Nr. 262. 35. Jahrg. Bezugspreis: Bferteljährl. 5,40! monatl. 1,80 mt. frei ins Haus, vorauszahlbar. Einzelne Rummern 10 Bfennig. Bostbezug: Monatlich, bom Bostschalter abzuholen 1,80 M., bom Briefträger ins Haus ge bracht 1,94. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich- Ungarn 4.-M., für das übrige Ausland 5,50 M. monatlich. Berland ins Felb bel diretter Bestellung monatl. 2, Bostbestellungen nehmen an Däne mart, Solland, Buxemburg, Schweben und die Schweiz. Eingetragen in die Bost- Beitungs- Breisliste. Erfcheint täglich. Zelegramm- Adresse: „ Sozialdemokrat Berlin", Vorwärts Berliner Volksblatt. 10 Pfennig Anzeigenpreis: Die fiebengespaltene Rolonelzeiletoftet 80 Bfg. Kleine Anzeigen", das fettgebrudte Bort 30 fg.( Juläffig fettgebrudte Worte), jedes weitere Bort 15 Pfg. Stellengesuche und Schlafftellenanzeigen das erste Wort 20 Big., jedes weitere Wort 10 Big. Borte über 15 Buchstaben zählen für awei Borte. Teuerungszuschlag 20% Familien- Anzeigen, politische und gemertschaftliche Vereins Anzeigen 60 Big. die Zeile. Anzeigen für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags im Hauptgeschäft. Berlin EW.68, Lindenstraße 8, abgegeben werden. Geöffnet von 8 Uhr früh bis 7 Uhr abends. 4 Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands. Redaktion: SW. 68, Lindenstraße 3. Fernsprecher: Am: Morisplas, Rr. 151 90-151 97. Montag, den 23. September 1918. Expedition: SW. 68, Lindenstraße 3. Fernsprecher: Amt Morikalas, Nr. 151 90-151 97. Gefcheiterter englifcher Großangriff Der Streitfall Baku. Rußland und die Türkei. Aus der russischen Note, die wir am Freitag hier wiedergegeben haben, ergibt sich, wie ernst in russischen Regierungsfreisen die Streitfrage aufgefaßt wird, die sich aus der Besegung Bafus durch die Türken ergeben hat. Deutschland hat fich in den Zusatzverträgen zum Brester Frieden verpflichtet, den Russen den weiteren Bezug von Rohöl aus Baku zu fichern, und die russische Regieung erblickt in der Einhaltung dieser Verpflichtung eine Lebensfrage. Das schwierige Werk der wirtschaftlichen Reorganisation, daß sie unternommen bat, sieht sie bis an die Wurzel gefährdet, menn the die michtigste Quelle der motorischen Kraft abgeschnitten wird. Man muß daher in Deuschland auf die Möglichkeit gefaßt sein, daß die ruffische Regierung in dieser Frage mit großer Entschiedenheit vorgehen wird, die sich nicht nur nach einer Seite richtet. Die russische Note hat gegenüber Deutschland ausgesprochen, daß ihre aus den Bujazverträgen entspringenden Verpflichtungen durch den Fall Baku stark modifiziert werden. Von Schritten, die sie gegenüber der Türkei unternommen hat, hat man bisher noch nichts gehört, doch liegt der Gedanke nahe, daß es auch mit der Türkei zu diplomatischen Verhandlungen kommen wird, womit nicht unbedentliche Konfliktmöglichkeiten gegeben wären. Die Türkei ist Deutschlands Bundesgenosse, und schon durch die Zusatzverträge wäre für Deutschland die Rolle des Vermittlers gegeben, die dann nur in dem Sinne ausgeübt werden könnte, daß den Russen das ihnen zugesicherte Recht wird. Eisenbahnerstreik gegen die Tschecho- Slowaken. Amsterdam, 21. September. Nach einem hiesigen Blatt meldet die„ Daily Mail" aus Wladivostok, daß der Führer der Tschecho- Slowafen, Oberst Gaida, eine Proflamation an die allrussische Regierung und die tschecho- slowakischen Truppen ausgefertigt hat, in der er allen Eisenbahnangestellten und Telegraphisten befiehlt, unverzüglich den Streif einzustellen und die normale Arbeit wieder aufzunehmen, sonst würden sie vor ein Kriegsgericht gebracht und erichossen werden. Auch alle Personen, die der Sabotage schuldig befunden würden oder dem Militär Hindernisse in den Weg legten, würden füfiliert werden. Nach dieser Meldung scheint es mit der Begeisterung der fibirischen Bevölkerung für ihre Befreier" nicht weit her zu jein. Belgien will keinen Sonderfrieden. Erklärung des Ministerpräsidenten. Amsterdam, 21. September.„ Central News" meldet aus Lonbon: Der belgische Ministerpräsident Cooreman erklärte, daß die belgische Regierung ihren Standpunkt bezüglich der allgemei nen Friedensbedingungen und der Wiederaufnahme der Beziehungen zwischen den verschiedenen Staaten nur in vollständigem Ginbernehmen mit den Alliierten feftjegen wir Stürmische Anleihedebatte in Frankreich. Rußland hat uns in den Krieg gezogen. Bern.( Eigener Drahtbericht des Borwärts.) Die französische Stammerdebatte über die neue Kriegsanleihe nahm einen bewegten Verlauf. Als Finanzminister Slot sagte: Diese Kriegsanleihe wird" unterbrach ihn Mayeras( Soz.) mit dem Buruf:„ Die Anleihe für die Intervention in Rußland!"„ Nein," erwiderte Alok, fie wird die Anleihe der Befreiung", welchen Morten ein Beifallssturm folgte.. Die Beftimmung, daß die Anleihe mit Supons ber kaffierten russischen Anleihen bezahlt werden könne, wurde bon Moutet( Soz.) heftig befämpft. los mies darauf hin, daß es in Frankreich eine Million achimalhunderttausend Inhaber solcher taffierter Ruffenanleihen gebe, ihnen müffe ntan au Hilfe kommen. Englischer Großangriff füdlich Cambrai Der Ansturm in vorbereiteten Linien Schwerste Feindesgänzlich zerschellt verluste. Berlin, 22. September 1918 abends.( Amtlich.) Von den Kampffronten nichts Neues. Großes Hauptquartier, den 22. September 1918. Imtlich.( WTB.) Weftlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht. Bestlich von Fleurbeiz und füblich von Gavrinconst wurenglische Teilangriffe, nördlich der Scarpe starke Borstöße es Feindes abgewiesen. Eigene Unternehmungen bei Rocuvres brachten 45 Gefangene ein. Heeresgruppe Boehn. Nach den vergeblichen Zeilangriffen der beiden lezten Tage olte der Engländer gestern wieder zu großem einheitlichen Anriff aus. Sein Ziel war der Durchbruch südlich von Cambrai. Inter dem Schuhe einer dichten Feuerwalze trat die englische Infanterie, von Panzerwagen und Fliegern begleitet, zwischen em Walde von Gouzeaucourt und Hargicourt am frühen Morjen zum Angriff an. Wir hatten in Erwartung des feindlichen Angriffes in der Nacht vom 19./20. bie Berteidigung von bem freien Gelände öftlich von Eychy in die alten englischen Stellungen zwischen Billers Guislain und Bellicourt verlegt. Als der zum Angriff ticfgegliederte Feind die Höhen hinab gegen unsere Linien anstürmte, empfing ihn das vorbereitete Abwehrfeuer unferer Artillerie, Infanterie und Maschinengewehre. Der Angriff blieb vor unseren Linien liegen. Nach stärkster Feuervorbereitung feste der Feind zu erneutem Angriff an. Auch diefer zweite Ansturm scheiterte völlig. In den Südwestteil von Billers Guislain und in das Gehöft Quennemont drang der Engländer vorübergehend ein. Hier warf ihn sofortiger Gegenstoß wieder zurück. Am Abend und während der Nacht folgten stärkstem Artilleriefeuer nochmals heftige Angriffe, die abge= wiesen wurden. Der gestrige Kampftag war in dem schweren Ringen an der Westfront ein besonders erfolgreicher Tag. Deutsche Jäger und Kavallerieschüßenregimenter, oft- und westpreußische, posensche, niederschlesische, westfälische, rheinische, bayerische Regimenter und Garbetruppen haben dem Engländer gestern eine schwere Niederlage zugefügt. An seiner ganzen Angriffsfront hat er schwerste Verluste erlitten. Unserer Artillerie fällt ein Hauptteil an dem vollen Erfolge zu, Heeresgruppe Deutscher Kronprins. Zwischen Ailette und Aisne blieb die Artillerietätigkeit tagsüber in mäßigen Grenzen. Sie lebte am Abend in Verbindung mit heftigen Zeiltämpfen östlich von Baugaillon, am Gehöft Baurains und nordwestlich von Bailly auf. Der Erste Generalquartiermeister. Ludendorff. Der österreichische Bericht. Wien, 22. September. Amtlich wird verlautbart: Italienischer Kriegsschauplas. Gestern überfielen auf dem Doffo Alto unsere Sturmtruppen einen von tschechoslowakischen Legionären verteidigten Grabenabschnitt. Der größte Teil der Befagung erlitt sein verdientes Schicfal. Sonst an zahlreichen Stellen der italienischen Front Erkundung gefechte. Weftlicher KriegsschauplasBei den 1. und. Truppen keine besonderen Ereignisse. Albanien. An der Küste wurden abermals italienische Angriffe abgeschlagen. Der Chef des Generalstabes. Italien und die Südslawen. Bern, 22. September.( Gig. Drahtber. d. Vorwärts".)„ Petit Raffin- Dugens( Sez.) rief dazwischen:„ Rußland hat Parifien" meldet: Die italienische Ministerfrise ist verhütet. Die uns in den Krieg bineingezogen!", worauf ber Bräsi- Anschauung Orlandos und Bissolatis über die Abänderung Dent fagte: Bergeffen Sie nicht, daß Deutschland den Angriff der Bondoner Beschlüsse siegte unter Mithilfe Gallengas und vierzig Jahre lang vorbereitete." Darauf Raffin- Dugens: Aber Crespis. Danach soll Italien eine Beschüberrolle gegen Rußland gab ihm die Möglichkeit, so zu tun, als ob es sich bedroht über den Südslawen übernehmen und derart außer terri glaube. Deutschland hatte jebenfalls nicht das Barenregime, bas unsere Régierungen hinterſtützten, und der Kaiser hatte keine fibirischen Gefängnisse." Hier fiel wieder der Präsident ein mit bem Wort, der Raiser habe sein Gefängnis an Elsaß- Lothringen. Die Annahme der Anleihe erfolgte schließlich mit 461 Stimmen gegen die brei der Kienthaler. werden. torialen Borteilen gemäß dem Nationalitätenprinzip auch moralische und politische erlangen. Eine diesbezügliche Regierungsnote ging an die Verbündeten ab und wird nach deren Zustimmung publiziert Sie teilt den Verbündeten mit, daß das italienische ihren freien Staat als den Ententeprinzipien und den Interessen Kabinett die Bewegung der Südflaten für ihre Unabhängigkeit und eines gerechten Dauerfriedens entsprechend ansieht. Vor den Entscheidungen. Mit dem heutigen Tage beginnt eine Woche, die uns als eine große, politische angekündigt worden ist. Am Dienstag nimmt der Hauptausschuß endlich, nach langem Drängen feines Vorsitzenden, des Genossen Ebert, seine Sigungen wieder auf. Ihnen gehen am heutigen Tage Besprechungen der Fraktionen voran. Die sozialdemokratische Fraktion tritt heute um 10 Uhr vormittags in Verbindung mit dem Parteiausschuß zusammen, um den Bericht des Vorstandes entgegenzunehmen und die Richtlinien der fünftigen Bolitik der Partei einer gründlichen Aussprache zu unterziehen. Verfolgt man den Chor, mit dem die bürgerliche Presse diese Vorgänge begleitet, so stößt man auf Erscheinungen, die überraschen müßten, lägen ihre parteipolitischen Triebfedern nicht allzu offen zutage. Auf der einen Seite, det konserbatiben, sucht man die Sache so darzustellen, als ob die gegenwärtige Krise nur die Erfindung einiger Ehrgeizlinge wäre, die danach drängten, selber an die Macht zu kommen. Auf der anderen Seite sucht man die bisher beobachtete Zurückhaltung der sozialdemokratischen Partei durch gutes Zureden zu überwinden und stellt den Eintritt von Sozialdemofraten in die Regierung als eine selbstverständliche Pflicht hin. In diesem Sinne nimmt jest wieder die Zentrums- Parlamentsforrespondenz Stellung, indem sie gegen die Bemerkung eines fortschrittlichen Abgeordneten im„ Berliner Tageblatt", die Sozialdemokratie würde durch ihren Eintritt in die Regierung ein großes Opfer bringen, folgendes ausführt: Nach unserer Ansicht ist es eine selbstverständliche Pflicht auch der Sozialdemokratie, daß sie sich dem Vaterlande gegenüber in dieser schweren Zeit verpflichtet fühlt; worin die " großen Opfer" bestehen könnten, die die Sozialdemokratie bei Uebernahme dieser bestimmten Verpflichtung" bringen müßte, iſt uns unverständlich. Zehnt die Sozialdemokratie, wie sie es seinerzeit getan hat, den Eintritt in die Regierung ab, ist das schließlich ihre eigene Angelegenheit, und wir vermögen uns damit abzufinden. Den Verzicht auf fleinliche parteipolitische Eigenbrötelei sollte man aber doch wirklich nicht als ein " großes Opfer" bezeichnen. Die machthungrigen Ehrgeizlinge der konservativen Presse verwandeln sich hier im Handumdrehen zu Leuten, die aus, fleinlicher parteipolitischer Eigenbrötelei" die Erfüllung ihrer selbstverständlichen Pflicht verweigern. Es liegt auf der Hand, daß beide Darstellungen gleich schief sind. Daß die Sozialdemokratie nicht nach Ministerposten strebt, geht aus der Feststellung der Zentrumskorrespondenz hervor, daß sie die Gelegenheit des vorigen Jahres ungenügt vorübergehen ließ. Aber auch ihre Pflicht am Volke ist die Sozialdemokratie zu erfüllen bereit, nur daß sie diese Pflicht etwas anders auffaßt, als sie in der bürgerlichen Presse oft dargestellt wird. Nach der„ C.-P.-C." ist die Sache ungeheuer einfach. Wenn es gewünscht wird, hat die Sozialdemokratie eben in die Regierung einzutreten. Die eigenen Wünsche und Anfichten der Partei über die Notwendigkeiten der deutschen Reichspolitik müffen dann zurückgestellt werden. Aber die Sozialdemokratie hat ihre Aufgabe stets so aufgefaßt, daß sie nur durch das Wirken für ihre Ueberzeugungen dem Volfe nügen und ihre Pflicht erfüllen kann. Die Frage stellt sich also für sie fo, ob durch ihren Eintritt in die Regierung ihr Wirken für ihre Ueberzeugungen erleichtert oder erschwert wird. Gerade in der Haltung der bürgerlichen Bresse liegt nun für die Sozialdemokratie ein Grund starker Skepsis. Würde dort ausgesprochen werden, daß die Sozialdemokratie in vielen Dingen recht behalten hat und daß es notwendig sei, in ganz anderer Weise als bisher ihren Anschauungen Rechnung zu tragen, so könnte das viel eher auf sie ermutigend wirken, als ein ganz fehlgehender Appell an das Pflichtgefühl. Gewiß zeigt sich schon in dem Wunsche so zahlreicher bürgerlicher Politiker nach dem Eintritt der Sozialdemokratie in die Regierung ein bedeutender Umschwung der Verhältnisse. Vor dem Kriege fonnte ein Mann, der als Sozialdemokrat bekannt war, nicht einmal nachtwächter in Krotoschin werden, jezt legt man den Sozialdemokraten nahe, daß sie ihre Pflicht verlegten, wenn sie nicht allsogleich, ohne nach dem Was und Wie zu fragen, Minister würden. Dieser Umschwung ist aber anscheinend noch nicht so weit gegangen, daß man der Sozialdemokratie einen wirflid) ernsten Einfluß auf die Regierungsgeschäfte zubilligen will. In diesem Falle läge für die Partei die Erwägung nahe, zunächst einmal die weitere Entwicklung der zubilligen will. In diesem Falle läge für die Partei die daß die Lage des Reiches eine enge Zusammenfaffung aller Dinge abzuwarten. Es ist gewiß ohne weiteres zuzugeben, Kräfte erfordert, und man soll nicht annehmen, daß sich die Zozialbemokratie Sem Ziviltgen!>en dieses Gedankenganges entziehe. Aber es kommt nicht nur darauf an, daß die Kräfte zusammengefaßt, sondern noch viel mehr darauf, wohin sie dirigiert werden. Wenn die Sozialdemokratie einmal in die Regierung ein- tritt,— und dieser Tag kann kommen—, dann tut sie es zur Erfüllung ihrer großen geschichtlichen Mission, den Frieden herbeiführen zu helfen Ob die Dinge zu einer erfolgreichen Friedenspolitik heute schon reif sind, muß man leider nach der Haltung der Gegner bezweifeln, vor allem aber wäre es not- ' wendig, die Hindernisse, die sich einer konsequenten Friedens- Politik im Innern entgegenstellen, ein für allemal aus dem Wege zu räumen. Ob dies heute schon möglich ist, ist eine Frage der Tatsachen. Tie Sozialdemokratie kann toeder heute noch später in die Regierung eintreten, um die Politik, wie sie bisher ge- trieben wurde, mitzuverantworten, sie kann eS nur tun zu dem Fweck, sie entsprechend ihren Ueberzeugungcn von dem, waS dem Volke not tut, zu ändern. * Mit dem Thema des Tages setzt sich die„Fränkische Tagespost" in eineiu längeren Artikel auseinander, dem wir folgende Stellen entnehmen: Es ist auch ein gar glattes Parkett, aus das die Sozial- demokratie tritt, wenn sie ihr« Vertreter in die Regierung ent- sendet. Wäre Benoss« Scheifttmemn dm Tag« vor der Rede des Kaisers an die Kruppschen Drhiciter inZ Amt getreten, so hätte er wahrscheinlich nach dieser Red« auf sein« Stellung verzichten müssen.' Hätte er aber, wie das bisher bei allen Kanzlern, Staats- ' sekretären und Mmste-rn üblich war, die Verantwortung für die kaiserliche» Gedanken übernommen, so hätte er den Zusammenhalt mir der Arbeiterschaft verloren und seiire Bedeutung als Staats- sekretär hätte damit aufgehört. Wer weiß, welche Reden der Kaiser noch hallen wirdl Er weiß»8 selbst nicht, denn er ist von seinem Temperament mch von feinen Stinnnuugen abhängig, und er wird sich auch durch die Rücksicht auf einen sozialdemokratischen Staats- sekretär nimmermehr binden lassen. Bedingungen zu stellen für eiiieii sr�ialdemokva tischen Staatssekvetär liegt ja ungeheuer nahe, aber es ivär« gar vieles, was ein Sozialdemokrat zuerst bereinigen lassen müßte, bevor er in die Regierung Antritte. Ten Ostfrieden können wir nicht vertreten, da? finnische Abentousr wird von den Sozial- demokräteu als eine uirgeheure Gefahr angesehen. Di« Ausrottung und Unterdrückung der Sc�ialdemoknaien in Finnland und in der Ukraine mit Hilfe deulschec Truppen muß den Widerspruch jedes Sozialdemokiateu dervorrusen. Di» a n t ts az ial ist i sch e Agrarpolitik in der Ukraine war nur möglich durch die deutsche Okkupation und ist. durch einen sozialdemokratischen SiaaiS- ickretär nicht zn billigen. Die polnischen Pläne wider- sprechen gar zu stark dem TelbftvestiNimlrirgSrecht der Völker, als daß ein Sozialdemokrat van der Trtbün» de» BlmdeSrateS für sie eintreten konnte. Di« ganz« Steuerpolitik mit ihren in- direkten gasten uich ihren Gebühren auf den Verkehr, die Beschränkungen der Presse und de« Versammlungsrechtes, der Eingriff der Militärgewalten in die zivilen Verhättniss«— all bot kann ei» Sozialdemokrat nicht billigen und nickt rechtfertigen. Die„M ünchener Po st" erklärt:„Erst ein die Verfassung und Verwaltung w u r z e! t i e f ergrei- fender Systemwechsel ermöglicht die Mitarbeit an der Regierung." Ties sei die Meinung der gesamten Münchener Arbeiterschaft, wie baS aus folgender cm 20. September angenommenen Resolution Auer des Münchener Sozialdemo- kratischen Verein? hervorgehe: Die außerordentliche Generalversamntlung der Wahlkreis? München l und II erhebt a k l e r sch ä r f st? n Protest gegen .die ziellose Sckaulelpolitik der deutschen Reichsregierung. Di? Per- sammlung verlangt eine durchgreifende Umgestaltung der inner«« Politik, Beseitigung des persön- Ii che» Regiments, Einsetzung einer Regierung, die als wirklich« Repräsentantin des Volkes angesehen werden kann, parlani entarisches System, völlige Unterordnung der Militärgewalt unter die dem Volke verankwortliche Zivilregrerung. Di? Ver- sammlung fordert die sofortige Auflösung des p r c u ß i s ch e n Landtags und eine tiefgreifende freiheitliche Um- gestältung der preußischen Verfassung und Ver- w a I t u n g, eine Umgestaltung, die mit der Junkerherrschaft völlig aufräumt. In der äußeren Politik verlangt die Versammlung von der deutschen Regierung ein offenes und entschiedene? Eintreten für einen Verständigungsfrieden, für einen Frieden ohne Annexionen und Entschädi- g u n g e n, planmäßige Förderung des Gedanken? des Völker- bundeS, eines Bunde? der Völker, nicht der Monarchen und Kabinette, der für die Zukunft ein Völkermorden unmöglich macht, allgemeine Abrüstung zu Wasser und zu Land und intcr- nationale Schiedsgerichte. Diese Forderungen durchzusetzen ist die vornclhmste Aufgabe der Sozialdemokratie; für deren Erfüllung sind die schärfsten politischen Mittel anzuwenden. Die Versammlung erklärt, daß sich die deutsche» Arbeiter nicht für dynastische und klassenstaatliche Interessen opfern, sondern für den Gedanken eines freien Vaterlandes, das allen Deutschen beider- lei Gcschkechts volle politische, würtschaftliche»nd geistige Freiheit verbürgt. Da zur Dnrchsiihrung dieser wichtigen Forderung einmütiges und geschlossenes Handeln der gesamten politisch geschulten Arbeiter- klassc und der sonstigen werktätigen Kreise unbedingt erforderlich ist, verurteilt die Persammlung aufs schärfste alle Bestrebungen, die geeignet sind, diese Geschlossenheit zu hemmen oder zu durchkreuzen. Zahlreiche sozialdemokratische Blätter machen sich durch kommentarlosen Abdruck die Ausführungen eines Korrespon- denz-Artikels zu eigen, in dem ausgeführt wird: Wenn die Sozialdemokratie in die Regierung eintreten würde, so würde sie das nicht tun, um für eine Politik die Verantwortung zu übernehmen, die sie nach ihrer Uebcrzeugung nicht übernehmen kann. Daraus folgt: Hält man den Eintritt der Sozialdemokratie in die Regierung für wünschenswert oder notwendig, so muß die Politik des Reiches so gestaltet werden, daß sie sich mit der Ueberzeugung der Sozialdemokratie verträgt, die Teilnahme an der Vcranüvortung also kein bloß äußerlicher, sondern ein innerlicher, auf Uebcrzeugung beruhender Vorgang wird. Dazu ist eine weitreichende Umgestaltung der Reichspolitik,.ein tiefgrsifender Shstemwechfel notwendig. Tritt ein Sozialdemokrat als StatSsckretär oder Minister in die Regierung ein, so muß auch der letzte Mann im letzten deutschen Dorf, muß das Ausland bis über das Meer hinüber be- merken, daß in Deutschland etwas anderes, etwas n e.u es geworden ist. Nur wenn sich der Eintritt der Sozialdemokratie in die Ne- gierung unter solchen Voraussetzungen vollziehe, könne er die erhofften nützlicheit Folgen haben. Ter Eintritt in die Regie- rung unter der bestehenden Leitung und unter Beibehaltung des 'gegenwärtigen Kurses sei aber nicht in Erwägung zu ziehen, rnd die Sozialdemokratie lehne alle Einladungen, die in solchem Sinne an sie ergehen, mit höflicher Bestimmtheit ab. Bertling und die Sozialdemokratie. .CLln a. Rh., 22. September. Die„Kölnische Zeitung" brin'gt iil ihrer heutigen Morgenausgabe folgende Meldung ihres Berliner Vertreters:„Dem„Berliner Tageblatt" geht von Par- lamentarischer Seite eine Zuschrift zu, in der- unter Fort- spinnilttg der Krisen gerüchte u. a. behauptet wird, seit gestern höre man, daß G r afHertlingesablehne, Sozialdemokraten in die Regierung anfzuneh- m e n. Falls dieses Gerücht sich bestätige, würde der Reichskanz- ler allerdings das Vertrauen der Mehrheitsparteien vollständig verloren haben.— Diese Mitteilung wird mir von unterrichteter Seite als reine Kombination bezeichnet. Graf Hertling hat noch keine Gelegenheit gehabt, zu der Frage der Aufnahme von Sozialdemokraten in die Regierung überhau Pt Stellung zu neh- Kleines Schauspielhaus: „Arbeit" von Siqfried Giedio«. Dies Erstlingsdrama eines Schweizer Dichters hat einen Mittel- atr, der, von der wunderbar naturhaften fchlicht-herzlichen Dar- itellung der Hauptrolle durch Fräulein Pün lös dy getragen, ein starkes Mitempfinden auslöst«, an die eindringlichen Seslenbilder des jungen Naturalismus gemahnte. Das ist eine Leistung, die heut auf Dankbarkeit und Anerkennung Anspruch erheben darf. Doch während sonst die allertrioialsten Theaterfabrikate bei der Premiere mit ungeteiltem lauten Beifall aufgenommen werden, demonstrierte hier nach einem freilich nicht sonderlich gelungenen Schlußakt ein Teil de« Publikums mit Zischen. Hoffentlich gelingt es dem Verfasser, die Erwartungen, die er erregt, in d»m Entwick- lungsgange seines weiteren Schäften« z««füllen. Die Expofition weckt in geschickter Weise dc>« JMeresf« für Helene, ein aufrechtes robust«» Mädchen, chas zum Kummer der bürgerlichen Mama bei ihren vierundzwangig Jahren sich mehr um ihr NnivrrfitätSstndium und Lkipartien in den nahen Schweizer Bergen als um eine nützlich« VerforgungSehe kümmert. Eine Willensstärke, auf Tätigkeit gerichtete, ganz und gor nicht pro- blcmatische Natur, unter Künstlerkameradev lebend, deren rast- loser Schaftenstried ihr mächtig imponiert, hat sie dabei ihr Herz an einen jungen Mann verloven, der, obu« Zwang zur Arbeit, seine Tage nutzlos vertut. Wozu die Plackerei, wenn man bei allen Gaben, die man mitbekommen, doch weiß, daß man in keinem Fache mehr als Mittelmäßiges erreichen wird, philosophiert er, sich«nt- schuldigend. Verdrossen, lustlos, mit erkünsteltem Hochmut ge- wappnet, trottet er einher. Nur der Touriftenfport, die fteie Berg- tust der. Gletscher entreißt ihn zeitweilig seiner Apathie. In der Schilderung des liebend-mütterlichen Instinkt», der daS Mädchen zu diesem, ihrer eigenen Gssundheit so fremden Wesen mit un- vegreiflich starkem Zwange zieht, klingen Tön« ganz»rsprünglichen Empfindens an. Helenes Resolutheit bäumt sich auf g«g«n da» Aussichtslose einer solchen Leidenschaft. Nie wird er«in» Position erlangen, die ihm die Ehr gestattet, und die Heimlichkeiten«ine» ungebundenen Verhältnisses widerstreiten ihrem Gefühle. Hätte er sie dazu gedrängt, sie würde wohl nicht widerstanden haben, aber sie dankt ihm, daß er'» nicht versuchte. Die Brücken müssen ent» lich abgebrochen werden. In einem weitgedehnten Arbeitskreise, wie ihn ihr ein reicher Freier verspricht, hofft sie Vergessenheit für alles andere zu finden. Ihre höchst« Wirkung erreichte die Schauspielerin in der Szene, als Helene, in dumpfer Hoftnung,«in Wunder könne sich ereignen, das den Geliebten aufrütteln und einen Lebensbund ermöglicht, ihm ihr geheimstes Empfinden offenbart. Der junge Mensch kniet vor ihr nieder, birgt erschüttert sein Antlitz in ihrem Schoß. Doch ein Wort fester Zuversicht, das sie hören wollte, dringt ihm nicht über die Lippen. In einer Novelle wäre es dem Dichter wohl nicht schwergefallen, die seelischen Vorgänge in einem organisch sich angliedernden Schluß stiimnungK- voll aueklingen zu lassen. Auf der Bühne geht es ohne einige fragwürdige Gewaltsamkeiten nicht ab. Der offiziell erkorene Bräutigam, der erst nur einen Stich ins Fade hatte, soll da(was bei seiner sonstigen Art recht wenig glaubhaft anmutet) von der Verlobten in einer sehr verfänglichen Situation überrascht worden sein und wird von ihr endgültig abgeschüttelt. Ihr Glaube an die erlösende Macht der Arbeit, mi dem sie sich klammerte, ist ins Wanken geraten. Immer steht das Bild des einen, den sie nicht vergessen kann, ihr vor den Augen. Schließlich muß die Perspek- tive auf einen Delbstmordplan des jungen Menschen in den Bergen und auf eine Rettung durch das nachreisende Mädchen herhalten, einen Schein von Handlung vorzutäuschen. Die beiden arbeitsfrohen Architekten waren durch Otto G e- b ü h r und Hermann Thimig lebensvoll verkörpert. Der junge SportSmen ohne sonstigen Beruf in seiner mnSkelstarken und melancholischen Schönheit erhielt in Johannes Riemann einen sehr eindrucksvoll-dekorattven Repräsentanten. Margärete Kupfer charakterisierte diskret und fein die bürgerlich konven- tionelle Mutter. dt. Der eiserne heilanö. sErstaufführung im Deutschen Opernhaus.). Man erinnert sich noch der„Hügelmühle", wie im Schlußakt die Holländerin, in Flammen auflodernd, wie rasend die Flügel dreht, bis sie zusammenstürzt. DaS ist sin gewöhnlicher dekorativer Effekt. Auf ähnliche Reizungen scheinen es manche neuere Kom. ponisten besonders abgesehen zu haben. Auch im„Eisernen Hei. land", einer tragischen Oper des Oesterreichers Max Ober- l e i t h n e r, gibt»s nicht bloß einen Erdolchungs- und Schießeffeit— der Schlußakt mit der Kreugigung ist einzige Theattalik nach südländischem Muster. Damit sei schon das Haupt- „terkmal de» auf äußerliche Vorgänge aufgebauten Textes bezeich- vxi. Di« Verfasser Werden-Welle minski lassen die Handlung in einem dolomittschen Grenzdorf spielen, wo angeblich südsiaN-isch-italirnifcher Station alttäten haß oft bis zu Mord und Totschlag aufeinanderprallt. Der Schmied von St. Gertraud hat eine Italienerin g«- heiratet. Daran nehmen die Dörfler ein großes Aergernis; sie hassen in ihr die Walsche und trieben sie am liebsten von bannen. Als nun ein italienischer Duddelsackpseifer erscheint und gar der Jugend zum Tanz aufspielt, lodert der Haß empor. Ma» will dem Musikanten an den Ranzen. Die Frau stellt sich zum Schutz vor ihn. Wie man dann gegen sie selber aufbegehrt, tritt der Schmied mit dem drohend erhobenen Possekel dazwischen. Des- halb Feindschaft zwischen ihm und den Dörflern. Der Schmied beschließt, mit seiner Frau fortzuziehen, bleibt aber doch wohnen. Tann kriegt ers mit der Reue und hämmert, um seine Schuld zu sühnen, einen riesigen eisernen EhristuS für die Kreuzwegstation droben im Gebirg. Jener Italiener treibt sich aber auch umher; und einmal sieht itt Schmied gerode, Jene der seine Frau küßt. m e n, also auch weder nach der einen noch der anderen Richtung hin sich entscheiden können. Die in der Zuschrift weiter ent- haltene Angabc, Graf Hertling wiirde der Fraktionssitzung des Zentrums beiwohnen, ist unzutreffend. Richtig dagegen ist, daß der Reichskanzler an der Sitzung des Hauptausfchnsses am Dienstag teilnehmen wird." Tagores Sekretär verhaftet. Unter Anklage der Aufwiegelung, Berlin, 21. September.„Stockholms Dagblad" meldet: „Tagores englischer Sekretär unter Anklage der Aufwiegelung verhafte t." „Times o s I n d i a" erhielt von seinem Korrespondenten, au? Rangun folgende Mitteilung: Die britische Behörde verhaftete in Peking Herrn W. P c a r- s o n, einen Engländer, der seit Jahren Rabi nd r anath Tagores bei seiner Lehrtätigkeit in Bolpur assistiert und während Tagores Reisen in Japan und Amerika als sein Sekretär fungierte. Laut„Peking Times" wurde Pearson wegen Aus- wiegelungsversuche unter Anklage gestellt, verhaftet und nach Shanghai gebracht. Wie erinnerlich, wurde vor kurzem TagorcZ Namen im Zu- sammenhang mit dem indischen Berschwörungsprozeß von San Franziska genannt. Wie der Staatsanwalt damals mitteilte, soll Tagore in geheimer Verbindung mit dem I n d i- s che«. Komitee gestanden sowie die leitenden Staatsmänner Japans und EhinaS aufgesucht haben, um sie für die Befreiung Indiens zu interessieren. Europäisches Zentralkomitee der Indischen Nationalisten. Rabindranath Tagore ist der mit dem Nobelpreis ge- krönte indische Dichter. Interessant ist, daß die Verhaftung in Peking— also auf chinesischem Gebiet— erfolgte. England kann sich das gestatten. Vernunftftimmen aus Frankreich. Bern, 22. September.(Eigener Drahkbericht des„Vorwärts".) „Journal des Debats" schreibt über die Zustellung des„Osfieiel" mtt der Clemenceau-Rede als Antwort an Oesterreich:„Offenbar ist das geistreicher und bequemer als eine Antwort zu redigieren, die gleichzeitig für das Wiener Kabinett und für die österreichisch- ungarische Bevölkerung bestimmt ist. Dieser gute Witz wird die zahlreichen Leute erheitern, welche glauben, daß es genüge, die Manöver des Feindes durch Verachtung zu erwidern. Unseres Er- achten? zeigt er eher die Manövrierunfähigkeit der alliierten Diplo- matte. Man verschwendet Riescnsummen für eine Zusammenhang- lose Propaganda und stößt mit dem Fuß unerhoffte Gelegenheiten weg, die feindlichen Bevölkerungen über die Verantwortung ihrer Regierungen aufzuklären." In der„H u m a n i t e" weist Edgard M i I h a u d auf den Fortschritt der Schiedsgerichtsidee auch bei den Staatsmänneru der Mittelmächte hin und schließt:„Da? einzige Problem für die Sozialisten in Frankreich und der Welk ist, ob sie die Revolu- t i o n begreifen, welche sich vollzieht und ob sie diese mit ihrer Gesamtenergie zu unterstützen bereit sind. Mögen sie wachen und sich die geringste Ablenkung versagen." Bemerkenswert ist, daß Milhaud, der aus solche Weise die terri- torialen Fragen zurückstellt, der zur Minderheit gewordenen frühe- ren Mehrheit angehört. Ter Lyoncr„Progres" lehnt geheime FriedenSverhand- lungen ab, verlangt aber eine ösientlicke gemeinsame Erklärung der Entenieregierungen über ihre Kriegsziel?. Im„Journal du Peuple" schreibt der Parfter radikale Ex- deputierte La Foyer: Jeder gutgläubige Mensch mutz zugeben, daß daS Programm P a y e r S keine Genwlt- und Annexionspolitik enthält, jedoch Lücken bezüglich der belgischen Wiedergutmachung, der Revision des Bvester Frieden? und Elsaß-Lothringens. Eben- darum sei eine Diskussion nötig. Solange die elsaß-lothringische Frag« der Gewalt- l ö s u n g anheimgegeben sei, bleibe sie unlösbar. Wenn Teutschlands das Elsaß behält, wird Frankreich einen zehn- Fuchsteufelswild schickt er dem Ausreißer einen Büchsenschuß nach. Im dritten Akt sieht man ihn sein Weib zum Kreuze schleppen und sie dort anschnüren. Singend haucht Anntna alsbald ihr Leben aus. Worauf der Duddelsackmann den Schmied erdolcht und feige verduftet. Sterbend kann dieser noch den hcrzueilenden Leuten bekennen, daß« r die Frau getötet.„Da liegen sie, die beiden zarten Pflanzen, sie liebten sich im einzeln und im ganzen," könnte man mit Nestroy in seiner Tannhäuser-Parodie sagen. Diesen krassen Stoff hat Oberlcithner„vertönt". Es läßt sich nicht behaupten, daß man es hier mit einem original schaffenden Musiker zu tun habe. Die ganze Partitur zeigt zwar das löbliche Streben nach Volkstümlichkeit und Selbständigkeit, man verspürt aber genug Anklänge von woanderSher. Es ist gewissermaßen Musik, die„mittendurch" geht, dabei sangbar und klangvoll ge- staltet ist. Manchmal läßt sich sogar wirkliche Schönheit vernehmen; zeitweilig wieder ists Kapillmeisteroperei und Liedertafelei. Für den Erfolg kann der Komponist der Theaterleitung danken. Wenn«S der Regie auch nicht gelingt, richtig lebendige Volksszenen auf die Beine zu bringen— die Inszenierung ist dafür loben?- werter. Beispielsweise über der Gebirgslandschaft im Schlußakt lag feine Stimmung. Die Darstellung war gleich gut. Einen besseren Torfschmied als Julius vom Scheidt wird man sich zurzeit hier kaum zu wünschen haben. Mafalda Salvatini ist' erst recht eine wurzelechte Annina. schauspielerisch sowohl als gesanglich. De- wundern-wert verstand sie die Kraft ihrer glänzenden Stimmitwl zu steigern— bis sie diese am Kreuze mählich ersterben ließ. Paul Hansen sang mit kleinen Ausnahmen nie bolltöniger als diesmal. Die Herren Börgeson und Bilk erwiesen sich als tüchtige Neben- rollenverireter. Rudolf Krasselt holte au? dem KriegSorckester was möglich war. elc. Neue Theaterspiele für Sas Volk. (Im Zentraltheater.) Der Verband zur Förderung deutscher Theaterkultur hat im Einsernehmen mtt dem Verband der fteien Volksbühnen ein neue» Unternehmen ins Leben gerufen, dessen Segnungen dem Volk im allgemeinen, der Arbeiierschaft im besonderen zugute kommen sollen. Es besteh! in mustergültigen Aufführungen klassischer und moderner Dramen, die allsonntäglich nachmittags stattfinden werden. Dadurch vornehmlich die Jugend, doch auch jedes Lebensalter vom Tingel- tangel einer mehr und mehr jegliche. Kunst zum Geschäft er- niedrigenden Gegenwart abdrängend, einem veredelten Genüsse alles Guten und Schönen entgegenzuführen:— das ist der hohe Zweck dieser Veranstaltungen. Mit LessingS Soldatenftück„Minna von Darnhelm" haben gestern im Zentral-Theater die Vorstellungen eben des Verbände? zur Förderung für Thcaierkulter eingesetzt. Zunächst war die Arbeiterjugend bedacht. An fünf weiteren Wiederholungen dieses frühesten, wahrhaftigen Lustspiel? der deutschen Literatur werden einzelne gewerkschaftliche Verbände teilnehmen. Andere Groß- Berlin Herbst. jährigen Arieg führen. Wenn Frankreich dagegen das Elsaß, tige feindliche Angriffe abgewiesen. Unsere Einheiten machten nimmt, so werden die Deutschen, die in einigen Jahren 70 Mil- serbische und französische Gefangene. Deftlich der Cerna lionen gegen 35 Millionen Franzosen sein werden, eine günstige dauern erbitterte Kämpfe an. Unsere Front wurde mehr Gelegenheit zur Rüdergreifung finden. nach Norden verlegt. Südlich von Gewgheli suchten englische BaDeutschland definiert den Frieden, Desterreich die Friedens- taillone sich unseren Gräben zu nähern, wurden aber blutig abgemethode. Wo ist da die Falle"? wiesen. Bei Doiran erneuerte der Feind nach seiner Nieder- Wehmütig- sonnige Tage, frostige Nächte. Der Mensch Berlin, 21. September. In Le Populaire" vom 18. Sep- lage in den lebten Tagen seine Angriffe heute nicht. Im Laufe fühlt sich einiger mit diesem Herbst und seiner melancholischen tember schreibt Staoul Verfeuil:„ Die Friedensfrage des Tages wurden drei feindliche Flugzeuge abgeschossen. Müdigkeit als mit dem Frühling, der mit seiner Bracht nur das ist die wichtigste Frage, die der nationale Parteifongreß zu be- Französischer Orientbericht vom 21. September. Die Verfolhandeln haben wird. Die Rede Payers und die öster- gung der geschlagenen bulgarischen Streitkräfte zwischen Gernanjelige Leid verhöhnt, als mit dem Sommer, dessen Ernte den reichische Note vermehren noch ihr Interesse. Unsere Kame- und Wardar geht methodisch vor sich. Trok wachsenden Wider- felischen Hunger weniger noch als den leiblichen stillen kann. Die Hoffnung dieses Jahres sinkt mit den Blättern. Die raden der Ermajorität haben des öfteren erklärt, daß der Krieg standes der feindlichen Nachhuten haben die serbischen Streitkräfte Menschheit schreitet dem fünften Winter der Not zu, nach Luft aufhören fönnte und müßte an dem Tage, an dem die Regie- die Cerna in der Gegend von Gebren überschritten. Sie bemäch ringend im Gasnebel frivoler Phrasen der Bis- zu- Ende- Krieger. rungen der Mittelmächte unter Verzicht auf jede Art von tigten sich der hohen Givfel des Porta und des Bzenz. Die Bul- Hunderttausende sanken wieder in die Massengräber, einen Imperialismus offener oder versteckter Art sich dem Ge- garen steden ie Dörfer, welche sie verlassen, in Brand. Eine ihrer Frühling lang, einen Sommer lang, und noch nicht ist das Blutdanken einer Gesellschaft der Nationen anschlössen. Nach der Rebe Feldbatterien fiel vollständig in unfere Sand. Flugzeuge bewarfen geld bezahlt, mit dem sich Europa die Wiederkunft von Vernunft vort Bayer zu urteilen, wäre dieser Tag gekommen, und unermüdlich die auf dem Rückzug befindlichen Kolonnen mit Bom- und Würde erkaufen soll. Die rauhen Winde, die zum fünften wir haben demnach das Recht, die Mehrheitssozialisten zu fragen, ben und beschossen sie mit Maschinengewehren. Auf beiden Seiten Male über die Wüsteneien der Schlachtfelder blasen, finden noch melches ihre Stellung jest ist. Ohne Zweifel darf man einem des Wardar und nördlich von Monastir starke Artillerietätigkeit. feine Brüder. Staatsmann, in welchem Lager er sich auch befinden möge, nur beMenschbruderschaft! Mußt ja in Qual geboren werden, wie bingt Glauben schenfen. Paher aber hat gleichwohl im Namen der Die Völker marschieren durch Flammentore in dein großes Vaterland, aber laß deine Sonne aufgehen zu viele verbrennen am Wege, die du als Bauleute brauchst! deutschen Regierung gesprochen und hat sich nicht nur für die Ge- Die Versammlungsfreiheit in Schneidemüht. wir alle, aber dein Tag muß nahe ſein, ſonſt kommt er zu spät. sellschaft der Nationen erflärt, die Renaudel am Herzen liegt, sondern hat auch versichert, daß er die militärische und maritime Abrüstung wolle, ohne die es keinen dauerhaften Frieden geben fönne. Genügt das der Mehrheit? Die Gelegen heit ist da, die Aufrichtigkeit der Mittelmächte zu prüfen, die öfterreichische Note gibt sie uns." Räumung russischer Gebiete. Entsprechend den Barzahlungen. Rowns, 19. September. Die in Wilna tagende deutsch- russische Grenzfommission hat am 15. September ihre Arbeiten beendet. Ueber die Räumung des Gebietes östlich von der Berefina sind, wie die Baltisch- Litauischen Mitteilungen" erfahren, Bereinbarungen zustandegekommen, nach denen das Land östlich der Beresina, südlich von Polost bis nördlich von Homel in fünf Abschnitten, entsprechend den nach Artifel 3§ 1 des deutschrussischen Finanzabkommens vom 27. Auguft 1918 in fünf Teil beträgen zu überweisenden Barzahlungen, geräumt wird. Die Räumung beginnt im Norden mit dem Streise Ljepjel und gibt in den ersten vier Abschnitten nach Süden fortschreitend die Bahn Orscha- Mohilew- Regatschen und das Gebiet bis zum Flusse Drut frei. Mit dem fünften Abschnitt wird das Land westlich des Drut bis gur Beresina geräumt. Die Räumungen beginnen am 20. September 1918 und sollen am 28. Februar 1919 beendet sein. Die Schwierigkeiten, das in dem Räumungsgebiet befindliche deutsche Eigentum zurückzuführen, haben zur Gewährung von Räumungsfristen geführt, die nach der Tiefe des Abschnittes und der Menge des zurückzuführenden Gutes verschieden bemessen sind. Die Beresima bleibt auch nach der Räumung ganz im deutschen Befit. An ihr öftliches Ufer schließt sich die neutrale Zone an. Den Truppen wird die Benutzung des Flusses für Schiffahrt, Flösserei usw. gestattet. Russischerseits ist die Verpflichtung übernommen worden, dafür zu sorgen, daß den Bewohnern des geräumten Gebiets, die im deutschen Dienste gestanden haben, aus dieser Tatsache tein Nachteil erwächst. Kiero, 20. September. Die deutsche Kommandantur in Rostow am Don erklärte laut Ukrainischer Telegraphen- Agentur den Pressevertretern, daß alle Gerüchte über den Weggang deutscher Truppen aus dem Dongebiet und Rostow jeder Begründung entbehren. An der mazedonischen Front. Sofia, 22. September. Generalstabsbericht vom 20. September. Stazedonische Front: Nördlich von Bitolia und im Cernabogen gerstreuten unsere Einheiten durch Feuer mehrere feindliche Abteilungen, welche nach Artillerievorbereitung gegen unsere Stellungen vorzurücken versuchten. In der Gegend von Morihovo wurden hef Ein Seitenstück zu Berlin- Köln. In Schneidemühl hat die Arbeiterbewegung im legten Jahre einen überraschenden Aufschwung genommen. Die Gewerkschaften haben einen ungeheuren Zulauf gefunden und die Parteiorganisation ist von wenigen Mitgliedern auf etwa 500 gestiegen. Das Generalfommando hat durch Versammlungsverbote hieran feine unbestrittenen Verdienste. So wurden Versammlungen, in denen der Abgeordnete Genosse Wels- Berlin sprechen sollte, mehrfach verhindert, um„ keine Beunruhigung" in die Bevölkerung zu tragen. Jetzt endlich war die Genehmigung erteilt, Wels sollte über: Deutschland im Weltkriege" reden. Die Versammlung am 11. September war ungemein start besucht. The der Vorsitzende die " Der neunte Gang zu den Altären des Vaterlandes! Leg dein Scherflein in die Opferschalen! Die anderen, Unsere Jugendweihe. dem gestrigen Herbstsonntag den großen Saal des LehrervereinsWie Frühlingsglanz lag es über der Festversammlung, die art hauses füllte. Frühlingsglanz der Jugend leuchtete hell und warm auf und verschönte die Feier, die der Weihe unseres Nachwuchses galt. Hundertfünfundsiebzig Knaben und Mädchen waven mit ihren Angehörigen, Berivandten und Freunden versammelt, um teilzunehmen an der Jugend weihe, die ihnen die Arbeiters schaft durch die Groß- Berliner Bezirksorganisation der Sozialdemokratischen Partei veranstaltete. Die ernsten Klänge des Händelschen Largo bereiteten bie Stimmung für die zur Selbstbesinnung mahnende Feier. Jn ihrem Mittelpunkt stand die Weiherede des Reichstagsabgeordneten Genossen Wissell, die den jugendlichen Zuhörern ein eindringliches, warmes Geleitwort mit auf den Lebensweg gab. Vom Recht der Jugend sprach er, aber auch von den Pflichten, die genade dem Nachwuchs der Arbeiterklasse das Leben auferlegt. Denkt stets daran, daß ihr Arbeiterkinder seid," mahnte er, Größere wie Du, Herrliche, Glorreiche, Größere wie Du, Serrliche, Glorreiche, haltet fest zusammen und last euch nicht auseinanderbringen!" füllten sie mit ihrem Blute. Sie zu ehren, gib zur Neunten". Berjammlung eröffnete, stellte der Polizeikommissar Schlegel an Wels die Frage, welcher rattion er angehöre, und legte ihm ein S.S.- Telegramm des Generalfommandos vor, daß die Versammlung des Wahlvereins nur erlaubt sei, wenn Wels nicht unabhängig" wäre. Der Kommissar fügte hinzu: er erwarte, daß els fich in angemessenen Grenzen" halten würde, der Begriff der„ angemessenen Grenzen" ein fubjektiver fei, er er habe für diesen Fall seine Anweisungen". Wels entgegnete, daß würde sagen, was er für notwendig halte, und der Kommissar habe ja seine Anweisungen". Uebrigens fei das Telegramm ein Beweis für die politische Information des Generalkommandos und die Rücksicht, die man dort auf die Belastung der Post nehme. " Das Ziel wies er, dem unsere Kinder in furchtlosem Wahrheitsmut nachzustreben haben. Kämpfer sollen sie sein, Kämpfer für eine kommende bessere Zeit. Was die Eltern Hoffend begannen, sollen die Kinder erfüllen und vollenden. Etwa 1500 Personen beteiligten sich an der eindrucksvollen Feier. Die musikalischen Darbietungen, die sie einleiteten und schlossen, wurden von einem Mufiftrio und von dem Berliner Sängerchor mit gutem Gelingen ausgeführt. Konfirmanden- Kleidung. Die von uns gebrachte Mitteilung, daß ein Berliner Geistlicher leide statt im schwarzen zur Einsegnungsfeier erschienen war, gibt sich geweigert hat, ein Mädchen einzusegnen, das in einem weißen der Reichsbekleidungsstelle Veranlassung, darauf hinzuweisen, daß es mit der jezigen Wirtschaftslage völlig unvereinbar ist, wenn derartige Forderungen an die Konfirmanden gestellt werden. Es müsse als durchaus genügend angesehen werden, wenn die Konfirmanden in getragenen Kleidern zur Einsegnung erscheinen, wenn diese Kleidung nur sauber ist und in ordentlichem Zustande sich befindet. Keine Zwangseingriffe in den privaten Wäschebestand. Neuerdings wird wieder das Gerücht verbreitet, daß die Ent eignung der Tisch- und Bettwäsche in den Privathaushaltungen bekleidungsstelle beabsichtigt feinen zwangsweisen Eingriff in die bevorstehe. Dies entspricht nicht den Tatsachen. Die Reichsbekleidungsstelle beabsichtigt keinen zwangsweisen Eingriff in die Wäschebestände der Privathaushaltungen. Als der Redner im Verlauf seines Vortrags auf das Treiben der Vaterlandspartei zu sprechen fam und dabei besonders des Großadmirals v. Tirpik gedachte, wurde er von dem Kommissar merkung: Das geht aber zu weit" unterbrochen. Wels legte zunächst durch Klopfen auf den Tisch und dann burch die Besehr entschieden Verwahrung dagegen ein, daß der Herr Kommissar fich hier als Zensor aufspiele und äußerte seine Neugier, was das wohl für Anweisungen" sein müßten, die den Kommissar bazu veranlaßten, eine öffentliche Kritik gerade, des Herrn v. Tirpik, der doch nur ein fimpler Privatmann sei, verhindern zu wollen. Dramen sollen folgen. Was die erste Aufführung angeht, so Obwohl der Polizeigewaltige dann noch wiederholt unruhig wurde, widelte sich die Handlung dant guter Besetzung und trefflicher griff er in die Verhandlungen doch nicht mehr ein, und die ausDarstellung unserer Wahrnehmung nach ganz im beschwingten gezeichnet verlaufene Versammlung erreichte ordnungsgemäß ihr Geifte und getaucht in warmblütige Stimmung, die diese Ende. Jetzt aber entlud sich sein Herz. Die Schmälerung, die die Dichtung auszeichnen, ab. Toni Giebel gab Minna mit Staatsautorität durch seine Abfuhr erfahren hatte, mußte ausjoviel Anmut als Glücksgefühl. Ernst Wendt ließ in seinem Tell- geglichen werden. Er rief also den Leiter der Versammlung zu sich heim den nobelgerichteten Menschen hervorleuchten. Annie Arden und eröffnete ihm kategorisch: Den Reichstagsabgeord- 40 Stilometer in die Schranken. Bauer übernahm sofort die Füh( Franziska) und Alfred Schmasow als schmalziger Wirt erregten stets Ausbrüche ungebundener Heiterfeit. Ernst Benzinger( Wachtmeister Werner) und Arnold Czempin, dieser als vorzüglich deutsche französisch parlierender, dabei geriebener Riccaut de la Marliniere, gaben zutreffend charakterisierte Chargen. Alles wiegte sich in wohliger Laune und dankte schließlich mit einem mehr und mehr sich verstärkenden Beifall. ek. Das ,, Dreimäderlhaus" als Film. Jm Tauenzinpalast wurde am Sonntag das„ Dreimäderlhaus" als Film in einer Sondervorstellung gegeben. Es ist natürlich, daß die Handlung, den anderen Bedingungen und Möglichkeiten entsprechend, eine Umgestaltung erfahren hat zu ihrem Nußen. Es darf behauptet werden, daß der Film besser anspricht als die Aufführung im Theater. Eine ausgezeichnete Regiefunft( n. Oswald) hat prachtvolle Szenerien zu erfassen und technisch zu bewältigen verstanden würdige Rahmen su den Leistungen der Spieler. Julius Spielmann als Franz Schubert, Diegelmann als schöll und Gülstorff als Nowotny der Spigel verdienen lobende Erwähnung. Nicht zuletzt " neten els lassen Sie nicht mehr herkommen, der darf in Schneidemühl nicht mehr sprechen, dafür stehe ich!" Es ist, als ob die Seriegszeit bei manchen Beuten das Gefühl der polizeilichen Allmacht nur noch gesteigert hätte. Profeffor Förster gegen Kanonenchristentum. Ueberlegener Sieg Bauers im ,, Goldenen Rad". Die Entscheidung im„ Goldenen Rat" hat, dem Sportpark Treptow den erwarteten Massenbesuch gebracht. Borerst wurde der siebente, achte und neunte Lauf über je 100 Bahnrunden von Hoffmann, Stellbrink und Bauer gewonnen. Alsdann traten Bauer und Stellbrint mit der niedrigsten Punktzahl und Kuschkow und Fante, für die das Los entschied, zum Entscheidungslauf über rung und fuhr das Rennen in überlegener Manier nach Hause. aber auch Ruschtow fuhr wieder ein schönes Rennen und dürfte dadurch nun bald der Eriraklasse zugeteilt werden. und insbesondere Janke haben offensichtlich an ihrer einstmaligen Form viel verloren; fie fonnten beide den Angriffen Bauers und Ruschlows Widerstand nicht entgegenseßen. Mehrere gut besetzte Fliegerrennen sorgten für Abwechslung zu dem mit Dauerrennen etwas reichlich bedachten Programm. Stellbrink Ergebnisse: Das Goldene Rad", drei Läufe über je 100 Bahnrunden. 1. Lauf: 1. Hoffmann 19 Min. 44 Set.; 2. Janke Zuflucht bei der sozialdemokratischen Preffe. 60, 3. Wiewverall 440 Meter zurück; 2. Lauf: 1. Stellbrink 17 Min. 17 Eet., 2. Aberger 50, 3. Galdon 2510 Meter zurüd; 3. Lauf: Soeben erscheint ein neues Werk des wegen seiner Welt- 1. Bauer 17 Min. 36 Set., 2. Naujokat( für Techymer) 1890, 3. Kusch friedenspropaganda viel angefeindeten Münchener Univerfi- fow( Radschaden) 3410 Meter zurüd; Entscheidungslauf, 40 Milotätsprofessors Friedrich Wilhelm Förster, Weltpolitik und meter: 1. Bauer 35 Min. 34 Set., 2. Suschtow 150, 3. Stell 4. Weltgewissen"( Verlag für Rultuspolitik, München). Darin brink 302, 4, Jante 4950 Meter zurüd. Vorgabefahren, 2400 rechnet er aufs schärffte mit jenem Christentum" ab, das durch seine Bekenntnisse zum Gewaltfrieden dem wirklichen Christentum einen nicht abzumessenden Schaden bereitet habe. " Anita Berber, ihr anmutiges Spiel und ihr schöner Tanz. Vor allem richtet er feine scharfe Waffe gegn die„ st ölnische Willst Du tatkräftig mithelfen, die Arbeiterschaft von ihren Notizen. a. z. - Six antiromantischer Abend findet Mittwoch im parmoniumsaal, Etegliberstraße 35, statt; Leo Matthias hält eine programmatische Gedächtnisrede Frank Wedekind und die Unsterblichen", Carl Maria Weber trägt eigene Verse vor, Kurt Hiller spricht über die„ Ortebestimmung des Aktivismus zwischen den geistigen Parteien". Volkszeitung", deren Beispiel zeige, daß man in allen Völfern die verstodtesten Kriegstreiber und Bolksverhezer, die wahren Materialisten des Machtwahns auf christlicher Seite" finde. Förster prägt dann diese bemerkenswerten Säße: politischen Fesseln zu befreien, so werde Mitglied der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands! „ Man wird ganz einseitig angelernt und eingeübt, wie man den Frieden mit Gott gewinnen, erhalten oder wiederfinden könne; die Frage aber, wie man den Frieden mit den Menschen gewinnen, bewahren oder wiederherstellen könne, und warum diese Friedens- Fülle den nachstehenden Schein aus und sende ihn an Die Saale- Talsperre, die seit 10 Jahren pro- arbeit eine entscheidende metaphysische Bedeutung habe diese Theodor Fischer, Berlin SW 68, Lindenstraße 3. Schloß Burgf entschieden. Der fünftige Stausee wird 215 Mil- Frage wird gänzlich unzulänglich beantwortet. Daher ist heute tiefe Saalejchlucht zwischen den Städtchen Saalburg und dem bei so vielen Chriften das Denken über menschliche Konflikte und Schloß Burgt entschieden. Der fünftige Stoufee wird 216 Mil deren Lösung ungetaufter als bei vielen Ungetauften. Und darum lionen Rubikmeter Wasser fassen und damit die bisher größte Tai- gibt es heute nicht wenige ernste Christen, die aus Hunger nach sperre. Durd, den Bau der Talsperre wird das bereits jetzt als hriftlicher Weltpolitik ihre christliche Zeitung mit einer sozialdemsSommerfrische beliebte, veizvoll gelegene Städtchen Scalburg eine bedeutende Anziehungskraft ausüben. Am unteren Ende der fünf- kratischen vertauschen, weil ihre anima christiana( ihr christlicher tign Saale- Talsperre steht hoch auf schroffem, üppig betaldetem Geist) den un christlichen Heston des die Nachfolge Thristi Felsen, 470 Meter über dem Meere, das Schloß Burgt, in einer vertretenden Blattes nicht mehr zu ertragen vermochte und weil unvergleichlich malerischen Lage. sie fanden, daß das Arbeiterblatt ihrem chriftlichen Empfinden Gine Wasserstraße zwischen Danzig und der gegenüber der jezigen Weltnot näher stand, als das christliche Blatt, Ukraine soll die alten regen Handelsbeziehungen feftigen. Man das ihnen in der kritiklosen Verdammnis der Gegner und in der denkt daran, den schon vor Jahrhunderten benutzten Wasserweg ebenso kritiklofen Bergötterung der Sache des eigenen Voltes_unBeichsel- Narew- Bug- Pripjet- Dnjepr zu einer Großschiffahrts- unterbrochenen Verrat am Welthersen Jesu" zu üben itraße auszubauen. Als Gegenprojekt joll neben der Wasserstraße Danzig- Cherson auch die Linie Riga- Cherson erwogen werden. schien." Doch ist Riga während langer Wintermonate durch Eis gesperrt Diese Worte kommen aus dem Herzen eines wirklichen und ohne jebe Verbindung mit dem deutschen Binnenwasserstraßen- Christen, der den Busammenbruch der religiös- ethischen Weltanschauung aufs tiefste beklagt. nez. Ich erkläre hiermit meinen Beitritt zum Sozialdemo= tratischen Verein meines Wahlkreises. Name: Geburtsort und-datum: Beruf: Genaue Adresse: XXXXXXXXXXX Méter: 1, Gäusler 3 Min. 11 Get.( 10), 2. Brodmüller( 80), I alveifenmal sammeln fam, weil sie vergessen hatte, daß sie schon| Bezugsfarte, Abschnitt 196 sowie die Abschnitte„ Dd" der Berliner 3. Petri( 75), 4. Rrahner( 90), 5. Freiwald( 50 Meter Vorgabe). einmal dagewesen war, ließ der Fabrikant sie festnehmen. Die Bezugskarte behalten ihre Giltigkeit und sind vorzugsweise zu be Verfolgungsrennen zwischen Häusler- Müller- Rabe und Betri- Kriminalpolizei, der unzählige Anzeigen über Schwindeleien dieser dienen; auf lettere Abschnitte darf jedoch nur je 4 Pfund abgeRädlig- Krahner. Siegende Mannschaft nach 19 Bahnrunden, in Art zugegangen waren, bedte jebt das ganze Treiben der Verhafte geben werden. Frische See- oder flußfische, je 1 Bfund 8 Min. 32 Scf.: Häusler- Müller; Rabe aufgegeben. Prämien- ten auf und brachte diese gestern nach Moabit. auf Abschnitt 200, sowie auf Abschnitt Gg" der Berliner Bezugs-, farte. fahren, 10 Bahnrunden: 1. Gatvall 4 min. 32 Get., 2. Freiwald, Haushaltungsbezugsfarte für Charlot3. Brodmüller. Erstfahren, 1200 meter: 1. Alog 1 Min. 51 Gef., Charlottenburg. Lebensmittelübersicht vom 23. bis tenburg: Getrodnete Apfelspalten oder Dörr2. Wippich. 20. September 1918. Es gelangen zur Ausgabe: Fleisch. Auf obstmischung auf Abschnitt B, vom 26. September bis 5. OfAbschnitt 39 der Reichsfleischfarte( Kundenliste). Sartoffeln tober 1918, je nach Vorrat, für kleine Haushaltungen% Pfund Ein 17 jähriger Bankbetrüger. Abgefeimte Betrügereien wur 7 Pfund, Abschnitt 39a- g der Kartoffelfarte( Stundenliste) und für große Haushaltungen 1% Pfund. Groß- Berliner den gestern bei einer Zweigstelle einer hiesigen Großbank aufgedeckt. Zuder Pfund auf die Buderkarte vom 16. bis 30. Septem Rahrmittelgujastarte für Jugendliche Char. Ein 17 Jahre alter Behriing M., der bei der Bank schon geraume ber 1918. Butter und Eier wie besonders belannigemacht. lottenburg: Weigengries 200 Gramm, Abschnitt 19 bom Zeit tätig war, neigte zur Großmannsucht und war in Stabarets unda ust läse 125 Gramm. vom 20. bis 25. September( einschließ- 23. bis 29. September 1918, zum Preise von 0,20 M. Im Monat bergleichen trok feiner Jugend schon eine bekannte Erscheinung. Die Mittel für diesen teuren Lebensvandel, von dem er nicht Tassen wollte, entnahm der Lehrling der Reihe nach dem Guthaben der Jahaber größerer Ronten, die er fannte. Das war ihm um so leichfer möglich, als er selbst die Schedunterschriften prüfen und die Höhe der verlangten Summen mit dem Stande der Konten vergleichen mußte. Die Kartothek hielt er stets in Uebereinstimmung mit seinen fingierten Konten und den Abhebungen, alle Vorbereitungen traf er nach einem sorgfältig durchdachten Blane so genau, daß der Kassierer einem von ihm beauftragten jungen Freunde jedesmal anstandslos das Geld auszahlen mußte. Auf diese Weise berschaffte sich der Lebemann" aufs bequemih stets die Summe, die er gerade brauchte, innerhalb weniger Monate in 12 Fällen zufammen nicht weniger als 30 000 Mart. Das Treiben blieb verborgen, bis jetzt die Bank den Kontoinhabern, von deren Guthaben M. genommen hatte, die Halbjahresrechnung zur Prüfung zuschickte. Jest tamen die Abhebungen, von denen die Kunden nichts roußten, ans Licht, und Nachforschungen führten zur Aufdeckung der Schwindeleien bei der Filiale. M. wurde verhaftet und dem Unterfudrungsrichter vorgeführt. Die Opfer einer Gasvergiftung sind der 38 Jahre alte Schlosser Oswald Fischer aus der Badstr. 27 und seine 25 Jahre alte Ches frau Hedwig geworden. Das Ehepaar ließ feit acht Lagen nichts mehr bon sich hören. Man dachte im Hause, daß es verreist wäre. Grit gestern wurde man durch einen starken Gasgeruch auf die Wohnung aufmerksam. Man öffnete und fand die Eheleute tot in den Betten liegen. Die Untersuchung ergab, daß die Gasleitung in der Behausung schabhaft war. Die Berunglüdten sind jedenfalls schon in der Nacht vom Sonntag zum Montag voriger Woche der Wirkung des Gasgiftes erlegen. Poft- Abonnenten EXSCARAS Die Bezugs- Beftellungen auf den ,, Vorwärts" find fofort bei der Doft zu erneuern, wenn beim Vierteljahrswechfel in der Zustellung keine Unterbrechung eintreten foll. Der Vorwärts" koftet für das 4. Vierteljahr 1918 OktoberDezember 5,40 Mark, vom Briefträger ins Haus gebracht 5,82 Mark. Vorwärts- Verlag 6.m.b.D. 4 September 1918 wird an die über 70 Jahre alten Personen einmalig 1 lasche sterilisierte Vollmilch zum Preise bon 2,50 M. auf Grund von besonderen Bescheinigungen verab folgt. Jm Monat S.ptember 1918 wird an die Kinder bis zu 2 Jahren 1 fund Kindergerstenmehl und außerdem für die Kinder im 2. Lebensjahre, welche eine AII- Milchtarte bcfiben, je 1 funddose Malzegtraft zum Preise von 2,20 M. berabfolgt. Bankow. Lebensmittel. Vom Montag, den 23. September, ab gelangen in den hiesigen Räucherwarengeschäften gegen Abtrennung des Bezugs- und Quittungsabschnitts 127 der Banfower Lebensmittelfarte Heringe zum Verkauf. Es entfallen auf den Abschnitt 250 Gramm und beträgt der Preis für 500 Gramm 1,05 Mark, für 250 Gramm 0,53 M. Die Abfertigung geschieht in alphabetischer Reihenfolge, und zwar für Familien beginnend mit den Buchstaben A- F am Montag, den 23. September, G- K am Dienstag den 24. September, L- R am Mittwoch, den 25. September, S- Z am Donnerstag, den 26. September. Da jeder Abschnitt eingelöst wird, erübrigt sich ein Anstellen vor den Geschäftent, zumal obige Reihenfolge genau eingehalten und außeralphabetisc Abfertigung unnachfichtlich abgelehnt werden wird. Geeignete Gicfäße zum Empfang der Ware sind von den Käufern mitzubringen. Ferner gelangt vom Montag, den 23. d. M., ab in den bekannten Konfitürengeschäften 3 wie bad zum Verkauf. Kinder und Brante, die im Besitz einer Vollmilchkarte für Monat September find, tönnen an Etelle von Nährmitteln gegen Abtrennung des Bezugs- und Quittungsabschnittes 61 der allgemeinen Lebensmittelfarte zwei Pädchen( je 58-62 Gramm zum Preise von 0,20 M.) entnehmen. Wetteraussichten für das mittlere Norddeutschland bis Dienstagmittag. Oestlich der Oder zunächst größtenteils troden und ziem lich heiter, im Westen, später auch im Osten, vorherrschend wolfig mit leichten Regenfällen. In den Mittagsstunden überall ziemlich warm. lich) auf die Speisefettkarte( Sundenliste) zum Pfundpreise von 2,74 M. in den in den Bezirken der 2., 27., 28. und 31. Brotkom, mission gelegenen Geschäften, uhkäse, 125 Gramm, zum Ertappte Kollektenschwindlerin. Gine 24 Jahre alte aus Span- Pfundpreise von 2,74 M. in den in den Bezirken der 1. und 21. dau gebürtige ehemalige Krankenpflegerin Margarete Hewald ver- Brotkommission gelegenen Geschäften, und Dänischen Weich büßte wegen Betruges, Unterschlagung und Diebstahls 7 Monate fase, 1 Stüd zum Preise von 0,95 M. in den in den Bezirken Gefängnis. Raum entlassen beging fie von neuem zahllose Petrüge der 3., 4., 5., 6., 15., 23., 24., 29, 30. und 32. Brotkommission gereien. Namentlich übte sie in Schwesterntracht den Kollektenschwin- legenen Geschäften. Allgemeire Groß- Berliner 2e del. Gine Gedächtnisschwäche lieferte die Schwindlerin endlich in bensmittelfarte mit Aufdruck Charlottenburg: die Hände der Kriminalpolizei. Gin Maschinenfabrikant in Ober- Graupen 150 Gramm, Abschnitt 62, vom 26. September bis Rote Leben 3 schöneweide hatte sich von dem Heim, für das die Schwester" sam- 5. Oftober 1918, zum Preise von 0,14 M. 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