Ur. Ä66. 33. Jahrg. Bezugspreis: LterteliA>ruS,.oM!. monall. 1,808*!. fzel WS Hllil». vormiZzilhwar. Einzeln« Siummern 10 Bfcnnig. Postbezug: Monatlich. vomPolttcbZÜer abzuholen lL0Ml.,domBrlettrSgerm»HauS yc- bracht I.St Ml. Unter Kreuzband ,ür Deuttchlard und Oesterreich» Ungar,! Ml., lür da» übrige Au»Ianb ».SV Ml. monatlich. Sertand in» Feld » et btrelter Lestellung monalt.2.— Ml. Poftbestellungen nehmen an Däne- Marl, Holland. Luxemburg, Schweden und die Schweiz. Singetraacn in die Post-Zettungi-BreiZIist«. Sricheint täglich. Telegramm-«drefle: »Taztatdemokrat Berlin" Berliner Bolkslrlcltt. ( 10 Pfennig) Anzeigenpreis: Diestebengespastenekolonelzeilelofte« 80 Pfg.„ttlelnr Anzeigen", da» settgedruckle W-r- 30 Pfg. lzulSisi, 5 fettgedruckte Sorte), jede» weitere vort 15 Pfg. Steilengewche im* SchlafstsIIenanz eigen da» erile Wort 20 Pfg.. lebe» weitere Wort!0 Pfg Sorte über 15 Buchstaben zählen für zwei Sorte. Teuerung»zr>fchlag 0V»,> Fantilien'Anzcigcn, dolttifche und gewerlschaftliche Verein»- Anzeigen »0 Pfg. die Zeile. Anzeigen für die nächste Nummer mästen bi» 5 Übt nachmittag» im Hauptgefchäft verlin 63B.68, Lindenstratze 3, abiegeoen «erden. Geöffnet von 8 Uhr trüb di» 7 Uhr abend». Zentralorgan der rozialdemokratifchen Partei Deutfcblands. Neüaktion: Ew. 68, Linücnstratze 3. gfernlvrecher: Amr Moritzvlatt. Str. IS1 SV— 15197. Freitag, de« 27. September 1918. Expeöttto«: SM. 68» Linüenstraße 3. Zyernsprechrr: Amt Mnripplatz. Rr. 151 90�151 97. ümerUlcH-frsiftölifchei' Grossangriff. Vie Reichskrise. Wie ernst die Krise ist, in der wir uns befinden, zeigt das Verhalten der bürgerlichen Parteien gegenüber dem Plan, Sozialdemokraten zum Eintritt in die Negierung auf- zufordern. Dieser Plan besteht weiter fort, auch nachdem die Partei ihre Bedingungen aufgestellt hat. die vom sozialdemokratischen Standpunkte unerläßlich sind. Auffällig ist, daß sich auch die nationalliberale Presse mit dem Gedanken des Ein- tritts von Sozialdemokraten in die Regierung befreundet hat, obwohl die„Nationalib. Korresp." parteiamtlich die sozialdemo- kratischen Bedingungen für ganz unannehmbar erklärt hat. Wer die sozialdemokratischen Bedingungen für unannehm- bar hält, müßte doch eigentlich den Eintritt von Sozialdemo- �traten in die Regierung aufs äirßerste bekämpfen. Daß dies 'von nationalliberaler Seite Nicht geschieht, ist auffällig. Es ist ein Zeichen dafür, wie notwendig man in der gegebenen Situation die Sozialdemokratie zu brauchen glaubt. In der gestrigen Sitzung des HauptansschusseS hat nun der Reichskanzler die von Gröber geforderte Erklärung abgegeben. Er hat für den November, für die Zeit des Wieder- Zusammentritts des Reichstags, eine Abänderung des Gesetzes über den Belagerungszustand angekündigt, ohne genau sagen zu können, in welcher Richtung sich diese Aenderung bewegen wird. Man muß schon sehr bescheiden sein, um sich von dieser Erklärung befriedigen zu Kassen. Selbst das Höchstmaß dessen, waS ste zu versprechen scheint, bleibt hinter dem Mindestmaß der sozialdemokratischen Kardinalforderungen weit zurück. Das entscheidende Problem bleibt, Garantien dafür zu schaffen, daß Teutschland in Zukunft nach dem Willen seines eigenen Volkes und nicht nach dem' einer Militärkaste regiert werden wird. Dies ist der Punkt, in dem die weitesten Zu- geständnisse gemacht werden können, weil sie letzten Endes dem Wohl des deutschen Volkes selber dienen. Die Erkenntnis bricht sich unhaltbar Babn, daß ein demokratisches Deutschland am stärksten im Widerstand und in der günsügsten Lage bei Frie- densverhandlungen sein wird. Ein demokratisches Deutschland haben wir aber noch nicht, wenn ein paar Sozialdemokraten Minister werden. Die Demo- kratie darf kein Regenmantel sein, den man bei besserem Wetter wieder ablegt, sie muß mit dem Wesen des deutschen Volkes und seiner Verfassung verwachsen. Was will, was kann Hertling dazu tun? Ein Waffenftillstanösangebot ttlalinoffs. Berlin, 27. September. Es liegen Nachrichten vor. wonach von dem bulgarischen Ministerpräsidenten Malinoff an den Führer der gegen Bulgarien operierenden Entente- truppen das Angebot eines Waffen st ill st andes gerichtet worden sei. Wie gemeldet wird, ist Herr Malinoff mit diesem Angebot aufeigeneHand.ohneZustim- mung des Königs, des Parlaments und der bulgarischen Ober st en Heeresleitung vor- 'gegangen. In den bundestreuen Kreisen Bulgariens hat dieses Vorgehen Malinoffs �oße Erregung hervorgerufen. Militärische Maßnaymen zur kraftvollen Unterstützung der bulgarischen Front sind im Gange. Eine Gegenbewegung gegen den Minister- Präsidenten Malinoff macht sich, nach den letzten Nachrichten aus Sofia zu urteilen, bereits geltend. Das Herrenhaus für üas Herrenhaus. Anlehnung an das„Historisch Geworden�. Ueber die Donnerstagssitzung des Verfassungsausschusses des Herrenhauses wurde folgender amtlicher Bericht qus- gegeben: In der Sitzung der Herrenhauskommission für die Wahl- rechtsvorlagen vom Donnerstag, den 26. September, lag ein von der Unterkommission ausgearbeiteter neuer Entwurf für die Zusammensetzung des Herrenhauses vor. der der weiteren Beratung zugrunde gelegt wurde. In diesem Entwurf ist grundsätzlich der Gedanke der Berufs- und Interessenvertretung ab- gelehnt, der in der Regierungsvorlage und noch mehr in der vom Abgcordnetenhause beschlossenen Fassung zum Ausdruck kam. dagegen unter An- lehnung an das geschichtlich Gewordene ein weiterer Ausbau des Herrenhauses im Sinne der könig- lichen Botschaft durch die Neuaufnahme bisher führender, durch die Achtung ihrer Mitbürger ausgezeichneten Männer vorgesehen, wobei insbesondere Handel und Industrie ein erheblicher Anteil gewährt wird. Der Minister des Innern erklärte, daß nach der Meinung der Staats- regierung der Regiernngöentwurf der Fassung, die der neue Feindliche Angriffe zwischen Omignon- Bach und Somme— Vorübergehend ge- nommene Gräben im Gegenstoff zurück- erobert. Berlin, 26. September 1913, abends. Amtlich. In der Champagne und zwischen den Argonnen und der Maas haben auf breiter Front französisch- amerikanische Angriffe«ach elfstündiger Feuer- Vorbereitung begonnen. Der Durchbruch des Feindes ist vereitelt. Ter Kampf um unsere Stellunge« dauert an. Amtlich.<9ro§€t H»»?tqnarti»r, 36. S e p> ' tembrr 191». i«!B> Westlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe Kronprinz Rnpprecht. Vorfeldkämpfe in der LyS-Niederung, nördlich vom La Baffde- Kanal und bei MoeuvreS. Heeresgruppe Boeh«. Heftigem Feuer des Feindes südöstlich von Eprhy und bei Belicourt folgten nur Teilvorstöße, die abgewiesen wurde». Zwischen dem Omignon-Bach und der Somme fetzte der Feind seine Angriffe sort. Der erste Ansturm brach in dem zusammen- gefaßten Feuer unserer Artillerie und Infanterie zusammen. DaS Schwergewicht der am Vormittage mehrfach wiederholten Angriffe richtete sich gegen die Höhe zwischen Pontruct und Gricourt. Vorübergehend faßte der Feind auf ihr Fuß; im Gegenstoß nahmen wir sie wieder. Am Nachmittage fetzte der Franzose zwischen Francilly und der Somme erneut zu starken Angriffen an, die big auf kleine Einbruchsstellen abgewiesen wurden. Wir machten hier in den beiden letzte« Tagen mehr als 206 Gefangene. Heeresgruppe Deutscher Kronprinz. Bei örtlicher AngriffSunternehmung nördlich von Allemant �zwischen Ailette und AiSne) machten wir Gefangene. Nördlich von Bailly schlugen wir Teilangriffe deS Gegners ab. HerreSgruppe Herzog Albrecht. Oestlich der Mosel wurde ei» Teilangriff deS Feinde» ai« gewiesen. Die dort kämpfenden Truppen der 31. Landwehr- Brigade nahmen im Gegenstoß 5V Franzosen und Amerikaner gefangen._ AuS feindlichen Geschwader», die Frankfurt am Main und 5t»iser»la«tern Angriffen, wurden 7 Flugzeuge abgeschossen. Der Erste Genrralguartiermeister. Ludendorff. Der österreichische Bericht. Wien, 20. September. Amtlich wird verlautbart: Keine größeren Kampfhandlungen zu melden. Der Chef de» ÄeneralstabeS. Entwurf in dem Unterausschuß gefunden habe, vorzuziehen sei, insbesondere müsse es Bedenken begegnen, daß nach der Kommissionsfassung das künftige Herrenhaus eine zu hohe Mitgliederzahl haben werde, da die bisherigen Berechtigungen in einem über den Rdgierungsentwurf hinausgehenden Maße aufrecht erhalten worden feien; immerhin könne aber auch die von dem Unterausschuß beschlossene Fassung als eine brauchbare Grundlage angesehen werden. AuS der Kommission wurde dem gegenüber darauf hingewiesen. daß nach dem Entwurf. der Unterkommission der Bestand des Herrenhauses demnächst nicht>o es entlich die in der Regierungsvorlage vorgesehene Ziffer übersteigen würde. So- dann trat die Kommission in die E i n z e l b e r a t u n g des Eni- wurss ein- Soweit bisher Abstimmungen erfolgt sind, ergibt sich danach folgendes Bild: Es gehören dem Hause auch fernerhin an: 1. die b i s h e r t g e n in ihm befindlichen erblichen Berechtigten; doch soll unter gewissen Voraussetzungen ein Erlöschen dieser Berechtigungen stattfinden; 2. auf Grund ihres Amtes die ersten Bürgermeister der Städte, die bisher das Recht der Präsentation hatten, sowie acht weitere Städte, denen dieseS Recht durch königliche Verordnung verliehen werden kann, ferner der zweite Bürgermeister der Stadt.Berlin. Es treten kraft ihres Amtes ein die Vorsitzenden der Landwirtschaftskammern. Ferner sollen fümf Mitglied er. der evangelischen Kirche und drei r ö m i s ch- k a ich o l i s ch e B i s ch ö f e berufen werden. Ein Präsentationsrecht sollen in Zukunft haben im bisherigen Umfange die Verbände der durch ausgebreiteten Familienbesitz ausgezeichneten Ge- schlechter. Die Beschlußfassung über die weiteren Kategorien wird voraussichtlich in der morgigen Sitzung erfolgen, in der beab- sichtigt wird, die Beratung über die Herrenhausvorlage zu Ende zu bringen. » Pastor Manders in Ibsens„Gespenster" seufzt:„Und da§ am Sonntag"! Wir rufen mit Zorn und Entrüstung aus: Und das im gegenwärtigen Augenblick! Die Existenz Deutschlands und deS deutschen Volkes steht auf dein Spiel, nur die sofortige wirkliche Demokra t i s i e r u n g unseres VerfassungswesenS kann imS helfen! Schwere Kämpfe in aller Veit. Von Richard Gädke. Lloyd George hat kürzlich|«i»n englischen Kritikern. Dank ffc ihre Angriffe gegen ihn sie hatten ihn im Frühiahr schwer beschuld'igt, daß er nicht die genügende. Zahl von Verstärkungen vorbereitet habe, um dem englischen Heere gegenüber den deutschen Angriffen die nötige Kraft des Widerstandes zu verleihen. Dieser Tadel habe die Deutschen. getäuscht; denn in Wirklichkeit hätten in England zahlreiche Reserven bereitgestanden, die nun in ununterbrochener Folge auf das Festland geströmt seien und das Z a h l c n ü b e r g e- wicht des Vielvcrbandes hergestellt hätten. Ob die Annahme zutrifft, daß wir in Deutschland getäuscht worden sind, mag unerörtert bleiben. Aber wir haben hier ein Muster- beispiel dafür, wie in England Presse, Oppositton, Regierung Hand in Hand arbeiten. Es kann doch seine Vorteile haben, wenn den Zeitungen auch in militari- schen Dingen die Freiheit nicht allzusehr beschnitten wird— und sie haben sich in England, wie u. a. Repington und- General Maurica bewiesen, eine große Unabhängigkeit des Urteils bewahrt. Nicht jede Kritik, nicht jeder Tadel der Heeresverwaltung und'Heeresleitung wirkt schädlich für die Interessen des Vaterlandes und der Kriegführung, und sie können sygar zur Täuschung des Gegners dienen. � Daß England, nach seiner Bevölkerungszahl und unleugbaren Entschlossenheit, von der es erfüllt ist, imstande sein würde, die Verluste seiner Festlandsheer: zu ersetzen und diese sogar noch zu verniehre n, dürfte ohne weiteres angenommen werden. Die Großartigkeit seiner Anstrengungen geht auch daraus Hervor, daß es gleichzeitig für P a I ä st i n a, P e r- sien und für die Murmanküste die Mittel einer kraftvollen Kriegführung bereitzustellen wußte. Ohne aber die eigenen Anstrengungen Großbritanniens gering zu schätzen, muß doch gesagt werden, daß im Westen kaum die Engländer, sondern die Amerikaner die wesentliche Ursache sind für den Umschwung der Lage. Und neben de» Amerikanern auch die rücksichtslose Heranziehung der farbigen Franzosen. Was di: letzteren anbetrifft, so wird man übrigens nicht so stark darauf rechnen dürfen, daß sie mit dem Eintritt kälterer Jahreszeit wieder verschwindsn werden. Algerier und Tuneser lassen sich bei geeigneter Kleidung lange genug ver- wenden; ob aber die Schwarzen massenhaft erkranken und sterben, wird der Menschenfreundlichkeit der Franzosen� für die sie nur Kanonenfutter sind, sehr gleichgültig sein, solange sie noch an weitreichenden Angrifssplänen festhalten. Jedenfalls sucht der Gegner gegenwärtig da? Eisen zu schmieden, solange es noch warm ist, und hat in der vergangenen Woche an den verschiedensten Stellen um eine Entschei- dung gerungen. In erster Linie um die F o r t s e tz u n g seiner großem Offensive! Obwohl deren bisherige Erfolge von erheb- lichem Werte für die Stimmung der feindlichen Völker waren, konnten sie militärisch nicht genüg«!. Das deutsche Heer war, nicht ohne Federn zu lassen, aber doch ungeschlagen und un- gebrochen sehr langsam unter unaufhörlichen Kämpfen und zahl- reichen Gegenangriffen zurückgegangen in eine Stellung, deren Stärke die Gegenseite schon im vergangenen Jahre erprobt hatte. Richtete es sich in dieser wesentlich gedrängteren Siel- lung ein, für die seine Zahl mehr als ausreichend war. so war die Lage von neuem im Gleichgewicht; es war nicht abzusehen, ob und wie es dem Feldherrn des VielverbandeS gelingen würde, dann noch ein« solche Entscheidung herbeizuführen, wie ste den weitreichenden KriegSzielen des Verbandes entsprechen würde. So suchten sowohl Franzosen wie Engländer, di? vielleicht die seelische Kraft deS deutschen Heeres in diesem Augenblicke unterschätzten, in unmittelbaren Nachfolgen einen sofortigen D u r ch b r u ch der deutschen Stellung herbeizuführen. Die Engländer haben zu dem Zwecke mit großer Tatkraft die Schwierigkeiten überwunden, die die durch vierjährig« Kämpfe verwüstete Zone vor der deutschen Siegfriedstellunz ihrem Vor- dringen entgegensetzte. Ihre Angriffe richteten sie gegen deren Mitte, wahrend die Franzosen wiederholt den südlichen Teil bestürmten. Ter rechte deuttche Flügel war infolge weitreichen- der Ueberfchwemmungen wenig zugänglich und besonders der Sturmwagen des Feindes ziemlich entzogen, m denen sich dieser sine Mht unaNfechtKm? a&et Mffi Wirksame Unterstützung seiner Angriffe geschaffen hat. Die letzten Wochen sind mit den schwersten und blutigsten Kampfen erfüllt gewesen, ein Großangriff folgt« dem andern. Die Franzosen stürmten am 16.«nd. 17. September im Winkel Avischen Oise und Aisne in»rbitterten Kämpfen gegen unsere Stellungen an, um die Ecke bei Jaffa«!, Vaupaivon und dem Pi nonwalde einzudrücken«nb vorr hier»uS unsere Linie an der AiSne und Lesle in Flanke«nd Nucken aufz«rollen. Die Eng- I ä n d e r brachen am IS. September gegen den Raum zwischen Gambrai und St. Quentin vor und wrederholten den Angriff am 21., nachdem ihnen der erste Tag nur östlich EpShy geringen Raumgewinn gebracht hatte. Aber der zweite verlief noch im- glücklicher für sie«nd war mit einem schweren Mißerfolge gleichbedeutend. Inzwischen haben«ckh die A in e r ich n y e r ihre eigenen Schlachten zwischen Maas und Mosel gefunden, wo ihre erste Armee unter General Persching geschlossen steht. Seitdem der UeberraschungSschlag de« 12. September gegen den vorspringenden deutschen Keil von St. Mihiel ibnen die erhofften Ergebnisse nicht gebracht hat, weil die Deutschen sich der Einkreisung noch rechtKeitig eickzogen, find sie diesen dort nur Vorsicht'!« gefolgt»nd Hoden sich unter leichten Gefechten an deren neuen Stellungen herange fühlt. Doch glaubt man nicht, jdaß hier nun wieder Ruhe eingekehrt sei, sondern ist auf neue, grvße�Unternehmungvn der Feinde mit weitveichen- den Zielen gefaßt. . Tie vergeblichen An sireng«n gen{fer Feinde im Westen habeil die Lage der deutschen Heere während der I ctzten Woche««zweifelhaft verbessert. Wir dür- Hu annehmen, daß, von geringen Schwankungen abgesehen, »vir nunmehr dort stehen, wv wir den Kampf auch weiterhin durchkämpfen wollen«nb werden.£b der Gegner nach der erforderlichen Ruhepause an den bisherigen Fronten die früheren Angriffe wiederholen, ob er sie vorbereiten, ob er ganz neue Stoßpunkte suchen wird, wissen wir nicht. Viel wird ja von dem Zustande feiner eigenen Truppen, die sehr blutige Verluste orntten haben müsien, abhängen und von der Zahl und Güte unversehrter Divisionen, die. er noch in die Glut des KamvfsS werfen kann. Wohl aber haben wir das Recht anzunehmsn, haß wir nr unseren Stellungen zwischen Meer ulck> Schweißer Grenz« jidem Durchbruchsversuche der vereinten Feinde gewachsen sind. Ein bloßes Einbeulen un- ierer Linien aber würde— so wr? bisher noch immer— keine dem Gegner günstige Entscheidung herbeizuführen vermögen. Inzwischen hat dieser die große Zahl seiner Streitkräfte zu starken Schlägen»uf zw« anderen Kriegsschauplätzen aus- genutzt, auf denen lange Monde hindurch fast völlige Ruhe berrschte. In M a z«ld o n i e n ist esstser Rexfierung Venezelos end- ! ich geglückt, aus dem griechischen Heere wieder ein kriegstüchtig?? Warst, eug zu schaffen: die serbischen Trup- Pen scheinen organisiert zu sein, während Franzosen, Eng- länder und Italiener Verstärkungen erhielten. So fühlte sich der neue Befehlshaber zu einem tatkräftigen Unternehmen stark genug und hat dies am 14. September mit Anfangs- erfolgen begonnen. Nachdem der frühere Versuch der Italiener in Albanien mißglückt war, wählte er als Hauptangrisss- front die Mitte der bulgarischen Stellung, den ge- birgigen Rrnnu zwische« Lern« und Wardar, während Engländer und Griechen einen Neibeurmgriff weiter östlich um Gewgeli und Deriaur ausführten. Der letztere mißglückte, Franzosen aber und Serben brachen am IS. September in die Verteidigungsstellungen ein, nützten diesen Erfolg aus und zwangen die Bulgaren, denen dcicksche Truppen zu Hilfe eilten, zum Rückzug in neue Stellungen südlich P r i l e P. Infolge- dessen mußten diese auch ihren siegreichen linken Flügel östlich der Wardar in nördliche Richtung zurücknehmen. Die Kämpfe sind auf diesem Kriegsschauplatz offenbar noch nicht zu Ende. Wenige Tage später, am 18. September, fetzten die Eng- länder auch in Palästina, durch Franzosen»erstärkt, zu einer neuen Offensive an. Ihr Versuch am 8. und 9. Juni längs der Küste war unter schweren Verlusten gescheitert, jetzt hatten sie eine große Ueberlegcnheit angesammelt und gingen sowohl in der Mitte, läng? der Straße Jerusalem- Nablus, wie an der Küste vor, hier unter Unterstützung der Schiffsgeschütze ihrer Flott?. Gleichzeitig beschäftigten sie die Türken östlich de? Jordan und führten Scharen ihrer arabi- ichen Bundesgenossen gegen die Bahn- Damaskus— Medina und gegen die Verbindungen de? türkischen Ostslügels. Der Zusammengefaßte Augrisf glückte nur an der Küste, hatte aber hier solch? Wirkungen, daß«ufere Bundesgenossen auch in der Mitte weichen, mußten, und wie eS scheiut, auch im Osten gegen den See TiberiaS Mi rückgefallen sind. In Arabien scheint der aufständisch? Scherls, der eugfische„Körrig der HsdjaS", ziemlich weit nach Norden Boden gewonnen xu hoben. Glücklicherweise Hab«! sich die.KriegSerergnisse in jenem schwierigen Gebiet i innrer mir ruckweise, mit großen Zwischen- räumen, vorwärts bewegt. So darf man annehmen, daß amb diesmalsdie Lage nach einiger Zeit in den Beharrungszustand zunickkehren wird. lieberall aber sehen wir unsere Gegner in fieberhafter Anstrengung ihrer Kräfte. Es ist wahrscheinlich, daß wir vor Wintersbeginn noch weitere schivere Kämpfe zu erwarten baden. .-...............«—«1«»i W�lVi �v»«— rC Jmt Die Demokrütisterung— ein Schkag gegen üie feinölichen Kriegshetzer! Bern, S6. September.(Eigener Drahtbericht des„Vorwärts'.) Die Anzeichen«ine« deutschen Reform im Innern begegnen einer feindselig«« Kritik durch die franFösische Kapita- listen presse. Der..AsmpV" stellt diesen Reformen geschickt die finnländische Po litt k DsutschlrmdS grgenübsr, indem er schreibt:.An Verckn sieht nemi We deutschen Parlamentarier schwätzen, in Helsinysors mit preußischen Militärs handeln. M ist typisch deutsch«� Methobe, daß sich Zivil und Militär in die Arbeit teeleu. Di« Zivilreglierung proklamiert die Nichlinterixntii«, d«« Militär liisB d«e Kanonen sprechen. Nachher proklamiert die Ziviloezierm� da? GewaltergebniS als geheiligtes :>!echt. So mißbill�en diu preußischen Liberalen die Annexion Schleswigs, die Sozia.l>si«n»ie lilsaß-ÄothringemSl Wa» wirb sich geändert hab»n,»»nn Scher d»m«nn Hertling morgen«r setzt? Ebens» wie üti i»»»,?« hetzerisch«„Tempi" äußert sich.Debat»', der von einer„partan«ent»r! schon Komödie' spricht. Scheidemann und Ebert soZcn Minis»erpvrtefeu«ll«s erhalten, damit Ludendorff hinter diesem Schild neue Offensiven vorbereite. Die Svzialistcnführer würden nicht»audern, auf das Volk schießen zu lassen, und weil sie sich aus diese Weise diskreditieren würde«» hätte dar Generalstab doppelten Gewinn. Manche Fran- zosen würden nachdenklich beim Gedanken eines deutschen Mini- stcriums, das Sozialisten in sich einbegreift. Mögen sie ruhig sein. Es ist gut, daß das Experiment stattfindet und die ganze Weit die Mitschuld der Anhänger Scheidemauns mit Bethmrrnus Nachfolger konstatiert. ES wird sogar ausgezeichnet sein, dag die deut- schcn Arbeiter mit, eigenen Augen sehen, daß sich ihre Vertreter wie gewöhnliche Imperialisten gebärden. Damit daS deutsche Volk einen gerechten und dauernden Frieden erhält, mnß es erst die Leute abschütteln, die es betrogen haben und ausnützen. Wenn ber in der Kriegs frage gemäßigte /.Debats" derart beinahe im Ton der Zimmerwalder schreibt, so offenbar des- halb, weilerdieRückwlrkungfürchtet,dieeine dentscheEntwicklungderDenlokratieaufdas Selbstbeivußtsein und die Aktisnslust des französischen Proletariats ausüben würde. Man merkt diesen Worten an, daß die Demokratisierung Teutschlands durchaus nicht, wie die deutschen Konser- vativen behaupten, ein wirkliches Ziel unserer Feinde ist, sondern ihnen sehr unangenehm kommt, weil sie ihnen ein wichtiges Agitations mittel aus der Hand schlägt. Daß die deutschen Sozialisten, zur Re- gierung gelangt, auf die Arbeiter schießen lassen würden, ist eine böswillige und lächerliche Unterstellung. Die deutsche Sozialdemokratie besteht nicht aus B r i a n d s! Lenin gegen öen Terror. Die Zeitung„Mir" meldet, wie das Wiener k. k. Tele- graphen-Korr.-Burcau zu berichten weiß, die Zurück- ziehung desDekrets über den Massenterror. Im Zentralkomitee sei die Frage des Terrors erörtert worden, wobei Lenin den dringenden Wunsch aussprach. Urieder zu den guten Methoden der Revolution zurückzu- kehren. Die Mehrheit habe sich ihm angeschlossen. Wenn die Bolschewisten vom summarischen Massenterror abkommen, so wird die Welt darin nur einen Beweis ihrer Stärke sehen. Sie werden beitragen, ihren internationalen Kredit zu erhöhen, wenn ihr Weg zur Befreiung aus den Banden des Kapitalismus und zur Erlösung durch den Sozialismus nicht mit dem Blute von Unzähligen bespritzt ist, die im summarischen Verfahren hingerichtet wurden, ohne daß wohl immer genügende rechtliche Bürgschaften gewährt wurden. Dieser Wunsch darf auch dann ausgesprochen werden, wenn die Greuelberichte aus Rußland arg übertrieben sind. Immerhin gibt es sehr zu denken, daß die nichtbolschewistischen russischen Sozialisten die Entsendung einer internationalen sozialistischen Untersuchungskommission verlangt haben. . Litwinoff auf der Rückreise. Amsterdam, SS. September.(Reuter.) Litwinoff ist heute nacht nach Rußland abgereist, begleitet von 54 Landsleutcn. Frau Litwinoff und zwei Kinder bleiben in London. Neuorientierung in Südamerika. London, 26. September. Die„Times" erfährt aus Buenos Aires vom 24. September: Die Anwesenheit der chilenischen Mission läßt vermuten, daß man die Gelegenheit benutzen wird, um eine Annäherung zwischen den beidsn neutralen Staaten, die gleich isoliert sind,' zu besprechen.'Gut unterrichtete Kreise weisen auf die Möglichkeit hin, daß eine Bewegung zustande kommen wird, um die sogenannte ABE-Gruppe(Argentinien, Brasilien, Chile) durch eine APC-Grnppe zu ersetzen. England und die deutschen Kolonien. Tie Furcht vor de» U-Booten. Reuter meldet: Die Erhebungen, die an maßgebenden Stellen vorgenommen wurden, zeigen, daß diejenigen, die am ehesten in der Lage sind, sich eine Meinung zu bilden, nicht im geringsten daran zweifeln, daß Deutschland, wenn es seine Kolonien zurückbekäme, sie als Unter- seebootstationen verwenden würde, die eine Be- drohung für den Handel aller Nationen darstellen würden. In diesem Zusammenhange wird daran er- innert, daß der Deutsche Kaiser beim Ausbruch des Krieges als Preis der englischen Neutralität gewisse be- sondere Versprechungen wegen der Häfen der nördlichen französischen Küste machte. Aber er sagte nicht, was den sranzösischen Kolonien passieren Würde. Jetzt scheint� es kltir, daß eines seiner Ziele war, sich in' ihren Besitz zu setzen. Jetzt behaupten die Deutschen, daß sie die Wieder- Herstellung der Kolonien nur wollen, um Rohstoffe zu bekommen. Di'ese Behauptung wird als offensichtlicher TäuschungSversuch angesehen, denn der Wert der Ausfuhr aus ihren gesamten überseeischen Besitzungen betrug vor dem Kriege nur fünf Millionen Pfund. Die Eroberung einiger Kolonien, z. B. Ostafrika und Südwestafrika, war eine außer- ordentlich schwierige Aufgabe. Wenn Deutsch- land sie zurückbekäme, könnte es sie zu Lande und zur See so befestigen, daß-sie nahezu uneinnehmbar wären. Man muß in diesem Zusammenhange an die außerordentliche Vergrößerung der U-Boote denken. Die Untersce-Boote vom veränderten Deutschlandtyp haben einen Aktionsradius von ungefähr 30(XX) Kilometer und der neueste Kreuzcrtyp sogar von 50 000 Kilometer. Ein Aktionsradius von 15 000 Kilo- meter aber würde genügen, um ernstlich auf alle Handels- Wege der Welt störend einzuwirken. Das Wolffsche Bureau fügt folgende Anmerkung an: Die Propaganda mit der Befreiung der Neger vom deutschen Joch scheint in England und dem Rest der Welt leine besonderen Erfolge gehabt zu haben. Nun muß dem englischen Publikum und allen anderen gläubigen Lesern der Reuterdepei'chen mit den deutschen Unterseebooten Angst gemacht werden, um sie zu überzeugen� daß die deutschen Kolonien nicht an Deutsch- land zurücksalle» dürfen. Englische Unierseeboote gibt eS bekanntlich nicht, und vom Flotienstützpunkt in englischen Kolonien hat die Welt ja auch noch nie gehört I Demnächst werden wir er- fahren, daß England die Küsten an allen Meeren der Erde gehören müssen, damit nur nicht ein Staat etwa Englands Handel mittels Unterseebooten bedrohen könne. Denn soweit nepe Informationen reichen, werden Unterseeboote in fast allen Staaten, die eine Kriegs- flotte besitzen, gebaut, außer naiürlich in England, dessen Flolte noch niemal« jemanden bedroht hat. Der bulgarische Heeresbericht. Sofi», 25. September. Eeneralstabsbericht vom 24. September. Mazedonische F r o n r. Westlich vom Ochrida-Sce war das beiderseitige Artillerteseuer zeitweiße- ziemlich- heftig. In der Gegend von Biwlia griffen feindliche Einheiten mehrmals erbittert unsere Stellungen an, sie wurden aber blutig abgewiesen, zum Teil nach Handgemenge. Mehrere unverwundste französische Gefangene blieben in unserer Hand. Nördlich von der Tscherna zogen sich unsere Einheiten ungestörr vom Feinde planmäßig auf die Babuna-Berge zurück. Bei K r i w o l a k griff der Gegner mit starken Kräften an. Der Kampf ist noch im Gange. (Kriwolak liegt n o r d östlich im Wardartal, etwa 100 Kilometer von Monastir, dem Bitolia des bulgarischen Heeresberichtes, cnt- sernt.) Die feinölichen Heeresberichte. Englischer Bericht vom 25. September.(Verspätet.) Palä st inafront: Oestlich vom Jordan nähern sich unsere Truppen Amönau in Verfolgung des Feindes, welcher sich in dieser Richtung zurückzieht. Nördlich von dieser Station wurden durch arabische Streitkräfte bedeutende Zerstörungen an der Eisen- bahn ausgeführt. Andere arabische Streitkräfte bedrängen den Feind, der sich nördlich von Maan zurückzieht. Die Gesamtzahl der Gefangenen hat sich aus über bierztgtauseud erhöht, nicht weniger als zweihundertfünfundsechzig Geschütze tvurden erbeutet. Französischer Heeresbericht vom 23. September abends. (Verspätet eingetrvffen.) Orientbericht vom 23. September. Die durch die al- liierten Armeen in Mazedonien erzielten Erfolge nehmen den Charakter eines großen Sieges an. Der rasche Vormarsch der französischen und serbischen Armeen im Zentrum giMeu den mittleren Wardar führte auf der ganzen Front von 150 Kilo- meiern zwischen Monastir und dem D o j r a n s e e den über- stürzten Rückzug der feindlichen Armeen herbei, welche die alliierten Verbände lebhaft verfolgen. Nordöstlich von Monastir ist die Linie M o g i l a— K anatlarts i— K a l a h a n i erreicht, während mehr nördlich'serbische Truppen auf P r i l e p und aus den Babunaberg marschieren, welcher den Wardar von Gradesko bis Dem'irkapu begleitet. Sie werfen ihre Streitkräfte auf das linke Ufer und bemächtigen sich GewgheliZ- und der ganzen feindlichen ersten Stellung bis zum D o j r a n s e e. Die feindlichen Nachhuten be- mühen sich, die Verfolgung zu hemmen. Auf den Straßen in der Gegend von Monastir-Kicevo und Prilep fluten die feindlichen Ko- lonnen in unbeschreiblicher Unordnung zurück und werden durch alliierte Flieger ohne Unterlatz mit Maschinengewehren beschossen und mit Bomben beworfen. Zahlreiche Dörfer und Baracken stehen in Flammen. Eine unermeßliche Menge von Gefangenen, Ge- schützen und Kriegsmaterial, dessen Zählung noch nicht vorgenom- men werden konnte, siel noch in unsere Hand. Wir erbeuteten be- sonders auf der Wardarbahn Lokomotiven, drei vollständige Züge und zwei weittragende türkische Geschütze. An manchen Orten lösten sich demoralisierte bulgarische Streitkräfte auf und warfen ihre Waffen fort. Nach dcn letzten Nachrichten schreitet auf der ganzen Front der Angriff fort. Versenkungen. Im Sperrgebiet»m England und im Atlantik versenkten unsere U-Boolc 26 000 Br. R. T. Der Chef des Admiralstabes der Marine. Der Geheimerlaß öes Kriegsministers. Gegen Versammlungcu zugunsten der Reichstags- resolution. Der Geheimerlaß des Kricgsmimstcrs. v. Stein, der. in der vorgestrigen Sitzung des HauptausschusscL von allen Rednern scharf verurteilt wurde, war an die Minister des' Innern gerichtet und hat folgenden Wortlaut: Der Ober-Militärbefehlshaber. Nr. 4678. 18. g. A. C. Berlin W 66, dcn 8. Juli 1018. Di? Zentralstelle Völkerrecht und die Deutsche Friedensgeiell» schaff entwickeln wieder eine große Propagandatätigkeit. Von beiden Stellen sind Aufforderungen an die Ausschußmitglieder, Ortsgruppen und Vertrauenspersouen ergangen, in möglichst vielen Versammlungen für einen VerständigungSsrieden im Sinne der ReichstagLcntschließung vom 19. Juli 1017 einzutreten. Da ihren Organisationen die Abhaltung von öffentlichen Ver- sammlungen nicht gestattet wird, sollen freie Bürgerausichüsse ge- bildet werden, um solche Versammlungen zu ermöglichen. Wo auch dieses Verfahren nicht zum Ziele führt, wird die Abhaltung ge» ichlosiener Versammlungen empfohlen. Vielfach sollen Versamm- lungen, zu denen öffentlich eingeladen wird und jedermann Zutritt hat, von den Behörden als geschloffene Versammlungen gestaltet werden, falls nur die Form der Ausgabe von Eintrittskarten ge- wahrt wird. Die Tagesordmmg soll einheitlich lauten:„Welchen Frieden braucht unser Volk?" Ebenso ist für die in den Versamm- lungen. einzubringende Entschließung ein gleicklauiender Text herausgegeben worden. Zur Gewinnung von Rednern bietet die Deutsche Friedensgesellschait unter Herausgabe einer Rednerliste mit Themenangaben die Vermittlung ihres Sekretariats an. Die vorgescbilderte Bewegung ist ein neuerlicher Ausfluß der unerwünschten Propaganda für den internationalen Pazifismus. Unter Hinweis auf meinen Erlaß vom 7. November 1915 Nr. 3740,15- g. A. C. ersuche ich, die Abhaltung der in Aussicht stehenden Ver« sammlungen und Reden zu verOstdern. gez. v. Stein. Wie bekannt geworden ist, hat der bayerische Minister des Innern diesem Ersuchen nicht stattgegeben. Der Dichter als Prophet? „Mensch und Tiere schliefen feste.. Ein Leser will unS beweisen, daß der deutsche Dichter Lichiwer (1719— 1783),- der im Hauptberuf Konsistorialrat war, eine äugen- blickliche politische Situation poetisch vorausgeahnt habe, als er die Verse niederschrieb: Hinzi, Murners Schwiegervater Sckiliig den Takt erbärmlich schön, Und zwei abgelebte Kater Quälten sich,»hm beizustehen. Wir vermögen tzns dieser Auffasiung nicht anzuschließen. Denn erstens besitzt der Herr Staatssekretär des Auswärtigen unseres Wissens keinen Schwiegersohn namenS Murner, und zweitens ver» bietet schon die Höflichkeit, in den beiden Nebenfiguren die Herren Abgeordneten Graf Westarp und S tr e s em a n n erkennen zu wollen. Lekte Nackrichten. Ter Schönebergcr Gattenmörder verhaftet? Aus dem Belle-Alliance-Platz � wurde gestern nacht ei« Mann von dxr Kriminalpolizei festgenommen, und gefesselt abgeführt. Nach Aussagen von Passanten soll es sich um den Glasergesellen Franz M e h e r gehandelt haben, der im Verdacht- steht, seine Ehefrau er- würgt zu haben. Eine Bestätigung dieser Nachricht war in spater Stunde nicht mehr zu erhalten. Nr. 2HH ♦ ZS. Jahrgang Heilage öes Vorwärts Freitag, 27. September 1918 Die Teuerungszulagen. Stadtverordnetenversammlung. Der Errichtung von Ambulatorien bei den vier großen städtischen Krankenhäusern und beim Kinderkrankenhause zur Weiterbehandlung bisher stationär behandelter Krankenhausinsasien und der Errichtung von 16 Obevarztstellen zur Leitung der Ambu- latorien und zur Entlastung der ärztlichen Direktoren und der divi- gierenden Aexzte empfiehlt der eingesetzte Ausschuß zuzustimmen. Außerdem soll in geeigneten Fällen den Kranken die Möglichkeit gegeben werden, in Heimstätten, die mit dem Krankenhause in un- mittelbarer Verbindung stehen, ihre Genesung abzuwarten.— Ein vom Ausschuß mit Stimmervgleichheit abgelehnter Antrag, wonach in den Ambulatorien auch solche Kranke behandelt werden können, die von den Aerzten in der Stadt überwiesen werden, wird vom Stadw. Dr. Wehl(U. Soz.) wieder aufgenommen.— Stadtv. Koblenzer(Soz.) plädiert gegen den Stadtv. Professor Lan- d a u sFr. Fr.), der die Vorlage an den Ausschutz zurückweisen will, , für Annahme derselben sowie der Resolution betr. die Heimstätten; als Uebergangsmatznahme für die Zeit der Demobilisierung sei eine solche rechtzeitig getroffene Maßnahme bei dem dann zu erwarten- den riesigen Ansturm auf die Krankenhausbetten ganz unerläßlich. Mit der Einrichtung werde auch dem argen Aerztemangel, unter dem Verlin jetzt zu leiden habe, in etwas abgeholfen werden. Den Antrag Wehl empfiehlt Redner ebenfalls zur Annahme.— Stadt- medizinalrat Dr. Weber teilt mit, daß in der Heimstättenfrvge bereits wertere Schritte seitens des Magistrats geschehen sind.— Stadtv. Brandenburg(Linke) bekämpft den Antrag Wehl als einen Schritt in den sozialde in akratischen Zu- kunstSstaat; man würde damit die.Krankenhäuser nicht ent- lasten, sondern neu belasten. Schließlich ersucht auch noch der Oberbürgermeister um Ablehnung des Antrags Wehl, dessen Annahme die Vorlage ernstlich gefährden würde. In n am ent- I icher Abstimmung fällt der Antrag Wehl mit 65 gegen 41 Stimmen; die Ausschutzdorschläge gelangen zur Annahme. Hierauf begründet Stadtv. Z u b e i l den am 3. September ein- gebrachten Antrag der U. Soz., den Magistrat zu ersuchen, beim Steuerinka s so das H o l s y st e m aufrecht zu erhalten; es müsse rn dieser schweren.Kriegszeit alles vermieden � werden, was der so viel geplagten Bevölkerung neue Lasten aufbürde.— Stadtrat Hamburger verweist auf die Kr-iegserfahrungen und auf die Rot an Steuercrhebern. Die Frage sei für den Magistrat noch nicht spruchreif. Jedenfalls werde mit aller Vorsicht vorgegangen werden.— Stadtv. Bruns(Soz.): Es handelt sich hier um eine Frage der Praxis. Der Versuch, den der Magistrat mit zwei Steuer- lassen gemacht hat, ist gewiß nicht im geeignetsten Zeitpunkt unter- nommen worden, andererseits befand sich der Magistrat in einer gewissen Zwangslage. Für das Bringsystem ist früher der Kollege T-nger warm eingetreten. Man sollte das Ergebnis des Versuchs räuoarten; dann aber muh uns jedenfalls eine Vorlage gemacht werden. Inzwischen sollte durch Zuhilfenahme der Sparkasse und durch Offenhaltung der St«u>erkassen in gewissen Abendstunden Erleichterung geschafft werden. Auf Anregung des� Stadtv. Cassel(Linke) erklärt Bürgermeister Dr. Reicks, daß evtl. eine bezügliche Vorlage an die Versammlung gelangen werde; darauf zicbt Stadtv. Z ubeil den Antrag zurück. Dem Bedauern über den Mangel an Geneigtheit zum Abbau der Vorschulen in den Vororten geben die Stadtvv. Leid «U.$09.) und Bruns(Soz.) lebhaften Ausdruck; Stadw. Cassel desgleichen. Nach dem Vorgangs des Staates hat auch der Magistrat ange, sichts der anhaltenden Teuerung«ine einmalige Teuerungszulage an die städtischen Bediensteten zu gewähren beschlossen. Zurzeit beziehen laufende Teuerungszulagen die Beamten und Lehrer in Klasse IV. III. II. I i Einkommen bis 3000, 5000, 7000, über 7000 bis 14 680 M.) 900, 1080, 1200. 1300 M., hinzutreten soll eine Zu- löge von 600, 700, 800, 900 M., außerdem 100 M. Zuschlag für jedes Kind. Ledige sollen AI Proz. dieser Sätze erhalten, verheiratete Kriesteilnehmer 50 Proz. der Grundbeträge und die vollen Kinder- zuschlage. Auch die Hilfskräfte und die städtischen Arbeiter, die mindestens ein Jahr in der Verwaltung tätig sind, sollen diesmal bedacht werden; desgleichen sollen die im Ruhestand befindlichen Beamten und Arbeiter zu ihren laufenden KriegSbeiHtlsen eine ein- malige erhalten. Die Kosten schlägt der Magistrat auf 19,3 Millio- nen Mark, die Gewährung soll ab 1. Oktober 1918 erfolgen.— Ein Antrag Barkoiv ski(Soz.) fordert die Teuerungszulage der Klasse IV auch für die Hilfskräfte und Arbeiter, die mindestens ein Jahr bei der Stadt beschäftigt sind; ferner sollen%, Vi, V* dieses Satzes getvährt werden, wenn die Betreffenden mindestens 6, 8. 1 Monat im städtischen Dienst tätig sind. Auch für die Ledigen sind weitere Verbesserungen beantragt(dergl. Donnerstagnummer), desgleichen für das in Kost und Logis stehende Krankenwärterper- sonal. Endlich soll auch das Personal dar städtischen B.E.W, der Ziel zge teilhaftig werden.— Stadw Brückner(Sozy): Auch diesmal hat erst der Staat vorangehen müssen, bis der Magistrat den unter den Beamten und Angestellten eingerissenen Nrnftand anerkannte. Die Teuerungszulage sollte nicht nach dem Gehalt usw. gestaffelt, sondern e i n he i t l i ch gestaltet werden. Es wird aber in der Vorlage mit zweierlei Matz gemessen, auch den Ar- beitern gegenüber. Zu Neuanschaffungen reiche auch der erhöhte Arbeitslohn nicht aus. Unberechtigt seien auch die zu Ungunsten der Kriegsteilnehmer geinachten Differenzierungen.— Rediier empfiehlt sodann die vorstehend erwähnten Berbesserungsanträge. -- Stadtv. Cassel erklärt Ausschutzberatung für selbstverständ- lich und wünscht auch die Magistratsmitglieder in die Vorlage ein- bezogen zu sehen.— Stadtv. H i n tz e(U. Soz.) fordert e i n h e i t. , l i ch e Zulagen von je 900 M. für die Beamten, von je 600 M. für die Arbeiter und Hilfsarbeiter.-— Stadtv. R 0 s e n 0 w(Fr. Fr.) dringt auf tunlichst schleunige Erledigung der Vorlage und bcan- tragt Ernennung des Ausschusses durch den Vorstand. Es wird so beschlossen.________ GroßSerlln Die Strafmark der Strahenbahu. Zu einer scharfen Verurteiiung deS von der Großen Berliner b-lieblen Strafensystems gegenüber dem Publikum kommt Kammer- gerichtsrat Hagen in der neuesten Nummer der»Deutschen Juristen- Zeilung." Das Absurde der Verordnung führt er durch die Tat» suche vor Auaen, daß ihre„Vollstreckung" in der Praxis zur Unmöglichkeit gemacht werden kann. Was soll werden, so meint er, wenn sich ein Fahrgast weigert, die Strafrstark su zahlen, oder wenn er keine Mark bei sich hat. Körperliche Gewalt sei. ansgeschlossen. auch ein Vfändungsrecht gäbe es nicht und Ausschluß von der weiteren Fahrt tonne zuni milideste» ziveifelhaft sein. Solle aber jeder Fall die Gerichte be- schäftigen, so wüide das eine Belästigung der Gerichte und des Publikum» bedeuten, der in heuliger Zeit schon' im öffentlichen Interesse nicht schars genug entgegengelrctcn werden könne. Schließlich weist Hagen auch auf die Unmöglichkeit für die Schafferinnen bin, bei den überfüllten Wage» exakt sestzustellen, wer seinen Willen, eine Karte zu lösen, bereits kundgetan habe und wer nicht. Gestatiei man, so schließt Hagen seine Aussührunge». der Straßeiibabu die dauernde Uebersüllung und die beträchtliche Fahr- g e I d e r h ö h u n g, so hat auch die Straßenbahn in erster Reihe selbst die Pflicht, die nötigen Vorkehrungen gegen die besürchfeten MWMIW Ii Bdlil I. Zur Reichstags-Ersatzwahl im ersten Berliner Reichstags- Wahlkreise findet Sonntag, den 29. September, früh 8 Uhr, Flugblattverbreitung statt, zu welcher um rege Beteiligung der Parteigenossen und-genossinnen er- sucht wird. Die Genossen treffen sich an folgenden Stellen: I. Wahlkreis, Teltow- Beeskow und Niederbarnim bei Glane, Kommaudantenstr. 88; H. Wahlkreis bei Schirm, Charlottenstr. 6/7; III. Wahlkreis bei Schulz, Parochialstr. 36; IV. Wahlkreis bei Schmidt, Am Zirkus 19; V. Wahlkreis im Rosenthaler Hof, Roseuthaler Str. 12; VI. Wahlkreis im Restaurant Müller, Brnckenallee 14. Das Zcntralwahlburea» befindet sich Lindenstr. 3, im Bezirkssekretariat Grofi-Berlin. Adresse: Th. Wischer, Berlin W 68, Lindenstr. 3, Telephon; Amt Moritzplatz 364. Fahrgeldhinterziehungen zu treffen. Diese Aufgabe aus dem jetzt gewählten Wege der Strafmark lösen zu wollen, hieße die Mißlich- keilen des neuen Fahrkartensystems und die Unzulänglichkeiten des Fahrpersonals ans das Publikum abwälzen! Zwei falsche Kriminalbeamte treiben in Steglitz ihr Unwesen. Unter Vorzeigung einer BIcchmarke verlangen sie meist Einlaß in Wohnungen, wo nur Frauen allein anwesend sind. Sie geben vor, Haussuchung vornehmen zu müssen in einer Angelegenheit, über die sie zunächst Stillschweigen zu beobachten hätten und bei dieser Gelegenheit beschlagnahmen sie Werlsachen, Eßwaren usw.� Der eine der Schwindler ist etwa 33 bis 38�ahre alt, groß und schlank, mit hellblondem Haar, stark gestutzlem Schnurrbart, trägt braunen Jacketlanzug und steisen schwarzen Hut. Der andere ist e<>-as jünger, hat flotten dunklen Schnurrbart und ist bekleidet mit grau- meliertem Anzug und ebenfalls steffem schwarzen Hut. Zum Totschlag im Hcdwigskrankcnhause wird berichtet, daß auch noch ein 83 Jahre aller Hoipitaliter Johann P i r s ch k e verhafiet worden ist, der— wie er selbst angibt— an dem Totschlag mil- beteiligt gewesen ist. Er wird wahrscheinlich, da er religiös Wahn- sinnig ist, in eine Irrenanstalt gebracht werden. Sonderofenkarien. Die Kohlendeputation des Magistrats.Berlin gibt bekannt: Die Sonderofenkartei, für die gesamte Heizzeit 1918/19 werden dem nächst zur Ausgabe gelangen. Es empfiehlt sich, daß auch die- jenigen, die schon im Winter 1917/13 Sonderkohlenkarten erhalten haben, einen neuen Antrag bei der Kohlendcputation stellen. For mulare hierzu sind in der Auskunftsstelle der Kohlendeputation in der Spandauer Str. 10 jederzeit von 8 bis 3 Uhr zu erhalten, können auch gleich an Orr und Stelle ausgefüllt werden. Die Stellung neuer Anträge erübrigr sich für alle diejenigen, welche bereits von der Kohlendeputaiion den besonderen schrifllichen Bescheid erhallen haben, daß ihnen im Oktober Sonderofeiikarien in einer bestimmten Höhe zugehen würden, außerdem für alle diejenigen Firmen und Hotels, welche zwecks Feststellung der zuzu- billigenden Sonderkohlenkartenmengen bereits eme besondere Re- Vifion durch einen Beamten der Kohlendeputaiion an Ort und Stelle stattgesunden hat.__ Berliner Lebensmittel. Au Kinder im Alter bis zu zwei Jahren und an Personen im Alter von über 70 Jahren werden in der Zeit vom 30. September bis 20. Oklober einmalig l'/a Pfund Zwieback ausgegeben werden. Der Verkauf erfolgt ohne Brolkarten gegen Bezugscheine. Der Zwieback wird in Originalpäckchen von 124 und 62 Gramm Gewicht verkaufl. so daß jeder Bezugsberechtigte sechs große oder zwölf kleine Päckchen erhält. Der Preis für das große Päckchen beträgt 40 Pf., ffir das kleine Päckchc?� 20 Pf. Innerhalb der Ge- iamlportio» muß an Stelle von zwei große» oder vier kleinen Päckchen jeder Empfangsberechligte(soweit der Vorrat reicht) neben der Restportion ganzen Zwiebacks auch eine Tüte Zwiebackbruchs im Gewicht von 250 Gramm abnehmen 1 die Tüte Zwieback- bruch kostet 65 Pf. Der Preis für die Gesamtmenge ermäßigt sich mithin in den Füllen, in denen auch Zwiebackbruch verabfolgt wird, auf 2,25 M. Für die Empfangsberechtigten, näm- lich alle»ach dem 30. September 1916 geborenen Kinder und alle vor dem 1. Oktober 1848 geborenen Personen, können die Bezug- scheine auf der zuständigen Brotkommission in der Woche Pom 23. bis 28. September 19t8 in Empfang genomnien werden. Eine Voranmeldung für den Zwiebackverkans ist nicht erforderlich; der Bezugschein ist einschließlich des Anmeldeabschnilts bei der Empfang- nähme des Zwiebacks abzugeben. Der Zwieback ist bei den Krankest- brolbäckern" erhältlich. Die Abhebung muß späiestens bis zum 20. Oktober erfolgt fein. Der Kaffee-Ersatz auf Abschnitt 14 der Kaffee-Ersatzkarte wird in Berlin und Vororte» am 15. Oktober in den Kleinhandels- geschäften erhälrlich sein._ Die Fürsorgestellc für Alkoholkranke für die Bezirke Norden, Südwesten, Westen, Nordwesten und Zentrum befindet sich jetzt in den Räumen der kgl. Charitb, Luisenstr. ISu, 1%x Sprechstunden Montags nachmittags 4—5 Uhr. Einen mutmaßlichen Gatten�ioxd oder Totschlag hat die Schöne- berger Kriminalpolizei in dem Hause am Sachsendamm 33 entdeckt. Hier wohnte seit drei Wochen der 32 Jahre alte Glaser Franz Meyer mit seiner gleichaltrigen Ehefrau rm vierten Stock. Das Paar war erst ebenso lange verheiratet, die Ehe von Anfang an geti übt. Das hing wohl mit dem Geisfeszustande des Mannes zusammen. Meyer, ein mehrfach vorbestrafter Mann, der zuletzt in den Eisenbahnwerkstätten zur Aushilfe arbeitete, war früher schon in der Irrenanstalt Herzberge. Seine Frau hatte es sehr schlecht bei ihni. Die Abmieler, denen sie von ihren drei Zimmern zivei abgegeben hatte, um die Wirtschaft aufre»l erhalten zu können, und auch andere Hausgenossen waren wiederholt Zeugen, daß er sie schwer mißhandelte. Seit Sonnabend voriger Woche wurde Frau Meyer nicht mehr gesehen. Ihr Mann verbreitete im Hause und unter Verwandten, er sei mit ihr auf eine Hamsterfahrt aus- gegangen und habe sie an einem Ort in der Provinz noch zurück- gelassen. Da» klang nicht unwahrscheinlich und die Leute kümmerten sich nicht weiter darum, zumal sie Meyer selbst nach wie vor ein- und ausgehen sahen. Mittwoch nachmittag aber kam eine Verwandte, die sich um die Frau sorgte»nd sich nach ihr umlehen wollte, weil sie hochschwanger war. Als sie sie noch nicht antraf, hegte sie Verdacht und ging zur Polizei. Ein Polizeikommissar begab sich gleich nach der Wohnung und ließ öffnen. In dem Wohn- und Schlafzimmer lag olles wüst durcheinander, nur das Bett der Frau war sorgfältig zugedeckt, während das Bettzeug des Mannes ungeordnet und abgezogen war. Verichiedene Sachen au» dem Haushalt sowie Wäsche und Kleidungsstücke der Frau fehlten. Als man nun das Deckbett hochhob, fand man Frau Meyer tot darunter liegen. Die Leiche war schon stark verwest. Die Todesursache kann erst durch Ob- duktion festgestellt werden. Meyer ist flüchtig. Man erinnerte sich jetzt, daß man ihn seit einigen Tagen nicht mehr im Hause gesehen hatte. Auch nacb seiner Arbeitsstelle war er nicht mehr ge- kommen. Noch in der Nacht wurde festgestellt, daß er seit Sonnabend noch wiederholt die Wohnung aussuchte und daß er Haushaltungs- lachen, Wäschestücke usw. versetzt bat. Es unterliegt keinem Zweifel, daß der Flüchtig« seine Frau in einem Anfalle so schwer mißhandelt hat. daß sie unter seinen Händen starb. Einige Räch,« hat er noch neben»br geschlafen. Mitteilungen über den Verbleib MeyerS werden im Schöneberger Polizeipräsidium entgegengenommen. Der Ver- folgte ist 1.74 Meter groß und schlank, hat ein blasses Gesicht, dunkelblonde» Haar, das er in« Gesicht geuiminl trägt, einen gestutzten Schnnrrbart und eine Zahnlücke im Oberkiefer und trägt ein dunkelblaues Jackett mit Weste, ein gelbliches, unten umgeschlagenes! Beinkleid und einen Stehkragen mit Umlegeecken. I Neukölln baut Wohnhäuser. Die Neuköllner Stadtverordnetenversammlung beschloß gestern über den im„Vorwärts" bereits mitgeteillen Magistratsantrag, die Wohnungsnot' durch Eigenbau von Wohnhäusern zu bekämpfen. In der Debatde legte Genosse PollenSke dar, daß bei dem jetzigen Zustand des Wohnungswesens es dringender als je nötig ist, diesen Schritt zu tun. Die Wohnungsfrage ist trotz der un- geheuren Entwicklung der Großstädte leider arg vernachlässigt war- den. Auf die Notwendigkeit ihrer Lösung haben wir Sozialdcino- kragen stets hingewiesen. Aber dank dem Dreiklassenwahlrecht zum- preußischen Landtag und dem Hausbesitzgrprivileg in den Kom- munen geschah so gut wie nichts. In Groß-Berlin ist das Wohnungs- elend besonders schlimm. Die„Wohnungspolitit" der Gemeinden hat sich hier im großen ganzen darauf beschränkt, Arbciterbcvölke- rung fernzuhalten und Wohlhabende heranzuziehen. Der Krieg hat die Wohnungszustände noch Wetter verschlechtert, indem er Still- stand der BautätiAeit, Knappheit der Wohnungen und Steigerung der Mieten brachte. Was vor Jahresfrist die Staatsregierung in ihrem Erlaß über die Bekämpfung des Wohnungsmangels vorschlug. reicht für Neukölln nicht aus. Hier brauchen wir im Hinblick auf> den nach dem Krieg zu erwartenden großen Wohnungsbedarf, der mit 5000 Wohnungen nicht zu hoch geschätzt ist, ganz andere Maßregeln. Darum begrüßen wir es, daß der Magistrat jetzt zum. Eigenbau schreiten will. Zu den Leitsätzen, die er uns mitvorlegt, wünschen wir Betonung der Notwertargkeit, baureifes Ge- lande in Erbbaurecht an gemeinnützige Gesell- s ch a f t e n und G e n 0 s sie n s ch a f t e n zu g-e b e n. Auch das ist möglich, fertige Häuser an M i e t e r g e n 0 s s e n s ch a s t c n zu überlassen. Wir sehen die Vorlage als eine Abschlagszahlung an und erwarten, daß weitere Maßregeln in absehbarer Zukunft folgen. Stadtv. K y l l in a n n erwiderte, es dürfe sich nur um eine Kriegsmaßregel handeln. Man brauche nicht gleich dazu überzugehen, daß„für ewige Zeiten die private Bau- tätigkeit lahmgelegt wird". Auch an die Frage des Erbbaurcchts will er nur mit Vorsicht herangehen. Stadtv. Volk erklärte die Mietesteigerungen für„Naturerscheinungen". Wenn eine Ware knapp sei, ziehe eben der Preis an. Der Hauswirt habe, klagte er, nichts mehr zu sagen. Wir seien auf dem Wege zur allgemeinen Zwangsverwaltung hes Grundeigentums. Er gab aber zu, daß es unter den durch den Krieg geschaffenen Verhältnissen uns möglich sein werde, in eigener Regie zu bauen. Einen Angriff, den er gegen die nach seiner Meinung zu einseitig gegen die Hauseigcn- tümer entscheidenden Mieteiniaungsämter richtete, wiesen Genosse Pollenske und Stadtv. Abraham zurück. Die Stadtver- ordnetenversammlung stimmte dem Magistratsantraa z u, bewilligte die für die Baukosten geforderten 3 Millionen Mark und überwies den das Erbbaurecht betreffenden Zusatzantrag unserer Genoffen an die Kommission für Wohnungssürsorge. Sine Reihe kleinerer Vorlagen wurden meist ohne Debatte er- ledigt. Auf dem Friedhos an der Rudower Straße soll für die Arbeiter ein massiver heizbarer Unterkunftsraum mit zwei verschließbaren Nebenräumen für Gerätschaften und Pflanzen gebaut werden. Die Vermittlung von Sängern bei Begräbnisfeiern soll künftig von der Friedhofsverwaltung über- nommen werden. Unsere Genossen P a e tz e l und Rohr forderten Gewähr, daß Gesangvereinen keine Schwierigkeiten gemacht und überhaupt Schikanen ausgeschlossen werden. Stadtbaurat Hahn sagte das zu und betonte, daß die Stadt ja nur die gewerbsmäßige Vermittlung ersetzen will. In der Sitzung wurden Wahlen für das Magistratskollegium, für den Provinziallandtag und für die Verbandsversammlung voll- zogen. Es wurden wieder- bzw. neugewählt: zum Oberbürgermeister mit 45 Stimmen(von 48) der Oberbürgermeister Kaiser, zum besoldeten Stadtrat mit 46 Stimmen(von 49) der Stadtrat M i er,/ zum Abgeordneten für den ProvinziaUandtag mit 61 Stimmen lvon 68) der Stadtverordnetenvorsteher-Stellvertreter Genosse Scholz, zu Vertretern bzw. Ersatzmännern für die Verbands- Versammlung die Stadtverordneten R 0 s e n 0 w, Genosse T h u r 0 w, Genosse Heitmann, Genosse Pollenske. CSpenick. Verteuerung des LichtS. Die Gaspreise sollen abermals erhöhl werden, nachdem bereits früher Erböhungen von 3 und 5 Pf. erfolgt sind und der Preis jetzt 23 Pf. beträgt, für Automaten- gas 24 Pf. Die neue Erhöbung bringt den Prei? auf 28 Pf., für AulomatengaS auf 30 Pf. Die Gasmessermiete soll um W Proz. erhöht werden. Auch für da» städtische Elektrizitätswerk ist zum 1. Oktober ein neuer Tarif in Vorbereitung. Schmargendorf. Einspruch gegen den Dahlcmer Spielplatz. Entsprechend den Wünschen des Verbandes Groß-Berli». die bc- sonders lebhaft in der Verbandsversammlung zutage getrete» sind, hat- die Regierung in den Bebauungsplan für Dahlem eine Spielplatzanlage von ähnlichem Umfange, wie ihn der große Spiel- platz im Treptower Park besitzt, vorgesehen. Die Anlage soll im Norden Dahlems zwischen der Freiburger und Borkumer Straße, westlich vom Breitenbach-Plotz geschaffen werden. Da durch die Spielplatzanlage auch die aus Dahlem zulaufenden Straßen« züge Schmargendorfs berührt werden, beschäftigte sich bis Schmargendorser Gemeindevertretung in ihrer letzten Sitzung- mit dieser Aenderung des Dahlemer Bebauungsplanes, Der Vor- sitzende, Bürgermeister Go lisch, betonte, daß die von Schmargen- dorf ausgehenden BerbindungSstraßen nach Dahlem, insbesondere zum Uinergrundbahnhof Podbielsktallee, die Zoppoter und die Dievenowstraße, durch den geplanten Spielplay von der Fort- führung abgeschnitten werden und sich toilaufen würden. Im Ver- kehrSinteresse und auch vom Standpunkt Schmargendorfs aus müsse gegen die Anlage deS Spielplatzes an dieser Stelle Einspruch erhoben werden. Auch würde die Bewohnbarkeit der angrenzenden Straßenzüge durch den lauten Spielbetrieb erheblich beeinträchtigt werden. Die Gemeindever- tremng schloß sich.diesen Bedenken an und beschloß, beim Ver» bandsdireklor des Verbandes Groß-Berlin gegen die Spielplatz« anlage zwischen der Fresburger und Borkumer Straße Einspruch zu erheben._ Mariendorf. Kartoffelverkauf. Für die nächste Woche kommen 7 Pfund-Kartoffeln zur Ausgabe(Pfund 12 Pf.) Die Karioffeln können schon jetzt bei den Händlern entnommen werden, damit Platz für neue Zufuhren geickmffcn wird. — Anmeldung für Nähgarn. Bei deu Händlern liegen Kunden- listen für Nähgarn aus. Die Anmeldung erfolgt gegen Vorlegung der Gemeindelebensmlttelkarten mir den Abschnitten F und G bis spätestens am 30. d. Mts. Für jede im Haushalt befindliche Person ist eine Lebensmittelkarte darzulegen. Wegen Ausgabe des Näh- garns erfolgt später besondere Bekanntmachung. Fricdrichshagen. Lebensmittel. V o Ilm ilch ka rtear werden heute und morgen gegen Vorlegung der abgelaufenen Abschnitte, die M a g e r in i l ch k a r t e n am Dienstag ausgegeben. Die gegen Attest zu verabfolgenden Vollmilckikarten nur gegen Vorlegung der schriftlichen Benackrichtigung Montag, den 30. September. Die Ausgabe geschieht im Lebensmiitelbureau, Friedrichstr. 88, von 8—1 und 3—6 Uhr.— Kunsthonig gelangt bis morgen auf Ab- Abschnitt 128 der blauen Lebensmittelkarte zur Ausgabe. Auf jede Karte entfallen 4S6 Gramm zum Preise von 67 Pf. Weißcnsee. Lebcnsmittes. Die Abschnitte 126a— g der Weistenseer KartoffeUarle verlieren mit dem 27. ihre Gültigkeit. Bis zu diesem Tage einschließlich hat also jeder Karteninhaber zur Vermeidung des Verlustes seine Kartoffeln für die Woche vom 23. bis 2S. abzunehmen. Diese Bestimmung gilt nicht für Militärurlauber und die- jenigen, die erst nach deni 27. September in den Besitz einer Kar- toffellarte gelangen, ebenso für den Verbrauch in Gast-, Schank- und Speisewirtschaften. Einrichtungen der Volksspeisung, Kantinen ge- ivcrblicher Betriebe und gemeinnützigen Speiseanstalten. Die zum Verbrauch in der Woche vom 36. September bis 6. Oktober 1918 bestimmten, auf die Abschnitte 127a— g der Weißensecr Kar- toffel karte entfallenden sieben Pfund Kartoffeln find vom 27. September biMfspätestens einschließlich 1. Oktober in den Kleinhandelsgeschäfren abzugeben und zu entnehmen. Mit dem 1. Oktober verlieren die Abschnitte 127 a— g der Kartoffelkarte ihre Gültigkeit. Die vorstehend genannte Ausnahme gilt ent- sprechend für die Abschnitte 127 der Kartoffelkarte. Wer die Kar- toffeln aus die Abschnitte 127 nicht in der Zeit vom 27. September bis 1. Oktober abnimmt, erhält seine Kartoffeln nicht. Soziales. Die Entwicklnug des Bergbaues. Der Bergbau hat in den letzten Jahrzehnten im Deutschen Reich eine große Ausgestaltung erfahren. Nach Kriegsausbruch wurden zwar die Betriebe etwas eingeschränkt, gegenwärtig ist aber der Friedensstand wieder weit überholt. Auf Grund der Berichte der Knappschaftsberufsgcnosienschaft läßt sich folgendes Bild der Entwicklung geben: Anzahl der Jahr 1836 1896 1966 1913 1916 1917 Betriebe 1638 1822 2186 1978 1848 1927 Arbeiter 343 769 446 342 689 248 913 805 763 614 777 516 Gezahlte Löhne in Mark im ganzen je Arbeiter 250 802 479 416 636 549 891222 054 1 458 620 230 1 365 405 444 1 871 063 745 729,69 933,45 1293,04 1587,52 1940,56 2406,48 In diesen Ziffern find die beschäftigten Kriegsgefangenen nicht mit eingerechnet. Ihre Zahl betrug im Jahre 1917 im deutschen Bergbau 162 685, so daß zusammen 939 585, also über 20 606 Per- sonen mehr als 1913 beschäftigt waren. Auf die einzelnen Förde- rungsarten verteilen sich die Angaben im Jahre 1917 wie folgt; Betriebsart Steinkohlenbergbau. �. Braunkohlenbergbau.. Erzgruben, Metallhütten. Salzbergbau..... Andere Mineralgewinnung Anzahl der Lohn auf Betriebe Arbeiter einen Arbeiter 343 515 512 255 302 592 163 68 720 86 348 27 992 8 337 2555 Mark 1891. 2038. 1833. 1556. Es zeigt sich hier die überragende Bedeutung des Steinkohlenbergbaues. Die Zahl der ll n f ä l l e bat wieder zugenommen, und zwar die der erstmalig enischädigten von 11 639 im Jahre 1916 aus 13 734 im Jahre 1917, oder je 1660 Versicherte von 16.54 auf 17,66. Untor den Verletzten befinden sich 418 weibliche und 625 jugend- liche. Die Zahl der Gelöteten vermehrte sich von 2156 im Jahre 1916 auf 2874 im Jahre 1917. Jedenfalls eine erschreckend hohe Ziffer. Die weitaus größte Zahl der Unfälle, nämlich 4883, entstand durch Zusammenbruch und Einsturz, sodann 2922 durch Ueberfahren usw. Die Knappschaftsberufsgenossenschaft stellt auch Untersuchungen über.die inneren Ursachen" der entschädigungS- Pflichtigen Unfälle an, und sie hat dabei herausgefunden, daß 9175 <66,8 Proz.) auf die Gefährlichkeit des Betriebs an sich. 4054 <29,5 Proz.) auf die Schuld der Verletzten selbst, 469<2,9 Proz.) auf die Schuld der Mitarbeiter und 96<6,7 Proz.) auf die Mängel des Betriebs im besonderen zurückzuführen sind. Hiernach wären die Unternehmer überhaupt an keinem Unfall schuld, höchstens viel- eflnnungen sind wohlftjl- Worte erschüttern nur die Lust; Erst die T a t zeigt den wert! Deine Tat sei die„Neunte"! leicht an den zuletzt gedachten 96. Diese Unschuld der Unternehmer können nur vielleicht diese selbst glauben. Die.Unfallasten" haben ständig zugenommen. Sie er- höhten sich je Arbeiter von 7,55 M. im Jahre 1886 auf 19,63 M. im Jahre 1960, 38,24 M. im Jahre 1916 und 57,11 M. im Jahre 1917. Berechnet auf 1666 M. Lohnsumme erhöhten sich die Auf- Wendungen von 8,20 M. im Jahre 1886 auf 17,23 M. im Jahre 1900 und 28,44 M. im Jahre 1910. Dann trat eine Verminderung ein auf 21,63 M. im Jahre 1917. Da diese Berechnungen aus eine bestimmte Lohnsumme die zutreffendsten sind(weil sich die Renten hauptsächlich nach dem Jahresarbeitsverdienst der Verletzten richten), so ergibt sich hieraus eine erhebliche Beschränkung der Renten- gewährung in den letzten Jahren. Jitr Jahre 1917 wurden 34Vs Mill. an Unfallentichädigunaen ausgegeben. Davon entfallen 17 076 788 M. auf Renten an 67 771 Verletzte. 4 671 490 M. aus Renten an 18 438 Witwen usw. An.Umlagen"(Beiträgen) wurden von den Unternehmern 44>/2 Mill. Mark eingehoben. Die Aufwendungen für die Unfallverhütung verminderten sich ausfälligerweise von 46 359 M. im Jahre 1916 auf 32 543 M. im Jahre 1917. Diese Beträge sind mit Rücksicht auf den Umfang der Berufsgenossenschaft schon an sich recht niedrige. Der Bericht über das Grubenrettungswesen bebt hervor, daß die Fortdauer des Krieges besondere neue Einrichtungen.nicht zugelassen" habe. Teil- weise waren die Stellen der Aufsichtsbeamten oder der Leiter der Unfallhilfsstellen überhaupt nicht besetzt, verschiedentlich erstatteten diese überhaupt keine Berichte, die zum Rettungsdienst erforderlichen Apparate usw. seien nur schwer zu haben gewesen. Vom Stand« Punkt der Arbeiter aus betrachtet liefert der Bericht kein erfreu- licheS Bild. Jugendliche Psychopathen! Die Deutsche Zentrale für Jugendfürsarge hat seit dem Jahre 1967, angeregt durch einen Vortrag von Professar Ziehen, die Frage dcr Psychopathen in ihren Aüfgabenkreis einbezogen. Im Jahre 1913 hat sie ein Heilerziehungsheim in Templin errichtet, wo psychopathische Knaben nach hcilpädagogischen Gesichtspunkten erzogen werden. In neuerer Zeit hat sie einen Hort für psycho- pathische Knaben in Berlin errichtet, her zugleich eine Art Beob- achtungsstation sein soll, eine Einrichtung, die sich schon früher in Halle durchaus bewährt bat. Die Frage der Psychopathen ist ja auch unter dem Einfluß des Krieges eine immer brennendere geworden. Deshalb will der GcsundheitSausschutz der Deutschen Zentrale für Jugendfürsorge gemeinschaftlich mit>dem Verwaltungsrat des Heil- erztehungsheims Templin die Angelegenheit in einer öffentlichen Tagung am 19. Oktober 1918 in Berlin erörtern. Das Programm der Versammlung, das nunmehr vorliegt, zeigl einen einleitenden Vortrag des Geheimen Medizinalrats Professor Dr. Moeli-Berlin, ein Referat von Professor Dr. Szier-Berlin über. Erkennung und Behandlung der Psychopathie bei Kindern und Jugendlichen, sowie ein anderes von Professor Dr. Kramer- Berlin über psychopathische Konstitutionen und Straffälligkoit im Jugendalter. Wahrend der Vormittag der Tagung so den theoretischen Fragen gewidmet ist, wird der Nachmittag die praktischen fürsorgerischen Fragen be- handeln. Lizentiat Siegmund-Schultze, Direktor des Berliner Städ- tischen Jugendamts, hat hierzu den einleitenden Vortrag über- nommcn über Wege und Ziele der Fürsorge für psycho pathische Kinder und Jugendliche, während Oberregierungsrat Dr. Dietrich- Leipzig über Beobachwngsheime für jugendliche Psychovathen sprechen wird. Fräulein von der Leycn-Berlin wird über Schutz- aufsicht über psychopathische Kinder sprechen, OberrcgierungSrat Böttcher-Braunsdorf über Berufsberatung für psychopathische Jugendliche. Die Tagung selbst wird hoffentlich eine Klärung auf diesem wichtigen Gebiet der Jugendfürsorge bringen. Eintritts- karten find unentgeltlich bei der Deutschen Zentrale für Jugend- fürsorge, Berlin N. 24, Monbijouplatz 3 I, zu entnehmen. öeiefkasten öer Neöaktion. Feldpost 2684. Sie find zur Tragmig der Krankenbauskosten vcr> pflichtet, da die Krankenkasse nur 26 Wochen zahlt.— G. A. 36. Nicht an daS Kriegsministerium, sondern an das stell». Generalkommando, dem der Truppenteil Ihres Mannes angehört, müssen Sie sich wenden. WeteeranSftilieen füi das mittlere Ttorbdeutfetilant vis Sonnabend mittag. Ziemlich mild, im östlichen Binnenlande»och größtenteils trocken und ziemlich heiter, im Weste»»nd längs der Küste vorwiegend wolkig, mit leichten Regensällen. AM WZW Sie im„Vorwärts" mit seinem ausgedehnten Verbreitungbezirk ÜUMlkk SNW. Abonnementspreis monatlich 1,80 Mark frei ins Äaus. Name. Beruf Wohnort Straße?. .Stock. Bei wem? bestellt ab!. Oktober den„Vorwärts" zum Preise von 1,80 M. per Monat frei ins Äaus. Sitz Berlin. Gegr. 1905. Am 23. d. MIS. verstarb unser Mitglied, Herr Otto Ickert. Die Einäscherung findet am Sonnabendnachmittag 4 Uhr im Krematorium Gerichtstr. 37 statt. Ferner verstarb am 23. b. Mts. unser Mitglied, Herr Otto Qelhaar. Die Einäscherung findet morgen Sonnabend, mittags 12 Uhr, in der Gerichtstraße statt. 299/2 Ehre ihrem Andenke«: Um zahlreiche Beteiligmig ersucht Idvi- Torstand. Deutfdter Cransikortarbeltemrband. BezirkSberwalt. Groß-Berlin Den Mitgliedern zur Nach. richl, daß unser Kollege, der Arbeitskutscher 63/16 Wilhelm Dollhardt von der Firma Schlefing, Kaiserin-Slugusta-Allee, am 24. September im Alter von 57 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenke«: Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 28. Sep- lember, nachmittags 2st,Uhr, von der Leichenhalle des neuen Johannis-Kirchhoses, Plötzensee, aus statt. �»cknrf. Den Mitgliedern ferner zur Nachricht, daß unser Kollege, der Hausdiener Elrnst Gehler von der Firma S. Strauß, Krausenstraße, am 16. September im Alter von 52 Jahren verstorben ist. Ehre feinem Andenken! 0>o BszirKsvei-valtiing 1-, Tianspprt-Wagen und Körbe. Oerband der Cltbograpben, Stein- druther und venv. Berufe Ortsverwaltung Berlin. Den Mitgliedern machen wir bierdurch die traurige Mitteilung, daß unser lang- jähriger Kollege, der Metall- Retoucheur, 168/19 Willi Hartwig am 24. September Im Atter von 47 Jaftren an Wundrose verstorben ist. Ein ehrendes Andenken ist ihm gesichert. Die Beerdigung findet am Sonnabend, d. 28. Sept., nachmittags 5 Uhr, von der Leichenhalle des Gemeinde- Friedhofes in Tempelhof, Germaniastraße, aus statt. Um rege Beteiligung er- sucht Die Berwaltnng. Gegründet 1876. Möbelfabrik Hob. Seelisch Spezialarzt Dr. med. Hasehö, Fri8drichsh.90StarM6ahnh. Behandl. vonTyPhtlts, Haut- Harn-, Frauenleiden, spez.: chron. Fälle. Schmerzlose, kürzeste Behandlg. ohne Berussstörnng. Blutuntersuchung. Maß. Preise Teilzahlung. Sprechstunden 11 bis 1 und 5—8. Sonnt. 11— 1. Papier- Falnrai-Bereiliilli in einjähriger Benutzung, tausendfach bewährt. Leichter, geräuschlos. Gang, wie auf YoUgummi. Keine Eeparaturen. Geringe Abnutzung. _ r Asien. Bei jeder lAottatfFUMO Witterung gebrauchsfähig. 3. 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Bcrtaufl � durch alle V / Ge/chafie V mit diesem X r/-> Plaßat- Ä Spezialarzt Dr. med. L| s&j'lCQeZi. XJL'S'tO' fiaaiMitmmtiemmMnmuiitiiiiiiiiiuiininiiuuatiiMttwB XOJU •zsi&M jeder Art, auch hartnäckige und veraltet« Fälle, beseitigt voll- ftänpio„pArasan". U-ber 25 5ahtt flch-r bemühet M. 6.50. Ml Reichel, BerlMS. SR, Beeebsbnetr. ♦ Radfahren mit nnseren Bereifungen ist erlaubt. MMwiellUllMlil « Tb. Jost&. Co., Belle-Alliancc-Plah 18. ä,, Teilz. wöchentl. 1 M. Plomben 1.50. Goldln- krönen 18 M. Zahnziehen m. Einspr. höchst dn schmerzlind. Umarb. schlechts. Gebisse. Rep. ZahoarztWoU sof. Potsdamer Str. 55. Hoohb. Spreohz. 9-71» Nr. 2öö—?Y1S Unterhaltungsblatt öes vorwärts Irettag, 27. September Das Gedächtnis. Was den Ideen der MensÄen in der Regel abgeht, ist durchaus nicht die Richtig- keit, sondern die Deutlichkeit und Ge- nauigkeit. Vauvenargues. bs. Versuchen wir einmal, ob wir imstande sind, alle lZe'chäfte aus der rechten oder linken Seite einer Strahe anzugeben, die wir tagaus, tagein aus dem Gange nach der Arbeitsstelle seit Jahr und Tag benutzen. Oder beantworten wir uns die Frage, wie die 6(VI) ai»s unserer Taschenuhr aussieht, ob sie aufrecht steht oder verkehrt. Wir werden uns eingestehen müssen, daß wir das nicht können. Man fragte einmal einen Postboten, der über zwanzig Jahre lang täglich zweimal durch einen Wald gehen muhte, ob es ein Laub- oder ein Nadelwald sei. Auch er blieb die Antwort schuldig. So überraschend diese Feststellungen sind, so haben sie doch ihre Erklärungen. Unsere Sinne sind durch das Drängen und Hasren des modernen Lebens gewöhnt, zu vielerlei Eindrücke auf uns ein- wirken zu lassen. Wir sind zu flüchtig geworden, zu wenig ge- sammelt. Wir sehzn vieles nur halb, hören bei Gesprächen oft nur halb zu. beschäftigen uns, während wir eine Tätigkeil aus- üben, in Gedanken mit ganz anderen Dingen. Diese mangelhafte Auimerksamkeit ist eine der Ursachen, warum wir so vieles wieder vergessen, loeShalb wir Über ein schlechtes Gedächtnis klagen. Wie sind nun diese Tatsachen physiologisch zu erklären. Alle Eindrücke, die von der Außenwelt her auf unsere Sinne einwirken, werden zum Gehirn weiter geleitet und rufen in dessen Ganglien« zellen Veränderungen hervor. Es prägt sich etwas unserem Ge- dächlnis ein, sagen wir. Wenn wir uns eine Melodie merken, wenn wir ein Gedicht, eine Reihe von Zahlen lernen, ist die Tälig- keit unseres Gehirns die gleiche, wie die der Muskeln, deren feinste Abtönungen wir z. B. bei der Tätigkeit eines Jongleurs bewundern. Jeder Sporimann weih, dah die andauernde Ilebung eines Muskels zu einer Vermehrung seiner Masse und damit zu einer Steigerung seiner Leistungsfähigkeit führt. Aehnlich ist es auch mit den Ganglienzellen des Gehirns. Man hat das such durch das wissenschaftliche Experiment er- wiesen. So hat man z. 33. bei neugeborenen Hunden eines Wurfs der Hälfte der Tiere die Augen geschlossen und die anderen Tiere mit offenen Augen herumlaufen lassen. Als man nach einiger Zeit die Gehirne der Tiere mikroskopisch untersuchte, zeigten die Ganglienzellen der Tiere, die keine Gesichtseindrücke gehabt hatten, nur äuhcrst ichwache Veränderungen, während die gleichen Zellen der sehenden Tiere, die also Tag für Tag neue Gesichtsempfindungen aufnahmen, viel ausgeprägter und ausgereifter waren. Daraus ist zu folgern, dah eine entwickeltere Zelle eine Er- regung durch einen Eindruck viel besser weiter leitet als eine schwache. Bei einer geringeren Lebhaftigkeit des Eindrucks wird dieser auf seinem Wege über die Nervcnfäden viel eher erlöschen als bei einer starken. Er gleicht da dem Funken auf der Zünd- schnür. Gewöhnen wir uns daran, immer und immer wieder Ein- drücke dieselbe Bahn laufen zu lassen, so schleifen wir sozusagen in unserer Grohhirnrinde Bahnen aus, die ein Abschweifen nach anderen Richtungen hin verhindern. Die Nebung wird eine Ver- gröherung unserer Ganglienzellen bewirken und die Häufung des Eindrucks wird diesen immer leichter und leichter seine Bahnen ab- laufen lassen. Auf diese Art ist in der Kindheit unsere Erziehung vor sich gegangen, auf diese Art haben wir uns unsere Fähigkeiten an« geeignet. Hören wir auf zu üben, so werden unseri Gehirnzellen nicht mehr in Anspruch genommen und verlieren an Umfang. Es fällt uns immer schwerer, die eingeübte Leistung ipiez?drzugeben, wir erinnern uns immer schwerer, wir verlernen und vergessen. Weil wir als Kinder auch nur wenige und hauptsächliche an- schauliche Vorstellungen hatten und diese, um Beschäftigung zu haben, unablässig wiederholten, können wir uns die Begebenheiten unserer Kindheit auch am leichtesten in das Gedächtnis zurückrufen. Plato verglich das Gedächtnis mit einer weichen Masse, welche Eindrücke annimmt und bewahrt. Will man sich von unserem Vorstellungsvermögen und dessen Eigentümlichkeit ein Bild machen, so denke man sich ein Tuch, daK oft in dieselben Falten gelegt ist und« das später gleich'am von selbst wieder dieselben Falten schlägt. Fortwährend werden nun unsere Sinne und damit unser Gehirn durch Erscheinungen uin und in uns erregt. Eine Wahrnehmung unserer Sinne wird nun um so stärker vor unser geistiges Auge treten, uns um so stärker bewußt wedden, je mehr Aufmerksamkeit wir darauf verwandten. Sie stebt dann im Brennpunkte des Bewußtseins. Neue Eindrücke verdrängen sie, keiner bleibt für immer. aufstapelt an Eindrücken, der vergeblichste und be- Vorstellungen auf: Ver- Wohnungen, Tiere und Die alten Vorstellungen entfernen sich immer mehr vom Brenn- punkte, werden nach und nach verschwommen, verschwinden, ver- loren gehen sie nicht. Sie verweilen jenseits der Bewußtseins- grenze im sogenannten Unterbewußtsein. Jederzeit können sie von dort wieder zurückgerufen werden. Das nennen wir das Erinnern. Was unser Unterbewußtsein alle? scheint unS fast unbegreiflich. Selbst schränkteste Mensch speichert unzählige wandte. Bekannte, Straßen, Häuser, Pflanzen. Ferner alles, was einem die Schule vermittelte, beruf- licke Kenntnisse, die Errungenschaften der Technik, der Wissen- schafren, Ereignisse aus dem persönlichen und öffentlichen Leben usw. Weiter denke. man an das, waS man gesehen, ge- lesen usw. Es scheint unS fast rätselhaft, wie die Fülle von Gedanken und Eindrücken in unserem Gehirn untergebracht werden konnte. Je oberflächlicher nun die Sinneswahrnehmung, je weniger Aufmerksamkeit auf sie verwandt, je schneller sie von einem neuen Eindruck verdrängt, je seltener sie von unS rekapituliert wurde, um so eher ist sie vergessen. Die unablässige Häufung solcher Eindrücke, wie wir sie z. B. oft bei Leuten finden, die ununterbrochen nur Romane lesen, führt zu einem schwachen Gedächtnis. Diesen Ein- flüssen entgegen arbeitet eine Steigerung der Energie des Vor- stellungsvermögenS, eine Beschränkung d»r Vorstellungen überhaupt und eine Wiederholung der Eindrücke. Beide Einflüsse bedingen die Beschaffenheit des Gedächtnisses. Alle Versuche und Methoden, unser Gedächtnis zu kräftigen, beruhen auf diesen Tatsachen. Stets ist die Grundlage zu beachten, aufmerk- samer, gesammelter, konzentrierter zu sein als bisher. Das ist durch einfache Mittel zu erreichen. Darüber hinaus ist das Augenmerk darauf zu richten, die Eindrücke erneut wirken zu lassen, zu rekapitulieren. Auch das ist leicht zu bemerk- stelligen. Alles was darüber hinaus in manchen Lehrbüchern der Gedächtnispflege gesagt ist, fußt aus diesen Grund- sähen. Sie bezwecken die Stärkung der natürlichen Gedächtnis- fähigkeiten. Die künstlichen Mittel zur Gedächtnispflege, als da sind Uebertragen der Worte in Zahlen und der Zahlen in Worte nach bestimmten Systemen, sind gute Mittel zur Konzentration, aber auch nicht viel mehr. Sie belasten'das Gedächtnis mit zu vielem, un- nützen Beiwerk. Wer die hier im Rahmen eines Artikels nur in knappsten Linien angedeuteten Fragen eingehender studieren will, dem empfehlen wir die beiden im Kosmos-Verlag in Stuttgart erschienenen Bändchen von A. L. Müller:„Das Gedächtnis" und„Praktische Gedächtnis- pflege", die sich durch eine anschauliche und leicht verständliche Dar- stellung auszeichnen.__ Mehr Lichthpgkene l Wieder naht die Zeit der langen Abende und Nächte, die den Schaffenden zwingt, einen Teil seines Tagwerks im geschlossenen Räume bei künstlicher Beleuchtung zu vollenden. Da mag es denn nicht unangebracht erscheinen, auf die Schäden hinzuweisen, die eine falsche Beleuchtungstechnik dem menschlichen Zluge, jenem für unsere gesamte Lebensführung so überaus wichtigen Sinneswerkzeuge, zuzufügen vermag.' Unsere modernen hochkerzigcn Lichtquellen mit ihrer blendenden Helle dürsten zur Beleuchtung von Straßen und öffentlichen Plätzen, Versammlungs- oder Vergnügungsräumen, Restaurants und Waren- Häusern unter keinen Umständen ohne schützende Umkleidnng oder ent- sprechend hohe Aufhängung Verwendung finden. Nur in„diffuser" d. h. lichtstreuender Hülle von Matt- oder Milchglas, dürften sie. im Bereiche unserer Augen wirken; anderenfalls müßten sie' so hoch an- gebracbt sein, daß sie dadurch normalerweise der Reichweite unseres Sehfeldes entzogen sind. Wie wenig aber hierauf Rücksicht ge- noMmen zu werden vflegt. zeigt die Beleuchtung unserer Straßen und Plätze mjt hochkerzigem Gas- oder Elektrolicht in Klargas- glocken, ohne daß es durch angemessene Aufhängungshöhe ver- hindert würde, höchst empfindliche Blendungserscheinungen hervor- zuxufen. Noch schwerere Nachteile aber werden sich ergeben, wo die fehlerhafte Beleuchtung in Fabriken, Werkstätte» oder sonstigen Arbeitsräumen angebracht ist, so daß der Arbeiter oder Angestellte andauernd unter Blendung zu leiden hat. Lange wird er einen solchen Zustand ohne erhebliche Schädigung seines Sehvermögens nicht erlragen können. Bald wird er exaktere Aufträge, wie sie gerade die Kriegsindustrie erfordert, nicht mehr auszuführen im- stände sein. Der Unternehmer wird sich nach einer„geeigneteren Kraft" umsehen, und dem Schaffenden wird es dann nicht leicht fallen. Schadenersatzansprüche geltend zu machen. Oft genug trifft man eine Halbwattlampe oder eine moderne Spiraldrabtlampe mit ihrem intensiv blendenden Leuchlkörper nackt oder in Klarglasglocke in Fabrikräumen oder Werkstätten in so geringer Höhe angebracht, daß Slörungetl des Sehvermögens un« bedingt eintreten müssen. Es gehört wirklich nicht viel Slbarffinn und Üeberlegung dazu einzusehen, daß eine so unzweckmäßig an- gelegte Beleuchtung eine leichtsinnige und unverantwortliche Ver- sündigung gegen das menschliche Auge darstellt. Es ist demnach hohe Zeit, daß sich die zuständigen Behörden auch diesem Gebiete der sozialen Hygiene zuwenden und gesetzliche Handhaben schaffen, welche Strafverfplgungen wegen Körper- Verletzung und die Berechligung von Ersatzansprüchen für Schäden, die aus unsachgemäß angelegter-Beleuchtung entstehen, ermöglichen. Den Gewerbeinspcktoren sollte die Llufsicht über die zloeck- mäßige Beleuchtung von Fabriken und Arbeitsräumen zur Pflicht gemacht werden. Die perkodische Ueberwachung und Nachprüfung sollte lichttechnisch- sachverständigen Organen übertragen werden, wenn es nicht noch zweckmäßiger ist, Beleuchtungsrcvisionsslellen nach dem Muster der Dampf'esselrevisionsvereine ins Leben zu rufen. _ Dr. M. K. Ver§al!tranm. Zu den typischen Träumen zählt der Falltraum, der außer- ordentlich häufig ist. Er tritt mit Vorliebe im ersten Schlaf auf. Man träumt, man klettere an einem hohen Gebäude, einem steilen Felsenabhang in die Höhe und plötzlich verliere man den Halt und stürze hinab.„Kennt ihr den Schrecken des Einschlafenden? Bis in die Zeben hinein erschrickt er, darob, daß ihm der Boden weicht und der Traum beginnt." sNietzsche: Also sprach Zarathustra,) Dieser Falltraum ist anscheinend von jeher beobachtet. Er wird auch im„Don Ouichote" erwähnt.„In der Schenke sagte die Tochter des Wirrs: Mir träumt oft, ich fiele von einem Turme und könnte gar nicht zur Erde kommen, und wenn ich dann wieder er- wache, bin ich so müde und zerschlagen, als wär ich wirklich heruntergefallen." Wie Fischer-Defoy in dem ,>KoSm?s"-Bändchen„Schlafen und Träumen" bemerkt, ist das„Nicht- auf- die- Erde« Kommen" bezeichnend für die eine Form des Falltraums. Er kann' sich aber auch fo abspielen, daß.man mit einem plötzlichen Ruck, der den Körper erschüttert, erwacht. Oft hat man im ersten Schlaf noch nicht die endgültige Lage gefunden. Man liegt z. B. auf dem Rücken mit gekrümmten Knien da. Um diese Lage eine Zeitlang aushalten zu können, braucht man eine gewisse Muskelkraft. Die Muskeln werden aber, je mehr sich der Schlaf vertieft, um so schlaffer; sie sind nicht mehr imstande, die angezogenen Beine festzuhalten, der Faß gleitet aus, die Beine werden plötzlich gestreckt. Der ganze Körper wird von einem Ruck erschüttert. Während nun das langsame Ausgleichen der Krümmung der Knie die Traumvorstellung des Fullens erweckt, wird die Schlußerschütteruug das jähe Erwachen hervorrufen. Notizen. — Die Humboldt- Akademie Freie Hochschule veröffentlicht soeben das Verzeichnis ihrer Veranstaltungen im Lehr- Vierteljahr Otlober-Dezember U)l8. Außer 239 Vorlesungsreihen aus allen Wissensgebieten und Uaterrichtskursen in allen wichtigen Sprachen wird sie Wissenschaftliche Abende, Seminare für Vor- geschrittene und wissenschastliche Filmvorträge veranstalten. In Vorträgen aus deutscher Gegenwart wollen ihre Dozenten über GegenivartSfragen sprechen.— Das Für und Wider der uns be- wegcnden wirtschaftlichen Probleme wird in einer Sondervortrags» reihe dargestellt werden. — Wie viele Millionenstädte gibt es? Die An. zahl der Städte, deren Einwohnerzahl eine Million übersteigt, be- trägt nach einer�soeben veröffentlichten Aufstellung achtzehn. Die beiden größten Städte der Welt haben, einschließlich der Vororte, die siebente Million überschritten. Es' sind London mit 7,42 nnd New Uork mir 7,3 Millionen. Es folgt Parts mit 4,15 Millionen; Berlin mit 3,75 steht an vierter Stelle; weiter folgen: Chikago mit 2,45, Petersburg mit 2,25, Tokio mit 2.1 und Wien mit 2 Millionen. Unter zwei Millionen liegt die Bevölkerungszahl der folgenden ,10 Städte: Moskau 1,86, Philadelphia 1,69, Buenos Aires 1,58, Osaka 1,46, Kanton 1,25, Kalkutta 1,23, Konstantinopel 1,2, Rio de Janeiro 1,15, Budapest 1,1, Bombay 1.— Mit vollkommener Sicherheit hönnen die Millionenstädte der Erde, besonders die chine- fischen, jedoch nicht angegchen werden. e»sz. 100] vos gelobte LanS. Roman von W. S t-. R e y m o n t. Großglück fing diese Blicke auf, schloß die Kasse und rief ironisch: „Bronek, du schaust in die Kasse, als wenn sie deine Braut war'. Ich geb' dir mein Wort, daß du sie nicht hei- raten wirst. Du wirst sie nicht mal küssen, ha, ha, Hai" Er lachte herzlich über Kleins betroffene Miene. Der setzte sich neben ihn und begann ihm leise etwas zu erzählen. Großglück hörte lange zu und sagte endlich: „Ich hab's schon geivußt. Ich muß das mit Welt besprechen. Herr Blumenfeld, telcphonieren Sie bitte Herrn Moritz Welt an, ich lasse ihn zu mir bitten, ich Hab' ein wichtiges Geschäft!" rief, er durch die Türffns Kontor. „Bronek, davon keinen Ton! Wir frcffen den Boro- wiecki, bevor er noch gar ist!". »Ich sag' dir, ihr werdet ihn nicht fressen, hinter ihm stehen..." Er kannte den Satz nicht zu Ende sprechen, weil einer der Bankbeamten im Arbeitszimmer erschien. Er war so verwirrt und erschrocken, daß der Bankier vom Stuhl aufsprang. „Herr Rat, Herr Rat, dieser Lump, was hat er gemacht. ' Dieser Schurke,- der Tuszynski I" „Was hat er gemacht? Sprechen Sie leiser. Hier ist keine Synagoge." „Er hat gestern vierhundert Rubel einkassiert und ist durchgebrannt. Ich war in seiner Wohnung, ist nichts da, er hat die Sachen mitgenommen und ist nachts fortgefahren nach Amerika." „Verhaften lassen! Ketten anlegen lassen! Ins Kriminal stecken! Nach Sibirien verschicken!" schrie der Bankier, mit den Fäusten drohend. „Ich wollte das schon alleS inachcn, ich wollte schon depeschieren, wollte die Polizei verständigen, aber das wird doch alles kosten. Ich wollte erst den Auftrag vom Herrn Rat haben." „Es mag kosien, ich soll verlieren niein ganzes Vermögen, aber diesen Dieb muß man kriegen, er soll im Kriminal verfaulen für meine vierhundert Rubel." „Dann lassen der Herr Rat vielleicht gleich ein Konto für diese Sache eröffnen." „Was wird das kosten?" fragte Großglück schon ruhiger. „Ich weiß nicht, aber immerhin, einige fünfzig bis achtzig Rubel wird es scho»? kosten." „Wie, was? Ich soll zu diesem Dieb noch zulegen? Er soll verrecken! Wer hat ihn einkassieren geschickt?" fragte er nach einer Weile. „Ich, aber der Herr Rat haben mich beauftragt," ent- schuldigte er sich schüchtern. „Sie haben ihn geschickt— dann sind Sie verantwortlich. Ich will nichts mehr hören. Meine vierhundert Rubel können nicht verloren gehen. Sie sind verantwortlich." „Herr Rat. ich bin ein armer Mann, ich bin doch unschuldig, ich arbeite beim Herrn Rat ehrlich schon zwanzig Jahre, ich habe acht Kinder! Herr Rc.! haben mich beauf- tragt, diesen Lump zum Einkassieren zu schsckcn," seufzte er und bettelte mit flehentlichen Blicken. „Sie sind für die Kasse verantwortlich, Sie sollen Ihre Leute kennen, ich sag's noch mal: das Geld niuß da sein. Sie können gehen!""rief er drohend, wandte ihm den Rücken zu und trank seinen Tee. Der Beamte blieb noch eine Weile stehen, schaute mit starren Augen auf den breiten Rücken des Bankiers und in die Rauchwolke der Zigarre, die auf dem Rand des Schreibtisches lag, seufzte tief ans und ging hinaus. „Er denkt sich, ich wär' so dumm. Er hat mit TuszynSki geteilt. Alter Witz." „Herr Welt," meldete der Portier. „Ich lasse bitten, ich lasse bitten! Bronek. geh diesem Tölpet nach und sag' ihm. daß ich ihn werd' ins Kriminal stecken lassen, wenn sich das Geld nicht sofort-findet. Herr Welt, bitte schön!" rief er, als er Moritz bemerkte, der sich mit Wilczck im Kontor unterhielt. Moritz begrüßte ihn, musterte das Gesicht des Bankiers und warf kurz hin: „Herr Rat haben nach mir telephoniert, ich wollte grade zu Ihnen kommen." „Geschäft, wie? DaS werden wir rasch erledigen, ich muß mit Ihnen nämlich in� einer sehr delikaten Angelegenheit sprechen." „Also das Geschäft: Adler& Co. brauchen eine große Partie Wolle. Sie haben sich an mich gewandt. Ich-Habe Wolle, aber brauche Geld." „Ich geb' Ihnen Geld. Wir weichen halbpart, gut?" „Na also, wie gewöhnlich, tvir verdienen sünfzchn Prozent." „Wie viel brauchen Sie?" „Dreißtgtausend Mark für Leipzig."!, „Gut, ich schicke sie Ihnen telegraphisch. Wann fahren Sie?" „Heute nacht.. In einer Woche bin ich wieder zurück." „Abgemacht�!" rief lustig der Bankier, rückte etwas von seinem Schreibtisch weg, steckte sich eine Zigarre an und musterte Welt lange, der an seinem Stockgriff knabberte, seinen Kneifer zurechtschob und gleichfalls den Bankier scharf anschaute. „Wie ist es Ihnen mst der Baumwolle ergangen?" fragte zuerst Großglück. „Die Hälfte haben wir verkauft." „Ich weiß, ich weiß. Ihr sollt fünfundsiebzig Prozent verdient haben, und der Rest?" „Den Rest worden wir selbst verarbeiten." „Wächst die Fabrik?" „In einem Monat ist sie unter Dach, in drei sind die Maschinen montiert, und im Oktober geht's los." „Ich liebe solche Eile., Das ist stanz wunderschön, echt Lodzer Art," fügte er leise hinzu und lächelte diskret.„Bo- rowiecki ist ein klngcr Mann, aber..." Er zögerte einen Augenblick, lächelte ironisch und hüllte sich in eine Rauchwolke. „Aber...?" griff Moritz neugierig auf. „Aber er abenteuert gern mit verheirateten Frauen. DaS schickt sich für einen Fabrikanten nicht." „Das schadet ihm nichts. Bald heiratet er, hat schon eine Bram." „Eine Braut ist kein Wechsel, das ist ein einfacher Revers, den man nicht zu zahlen braucht bei Fälligkeit. Dafür meldet man keine Pleite an. Ich habe Borowiecki sehr gern. Ich habe ihn so gern, daß ich ihm geben würde meine Mary, wenn er unser wär', aber..." „Aber?" griff wiederum Moritz auf, weil der Bankier eine längere Pause machte. � „Aber ich muß ihm wehtun,- WaS mir so unangenchn: ist, so furchtbar unangenehm, daß ich Sie bitten muß, mich zu entschuldigen bei ihm." „Was ist es denn?" fragte Welt unruhig. „Ich Hab' ihm müssen sperren den Kredit," flüsterte.der Bankier mit einer wehleidigen Miene und ipielte den schiver Betrübten, schmatzte mit den Lippen, kante an seiner Zigarre, seufzte und beobaastete scharf Moritz, der-vergeblich sich be- mühte, seinen Kneifer wieder aufzusetzen und sich zu be- herrscheu.(Forts. folgtI Küchen, weißlackiert, prima Lack, siebenteilig, 395 Mark, ebenso Wohn- und Schlas- zimmer billig. Möbelhaus Döring, Blücherstraße 2, Halle» sches Tor.___ 84S* Nachlaß. 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Alsbald nach Eintritt in die Tagesordnung ergriff der Reichskanzler das Wort zu folgenden Ausführungen: Meine Herren! Die Beschwerden, die gestern von allen Rednern gcgr.i� die Handhabung der Zensur und des Ver- eins- und Vcriammlungsrcchts geltend gemacht sind, müssen von mir zu einem erheblichen Umfange als begründet anerlannt werden.(Hört! hört!) Penn allgemein in g:wissen Äorpsöczirken Verbote ergangen sind, daß in Versammlungen nicht über die Wahlrechtsvorlage gesprochen werden darf, und zwar weder von Freunden noch von Gegnern der Vorlage, so ist dies ein nicht haltbarer Zustand, der übrigens> inzwischen schon durch einen Erlaß des Miliiäroberbsfehlshabcrs beseitigt ist. Nach der Lage der Gesetzgebung und der zu deren AuSfüh- rungen ergangenen Verordnungen sind der Reichskanzler und die obersten Zivilbehörden der Bundesstaaten zurzeit nur in der Lage, durch Vorstellungen und Darlegungen ihrer Auffassung eine Einwirkung auf die zur Entscheidung allein befug- tcn militärischen Stellen auszuüben. Es ist von dem Herrn Abg. Fischbeck anerkannt) daß in einer Reihe von Korpsbczirken berdH- tigtc Klagen über unzulässige Beschränkung des Vereins- und Ver- sammlungsrcchts nicht erhoben werden können, während es andere Korpsbezirke gibt, in denen fortgesetzt bei jedem Zusammentritt des Hauptausschusses Klagen, deren Begründung zum Teil auch von nur anerkannt werden must, vorgetragen werden. An den mme- ricllen Befugnissen, welche das Belagerungszustandsgesetz der vollziehenden Gewalt überträgt, kann nach meiner lleberzeugung in Teutschland ebensowenig gerüttelt werden, wie dies in den übrigen kriegführenden Staaten, ja, sogar in den neutralen Staa- ren, auf Grund älterer oder füb den Kriegsfall besortfcerS erlassener Gesetze geschieht. Ter Krieg bringt es mit sich, daß den Behörden außerord.'ntliche Vollmachten zur Aufrechterhalwng von Ruhe und Ordnung übertragen werden müssen. Dagegen habe ich mich unter dem Eindruck einiger besonders empfindlicher Vorkommnisse der letzten Zeit davon überzeugt, daß bei der langen Tauer des Krieg.'s in der Handhabung dieser außerordent- licken Vollmachten auf dem Gebiete der Zensur und des Vereins- und Versammlungsrechts. wesentliche Acnderungcn eintrete» müssen. Wir sind in die Erwägung der verschiedenen Wege eingetreten, die zu diesem Ziele führen können; an sich erscheinen wohl als die nächüliegcndcn folgende: Ein Eingriff der Kommando- g e w a l t, durch die die Zuständigkeit der Militärbefehlshaber ent- sprechend eingeschränkt wird, oder eine Aenderung der be- stehenden Gesetzgebung in der Richtung, daß die den militärischen Znstanzen seither allein zugewiesenen Aufgaben je nach deren Charakter zwischen diesen und den in Friedens- zeiten berufenen bürgerlichen Behörden geteilt werden, oder endlich die Einfügung ausreichender bür- gcrlicher Element« in die letztlich zur Entscheidung be- rufcnen militärischen Stellen. Ich bin selbstverständlich nicht in der Lage, heute anzugeben, welcher der hier angedeuteten einzuschlagenden Wege am sichersten zum Ziele führt. Seien Sie aber versichert, meine Herren, daß bis zu Ihrem nächsten Zu- sammentritt im Novencher eine allen berechtigten Klagen ent- sprechende Aenderung in die Wege geleitet sein wird, und daß »ns und dem Volke Erörterungen, wie sie bisher unsere Zeit und Kraft so vielfach in Anspruch genommen haben, künstig erspart bleiben, werden.(Betfall.) Meine Herren, Sie sehen, daß ich durchaus nicht wil- «Icns bin, mich berechtigten Beschwerden zu ver- schließen. Im Gegenteil, ich werde mit aller Entschiedenheit dahin wirken, daß diese berechtigten Beschwerden aus dem Wege geräumt NErden. Nun aber, meine Herren, bitte ich auch Sie. nunmehr alles Trennende zurückzustellen und das Einigende voranzustellen. Wie ich schon vorgestern gesagt habe: Wir haben doch alle nur das eine Ziel und das eine Interesse: den Schutz Vaterlandes, seiner Unabhängigkeit und seiner Entwicklnngs- fähigkeit. Dieses Ziel können wir nur dann erreichen, wenn wir auch im Innern fest und einheitlich zusammenstehen; dann aber werden wir es erreichen.(Beifall,) Abg. Graf Westarp: Tie Verstimmung auf dem Lande istaufdieZwangZwrrt- s ch a s t zurückzuführen, die nach dem Diktat der Gewerk- s ch a f t e n geführt wird. Die Unzahl von Bestrafungen schüren die Erbitterung. Ter Ausschuß ist einberufen worden, ohne daß man die Konservativen gehört hat. Wir lehnen deshalb jede Ver- antwortung ab. Man hat eine Regierungskrise ton- struiert mit dem Ziele, eine weitere Demokratisierung unserer Verfassung Herbeizuführen. Damit erfüllt man den Wunsch unserer Feinde und kommt dem Frieden doch nicht näher. Das Drängen nach Parlamentarisierung wirkt kriegsver. längernd. Wie kommt die Sozialdemokratie dazu, Bedingungen zu stellen für den Eintritt in die Regierung. Wer hat sie denn dazu aufgefordert? Von einer maßgebenden Stelle kann das nicht geschehen sein. Es handelt sich also nur um eine Forde- rung der Sozialdemokratie, die in einer Zeit durchgedrückt werden soll, in der sich das Vaterland in höchster Gefahr befindet. Man w:ll an die Stelle der Regierung einen Vollzugsausschutz des Reichstags stellen. Von einer Aufhebung des Artikels g der Verfassung kann keine Rede sein, denn das müßte zu einer P a r t e i h e r r s ch a f t führen, die den Bestand des Reiches ge- sährden mutz. Ter Sturm richtete sich in der Hauptsache gegen den Kricgsminister. Redner verteidigt den Erlaß des Kriegs Ministers, der sich nur gegen die pazifistische inter- na:ionale Agitation richtet. Wir lehnen die Parlamentarisicrung der Regierung unier-allen Umständen ab. sonst gibt es kein Halten mehr auf dem Wege zu einem Frieden um jeden Preis. Die Reden Papcrs und Solfs bewegen sich ebenfalls aus dieser schiefen Bahn. Die Rede Patzers in Stuttgart ging noch über die Note Burians hinaus, sie stellt« ein neues förmliches Friedensangebot dar. Wir halten an unserem Standpunkt bezüglich Belgien? und einer Kriegsentschädigung fest. Belgien darf nickjt wieder sich selbst überlassen werden und Deutschland kann seine Krieaskosten nicht selber tragen. Kein Verzicht auf Belgien und eine Kriegsentschadi- gung bringt uns dem Frieden näher. Wir wollen weiter kämpfen, bis die Gegner bezwungen sind und sich zum Frieden bereit er- klären. Die Politik darf nicht darauf eingestellt werden, die Sozial- demokraien bei der Stange z-u halten. Das muß die besten 5dreise im Lande verstimmen. Unfaßbar ist es. daß in den Bedingungen der Sozialdemokraten der Gedanke durchblicke daß man bereit sei, den Feinden ein- Entschädiguin; zu geben. Teutschland hat keine Veranlassung, an dem Ostfrieden rütteln zu lassen. Daß die Land- Verteilung im Osten zugunsten d e r G r o ß g r u n d b e s i tz e r � erfolgt, ist absolut falsch, die kurländische Ritterschaft habe im Gegenteil geradezu edel gehandelt. In Polen muß dafür ge» sorgt werden, daß durch Grenzbcrichtigungen unsere militärische Grenz« besser gesichert wird Wenn die Finnen sich einen deutschen Fürsten erkorxn haben, so ist das m i t F r c u d e n zu begrüßen Die wziald-inokratischc Forderung bezüglich Elsaß-Lothriugeus bedeutet ein weiteres Entgegenkommen an unsere Feinde. Der zzikünftige Völkerbund entspricht unseren Interessen nicht, er ist nur ein schöner Gedanke, des Schweiß« der Edle» wert, ab« ilftct kl MMI«W. praktisch nicht durchführbar. Man würde damit den aufstrebenden Völkern jede Entwicklungsmöglichkeit nehmen. Es würde das be- deuten, daß wir uns den Strick um den Hals legen und den Gegnern das Ende dieses Strickes in die Hand geben. Geht es so weiter, dann führt das zur Herrschaft der Sozialdemokratie. Es kommt jetzt alles auf die Einigkeit an, denn das Schicksal des deutschen Volkes ist der Preis des Kampfes. Dazu aber ist Einig- keit nötig und Vertrauen zur Führung des Heeres. Dabei geht der U-Boot-Krieg weiter, der sein Ziel trotz alledem erringen wird, die Zermürbung Englands, das dann zum Frieden bereit sein wird. Vorsitzender Abg. Ebert stellt fest, daß im Seniovenkoiivent ver- einbart worden ist, daß er sich mit d.em Präsidenten des Reichstags wegen der Berufung des Ausschusses ins Einvernehmen. setzen solle. Das ist geschehen, es wurde also ganz korrekt verfahren. Er sei gerne beveit, die Verantwortung für diese Tagungzuübernehmen und befinde sich dantrt in Ueberein- stimmung mit der großen Dichrheit des Ausschusses.(Zustimmung.) Abg. Frhr. v. Gamp beklagt sich darüber, daß die konservativen Parteien von der Vorbereitung der Arbeiten des Reichstags aus- geschlossen sind. Was sich die Zensur geleistet hat, das sei doch wirk- lich kein nationales Unglück. Mit den Ansichten Pötzers über den Ostfrieden sei er durchaus einverstanden. Polen gegen- über müssen die Grenzen so gelegt werden, daß der Verkehr mit dem russischen Hinterland nicht unterbunden wird, sonst könne für Preußen unberechenbarer Schaden entstehen. In der preußischen Wahlrechtsfrage hätten sich die Gegensätze doch so weit ge- mildert, daß mit einer Verständigung gerechnet werden dürfe. Mit der Drohung mit einer Auflösung fördere man allerdings die Verständigung nicht, ganz abgesehen von den Bedenken, die gegen die Vornahme von Wahlen während eines Krieges sprechen. Unterstacrtssekretär v. Falkcnhausen bespricht einige Ostfragcn. Di« Vorbereitung der Erweiterung der Landesräte ist abgeschlossen. Diese ergänzten Landesrät« wirken dann an der Entscheidung mit. Die nicht vertretenen Schichten sollen heran- gezogen werden. Gegen den deutschen Unterricht in den litauischen Schulen haben sich nur m Wilna Widerstände geltend gemacht. Die Richtlinien für die Schulverwaltung werden demnächst abgeändert. Die Bodenverteilung im Baltikum soll nicht dem Großgrundbesitz Vorteile zuwenden. Streitiges Land zwischen Ritterschaft und Bauern gibt es nur noch in Estland. In Kurland ist diese Frage bereits gelöst. Redner bestreitet, daß den Litauern, die in Berlin weilten, von der Verwaltung ver- boten wurde, mit Abgeordneten in Verbindung zu treten. Abg. Lcdcbiiur bemängelt, daß der Ausschuß nicht bereits früher zusammenberufen wurde. Auch das hätte nicht genügt, der Reichs- tag hätte zusammentreten müssen. Wir haben im Reich eine tief- gehende Krisis und die Mehrheitsparteien befinden sich in einem Mauserumgsprozetz, denn sie beginnen einzusehen, daß die Aussichten auf einen Vernichtungsfrieden recht schlecht ge- worden find. Di« Mehrheitsparteien sind in ihrer Stellung zum Reichskanzler nicht einig. Die heutige Erklärung des Kanzlers kann selbst den Ansprüchen des Zentrums nicht genügen und die Sozialdemokraten haben keinen Zweifel daran gelassen, daß sie zu Hertling kein Vertrauen haben. Dagegen sind Nationalliberale und Konservative dem Kanzler kräftig um den Bart gegangen. Unter diesen Umständen muß der Reichstag zusammenbernsen wer- den. Redner stellt den Antrag, den Reichstag schleunigst zu berufen. Es ist höchste Zeit, daß endlich mit der P a r l a m e n t i s i e r u n g unseres politischen Lebens Ernst gemacht wird. Der Enuvand der Konservativen, daß man damit die Wünsche der Feinde erfülle, schlage daneben. Der Reichstag, der so manche Gelegenheit ver- paßt habe, dürfe in dieser scftwereti Zeit nicht wieder versagen, Die jetzige Krisis beschränkt sich nicht auf Parteien, denn wir stehen heute vor dem Zusammenbruch dcS bureaukratisch-militärische« System?. Deshalb die entgegenkommend« Haltung der bürgerlichen Partein. Die Erklärimg des Kanzlers bietet einige kleine unzureichende Kon- Zessionen-. Die Zivilverwalltung ist heute nur noch eine Verbrämung der militärischen Macht. Wir fordern die Beseitigung der Macht der Generäle, in das bürgerliche Leben einzugreisen, sie sollten sich auf die Aufgaben beschränken, die ihres Amtes sind. Wenn man den Generalkommandos ein paar Polizeiseelen beigebe, dann werde an dem System absolut nichts geändert. Der- art enge Zusicherungen können die Krisis nicht beseitigen. Wann ist dem Reichskanzler der Geheimerlaß deS Kriegsmi- nistet 8 bekannt geworden? Hat etwa der Kriegs minister seinen Erlaß auch vor dem Kanzler geheimgehalten? Der Kgnzler hätte die sofortige Entlassung des Kriegsmini st erS for- bern oder von seinem Amt zurücktreten müssen, lvenn er das nicht durchsetzen konnte. Der Reichskanzler hat seine Pflicht nicht erkannt, gegenüber de» llebergissen der Militärgewalt. Der Kriegs- minister mußte solbst hier erscheinen, nicht alber einen uinglücklichen Generalmajor herschicken, der sich für den Kriegsminifter opfern mußte. Herr v. Hintze hat m Wien damit renommiert, daß die Presse in Deutschland frei schreiben dürfe. Das zeuge von einer völligen Unkenntnis unserer Zensurverhältnisse. Redner be- spricht nun eingehend die Vorgänge in der Wählerversammlung der Unabhängigen in Berlin. Um solche Vorkommnisse zu verhindern, genügt es nicht, einen Polizeibeamten in das- General- kommando zu setzen. Der Polizeipräsident von Berlin hätte sofort abgesetzt werden müssen. Durch seine Maßnahmen ist er der beste Agitator für die Unabhängigen geworden. Wenn der Reichs- tag will, dann kann er die militärischen Machthaber in die Knie zwingen.— Daß Belgien entschädigt wird,«scheint uns als ein« Selbstverständlichkeit, denn alle Redensarten helfen nicht darüber hinweg, daß Belflien Unrecht geschehen ist. Aus nachträglich aufge- fnndenen Schriftstücken geht keineswegs hervor, daß Belgien seine Neutralität aufgegeben hätte. Wohl aber war Belgien längst davon informiert, daß Deutschland längst den Plan gesaßt hatte, im.Kriegsfall in Belgien einzurücken. Wie kommt der Reichskanzler angesichts dieser Tatsachen dazu, die u n r i ch t i- gen Behauptungen über Belgien zu wiederholen. Die Flamen, als Mehrheit der Bevölkerung, bedürfen des deutschen Schutzes nicht, wenn sie ihre Eigenart erhalten wollten, dann werde ihnen das auch gelingen. Die Ausführungen des Unterstaatssekre- tärS v. Falkenhausen verdienten schärfste Kritik, denn nirgends sei das Selbstbestimmungsrecht der Völker mehr mit Füßen getreten worden, als wie gerade in den Oststaaten. Die dortigen Landesvertretungen seien nicht der Ausdruck des Volkswillens, denn sie leben nur von der Gnade der deutschen Ver- lvaltung. Eine definitive Regelung ist bei bei einem allgemei- "en Friedensschluß möglich. Will sich Deutschland dort Sympathien erwerben, dann müsse man den dortigen Völkern die Mögliöbkeit bieten, ihre Staaten nach ihren Wünschen aus. zuge st alten. BiSh« habe es allerdings die deutsche Bureau- kratte nur verstanden,, sich überall Feinde zu schassen und das Ansehen des deutschen Volkes zu untergraben. Die Par- lamentisierung, wie der Mittelblock sie wolle, habe seine Partei längst gefordert. Di« von der Sozialdemokratie gestellten Bedingungen seien aber ganz unzulänglich. Die Macht d« Entscheidung müsse m der Volksvertretung liegen, die Regierung darf nur noch der Verwaltungsausschuß des Parlaments sein. Abg. Seyda(Pole): Wir stehen der Krisis uninteressiert gegenüber, treten ober für Parlamentarisierung ein. An der Polenpolitik habe sich unter dem System Hertling nichts g e- än derb Wenn Reichskanzler Graf Hertling gemeint habe.« habe ein reines Gewisse» in der Behandlung nationaler Minder» heften, so müsse dies ein recht weites und robustes Gewissen sein. Die Friedensverträge im Osten und in Rumänien seien ausgesprochene G e w a l t f r i e d e n, die unmöglich von Dauer sein könnten. Die Staatenbildung im Osten sei rein Willkür- l i ch erfolgt. Diese Arbeit könne ein allgemeiner Friedenskongreß niemals gutheißen. In diesen Ländern habe man die Industrie vernichtet, die Landwirtschaft wurde ausgepreßt, die Arbeitskräfte wurden fortgeführt. Die Bevölkerung sei in.ihrer Freiheit völlig beschränkt. Die zurückkehrende Bevölkerung werde nicht in ihre Häuser gelassen, weil sich dort Offiziere häuslich niedergelassen hätten. Im Jahre 1317 hätte die dortige Bevölkerpng etwa 43?Nil- lionen Mark an Strafen bezahlen' müssen. Die Polen in den besetzten Gebieten des Ostens würden systematisch unterdrückt, von den Juden gar nicht zu reden. Glaubt man, daß die polnische Frage defiuiftv so gelöst werden kann, wie Herr v. Hintze das an- gekündigt hat? Diese Lösung entspricht nicht dem Selbst- b e st i m m u n g s r e ch t, zu dessen Ausübung bis jetzt noch kein legitimes Organ besteht. Die Verhandlungen wurden, nachdem alle Parteien zu Worte gekommen waren, auf Freitagvorinittag 13 Uhr vertagt. hugs Jeimanns Kanöiöatenreöe. Unabhängiger Beifall zur polizeilichen BerfammlungS- auflöfnng. Gsnosse Heimann begann seine Rebe am Mittwoch unte» Hinweis auf die polizeilich gestörte Wählerversammlung der Unab- hängigen mit einem scharfen Protest gegen die Beeinträchti- gung der Versammlungsfreiheit durch die Polizei und führte dann weiter u. a. aus: Der jetzigen Neuwahl kommt sine besondere Bedeutung zu, sie ist vor allem eine Kundgebung für den Verständigungs- frieden auf gerechter Grundlage. Die Sozialdemokratie hat alles getan, diesen Krieg zu verhindern, sie war nicht stark genug dazu. In ihr« programmatischen Erklärung vom 4. August 1314, also vom ersten Augenblick an wirkte sie für den gerechten Frieden. Ein schwierigeres Unternehmen als die Mobilmachung wird der Uebergang zur Friedenswirtschaft sein. Der Abbau der Kriegswirtschaft wird Lohndrückeroi und Arbeitslosigkeit im Ge- folge haben. Da gilt es wachsam und kampfbereit sein; auch in politischer Hinsicht dürfen sich die Arbeiter nicht als Figuren eines Schachbretts behandeln lassen. Wir fordern die Temokrati- sierung der Volksvertretungen in Reich, Staat und Gemeinde auf der Grundlage des gleichen, geheimen und direkten Wahlrechts und damit einen maßgebenden Einfluß auf das Staatsleben und stärr- dige Kontrolle. Ter Sturz der Junkerherrschaft ist nicht nur eine iunerpolitische Frage, ein Staat, in den der Militarismus Trumpf ist, kann nicht zu einer Säule des Völker- bundes werden, wie wir ihn von der Zukunft«warten, dessen nächste Aufgabon sind: Abrüstung und Schi-ödsgevichtsbarkeit. Weiter fordern wir die Verstaatlichung der Rüstungsin- dustrie. Ihre Schuld am Kriege steht außer Zweifel! der Krieg ist eben ihr Geschäft, sie scheut es selbst nicht, altangesehcne Zcitun- gen anzukaufen, um die Oeffentlichkeit bei Stimmung zu erhaltau. Zur leidigen Magenfrage: Dem System der gebundenen Wirtschaft haben wir das— wenn auch kümmerliche— Durchhalten zu verdanken.— Ter katastrophal mißglückte Versuch mit dem freien Han- bell in Oesterreich und der Türkei beweist das zur Genüge. Statt"1 mutzte bot unsfesterzügegriffen werden; albern ist es, das Gemisch von„freier Wirtschaft" und Bureaukratie als„Kriegs- sozialismus" zu bezeichnen.— Die Wiedereinführung des„freien Spiels d« Kräfte" nach Kriegsende ist unmöglich. Hier steht die Sozialdemokratie im schärfsten Gegensatz zum Kandi- daten des Fortschritts, das würde eine Hochkonjunktur und eine unerträgliche Ausbeutung der minderbemittelten Volks- schichten bedeuten. Als die Unabhängigen seinerzeit die Partei sprengten, wäre diese Tat nur dann zu rechtfertigen gewesen, wenn sie, wie v«- sprachen wurde, den Frieden gebracht hätte. Diese Hoffnung mußte sich als trügerisch«weisen— die Spaltung hat uns keinen Schritt weiter gebracht, sondern, wie die Zukunft noch deutlicher zeigen wird, geschadet. Die fortschrittliche Kandidatur des Herrn Kempncr, d« so lebhaft für freie Wirtschaft eintritt, ist das Resultat inneror Kämpfe in der Volkspartei, bei d« gerade jene unsicheren Kantonisten in der Friedenssrage Sieg« blieben, die einer Kandidatur D«nburgs, des Mannes der Verständigung, aufs schärfste entgegentraten. Wir Soizaldemokraten richten uns in dor Friedensfrage nicht nach der Kriegslage, sondern unsere Stellung entspricht fest« sitt- licher Ueberzeugung.(Lebhafter Beifall))* » Den Schluß der Versammlung haben wir schon gestern ge- schildert. Als Genosse Richard Fischer aus die wiederholten Kre-. ditbewilltgungen durch die Unabhängigen hinwies, kam es zu einem Tumult, der zur Auflösung der Versammlung führte. Es muß die beschämende Tatsache festgehalten Werbern, daß die Unabhängigen diesen polizeilichen Eingriff mit einer Beifallssalve be- grüßten. Wenn einem Unabhängigen, wie dem Abg. Haase, von der Polizei das Reden verboten wird, läuft der sozialdemokratische Parteivorstand zur Regierung und setzt dt« Aushebung des Verbotes durch. Wenn einem Sozialdemokraten durch ihren eigenen Tumult und durch polizeiliche Auflösung das Wort abge- schnitten wird, bringen die Unabhängigen dem Beamten Ovationen! Gegen die verhaßte sozialdemokratische Partei ist eben jedes Mittel recht, auch die Hilfe der Polizei! Die Unabhängigen zeigen durch ihr Verhalten, daß eS ihnen mit ihrer Kandidatur selber nicht ernst ist. Mit bloßem Radau ge- wimft man nicht die Wähl«! partelnachrichten. Zu dem Rechtsstreit«ms„Hallcsche Volksblatt", der bekanntlich auf Grund eines vom AnwaltXder Unabhängigen eingesandten Schriftsatzes vertagt wurde, war mitgeteilt worden, der Vorsitzende der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei sei der Verfasser dieses Schriftsatzes gewesen. Diese Mitteilung rief umso größere Verwunderung hervor, alS� in dein Schriftsatz betont wird daß die Spaltung der sozialdemokratischen Partei nicht wegen programmatischer Streiifragen, sondern wegen deS Streites über t a l t is ch e Fragen erfolgt sei. Streitig sei innerhalb der Reichstagsira'lion die Frage der Kriegskredtte und der Kriegsziele, schließlick� auch Fragen mehr persönlicher Naurr, üher die Verlietring der Partei durch Redner im Paria- mente: die Spaltung erfolgte schließlich aus Anlaß eines solchen persönlichen Streites Der Bezirkssekretär der Unabhängigen für den Bezirk Halle a. G.. Hildebrandt, erklärt setzt.- daß jene Zeilen zwar in dem angezogenen Schriftsatz ständen, daß jedoch nicht Haas«, sonder» ihr Rechtsanwalt Herzfeld(Raumburg) der Lcrsasser sei. ■I GewerffchaflsbervVMlg Vereinbarung und Forderungen der Hutmackier. Zwischen den Vertretungen dcS Verbandes der Hut- und Filz- Warenarbeiter und dem Arbeitgeberverband der Hutindustrie sind allgemeine Bestimmungen vereinbart worden, w"lcl>e die Richtlinien für einen demnächst abzuschließenden Reichstarifrertrag darstellen. Lchnsätze sind in dieser Vereinbarung, di« vorbebaltlich der Zustim- mung der beiderseitigen Mitgliedschaften� abgeschlossen ist. nicht auf- gestellt.— Die api Mittwoch abgehaltene Versammlung der Filiale Berlin d«S HutmachervevbandeS stimmte der Vereinbarung zu. Ferner beschloß die Versammlung, den Arbeitgebern der Stroh- Hutbranche folgende Forderungen einzureichen: Der Wochenlokm für männliche Arbeiter(Ziehcr, Presser, Streicher, selbständige Appreteure) lst von 56 M. auf 100 M. zu erhoben und dazu die btsherige Teuerungszulage von 25 Proz. des Lohnes zu zahlen.— Der Wochen lohn der Strohhutnähcrinnen ist auf 60 M., der Wochculohn der sonstigen Näherinnen< Garniererinnen, Fantasie- arbeitevinnen, Kopfaufseßerinncn usw.) ist auf 45 M. zu erhöhen. Auch zu diesen Löhnen ist die Teuerungszulage von 2S Proz. zu zahlen. Die Akkordsäße sind um 50 Proz. zu erhöhen und ist auch auf dies« Sätze der Teuerungszuschlag von 25 Proz. zu gewähren. — Für Reparaturarbciten sollen folgende Sätze pro Stück bezahlt werden: Ziehen ohne Streichen 60 Pf., mit Streichen 75 Pf., Fertigmachen, Bügeln 75 Pf., Pressen 15 Pf.— Die tägliche Arbeitszeit soll 8 Stunden flnsher 3 Stunden), an den Sonnabenden 6 Stunden(bisher 7 Stund«:) betragen. Die Einkommensverhältniffe der Beamten und Arbeiter des Königlichen MaterialPrüfungSaints in Lichtcrfelde sind, wie unS berichtet wird, erschreckend niedrig. ES ist kaum glaublich, daß ein staatliches Institut, das in bezug auf Entlohnung den Pvivcrtunternehmen ein Vorbild sein sollte, in dieser Beziehung so wenig seine soziale Pflicht erfüllt. Sind di« gezahlten Gehälter und Löhne schon in F-riedenszeiten als absolut ungenügend zu bezeichnen, so reichen sie in der Kriegs- zeit bei den ungeheuren Teuerungsverhältnissen kaum aus, um das nackte Leben zu fristen. Es betragen die Gehälter der st ä n d i g e n Assistenten vom 1. bis 3. Dienstjahr 2100 M., vom 4. bis 6. 2500 M., vwn 7. bis 9. 2700 M., vom 10. bis 12. 3400 M., vom 13. bis 15. 3000 M., vom 16. bis 18. 4200 M. und vom 19. Dienstjahr ab 4500 M. Höchstgehalt. WohnungSgeld 1300 M. Di« Gehälter der nichtständigen Assistenten betragen vom 1. bis 3. Dienstjaho 2100 M., vom 4. bis 6. S400 M., vom 7. bis 9. 2700 M.. vom 10. biS 12. 3000 M., vom 13. bis 15. 3300 M., vom 16. bis 13. 3600 M.. vom 19. bis 21. 3900 M., vom 22. Dienstjahr ab 4200 M. Höchst- gehalt.— Bei Anstellung werden diesen Assistenten nur zwei Dienstjahre angerechnet, so daß sie mit dem Gehalt von 210 0 M. von vorne beginnen müssen!— Die Techniker beziehen ein Ge- halt vom 1. bis 3. Dienstjahr von 1500 M., vom 4. bis 6. von 1800 M., vom 7 bis 9. von 2000 M.. vom 10. bis 12. von 2200 M., vom 13. bis 15 von 2400 M, vom 16. bis 18, von 2600 M., vom 19. bis 21. von 2800 M.. vom 22. Dunstjahr ab von 8000 M. Höchstgehalt. Das Anfangsgehalt der LaboratoriumSdiener ist lSOO M. jährlich, um nach Ablauf von 20 Jahren auf! 8 0 0 M. zu steigen. WohnungSzusckvh 430 M.— Während sonst bei allen Staatsbeamten laufende und einmalige Teuerungszulagen ge- währt werden, scheint daS MatermlprüfungSamt das Einkommen seiner Angestellten für so ausreichend zu hallen, daß eine lau- sende Teuerungszulage— trotz der enorm teuren Zeiten— auf eine Vcrschwendung von StaatSgeldern hinauslaufen würde. Sie mußten sich daher mit einer einmaligen Teuerungszulage be- gnügen.— Steht es schon mit den Einkommen der Beamten bei diesem Staatsinstitut sehr schlecht, so sind die Lvhnverhältnisse der Arbeiter im Lerhällnis noch beträchtlich schlechter. So beträgt der Lohn eines Gehilfen mit dreißigjähriger Dienstzeit einschließlich der KvicgSzulage 4 5 M. wöchentlich. Eine Reinemachefrau erhält bei einer Arbeitszeit von 7 bis 5 Uhr(einschließlich Pausen) 25 M. wöchentlich. Sie ist bereits 12 Jahr« beim MatcrialprüfungSamt beschäftigt.— DaS Laufmädchen endlich be- kommt wöchentlich 9,50 M. Diese Zusammenstellung mag genügen, um zu zeigen, wie dringend notwendig eine Aufbesserung der Gehälter und Löhne bei dem genannten staatlichen Institut ist, und daß die zuständigen Stellen alle Veranlassung haben, der berech- tigten Unzufriedenheit unter den Beamten und Avbcitern durch Ge- Währung eines den Kriegsverhältnissen entsprechenden Einkommens den Boden zu entziehen. So hält sich der Unternehmer schadlos. Für vierundzwanzig Mark Wochenlohn arbeitete Frau P. in einer Berliner Zigarettenfabrik. Davon sollte sie sich und ihre Kinder satt machen. Ein Problem, dessen Lösung einem Hunger- künstlor Ehre gemochk haben würde. Doch Frau P, ist keine Hunger- künstlerin und ihre Kinder sind es erst recht nicht. Not und Sorge waren tägliche Gäste in dem dürstigen Haushalt. Die Versuchung trat an die arme Frau heran: In der Fabrik ging Tabak pfundweis« Tag für Tag durch ihre Hände. Tabak ist ja jetzt ein Wcrtgegenstand, für den man überall Abnehmer findet. Wenn sie sich nur eine Hand voll davon aneignet, würde sie von dem Erlös ein Brot kaufen können. Sie konnte der Versuchung nicht widerstehen. Doch gerade an diesem Abend wurden die Arbeiterinnen beim Verlassen der Fabrik unvermutet visitiert. Frau P. wurde als Diebin ertappt, entlassen: und der Staatsanwaltschaft angezeigt. i DaS Schöffengericht sah den Fall milde an. Ten Wert de? gc- stohlenen Tabaks setzte e- auf 1,50 M an und verurteilte Frau P. zu der Mindeftstrafe von einem Tag Gefängnis. Sie verbüßte die Strafe Ter Verlust von einem Tage Frei- heit machte ihr keine Sorge. Viel drückender empfand sie es. daß ihr bei der Entlassung dreißig Mark Lohn, den sie in sieben Ar- beitStagen verdient hatte, nicht ausgezahlt worden waren. An diesem Betrage wollte sich der Unternehmer für den Diebstahl schadlos halten. Frau P. rief das Gcwerbegericht an. Hier wurde der Unter- nehmer belehrt, daß auf den verdienten Lohn keine Gegenforderung aufgerechnet werden darf. Ob eine Schädigung des Arbeitgebers durch Diebstahl hiervon e'nc Ausnahm? macht, ist eine umstritten« Frage, sie ober meisten? dahin entschieden wird, daß der Abzug des Wertes des Gestoblenen statthaft ist. Hiernach würde der Unternehmer allenfalls berechtigt sein, der Klägerin ILO ab- zuziehen. Die übrigen 28.50 M habe er aber ohne jeden RcchtS- gruno eiubchaltcn. D'eien Detrag müsse er auszahlen. So kam Frau P. wochenlang nach ihrer Verfehlung schließlich zu ihrem verdienten Lohn. Die Teuerungszulagen der Heeresverwaltung. Als Ergänzung der unter obiger Ueberschrist gebrachten Notiz m der Mittwochnummer des.Vorwärts" erhalten wir noch folgende Zuschrift: Der Verfasser deS Artikels im.Vorwärts" sieht die Dinge noch viel zu günstig. Die Teuerungszulagen sollen an die mit Pvivatdienstvertrag Angestellten nicht etwa später, sondern gar nicht ausgezahlt werden. Die Gehälter der Hilfskräfte sind vor eirnger Zeit von 130 bis 180 M. auf 160 bis 250 M. erhöht worden. Gleichzeitig find damals kür drei Monat« Nachzahlungen erfolgt, die im Durchschnitt 100 bis 150 M. betrugen. Wahrscheinlich wird man die Angestellten damit abspeisen wollen, ohne in Betracht zu ziehen, daß die einmalige Teuerungszulage, die ihnen zugewendet wevden müßte, das Mehrfache dieser Deträge ausmaäbcn würde. Das Uebergchen der Hilfskräfte muß um so merkwürdiger er- scheinen, als die halbamtliche Bekanntmachung ausdrücklich Lohn- angestellte als anspruchsberechtigt nenut. Die anderen Behörden und Ministerien haben die Teuerungszulage auch bereits aus- gezahlt, nur daS Kriegsministerium scheint dies« Sonderregelung vorzunehmen. ?ugenüveranfta1tungen« Eharlottcnburg Jugendlieim, Rosinenstr. 4, Bolksbau». Dienstag. den 1 Ollober, abend« 8 Uhr: Vortrag de« Genossen Zickler. «erantwortlia für Poltttl: ffrixS Stiuauz, Berlin: für den übrigen Teil deZ Blatte«: Alfred eaolj, Neukölln: für An, eigen Tbevdor Glocke, Berlin. Verlag: BorwärtS-Verlag«. m b. H., Berlin. Druck BorwSri»-Bu-i!druck«re> und Berlagtankiall Paul Singer u. So. in Berlin, vindenitrade Z. Hierzu l BcUagc und UnterhalinngSblait. Dirobtton blax Reinhardt. Dentaehe* Theater. 7 Uhr: Othello. Sonnab. 7st, Uhr: Clatlgo. K arnmertiplole. Tl. Uhr: Kinder der Freude. Sonnab. 7: Nathan der Welse. Kleines Schaospieibans. Fasanenstraße 1, Portal 5, Keine Vorst. Sbd. T'/«: Arbelt. Volksbühne Theater am Bülowylat». Direktion Friedrich Kayßler. Tl, Uhr; Maß für Maß. Dir. C. Meinhard— R. Bernauer. Theater Königgratzar Str. 8 Uhr: Erdgelot. Komödienhaus 8 Uhr: Die«ünt Frankfurter. Berliner Theater 7>»U.: BUtablanea Blut. Casino- Theater. Lothringer Str. 37. Tägl.'I48 U.; Der neue Schlager lon Mt Ml Merl Berliner Posse w 3 Allen. Vorher erstkl. Spezialitäte«. U.a.: Crelo Llnds Menschenaffen. Sonnt 2'/,: Ein fldeles Huhn. Theater öer Frieilrlchslailt. Boke Friedrich- u. Linionstr 7'l4 Uhr. TägLt Nord. 8650. Kaiserplatz 3, 1 Tr. Ein lust. Stück m. Musik v. Laufs y. Müllendorff. Georg. L Holms Bonntag 3'/, Uhr: jagend. Rose-Theater. Tl, Uhr: M ReiAööerlljM. Theater am Kottbuser Tor I Kottbaacr Str. 6. Ueitnng: Ferdinand Wagner, Täglich 71/, Uhr: Neue Kunst im neuen Rahmen. i Die große Varlet6«Schau Originalentwürfe d.Bühnendekoration. v.Heinrich Zille. Straiauer Pischzug. Alt-Berliner Weihnachtsmarkt. Kaschemme usw. Texte v. Hermann Frey. Musik v. Franz Schmidt Hagen Persönliches Auftreten v. Anna Müllep-Mncke. Ferner: Willi UHe, Hugo««na», II. Königl. Nieder!. HofbaUettmstr. Otto Jaekel mit seinem Ballett-Ensemble sowie erstklassige Schaunummern Licht- und WassereSekte Willi Hagedorn. Vorverkauf bei A. Wertheim und an der Tages- '!-S NÄTIONÄL-TBEiTERte�S i 88, 87, 88, 1 1 19, 1, 2, 8, 4, 6, 46, 49. 22, 49, 41, 39. 37, 28.] (Untergrundb.: Inselbrücke.)( Der große Operettenerfolg! i Prinzenliebe. Musik von Walter Bromme. Sonnt. 3'/,:.Mäuschen', in erster Besetzung.(KL Pr.)( Vorzugskart. u. Bons liegen nicht in d.6eschältslok. aus., > Vorverk.: l0st,-2 u. ab 6 U.. Sonnab. n. Stg.v.tO unnnterb. Gewerkkbaftsbaus. Sonntag, den 29. September 1918. Turuverei» Fichte Erste Schüler- und zweite Schülerinnen- Abteilung: Sehuletiflassuitgs'feier u. a.: Koneert, turnerloche AuffUhraagen and hamorlstische Vortlage. Sonntag mittag: Blumenkohlsuppe... Rbemlach«...... Steinpilze m kalt. Beilage Blumenkohl, bollandalse. Steinbutte...... 0,50 6,- 3,- 2,— 2,60 Sauerbraten mit Klötzen 4,— Putenbralen..... 6,— Speise. Käse. Kompott und Salat Avis: Sonntag abend! Ein einmaliges billiges Angebot: SO Fettganse mit Rotkohl, geröstet, ä Portion 8 Mark. Büsch, Tägl. 71/,. Sonnt 8'/,tt.Tlt Das großartige Programm. Zum Schluß; Oberen. lassw-Ä in 6 Akten Daraus besonders hervorzuheben: Die großen Sturzwellen. Heute und morgen: Hühnerbrühe, i Liter 60 Pf. und darin gelochte Fetthühuer, '/, Huhn 10 Marl._ KÜRÜK Lichtspiele 28Gr.FrankIurterStr.28 ». d. AndreaHBtraße Bassermann Vater u. Sohn. Fern Andra Stürme Im Herbst Hebens. Wochentags 5. Sonnt S Uhr. Walhalla-Theater. 7-,. 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