Nr. S6S. 3S. Jahrg. Bezugspreis- Liert«ljShrl.S,40M-. mmatt. 1,80 SRI. frei Ins Haus, voraus, ahwiir.«nz«Ine Nummern 10 Bfennlg. Postbezug: Monatlich, vom Postschalter abMolen ILO Mb, vom BrlestrSger mSHaus oe> bracht l,S4 Ml. llnter Kreuzbanv für Deutschland und Oesterreich. Ungarn 4.— Ml. für das übrige Ausland 6,60 MI. monatlich. S erfand in» Feld bei dlrelter Bestelluno monall. 2,— MI. Postbestellungen nehmen an Düne- marl, Holland. Luxemburg, Schweden Und ose Schwel,. Singetragen in dt» Post-ZeitungS-Bret»liste. Erscheint tSglich. Telegramm- Adreffe: »Sozialdemokrat Berltn". Vevttnev VolKsbla«. ( 10 Pfennig) Anzeigenpreis- DlestebengespalteneKolonelzestekostei 80 Pfg.»Slrtne Anzeigest", das fettgedruMe Wort 30 Pfg.(zuMssig Z fettgedruckte Worte), sddes weitere Wort 16 Pfg. Etellengefuche und Kchlafstellenanzeigen das erste Wort 30 Pfg.. jedes weitere Wort lO Pfg. Worte über 16 Buchstaben zählen für Sinei Worte. Teuerungszuschlag 20«/» iamilien-Slnzeigen. volittschs und gewerlschastliche Vereins- ilnzeigen 60 Mg. die Zeile. Anzeigen für die nächste Nummer müssen bis S Ahr nachmittags im Hauptgeschäft. Lcrlm KW.SS, Lindenstratze 3. adtegeben «erden. Geöffnet von 8 Uhr srüh bis 7 Uhr abend». �en�ralorgan der fozi aldcm okrati fchen Partei Dcutfcblands. Redaktion: Sw. SS» Llnöenstraße Z. Sernfprechrr-«mt Moritzplast. Str. 1S1 90— 151 07. Donnerstag, de« Ä6. September 1VI.8. Expedition: Sw. SS» Linöenstraße Z. Fernsprecher: Amt Morttzplatz, Nr. 15X00—15107. Der KriegsmlnUter gegen den Reichstag! Der Kelchstag gegen den Kriegsminister! Im Hauptausschuß kamen gestern Herr Gröber vom Zentrum, Genosse Scheidemann, der Fortschrittler F i s ch b e ck und der nationalliberale Dr. Stresemann zu Wort. Alle wandten sich in mehr oder minder scharfer Abtönung gegen das System der M i l i t ä r p o I i t i k, das die Zivilregierilng zu ihrer Puppe erniedrigt. Die Ueber- raschung des TageS war die Rede Gröbers, der als stärkste Stütze der Regierung Hertling bekannt ist. Gröber hielt eine Anklagerede über die Handhabung des Belagerungszustandes vor allem gegen den Kriegsminister v. Stein, der durch einen Erlaß Versammlungen bürgerlicher Pazi- fisten zugunsten der Friedensresolution des Reichstags verboten hatte! Er rief mit erhobener Stimme: Ich erwart« noch heute eine Erklärung des Reichskanzlers, was er in d ies«r Kra g e zu tun gedenkt. Die Erklärung deS Reichskanzlers blieb aber aus. ES sprach nur der General v. W r i S b e r g, der die Aufhebung verschiedener militärischer Erlasse ankündigte. ES wird künftig erlaubt sein, über die Friedensresolution des Reichstags und über die Wahlrechtsfrage zu reden, und daS Redeverbot gegen den Abg. Haafe wird— wie hier gefordert und an- gekündigt wurde— aufgehoben. Ein blamabler Rückzug auf der ganzen Linie, Zerstörung jedes Restes von Autorität! Warum erlassen die Herren Verbote, die sie nicht aufrecht- erhalten können und die ihnen selber nur Ungeleaenheiten bringen? Fetzt heißt eS, daß der'Kriegsmintster zurücktreten wird. ES ist Zeit l Ja, eS ist soweit, daß die Sozialdemokraten um die Aufrechterhaltung der Staatsautorität besorgt fein müssen, ohne die eS nun einmal(auch unter Bolfchewiki- Herrschaft) nicht geht, am wenigsten in einer Zeit, die die Zu- sammenraffung aller Kräfte zur Verteidigung erfordert. Ver- ordnungen, die solange reizen, erbittern und Konflikte hervor- rufen, bis man einsteht, daß man sie aufheben muß, wirken zerrüttend.„Orärs, oontreordre, dstsordre!" Befehl, Gegenbefehl, Kuddelmuddel! DaS Ganze heißt:»Aufrechterhaltung der inneren Front". Scheidemann schloß seine Rede mit dem Ruf nach Aenderung von Grund auf, Systemwechsel. Einkehr. Umkehr! Dieser Ruf war ein Schrei aus der Not, der Not eines großen Volkes, daS nicht zugrunde gehen will, daS eine gerechte Ordnung sucht, das mit allen Kräften für sein Land einzutreten bereit ist. Möge die Geschichte nicht urteilen, daß diesem Volk klar blickende Freunde gefehlt haben, die imstande waren, in entscheidender Stunde mit Entschlossenheit das Notwendige zu tun I Eine Zentrumsftimme zur Krise. Gegen Stein— für Hertling. Auch die»Germania" veröffentlicht einen Artikel, der fich scharf gegen die politische Militärwirtschast wendet. Sie kündigt an, daß die Zurücknahm« deS kriegsministeriellen Erlasses gegen die Friedensresolution deS Reichs Mgtz,„mit oder ohne General von Stein", erfolgen wird. Esi« macht daranf aufmerksam, daß Gröber auf die stürmische« Rufe, die den Rücktritt Steina forderten, antwortet«: ,Menn meine Forderung politische Konsequenzen hat, so werden wir fie zu tragen wissen." „.Den Luxus der Arbeit der einen Regierungsstelle gegen die der anderen," fügt sie aus eigenem hinzu,„können wir uns nicht länger leisten." Die„Germania" tritt dann der Auffassung entgegen, daß Gröber zugleich mit dem Kriegsminister auch den Reichs- kanzler preisgegeben liabe. Von diesem sagt sie, daß er sich „in den Grenzen des Möglichen durchaus bewährt hat und wei- ter bewähren wird". Ein Thema, über das zu sprechen peinlich ist. weil eS Persönliches zu nahe berührt. Wir denken, die gestrige Aussvrache müßte auch den Reichskanzler selbst davon überzeugt haben, daß eine jüngere, entschlossenere, weniger am Alten hängende Kraft notwendig ist. um die Ordnung zu schaffen, die das Land in so schwerer Zeit braucht! Wie wir hören, ist auS Anlaß deS kriegsministeriellen Er- lasseS. der im Juli d. I. erging und das Verbot von Versamm- lungen zugunsten der Friedensresolution deS Reichstags befür- wortete, angeordnet worden, daß alle Erlasse des Kriegs- Ministers der vorherigen Genehmigung deS Reichs- kanzlerS unterstellt werden. Darüber soll Herr v. Stein sehr verstimmt sein, und dies soll auch den Anlaß gegeben haben daß er den Sitzungen des Hauptausschusses, in denen er einen Sturm gegen fich erwarten mußte, gar nicht mehr bei- wohnte. Deutscher Gegenangriff östlich von Epehy — Die feindlichen Angriffe gegen St. O»«entin— Kämpfe«m Pontruet, Gri- eourt und Francilly-Selency. Berlin, 25. September 1918, abend». Amtlich. Zwischen Omignou-Bach und der Somme wurden erneute Angriffe des Feindes ab- gewiesen. Amtlich. Greste» Hauptquartier, 25. S e p- tem d er lSIS. MTB) Westlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht. Rege ErknndnngStStigkeit in Flandern. Zwischen Mortt- vre» und dem Walde von Havrineourt lebte der Artillerie- kämpf auf. Bei Mvruvrrs scheiterten erneut« Angriffe des FeindeS. Heeresgruppe B o e H n. Orstlich von Epehy nahmen wir im örtlichen Gegenangriff die vor den Kämpfen am 22. S. gehaltene Linie wieder. Zwischen dem O m i g n o n- B a ch und der Somme nahmen Engländer ,md Franzosen ihre Angriffe gegen St. Quentin wieder anf. Sie waren von starker Artillerie und Panzer- wagen begleitet. In Pontruet, Grieonrt und F r a n- cilly- Selrncy faßte der Gegner am frühe« Morgen Fuß. Versuche deS FeindeS in heftigen diS gegen Mittag fortgesetzten Angriffen die Einbruchsstrllcn zu erweiter», scheiterten. Durch Artillerie und Flieger wirtsam unterstützte Gegenstöße unserer Infanterie und Pioniere brachten gegen Mittag Pontruet nnd Grieonrt wieder in unseren Besitz; die zwsslben beiden Orten gelegene Höbe wurde«ach wrchselvollem Kampfe wieder- gewonnen. Francilly-Selency blieb in Feinde? Hand. An der übrigen Front brachen seine Angriff« meist schon vor unseren Linien zusammen. Wo er fie erreichte, wurde er im Gegenstoß wieder zurückgeworfen. Heeresgruppe Deutscher Kronprinz. Zwischen Beile und Aisne brachen Sturmabteilungen in die feindliche« Linien südlich von Glenne ein nnd brachten 85 Gefangene zurück. Ein starker Gegenangriff, de» der Feind nach Abschluß dieser Kämpfe gegen unsere Ausgangsstellungen richtete, wnrde abgewiesen. Bei Neineren Unternehmungen über die Besle und in der Champagne machten wir Gefangene. Wir schösse» gestern im Luftkampf 28 feindliche Flugzeuge und 6 Fesselballone ab. Leutnant Rumey errang seinen 42., Leutnant Jacobs seinen ZV. Lnftfieg Der Erste Generalquartiermrister. _ Ludrndorss. Der österreichifche Bericht. Wie«, 25. September. Amtlich wird verlautbari: Italienischer Kriegsschauplatz. An der Tiroler Südfront nnd zwischen der Brenta und der Piave scheiterten italienische Erkundnngsvorstoße. In den Sieben Gemeinden setzte der Feind gestern bei C a n o v a seine Teilangriffe fort. Die Angreifer, Italiener und Tschccho- slowakcn, wurden überall geworfen, an einer Stelle durch einen Gegenstoß von Pardubitzer Dragoner. Der Chef bo» G e n» r alst ab«Sc ** ftugust 420000 Tonnen vernichtet. Berlin, 24. September. Im Monat August haben die Mittelmächte rund 420 000 B.-R.-T. des für unsere Feinde nutzbaren Handclsschiffsraumes vernichtet. Der dem Feinde zur Verfügung stehende Handclsschiffsraum ist somit allein durch kriegerische Maßnahmen der Miitelmächts seit Kriegsbeginn um rund RS SSO 000 B.-R.-T. verringert worden. Hiervon sind etwa 11 920 000 B.-R.-T. Verluste der englischen Handelsflotte. Nach inzwischen gemachten Feststellungen sind, soweit bis- her bekannt, im M o n a t Juli außer den seinerzeit schon bekannt gegebenen Verlusten der feindlichem oder im Dienste unserer Gegner fahrenden Handeisschiffe noch weitere Schiffe von zusammen etwa 40 000 B.-R.-T. durch kriegerische Maßnahmen schwer beschädigt in feindliche Häfen eingebracht. Der Ehef deS Admiralstabes der Marine. Die Japaner in Nerchinsk. Tokio, 24. September. Reuter meldet ohne Datum: Japanische Kavallerie ist in Nerchinsk eingezogen. NerchinSk, einst berüchtigt als Verbannungsplatz östlich des Baikalsees, ist als Stationsort der sibirischen Bahn und als Handelsplatz von erheblicher Bedeutung. So geht es nicht weiter! Von K o n r a d H a e n i s ch. Genosse Haenisch bezeichnet die Darstellung, die er uns zusendet, selbst als einen Bruchteil seiner Er- lebnisse. Mir können leider aus Gründen deZ Papier- mangels von diesem Bruchteil wieder nur einen Bruch- teil wiedergeben. Red. d.„Vorw.". Die Erörterungen über die neuesten Polizeitaten von Berlin und Köln lassen es mir wünschenswert erscheinen. der größeren Oeffentlichkeit einmal an einem kleinen Aus- schnitt aus meinen eigenen Erlebnissen al I e i n in den letzten Monaten zu zeigen, wie es heute mit dem Ver- sammlungsrecht bestellt ist. Ueber das Wirken gewisser Z e n- s u r behörden ist die Oeffentlichkeit im allgemeinen unterrichtet, über die Zustände auf dem Gebiete des Versammlung s- Wesens aber macht man sich kaum eine klare Vorstellung. Und doch herrscht gerade auf diesem Gebiete eine Willkür, die ihre Praxis nicht nur von Ort zu Ort, sondern auch von Tag zu Tag wechselt. Von irgend einer Rechtssicherheit ist da längst keine Rede mehr. Der hier niedergeschriebene kleine Bruchteil meiner Erfahrungen stellt keineswegs außergewöhnliche Erlebnisse dar. Sie sind typisch. Zum Beispiel: du hast im Abgeordnetenhaus und in Zeit- schristen dich wiederholt über dasVerhältnisvonSchule und Politik zueinander geäußert und an diese Aeußc- rungen haben sich in der Oeffentlichkeit lebhaste Erörterungen angeschlossen. Nun willst du in einem Orte deines eigenen Wahlkreises in einer Mitgliederversammlung über das gleiche Thema sprechen. Den äußeren Anlaß dazu bietet der skandalös? Mißbrauch einer Schule de» betreffenden Ortes— eS handelt sich um F r i e d r i ch S H a g e n— für die Zwecke der alldeutschen Propaganda. Die Versammlung wird verboten. Der Vortrag hätte ja die militärische Sicherheit des Deutschen Reichs gefährden können. Das ist im Osten vor den Toren Berlins. Wendest dn dich aber südwestlich etwa nach Luckenwalde, so kannst du ungehindert, in Volksversammlungen sogar, über alles dir wichtig Erscheinende reden. In Stendal darfft du weder in einer öffentlichen Versammlung noch in einer Mitgliederversammlung deiner Partei über Fragen der preußischen Politik sprechen. Dagegen kannst du in Lüneburg, dem alten schönen„Heidedorf", in einer massenhaft besuchten Volksversammlung über alle Fragen der äußeren und inneren Politik genau so ungehindert reden wie im Frieden. Ganz wie im Frieden, darfst du auch in Hirsch- berg und Schmied eberg im Riesengebirge vor Volksversammlungen sprechen. Die beiden Ort« gehörm nämlich zn dem Bezirk des recht vernünftigen Danziger Generalkom- mattdoS. In jenem Teil von Schloften aber, der»um B r e s- lauer Generalkommando gehört, kverdm selbst geschlossenen Vereins- und SswerffchastSdörsamMluNgin die grötztm Schwi?- rigkerten bereitet. Zum Bezirk bei Dcmyioer Senerklkomnvcmdo« grhvvt auch daS Hmtcrpommetsche Sicßrtchen S t o l p. Auch hier ist daher ein« völlig imbqhinderte Volksversammlung möglich. Fährst dn aber ein paar Bahnstunden weit« und gerätst so in WS Gehege des Stettiner Generalkommandos: gleich beginnen wieder die Schwierigkeiten. Wie im Osten, so km Westen! In Dortmund hast dn im Januar dieses Jahres noch in zwei Volksversammlungen ungehindert über das preußische Wahlrecht sprechen dürfen. Jetzt wird sogar die Genehmigung geschlossener Mitgliederver- samm lungen dort davon abhängig gemacht, daß das Wahlrocht mit keinem Worte erwähnt wird. Nach einer Reihe ähnlicher Erlebnisse— darunter das schon bekannte Kölner— geht im heiligen Trier wieder alles nach Wunsch. Du darfst über das Wahlrecht und alles was dich sonst bewegt, vor icherfüllter Volksversammlung nach Herzenslust sprechen. Im Hotel aber findest du ein Telegramm, das dich für den nächsten Morgen zu einer Unterredung auf die für das Versammlungswesen zuständige Stelle in Saarbrücken einlädt. In Saarbrücken hast du früher schon allerlei Erlebnisse gehabt: im Oktober 1917 hat dich, ganz wie jetzt in Kalk bei Köln, der überwachende Polizeibeamte mitten in der Rede unterbrochen und dir unter stärkster Erregung der Versammei- ten 2000 bis 3000 Eisenbahner verboten, die Wahlrechtsfrage auch nur zu erwähnen. Im letzten Juli solltest du dann im gleichen Räume, dem städtischen Saalbau, in einer Volksversammlung über das im Jahre zuvor nicht beliebt« Thema reden. Endlose Verhandlungen. Ergebnis: über Thema darf immer noch nicht gesprochen werden! Das Thema wird also geändert:„Der Kampf um das neue Preußen". Hier willst du n n t e r A u s s ch l u ß der Wahlrechtsfrage alle die andern roßen gesetzgeberischen Aufgaben behandeln, deren Erfüllung au/' dem alten in das neue Preußen hinüberleiten soll. Es' wird wieder nichts. Diesmal erregt das Wörtlein„Kamp f" in der Tagesordnung der Versammlung den Anstoß. Du fügst dich auch hier und änderst das Thema um:„Im neuen Deutschland". Nun ist man zufrieden. Inzwischen aber in der Tag der Versammlung selbst herangekommen und es ist zu spät, noch eine ausführliche Disposition des Vortrages ein- zureichen. Ohne eine solche aber geht es nicht. Das Ende vom Liedc: die Versammlung kann nicht statt- finden. Schließlich gelingt's, dir werden vier Volksversamm- lungen in und um Saarbrücken genehmigt. Aber nun fehlt wieder die ausführliche Disposition deiner Rede, in der du hier diesmal sogardieWahlrechtsfragebehan- dein darfst. In aller Eile gelingt es dir, eine Schreib- Maschine aufzutreiben und abends kann die erste Versamm- lnng. in Dudweiler, vor sich gehen. Wie schon im Sommer vor den Gewerkschaftsversammlungen, so macht dir auch jetzt wieder vor jeder Versammlung der überwachende Beamte, der einige Male sogar mit mehr.eren Stenographen angerückt kommt, im Auftrage seiner Behörde nochmals eine gründliche Eröffnung über alles, was du sagen darfst und was du nicht lagen darfst. Schriftlich mußt du jedesmal bestätigen, daß du die Eröffnung zur Kenntnis genommen hast und befolgen willst. Am Morgen nach deiner ersten Versammlung rm Saar- gebiet klingelt wieder das Telephon. Natürlich das Kriegs- ämt.„Es tut mir sehr leid, Sie schon wieder bemühen zu müssen, aber Exzellenz wünscht dringend, daß noch einmal wegen der weiteren Versammlungen mit Ihnen persönlich Rücksprache genommen wird."„Können wir das nicht Me- phonisch erledigen?"„Leider ganz unmöglich! Sie müssen schon die Güte haben, noch einmal herzukommen." Seufzend machst du dich wieder auf den Weg. Solltest du gestern abend etwa„zu scharf" geredet haben? Doch nein— den amtlichen Bericht über deine gestrige Rede haben die Herren trotz mehr- facher Bemühungen noch nicht erhalten können.„Exzellenz" wünscht sich nur noch einmal zu vergewissern, ob du auch nicht etwa—„u nabhängige Tendenzen" in deinen Ver- sammlungett zu vertreten gedenkst! Schließlich sind die beiden freundlichen Leutnants zufriedengestellt und auch die drei letzten Versmnmlungen werden nunmehr endgültig ge- nehmigt. Tie dritte und vierte allerdings nur u n t e r A u s- s ch l u tz d e r D i s k u s s i o n. Daran vermag auch deine Be- nierkung, daß am ersten Abend eine Debatte mit einem nationalliberalen Wortführer durchaus sachlich und würdig verlaufen sei, nichts zu ändern.... *• ♦ So! Das sind ein paar nackte Tatsachen aus dem preußischen Versammlungsleben in den letzten Monaten. Da hat man sich nun seit vier Jahren die Finger wund geschrieben und die Kehle heiser geredet, um den Massen klarzumachen, daß es gilt, in diesem Verteidigungskampfe Deutschlands die Zähne zusammenzubeißen und— trotz alledem und alledem — so lange durchzuhalten, bis der Vernichtungswille der Feinde gebrochen ist. Man hat das wahrlich nicht den Herr- schenden Gewalten zu Liebe getan, sondern ausschließlich um des Landes und des Volkes selbst willen. Immer wieder hat man die wankende Stimmung mit der ans ehrlicher Ueber- zeugung kommenden Versicherung aufrechtzuerhalten versucht, daß ans'dieser Weltkatastrophe ein neues und freies Teutschland, ein neues und freies Preußen hervorgehen müsse und hervorgehen werde. Und nun muß man erleben, wie einem auf Schritt und Tritt berufene Ver- treter der Staatsgewalt selbst bei dieser Arbeit für den Staat Steine in den Weg und Knüppel zwischen die Beine werfen! ?llles, was an Staatsgesinnung und Vaterlandsgefühl in den Mafien in diesen.Kriegsjahren gewochsen ist, schlagen diese verblendeten Menschen mit Dreschflegeln wieder kurz und klein. Es ist einfach zum Heulen! Das ganze alte reaktionäre Mißtrauen gegen das Volk und seine Wortführer, das wir im ersten Kriegsjahre glücklich überwunden glaubten, sieht heute wieder in voller Blüte. Die alte bureaukratische Bevormundungssucht feiert Orgien wie nie zuvor. Nichts, aber auch gar nichts, glaubt man dem politischen und Vater- ländischen Verantwortungsgefühl der Redner selbst über- lassen zu sollen. Was du gestern durftest, wird dir heute ohne Angabe von Gründen verboten, was m A. unbedenklich ge- stattet ist, gilt eine halbe Stunde davon, in B., für den Gipfel der Staatsgefährlichkeit. Und von Monat zu Monat wird das alles schlimmer statt besser. Man wird von den Massen einfach ausgelacht, wenn man da immer noch von dem Heraufkommen eines neuen Preußen zu sprechen wagt! Wie katastrophal das Anwachsen einer solchen Stim- mung gerade in diesen kritischen Wochen wirken muß, bedarf keiner näheren Auseinandersetzungen. Was sagt zu alledem der für die Politik des' Reiches und seines führenden Bundesstaates verantwortliche Graf Hertling? Was sagen dazu die preußischen„Reform- minister" Dr. Friedberg und Dr. D r e w s?� Was sagt dazu der'Vizekanzler Herr v. P a y e r? Haben diese Herren nicht die Macht, derartige Dinge zu verhindern— nun wohl: so gebietet es politische Klugheit und politische Ehre ihnen, lieber heute als morgen von ihren Aemtern zurück- zutreten. Dann lieber die offene Militär» d i k t a t u r, �ls die Fortdauer dieses unwürdigen Zwitter- zustandes! Ter gerade versammelte Hauptausschuß des Reichstags täte sehr gut daran, sich auch mit diesen Dingen recht eingehend zu beschäftigen! Die Daku-Zrage. Konstantinopel, 23. September.(Meldung der Agentur Milli.) Der Sitz der Regierung von Aserbcidschan ist nach Baku verlegt worden. Die Bewohner dieser Stadt, die seit Monaten den Grau- samkeiten und Gewalttätigkeiten der von den Engländern unter- stützten Banden ausgesetzt waren, haben die Befreiertruppen mit großem Jubel empfangen. In der Stadt herrscht wieder Ruhe. In der russischen„Jswestja" ergehen gegen die Besetzung von Baku, die als türkische Annexion angesehen wird, die heftigsten Angriffe, die sich nicht gegen die Türkei allein richten. Zynisches Uebertreten des Brester Vertrages wird der Türkei vorgeworfen und angekündigt wird, die russische Regierung.werde alle Maßnahmen ergreifen, um Baku, ohne dessen Naphtha ein Teil der russischen Fabriken und Eisenbahnen stillstehen müffen,„den Händen der türkischen Entwender wieder zu entreißen". Derlei Proteste werden aber, wie die Konstantinopeler Mel- dung zeigt, zunächst in den Wind geschlagen. Die Nachricht, daß die Tatarenregierung von Aserbeidschan, die auch in Rußland nur als vorgeschobener Spielhelfer der Türken ange- sehen wird. Baku gewissermaßen zu seiner Hauptstadt ge- macht hat, muß nach Lage der Dinge wie eine höhnende Demonstration gegen die russischen Ansprüche wirken. Daß Baku englischen Händen entrissen wurde, ist gut und war not- wendig, aber die Bakufrage, die dafür eingetauscht worden ist, nimmt der Aenderung der Lage im kaukasischen Osten einen Teil des Wertes, den sie hat. Der amerikanisch-englische Schieösvertrag. Washington, 24. September. Reuter. Lansing und der britische Geschäftsträger tauschten die Ratifika- t i o n e n des Abkommens über den zehnjährigen amerikanisch-englischen Schiedsvertrag aus. Das südslawische Problem. Keine endgültige Entscheidung. Das„Neue Wiener Tagblatt" erhält von unterrichteter Seite folgende Mitteilimg über die Pläne zur Ordnung der südslawischen Frage: Im feindlichen Ausland sind vielfach Gerüchte verbreitet, als ob die übrigens noch nicht zum Abschluß gebrachten Beratun- gen über� die Lösung der südslawischen Frage das Ergebnis ge- bracht hätten, Bosnien und die Herzegowina'dem ungarischen Staatswesen einfach etnzuver- leiben. Keiner der maßgebenden Faktoren faßte solche Lö- sung ins Auge, und welches immer das Ergebnis der Beratungen sein sollte, so wird die Lösung doch keinesfalls in der Weise berbcigeführt werden, daß Bosnien imd die Herzegowina der Regierung und Verwaltung Ungarns einfach einverleibt werden. In Erwägung gezogen allerdings ist die Anyliederung Bosniens und der Herzegolrnna an die Länder der ungarischen Krone in der Weise, daß die genannten Provinzen ihre volle Autonomie der Regierung und Verwaltung behalten und ein staatsrechi- liches Verhältnis herbeigeführt werde, wie es etwa jenem von Kroatien und Slawcnien zu Ungarn entspricht. Bosnien und die Herzegowina würden nach wie vor autonom verbeib-n wie Kroatien und Slawonien. Beide Teile des ungarischen Staates würden gesonderte Abordnungen znm ungarischen Reichstage entsenden und auf dem Wege über die Delegationen an der Rc- gicrung der Monarchie teilhaben. Nicht das ist das Wesentliche, daß Bosnien und die Herzego- wiua eine relative Selbständigkeit im ungarischen Staate genießen, sondern daß diese Lösung die staatliche Zersplitterung der Süd- slawen verewigt und damit diesen Herd dauernder Unruhe warm erhält. In Oesterreich werben die ungarischen Pläne mit offenem Mißbehagen aufgenommen, weil von der Vorherrschaft Ungarns in Bosnien und der Herzegowina schwere Nachteile für die öfter- reichische Industrie befürchtet werden. fferve aus öer Partei ausgefchlosien. Berv, 24. September. Wie„Progres de Lyon" meldet, hat der S ch i e d s ge r i ch ts a us s ch uß der Sozialistenpartei mit vier gegen drei Stimmen den Ilusfchluß Hervss, des Chestedakteurs der„Bictoire", aus der Partei beschlofien. Ter Kampf um die Parteizugehörigkeit HervöS spielt seit dritthalb Jahren. HervöS Anschluß an die chauvinistischen Kriegsschreier machte die jetzt gelroffene Entscheidung längst zu einer Notwendig- keit. Daß die französische Partei nicht schneller zu dem jetzt ge- fällten Urteil kam, ist bedenklich, denn Hervös Kriegshaltung hat zweifellos die Anstrengungen, eine internationale Annäherung der sozialistischen Parteien herbeizuführen, in Frankreich schwer ge- hemmt. Nur allmählich hat sich der Einfluß HervöS in der französischen Partei gemindert. Aus den Abstimmungsziffern des Schiedsspruches ist zu schließen, daß auch jetzt noch der Anhang des einst auf der äußeisten Linken stehenden Mannes erheblich ist. Daß aber jetzt eine Mehrheit gegen ihn urteilt, wird als ein Zeichen des Umschwungs, der sich in der französischen Partei vollzogen hat, gebucht werden dürfen. Die Forderung des inter- nationalen WiederfindenS der durch den Krieg voneinander ge- riffenen sozialistischen Parteien dringt schrittweise in Frankreich bor. Gerade im gegenwärtigen Augenblick ist dem Abrücken von Hervö, der sich alS ein Schildknappe aller den Krieg zum Aeußersten auf- treibenden Häuptlinge Frankreichs bewährte, eine nicht geringe symptomatische Bedeutung zuzusprechen. Die rujpschen Dürgerkriegsfronten. An der nördlichen Front dauert nach den Sowjetberichten das Vorgehen des Feindes an. Der Angriff des Gegners auf dem rechten Ufer der nördlichen Düna im Rayon Kotlas wurde zum Stehen gebracht. Im Bezirk Talma auf dem Nordostufer des Ladogasees wurden verstärkte Erkundigungen der'Grenz- Wege von feiten der Deutschen festgestellt. An der Ostfront, im Bezirk von Kasan, haben die Sowjettruppen auf dem linken Wolgaufer die Stadt Laischow besetzt. Im Bezirk von Simbirsk wurde Sikulej besetzt. Im Bezirk von Shsran setzen die Sow- jettruppen ihr Vorgehen vom Süden her auf die Stadt fort. Von der Südfront wird gemeldet, daß die Rätctruppen von feind- licher Uebermacht in der Richtung auf Pa Marino zum Rückzüge gezwungen wurden. Die Stadt Nowochopersk wurde vom Feinde besetzt. Dnglo-franzö'sische Rubelmillionen für üie Tschechoslowaken. Moskau, A. September 1918.(PTA) Laut Nachrichten der Zeitungen aus P e u s a ist es der tschechoslowakischen kommunisti- scheu Partei gelungen, einen Teil des Archives, der den Tschechoslowaken gehört., in die Hände zu bekommen. In der Zeitung„Prukopnik Swobodh"(Bote der Freiheit) vom 27. Juli werden Tatsachen veröffentlicht, die die wahren Ursachen des gegen- revoluttonäron Aufstandes des. tschechoslowakischen Armeekorps klar- legen. Diesen Tatsachen zufolge fand eine Einigung mit den Berbün- beten Ende Februar oder Anfang März statt. Am 7. März zahlte der französische Konsul eine Summe von drei M i l I i o- nen Rubel an den nationalen Rat ein. Die genannte Geldsumme nahm ein gewisser Herr Schip, ein Mitarbeiter des Nationalrates, entgegen. Aull. März erhielt derselbe Herr noch weitere zwei Millionen, am 2b. März eine Million und am 26. März wurde dem Gehilfen des Vorsitzenden des National- oatcs, Herrn Boguschil-Tschermak eine Million übergeben, am 86. März erhielt Herr Schip dann nochmals eine Million. Die Totalsumme der vom französischen Konsul vom 7. März bis zum 4. April gezahlten Gelder beträgt also acht Millionen Rubel. Außer- dem wurden ohne Angabe des Datums folgende Summen ausgeteilt: Herrn Schip 2 Millionen und an Herrn Tschermak eine Million. Ferner erhielt eine Person, deren Namen nicht genannt ist, 183 606 Rubel. Das macht eine Summe von 3 1 8 8 0 0 0 R u b el. Mit den obengenannten acht Millionen entsteht also die runde Summe von 11 188 006 Rubel. Auch der englische Konsul beteiligte sich mit einem Betrage von 86 666 Pfund Sterling. Vom 7. März bis zum Ausbruch des Aufstandes zahlten die anglo-frauzösischen Regievungeu gegen 15 Millionen Rubel an die Führer des Nationalrates, die also die tschechoslo- wakische Armee an den anglo-französischen Imperialismus ver- kauften. Um nun den Soldaten Sand in die Augen zu streuen, wurde diesen ihre frühere Löhnung, vom ersten Tage der Gegenrevolution angefangen, van 5 Rubel monatlich auf 266 Rubel bei voller Bc- köstigung erhöht. Auch die Offiziere, die vorher dasselbe Gehalt bezogen, erhalten jetzt Riesensummen deren richtiger Betrag nicht genau festgestellt worden ist. Westlich von St. chnentm. Französischer Bericht vom 2 4. September abends. In der � Gegend westlich von St. Quentiu machten die fran- zösischen Truppen in Verbindung mit der englischen Armee beute morgen neue Fortschritte. Sie bemächttgten sich Francillh- Selency, des Vorsprunges von Dallon und des Dorfes Dallon trotz des energischen Widerstandes der Deutschen. Mehr im Süden trugen die Franzosen ihre Linien bis an den Westrand von G i f f e c o u r t vor. Die Franzosen machten mebr als fünfhundert Gefangene und erbeuteten eine große Anzahl Maschinengewehre. An der Vesle-Front gelang es den Deutschen im Verlauf eines heftigen Angriffs, in der Gegend von Glenn es in den vorgeschobenen Stellungen der Franzosen Fuß zu fassen. Ein Gegenangriff der französischen Truppen stellte ihre Linie vollständig wieder her und brachte ihnen fünfzig Gefangene ein. Englischer Heeresbericht vom 2 4. September abends. Wir führten heute früh im Zusammenwirken mit den Franzosen eine gelungene Unternehmung im Abschnitt von St. Ouentin aus. Beim Morgengrauen griffen englische Truppen auf einer Front von über vier Meilen von der Gegend des Omignonbaches aus südwärts an. Gute Fortschritte wurden längs dieser ganzen Front erzielt und etwa achthundert Gefangene von uns gemacht. Üluf starken Widerstand stießen wir an einer Anzahl von Punkten, besonders in der Gegend von Selench, wo der Kampf noch andauert. Ein örtliches Gefecht fand heute noch nordöstlich E p e h y statt, dessen Ergebnis eine leichte Verbesserung unserer Linien war. Von'der übrigen Front ist nichts zu melden. Die Operationen in Mazedonien. Sofia, 24. September. Generalstabsbericht vom 23. September: Mazedonische Front: Jni oberen Skumbitale drangen unsere Stoßtruppen in feindliche Grabe», von wo sie mit französischen Ge- fangenen zurückkehrten. An der Mokra Planina und bei Tschervena Stena wurden mehrere feindliche Sturrnabtei- lungen durch Feuer zerstreut. Nördlich von B i to li a griffen feindliche Bataillone nach heftiger Artillerievorbereitung unsere Stellungen an, sie wurden aber mit beträchtlichen Verlusten zrrrück- gewiesen. An der Cerna-Mündung verstärkte sich die Feuer- tätigkeit. An der übrigen Front mäßige Kampftätigkeit. Nördlich von Bitolia warfen feindliche Flieger Bomben aus Militärlazarette, die deutlich erkennbar die üblichen Abzeichen trugen. Die Bulgarische Telegraphen-Agentur meldet, daß General- stabschef Burma ff Pressevertretern eine längere Erklärung über den Gang der in Mazedonien begonnenen Operationen gab. Dem Feinde, sagte er, ist es um den Preis außerordentlich schwere): Verluste gelungen, die bulgarische Front zu ver- schieben und in gewisser Ausdehnung Boden' gewinnen. Die Räumung dieser Zone wurde vom Oberkoiu- mando angeordnet, um die Armee der Nation in unversehrter Schlagkraft zu bewahren und im entscheidenden Augenblicke zur Verfügung zu halten. Unsere Nachhuten fügten den feindlichen Truppen sehr empfindliche Verluste zu. Einen anderen Stoß richtete der Gegner gegen unsere Stellungen zwischen dem W'ardar und dem Dojransee, wo er beabsichtigte, Unsere Linien zu durchstoßen, in unsere Hinteren Verbmdungcn einen Einbruch zu machen und für unsere westlich vom Wardar stehenden Truppen eine schwierige Lage zu schaffen. Ilber trotz großen Aufwandes cm' Munition und der Teilnahme bedeutender Streitkräfte brach der Stoß des Feindes an dem Wider- stände der neunten Division. Die Gegner erlitten Verluste, die auf mindestens acht- bis neuntausend Tote und Verwundete geschätzt werden können. Unsere ausgezeichnete Lage in diesem Abschintt gestattete uns wohl, diesen glänzenden Erfolg auszunutzen: aber immerhin sahen wir aus den gleichen Gründen von Operativen ab, die uns zwar großen Erfolg bringen konnten, aber nüt verhält- nismäßig erheblichen Opfern hätten erkauft werden müssen. General Burmoff spornte alsdann zu„tiefgehender Geschlossen- hett zwischen allen Bürgern" an. Französischer Oricntbcricht vom 23. September. Tie Verfolgung dauert an der ganzen Front Monastir— Veles an. Die feindlichen Abteilungen, bedrängt durch unsere Vorhuten, be- nnruhigt durch Kavallerie sotvie mit MaschinengNvehrfener und Bomben durch die alliierten-Flieger belegt, ziehen sich in der größ- ten Unordnung aus Beles, Jstip und Strumitza zurück. Auf dem linken Flügel drängen die alliierten Streitkräfte, die von der Monastirfront vorgehen, den Feind auf den albanischen Stra- ßen zurück. Französische Kavallerie ist am 23. September in Prilep eingezogen; sie fand die Stadt unversehrt vor und be- mächtigte sich ungeheurer Vorräte. Weiter nördlich gingen die sran- zösisch-serbischen Streitkräfte über die Straße P r i l e P—G ra ds k o hinab und bedrohen die Straße Prile p— V e I e s. Im Zentrum stellten die serbischen Truppen, die den Wardar auf mehreren unversehrtem Brücken zwischen Demirkap'und Gradsko überschritten, einen großen Brückenkops nördlich vom Flusse her. Wir find nn Besitz der Orte Enish. Oba, Karabodzali, Voyshen. und Jbirlü Auf dem rechten Flügel erreichten die alliierten Truppen die beiderseits des Wardar vorgehen, die Linie Petrove, Pardovica, Chinarli und Karaoglular. Am Dojran-See wichst die Zahl der Gefangenen unaufhörlich. Ueberall wurde bettächt- liches, oft unversehrtes K-riegsgerät aufgefunden. Am 22. Scp- tembcr wurden ettva zehn Geschütze, darunter die Mehrzahl schwere,. erbeutet. Bei Kriwolak erbeuteten die Serben außer der be- reits gemeldeten Beute neue Flugzeuge und Automobile sowie bc- deutende Lager von Benzin und Lebensmitteln. Französischer Orirntbericht vom 24. September. Die Verfolgung wird aus der ganzen Front von Monastir bis zu den Belesch-Bergen fortgesetzt. Der Feind zieht sich in größter Auflösung in Richtung auf Veles, Jstip, Strumitza zurück. Fran- zösische Kavallerie ist am 23. September in Prilep eingerückt. Die Zahl der Gefangenen ist weiterhin ständig im Wachsen. Ein Dutzend Geschütze, darunter einige schwere, wurden erbeutet. Ter?lnwcrbefcldzug in Irland mißlungen. Dem„Nieuwe Rotterdamsche Courant" vom 23. September tAbendausgabe) wird aus London gedrahtet:„Nach Frenchs Versprechen sollte Irland von der Dienstpflicht verschont werden, wenn sich vor dem ersten Oktober 56 666 Iren freiwillig melden würden. Der Anwerbefeld- zug ist aber völlig mißlungen, denn bisher haben sich nur 7 6 6 6 Mann gemeldet. Der loyale Teil Irlands. Ulster, hat sich ebenso gloichgültig wie der nationalistische Teil verhalten. Bel- fast, das lange hinter Dublin zurückstand, steht jetzt an erster Stelle, aber die Anmeldezahl aus den protestantischen Landgraffchosten Arniagh, Cavan und Monagha» ist laut„Morning Post" beschämend niedrig.".__. fit. 265 ♦ 35. Jahrgang Seilage öes Vorwärts Vonnerstag, 26. September 161 S Der HauptaussihuK gegen den Kriegsminister. Am Mittwoch kamen die Vertreter der einzelnen Parteien zum Wort; als erster sprach z. Gröber(Z.): Die militärische Lage ist nicht günstig, aber in einem Kriege von dieser Dauer muß man mit Mißerfolgen rechnen, die indes einen Pessimismus keineswegs rechtfertigen können. Wir dürfen zu unseren Truppen volles Vertrauen haben. General v. Wrisberg hat über die Ursachen der Mißerfolge keine b e- friedigende Auskunft gegeben. Das mutz nachgeholt und zum Gegenstand einer Erörterung gemacht werden. Die Festigkeit der inneren Front hängt ab von dem Zusammenwirken zwischen Negierung und Volk Die Rede Pahers in Stuttgart bedoutete die Umschreibung eines Programms der Regierung. Es ist ein Der- dienst de? Kanzlers, dies« Uebereinstimmuna zwischen Regierung und Heeresleitung erzielt zu haben. Wir sind bereit, auf den Voden dieses Programms zu treten. In manchen Dingen hat die Regierung versagt, das liegt an dem Zwiespalt zwischen Regierung und hoheu militärischen Stellen. Dieser Zwiespalt hat unseren Gegnern Anlaß gegeben, die Ehr- lichkeit der Regierung in Zweifel zu ziehen. Es ist die letzte Stunde, in der dieser Widerspruch beseitigt werden muß, sonst schallt uns ein: Zu spätl entgegen. Bedarf es dazu außer- ordentlicher Mittel, dann müssen sie angewendet werden! Die Regierung darf sich in die inneren Verhältnisse Finnlands nicht einmischen und keine Garantie übernehmen für den Thron, der dort errichtet werden soll. Das Selbstbestim- mungsrecht der Völker im Osten mutz gewahrt werden, dann wird es zu einer Nachprüfung der Verträge nicht kommen. Die Verträge im Osten find abgeschlossen und bestehen zu Recht. Diese Völker wollen nicht mehr zu Rußland, sie haben bei uns Schutz gesucht und gcfimben. Für das Schicksal dieser Völker dürfen dynastische Interessen nicht maßgebend fern, und damit ist die Frage einer Personalunion mit Preußen erledigt. Zu einem modernen Staatsleben gehört auch die Selbstverwaltung. DaS de- deutet, daß mit der militärischen Verwaltung Schluß gemacht werden muß. Das jetzige System bedeutet eine U n t e r- drückung, keine Befreiung. Gibt man diesen Völkern ihre Rechte, dann werden sie selber eine Revision der Verträge ab- lehnen. Am schlimmsten hat dl« übertriebene Art der Germani- sierung gewirkt; man darf auf diesem Gebiets keinen Zwang ausüben. Unerhört ist es, daß man diesen Völkern verbietet, mit deutschen Reichstagsabgeordnetcn in Verbindung zu treten. Hat man doch den Mitgliedern der Taryba verboten, bei ihrer Anwesenheit in Berlin- mit Zentrumsabgeordneten zu sprechen. Nicht minder ist es unerhört, daß die polnische Frage noch immer nicht gelöst ist. Da? hängt zusammen mit der Behandlung der Polen in Preußen. Auf dem Gebiet der inneren Politik ist das Kernstück dte Handhabung des Belagerungszustandes. Der Gipfel der verkehrten Matznahmen ist erreicht worden mit dem Erlaß des preußischen KriegSministerS gegen die öffentliche Erörterung eines BerständigungSfriedeuS. Der Kriegs mini st er fordert d,« Behörden auf, solch eVers am mlungen zu verbieten. Dabei stehen die davon betroffenen Kreise auf dem Boden der von der Regierung gebilligten ReichstagSentschlietzung. Der Kanzler ist mit diesem Erlaß nicht einverstanden. Genau so liegt eS mit dem Verbot, in öffentlichen Versammbullgen das preu- ßische Wahlrecht zu erörtern. Dem HerrenhauSmitglied Stegerwald hat man verboten, tn Münster über die Wahlvechtsvor- läge zu reden. Man verlbietet also eine Unterstützung der Re- gierung. Der Kanzler mutz diese Widerstände rechen, er darf es nicht dulden, daß sein« Politik von militärischer Serie durchkreuzt w i r d. Abg. Scheidemann(Soz.): Der Kanzler hat bei seinem Amtsantritt gemeint, er habe zwar politische Gegner, aber keine persönlichen Feinde. Letzteros dürfte heute noch zutreffen; aber die Zahl seiner Gegner ist zweifel- loS gewachsen. Unsere Angriffe gegen die Regierung des Grafen Hertling haben mit persönlicher Feindschaft nicht? zu� tun. Unser« Gegnerschaft ist durchaus sachlich. Mr beklagen zunächst, daß der Reichskanzler vieles nicht verhütet und anderes nicht durchgesetzt hat. Das letzte Jahr war das schlimmste, das das deutsche Volk jemals erleben mußte. Viele Hoffnungen sind zerstört worden und dem Frieden sind wir nicht näher gekommen. Man meinte, nach Abschluß des Friedens im Osten, daß nunmehr eine mili- t ä r i s ch e U e o e r m a ch t für den Westen vorhanden s«. Auch darin hatte man sich getäuscht. Maßgebende Kreise haben aber unter der Unterschätznng des Gegner» gelitten und diese Unterschätzung ist dem deutschen Volk« durch unsere Militärs ganz suggestiv beigebracht worden. Mag sein, daß die Militärs selber daran geglaubt beben, sonst würden sie wahrschein. lich die lebte Offensive unterlassen haben. Jetzt müssen wvr zu. sehen, wie die Gegner sich geradezu in einem Siegestaumel be- finden. Die bei unserem Gegner jetzt bestehenden Illusionen wirken auf alle Fälle kriegsverlärrgernd. Die Erklärungen, die General von Wrisberg über die militärische Situation gab, waren ganz uu- genügend. Alles, was er sagte, hat schon längst in der deutschen Presse gestanden. Im englischen und im französischen Parlament ging nian ganz anders vor. Dort forderte man mehr als einmal von der Militärverwaltung ganz kategorisch Auskunft, die dann in Gcheimsitzungen erteilt wurde. Wir sind keine Freunde dieser Geheimniskrämerei. Wenn es aber nicht anders möglich, sind wir berit, in einem engeren Zirkel die entsprechenden vertrau- lichen Aufklärungen entgegenzunehmen. ES ift'nicht gelungen, wie den Militärs es vorschwebte, den Gegner zu zerschmettern. Wir werden im Gegendeil alles tun müssen, um nicht selber z«r- schmettert zu werden. Der Kampf gegen daS Areiben be- stimmt« Kreise ist ein Kampf gegen das ganze militaristisch-auto- kvatisch? System. Für die Militärs gilt der Krieg verloren, wenn sie nicht gewaltige Beute und Machtzuwachs.heimbringen können. Für uns dagegen gilt der Krieg gewonnen, wenn er den Bestand des RsicheS sichert und uns Freiheiten nn Innern bringt. Der Vizekanzler von Paycr hat in seiner Stuttgarter Rede versucht, die Ostpolitik zu rechtfertigen. Er ging sogar so weit, seine Rede mit der Rede Solfs in Einklang bringen zu wollen. Das war an sich ein scbwieriges Beginnen, um so mehr, als Staats- sekretärSolfvielleichtganzandersgeredethätte, wenn ihm die Zusatzverträge bekannt gewesen wären. Es ist auch sehr bezeichnend, daß Staatssekretär Solf als Mitglied der Regierung von diesen Verträgen nichts gewußt hat. Herr v. Paher hat aber auch vermieden, sich klar auszudrücken und gerade damit hat er aus Seite unserer Gegner den Vorwurf der Zweideutigkeit ausgelöst Der Einsah unserer ganzen Kraft ist im Westen einfach deshalb nicht möglich, weil deutsche Truppen als Folge unserer Ostpolitik w erheblicher Zahl im Osten festgehalten werden. Wir halten nach wie vor den Brester Frieden für ein schwerwiegendes Friödenshindernis. Trotz des Friedensschlusses strebt man an, die Demarkationslinien nach der Mnrmanküste vor- zuschieben. Es wurde sogar der abenteuerliche Plan propagiert, ganz Rußland zu besetzen. Die Regierung war vernünftig genug, derartige' abenteuerliche Gelüste abzulehnen. Das genügt aber nicht. Tie Regierung müßt« jene Herreu, die für solch« Pläne ein- getreten sind, klar und deutlich von sich abschütteln. Die Zusatzverträge zum Brest« Frieden und das finnische KSmgSspiel waren schwere politische Fehler. Der Plan, dem Kaiser den Her- zozshut Kurlands zu verschaffen, darf wohl endgültig alz erledigt «mgefehen werden. Diesen Plan hätte der Kaiser nur auf eigene Rechnung und Gefahr verfolgen dürfen. Die Zeit ist unwiderruflich vorbei, wo die Völker bereit waren, für dynastische Interessen ihr Blut zu vergießen. Der Landgraf von Hessen, der da glaubt, daß die Finnen ihn als König haben wollen, ist preußischer Offizier. Wer hat ihm erlaubt, mitten im Weltkrieg ferne Nationalität abzulegen? Mitglieder des deutschen Reichstages dürfen nicht in das Ausland reisen; warum aber erlaubt man mm diesem preußischen Offizier ins Ausland zu gehen, um dort in ein Aben. teuer verwickelt zu werden, das die weittragendsten Folgen haben kann? Kein Zweifel, daß die ganze Sache von militärischer Seite eingeleitet wurde. Auf die Ostpolitik übergehend fordert unser Redner, man gebe den Völkern im Osten das weitestgehende Selbstbestimmungsrecht. Es geht nicht an, Völker erst zu binden und sie dann erst zu befragen, wemi an den Dingen nichts mehr geändert werden kann. Kann die Regierung diese Politik nicht verhüten, dann soll sie abtrete». K ü h l m a n n hat gehen müssen, weil er eine Woche zu früh sagt«. was dann auf einmal alle General« glaubten sagen zu müssen. Die Entlassung Kühlmanns hat an der Front eine ungemein böse Wirkung ausgeübt. Die Soldaten find kein« unwissende Menge. Ter Krieg war für sie ein Erzieher. Sie haben gelernt und der- mögen sehr wohl die politischen Vorgänge genau zu beurteilen. Herr von Hintze ist von den Alldeutschen stürmisch begrüßt worden. Der Jubel hat sich gelegt; denn es hat sich gezeigt, wie wenig Be- deutung eine einzelne Person für sich in dem gewaltigen Getriebe dieser aufgeregten Zeit hat. Das Verhalten der deutschen Regte- rung in der Angelegenheit der österreichische« Note war einigermaßen befremdend. Die Vorgänge haben gezeigt, daß ein Spalt in das Bündnis gekommen ist. Di« Gegner setzen alles daran, diesen Spalt zu erweitern. Dem muh die deutsche Negterung durch ihr ganzes Verhalten einen Riegel vor- schieben. Die scharfe Kritik des Abg. Gröber war durchaus be» rechtigt. Was ist das für ein Zustand, wenn ein« Regierung sich zu einem festen Programm bekennt und der Kriegsminister kann auf eigene Faust alles das hintertreiben. Das bedeutet geradezu einen Faustschlag in das Gesicht der Regierung und es ist geradezu«nfahbar, dast dieser KriegSminister noch im Amte fein kann. Gegen die Regierung muß der schärfste Vorwurf erhoben werden, weil sie das eigenmächtige Eingreifen des Kriegsministers nicht verhindern konnte. Genau so liegen die Dinge in der Flamen- Politik. Die Zivilregierung trifft Maßnahmen, die Flamen, die man aus irgend einem Grunde bei der Stange hält, erheben da- gegen Einspruch und die militärischen Stellen erklären dann, daß sie gar nicht daran denken, die Anordnungen der Zivilregierung zu verfolgen. Sie kleiden das in die Form: Lubcndorff regiert und nicht Hertling. Und wie haust der Militarismus bei uns im. Lande! Redner be- spricht die Vorgänge in der von den Unabhängigen einberufe. nen Wählerversammlung für den ersten Berliner Wahlkvois. In dem Moment, in welchem Abg. Haas« reden wollte, kommt ein Polizeileutnant und verbietet das: Wir haben gegen dieses unerhörte Vorgehen sofort bei der Regie- rung den schärfsten Protest erhoben. Ihm, Redner, sei kürzlich in einer Versammlung in Essen direkt verboten worden, auch nur ein Wort über das preußische Wahlrecht zu sagen. Im Auftrag des Militärs verbsetet irgend ei« Polizeiknecht einem Wgoordneten über eine Frage zu sprechen, die heute die ganze deutsche ßeffentlichkcit bewegt. Die Regierumg weiß daS alls, sie ist aber diesen militärischen Ueberg rissen gegenüber voll- ständig nt achtlos. Genau so wütet die Zensur. Ueber die Abreise des Hetmans der Ukraine aus Berlin durfte nicht berichtet werden, die Veröffentlichung von Kundgebungen der russischen Regierung wird verboten, selbst die gewiß sehr zahme .Hilfe"' des Hern Naumann verfiel einem Verbot. Nachrickten aus der Ukraine dürfen nicht gebracht werben, Mitteilungen über die finnische Königsmache wurden unterdrückt. Auf diese Art wird die Stimmung im Lande in geradezu blödsinniger Weis« herunter- gedrückt. Die Bemühung«-» militärischer Kreise, jede frei« Re- gung im Volke einfach niederzuknutteln, haben dazu geführt, daß die Stimmung an der Front immer schlechter wurde. Die Siegesalkoholiker sind heute merkwürdig ruhig geworden, an Stelle ihres Taumels'ist der Katzenjammer getreten. Die schlech- teste Stimmung findet man nicht einmal bei den Arbeitern, son- der« im Mittelstand, in Beamtenkreisen und bei den Bauern. An- gesichts der immer drohender sich erhebenden Militärdiktatur muß es heißen: Fort mit de» Rebenregierungenl Die Militärs mögen sich aus ihre Pflichten und Aufgaben be- schränken, sie mögen tun, was ihre» Amtes ist. Wir haben gesagt, wie das Programm einer Regierung beschaffen sein muß, wenn sie auf unsere Unterstützung rechnen will. Wir leiden heute schon mehr als genug unter den Fchlern, die gemacht worden find. Nicht zum werngsten in der belgischen Frage. Wie konnte der Kanzler Aus- führungen über Belgien machen, wie wi-r si« gestern von ihm gehört haben? Redner zitiert ein« Reihe von Stellen aus dem Bliche ErzbergerS über daS belgische Problem Wenn der Kanzler für einen Völkerbund ist, dann muß er auch zugeben, daß begangene? Unrecht wieder gut- gemacht werden muß. Wäre man wirklich vor vier Jahren in Belgien einmarschiert, wenn man gewußt hätte, daß dieser Weg nicht nack Pari» führt? Hätte man unseren Warnungen zum Trotz den rücksichtslosen U-Boot-Krieg auch dann beschlossen, wenn man gewußt hätte, daß man England nicht in die Knie zwingen kann und daß dte amerikanischen Millionenheere nach Europa kommen? Alles Fehler, die von den Militärs gemacht wurden! Wir vermögen die Zusatzverträge von Brest- L i t o w s k nicht zu billigen, und wir verurteilen mit aller Schärfe. das Versagen m der Frage der Wahlreform in Preuße», das geradezu Mi einem Stillstand im Reiche geführt hat. Mit Re- sörmchen und Konzessiönchen ist nichts mehr zu besser«, vir brauchen eineu Systemvcchsrl, Einkehr und Umkehr. General v. Wrisberg: Der Erlaß des Kriegsministers richtet sich nicht gegen die Reso- lution des Reichstag».(Stürmische S e i t e r k e, t.) Er hat andere Ursachen.(St ü r m i sche Z w i sch en r u ke.) Das Ziel der Friedensfreunde ging über den Rahmen der Resolution hinaus und sollte die Stimmung verderben.(Lebhafte Zwischen- rufe!) Die Verfügung, daß über daS Wahlrecht nicht gesprochen werden darf, ist längst beseitigt. Die stellv. komm. Generale sind angewiesen, der Erörterung der Wahlrechtsvorlage keine Hinder- nisse in den Weg zu legen, wenn dadurch die Sicherheit nicht ge- fährdet wird,(stürmische Unterbrechungen.) Es kann sich nur um vereinzelte Mißgriffe handeln. Einer Wahlrede des Abg. Haase soll kein Hindernis mehr bereitet werden; auf Ver- anlassung des Kriegsministers sei ja seinerzeit Dr. Breitscheid, als er als Kandidat aufgestellt wurde, sofort vom Militär-beurlaubt worden. Wg. Fischbeck(BD.): Wenn der Kanzler über schlechte Stimmung geklagt hat, so hatte er damit recht, aber daS Volk ist nicht schuld daran. Pflicht der Regierung ist es, den österreichischen Schritt zu fördern. Zu Kleinmut besteht kein Anlaß. Wir stehen in Feindesland, Man- gel an Kriegsmaterial besteht nicht— wir können also durchhalten. Die politische Leitung muß aber alles tun, die Hemmungen zu beseitigen, die sich einer geschlossenen inneren Front entgegenstellen. Dem Volk muß daS immer wieder zum Bewußtsein gelbracht werden. Deshalb ist es zu verurteilen, daß gewisse Kreise immer wieder Sand in die Maschinerie gestreut haben, um die Ge- schlosseichcit des Volkes zu verhindern. An dem guten Willen des Kanzlers soll nicht gezweifelt werden, aber seine Erfolge sind nicht überwältigend. Di« militürifchen Kreise, pochen auf ihre Macht, von der sie rücksichtslos Gebrauch machen. Wir sind deshalb nicht enttäuscht worden. Ohne Abänderung des Gesetzes über den Belagerungszustand ist keine Besserung zu erhoffen. Mit Reden ist nichts zu machen, nur Taten können Klärung bringen. Der Belagerung�. zustand ist die spanische Wand, die zwischen Regierung und Volk steht. Das Militär hat gegen die Seele des Volkes gearbeitet, wie der Elefant im Porzellanladen. Die Regierung kann nur Vertrauen im Volke gewinnen, wenn sie den Kampf gegen die widerstrebenden Elemeuie aufnimmt, besonders in der Wa-slceechtSfrage. Die Entladung der Leidenschaften in einem Wahlrechtskampf ist nicht so schlimm, als wie die Anhäufung von Grimm und Groll in den Massen des Volkes. Die amtlichen Kreisblätter wüten gegen den Kanzler und gegen die Wcchlrechtsvorlage. Di« Regierung hat den guten Willen, aber damit ist es nicht getan. Das Gebot der Stunde ist es, die Regierung auf eine demokratische Grundlage zu stellen. Wir wünschen die Schassung eines Völkerbundes, der allein künftige Kriege verhüten kann. Damit zeigt man der Welt, daß Deutschland nicht auf dem militaristischen System beharrt. Die Aufstellung eines solchen Kriegszieles wird Verstänbms finden, dazu aber ist nötig, daß die Regierung sich Vertrauen erwirbt. Auf diese Weise allein stärkt man die innere Front. Wir haben Vcr- trauen zur Armee und zu ihrer Führung; aber diese Führung darf nicht hineingezogen werden in den Zwiespalt der politischen Memung. Heute besteht eine politische Abteilung bei der Obersten Heeresleitung und darin liegt eine große Gefahr. Die Versuche des Generals v. Wrisberg. den ungeheuerlichen Erlaß des KriegSministerS zu entschuldigen, sind mißlungen. Die stellvertretenden kommandierenden Generäle machen was sie wollen, einzetoe von ihnen widersetzen sich grundsätzlich den Anordnungen der Regierung. Hier müßte einmal ein Exempel statuiert werden, eher wird es nicht dessen Säulenanschläge, wie sie in Berlin deliebt werden, sind nuc'geeignet, die Stimmung zu verschlechtern. Redner despricht dann die Bestrebungen einzelner deittscher Höfe, ihre eigene Hausmacht zu stärken. Den Anlaß dazu bot die Ah. ficht, den Hohenzollern das Baltiktmn zu sichern. Dieser Plan muß endgültig begraben sein, wie die deutsche Regierung und die deutschen Militärs nichts tun dürfen, um den Finnen die Monarchie aufzudrängen. Je weniger man im Osten gewaltsam germanisiert, desto besser für uns. Statt dessen gräbt man im Osten alte, längst vergessene Standesdorr echte wieder aus und peitscht damit direkt den Widerstand des Volkes aus. Die Boden- Verteilung in Litauen geschieht direkt zuni Vorteil der Ritterschaft und zum Nachtsil oer Bauern. Der Kanzler hatte recht als er sagte: ES geht ums Ganze und dabei im Herren- haus daraus hinwies, daß die Krone gefährdet sei., Deshalb aber ist es seine Pflicht, den reaktionären Mächten die Stirn« zu bieten. Diese Kreise wollen das Volk in der Rechtlosigkeit erhalten. Herr Kanzler, sorgen Sie dafür, daß diese Pläne scheitern! Wg. Dr. Stresemcmn(natl.) erklärt, daß auch die Nationalliberalen aus dem Boden deö Pro- gramins stehen, das zwischen Heeresleitung und Regierung verein- bart worden ist. Die Stärkung der inneren Front ist nötig mid die Erfüllung dieses Programms scheint zu diesem Ziele zu führen. Redner setzt auseinander, daß seine Fraktion nie die Kriegsziele von der jeweiligen Kriegslage abgeleitet habe. Die Ausführungen SchoidemannS über Belgien könnten nicht unwidersprochen blei» ben, denn eS sei doch nicht zu bestreiten, daß Frankreich die Ab- ficht hatte, in Belgien einzumarschieren. Wir verlangen, daß uns einmal daS ganze Material über Belgien vorgelegt wird, dann erst kann Klarheit geschaffen werden. Best«- bungen, die auf eine Einmischung tn die inneren Verhältnisse Ruß- londs hinzielen, müssen bekämpft werden, denn wir haben nicht die Befugnisse, uns zum Schulmeister der Welt auszuwerfen. Die deutschfeindlichen Kreise in Rußland in den Sattel zu heben, kann nicht unsere Aufgabe sein, gleichviel wie man sich zu den Bolschewiti stellen mag. Die Zusatzverträge, die mit Rußland ge- schlössen wurden, finden durchaus den Beifall der National- liberalen. Ein Einspruchsrecht in die inneren Nngelegenhentcn Finnlands steht uns nicht zu, aber wir dürfen deshalb auch nichts tum, Finnland zu hindern, Monarchie, mtt einem deutschen Fürsten an der Spitze, zu werden. In einem Teil des baltischen Volkes bestehe der Wunsch, direkt an Preußen angegliedert zu werden, auf keinen Fall aber können dynastische Interessen maßgebend sein. Die militärische Verwaltung in den Oststaaten tut alles, um einen Verkehr der dortigen Bevölkerung mit Reichstagsabgeordneten zu verhindern� wie es Redner in einem speziellen Fall selbst erfahren hat. Die Besorzugung der Ritterschaft im Osten schafft dort steigend böses Blut. Sehr zu bedauern sei, daß in Deutschland eine Be- wegung um sich greift, die die Haltbarkeit des OstftiedenS immer wieder in Zweifel zieht und damit der Sowjetreg'ierung selber Schwierigkeiten bereitet Tie lange Dauer des Krieges hat die Begrifft der Militärs, über ihre Befugnisse verwirrt, daraus mag sich der Erlaß des Kriegsministers gegen die FriedenSgesellschaft und das Vorgehen in der unabhängigen Wählerversammlung in Berlin erklären. Zu billigen ist alles das nicht. Selbst den Ratio- nalliberalen wurde verboten über die preußi- sche Wahlrechtsvorlage zu sprechen. Die National- liberalen stehen in ihrer überwiegenden Mehrheit auf dem Boden des gleichen Wahlrechts, da? nützt mehr aufgehalten werden kam« Mer der Kanzler hatte die Pflicht, auch die Meinung de» Herren- hauseS zu hören. Versucht man dort die Angelegenhett zu der- schleppen, dann muß die Regierung die einzig mögliche Konsequenz ziehen, das Abgeordnetenhaus aufzulösen. Redner macht zum Schluß noch auf die Kriegstreibereien in Jassy miftnerk- sam und fordert schleuniges Eingreifen. General v. Wrisberg läßt durch den Borsitzenden mitteilen, daß er am Nachmittag den Mitgliedern des Ausschusses vertrauliche Mitteilungen über die militärische Lage machen wolle. Die Deoattuigan- werden am Demncrstaz fortgesetzt. GroMerllk Krethi und Vlethi. Der Herr von Liebert hat gemeint, er täte sich darüber grämen, daß Krethi oft und Plethi kämen ins Parlament. Mir scheint, mir scheint, geht man der Sache auf den Grund, so hat sie wirklich Stiel und Besen. Es ist mal solcher drin gewesen— bloß, daß er wieder draus verschwund. Es hat ja nicht besond'ren Sinn, das hohe Parlament zu loben. Doch dieses Nebel ist behoben: Herr Liebert ist ja�nichtmehrdrinl _ P a« l ch» N. Teuerungszvlagen für städtische Angestellte und Arbeiter. Die sozialdemokratische Fraktion(Barkowski und Genossen) hat zu der heute in der Berliner Stadtverordnetensitzung zur Beratung kommenden Vorlage des Magistrats betr. Teuerungszulagen der Angestellten und Arbeiter folgende Abänderungsanträge gesteht: I. a) Den mindestens ein Jahr im Dienste der Stadt stehen- den Hilfskräften wird die Teuerungszulage in derselben Höhe ge- währt, wie sie die unterste Beamtengrupve erhält; d) nach VeMhriger Beschäftigung werden%, c) nach V« jähriger Beschäftigung'/z und äi nach einmonatlicher Beschäftigung V« dieser Sätze gewährt. II. Nach gleicher Einteilung und' nach gleichen Grundsätzen wird den Arbeitern die Zulage gewährt. III. Ledige erhalten 70 Prozent dieser Sätze. IV. Die GehaltSgrenze von 3000 M. kommt bei den Ledigen in Fortfall. V. Ledige mit eigenem HauS- stand, als solche sind diejenigen zu betrachten, die vom Hauswirt eigene Räume gemietet haben, werden ebenso wie Witwer, Witwen oder Geschiedene mit eigenem Haushalt, den Verheirateten im Be- zuge der Zulage gleichgestellt. YL Das in Kost« und Logis stehende Personal der Heil- und Pflegeanstalten erhält die gleichen Sätze wie das übrige Personal, VII. Die einmalige Teuerungszulage erhält auch das Personal der städtischen Elektrizitätswerk«. Mastnahmen NevköllnS zur Behebung der WohuungSuot. Die Neuköllner Stadtverordnetenversammlung wird in ihrer heutigen Sitzung stch mit folgenden Anträgen beschäftigen. Es soll sofort ein Wohnungsnachweis mit Anmeldezwang der leer- stehenden Wobnungen eingerichtet werden. Die Gewinnung neuer Wohnungen durch Vollendung begonnener Bauten und durch Um- und Ausbau bereits vorhandener Baulichkeiten, ins- besondere durch Instandsetzung der leeren Wohnungen, die wegen baulicher Mängel nicht benutzt werden konnten, und durch Ein- richtung von Wohnungen in leerstehenden Läden, Dach- und Keller- geschossen soll sofort in Angriff genommen werden. Die Stadt wird in solchen Fällen, in denen eine angemeffene Rente aus Bau- aufwendungen sich nicht ergibt, finanzielle Bauhilfe gewähren oder in, Falle der Leistungsfähigkeit des Besitzers. die Bauausführung durch die Stadtgemeinde übernehmen. Die Stadt wird in erster Linie Ueber- nähme der nicht gedeckten Bauanswendungen durch das Reich an- streben. Die Vermittlung der Antragstellung auf Ersatz der ver« lorenen Bauaufwendungen wird durch die Stadtgemeinde erfolgen. Für alle notwendigen Fragen wird im Hochbauamt eine Be- ratungS stelle eingerichtet. Durch diese Maßnahmen gedenkt man 960 neue Wohnungen in Neukölln zu schaffen.— Da diese Zahl noch nicht ausreichend erscheint, will Neukölln drei Millionen bewilligen, um Häuser in eigener Regie zu bauen, und die gewonnenen Wohnungen besonders an kinderreiche Familien zu ver- mieten. Schaffung von Wohnungen durch Nmbau von Schulen und durch Bau von Baracken wird von der Stadt auf das ent- schiedenste abgelehnt._ Weitere fleischlose Woche« k Nach einer Mitteilung des KriegSernährungsamtS werden die fleischlosen Wochen im Oktober noch nicht ihr Ende erreichen, son- dein auch im November, Dezember und Januar im bisherigen Umfange beibehalten werden. Endgültige Beschlüffe sind noch nicht gesaßt._ Wo das Fett bleibt. Auf Anweisung des Preußischen LandesfleischamtS wird von den Kommunalverbänden jetzt angeordnet, daß bei der Feststellung des Schlachtgewichts der fjit die versorgungsberechtigte Bevölkerung ge- schlachteten Tiere als Maßstab für die den Empfangsstellen gelieferten Fleischmengen die Fett- und Fleischnieren sowie das Schlachtfett vor der Schlachtgewichtsermittlung zu entfernen find. Im übrigen bleiben die ÄusschlachtungSbestimmungen unverändert bestehen, ins- besondere bleibt es nach wie vor den Schlachtenden anheimgegeben, ob sie die Wägungen in warmem oder erkaltetem Zustand deS Fleisches sowie je nach der Tiergattung in ganzen, halben oder viertel Tierkörpern vornehmen wollen. Diese Anweisung erfolgt, da die I n n e n f e t t e, also auch das Nieren- und Schloßfett der Tiere, die für die versorgungsberechtigte Bevölkerung geschlachtet werden, unmittelbar nach der Schlachtung loszutrennen und an die vom Kriegsausschuß für pflanzliche und tierische Oele und Fette be- stimmten Stellen abzuliefern find.— Die Hausschlachtungen bleiben hiervon unberührt._ Erhöhte Gänseeinfuhr. Die Geflügel« und Wildeinfuhrgesellschaft m. b. H. wird dem- nächst Gänie in großer Zahl aus der Ukraine einführen. Die Gänse werden durch die Reichsfleischstelle den einzelnen Bundes- stauten zugewiesen und von der Landesfleischstelle weiter verteilt. Die Preise sind höher als die der einheimischen Ware. Um diesen Preisen Rechnung zu tragen, ist der genannten Einfuhr- gesellschaft die Ueber schreitung der Höch st preise um den Einkaufspreis einstweilen gestattet. Vorläufig ist ein Stück- Zuschlag von S M. in AuSsich: genommen. Da aber der Absatz durch die Gemeinden zum Schlachtwarenpreis erfolgt, wird es bei dem verhältnismäßig geringen Zuschlag in vielen Fällen möglich sein, die Gänse innerhalb des Höchstpreises zu verkaufen. Herabsetzung des KartoffelpreiseS. Nach einer Bekanntmachung des Magistrats Berlin ist der Preis für 1 Pfund Speisekartoffeln, die zum Verbrauch für die Zeit vom 7. Oktober ab bestimmt find und auf Abschnitt 41 der Kartoffelkarte verteilt werden, auf 10 Pf. festgesetzt worden. Berliner Lebensmittel. Auf Abschnitt 07 der Lebensmittelkarte der Stadt Berlin ent- fällt ein halbes Pfund K u n st h o n i g. Der Preis beträgt 97 Pf, für V- Pfund. 75 Pf. für 1 Pfund im Ausstich, und 75 Pf. für ein Pfund in fertigen Psundpackungen. Der Bestellabschnilt 07 darf nur in demjenigen Geschäft, in dem der Verbraucher zum Zucker- bezug in das Kundenverzeichnis eingetragen ist, abgeliefert werden, und zwar vom Freitag, den 27. bis einschließlich Montag, den SO. September. Nachträgliche Anmeldungen sind nicht zulässig,— Bis Sonnabend, den 28, September, wird an diejenigen Kunden, die in den Speisekettkundenlisten der in den Bezirken der 106,-109., III.. 171., 202., 203., 219,-221. und 227. Brotkommisfion gelegenen Geschäfte eingetragen sind, pro Kopf 125 Gramm Käse Verteilt. Nmsatzsteuer auf vuxuSgegenstände. DaS Umsatzsteueramt Berlfti gibt belannt, daß die zur Entrichtung der Umsatzsteuer auf LuxuS- gegenstände verpflichteten gewerbetreibenden Personen, Gesellschaften und sonstigen Personenvereinigungen im Sauke des Kalendermonats, der jedem einen Sleuermonat bildenden Monat folgt, über den Gesamtbetrag der steuerpflichtigen Entgelte eine Erklärung abgeben müffen, und zwar die Berliner Steuerpflichtigen für den Steuer- monat August bis zum 30. September, für den, Sleuermonat September bis spätestens Ende Okrober. Bis zum 30, September sind auch die Erklärungen über die vom 5. Mai bis 31. Juli dieses Jahres bewirkten Lieferungen der in der Bekanntmachung des Reichskanzlers über die Sicherung einer Umsatzsteuer auf Lirrus» gegenstände vom 2.. Mai 1918 genannten Art abzugeben. Wegen weiterer Bestimmungen wird auf die Säulenanschläge am Freitag, den 27. September, hingewiesen. Die Erklärungen können bei dem Umsotzsteueramt schriftlich oder an amtlicher Stelle mündlich ab- gegeben werden. Vorträge für städtische Beamte und Arbeiter. Der Berliner Magistrat hat beschloflen wie im vorigen, so auch in diesem Herbst und Winter für die städtischen Beamten, Angestellten, Lehrer und Arbeiter im Bürgersaal des Rathauses Vorträge über Wirtschaft- liche Zeitfragen zu veranstalten. Der erste Vortrag wird am 2. Oktober, abends 7'/? Uhr, von dem Direktor der Deutschen Bank, Herrn Dr.-Jng. von Strauß, gehalten werden und das Thema be- Jaer Taler spricht: p| 3in ich ein'wicht, �||LDDes Mühens und Scharren« Und Wahrens nicht wertgi Wer schmiedet aus mir Das deutsche Schwert Da hat ihn die„Neunte� Schweigend genommen: i£v ist in die recht« Schmiede gekommen. handeln:»DaS rumänische Petroleum und sein« Bedeutung für Europa, insbesondere die Länder der Mittelmächte.' Der durch die Teilnahme an dem Vortrage entgangene Lohn, ebenso daS etwa entstandene Fahrgeld, wird den Arbeitern erstattet. Die Bolksbadeanfialt in der Bärwald straße wird zum 1. Oktober wieder eröffnet. Lichtspiele Tanentzin-Palast. Die Uraufführung von»Das Drei- mäderlhaus' findet Freitag, den 27., statt.I Admirals-Theater. Am Freitag wird»DaS MaSkensest des Lebens' zum ersten Male vorgeführt._ Blutiger Kampf mit einem Einirecher. In der Müncheberger Straße wurde ein Einbrecher, der es auf die Wohnung eines Eisen- bahnschaffnerS abgesehen hatte, überrascht und auf der Flucht von einer größeren Menschenmenge verfolgt. In der BreSlauer Straße wandte sich der Flüchtige um. schoß auf die Verfolger und traf einen Arbeiter I m e l l a aus der Cöpenicker Straße leicht am Fuße. Als sich ihm jetzt ein Polizeiwachtmeister entgegenwarf, schlug er auf diesen an. Der Beamte kam ihm jedoch mit einem Schuß zuvor und traf ihn ins Bein. Trotzdem setzte der Einbrecher seine Flucht wieder fort und suchte in einem Hause ein Versteck. Schon au? dem Flur jedoch brach er zusammen. Er wurde zunächst nach der Rettungswache und dann als Polizeigefangener nach der Charitä gebracht Totschlag emeS Schwachfinnigen. Im Hospital des St. Hedwig- Krankenhauses auf dem Grundstück Große Hamburger Straße 5— 11 wohnten seit längerer Zeit in einem gemeinsamen Zimmer zwei Hospitaliten namens Julius Brandt und August K r S u t n e r, beide geistesschwache Männer von ungefähr 80 Jahren. Die Greise waren durchweg harmlos, aber nicht ungefährlich in ihrer Geistes- Verfassung, sobald sie gereizt wurden. Gestern vormittag kam es zwischen den beiden zu einem Streit, der in Tätlichkeiten ausartete. Hierbei ergriff Brandt eine Bierflasche, schlug damit Kräutner auf den Kopf, bis er zusammenbrach und schnitt ihm dann mit den Scherben der zerbrochenen Flasche die Kehle durch. Auch Brandt trug in dem Kampfe Verletzungen davon. Die Leiche deS Erschlagenen wurde nach dem Schauhause gebracht, Brandt fest- genommen und nachdem er einen Verband erhalten hatte, der Kriminalpolizei zugeführt. Neukölln. Lebensmittel. Der Verkauf von Räucherwaren gegen Entnahme des Abschnitts 123 der Neuköllner WarenbezugSkarte wird am 30, September geschloffen. Die Abschnitte 123 verlieren sodann ihre Gültigkeit. Vom 1. Oktober ab findet der Verkauf gegen Ab- gäbe eines neuen Kartenabschnittes statt, dessen Nummer demnächst bekanntgegeben werden wird. Abschnitt 122� für den Verkauf von frischen Fischen bleibt vorläufig noch in Kraft. — Die städtische Lichtbildbüljne. Die Stadt hat vor kurzem, wie berichtet, mit der Ufa, der Universum-Film-Aktien- gesellschaft, einen Vertrag über die Errichtung einer städtischen Lichtbildbübne geschlossen. Nach diesem Vertrage unterstehen die Einrichtung und der Betrieb der städtischen Lichtbiidbühne der Auf- ficht eines Ortsausschusses, der vom Magistrat eingesetzt wird. Der Magistrat hat nun beschlossen, zwei Magistratsmitglieder und drei Stadtverordnete in den Ausschuß zu entsenden. Wilmersdorf. Abgab» von Weißkohlsanerkrant. Von Dienstag, den 24., bis einschl. Sonnabend, den 23. September, gelangt auf Abschnitt J der Vezugskarte für Einzelpersonen s8. Ausgabe, grau) 1 Pfund Sauerkobl l35 Pf.) zum Verkauf. Die Entnahme hat bei denjenigen Kleinhändlern zu erfolgen, die sich durch Aushang als Mitglied deS Wilmersdorfer KolouialwarenhändlervereinS aus- weisen._ Lichtenberg. Kartoffeleintragung. Vom Dienötag, den 24., bis einschließlich Freitag, den 27. September, haben die Verbraucher bei denjenigen Geschäften, von denen sie ihre Kartoffeln zu beziehen wünschen, fich unter Vorlegung des Miftelstücks der laufenden Kar- toffelkarte(gültig vom 2, bis 29. September) in das Kunden- Verzeichnis eintragen zu lassen. Die neue Belieferung erfolgt vom Montag, den 30.. ab._ Cöpenick. Die diesjährige» Stadtverordnetenwahlen, die Anfang November stattfinden, werden fich im Zeichen des Burgfriedens voll- ziehen. Die im Kommunalverband vertretenen bürgerlichen Ver- eine der Stadt haben fich auf die Wiederwahl aller zur Neuwahl stehenden Stadtverordneten der ersten und zweiten AbteiUmg geeinigt. In der dritten Wählerabteilung, die sich in dei� Händen der Sozialdemokratie befindet, werden Gegenkandidaten nicht auf- gestellt._ Niederfchönewride. Gemeindekuhstall und-Schlachthof. Die Gemeindevertretung hat in ihrer letzten Sitzung unter dem Vorsitz des neuen Bürgermeisters Willig mann mehrere für die Lebens- mittelversorgung bedeutungsvolle Beschlüsse gefaßt. Um der Milch- not zu steuern, hat die Gemeinde Verhandlungen angeknüpft, um Milch unmittelbar von einem Gute zu beziehen. Die VerHand- lungen haben zu einem günstigen Ergebnis geführt. Außerdem be- schloß die Gemeindevertretung den Stall der Försterei Kanne zu 'miefen und hier für 10000 M, Ziegen und Kühe einzustellen, um Milch für Säuglinge und Kranke zu beschaffen. Zur Anschaffung eines eigenen Gespanns, das der schnelleren Beförderung der Lebensmittel dienen soll, wurden 70 000 M. bewilligt und die Mittel zur laufenden Unterhaltung bereitgestellt. Weiterhin be- schloß die Gemeindevertretung, der besseren Uebersicht wegen, daS Vieh selbst zu schlachten und dann an die Fleischermeister zu verteilen. Da verschiedene Fleischer- meister in Mederschoneweide sehr schlechte Wurst geliefert halten, übernimmt die Gemeinde auch die Herstellung von Wurst in eigenem Betriebe. Die von der Gemeinde hergestellte Wurst wird da. in an die Fleischermeister verteilt.— Nach dem Muster anderer Ge- meinden soll vom 1. November ab die Verteilung der Brotmarken nicht mehr durch die Brotkommisfion, sondern im Rathauie selbst erfolgen. Eine Kommission soll fich mit der Frage beschäftige», wie b e- gabten Gemeindeschülern der Besuch höherer Schulen er- möglicht werden kann. Zu dem Zweck sollen Freistellen beschaffen werden.— Den Beamten der Gemeinde wurde nach den staatlichen Grundsätzen eine einmalige Teuerungszulage bewilligt. Friedrichsfelde. Zuckcrkundeulifte. Für die Zeit von 1. Oktober bis 31. Dezember wird eine neue Zuckerkundenliste aufgelegt werden. Anmeldungen dazu müffen in der Zeit vom 27. bis 30. September bewirkt werden. Friedrichshagen. Schulftagen. In der letzten Gemeindevertreter- fitzung zeitigten die vom Gemeindevorstand entworfenen Grundsätze für die Bewilligung von Freischule an der König-Friedrich-Schule eine längere Debatte. Bürgermeister Dr. Stiller teilte hierzu mit, daß fich die Verwaltung wiederholt damit beschäftigt babe, mehr als bisher Freischüler aufs Gymnasium zu schicken. Bisher bestand der Grundsatz, daß der dritte Knabe einer Familie schul« geldfrei war, wenn seine Brüder die Anstalt besuchten. Nach den neuen Bestimmungen soll der Grundsatz Lberbaupt auf das dritte Kind ausgedehnt werden, wobei das Privat-Lyzeum dem Gymnasium gleichgestellt werden soll, da es ebenfalls aus Gemeindemilteln unterstützt wird. Außerdem sollen beiähigte Schüler der Gemeinde- schulen und Kriegerwaijen zugelaffen werden. Gen. Barth sprach fich gegen eine all,u große Bevorzugung der höheren Schule aus und trat für die Einheitsschule ejn. Nach längerer Debatte wurde beschloffen, die Angelegenheit bis zur nächsten Sitzung zu vertagen. Inzwischen werden den Vertretern die Grundsätze für die BeWilli- gung von Freischule schriftlich zugestellt. Außerhalb der Tages- ordnung stellte Genoffe Mi eke die Anfrage, ob die Verteilung der Flugblätter in den Friedrichshagener Schulen mit Genehmigung der Schulverwaltung erfolgt sei. Die Vertretung müffe entschieden da- gegen Protest erheben, damit in Zukunft solche Fälle vermieden werden. Bürgermeister Dr. Stiller erwiderte darauf, daß weder die Schuldeputation noch das Kuratorium der König-Friedrich- Schule von der Verbreitung Kenntnis gehabt hätte und diese auch durchaus nicht billige. Inzwischen habe die vorgesetzte Behörde zu der Angelegenheit Stellung genommen und jede politische Agitalion in den Schulen verboten. Zum Schluß teilt Genoffe Mieke mit. daß die Gemeinde-Besohl- und Reparatur-Anstalt jetzt eröffnet sei und sich in der Friedrichstraße 98, vorn im Laden, befinde, Ge- öffnet ist dieselbe täglich Von 2—0 Uhr nachmittags. Die Ausgabe der erledigten Reparaturen uiw, findet jeden Mittwoch und Sonn- abend von 4—0 Uhr nachmittags statt. Soziales. Jahressiersammlmtg der Deutschen Gesellschaft für Völkerrecht. Die 2. Jahresversammlung der Deutschen Gesellschaft für Völkerrecht tagte dieser Tage in Kiel. Der Hauptpunkt der Tagesordnung betraf die Frage der Völkerrechtliche» Sicherungen der internationalen Verkehrsfreiheit in Friedenszeiten. Der erst« Berichterstatter Prof. Bernhard Harms(Kiel) stellte ein Programm für das künstige Weltverkehrsrecht auf, das die Gleichberechtigung im internationalen Wirtschaftsleben sichern soll. Redner ging hierbei von der Auffassung aus. daß dabei die Neber- gangSzeit besonders zu beachten sei, und eS außerdem zweckmäßig sei, sich auf ein Mindestprogramm, das im wesentlichen schon in den Friedensverträgen verwirklicht werden muß, zu beschränken. Er stellt hierzu fünf Thesen aus: 1. Wiederherstellung des Weltpostvereins, 2. Wiederherstellung aller übrigen ans das Versicherungs- Wesen zu Wasser und zu Lande vor dem Kriege bestandener inter- nationaler Verträge sowie des früheren internationalen Verkehrs- gewohnheitsrechtS, 3. vertragliche Anerkennung bestimmter Grund- sähe in der Gestaktung und Handhabung des Fremdeurcchts, 4. Wiederherstellung der Pariser Konvention zum Schutze des gcwerb- lichen Eigentums und der Berner Konvention zum Schutze von Werken, der Literatur und Kunst, 5. grundsätzliche und praktische Anerkennung der.offenen Tür' im Handelsverkehr. WaS soll nun geschehen, wenn die im Friedensvertrage ge- tröffe nen Vereinbarungen nicht gehalten werden; und wenn der Frieden den Weg weltwirtschaftlicher Betätigurg für die Angehörigen aller Staaten wieder freimacht: wird er auch mit Be- geisterung wieder betreten werden? Diese beiden Fragen fuhren von selbst zu der weiteren Frage, ob es nach menschlichem Ermessen möglich ist. gegen solche Unsicherheiten Rechtsgarantien zu schassen. Dieser Gedankengang führt zur Exekutive und damit zur Idee des Völkerbundes, die heute in aller Munde ist. Ob ein Völkerbund in künstigen Kriegen Sicherungen dagegen zu bieten vermag, daß die wictschaftskriegerischen Ereignisse des jetzigen Krieges stch wieder- holen, ob er die innere Kraft haben wird, künftige Kriege zu per- hindern? Redner erklärt hierzu: Ich besitze nicht die Kühnheit es zu behaupten, Wohl aber muß aus diesen Zusammenhang zwischen Friedens- und Kricgsvälkerrecht hingewiesen werden. Denn wird die kommend« Welwerkehrsgesellschaft nur auf Friedmsrech! auf- gebaut, so bleibt sie problematisch wie»orber und ist mit Risiken belastet, die ihrer Entfaltung dauernd im Wege stehen und schließ- lich aufs neue zur Katastrophe führen können. Inwieweit schon die Friedensverträge von solcher Erkernftnis Zeugnis ablegen werden, Wenn?hr Kollege, Ihre Kollegin den.Vorwärts' zum 1. Oktober rechtzeitig erhalten wollen, so ist es für sie Zeit, den folgenden Zettel auszufüllen und einzusenden. Bei Mehrbedarf tut eine Post- karte denselben Zweck. Adresse: Expedition des.Vorwärts", Berlin SW 68, Lindenstraße 3. Name Beruf-—-- Wohnort—---. Straße?--- Stock- Bei wem?____ bestellt ab 1. Oktober den„Vorwärts" zum Preise von 1,80 M. per Monat frei ins Äaus. steHt daHin. Die Hoffnung fei oder nW«ufeegeSen, Kofi Sie furW- baren Leiden dieses Krieges auch wieder den MenschheitSaedanken zur Geltung bringen werden_ Vorlesungen über Wohnungs- und Siedlungswesen. In dem Lehrplan der kürzlich gegründeten Fürst- Leopold- Akademie für Verwoltungswissenschaften in Detmold werden die Fragen des Wohnungs- und Siedlungswesens einen hervorragen- den Platz einnehmen. Mmr will die Akademie ihren Lehrplan auf durchaus wissenschaftlicher Grundlage aufbauen, doch will sie dabei auch nicht die Fühlung mit der Praxis des öffentlichen Lebens der- lieren. Deshalb hat sie auch Männer aus der Praxis als Lehrer herangezogen, so den Leiter der westfälischen Bauberatungsstelle, Ingenieur Sonnen, und den Generalsekretär des westfälischen Ver- eins zur Förderung des Kleinwohnungswesens, Direktor Vorm- brock, die in Verbindung mit namhaften Fachvertretern im Januar 1319 einen Lehrgang für Wohn- und Siedlungswesen an der Ma- demie abhalten weisen.___ Haben kriegsdiensttuende pensionierte Beamte Anspruch auf ein neues Ruhegehalt? Diese Frage hat, wie der preußische Finanzminister den Ver- waltungsbehörden mitteilt, das Reichsgericht verneint. Ein vor Ausbruch des Krieges in den Ruhestand versetzter Beamter hatte sich bei Kriegsbeginn der Heeresverwaltung zur Verfügung gestellt und vom September 1914 bis zum Mai 1916 Dienst als Offizier getan. Er beanspruchte daraufhin die Neufestsetzung seines Ruhe- Halts unter Anrechnung der Kriegsdienstzeit. Das Reichsgericht hat seinen Anspruch abgewiesen. Die Stellung des Offiziers sei nicht als eine Stellung des unmittelbaren Staatsdienstes im Sinne des Beamtenpenskmsgesetzes anzusehen. Der Offizier bezieht sein Diensteinkommen nicht vom Staate, sondern vom Reich. Nur für unmittelbare Staatsbeamte macht das Gesetz das Recht auf Pen- sirwserhöhung bei erneuter Dienstleistung von einer Mindestdienst- dauer der neuen Dienstzeit vom einem halben Jahre abhängig. Das gelte demnach nicht für Offiziere! der preußische Staat habe auch keinen Grund, seinem früheren Beamten ein höheres Ruhegehalt zu zahlen, weil dieser nachträglich dem Reiche oder einem Kam- niunalvecband usw. Dienst geleistet hat. Ein nachträglicher Mili- tävdienst des Ruhegehaltsempfängers gewährt demnach kein Recht auf Erhöhung des staatlichen Ruhegehalts. Ki'mstlersplelcst' ein Kabarett mit anschließendem Schankbe trieb, einer sog.„Diele" und einer Bar. Die Klägerin Lona B. war für das Kabarett gegen ein monatliches Gehalt von 169 M. als Schau- spielenn und Sängerin für Solo und Ensemble verpflichtet. Als sie eines Tages gemeinsam mit Kolleginnen ihr Abendbrot in der Diele einnahm, saß am Nebentisch ein Herr in Begleitung seiner Dame. Während sich die Dame auf einen Augenblick entfernte, ließ die Klägerin durch den Kellner dem ihr gänzlich fremdem Herrn ein Kärtchen überreichen, auf dein ihr Name, die Wohnung und Fernsprechanschluß stand. Die durch eine empörte Kollegin benach- richtigte Direktion verfügte auf Grund dieses Vorfalles die sofortige Entlassung. Sie begründete das vor Gericht damit, daß sie schon durch die strengen polizeilichen Vorfchristen gezwungen gewesen sei, Frl. B. ohne weiteres zu entlassen, das Unternehmen hatte sonst leicht mit Schließung rechnen müssen, wenn es die Polizei erfahren hätte. Die Klägerin habe mit der Ueberreichung der Adresse nicht nur Sitte und Anstand verletzt, sondern auch einen Gast des Unter- nehmens belästigt und beleidigt. Das Gewerbegericht verurteilte das beklagte Kabarett- unternehmen antragsgemäß zur Zahlung der Gage bis Vertrags- ablauf. Die Sängerin habe, so heißt es in der Begründung, zweifel- UM�stermm! Sie Zustellung öes„Vorwärts' A/ keine Unterbrechung erleiöet, ersuchen wir unsere Abonnenten, Sie am 1. Oktober ihre Wohnung wechseln, ihrem Speüiteur oder der tzauptexpeüition, Linöenstraße 3, jetzt schon Sie neue Wohnung mitzuteilen. vorwärts- Verlag G. m. b. ff. Genchtszeitung. Die Schmuckstücke der Exzellenz von Ihne. Wer Juwelenschmuck der Frau Exzellenz von Ihne bildete den Mittelpunkt einer Verhandlung, welche das Schöffen- gertcht Berlin-Mitte beschäftigte. Angeklagt wegen Fundunter- schlagung waren die Buchhalterin Herta H. und der Sergeant Karl H., beide aus Lichtenberg.— Der Angeklagte H., welcher in dem Halbmondlager in Wünsdors Dienst tat, hätte am LS. Juli d. I. Urlaub erhalten und hatte den dienstfreien Tag dazu benutzt, da feine Frau verreist war, mit seiner Schwägerin, der Angeklagten H., eine kleine Weinreis« zu unternehmen. Diese endete schließlich da- mit, daß beide ziemlich stark angeheitert in einer Droschke nach Lickstenburg fuhren, wo beide wohnten. In der Droschke entdeckte die H. eine mit Bindfaden verschnürte, koffeva-rtige Pappschachtel, welche unter Hallo geöffnet wurde. Zwischen Toilettengegenständen wurde allerlei Geschmeide gefunden, dessen Steine, wie sich der Angeklagt« H. vor Gericht ausdrückte, so„klobig" waren, daß beide zu der Ansicht kamen, es handle sich um den Similischmuck einer kleinen Schauspielerin. Tatsächlich handelte es sich um äußerst wertvolle mit Drillanten und Saphiren seltener Größe besetzte Schmuckstücke, Diademe, Broschen, Ohrringe, die einen Wert von 396 696 M., nach anderer Schätzung sogar von einer Million Mark hatten, die noch nicht de« vielempfohlenen Weg zur Reichsbank gesund en hatten. Außerdem befanden sich zwei wertvolle mit den Buchstaben„W" und„V" versehene Broschen, Geschenke des Kaisers und der Kaiserin Friedrich in der Papp- schachte!.— Die Schmuckstücke blieben längere Zeit verschwunden, bis schließlich die Kriminalpolizei der Sache auf die Spur kam. An demselben Tage wurde die kostbare Schachtel der Exzellenz von Ihne von der Angeklagten H. zurückgebracht.— Die Anklage behauptet, daß Fundunterschlagung vorliege. Vor Gericht bestritten die Angeklagten ganz energisch, eine Aneignungsabsicht gehabt zu haben, sie hätten nur warten wollen, bis sich der Eigentümer melden und eine Belohnung aussetzen würde. Das Gericht pflichtete der Anficht der Verteidigung bei, daß eine Aneignungsabsicht auf feiten der Angeklagten nicht vorgelegen habe und erkannte deshalb auf Freisprechung._ Die Adresckarte der Sängerin. Die Begründung einer interessanten theaterrechtliche« Eni- fcheidung des Charlottenburger Gewerbegerichts wird jetzt amtlich bekanntgegeben. Dem Rcchtsfall lag folgender Tatbestand zugrunde: Das beklagte Unternehmen betreibt unter der Bezeichnnung„R.S . — WilvHtz. Eine Beschlagnahme der Kleidung ist bisher Nicht erfolgt, insbesondere nicht für Heerespflichtige. Führen Sie Beschwerde.— Ramnr. Anspruch auf Rauchwaren besteht nicht.— Landsberg. 1. Das kommt auf das dortige Ortsstatut an, das wir nicht kennen. 2. Wenden Sie sich an das Kriegsmini itcrium.— K. 100. Wem Bedürftigkeit vorhanden ist, kann Ihnen die Löhnung bewilligt werden. Wenden vie sich an das Ersatzbataillon des Truppenteils, dem Ihr Ehemann angehört.— Star- gard, Pom. Sie können sich aus den vergleich vor dem MietSewigungs- amt berufen und brauchen nur Sh M. zu zadien.— A. B. Znr Ver- öffentlichung im Blatt eignet sich Ihr« Zuschrift nicht. Führen Sic gegen das unanständige Betragen des Borgesetzten den Kricgsvcrletzten gegen- über auf dem Dienstwege Beschwerde.— E. St. 100. Darüber find genaue Bestimmungen noch nicht getroffen. Aber die ihre aktive Dienstzeit während der Krtog�elt noch nicht hinter sich haben, müssen zunächst weiter dienen.— Eifel. Der.Betreffende mühte als Ossiziersstellverweter wieder eingezogen werden.— W. Ja. — I. K. OS. Die Zahl der Kinder befreit nicht von der Alimentation. Er kann nicht zur Heirat, aber zur Zahlung der Alimenle gezwungen werden.— Jiivalidenverstchernng. Der Versicherte trägt selbst das Vor- schulden, wenn für eine Zeit Rarken Nicht gellebt sind und er seiner An- wartschast dadurch veriustig gegangen � ist.— D. 17. S. 18. Die Teuerungszulage steht Ihnen in der Untersuchungshaft nicht zu.— — Piesteritz. Die Adresse tautet zctzt: Berlin W 35, Genthiner Str. 13. — No. 60.' 14. 7. Dir höhere Zahl bedeutet das größere Kaliber.— SS. L. 4. Zur Erörterung solcher Fragen im Brieflasten fehlt es uns an Raum und Zeit.— D. H. 100. Unter Wmnba ist das Waffen- und Mumiions-Beschafstwgs-Slmt zu verstehen.— W. 103. Bei kleineren Schiffen ist das wohl noch möglich.— G. F. 100. Wir können Ihnen kein Mittel nennen. Fragen Sie bei einem Tierschutzverein an. — W. Ad. 18. Wenn der Wohnsitz de« Versicherten Lankwitz ist, ist der Slntrag beim Versicherungsamt für den Zdreis Teltow, Berlin, Viktoriastraße IS, imtcr Einrcichung der Ausrrchmmgsbescheinigungen und der letzten Ouitwnpskartr zu stellen.— O. P. 33. Sie und die Geschwister sind nach dem Tode des Vaters alleinige Erben.— B. M. 88. 1. Der Betrieb ist amneldepstichttg. 2. Ob irgend welche Elnipniche durch die Po« lizci dagegen gemacht werden, wissen wir nicht. 8. Nein. 4. Auch das Gewerbe muß angemeldet werden.— M. L. 1. Ja. 2. Abzug von der Löhnung soll nicht erfolgen. Es müßte dagegen Beschwerde erhoben werden.— K. S. Sie müßten sich an di« Schlichtungskommission sür das Schneidergewerbe, Zimmersttahe 90, wenden.— W. W. Treptow. Sie find zur Zahlung der Kosten verpflichiet.— H. 100. Sie müßten kurz vor Ablauf des Termins Antrug aus Weitecgewährung der Rente stellen.— S. AI. S. Direkter Anspruch aas Urlaub besteht nicht. Den Mannschaften soll, soweit eS der Dienst zuläßt, alle Jahr ein Urlaub gewährt werden— G.®. 1. 1. Rem. 2. Eine Klage gegen die Eltern ist aussichtslos. 3. Die Mutter ist zur Zahlung der Schulden nicht verpflichtet. Sie könnten nur aus das Erbtest Beschlag legen. — G. B. 20. Wir halten ein solches Abkonunen, das der Vater mit dem Bruder getroffen hat, für rechtsungültig, Sie mußten sich aber wegen der Rechtsanwalt am Orte wenden.— U. 49. 1. 11 E. sind los gegen Sitte und Anstantz gehandelt, aber znr fristlosen Eni- lassung reicht der eine Fall nicht aus, zumal er sich weder im Dienst- räum noch in den Dienststunden abspielte. Von einer Beleidigung oder Belästigung des betreffenden Herrn könne keine Rede sein. Nach der Behauptung der Klägerin steht es der Direktor sogar gern, wenn die Chorsängerinnen seine Bar nach der Borstellung auffuchen. Jedenfalls sei Beklagter mit dem Aufenthalt im Barraum ein- verstanden gewesen, denn ec hatte ihnen dort ermäßigte Preise ffir den Verkehr eingeräumt. Gerade diese Vereinigung von Singspiel- halle und Schankraum habe mit Anlaß zu dem Vorfall gegeben. Der Beklagte könne solche unliebsamen Vorkommnisse vermeiden, indem er den Sängerinnen den Aufenthalt in Bar und Diele von vorn- herein untersagt._ flus alle? Welt. Zum Dresdener Eisenbahnunglück. Die Namen der Toten, deren Zahl nunmehr ans 38 g e st i e g e n ist, sind jetzt bis auf eine etwa fünfzigjährige Frau alle festgestellt worden. Die letzten drei Getöteten waren: Obergefreiter Heinrich Meyer aus Bremen, Haupt- mann Franke aus Posen und Marie Hubert, Gehilfin im Arbeitshaus Modlin(Polen). JugenSveranftaltungen. Zlrbeiter-Jugendheim. Lindenstr. 3. Morgen: Heimbefprechung. Referent: Herr D o m n i ck.— Am Sonntag, abends 7 Uhr, findet cinEinsührungSabend für di- Schulentlassenen statt. Das Programm besteht aus einem Festvortrag von Frau Wally Z e p I e r sowie aus Rezitationen, gesanglichen und musikalischen Darbietungen. Zu dieser Veraiislatung sind die an unserer Jugcndiocthe beteiligt gewesencu Schliientlaffenen nebst Eltern und Angehörigen besonders willkommen, Pankow- Schänkiauien. Morgen, abends 8 Uhr, in der„Hütte", Breite Str. IS: Vortrag des Herrn W et mann:.Der Verein Arbeiter- fügend und seine Ziele". Gäste willkommen I Sache an einen Sie zur Zahlung der Telegrammgevühren nicht verpflichiet, 2. Nein. Th. I. Es werden gewöhnlich acht Wochen gewährt. Sie werden aber, da ein direkter Anspruch aus Urlaub nicht besteht, gegen die Gewährung des kürzeren Urlaubs nichts machen können.— A. B. 4255. 1. Bis 4. Oktober abends. 2. Wahrfcheinlcch 180 Proj, erfahren Sie aber durch Nachfrage am Orte selbst. 8. Wenn Sie außer milttärischer Kontrolle stehen, brauche» Sie Ihren Wohnungswechsel nicht zu melden. 4. In Berlin ist im Arbeitsnachweis Gormannstraße eine Meldestelle, anmelden müssen Sie sich Lei dem dortigen Gemeindevorsteher. 5. Nein. 8. Nein. 7. Nein. 8. Das Einkommen der Frau wird dem steuerpflichtigen Einkommen des Mannes zugerechnet.— Laon 18. 1. Ja. 2. Abweichung der Wubeisäule. Landsturmpfltchtig.— c£. Nein. — M. Z. Ihr Einkommen sür das Vorjahr wird nicht aus die Militär zeit übertragen worden sein, sondern Sie sind für das Steuerjahr 1S18/19 zu dem jetzigen Einkommen eingeschätzt, da ein volles Jahreseinkommrn vom Vorjahre nicht vorlag. Das ist zulässtg.— B. e. 100. Ein Recht auf Bcsördcrung besteht nicht.—. Alvert III. Ihre Mutter hat keinen Anspruch aus Aufwandsentschädigung.— E. St. Die Entschädigung dafür müßten Sie von Ihrem Kommando verlangen.— I. ätö. 50. Sie müssen zunächst die Einwilligung Ihres Borgesetzten dazu einholen und, wenn Sic diese habe», bei'dem betreffenden Truppenteil um Ihre Zu- lassung ansragen.— B. H. 100. Das kommt aus den zu erwartenden Amnestieerlaß an, über dessen Umfang wir doch jetzt noch letnerlci Kenntnis haben.— G. K. 18. Sie müssen sich an das stello. Generalkommando in Königsberg i. Pr. wenden.— A. X. 18. 1. DienslMauglich, Krampsadern. 2. Ja. WasserstandSnachrichteu der LandeSattstalt fiir GewSsserkunde, mitgeteilt vom Berliner Wettcrburcau. Sriefkaften üer NeSaktwiu F. L. 78. Der Gesangenenanstansch geht unseres Wissens weiter, er Wird allerdings wiederholt Störungen erleiden.— SB. H. 323. Eine solche Verfügung Mt noch nicht erlassen.— H. P., Moabit 289. Ja. ff*«» BSetteranSstchten kar da» mittler« Skorddeutschland bi» Freitag mittag. Ziemlich kühl, zeitweise heiter,-aber sehr unbeständig, mit öster wiederholten, im Vinnenlande meist geringen, an der Küste etwas stärkeren Rcgensällen. Friedrich Wilhelm lebensveksicherungs« Miengesellschast Gegründet �S6«« BStliv W Ä* Behrenstf.S8-6� Mi einmallaer barer I. erwerben Sie s«/,Ig« Einzahlung von g 9. Kriegsanleiye norn. Dt. 5000 10000 M. St. 10000 20000 M. rn 50000 iooooo M. 100000 200000 m. durch Verwendung der Zinsen und Zinseszinsen belastungSfrel unter den jehigen Kriegsanleihe- Ledlnzungen nach 14 Zahren durch unsere neue Kriegsanleihe-Verdopplmg Mindesieinzahlung 5000 Mark* Höchsibeirag unbegrepzi Man verlange unsere Drucksachen. 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Jetzt schon? Am frühen Morgen?* .Jawoll, Frau Simon; aber bloh auf eene paar Stunden, antwortete Schäfer, ein graubärliges, kahlköpfiges Männchen, das einem Spittelinsassen sehr ähnlich sah. Gleich vielen anderen alten und auch jungen Leuten, halte er in der Kriegszeit das Aus- sehen eines Armenhäuslers angenommen. „Wohin wollen Sie denn," fragte die Witwe wieder. Sie nahm ihre Brille db und legte sie auf das Buch, in da? sie einige kleine Eintragungen gemacht hatte. Wollen Sie sich vielleicht nach was anderem umsehen?" Gefällt's Ihnen nicht bei mir V .Ganz gut gefällt's mir. Een bifzchen zu ruhig ist's ja, aber zu viel Trubel in eener Bude, das ist ooch nischt." .Wenn sich das Geschäft ivieder ein wenig bebt, werde ich ein junges Mädchen einstellen. Das kann Ihnen dann helfen beim Heften. Dann sind Sie nicht mehr ganz allein. Mit mir kann man sich nicht mehr viel erzählen. Früher bin ich anders gewesen; fc>» noch mein Mann gelebt hat und ich mich nicht um das Geschäft h«b' sorgen müsicn und—" .Kaja, früher. Ich bin ooch mal'n anderer Kerl gewesen. Heut sieht'S mir freilich keener mehr an. Aber ich will doch erst mal essen und dann gehn. Sonst schaff ich's nicht. Ich mach den Deckel nachher fertig." Er entnahm einem Tischkasten sein kleines Stullenpaket, setzte sich auf einen Schemel und begann zu essen..Heut Hab ich wieder mal Pierdewurscht auf die Stullen," sagte er..Sie schmeckt nach jar nischt." .Das glaub ich gerne," nickte Frau Simon..Aber warum wollen Sie mir denn nicht sagen," fragte sie,.was Sie vor- haben? Und wie lange wollen Sie wegbleiben? Ein paar Stunden?" „Bis auf'n Mittag bin ich wieder zurück," antwortete der Alte mit vollem Munde. Frau Simon seufzte, setzte ihre Brille wieder auf die Nase und stand aui, um aus der aiüche den Kaffee zu holen, den sie immer am Morgen und am Nachmittag für sich und ihren Arbeiter auf- brühte. Schäfer, der nicht mehr viel Zähne hatte, kaute sehr laiigsam. und als die Wi'.we mit dem Kaffee kam, schob er erst den drillen Bissen in den Mund. Einen ordenilichcn Topf voll setzte sie ibm vor. Er war ichwar z und bitter, aber gehörig heiß, und dem Alien tat's wohl, xlwas WaimsS in den Leib zu kriegen. Es fror ihn immer ein wenig. .Jetzt weih ich auch," neckte ihn die Witwe,.warum Sie frisch rasiert sind." .Sie sind aber jut," lachte der Alte..Allens sehn Sie." Die Wilwe ging wieder an ihren Schreibtisch und begann auch zu frühstücken. Sie atz fast ebenio langsam wie ihr Arbeiter. Ab und zu lehnte sie sich zurück in ihrem Lederfauteuil und schlox die kieinen graublauen Augen. Nachdem Schäfer seine Stulle verlnackt und den Topf bis auf den Grund geleert hatte, zog er sich seine Stiefel an, band die Schürze ab und machte sich fertig zum Gehn..Also auf'm Mittag," sagte er,.biu ich dicke wieder zurück." .Wenn Sie mir doch blotz sagen wollten, was Sie so Wichtiges vorbaben. Ich bin nicht neugierig, möcht aber doch gern wissen, wozu Sie Ihren guten Rock angezogen haben." .Was heitzt jutsn Rock," lächelte er..Jut ist'r nicht mehr. ober eS ist der beste, den ich Hab'. Na und wenn Sie durchaus wissen wollen, was ich vorhabe—. Schön! Dann will ich's Ihnen sagen. Nach der Bahn will ich gehn. Meinen Jüngsten erwarten. Der kommt heute auf Urlaub." »Also kommt er doch?" /_ .Ja. Auf sechs Tage. Das ist nicht viel, aber die Hauptsache ist. daß wir ihn noch mal zu sehen kriegen, eh' er rauslommt an die Front. Gestern abend ist eine Depesche von ihm gekommen. Wir haben die Nacht nicht schlafen können vor Freude." .Das glaub' ich Ihnen. Aber warum wollten Sie mir denn nicht lagen, was Sie vorhaben?" Ein Weilchen blickte der Alte zur Seite und zupfte an seinem altmodischen Rock. Wie ein Kind stand er da, das nicht lügen will, und die Wahrheit zu sagen, fich ängstigt und scheut.„Ich dachte !o»z. "] Das gelobte Lanü. Roman von W. St. Reymont. .Herr Steimann," sagte der Bmikier familiär..Setzen Sie sich, Sie sind müde." .Ich danke. Herr Rat, ich muß gleich wieder weg. ich habe einen Haufen Arbeit." „Sie wird Ihnen nicht weglaufen. Setzen Sie sich. Ich sag' Ihnen was. Warten die da sehr auf die Gratifikation?" „Sie haben sie sich redlich verdient." .Das weiß ich, was brauchen Sie mir das zu sagen?" „Verzeihung. Herr Rat, ich bitte Sie um Entschuldigung," flüsterte er, sich demütig und schüchtern verneigend. „Wir wollen mal freundschaftlich reden. WaS könnte ich geben?" .Das werden der Herr Rat schon selbst entscheiden können." „Also angenommen, ich gebe tausend Rubel, mehr kann ich nicht. Wir werden das Jahr mft großem Verlust ab- schließen, das sehe ich schon." .Bis jetzt haben wir einen doppelten Umsatz, im Ver- gleich zum vorigen Jahr." „Still, wenn ich sage mit Verlust, dann ist eS so. Also angenommen die runde Ziffer von tausend Rubel. Wieviel Leute haben wir im Kontor?" „Wir sind fünfzehn." „Wie viele in der Filiale?" „Fünf." „Zusammen also zwanzig Personen. Was kann jeder von diesem Geld kriegen? Etliche dreißig bis fünfzig Rubel, weil man doch einen gewissen Prozentsatz für die Strafen abziehen muß. Jetzt frage ich Sie, was hat jeder von dieser kleinen Summe? Was kann sie ihm nützen?" „Bei den kleinen Gehältern, die bei uns üblich sind, würden auch diese paar Rubel sehr angenehm sein." „Dumm sind Sie, und Sie verslehn nicht zu rechnen I" Pj ichrie Großglück zornig und begann rasch im Zimmer auf und ab zu gehen.„Wir werfen das Geld in den Treck, wenn wir es so verteilen. Ich werde Ihnen gleich sagen, was mit dem Gelde gemacht wird. Sie werden es in der Lotterie anlegen. Sie spielen, das weiß ich. Perlmann kauft sich einen neuen Anzug, um den Webermädels zu ge- fallen. Blumenseld kaust sich blöde Musikstücke, kugelmann nämlich," begann er zögernd,.daß es Ihnen weh wn könnte, wenn Sie hören, daß mein Junge auf Urlaub kommt, wo doch Ihrer damals keen mehr gekriegt hat." „Das war gut gemeint von Ihnen. Freilich, weh tut's mir schon, wenn ich daran erinnert werde. Aber darüber, daß Ihrer auf Urlaub kommt, kann ich mich doch nur freuen. Hoffentlich hat er Glück dravßen. Zwanzig lvär meiner im nächsten Monat alt geworden. Sie schüttelte den Kopf, der im dritten Kriegsjahr vollends weiß geworden war. „Jaja," seufzte der Arbeiter,.eS ist das schon eine Not. Man hat nicht Gutes auf die allen Tage. Die Kinder werden einem ge- nommen, eins nach dem andern, man muß wieder arbeiten gehn und hungern muß man obendrein." .Das ist wabc. Machen Sie nun aber, daß Sie zur Bahn kommen. Wann trifft denn der Zug ein?" „Een paar Minuten nach elf." „Und da wollen Sie mittags schon wieder hier sein?" „Naja." .Bringen Sie denn Ihren Sohn nicht nach Hause?" „Nee. Zu viel Zeit darf ich mir nicht versäumen. So dicke Hab ich's nicht. Ich will nur auf dem Bahnhos sein, wenn er an- kommt." „Sie müssen ihn nach Hause bringen und dürfen heute nicht wieder kommen. Ich werde Ihnen keinen Pfennig abziehn für ver- säumte Zeit." „Das ist aber nett von Ihnen," freute fich der Alte und er« griff die Hand der Witwe. Sie ließ sie gerne drücken. Und dann schob sie den Alten zur Tür hinaus.„Los," sagte fie,.sonst schaffen Sie's nicht. Und grüßen Sie Ihren Jungen von mir." Der Alte ging, und voll freudiger Erwartung begann ibm daS Herz im Leibe zu klopfen. Die Witwe aber wankte in ein Zimmer, darin auf einem Nachttisch das Bild eines jungen, bartlosen Studiosus stand. Sie nahm es in beide Hände und drückte eS an ihr Gesicht, das naß war von Tränen. _ Joseph Adler. DerMrüstungsgeöanke in öerGestbichte. Der Gedanke der Abrüstung wird gegenwärtig im Zusammen- bang mit den Plänen über eine Neugestaltung der völkerrechtlichen Beziehungen beim Friedensschluß viel erörtert. Er gehört geschicht- lrch zu den jüngsten Gesichlspunkren. die von den Friedensfreunden vorgebracht sind; er konnte ja erst bervortreten, als mit der Durch- führung der allgemeinen Wehrpflicht die stehenden Heere außer- ordenrlich erhöht worden waren und die Völker selbst in Waffen standen. So lange es keine siehenden Heere gab, war ja die„Ab- riistung" nach Friedensschluß elwas Natürliches, und im 16. und 17. Jahrhunderl pflegte man nach Beendigung der Kriege beider- seitig„abzudanken", d. h. die Heere zu entlassen. In, 19. Jahr« hundert aber bildeten die stehenden Heere die Grundlage für die militärische Erziehung des ganzen Volkes und sind so zu einem organischen Faktor geworden. Deshalb mnßke die Idee der Abrüstung als besonders kühn und schwierig erscheinen. Zuerst trat mit diesem Vorschlag 1856 nach dem Krimkrieg der Franzose Patrice Larroque in seinen, Werk„Der Krieg und die stehenden Heere" hervor; er erklärte eS für einen großen Fehler, daß man nicht schon bei», Zusammenbruch der Macht Napoleons I. die Heere abgeschafft habe, und forderte nun die Durchführung dieses damals Versäumten. Drei Jahre später setzte sich der be- kannte Schriftsteller Enrile de Girardin für die.europäische Entwaffnung" ein und gab das Schlagwort aus:„Kein Feuer ohne Brennmaterial, kein Krieg ohne Armee!", eine Phrase, die logisch recht anfechtbar ist, aber weithin wirkte. Noch drei Jahre vor dem deutsch-sranzösischen Kriege wurde die allgemeine Entwaffnung der Völker wieder viel erörtert. Es hatte fich unterdessen in Paris eine „Liga der Entwaffnung" gebildet, und ihre Forderungen wurden von führenden deutschen Männern aufgenommen. Arnold Rüge verlangte, daß Frankreich mit der Abrüstung vorangehe, während Schulze-Delitzsch riet, man möge zunächst in den Parlamenten der verschiedenen Länder Anhänger für den Gedanken gewinnen. So trat denn am 21. Oktober 1869 Rudolf V i r ch o w im Norddeutschen Bund mit dem Antrage bervor,.durch diplomatische Ber- Handlungen eine allgemeine Abrüstung herbeizuführen". Der An- trag wurde mit überwältigender Mehrheit abgelehnt. Während des deutsch-franzöfischen Krieges stockte die Bewegung, aber schon zwei Jabre nach dem Frankfurter Frieden veröffenilichte die im Haag versammelte„Gesellschaft für Reform und Kodifikation des Völkerrechtes" eine Erklärung, daß eS die Pflicht der Regie- kauft seiner Frau einen Frühjahrshut, Schulz verjubelt's mit den Chansonetten, Wilezek, na, das ist der einzige, der es nicht verschleudert. Er leiht's jemand gegen hohe Zinsen. Und die übrigen? Die vergeuden's alle Ms zum letzten Groschen. Und ich soll mein Geld zum Verschleudern geben? Ich kann das nicht machen als anständiger Bürgerl" rief er, sich in die Brust schlagend. Steimann lächelte ironisch. Der Bankier merkte es, setzte sich an sewen Schreibtisch und rief: „Na, übrigens, was soll ich da viel reden; ich mag nicht und ich geb's auch nicht. Für dieses Geld kauf ich mir eine schöne Einrichtung sürs Eßzimmer. Die Herren werden das Vergnügen haben, in der Stadt zu erzählen: unser Chef. Herr Großglück, hat eine neue Eßzimmereinrichtung für tausend Rubel. Das macht sich gut!" sagte er und lachte bösartig. Steimann blickte ihn mit seinen von der Arbeit ver- blaßten und geröteten Augen lange an, bis der Bankier sich unruhig umwandte, ein paarmal daS Zimmer durchmaß und sagte: „Na also, ich gebe die Gratifikation. Ich gebe sie schon. Sie sollen sehen, ich weiß die Arbeit zu schätzen." Er begann rasch die Papierhaufen in der Kaste zu durch- wühlen, zog schließlich ein Paket vergilbter Wechsel heraus und sah sie aufmerksam durch. „Hier sind Wechsel auf eintaufendfünfhundert Rubel, Herr Steimann." „Von der Firma Wassermann u. Co., die sind auS- gerechnet einen ganzen Groschen wert," sagte Steimann. die Wechsel musternd. „Das ist doch nicht sicher. Sie wisten, daß die Firma in Liquidation ist. sie kann noch mal auf die Beine kommen und wird dann zahlen hundert für hundert." „Wenn sie fünf für hundert zahlen täten I Aber die zahlen doch keinen Groschen." „Sie haben nun die Wechsel und ich wünsche Ihnen, daß Sie aus der Firma hundertsünfzig für hundert rauspresten. Ich werde die Wechsel gleich auf Sie zedieren." „Ich danke Ihnen, Herr Rat," flüsterte Steimann leise und tvollte sich entfernen. „Nehmen Sie doch Ihre Wechsel mit." „Wir haben genug Papier im Kontor." Er nahm jedoch die Wechsel und ging hinaus. Der Bankier begann zu arbeiten, er nahm vor allem rungen sei, über die Verminderung der Rüstungen in Verhand- lungen zu treten, und daS britische UnterbauS nahm gleichzeitig einen derartigen Vorschlag an. Im Jahre 1876 kam der Abrüstungs- gedanke im österreichischen Parlament zur Verhandlung, und 1879, zehn Jahre nach Virchows Abrüstungsantrage, brachte der Abgeord- nete von B ü h l e r im Deutschen Reichstage wiederum den Antrag ein,„der Reichstag wolle beschließen, einen europäischen Staatenkonkongreß zum Zweck der Herbeiführung einer wirk- samen allgemeinen Abrültung etwa aus die durchschnittliche Hälfte der gegenwärtigen Friedensstärke der europäischen Heere für die Dauer von 19— 16 Jahren zu veranlassen." Der Antrag wurde abgelehnt, und Bismarck äußerte sich damals in inreressanter Weise zu dem Plane. Er sagt in einem Briefe an Bühler vom 2. Mai 1879:„Ich bin leider durch die praktischen und dringlichen Geschäfte der Gegenwart so in Anspruch genommen, daß ich mich mit der Möglichkeit einer Zukunft nicht befassen kann, die. wie ich fürchte, wir beide nicht erleben werden. Erst nachdem es Ihnen ge- lungen sein wird, unsere Nachbarn für Ihre Pläne zu gewinnen. könnte ich oder ein anderer deutscher Kanzler für unser stel« defensives Vaterland die Verantwortlichkeit für analoge Anregungen übernehmen. Aber auch dann fürchte ich, daß die gegenseitige Kontrolle der Völker über den Rüstungszustand der Nachbarn schwierig und unsicher bleiben und daß ein Forum, welches fie wirksam handhaben könnte, schwer zu beschaffen sein wird." Bismarck ist in dieser Kritik dem Fehler aller Realpolitiker verfallen, die Tragweite und Zukunft der Idee unterschätzt zu haben. Ideen können freilich erst Wirklichkeit werden, wenn genügend starke Volkskräfte dahinter stehen. Dieser Moment scheint jetzt für den Abrüstungsgedanken gekommen zu sein, der seine Volkstümlichkeit und Massenbeherrschung der sozialistischen Propaganda verdankt. Die letzten Uhus. Zu den in Deutschland leider bis haut cm die Grenze des völligen Aussterbens abgeschossenen Vögeln gehört neben Fischreiher, Flamingo und Kormoran auch die größte aller Eulenarten, der Uhu. Schon im Anfange des 19. Jahrhunderts wurde festgestellt, daß der Uhu in vielen Gegenden Deutschlands ausgerottet war, nur im bayrischen Hochgebirge, im berühmten Elchrevier Jbenhorst lim Memeldelw) und längs der polnischen Grenze trat der große Nacht- vaubvogel noch häufig aus. doch wurden in Bayern 1963 auch nur noch etwa 10 Uhus nachgewiesen. In Böhmen wurden 1858 noch an 266 Uhus erlegt, doch ist auch dort der Bestand zurückgegangen. Im schlesischen Gebirge ist der Uhu nur noch in der Umgegend von Landeshut in einigen wenigen Exemplaren vorhanden, wenn diese nicht etwa während des Krieges stillschweigend weggeknallt worden sind. Um so bemerkenswerter ist es, daß nach zahlreichen ver- bürgten Beobachtungen der Uhu in den weiten Waldgebieten von Polen, Kurland und Samogatien noch in größerer Zahl vorhanden ist. Seine Horste wurden sowohl in der Gegend von Suwalki und Grodno wie auch an der Bzura und am Bug sowie an anderen Orten festgestellt und selbstredend auch geschont. Wenn in Deutsch- land selbst wieder gewürdigt wird, was unsere Waldesromantik ver- locen hat, indem der Vogel rücksichtslos abgeschossen wurde, � so ist immerhin einige Aussicht, daß sich seine kleine Anzahl bei geeigneter Naturschutzgesetzgebung wieder vermehrt. i Notizen. — Di« Kommissarin für Theaterwesen. Die Schauspielerin M. F. Andrejewa, die Gattin von M. Gorki, hat die Leitung der Petrograder Staatstheater übernommen und wurde zum Kommissar für Theaterwesen ernannt. — DaS Zentralin st itut für Erziehung und Unterricht veranstaltet vom Mondag, den 36. Sept., bis Sonn- abend, den 5. Okt., in Berlin eine Pädagogische Herbstwoche, bei der 14 Vorlesungen und Einzelvovträge über Erziehungslehrc, Schulwesen und Unterricht albgehalten werden. Anfragen sind an die Geschäftsstelle zu richten. Das Verzeichnis über die Herbst-. Woche und das Wer sämtliche Vercmstalltungen des Instituts während des Winters ist erschienen. Preis 36 Pf. — Prof. G. Gaffky, ein bekannter Schüler Robert Kochs und sein Nachfolger als Direktor des Instituts für Jnfektionskvank- heiten in Berlin, ist im 69. Lebensjahre in Hannover gestorben. — Fünf Jahre im Polargebiet. Nach fünfjähriger Abwesenheit ist der Polarforscher Stefanffon nach Vancouver(Brit. Columbia) zurückgekehrt. Er hat eine neue Insel, so groß wie Irland, entdeckt und erforscht. In einer Kolonie von 1666 Eskimos fand er 1 Proz. mit hellen Haaren und Augen. Einer seiner Mit- arbeiter sührt Stesanssons Pläne im hohen Nord mit vier Mann weiter durch. das Kassabuch vor, strich die Ueberschrift„Gratifikation" durch und trug unten die Summe eintausendsünfhundert als aus- bezahlt ein. Nach dieser Operation lächelte er lange und glättete selbst- gefällig seinen Backenbart. Bald erschien im Arbeitszimmer des Bankiers ein sehr eleganter Jude. Hoch, schlank, einen goldenen Kneifer auf der krummen Nase, mit einem kleinen, rötlichen Spitzbart. Durch sein Haar, das sich wie Wolle kräuselte, war ein gerader Scheitel gezogen. Seine olivgrünen Augen flattern unruhig von einem Gegenstand zum anderen. Beständig fuhr er mit seiner Zunge über seine wulstigen, aufgesprungenen, blau- roten Lippen und verzog sie verächtlich. Es war Klein, ein naher Vetter des Bankiers mtd sein Vertrauter. Er kam so leise herein, daß der Bankier es gar nicht merkte. Er spähte im Zimmer herum, warf seine Handschuhe auf einen Fauteuil, seinen Hut auf einen Stuhl und ließ sich lässig auf der Ottomane nieder. „Wie geht's dir, Alter?" brummte er und steckte sich eine Zigarette an. „Mir geht's gut. Aber, du, Bronek, hast mich erschreckt. Man kommt doch nicht so leise rein." „Das wird dir nicht schlecht bekommen." „Was gibt's Neues." „Viel, sehr viel. Fischbein hat heute ausgeatmet." „Wohl bekomm's! Was war daS, Fischbein? Das war ein Musikant, der auf zehn Instrumenten spielte,— mit dem Kopf, mit die Ellenbogen, mit die Knie, mit die Hände und Beine. Was ist das für ein Geschäft? Der eine ließ ihn zehn Rubel verdienen, der andere warf ihn raus I" „Man sagt, daß diese Woche Goldberg wird nötig haben abzubrennen," flüsterte Klein leise. „So ein Unglück schadet auch dem Reichsten nicht." „Was hört man von Motl?" „Du. red' nicht von ihm, das ist ein Lump, das ist ein Dieb, ein Pleitemacher, er will zahlen dreißig Prozent!" „Er muß doch auch leben." „Du bist ein Dummkopf, Bronek. Lache nicht, wenn ich verliere an die dreitausend Rubel." „So viel braucht er grab, um zu heiraten, ha, ha. ha!" Er begann zu lachen, und im Arbeitszimmer auf und ab gehend, warf er neugierige Blicke ins Innere der geöffneten Kasse.(Forts, folgt.) Direktion Max Reinliardt. Deutsches Theater. 7 Dhr: Jfnrla Stuart. ixeitag 7 Uhr: Othello. Kajnmernpiele. 7ll, Uhr: Getpenstertonate. rreit. y'/jS Kiniier der Freude, Kleines Schauspielhaus. Fasonenstraße 1, Portal B, 7V, Uhr; Arbelt._ Volksbühne Theater am Bülowplati Direktion Friedrich Kayßler. 7-/, Uhr: Merlin. Dir. C. Meinhard— R. Bernauer. Thealsr �KöniggrätzerStr, 71/, Uhr: Hauch im All. Komödlenhaus 'Iß: Der Schrittmacher BerSäner Theater 7I,U.; Blttablaaes Blut. Casino-Theater. Lothringer Ztr. 37. Tägl.'Iß U.: Der«tue Schlager Berimer Posse in 3 Akten. Porher erst«. Dvezialitöten. U.a.: Grete Linda Menschenaffen. Sonnt. 8l(,; Ein fideles Huhn. Tlieater der Friedrielistailt. Ecke Friedrich- a. Linienstr 7-,. Uhr. Tägl.: Nord. 8650. Kaiserplatz 3, 1 Tr. Ein lust. Stück m. Musik v. Lauts. v. Möllendorff, Georg, L. Holme. tfonntag 3'/, Uhr: Jugend. National-Theater. '/,8 Cöpenicker Str. 63.'Iß Der grolle Ps�inzenlielse. Musik von Walter Bromme. Bountag 31/,: 3lÄa»ehen. Rose-Theater. 7'/, Uhr: W MüPttllWS. Irianon-Iheeter Bhf. Friediiohetr.2itr.4g27.23Sl Heute 8 Uhr suin 397. Male: Der I.ebensechttlcr. Sonnab.'1,4 Uhr, kl. Preise: Schneewittchen. Sonntag1/, 4 Uhr. kl. Preise: Jfohannisfcner. Allabendlich: Lebensschlller. Friedriohstr. 218 Dir.: James Klein. j 7'!, Sonnt. 31/, u. 7'/. j tücptember- fSenaationen! iSherloch llolmee der mexikanische Ausbrecherkönig. lieb. Porzellan, Kita Bclmonte, die span. Schönheit, und weitere Bensat. Vorverkauf an der| Tagesk. 10— 6 Uhr. Sonnt 3'/, Uhr jeder | Erwachs. 1 Kind frei!| Ädmiralspalast Die Prinzessin von Tragant. Wer ist die Schönste? Kajdati. 7-,. Uhr. KD80K Lichtspiele Berlin O, 28 Große FraDklürteF Str. 28 a. d. Andreaaztraße Bio Glocke Mit großem Gesang. Maria Fein Kaiser Titz im Drama S)as Sdelwild. Anfang 5 Uhr. lOWWÜMMMt Theater für Donnerstag, 26. Sept. Neues Operetfenhaus Central-Theater ch': ßie Esse m Stalml. Oentaches Operniiau« 7�- Martha. Friedrieh- Wilhel mst. Theater vi, uhr: Haonerl. Kleines Theater zv. uhr: Der Einsame. Komletche Oper lotT.-:" Stg. S'lfTJ.: Schwarrwaldmädel. V/t Uhr: linstsplelhams - de spapMe Fliege. Metropol-Theater u�Dle Fasehingsiee T'/jUhr: vss sGOs Mädel. Stg. 3'/,: Der Soldat der Marie. Kezldena-Thceter tu uhr: Der jlülge Zar. Mchiller-Th. Chart. uli'.. Plarrervoii MM. Thalia Theater u�lBterieriililiesülfinUnile Theater am Noliendorlplatz 7 Uhr: Theater des Westens u7�': Die lustige Witwe mit Guido Thieisoher. Wallner-Theater 7«/. uhr: Eral BalieiucKs. Stg. S't, Uhr: Frühlingsluft Palast-Theater m£Der Strato Fiselizag. Theater am Kottbuser Tor 1 Kottbuser Str. 6. Leitung: Ferdinand Wagner. Täglich VI, Uhr: Neue Kunst im neuen Rahmen."HM Die große Variet�sSchau J Originalentwürfe d. Bühner.dekoration. v. Heinrich Zille. Stralauer Fischzug. Alt-Berliner Weihnachtsmarkt. Kaechemme usw. i Texte v. Hermann Frey. Musik v. Franz Schmidt-Hagen. I Persönliches Auftreten v. Anna Ditllcr Dlnchc. Ferner: Willi Ldlle, Hugo Ronssell, Königl, Niederl. Hofballottmstr. Otto Jaekel mit seinem Ballett-Ensemble sowie erstklassige Schaunummern . Licht- und Wassereßekte Willi Hagedorn. Vorverkauf bei A. W e r t h e i m und an der Tages- hasse von 10'/,— l'f« Uhr und ab 5 Uhr. Rönnen zu Berlin-Grunewald Berliner Ben n Verein Donnerstag, den 26. September 1918, nachm. 2 Uhr 1 7 Rennen 1. Werte V. 110 OOO M., darunter: I KinosenrnRennen: 30 000 M. Quirl'Ausgleich: 16 000 M. Dalberg»Rennen: 12 000 M, Stadtbahn. Untergrundbahn bia Reichtkanzierplatz, Straßenbahn D und U bia Bahnhof Heerstraße, R und P bis Spandauer Bock. JBilidb, " Tägl. T1/,. Sonnt. 3'/, u. 7'/,' Das groBartige Programm. Zum Schluß: Oberon. 9asser-S°.' in 5 Akten Daraus besonders hervorzuheben: Tanz der Elfen auf den Wasserrosen. Walhalla-Theater. ?'„ Uhr: Donauliebchen. Reiclisiiallen-Ttieater. Allabendlich 71/, Uhr und Sonntag nachmittags 3 Uhr: jeder Art preiswert CiroBe Anawahl Möbel-Lechner BE11L1X Brunnenstraße 7. I Nähe Kosenthaler Platz, j Teilzahlung gestattet.*( Gibt es eine Auferstehung der Tofen? Gibt es einen Gott? Diese höchst aktuellen, viel besprochenen Fragen behandelt die soeben erschienene Broschüre: Gibt e» einen Gott oder gibt e» keinen? Zwei tiefgründige Schriften, für jedermann lesenswert. Versand erfolgt per Nachn. v. M. 1,10 franko v.Verlage: Karl Schulze. ÄlÄl' Bekanntmachung. BMiw m Mloolg. Gemäß§ S her Beiordnung des Magistrats Berlin über Lebensmittelkarten vom 18. Oktober ISIS wird sür den Ge- mewdebezirk der Stadt verlw bestimmt: I. Aus Abschnitt Nr. 67 der Groß-Deriwer Lebensmittelkarte mit Skusdruck»Stadt verlin' ist'/, Psund Kunsthonig abzu- geben. II. Die Preise sür Kunsthonig betragen: 37 Ps. sür'/.Pmnb j � 75 1 üt fertigen Psundpackungen. m Der BestcUabscknIit Nr. 67 der Groß. Berliner Lebensmittel- karte mit Auldruck.Stadt Berlin' hark nur tu demjenigen Geschäft, in dem der Verbraucher zum Zucterbczug in das Kundenverzetchnis eingetragen ist, gegen Sibstempeiung des EmpsangSabschnittes abgeiiesert werden, und zwar in der Zeit vom Freitag, den S7. September 1018, bis Montag, den SO. September 1018 einschl. Nachträgliche Anmeldungen find nicht zuläsfig. IV. Jeder Kleinhändler ist verpflichtet, sobald er die Ware zur Stelle hat, den Verkäussbegimi durch Anschlag anzuzeigen. Der Käufer ist verpflichtet, bei der Entnahme des Kunsthonigs den EmpsangSabschnitt vorzulegen? der Vertäuser hat den EmpsangSabjchnitt abzuschneiden und an fich zu nehmen. V. Die Kleinhändler haben die von ihnen angenommenen Beftellabschnitte an den Giohhändler, von dem fi« den Kunst- bonig bezichen, entweder durch Bote« oder ringeschrtebeue» Brief abzuliefern, und zwar bis Mittwoch, den 2. Oktober 1018. Die Ueberlendung durch gewöhnliche« Brief ist uu- zuläsfig. Der Großhändler hat die Abschnitte sofort an dl« Zucker- Znieliungs> Gesellschaft weiterzugeben! von dieser find die tlbschnitle bis zum Donnerstag, de» 10. Oktober 1018 der Zuckerversorgungsstelle Berlin einzmeichen. Berlin, den LS. September 1918. Magistrat der Königl. Kaapt- nud Kestdeazstadt. Zuckerversorgungsstelle. 2740 Zu. 18. Dr. Reimann. Bekanntmachung. § i- Der Preis für ein Pfund Speisekartoffeln der Ernte 1918, die zum Verbrauch sür die Zeit vom 7. Oftober 1918 an be- stimmt sind, und aus den Abschnitt 41 der Kartoffcltarte vertritt werden, darf 10 Pfennig nicht übersteigen. i L AI» Kleinhandel im Sinne dieser Verordnung gilt der un. mittelbare Verlaus an den Verbraucher, sobald er nicht mehr als SOG Kilogramm zum Gegenstand haL S 3. Zuwiderhandlungen werden mit Gesänani« Iis zu einem Jabre und mit Geldstrafe bis zu 10000,— Mark oder mit«wer dieser Gtrajen bestraft. Diese Verordnung tritt unt der Verkündung in Kraft. Berlin, den 24. September 1918. Magistrat der König!. Kanpt- und Kestdtvzstadt. Wermuth. J..Nr. 1001. Kart. 18. jffnkmmjmjuaovji z„„ jOLh XM ¥ m JütM mßAA ■uooaLtnr>»oooconr ßilWWel Hl MlMHM Baumann, Berechnungen über das Gewinde« j| schneiden............. . Dworzak, Grundzüge der Kräierei..... — Grundzüge der Dreherei..... \ GaiSberg, Herstellen und Instand halten elektrischer z Kraftanlagen......,•• 3— Taschenbuch für Monteure elektrischer Beleuchtungsanlagen. �.... i Graes, fi., Kurzer Abriß der Elektrizität... DaS ALL wtsienschafllicher BetrtebSführung 'Eine Darstellung des Tahlorsystemsl HaaS, Der Metallarbeiter, ein Hills« und Nach« Ischlagebuch sür Dreher und Schlofier... Hammel, Wertstattwinke für den gesamten Maschinenbau............ Jurihe-Nitschc, Die Fräserei._...« Krause. Kurzer Leitfaden der Elektrotechnu für ' Unterricht u. Praxis in allgemeinverständlicher Darstellung......-•••••• Lehrgang zur Ermittelung der Wechselrader bei Ganz«, Millimeter- und Modulgewmden.. Lippmaun, Hilfsbuch für Dreher...... Loß, Handbuch der Dreherei•-»•-•.» i9t:oitbprer Proipklf über bleicS Buch lostenfrel) MüSer-Freund, Gewindeschneiden. Ein praktt'ches Hilfsbuch für Dreher..... v•••• Ostrowskq, Lehrbuch für Dreherei und Werkstatt Ritter, Taschenbuch sür Dreher und Schlosser. Schön, Schule dcS WerlzeugmacherS.. Schuchhardt-Schütte, TcchniicheS HUfSbrich.. Schwenn, Der moderne Metallarbeiter, Ratgeber für Dreher. Schlofier und Maschinenbauer i.- 1.75 1,60 8,80 4.80 8,- 3,40 8,60 B,- 18,06 8,80 2,- 4,40 0,86 8.40 8,80 4,25 6,36 4,- 6,50 Zu beziehest gegen vorherige Einsendung od« Nach« nähme de« Bettage« von der cioäenltk. Z l Austräg'ermxieii für den„Vorwärts" werden eingestellt in folgenden Filialen ßoplitl' Prinzenstr. 31. Marlrusstr. 36 DClllll. Petersburger Platz 4. Lausitzer Platz 14/15. Immanuelirirchstr. 12. Acker- straße 174. Lindenstr. 3. Greifenhagenor Straße 22. Wilhelmshavener Straße 48. Blumenthalstr. 8, Hol pari., Btolpmann. SellSneberg' Ueiningei Straße 9. Chäf lOttCSlliUrS» Seaenheimer Str. 1. Sieglitz'• Hemsse. Mommsenstr. 59. Meldezeit von 11 bis VI, Wllmersilorf: Wilhelmsaue 27 ---- w... bei Schubert i�6U[(Ö{iO* Siegfried-Str. 28/29. Ober-Scliöneweide: ÄÄ"' Psllronhapn* Salzmann, Garteustadtr rai!kCilUcri)ch str. 10, für Alfe-Gliemoke. ücfüenberg;>•. , FreptUW I Gramenz, Kiefholastr. 41S. Uhr und 4ll, bis 7 Uhr. Handwagen nur gute, bis 8 Zentner tragfähig, größter Lieferant JKetmr/sSs:*: Zipirtn»ri Zlgartttm lausen und erbitten Offerte engeimann& Co., WllmeradoH, Thatandtrrftr. 5. 220/3 Zahngebisse, Platin. Gr. 7.80.» a u f t' l'rnri Wagneir, Kaiserftr. 18 I(Alexanderplatz) Roßmrst.Mt,80, verlaust, ioweit Vorrat, 115/1 F»ohtle»l, Bafferi orstr. 85. Am 23. d. SWtt., nachmittags 5 Uhr, verstard I nach schwerem Leiden mein| lieber Mann, der Zimmer- mann ISöSl I im Aller von 77 Jahren. Die» zeigt tiesbetrübt an Wilstelmine Franz, Ravensstr. 7. Ate Beerdigung findet ifreitug. den 27. September, um 4'/, Uhr nachmittags. aus dein Danieslirchhos, Zteüiickendors-West. statt. S- Am 4. September fiel am Geschütz unser lieber Kamerad. der Kanonier Hans Buek. Er bleibt uns unvergessen als tapferer Soldat und guter Kamerad. 2lLüL Um Namen ewer Fuß- attillerie-Baiierie iiolbe, Lt. d. Res. u. Balt.-Fübrer. Lpesiswrzt ~ Dr. med. Ke.eben für Geachleohtakrankhalten, Haut-, Harn-, Frauenleiden, nervSa. Schwäche, Bein- kranke. Behandlung schnell,sioher u. schmerzlos ohne Bemfsetönmg in Dr. Homeyer dt Co. konz.lÄbor. f. Blutunters.. Fäden im Harn usw. FfjMdZv'.SI.KkoA genüber , Kathaus. Spr. 10-1 u. 6-8, Sonnt. 10-1. Honorar mäslg, a. Teilzahl. Separate* Damenzimmer. Spezialarzt Dr. med. Baachs, FrladrlcUstr.gOÄchnh, «ebanöL vonSyphiltS, Hau». Hani«, Frauenleiden, fpez.: chron. Fälle. Echmerzwie, kürzeste Behandlg. ebne BerufSstörung. Blutunferfuchung.»!ätz. Breill Teilzahlung. Sprechstunden II bis! und 5—8 Sonn: it— 1. rat- und Suppenhühner, Lebende Dttlchziegen, Fette Kautuchen u. Taube« empfiehll besonders vreiswert Scbmld« vorm. �Tauche. Plan-User 21, am Hallesch. 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Die SinSicherung findet am Sonnabend den 28.Iev- lember, nachmittags 4 Uhr. :m Krematorium, Gericht- (trage 87/38, statt. Ilm rege Beteiligung ersucht Dia OrUveiwaltung. Zum schmerzlichen I Gesenken derSterbe-! tage unserer lieben l Gefallenen Söhne.! Brüder, Schwager und Onkel.' der Landwebrmann, Buchdrucker Willi i�ickter ges. am 26. 9. 1917, der Landiiurmmann, Buchdrucker L�lllcl Vcktef ges. am 2. 10. 1916. Gewidmet von ihren uniräfl- lichen Eltern, Schwester, Schwager und Richten. Berlin, vlücherstt. 67. Barum ist da» Leben so leer— io schwer 7— Die in grauer Dämmrunx gehn wir einher,— Wir saflen suchend an unsere Stirn,— Grübeln, zerguälen unser fieberndes Hirn. Dir vermeinen zu vergeben in Leid und Rot. Meine Söhne, meine einzigen warum seid ihr tot? Und fallen auch»tele w blutiger Schlacht, Warum hat die Kusel den Tod euch gebracht?— Darum trifft der Blitz die Eichen, die starken? Darum nicht die Stämme mst morschem Mark? Warum ist, was jung, dem Tode geweiht? Darum lebt noch lang, was zum Tode bereit? Fragen und Klagen werden nie stumm. Und immer tönt's wieder: warum, ach, warum? Ach, könnte ich noch einmal meine Jungen sehn I Denn keine Träne schmerz- licher rinnt, Alls eine Mutter wehtet um ihr Kind l 33156 Am 24. Sept. entschlic; i sanft nach kurzem Leiden! mein lieber Mann, unser guter Vater. Gchwieger- un' Großvater, der Tijchler Hlllielin Dietrich im 69. Lebensjahre. 3317»! Dies zeigen, um stille Teil- nähme bittend, bettübt an ITraii I.ul«e Dietrich I geb. Hagemann und Kinder. Die Beerdigung findet am! Sonnabend, den 28. Sept., I nachmittags 3 Uhr, von der 1 Halle des neuen Friedhofes! in Baumlchuienweg aus stau, j jmtg« Für die vielen Beweise herz- lichster Teilnahme beim Heim.- gange meiner heben grau tllffiÄ meines Kinde« guter Mutter sagen wir allen Verwandten und Bekannten unieren innig- ften Dant. 175A I',-ledrleh Saase, Erna Saaac als Tochter, Fruchtstraße 72. DUTt fr«e« hat Cmefte SdvarS David tu«tnervordn« l>otUin4ira>-rkand:nav(rd)cn Kritdniakemtte* in Seoavelm OthaUentn Ked« beantwortet und vertritt tu ceraclcrri metiterhafttr«llelle den Standpunkt der deutrdien Soiial- demokrari.e."Jeder Hrbeiter, Jeder parteigenoffe muB dtefe SrordtOre geiele n habenl Prtta i,— Öuebhandlung VorwJrta, Berlin 8TO., Mndtnltr.a (Laden), lowie sämtlich« ZeitungeauagabefteUe«. Die Lage in Palästina. Haifa und Alka von Engländern besetzt. ' Konftantinopel, 24. September. Tagesbericht. An der Pa- lästinafront nahmen unsere Bewegungen den geplanten Verlauf. Der Engländer folgt nur schrittweise. Sonst nichts Neues. Englischer Palästinabericht vom 24. September. Oestlich des Jordan zieht sich der FeindaufAmmanan der Hedschas- bahn zurück. Er wird von australischen, neuseeländischen, West- indischen und jüdischen Truppen verfolgt, die E s S a u l t erreichten, Geschütze erbeuteten und Gefangene machten. Im Norden hat unsere Kavallerie nach geringem Widerstand Haifa und Alka (nördlich Acre) genommen. Die Zahl der Gefangenen wächst. Ihre Gesamtzahl wird die fünfundzwanzigtausend, die bereits gemeldet wurden, erheblich übersteigen. Arabische Streitkräfte des Königs Hussein haben M a a n a r e genommen und treiben feindliche Truppen, die sich längs der Hedschasbahn nach Norden auf Arman zurückziehen, vor sich her. von Vertagung zu Vertagung. Das Spiel des Herrenhauses. Die Herrenhauskoinmission für die Wahlrechtsvorlage sollte eigentlich am Mittwoch wieder zusammentreten. Die Sitzung muhte jedoch auf den heutigen Donnerstag vertagt werden, da die beiden Unterkominissionen mit der Beratung der ihnen zugewiesenen Aufgaben noch nicht fertig geworden waren. � Viel- leicht wird das am Tonnerstag der Fall sein, genau weih man das nicht, eventuell leiht sich ja wieder vertagen. Am Freitag Aoll man überhaupt nichts anfangen, der Sonnabend lohnt nicht mehr, und der Sonntag ist Feiertag. Mit Hilfe eines blauen zMontag könnte man sich dann bis Monatsende Ruhe schaffen.. Welch wichtige Dinge hatten die Unterkommissionen zu be- raten, dah deswegen vertagt werden muhte? Die eine zer- brach sich den Kopf über die Gründe, die zur Ab e r kc n n u n g des Wahlrechts führen sollen, insbesondere darüber, wie weit militärische Vorstrafen den Verlust des Wahl- rechts nach sich ziehen könnten. Vom Standpunkt derer, die ii«ch immer nicht begriffen haben, dah das Volk den Staat sichert, sondern glauben, dah der Staat gegen das Volk gesichert werden müsse, eine zweifellos glückliche Idee. An militärischen Vorstrafen ist ja während eines vierjährigen Krieges, in dem fast alle Männer eingezogen sind, kein Mangel. Wieviel Tau- sende kann man da unis Wahlrecht bringen, weil sie einmal den Urlaub überschritten oder nicht vorschrifts- mähig gegrüht haben! Die andere Kommission soll sich dafür ausgesprochen haben, in der Herrcnhausfrage zur Regierungsvorlage zurückzukehren und den vom Abgeordnetenhause versuchten Aufbau einer stän- dischen Interessenvertretung fallen zu lassen. Warum bleibt »man nicht gleich bei der„alten und bewährten" Form des jetzigen Zustandes?!_ Der Kanzler öer Rechten. Lob der konservativen und alldeutschen Presse. Eines kann sich Graf Hertling als Erfolg seiner Rede buchen: auf der Rechten ist sie mit groher Zu- friedcnheit aufgenommen worden. Dafür legen die Blätter der konservativen und alldeutschen Richtung in ihren Kommentaren reichlich Zeugnis ab. In den Blättern der Linken wird nnt groher Uebereinstimwung betont, dah der Reichskanzler sich über die wichtigsten und brennendsten Tagesfragcn ansgcsch wiegen, dah er über die ihm bereits bekannten Forderungen der Sozialdemokratie mit Vorbedacht kein Sterbenswörtlein geäuhert hat. Selbst der„Lokal-Anzeiger" muh zugestehen, dah die Hertlingsche Rede in dieser Richtung dringend einer Er- g ä n z u n g bedürfe. Die rechtsstehende Presse macht dagegen aus ihrer Zu- friedcnheit keinen Hehl, und wo sie einen Tadel ausspricht, geschieht dies in sehr rückhaltender und gcmähigter Form. Eine Ausnahme bildet höchstens die„Deutsche Zeitung", in deren Besprechung der alldeutsche Heißsporn über den rechts- stehenden Politiker den Sieg davon trägt. Sie klagt, dah die Kanzlerrede nur eine Neuauflage oder Fort- sctzung der Stuttgarter Rede Payers gewesen und sich� ein wesentlicher Unterschied zwischen beiden nicht entdecken ließe.— Aber schon die sonst kaum minder heiß- blütige„Deutsche Tageszeitimg" übt schonende Kritik nicht an dem�Jnhalt. sondern nur an der Form der Kanzler- rede. Sie bätte zwar gern in bezug auf das Verhältnis zur Obersten Heeresleitung vom Regierungstisch noch viel kräftigere Töne gehört, gibt aber„mit Befriedigung" zu,„dah der Kanzler den Punkt überhaupt hervorgehoben hat. Auch an den Bemerkungen des Kanzlers über Belgien übt Graf Rcventlow nur sehr sanfte Kritik und hebt im wesentlichen die Stellen hervor, in denen sie mit dem Reichskanzler übereinstimmt. Er rühmt ferner, daß der Kanzler zur Kennzeichnung des britischen Verhaltens „manches treffende Wort fand, welches manchem frei- gesinnten Herzen Schmerz bereitet haben wird." Auf einen ähnlich freundlichen und milden Ton ist auch die Kritik der„Kreuz-Zeitung" gestimmt. Sie steht zwar der Kanzlerrede in einzelnen Punkten„nicht ohne Bedenken" gegenüber, aber: In sachlicher Hinsicht können wir im allgemeinen mir unsere Zustimmung zu dem aussprechen, was in den gestrigen Reden ausgesührl worden ist. Das gilt im besonderen auch von den Darlegungen des Staatssekretärs V. Hintze, zumal über die in R u h l a n d zu befolgende Politik. Auch die„Tägl. Rnr�ischau" vermiht in Hertlings Rede lediglich eine schärfere Tonart. Sic kritisiert seine Worte folgendermahen: Alles sehr maßvoll, wobl abgewogen, aber mehr in der Defensive, in dcp�auteren Absicht, zu versöhnen und zu bekehren. Aber gewisse lWte wollen sich gar nicht bekehren lasten und baben iür Sachlichkeit keine Ohren. Sie werden auch nicht durch Diplomatie, sondern durch Kamps überwunden. Ein Clemen- c e a u wäre unter die Defaitisten seiner Kammer mit einem Donnerwetter gcireten, bätte ihren versuchten Putsch mit der offenen Anklnge auf Landesverrat beantwortet und hätte zweiiel- los mehr erreicht als Graf Hertling, dem heute schon das„B. T." sagt, daß er doch in den Orkus verschwinden müsse. Die Sehnsucht nach dem deutschen Clemenceau ist charakteristisch für das Blatt, das nicht genug verurteilende Worte für Clemenceaus„Gewaltherrschast" und„Tyrannei" zu finden weih. Auf den französischen Clemenceau wird ge- schimpft, aber in Deutschland will man es genau ebenso haben.— Ganz entzückt von Hertling ist bereits die frei- konservative„Post": Betrachtet man nun gerade im Hinblick auf die maßlose sozialdemokratische Stimmungsmache dieser Tage die Rede Hertlings, so wird man eine gewisse Genugtuung empfinden müssen. Aus die ganzen Treibereien der Linken und ihre speziell in letzter Stunde diktatorisch weit aufgestellten Forderungen wird nicht eingegangen; noch weniger läßt der Kanzler durchblicken, daß er sich als ein Geschöpf don Scheide- manns und Genossen Gnaden fühlt. Und ähnliche Labsprüche für den Kanzler finden auch die „Berliner Neuesten Nachrichten": Will man gerecht sein, wird man allerdings zugeben müssen, daß sich die Regierung nicht mir infolge der inneren Krisis, son- dern" auch im Hinblick auf unsere Gesamtlage in einer sehr schwierigen Lage befand und daß sie sich nicht o b n e Geschick aus den verschiedenen Schlingen herausgezogen hat... Sehr erfreulich war es auch, daß der Kanzler erneut das Unrecht Belgiens ins rechte Licht rückt, die Redensarten und Hetzreden der feindlichen Staatsmänner mit Schärfe zurückwies und unser Recht zur Verteidigung und zur Notwehr hervorhob. Der Vizekanzler v. Payer hat es in Stuttgart als die verhängnisvollste Lösung der Wahlrechtsfrage bezeichnet, wenn die Wahlrechtsvorlage mit den Stimmen der Wahlrechtsgegner gegen die der Wahlrechts- freunde gemacht würde. Für das Deutsche Reich könnte es ebenso verhängnisvoll werden, wenn der durch die M-e hrheitspartcien ins Amt gelangte Kanzler sich mit Hilfe der Rechten am Ruder z u halten sucht. Dem Grafen Hertling scheint es einstweilen wenig, auszumachen, daß er das Vertrauen der Konservativen für daS Mißtranen der Sozialdemokratie eingetauscht hat. Aber eS dürfte sich bald zeigen, daß die Zeit für solche poli- tischen Taschenspielerkunststückchen zu ernst ist. Die Nationalliberalen gegen öas sozial- öemokratische MinÜestprogramm. Die parteiamtliche„Nationalliberale Korrespondenz" bringt einen längeren Artikel über das sozialdemokratische Programm, der mit den Worten schließt: Die Sozialdemokratie will, baß die Regierung und die anderen Parteien im Innern vor ihr k a p i t u l i e r« n, und ffie betritt dem Feind gegenüber eine Bahn, die letzten Endes zur Kapitula- t i o n nach außen führen muß. Es versteht sich von selb st, daß �derartige Bedingungen für die nationalliberale Partei u n- annehmbar sind. Das ist wenigstens klar und deutlich! Weniger aufgeregte Geister werden freilich anders urteilen. Die Gärung im Zentrum. Keine feste Meinung änstern!— Tie falsche Wahlrechts- Prognose. Innerhalb des Zentrums entstehen immer mehr Kritiker an der Politik und dem Programm der eigenen Partei. Den großen Kund- gebungen der Arbeiterführer in Bochum und Köln folgten denkbar schärfste Angriffe des bekannten Zentrumspublizisten Dr. Brau« Weiler(„Düffeldorfer Tageblatt"), und jetzt meldet sich die Wies- badener„Rheinische B o I k s z e i t u n g" mit der Anklage, das Zentrum habe bisher nur Opportunitätspolitik getrieben: „Stand eine innerpolitische Frage zur Verhandlung, dann wußte kaum ein Zentrnmswähler, wie die Fraktion schließlich stimmen würde. Wer jahrelang Besucher der Augustinusvereins- versammlnngen(Verein der Zentrumspreffe) gewesen ist, konnte immer von feiten der Herren Parlamentarier die gleichen War- mingen vernehmen:„Die Presse darf die Fraktion nickt festlegen" oder„Wir muffen abwarten, wie sich die Verhandlungen weiter- hin gestalten". Fast bei seder i n n e r p o I i t i ich e n Frage wurde für die Presse die Losung aus gegebe ii. keinen klaren Standpunkt und keine fe st e Mei- nung zu äußer n." Sehr interessant ist auch, was der Verfasser über die Stellung des Zentrums zum Wahlrecht ausplaudert. Vor etwa zehn Jahren habe er„einem b e k a n n t e n Zentrumsführer dxn Vor- schlag unterbreitet, einmal das gleiche Wahlrecht und seine' Folgen in der breitesten Oeffenilichkeit und mit allen berufenen Instanzen zu besprechen". Bis dahin sei man allgemein aus innerer lieber- zeugung für das gleiche Wahlrecht eingetreten. Nim wurde aber die Sozialdemokratie die stärkste Partei, eine Entwicklung, an die nicht einmal Windthorst im entferntesten gedacht habe. Und welche Antwort— so heißt eS in dem Artikel weiter—„erfolgte auf diese Anregung? Das sei ja alles richtig, aber das gleiche Wahl- recht für Preußen würde doch nicht kommen; was habe es da für einen Sinn, den alten volkstümlichen Standpunkt zu verlassen oder Unruhe in die Wählerschaft zu tragen." Das erinnert an den Ausspruch des Grafen Galen auf dem westfälischen Zentrumsparteitag, man sei nur solange für das gleiche Wahlrecht eingetreten, als„keine Gefahr bestand, es zu erreichen". Der gelbe Eßener verbanö gesprengt. Stürmischer Bertretertag in Kassel. Herr Adorf, der Vorsitzende des gelben Essener Kriegs- beschädigtenverbandes beehrt uns noch fortgesetzt mit Berichtigungen, deren Inhalt aber dem Preßgesetz wie den Tatsachen gleicherweise so erheblich widerspricht, daß wir darüber zur Tagesordnung über- gehen. Herrn Adorf ist inzwischen aus den Reihen seiner eigenen Mitglieder eine gebührende Antwort zuteil geworden.' Am Sonn- abend und Sonntag hielt der„Verband wirtschaftlicher Vereini- gungen Kriegsbeschädigter'(Sitz Esien) in Kastel einen Vertretertag ab, der einen überaus stürmischen Verlauf nahm und mit der Sprengung des Verbandes endigte. Die Tagung war verursacht durch einen Konflikt zwischen einem großen Teil der Mitgliedschaft und der Adorfschen Leitung. Vielen Mitgliedern paßte es nicht mehr, wie Adorf, der als Selbst- Herrscher an der Spitze des Verbandes tat und ließ, was ihm be- liebte, den Verband immer mehr in gelbes und alldeutsches Fahrwasser lenkte und gleichzeitig den Jntcresten der Kriegs- beschädigten vielfach direkt zuwiderhandelte. Bisher hatte Adorf jede Opposition im Verbände mit diktatorischen Mitteln niedergehalten. In Kassel trat sie ihm aber organisiert und ge- schlössen entgegen, an der Spitze die ältesten Mitglieder und größten Ortsgruppen des Verbandes. Die Opposition hatte eine umfangreiche Anklageschrift gegen Adorf ausgearbeitet, aus der hier schon einiges wieder- gegeben wurde und von der in einer' älteren und erfahreneren Organisation der zehnte Teil genügt hätte, um den Führer sofort unmöglich zu machen. Da der Essener Verband aber zum größten Teil aus 5kriegsbeschädigteir ohne jede organisatorische Erfahrung besteht, so verfügte Adorf immer noch über einen ihm blindlings ergebenen Anhang. Zwischen beiden Teilen kam es wiederholt zu den stürmischsten Auftritten. Trotz aller Anstrengungen war das Resultat für Adorf eine klägliche Niederlage. Bei den Vorstandswahlen unter- lag er mit 228 gegen 24g Stimmen, die auf den Kandidaten der Opposition, Herrn S t e i n g r ü b e r» Dresden, den Vorsitzenden der Sächsischen LandeSvereinigung, entfielen. In dieser Not be- gingen Adorf und der ihm ergebene Vorstand einen Gewalt« st r e i ch. Sie erklärten 93 Stimmen de? Sächsischen Landes- Verbandes, die auf Steingrüber gefallen waren, kurzerhand für ungültig und Adorf mit 228 gegen löl Stimmen für gewählt. Die Folge war der sofortige Krach. Die Opposition der rheimsch-westfälischen Ortsgruppen erklärte mit über IE 009 Mitgliedern geschlossen ihren Austritt. Auch der S ä ch f i s ch e Landes- verband dürfte nach dieser Provokation kaum noch bei Herrn Adorf verbleiben. Jedenfalls sind wbitcre Austritte aus dem Ver- band sicher zu erwarten. Da Rheinland-Westfalen und Sachsen bis- her die Hauptzentren des Essener Verbandes waren, so hat der Gewaltstreich des Herrn Adorf ihm nur noch die Herrschast über einige Trümmer der Organisation gesichert. Bei einem großen Teil der Ausgetretenen besteht starke Nci- gung, sich mit dem„Reichsbund der Kriegsbeschädigten und ehe- maligen Kriegsteilnehmer" zu verschmelzen. Sozialdemokratische Wähler- Versammlung in öerlin I. Unabhängige Lärmszenen.— Auflösung der Versammlung. In vollbesetztem Saale der Habelbremem sprach gestern abend Genosse H e i m a n n. Obwohl von vornherein freie Diskussion nach der Rede unseres Kandidaten zugesagt war. versuchte doch eine Anzahl Unabhängiger mehrfach gegen den Protest der Ver- sammlung seine Ausführungen zu unterbrechen. Genosse Heimann fand mehrfach den lauten Beifall der meisten Wähler.(Wir werden morgen ausführlich über seine Darlegungen berichten.) In der Diskussion sprachen zuerst drei U n a bh ä n g i ge deren Ein- würfe vom Genossen Schöpflin bündig abgewiesen wurden. Nach ihm kamen wieder Unabhängige zum Wort, die jeder Sachlichkeit geflissentlich aus dem Wege gingen. Als Genosie Richard Fischer'das Wort ergriff, boten die lebhasten Ruhe- störungen schließlich der Polizei Anlaß zur Auflösung. In dieser sozialdemokratischen Versammlung sind sieben„unabhängige" und zwei sozialdemokratische Redner zu Wort gekommen. Als der dritte Sozialdemokrat sprechen sollte, wurde dieser durch Skandal am Reden gehindert! Die sozialdemokratische Lestung hatte den Unabhängigen volle Redefreiheit zugesichert, sie hat ihr Wort auch ge- halten. Ruhig hörte die in ihrer Mehrheit aus Heimanns An- hängern bestehende Versammlung die Unabhängigen an. Die un- abhängige Minderheit hielt das entgegengesetzte Verhalten für richtig. Die Wähler haben also erfahren, wer demokratische Frechnt achtet und wer nicht. Danach werden sie sich zu halten wissen! Partemachrichten. Die deutsche Sozialdemokratie Oesterreichs hält vom 3t. Oktober bis 3. November dieses JahreS ihren P a r t e i t a g in W i c n ab. Die vorläufige Tagesordnung enthält u. a. folgende Beratungs- gegenstände: Der Friede und die Internationale. Staat und Nationen in Oesterreich. Volksernührung und Arbeiterrecht. Der Wiederaufbau der Parteiorganisation. Eduard Schädel, eines der ältesten und eifrigsten Partcimit- glicder der Mülheimer Parteiorganisation, ist aus einer Ärankensammelstelle im Westen gestorben. Auch in der Gewerk- schaftsbewegung, besonders in' seiner Berufsorganisation, dem Zimmererverband, hat er stets seinen Mann gestellt und wichtige agitatorische und Verwaltungsarbeiten geleistet. Schädel war einer von denen, die wenig Worte machen, aber immer zu Taten bereit sind. Sein stüher Tod— er hat nur ein Alter von 39 Jahren er- reicht— hat seiner Tätigkeit für die Bewegung, die er bald wieder aufzunehmen hoffte, für immer ein Ziel gesetzt. LeKte Nochrichten. Belgisches Weißbuch über Deutsch-Ostafrika. Haag, 25. September. Der„Nieuwe Rotterdamsche Courant" meldet aus Le Havre: Die belgische Regierung hat ein Weißbuch veröffentlicht, worin sie die Angaben über belgische Grau- s a m k e i t e n in Deutsch-Ostafrika zu widerlegen sucht und auch be st reitet, daß Plünderungen in Tabora vor- gekommen seien. Die spanische Grippe in Nordfrankrcich. Genf, 25. September.„Petit Parisien" meldet das Auftauchen der spanischen Grippe in Nordstankreich. In Berck-sur-mcr und Saint Valery seien zahlreiche Todesfälle zu verzeichnen. Auch in Burgund wird die neue Epidemie gemeldet. Besonders in Macon seien Todesfälle zu beklagen. Infolge der zunehmenden Dysenterie- Epidemie i m O st c n von Paris veröffentlichen die Blästcr eine offiziöse Note betreffs sanitärer Maßregeln zur Bekämpfung der Krankheit. Während bisher nur Fälle in der Bannmeile festgestellt wurden, meldet„Petit Parisien" das Ueberg reifen der Epidemie auf das 29. und 12. Arrondtssement-von Paris, Es ist eines ver enizückenden ManieMelder, wie sie in außerordentticher Zieichhattigteii bei uns vorrätig sind und unweigerlich Gefallen bei unserer Kundschaft erwecken. Es ist aus einer kräftigen, einfarbige« Ware in verschiedenen Karben hergestelli, elegant in einer Länge von ungefähr 130 cm verarbeitet und es wirkt besonders reizvoll durch feine reiche Kragen» und Taschen» Verzierung. Und bei alledem kostet es nur M. 179.- Königsir. 33 Ehauffeestr. 113 Am Bahnhof Alexanderplatz. Beim Stettlner Bahnhof. Sonntags geschlossen! GewssschlObewegung Lohttdiffmttzen der Zimmerer bei der �irma Albatros. Vor einigen Wochen sind die Zimmerer der Firma Albatros, Flugzeugwerke in Berlin-Johannisthal, durch den Arbeiterausschuß wegen einer Lohnerhöhung vorstellig geworden. Da die Firma eine Einigung ablehnte, riefen fle gemäß 8 13 des Helfsdienstgeseßes den Kriegsausschuß für die Berliner Metallbetriebe an. Nach ein- gehenden Verhandlungen am 12. und 19. September hat der Kriegs- gusfchuß den folgenden Schiedsspruch gefällt: Der Lohnstundensvtz von 1,80 M. soll auf 1,90 M. erhöht werden. Der Stundenlohn ist nachzuzahlen, soweit Stunden- arbeit geleistet worden ist, vom 12. September 1918 ab. Diesen Schiedsspruch haben die Zimmerer ihre Zustimmung erteilt, während die Firma ihn abgelehnt hat. Gestützt auf die Bestimmungen des Hilfsdienstgesetzes, welche vorschreiben: Unterwirft fich der Arbeitgeber dem Schiedssprüche nicht, so ist den beteiligten Arbeitnehmern auf ihr Verlangen die zum Aufgeben der Arbeit berechtigte Bescheinigung zu erteilen, verlangten die Zimmerer den Abkehrschein, letzterer wurde ver- weigert. Bei dieser Gelegenheit hat die Firma nun allerlei Anfpielun- gen und Bemerkungen gemacht, wie zum Beispiel: Der Meister hat den Auftrag erhalten, sofort eine Äste der Reklamierten auszu- stellen, damit der Direktor der Firma einen Bericht an das General- kommando machen kann. Aus dem Grunde sei htermft öffentlich festgestellt, daß nicht die Zimmerer, sondern die Firma selbst den ausgebrochenen Kon- flikt verschuldet hat. Der verlangte Abkehrschem wird den Zimmerern jetzt vom KrtegSaus schütz ausgestellt. Desgleichen werden die Zimmerer Klage beim Gericht anstrengen wegen Nachzahlung von 10 Pf. pro Lohnstunde vom 12. September ab und Ersatz des Schadens, der ihnen durch das gesetzwidrige Verhalten der Firma wegen Nichterteilung des Abkehrscheins erwachsen ist. Untersteht ein mMtarifierter Betrieb auch dem HNfs- dienstgesetz? Der Schlosser Th. von der Firma D. W. F. will einen Abkehr- schein, weil er als geübter Langhoblcr in einem anderen Betriebe durch bessere Ausnutzung seiner Fähigkeiten eine bessere Position erhalten kann. Der in Frage kommende Betrieb der D. W. F., in dem vor einigen Wochen eine größere Anzahl Arbeiterinnen die Arbeit niedergelegt hatte, steht unter militärischer Leitung. Aus dem Grunde hat die Firma die Vorladung vor den Kriegsausschuß nicht befolgt und erklärt, daß sie die Leitung des Betriebes zurzeit nicht habe, sondern die Militärbehörde, und sie deshalb nicht vor dem Kriegsausschutz erscheinen werde. Die militärische Leitung des Betriebes habe sich vorbehalten, selbst zu entscheiden, wer entlasten werden darf und wer nicht. ES entstand nun die Frage, ob der Beirieb der D. W. F. unter diesen Umständen dem Hilfsdienstgesetz und damit dem Urteil des SchlichtungSauSschusteS unterstehe. Vorweg sei mock erwähnt, daß die Arbeit deS Beschwerdeführers, überhaupt der Beschwerdeführer, mit der Angelegenheit der Arbeiterinnen nichts zu tun hat. Die Diffe- renz der Arbeiterinnen selbst ist auch schon seit längerer Zeit er- ledigt. Der KriegSauSsSuß stellte fich auf den Standpunkt, daß der Betrieb trotz der Militarisierung dem Hilfsdienstgcsetz unterstehe und die Beschwerde des Schlossers gemäß§ 9 des Hilfsdienstgesetzes zu erledigen sei. Da es Gepflogenheit de? KriegsauSschusteS ist. daß. wenn trotz rechtzeitiger Einladung keine Vertretung der beklagten Firma zur Sitzung erscheint, dem Beschwerdeführer der Abkehrichein zugesprochen wird, hätte nunmehr dem SSloster Th. ohne weiteres der Abkehr« schein ausgestellr werden müsteu. In diesem Falle hat der Kriegs- ausschuß aber anders gehandelt, und zwar in der Annahme, daß die Firma im guten Glauben war, als fie keinen Vertreter schickte. Die Erledigung der Beschwerde wurde deshalb um eine Woche vertagt, und die Firma sollte nochmals geladen werden unter ausdrücklichem Hinweis darauf, daß, wenn auch zu der neuen Sitzung eine Vertretung der Firma nicht erscheint, die Sache unter allen Umständen verhandelt wird. Zu der erneut angesetzten Verhandlung erschien wixder kein Vertreter der Firma und dem KriegSausschutz wurde die Mitteilung gemacht, daß der derzeitige militärische Leiter Betriebes keine Zeit habe. Daraufhin hat der KricgSauSschuß ore Sache erledigt, und zwar in der Weise, daß dem Schloster Tb. d.e r Abkehr- schein sofort ausgehändigt wurde. Der Kriegs- ausschuß kam zu dieser Entscheidung, weil die Firma trotz Hin- weis auf die Folgen nicht erschienen war und aus dem Hilfsdienst- gesetz nicht zu eriehen ist, daß der Militärbehörde ein besonderes Recht eingeräumt ist, das irgendwie Veranlassung geben könnte, anders zu entscheiden als wie geschehen. Die Lohnverhältnisse der Metallformer. Die Ergebnisse einer Statistik, welche die Branchenleitung der Metallformer und BerufSgenosten aufgenommen hat, worden in der Branchenversammlung am Montag besprochen. Die Statistik erstreckt sich auf 34 Betriebe, welche 686 Arbeiter und Arbeiterinnen beschäftigen. In 16 Betrieben wird nur in Lohn, in 18 Betrieben soloohl in Lohn wie in Akkord gearbeitet. Die Akkordarbeft ist während des Krieges erheblich zurückgegangen, während die Lohn- arbeit zugenommen hat. 170 der Beschäftigten arbeiten nur in Lohn. Die festgestellten höchsten Sätze der Stunden- löhne betragen für Former 2,30 M., für Bestoßer K.OO M., für Kernmacher 2,00 M., für Kernmacherinnen 1,20 M., für Schmelzer 2,60 M., für Zuleger 2.00 M., für Hilfsarbeiter 1,80 M. In pielen Fällen bleiben die Löhne hinter den hier angeführten Höchstsätzen noch erheblich zurück. Besonder« wurde erwähnt, daß die Lohn- verhältnisie bei Borfig bei weitem nicht zu den besten gehören und daß sie wesentlich niedriger find als die Löhne, welche die Firma Schwartzkopff zahlt. Die Versammlung machte den Kollegen zur Pflicht, in allen Betrieben, wo ungünstige Lohnverhältnisse herrschon, eine entsprechende Aufbesserung zu fordern. Das Ziel müsse sein, die ermittelten Höchstsätze überall zu erreichen.— Da die Zahl der Kornmacherinnen erheblich zugenommen hat, ein großer Teil davon aber der Organi- sation fernsteht, so sollen die männlichen Kollegen ihren Einfluß dahin geltend machen, daß sich die weiblichen Arbeitskräfte dem Verbände anschließen._ Auf den Gebrauch des KoalitionSrechtS folgt die Hnngerpeitfche. Wie wenig einzelne Unternehmer geneigt find, das KoalittonS- recht der Arbeiter zu respektieren, beweist ein Fall, von dem die .Westdeutsche Arbeiter-Zeitung' Kenntnis gibt. Einer in den Fitting-Werken in Singen-Hohentwiel beschäftigten Arbeiterin, Mit« glied des christlichen Metallarbeiterverbandes, wurde, weil sie während der Pause Einladungszettel verteilt hatte, folgendes Schreiben vom. 31. August 1913 übermittelt: .Wir haben Veranlassung, das mit Ihnen vereinbart« Met» Verhältnis hiermit auf 30. September d. I. zu kündigen, und er- suchen Sie, die Wohnung auf diesen Termin zu räumen."' Aber nicht allein, daß der Arbeiterin wegen der Ausübung des ihr gesetzlich zustehenden KoalitionSrechiS die Wohnung gekündigt wird, erklärte ihr auch zugleich der Direktor Wanner:»Wenn ich nochmals daS Geringste höre, werden Sie fortgejagt.' Der christlichen Arbeiterin, die, wie das Blatt Wetter mitteilt, die Ernährerin ihrer alten Mutter ist und deren Bruder für Heimat und Herd kämpft, werden sich angesichts eines solchen Vorgehens sonderbarer Gedanken bemächtigen. Daß eS im fünften Kriegsjahre noch Unternehmer gibt, die die Anwendung des KoalftionsrechtS mit Obdachlosigkeit bestrafen und mit BrotloSmachung bedrohen, mutz selbst in der christlichen Arbeiterschaft eine empörende Stimmung auslösen. Gegen weitere Steuerbelastung der Gastwirte. Der Zentralverband Deutscher Wirievereimgungen, der mit 80 000 Mitgliedern die größte Organisation der Gast- und Schanl- Wirte Deutschlands ist, eröffnete am Mittwoch seine Hauptversamm» lung im Festsaale des Charlottenburger Schillertheaters. Besonderes Interesse hatte ein Referat des Redakteurs Wiehls- Berlin, das die Steuergesetzgebung mtd die Kriegsverordnungen be- sprach. Er führte»nter anderem aus: Das' GastwirtSgewerbe. namentlich die Inhaber Keiner Betriebe leiden schwer unter den Wirkungen des Krieges. Die Steuerbelastung des GastwirtSgewerbeS ist so drückend, daß eine weitere Belastung den Zusammenbruch zahlloser Existenzen zur Folge haben muß. Die Beschlagnahme der Kupfergeräte und Wäschestücke hat den Wirten großen Schaden gebracht.'Die steuerlichen Belallimgen der Genuß- mittel mußten bisher fast restlos von den Gastwirten getragen werden. Trotzdem ist daS Gewerbe durch die Getränkesteuern er- neut außerordentlich in Mitleidenschaft gezogen. Bei dem un- geheuren Steuerbedarf der Bundesstaaten und Gemeinden nach dem Kriege ist zu erwarten, daß die Schankkonzessions- gebühren, die Betriebssteuern, die Lustbarkeitssteuer, die Automatensteuer sowie die örtlichen Abgaben für Getränke usw. eine weitere Ausdehnung zum größten Schaden des Gastwirts- gewerbes erleiden werden. Soll das Gewerbe nicht völlig zu- sammenhrechen, so muß eS vor weiteren Opfern in Zukunft ver- schont bleiben. Der Vorsitzende K r a u ß betonte: Wenn eine weitere Steuer- belastung des GastwirtSgewerbeS erfolge, so säge die Regierung den Ast ab. auf dem fie sitzt. Die Versammlung nahm einstimmig«ine Resolution an, die fich mit den Ausführungen des Referenten deckt und dem Bedauern Ausdruck gibt, daß die Wünsche de« Gewerbe? bei der Schaffung der Getränkesteuer seitens des Reichstages so wenig Berücksichtigung gesunden habe. Die Wirt« hätten besonders erwartet, daß sie beim Weinsteuergesetz allgemein als Verbraucher betrachtet wären. Die Kontrollvorschrrsten des WeinsieuergeietzeS verursachen den Wirtschaften, die jetzt meist von Frauen geführt werden, eine Arbeit, die kaum erfüllt werden kann. Die Versammelten wünschen deshalb eine diese Härten beseitigende Revision de? Gesetzes und erwarten von der Reichsregierung, daß bei der Beratung aller das Gast- wirtSgewerbe betreffenden Fragen die Vertretung deS Zentral- Verbandes gehört werde._ Eine austerordentliche Landeskonferenz der Gewerk« schaften Württembergs nahm im Beisein militärischer und staatlicher Behörden Stellung zur mangelhaften Nahrungsmittelversorgung. In längeren Ausführungen erörterte Abg. Genosse M a t t u t a t die trostlosen Zustände in der Lebensmittelveersorgung, deren Ernst bei den Behörden völlig verkannt werde. Nicht so sehr der Mangel an sich, sondern die völlig ungleiche Verteilung, besonders auch die gute Versorgung der ländlichen Selbstversorger in den Bezirken erzeuge und steigere die Verbitterung bei der gewerblichen Arbeiterschaft. Nach einer mehrstündigen Aussprache gelangte eine Entschließung zur einstimmigen Annahme, in der u. a. die restlose Erfassung und Zwangsabliefecung aller Lebensmittel und eine der ungenügenden Ernährung der Arbeiter entsprechende Herobsetzun? der Arbeitszeit gefordert wird. verantwortlt« titr Polittt: Erich nmtnt», Berlin: für den Übrigen Teil de« Blatte«� Alfred Scholz, Neukölln: für Anzeigen: Theodor Bloil«, Berlin. Bering: VorwartS-Bcriag®. m. b. H., Berlin. Drucke BornSrlS-Buchdruckeret und BerlagSanftalt Paul Singer u. To. in Berlin, Ltndcnftratze S. Hier»» t vrilage und Unicrhglwngstlatt.