Nr. 269. 33. Jahrg. V?zugspreiS: 3H-rteqsi,ri.S.40Ml. Mona« 1.80 Mi. frei ins HauS. dorauSzahlbar. Einzelne Rummcrn 10 Piennig. Postbezug: Monailich.vom Postschalter abzubolen 1P0MI..vomBrsekträger>nsHaus oe- bracht l.Ss MI. Unter Kreuzband für Deutschtard und Oesterreich- Ungarn Ml, für das übrige Ausland b.bv Mi. manallich. Äersand ins Feld deldireller Bestellung monatl. 2.— Ml. Poslbeltcllungen nehmen an Däne- marl. Holland. Luxemburg, Schweden und die Schweiz. Slngetragcn in die PosI-ZeiMngs»Prcis!Isle. Erscheint rägltch. Telegramm- Adresse: »Sozialdemokrat Berlin- c 10 pksnnis) AnzrigenpreiS: DIesiebengesvllltencKolonelzsNekoget «0 Psg.„Kleine Slnzeigen-, das settgednillt« Dort 30 Psg....... f. Verlinev VolksltlKtt. „.-u �9- czuläsfi, 2 settgedruikte Werte), jede« wettere Kort lS Psg. St-ilengesuch« und Schlasstellenanzelgen. da« erste Wort 20 Psg.,�-d«« weiter, Wort 10 Psg Worte Ä !!d«S der 15 Buchstabe, t zichlen s»r zwei Worte, lruerungszujchlag zo»,� Familien. Anzeigen. Volttische nnd gewerischaslltche Pereins- Anzeigen 70 Psg. die Zeil«. Anzeigen sflr die nächste Nummer mllsscn bis S Ilbr nachmittags im Haubtgeschäst. Berlin KW. 08, Llnbenstrasje 3, abiegeben werden. Gteössnet bon g Uhr srllh bis 7 Uhr abends. Zentralorgan der rozialdemokrati fchen parte» Deutfchlands. Redaktion: EW. 05, Liaöenstraße 3. Fernsprecher: Amt Moritzplatz, Sir. IS» SV— 151 97. Montag, de« 80. September 1918. Expeültion: SM. öS, Linöenstraße 3. Fernsprecher: Amt Moritzplatz. Sir. 161 90— X&l 97. GwMgesMgenMchmCMbrai«°dSi.QuenM Die Entente an Sulgarien. Forderung unbedingter Unterwerfung angekündigt.— England und Frankreich einig. Paris, 28. September.(Halms.) Tic mit Bulgarien Krieg sührendcn(fntcnteregiernngcn sind mit Vorschlägen »Frankreichs betreffend die auf die bulgarische Note zu erteilende Antwort befafst worden. In Unterredungen Clemenccaus mit Lloud George konnte Uedereinstimmung in allen Punkten fest- gestellt werden. Reuter erfährt, daß die englische Antwort auf das bulgarische Gesuch um einen Waffenstillstarild bereits in der Antwort des Oberbefehlshabers der alliier- ten Armeen in Mazedonien gegeben worden fei. In dieser Antwort werde vollkommen deutlich angegeben, dast die nrili- tärischen Overationen nicht unterbrochen werden könnten. Was den Antrag angehe, daß bevollmächtigte bul- garische Vertreter mit den Alliierten über den Frieden kon- ferieren sollten, so ist der Regierung in Sofia deutlich zu ver- stehen gegeben wordeil, daß der Abschluß eines F r i e- d e n s m i t B u I g a r i e n in notioendiger Weise den v ö l l i- genBruchdcrbulgarischcnRegierungm itder Türkei und gleichfalls mit D e u t s ch l a n d n n d O e st e r- reich-Ungarn in sich schließe. Die alliierten Re- gierungen würden natürlich jedeBürgschaft fordern, welche sie für notwendig erachteten, um ihre militärischen Ohe- rationen zu sichern und das Senden deutscher Truppen nach Bulgarien zu verhindern. Bei einer Besprechung des bulgarischen Antrags, sagt Reuter weiter, dürfe man nicht aus dem Auge verlieren, daß die Alliierten keine definitive Lösung der Balkanfrage zu finden beabsichtigten. Diese Lösung bleibe derFriedenskonferenzvorbe halten. Es handle sich nur darum, ein solches militärisches Abkommen zu schließen, daß die Operationen der Alliierten auf dem Balkan von bulgarischer Seite nicht mehr bedroht würden. Dieses schließe die De Mobilisation der bnlgarischen Armee oder deren Bcrivendung an anderer Stelle gegen die heutigen Bundesgenossen Bulgariens in sich. Keine Schritte bezüglich der terri- torialen Fragen könnten oder würden ohne das vollständige Znsammenwirken und die Unterstützung unserer serbischen und griechischen Bundesgenossen getan werden. Aber eine der Bedingungen eines vorläufigen Abkommens müsse die R ä u- lnu ngglldesGebietesaußerhalbBulgarienS durch die Bulgaren sein, welches von den bnlgarischen Armeen seit Ausbruch des.Krieges besetzt worden ist. Wenn diese Bedingungen, welche der Regierung in Sofia mitgeteilt worden seien, für die Regierung Malinows nicht. annehmbar wären, hätten die Alliierten keine anderen Vorschläge zu inachen und würde es dann die Aufgabe Bulgariens bleiben, andere Vertreter zu finden, die diese Bedingungen annehmen könnten. Renter erfährt, daß die f o r m e l l e A n t w o r t an Bul- garien er st nach Ueberlegung mit den Bundes- genossen gegeben werde. Inzwischen sei der bulgarischen Regierung der allgemeine Standpunkt mitgeteilt worden. Es wird vermutet, daß die Regierung in Sofia diese Antwort ab- warten werde. In der Zwischenzeit würden die militärischen Operationen fortgesetzt werde». Die Dalkangeheimverträge öer Entente, Es ist wohl kaum ein zufälliges Zusammentreffen, daß gerade jetzt die russisch- sraozösisch-cnglischcn Gehcimvernügc von 1915— 1917, deren Veröffentlichung im letzten Winter nach dem Siege der Bolschewiki in der„Prawda" geschah, auf einmal von der französischen Zensur nicht mehr unterdrückt werden. Letzter Tage durste die Ucbersetzung nach dem von der„Pmwda" gegebenen Tert in der Zeitschrift„Asic francaise" passieren.„Debats" leitartikelt jetzt über die Verträge. Das Blatt weist besonders hin auf die Worte Ribots vom i 21. November 1891 und auf Ribots Depesche an Cambon vom 6. Dezember 1891 über ein Gespräch mit Giers, welcher Ruß- lands Festhalten am Statnsquo in K o n sta n t i n o p e l er- klärte.„Debats" kommentiert dieses und beweist, daß die da- maligen russischen Diplomaten klüger waren als ihre Nach- folger. Sie waren weit entfernt davon, die Erwerbung Kon- stantinovels und der Meerengen für nötig zu hasten und hieb ten sie für das Zarenreich für gefährlich.„ES ist sehr bedauer- lich, daß die Entente nickt dabei blieb, aber wir geben zu, daß die Londoner und Pariser Kabinett» im Lauf des Kriegs solche Pressionen erduldeten, daß ein Widerstehen schwer war." Daß die Publikation der Noten über Konstantinopcl und die vorstehende Glossiernng gleichzeitig mit den sich jetzt ab- spielenden Balkc-nvorgärrgen geschttHt, ist bemexkenswert. Englisch-belgischer Ansturm in Flandern— Frontverlegung westlich Cambraiund neue Angriffe— Zwischen Ailette und Aisne hinter den Oise- Aisne-Kanal zurück— Schwere Angriffe zwischen SniPPes nnd Aisne: Somme-Py verloren— Feindliche Erfolge in den Argonnen: Bei Apre- mont nnd Eierges. Berlin, SÄ. September ISIS, abend». Amtlich. Ne»e Kämpfe östlich von Aper n. Gewaltige» Ringen zwischen Gambrai«ad St. Quentin. Ter englische Angriff ist hier im arosten gescheitert. In der Champagne nnd zwischen Argonnen und Mast find heftige Angriffe der Franzosen und Amerikaner biS anf örtliche Einbrüche beiderseits Ardeuil abgewiesen. Amtlich. G r o ß e S H a« p t g a a r t i e kj den R. Sep- tembcr 1918. Westlicher Kriegsschauplatz. Der Engländer hat im Verein mit Belgiern seine An- griffe mlf Flandern nusgedchr.t und gegen Eambrai fort- gesetzt. Franzose» und Äiueruuncc stürmten erneut in der Champagne sowie zwischen den Argonnen und der Maas an. Heeresgruppe Kranprinz Rupprecht. Bon der Kiiste bis südlich der Lhs während der Nacht hef- tiger Feucrkampf, der sich in den Morgenstunden zwischen DikS- muide und Wulvergem zu stärkstem Trommelfeuer steigerte. Engländer und Belgier griffen auf der Front von südlich DikSmuide bis Wulvergem an. ES gelang dem Feinde, unsere Trichtcrstellungen zu nehmen und teilweise in unsere Artillerielinien einzudringen. Der An- griff des Feindes kam am Nachmittag in der Linie: Bahndamm südlich von DikS muide— Klerken—Honthulst— West» roosebcekc— Paßschendaele— B e s e l a r c— A a n d- v o o r d e— H o l l e b e k e zum Stehen. Die am Abende gegen diese Linie geführten Angriffe wurden mit Hilsr der anf dem Schlachtseldr eintreffenden Reserven abgewiesen. Die Höhe von Wijffchatc wurden gegen mehrfache Angriffe deS Feinde? gehalten. Westlich von C a m b r a i hatten wir gestern früh infolge des LcrlustcK der Kanalftellung beiderseits von Marqnion in den Kämpfen-am 27. 3. unsere Front aus dem freien Gelände in eine rückwärtige Stellung in der Linie Arle»?— Anbigny— westlich von Cambrai nnd hinter den Kanal südlich von Cambrai— M a r c o i n g mit Anschluß über Gonnelirn an die alte Linie bei Billers GuiSlain zurückgenommen. Die Bewegungen wurden während der Nacht ungestört vom Geg- „er durchgeführt. Der Feind hielt am Morgen noch lange Zeit Genf, 29. September. Di« Parffer Presse bespricht die vcm Bulgarien geforderten Friedesbedingungen.„Petit Journal" gibt der Ansicht Ausdruck, die Entente wolle Bulgarien nicht vernichten, doch müsse es sich in seinen ethnographischen Grenzen bescheiden und Serbien und Rumänien entschädigen. Der„Matin" spricht sich im gleichen Sinne aus. Das Blatt meint. Bulgarien müsse durch Demobilisierung und Kontroll« der Entente über die bulgarischen Eisenbahnen Garantien geben. Die Vorgänge in Mazedonien. Sofia, 28. September. Generalstabsbericht vom 27. Sepiember. Mazedonische Front:Westlich des War dar führen unsere Einheiten die ihnen vorgeschriebenen Bewegungen aus, vom Feinde nur schwach belästigt. Zwischen Wardar und S'truma Nachhutkämpfe mit wechselndem Erfolg. An der Belasitza und im Strumatal Patronillunternehmungen, wobei wir griechische Gefangene machten. London, 28. September.(Reuter.) Serbischer Bericht vom 27. September. Die Serben erreichten am 26. September N a d o- w isa und sind ziemlich weit übsrKotschana hinausgekommen. Am selben Tage drangen sie in V e l e Z ein, nahmen viele Truppen gefangen, di« die Festung verteidigten, und setzten sofort ihren vor» marsch nach I st i P fort. ES wurde eine riesige Zahl von Gefan- genen. meist D-uffche, gemacht und«ine riesige Menge von Krieg»- Material erbeutet. Britischer Bericht aus Saloniki. Griechische Truppen stoßen ostwärts entlang der B e l l a s l tz a vor und eng- lische und griechische Truppen bewegen sich ebenfalls in der R i ch- tunaaufPetri« entlang dem Strumica-Tal. Wir erbeuteten nur ermge Geschütze vvMedv«» Kalibers Las geräumte Gesstnde unter Feuer. In Txtt VttttagSstundcn begann er scharf nachzudrängen und griff nordwestlich und wcst- lich von Cambrai mit starken Kräften a». Er wurde abge- wiesen. Ebenso scheiterten Angriffe, die sich am Abend gegen die Linien südlich von Marcoing richteten. Heeresgruppe Deutscher Kronprinz. Zwischen Ailette und AiSne haben wir ohne feindliche Einwirkung unsere Linien hinter den Oise— AiSne- K an a l zwischen Anizy le Chatea« an der Ai- leite und Bonrg an der Aisne zurückgenommen. Die seit Tagen vorbereitete Bewegung verlief planmäßig nnd un- gestSrt vom Feinde. Erfolgreiche Borfeldkämpfe westlich der Tuippes. Zwischen Suippes und AiStt« sowie zwischen d«« Argonnen»nd der Maas setzte der Fewd seine starken Angriffe fort. Sir waren gestern besonders schwer und für den Feind auß«r»rd«ut- lich blutig, llnserr dort kämpfenden Truppen aller deutschen Stämme, die sich auch gestern wiederum trotz der hohen Anfor- derungen, die die letzten Tage an sie stellten, tiervorragen» ge- schlagen haben, haben einen vollen Abwehrrrfolg errungen. Der Franzose, der aus der ganzen Front zwischen Suippe» «nd Aisne in teilweise bis zu sechsmal wiederholten durch starke Panzergrschwader geführten Angriffen vorbrach, wurde in erbittertem Kampf zurückgeworfen. Sein einziger ärtlicher Erfolg beruht in der Einnahme von S o m m e- P h und in klei- nen geringfügigen Einbuchtungen unserer Abwehrfront. In den Argonnen haben wir in vorletzter Rächt infolge des Vordringens des Feinde? im Aire-Tal unser« Linie bis in die Gegend sudöstlich von Binarville— siid- westlich von Apremont zurückgenommen. Gegen den Ostrand der Argonnen und gegen die Linie Apremont— CiergeS— Brieullc stieß der Amerikaner in mehrfachen Angriffen unter teilwei-fem Einsatz neuer Division«» vor. Oertlich« Erfolg, konnte er bei Apremont nnd östlich von CiergeS erzielen, wo er unsere Linie am frühen Morgen bisandrnWaldvonCunelnnd F a y S znrückdrückte. Aber anch hi-r sind, wie an der ganzen Front, die Angriffe de? Feindes unter sehr schweren Serlusten für ihn in unserem Abwehrfeuer, in zähem Rabkamps«nd an unseren erfolgreichen Gegenangriffen gescheitert. Nnsere Schlachtstaffeln griffen den östlich der«irr anstürmenden Feind mit großem Erfolge an. Bei den gestrigen Kämpfen wurden mehr al? 159 Panzerwagen de? Feinde? zerstört. Wir schössen gestern Z2 feindliche Flngzengr nnd Z Fesselballone ab. Der Erste Grnrralqnarfiermeister. Ludcndorfs. Der österreichische Bericht. Wien, 29. Septeuiber. Amtlich wird»erlautbart: An der italienischen Front keine besonderen Ereignisse. An der albanischen Küste nnd bei Berat scheiterten italienische Borstöße. Der Chef deS General st abcS. Sie öalkaakrife. Nsch immer schweigt öer Telegraph. Man steift bor Rätseln. Die erste Meldung vom drohenden Abfall Bulgariens bezieht sich ans den 2L. d. M., den Mittwoch voriger Woche. Seitdem müssen neue Ereignisse eingetreten sein, man hat von ihnen nichts gehört. Deutschland tat in Bulgarien bekanntlich eine Gesandtschaft, und man sollte Senken, daß öer amtliche Draht zwischen Berlin und«ofia in diesen Tagen fieberhast arbeitet. Aber man erfährt nichts! -Heute, am 39. September, soll programmäßig das bul- garische Parlament, die Sobranje, zusammentreten. Wird man uns davon unterrichten, ob der Zusammentritt erfolgt ist und wie sich das Parlament zn den Entschlüssen der Regierung gestellt. hat? Die gestrige Reutern leldung letzter Stunde lvill genau ge- lesen sein. Aus ihr spricht die zitternde Vorfreude über die „gewaltige Auswirkung", die man sich von eineni Frieden init Bulgarien versprich!. Man erkennt aber auch deutlich, daß der Frieden, den England mit Bulgarien schließen will, durchaus kein Verständigungsfrieden, sondern«in Unterwerfung§- frieden ist, der den Besiegten zum Verrat an seinen bis- herigen Verbündeten zwingt. Nach den vorgesehenen FrisdenSbedingungen soll Bulgarien zulassen, daß die B- r b i n d n n g S l i n i e n z w i s ch e n i h m und O e st e r r e i ch-Ungarn von Streitkräften der � Alliierten besetzt werden. Bulgarien wird damit nicht neutralisiert, sondern zum Kriegsschauplatz zwischen der Entente und den Mittelmächtm gemacht. Der Frieden, den abzuschließen Bul- garpm z»gem«tÄ wird, Wirde diesem ß-MiSfichstsich den Krieg im eigenen SfffftSc bringen! Noch bedeutsamer fft die Be merkung, daß der Frieden England denWegins schwarze Meer öffnen wurde. TaZ sei eine unentbehrliche Bedingung für den möglichen Frieden mit Bulgarien. Man beabsichtigt offenbar, das unterworfene Land zur O p e r a t i o n s b a s i s gegen Konjtaulinopel zu machen und den Schlüssel zum Schwarzen Meer in die englische Hand zu nehmen. WaS nor den Dardanellen und bei Gallipoli mißlang, daS soll auf dem Landweg über die Tschataldscha-Linie gelingen! Das Reutertelegramm folgert ganz richtig, daß durdh diese gewissen Dinge", die mit der Türkei geschehen sollen, die Streitkräfte in Palästinn und Mesopotamien frei werden wür- den. Nicht ebenso ersichtlich ist, wie man zugleich auch die Salonikiarnree freibekommen will, es wäre denn, daß man vor- ussetzt, die Mittelmächte würden jede Gegenaktion auf dem Balkan als aussichtslos von vornherein aufgeben. Unzweifelhaft richtig aber ist es wieder, wenn man von ncr so weitgehenden Wendung auf dem Balkan eine tiefgreifende .renderung in Rußland erhofft oder von unserem Stand- vunkt aus befürchtet. Plan hätte hinzusehen können, zunächst auch in Rumänien, in dessen nicht befthtem Teil sich die �lriegspartei wieder aufs stärkste regt. In Jassy und in Galatz sind, wie man voraussetzen darf mit Hilfe von Ententegeldern, neue Blätter gegründet worden, die gegen die Mittelmächte und Bulgarien die wildeste Sprache führen. Eines davon wird vom General Timitra Cocomsru geleitet, der sich selbst einen „Schüler des großen Patrioten Nicolas Filipescus nennt", und als sein Losungswort:„Li viu pacem. para bellum!"— „Wenn du den Frieden willst, rüste zum Krieg!"— aufstellt. Rußland wird aber infolveit in Mitleidenschast gezogen, als eine Wendung der gesamten Weltlage zugunsten der Entente den Parteien neue Kraft zu rühren müßte, die eine .lendcrimg deS Brester Friedens durch Wiederherstellung des Bündnisses mit der Entente und durch Wiederaufnahme des Krieges gegen Deutschland anstreben. Nicht übersehen werden darf dabei, daß weite Gebiete des ehemaligen Zarenreichs von Truppen Oesterreich-Ungarns besetzt sind, das als nächster bei der Dalkankrise in Mitleidenschaft gezogen ist. M daS zeigt. WaS von der angestrebten Wiederherstellung aer Lage in Bulgarien für Deutschland abhängt und erklärt die Spannung, mit der wir hier weitere Nachrichten über die Entwicklung der Ding« dort unten erwarten. ES handelt sich dabei > u erster Linie um eine politische, nicht um eine militärische Entwicklung, denn wenn Bulgarien wirklich endgültig entschlossen si, mit der Entente Frieden zu machen und wenn hinter diesem Entschluß die breiten Massen der Bevölkerung stehen, so würde ■d) daraus ei« politischer Schaden ergeben, der militärisch viel- eicht verringert, aber nicht ganz repariert werden kann. Für daS Friedensbedürfnis Bulgariens fthlt xm5 nickt das i eiste Verständnis. Bulgarien steht seit sechs Jahren fast un- unterbrochen im Kampf. Zu dem militärischen Unglück der letzten Tage gesellt sich eine furchtbare wirtschaftliche Not. Tie Wiener„Neue Freie Presse" schildert die Lage folgendermaßen: „War schon die vorige Ernte ein« sehr schwache, so ist die beurige infolge dreimonatiger Trockenheit sehr dürftig, die Weiden sind verbrannt und das Vieh schon jetzt ohne 'Nahrung. Die Dürre ist eine so furchtbare, daß selbst die Hailptstadt Wochen hindurch fast ohne Wasser blieb und demzufolge auch unter anderem die elektrische Straßenbahn und Stadtbekeuchtimg fast ganz stillstand. Wegen der schlechten Ernte und �der imgünstigen ZliiSsichten der Volk?- und Armee- rnährung diS zum kommenden Frühjahr mußte naturgemäß die Regierimg, beziehungsweise die Fürsorgcdirektion?»n rückendes Tparsystem einführen, das vom Hinter- �anöe mit Mißmut aufgenommen wird, denn die Bevölkerung will nicht versieben, daß sich in einem ackerbautreibenden Staate wie Bulgarien die Notwendigkeit ergeben konnte, eine Brat- ration von nur 550 Gramm per Kops und Tag zu verabreichen." Dazu kommt die außerordentlich schlechte Beschaffenheit des ms Mais hergestellten BroteS, die Tatsache, daß weite Gebiete. die mit Tabak imd Oliven bepflanzt sind, als schwer zu ver- 'orgende Zwischengediete zu detrackten sind. DennSch läßt sich schwer verstehen, daß Bulgarien jetzt den Frieden von der Gnade des Siegers anzunehmen bereit wäre. Denn es ist selbstverständlich, daß damit alle auf Erweiterung gegen Serbien und Rumänien gerichteten Pläne mit einem Schlage zusammenbrechen. Denkbar wäre, daß die Entente Bulgarien ein Stück Mazedonien lassen wollte, um Serbien auf österreichische Kosten zu entschädigen, ferner, daß sie die bulgari- schen Wünsche auf den Rest der europäischen Türkei, ausge- nommen natürlich Konstantinopel, selbst berücksichtigen wollte. Konstantinopel in den Händen Englands bedeutet aber das Ende türkischer Staatsherrschast nicht nur in Europa, sondern auch in Vorderasien. Der deutsche Staatsmann, der bei diesem Stande der Dinge nicht bereit wäre, mit der Entente einen V e r st ä n d i gungSfrieden unter ehrlichster Beachtung des Grundsatzes „Keine Annexionen und keine Entschädigungen" zu schließen, der nicht mit Vergnügen auf alle östlicken Kartenhäuser ver- zichtete, um zu einem anständigen Abschluß zu kommen, dieser Staatsmann würde verdienen, gehängt zu werden. Wir sind fteilich davon überzeugt, daß es einen solchen Tummkopf überhaupt nickst gibt. Die Friedensfreunde in den Ententeländern können also davon überzeugt lein, daß wenigstens jetzt zur Her- stellung eines wirklichen VerständigungsfriedenS nichts anderes mehr notwendig ist als die Berertwilligkeit ihrer eigenen Staatsmänner. Diese fehlt aber augenblicklich, die Leidenschaft, die den Krieg bis zur völligen Zerschmetterung Deutschlands fordert, feiert Orgien, und die Gegenwirkung ist erstaunlich schwach. Wenn die nächste Zeit zeigt, daß am Balkan und an der Westfront nicht alle Blütenträume zur Reife kommen, dürste der Umschlag nicht ausbleiben. Die deutschen Politiker des Verständigungsfriedens sind stet? von der Voraussetzung ausgegangen, daß sich die militärische Kraft Deutschlands bis zum Ende bewähren müsse, auf sieg- reiche Gegner haben sie nie ibre Hoffnungen gesetzt. Darum kommt alles darauf an, den Verteidigungswillen an der Front und im Lande mit allen Mitteln zu stärken. Die Lage ist von furchtbarein Ernst, sie kann nur gerettet werden, wenn jeder seine Pflicht tut in der Ueberzcugung, daß jetzt die kritischen Wochen deS Krieges gekommen sind und daß nur dann eine bessere Zukunft vor imS steht, wenn sie tapfer überstanden werden!_ Die fremden tzänöe in lthina. Ehma gegen Amerikas Bahnappetit. Lonbin, 28. September.„Times" meldet aus Tokio vom 21.: An» Peking kommen wichtige Nachrichten über die Beziehungen CTHinas zu den Vereinigten Staaten und Japan. Der chinesische Gesandte in Washington berichtet, daß Amerika die Kon- trolle über die chinesische Ostbahn zu erlangen trachte. Die Regierung teilt mit, daß sie die Absicht habe, diese Konzesst» zu verweigern, wie sie sie auch Japan gegenüber bereits der- weigert habe. Die Schlacht in Zrantreich. Gngltsiber Heeresbericht vom 28. September. Unser gestriger Angriff an der Cambrai-Front wurde nachhaltig bis zu spä- ter Stunde fortgesetzt und zwar besonders am nördlichen Teile des Schlachtfeldes: eZ wurden weitere Gefangene gemacht, und Gc- schütze erbeutet. Die Truppen deS und 7. Korps machten an der Front zwischen dem Rücken von Flesguieres und den Höhen von Dourlon weitere gute- Fortschritte. Die erste kanadische Division gelangte über Havnecourt hinaus und erreichte bei Nacht die Straße T o ü a i— C a m br a i. Die 11. Division stieß an den Kanadiern vorbei, brach über einen Abstand von mehr als zwei Meilen vor und nahm Ecinch und Oishse-Berger. Zu gleicher Zeit sprang die 56. Division längs des Kanals nach Nor- den vor und nahm über 566 Gefangene in den VerteidigungSstellun- gen nordöstlich von Sauchy-Gauchh. Diese Operation wurde durch die ausgezeichnete Arbeit der Pioniere sehr unterstützt, denen ?S in weniger als vier Stunden nach Beginn des Angriffs und trotz des feindlichen Geschützfeuers gelang, eine Anzahl von Brücke« über den Nordkanal zu legen, die für den sortgesetzt werden konnte. Die Operationen machten heute früh an der ganzen Schlachtfrvnt befmKgende Fortschritte, über zehntausend Gefangene wurden gemacht und über 200 Geschütze erbeutet. Die Operationen der britischen Armee in Flandern im Berein mit der belgischen Armee haben heute früh begonnen. Französischer Heeresbericht vom 2 8. September nach« mittags. Heute morgen setzte der Angriff um 5 Uhr 30 Minuten wieder ein. Die französischen Truppen bemächtigten sich de? Dorfes Somme-Py und nahmen die Höhen nördlich von Fontaine-en-Dormois. Die Franzosen machten neue Gefangene und erbeuteten Geschütze. Die Schlacht geht weiter. Zwischen Ailette und Aisne hielt der Druck der Franzosen heute Nacht und heute Morgen an. Nordösl» lich von S a n c y brachte uns eine lebhaft durchgeführte örtliche Unternehmung Geländegewinn und 250 Gefangene, darunter 4 Ost- siziere, ein. Ein deutscher Gegenangriff nördlich von Allemant scheiterte völlig. Weiter südlicki drangen die Franzosen in dis Schlucht zwischen I o u y und Aizy ein, besetzten diese beide« Dörfer. Französischer Heeresbericht vom 28. September abend?, Die wieberholten Angriffe unserer Truppen aus den nördlichen Hochflächen haben den Feind schließlich genötigt, gegen die Ailette zurückzugehen. Oestltch I o u y haben unsere die deutschen Nachbutcn verfolgenden Truppen daS Dorf und die Rän- der des Pinonwaldcs besetzt. Baude sson, Chavignon unb das Fort de Malmaison sind gleichfalls in unserer Hand. Weiler südlich war der Tag gekennzeichnet durch heftige, von den Deutschen gegen die rechte Flanke unserer Schlachtfront gerichteten Gegenangriffe. Erbitterte Kämpfe sind im Gange in der Gegend von Bouconville, aus der Höhe nördlich Fontaine-en- T o r m o i S und nördlich F r a t e u i l. In der Mitte und auf dem linken Flügel setzen unsere Truppen ihren Vormarsch fort, besonders nördlich der Eisenbahn von E Hallerange, Wir haben Ma n r e S genommen und die Ostränder von St. Mari« an Py erreicht. Unsere Verluste sind leicht. Kriegsgeöanken Georg Simmeis. Georg Simmel, der nun aeftooben ist, dies« Gefell- schastSdcnver, der in den Kulturcrrbeitvjahren vor dem Kricye«in durchgeisrigenber Förderer oorsühtcnrtwr sozio- logischer Tagungen iv«, ging immer daraus aus, den ideell«» QuarschluiZ» grsellschastlicher Vorgänge und Zei- ten herwuszu�ewinnon. Wa» er an solchem Ideengehalt in dem erschütternden Ereigm« unserer letzten Jahre in Bewegung sah, steht gedrängt zusammengestaßt in der Schrift„Der Krieg und die gesttigen Errtsch-tduirgen" lMüncheei. Duitcker«, Humöiot). Die« schmale Buch ist ungemoin bezeichnend für Simmel« Art, in der beste deutsche denkerische Veagangende-t ernstgei'ichtct fort- wstrktc. Wir schneiden einige Sätze auS und fügen ein Black ans dem unlängst veröffentlichten Göschenbändchen „Grundfrage» der Soziologie" hinzu, in km Gimmel au? dem Znsamnmnhang vo«„Individuum und Gesellschaft" «ine gedankenreiche Einführung in die Wissenschaft, der sein Lekv« ftewdig gedient hat, entwickelt. Für uns Aeltete, die wir st, der ganzen Epoche seit 1870 unser lieben geformt haben, liegt«in Abgrund von kaum abschätzbarer freite zwischen ehemals und künstig, vor dem wir stehen wie vor " r Entscheidung: noch einmal ein Leben ans neuen BorauSsetzun- t?,l und in neuer Atmosphäre aufzubauen, oder, wenn die Kraft cazu nicht reicht, in Desorientiertheit und alS unbrauchbares Ueber- ,-bsel zugrunde zu gehen. Wir wissen nur. daß auch der glücklichste Erfolg den unsäglich vielgliedrigen, in unsägliche Kompliziertheiten verfeinerten Aufbau des bisherigen Deutschland nicht einfach wieder erstehen lassen kann; sondern ia6 unbekannte Deutschland, das er verspricht, wird in jedem Kall ein andere« sein. Und diese« mehr! oder weniger Veutiiche Bewußtsein, daß Deutschland von neuem i» den kchmetytiigel geworfen ist, hat die maßlose ErschütternnQ dieser Tag« vielleicht von noch tieferen Schichten her motiviert, gl» die unmittelbare kriegerische oder po- litische Gefährdung, ♦ Werm l«eu«>«d hvui« pevphezeiru Um«, i«e d»<« andere Deutschland aussehen wich, sondern nur, daß es anders aus- chen wird, so ist gerade diese« nichtwissende Wissen da« erste seichen davon, daß wir a» emez Wende der Zeiten stehon. Denn Bcrechenbarkeit der Zukunft bedeutet, daß sie schon irgendwie makro- Evpisch in der Gegenwart liegt oder aus deren Stücken gleichsam mechanisch konstruierbar ist. Wo aber die Zeit wirklich neu werden will, da liegen die Elemente der Zukunft unerkennbar tief in der Gegenwart, da steht ain nur dem Metamorphosen des Leocns vor- behaltener Umschlag m Frage, den niemand errechnen kann. Darum auch fühlen wir alle so stark, daß wir jetzt Geschichte erleben, das heißt, ein einmaliges; alle Sergleiche davon mit Vergangenheiten haben alle etwas Schiefes. Di« Idee, unter der Deutschland 1870 kämpfte und siegte, war der Gewinn der deutschen Einhoit, und wir haben ihr jetzt keine zur Seite zu stellen, die mit einem so einfachen, durchschlagenden Worte zu benennen wäre. Der Taffache nach aber ist, was wir jetzt er- Üben, erst die Vollendung von 1870. Von neuem gilt es, das Reich zu gewinnen, nur wie auf einer höheren Stufe, in einem böheren Sinn« des Gewinnens, dessen äußere Erscheinung nur ist, daß es gilt,«V zu schützen. • Stat schöpferische Leben erzeugt dauernd etwas, was nicht selbst wieder Leben ist, etwas, woran eS sich irgendwie totläuft, erwa«, was ihm einen eigenen Rechtsanspruch entgegcinsetzt. Es karm sich nicht aussprechen, es sei denn in Formen, die etwa? für sich, unabbängig von ihm, sind und bedeuten. Dieser Widerspruch ist die eigentliche und durchgehende Tragödie der Kultur.... In den allermeisten Fällen ist solcher Widerspruch unvermeidlich, und wo die Aeutzerung deS Lebens, um ihn doch zu vermeiden, sich sozusagen in fvrmfteier Nacktheit biete« will, kommt überhaupt nichts eigentlich Verständliches heraus, sondern ein unartikuliertes Sprechen, aber kein Aussprechen, an Stelle des freilich Widerspruchs- vollen und fremd Verhärtetem einer Einhoitsform fchließlicki doch nur ein EhaoS atomtsierter Formstücke. Zu dieser extremen Kcmse- quenz unserer künstlerischen Lage ist der Futurismus vorge- drungen: leidenschaftliches SichauSsprcchenwollen eine? LebenS, das in den überlieferten Formen nicht mehr unterkommt, neue noch nicht gefunden hat. und deshalb in der Verneinung der Form— oder in� einet fast tendenziös abstruson— seine reine Möglichkeit finden' will— ein Widerspruch gegen das Wesen des Schöpfertums, began- gen, um km anderen in ihm gelegenen Widerspruch zu entgehen. Nirgend« vielleicht zeigt sich stärker als in manchen Erscheinungen des Futurismus, daß dem Leben wieder einmal die Formen, die -« sich zu Wohnstätten gebaut hatte, zum Gefängnis geworden sind. * � Wie es da? Wesen des Lebens ist, über das Leben hinauszu- greift», wie der Geist am vollsten er selbst ist, wenn er daS berührt, was mehr als Geist ist, so scheint daS Sich strecken über das Deutschtum hinaus gerade zum Wescn des Doutschtums ft lbst zu gehören. * Di« Folgen, die die unbeschränkte Konkurrenz und die arbeits- teilige Vereinseitigung der Individuen für deren innere Kultur er- gebcn haben, lassen sie nicht gerade als die geeignetsten Mchrcr dieser Kultur erscheinen. Vielleicht aber gibt es über der wirt- schaftlichcn Form der Zusammenwirksamkeit der beiden großen soziologischen Motive— der einzigen bisher voalisierten—- noch «ine höhere, die das verhüllte Ideal unserer Kultur ist. Lieber aber möchte ich glauben, daß die Idee der schlechthin freien Persönlichkeit und die der schlechthin einzigartigen Person- lichkeit»och nicht die letzten Worte des Individualismus find; daß die Arbeit der Mcnschhcit immer mehr, immer mannigfaltigere Formen ausbringen wird, mit denen die Persönlichkeit sich bejahen und den Wert ihres Daseins beweisen wird. Und wenn in glück- lichcu Perioden diese Mannigfaltigkeiten sich zu Harmonien zu- sammenordnen, so ist doch auch ihr Widerspruch und Kampf jener Arbeit nicht nur ein Hemmnis, sondern ruft si« zu, neuen Kraft- enisaltungen auf und führt si« zu neuen Schöpfungen. Volksbühne: paftoralmusik aus alter Zelt. Mit dem gestrigen, zweiten MittagSkonzert in der Volksbühne wurde eine ganz aparte Gabe dargeboten, der man ein lückenlos volles, statt mäßig besetztes Haus von aufmerksamen Zuhörern ge- wünscht hätte. Das Ungewöhnliche daran äußerte sich in zwie- sacher Hinsicht. Es gab Hausmusik unserer Altvordercn in ihrer Wiedergeburt durch ein dem Klavier vorausgegangenes Tasten-- instrument: daS Cembalo, zu hören. Man erlebte hierbei ein Stück längst entschwundener Zeit: wie da zwischen zwei Jahrhunderten — dem siebzehnten und achtzehnten— gefühlt und gedacht wurde. Groß ist der umschriebene Kreis alles Denkens und Empfinden? nicht. Das Leben damals wickelt sich in einfachsten Formen aü Es stand der Natur insofern besonder» nahe, als Stadt und Lanv noch keine schärferen Unterscheidungsmerkmale trugen. Es war nicht reich verästelt, eher primitiv zu nennen. Dem entsprachen alle künstlerischen Regungen und Manifestationen. So rein da? VolkSgemüt sich in der Volkspoesie jener Tage offenbarte— noch harrte die Ergießung der Empfindungen für Sie eigentlich- Natur» schönheit ihrer Erfüllung. So hat denn alle» in jener Musik einen gegenständlichen und idyllischen, oder sagen wir Pastoralen Eha- taktet. Es ist ein unschuldig artiges Streifen durch Wälder, Wielen und Felder. Da ertönen die Lockrufe der Vögel. Man hört den Kuckuck, die Nachtigall. Ueber Bauimvurzcln und Gestein rieseln die Bäche, manchmal mit sanftem oder stärkerem Gefälle. Draußen auf grüner Flur weiden Schaft, führt der Hirte flötend sein« Herde. Aus dem Hose gackern die Hennen. DaS sind im wesentlichen die Naturstimmen und tierischen Sprachlaute, die, nicht ohne sanften Hmnor, in den Instrumentalmusiken jener zeitgenössischen Komponisten aufgefangen wurden. Hier und da hört man auch schon Prunkstücke, wie etwa die„KönigSiagd" von John Bull, der bloß noch das große Orchester fthlt. Im Dorfe wieder laden die Glocken zum Kirchgang, locken Geige, Klarinette, Flöte und Dudelsack zum Tanz unter der Linde oder auf kr Wirtshausdiele. Tänze („BranSle") von Francisque, ChambonnicreS. Bach, Couperin, lassen erkennen, wie alte Leute. Sochzeiter. Dienstboten und hin- wiederum, wie diese gewissermaßen sozial unterschiedlichen Stände beim KirmeS sriedsam zusammen und kunterbunt durcheinander bopston. Jahrmarkttrubel, �nämlich Dudelsackpfeifer. Bettler. Gaukler, Hanswurste und Seiltänzer, Bären- und Affenführer stoßen gleichwohl schon bei Couperin, zubenanni der Große, recht gut charakterisiert, hervor. Da sind knn Flöte und Eembal willfährige Gesellen. T-e» Tasteninstrument hat doch auch seine intimen Klangreize, welche er Heeresbericht vom 28. S e p t e m ke r. Unfere Opcra znen aar dem Schlachtfelde von Cambrai machen chnstige.�ort'.- Im rechten Flügel kämpften die 5. und die 12. Division kcyte Rächt! cftig um die Hügel von Beaucamp, wo der Feind starke Cicgenongrifje unternahm. Heute morgen überwanden sie die Widerstände der deutschen Infanterie in dieser Gegend und drangen zwei Meilen darüber hinaus und nahmen die autzer- ordentlich ausgebauten BerteidigungSstellun- g s n. die als Hochland und wallisische Hügel bekannt sind. Später am Tage wurde unser Erfolg nach Süden zu erweitert und Couzeau- c o u r t genommen. Während de? Morgens nahm auch die 62. (Norkshire) Division Marcoing ein und machte südöstlich davon Fortschritte. Vor dem Mittag er- zwang das 5. Bataillon des Regiments Herzog von Wellington dem Uebergang über den Scheldekanal auf Marwing und setzte sich in den deutschen Verteidigungsstellungen fest. Nördlich von dieser Stelle säuberte die 2. Division und die 57. lLancashire) Division während des Morgens die Wcstufer des Kanals. Nordwärts bis zum Walde von Lafolie und nahmen Nouvelle sNohelleZ?) an der Schelde, C a n I a i n g und Fontaine Notre Dame. Sie operierten in Verbindung mit den kanadischen Truppen nördlich der Straße Bapaume-Cambrai. Auch hier widerstand der Feind hart- nackig utünerlitt schwere Verluste an Toten und Verwundeten. Nöcd- !:ch der S t r a ß e� A r r a s- E a m b r a i gingen kanadische und englische Truppen stetig nach Osten und Norden vorwärts. Bei Rahllencourt wurden starke Gegenangriffe, die der Feind gestern abend unternahm, mit Verlusten abgeschlagen. Heute nahmen kanadische Truppen dieses Dorf und das benachbarte Torf Zaillp zusammen mit dem Grabensystem, welches diese Dörfer durchzieht. Weiter im Norden sind Truppen der 36. Londoner Division in P a l l e u l eingedrungen. Die Zahl der Gefangenen und der er- beuteten Geschütze steigt. DieKreüitfrageöerfranZösischenSozialiften. Bern, 20. September.(Eigener Trahtbericht deS„Vorwärts".) ?föch der„Humamte" besteht innerhalb der Nichtkienthaler Oppo- sition ein Meinungsstreit bezüglich der Ariegskrcditc, der im Aus- fchuß des KongrcsieS der Seinclederation hervortrat, wo von drei Oppositionellen V e r f c u i l und M a u r i n beantragten, von nun an die Kredite zu verweigern, wogegen M a y e r a s den Vor- schlag für unannehmbar erklärte und seine Stellung zur Kredit- frage vorbehielt. Nach der Diskussion verzichteten Verfeuill und Maurin auf die genannte Formel und so blieb cS bei der vom Nationalrat beschlossenen FormelLonguets, welche die K r e- ditablehnung nur als Vergeltung für die Patz- Weigerung Vorsicht. Der Gewährsmann der„Humanite" ficht voraus, daß diese von Parlamentariern durchgesetzte Entscheidung einerseits den Anschluß Unzufriedener an die Kienthaler bewirken wird, andererseits auf dem Nationalkongrctz ein Zusammengehen der Kienthaler und Nichtkienthaler ausschließt. Ein Ruf nach diktatur! Ausschaltung des Reichstags. Graf Hcrtling ist im Hauptguortzier, Entschlüsse von un- geheurer Bedeutung stehen bevor. In diesem Augenblick hat d'.e ,, Kreuzzeitung" den Mut und das Gewissen, die entschei- denden Stellen mit folgenden Ratschlägen zu versehen: Daß die Sozialdemokraten unter Verzicht aus wesent- Iiche Punkte des Programms in ein gemeinsames Ministerium der inneren Einhcitsftont eintreten würden, glauben wir nicht an- nehmen zu können. Bleibt dann als einziger Ausweg wirftich nur der Gkdantc einer„Diktatur", der in letzter Zeit Wohl hier und da in die Erscheinung getreten ist. Man lasse sich nickt von großen und sensationellen Worten schrecken und betrachte die Dinge klar und nüchtern wie sie sind. Eine maßgebende Beschlußfassung des Reichstages ist für die Kricgtührung im wesentlichen nur erforderlich, soweit eS sich um die KricgSkrcdite handelt. Daß diese stets von einer großen� Mehrheit des Reichstages angenommen werden, auch wenn die Sozialdemokratie den Entschluß fassen sollte, sich ihrer vaterländischen Pflicht zu emziehen. darüber besteht nicht der geringste Zweifel, und das Drohmittel, daß die BewilliMng von Krisen st immung und Skandal begleitet werden uns die feinen Künstlerfinger einer Wanda Landowska erstehen liehen. Auch gerade dann, wenn die von Meister P r i l I geblasene Flöte die Führung hatte. Ja, das Eembal konnte man sich wohl zurückwünschen � m unsere Gegenwart. Unter Virtuosenhänden klänge es lieblich; und wenn Dilettanten es martern würden, so dränge das Geräusch davon kaum ohrenpeinigend in andere Woh- nungen oder gar auf die Straße hinaus. ele. Trianon-Theater:»ver gute Ruf' von Sudermann. TvZ Trianon eröffnete die neue Spielzeit unter der Spiel- keitung von Emil Lessing mit einem der späteren Siücke Suder. mannS. Der Sinn für bühnenmäßiges Arrangement der Szene verleugnet sich auch in dieser, von Sardou und dem Stile des fran- zösischen GesellschaftSsiückcS stark beeinflußten Komödie nicht. Ter heuchlerische Götzendienst, der in der moralisch doch so weitherzigen Salonwelt gern mit dem„guten Ruf" getrieben wird, bildet da den Gegenstand einer dramatischen Satire, deren Wirkung freilich durch das gehäufte Raffinement in der Erfindung erheblich beein- trachilgt wird. Die verblüffenden Umschläge, die namentlich in der zweiten Hälfte aufgeboten werben, um Spannung zu erzielen, ge- ficn der Psychologie der Personen, die doch nach Titel und Absicht des Stücke? gesellschaftliche Typen sein sollten, stark lheaterhafte Färbung. Eine innerlich skrupellose, aber aus die Wahrung des Dekorums um so ängstlicher bedackie Kommcrzicnrätin und ihre in launenhafter Unbekümmcrthcit sich kompromittierende, im Grund viel edelmütigere Freundin sind in die Rolle in einen hübschen jitvgen Mann verliebt, den Sobn eines sechzig Millionen schwc- ren Vaters, welchen der Autor einer jüngeren und vernünftigeren Dame zugedacht bat. Tie Freundin mit dem stark ramponierten Namen glänzt in den verzwickt herbeigeführten Situationen in mo- raliscker Uebcrlegenhcit vor ihrer anscheinend so viel korrekteren Rivalin. Temperament irud Ton der Außenseiterin, die schlleßlich in die ihr schon verbotene geweihte Stätte guten Rufes, den kommen- zicnräilicken Salon wieder einziehen darf, kamen im Spiele Ida W�u st S mit frifchuriprünglicher Natürlichkeit heraus. Herr Adolf K lein, den man Jabre lang auf keiner Berliner Bühne mehr ge- sehen hatte, repräsentierte in würdevoller Eleganz den Kommer- zi-nrat, den Oberpriester guten Rufes. Franz Schönseld. sein einstiger Kollege vom Lessingtheater, gab den Papa dcS von Kastner liebenswürdig dargestellten jungen Menschen, eine Echwerenöter-Bonhomic von solcher Verve, wie je in frübcrcn Ta- gen. Die Kommerzienrätin und das junge Mädcken fanden durch Tony Tetzlaff und Emma Debner gewandte Darstellerin- � �rcn. Der anwesende Autor wurde oftmals gerufen. dt. Notizen. — DeutschekVesellschaft für ethische Kultur. Astestae jp Oktober, abends 81/? Uhr, wird im Bürgersaal des Ver- r.rct RathinuleS bei freiem Eintritt N, I. Verweyen über„Die kommende Ähnlichkeit" sprechen. würde, versängt nicht gegenüber einer festen und geschickten Hand des leitenden Staatsmannes, Erheblich größerer Schaden als bisher kann in dieser Beziehung übrigens auch in Zu- kunst kaum angerichtet werden. Auch wir wünschen dringend, daß die sozialdemokratische Fraktion sich an der Bewilligung der Kriegs- kredite beleillgi, aber wenn sie dafür einen Preis fordert, so fragen wir nach dessen Höhe. Die Unterwerfung unter sozialdemokratische Forderungen, in deren Erfüllung wir schweren und vernichtenden Schaden für Deutschlands Zukunft«Micken müssen, wiegt schwerer als die Folgen eines etwaigen Versagens der sozialdemokratischen ReichStagSfraktion. Gerade heute, wo der ganze Ernst des Dasein?» kampseS besonders deutlich vor den Augen der Massen steht, ist nicht zu befürchten, daß eine ruhige, aber feste Führung et- waiger Versuche, die Massen ihrer Pflichterfüllung zu entfremden, nicht Herr werden könnte. Ein solcher Plan kann nur im Hirn von Leuten entstehen, denen die Vorrechte ihrer Klasse gleichbedeutend mit dem Be- stand des Reiches sind, und für die daher der Verlust�ihrer Privilegien den Weltuntergang bedeutet. Ein vom Kaiser ohne Anhörung des Parlaments ernannter Mann(Michas- Iis II?) soll selbstherrlich die Geschicke des Reiches lenken, der Reichstag nur noch zur Bewilligung von Kriegskrediten be- müht werden. Das ist mit neunundneunzig Prozent Wahr- scheinlichkeit das sichere Mittel, den Kreg zu verlieren. Aber das eine Prozent Hoffnung genügt diesen Desperado- Politikern zur Empfehlung eines Planes, dessen für Reich, Volk und nicht zuletzt für die Machthaber selbst Verhängnis» volle Folgen auch dem Blinden in ihrer ganzen furchtbaren Größe vor Augen stehen. Aber vielleicht kommt die Stimme der„Kveuzzeitung" zur rechten Zeit. Es gibt tatsächlich nur zwei Wege: Demo- kratie oder Diktatur! Bis jetzt haben wir ein Ge» miich von beiden gebabt, und aus der Erkenntnis, daß es so nicht weitergebt, ist die gegenwärtige Krise entstanden. Die Stunde fordert ganze Entschlüsse! � Wir leben in einer Zeit zunehmender Geschwindigkeiten, und jeder Tag kann die bürgerlichen Mittelparteien deutlicher erkennen lassen, daß das sozialdemokratische Mindestprogramm nur das aller- notwendigste enthält. Darin aber hat die„Kreuzzeitung" recht: U n e n t s ch l o s s c n h e i t kann heute alles verderben! Die Gewerkschaften unö öas Mnüeft- programm. Ein Ruck nach vorwärts ist notwendig! Da?„Correspondenzblatt der Generalkommission der Ge- iverkschaften Deutschlands" schreibt im Anschluß an die Rede Eberts in der Fraktion: Diese Ausführungen Eberls decken sich durchaus mit dem Stand- punkt, den» n s e r e Gewerkschaften einnehmen. Wir müssen tatsächlich alles daransetzen, nm zu verhüten, daß die Entwicklung unserer inneren Zustände in russische Bahnen abgedrängt wird. Bei der politischen Verblendung der preußischen Reaktionäre ist die Gefahr nicht gering, daß der politische Kampf in Anarchie ausarten könnte, und wenn es sich dabei nur um die wohlverdiente Züch- tigung der preußischen Plehweleute handelte, brauchte s i ch die Sozialdemokratie nicht in Un. kosten zu st ü r z e n. Allein, au der Westfront stehen die Milltonenheere Englands, Frankreichs und der Vereinigten Staaten: sie würden die Gelegenheit sich nicht entgeben lassen, in unser Land einzudringen und uns den Frieden von ihren imperialistischen Kriegskabinetten diktieren lassen, Und deshalb ist der Standpunkt EbertS richtig, daß wir alles daransetzen m ü s s e n, um die gebotenen Lebensinteressen des Lande? und des Volkes zu vertreten. Die von der Fraktion und dem PartriiuiSschuß festgestellten Bedingungen für eventuelle Beteiligung der Sozialdemokratie an einer Regierung, enthalten in der Tat daö Mindestmaß dessen, waZ gefordert werden muß. ... Auch wer nicht alle Tugenden in demokratischen und alle Unfähigkeit in unsere» bisherigen Beamtenregicrungen erblickt, muß heute bei gewissenhafter Prüfung zu dem einzigen Ergebnis kommen, daß dieser Ruck nach vorwärts eine unumgängliche Notwendigkeit ist. Die Gewerkschaften befinbcn sich also mit der Partei in erfreulicher Ilebereinsiimmung darin, daß die Beteiligung der Sozialdemokratie an der Regierungsgewalt n u r d a n n einen Sinn hat, wenn der Regierungs k u r S im Sinne des sozial- demokratischen Mindestprogramms umgelenkt wird. Sozialüemskraten, Unabhängige, poiizei. Leipziger Richtlinien der lvZeinungsfreiheit. Die„Leipziger VolkSzeitung" hat nicht den Mut, das Verhalten ihrer Berliner Freunde in der letzten sozialdemo- kratischcn Wählerversammlung zu mißbilligen. Da aber über die blamable Geschichte doch etwaS geschrieben werden muß, vollbringt sie diese unabhängig-offiziöse Leistung: Wie diese freie Diskussion gemeint war.(die Genosse Ernst zugesagt Halle. R. d. ,V.") ergab nck allerdings später. Die Ab- hängigen hatten nämlich eine Anzahl DiS- kusjionSredner mitgebracht, die dazu aus. ersehen waren, die gegnerischen Auffassungen totzu schwätzen. Während der Rede deS Herrn Heimann herrschte Ruhe, da cr eS vermied, die unabhängige Partei in allzu heftiger Weise anzugreifen. Was Herr Heimann unterlnssen hatte, da? versuchten aber die Herren Schöpflin und Richard Fischer nachzuholen. Herrn Fischer ging eS dabei allerdings schlecht. Schon sein Auftreten genügte, um Zurufe wie Verräter und„Vorwärts"-Räuber in der Versammlung auszulösen. Die Unruhe steigerte sich. dann so, daß der überwachende Polizeibeomte Veranlassung nahm, die Der- s a m m l u n n g aufzulösen. Die Grundsätze, die da von der V." für unabhängige i Versammlungsfreiheit aufgestellt werden, unterjckieiden sich von denen des Oberkommandos durch geringere Klarheit. Immerhin gebt aus ihnen soviel hervor: Wir Sozialdemokraten dürfen in unseren eigenen Versammlungen einen Redner stellen, wenn dieser die Unabhängigen nicht„in allzu heftiger Weise angreift",(den Burgfrieden wahrt, aufhetzende Redens- orten vermeiden wir). Doch sind nur nicht olle Redner er- laubt, gegen einige, wie gegen Gen. Richard Fischer, besteht ein striktes Redeverbot, da genügt schon das bloße Austreten, um usw. Tic„Diskussionsfreiheit" besteht darin, daß sie gegne- r tieft? Auffassungen nicht„totschwätzen" dürfen, wtr haben die Unabhängigen achtungsvoll anzuhören und uns jeden Wider- sprucbS zu entHallen. Befolgen wir diese Richtlinien nicht, so wird die Versamm- lung mit freundlicher Unterstützung der Polizei zur Auflösung gebracht. Famos! Nicht wahr? Bloß, ob sich die Arbeiter- schaft diese Sorte von Demokratie gefallen lassen wird, ist eine andere Frage! In Berlin l haben die Nationallihcralen die Parole für Kempner ausgegeben. Kstzte Nachrichten. Der Streik der englischen Schiffsbaue?. Amsterdam, 26. September.„Reuter" meldet au? London: Bei der Abstimmung unter den Arbeitern im Schiffsbaubetrieb am Clyde wurden 1614 Stimmen für und 1623 Stimmen gegen die Wiederaufnahme der Arbeit abgegeben. Da für die Fort- fetzung des Streikes die vorgeschriebene Zweidrittelmehrheit der stimmen nicht vorhanden war, gab das Vollzugskomitec Befehl, die Arbeit sofort wieder aufzunehmen. Die bulgarische Heeresleitung gegen Sonderfrieden. Budapest, 26. Sepieatver.(Meldung des Ungarischen Telegr.- Korr.-DurecuS.) Der frühere Oberkommandant der bulgarischen Armee, General Sawow, erklärte heute über die bulgarischen Ereignisse und die durch sie geschaffene Lage folgendes: Die der- zeitige Situation Bulgariens ist nicht so schlecht, als man glaubt. An der Front und int Innern zeigten sich gewisse Un- ruhen. Diese benutzte der Feind zur Erkämpsnng seines Erfolge; in Mazedonien. Alldies ist lediglich als vorübergehend anzusehen und nach kurzer Zeit wird die Lage zufolge der Maßnahmen, die von dem Oberkommando der bulgarischen und der verbündeten Armeen getroffen werden, hergestellt sein. Sie wissen wohl, daß der südliche Kriegsschauplatz nicht bloß derjenige der Bulgaren, sondern des ganzen Vierbundes ist. Infolge dieses Um- standeS kann man volles Vertrauen haben, daß der zeitweilige Er- folg des Feindes durch die Bajonetts unserer tapferen Armeen bald zunichte gemacht sein loird. GroßiBerlln Richtig frankieren! Morgen tritt, wie bereits gemeldet, der neue Posttarif mit einer erheblichen Verteuerung der Postgebühren in Kraft, Wer Briefe, Postkarten, Drucksachen, Pakete mit der Post zu versenden hat, tut gut, sich die erhöhten Portosätze genau einzuprägen; er er- spart sich Aerger und unnütze Unkosten. Denn nicht jeder ist ge- neigt, als Empfänger eines Briefes oder einer Postkarte mit un- genügender Frankierung Nachporto zu bezahlen. Die Sendung geht zurück und der Absender hat die wenig tröstliche Gewißheit. daß cS einer von den Briefen war, die„ihn nicht erreichten"! Im einzelnen sieht der neue Posttarif folgende Sätze vor: Alle Briefe bis zu 26 Gramm kosten im Ortsverkehr 16 Pf., im Fernverkehr 15 Pf. Für Briese über 26 bis 236 Gramm hat man im OrtSver- kehr 15 und im Fernverkehr 25 Pf. zu zahlen, Postkarten kosten im Ortsverkehr 7X Pf. und im Fernverkehr 16 Pf. Drucksachen bis 56 Gramm 5 Pt.. 56 bis 166 Gramm 7H Pf., 166 bis 236 Gramm 15 Pf., 256 bis 566 Gramm 25 Pf. und darüber hinaus 25 Pf. Pakete kosten bis 5 Kilogramm bei 73 Kilometer Entfernung 46 Pf., darüber hinaus 75 Pf. Ein großer Wohnungseinbruch, bei dem den Tätern eine Beute im Werte von 166 666 M., vielleicht auch 130 600 M. in die Hände sielen, wurde in dem Hause K aiserin-Au guftaftr. 75-76, bei dem Ba- rvn v. Oheim verübt. Die WohnungZinhaber sind vecreistt und hatten eine Wärterin beauftragt, von Zeit zu Zeit in der Behausung nach dem Rechten zu scben. Bis jetzt war auch alles in Ordnung. Als jedoch die Frau gestern wieder hinkam, fand sie gründlich aus«?- räumt. Einbrecher hatten silbernes Tafelgerät und Bestecks, Pelze und Pelzmäntel verschiedener Art für Herren und Damen, kost- bare Schmucksachen und Edelsteine, Zigarren, Zigaretten, Seife u. a. m. unbemerkt weggeschafft, im ganzen für weit über 166 666 M. DaS Silberzeug trägt auf der einen Seite das Zeichen K. v. E. und aus der anderen ein Wappen. JGon den Tätern und dem Verbleib der Beute hat man noch keine Spur gefunden. Die Radrennen in Treptow waren trotz de? schon kühlen Wetters auch gestern wieder recht zahlreich besucht. Der„Große und Kleine HerbstvreiS", zwei Daiierrennen über 56 und 36 Kilometer, bildeten'den Glanzpunkt des Programms. Die Rennen selbst per- loren aber durch wiederholte Rad- und Moiorichäden viel an Interesse. Insbesondere war Bauer der Benachteiligte, indem er in beiden Rennen infolge Motorschaden? den sonst sicheren Sieg ver-« lustig ging. Für die Treptower Fliegergemeinde war ein Prämien- uwd ein Vorgabefahren ausgeschrieben; beide Rennen wiesen eine starke Besetzung auf und zeitigten schare Kämpfe. Ergebnisse. 26-Kilomsterrennen fiir Klasse B: 1, Bajorath, 20 Min. 42 Sek.; 2. Koch. 260; 3. Schulz. 1010 Meter zurück; Grii- nert aufgegeben.— Vorgabefahren, 1800 Meter; 1. Nadlitz, 2 M:n. 20 Sek.(30); 2. Sawall(45); 3. Petvi(50); 4. Freiwald(45); 6 Abraham(0 Meter Vorgabe).—„Kleiner Herbstprets", 30 Kilometer: 1. Hoffmann. 27 Min. st4 Sek.; 2. Bauer(Radschaden) 816; 3. Pawke(Radsebaden) 1300; 4. Kuschkow(Rotorwechsel) 520 Meter -mrück— Prämienfahren, 16 Dahurnnden: 1. Müller, 8 Min. 16 Sek.; 2. Abraham; 8. Sawall.—„Großer Herbstpreis", 50 Kilometer: 1. Pawie, 46 Min. 41 Sek.; 2. Hoff mann, 490; 3, Kusch- Ich erkläre hiermit meinen Beitritt zum Sozialdemokratischen Verein meines Wahlkreises. Nam e:—---- Geburtsort und-datum: Beruf:- Genaue Adresse: Dieser Schein ist ausgefüllt an Theodor Fischer, Berlin SW 68, Lindenstraße 3, zu senden. DK die ZrledM-«nd ZreiMdMdMW. die jetzt überall in Deutschland lebendig werden, der trete der SsMMitfiM WÄ VkliWM bei! kow'/MoiorweNseD.'1190;?. NiNier Wotvrschadms, 1720 Meter zurück Wilmersdorf. Kulturarbeit. Auf der Tagesordnung der Skrdtverordnetenfitzung stehen folgende Anträge Dr. Leidig und lÄenosfen: 1. zur Förderung der w-isfenschaftlichen und künstlerischen Bestrebungen etn Kuvawrium zu bilden, dem 3 MagistratSmitglte- der, S Stadtverordnete und 3 Bürgerdeputierte angehören; 2. die lbrrichtung einer städtischen Akademie für Vermal- tungZwissenschast, Kommunalpolitik und So- zialpolitik zu beschliehen und dieser Akadamie den Namen ...tzindenburaakademic" beizulegen; 3. die Errichtung einer wissenschaftlichen Gesellschaft der Stadt WilmerS- dort zu beschlicstsn; 4. zur Finanzierung aller künstlerischen und Wissenschaftlichen Organisaftonen der Stadt Wilmersdorf dem Ku- ratorium fortlausend 70 000 M. jährlich zur Verfügung zu stellen. — Vollmilchkarten und NiihrmittelbczugSschcine ftir Kinder. Mittwoch, den 2. Oktober, Donnerstag, den 3. Oktober, Freitag, den 4. Oktober, und Sonnabend, den 5. Oktober, gelangen durch die Drotkommissiouen gemäh unserer Bekanntmachung vom 23. Juni 1917 für Kinder bis zu 6 Jahren Vollmilchkarten((November) und für Kinder bis zu 2 Jahren NährmittelbczugSschetne(Oktober) zur Ausgabe. An diesen Tagen baben sich die beteiligten HauShaltungs- vorstände gemäß der besonderen AuSgabeordnung zwischen 9 und 2 Uhr in dem Geschäftsräumen der für sie zuständigen Brotkom- Mission einzufinden und gegen Vorlegung geeigneter Urkunden die Karten bzw. Scheine in Empfang zu nehmen. Pankow. Lebensmittel. Im Laufe dieser Woche gelangen in den bekannten Berkaufsstellen zur Verteilung: Auf die allge- meine Lebensmittelkarte: 150 Gramm Grieß auf Ab- schnitt 62 und voraussichtlich 250 Gramm Kunsthonig auf Ab- schnitt 67. Auf die Pankowcr Lebensmittelkarte: Räucherwaren, soweit solche eingehen, aus Abschnitt 114 rcsp. 123. Ans besondere Karten: 1950 Gramm Brot oder 1550 Gramm Brot und 250 Gramm Mehl auf die Brotkarte; Voraussicht- lich 20 Gramm Butter und 50 Gramm Margarine. Auf die Reichs. fleischkarte: Mehl, worüber noch nähere Bekanntmachung erfolgt. 7 Pfund Kartoffeln auf die Wschnttte 127a— g der Pankower Kay toffelkarte. 375 Gramm Zucker vom 1. Oktober ab auf Abschürft 19 der allgemeinen Zuckerkarte, gültig vom 1.— 15. Oktober. Z u- l a g e n f ü r Kinder bis zu 2 Jahren: 500 Gramm Haferflocken für dsfh Monat auf Bezugsschein; 375 Gramm Zuckcrzulage für Kinder bis zum 1. Lebensjahre auf Abschnitt 10a, b und c, 250 Gramm Zuckerzulagc für solche im 2. Lebensjahre aus Abschnitt 19a und b und 125 Gramm für solche vom begonnenen 3. bis zum vol- lendeten 6. Lebensjahre auf Abschnitt 19 der Zusatzzuckerkart« vom 1. Oktober ab. WetterauSfichte« für das mittlere Norddeutschland bks Dien?- tag mittag. Kühl; ostwärts fortschreitend« neue Trübung. Im Südosten meist geringe, in den anderen Gegenden etwa? stärkere Regonsälle. Mus aller Welt. Die Mutter Gottes von Kasan geraubt. gc tische Korespondenz" meldet aus Moskau: Ein Die Wiener„Po.'i- in Moskau verübter Kirchensrevel unerhörter Art ruft in allen dortigen Kreisen d:e höchste Empörung hervor. DaS größte Heiligtum der Stadt, das weltberühmte Bild der Mutter Gottes von Kasan, dessen Juwelen- schmuck einen kaum schötzbarn Wert darstellt, wurde während des Gottesdienstes gewaltsam dem durch Revol- verschüsse schwerverwundeten Priester entrissen. Der Kirchenräuber vermochte in der allgemeinen Panik mit seiner Beute zu entkommen. Die Behörden bieten zu seiner Ausforschung die größten Bemühungen auf. verantwortlich für Politik: Erich»utiuer, Berlin: für den übrigen Teil des Blattes: Alfred Scholz, Neukölln: für Anzeigen: Theodor Glocke, Neriin. Verlag: VorwürlS-Verlag®. in 6. H., Berlin, Druck: VorwärtS-Buchdruckerei ur.o VerlagSanitall Paul Singer u. To. in Verlin. Lindenftrabs Z. 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Ans dem Inhalt: Borwort: Ten Trauernde« zum Trost!— Die Eulstebung der Erde und da» Rätsel der Menschwerdung. — Wer ichuf die Menschen?— War es Gott?— Wie mnssen wir uns Gott vorstcilcn?— Welchen Sinn bat mistr Leben?— Ter Weltkrieg.— Ter Heldentod.— Schicksal oder Fügung?— Wie läßt sich unierc Unsterblichkeit beweisen?— Die Entdeckung der niensifilichen Seele.— Die Trennbarkeit der Seele vom Körper im Experiment.— Der organische und der geistige Leid.— Sonderbare Vorkommnisse.— Ein merkwürdiges Erlebnis Goethes.— Mystische Erscheinungen. DaS zweite Gesicht.— Gcdaulen sind Scelenkräste.— Rätselhafte Erscheinungen bei Sterbende».— WaS ein Seher der jenseiligen Welt über den Vorgang des TodcS sagt.— Gibt es Gcistcreischelniliigen?— Der Spiritismus.— J-iilinus Kcr.ier und die Seherin von Prcvorst.— Können Berstorbeue vom Jenseits zurückkehren?— Ist ein Verkehr mit ihnen möglich?— Die Gefahren des Spiritismus.— Wirischastüchc und gcsuudheilliche Schädi- gungen.— Wo sind die Toten?—'Himmel oder Holle! — ES gibt ein Wiedersehen! MF" Fast täglich gehen bei unS begeisterte Aner- kennungSschreiben über Kröning's Buch ein und wurde eS in verichiedenen Zeitungen glänzend besprochen."9(3 Das Wert ist zu beziehen zum Preis von Mk. 2,35. bei Nachnahme SO Pj. mehr, durch jede Buchhandlung und durch den Zentral-Verlag Mar Kröning, Stuttgart 89, Gbcrhardstrasic 4L. Klempner, Kupferschmiede, Schlosser sofort gcsiicht. 21022 Müm- fltipnto üh!, Abteilung; 1. B. Görlister Strafte 52. 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