Nr. ä.O. gg. Jahrg. Bezugspreis: fltettcriäl)tuS,40SKL monall. 1.80KI. frci>nsHau».»c>r-ug,ahN>ar.SinzeIne Kümmern 10«fenniR. Postbezug: Monainch.vom PoMchaller abzuholen l.SO Ml.vom BrtclUüger mgHaus ge- brachl l.St Ml. llmer Kreuzband ikr Deullchlar d und O-slerre.ch- Ungarn z.— Ml., lür da« übrige?Iu«Iand e�0 Ml. monatlich. Zeriand IN« Aeld bei direlter Settelluna monall.2.— Ml. Poiibeliellungen nehmen an Düne» marl. Holland Luremburg. Schweden und!>»e Schweiz. Sing«ragen in die tosl.'ieilunaS-BretSIiii«. Ericheini täglich. Telegramm. Abreise: »Sozialdemokrat Berlin-, c IG i J Anzeigenpreis: Verlinee Volksblnkt. DleileSengeipaltcneKolonelzcileloslet bo Pfg.„Kleine illnzcigcn". da« iettacdruclle Wort ZU Pig.(zuläjjig 2 setigedruckte Worte), jede« weitere Wort 15 ilfg. Stellengesuche und Schlasslellcnanzeigen da« erste Wort 20 Pig.. lebe« weitere Wort!0 Psq. Korie über>5 Buchstaben zählen sür zwei Worte Tetterungazuiedlag Zd> � Familien-Anzeigen. uotitischc uti» gewerlschastlirbe Lcrein«- Anzeigen 70 Psg die Zeile. Anzeigen iür die nächste Kummer Müllen di« 5 ll6v nachmittag« im Hauplgeschlist Berlin SW.K8. Uindenjtrahe 3, ab rcaeben werden. Geössnel von a Uhr srüh dl« 7 Uhr abend«. Zcntralorgan der rosialdemohratifchen Partei Deutfchlanda. Ncüaktion: EW. 68,£Sndtn(lroBc 3. Zyernivrechrr: Ami Morittpla«. Rr. ISIS«— 15X97. Expedition: SW. 65, Lindenftraße 3. aerusvreckrr: Am» OTorinsiae, Rr. 151 90—151 97. Hücktritt RertUngs. Tcrfudi einer parlame ntarifchen Kabinettsbildung. Berlin, 30. September. Ter Kaiser hat an den Reichslanzlcr Grafen von Hcrtling den folgenden Grlax gerichtet: Eure Exzellenz haben Mir vorgetragen, dag Sie sich nicht mehr in der Lage glauben, an der Spitze der Regierung zu vcr- bleiben. Ich will Mich Ihren Gründen nicht verfchlieheu und muh mit schwerem Herzen Ihr er weiteren Mitarbeit entsagen. Ter Tank dcö Vaterlandes für das von Ihnen durch Uebcraahmc des Reichskanzlcramts in ernster Zeit gebracht« Opfer und die von Ihnen geleisteten Tienste bleibt Ihnen sicher. Ich wünsche, dast das deutsche Volk wirksamer als bisher an der Bestimmung der Geschicke des Vaterlandes mitarbeitet. Es ist daher mein Wille, dasz Männer, die vom Vertrauen des Volkes aetrageu sind, in weitem Umfange teilnehmen an den Rechten und Pflichten der Regierung, �ch bitte Tic, Ihr Werk damit abzuschließen, daß Sir dir Geschäfte weiterführen nnd die von Mir gewollten Maßnahmen in die Wege leiten, bis Ich den Nachfolger für Sir gefunden habe. Ihren Vorschlägen hierfür sehe Ich entgegen. Großes Hauptguarticr, 30. September 1018. grzz Mihclm k. lt. gez. Tr. Gnrf von Heltkiag. Tas Rücktrittsgosuch des Grafen Hertling ist bewilligt. das des Herrn v. H i n tz e noch nicht. Graf Hcrtling bleibt im Amt bis zur Erledigung der Krise. Auch die übrigen Staatssekretäre haben bereits ihre Rücktrittsgejuche ein- gereicht. Ta der Versuch einer pzirlamentarischen Kabinetts- bildung gemacht werden soll, sind noch weitere durch- greifende Personcnvcränderungen zu erwarten, lieber sie verhandelt der Vizekanzler v. Payer mit den Parteiführern, die umer sich interfraktionelle Besprechungen abhalten. In diesen Besprechungen ist, wie wir hören, zwischen So- zialdemokratie, Fortschritt nnd Zentrum bereits eine weit- reichende Uebereinstimmnng über die sozialdemokratischen Forderungen erzielt worden. Eine besondere Schwierigkeit bildet allerdings Artikel 0 der Verfassung, nach dem Abgeord- nete nicht zugleich Mitglieder des Bundesrats sein können. Es wird darauf hingewiesen, daß der Widerstand der süd- deutschen Regierungen gegen die Aufhebung dieser Bestim- mung iehr stark ist, daß aber andererseits in ihr kein zwin- gender Grund für die parlamentarischen Minister liegt, ihre Mandate niederzulegen. In der Sack>e würde also erreicht werden, was man erreidfeil will, daß die zu Staatssekretären ernannten Abgeordneken ihre Mandate nicht niederzulcaen brauchen. Die sozialdemokratische R e i ch s t a g s f r a k- 1 1 o ii ist f u r Mittwoch, 10 kl h r vormittags, zu einer so i tz u n g ei n b e r u f e n. Am heutigen Tage soll zwischen den Parteien über Person cnfragen verhandelt werden. So stehen die Tinge in diesem Augenblick. * Der Kaiser spricht in seinem Erlaß an den scheidenden Kanzler den Wunsch aus, daß das deutsche Volk wirk- samer als bisher an den Geschicken des Vaterlandes mitarcheite und daß Männer, die vomVertrauendesVolkes getragen sind, in weitem Umfang an den Rechten und Pflichten der Regierung teilnehmen sollen. Tas ist ein hartes Urteil über den bisherigen Kurs, ein weitgehendes Zugeständnis an seine Kritiker! Wenn eine wirksamere Mit- arbeit des Volkes, eine Iwitere Teilnahme seiner wirklichen Vertrauensmänner au der Regierung als Programm auf- 'stellt wird, so ist damit gesagt, daß es in diesen Punkten isher emvsindlich gemangelt lxit. Ist aber hier ciire Besserung notwendig, so innß sie auch durchgreifend sein, lieber erste tastende Schritte sind wir längst hinaus, lind zu spielerischen Versuchen eignet sich die Zeit wirklich nicht. Tos Stadium der Erverimente, das mit der Wahlrechtsbotschast vom 12. Juli 1917 und mit dem Rücktritt Bethmann Hollwegs begann, muß abqeschlossen lein. Bechmann war der vorlebte. Michaelis der lebte Kanzler des Teutlchen Reiches, der ohne Befragung des Reichstags berufen wurde. Mit der Ernennung Hertlings wurde der erste entscheidende Schritt getan. Graf Hertling ubernahm sein Amt erst nach Besprechunaen mit den Partei- mhrern. er zog die fortschrittliche Volkspartei in seine Re- gierungsbildung mit rln Was das für die innerpolitilche Entwicklung des Reiches bedeutete, wird erst später, im großen Zusammenhang der Ereignisse, ganz klar werden. Es war ein erster Schritt, dem der zweite notwendig fol- gen mußte. Die Notwendigkeit, ihn zu unternehmen, ist Die deutsche Abwehrfront iu Flandern zurückverlegt— Räumnng des Wijt- schaetebogens— Feindlicher Vorstos; bei Moorslede— Ter Feind in den Vor- orten bei Cambrai— Vergebliche Durch« brnchsmnhen zwischen Cambrai und Lt« Ovuentin— Ansturm gegen den Ostrand der Argonnen gescheitert. V erlitt, 30. September k918, abends. Amtlich. In Flandern im allgemeinen ruhiger Tag. Erneute Masfenangriffe der Engländer gegen und beiderseits Eambrai find unter fchiversteu Pcrlustcn für de» Feind gescheitert. Westlich l c C a t e l c t haben sich am Abend Kämpfe cntwilkelt. In der E h a>» p a g n e wurden Tcilangrisic der Frau- zosen, östlich der Argonnen starke Angriffe der Amerikaner abgcwicscin_ Amtlich.(Kroges Hanptquarlitr. Berlin, *3 0. Zcptembcr 191$. �__ � j______ Westlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppen Klonprinz Linpprcchl und B o c h n. In Klan der» srpte der Keind seine Angriffe fort. Der Einbrilch des Gegners in unsere Stelluiige» nm 27. Scptcmller nötigte uns, den rechten Flügel unserer Adwehrfront hinter den H o n d z a in e- Adschnitt von nördlich DikSmiiide bis W e r tr n zurückzunehmen und auf dem linken Flügel des üirimpf. fcldes den Wijtschate-Bogen zu riinmcn. Feindliche An- llriffe gegen den Handzamr-Abschnitt nnd gegen die Linie Zaren— Wrstrooieliele wurden abgewiesen. Zwischen P»Sschendale »»d B e s e I a r e drang der Gegner bis M o o i s l r e d c und Dadizcde vor. Dort fingen wir feinen Stoß auf. Der am frühen Morgen von H o n t h c n h i s Koincn an der Lys vordringende Feind wurde durch Gegenangriff wieder zurück- geworfen. Wir lämpfcn hier in d c r L y s- N i e d e r u» g. Gewaltiges Ringen a» der Front zwischen C a m b r a i nnd S t. O. u e» t i n. Gegen die Stadt und beiderseits der Stadt führte der Feind KZ Divisionen in den Kampf, um Cam» brni z« nehmen nnd unsere Front beiderseits der Stadt zu durchbrechen. Nürblich von Cambrai find die lis zu achtmal wiedrrholtcn starke» feindlichen Angriffe vor anseien Linien, bei S o n c o u r t und T i l l o y an erfolgreiche» Grgena'-griffcn ge- scheitert. In den Bororten von Eambrai, Neuville nnd(? a» t i m p r e, sagte der Feind Fug. Mir stehen hier au: Westrande der Stadt hinter der Scheide u»> schlugen dort erneute heftige Angriffe des Gegners ab. Tic über den Kanal- abschnitt nördlich von Marcving geführt!« Angriffe des FcindcS brachen vor und an der Straße Cambrai— Masniörcs zusammen. Südlich von M a r c 0 i n g drückte uns der Feind hinter den Kanalabschnitt MaSnidreS— Crivccocnr zurück. Mit gleicher Kraft griff cr unsere Front von G o n n r l i e u bis südlich von Bellengiise an. Zwischin G o n n c l i c n und B c l l i c o u r t schlugen»vir den inehrsnchc» Ansturm des Gegners restlos zurück. B i l l c r ö G u i s l a i», das vorüber- gehend verloren ging, wurde wiedcrgenommen, Örtliche Einbruchs- stellen wurden im Gegeliftost wieder gesäubert. Die in der Front bei Gounclic» und ViUers Gi'islain schwer lämpfcndcn Divisionen warfen den ans Richtung Mareoing gegen ihre Flanle vor- brechenden Feind mit ihre» Reservebataillouen in entschlossenem Gegenangriff wieder zurück. Zwischen Bellicourt und B r l l c u g l i s r stieß der Feind über den Kanal vor. Wir brachicn ihn am Abend in der Linie Nordrand BcUiconrt— West- rand Ioncoiirt— Lehancoiirt zum Stehen. Dir nördlich von G r i c o» r t sich aller Anstürme erwehrenden Regimenter iiiugtc» am Abend ihren Flügel auf Lehaucnurt zurücknehmen. An dem im grogrn erfolgreichen Abschlug der gestrigen schweren Kämpfe haben Truppen aller deutsche» Srämmc gleichen Anteil. Der Ciigländer hat seine örtliche» Erfolge mit sehr hohen blutigen Berlnsie» erlauft. Heeresgruppen Deutscher Kronprinz und G a l l w i h. Gegcu unsere neue Linie am O i s e— A i s n c- K a n' l drängte der Feind start nach. Iu ersolgreichen Borscldlänip n machten wir hier Gcsangrnc. Der Arauzose sehte zwischen der Snipp�-S«»» b A i Sn-, der Amerikaner gegen den O st rand der Argonnen und zwischen den Argonnen und der Maas seine e- birterten Angriffe fort Mehrere iicnc Divisionen wars der Feind auch gestern wieder in den Kamps. Zwischen Auberioe nnd S o m m e— P h schlugen wir mehrfachen, nordwestlich von Soinmc— Pq neunmaligen Austurm deö Gegners vor unseren Linien ab. Weiter östlich blieben M a» r r und A r d r u i l in Feindes Hand. Wir standen am Abend nach Abwehr des Feindes in der Linie' A u r c— nördlich A r d c n i l— nördlich S e ch a n l t— B o u c o» v i l l e. Mit bejondcrcr Kraft stürmlc auch der Amerikaner gegen den Lstrand des Ar- gonncr Waldes und gegen die Front zwischen Brzou««» nnd der Maas an. Sein Ansturm ist völlig gescheitert. Beiderscils des Aire-Tnlcs rntrisien wir dem Feinde Apremont und den Waid von Mdntrrban und warjcn hier den Amerikaner mehr als 1 Kilometer zurück.___ Wir schaffen gestern 15 seindliche Flugzeuge ab. Der Erste Genetalquarliermeister. Lndeudorff. Ter österreichische Bericht. Wien, 30. September. Amtlich wird vcrlautbart: Auf dem italieuischcn stricgSjchnuplab erfolgreiche Patrouille»- Unternehmungen. Unmittelbar westlich dcS Ochrida-SccS haben wir, der Lage an der bulgarischen Front Rcchnung tragend, nach ort- liche» Kämpscil einen Gcländcsireifr» geräumt. Ter Chef de» General st abcS. heute da. Die Sozialdemokratie hat den Eintritt in die Regierung Hertlings damals abgelehnt, meil ihr das Programm und die Person des menschlich hochachtbaren, aber politisch stark am Alten hängenden Reichskanzlers keine ge- niigende Garantie bot, ihm ihre Unterstützung zuzusagen. Sie blieb mit den bürgerlichen Mittelparteien in enger Fühlung, bewahrte sich aber gegenüber der Regierung dollkommcn das Reckst der freien Kritik, lind so ergab sich der seltsame Zu- stand einer parlamentarischen Mehrheit, deren linker Flügel in Opposition zur Regierung stand. Was die Sozialdemokratie dem Grafen Hcrtling vorwarf. das War, daß er nicht die Politik der Mehrheit und auch nicht die Politik einer eigenen starken Persönlichkeit trieb, die sich eine Mehrbcit tchafff, sondern in entscheidenden Momenten immer den bohen Militärs die politische Führung überließ. In welchem Maße das der Fall mar, zeigte sich am deutlichsten bei der Entlassung K ü h l m a n n s: Dieser Staats- sekretär des Auswärtigen statte bleiben dürfen, nachdem er den unbeilvallen„Frieden" oon Brest-Litowsk nach dem Tiktat des Generals Hoffmann geschlossen hatte, er mußte gehen, als er in einer Reichstagsrede einen klareren Blick bekundete�als die Anhänger der„rein militärischen Entsckw-i- düng". Damals war hier zu le'en:„K ü h l m an n k r i se ist K a n z l e r k ri s el" Graf.Hertling hat den von ihm preisgegebenen Staatssekretär knappe zweieinhalb Monate überlebt. Wir stehen nun vor der Notwendigkeit, mitten im Kriege einen Wechsel unseres Regierungssystems vorzunehmen und blicken aus eine lange Kette von V e r s ä u m n i ss e n zurück, die diesen Ucbergang bedeutend erschweren. Vielleicht hätten wir es heute leichter, wenn wir schon seit 30 Iahren vor dem Krieg, etwa seit dem stürze Bismarcks, das parla- mentarische System besessen hätten! Aber noch vor fünf Jahren hat der ganze Reichstag gelacht, wenn ein Abgeordneter den Scherz riskierte:„Säße der Herr stollege X in der Regierung, dann usw." To stark war das Gefühl der Volks- Vertretung selbst, daß die Männer der Regierung immer nur aus„höheren Regionen" entnommen werden müßten! Und gar die sozialdemokratische Partei, auf die sich jetzt die Blicke hilfesuchend wenden— daß s i e zur Bildung einer Regierung niitberufen werden könnte, war schon das äußerste eines unvorstellbaren Gedankens! Erst der Kneg hat das Unterste zu obcrst gekehrt und den Eintritt von„Vater- landsloscn Gesellen" in die politische Leitung des Vaterlandes zu einer Frage von brennender Aktualität gemacht. So war für alle Parteien, die Ircute zur lltegiernngsbildung berufen sind oder berufen werden sollen, die Spanne der Vor- bereitnngszeit reichlich kurz bemessen. In den Parteien der parlamentarisch regierten Länder sitzen zahlreiche Männer, die die Lehrzeit des Regierungshandwerks längst hinter sich haben und ans deren Kreis manche tatkräftige Persönlichkeit hervor- sprang, deren Wirken ihrem Volke zu hohem Nutzen gereichte. Wir aber sollen setzt erst zeiaen. daß wir das auch können. Die sozialdemokratischen Partei will zeiaen, daß sk dos auch kann, wenn man ibrGelegenheit dazu gibt! Die Zeit fordert ganze Männer und ganze Entschlüsse. Jede Zimperlichkeit, jede Bedenkenträgerei. jedes Hängen an vtzr- alteten Vorurteilen müßte aber gründlch aiisaeränmt werden! Wir brauchen nicht Sozialdemokraten als Minister, sondern sozialdemokratische Minister, Männer, die in ihrem Amte das bleiben, was sie sind und dort mit leiden- schaftlicher Energie für das wirken, was sie als Sozial- demokraten für das Richtige und Notwendige halten. Männer, die nicht tragen, was danach kommt, wenn sie den Krempel hinschmeißen, sondern die unter dem Zwange ihrer Ueberzeugung ihren Weg bis zu Ende gehen! Eutscheidungsschwere Tage sind angebrochen für die Ge- schichte unseres Volkes und für die Geschichte unserer P a r- t e i. Dieser Partei sind wir mit unserem ganzen Sein ergeben, weit wir an die große Mission glauben, die sie an unserem Volke und an der ganzen Menschheit zu vollbringen hat. Wer ihr schadet, kann dadurch dem Ganzen nichts nützen, dessen lebenskräftigster, hoffnungsvollster Teil sie ist! Diese Wahrheit nlöchten wir den Parteigenossen, die vielleicht dem- nächst in die Regierung eintreten werden, auf ihren schweren, sehr schweren Weg mitgeben. Niemand wird sie um die un- geheure Verantwortung, die sie auf sich nehmen, beneiden, selbst ihr Irrtum, ihre Schwäche würde menschlich begreiflich, menschlich verzeihlich sein! Aber es geht heute um mehr als um einzelne Menschen, es geht um das ganze Volk, es geht um die neue Welt, die sich aus diesem Blutbad erheben soll. Darum wünschen wir unseren Genossen, die jetzt Ver- Handlungen von unübersehbarer Tragweite führen, daß sie sich stark erweisen sollen, auch aus die Gefahr hin, die Ver- Handlungen noch zum Scheitern zu bringen. Sollten diese aber zu einem positiven Ergebnis führen, so wünschen wir erst recht, daß sich die i n g c n d st a r k e Kraft der_A r b e i- t e r b e w e g n n g in ihnen hoch aufrecken und den Sieg über alle bureankratisch? Altersweisheit davontragen möge! Die Arbeiterbewegung selbst ist unzerstörbar, sie würde schließlich auch ein mißlungenes Experiment überdauern! Aber was sonst auf diesem Weg? zerstört werden könnte, ist unabsehbar! Ter Vorwurf, daß wir uns mit bürgerlichen Par- teicn an einen Tisth setzen wollen, kann uns nicht schrecken. Des Gegensatzes, der uns von ihnen in letzten Fragen der Gesellschaftsordnung trennt, sind wir uns wohl bewußt und deicken nicht daran, ihn zu verkleistern. Doch nicht um sie handelt eS sich jetzt, sondern um die Wiederkehr des Friedens, um den Eintritt des deutschen Volkes in einen Friedensbund freier gleichberechtigter Völker, um den ent- scheidenden llebergang zu demokrati'ck'en Regierungsiormen. Wenn diese Aufgaben gelöst sind, wird das Volk selbst in zukünftigen Reichstagswahlen berufen sein, über alle Fragen des Staates und somit auck über die Maßnahmen zu cnt- scheiden, die zur grundsätzlichen Aenderung unseres Wirt- s ch a f t s s y st e m s in sozialistischem Sinne getroffen wer- den können. Kaum nötig ist es schließlich, sich mit dem Einwand ans- eiuandcrzusctzen, das eigene Staatswesen verdiene nickst, ver- teidigt zu werden, solange es nicht s o z i a I i st i s ch geworden sei! Da iprecben die Erfahrungen Rußlands eine zu deirtliche Sprache. Wir suchen den Weg zum Sozialismus, zur politischen und gesellschaftlichen Freiheit der Persönlich- keit nicht iiher die Niederlage, sondern über die Sclbsterhal- Wahnsinn gegen sieb wütet, arbeiten wir für die Wiederaus- richtnng der menschlichen Vernunft. Im Berliner Hedwigskrankenhaus überfielen jüngst zwei aeistesschwawe Greise einen dritten geistesschwachen Greis, um ihm die Kehl" abzuschneiden. Zur Verankwartnng gezogen. erklärten sie, Gott habe es so gewollt. Das ist ein größliches Symbol dessen, was wir seit mehr als vier Jähren erleben. 'Der Persuch, dem blutigen Treiben aeistesscknvach gewordener Völker ein Ecrde zu bereiten, gebietet die Anwendung äußerster , Mttteß fasern sie, von dem, Verstand.zu rrchtsertigen sind, Denn es ist kein Gott, sondern ein Dämon, der diese Völker treibt, und ihn zu beschwören darf auch die stärkste der Künste nickst»nversncht bleiben. Unsere Partei aber, die bleibt, w a s s ie i st, möge selber darüber wachen, daß sie aus diesem Versuch nicht gebrochen, sondern st ä r k e r hervorgeht! Die Schlacht ZVisthen öem Meere rmö verölm. Telegramme unseres Kriegsberichter st atters. W e st f r o u t, den 29. September. Indem die gestern früh begonnenen englischen Großangriffe auch ans Flandern tibersprangen, steht jetzt mehr als die Hälfte der Westfront, vom Meere bis Vrrdnn, in Brand. Tie Schlacht, in die mehr als eine Million Menschen verwickelt sind, ist die größte Schlacht der Weltgeschichte und durch die Betcilignng der Amerikaner zu einer Völker- s ch l a ch t geworden, die die alte bei Leipzig weit hinter sich läßt. Gestern früh um 2, SO Uhr kündigte Trommelfeuer Wi chen dem Meere nnd Wvtschncte den neuen englischen Flandern- angriff an. Gleichzeitig wurde die belgische Küste vom Meere her mit schweren Kalibern beschossen. Nach stundenlangem Feuer brachen zwei englische Armeen zwischen Dixmuidrn und Wnlvcrgaem zum Angriff vor. Wir nahmen, zum Teil frei- »villig, die im Frühjahr vorgeschobenen deutschen Linien ans die alte Winterstclluiig zurück. Damit ist der N P c r n b o g c n »vi cd er englisch. Stürmische Versuche des Gegners, uns nachmittags über die alte Bogenstellnng zurückzudrücken, scheiterten blutig. Wir nahincn Beecelaere wieder und hielten Paschcndalc mit wenigen Truppen bis in die Nacht hinein. Ebenso sind die W y t s ch n e t r h ö h c n, die Südpfeiler unserer ganzen Upernstellung, fest in d e« t s ch e r Hand. Durch den englischen Einbruch in die deutsche Kanal- stellun g, die Cambrai im Westen schützte, war am Abend des 27. das breite Glacis westlich der Stadt nicht mehr zu halten. Wir gingen auch hier in die rückwärtige Stellimg zurück. Diese ist seit über einem Jahre als sogenannte Hagcn-Stcllung fertig und bekannt. Ter Jubel des Verbandes über die Durchbrechung der von ihin so getankten Hindenbnrg-Stellung ist verfrüht. Die dentsche S i e g f r i c d- S t e l l n n g ist keine einzelne Linie, sondern ein Neb nnd breites Band von Stel, l u n g s s y st e m c n. Auch die nene Hagen-Stellung, die hart westlich Eambrai verläuft, ist nur ein Teil, und nicht der letzte dieses Systems. Durch die räumlich zwar geringen, aber taktisch wichtigen Fortschritte General Mangins gegen die westliche Flanke des Eh ein in des Domes war dir deutsche Stellung im Fort Malvuiison ernsthaft bedroht. Neuen Angriffen zuvorkommend, vcrlcaten»vir unsere Vcrteidiaung in eine Linie, die von Anizy an Ailrtte längs drS Oise-Aisnc Kanals bis Bonrg an der Aisnc führt. Sie übcraucrt von Nordwest nach Südost streichend dcn vielnmkämpften Bergrücken gerade dort,>vo der Ailctte- liaua.l ihr in drei Kilometer Länge durchtnnnclt. Hiernach ist ab heute die»v e st l i ch e Hälfte d e S Tamenwegrs i n französischer Hand. Wir halten mit der östlichen Hälfte auch die tief nach Süden abspringende Klammer westlich Reims. Westfront, den 29. September. Der Champagneangriff des französischen Generals- Gourand gewann gestern nur wenig Boden. Vormittags und 1 nachmittags hat die deutsche Champagncarmce zum Teil sechs schwere Tankangrifse frischer, überlegner Massen abgeschlagen. Selbstentschlossenheit und Kühnheit einzelner Personen und Verbände leuchten aus dem Opfcrwcrk der großen Masse heraus, die Unerhörtes leidet nnd leistet. Ter rechte Flügel hielt dir Straß« Marie Py— Somme— Py, die Mitte, die Höhcnstcllimgp der linke Flügel kämpft init dem Rücken gegen den Wald von Crrnay und Echclle, die entgegen dem fcindiichcn Heeresbericht noch heute in deutscher Hand sind. Seit gestern stehen auch unsere Trntzpcn in dem bisher ausgesparten A rgo» neu w aide unter schiverrm feindlichen Drucke. Lcstlich des Waldes arbeiteten sich die Amerikaner mit Tanks im Airetal längs des Waldrandes cn Aprcmont vorbei bis Chütcl vor. Immer erneute Versuche, links einschwenkend in den Wald zu dringen, wurden durch Garddruppen und württcmbergiscke Landwehr blutig abgcsthftgcn. Abends stan- dcn dir Amerikaner vor Chätcl, während cchs Kilometer süd- lich fast in ihrem Rücken die Württember�r die Bouzonknppr noch verteidigten. Unter Zurücklassung vm Nachhuten wurde im Laufe der Nacht der Bouzonkopf gerätmt nnd gleichzeitig die vordere d r n t s ch e A r g o n n c v l i n i e auf die Stellung Binarville-Chütel einige Kil» meter nord- >v ä r t s zurückgenommen. Ter Amerikanerimgriff zwischen den Argonncn n n d d c r M a a s kam gestern nicht vorlvärts. Wir verteidigten erfolgreich durch Gegenstöße die Linie Cierges-Nantillois- Brienlles. Bisher ist es dem Gegner nicht gelungen, die ameri- konische» Fortschritte westlich der Maas aus das rechte Ufer zu übertragen. Ter gestrige schwere Tag hat Teutschland militärisch auf die h ä r t e st c Probe gestellt. Tie Tttsache, daß wir an den meisten Fronten rückivärtige Stellunger bezogen, ist nicht maßgebend für die Beurteilung des Endausmngcs, ebensowenig wie die Zahl der vom Feinde gemeldeten blesangenen, die zur Riesengroße der Schlacht in einem durchaus normalen Ver- hältnis steht. Die Schlacht ist noch nicht zu Ende. Hauptsache ist und bleibt aber, ob und daß die lebendige Niderstandslinie der deutschen Front so lange hält, bis der Gegner einsieht, daß d i c deirtsche Front unzerreißbar bleibt, und daß unser Ablvchrwillc durch die drohenden Gefahren nur gekräftigt werden kann. Dr. A. K ö st e r, Kriegsberichterstatter. Der �lbwehrkampf ö'ftlick üe? Mrgonnen. Berlin, 30. September. lWTB> Zwischen Argonnen und MaaS stockt der amerikanische Angriff. Der Berichterstatter drS MTB. an der Westfront meldet. Die Maasbrückcn flogen rechtzeitig in die Luft. Abc Versuche, von Osten ber in die Argonnen einzudringen, scheiterte», die Frontalstürme aber zwischen Aprcmont und BriculleS brachen in dem Abwehrfeuer der in den Waldliügcl versteckten Mafchinrngewebre oder im dem Granat- und Schrapncllhagcl der Artillerie zusammen. In 0>c- gcnstötzcn wurden die Amerikaner vielfach wieder zurückgedrückt. Vergeblich operierten sie mit Tanks. Tankabwehrgcschübc, Minen- wcrfcr, Maschinengewehre wetteiferten in ihrer Bekämpfung. Wo aber die Tanks trotzdem in die deutschen Linien eingebrochen waren, ging die Infanterie selber entschlossen gegen die Panzerwagen vor. In dem Abschnitt des III. Bataillons des Infanterieregiments 130 griffen die Musketiere jeden heranrasielndcn Tank mit Hand- granaten an und setzten auf diese Weise nicht weniger als sechs Panzerwagen außer Gefecht., v .■*»■', •.-» � r-> Englischer Heeresbericht, vom W. S e p i cm b e r. Heute morgen. um 5 Uhr 30' Mimiken griffen britische ü'trb amerikanische Truppen n o r d w o st l i ch von St. O u e n t i n an. Aus der ganzen Front von St. Onentin bis zur Searpe ist eine erbttterte Schlacht- im GanK«. Schwere Kämpft fanden gestern bei Gonnelicu und dem Waliser Rucken statt. Unsere Truppen machten auf'der Hochebene südwestlich von Gonnclieu Fortschritte, wurden aber am Waliser Rücken ein»vcnig zurückgedrückt. Wir erneuerten den An. griff in diesem Abschnitt beute in früher Morgenstunde, erzielten Fortschritte und machten Gefangene. In Marcoing erweiterten wir unsere Brütenköpssicllung gestern abend östlich vom Scheide- kanal, wiesen einen feindlichen Gegenangriff ab nnd machten eint Anzahl Gefangene. Weiter nördlich setzten sich englifchc Marine- ein heften östlich vom Schcldefluß gegcnübc.r von C a n t a' n g fest. Nördlich der Straße B a P a u m c— C a in- b r a i setzten sih kanadische Truppen in den Besitz des Vcrlaidi- gungssystoms, drs als Marcoing-— MnsnicreS-Linic bekannt ist, nördlich bis nach Sai llh hin. Englische Truppen volleiche- ten die Einnahme von A ubcnchcul-au-Bac und B a i l l e u l und kämpfen ir'Arlcur. �oie überschritten den Tringuis-Fluß in der'Nachbarschaft von SaillY-en-Ostrevent. Tie von den briti- sehen Truppen seit dem Morgen des 21. September gemachten Gefangenen belaufen sich auf über sechzchniausend. Englischer tzericht. vom 23. September. Die Marine- division und taradischs! Truppen kämpfen innerhalb der Vorstädte von Eambrai. Wir haben in den drei Tagen zwanzfttauscnd Gefangene gemacht, 300 Geschütze erbeutet. Englischer Bericht vom 29. September abends. Beim Morgengrauen hatte sich südwäris bis in die Nähe von St. Ouenti» die Schlacht erfolgreich enttvickelt, die sich� jetzt über eine Front von nahezu 30 Meilen ausdehnt, von dieser Stadt bis zum Sensee-Bach nördlich von Cantbrai. Auf unserem äußersten rechte» Flügel ging das 20. KorpS 5 Uhr 50 morgens zum Angriff über den Scheldekanal vor. von Bellenglise ein- schließlich Nordwärt— die 46.(nordmildländische) Division hatte sich mit SchwiaNngürteln, Matten, leichtem Brückenbcruniaterial und Flößen versehen und stürmte unter dem Schutz eines zusammenge- faßten Artillerie- und Maschineiigewehrfeuers die Hanpthindcn- burzverteidigungsstellung, die hier längs des östlichen Kanalufers verläuft. Ohne Rücksicht auf die Tiefe des Wassers, die Brette des Kanals und die Stärke der feindlichen Verteidigung, die das Torf Bellenglise, zahlreiche Stollen und Betonwerke einschließt, ge- lang es den Leuten dieser Division, die ganze ihnen gegenüber be- fmdliche deutsche Stellung zu nehmen. Französischer Heeresbericht v o m 29. Sc p t c m b e r. abends. In der Gegend südlich von St. Oucntin haben unsere Truppen auf der Front Orvillers— C e r i zy den Feind an-- gegriffen, der nach energischem Widerstände geworfen wurde. Diese beiden Dörfer sind in unserem Besitz. Wir haben die Straße S t. O u e n t i n— La f e r e ü'b er s ch r i t t e n. 300 Gefangene sind bis jetzt gezählt. Zwischen Ailelte und Aisne haben wir heute einen Fortschritt von ungefähr zwei Kilometer Venvirklicht. Beiderseits des Ehemin des daincs haben wir Fcrgny, Filain und Ostel besetzt. Auf der Champagnefront setzen unsere Truppen ihre Angriffe fort; sie baben wichtige Ergebnüse erzielt. Auf unserem rechten Flüges haben wir Bouconville genommen nnd unsere Stellungen nördlich dieses Dorfes erweitert. Westlich haben wir uns nach heißem Kämpft des C u v e l e t- Be r g c s und Aprcmont be- mächtigt, das vom Feinde verteidigt wurde, llnsere Truppen haben im weiteren Vorstoß nach Norden das Dorf S e ch a n l t genommen und sind ungefähr auf jeder Seite zwei Kilometer vorgerückt. An Richtung auf Challerange. weiter westlich haben wir Ar- d e u i l, den F a u x e I l e s- B e r g und M c n x erobert und sind. in St. Morie-a-Hy eingedrungen.' Amerikanischer Bericht vom 29. September. D«r Angriff eiiiwickclte sich heute erfolgreich. Trotz schweren Infanterie-, Ar- tillerie- und Maschineiigewehrfeuers rückten wir vor und erreichten die Außenbezirke von Brienlles und E x e r m o n t. lieber zwanzig Städte und g-ivaltigc Mengen Kriegsgerät wurden er- beutet. Die Zaßl unserer Gefangenen wächst. Unsere Flieger be- berrichen die Luft, sie brachten über 60 feindliche Flugzeuge und 12 Ballone zum Absturz. 20 amerikanische Flugzeuge werden per- mißt. Amerikanischer Bericht vom 29. S e p t e m b e r. Wir be- gcgneten entschlosiencm Widerstand der Deutsiheu, die von anderen Frontteilen Divisionen herbeizuschaffen genötigt waren. Wir haben heftige Gegenangriffe zwischen Cierges und dem Airetal zurückgewiesen. Belgischer Heeresbericht vom 3«. September. Die Belgier letzten ihren Angriff trotz des feindlichen Widerstandes unerbiit- l'ch jocsi Huben auf dem Flandern-Rücken in der zweiten feindlichen Linie Fuß gefaßt und Diksmnidc, Zarren, Dtadenberg, Paschendaele. MoorSlede und einen Teil von Westroofebceke genommen. Der pfeiud führte Reserven heran und unternahm nördlich von H o u t h o u l st e r Wald heftige Gegenangriffe. Sein Widerstand wurde vollständig gebrochen und die Belgier vermochten die Höhen von-verrest�zu erobern. Tie belgischen Vorhuten näherten sich Roulers auf 3 Kilometer und erreichten die Straße von Ron- lers nach Menin. An einem Punkte wurden seit gestern über 5oOO Gefangene gezählt und 100 Geschütze erbeutet, darunter mehrere schwere. Außerdem wurde eine riesige Menge Material erbeutet. Die japaniftbe Intervention. Die„Praiodo schreibt: handeln. Krieg aktiv zu yanoein. i»ne,e Einmischung yopgns kam ganz unerwartet. Japan überlegte ganz geschäftsmäßig, es s-sionte seine Armee und verdiente zugleich Milliarden. Jcht handelt aktiv in Sibirien, indem es die vereinigte franko-anglo-ameriko- gegenrevolutionäre Front unterstützt, weil die Lebensintcressen der inpanischen Imperialisten es verlangen. Die längst vorbereitete Einmischung Japans hat eine tiefe ökonomische Bedeu- t u n g. In der Sucht nach Märkten steht Japan seinen europäischen Lehrern nicht nach. Die Milliarden hohen Kriegs- l i c f c r u n g e n v n d d a s Gold, welches den Japanern zufloß. entwickelte bei den Fabrikanten des Landes der aufgehenden Sonne den gleichen Appetit, der ihre amerikanischen und europäischen Mirb rüder kennzeichnete. Tie japanische Industrie, die bis 1914 der Nachfrage im Jnnenlande nicht entsprechen konnte und sie mit der Einfuhr amerikanischer und englischer Erzeugnisse deckte, machte auf diesem Wege riesige Fortschritte. Der große Schuldner der Londoner Börse— Japan—. der sonst mit einem Defizit ot>e. riefte, stand auf einmal als Bundesgenosse„auf eigenen Füßen", und England mußte dem Wachstum und der Entwicklung des künf- tigcn Konkurrenten zuschauen. Das Goldsonds Japans ist Von 330 Millionen Jen aus 850 gewachsen, das heißt über 2'A mal. Tic Erzeugnisse, deren Bedarf Javan bis 1914 selbst deckte, wurden im ersten Kriegsjahr zu einem Produkt der Massen- ausfuhr Japans, deren Gesamtsumme in Millionen Jen betrug: 1913� 633, 1914: 591, 1915; 708, 1916: 1127, 1917: 1585. Davon wurde an Erzeugnissen der iapanischeir Industrie und der Halbfabrikate ausgeführt: 1913: 513. 1914: 474, 1915: 566, 1916: 922, 1917: 1319. .. Diese Ziffern beweisen, daß bei einer Steigerung der Aus, fuhr der Rohmaterialien,, und Lebrnsmittclprpdukte von 120. 275 Millionen Jen, das heißt um 1z0 Millionen,.der Wer! a u Zgell ü h r't e'n Fabrikate und Hak b k ab'r'i k at e 513''auf 1310 Millionen Jen, oder um 79 7 Millionen£ st iegen ist. In dieser Zeit wechselte auch der Charakter der japanischen Ausfuhr. An Produkten der Metall- '.ndustrie hat Japan 1917 für 350 Millionen Rubel ausgeführt,. gegen 59 Millionen im Jahre 1913. Zink wurde bis Ausbruch � des Krieges gar nicht ausgeführt, im Jahre 1917 erreMstc d:e Ausfuhr 35 Millionen Rubel. Die frühere geringe Ausfuhr von Eisen und Eisenerzeuamssen belief sich im Jahre auf 1917 auf 45 Missionen Rubel. Eine riesige Steigerung ist in der chemi- s ch e n, elektrotechnischen und G l a s i n d_u st r i e zu vermerken, weil die deutsche, amerikanische und zum Teil belgische Konkurrenz fthltc. Es wurde zum Beispiel an Erzeugnissen der elektrischen Industrie im Jahre 1917 für 15 Millionen Rubel aus- geführt, gegen 12 Millionen im Jahre 1913. Die Ausfuhr� der S e i d e n e r z e ug n i s s e betrug 750 Millionen Rubel im. Jähre 1917. gegen 385 Millionen 1913. obwohl die Seidenerzeugnisse im Verhält, ris zu der Gesamtausfuhr von 43 Proz. auf 2 Proz. fielen. Ter Krieg füllte also die Taschen der nntcrnehmungslusttgen japanischen Kapitalisten mit Millionen. Nicht nur, daß Japan die alten Märkte behielt, es eroberte sogar nc uc. wie zum Beispiel in Kanada, Argentinien und Süd-Amerlka. Tie Ausfuhr Japans in verschiedene Länder betrug sin M'llioncil Jen): Jabr 1913 1914 1915 1916 1817 Nord am. 185 197 204 340 497 China 185 185 163 230 364 Engl. 33 33 68 102 208 Fr an kr. 30 oö 42 72 101 R«5l. 9 12 90 151 88 andere Länder 189 160 141 232 287 Bei 2A mal der Sie ist Japans igcrung der Gesamtausfuhr um Ausfuhr in China um zweimal, in Eng- l a n d um sechsmal, in R u ß l a n d um sechzehnmal gestiessen. Tie russische Nevolution machte den Gelüsten der japanischen. Kapitalisten ein Ende. Die immer steigende Ausfuhr nach Rußland fiel im Jahre 1917 von 151 Millionen auf 33 Mtl. lioiwst Jen. Den zweiten Schlag erhielt die japanische In- dustrie, als Amerika sich in den europäischen Krieg ein- mischte und die Politik der äußersten Einschränkung der. Aus, fuhr durchsetzte, um die in dem Weltkrieg erzielten Milliarden zu behalten. Die 1918 aufgestellte Handelsbilanz.zeigte, da» Japag ein Defizit verzeichnen mußte: die Einfuhr überstieg die Ausfuhr. So sieht der wahre Grund der japani ich et Intervention in Sibirien aus, und das ist die Erkm- rinig für die japanische Außenpolitik. Das japanische Kapital. das im Kriege so unglaublich gewachsen ist, braucht eine Zulage. Ter größte Teil der japanischen Industrie arbeitete für russiick Kriegszwecke. Die Kapitalisten suchen ein m i l i t Tisches Abenteuer, um in demselben, und vielleicht großer Nnftang wie in Rußland zu arbeiten. Ein. anderer Teil der iap nischen Kapitalisten, die nicht Produkte d:s notwendigsten Bedar., erzeugten, würden bei der Nationalisierung der. Außen von nk i. Rußland keinen Absatz finden. Die javano-anglo-franzonsche Front versuchte den entschwinden den Markt zu r ü ck � u y 0 I e n. Ter dritte Teil des japanischen Kapitals, daS im InnenIustimniung des VerbandsausschusseS. Die wirbligen General- vebauungSpläne für zwei Gebiete von Spandau sowie derjenigen von Französisch-Buchholz wurden besonderen Unterlommissionen uberwicien. Die Kohlenstelle Gro�-V�rUn� gr�t�brkannt. daß mit Wirkung vom 1. Oktober ab zur Entnahme und Abgabe von Kohlen bis auf weiteres nur die folgenven Abschnitle verwendet werden dürfe»: 1. rlbschnitt 1—4 der mmllichcn Koch- und Sonderkarten� 2. Abichiült 1— g der ö-Zentner-O f e n k a r t-: 3. Abschnitt 1-4 der 10-, 20-, 30», 40-, 50», 00-Zenlner- O f e n k a r t e.— Bevor- il u g i zu belieiern sind die bereits früher zum Beziige freigegebenen Abschnitte 1—3 der Kochkarten; Abschnitte 1-6 der b-Zentner- Df eit karte; Absä niue 1—3 der 10-, 20-Zenlner.O fe n'ta r t e; Abschnitte 1— 2 der 30-, 40», 50», KO-Zentner-O senkarte.— Auf Ol e w e rbekohlenkarten dürfen gegen die Abschnitte Juli. Auglpt. September Kohlen nach dem 31. Oktober weder abgegeben noch enlnonime» weiden. Minderwertiges Brot. In letzter Zeit häufen sich die Klagen über minderwertiges Brot. Bemängelt wild daß das Brot nicbt genügend ansaebacken ist und siarle Wasserstreifen enthält, die das Brot schwer bekömmlich machen. Auch die Lichtenberger LebenSniirielkommission beschäftigte sich mit dieser Angelegenheit. Nach den Mitteilungen, die in der Sitzung gegeben wurden, besteht die erfreuliche Aussicht, daß eine baldige Besserung des vorübergehenden Mangels bestimmt zu er- warten ist. Die Mangelhaftigkeit des Brotes ist zurzeit im wesenl- lichen darauf zurückzuführen, daß sehr feuchtes Mehl geliefert wird, das infolge der kurz», Zeit, die feit der Ernte verstricken ist,»och nickt hat trocknen können. Eine weitere Ursache ist darin zu er- blicken, daß noch wenig Weizenmehl zur Verfügung steht und auch in großem Umfange StreckuiigSinittel verwendet werden müssen Diese Verhältnisse werden sich aber sehr bald bessern. ZwangSmahregel» bei»,(«emiiseverkauf. Daö Nachrichlcnamt des Magistrats schreibt: Bisher war es den Kleinhändlern verboten. Olemüse, das an, Markie reichlich porhanden war,.vcrbandsweiie" oder.gekoppelt" mit qeiucktcn Gcmüieiorten oder mit Obst abzugeben. Der Klein- Händler, welcher vielfach die Ware vervandsweiie von, Großhändler chnlt, wird bestraft, wenn er seinerseits, unr die Ware nicht ver- derben zu lasten, zu dein Mittel der verbandsweisen Abgabe greift. Dieser Zustand hat sich rnii die Dauer als unhaltbar heraus- (Kitellt. Die Kommunen Groß-Berlins ivaren, mn die Bevölkerung mir Gemüse zu versorgen, schon im Frühjahr gezwungen, Vvriorglrch größere Lieferungsverträge, insbesondere in Weiß- kohl, Kohlrabi und Mohrrüben abzuschließen. Sie müsien die Ware nunmehr abnehmen und tonnen sie keinesfalls dem Verderb preisgeben. Sie müssen also von dem Handel beclangen, daß er die Ware unierbringt. Es können mitbin Fälle eintreieii. in denen der Kleinhandel gezwungen ist, die Ware ver- bandsweise abzugeben. Es wird daher nunmehr dem Lebensinitiel- verband durch Acudcruug der PreiSprüfungsstellenverordnung die Möglichkeit gegeben, von der Vorirbrisr, welche die verbandsweise Abgabe verbietet, Ausnahmen zuzulassen. Der LebenSmittelverband iv'.rd jedoch von dieser Befugnis nur in Fällen zwingender Not- wendigkeir Gebrauch machen, aber«uck dann nur für einen be- stimmten Zeitraum; gleichzeitig wird öffentlich bekannt gemacht werden, in welchem Verhältnis Uebersckußgemüse und begehrte Gemu Korten oder Oöst zu gleicker Zeit abgegeben werden dürfen. Zur Abgabe von Näncherwaren. Das Nachricktenamt ichreibt: Bei einem Teil der Räucherwaren-Kleinhändler Berlins hat sich die Gcpflogenbeä herausgestellt, Räucherwaren nur an solche Per- tonen abzugeben. M« hei ihnen Heringe beziehen oder in die Knirdenliste für Herina? eingetragen worden sind. Ein derartiges Verfahren widerspricht jedvch ven feiten» des Magistrats erlasseneu Bestimmungen. Die Nänchdrwaren-Äleinhändler sind verpflichtet, jedermann, der sich im Besitze eines gültiaen Ausweises der Ber- liner oder Charlolleiiburger Bezugskalle befindet, Räucherwaren ab- 1 zugeben. 1 KMmsMU« Ii Beiiii I. Eine Wählerversammlung, einberufen von der So- zialdemokratischen Partei, findet Freitag, den 4. Oktober, abends 8 Ahr, im Lehrer-vsreinshaus, Alexanderstr. 4l, statt. Zur politischen Lage spricht Reichstagsabgeordneter Dr. Daviü, über die Angestellten und die politischen Parteien Reichstagsabgeordneter Karl Giebel. Außer- dem Ansprache des Kandidaten der Sozialdemokratischen Partei, Stadtverordnetenvorsteher- Stellvertreter Hugo Heimann. Berliner Lebensmittel. Bis Sonnabend, den ö Oktober wird an diejenigen Kunden, die in den Sveiseseitkundenlisten der in den Bezirken der 152., 153., 161.— 163., 165.— 170., 190.. 205.. 207.. 211. und 218. Brotkon, Mission gelegenen Geschäfte eingetragen sind, pro Kopf ein Stück dänischer Weichkäse oder 125 Gramm Käse anderer Art verteilt. Vom 1. Ollober ab wird auf.AI und All Milchkarten je 1 Liter, auf sämtliche übrigen Kindermilchkarten je Va Liter Vollmilch verausgabt.__ Tie Verhandlungen über den Wohnnngsverband Crost-Berlin werden am nächsten Sonnabend in einer Besprechung der Ver- treter der beteiligten Groß- Berliner Gemeinden im Berliner Rat- die Giahlmauer im Westen �°�ein Loch bekommen, durch das sich der Feind ins Land wälzen kann? Nein! Zeichne die neunte Kriegsanleihe! hause wieder aufgenommen werden, nachdem in Vorhesprechungen mehrere Streitfragen erörtert worden sind. Der Magistrat Wilmersdorf hat beichlvsien, für die Frage der Wohnungsnot eine besondere gemischte Deputation an« drei MagisiratSmitgliedern und sechs Stadtverordneten zu bilden. Die bierfür einzusetzende neue AmtSstelle soll sich später zum städtischen Wohnungsamt entwickeln._ Mit einer gefälschten Vorladung.arbeitete' ein Einbrecher in der Schulstraße. Tort mietete ein Arbeiter Kurt Sckwartz, ein fahnenflüchtiger Soldat, ein Zimmer. Weil er sich weigerte, sich bei der Polizei anmelden zu lassen, io setzte ihn die Wirtin bald wieder vor die Tür. Wenige Tage svärer erhielt die Frau eine Vorladung vor die Staatsanwaltschasl in Moabit. Die Ladung war nicht auf einem Bordruck, iondern auf einem gewöhnlichen Bogen Papier geschrieben. Die Frau wußte auch nichts von der Sache, in der sie angeblich als Zeugin vernommen werden soll, sie fuhr aber doch zu der angesetzten Zeit hinaus und ließ ihre Wohnuna ohne Aussicht. Als sie, nachdem sie in Moabit erfahren Baue, oaß Die löonaormg gezaucyl wur qemucqnc, fuiio fie ote Behausung ausgeräumt. Der Verbackt fiel gleich auf ihren Mieter, iil dem die Kriminalpolizei schon nack der Beschreibung einen allen Betrüger ivieder erkannte. Gestern traf ihn die Frau auf der Straße und ließ ihn jestnehmen. Für 30 000 Mark Beute machten Einbrecher in der vergangenen Nach, in einer Hutfabrik in der Frankfurter Allee. Sie stahlen Damen-Velourhüte, Stoffs, Bänder und Bindfaden, da�u auch noch Damenwäsche und zwei kleine Treibriemen. Ein Mord in Hamburg wird hierher gemeldet. Die Frau des Armicrungsioldateu August Karl S l i n t i e wurde in ihrer Wohnung ermordet aufgefunden. Der Tat verdächtig ist ihr Ehemann, ein Mann von 35 Jahren, der flüchtig ist. Es wird vermutet, daff sich der Mörder nach Berlin gewandt hat. Stintie ist 1,63 Meter groß und untersetzt, hat ein volles breites Gesicht, dunkelblondes Haar mit Glatze auf dem Hinlerkopf und einen kurzen Sckiilirrbart, schielt auf dem reckten Auge und trug zuletzt einen gestreiften Jackettanzug und einen schwarzen Veloürhut. Eharlottrnburg. Wintcrversorgung mit Frischgemiise und Zwiebeln. Di« Groß-Berlrnso Gemeinden bringen demnächst ein Pfund Zwiebeln pro Kopf zur Bcvtciwng. Ferner werden zur Winterversorgung der Haushalte Verteilungen von Weißkohl und Mohrrüben stattfinden. Zunächst sollen im Oktober 10 Pfund Weiß- kohl pro Kopf ausgegeben werde». Zum Zwecke der Regelung des Verkaufs hat vor der Ausgabe ein Voranmeldung auf Abschnitt 210 der � Charlottenburger rotcn Nahrungsmiltelkarte stattzufinden. Diese Abschnitte sind bis Mittwoch, den 2. Oktober, abzugeben in einem Obst- und Gemüsegeschäft, das einem der Charlottenburger Gemüsehändlervcreine angehört. Die in Frage kommenden Geschäfte sind durch einen Abdruck dieser Verordnung am Schaufenster kenntlich gemacht. Tie Voranmeldung hat sowohl für die jetzt er- folgende Weißkohl- und Zwlebelverteilung als auch für die später in Aussicht genommenen Gemüfevcrteiluiigen Gültigkeit. Vom Montag. Dem 7. Oktober, ab werden auf Abschnitt 2l1 10 Pfund Weißkohl(12 Pf. pro Pfund) in den Gcmüsegeschäften ausgegeben, in denen her Karteninhaber die Voranmeldung bewirkt hat. Der Vorkauf findet solange statt, bis jeder ch- ihm Zustehende Menge erhalten fxit, so daß ein Andrang in den ersten Tagen zwecklos ist und im Interesse der.geregelten Abfertigung vermieden werden muß._ Schöneberg. Voranmeldung für Zwiebel». Die Groß-Berlinec Gemeinden bringen auf Grund des Benhluff«? deS Lebensiniltel- Verbandes demnächst i Pfund Zwiebeln auf den Kopf der Bevölke- rung zur Verteilung. Die Voranmeldung dazu findet in allen durch Aitfchlag kenntlich gemachten Geschäften bis Mittwoch, den 2. Oktober, auf Abschnitt 08 der Groß-Berliner Lebensmitrelkarte statt. Ter Verkauf der Zwiebeln beginnt etwa S bis 10 Tage nach der' An» Meldung. Wilmersdorf. Lebensmittel. FortKsetzt wird bis oinschließlich Sonnabend, den 5. Oktober, dar Verkauf von 150 Gramm Gran- pcn aus Abschnitt 62 und bis einschließlich Sonnabend, den 12. Oktober. die Abgabe von j« 1 Briefchen Süßstoff auf die Abschnitte 10 und 11 der roten Haushaltungsbezugskarte. Ferner gelangen in der Woche vom 30. September bis 6. Oktober zur Verteilung; auf. Abschnitt 63 der G'.oß-Berliner Lebensmittelkarte 100 Gramm Grieß, auf Abschnitt 20 der Lebensmittelkarte J für Jugendliche 4 Suppenwürfel zu je 50 Gramm und auf Abschnitt L der Bezugskarte für Einzelpersonoir 14 Pfund Nährhefe. Für die Woche vom 7. bis 13. Oktober wird die Verbrancksmeng« rn Karlosseln wiederum auf 7 Pfund festgesetzt. Diese 7 Pfund(je Pfund 10 Pf.) können bereits vom Montag, den 30. September, ab entnommen werden Außerdem sind vom Montan, den 30., ab auf die 12 Ab- schnitte 7s bis 7k der Sonderkar'offelkarte je Vi Pfund und auf die beiden Abschnitts 7x je 1 Pfund,, zusammen also höchstens 8 Pfund Kartoffeln zu entnehmen. Die auf die Sonder-Kartoffel- karten zu entnehmenden Kartoffeln sind nicht für den laufenden Bedarf bestimmt, sondern dienen zur Schaffung eines eisernem Be- standes. der dann in Anspruch zu nehmen ist, wenn laut besonderer Bekanntmachung die laufende Wochenmenge infolge von Frost oder Transportschwierigkeiten nicht zur Verteilung kommen kann. Per- sonen, die von dem Rechte der Vorversorgung auf Grund der� San- derkartoffelkarte keinen Gebrauch machen, oder aber den eisernen Bestand vorzeitig aufzehren, werden beim Ausfall der lausenden Wochenbelieferung ohne Kartoffeln sein. Vom 1. Oktober ab ge- langen auf Abschnitt 68 der Groß-Berliner Lebensmittelkarte ein Pfund Zwiebeln(32 Pf.) zur Verteilung. Cöpcnick. Verteuerung der Beleuchtung. In der Stadtberordneten- versaminlnng am Freilag standen verschiedene Steuervorlagen auf der Tagesordnung. Die L u st b a r l e i t s steuer baite auf An- regung unserer Genoiicn im ElalSauSschnß einige Abmilderungcn erhalten, indem die Sätze sür einfache Klavieraufführungen in den kleinen Restaurationen auf 3 M. herabgesetzt und für Garten- konzerle eine Pauschale von 5 M. angenomnren wurde. Genosse W o i ck sprach sich gegen die Vorlage aus und ersuchte die Ver- sammlung, es bei den alten Sätzen zu belaffen. Die Mehrheit stimmte jedoch der Vorlage des Magistrats zu. Hierauf gelangie eine verbesserte Vorlage für die Umiatzsteuer zur Annahme. Dann standen die Anträge des Magistrats auf Erhöhung der Tarifsätze für Gas, Elekrrizität und Wasser zur Debatte. Auch di-ie Vorlage hatte bereits den Etatsausschuß beschäftigt. Die Versammlung stimmte der Vorlage gu. nachdem nachgewicien wurde, daß diese Erhöhungen nur einen annähernden Ausgleich für die erhöhten Matenaipreise und gestiegenen Löhne darstellen. Der Gaspreis beträgt also ab 1. Oktober 28 Pf. iür den Kubikmeter und sür Automatengas 30 Pf. Die Miete für Gasmesser wurde um 25 Proz. erhöht. Die Tarife sür Beleuchtung durch Elezlrizität und für BetriebSkrait und sonstige gewerbliche Zwecke wurden in allen Klaffen durchweg erhöht, ebenso die Mcssermiete. Die W-rt- schaftSwässer wurden sür den Kubikmeter von 20 auf 23 Pf. und die geioerblrchen Wässer von 18 auf 21 Pf. erhöht. Auch bi-r fand eine Erböhnng der Wassermeffermiete in allen Größen um 33 Proz. statt. Zu den Kosten der Fach- und Fortbildungsschule wurde ein Zuschuß von 200 M. bewilligt. Steglitz. Masscnkiindigling von La.ubcnkolonistcn. Dazu wird uns geschrieben: Tie Notiz in der SonntagSnummer des»Vor- wärts" entspricht nicht den Tatsachen.> Der Gemeindevorstand hat nicht nur einer großen Zahl, sondern sämtlichen Laubenkolonisten ■das Pachtland gekündigt, um mit ihnen soweit sie noch Steglitzer Bürger sind, neue Verträge abzu- schließen. Durch rmbefugres Weitervcrpachten— und zwar auch teilweise zu Wucherpreisen— und Verzug der Pächter aus Steglitz ist es dahin gekomnren, daß ein großer Teil den Schrebergärten der Steglitzer Bürgerschaft entzogen ist. Das führte» dauernden Beschwerden, denen nun abgeholfen werden soll. Du» neuen Verträge entHallen eine diesbezügliche Klausel und außer- dem folgende neue Bestimmung, die den Wucher mit den Gärten beseitigen soll;„Pächter darf seinen Garten nicht anderweitig ver- pachten. Entgegenstehende Vereinbarungen sind nichtig. Soll das Pachtverhältnis gelöst werden, so ist dies in jedem Falle dem G c- mcindevorstand mitzuteilen, der allein über die Weiterverpachtung entscheidet, lieber ewe für Lauben usw. etwa zu zahlende Entschädigung ist zunächst�eine gütliche Einigung zwischen dem alten und dem neuen Pächter anzustreben. Kommt diese nicht zustcmde, so setzt der G e m e i n d e v o>r st a n d die Entschädigung auf Grund sachverständiger Taxe des zuständi- g«- HassiSuffeS fest. Wird diese Dl r- vom abziehenden. Pachler nicht anerkannt, so muß er das Grundstück in den vorigen Stand toieder herstellen und seine Sachen entfernen. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen." Für die derzeitigen Pächter, soweit sie Stoziitzer Einwohner sind, liegt also kein Grund zur Aufregung vor, da mit ihnen ohne weiteres der neue Vertrag abgeschlossen wird. Gewarnt sei aber ausdrücklich davor, jetzt noch einen Garten ohne Wissen des Gemeindevorstandes zu übernehmen; das gezahlte Geld ist ver- loren._ Reinickendorf. Lebensmittel. Auf Abschnitt 67 der Lebens- mittelkarte Groß-Berlm werden 250 Gramm Kunsthonig abgegeben. Die Anmeldung hat bis eintchließlich den 4. d. M. zu erfolgen. In dieser Woche wird als Ersatz für Fleisch Mebl abgegeben. Auf jede sür Reinickendorfer Einwohner ausgegebene Fleiickkarte für Erwachsene enriallen 250 Gramm, auf jede Fleischkarte sür Kinder 125 Gramm Roggcnmebl. Das Mehl ist gegen Abtrennung des an der Flciichlarte befindlichen roten Bezugscheins 1 und gegen Vorlegung der Lebensmittelkarte ohne Voranmeldung bei dem Händler zu entnehmen, bei dem der Anmeldeabichnirt Nr. 65 der Lebensmittelkarte abgegeben worden ist. Wer den Abschnitt Nr. 65 nicht angemeldet har, kann den Bezugabschnitt Nr. 1 der Fischtarie bei der Abteilung für Nährmittel, Hauptstr. 43, Zimmer 23, zwecks Zuweisung an einen Mehlhändler vorlegen. Grog-Lerliner parteinachrkchten. NowciwcS. Am Mittwoch, den 2. Oktober, abends 81/, Uhr, Versammlung deS WablvereinS. Tagesordnung: Die kommende KreiSgeneralverianimlung. Referent: Genosse A. Pagels. Wahl der Delegierten usw. Die Parteigenossen werden ersucht, sür regen Besuch der Versammlung zu agitieren. Gcricktszeitung. Waisenrente. Das ReichSversicherungSamt fällte eine bedeutsame Entscheidung in der Hstuerbliebenenrenrensache der Witwe S. gegen die Landesversicherungsanstalt. Der Ehemann der Frau S., welcher Straßenbabnschaffner war, ist ieit dem Herbst 1914 im Felde ver- mißt geweien. Erst am 18. Januar 1917 erhielt Frau S. vom Kriegsministerium den Bescheid, daß ihr Ehemann am 6. Oktober 1914 gefalle» sei; e ne Sterbeurlunde ging ibr am 2. Februar 1917 zu. Bereits am 11. April 1916 hatte sich Frau S. auf das Versichcrnngsamr begeben, um den Anspruch auf Hinler- btiebeneniüriorge rechtzeitig anzumelden. An, 22. März 1917 beantragte sie dann die Waiiement« für ihre berdeir jlinder; am 7. Juni 1917 ivurde der Anspruch für die Tochter airertaunt, für den Sohn abgewiesen, da dieser schon am 10. November 1915 verschieden und der Antrag erst nach seinem Ableben ge- stellt worden sei. Das Oberverwaltungsgericht wies die Berufung der Witwe S. ab. DaS ReichSversicherungSamt hob aber die Vor- cnticheidlrng auf und verurleilte die LandeSversicherungSairstalt zur Zahlung der beaniragicn Waisenrente und führte u. a. ans. ein Anspruch ans Waisenrente sei. nur dann vererblich, wenn er zu Leb- zeilcn der Waiie erhoben worden sei. Der Antrag sei aber, wen» er für die Waiie eines gefallenen Kriegsteilnehmers nach dem Tode der Waise gestellt worden fei, weil sich die amrliche Feststellung deS Todes des Versicherten bis dahin verzögert hatte, nach der Bekannt- machung des Reichskanzler? über AntragSrechte' in Hinterbliebenen- und Jiivalideniachen vom 12. Mai 1916 rechtswirksam. Hiernach sei im Falle deS von der AntragsielllMg erfolgten TodeS eines zum Bezug einer Waisenrente Berechtigten die mit ihm in häuS» lichcr Gemeiiiichafr lebende Mutter zur Geltendmachung de? An- ipruchs berechtigt, wenn dessen Erbebung durch KriegScherbältnisss vahiudcit worden sei. Diese Vorschrift gelte auch für Fälle, irr welchen die Dnircigsiessung unierblieb. weil infolge der KriegOver- bällnisse die Feststellung de» TodeS des Versicherten zunächst nicht niöglich wcir. Es widerspreche dem Volksetnpstnden. cnls dein der- mutlichen Tode eines Angehörigen Rechte herziilellen, solange noch Hoffnung für fein Fortleben bestehe. gleichen..Teile».im die Erden. lUlZ pri'trr fffip iTirftf n Arl>ciier-?«rnerl»lnd. Das nächste Zusaninienttlrncn der Alters- riegelt Grost-Berlnis findet am Eounadend, den ö. Oklover, in Aculälln, Tonauilr. 1�0/28(städtiiche Turnljalle), abends non 8— tö vbr statt. Nach d.iu Turnen Sitzung in,.Jdcal-Äafino". Weichsel, trabe 8- Die diesjährige AlierSriegentillmahlt geht am 20. Oktober nach Mönch, Vinkel bei Hangels- bcrg. Trcsspuütl aller Vereine um 8stz Uhr Bahnhos Erkner. Lmf?a|kn ösr Reöaktlon. R. Tortmimd. Ihre Anregung scheitert vorläufig an der Papicrnot. — M. G. l.SSi. 1. Der Bruder hat nicht den alleinigen Anspruch aus t c Sachen der verstorbenen Mutier, sondern der EULZ dafür jäilt zu Sind die Möbel.-vom Vater, so. erbt der Bruder aus erster Ehe nicht mit. sind' sie von der Mutter, so eichen Sie zu gleichen Teilen. 3. Ja. 4. it lustritt aus der Landeskirche ist beim Amts- gerächt in Neukölln anzumelden.— A. F. li>18. 1. Ans die erhöhte Löhnung hat die Frau kein?» Zlnspruch. Sie können bei der Rückzahlung icinc» Abzug machen. 2. Ob die Unkosten vergütet werden, enlzicbt sich unserer stenntnis. Stellen Sie aber einen solchen Antrag bei Ihrem Truvvcntcil.— H. 121. Ein solches Gesuch wird zwecklos sein, die Rcklanlation inüstt« durch die Firma erfolgen.— A.<«.!li»i!84. An Ihren Truppenteil.—"F. B. II im Ueld'e. 1. Tie Witwe»Mte den Antrag beim Gcneralkoinmando einreichen, dem der Truppenteil des Mannes-ugehärte. 2. Für den noch aktin dienenden Sohn wird Auf- ivandscnt-chädigung gezahlt, wenn für die anderen Söhne 6 Jahre aktive Dienstzeit nachgewiesen' werde» kann.— Z. E'harlottenburg. Nein. — Knobelsdorffstr. Iii. Eire solche Strasbestimmunz ist Zulässig'.— — I. R. 44. Eine Beschwerde wird zwecklos sein, da ein Anspruch auf' Löhnung nicht besieht, sie k a n n nur gewährt werden.— Schubert 31. N. 113. 1. Einziehung zum Militär kann nicht erfosgen. Der Schwager mußte aber ivcgcn Aushändigung eines Abkehrscheiiics die Entscheidung des schlichlungsausi'chusses aiiruse». 2. Ein solcher Antrag ist an das zuständige Amtsgericht zu richten.— S. M. 4.1. Der Arbeitgeber ist dazu nicht berechtigt. Leiten sie Klage beim Kaufmanns- bezw. Gewerbe- gericht ein.— P. H., Neukölln. 51/32. Das entzieht sich unserer Kenntnis. Fragen Sie bei der Polizei an, ob Sie berechtigt sind, die Photographie für sich zu beanspruchen.— X.?). Z.. Zllt Moabit. Ja. — 12 aus N. Prozcßgebübr und Pauschfah kann dw Anwalt liquidicieu. auch wenn er vor Gericht nicht vertreten hat. Nur Prozeß, und Beweis- gebühr kann er nicht verlangen.— G. K. 12. Wenn die Direktion die Kategorie von Rngest-lllen, der Sie angehören, in die Znlage nicht mit einbegriffen hat. so werden Sie rechtlich nichts unternehmen könne».— ®. Sch. 68. Sie können den Betrag nicht von der Miete abziehen. Sie müssen ihn gegen de» Hauswirt einklage».— N. 53. Sie haben keinen Anspruch aus Altersrente. Es sind viel zu wellig Marken geklebt.— ®hristin»stadt 5. Die- Elter» sind zur Milchabzabe verpflichtet.— Landstnrnnnnnn Kngel. Sie haben keinen Anspruch auf Sergantenlöhnunz. ?2etternuSftchten kür das mittlere Norddeutirvlanb bis Mittwoch mitrag.■ Ostwärts sortschreitende neue Abkühlung, zeitweise heiter, aber sehr unbeständig, öfter Regen. sDirelvticm Max Reinljaidt. Deutsches Theater T'/jUhr: l'lavig«. Kammerspiele 8 Uhr. Eine glückliciw Ehe. Kleines Schauspielliaus iFasanenstraße 1. Fortal ö. 7'/2 Uhr; Frühlings Erwaclwn. Uir.C. Moinliard— R. Bernawer, Tii82t8r|,nKüniggr8tz8rS}f. 8 Uhr: Krdgeist. Komddienhaus 8 Uhr: Die fünf Frankfurter. Berliner Theater ""U.: Blitzblon«'» nin?.. Casino»Theater. Lothringer Str..37. T ägl.'US II.: Der neue Schlager wm lM M MkM! Berliner Posse in 3 Sitten. Vorher erstkl. Tvezialttären. II a» Grefe Linds Kenschenalfen. Sonnt.'S1/,: Ein fldeles Huhn. Katlonal-Theater. V,.8 Prinzenliehe. Operette v, Walter lZrommo. Sonnt. 3' st,: Studenlenliebolien Theater für Dienstag, Cejitral-TTätentcr uhr: Oic Hose foo SlaifM 0>oiit8«rlt«>s Opcrnhmii« 6'/-�: Bie aapßUEH. Friedrich-V,ilhelni st. Theater ustuhr: llanrseii. Kleines Theater T'st uhr; O0F Eijisanie. Komische Oper TU.: SeliwarzwaliliBäilel. üh IjuntemlcUians Je spatiisslie Fliege. Metropol-Theater Ble Faseliingsfee Uhr; 1. Oktober. Neues Operettenhaus /j uhr: Das süße Mädel. Reulden B-Theater 'u uhr: ßer jiifige Zar. Schlller-Th. Chrerl. 7>st U. u.: ßer sieMe Tag. Thalia-Theater u7�: Unter ilerllieniieDliDde Theater am NoUeador'fplatz 7 Uhr: Theater de» Westens Djelostlgelllwe mit Guido Thielscher,. . h Uhr Die Bekanntmachung des Oberkommandos in den Marken betreffend Bcichiagnahme von Web-. Trikot-, Wirk- und Strick- garnen aus Kunsiwolle tritt am 1. Oktober 1918 in Krast. Tie vollständige amllichc Bekanntmachung crsotgt an den Sliffchlngsäuien und in der„Norddeutschen Allgemeinen Zeitung'. (3ö<>. 1. 4. 18. II. Aug.) Berlin, den 1. Oktober 1918. Ter Polizeipräsident. Die Nachtragsbekanntmachung des Oberkommandos in den Marken zu der Bekanntmachung vom 31. Mai 1916 betreffend Bcstandscrhcbung von tierischen und pstanziichcn Spinustosicn usw. tritt am 1. Oktober 1918 in Krast. Die vollständige amtliche Bekanntmachung ersolgt an den Anschlagsäulen und in der'„Norddeutschen Allgemeinen Zeitung". '(348. l. 4. 18.1 Berlin, den 1. Oktober 1918., Ter Polizeipräsident. Eau de Cologne für die Toilette und nach dem Rasieren wird durch die' stark antiseptische lind erfrischende Artcuin-Ijö»an{; l ersetzt. Eine Wohltat für die Haut, ff; Fl. 3,50. wo nicht i erhältlich, durch Hyetiena. I'rankf ni't a. 41. gtonlenaafetmungsfinnt der SAelder. Verwaltungsstelle Berlin. KKZ-tgSis�vnvvnssmmiunA Mittwoch, den 2. Oktober, abends S'l, Uhr, im GewcrkschaftsHaus, Saal 3, Engeluscr 15. Tagesordnung: 1. Abrechnung vom 3. Quartal. 2. Berichterstattung von der Generaloersammiung in Leipzig. 3. Neuwahl der Orts« Verwaltung. 4 Verschiedene Kassenangelegcnheiten. Mitgliedsbuch ist mitzubringen. Zahlreichen Besuch erwartet 162i lb_________ Die Ortsverwaltung. Papier- Fahrrad-Bereilimj in einjähriger Benutzung, tausendfach bewährt. ...... Palast-Theater Uhr: Waüner-Theater -. uhr: ßral Halieiiieiits. Z1UBESFL0TE Bas schöne neue Kaffee Kommandantenstraße 72 Inhaber Carl Fiedler.[2149L* Tiieater der FriedrieSsstiilt. Ecke Friedrich- u. Uinienatr. Tffj Uhr. 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Die Beerdigung(inbet heute nachmittag 3 Ubr auf dem(Suaden-Kirchhos in der Barsusitraße statt. Sbre ihrem Andenken! Um rege Beteiligung er- sucht 141/4 Ter Borstand. Nach lurzem, aberschweren Leiden wurde am Sonn- abend, den 28. September, nachm. 3 Uhr, meine innig- geliebte Fem:, Schwieger- tochier und Schwägerin und unsere liehe, gute Tochter Klara Hmxst geb. Hildebrandt nach kürzlich vollendetem 24. Lebensjahre aus dem Leben gerissen. 2184L Berlin, den 29. Sept. 1918. 0. trauernd. Hinlerbliehenen der Ehemann Wilhelm Illng-sf. z. 3 Kriegsiazoretl„Neue Sielt", Hasenbeide, Berlin. Familie Hlnixst, Treplow, Lobmüblentoeg 52. I.A.: ftamilie H. Hilde- brandt, Berlin SO 36, Gloganer Sir. 19. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 2. Oktbr., nachmittags 5 Uhr, von der Leichenhalle desneueiiJafobi- Kirchhoies, Neukölln, Her- mannstraße, aus statt. LpeÄslsrst It. msä. iieilvistli!. S�dbilis. Harn-, Frauenieiden, Btutuntersuchungen. Modernstes erjotgreichst. Heiiveesahren. Teilz. 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Die laufenden Arbeiten im Oklober. Nock find wir bisher von de» zerstörenden Nachtfrösten der- sckom geblieben, obgleick sie mehrmals schon arg drohten. Darum auch ist noch manches Gemüse zu einer befieren Entwicklung ge- kommen, als man vorher zu hoffen wagte. Und vielleicht, daß nochmals 14 Tage verstreichen, bis dann wirklich einmal eine Frostnacht den empfindlichen Gewächsen ein Ende bereitet. Also noch Ruhe behalten und die Ernte des WintcrgemüseS so weit wie möglich binauSschicben! E» gilt auch noch Vorkehrungen bereit zu halten, um nötigenfalls etwaige Buschbohnen oder auck Tomaten gegen Frost schützen zu können, falls der Frucht- behäng noch so ist. daß er die Arbeit lohnt. Tomaten find jq so häufig an Mauern. Wänden rind ähnlichen Plätzen hoch gezogen. bier lägt sick ja ein Sckutz so leicht anbringen, zumal an solchen Stellen der Frost viel weniger wirksam ist. Wo ein Schutz nicht möglich ist, werden vor einer zu erwartenden Froswacht die Tomatenbüsch« ausgezogen und au srostfreiem Ort, mit de» Wurzeln nach oben, aufgehängt. Hier reift der weitaus größte Teil der Früchte langsam und völlig nach, auch wenn es noch viele Wochen dauert. Eme Einwirkung der Sonnenstrahlen ist dazu durchaus nicht nötig, wie so oft fälschlich behauptet tvird. Erfahrungen haben bestätigt, daß die ganz grünen Früchte mit der Zeit auch im Finstern völlig nachreisen. Wie mit den Tomaten, geht eS in diesem Jahre auch mit den Buschbohnen, die zum Reifwerden bestimmt»erden. Nicht olle sind bisher zur Reife gelangt, die warme Sonne fehlte uns. Etwa« retten läßt sich von denen, die bisher noch grün sind, da- durch, daß die Büsche ausgezogen werden, gebündelt und an Haus- wänden oder in der Laube zun» trocknen ausgehängt werden. Sie können daru auch so gebracht werden, daß sie an einem sonnigen, trockenen Ort in Pyramidenform aufgesetzt werden, wobei die Wurzeln nach innen, die Taschen nach außen koiumen. So trocknen die erst halbreifen Bobnen langsanr ab und sind dann wie die reifen Früchte aufzubewahren und zu verwenden. Im Ge'chmack sind solche nachgstrockneten Bohnensrüchte naturgemäß viel femer und und angenehmer als völlig ausgereiste. Es ist etwas für Feinschmecker. Im allgemeinen wird, wenn das Wetter einigermaßen zusagt, die eigentliche Ernte des Wintergemüses bis in das zweite Drittel des Monat« hinausgeschoben. Zuerst ist der Weißkohl zu bergen. Erst dann kommt Rotkohl und viel später auch der Wirsing an die Reihe. Letzterer hält diele Grad Kälte ohne den geringsten Schaden aus. Luch Kohlrabi kann noch bis in den November stehen bleiben, da er viel srosthärter ist, al« all- gemein angenommen wird. Das Wurzelgemüse ist ja an und sür sich schon gegen Frost geschützt und kann daher seine Ernte mit aller Ruhe möglichst spät vorgenommen werden. Erwähnen möchte ich noch, daß. wo sich noch Blumenkohlstauden befinden, die noch keine.Blumen" gebracht haben, vor Frost noch mit gutem Ballen in einen Keller, Erdbude, frost- freien Schuppen oder ähnlichen Ort eingeschlagen werden, ob in Eide oder Sand ist gleich. Auch an eine geschützt« HauSwand im Freien, wo ein Schutz anzulegen möglich ist. ist«in solcher Einschlag zu bringen. Hier entwickeln sich nach und nach alle Blüten. Noch ein Wort zur Gemüseernte selbst, vor allen Dinge« soll nur an trockenen � Togen Douergemüse geerntet werden. Nur solches gibt Gewähr für Haltbarkeit. Regennasie Karotten, Kohl- köpfe und anderes zum Lagern eingebracht, ganz gleichgültig wohin, wird meistens durch Fäulnis zugrunde gehen. Di« kleinen Posten, die in kleinen Gärtchen überhaupt ii» Frage Nachmittagen� emz»6rmgeii." a r® �"'v ofS" besten die Einwinterung der verschiedenen Gemüsearten vor sich zu gehen hat. Zunächst wird einmal strenge Auslese gehalten. Nur völlig ausgereiste Stücke lohnen dos Einwintern und erhalten sich gesund. Gleich ist, ob es sich um Wurzelgemüse handelt, oder um Kohlorten. Also aus die eine Seite da« Gute, aus die andere Seite da« Fragliche, Unvollkommene. Letztere« wird im Keller oder einem anderen vorratSraum aufbewahrt und dient zum Verbrauch während der nächsten Wochen. Da« gute. zum Einwintern bestimmte Gemüse kommt nun entweder in iauber«, reckt lustige Keller, Erdbuden, leere Mistbeetkasten, oder auch einiach in Mieten, grab wie man es mit den Kartoffeln auch macht. Den Kohl stelle man vor dem Einwintern möglichst noch so auf, daß das gewöhnlich im Kopf befindliche Wasser herausläuft. Im all- gemeinen entblößt man den Kohlkopf nicht allzusehr. Einige der �sen Füllblätter bleiben zum Schutz an ibm. gleich, ob er im Keller l>--- auf Horden gelegt wird oder ob er im Freien eingemietet werden soll. Wurzelgemüse soll erst einige Zeit nach dem Ernten an der ireien Luit liegen, bevor es endgültig an Ort und Stelle kommt. All diese kleinen Dinge, die vor ollem ein möglichst trockenes Ein- wintern des Gemüses bezwecken, fördern die Haltbarkeit des- selben sehr. DaS Ideal der Einwinterung ist ja ein schöner, großer Keller, der recht kühl, nicht zu hell und gut lüstbar ist. Hier können die Kohlköpfe entweder auf Horden liegen oder in mehreren Lagen übereinander auf dem Erdboden oder ober auch noch, mit Strunk und Wurzeln versehen, an diesen, an einem Gerüst oder an der Wand, Wurzel nach oben, ausgehängt werden. Da« Wurzel- gemüse aber wird lagenweise in reinen Sand oder in loie, sandige Erde in Phramiden« oder Bankform eingeschlagen. Die Luft sin Keller darf weder zu feucht noch zu trocken sein. In, ersteren Falle, also wenn sie zu feucht ist, mutz andauernd gut ge- lüftet werden ist e« dagegen zu trocken, wird der Boden öfters fein mitWafier überbraust. Zu groß« Feuchtigkeit begünstigt natur- gemäß das Faulen ebenso sehr, wie die zu trockene Lust das Gemüse zum Welken b'ingt, so daß es auf diese Weise verdirbt. Wo Keller nicht zur Verfigung stehen, ist eS vielleicht möglich, in, Garten mit Hilfe einiger Bohlen und Latten und Bretter oder Reisig und Stroh, ein« kleine Erdbude herzustellen, die recht vertieft wird, so daß nur ein Dach nötig ist. In solcher Erdbude läßt sich alle« Gemüse bequem unterbringen. Sie bat noch den Vorzug, auch bei kaltem Wetter das Gemüse zugänglich zu Kalten. Allerdings ist«in genügend starkes Decken nötig, um sie frostsicher zu halten. Ist die Errichtung einer solchen Bude nicht möglich, dann wild da« Gemüse einsäet so wie die Kartoffel eingemietet. Nach langjäbriger Erfahrung kann ich rnv sagen, daß sich daS Gemüse in solchen Mieten bei einigermaßen sorgfältiger Behandlung tadellos hält, bis weit in dos Frühjahr hinein. So holte ich bi« in den April diese« Jähre« noch Rot- und Weißkohl, bi« Mitte Mai noch Kohlrabi, Mohmiben, Kohlrüben und Rote Beete aus der Erdiniete heraus, und alle» in bestem Zustande. In vorigem Jahre war es dasselbe. ES ist besonders darauf z» achten, daß daS Gemüse nicht zu feucht liegt, denn unter solchen VerhSItnisien ist seine Haltbarkeit nicht möglich. In feuchten Lagen wird das Gemüse daher oben aus den Erdboden gelegt, dazu noch an erhöhter Stelle, wogegen in trockenem Erdreich eine Grube von 30—50 em Tiefe aus- geschachtet werden kaim, die das Gemüse aufnimmt. Natürlich kann im letzteren Falle noch eine Lage von 40—00©m über die Erdoberfläche kommen. Höher al» 1 rn sollte kein Gemüse ge« lagert werden. In der Breite kann diese« Maß überschritten werden, besser e» geschieht da« aber nickt. Wo die Miele zum Teil in die Eide kommt, wird natürlich sehr an Deckmaterial geipart. ES ist ratsam, bevor Erde aufgebracht wird, mit einer dünnen Lage Stroh adzudecken, wiewohl auch die Erde direkt auf das Ge- müie kommen kann. Vorerst wird die Decklage möglichst dünn auf- gebracht, um möglichst der Lust Zutritt zu lassen. Erst später, wem: anballender Frost droht, ist stark zu decken. Im übrigen wird der Garten»ach und nach leer. Nur der Grün- und Braunkohl sBlätterkohl) bleibt als einziger draußen; viellcich, gesell, sick ihm noch Rosenkohl zu. Dem jetzt Dung zur versüguug siebt, der mag diesen aufs Land bringen und unter« graben, aber mir nickt zu tief. Der Dung soll vielmehr so nahe wie möglich an der Erdoberfläche zu liege« kommen, damit er so schnell und gründlich wie möglich verwest. Je tiefer dagegen er in die Erde kommt, desto leichter vertorft er und wird wertlos. Nur an der Erdoberfläche, ioiveit die Lust guten Zutritt hat. ist eine gute Bakterientätigkeit möglich und nur diese veroibeitet den Dung in die Stoffe, die der Pflanze zur Nahrung dienen. Aber auch der Teil des Landes, der nickt gedüngi zu geben. Zu betonen ist noch, daß vor dem Umgraben olle Gemüsereste und alle» gröbere Unkraut vom Lande gesammelt und auf den Kompvsthausen gebracht werden soll. Wie schon im vorigen Monat betont wurde, soll und muß in jedem Garten ein Kompost- bestehen, der alles Verwesbare aufnimmt und zu Stoffen umsetzt. die gleich dem besten Dünger wirken und den Pflanzen viel zuträglicher find als mancher Dung. Wohl daran ist � der, der auch Irgendein Kleinvieh hält. Hier wird ja der weitaus größte Teil aller Abfallstoffe des Garten« und der Kücke durch den Magen dieses Kleinviehes wandern und dadurch schon in gute, für die Pflanze bald ausnehmbare Form gebracht. Auch all dieser Dung soll ans den Kompost. Alle« wird gut durcheinander ge- mischt und oll« vier Wochen einmal umgesetzt. DaS gibt zum Herbst sowohl wie zum Frühjahr einen sehr wertvollen Dungstoff. Im Oktober kommt nun auch alles Winterobst vom Baume, aber auch hier heißt es nicht ollen, sondern Ruhe bewahren und die Früchte so lange wie möglich am Baume hängen lasson. Mßt jedem Tage nehmen sie noch an Güte und Gewicht zu. Nur solche Sorten, die, ohne wurmstichig zu sein, leicht fallen, oder wo die Früchte einen ausgesprochen gelblichen Schein erhallen statt des einfachen Grün, müssen gepflückt werden. Aber auch nur au trockenen Tagen pflücken- U n d v o r s i ch t i g p f t ü ck e». Da darf leine Frucht gedrückt oder geschlagen Norden, darf ihr kein Stiel zerbrochen iverden, auch darf kein Fruchtholz vom Baum gerisieu werden. Die Früchte sollten, l>eboc sie in den Ueberwinterungsrauin kommen. an der freien Luft liegen bleiben, damit sie ausdünsten. Der beste IleberwinterungSraum ist ein recht kühler, doch frostsicherer, dunkler Keller, dessen Luft nicht zu trocken sein soll. Hier toerden sowohl Birnen wie Aepsel auf Horden gelegt, möglichst nur in einer Sage, Frucht au Frucht. Nur wo der Platz wicht ausreicht, mögen zwei Lagen kommen. Immer aber ist für frische Lu-st zu sorgen. Nach dem ersten starken Frost iverden die Knollen von Dahlien und Canna herausgenommen, ebenso die Zwiebeln von Gladiolen. Montbrrtien, der großen, weißen Sommerhvachnithe. Alle werden trocken und frostfrei überwintert. Verblühte Stauden und Com- inerblumen werden abgeschnitten und auch im kleinen Blumen- beetchen wird Sauberkeit geschaffen.._____ eb. Das unbekannte fieabien. Obwohl Arabien dem europäischen Kulturzentrum so nahe siegt, gehört es zu den wenigst erforschten Ländern der Erde. Der Grund dafür liegt einmal in der un- wirtlichen Natur des großen Landes, das über 3 Millionen Oua- dratttlometer umfaßt, dann aber auch in dem kriegerischen Cha- rakter der dort wohnenden Völker, deren Eingreifen in den Welt- krieg nicht ohne Einfluß auf die Gestaltung der Lage in diesem, (»iebiete geblieben ist. Wie unbekannt die ganzen Verhältnisse Arabien» find, gebt aus der in einem Aufsatz der„Naturwisien- schastlichen Wochenschrift" hervorgehobenen Tatsache hervor, daß die Schätzungen der Einwohnerzahl für die Gegenwart zwischen 314 und 11 Millionen schtvanken, weil sie eben jeder sicheren Grundlage entbehren. Im Altertum war Arabien zwar dichter bevölkert als es jetzt ist, bei der verhältnismäßig geringen Frncht- barkeit des Bodens war die Bevölkerungszahl jedoch immer ziem- lich gering. Das Klima und die Bodcnbeschassenheit des Lande- Haben sich aller Wahrscheinlichkeit nach während der langen Zeit. über die geschichtliche Nachrichten vorliegen, nicht geändert. Die Kultur ist jedoch zurückgegangen. Heutx such wette Strecken ver- ödet, wo früher reiches Leben Wülste, und man findet die Reste von Schlössern und Burgen, ja von Städten in Tälern, in denen heute nur Nomaden Haufen. DaS Sinken des Kultnrstandes ist aber nur eine Folge politischer oder toirtschastlicher Aenderungen seit dem Verfall des Abassidenreichcs. durch den die Betvässeruna?- technik zurückging; denn ohne die sorgsamste Wasserhaltung uüo Aufspeicherung df« Ergebnisses der Ivenige» Rcgensälle ist ein er- tragreicher LaNdbau nirgends möglich. Auch dadurch, daß das Beduinenelement das Uebergewicht über die seßhafte Bevölkerung erlangte, ist der Rückgang der Kultur mit herbeigeführt, sodaß sich im Laufe der Jahrhunderte die Wüste über Gegenden er- streckte, in denen früher ein blühendes Leben herrschte. Notizen. — Die Jbsen-Borste Hungen. Im Theater in der Königgrätzer Straße ist die erste der angekündigten Ibsen- Vor- stellrnigen.RoimerSholm" mit Irene Triesch al« Rebekka West auf den 11. Oktober festgesetzt. In der ersten Hälfte dcS November folgen.Die Stützen der Gesellschaft' mit Else Lehmann alZ Lona Hessel. — Schachspieler. Der Berliner Arbeiter-Schachklnb stellt allen Sckachsptelern, die nur Sonntags über freie Zeit verfügen, iV»«iyuvwwg»VM«*|| iulf(jw«. Jeden Sonntag vormittag von 9 bis 1 steht dieses zur froien Ve- Nutzung in folgenden Lokalen: Neukölln jfür Erwachsene und Jugendliche).Passage-Festtäle", Bergstr. 151; Berlin sErwachsenc) Logen-Restaurant. Kleine Augusfftr. 14; sJugendliche) Berlin K., .FunkeS GesellschaftShanS". Triflstr. 63. Interessenten werden an- gelernt und Gästelnrniere veranstaltet, bei denen die SiegerVücher- preise erhalten. — Da« Prager Knopfmuseum. In Prag ist das Knopfinuieum in neuen großen Räumen eröffnet worden. Durch diese einzigartig« Sammlung wird erwiesen, daß dü Geschichte, Technik und Kunst der Kleiderverschlüffe ein großes Teil dessen in Anspruch nimmt, was überhaupt die Entwicklung der menschlichen Bekleidung und in neuerem Sinne auch der Mode um- faßt. So tritt das Knopfmuseum gleichberechtigt dem Modemuseum in Berlin zur Seite. !oöz. 503] Das gelobte£ond. Roman von W. St. Reymont. DaS eintönige, trockene Rattern der Webstuhle, die wie graue Skelette hinter den Fensterscheiben zitterten, erfüllte die Luft und vereinte sich mit dem mächtigen Brausen der Müllerschen Fabrik. Rasch durchschritt Moritz Welt die absterbende Gegend, veil ihn das Elend der einfallenden Häuser mit Abscheu er- iillte. das schwindsüchtige Rattern der Webstühle und daS so schwach, wie mit den letzten Atemzügen Pulsierende Leben ihn aufregte.. Nur das Rauschen mächtiger Maschinen ergötzte ihn; mit einem süßen Gefühl der Kraft und des Lebens durchdrang ihn das Sausen ungeheuerlicher Fabrikorganismen. Der Anblick großer Fabriken allein stimmte ihn fröhlich. Unwillkürlich lächelte er zu den Müllerschen Bauten hinüber, wohlwollend blickte er auf die danebenstehcnde Spinnerei Trawinskis und ließ seine Blicke lange über die roten, stillen PavtllonS der Zaumschen Fabrik schweifen, die auf der anderen Seite der Straße stand, und deren mit Staub und Spinnweben ver- �chleierte Fenster leblos in die Welt blickten, wie sterbende Augen. Hinter der Trawinskischen Spinnerei, hinter einigen brachliegenden Plätzen baute Borowiecki die alte Mcißnersche Fabrik um, die er für einen lächerlichen Preis gekauft hatte, nachdem sie mehrere Jahre unbenutzt dagestanden hatte. Die ganze Front umgab ein Gerüst. Ein Stockwerk wurde aufgesetzt. .Guten Tag." rief Moritz zu David Halpern, der mit einem Schirm unter dem Arm und mit hoch erhobenem Kopf m der Mitte des Hofes stand und den Arbeitern zuschaute. „Guten Tag I Ein schönes Stück Fabrik kriegen wir zu! Und wie das alles schnell geht, das ist ja ein Vergnügen, da zuzuschauuen. Ich bin krank, der Arzt sagte mir: Herr Halpem, Sic müssen sich erholen. Sie dürfen nicht arbeiten. So erhole ich mich denn, ich arbeite gar nichts, gehe nur so i: Lodz herum und schau zu, wie es vor meinen Augen nächst. Das ist die beste Medizin für meine Krankheit." „Ist Borowie-ki da?" „Vor einem Augenblick habe ich ihn in der Spinneret gesehen." Moritz trat jn ein niedriges, mit Glas gedecktes Gebäude, das zur Spinnerei auSersehcn war. Die sehr hellen Säle waren völlig vollgestopft mit Ma- schincnteilen, Ziegelsteinen für die Fundamente. Ballen von Dachpappen, Menschen und dem Lärm der Maschinen, die hier aufmontiert wurden. „Moritz, schick' mir den JaskulSki her!" schrie Baum, der in einer blauen Bluse, niit einer Pfeife zwischen den Zähnen, ganz verrußt mitten unter den Arbeitern stand, die die Ma- schinen aufstellten. Er half ihnen eifrig. Der alte JaSkulski. den Borowiecki sür allerlei Dienste beim Bau der Fabrik angestellt hatte, kam schleunigst herbei- gelaufen. „He da, Edelmann, vier kräftige Leute zum Aufzug her. Schnell," schrie Baum und stellte weiter mit den Monteuren die Maschine zusammen, die der Aufzug auf einen Unterbau hinausheben sollte. Als ihm Moritz aus der Ferne laut etwas zurief, erwiderte er kurz:..Stör' mich nicht, kannst eS Sonn- tag sagen. Karl ist im Hof." Borowiecki stand im Hof bei riesigen Gruben, in die Kalk geschüttet und sofort gelöscht wurde. Die weißen Kalkwolken verdeckten die weißen Silhouetten der Arbeiter und die Um- risse der Wagen und Menschen. Borowiecki war fast ganz weiß von dem Staub. Für einen Augenblick kam er zu Moritz herüber, begrüßte ihn und flüsterte ihm ins Ohr; „Weißt, die Farbmaschinen haben sie nicht geschickt; sie hätten keine fertigen, reden sie sich auS." „Sie wollen's nicht auf Kredit geben. Was machen wir jetzt?" „Hab' schon nach England geschrieben, es wird etwas länger dauern und etwas teuerer sein, aber wir kriegen siel Die verfluchten Schwaben!" schimpfte er wütend. Moritz Welt erwiderte gar nichts, musterte bloß Boro- wiecki aufmerksam, musterte dann aufmerksam die ganze Fabrik, die Arbeiter, auch einen Teil der Maschinen, die in dem Hof mit dicken Decken verhüllt aufgestellt waren. Dann schnüffelte er in allen Ecken herum, sah noch einmal zu Max herein, ging zum Zementlager, wo der alte JaSkulski Wirt- schaftcte, prüfte alleS mit besonderer Aufmerksamkeit und war immer weniger befriedigt. „Das ist ja Teig und kein Kalk!' sagte er, bei den Maurern stehen bleibend. „Mögen andere mit Sand mauern, ich möchte nicht, daß mir alles auf den Buckel fällt." meinte Borowiecki. „Gestern Hab' ich ausgerechnet, daß die Monierschen Gewölbe unS zweitausend Rubel mehr kosten werden, wie gewöhnliche." „Sind aber, was Haltbarkeit anlangt, viertausend mehr wert. Gegebenenfalls brennt sie das Feuer nicht durch." „Führst du sie nur deshalb ein?" Moritz fragte leise. niit einem bestimmten Hintergedanken, und klemmte seinen Kneifer fest. „Und deshalb, daß, Ivenn einmal Feuer ausbrechen sollte, höchstens ein Stockiverk abbrennt, und nicht alles." „Nn.. manchnial ist daS ja nicht so... schlimm." Karl erwiderte ihni nichts und entfernte sich. Moritz ging noch in der Fabrik herum und bemerkte, daß überall anständig und sehr teuer gebaut wurde. Das regte ihn auf. Im Kontor sah er sich die Lohnliste der Arbeiter durch und machte den Bauführer auf die— nach seiner Ansicht— unglaubliche Höhe der Löhne aufnierksam, bekrittelte ver- schiedencs und fand alleS zu gut und zu teuer. „Ich iveiß, was ich mache," antwortete stets Karl auf seine Bemerkungen. „Das wird ja ein Palais und keine Fabrik. Und übrigens ist dieser Komfort für«ufere Verhältnisse zu kost- spielig I" „Das ist kein Komfort, daS ist Haltbarkeit, die billiger ist alS Schund. Sieh dir doch die Blohmanschen Bauten an. Billig haben sie's gebaut und muffen jetzt jedes Jahr aus- bessern, damit nicht alles einstürzt." „Na, wir werden ja sehen, loa» diese polnische Wirtschast ergeben wird," sagte Moritz ironisch. „Wirst dich schon überzeugen. Leb' wohl, Moritz." „Man muß sich sichern!" dachte Moritz beim Verlassen der Fabrik. Karl bestieg da? Gerüst, um die Arbeit zu kontrollieren. lief dann zu dem seitwärts gelegenen Platz hin, Ivo Ziegel abgeladen wurden, tumnielte sich zwischen Erdhaufen herum. zwischen den Kalkgruben, den Ziegclhaufen, dem Bauholz, zwischen den vielen ankommenden und abfahrenden Wagen. erteilte JaSkulski Befehle, die jener schnaufend, mit immer mehr verschüchtertem Gesicht sofort ausführte, sah zu Mar herein und lief fortwährend im Umkreis der Fabrik herum. Von seiner nie erlahmenden Energie und seiner ständigen Anwesenheit aufgestachelt, wuchs die Fabrik überraschend schnell. Borowiecki achtete weder auf den erstickenden Staub. noch auf die Sonne, die immer glühendere Feuerstrahleu herabgoß, nicht einmal auf seine Ermüdung achtete er. Vom Morgengrauen an war er mit den Arbeitern bei der Ai beit und ging auch erst mit ihnen, als die Dämmerung einbrach.(Forts, folgt.) OM K KMMbck m Z kllk äniÜLS erkalten Lis, vsnn Vis Ikrsn �e!B� alten Anzug erneuern lassen. wie neu fOf 64 Märll � Vorzügliche, schnellste Ausführung � unter Leitung erstklassiger Kräfte. Berliner Wendoanstalt„Wie neu" ßerlsn, ICcnegstraße 47, Ecke Hoher Steinweg, gegenüber dem Berliner Rathaus. a* o S o 118/116* V vittmätttcl 85,— an, Mod lln-uheiten, Flauschulstcr, "5. mäntcl, Madellloftüme. «allweit, Charlottenburg, Bis- mo üraße 59, II._ 161SI* Peljtcilzahlung. Staufen Sie Ihre Pelzkragen und Müssen sibon jetzt zu noch billigen Vi..tt bei sehr bequemer rlv eise. Briefe erbeten Pel> arcnfabrik Kallis. 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Vorstellung von 10—4 Uhr. eeelaktfon des„Vorwärts44 Lindeustraße 3. Der bulgarische VaffenftWanö unterzeichnet. Einstellung öer§einöse!igkeiten an öer bulgarischen Zront. Wolffs Burean gab gestern abend die Mit- teilung aus: Der französische Funkspruch meldet unter dem SS. S.: Heute nacht ist ein Waffenstillstand zwischen den bulgarischen Abgesandten und dem Haupt- quartier der Orientarmee in Saloniki unterzeichnet worden. Es ist aus der ganzen Front der Befehl gegeben worden, die Feindseligkeiten einzustellen. Dieser Meldung fügte Wolffs Bureau die Bemerkung an: „Nach den hier vorliegenden Nachrichten sind die B c d i n g u n- gen des Waffenstillstandes der Regierung in Sofia noch nicht bekann t." Die Tatsache, daß der Waffenstillstand abgeschlossen ist. wird also nicht bestritten, aber der Anschein wird erweckt, als' ob die Unterhändler in Saloniki-auf eigene Faust und über den Kopf der bulgarischen Regierung hinweg gehandelt hätten. Daß derartiges geschehen wäre, klingt sehr unwahrscheinlich. da doch auch Herr Malinoff zur Regierung gehört und sogar ihr Spitzenreiter ist. Tie Wolffbemerkung ist offenbar auf der- selben Spur gewachsen, auf der die Wolffnachrichten zu dieser bulgarischen Sonderfriedensaktion von Anfang an aufsproßten. Es kommt bei diesem Verfahren, scheints, darauf an. das Vor- gehen der jetzigen bulgarischen Regierung so darzustellen, als ob sichs in einer Form abgespielt hätte, die Deutschland und Dssterreich schließlich zu nichts zu verpflichten braucht und viel- leicht sogar zu allem berechtigen kann. Man mutz im Auge behakten, daß das Ereignis auf der Balkanhalbinsel als eine Frucht parteipolitischer Kämpfe, die sogar die Sicherheit der Armee untergraben hätten, hingestellt wird. Auch das eine Spitze, die- sich scharf gegen das Regime Malinoff, der jetzt geradezu als ententistisch bezeichnet wird, richtet. Aus dem allem läßt sich die Vermutung ziehen, daß der innerpolitische Kampf Bulgariens, der zum Waffenstillstand führte, jetzt durch eben diesen Waffenstillstand erst recht zu heftigen Flammen aufgepeitscht wird. Es wird sich in dem Kämpfe durchaus um nichts anderes als um die Frage handeln, ob in Bulgarien die Entente oder die Mittelmächte Politisch überwiegen sollen. Wie ein Berliner Privattelegramm bestimmt versichert, hat der bulgarische König an den österreichischen und ebenso an den Deutschen Kaiser Telegramme gerichtet, worin er die Bundestreue versichert. Der oben mitgeteilten Nachricht vom Abschluß des Waffen- stillstandes gingen folgende Meldungen vorauf: L o u d o n, 29. September. Renten Wie Reuter erfährt, wird die formelle Antwort an Bulgarien nur nach einer Beratung mit den Alliierten ge- geden werden. Unterdessen ist die bulgarische Regierung von den allgemeinen(tzrnndliuicn der Politik in Kenntnis gesetzt worden imd es ist anzunehmen, daß die Regierung in Sofia jefct die formelle Antwort der Alliierten abwarten wird. I«. zwischen werden die militärischen Operationen der A l l i irrt e u f ortg e setz t. «P«» t s. ÄS. gtinmtrt..(Havos-V Die fc n I o a t i{*»» P a r l a m c u t ar e Fiuauznuiuster L in p tz ch e w, General Luon, Kommandant der 2. Armee, und der ehemalige Minister R a d e w sind gestern abend in Saloniki ange- kommen, nm über die WaffenstillstandSbcdingnngeu zu ver- handeln. General Franchet d'EsPerey wird sie heute emp- fangen. Endlich lief folgende für die Situation sehr wichtige Mel- dung ein: Wien, 30. September. Die Blätter melden aus Sofia: O e st erreicht sch- ungarische Truppe» sind hier eingetroffen. Die Aufnahme des bulgarischen Friedensangebots in Amerika. Amsterdam, 30. September. Aus Washington wird den „Times" gemeldet: Das Friedensangebot Bulgariens an die Alliierten ist hier mit großer Genugtuung aufge- nommen worden. Nach dem„Journal de Gencve" soll Bulgarien gestern an Wilson eine Note gerichtet haben, in der es den Präsidenten b-nachrichtigt, daß es dessen Erklärungen über den Frieden zu den sein igen mache und bereit s-ei, die Waffen endgültig niederzulegen, wenn es die Geioitzhe-U haben könne, datz seine Interessen auf dem Friedenskongrctz geprüft werden würden. Nach der„Fcuille" soll es sich sogar um ein förmliches Ersuchen um Vermittlung handeln. Die Bedingungen der Entente. Amsterdam, 30. September. Das„Handclsblad" erfährt aus London: Zn der Antwort der Alliierten auf das bulgarische Friedensangebot wird mitgeteilt, werden, daß' die Feindseligkeiten nicht eingestellt werden können, ehe Bulgarien nicht mit Deutschland, Oesterreich-Ungarn und der Türkei breche. Unter den B e d i n g u n g e n, die man Bulgarien stellen werde, würden sich wahrscheinlich die folgenden befinden: 1. Entwaffnung und Demobilisierung der bulgarischen Armee, 2. Uebergabe sämtlicher Eisenbahnen an die Alliierten, 3. Räu- mung allen Gdbictes, das Bulgarien seit seiner Teilnahme am Kriege besetzt hat, 4. Preisgabe aller Zugänge zu den Straßen, die nach der Türkei, Oesterreich und Rumänien führen, an die Entente. Die„Daily News" bcmerksn hierzu, datz diese Bedingun- gen einen Mindestpreis darstellten, den die Alliierten er- laugen könnten. Di« Annahme dieser Bedingungen durch Bul- garien würde bedeuten, datz seine Grenzen, wie sie vor dem Kriege bestanden haben, unverändert bleiben würden, datz die Ucbcrleben-- den seiner Truppen nach ihren verlassenen Heimstätten zurückkehren I könnten und datz der Schutz des bulgarischen Gebietes von den ! Armeen der Entente übernommen werde. Keine Nation, die eine j Rolle wie Bulgarien gespielt habe, härte hoffen dürfen, mit so leichter Strafe davonzukommen. Sofia, 29. September. GeneralsiabSberickit vom 28. September. Mozedoniiche Front: Westlich vom Wardar setzen unsere Ein- heilen ihre Bewegungen plangemätz korr. Zwischen Wardar u n d S l r u in a Kämpfe der Nackchili en mit schwachen feindlichen Kräften. Im Strumatale erfolgreiche Patrouillengescchte. Französischer Orientbcricht vom 28. September. Im Laufe des'28. Setcmber haben auf unserem linken Flügel die verbün- deten Heere die feindlichen Nachhuten weiter auf K i c a v e zurück- gedrängt und sich der B r o d- H ö h e n bemächtigt. Nördlich der Stadt Ochrida haben die serbischen Heere Boden gewonnen. v-IiU» W» T C S Ä«* f flüij a»ö tüng auf Ucsküb, Kumanowa'und Küstendil hat serbische Ka- vallerie die bulgarische Grenze erreicht. Di« englisch-griechischcn Kräfte machen nördlich der Stadt Strumitza in Richtung auf Penchevo Fortschritte und rücken gegen Petric vor, indem sie in das Tal der Strumitza hinabsteigen. Die Zahl der seit dem Be- ginn der Offensive erbeuteten Kanonoen übersteigt 359. Stimmen zum Kanzlerwechsel. Die Berliner Nachmittagsblätter bringen zu dem Rück- tritt Hertlings erst recht spärliche Kommentare. Ein Teil— namentlich der rechtsstehenden Presse— ist von der Demission des Reichskanzlers noch nicht völlig überzeugt und verhält sich daher abwartend; ein anderer Teil enthält sich des Kommen- tars oder bringt nur kurze Betrachtungen, deren Niveau nicht immer als geistige Höhe bezeichnet werden kann. So glaubt die„Tägl. Rundschau" etwas Gescheites zu sagen, indem sie schreibt: „Es wird den Juli-Leuten also Gelegenheit gegeben werden, zu beweisen, wieso ein Regiernngswechsel tu Deutschland die bulgarische Front wieder b er stellen und den feind- lichen Ansturm gegen unsere Westfront wird besänftigen können." Für so ultraradikal hätten wir das alldeutsche Blatt gar nicht �gehalten. Während wir vollauf zufrieden wären, wenn das Hineinreden militärischer Stellen in politische Angelegen- hciteii aufhörte, wünscht die„Tägliche Rundschau" offensichtlich, haß die Zivilregierung die militärische Oberleitung übernehmen soll. S.ie hatte doch früher so großes Per- trauen zu unseren Heerführern. Die„Deutsche Zeitung" vertritt einen rein negativen Standpunkt, sie wendet sich gegen sämtliche Kanzler- kandidaten, deren Namen irgendwo in der Presse aufgetaucht sind. Wir sind überzeugt, daß ihr unfehlbarer sittlicher Riecher ihr im weiteren Kampfe gegen wen es auch sei— unschätzbare Dienste leisten wird. Als Eharakterislikum kann es auch gebucht werden, daß die „deutsche Tageszeitung" Hertling eine Träne mittleren Um- langes, dagegen Hintze eine sehr dicke Träne nachweint. Festgebalten zu werden verdient ihr Eingeständnis, daß sie Hertling stets gegen die Linke zu stützen gesucht hat. Im übrigen wird -l�alte Klageleier Von dem Machthunger und der Unersättlich- 'est der Mehrheitsparteien angestimmt. So heißt es u. a.: In Wirklichkeit ist diese ganze Krise nicht natürlich 9 r d en., sondern sie ist durch den Machthunger ehrgeiziger Jolmker tiinstlich gemacht worden. Tag unsere Gesamtlage sich im Laufe oer letzten Monate besonders ernst gestaltet hat. wird niemand leugnen: aber abgesehen davon, datz die Verhältnisse keinerlei Anlaß bieten, die zuversichtliche Hoffnung auf einen kes Krieges preiszugeben, mutzten doch gerade .lua,chlage, wte wir sie erlebt haben, erst recht Anlatz geben, im Innern»uche und Besonnenheit zu wahren und allen unnötigen �zurückzustellen. Stattdessen halten unsere Krisemnacher oie vielegephesi für gekommen, die Not des Vaterlandes für ihre .parteipoli NJ ckien G: s chäft e und für dir Befttiedigung perionllchen Ehrgeizes auszubeuten: das ist de r w: r k l ch e G r u n l. und Kern(!) der Krise, die sich seit der Einberufung des Huuptausschusses entwickelt hat. Ausd sln dieser auf Plattestos Agitationsbedürfnis zugeschnittenen »eutung der Tatsachen erfährt das Bündlorblatt Unter- stützung durch die„Kreuzzeitung", die über„die Wühlereien der nach einer völlig parlamentarischen Regierung lüsternen Parteien der Linken" klagt. Im übrigen verficht das konservative Blatt mit Nachdruck die Anschauung, datz den Forderungen der Sozialdemokratie nicht nachgegeben werden dürfe, wobei es sich natürlich ebenfalls in Uebereinstimmung mit der„Deutschen Tageszeitung" befindet. Von Kommentaren der linksstehenden Presse ist der des „Berliner Tageblattes" zu erwähnen: Der Kaiser hat die Rückrrittsgesuche des Reichskanzlers und des Staaissckreiärs angenommen, die Bahn für die Bildung einer neuen Regierung ist frei. Ueber die Nachfolger ist. noch nichts bekannt, und es ist diesmal sicher, datz nichts ohne Mitwirkung und Zustimmung der Reichstags- mehrheit beschlossen werden wird. Es scheint, datz man wirk- lich eine Volksregierung und den Eintriit der Sozial- d e m o k r a t e n in die Regierung ermöglichen will. Eine solche Volksregicrung kann sich natürlich nur um einen Mann scharen, der den Mehrheitsparteien als geeignete Persönlichkeit erscheint. Die Sozialdemokratie hat mehrfach und deutlich erklärt, daß es sich für sie nicht in erster Linie um eine Person, sondern uni eine Personen- und Systemfrage handelt. Die„G e r m a n i a", das Berliner Zentrumsblatt, schließ- lich hebt gleichfalls den Sieg des parlamentarischen Systems hervor: Die Würfel sind gefallen, geworfen von einer Hand, vor deren Entschlußkraft wir alle Hochachtung haben müssen! M-rt der Genehmigung des Abschiedsgesuches des Reichskanzlers Grafen Hertling hat der Kaiser die Entscheidung ge- troffen zwischen den beiden Wegen, die ihm als allein gang» bar in den letzten Tagen von rechts und links empfohlen wurden: Diktatur oder Demokratie. Er hat sich entschlossen für die letztere erklärt. Sein Schreiben an den Grasen Hcrt- ling sagt eS mit dürren und klaren Worten:„Ich wünsche, datz das deutsche Volk wirksamer als bisher an der Bestimmung der Geschicke des Vaterlandes nniarbcitet." Der Kaiser erklärt es als seinen Willen, datz das Vertrauen des Volkes das Eni sch ei- dende sein soll für die Teilnahme an den Rechten und Pflichten der Regierung. Damit ist im Kern unser bisher rein m»»«rchi- scheS Regierungsprinziv zugunsten des sog. parlamentarischen aufgegeben, und die Linke steht am Ziele ihrer Wünsche,— aber auch am Beginne der vollen Brrantivortung für die Zukunft. Aeutzerlich bekundet sich dieser Wechsel in der kaiserlichen Bitte an den abtretenden Staatsmann, die Geschäfte weiterzuführen, bis der Nachfolger gefunden ist. Der Geheimerlaß öes k>errn v. Stein. Beschwerdeinstanz gegen sich selber? Zu dem hier wiedergegcbenen geheimen Erlaß des Ober- Militärbefehlshabers vom 8. Juni werden wir noch darauf auf- merksam gemacht, daß der Erlaß auch im W i d e r s p r u ch zu der bisher allgemein anerkannten Auffassung von den Befug- nisscn des Obermilitärbefehlshabers steht. Dieser ist als B e- schwer dein stanz eingesetzt worden für Beschwerden, die sich um die Handhabung des Gesetzes unter dem Belagerungs- zustand durch die stellvertretenden Generalkommandos richten. Er hat als solcher erst Stellung zu nehmen, wenn Beschwerden an ihn gelangen. Auf diesen Standpunkt hat sich der K r i e g s m i n i st e r selber gestellt, als ein Vertreter der Organisationen, gegen die sich der Geheimerlaß richtet, am 17. Mai d. I. mit ihm eine Besprechung hatte, um Abhilfe gegen die Vcrsammlungsverbote zu erlangen, die damals schon vorlagen und ganz allgemein. da- mit begründet wurden, daß eine erhöhte Tätigkeit für den Frieden bei der derzeitigen militärischen Lage unerwünscht sei. Ter Kriegsminisier hat damals betont, daß er e r st ein- greifen könne, wenn er im Einzelfall als Be- schwcrdeinstanz angerufen werde und daß er bei der Selbständigkeit der Generalkommandos nicht in der Lage sei, allgemeine Direktiven zu geben. Mit dieser Erklärung steht der jetzt veröffentlichte Erlaß in Widerspruch, es müßte denn sein, daß die direkte Anweisung an Zivilbehördcn, von der der Kriegsminister damals aller- dings nicht gesprochen hat, als eine geringere Befugnis betrachtet werden soll, über die ein Wort zu verlieren nicht erst lohne. Beachtenswert ist auch, daß der Obermilitärbesehlshaber am Schluß des Erlasses Bezug nimmt auf„seinen früheren Erlaß vom 7. November 1915". Zu dieser Zeit bestand die Stelle eines Ober Militärbefehlshabers über- hauptnoch nicht. Danach muß angenommen werden, daß der preußische Kriegsminister damals als solcher schon das Recht in Anspruch genommen hat, die Zivilbehörden um bestimmte Maßnahmen auf dem Gebiete des Versammlungswesens zu ersuchen._ Im �aushaltsausschuß. Der Haushaltsausschutz trat Montag um 2 Uhr nachmittags zusammen. Bei. Beginn der Sitzung erklärte der Reichstagsprä- sident Fehrenbach, datz die Mitteilung des„Berliner Tage- blattS", wonach er dem Reichskanzler im Auftrag der Mehrheits- Parteien Mitteilung von der ernsten Stimmung gemacht hätte, nicht zutreffend sai. Er habe keinen Auftrag, im Namen der Mehrheit dem Reichskanzler Mitteilung zu machen. Tatsächlich habe er nur einer Einladung des Reichskanzlers Folge geleistet. Vizekanzler v. Pah er verlas sodann den Erlaß des Kaisers an den Grafen Hertling. Der Vizekanzler fügte hinzu: Für diesen Erlaß, durch den der Kaiser dem ernstlichen Willen Ausdruck gibt, datz den Wünschen des nun schon seit Jahren so gewaltig leistenden und ertragenden deutschen Volkes nach einer verstärkten Mitwir- kung bei der Leitung der Geschäfte des Deutschen Reiches weit- gehend Rechnung getragen werde, gebührt ihm unser aufrichtiger Dank. Im Austrage des Herrn Reichskanzlers werden wir heute noch in Beratungen mit den Führern der einzelnen Parteien über den besten Weg. zu diesem Ziele zu gelangen, eintreten und haben die sichere Hoffnung, datz es uns ge- l i n g c n wird, in kürzester F r i st d i e s e f ü r d i- Zu- kunft unseres Vaterlandes höchst bedeut-ame Entwicklung zu einer unsere Einigkeit und Kraft st ä r k e n d e n L ö s u n g z u b r i n g e n. Vorsitzender Abg. Eb-rt macht nun den Vorschlag, d�- Beratungen abzubrechen, bis die u e u e R c g i e r u n g ge bildet.ist.., r-, w«f.« Norschrüg-rbeL-m ble U.navh»ng»Tsn lebe Widerspruche Sie. verlangen, insbesondere, daß der Reichstag s> zusammentreten soll. Präsident Fehrenbach erklärt demgegenüber, der Haupt- ausschutz soll selbstverständlich nicht auseinandergehen, sondenn b e j. sammenbleiben. Die Einberufung des Reichstags würde im Benehmen mit der Mehrheit des Reichstags erfolgen, sobald die neue Regierung gebildet ist. Di.e Unabhängigen widersprechen auch diesem Vorschlage, wo rauf Präsident Fehrenbach entgegnet, es sei doch durchaus mM angängig, daß vielleicht das Plenum des Reichstags die einzelne Personenfrage lösen soll. Gegen die Stimmen der Unabhängigen wurde dann der Vorschlag des Vorsitzenden angenommen und die Beratungen wurden abgebrochen. Buiidesratsarbcit. In der Montagssitzimg des BundeSrotS wurden angenommen: t. der Enlwurs cmer Bekanntmachung über Festsetzung des JahieearbciisverdiensieS in der kaiidwirtschafllicken Unfallversicherimg, 2. der Einwurf einer Bekanntmachung über den Betrieb von gcnebmigungspflichtigen gewerblichen Anlagen und 8. der Entwurf einer Verordnung über den Verkehr mit Zucker. Prcusiisches Staatsministerium und Artikel 9 der Rcichsver- fasiung. Unsere Nachricht, wonach das Preußische Ministerium den Beschluß gefaßt habe, im Bundesrat gegen die Aufhebung des Artikel 9 der Reichsverfassung zu stimmen, entsprach in dieser Form nicht völlig den Tatsachen. Ein offizieller Beschlutz ist nicht gefaßt worden, sondern Graf Hertling hat sich im Ministerrum gegen die Aufhebung ausgesprochen. Mit dem Rücktritt Hertlings hat sich die Situation möglicherweise verändert. Gegen den früheren Bukarestcr Polizeipräsidenten EorvcScu. der V-crtrauensmann und Werkzeug BratianuS war, ist vom ruma« nifchen parlamentarischen Uniersuchungsausschutz ein Haft» b e f e h l erlassen. CorbeSeu war jedoch vor der Verhaftung g e- f I o b e n. Heute wird- aus Jassy gemeldet, datz durch Agenten der Sicherheitspolizei Eorbesccu, der sich in Budachi bei Akkerman in Bessarabien versteckt hielt, verhaftet worden ist. Gnadenerlaß in Bulgarien. B a fe s, 39. September.(„Frkf. Ztg.".) Auf Vorschlag des Mi- nisterrvtö unterzeichnete König Ferdinand nach einer Meldung der „Agcncr Bulgarie" einen Ukas, der den Führer der B a» c r»- Partei, Stamboliski, sowie de» früheren Ministerpräsidcn- tru G e n a d i e w, dem Führer der Stambulowisten, sowie alle ihre politischen Freunde, die nach dem Eintritt Bulgariens in den Welt- krieg gefangengesetzt und verurteilt wurden, begnadigt und in ihre zivilen»»d öffentlichen Rechte wieder einsetzt. Tie Verschwörung gegen die Sowjetregrerung. M o s k a», 29. September. Nach einer Meldung der „Jswestika" ist über die vor kurzem aufgedeckte englisch-französische Verschwörung gegen die Rätcrcgierung umfangreiches Material in den Besitz der anstcrordcntlickien Kommission gelangt. Eine Anzahl Spione, die im Auftrage des amerikanischen General- konsuls Pool tätig waren, wurden verhaftet. Hauptlciter der amerikanischen Spionage in Rufiland war der amerikanische Unter- tan Kolmatjanow, dem im Verein mit den englischen Agenten Siailt, und Vertamon nach der Abreise der englischen Botschafts« Mitglieder die Ausführungen von Brücken sprengungen, Vernichtung von Lrbcnsmittcllagern und die O r- ganisatio» von Aufständen übertragen worden war. Gewerffchaflsbewegung Glasarbeiterkonferenz« Der Hauplvorstand des Verbandes der Glasarbeiter batte �»m 22. Scpleinber eine �kon'erenz der Vertrauensleute von Branden- burfl. Sacbien und Schlesien nach Görlitz einberufen. Es waren 36 Deleaierte erschienen, in der über Arbcirs�ciiverkür,unii und Lohnerhöhung verhandelt wurde. Das Nefcrol über diesen' Punli holte der Verbandsvorsitzende Girbig übernvnimen. An der Hand ein es reichhaltigen Materials führte der Redner den Nach- weis, daß die Ernährungsverhällnisse für die Glasarbeiter äußerst trostlos legen und die Kräfte der Arbeite, schasl immer mehr schwinden. Bessere Ernährung und Beikürmna der Arbeitszeil sind durchaus noiiveudig. um die Lage der in der Glas- induitrie beschäftigten Arbeiter zu bessern.' Die Industriellen wenden bei jeder Forderung nach iürzcrer Arbeitszeit ein, daß die Kohle, dos tostbare Gut der Nation, nicht voll ausgenutzt werden kann. Die Gesundheit der Arbeiter mutz aber höher bewertet werden als jeder Rohstoff und deshalb ist die Forde- rung der Arbeiter durchaus berechtigt i und bei den hohen Gewinnen, die die Industrie in der Kriegszeit abwirit, kann die Forderung der Arbeiter sehr wohl erfüllt'werden. Gewitz zivang der Krieg zu BetriebseinschrSnlungen und Stillegungen einrelner Betriebe, aber die Besitzer der stillgelegten Betriebe erhalten Entschädigungen bis zu 166 006 M. pro Jahr. Da es sich m der Mehrzahl um kleinere Betriebe handelt, kann von einem Notstand unter den Industriellen nicht gesprochen werden, ein solcher Notstand ist aber bei der Arbeiterschaft in weitem Ilmfange zu finden.* Nach längerer Diskussion, in der die Ausführungen des Ver- bandsvorsitzenden ergänzt wurden, fand die folgende Cmlschlietzting Annahme, in der eS u. a. heitzt: „Die Konferenz hat nach einer eingehenden Aussprache fest- gestellt, datz die Ernäbrungsvcrbälinisse der Glasarbeiter sehr viel zu wünschen übrig lassen. Durch die Einführung der fleischlosen Wochen würden die Gesnndheitsverhältnisse immer schwieriger. Die Konferenz spricht aus. datz die Glasarbeiter vor dem Zusammenbruch stehen. Die Konferenz fordert deshalb von der Regierung ein schnelles Eingreifen und Gewährung von weitgehenden Zugeständnisien an Lebensmitteln aller Art; denn die zugeteilten Rationen sind zu gering, um die Kräfte der Glasarbeiter bei der schweren Arbeil zu erhallen. Von den Industriellen erwartet die Konferenz die Gewährung einer weiteren Lohnerhöhung von 36 Proz. für alle Arbeiter und Arbeiterinnen auf die bisherigen Löhne, um dadurch eine bessere Ernährung herbeizuführen und vor allen Dingen sich besser kleiden zu können. Weiter erwartet die Konferenz, datz die Industriellen in der Frage der Arbeitszeitverkürzung das weiteste Entgegen- kommen für die Glasmacher zeigen und für alle Betriebe den Acht- stundentag einführen. Für die Glasschleiferei und die übrigen Arbeiter wird der Neunstundentag. am Sonnabend 3 Stunden gefordert. Trotz dieser ArbeitSzeitverlürzung ann die Kohle im weitesten Sinne ausgenützt werden. Lehnen die Regierung und die Industriellen ein Entgegen- kommen ab, dann ist der völlige Zuiammenbrnch der fleitzigen und rnlelligenten Arbeiterschafi unvermeidlich und die Folgen in wirt- schafllicher Beziehung unübersehbar, denn mit einer enlkrästeten Arbeiterschaft werden die Industriellen nicht in der Lage sein, die vor dem Krieg bestehenden grotzcn Absatzgebiete wieder zu erobern und die Industrie wird auf lange Jahrzehnte gegenüber der Kon- kurrenz des Auslandes zurückgeworfen sein."' Lohnbewegung auf der„Weser"-Werft zu Bremen. Die Arbeiter dieser Werft bab»» Forderuno-" auf Lab"- erhöhung gestellt, die zugleich eine Illustration des großen Ge- schreis über die hohen Löhne in der Rüstiingsiudustiie darstellen. Bisher bat die Direktion jedoch kein Entgegenkommen gezeigt. Eine von Tausenden von Arbeitern der Werst besuchte Versammlung be» schäfligie sich mit dieser Sache. Nach einer einleitenden Rede nahm die Veriamnrlunq einmütig folgende Resolution an: „Die am 26. September tagende Betriebsversammlung der A.-S..Weier" erklärt: Die Stellungnahme der Direktion, die vom ArbeiterauSschutz überreichten Forderungen auf Erböbung der Teuerungszulagen ohne jede Verhandlung abzulehnen, zwingt die Arbeiterschaft, auch ihrer- ieitS die schärfsten Mittel in Anwendung zu bringen, um ihrem Verlangen Geltung zu verschaffen. Die Versammlung beauNragt erneut den Rrbeiterausschutz, mit der Direktion in eine mündliche Unterredung über die schwebenden Differenzen einzutreten, um auf diesem Wege eine Klarstellung der gegenseitigen Meinungen zu erreichen. Weiter verlangt die Versammlung von der Ortswerftkommission, bei der Zentralioerftkommission die Einberufung einer Werstarbciler- konserenz zu beantragen, damit ein möglichst einheitliches Vorgehen aller Werktorte zusiandekoinrnt. Die Versammellen verpflichten sich, den Weitungen des Arbeiter- ausschusses und der Vertrauensleute jederzeit Folge zu leisten und für die Stärkung der Organisation mit allen Kräften zu wirken." Tas Gewerkschaftskartell Königsberg i. Pr. fnr de» Vokksbund. Das GewerkichaftSkariell Königsberg nahm am 26. September zum Anschluß au den Volksbund Stellung. Nach einem Vortrag über die Bestrebungen des VolksbnndeS und das beiondere Interesse der Arbeiterschaft a» ihnen wurde e i n st i m nr i g der Beitritt beschlossen. Königsberg ist bekanntlich der Wahlkreis des Unabhängigen ReichStagSabgeordneien Haofe. Die örtliche Leitung der Unab- hängigen arbeitet hier mit besonderer Skrupellosigkeit und perfön- licher Gehässigkeit. Um so charakteristischer ist diese» völlige Fiasko des unabhängigen Kampfes gegen den Bolksbuud. parteinachrickiten. Eine eindrucksvolle Kundgebung für Demokratie, Freiheit und Frieden sah am Sonn- tag Magdeburg. Der dortige Sozialdemokratische Verein balle zu einer öffentlichen Versammlung eingeladen, die im ZirkuS- gebäude stattfand und überaus stark besucht war. ReichöiagSabge- ordneter Gen. Landsberg schilderte den Ernst der Stunde und legte dar, datz uns nur eine ungesäumte und völlige Demolrati- sierung Deutschland aus dem Wirrsal dieser Zeit erretten und einen erträglichen Frieden bringen könne. Die Versammlung nahm einstimmig folgende Resolutton an: „Die Stunhe der Dtmokratisierung Deutschlands hat gcschla- gen. Nur die volle lückenlose Demokratie in Reich, Staat und Ge- mcindo kann uns noch einen erträglichen Frieden bringen, Deutsch- lands Wirtschaft und damit die Zukunft de: deutschen Arbeiter- klaffe retten. Die Versammlung fordert daher vom ReichSwgspräsidenten, datz er sofort das Parlament einberuft. Sie fordert vom Reichs- tag, datz er ungesäumt als Beginn der Demokratisierung die volle zivile Machtfülle für sich in Anspruch nimmt. Sie fordert, datz das Reichsparlament ein Reichsministerium aus den Beauftragten der- jenigen Parteien einsetzt, die sich für die volle Demokratisierung aller gesetzgebenden Körperschaften und staatlichen wie kommu- nalcn Verwaltungen verpflichten. Diese Regierung hat ungesäumt vor aller Welt zu erklären, datz sie zum Friodensschlutz bereit ist auf der Grundlage: keine Annexionen und Kontributionen, volles Selbstbestimmungsrccht der Völker, Unversehrtheit des deutschen Gebietes, Sicherheit der dcut- sehen wirtschaftlichen Zukunft, allgemeiner Völkerbund und Ab- rüstung. Diese Regierung hat autzerdem die Demokratisierung zu ver- ankern durch die baldige Einführung der Verhältniswahl für alle Wahlen, Sie hat die Ernährung des Volkes sicherzustellen durch die restlose Erfassung aller Lebensmittel und die gerechte Verteilung des Vorhandenen. Alle Macht dem Volke! Alle Machtausübung durch die Ver- treter des Volkes." Ueber der Versammlung lag von der ersten bis zur letzten Mi- nute eine Stimmung, die erkennen lietz, datz sich die Versammelten der historischen Bedeutung der Tage, die wir jetzt durchleben, be- wutzt waren. In der Debatte wurde von einem Redner u. a, die Auflösung des Reichstags gefordert. Mit einem brausenden Hoch auf Demokratie. Freiheit und Frieden wurde die Versammlung geschlossen. Die drei Hamburger Wahlkreise zu einer Organisation vereinigt. In einer am 27. September im Hamburger Gewerkschaftshaus stattgcfuiidenen Delegiertenversammlung der Landesorganisarion der Sozialdemokratischen Partei Hamburgs beschäftigte man sich mit der Verschmelzung der drei sozialdemokratischen Vereine zu einem Verein für das hambuvgische Staatsgebiet. Nach einem Referat des Reichstagsabgeordmien Genossen Heinrich S tu b b e wurde folgende Entschließung angenommen: „Nachdem durch die Einführung des Proportionalwahlrechis die drei Hamburger Reichstagswahlkreise zu einem Wahlkreise ver- einigt sind, hält die Delegiertenversammlung der Landesorgani- sation die Zeit für gekommen, um die gemeinsamen Interessen und die Bestrebungen der sozialdemokratischen Partei wirksam ver- treten zu könnem, die bestehenden drei Wahlkreisvereine zu einem Sozialdemokratischen Verein für das Hamburgische Staatsgebiet zu sa m men zuschließen. Die Versammlung gibt dem vorliegenden Statut ihre Zu- stimmung und ersucht die Wahlkreisvcreine, bis zum 31. Oktober ihre Auflösung zu beschlietzen, ihre Tätigkeit mit dem 31. De- zember d. I. einzustellen und das vorhandene Vereinsvermögen dem Sozialdemokratischen Verem für das Hamburgische Staats- gebiet zu überweisen, sowie die Delegierten zur Landesorganisation für die neue Organisation zu bestätigen. Der Vorstand der Landcsorganisaiion wird beauftragt, sobald die drei Wahlkreisvereine ihre Auflösung beschlossen habcn, ein« neue Versammlung zur Erledigung der Wahl der Verwaltung ein- zuberufen. Der neue Sozialdemokratische Verein für das Hamdurgischc Staatsgcbicit hat mit dem 1 Januar 1919 in Kraft zu treten." leistet. Diese doppelte Tendenz trat auf Seiten der Eisenindustrie und des Kohlentransportcs schon mehrfach deutlich im Kriege l?cr- vor: Die Gutehoffnungshütte(Hornel) beteiligt« sich an der großen. auf Finkrnwärdcr in Errichtung begriffenen Deutsche Werft A.-G. (mit Hapag und A. E, G.), und die Gebr. Stumm G. m. b. H. nahm Interesse an der inzwischen durch Kapitalserhöhung etwas verbreiterten I. Frerichs u. Co. in Einswarden, wogegen die Fried. Krupp A.-G, seil langer Zeit die Germaniawerft-Kiel be- sitzt, und Deutsch-Luxemburg seit etwa einem Jahrzehnt die Nord- seewerke A,-G. in Emden kontrolliert und ausbaut. Ter Tanten stand. Die„Freisinnige Zeitung" läßt sich schreiben:„Da? Wetter ist auch in der letzten Woche überwiegend günstig gewesen. Die Wärme ging zwar— vorübergehend sogar ziemlich stark— zurück und es kamen auch besonders tin Westen des Reiches wieder stärkere Regen vor, im allgemeinen aber gestaltet« sich die Witterung so, datz alle landwirtschaftlichen Arbeiten unbehindert vorgenom- men werden tonnten und datz auch die abschließende Entwicklung der K a i t o f f e l n und Rüben von ibr begünstigt wurde. Mit dem Ausnehmen der Spä.kartoffeln ist jetzt hie und da begonnen worden, die Urteil«, die hier vorliegen, sind aber so v e r s ch i c- den, datz es geradezu unmöglich ist, sich ein auch nur einiger- inatzen zuverlässiges Bild von dem ErnleauSfall zu machen: über- dies ist dafür ja die Haltbarkeit der Knolle nahezu ausschlag- gebend und für dies« ist man zunächst auf Vermutungen angewiesen. Die Getrcidezufuhren haben nachgelassen, was zum Teil mit den Erntearbeircn zusammenhängen mag. Zu Back., wecken wird jetzt des öftern Kartoffelmehl verteilt, daS bei der noch immer oft recht feuchten Beschaffenheit der vcrmahlenen Frucht sehr ertvünscht kommt. Soziales. Zu de» Beschlüssen dc§ Parteiausschusses und der Reichstags- fraktlo» nahmen die Vorsitzenden der WahlkreiSorganiiationen sowie die ReichstagSobgeordnclen und Kondidaien derProvinzBranden- bürg Stellung. Nach einem Referat des Genossen Wels und eingehender AuSiprache, an der sich u, a. Cohen, Giebel, Sckiumann, Wu schick, Sidow, Sckadoiv beteiligten, wurde folgende Resolution einstinimig angenommen: Die am 29. September 19i8 tagende Konferenz der Wahlkreis- vorstände der Provinz Brandenburg erklärt: Ter Eintritt von erfolgen, daß die von Parleiausichutz und ReichstagSfrattion be- ichlosienen sachlichen Bedingungen restlos ersülll werden. Dievornehmste Aufgabe ist die rasche Beendigung deS Krieges. Die raich vorwärts schreitende Entwicklung der Tinge läßt eine Vcrzögeruna entschei« dender Uinwandlungen im Innern nicht mchr zu. Die Lösung der preußische» WahlrechtSirage muß durch die Schuld der Regierung auf dem Wege der Auslösung— Reuwahl unter dem Treiklassen- Wahlrecht und abermalige Verhandlungen des Landtags unmöglich werden. Monate würden darüber vergeben voll tvcltcrschütternden Geschehens. Es ist die Ausgabe der sozialdemokratischen Partei. die Einführung des gleichen Wahlrechts in allen Bundesstaaten durch daS Reich mit grötzter Beickleunigung zu errei-ben, Ali 2. Punkt stand die Landtagiwahl auf der TageS- ordnung. Schon jetzt sollen alle Vorbereitungen zur Ausstellung der Wahlmänner getroffen werden. Sobald die Verhandlungen der zentralen Kölperiebtiften abgeschlossen sind, sollen für die Provinz und in den einzelnen Kreisen Vereinbarungen mit den Wahlrechts- freundlichen Parteien durchgeführt werden, die von der Wahlmänner- ausstellung an die einheitliche Front des Wahlkampfes regelt. Kurt Eisiier ist, wie der Verteidiger Herr Dr. Bernstein- München der Leipziger Vo'.kszeilmig" mitteill, noch"'cht aus der Münchener Untersuchungshaft nach Leipzig übcrgcsührt worden, Die Ueberftihruug werde wohl erst wenige Tage vor der Haupt- Verhandlung erfolgen.__ Jnöustrie und Handel. Berliner Börse. Di« Berliner Börse eröffnete in dieser Woche noch in schwacher Haltung. Tos Angebot' überwog noch, obwohl untcrnebmungs- lustige Grotzkapitalisien bei den stark gesunkenen Kursen kauften. Besonder« der Kassamarkt lag schwach, da die aus ihrer Ruhe auf- gescheuchten Aktionäre der vielen mittleren und kleineren Unter- nehmen verlausten. Im großen und ganzen dürste aber der Tief- punkl überwunden sein, wenn nicht ncue Hiobsbotschaften einlaufen. Tic Konjunktur der Bankrn. In der am Dienstag abgehaltenen Sitzung des Aufsichtsrats der Disconlo. Gesell schaf! berichteten die Efcschaftsinbabec jVuraien tune crnvOlia]« u-u unu ui yi.iujcL yw- statteten ncb die Gcwinnzisscrn recht bcfriedigend: andererseits sind aber cnrcb die Verwaltuugskosten beträchtlich gestiegen. Der Aus- sichtkrat erteilte seine Zustimmung zu dem Antrage der Geschäft!- in habet, in Lübeck und in Stratzburg i. E. Filialen zu errichten. Tic Grostkiseuindusirie im Schissc-bau. In den Aufsichtsrat der Flen-burger Schiffsbau-A.-G.. eines Unternehmens, das bisher stark lokale Färbung hatte, sind zwei Vertreter des rheinischen Eisenkönigs Thvssen eingetreten. August Thyssen soll schon vor Jahresfrist einen Posten Aktien erworben und damit nunmehr die Aendcrung der Satzung und die Auft nähme seiner Vertreter herbeigwührl haben. Gr sicherte damit seinen Montan-Unternehmungen die intime Verbindung mit einer zweiten Werft; seine erste Akquisiiion. die auch im Kriege mit i Aktienaufkäufen vorbereitet wurde, ist der gleiebfalls sehr alte und l technisch beiuährte Bremer Vultan. sodaß Thyssen sich nun- mehr in Ost- und Nordsee auf je ein Unternehmen stützen kann, das seinen Werken direkten Absatz in Schiffs- und Kesselblechen, Stahlformgutz usw. sichert, andererseits aber auch den Plänen zur t Gewinnung eigenen, möglichst billigen Schiffsraums Vorschub Zum Eheverbot für Lehrerinnen. Das Eheverbot wird fallen. Kein ZweifV. Wenn nicht aus anderen Gründen, so um deswillen, weil wir die wertvolle Kraft der verheirateten Frau als Lehrerin nach dem Krieg« nicht ein- behren können. Solch praktisch« Gründe schlagen in unsere« aus das Praktische �.-richteten Zeit noch immer am ehesten durch. Eher noch als die zum Beispiel in einer vor einigen Jahren in Berlin in einer vom Verein Frauenwohl einberuscnen Pcrsamm- lung angeführten Gründe, daß durch das Eheverbot 56 666 Lehr:- rinnen ihrer natürlichen Bestimmung entzogen und in ctnem Zeitraum von fünf Jahren dem Deutschcn Reiche 156 666„Quali- tätskinder" verloren gehen würden. Nebenbei gesagt, hat sich seinerzeit d:r Landesverein preußischer Lehrerinnen gegen die,- Begründung für die Aufhebung des Eheverbots gewendet. In recht erfreulicher Offenheit geht jetzt die früherr« Lehrerin Marie Kern in einem im Charlotten-Verlag in Potsckmppel erschienenen Büchlein:„1 56 666 ungeborene Qualitätskinder?" dem Eh verbot zu Leibe. Sie frägt: Warum bekennen wir nicht? Warum wollen wir die brennende Sehnsucht unseres Herzens ver- heimlichen? Tie Anlwort gibt sie selbst daraus: Daß um Gottes willen niemand auf den Gedanken kommen könnte, wir sehnten uns nach der geschlechtlichen Vereinigung mit dem Mann, wir trügen Verlangen, unserer natürlichen Bestimmung gemäß zu lieb n. nicht nur ckaritativ. sondern auch sexuell! Darum wurde die Forderung nach dem Eheverbot mit dem schamhaften Mänlek- cken der Bevölkerungspolitik umhüllt. Kein Mann und keine Frau vereinigten sich in der ausgesprochenen Absicht, sür den Staat Kinder zu produzieren. Ganz einfach und klar heißt die Forde- rung sür die Lehrerinnen: Gebt uns da? Reckt auf die Liebe, dessen Krönung ganz geWitz die Mutterwerdung ist. In- sofern sei der Ruf der Lehrerinnen nach Ausbecrnng aller Ehe- verbotsl>estimmungen der Schrei nach der Mutterschaft. Die Lehrerin sei keine tote Lehrmaschine, sondern ein Weib, dessen schönster und natürlichster Beruf, lei. t«5»-'>>- Nonne, die in tioiicrucher Aezzcichlosscimhcn mit unverruckt anr der Himmel gerichteten asketischen Strebcn dahinlebe, sondern sei Fleisch und Blut, tiefempfindcndes Geschlcchtsioesen, stehe mi: bei. den Beinen mitten in der Welt, in der die Menschen sich lieben. Auch in ihrem Sckoße ruhten Menschern'chätze der Zuinnft, Werk- volle vielleicht, wenn auch nicht„OualrtälSkinder" in der Rcgeh Nicht die Liebe zum Vaierlande könne sie heben sondern die reine menschliche Liebe. Allerdings werde sich wohl nur ein kleiner Teil der Lehrerinnen verheiraten. Für sie aber dürfe der Ein- tritt in die Ehe nicht gleichbedcuiend sein mir der Aufgabe der Lehrtätigkeit. Frau Kern formuliert die zu stellend? Forderung dahin: „Man lasse die verheirate!« Lehrerin obne Kinder oder mit nur einem Kinde vollständig ihren Unterricht erteilen und gel: der verheirateten Lehrerin mit zinei und mehr Kindern auf ihren Wunsch hin Gelegenheit, planmäßig einige Kinde: zu unterrichten," Können wir uns soweit der Argumentation Kerns ganz an- schließen, so ist das dock anders mit einer weiteren Fcwderitng. dahingehend, den nickt verlx'irateten Lehrerinnen die Pflicht n'fl- znerlcgen, an Kindes Statt ans der großen Schar der unche- lichen Kinder eines anfzu, ichein Wie die Durchführung ihres Vorschlags vor sick geben könnte, hält sie für eine nebemmcklichü Frage, Allzn große Schwierigkeiten siebt sie»ich!, hält sogar den Weg eines staatlichen Zwanges dazu für mögiichr Uns scheint dieser Punkt dock zu sehr von rein subjektiven Wünschen dikiicct und viel zu wenig durchdacht zu sein. Ter„Mundwart" im Hilssdiclistgesetz. Vielfach kommt«S vor, datz der beauftragte„Mundwari" kurz vor der Verhandlung am Schlichinngsaussckuß für den vaterländischen Hilfsdienst durch«inen anderen, iwch wichtigeren T-r- min vv-rhindert ist. selbit zu erscheinen. Die von diesem de- stellte, mit Ilntervollmack: versehene Berireiunq wurde nickr von. allen Sckilichtungsausschutzvorsitzcnd-n anerkannt, Tie Ausstcl- lung einer neue» Vollmacht in kurzer ZcZit ist besonders:n solchen Fällen unmöglich, wo nicht der Arbeiteraussckutz, sondern eine größere Anzahl Arbeiter die Vollmacht erteilen soll. Um in dicker wichtigen Frage Einheitlichkeit zu erzielen, wandte sick der Deutsche Tertilarbeiterverband an das Bayerisch: KriegSministerium, Kriegsanit, mit folgender Kn.fcagc: „Ist der von«iner Partei als Mundwart vor dem Schnck» tungsaussckuß für den vaterländischen Hilfsdienst Bevollmäck- tigt« im Verhinderungsfälle berechtigt, einem anderen Unter- vollmacht zu erteilen, bzw. seine Vollmacht einem anderen z» übertrage n?" Hieraus erfolgie folgender Enncheid:.. „Tie Beantwortung Ihrer Frage hangt davon ab. ob der als.Mundwart" Auigesiellte als Beistand oder als mit icarin. liehet Vollmach: versehener Vertreter der Partei vor dem scklick- titngSauSschuß auftritt. Trstt der Mundwart nur als Beistand auf. so bedarf er keiner schriftlichen Vollmacht; imne L-g'.te- mativn liegt in der gleichzeitigen Anwesenbeft mit de:«ar-ei vor dem Ausschüsse. Es liegt im Belieben der Partei wen n- als Beistand mitnehmen und anerkennen will. Cm Weckicl m der Pcr'on des Beistandes ist deshalb im Einverständnis der Partei jederzeit möglich. Handelt eS sich dagegen um einen Mit sckr fllicher Vollmacht versehenen Vertreter der Parte?, lo.ann di-ser nur dann einem anderen Nntdrvcllmackl erteilen- wnin die ihm selbst ausgestellte schriftlich« Vol. macht die Erteilung einer Untervollmackt au»- drücklich gestattet."..., Der Scklußsatz ist für alle Gewerkschaftsfunktionare beachtens- inert.____ verantwertli» wr volttite Sri««NM,»»,«erlin: sllr den ilvrigen Tel, de» Wütte»«lseed eidolc,«eutslln! Iflr Siwwen Zbeod-r«l-Se. �"I>n v-rl-». Dorwärt»-?erl!>a«. m d H.. Berlin txud»orwitrl»-Bu«druck-r-i und verlagSanstlilt Paul Gingcr u. in?erlin Lindenstraße 3. Hier»» l VcUage»nd Unter»