in Gegenden mit weniger guter oder aar mit schlechter Obsternte, die Mengen, die der Erzeuger für seinen Haushalt behalten darf, entsprechen� niedriger bemessen werden müssein, da sonst die Allgemeinheit zu kurz komme. Ein neues„Gennßmittrl". Durch Verordnung deS Bundesrat» ist die Bekanntmachung über Rohtabak dahin abgeändert worden, da» bei der herrschenden Tabakknappheit auch auf die T a b a l st r ü n k e, da» sind dir nach dem Sbblatien noch übriggebliebenen Bestaiidleile 96) e»öz. das gelobte Lanü. Roman von W. St. R e y m o n t. Unterdessen brach»nter den dreien wieder ein erbitterte Streit los, den erst Karczmvrek unterbrach. Laut streifte dieser vor dem Zimmer die Füße ab und schneuzte sich, trat dann ein. lehnte seine Peitsche in eine Ecke und begrüßte die Anwesenden feierlich. „Zum Mittagessen haben Sie sich verspätet, jetzt trinken Sie wenigstens den Kaffee mit uns." „Vielen Dank, gnädiger Herr, das wird wohl nicht schaden." Er setzte sich neben den alten Borowiecki und wischte sich mit den, Rockschoß den Schweiß vom Gesicht. Anka biachte rineFlascheKognak herein. Karczmarek schenkte sich eine halbe Tasse Kaffee ein, füllte sie bis zum Rand mit Kognak unb fchlürsic langsam, ein Stück Zucker knabbernd. „Guten Tag. Ich dachte nicht, daß ich Sie bei uns an- treffen würde," sagte Karl eintretend.- „Kennst du denn Herrn Karczmarek?" fragte der alte Borowiecki. „Herr Karczmarek liefert uns ja die Ziegel zu unserer Fabrik. Mein Vater erzählte mir von Ihren Absichten auf Knrowo, nannte mir aber nie Ihren Namen. Ich ahnte alio nicht, daß Sio es wären. Haben Sie schon lange die Ziegelei?" „Beinahe sechs Jahre." „Und was taten Sie vorher?" fragte Anka, als Karczn'.arek allen feine Zigarren anzupreisen und anzubieten begann. „Vorher, Fräulein, vorher war ich ein dummer Baüer und hatte einen kleinen Hof. Halb war eS Sand und halb Lehm. In trockenen Jahren, da pustete der Wind alles aus dem Sand raus, und auf dein Lehm verbrannte alles die Sonne. In nassen Jahren faulte alles auf dem Lehm, und auch auf dem Sand wuchs nichts. Mein Gutsherr hatte so viel Verstand, daß ihn die Deutschen schließlich gefressen haben. Er konnte mir nichts davon abgeben, von seinem Verstand nämlich. Ich frettete mich halt durch, wie es der Vater und auch der Großvater schon getan hatten. In Lodz baute man Fabriken. Einige Häusler und kleinere Bauern gingen in die Stadt zur Arbeit, zum Fuhrwerken— ich rührte mich nicht. Lodz war noch weit weg vom Dorf. Bis ich da eines Tages von meiner Hütte aus einen Schornstein er- blickte, nach einem Jahr waren cS schon fünf; Lodz näherte sich dem Dorf. Ich kann mich noch entsinnen, wie Lodz vier Werst vom Dorf entfernt war, dann waren eS nur noch drei, und jetzt ist eS kaum noch eine. Lodz näherte sich dem Dorf, aber auch die Armut und das Elend schlichen schnell heran und packten mich so. daß ich schon dachte: ich Verkaufs und ziehe weiter weg. Angst hatte ich bloß ein bisse! und wartete noch. BiS ich da eines TageS einen Gevatter auS Chojnow treffe. Er fuhr eine Fuhre Sand. „Wo fährst du hin?" „In die Stadt." „Wozu?" „Zum Verkauf." „Was ist denn daS wert?" .Hinen Rubel. Wenn's auf Herrschaften trifft, mehr, wenn auf Juden, weniger." „Ich ssing mit ihm. Eineinhalb Rubel kriegte er. AlS ich das sah. ging mir ein Licht auf, als ob mir einer ein gelehrtes Buch in den Kopf gesteckt hätte. Ich hatte einen kleinen Berg hinter der Hütte. Vier Morgen ivaren cS. Ein feiner Boden, weil ihn doch die Lerchen und die Hunde, die da jeden Frühling nachbarlich zusammenkamen, gedüngt hatten. Wie Gold war der Sand da oben.- Ich fuhr die erste Fuhre in die Stadt. Die Juden verprügelten mich in der Altstadt, unsere Sandlieferantcn ebenfalls, und auch der Schutzmann in der Straße, aber verkauft Hab' ich'S. Und so fuhr ich denn zwei Jahre lang fort und fort. Und alS Lodz dem Dorf immer näher kam, da kam auch öfters jemand, besah sich meine Wirtschaft und sagte: Verkaufs. Auch Juden kamen und sagten: Verkaufs, Karczmarek! Ich tat es nicht, obwohl sie mir schon fünfhundert Rubel für den Morgen boten, kalkulierte aber, daß da waS stecken müßte, wenn sie so viel zahlen wollten. Ich ging zum Anwalt. Ein anständiger Mensch. Er sagte mir inS Gesicht:.Bist ja dumm, Karczmarek,» wenn du eS nicht weißt. Deinen Lehm wollen Sie kaufen. Bau dir eine Ziegelei, und wenn du kein Geld hast, machen wir'S zusammen." „Na, und was wollen Sie in Kurowo anfangen?" „Mein Aeltester heiratet, na, und da der Junge weder auf der Schule war, noch vom Handel waS versteht, noch Fabrikbesitzer werden kann, so möchte ich ihm ein nicht allzu großes Gut kaufen, uni ihn in meiner Nähe zu haben." „Ich muß gleich wegfahren." sagte Karl,„aber Sie können alles mit meinem Vater besprechen. Vereinbart den Preis, dann kommen Sie nach Lodz, und wir machen den Vertrag. Na, Max, jetzt wird e» Zeit." '„Wir begleiten euch ein Stuck. Übers Feld bis jur Chaussee." Borau» gingen Anka, Karl und Max. Dann folgte ZajonczkowSki mit dem Pfarrer, und als letzter fuhr der alte Borowiecki; er blieb immer etwas zurück, weil der Rollstuhl über die aufgefahrenen Stellen der Straß» und die Maul- Wurfshügel holperte. Der Abend zog schon über die Erde herauf. Schwer lagen die Tauperlen auf dem Korn und den Gräsern und eine große, tiefe Stille floß über die Felder, auf denen die Roggenhalme seltsam rauschten und durchdringlich säuselten. Summend kehrten die Bienen zur Arbeit heim. >„Ein eigentümlicher Mann, dieser Karczmarek, mein Ver- ehrtcstcr," sprach da der Pfarrer. „ES gibt viele solche in Lodz. Wissen Sie. Hochwürden. daß der erst vor ein paar'Jahren schreiben und lesen gelernt hat." „Wozu braucht aber der Bauer ein Gut? DaS wird ihm nur den Kopf verdrehen. Dann wird er denken, daß er allen gleich ist." ZajonczkowSki ärgerte sich ftirchtbar. „Ist er eS denn nicht? Mein lieber ZajonczkowSki. mein Verehrtester, was sind wir denn mehr al» er?" „Sie werden ja bald von uns verlangen, daß wir den Bauern die Hände küssen, Hochwürden." „Wenn sie e» wert fein werden, werde ich der erste fein, der eS tun wird, mein Verehrtester." Max steckte ihm die Pfeife an. di« ausgegangen war, hörte aber nicht auf da» Gespräch, weil er gierig auf die Worte lauchte, die Anka und Karl vor ihm mit gedämpfter Stimme wechselten. „Vergessen Sie Frau Wysoeka nicht!" bat sse leise. „Morgen gehe ich zu ihr. Ist sie wirklich unsere Kusine?" „Meine Kusine ist sie, hoffentlich wirb sie Ibalb unsere sein." Eine Zeitlang gingen sie schweigend nebeneinander. „Wann kommen �ie wieder?" „Weiß nicht. Ich habe jetzt so viel mit der Fabrik zu. tun, daß ich nicht weiß, wo ich zuerst anfangen soll." „Für mich haben Sie jetzt wenig Zeit, sehr wenig..." fügte sie leiser und trauriger hinzu, sie fuhr mit der Hanb über die jungen, rostbraunen Halme, die sich schwankend vor ihren Füßen neigten und sie mit Tau benetzten. fflert*. fclgü der TabiiManze zur Herstellung von Erzeugnissen, namentlich von Rauchtabak zuriickgegristen lverKen kann. Tie Rene Welt muß heute aus Gründen de? Papiermangels ausfallen. Sie wird nächster Tage nachgeliefert werden. Ein Eechxigiüheiser. Am Montag feivrt Genosse Hermann Elias feinen 60. Geburtstag. Als Tagelohnerkind in Triestewiß, >'.reis Torgau,e Organisation von Drcß-Berlin ins Leben getreten war, gehörte er IlV Jahre der Kreisleituna von Niederbarnim und dem Jen- iralvorstand an. Seit 12 Jahren ist er Lichtenberger Stadt- verordneter und als solcher Mitglied' vieler Kommissionen und ?.ehutatioutii. Wir wünschen dem- braven alten Genossen, daß er noch, an seinem Lebensabend die Erfüllung aller der Hoffnun» gen erleben mochte, mit denen er«inst als Zwanzigjähriger in die Partei«ingetreten ist. � Ei» Dochstuhlbrand verursachte in der Landsberger Straße 1 S am Tonnabend mittag große Aufregung und eine Verkehrsstörung. Die Gefahr wurde erst bemerkt, als die Flammen bereits hell au« dem Dach« emporloderten und der Qualm das Treppenhaus füllte. Das von zahlreichen Parteien bewohnte Grundstück glich einem gestörten Bienenschwarm. Die Feuerwehr lirachte erst Ruhe unter die geängstigten Bewohner. Ueber die Treppen und eine Maschinenleiter gingen die Mannschaften bor. Mit mehreren Schlambleitungen mußt« längere Zeit gelöscht werden, um die Flammen au weilerer Ausdehnung zu verhindern. Der Dachstuhl konuie mit dem Inhalt mehrerer BodenverschlSge nicht mehr gerettet werden. Etraßenbahazusamulenstöße kommen ietzt täglich vor. Am Sonn« abend stießen am Neuen Tor zwei vollbesetzte Straßenbahnwagen zusammen, wodurch der Berkehr längere Zeit gestört wurde. Die Feuerlvehr mußte alarmiert werden, um den Verkehr wieder zu l:\zeln und das Verkehrshindernis zu beseitigen. Zwei Pferde de? 'lariiisonfuhromtsi waren zwischen die Triebwagen geraten. Die tzeuerivebr holte beide Gäule unter den Wagen wieder hervor.— "ln der Ecke dev Wilmersdorfer Straße und des KurfürstendammeS maßeir ebenfalls zwei Straßenbahnwagen der Linien C und"W zu» lammen, wobei mehrere Fahrgäste Verletzungen erlitten.— Am Wittenberg- und am Nollendorsplatz gerieten Personen unter Straßen- bahnwagen, zum T»il durch eigene Schuld. Mehrere Straßenbahn- ivagen mußten infolx« starker Beschädigung aus dem Betrieb ge« zogen werden. Eine EtferfinssfEstw* sptoffc sich, in der N«St Sonnabend 'n dem Hotel DeN-iminer Hof m der Jnvalidcnstraße ab. Ein ibaukentruger Fritze Gottschalk hatte mit einer» 23 Jahre alten Else Block aui der Neuchlinstrvße zu Charlotten bürg ein Liebes- Verhältnis, das schon häufig getrübt war. Freitag stieg da? Paar m Dcmminer Hof ab Nachdem Gottschalk nach einer erneuten Eifersuchtsszene eingeschlafen war, versucht« sein« Geliebte hm mit einem Rasiermesser d«n HalS abzuschneiden. Sie brachte � n aber nur einen 14 Zentimeter langen Schnitt am Halse ß. Er entfloh aus t«n'. Zimmer und brach blutüberströmt auf oer Treppe zusammen. El!« Block wuvde nach der Polizeiwache gebracht, während Gottschärt im Garnisonlazarett in der Scharn- iorstMaß- Aufnahme fand. Zum Doppclmord in der Spandauer Straffe wird mitgeteilt daß auch die Berfslguna der neugefandensn Spuren noch keinen Erfolg batte. Es handelt sich, wie wir mitteilten, besonders um die bei einer neuen Durchsuchung de» Tatortes in dem ssmnirr, in dem Frau Rühle nach einem heftigen Kampfe ermordet ii inde. gefundene Tragschlaufe zu einem kleinen Seitengewehr oder ü5öM. Diese, beim heftig»» Herausziehen des Dolches unmittelbar yar der Tat von d»r Scheide abgerissen» braune Tragschlaufe ist. wie sestgestellr wurde, nageln««. De-Halb ist damit zu rechnen, laß auch die Dasfc, zu der si« gehört», bisher noch nicht getragen und erst kurz vor der Tat gekauft worden ist. Tie Raubmörder haben dieses Handwerkzeug ohne Zweifel irgendwo und irgend- ivie beseitigt, wahrscheinlich kurzerhand weggeworfen. Wenn izmaud Dolch oder Scheide findet, so muß er ihn -m Interesse der Untersuchung unverzüglich bei der Kriminalpolizei abgeben. Weggeworfen haben die Täter wohl auch >!e Stricke, mit denen sie nach den am Halse und an den Hand- gelenlen festgestellten Strangulationsmarken den ermordeten Ober- riesiräger Weber gebunden hatten. Sie sind sicher ebensalls mit Blut besudelt gewcien. Ruch auf die Auffindung dieser Stricke und ihre Ablieferung au die Kriminalpolizei wird großer Wert gelegt. Besonders lvichtig ist endlich aber noch, zu»rmitteln, wo der dem -rmordeten Weber geraubte Wertbrief geblieben ist. der an die .-sirma Stefan Söders, Kaiier-Wilhelm-Str. VS, gerichtet war. Der Bezugschein, den er enthidlt, war, wie schon mitgeteilt, von der v'olizeivcrwaltung in Lych-n am S.September 1918 auf den Namen Wilhelm Gabbe, Lhchen, Flirstenberger Str. 124, ausgestellt, nicht wir es erst hieß, auf A. Lmdstedt. An der Ermittelung der Hulls dieses Wertbriefe« und d»« Bezugscheines ist besonders viel ge- legen. Neukölln. LeScnSmittel. Di« Abgabe von einem Päckchen Luddingpulver od«r V0 Gramm lolem Puddingpulver an 'inder. Jugendliche oder über 70 Jahre alte Personen wird an Einwohner mit d«n Anfangsbuchstaben L— Z in den städtischen Verkaufsstellen ans die Abschnitte 161 8, K, J und A der WarenbezugStarteu fortgesetzt. Ebenso der Verkauf von 100 Gramm losen Suppen oder Morgentrani oder Suppenwürfeln auf die Abschnitte 10 bis 20 der Lebens» »sittelkarte für Jugendliche. Auf die Milchkarte A II(lila Farbe) für September kann weiterhin ein« Büchse Malz. e x t r a k t entnommen werden. Ein halbe? Pfund Kun st- Honig gelangt im Laufe der Woche aus Abschnitt 53 der Lebens- mittelkarte gemäß der neuen Kundenliste zu Verteilung. Kar- t o f f e I n werden in nächster Wocke in einer Menge von 7 Pfund auf die Abschnitte 30a— A abgegeben. Freihändig gelangen in den städtischen Verkaufsstellen Knochenbrühwürfelmasse und Knochen- brühextrakt zum Verkauf._ Schönrberg. Lebensmittel. Bis zum 24. September findet Vor- anmeldung statt für 2 5 0 Gramm K u n st h o n i g auf Abschnitt 67 der Groß-Berliner Lebensmittelkarte. Ausgegeben werden in der nächsten Woche 150 Gramm Graupen auf Abschnitt 62, 100 Gramm Marmelade auf Abschnitt 65 der Groß-Berliner Lebensmittelkarte und 200 Gramm Graupen auf Abschnitt 20 der Jugendlichenkarte. Bis zum 8. Oktober findet eine Reuanmeldung zur Zucker- kundenliste statt. In den BrotkommissionSdezirken Nr. 1 bis 6 findet bis zum Donnerstag, den 26. September, eine Verteilung pro Kopf von 1 Stück dänischen Weichkäse und in den Bezirken 7, 8, 0. 10 und 13 von 1li Pfund Kuh- oder Faustkäse auf Grund der Speisefettkunden- liste statt. Zum Umzugstermin! «�amit öle Zustellung ües„Vorwärts* keine Unterbrechung erleidet, ersuchen wir unsere Abonnenten, öle am 1. Oktober ihre Wohnung wechseln, ihrem Spediteur oder der hauptexpedition, Lindenstraße Z, jetzt schon die neue Wohnung mitzuteilen. vorwärts-Verlag G.m.b.H. Treptow. Lebensmittel. Außer den üblichen Mengen werden verteilt: 100 Gramm Suppenwürfel auf Abschnitt 64 der Groß- Berliner Lebcnsmiktelkarte, 250 Gramm Kunsthonig auf Abschnitt 58 der Groß-Berliner Lebensmittelkarte. Flußfische auf Abschnitt IIS, Räucherwaren auf Abschnitt 138 der Berlin-Treptower Lebens- mittelkarte nach Eingang.___ Groß-Serliner Parteinachrichten. Berlin V und die Wahl in Berlin I. Dienstag, den 2t. Sep- tember, abends 8 Uhr. im Rosenthaler Hof, Rosenthaler Str. 11/12, Extrazahfabend. Erscheinen aller Parteigenossen notwendig. Theater der Woche. Volksbühne: 28., 56., 30.„Merlin', 24., 25., 27. bis „Maß für Tivgencs",„Zerbrochene Krug', 23.„Peer Gyut", 25.„Eginont" 26. „Meine Frau, die Hofsi�lspielsrin. 38.„WallensteinS Tod, 80. „Quipowh.— Teiltschc» Theater: 22. nachm.„Fuhrmann Henschel", abend« 25., 26.„Maria Stuart", 23.„Dantons Tod", 24.„Macht der Finsternis", 27.„Othello", 28., 29.„Elavigo", 29. nachm.„Fuhrmann Henschel", 30.„Lebende Leichnam".— Sammerspiele: 22. nachm.. 24.„Eine alückliche Ehe, 22. abends„Scheiterhausen", 23., 25., 80.„Kinder der Jreude", 26.„Gespenstersonote", 27., 29.„Rosmersholm", 28.„Nathan der Weise", 29. nachm.„Besuch aus dem Elysium",„Kain".— Kleines Schauspielhau»: 22. nachm.„Gespenster", 22. abends, 26., 28.„Arbeit", 23., 25.„Weibsteusel", 29. nachm.„Eine alückliche Ehe". 29. abends un- bestimmt.— Lelslng-Tbeater: 22., 23., 25., 26., 28., 29.„Mein Nachbar Ameise", 22.. 29. nachm.„Perleberg,„Eine Partie Piquet", 24., 30. „Liebe", 27.„Peer Gynt".— Theater in der Söniggrätzer Straße: 22.. 23., 26.. 28., 30.„Hauch im All". 22., 29. nachm.„Straße nach Steinabch", 24., 27., 29.„Erdgeist", 25.„Schwestern und der Fremde".— SomödienhauS: 22., 24., 25., 27., 29.„Fünf Frankfurter", 22.. 29. nachm.„Zarin", 23., 26., 30.„Der Schrittmacher".— Deutsche« Oprrnhau» Eharlottenburg: 22. nachm..Postillon von Lonjumeau", abends„Tanuhäuser", 23.„Frei- schütz", 24., 28., 30.„Eiserne Heiland", 25.„Schöne Helena", 26.„Martha", 27.„Eugen Onegin, 28. nachm.„Zigeunerbaron", 29. nachm.„Fidelw", abends„Wassenschmicd".— Mchiller-Theater Eharlottenburg: 22., 23., 25. „Ein Volksfeind, 22., 29. nachm.'Hans Sonnenstößers Höllenfahrt", 24., 26.. 28., 30.„Pfarrer von Kirchfeld, 27.„Ter siebente Tag", 28. nachm. „Alt-Heidclberg".— Triauon-Theater: 22. bis 27.„Lebensschüler", 28. „Der gute Ruf". T L a l i ch: Deutsches Küustler-Theater: �.Ter Hutmacher Seiner Durchlaucht", 22., 29. nachm.„Ter Blaufuchs".— Berliner Theater „Blitzblaues Blut, 22. nachm.„Die tolle Komteß".— Kleines Theater: „Der Einsame", 22. nachm..Liebelei".— Residenz-Theater:„Der junge Zar", 22. nachm.„Dyckerpott» Erben".— Theater des Westens:„Du lustige Witwe", 22. nachm.„Dollarprinzessin".— Komische Oper:„Schwarzwaldmädel".— Thalia-Theater:„Unter der blühenden Linde", 22. nachm. „Eharleys Tante".— Neue» OperettenhauS:„Das süße Mädel, 22, nachm. „Soldat der Marie".— Theater am Nollendorsplatz:„Drei alte Schachteln", 22. nachm.„Immer feste drufs".— Walluer-Theater:„Gras Habenichts", 22. nachm.„Frühlingslust".— LustsPielhauS:„Die spanische Fliege", 22. nachm.„So'n Windhund".— Friedrich-WilhelmstädtischcS Theater:„Han- nerl", 22. nachm. Sinfonie-Konzert.— Theater tu der Friedrichstadt: „Kaiserplaß 3".— Meiropol-Theater:„Faschingfee".— Rose-Thcater: „Das Dreimäderlhaus". 22. nachm.„Tochter des Herrn Fabricius", 24. nachm.„Maria Magdalena",— Rational-Theater:„Prinzenliebe", 22. nachm.„Mäuschen".— Kasino-Theater:„Man lacht mal wieder", 22. nachm.„Ein sideles Huhn".— Walhalla-Thcater:„Donauliebchen", 22. nachm.„Prinzessin vom Nil", 25. nachm.„Sieben Raben". Gerichtszeitung. Krankhafter Zwang zur Selbstbezichtigung. Ein äußerst seltsamer Fall geistiger Erkrankung wurde bor dar 6. Strafkammer des Landgericht« I verhandelt. Ter aus Ungarn gebürtige Kellner Ludwig Herrnfeld hatte sich wegen unbefugter ÄmtoauSübung in 13 Fällen und wegen Urkundenfälschung in vier Fällen zu verantworten. Seit 5 Jahren hat der Angeklagte der Kriminalpolizei viel Arbeit gemacht. Es war aufgefallen, daß bei der Polizei fortgesetzt Anzeigen, die sich später als falsch erwiesen, einliefen, in denen der Kellner Ludwig Herrnfeld aller möglichen Straftaten bezichtigt wurde. Sobald«in aufsehenerregendes Vcr- brechen, wie der Mord am Teufelssee, der Raubmord Klaus, der Mord an der Schülerin Ley usw. bekannt wurde, langte prompt von einem angeblichen Kriminalbeamten oder Staatsanwalt bei irgendeiner Polizeistelle die tclephonische Nachricht ein, daß ein gewisser Herrnfeld, dessen Persönlichkeit genau beschrieben wurde, als Täter sofort zu verhaften sei. Auck, schriftlich ergingen ahn- liche Anzeigen. Herrnseld wurde daraufhin unzählige Male fest- genommen und in Haft behalten, bis sich dann die Beschuldigung stets als falsch erwiesen hatte. H. beschwerte sich wiederholt über diese unbegründeten Festnahmen, so daß für die Beamten große Unannehmlichkeiten entstanden. Alle diese Mitteilungen, durch die die Polizei und auch die Presse irre geführt wurde, verrieten eine auffallend große Kenntnis des inneren Geschäftsbetriebes der Kriminalpolizei. Schließlich kam die Kriminalpolizei aus Grund verschiedener charakteristtscher Momente und eingehender Nach. forschungen zu der Ueberzeugung, daß all die falschen AnzeiK« von Herrnfeld selb st herrührten. Diese Ueberzeugung wurde durch die Ergebnisse der Schriftvergleichung bekräftigt; ferner durch die Tatsache, daß auf einem an einen Kriminalkommissar gerichteten Brief mit Hilfe von Joddämpfen Fingerabdrücke fest- gestellt wurden, die von Herrnfeld herrührten. Dieser wurde dann wegen Urkundenfälschung und unbefugter Amtshandlungen unter Anklage gestellt. Es fanden mehrere Termine statt, die sämtlich der Vertagung verfielen, weil der die Tat beständig leugnende Angeklagte unter epileptischen Krämpfen zusammenbrach. Schließlich veranlaßt« der Berteidiger Justizrat Dr. Werthauer die Unter- suchung de? Angeklagten auf seinen Geisteszustand, da, wenn der Angeklagte wirklich der Täter wäre, man doch auf die Taten eines Masochigen oder eine? Geistesgestörten schließen müßte. Diese Untersuchung fand in Herzberge statt und führte zur Feststellung von gewissen KrankheitSzuständen. Inzwischen war Herrnfeld durch eine andere eigene Bezichtigung in den großen EinbruchSdiebstahl bei der Firma Singer verwickelt und da das schriftliche ärztliche Gutachten die Zurechnungsfähigkeit des H. nicht verneinte, wurde er zu 6 Jahren Zuchthaus verurteilt.— In der jetzigen Verhand- lung gab nun der Angeklagte zu, tatsächlich in dieser unglaublichen Weise gegen sich selbst vorgegangen zu sein und dadurch seine wieder- Hollen Festnahmen, Haussuchungen und die öffentliche Brand- markung seines Namens veranlaßt zu haben. Seit Jahren stehe er. wenn irgendein Kapitalverbrechen begangen sei und er die polizeilichen Bekanntmachungen an den Anschlagsäulen lese, unter den unseligen Drange, sich selbst Schaden zuzufügen und sich sebst als den in Frage kommenden Täter, der zu verhaften sei, anzu- zeigen. Tagelang habe er unier solchen Zwangsvorstellungen ge» litten und sich manchmal noch nachts hingesetzt und die Beschuldi- gungSbriefe geschrieben. Nach seiner Sistierung sei dann eine Art Erleichterung über ihn gekommen. Der ärztlich- Sachverständige Geh. Rat Otto erklärte, daß er nach dieser Aufklärung sein Gut- achten dahin ändern müsse, daß der Angeklagte infolge schwerer Hysterie für diese Taten nicht verantwortlich sei.— Justizrat Dr. Wert Hauer führte aus, daß nach dem Standpunkt der modern- sten Wissenschaft, nach der Frcudschen Theorie ein aus der Kindheit zurückgedrängter Zustand des Unterbewußtseins vorliege, der in dem DämmerungSzustand der Epilepsie eine Art masachistischen Triebes auslöst. Hiernach sei die Freisprechung geboten. Er habe auch in der andern Sache Revision eingelegt und hoffe, daß auf Grund der neuen Ermittlungen festgestellt wird, daß auch dort eine Straftat des Angeklagten nicht vorliegt.— Der Gerichtshof kam zur Freisprechung. Der Vorsitzende bemerkte u. a.: Schon der Laie müsse sich sagen, daß hier die Handlung eine? Geisteskranken borliege. Es sei wohl der sonderbarste Fall, der je vor einem Gericht dongekommen, daß jemand sich selbst fortgesetzt schwerer Verbrechen beschuldige. Ob Hysterie oder Epilepsie oder sonstwas vorliege, müsse das.Gericht den Medizinern zur Entscheidung über- lassen._ i WafferstandSnachrichten der Landesanstalt für wcwasserknnde, mitgeteilt vom Berliner Wetterbureau. ktr. I. viiUiTKck»■»'-ü'-V PapUrgyn,«apirtart, kohara Fakan-Anaafe«, hmtsn oKafaAwi 16.30 Nr. 2. Unter rodk au« raiaoni Papiarmra, Koparsawcba. mit»*Mk vaniart. 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Die Anmeldung bat erstmalig bis 3. 10,, abends 7 Ubr, zu erfolgen, lieber die etwaigen weiteren Anmeldungen ergeht be. sondere Bestimmung, Bei der Anmeldung haben die Slnmcldenden die Berliner Bc-ugSkarte vorzuiegen, der Händler bat de» Abschnitt ,N" der BczugSkarte abzutrennen und an sich zu nehmen. Die An- meidung ist in ein vom Händler auszulegendes Ihindenverzeickni« unter sortlaufcndcr Nummer und unter Angabe des Vor- und Zunamen?, der Wohnung der Kunden sowie der Zahl der von ihm abgegebenen Kartenabschnitte einzutragen, ftür Angehörige eines.Haushaltes genügt eine einheitliche Eintragung aus d-- Namen deS HauShaltungSvorstandeS, Jedem Anmeldenden ist aus Verlangen eine Bescheinigung über die ihm zugewiesene Nummer deS Kundenverzeichnisses auSzusiellen, � � DaS KundenberzeichuiS mutz fortlausend mit Seitenzahlen verleben lein und dem nachkoigendeu Muster entsprechen: Hausende Nummer Vorname und Zuname der Kunden Wohnung Zahl der abgegebenen Karten- abschnitte Wer aewerbSmäpig Sermae in Kleinhandel verkauft und ' vom Magistrat, Berlin, Abt, iür Ziichversorgung, zum HeringS- bandel zugelassen ist, ist verdflicklet, Anmeldungen entgegevzu- nehmen und ein KundenverzeichniS aufzulegen. Er ist ferner verpilichtct. zum Zwecke der Anmeldung seinen Laden am 25 5 bis Et 10. 1918 wochenlags in der Zeit von S— 12 Uhr und nachmittags 3—7 Uhr offen zu halten. 8 � Die Eintragung in das KimdenverzeichniS hat die Wirkung, daff der eingetragene Verbraucher vom 4. 10, 18 ab Heringe von keinem' anderen Händler beziehen und der Händler die Hering« nur an den eingetragenen Verbraucher abgeben fearf. Tin Versäumnis der Eintragung innerhalb der ftrist deS i? 2 bat den Ausschluß deS HeringSbezuaeS von einem Berliner Händler zur Kolge, Die Po, auSsetzunoen. unter denen An?- nahmen zulässig sind, bcMrmt der Magistrat, Abt. für Fisch- Versorgung.'. � D-e bei der Anmeldung äbgelrennien Abschnitte.N" der Bezugskarte bat der Kleinhändler bi? tvätestenS am 8. 10. dem von dem Magistrat. Abteilrmy.sür Fiichvertornung. zugelassenen Groöbäi'dler, bei dem er zum Bezüge von Herwgeu cingettagen '«W®« n-y-tn m v v-, r Der Grwffhändker bat dem Kleinhändler über die Zabi der oboelieferten Ab'chnitte eine vuittunq zu erteilen. Der Gratz- b'inhler bat frc Abschnitte, sowie die Diirchkchtäge der den.Klein. Händlern erteilten Ouittunoen bis svätesten« 11. 10„ miilagS 12 Uhr, dem Magistrat, Abteilung für Fiichveriorgung. abzu- iiciern. und dabei die Gesamtmenge der von Ihm eingereichten Abschnitte anzugeben, Der Magistrat Berlin, A�te luna tttr Fischveriorgimg, be- stimmt nach Maffaabe der zur Verfüguüg stehenden Heringe, wieviel Heringe jeweils abgegeben werden. Der Kleinhändler ist zur Befriedigung der in seiner Kundenliste eingetragenen Kunden mit den ibm zur Versüqung stehenden Heringen verpflichtet, Znwiderbandlungen gegen diese AuSsührungSbeilimmunoen werden gemätz ff 7 der Verordnung vom S. Juli ISIS über Ab- gäbe und Entnahme von Fffchen und Fiichwaren mit Gefängnis bis zu S Bionnten oder mit Geldilrase bis zu ISOO M, bcstrait, loiern nicht durch die allgemeinen Stralbestimmungen ein« höhere St'.ake, verwirkt ist, Geichäste, die gegen diese Bestimmungen verstotzen, werden von der weiteren Belieferung, soweit diese seilen? der Stadt dber durch Vermittlung der Stadt oder den von der Stadt mit der Beliese, üna bcaustragten Kescllschasten ersolgt, ausgeschlossen, Berlin, den 21. September 1918. Magistrat der Köniylillitn Haupt- und Reßdrnzßadt. Zlbteilung für Fikchversorguag. Lochning. Zgt. Nr. 1735 Fisch 18 Eile in Belle Pelzwaren-Spezialhaus BERLIN S. Dresdener Strasse 119 Bckbaua OranievpUtz. Grosse Auswahl modernster Pelzgarnituren in Fuchs, Iltis, Marder, Skunks, Opossum etc. Pelz-Hüte BltilSS�ma „Eue ru Weile" Drcadaner Str. 119 Kckbans Oranienplatz zn achten. Eigene Kürschnerei Reparaturen Berlin C Wallstr. 13' Uardineri Spezlalfirraa; Gardinen haus Bernhard Schwartz MOMOH 1818/1919. Auf Grund der Verordnung über die Kartosfewersorgung im Wirtschaftsjahr 1918/19 vom 18. Juli 1918(Zi.�.-Bl. <3. 738) in Verbindung mit der Verordnung über Kartoffeln vom 2. September 1916(R.-G.-Vl. S. 1095) wird unter Auf- bebung unserer Bekanntmachung vom 14. September 1917 für die Stadt Berlin folgendes bestimmt: 8 1. Die Abgabe von unzubereitcten Kartoffeln unmittelbar an den Verbraucher und die Entnahme durch ihn darf nur auf Grund von Kartofselkarten erfolgen,, die vorn Magistrat au? gegeben werden. Die Abgabe von Kartoffeln an Wlederverkäufer(Groß und Kleinhändler), VerpflegungZanstalten, Schank- und Speise- wirtschaften, Kantinen gewerblicher Betriebe und die Entnahme durch sie unierliegt besonderer Regelung des Magistrats, 8 2.' Die Höchstmenge, die in jeder Woche an Kartoffeln auf den Kopf der Bevölkerung zur Verteilung gelangt, wird vom Magistrat, jeweils besonders bekanntgcmacht werden. Mit dem Ablauf der autgedruckten Zeitdauer oder der vom Magistrat bestimmten Zeit verlieren die Abschnitte der Kar- toffelkarte ihre GAiigkett. Die Verwendung eines ungüllig gewordenen Abschnittes oder einer auf unrechtmäßige Weise er- wordenen oder fälschlich angefertigten Kartosselkarte wird untersagt. Die Kartofselkarte und Ihr« einzelnen Abschnitte sind nicht übertragbar. Sie gewährt keinen Anspruch auf den Bezug von Kartoffeln. § 3. Der Nagisttat behält sich vor, die Zahl der Karte», aus die gleichzeitig eine Abgabe von Kartoffeln verlangt werden kann, zu beschränken. 8 4.* Die Karioffelkarten sind von dem Hauseigentümer oder dessen Sicllvertteter den Haushaltungsvorständen zu übergeben. Der Haushaltungsvorstand hat den von ihm nicht beköstigten HaushaltungSmitgliedern auf Verlangen deren Karten auszuhändigen. Für die Verteilung und Rückgab« der Kartoffelkarten sind im übrigen die entsprechenden Bestimmungen der Verordnung über die Abgabe und Entnahme von Brot und Mehl maßgebend, 8 5.. Di« Einfuhr von Kartoffeln nach Berlin ist nur mit vorher einzuholender Genehmigung des Magistrats Berlin erlaubt, Die Genehmigung zur Einfuhr ist mündlich oder schriftlich bei der Abteilung für Kartosfelversorgung deS Magistrats, Schicklerstraße 7, nach näherer Bestimmung des Magistrats ein- zuholen. Die hierbei vom Magistrat geforderten Angaben sind wahrheitsgetreu zu machen, Auch derjenige, der sich unter Einhaltung dieser Beftim- mungcn selbst mit Kartoffeln versorgt, unterliegt hinsichtlich der wöchentlichen B.erbrauchsmenge der jeweils getroffenen Bestimmung des Magistrats. Selbsierzeuger von Kartoffeln dürfen Höchstenz 114 Pfund je Tag und Kopf verbrauchen. Derjenige, der nach Maßgabe vorstehender Bestimmungen seinen Bedarf an Kartoffeln selbst gedeckt hat, ist sür die ent- sprechende Versorgungsdauer zur Empfangnahme von Kar- tofselkarten nicht berechtigt. Jeder, der Kartoffeln von auswärts erhält, hat unverzüg- llch dem Magistrat, Kartoffelversorgung, Schicklerstr. 7, die ein- geführte Menge anzuzeigen und stine Kartoffeltarten bei der Broikommission abzuliefern. §6. Die Ausfuhr von Kartoffeln auS dem Stadtgebiet ist nur mit schriftlicher Genehmigung des Magistrats zulässig. 8 7.' Berpflegungsanstalten(Kranken- und Siecheithäuser, Kli- niken, Erziehungsanstalten, Gefängnisse und Arrestanstalten) sowie Schank- und Speisebetticb«(Restaurants, Kasinos, Speise- betriebe der Hotels, gemeinnützige Speiseanstalten aller Art und Kantinen gewerblicher Betriebe) haben ihren Bedarf nach näherer Besnmmung bei d«t vozn Magistrat bezeichnete» Stell« anzumelden. Der Magistrat regelt die Art der Zuteilung der Kartoffeln."* Die Zuweisung von Kartoffeln an den Groß- und Klein- Händler erfolgt nach besonderer Bestimmung des Magistrats. § 9. Wer Kartoffeln im Handel an Wiederverläuf«(Klein-- Händler) abgibt, hat ein besonderes Buch zu führen, aus dem ersichtlich ist: a) der Bestand an Kartoffeln bei Beginn jedes Zelt- abschnittes der Karwssellatte, d) der Zugang im Lause jedes Zeitabschnittes genau nach Menge und Datum, o) der Abgang während jedes Zeitabschnittes, und zwar soweit es sich nicht um Abgabe an Verbraucher bandelt, unter Angabe des Empfängers, der Meng« und des Da- wms der Lieferung. 8 IE Wer Kartoffeln im Kleinhandel an Verbraucher abgibt, hat die vom Magistrat Berlin hierfür getroffenen Bcstimmun- gen, insbesondere diejenigen über Führung der Kundcnlistcn, einzuhalten. Die Belannlmachung vom ig. Dezember 1916 über Einführung dcz Kundenliste nebst Nachttagsverordnung vom 1. September 1917 wird aufrechterhalten. Kleinhändler, die den Anordnungen des Magistrats zuwiderhandeln, können von der Belieferung mit Kartoffeln ausgeschlossen werden. 8 11. Bei Entnahme von Speisekartoffeln durch den Verbraucher ist die Kartoffelkarie vorzulegen. Der Kleinbändler hat den jeweils gültigen Abschnitt, dessen Abtrennung erst bei der Abgabe der Kartoffeln zu erfolgen hat, an sich zu nehmen, aufzubewahren und die von ihm getrennten Karlosfelkartenabfchnitte gesammelt an die vom Magistrat be- stimmte Stelle nach näherer Anordnung des Magistrats abzu- liefern. S 12. Hinsichtlich der Abgabe und Entnahme von zubereiteten Kartoffeln in Hotels, Schani- und Speisewirtschasten und ahn- lichen Betrieben gilt die Bekanntmachung vom 20. September 1918. Auch in gemeinnützigen Speiseanstalten und Kantinen gewerblicher Betriebe darf die Abgabe oder Entnahme zubcrei- teter Kartoffeln nur auf Grund von Kartofselkarten erfolgen Der Inhaber bzw. Leiter eines solchen Betriebes hat bei Ab- gab« von Speisen don den Wochenabschnitten eine vom Magistrat jeweils bekanntzugebend« Anzahl von Abschnitten abzutrennen und aufzubewahren. 8 13. Die Verwendung von Speisekartoffel» zu Futterzwecken ist untersagt. 8 14. All« diejenigen, die einen Borrat an Kartoffeln im Ge- wahrsam haben, sind verpflichtet, den Beauftragten Äcs Magi- strats über Menge und Art der Aufbewahrung, über Größe der vorhandenen Vorräte, ihre Herkunft und die At ihrer Ver- Wendung wahrheitsgemäße Angaben zu machen, auch jederzeit den Beauftragten den Zutritt zu den Aufbewahrungsräumen und deren Besichtigung zu gestalten. Der Magistrat behält sich vor, AuSführungsbcstimmungen zu dieser Verordnung zu treffen und die Benutzung von Vor- drucken vorzuschreiben. § 1«. Zuwiderbandlungen«gen diese Verordnung und gegen die in Ausführung der Verordnung erlassenen Bestimmungen des Magistrats werben gemäß§ 16 der Verordnung über die Kartofselversorgung im Wirtschafissähr 1918/19 dom 18. Juli 1918(R.-G-Bl. S 738) mi> Gefängnis bis zu einem Jahr und mit Geldstrafe bis zu 10 000 W. oder mit einer dieser Strafen bestraft. Reben der Strafe können die Vorräte, aus die sich die straf- bare Handlung bezieht, und deren Erlös zugunsten des Uagi- strats für versallen erklärt und eingezogen werden, ohne Unter- schied, ob ste dem Täter gehören oder nicht. 8 17. Diese Verordnung ttitt am 23. September ISIS in Kraft. Berlin, den 20. September 1918. Magistrat der Königlichen Haupt- und Residenzstadt. W« r m u 1 h. Tgb. Kr. 1042 Kart. IS. Kartoffelversorgung für den Winter 1918 i9* Wie in den vergangenen Wintern, werden wir auch sür den Winter 1918/19 versuchen, soweit wie möglich den Bedarf der Berliner Bevölkerung an Kartosseln für die Zeit sicherzu- stellen, während welcher Frost und andere Verkehrsstockungen die Zufuhren hemmen. Zu diesem Zwecke sollen bereits im Herbst in Berlin beim Großhändler, Kleinhändler und in den städtischen Lagerftcllen Kariofseln aufgesammelt werden. Mit diesen Maßnahmen wird jedoch nickt vermehrt, daß diejenigen, die Beziehungen zu Erzeugern von Sarioffeln in ländlichen Be» zirlen besitzen, zentnerweise sür sich und ihre Angehörigen Kar- löffeln unmittelbar vom Erzeuger kommen lassen. Ein solcher Bezug, der sich auch im»ergangenen Winter bewährt hat, wird unsererseirs soweit wie möglich erlcichiert werden. Ter un- mittelbare Bezug von Karlosfcln darf jedoch nur mit unserer i-ussrlickkichen Genehmigung eriolgen. Tic Genehmigung ist im Bureau unserer Abteilung tür Kartoffclvcrsorgung., Slbickler- strafte 7 Part., werktäglich zwischen S Uhr vormittags vis 3 Uhr nachmittags nachzusuchen. Zur Vermeidung von Änsamm- lungen empfiehlt es sich, daß die Anttagsieller mit den An- fangsbuchstaben A bis G Montags und Dienstags, mit H bis P Mittwochs und Donnerstags und mil y bis Z Freitags und Sonnabends die Anträge in dem Bureau sür Kartoffelversor- gung stellen. Bei Stellung des Antrage? ist zur Vermeidung von Wci- terungen folgendes zu beachten: Es sind vorzulegen: 1. Bescheinigung der Brotkonimisston über Name, Wob- nung und Kopfzahl der Familie, 2, die Kariosselkarte, aus der Name und Wohnung des Kleinhändlers, bei dem der Antragsteller in der Kunden- liste sür Kartoffeln eingetragen ist, deutlich hervorgeht, 3. der MlsgeMte Frachtbrief, 4. ein mit der genauen Adresse des Verladers und mit Freimarke(20 Pf.) versehener Briefumschlag. Ferner muß der Antragsteller den genauen Namen und Wohnung des Erzeugers, von dem er die Kartoffeln zu be- ziehen wünscht und den Landkreis, in welchem der Ort liegt, vorher feststellen und bei Stellung des Antrages angeben. Gleichzeitig sind 50 Pf. sür Vermittlung, Portoauslagen und andere sonstigen Kosten für jeden beantragten Zentner Kartoffeln zu entrichten. Nach den uns gegebenen. bezug von Kartoffeln aus un durch Nachfrage im Bureau der Karwffelveiforgung belannr gegeben werden, keine Schwierigkeiten bereitet. Bei den übrigen Kreisen werden wir die Bewilligung der Aussuhr be- sürworten. Da mit dem Einttttt von Frost im November und De- zember zu rechnen und ein Verderben der Kartoffeln aus dem Transport zu befürchten ist, werden wir den Antrag auf Selbst- bezug nur In der Jett vom 23. September bis 10. November 1918 entgegennehmen. Für die Zett der Selbstversorgung besteht ein Recht für den Selbstbezieher zum Bezüge von Kartoffeln aus Kartoffel- karte nicht, vielmehr sind unmittelbar nach Empfang der Kar- toffeln die im Besitz des Selbstbeziehers befindlichen Kartoffel- karten der zuständigen Brotkommission abzuliefern, neue Kar- toffelkatten dürfen nicht mehr entgegengenommen werden. Selbstbezieher, die ohne unsere Genehmigung Kartoffeln einführen oder trotz Selbstversorgung ihre Kartofselkarten nicht abgeben, setzen sich strasgerichtlicher Verfolgung aus; auch wer- den die bei ihnen vorgesundenen Kartoffeln ohne Ersatz des Wertes beschlagnahmt und der öffentlichen Beioirffchastung zu- geführt. Den Selbstbeziehern wird neben den 7 Pfund je Kopf und Woche ein angemessener Zuschlag für unvermeidlichen Lage- rungsschwund zugebilligt werden, jedoch sind ste ebenso wie jeder andere Verbraucher an die lewcils von uns bekannt- gegebene Wockenverbrauchsmenge gebunden. Alle diejenigen jedoch, die selbfterzrugte Kartoffeln einzu- führen wünschen, sind berechtigt, je Iii Pfund pro Tag und Kopf der Familie einzuführen und zu verbrauchen. Die hier eingeführten Kartoffeln sind sorgfältig zu lagern und ständig zu überwachen, da im Falle eines Verluste« durch Diebstahl oder Fäulnis ein« frühere Ausgabe der Karioffel- karten als nach Ablauf der Lnrechnungszeit nicht stattfindet. Berlin, den 20. September 1918. Magistrat der Königlichen Haupt- und RefidetustM. W« r m tt t h. Tgb. Rr. 1041. Kart. 18._ Zusicherungen wird dem Selbst- nseren Licferkreisen, die jederzeit Kesouderes An rbot in lahimmkru Eiche! 1 Schrank, Steilig, Anficht mit Kristall glaS, Hutboden, Slang«, geschliffene Vergiasung l Waschtoilette mit Kristallspiegel und Marmor 2 NachtsckrSnke mit Marmor 2 Bettstellen 2 Patentoöden 2 Steil. Auflege-Matratzen m. 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Seilage öes vorwärts Sonntag, 22. September IglS für die Hertoü�& Winter-- Mode WiAviWAVJQ UffJ M*T\rM/?Mi!'*Vd/imi»vrrf&'/T*xuvx/Hr///rXA\Y/rir*Fr&V*fj(rv/Kr/(' wttw/TVAY/YS/ViaWrw**' MsHrv'r'//* r\m u«iMtsMAAcr* Mwu*s*'r''V* ha vru- wi/SMaoifi' ■Asuwk*-'»'/AmTf*vu-*KCMr*Mtn'M trw#11 föaenb&enjtr? 20 Fr'icclJ�icfhSir3. 179 geiD&Lpairtji 64. KaruQsir'a/se. 34 Or'aiuenjtr? 47a DKÜßerirtrü/beda. Direktion Max Reinhardt. UentscheB Tbcater. 2'/, Uhr: Fuhrmann Henschel. 7 Uhr: Maria Stuart. Montag 8 Uhr: Dantons Tod. Kaminerspicle. S'/jUhr: Eine glückliche Ehe. 71/, U.: Scheiterhaufen. Montag 71/, Uhr: Kinder der Freude. Kleines Schauspielhaus Fasanenstraße 1, Portal 5. S'/t Uhr: Gespenster. 7'/» Uhr: Arbeit. Montag 71/, Uhr; Woibstaufel. Volksbühne Theater am Bülowplatz. Direktion Friedrich Kayßler. VI. Uhr: MaB für Mali. UfM iler FrJolkstiiiliBeD Sonntag, den 22. September, nachmittags 21/, Uhr: Deutsches OperrchauZ: Fidelio. Nachmittags 3 Uhr: Volksbühne: Merlin. Schiller-Theater Cbarl.: Hans Sonnenstögers Höllenfahrt. Lcsfing-Th.: Perlcbcrg-Variete. Künsticr-Th.: Der BlaujuchS. Residenz-Th.: DyltcrpottsErben. Nachmittags 3'/, Uhr: Tbeater des Westens: Die Dollarprinzessin. Zl b c n d S 7-/, Uhr Volksbühne: Merlin und Mab sür Matz. TMester für Sonntag, 22. September. Theater am Hottbuser Tor Kottbuser Straße O. Leitung: Ferdinand Wagner. Neue Kunst im neuen Rahmen. Täglich T'/s Uhr: Die große Variet6=Schau mit Heinrich Zille's Originalentwürfen der Bühnendekorationen: Alt-Berliner Weihnachtsmarkt— Stralauer Fisohzug.— Kaschemme.— Freibad usw. Unter Mitwirkung von Anna Mttlier-IAncbe sowie des königl. niederländ. Hofballettmeistors Otto Jaekel mit seinem BaUett-Ensemble. Texte von Hermann Frey, Musik von Frant Schmidt- Hagen. Dirigent der Komponist. Außerdem: Willi Lillle, lingo ItouBsell, t'lne Trantinann, Kobert WleBC sowie erstklassige Schaunummern, Vorverkauf bei A. Wertheim und an der Tageskasse von lO'/a— l1/« Uhr und ab 5 Uhr. Berliner Bockbrauerei Oekonora: Fritz Nette.. Heute Sonntag 4— II1?, Gr. JKUitär-Konzert ausgeführt von der gesaraten aktiven, aus dem Felde beurlaubten Kapelle unserer | Gards-Pioniero. R�erÄeß.| 'ml»™ Dir.; Tonkünstlerheim, Augsburger StraBe 74. BHBH ___ Rennen______ zu Berlin-Grune waSd Sonntag, 22. September 1918, nachmittags 2 Uhr: 7 Rennen I. Werte von 1*6600 M.. darunter, Falkentiaus-Renneo•■• 30000 M. Dannbla-..■•.27000 ,, I Amphora-„•■• 16000„ Stadtbahn, Untergrundbahn bis Reichskanzlerplatz, StraBenbahn D und U bis Uahnhof HeerstraBe, R und P bis Spandauer Bock. SÄ BiTlONiL-THEiTER iSÄ> '1,8 Der große'/,8 Operetteneriolg I P p i n z e n I i e b e. Musik von Walter Bromme. Sonntag ß'/t:„Mäuschen." Kl. Preise. Vorverk. v. 10 U. 6»— Rose-Theater. 3: Tochter des Herrn Fabricius. v/.uhrJasßreifflMaDS, Walhalla-Tlheater. -'/.uhr- DonoDiielKOen. 3 Uhr: Die Prinzessin vom Nil. U.T Butfütflenbamm Hilde Wömer Der siebente Kuss Ü.T Nollendorfplatz U.T Alexnndcrplatz Paul Heidemann Lein eigenes ßegrödnis U.T ffriedrichilrahe Vslciemsnl�silsncler Itvr vtvig« Hansel» Ernjt Lubitfch Der Fall Rosentopf Ü.T Unter den Linden U.T Moridptatz Lya Mar»» Sie Aonne und der Harlekin U.T WcindtraSwea U.T Schönberg U.T Reinickt'nborferstratze H g ii iny Ponten Das Maskenfesf des Lebens U.T Hasenheide 1VI i a May Fünf Minuten zu spät bluherdem AEGIR Filmspiel. ti »> "'�Mä0L Ü.T Üranien-�alast Oranienstr. 40— 41(Oranienbrüoke) Konzert-Kaftee-Kabarett. ■ Harry Halten— 2 ilernans—Max Wardinil (ilanc Wilcy— Terka Semmeloff— Käthchen Erben f Gr. Kapolle Dirk van Erp._ 1. Stock Weinklaute mit Barbiifett. Tbeater I. d. Königgrätzerstr. TI, Uhr: Hauch Im All. Nm. 3: Straße nach Stelnaych. KomOdlenhana. 8 U.: Fünf Frankfurter. Nm. 3'/, Uhr; Die Zarin. Berliner Theater. 7" U.: Blitzblauea Blnt. Nm. 3Uhr: Die tolle Komtets. Theater der Friedriciistaiit. Ecke Friedrich- u. 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Solite das IKeich nach diesem Zeitpunkt eine Ermäßigung des Zinsfußes beabsichtigen, so muß es die Schuldverschreibungen kündigen und den Inhabern die Mckzahlung zum vollen Nennwert anbieten. Das Gleiche gilt auch hinsichtlich der früheren Anleihen. Die Inhaber können über die Schuldverschreibungen und Schahanweisungen wie über jedes andere Wertpapier jederzeit(durch Verkauf, Verpfandung usw.) verfügen. Die Bestimmungen über die Schuldverschreibungen finden auf die Schuldbuchforderungen entsprechende Anwendung. BEDINGUNGEN: l. Annahmestellen. Zeichnungsstelle ist die itteichsbank. Zeichnungen werben von Montag, den 2Z. September, bis Mittwoch, den 23. Oktober 1918, mittags 1 Uhr bei dem Kontor der Keichshauptbank für Wertpapiere in Äerlin(Postscheckkonto Äerlin Nr. 99) und bei allen Zweig- anstalten der ReichSbank mit Kasseneinrichtung entgegen- genommen. Die Zeichnungen können auch durch Dermittiung der preußischen Staatebank(Königl. Seehandlung), der preußischen Eentral-Geoossenschaftskasse in Äerlin, der Königlichen Hauptbank in Nürnberg und ihrer Zweig- anstalten sowie sämtlicher Danken, Bankiers und ihrer Filialen, sämtlicher öffentlichen Sparkassen und ihrer lverbände, jeder BebenSversicherungckgesellschaft, jeder Kreditgenossenschaft und jeder Postanstalt erfolgen. Wegen der Postzeichnungen sieh« Ziffer 7. Zeichnungsscheine sind bei ollen vorgenannten Stellen zu haben. Die Zeichnungen können aber auch ohneDerwendung vonZeichnungS- scheinen brieflich erfolgen. 2. Einteilung. Zinsenlauf. Die Schuldverschreibungen sind In Stücken zu ZOOtX), lOOOO, 5000, 2000, 1000, 500, 200 und 100 Mark mit Zinsscheinen, zahlbar am 1. April und 1. Oktober jedes Jahres, aus- gefertigt. Der Zinsenlauf beginnt am 1. April 1919, der erste Zineschein ist am 1. Oktober 1919 fällig. Die Schatzanweisungen sind ln Gruppen eingeteilt und in Stücken zu 20000, 10000, 5000, 2000, 1000 und 500 Mark mit Zinsscheinen zahlbar am 2. Zanuar und l. Zuli jedes Jahres ausgefertigt. Oer Zinsenlauf beginnt am 1. Zanuar 1919, der erste Zineschein ist am 1. Zuli 1919 fällig. Welcher Gruppe die einzeln« Schatzanweisung angehört, ist aus lhrem Text ersichtlich. 3. Einlösung der Schahanweisungen. Die Schahanweisungen werden zur Einlösung ln Gruppen im Zanuar und Zuli jedes Zahres, erstmals im Zuli 1919, ausgelost und an dem auf die Auslosung folgenden 2. Zanuar oder l. Zuli mit HO Mark für je 100 Mark Nennwert zurückgezahlt. Die Auslosung geschieht nach dem gleichen Plan und gleichzeitig mit den Schatzanweisungen der sechsten Kriegsanleihe. Die nach diesem Plan auf die Auslosungen im Zanuar und Zuli 191S und Januar 1919 entfallende Zahl von Gruppen der neuen Schatz- anveisungen wird jedoch erst im Zuli 1919 mit ausgelost. Die nicht ausgelosten Schahanweisungen sind seitens des Reichs bis zum 1. Zuli 1922 unkündbar. Frühestens auf diesen Zeitpunkt ist das Reich berechtigt, sie zur Rückzahlung zum Nenn- wert zu kündigen, jedoch dürfen die Inhaber alsdann statt der Barrückzahlung»"/„ige, bei der ferneren Auslosung mit 115 Mark für je 100 Mark Nennwert rückzahlbare, im übrigen den gleichen Tilgungsbedingungen unterliegende Schatzanweisungen fordern. Frühestens 10 Zahre nach der ersten Kündigung ist das Reich wieder berechtigt, die dann noch unverlosten Schahanweisungen zur Rückzahlung zum Nennwert zu kündigen, jedoch dürfen alsdann die Inhaber statt der Barzahlung?>/,°�ige mit 120 Mark filr je 100 Mark Nennwert rückzählbare, lm übrigen den gleichen Tilgunqsbedingungen unterliegende Schahanweisungen fordern. Eine weitere Kündigung ist nicht zulässig. Die Kündigungen müssen spätesten« sechs Monate vor der Rückzahlung und dürfen nur auf einen Zinstermin erfolgen. Für die Verzinsung der Schahanweisungen und ihre Tilgung durch Auslosung werden— von der verstärtten Auslosung im ersten Austosungstermln(vgl. Abs. l) abgesehen— jährlich 5% vom Nennwert Ihres ursprünglichen Betrages aufgewendet. Die ersparten Zinsen von den ausgelosten Schahanweisungen werden zur Ein- lösung milvcrwendet. Die auf Grund der Kündigungen vom Reich« zum Nennwert zurückgezahlten Schatzanweisungen nehmen für Rechnung des Reichs weiterhin an derlverzinsung undAuslosung teil. Am 1. Zuli 1967 werden die bis dahin etwa nicht ausgelosten Schatzanweisungen mit dem alsdann für die Rückzahlung der aus- gelosten Schatzanweisungen maßgebenden Bettage(HO0/* 115 9/o oder 120%) zurückgezahlt. 4. Zeichnungspreis. Der ZelchnungSpreis beträgt: fürdie50/gReichsanlelhe,wennStacke Verlangtwerden SS,- M, r# 5°/»» wenn Einttagung in das Reichsschuldbuch mit Sperre bis zum 15. Ottober 1919 beantragt wird,.. 97,80 Mark, »» 4'/z0/oRelchsschahanwelsungen....SS,- Mark für je 100 Mark Nennwert unter Verrechnung dsr üblichen Stückzinsen. 5. Zuteilung. Stückelung. Die Zuteilung findet tunlichst bald nach dem Zeichnungsschluß statt. Die bis zur Zuteilung schon bezahlten Beträge gelten als voll zugeteilt. Zm übrigen entscheidet die ZelchnungSstelle über die Höhe der Zuteilung. Besondere Wünsche wegen der Stückelung sind in dem dafür vorgesehenen Raum auf der Vorderseite des Zeichnungsscheincs anzugeben. Werden derartige Wünsch« nicht zum Ausdruck gebracht, so wird die Stückelung von den Vermitt- lungsstellen nach ihrem Ermessen vorgenommen. Späteren Anttägen auf Abänderung der Stückelung kann nicht stattgegeben werden.' Zu«N», Sch»h«nwe>stingsn!l>»khl wie zu ven Stücke» d« N-ichsanlelpe N» 10CO Uteri o»d mehr werde» auk Antrag vom zzeIch«b«>l>DIr-l!ortum aas- gestellte Zwlsche»schei»e»»«gegcbea, über deren Umlaujch in«ndgüittge Stück» da« Erforderliche später sffenstlch betannlgemocht wird. Die Stücke der ofelcheankche unter IOC« wlart, zu denen ZustschmstMer nicht vor, riehen find, werten mit msgllchster Defchleuolaung ferttgeestestt und»oreupfichtlich im April». z.«usgegeben werden. Wünschen Zeichner von Stücken der 3% iNeicheanlelhe unter 1000 Wort ihre berett« bezahilen. aber noch nicht gelieferten steine« Stücke bei einer Doelehnetass« deck ZZelcho zu beleihen, so Isnnen sie die Aueferttgung defonderer Zwischenscheine zwecks Verpfandung bei der varleonckleffe beantragen� die Antrüge sind an die Stelle zu richten bei der die Zeichnung erfolgt ist. Diese Zwifchenschein« werden «ich! an dl« Zeichne« und VermiittunzssteNen ousgchündtgt, fonder» von der üirichck- bonl uniniitetdor der Oarlehnslasse iibergrben. 6. Einzahlungen. OleZelchner können die gezeichneten Beträgevom 30 September d. Z. an voll bezahlen. Die Verzinsung etwa schon vor diesem Tage bezahlter Dettäge erfolgt glcichfaüs erst vom 30. September ab. Dl« Zeichner sind verpfllchiet: 300lo des zugeteilten Betrages spätestens am 6. November d. Z., 20%,,»», 3. Dezember,„ 25%#',«.,. S. Zanuar n. ,, 25% r*, r* 6. Februar,, zu bezahlen. Frühere Teilzahlungen sind zulässig, jedoch nur ln runden durch 100 teilbaren Bettägen des Nennwerts. Auch auf die kleinen Zeichnungen sind Teilzahlunzen jederzeit. Indes nur in runden durch 100 teilbaren Beträgen deS Nennwerts gestaltet? doch braucht die Zahlung erst geleistet zu werden, wenn die Summe der sällig gewordenen Tcllbelräge wenigstens 100 Mark ergibt. Die Zahlung hat bei derselben Stelle zu erfolgen, bei der die Zeichnung angemeldet worden ist. Die zur Rückzahlung am 1. Oktober d. Z. gezogenen Mark 200000 000 5% Reichsschahanwoisvngen von 1914 (I. Kriegsanleihe) Serie VI werben bel der Begleichung zugeteilter Kriegsanleihen zum Nennwort ln Zahlung genommen. Den Zeichnern werden aus dle mit diesen Schatzanweisungen zu begleichenden neuen Anleihen, je nachdem sie Reirs sanleihe oder Reiche schatzanweisungen gezeichnet haben, 5% Stückztnsen für ISO Tage oder 4%% Stück« Zinsen für 90 Tage vergütet. Dle 5% Rsichschatzanwelsungen sind mit Zinsscheinen, die am l. April 1919 fällig sind, einzureichen. Die im Dause befindlichen unverlinsiichen SchahAzeine des Reichs werden— unier Abzug von 5% ÖlZfent vom ZahlungS- tage, frühestens vom 30. September ab, bts zum Tag« ihrer Fäsiizleit — in Zahlung genommen. 7. posizeichnlmgen. Die postanfialten nehmen nur Zeichnungen auf die 5% ReichSanleihe entgegen. Auf diese Zeichnungen kann die Vollzahlung am 30. Seplember, sie muß aber spätzsicus am 6. November geleistet werden. Bus bis zum 30. Gcptetnbor geleistete Vollzahlungen werden Zinsen für ISO Tage, auf alle anderen Voll- Zahlungen bis zum 6. November, auch wen» sie vor diesem Tage gelesstet werden, Zinsen TJft 141 Tage S. Umtausch. Den Zeichnern neuer 4%% Schatzanweisungen Ist es gestattet, daneben Schuldverschreibungen der früheren Kriegsankiben und Schatzanweisungen der l., II., IV. und V. Kriegsanleihe m neue 4%% Schatzanweisungen umzutauschen, jedoch kann jeder Zeichner höchstens doppelt so viel alte Anleihen(nach dem Nennwert) zum ((mimisch anmelden, wie er neue Schatzanweisimgen gezeichnet hat. Dle(lmlauschanttäge sind lnnerhakb der Zeichnungsftist bei der- jenigen Zeichnungs- oder Vermittlungsstelle, bel der dl« Schatz- anwelsungen gezeichnet worden find, zu stellen. Dl« alten Stücke sind bls zum 21. Dezember 191» bel der genannten Ställe einzureichen. Dle Einrelcher der.tlmtausihstücke erhalten auf Anttaz zunächst Zwifthenscheine zu den neuen Schatzanweisungen. Dle 5% Schuldverschreibungen alter vorangegangenen Kriegsanleihen werden ohne Aufgeld gegen die neuen Schatzanwelfungen umgetauscht. Die Sinkieferer von 5°/« Schatzanweisungen erhalten eine Vergütung von Mark 2,25 für Je 100 Mark Nennwert. Dle EinÜeferer von 4%% Schatzanweisungen»er vierten und fünften Kriegsanleihe haben Marl 2,50 für je 100 MartNennwert zuzuzahlen. Die mit Zanuar/Zuli-Jinsea ausgestatteten Stücke find mjt Zlnsschelnen, die am l. Zukl 1919 fällig sind, die mit Bprst/Ottober- Zinsen ausgestatteten Stücke mit Zlnssih einen, die am i. April 1919 fällig sind, einzureichen. Der(lmtausih erfolgt mit Wirkung vom i. Zanuar'1919, so daß die Einlief«1 er von Aprkl/Oktvber-Stücken auf ihre alten Anlelhdn Stückzir.sen für% Zahr vergütet erhalten. Sollen Schuldbuchforderungen zum ilmtausch verwendet»« dem so Ist zuvor ein Anttag auf Ausreichung von Schuldverschreibungen an die Reichsschuldenvorvaltung(Berlin ZV 6», Oranienstr. 92-94) zu richten. Der Anttag muß einen auf den Umtausch hinweisenden Vermerk enthalten und spätestens blS zum 13. November d.Z. bei der Reichssthuldenverwallung eingehen. Daraufhin werden Schuld- verschrelbungen, die nur für den llmtaufch ln Relchsschatzanweisungen geeignet sind, ohne Zinsschetnbvgen ausgereicht. Für die Aus- relchung werden Gebühren nicht erhoben. Eine Zeichnungösperre steht dem iimlausch nicht entgegen. Die Schuldverschreibungen sind bis zum 21. Dezember 1918 bei den In Absah l genannten Zeichnungs- oder Vermittlungsstellen einzureichen. »Die zugeiellten Stücke sämtlicher Kriegsanleihen werden auf Anttag der Zeichner von dem Kontor der Relchshauptbank für Dertpaplere ln Berlin nach Maßgabe seiner für dle Nlederlegung geltenden Bedingungen bis zum i. Ottober 1920 vollständig kostenfrei aufbewahrt und verwaltet. Eine Sperre wird durch diese Nlederlegung nicht bedingt? der Zeichner kann sein Depot jederzeit - auch vor Ablauf dieser Frist- zurücknehmen. Die von dem Kontor für Weripaplere ausgeserligten Depotscheine werden von den Oarlehnsknssen wie die Wertpadiere selbst beliehen. DJeichsbank- Direktorium. Havenflein. v. Grimm. Gertrud Riedel Weööjngplatz, Kennstraße 2■> ❖ r'Ä s Reichste Auswahl in besten Velours-, Zilz- unö Samthüten. SpeZkal- Abteilung für: J Kinöerhüte. /lltes Material wirö preiswert zu öen Künsten Moüellen verarbeitet. Stra?!e»k>ahn-Vcrbiud>»ugc«: 3, 5, 8, 23, 24, 25, 26, 28, 29, 83, 08, 168. SpezialHaus für Oamenhute D»» A das ist das Geschäft wo. ich im vorigen Jahr das billige Kostüm gekauft habe, das Euch alten fo gut gefällt. Elcg. Fant. Kostüm aus mod. braunmelierter Ware, jugendliche, hübsch verzierte Form. Sacke ganz auf Seide. M. 250,-. Mob. 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Arbeitsvcitiages. � 2 Unterkunft und Yorpfleguug auf der Baustelle. • Beld d Francke, AklieD-Geseilsehafi. I o �utomobil-Hontcure, A aber nur selbständig arbeitend, y kür HeereSwagen gesucht. 20532* a jsDäVä", Stralau, Tunnelsir� 36 37. «osmok Werkzeugdreher, Schlosser, (�lurtchler für Exzenterpressen, Spritzerinuen für Lackiererei, Arbeiter, Arbeitermueu, Lanfmädchen stellt s-f-rt ein k. Erlster Üiii.-Ge8., Z0Z0L* Berliu-Oberschöneweide. ! Zedlosser und Schmiede sowie Hiifsscblosser aller Art werden eingestellt. 90292* Brass& Hertslet, Berlin-Hurlciifelde. Tüchtige Einrichter fär SchraubeRhandtsänke, Fassonhänke, Automaten �tollen sofort ein 20621-* Erdinaiin& GtoS,. Bauarbeiter, auch grauen u«!«n3t m. Czarnikow& Co. S25361 Melden: Baustelle ZirkuS Schumann oder Charlottenburg, Hardenbergstr. 25. Mehlige ionteure für elektrische Licht- und Kraftanlageu sofort gesucht.» Sachsen�erk, Schifshauerltamm 15. Schlosser, Platzarbeiter und Transportarbester stellt sofort»in Orenste!!!& Keppel- Artur Koppel Aktien- Gesellsch,, Lokomctivtabrik, XoivnH'csi. 206SL Meldungen im Arbeiterannahmebureau.___ 1O0 Maurer, Bauarbeiter und Frauen werden sosort eingestellt. ISSIb* Baugeschäft Herm. Schäler. ____ Neubau Kahlbaum, Adlershof. Autogen- Schweißer selbständige, für 2—3 Atillimeler-Bleche, verlangt*6652* Hans VVilidkofi Akt.-Ges. Bcrlln-Schoneherg, Beniiig»ci»»tr. 20/22. Aii�trftsrerlniien für den„Vorwärts" 99 werden eingestollt in folgenden Filialen Opi'lin• Prinze�tr. 31. Harlcusstr. 36. OCi Uli. Petorsourcer Plajz 4. Lausitzor Platz 14/15. Immanuelkirchstr. 12. Linden- straßa 3. Greifenhagener Straße 22. Wilhelmshavener Straße 48. Blumenthal- straßo 8, Hof part., Stolpmann. SehÖQeberS! Meininger Straß« 9. Chariotlenburg. Sesenhoimer Str. 1. Steglitz. Bemsee. Mommsenstr. 59. Wilmersdorf: WilhelTe?eschubert. Meldezeit von 11 bis l'/i Neuköiiü* Siegfried-Str. 28,29. Ober-Schoneweide: Pallronharn* s»lzra«nn, Gartsnstadt- l AlmCllUCl y• str. 10, für Alt-Glisuick«. I iphtonhopn' Wartenberjt-Straß« 1 UtllieilDBry. und Ait-Bozttaxen 56. 1 repiOW: Sramsnr, Kiefholr.str, 412. TempeShof: KT�;r�Im'straCe 74' Ulir und 4'/, bis 7 Uhr. Arbeiterinnen für Drehbänke, nur solche, die schon an Drehbänken gearbeitet haben, wollen � sich melden. 3289b 1 Job. fieiüricli Trüier, « Neukölln, Weigandufer 42. unsere w i, i- Iii u v uj v«t tu an ef eb et* und Slraußfedersadrikation verl. �eiiiinh�Ä�iiFantastellder. igcdrUtlvc Ziel«»,«, Leipziger 4tr«ftr 71/2. Einem Teil der heutigen Zlufiage liegt ein Prospekt der Firma ZaliuPrayiS Guido Sachse. Dentist« Beusselstr. 44, bei» SeMklMMMIlmertM. YerVr»ltnnytf>Ue Berlin._ Dem Andenke« anserer im Felde gefallenen und verstorben«« Kollegen gewidmet. Nokkmsan, OsKai-, Kernmacher, geb. 38. J. 86|« ftleriTa. Jüngstow, Hans, Schlosser, 6,5. i» 97)««wirsan. Neubauer, Paul, Galvanisenr, jfboten 8. 1.>1«» Sartln. Neugörtner, Max, Arbeiter, geb. 14. 10. CS|U«ochsdors bei Spremberg. NZelscb, Walter, Arbeite� geb. SS. 7. 98 za veilln. krockier, Max, Schranbendreher, geb. 8. 4. CO zu verlin. Rompel, Paul, Metallarbeiter, geb. 14. 1. 88 zu Ratibor. Rosin, Rickarä, Mechaniker, geb. 17. 4. 97 z« verlin. Ltol?, Arnold, Schlosser, gcb. 28. s. 97 zu Berlin. Tbomas, Willi, Dreher, geb. 6. 19. 89 zu Setiin. Weigt, Willi, Werkzeagmacher, geb. 1. 7. 96 zu verlin. Ghr« ihrem Andenken l ,' 1 118/12 5 Di« Ortdverwaltnn� ZkMlilllllMIINZlMM MWlMS.' »o?it»«nli Den verufigenossen zur Nachricht, dah folgend» Mitglieder im Felde gefallen sind: Prieärick Krumbacb, Bezirk% Paul Bechert,«»sw u. Friedrich Schnauka, n. Erich Krause,»»»w i». Alfred Philipp, v-zlrk is. Walter Klose, sBezirtse. Paul Dunkel,»-zirr 28. Moritz Rüdiger,»«»wso. Ehre ihrem Andenken! 284/8 Der Topsftonä. Filiale GpoB-Bcrlln. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß folgende Kollegen ans dem Lchlachtfelde gefallen find: Wilhelm Stiebert, Straßenreinlgung Georg Winzer, Straßenreinlgung Hermann Zimmer, Straßenreinlgung Georg Kosmala, Lentral-Magazw Michael Ruchalczyk, Z°ntr°i.M°g°zin Ewald Woick, S7. NevIer.Jnfp°won Paul Tiepolt, 21. Fritz Liepe,-7. Fritz Wiese, Otto Kurzweg,* Otto Peter,• Paul Plunze, Mk-iMm 4 Otto Ruschke,©«HanflaR sifitt- Karl Höpfner,®a«anftalt©it�tnet Straße Armin Barth, Heinrich Lebendig, Gasanstalt Müllerstr. JohannWendland, Gaäanft. Schmargendorf Gustav Koller, MarltHallen Alfred Schwalowski, Wasserwerk Westdnd Albert Krüger, Kanalisation August Dietrich,«afferwerk zriedrichsha,« Hugo Klinkicht, Jrrmanstalt»uhlgart« Reinhold Schneider, Sngllsch.«-war. Wir werden ihnen ein ehrendes Andenken bewahren. 38/3 Die OriBTcrwaUnnff. Deutscher Iransportarbeiterverband. Bezirktverwait. Grotz-Berlin Den Mitgliedern zur Nach. richt, daß unser Kollege, der Industriearbeiter Karl Barsch von der Firma Rieb, In Weißensee am IS.TepIkmder im Alter von S1 Jahren verstorben ist. 83/14 Obre feniMi, Slndenken! Di» Beerdigung findet am Montag, den 98. Teptember. nachmittags 4 Uhr, von der Leichendall« de» Georgen» Kirchhofe» in Weißensee, Rilaestraße, aus statt. Mo Sorielioeorvaitang §chivImmvereIn..yonvZtts" Berlin 1897. Durch den Dod auf dem Schlachtfeld« verloren wir die Schwimmgenossen iTkh Meyer Abt. Rummel« buvg Robert ii(vlelisei) Abt. Oderberger Straße. Ehre ihrem Andenken! 987/9 Der Vorstand. Sangercbor I Vorwärts-Südost. R. d. D.«.»L-v. AI» weiter« Opfer de» Idvieae» fielen die treuen Mitglieds unsere« Thor»: Runs LQbke Fritz Schelle. •Sr« ihrem Hnbcnfcnl 3986# Der vorstand. Verband dcrTabrikarbelter Deutschlands. Verwaltung QroB-Berlln. Am Mittwoch, den 18. G-b» tenibsr verstarb unser Mit» glted vtlo lZrviivsld. •hr» seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 23. Septemb., nachmittag» 4 Uhr, von der all« der gionsgemeind», erdend, au» statt. Um zahlreich« veteiligung wird ersucht. STachruf. Am 6. September verstarb unser Mitglied Robert kobde. Ehr« seinem Andenken! 55/14 Die Orteverwaltung. Erstillen hiermit jdie trau- rige Pflicht mitzuteilen, daß unser guier Vater, der »attl« 89515 Louis Gernth nach kurzer Krankheit 18. September 1918 am ver» starben ist. Dt« trauernden Klnver, verlin�iieukdlln. DI« ikinäscherung findet am Dienstag, den 24. Septbr., nachm. 2 llhr, im Krema» mcNorium�GeriM��� Verband der Sattler und BortefeuIIIer. Ortsverwaitung Berlin. Den Kollegen hiermit zur Nachricht, daß unser Mit- giied, der MIlttZrsattler Louis Gernth Workstatt K. Z. Hartmann, verstorben ist. Est»» sei»«»•*»,«»»«! Di« SinSscherung findet am Dienstag, den 24. Sep- tember, nachmiNag» 9 Ubr, im Krematorium Gericht- straß, statt. 158/7 Um rege VelUltgung ersucht Die Qrt«der«altung. ollsr 5ciimorr,n in?ülZon u. Loinsn woräsn robnoll u. dauernd beseitigt d Fuß-Heil-Einlagen. Auf Wunsch Maßanfeni- ssun?. ihncra>W>W�W sicher auch beT Hornhaut. Schuhcreme, Schnürsenkel. Einlagesohlen. Frostsalbe usw. Fuß-Heil-Einlagen-MfKtr., Neue Winierfeldtstr. 46, Laden. Aelteet. Spezialgeschäft mit eig. Werkstatt.— Broschüre gratis— Aerztlich empfohl. leiditesErmflden. auch aus Zelluloid. Hühneraugenlod, giftfrei, hilft teppdecke» VÜZL-J Daunen- Steppdecken in reicher Auswahl. Bernhard Strohmandel, Berlin S. Wailwtraße 72. Flltal.: JoachimsttialerStr.25/26 u. Splttelmarkt, Scke Wallstraße. Alt« Steppeck. werd. gttfgearbeit. 1000 Mk. Kriegsanleihe gegen vierteljährlich nur 79, so Mk. kann jeder mittels unserer Kriegsanleiheversicherung zeichnen. die krlegsanlelhe-verftcherung See„Krnilnw* ist in mehreren öeutjchen Sunöesstaaten von öen zuftänöigen Ministerien als wirksame 5ör- üerung üer /tnleihezeichnung anerkannt unö durch besondere erlasse empfohlen. Wir nehmen die Zeichnung auf 5°/oige Deutsche Kriegsanleihe vor, zahlen den vollen Betrag bei der Neichsbank ein und fertigen dem Versicherungsnehmer eine Police darüber aus. Er erstattet uns den Betrag der Einzahlung in vierteljährlichen Raten. ES gibt zwei �prmen der Tilgung: a) mtt Anzahlung. hierbei zahlt man einmalig 15V Mark für je Ivvv Mark Kriegsanleihe, und von dem darauffolgenden Quartale an viertel- jährlich 19 Mark 50 Pf. verficherungsdauer 10 Jahre. b) ohne Anzahlung. hierbei zahlt man von vornherein nur die Vierteljahrsprämien von 19 Mk. 50 Pf. für je 1000 Mark Kriegsanleihe. Versicherungsdauer 12 �ahre. Stirbt der versicherte vor Ablauf der Versicherungsöauer, so sind keine weiteren Retten mehr zu leisten, sondern die„Arminia" zahlt sofort seinem Hinterbliebenen die versicherte Summe in Kriegsanleihe nebst Zinsscheinen aus.— Tritt der Todesfall nicht während der Versicherungsdauer ein, so erhält der Versicherungsnehmer selbst nach Ablauf der VersicherungSzeit die versicherten Stücke Kriegsanleihe ausgehändigt. flufnahmefähig ohno ärztlich» Untersuchung sind alle gesunden Personen (Männer und Frauen) bis zum Lebensalter von 50 Jahren. 50 bis 60 jährige können gegen einen geringen einmaligen Zuschlag aufgenommen werden. Ein Zuschlag oder eine höhere Prämie für die Uebernahme der Kriegsgefahr wird auch für Heeresangehörige nicht erhoben. Aeichnungen sind bis zu 10 000 Mark für eine Person zuläsiig. Prospette, Antragsformulare und Auskünste durch die Direktion, unsere Ver- treter u. Verwaltungsbureaus sowie bei den meistenhanken u. Sankgeschästen. Veutsihe Lebensversich.-Sank Arminia" /tktiengesellschasi In München. vnßmß der SMUtl. Silmeittrlmeii mm TWMM SeMlMs. Filiale Berlin, SebaftlanftraBe 37-38. Dem Andenken unserer auf dem KriegSschanplah gefallenen Kollegen k Am 14. April 1918 fiel im Westen der Herren» konseklionSschneider Kollege Franz Draeger. geb. 25. 9. 1880. Am 15. Juli 1918 fiel im Westen der Herren- Maßschneider Kollege Bernhard Brathe. geb. 14. 1. 1875. Am 23, Jutt 1918 fiel im Westen der Damen- konselstonSschneider Kollege Bnstav Gogoll. geb. 28. 6. 1883. Am 28. Juli 1918 fiel im Westen der Herrenmaß- schneidet Kollege sUigust Schenbeck, geb. 17. 19. 1881. 182716 Die OrtBvcrwaltnng. MM dkl MliWM SeMliiiilis. Vervaltang» Dlüie«i»ner Teint wird In kDrmter Zelt «netcht durch mrlncn»ilb.w. uiUhetiroß, Rr.m Soinm«r»pro»»en. Mitesser, Fistel. Kuueela u. Fl.tuaen Ttr.eüwiedcn. Bote u.»roßporiue Haut wird sehn'' t b�seitln Tube 2.00. Doppel- duseS.tO Oruaeufaaa« it. Bocotla», Berlin N. 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Der Artikel beschäftigt sich mit der Beschlagnahme der Sonnenvorhänge und der damit zusammenhängenden Gründung der Deutschen Faserstoff-Vertriebs-Gesell- 1 ch a f t m. b. H. und verfolgt die Absicht, in der Oeffent- lichkeit die Annahme zu erwecken, auf krummen Wegen und durch Hintertüren geleitet, sei zwischen der Reichsbeklcidungs- stelle und einer kapitalistischen Gruppe aus der deutschen Textil- Industrie eine geschäftliche Aktion zustande gekommen, durch welche die nach Wäsche und Kleidung hungernde Bevölkerung im allgemeinen und die Papiergarnspinnerei im besonderen ge- schädigt werden solle. Das waren sehr schwere Vorwürfe. Es war nun möglich, durch Einblick in die Akten, über die ganze Angelegenheit sich ein zutreffendes Bild zu machen und zu der Ueberzeugung zu gelangen, dah es sich bei dem Einsender des Artikels in der „Franks. Ztg." nur darum gehandelt hat, eine im I n t e r- esse der Allgemeinheit liegende Wirtschaft- liche Aktion zu zerstören, weil durch sie den Gewinn- interessen der Papiergarnspinner Abbruch getan werden konnte. Durch diese Aktion der Reichsbekleidungsstelle sollte zweier- lei erreicht werden: Erstens sollte durch die Beschlagnahme der vielen Millionen Meter Sonncnvorhänge, Gardinen usw. dem großen Man- gel an Kleidern und Wäsche für die Zivilbe- völkcrung abgeholfen, Zwestens durch die Erzeugung der Ersatzstoffe für die beschlagnahmten Vorhänge der in schlech- ter Beschäftigung befindlichen Papicrgarnindustrie geeignete Beschäftigung zugeführt werden., Nun sind aber die Erzeugnisse aus Papiergarn unerhört teuer. Da die beschlagnahmten Stoffe zum Preise der dafür gelieferten Ersatzstoffe abgenommen werden, so mußte unter- sucht werden, ob es möglich sein würde, die Ersatzstoffe unter dem bisher üblichen Preise für Papiergarngewebe zu liefern. Mit einem Papicrgewebepreis von 7 M. pro Meter war die Sache nicht zu machen: denn man kann doch für eine Windel keine 6— 7 M. bezahlen. Tie Reichsbekleidungsstelle ergriff daher gern eine An- regung, welche ihr der Papierindustrielle Hofrat Hartniann ge- bracht hatte und die ihr die Wege zeigte, auf denen die Liefe- rung des Ersatzes sichergestellt werden konnte. Hierbei mußte sie aber sehr vorsichtig zu Werke geben. Denn wurde vorher bekannt, welch großer Auftrag in Papiergewebe in Aussicht stand, so wußte sie, war der ganze Plan gescheitert, weil dann die Jnteressenvcrbändc alles getan haben würden, um die gute Konjunktur durch hohe Preise und womöglich noch minder- wertige Ware auszunutzen. Sie schwang daher nicht die große Glocke, um das Unternehmertum wegen dieser Sache um sich zu sammeln, sondern ließ durch Hartmann zusanimcn mit zwei Großbanken eine Organisation vorbereiten, deren Verfassung von ibr genau geprüft wurde und die unter der Aufsicht der Reichsbekleidungsstelle stehend, die Lieferung übernehmen sollte, sofern sie die Gewähr nachstehender Bedingungen zu über- nehmen bereit war: � 1. Die Organisation verpflichtet sich, die erforderlichen Men- gen an Ersatzstoffen in brauchbarer Beschaffenheit zu liefern. 2. Der Preis für die Ersatzstoff« muß dergestalt- festgesetzt werden, daß der Eigentümer in der Lage ist, sich den Ersatz auS der ihm gezahlten Entschädigung ohne jede Zuzahlirng zu beschaffen. 3. Die Organisation unterwirft sich in näher zu bestimmen- der Art der Aufsicht des Leiters der Reichs beklei- dungSstelle. Dieser behält sich das Recht vor, einen Kam- m i ff a r i n d i« L e i t u n g der Organisation zu entsenden. In allen Fällen einer Meinungsverschiedenheit hat der Leiter der Reichsbekleidungsstelle die endgültige und dem Rechts- Wege entzogene Entscheidung. 4. Die Organisation ist gehalten, jedem Papiergarn- industriellen, welcher sich zur Mitwirkung an der Lieferung der Ersatzstoffe bereit erklärt und fähig erweist, Teilnahme in dem vom Leiter der Reichsbekleidungsstelle für notwendig gehaltenen Umfange offen zu halten. 5. Die Beschaffung der Bereitstellung der für die Organi- sation erforderlichen Mittel liegt ausschließlich Herrn Hofrat' Hart mann ob. Als Kommissar in die dann gegründete Deutsche Faserstoff- Gesellsckiaft m. b. H. wurde Herr Dr. Hölscher von der Reichsbekleidungsstelle gesandt. Um der Faserstoff-Vertriebs- Gesellschaft den Charakter einer gemeinnützigen, d. h. einer Ge- sellschaft zu sickfern, die nicht den Gewinnintcressen einzelner dient, wurden nach erfolgter Gründung die Geschäftsführer der an der Herstellung von Vorhangstoffen beteiligten Kriegsaus- schüssc aufgefordert, zur Wahrung der Interessen ihrer Industrien dem Aufsichtsrat beizutre- ten, dem noch Vertreter der beiden finanzierenden Banken angehören. Nachdem der Hofrat Hartmann die ihm angetragene Mission übernommen hatte, mußte er sich natürlich auch um- sehen nach Papiergarn zu Preisen, die die Herstellung von Pa- viergarngewcbe in der Preislage ermöglichten, welche dieLteichs- bekleidungsstelle in Aussicht genommen hatte. In dem§ 7 des zwischen der D-F.V.G. und der R.B. St. abgeschlossenen Vcrtnms heißt es hierüber: „Als Preislage ist in Aussicht genommen 3,75 bis 4 M. per Ouadratmeter." Daß dies keine so einfache Sache war, und wie recht die Reichsbekleidungsstelle daran tat, daß sie bei der Sichcrstellung der Lieferung von Ersatzstoffen vorsichtig zu Werke ging, das bewiesen die fünf Papiergarnspinner-Ver- bände, die natürlich die Sorgen uni daS Gemeinwohl hinter ihre Gewinnintcressen stellend, sofort übereinkamen, ihre Mit- glieder anzuweisen, Garne für Vorhangersatz st offe nicht oder höchstens mit einem Nachlaß von 10 Proz. anzubieten. Gleichzeitig unternahmen sie dann den Vorstoß in der „Franks. Ztg." gegen die Faserstoff-Vertriebs-Gesellschaft und ihren geistigen Urheber. Das war ein ganz kurzsichtiges Ma- növer, das für die Jnteressenverbände der Papiergarnspinner keinen Erfolg bringen konnte, weil durch die Gründung der Deutschen Faserstofs-Vertriebsgesellschaft sowohl die Interessen der Allgemeinheit, wie auch die berechtigten Interessen der Textiluntcrnehmer gewahrt worden sind: es ist j e d e m Papier- garnindustriellen, der sich fähig erweist und bereit ist dazu, die Mitwirkung in dem von Herrn Dr. Beutlcr für notwendig gehaltenen Urnfange offen gehalten. Mehr kann man nicht ver- langen. Der Reichsbekleidungsstelle sind schon oft schwere Vor- würfe gemacht worden, daß sie zu wenig tue, um dem un- verschämten Wucher mit Wäsche und Kleidung entgegenzu- arbeiten. Wenn sie es in diesem Falle mit Erfolg getan hat, so wollen wir ihr zur Ermunterung für spätere Taten gern unsere Anerkennung zollen, indem wir sie mit ihren Maßnahmen in Schutz nehmen, vor der irreführenden Tarstellung jenes„führenden Mannes" der deutschen Tertil- industric._ Graf Bertling und öie Sozialdemokratie. Das„Berliner Tageblatt" hat erfahren, daß Graf Hert- ling gegen den Eintritt von Sozialdemokraten in seine Re- gierung sei. Ist das richtig, so besteht in diesem Punkte zwischen ihm und unserer Partei volle Ueberein- stimmung. Die Möglichkeit eines Eintritts in die Regierung Hcrtlings ist in sozialdemokratischen Partcikrcisen unseres Wissens niemals in Erwägung gezogen worden. die Bngft vor der Volksregierung. . Vor einigen Tagen brachte das„Leipziger Tageblatt" eine Sensationsmeldung über die angeblich bevorstehende Bildung einer parlamentarischen Regierung. Die Sozial- Demokratie hätte bereits ihr Einverständnis erklärt, dieser Regierung beizutreten, und zwar unter folgen- den Bedingungen: t. Aufhebung des§ 9 der Verfassung, 2. Eintritt von mindestens zwei bis drei Sozialdemokraten in die Regierung, 3. Be- setzung eines der wichtigsten politischen Ressorts— vermutlich des Staatssekretärs des Innern— mit einem Partciange- hörigen, wofür in erster Linie Ebert in Betracht kommt. Ferner werde der Reichskanzler zurücktreten und durch den bisherigen Gesandten in Kopenhagen, den Grafen Brockdorf- Rantzau ersetzt werden. Diese Meldung, die in das Gebiet deS reichlich wuchern- den parlamentarischen Klatsches der bürgerlichen Presse fällt, gibt der rechtsstehenden Presse Gelegenheit zu einer anmutigen Selbstenthüllung. Obwohl sie in ihren eigenen Kommen- tarcn davor warnt, die Meldung für bare Münze zu nehmen, erhebt sie doch ein großes Weh- und Angstgeschrei über die im Gange befindlichen„finsteren Machenschaften". In Grabeston wird verkündet, daß die Einsetzung einer Volks- regierung das größte Unheil für Deutschland bedeuten würde. In Wirklichkeit zeigt die rechtsstehende Presse damit nur ihren krassen. Parteiegoismus. Alle zurechnungS- fähigen Menschen sind sich darüber klar, daß der schwere Verteidigungskampf Deutschlands nur erfolgreich durchzu- führen ist, wenn er auf eine Volks t'ümliche Grund- läge gestellt wird. Alle Einsichtigen— auch Nichtdemo- kraten— erkennen, daß durch die Demokratisierung Deutsch- lands noch schlummernde und bisher ungenutzte geistige Kräfte für die Verteidigung im Volke zu wecken sind, Kräfte, an decken die Entscheidung hängt. Die rechtsstehende Presse aber will davon nichts wissen, denn sie fürchtet für ihre P a r t e i i n t e r e s s c n, die freilich den Interessen der Landesverteidigung entgegenlaufen. Tie Sorge um die Auf- rechterhaltung der konservativen Machtherrschaft drängt aber bei gewissen Leuten alle anderen Gesichtspunkte m den Hintergrund._ Eine Einigung in der Wahlrechtsfrage? Ucber die Aussichten der Wahlrechtsvorlage verbreitet die „Vossische Zeitung" Mitteilungen, für die wir ihr die volle Ver? antwortung überlasten müssen. Danach soll auch die rechte Seite des Herrenhauses„volles Verständnis für die Notwendigkeit zeigen, rasche Arbeit zu machen und das unvermeidlich Not- wendige in einer Form zu tun, die allen berechtigten. Erwartungen entsprich t". Weiter behauptet daS genannte Blatt, .�daß der Versuch zemacht wird, ein« zweite vlterö-Zusatz- stimme im Herrenhaus durchzusetzen. Sollte die Regierung auf diesen„VermicklungZ"-Vorschlag nicht eingehen und auf h ö ch- st e n s eine Z u s a tz.st i m m e bestehen, dann ist anzunehmen, daß diese eine Zusatzstimme weder dem Herrenhaus, noch dem Abgeordnetenhaus als besonders wichtig erscheint. I n diesem Falle ist es denkbar, daß Herrenhaus und Abgeordnetenhaus auf jede Zusatzstimme verzich- ten und den Artikel 3 in der ursprünglichen Fassung der Regierungsvorlage zum Gesetz erheben werden." Ob dieser Optimismus von der Regierung geteilt wirb, wissen lvir nicht: aber nach ihrem tatsächlichen Verhalten hat es den Anschein, daß sie der hier geäußerten Auffassung nicht allzusckrn steht. Wir halten die Beurteilung der Lage für falsch. Durch die bisherige Nachgiebigkeit der Regierung ist im Gegenteil den Wahlrechtsgegnern erheblich der Kamm geschwollen, und sie hoffen, durch weitere Resistenz der Re- gierung noch größere Zugeständnisse abpressen zu können. Aber selbst wenn die oben skizzierte Lösung zustande käme, so würde das nach den eigenen Worten des Vizekanzler? die a l l« r u n g l ü ck l i ch st e Lösung sein, nämlich die Lösung mit den Stimmen der WahlrechtSgegner gegen die der Wahlrechtsfreunde._ der parteivorftand zu den Köln-öerliner polizeifällen. Wie wir hören, hat der sozialdemokratische Parteivorstand durch den Abg. Genossen Ebert schon am Freitag beim Vizekanzler v. Payee gegen das über Genossen Haenisch ver- hängte Verbot, von der Wahlreform zu reden, wie gegen das Redeverbot für den Abg. Haase in den Berliner Wähler- Versammlungen die schärfste Beschwerde erhoben. In einem bumorislischen Brief an daS.Berl. Tagebl." erklärt Abg. Adolf Hoffmann, er habe.unbemerkt vom Feinde� einen strategischen Rückzug ausgeführt, befindet sich aber in Freiheit. Nach Ablauf von S4 stunden nach Begehung der„Tat" kann er aber nicht mehr verhaftet wprden, sondern eS müßte die Genehmigung zu einer Strafverfolgung erst beim Abgeordnetenhause nachgesucht werden. In verschiedenen bürgerlichen Blättern werden Unannehmlich- leiten geschildert, denen der Polizeihaupt»n«n» Schenck bei der mißlungenen Verhaftung HoffmannS ausgesetzt gewesen sein soll. Di« Verantwortung dafür trifft in erster Reihe jene übergeordneten Stellen, die ihre Beamten mit unmöglichen Aufträgen versehen und sie auf diese Weise in einen Konflikt mit der Bevölkerung hineintreiben. Stimmenthaltung der Konservativen ' in öerlin I. Der Berliner Deuts ch-konservative Wahlverein hat nach einer Mitteilung der„Kreuz-Zeitung" beschlosien, bei der bevorstehenden Ersatzwahl im I. Berliner ReichitagSwahlkreis von der Aufstellung eines eigenen Kandidaten abzusehen. Da jedoch keiner der aufgestellten Kandidaten den konservativen Anschauungen über.einen starten deutschen Frieden" genügt, so empfiehlt der konservative Wahlverein seinen Anhängern Stimmenthaltung.— Dennoch werden die konservativen Wähler am Tage der Wahl nicht gänzlich ratlos dastehen, denn inzwischen meldet sich ein ersatz« konservativer Kandidat an: Herr Christian Gellert, Vorsitzender der „Deutschen Arbeiter- und Angestelllenpartei", einer neuen anti- semitisch-mittelständlerischen Firma, die außer ihrem Vorsitzenden sogar auch einige Mitglieder— man spricht von weit über 7■~- umfassen soll. llohnbewegungderHuchbindereiwerkmeifter Die Werkmeister in Buchbindereien, Geschäftsbücher-, Album-, Mappen-, Karton- und LuniSpapierfabrifen hatten sich vor einigen Wochen an die in Frage kommenden Arbeitgeberverbände mit der Forderung gewandt, mit dem Werkmeisterverband ein Tarif- Verhältnis einzugehen, welches für Berlin ein Mindestge- halt von 3ckk> M. monatlich festsetzt. Außerdem wird eine Teuerungszulage von bl) Prcz. des Mindestgehalts gefordert.� In einer gestern abend abgehaltenen Versammlung der Werk- meister wurde berichtet, daß bis jetzt erst ein Teil der Arbeit- geberverhände geantwortet haben. Die Antworten find nicht ge- rade ablehnend, aber auch nicht zustimmend. Einige Arbeitgeber- verbände erkennen an, daß eine Ausbesserung der Gehälter begrün« det ist. Einen Tarif«bschluh zwischen den beiderseitigen Organi- sationen halten die Arbeitgeberverbände nicht für angebracht.� Sie stellen den Werkmeistern anHeim, sich an die einzelnen F i�r- m e n zu wenden und sich mit ihnen wegen einer GehaltSaufbesse- rung zu verständigen. Die Versammlung sprach ihr Bedauern darüber aus, daß die Arbeitgeberverbände sich nicht entgegenkommender gezeigt haben. Die Werkmeister erwarten, daß ihre durchaus berechtigten Forderungen anerkannt werden. Die Versammlung beauftragt« die Verbandsleitung, den einzelnen Firmen die Forderungen zu unterbreiten, damit die aufgestellten Mindestsätze bereits bei der Gehaltszahlung am 30. September zur Anerkennung gelangen. Der Richtige gewählt! Bei der LandtagS-Ersatzwahl des KreiseS Stolp-Lauenburq wurde der konservative Pastor Philipps auS Charlottenburg mit 339 Stimmen ohne Gegenkandidaten gewählt. — Der Mann, der einst von der Kanzel Gott für den Krieg ge- dankt hat, gehört« auch unbedingt zur Verzierung der konservativen Fraktion deS TrcikliaffenhauseS.» Lekte Nachrichten. Clemenceaus Reüe war öie offizielle französische Antwort. W i e,, 21. September. lMeldg. d. Wiener t. f. Tel.-Eorr.. Bur.) Ter schweizerische Gesandte in Wien hat hcnte dem Mi- mster de? Acußeren auf Grund einer Mitteilung seiner Regie. rung zur Kenntnis gebracht, daß der f r a n z ö s i s ch e M r- nister deS Aeußeren mit einer an den schweizerischen Gesandten in Paris gerichteten Zuschrift vom 13. September den Empfang der Rate der österreichlsch-ungarischen Regierung vom 14. September bestätigt und hierin bemerkt hat, die französische Antwort ans die Eröffnungen deS Grafen Burian fei in der am 18. September vor dem Senat gehaltenen Rede des französischen Ministerpräsidenten Herrn Clemenceau enthalten, deren Text dem ftan» zösischen Journal offiziell vom 18. September zu entnehmen sei. DaS Wiener Korrespondenzburean fügt hinzu: Es wird nicht leicht, sich zu dieser Antwort zu äußern, welche nach ihrer Form von den bisher selbst im Verkehr zwischen Regierungen kriegführender Staaten beobachteten Gepflogenheiten in ver- blüffender Weise absticht.___ Ter Hergang der Einnahme von Laku. M»sr»u, so. September. Die„Jswestija" bringt folgende Ein- zekheiten ü&er di« Einnahme von Baku auf Grund von Aussagen von Augenzeugen: In der Nacht auf den 14. begann starke? Bom» baroement, Geschosse krepierten im Zentrum der Stadt; im Der- lauf« des ganzen TageS fanden hartnäckig« Kämpfe in de r Stadt selbst statt, woran sich Arbeiter und Bevölkerung be- tciligten. Die Armee der Engländer, 30 000 Mann stark, saß schon auf Dampfern und wurde von der Artillerie der Angreifer im Hasen beschossen, wo die Bevölkerung, Frauen und Kinder, einge- schifft wurden. Behälter mit Naphtha und Benzin waren getrof- fcn worden, ein Dampfer mit weichenden Truppen der Bäsch- nacken ist vernichtet. In den Reihen der regierenden Diktatur herrscht« vollkommene Verwirrung. In der letztenZeit v-o r der Einnahme war die ganze Gewalt in den Händen der„Pier" konzentriert, bestehend au? zwei Vertretern des englischen Söldner» PitscherachowS, auS einem Engländer und einem Vertreter von Zenlrokekpi; mit dem Rat wurde nrcht gerechnet und ein Teil seiner Mitglieder, Kommu» nisten und linke Sozialrevolutionäre, wurde in Hcffi gehalten trotz der Vorstellung des Rates und der Forderung aller Arbeiter, sie zu befreien. Am 1ö. September, 3 Uhr früh, begann im Krieg!, Hafen die Einschiffung der gesamten in Panik fliehenden Arme« und Bevölkerung; um b Uhr früh am Sonntag drangen die Eroberer in die an allen Ende» brennende Stadt ein. In der ersten Kampfnacht kamen einige baltische Seeleute- an das Boilonschi-Gefängni», welches von Bafchnakken-Soldaten be, wacht wurde, heran und baten, 30 Rätearbeiter zu befreien. In der zweiten Kampfnacht wurden die verhafteten Mttglie- der des Bakuer Rates der Volkskommissare von der Diktatur aus dem Gefängnis auf einen Dampfer gebracht und mitgenommen. Bei der Evnkuation forderten die Engländer, daß alle Kampfschiffc, die ganze Armee und die KviegSauZrüstungZ- gegenstände nach Enscli evakuiert wurden. Es kamzum Zwie- s P a l t und schließlich zogen die Engländer nach En. f e l i, tn« Matrosen, die Anhänger PitscherachowS und die Bevöl- kerung jedoch nach PetrowSk-Port ab. Es ist bekannt geworden, daß die Engländer in Enfeli viele Hanidrlsdampfer haben und sie eiligst mit weittragenden Marine» geschützen ausrüste». Auf den Dampfern„Ardogan",„KarS" und „Leutnant Schmidt", welche ssth jetzt in Petrowsk befinden, sind dig Kommandeure und Artillericosfigtere Engländer. Die ganze Zeit über ist die Baku« MegierungSgewalt mit«nS nicht in VerHand, lung getreten und nimmt sie auch nicht auf. st« hält sich gl»»W Kriege mit hex russischen Ae»tr«ls«walt stehentu I Gewerkschchsbewegung Die Not üer Hankbeamten. Unter diesem Titel bringt der„Deutsche Bankbeamte", das Organ des Allgemeinen Verbandes der Deutschen Bankbeamten vom 12. September,«ine umfangreiche Darstellung der Einwirkun- gen der steigenden Teuerung auf das Budget der Angestellten. Nach- dem unter Beibringung eines reichen Zahlenmaterials die heutige wirtschaftliche Lage der Bankbeamten besprochen und die gering« Hilfe der Großbanken aufgeführt ist, werden die entsprechenden Verhältnisse der österreichischen Bankbeamten geschildert, die dank ihrer straffen Organisation TeuerungSbehilfen von 130—150 Proz, und NnschaffungS betrage bis zu LOOO Kronen sich errungen haben. Das Resümee der geschilderten Verhältnisse wird in dem,„Un- sere Forderungen" überschriebcnen, letzten Abschnitt des Aufsatzes zusammengefaßt, dem wir folgendes entnehmen: „Dt« Not der Zeit lastet bleischwer auf den Angestellten des BankgewerbeS. Erschütternde Beispiele zeigen sich demjenigen, der mit den Kollegen tagtäglich in Berührung kommt und dem es tag» täglich, mündlich oder schriftlich, aus Nah und Fern klargemacht wird, daß es so, wie bisher, nicht mehr weiter geht, Dieselben Herren, die für ihre eigene Person jahraus, jähr- «in Millionen verdienen, und deren Zigarrenetat allein eine grö» ßere Summe verschlingt, wie sie zwei sköpfige Familien für ihren Gesamtunterhalt benötigen, diese selben Herren wagen es, in heu- tiger Zeit der Bankbeamtenschaft Bettelbrocken anzubieten. In ihrer Selbstüberhebung, die sie meist vergessen läßt, woher sie selbst gekommen sind, denken sie nicht daran, daß die an sich toten Kapi- talsmassen, an denen sie ihr Millionen-Profite machen�ohne die hingebungsvolle Arbeit der Beamtenschaft nicht gewinnbringend verwendet werden könnten. Aber so ist es! Der Beamtenschast wird die Arbeit und das Hungern überlassen, während die hohen Herrschaften sich dafür an dem Ertrag der Arbeit zehn- und hundertfach mästen. Solange«in preußischer Minister sich mit einem Gehalt von SS 000 M. begnügen mutz, solange hat keine Bankdirektion daS Recht, sich auf Kosten der darbenden Beamtenschaft das 20- und mehrfache in die eigene Tasche zu schanzen. Diesen harthörigen Herrschaften muß seitens der Beamtenschaft nachdrücklichst klarge- macht werden, daß ganz andere Summen erforderlich sind, um der schwerleidenden Angestelltenschaft aus ihrer Not zu helfen, als die bisher gewährten, geringen Almosen. Was als Minimum verlangt werden kann und waS die Banken dank ihrer Verdienste anch fehr tvohl leisten können, daS ist: 1.«in«inmaliger AnschasfungS- und EntschuldungSbeitrag von 2000 M. für länger als 5 Jahre im Betriebe Tätig«(zu. züglich 500 M., plus 200 M. pro Kind für Vcrhmatete i, und 1000 M. für alle anderen Angestellten. Di« Kriegsteilnehmer sind entsprechend zu berücksichtigen. 2. Verdoppelung der festen Gehälter. Damit wäre ein bescheidener Anfang gemacht!" Unsere führenden Bankinstitute werden nicht umhin können, der tiefgehenden Unzufriedenheit ihrer Angestellten, die auS diesen Darlegungen spricht, Reebnung zu tragen? denn die aufgestellten Forderungen können im Hinblick auf die allgemeine Teuerung nur als gerecht und billig bezeichnet werden. « In einer großen Kundgebung de» Allgemeinen Verbandes der Deutschen Bankbeamten werden am Freitag, den 2 7. September ISIS, abends 8 Uhr, in den Germania-Prachtfälen, Chausseestraß« 110, die Herren Benno Marx und Karl E m o n t S über„die Forderungen der Bankbeamten und ihre Verwirklichung durch die Organisation" sprechen. An die Vorträge schließt sich ein« freie Aussprache an. Da in der Versammlung über die Aufstellung zeitgemäßer Förderungen Beschluß gefaßt werden soll, dürste mit einem sehr starken Desuch zu rechnen sein. Zum fünfzigsten Geburtstag der modernen Gewerkschaftsbewegung. Unter diesem Titel veröffentlicht„Der Z i m w e r e r", daS Organ des Zentralverbandes der Zimmerer und verwandten Be> rufsgenossen Deutschlands,«inen längeren Artikel, der uns an die Wiege der modernen Arbeiterorganisationen führt. Der Gründung von zentralistischen Gewerkschaften auf dem Allgemeinen Deut- scheu Arbeiterkongreß, am 27. September 1868 in Berlin, ging ein Auftuf voraus, dessen Schluß„Der Zimmerer" wiedergibt. Er lautet: „Zlrbeiter Deutschlands! Ihr alle, wo Ihr auch fein und weilen «rüget, seufzet unter dem Druck des Kapitals. Ihr alle fühlet über Euch jene gemüt- und schonungslose, jene unersättliche Macht, der Eure Arbeitskraft dienen muß! Steht, zusammen, wo es gilt, das moderne Joch zu bekämpfen und für die wenigen Menschenrechte einzustehen! Seid einig und erkennt Eure ungeheure Macht." Di« Kongreßverhandlungen führten damals zur Gründung von veun neuen Gewerkschaften; zu mehreren anderen wurde der Grundstein gelegt. Ein Jahr später gehörten dem Arbeiterschafts- verband bereits mehr als 50 000 zahlende Mitglieder an, die sich in 13 Gewerkschaften gliederten. Seit sener Zeit hat die deutsch« Gewerkschaftsbewegung eine weite Strecke zurückgelegt und Hand in Hand mit der gewaltigen ökonomischen Entwicklung Deutschlands sich zu einem Riesengebilde entfaltet. Wohl hat sie im �Laufe dieser Entwicklung sich entsprechend den veränderten Verhältnissen neu« Richtlinien für ihre Aufgaben ziehen müssen; indessen, sie ist in ihrem ganzen Wollen die große und entscheidende Kampfbewegung der KJm- arboiterschast und neuerdings' der Angestellten geworden. * Auf ein fünfzigjähriges Jubiläum blicken auch die Hirsch-Dunck er scheu Gewerkveceine zurück, die vor 50 Jahren als Konkurrent der jungen Gewerkschaftsbewegung auf- traten. Daß sie es nicht zu jener riesenhaften Entwicklung brachten wie die„später entstandenen Organisationen", sucht der Verbands- Vorsitzende der Gewerkvereine Hartmann in einem Jubiläum?- artikel des„Gewerkvereins" damit zu erklären, daß ihnen nicht die berauschende Geste und nicht die Unterstützung einer politischen Partei mit einer weit verbreiteten Tagespresse zur Verfügung ge- standen habe, UnS schoint, daß mit einer solchen Beweisführung weder die Entwicklung„später entstandener Organisationen" noch die Stagnation der Hirsch-Dunckerschcn Gewerkvereine eine ent- sprechende Erklärung finden. Das, was sich von vornherein bei den modernen Arbeiterorganisationen als ein großes Prinzip der Ent- Wicklung ankündet, gilt es bei solchen Gelegenheiten zu ergreifen; nur dann beweist man, daß die ökonomische und geschichtliche Ent- Wicklung nicht spurlos an einem vorübergegangen sind. Erst Drohung mit dem Schützengraben, dann geheime Denunziation. Die bei den Unternehmern auf dem Flugplatz in Warnemünde bei Rostock beschäftigten Zimmerer bemühten sich notgedrungen um eine Lohnaufbesserung. Die Unternehmer haben bisher abgelehnt, Teuerungszulagen zu bewilligen. Zum Teil wurde angeführt, daß die Organisation der Unternehmer ihnen die Bewilligung verbiete. Verschiedene Firmen drohten den Arbeitern mit dem Schützen- graben, was ihnen dann auf Einspruch der Gewerkschaften verboten wurde. Indessen wissen die Unternehmer sich zu helfen, wie die folgende Anzeige der Firma Tuchscherer, Sitz Breslau, an das Be- zirkskommando in Rostock beweist: Karl Tuchscherer Spezial-Baugeschäst Flugplatz Warnemünde. Breslau. 21. August 1018. An Großherzogliches Bezirkskommando, Rostock. Am hiesigen Flugplatz bin ich im Austrage der Kaiserlichen Marine mit dem Bau einer Hafenhalle heaustragt. Unter den mir für dies« Arbeiten von der Heeresverwaltung zurückgestellten Facharbeitern befindet sich auch der dem dortigen Bezirks- kommando unterstellte Unteroffizier(Zimmerer)....(folgt Name), geb. 19. 8. 84, G. v. H., der noch bis zum 30. 11. 1918 zurückgestellt ist. In letzter Zeit ist unter meinen Arbeitern eine Lohnbewe. gung entstanden, die darauf hinauSjzeht, den jetzt gezahlten Stundenlohn um nahezu 50 Proz. in die Höhe zu treiben. Diese auch mit den jetzigen Teuerungsverhältnissen nicht zu rechtfer- tigende Mehrsorderung kann natürlich von keinem Unternehmer bewilligt werden. Als Organisator dieser Lohnbewegung kann der obengenannt«.... angesehen werden, bei dessen Ausscheiden aus meinem Dienst wieder Ruhe und Zufriedenheit unter mei- neu Arbeitern herrschen würde. Angesicht? des unruhestiftenden Verhalten? des.... kann ich sein Arbeitsverhältnis nicht weiter auftechterhalten und stelle ganz ergebenst anHeim, über ihn mili. tärisch zu verfügen. Unterschrift unleserlich. Nach dem Verbot der offenen Drohung mit der militärischen Einziehung die geheime Denunziation, die hoffentlich ohne Wirkung bleibt._. Emil Körner, der langjährige Angestellte des Fabrikarbeiter- Verbandes, Verwaltungsstelle Harburg, ist im Lazarett einer im Felde erlittenen schweren Verwundung erlegen. Körner war seit 1911 Angestellter de? Fabrikarbeiterverbandes in Harburg; vorher war er längere Jahre Angestellter der Hamburger Zahlstelle. Auch in der Partei hat er stets sein« Pflichten als tätiger Genosse erfüllt. Auch der Verband der GaftwirtSgehilfen hat den Tod eines braven Agitators zu beklagen. Wilhelm Schwarze, der im Jahre 1903 in Berlin seiner Berufsorganisation, dem Verband deutscher Hoteldiener sich anschloß, ist im Alter von 38 Jahren einer feindlichen Granate erlegen. Schwarze hat an den verschiedenen Orten Deutschlands eine erfolgreiche organisatorische Arbeit für seine Berufsorganisation geleistet. Znöustrie unö ßanöel. Kaligewinnung im Ausland. Zu diesem kürzlich von uns behandelten Thema wird un» geschrieben: Vor dem Kriege wurde bekanntlich die ganze Welt von Deutsch- land aus mit Kalidungstoffen versehen. Sie sind für eine inten- sive Landwirtschaft so unentbehrlich, daß die Entente alles auf- geboten hat, Ersatz für den Ausfall der deutschen Llalieinfuhr zu schaffen, wobei natürlich auch daS Streben mitspielte, sich für die Zukunft ganz unabhängig von ihr zu machen. In. Schmoller» Jahrbuch gibt der Greifwalder Professor D*. Roth Auskunft über diese Bemühungen. Hiernach bietet das Kalivorkommen in O st- Holland der daran interessierten englischen Solvay-Gesellschaft geringe Aussichten. DaS russische Kalilager bei Solikamsk, im Gouvernement Perm, ist durch geringe Mächtigkeit und große Transportschwierigkeiten nicht geeignet, eine wirksame Konkurrenz zu werden. Von einer Ausbeutung der Kalisalze am Kaspisee ist noch nicht? bekannt. In Kalm'z, in G a l i z i e n, werden jährlich nur 1— 3000 Tonnen gewonnen, die ja für die Entente nicht zu« gänglich sind. Ueber die Nutzbarmachung de- katalanischen Kalilager- liegen noch keine bestimmten Angaben vor. AuS I t a- lienisch-Afrika(Erhthräa) w-rd zwar Kali ausgeführt, je- doch liegen die Verhältnisse ähnlich wie am Ural: geringeres Vor- kommen und schwieriger Transport. Aus Tunis hat Frankreich im_ Vorjahre 10 000 Tonnen Kali beziehen können. Ebensoviel hofft man jährlich miS den versickernden Salzseen.des westlichen Nordamerika gewinnen zu können; dabei hatte Amerika allein schon im letzten FriodcnSjahr einen Bedarf von 240 000 Tonnen im Jahr. Man will darum die Kaligewinnung auS Seetang im großen in Angriff nebmen, muß aber dabei 45— 55 Tonnen Tang verarbeiten, um eine Tonne Ka'i zu erlangen. Alle diese Umstände und weiter die Tatsache, daß Amerika zur Intensivierung seiner Boden- und insbesondere Baumwoll- kultur, Frankreich zur Rekuliiviecung seiner verwüsteten Landstriche und England für die Stärkung seiner Landwirtschaft viel mehr Kali brauchen werden als ihre Eigenproduktion in absehbarer Zeit liefern kann, erklärt einmal das Streben der Entente nach den reichen elsässi scheu Kalibergwerken und erfüllt anderer- seits Prof. Roth mit der Gewißheit, daß die deutsche Kaliindustrie um ihr« Zukunft nicht zu sorgen brauch«. PHSnixabschluß. Da die Phönixaktien seit geraumer Zeit wieder in den Mittel- Punkt der Börsenspekulation am Montanmarkt gerückt sind, wurde sein Abschluß mit besonderer Spannung erwartet. So glänzend er ist. so hat er doch die auf ihn gesetzten Erwartungen nicht erfüllt, weil die Verwaltung nickt, wie erwartet wurde, außer der 20pro- zeiitigen Dividende auch einen Bunu- zur Verteilung bringt. Der Abschluß zeigt, im Vergleich mit den VorjahrSergebnisien, folgende Ziffern: angesetzt als im Vorjahr, dafür sind die normalen Abschreibungen um 8 Millionen Mark höher ausgefallen. Allerdings unterbleiben besondere Abschreibungen im Vorjahr 3,2 Millionen Mark— und die besonderen Rücklagen und Zuweisungen werden um über 5 Millioiren Mark gekürzt. Die Ziffern erlauben noch kein abschließendes Urteil. Die Bilanzen sind bekanntlich im Kriege zum Mittel geworden, um zu sagen, wie wenig verdient worden ist. Diese Tendenz ist beson« ders stark geworden, seitdem die Preisforderungen der Industriellen auf lebhaften Widerstand stoßen. Es ist ferner allgemein bekannt, daß an den Stellen, die Aufträge zu vergeben haben, allzu üppige Dividenden nicht gern gesehen werden, und danach richten sich fast alle Verwaltungen, denen es nicht ausschließlich auf hohe Kurse. sondern besonders auch auf die innere Kräftigung ihrer Gesell- schasten ankommt. So sind Dividendensteigerungen in der Montan. industrie in diesem Jahr selten, dafür klagen die Geschäftsberichte über ungenügende Preise. Diese Beschwerden sind aber ganz un- berechtigt, denn selbst wenn nicht böchste Gewinne mehr erzielt werden, so sind die ausgewiesenen doch immer noch fehr hoch, in der überwiegenden Mehrzahl weil höher als im Frieden. Eine Ausnahme von dieser allgemeinen Dividcndenpolirik machen nur kleinere Unternehmen, die auf Grund ihrer Spezial- fabriiate ihre Gewinne teilweise noch wesentlich steigern konnten— so die Stahlwerk Lindenberg A. G., Geljenkirchner Gußstahl A. G.. und die Friedrichshütte A. G. Iugenüveranstaltungen. Berein Arbeiter-Jugend Groß Berlin. Heute Sonntag, nach- mittags 3 Uhr, im Zentral- Theater, Kommandantenslrage: Theater- Vorstellung. Zur Aufführung lomrnt»Minna von Barnbelin" von G. E. Lessing. Die Karte kostet Pro Person 1,50 M. einschließlich Gardcrobc- gebühr und Einsührung in daS Wert. Die Plätze werden an der Theater- lasse von 2—'/, 3 Uhr verlost. Wetterauöffchten«irr daS mittlere Borddentscblanv vi« Montag mittag. Ziemlich mild, veränderlich, ziemlich wollig mit öster wiederholten, im Süden meist geringen, im Norden, besonder an der Küste, stärkeren Regcnsällcn. Infolge der durch die Papierknappheit und sonstige Umstände ver- ursachlen Schwierigkeiten können wir für die Ausnahme von Anzeigen an den vorgeschriebenen Tagen keine Gewähr übernehmen. Dorwärts-Verlag ffi. m. b. h. verantwortlich für Politik: Erich Snttncr, Berlin: für den übrigen Teil des Blatles: Alfred echolj, Ncuwlln: für Anzeigen: Theodor Glocke, Berlin. Verlag: VorwärtS-Berlag G. in. b. H., Berlin. Druck. Vorwärts-Buchdruckerei und Lerlagsanstalt Paul Singer u. Co. in Berlin, Lindenstrahe 3. Hierzu 3 Beilagen.• O-. IPertßei Steingut Tafelgeschirr, bnni bedrcch Teegeschirr,»ckvn glasier» Bratenschüsseln»«1 80Pf.bi.4.25 Gemüseschüsseln rund 80Pf.b.l.85 Kartolfetnäpfe m. 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Flora I 30. 1.45 Kristali-Bowienglas Flora. 1.75 Kristallgarnitur»Schiller*' Rotweinglas........ 2 45" Süßweinglas..... 2.10, 2.25 Bowlcnglas......... 2.65 Sekt-Kelche 2.45.-Schalen 2.65 Bierbecher......... 1.30 ährxcCfaix Weiss Nene» Kaffeegeschirr JEliira jpeisetcller 95p' Brotteller 75P1. feine! Blumenrankenmuster Kompotteller••••••• 45 p'- Kaffeekannen. von 3.40 w. 7.00 Bratenschusseln von 1.25 bu 2.95 Teekannen.. von 5 35 bi. 6.90 Bcilagschüsseln 45 55. 75 Pf. Müchtöpfe... von 1.25 bi. 2.75 Kompottschüsseln 48 p» bu 1.25 Zuckerdosen.... 2 95. 3.85 Kaffeekannen 55 p» bi» 2.65 Kochenteller 3 40 Milchtöpfe konisch 18 Pf. bi. 1.05 fassen\",.45, ,'55 Teekannen konisch.2 75. 2.95 Kannenuntersetzer..... 3.40 Zuckerdosen koni«h.. 1.15, 1.60 �iler......... 1.25. 1.70 Tasscn......... 60 Pf. Schüsseln...... 410. 4.95 Kafleegeschirr„ Schwarzburg" Brotkörbe......... 8.75 -- buntes Ranlmus.er- � EjCfbeCher........• 65* Kaffeekannen.• w 4.50 w» 8.10 Kaflcegesthirr„ 7,„ Teekannen...... 5.25, 8.10 un- 5 25, 5.85, 7 65 Müchtöpfe.... von 1.95 bu 3.15(o»* p«»on«e 10.50, 13.50. 18.00 Zuckerdosen.. von 3.15«»4.90" e««»«... 28 00, 38.00 Tassen........ 1.90, 2.25 Tafelgeschirr 42, 66.70m l Vertchiedene Gebrauchsgegchirre in A t L"p"gerStr-: Rosenthal- Porzellan J