Nr. 271. 33. Jahrg. -vezugSvretS: Steriel1Sdrt.b,«0Ml, inanatl 1,80 Rt iTtl in» Hau«. vorauSzahldar. Einzeln« Siummetn 10 Ptennig. Poklbe�ug: ERonaiiid). Born Holiichalter abzuholen lLO M. vom Brieiteüger in« Hau« ae- brach! 1,04 MI Unier Kreuzband mr Deuiichiar d und Oesterreich. Unparn i.— ffll, für Sa« übrige Ausland 6.60 TSL monatlich Verlans in« Feld 6e>?!r?!ler Kestelluno monall 2,— MI ijoilbeitellungen nehmen an Düne- Marl. Holland Luremburg, Schweden und die SSwdiz Singerrageil in dl- lost- zeilunzi«-�rki«Ilste. Srtcheini tüaltch. keiearamm- Adreffe: .Sozialdemokrai B-r in». Vevlinev VolksblÄkt. ( IVPksnnIs) Vn,ngenvretSt� DiesIedengest>aiieneKolonelzeIIekostet SO Plg �Kleine Slnzeigen". da« feligedrucklc Sori 60 Pig izulüing 2 fcltgcdruckle Worte), tede« weitere Wort Ib lZ!g Liellengeluche und SchlaisteUenanzetgen da« erste Wort 20 Ptg.. tede« weiiere Wort 10 Pjg. Worte über Ib Luchnaden zählen iiir jjdci Worte leueruiigezuiililajz Z0°,. Familien-Anzeigen, politiiche und gewerkichastiiche Lerrin«» Anzeigen 70 Big die Zeile Anzeigen'Ür die nächste Nummer müssen Sil z Uhr nachinitiag« im Hauistgeichäs' Serlm EW tih. stindeiistraste!. ib-eaebcn werden. Bröstnel doii o uh, �üh bi» 7 Uhr abend«. Tcntralorgan der rozialdemohratifchen Partei Dcutfchlando. Redaktion: EW. 68, Aaüeustrahe Z. »trniNrertier: Am, Morinvla», Nr. lSI SV— l�I S? kxpeöttioa: EW. 68, �iaüeastraße Z. �rrnivrecher t«mr Msrinvlav, Nr. ISi SV— lkl S7. Huf der Die Derhanblunikn über die Nachfolgerschaft des Grafen Hertling haben bisher nur ein negatives Ergebnis gehabt, nachdem der ReichStagspräsident Fehrenbach und der Vizekanzler v. P a y e r die Annahme des Amtes definitiv a b- gelehnt haben. Als dritte Karrdidatur ist nunmehr die deS Prinzen Max von Baden aufgetaucht, der in Berlin eingetroffen ist. Die Parteiführer werden sich im Laufe deS heutigen Tages mit ihm besprechen. Die Lage ist um so schwieriger, da sie zu raschen Eni- schlüssen drängt. Man muß nur cm die Vorgänge im Osten, die Unterzeichnung des Waffen still st andsvertrags zwischenBulgarienundderEntente, andenbe- drohten Zristand der Türkei und andere besorgniserregende Erscheinungen denken, um zu erkennen, daß das Reich nicht lange im Uebergangszustand zwischen zwei Regierurigen hän- gen bleiben darf. Auf der anderen Sete ist aber der Cmt- fchluß, den die Parteien zu treffen haben, van Verhängnis- voll«. Schwere. *»er Reichskanzler soll, entsprechend dem vorwiegend bür- gerlichen Charakter der Mehrheit aus nicht sozialdemokrati- schen Kreisen � genommen werden. Die Erfahrungen der letzten Tage zeigen, daß dort die Auswahl geeigneter Person- lichkeiten nicht allzu groß ist. Gegner des parlamentarischen Systems könnten daraus den Schluß ziehen, daß das alte Sarsr? m besser wäre, doch hat auch dieses seinerzeit durch die Ernennung des Herrn Dr. Michaelis gezeigt, daß dort erst recht Nur mit Wasser gekocht wird. Mögen sich die Parteien am heutigen?n� der vielleicht schon die Entscheidung brin- gen wird, dessen bewußt sein, wieviel nach innen und außen von dem Gelingen ihres Versuches abhängt. Der Reichstag ist vor die Aufgabe gestellt, aus sich selbst heraus eine starke, einheitliche, aus tatkräftigen Persönlichkeiten bestehende V o l k.s r e g i e r u n g zu bilden. Möge ihn die große Shinde nicht klein finden I » Die rechtsstehenden Parteien suchen auch jetzt noch den Cystemwechscl, den immer weitere Kreise als notwendig er- kennen, mit allen Mitteln zu verhindern. Sie geben das Schlagwort der Koalitionsregierung aus und beginnen mit Eifer eine Regierung zu empfehlen, die möglichst alle Par- teien von rechts nach links umfaßt. Die konservativ-partei- offiziöse„Kreuzzeitung" dementiert in feierlichster Forin die LÄcIdimg, daß die Bildung einer Koalitionsregierung am Wider- spruch der Rechten gescheitert sei, und gibt damit zu erkennen, daß die Konservativen sehr gern von der Partie gewesen wären. In eifrigster Weise sekundiert hierbei der freikonservative Führer Oktavio v. Zedlitz, der es ebensowenig fassen kann, daß neuer- dingS Mehrheitsvcreinbarungen ohne seine Vermittlertätigkeit zustande kommen, wie daß er von diesen Mehrheitsbildungen ausgeschlossen sein soll. Am Montag hatte der tüchtige Herr allerdings noch der Ansickst Ausdruck gegeben, daß es sich bei der ganzen Krise um„Kleinkrämeryi* handele! Die gesamte konservative Presie vom Dienstag sucht bereits mit auffälliger Einmütigkeit nachzuweisen, daß der Kaiserliche Erlaß an Hertlint gar nichts anderes gemeint habe, als die von den K«nservativen geforderte Koalitionsregierung. WaS die Mehrheitsparteien jetzt täten, das verstieße gegen Sinn und Absicht des Erlasses. Dabei wirkt eS dann allerdings reichlich komisch, wenn der„Reichsbote" in den Seufzer ausbricht: „Es ist nicht das erstemal, daß einer Willensmeinuag des Monarchen bei der Verwirklichung Gewalt geschieht.' Hat der„Reichsbote" vielleicht das Schicksal der Königlichen Wahlrechtsbotschaft im Auge?— An Wirklichfeit sind eS auch jetzt wieder die rechtsstehenden Parteien, die den Sinn des Kaiserlichen Erlasses zugunsten ihrer Parteiinterefsen verfälschen möchten. Wenn der Erlaß von Männern redet,„die vom Vertrauen des Volkes getragen sind", so sind damit die Männer der Rechten ohne weiteres ausgeschlossen, denn zu ihnen hat auch nicht der zehnte Teil des Volkes Vertrauen, im Gegenteil, die breiten Massen der Bevölkerung stehen ihnen mit dem unverhohlensten Mißtrauen gegenüber. Wir führen daS nicht aus, weil für uns der Wortlaut des Kaiser- , lichen Erlasses von entscheidender Bedeutung wäre, sondern um zu zeigen, wie diese Monarchisten den Satz auffassen,„an eines Kaisers Wort soll man nicht drehen noch deuteln". Nun klagen allerdings die Konservativen: Wir sind doch auch ein Teil deS Volkes, wenn auch der kleinere. Und Herr v. Zedlitz hat sogar die Unverfrorenheit hinzuzufügen, daß die Minderzahl vielfach ausgeglichen werde durch„h ö h e r e v a t e r- lärxdische Oualitäten der Gegner des linken Blocks". Das ist ungefähr das D r e i st e st e, was uns in 50 Kriegs-' Die neue �ront i« Flandern— Vergebliche feindliche Angriffe beiderseits von Cambrai und beiderseits Le Catelet— 5iätnpfe an der Veslcfront und an neuen deutschen Linien in der Champagne— V,ele feindliche Panzerwagen vernichtet. B erli». l. Oktober 1918,« be»»«. A m i l Ich. Heftige Angriffe des FeindeS in Flandern, beiderseits von Cambrai und in der Cham« p a g u e wurden abgewiesen. Amtlich. Großes H«optquartiei. verli», 1. Oktober 1918. Westlicher Kriegsschanplay. Heeresgruppe Nronpria, Ropprech» Nabe an Der Küste nahmen wir bei einem ersolgreichen Vorstoß einige hundert Belgier gefangen. Unsere neue Front in Flandern»erlSuf» I« Zuge der in der vorjährigen Flandrrnschlacht ausgebauten rüitwärtigea Stellung vou dem Hadzame-Adichnilt— westlich a» Roejeiarr »orbei über Lebe em— Grluwe»ach Wervik und dann) in der Ly»- Niederung nach unserer alten Stellung bei Armentierc«. Der Feind griff gestern nachmittag zwischen R» e s e l a r e und W e r v i k an. Er wurde vor nnseren Linien abgewiesen. Neben Belgiern und Engländern nahmen wir gestern hier auch Franzosen gcsangen. Borstöße des Feindes zwischen F l e» r b a ix au» H» l l u ch und Deilangriffe gegen die Höhen von Fromelles mid S u b« r« scheiterten Beiderseits von Cambrai septr der SnSlönder tagsüber sei« heftigen Angriffe fort. Am Nachmittage gelirng es einer«n eingesetzte» kanadischen Division, vorübergehend nördlich an Cambrai vorbei auf R a m l l l i e s vorzustoßen. Nutrr FSH. rung deS Generalleutnants v. Fritsch warf die in den kämpsru zwischen Arras und Cambrai besonder« bewährt« württembergische 25. Nrscm- Division den Feind wieder auf T i l l» h zurück. Auch südlich von Cambrai haben wir uiisere Stellungen gegen de» mehriachea Ansturm des Feinde» restlos behauptet. Heeresgruppe Boehn. Beiderseits von Le Catelet nahm der Feind am Nach- mittag seine Angriffe zwischen Bendhuille und Ion« court wieder aus. Auch südlich vou Foncour, und'südlich der monaten zu Gesicht gekommen ist und beweist, daß noch manches geschehen muß, um gewisse Leute von dem Hochmuts- t e u f e l zu kurieren, der sie trotz allem noch immer reitet. Am übrigen bestreitet niemand den Konservativen, daß sie auch ein Teil des Volkes sind. Sie sind der kleinere Teil des Volkes, der bisher überdenweitgrößerengeherrscht hat. Das erschien ihnen völlig gerecht und in der Ord- nung. Die neue Wendung der Dinge bedeutet, daß fortan in Dentschland de r Wille der großen Volksmehrheit über den einer kleinen Minderheit gebieten soll. Das plötzlich soll nach� konservativer Ansicht eine Vergewalti- gung sein. Und weil ihre Alleinherrschaft doch unwiderruflich dahin ist, wollen sie die Trümmer wenigstens in der Form retten, daß sie jetzt erklären: Beide Teile sollen zusammen regieren. Aber keines der konservativen Blätter, die diesen Gedanken propagieren, erzählt uns, wie ein solches Koalitionsministerium aktionsfähig gemacht werden soll. Die„Deutsche Tages- zeitung" richtet heute an uns die Frage, wie wir uns die Mög- lichkeit einer nationalen Verteidigung vorstellen, wenn auch alle anderen Parteien, wie wir es von sozialistischen Ver- tretcrn in der Regierung fordern, mit leidenschaftlicher Energie für ihre Auffassungen eintreten und ihren Weg bis zu Ende gehen?— Darauf antworteten wir mit der Gegenfrage: Wie stellt sich die„Deutsche Tageszeitung" die Organisierung der nationalen Verteidigung durch ein Ministerium vor, unter dessen Mitgliedern über die ersten Voraussetzungen der Verteidigung die klaffend st en Gegensätze b e st e h e n? Wie soll Scheidemaiin mit Westarp zusammen arbeiten, wenn Scheidemann als eine der wichtigsten und dringendsten Aufgaben die Einführung des gleichen Wahlrechts in Preußen bezeichnet, während Westarp die Nichtausrollung innerpolitischer Fragen für durchaus notwendig hält?! Genau ebenso steht es mit der nach außen gerichtetm KriegSzielPolitik. mit unserer Politik gegen- über den ehemals rassischen Völkern, mit der Politik gegenüber Belgien usw. usw. Summe entwickelten sich am Abend heftige Kämpfe. Angriffe deS Feinde« wurden überall abgewiesen. Heeresgruppe Deutsche» Krvnprin». Gegen unsere Linien zwischen AiSae und BeSle und über die Beste zwischen Breuil und Jonchertz richtete der Franzose heftige Angriffe. Trotz mehrmaligen An- st»rm« find sie bis ans einen Teileriolg, der de» Feind auf die Höhen nördlich von Breuil führte, gescheitert, In der Champagne beschränkte sich der Feind aus Teil- angriff-' östlich der S u i p p e S, grge;» St. Marie ä P y, nördl-ch von Soinme-Ph und gegen unsere nenen Linien, die wir in der Nacht nördlich von Aure und Marvanx bezogen ha/ten. Sie wurden abgewiesen; bei St. Marie ü Py nahmen wir hierbei zwei französische Kompagnien gesangea. Mit stärkeren Kräften griff der Amerikaner östlich der Argonnen an. Brennpunkte des Kampfes waren wiederum Apremont und der Wald von Montrebean. Wir schlugen den Feind äbrrall zurück. Er erlitt auch gestern wieder besonders schwere Verluste. Heeresgruppe Gallwitz. Auf dem westlichen Maasuser blieb dir Gefechts- tätigleit auf StörungSfriirr beschränkt. Infanterie, Pioniere und Artillerie haben«m der Lee- uichiung zahlreicher feindlicher P an rrwiz-u gleichen Anteil. In den letzten Kämpfe» taten sich tzinrSr? st sonders hervor: die LeulnantS Suhling nnd Bnrmeister vom Reserve«In« fanterie-Negiment 99, die Bizefeldwedel Jolkmann vom Garde- Reserve- SchüneZt« Bataillon und Raugnth vom Neserve-Jusanterie-Regiment 27, die Leutnants Keibel vom Feldartillerie- Reg'wrnt 49, Schrrpler vom Frldartillerie-Regiment 74, Ribbelt vv« Feld- arlillerie Regiment 198, Mayer und Bräuer vom Reserve-Frld- artiverie-ssitaiment 241, Berninghan« vom Rtserve-Feldartillertc- Regiment 63 und Unteroffizier Thcle vom Feldartillerie- Regiment 49. Der Erste Generalauarti ermeister. Ludendorff. Der österreichische Gericht. Wir«, 1. Oktober. Amtlich wird»erlautbart: An»erschiedrnrn Stellea der albanischen Front örtliche Kämpfe. Sonst keine besonderen Ereignisse. Der Chef de? GeneralstabeS. Kurz und gut: Worin liegt der Wert einer möglichst langen Front, wenn diese Front eine bulgarische ist,, in der ein Truppenteil auf den anderen losschlägt?! Man träume doch nicht davon, daß die Gegensätze zwischen links und rechts sich auch nur eine Woche lang überkleistern ließen. Bei der ersten Notwendigkeit politischen Handelns würde die müh- sam errichtete Front der Koalitionsregierung in n i ch t S z e r- fallen, sich statt eines Bollwerks als gemalte Kulisse erweisen. An Wirklichkeit glauben auch die Konservativen nicht ernst- hast an irgendeinen Nutzen, den die Koalitionsregierung uns bringen könnte. Ihnen ist der Plan einer Koalitionsregierung nur ein letztes verzweifeltes Mittel, um in zwölfter Stunde den verhaßten S y st em Wechsel, den Uebergang zum reinen parlamentarischen System zu verhindern. Er ist die letzte L i st einer Herrscherkaste, die sich mit Macht nicht mehr zu erhalten ver- mag. Um noch irgendwelche Dummen einzufangen. stellt man die Koalitionsregierung kühn der Volksregienmg gleich, wäh- rend im Gegensatz hierzu die jetzige Lösung als Parteiregierung verschrieen wird. Das Spiel ist zu durchsichtig, um täuschen zu können. In Volke besteht ein durchaus richtiges Gefühl dafür, daß der Gegensatz zur Volksregienmg nicht Parteiregierung ist, sondern die H e r r e n r e g i e r u n g. d. h. die Regierung kleiner, über das Volk sich erhaben fühlender Schichten, mit der wir Unglück- seligerweise in den Krieg hineingegangen sind. Von dieser stets nur mit Unwillen ertragenen Regierung hat uns jetzt der Krieg befreit. Eine Volksregierung kann sich gar nicht anders ausdrücken als in der Herrschaft der Parteien, denen das Volk durch die Abstimmung bei der Wahl das meiste Ver- trauen schenkt, und durch die Niederlage jener Parteien, die nur durch den Druck und Einffuß der Herrenschichten leben. DaS ist die jetzige Situation, sie soll durch kein KoalitionS- Ministerium der Welt verschleiert, sondern im Gegenteil so deutlich wie nur irgend möglich gemacht werden. VaffenMstanö ZWWen Entente nnö Sn�aeien. � Ekusiellung Sc? Is�ösLÜgkektr«. Amsterdam, SS. September. Wie das Neutersche B«rea« erfährt, ist der Waffenftillstattd zmische» Vulgariev«nd der Entente abgeschlossen worden. DaS Ereignis hat sich in jäher Kürze vollzogen. EL ist bedeutsam und vielleicht in seinen Auswirkungen gewaltiger, als sich heilte voraussagen läßt. Das Faktum, wurde am Montag schon durch eine Wolfsureldung, die einen fränzösi- schon Funkspruch wiedergab, in den Berliner Redaktionen be- t'annt. Wer die in dieser ganzen Episode Imlgarischet: Kriegs- beteilig un g äußerst schlecht beratene deutsche Oeffentlrchkelt sollte zunächst auch bei diesem abschließenden Borgang noch um einen halben und ganzen Dag in ihrem Wissen zu kurz kommen. So stürzt das Ereignis mit plötzlicher Schnelle auf sie ein und hat sich doch in Bulgarien keineswegs in solchem Tempo vollzogen. Seit dem Abzug der Regierirug Ra- doslawow hat sich mit logischen Schritten entwickelt, toas der Aufstieg Malinosss immerhin in Aussicht zu stellen schien, toas aber der deutschen Oeffentlichkeit durch Kundgebungen und Kommentare ausgeredet wurde.. Der Krieg hat Bulgarien bis auf den sttunst gebracht, wo die Schwierigkeiten, die er überall erzeugt, sich in heftigen innerpolitischen Kämpfen entladen. Der Stillstand der bul- garischen Front seit zwei Jahren, die Enttäuschungen, die der Bukarester Frieden den nationalistischen Wünschen des Landes bescherte, Unzufriedenheit und unauZgeglichene Reibungen mit den Bundesgenossen und dazu die ErnährungsbedrSng- niste, die das agrarische Land nicht wegheben konnte, das alles steht hinter den Vorgängen, die erst in Form von Unruhen und schließlich in dpm Entschluß zum Wasfenstillstand ansagten, um waö es sich in diesem schweren ßriegsleidenssalle handelte. Das Ergebnis ist der Abfall des Bundesgenossen der Mittelmächte, auf dessen Festhalten am Vertrage größter Wert gelegt werden mußte und auch gelegt wurde, ein Abfall, der nicht bloß ein milimnsAer Zusammenbruch ist, sondern der sich in einer Form vollzieht, gu der immerhin die Hossimng mitgewirkt haben muß. beizeiten den Anschluß an die. Ent-nte- mächte zu finden, um für gewisse Fälle zu retten., was sich retten läk'.t. Der Adsail ist eine Anerkennung des fortdauern- dm MitbsstimnlungSrechts derjenigen Mächte, die dirrch dm tSang des Krieges aus ihren bisherigen Emfluß auf dem Balkan hevaUsgeschlagm zu fein schienen. Ob die Rechnung, der Malirroff gefolgt ist, stimmen wird, läßt sich heute noch nicht sagen. Bulgarien, hat sich gewisser- irucheu auf Gnade und Ungnade ergeben, und mit ungemeiner Schnelligkeit.— so scheint es unß, die' wir im unklaren. über den Gang der EreignNe gclasten wurden— hat eS die Unter- werfimg schriftlich anerkannt. Ob diese Unterioersung sich so vollzichen wird, wie die Entente es fordert, werden die kommen- den Tage zeigen. Ter bulgarische König hat dem österreichischen und den: Deutschen Kaiser drahtlich seine Bundestreue vcr- sichert wld ist nach Wien«bgereist. Zugleich hat er die schlimm- Km' Widersacher des KrisgeL, die GhenaolAv und die Bauern- parfejler die zu Beginn des Krieges gegm Bulgariens kkriegZ- betetligunz opponierten und deshalb MzMert Wch iMo stiert wu«W«'bM>adiist. DaSihäßt schlüge'«»staue LasttDv, in M. hör Kvmg geraten ist. Am �neistxn Pgd�-tßt.U'ür deu.Hyt' schluß,.Niüch hem Bulgarien jetzt gehandLst patst fist Einnmims 'miMlmLWtker kuppen in So na. der'am' Montag zitglerch mit dem MstWß. des W«fsinstillstmcheS gemeldet würde. Die �MonMe ANimnoine Zeitung- fügt der Mal- dung Vom??bschlüß des Waffenstillstandes.folgende Bemer- kungen die beachtenswert sind, an- »sofern die Mirt�elmächt« nicht yefvz»««« sind, ihn anzuerkennen mW ihre nach dem BakZcm strömenden Tnvpen aufzuhalten, so l&rnen ste, dicS darf m-.rn hoffen, gewi ß auch nich.t u nb et r ä ch d? i che. Teile des b u lga rifchenHeereSmit sichreihen. Di« GewKh. ruug des SJaffeikktivstamdeS soll-nach der Abficht der Endente zweifellos de msualisierend auf Sobranje und Heer nnricn. Bei diesem ist die? in eirmm gewstsen Umfang»echt»usge schloffen, bet der Sobranje liegt ein Umschwung durchaus im Dereich des Möglichem" Diese Bsmerkungen vermeiden es zwar/kurzweg zu sagen, daß die Mittelmächte den Waffsustillstand nicht anerkennen werden, find aber im übrigen in bezug auf die Hoffnungen, die sie mit dem Einmarsch der deutsch«» und ölterreichischen Truppen»lach dem Balkan verbinden, deutlich genug. » VLelzr den Verlauf der Waffenstillstand sverhimdkungen unterrichten fokgoude Telegramm?: Paris, 2S. September.(HavaS.) Die tul» arische» Parlamentäre Ainauzmiutster Ltaptschew, General x», low, Kommandant dar 2. Armee, und der ehemalige Minister Rade»? find gestera abe« i» S a l» a t k i aagekomme», um über die WaffeustillstmldZbehingtiugc» zu verhaudelm General Franchet d'ESperey taird sie hcirte empfangen. London, W. Septe»nber. Wir Reater erfährt, whrb tte formelle Antwort an Lulgariea nnr nach einer Beratung mit den Alliierten g rg«b e» werde». Unter. dessen ist die biitaarlfckie Regierung von den allgemeinen Grund- linie« der PoStik in Kontrtuis zeseht wvrbrn, und rz ist anzu- nehmen, daß die Rechurung in Saft« jetzt die formelle Anwwrt der ANwrten abwarten»uird. Jnzwis«i»e» werden die wi.litSri» schen Operationen der A lliierte» fortgesetzt. Oer l i«, oll. Sept.(WTB). Der fran-!> fische sstunkspruch meldet unter dem 29. September: Hpjjtc nach ist ein Waffen- sti llst a n d zwischen den bulgarischen Abgesandten and dem Hauptquartier der Orientarmee in Saloniki anterzeich. n e t worden. ES ist auf der ganzen Fron» der Befehl gegeben worden, die Feindseligkeiten einzustellen. W i e«, 30. Sept. Die Blätter rnekden auS Sofia: Oester. reichisch. ungarische Trappe» find hier et». getro ffen. Wie die.�frankfurter Zertung" rnelbet, wurde» den Bulgaren von der Entente folgenbe Ha»ptbeding»ug«a gestellt.- 1. Die von den Bulgare» besehte« griechische» und serbischen Provinze» werde» zurück- erstattet. 2. Alle bulgarischen Eisesbahue» werde» d-m der Entente b r s e k t. 3. �»»lKaricu muß vollftiudig demobilisieren. Nach efium«nderm H«ltht ist geradezu die llebergabe von Sofia gefordert worden. Diese Forderung wäre in der zwecken Bedingung enthalten. Nach einem amtlichen Pariser Haphsbmcht wurde der WasjxnMMnd am Sounckstgabend in Sdwnöki zwischen General Franchet d'Efpereh und dem dulgarlschen Bevollmächtigten Unterzeichnet.� Die ,DcnIh NetvS" bemerke» gs. den Sbädingioinen, daß sie einen Mindestpreis darstellten, den die Alliierten er- langen' iöniüetL Tie Annahm«'dieser Bedingungen durch Bulgarien würde bedeuten, daß seinem Grenze«, wie ste vor dem Kriege bestauben haben,»»uocräiwert bleiben würden, daß die Ueberlebeu- den seiner Truppon nach-ihren verlassenen Hei-mstärten zurückkehre,- könttteu und daß der Schutz des bulgarische« Gebiete» von den Armeen der Euieute überuouun«« werbe. Keime Ncrtwu, di« eine Nolle wie Bulgarien gespielt habe» hätte hoffei» dürfen, mit so leichter Strafe drwonzu low m en. * Die Aufnahme des b»lqarisch:n Friedensangebots i« Slmerika. Anisterdaw, A). UMember. NuZ Washington wird der .TimeS' gemeldet: Das Friedensangebot Bulgariens an die Alliierten ist hier mit großer Geuugtuuns aufge- nommen worden. Stach dem.Journal de Geueve" fast Bulgarie« gestern* n Wilson eine Note gerichtet Huben, tu der et den Prästdertteu banachrichtigt, daß e» dessen Erklärungen über den Frieden zu den sein igen mache und bereit fei, die Waffen endgültig iriederzulegen, wenn e® die Gewißheit haben köime, daß sein« Interessen aus dem FvieheuSkongreß geprüft werden würden. Nach der.Feuille" soll -Z sich sozar um«,» förmliches Ersuchen um Vermittlung hanteln. Tus Emgreifr» der bulgarischen Svzialistc». Räch einer Pariser Meldung der Baseler.Neuen Corre- spondenz" berichtet laut.Rationalzeckung" die.Agenee de Balkan" aus � Sofia, daß die Haltung der sozialisti- scheu Parteien Bulgariens bei dem Entschluß Ma- linoffS eine wichtige Rolle spielte. In der Tat hat das Zentzralkornckec der sozialistischen Partei am 29. September beim M'misterpräsidentei» Malinosf- vorgesprochen und durchaus darauf beständen, daß die Politische»md militärische Lage sofort in der Sobranje znr Diskussion ge- st e l l t und Friedensbesprechungen mit den Alli- iertm eingeleitet wurden. KriegSfeindliche Kund- gedungen hatten i» Sofia, in Philippopel und anderen Städten stattgefunden. » Leber de« Eindruck des WaffenstillstamdSoKMuste» in der Türkei sagt ein Konstouttnopsler Wvlff-TrtSMcrmm vom Man- tag: Die heutige Presse brückt vollkommen« Nuhe allen Eoeignisson in Bulgarien gegenüber auS..lZldom" erklärt, etz sei ein Aben» teuer wie mehrere in dresem Kriege, und.Dannm- sagt, schlimunstmlsullS werde die Läge wie vor Kriegpein- trittS Bulgarien«, wobei aber die Wege zunsche« de» Tür. krl«nd de» Oerhüvdete» osfra seien. Eröffnung öes öfterreickifthen Reichsrats. I» der kritischsten Stu,we de« Weltkrieges versammelt sich der österreichisch« Reichs rat. Alle Probleme der inneren und äußere» Politik ixx verbündeten Douaumonarchic liege» bloß. Uud die Regierung Hussaret hat keine Mehrheit. Um pi« Deutscheu bei der Stange zu hallen, hat der Minister- präsü urt die Zweiteilung� der böhmtscheu Landes- Pe rwa l» u ug s kam müs f i o« angeordnet, tuoiuit wieder die Tschechen lwüskiert stttd. Die Tschechen rerlangen den iu«ionalen ,.Sda«ch tttterpreiierru-diese Hordexz�ck äbe?-.m imperial, stifchen Kmiw, inbem sie u.l.��inwrt«' aus vchgllhie'Hernamente dir KKdstästdiWt der Imver bei, leitigen' WenzetSlronch Äöhmcns, VkaMr« und ��leMiS/'begchrcu,'.öafin/äber� äu» einem ganz an« deren Räsoneuient� au« der«aturvechtlichen Ideologie des natio- ualen Prmzh�,thw�H»ävig>r»igll»ft den üngarlänbischen Slowaken wünschen. Unter svtanen Umständeu würde die' vielfach geschlossen siodeind« deutsche Wircherhrit der tschechische« Mehrheir aus Gnade und Ungnade ausgeliefert. Es ist deshalo begreift. ,, wenn die deutsche« Sudctenläudlcr die naimnale Seldswerwaliung als Schutz begehren. Auf den anderen Seite verweigern die Deutschen in Wien den Tschechen undm deu Alpeullindern den Südslawen di« staatsrechtliche klnerkenunng der«aiimiale» Gleichberechtigimg und Sxlbftverwaüvng. So gewinnt die Kaiserliche Verordnung über die Zweiwiluag der böhmische« LandcSverwaltungskommisston durch ihr« Zsolicrcheit den Charakter eines gehässtgen Ausnahmegesetzes. Wir Reichsdeutsche müssen daher den Denis chösterrdchern den ernsten Porwurf machen, daß sie durch ihre aneiuhcitliche Po- litik, die»rur die»eschränkteu eigene«, nicht di« Ziele deS Gesamt- deutschwmS sieht, die im deutschen Interesse dringend wünschcns- werte wirtschastliche und politische Angliederong der österreichischen Slawen a« den deutsche« Block hemmen. Am' Süden stcht diesüdslawischeLSsuug z»r erneuten Diskussion, seitdem die Ungarn versuchen, daS südslawische Sprachgebiet zu teilen, indem sie Bosnien und die Herze- gowimx, statt sie mit Kroatien und Slcwonien zu verschmelzen, wie dieses als eine ungarische Provinz mit gewissen autonomen Rech. ten sich angliedern wollen. J« Oesterreich erhebt sich dagegen leb- hafter Einspruch, weil die Erfahrungen mit der selbstsüchtigen ZhrtegSwirtschaftSpontkk der Magyaren nicht zu einem Vertrauens- Vollen Zusammenarbeiten ohne ganz scharf umrissen« Rechtsbürg. schaffen ermuntern Die Oesterreicher fürchten, daß der ungarische Plan ihn«, Bosnien und die Herzegowina als Absatzgebiet, als Rohstofflieferant und als Durchgangsland nach dem Balkan sperrt. Die österreichische Regierung strebt, wie Gras B»rrian sagte, die Föderalifierung im Innern an, deren tendenzielles Ziel ist: die Nationen in einem mehr oder minder scharf auSge- prägten Bund nationaler Staaten zu vereinen. Damit soll den Versuchen der Entente die Spitze abgebrochen werden, die die innere Politik Oefterreich-tlngarnS zur Diskussion der WeltsriedeuSkon- fevenz stellen möchte. Die Abficht ist zu loben. Allein sie findet kein Verständnis bei den bisher vorherrschenden Nationen, den Deutschen in Oester- reich uud den Magyaren in Ungarn. Die bürgerlichen Parteien haben noch nicht die staatSmänniscbe Weisheft errungen, daß eS klug ist, unhaltbar gewordene Stellungen im rechten Augenblick freiwillig zu räumen. Und fo bedauerlich eS ist: wenn diese Nationen nicht selbst vollen, so darf sie die österreichische Regie- rrrng nicht zwingen, weck sie sich eben nicht auf die Slawen der- lassen kann. deutsihöfterreichjfifcungaristhe Mkanz. Besinn der Reichsratstazung. Jen Wiener Blättern zufolge beschloß der Verband der f-Natianalen Parteien, dan Obmann des Verbandes zu heauftragen, sich unverzüglich mit dem Parteivorstand der' Christlich-Sozialen Vereinigung ins Einvernehmen zu setzen, um mit diesem eine gemeinsame Beratung mit den Führern der großen Parteien deS ungarischen Abgeordnetenhauses über beide Reichshälften gleichmäßig berührende Zukunftsfragcn zu ver». embaren und dahin zu wirken, daß eine gemeinsame Beratung schon in allernächster Zeit erfolge. Der Ausgleich von 1867 sichert den Deutschen in Oester- reich, den Magyaren in Ungarn die Vorherrschaft. Die bürgerlichen Deutsch-Oesierreicher und Ungarn wollen sich die Hand zur Verteidigung der dualistischen Verfassung gegen die durch diese Machtverteilung benachteiligten slawischen Völker und ihre Fürsprecher außerhalb der schwarzgelben Grenzpfähle reichen. Die Obmänuerkonferenz deS Abgeordnetenhauses«ereinlHUi«, in die Debatte über die wahrscheinlich am 2. Oktober zu gewärti» gende Erklärung deS Miiiisterpräsideiiten alle politische»», auch die außenpolitischen Fragen elnzubeziehen. Im Laufe der Beralung wurde ein Anirag des Mmislerpräsidenten Frhm. v. Husiarel dor- eelegt auf Zusammenfassung der politischen Fragen io einer De- bat»«, in der die Regierung von Fall zu Fall lhreu Standpuntl zu de»» einjeluen aufgeworfenen Kragen darlegen werde. K o r o s e c betonte den Wunich der Südslawen nach Aufklärungen darüber, ob Tisza tatsächlich als homo reginn unter Mitwissen der öslmeichischen Regierung seine Lrußerungen über die Südslawenfrage gemacht habe. Der Tscheche Stark betonte unter Hinweis auf die Zwei- teilung der LandesverwoltungSlommission in Böhme» die Not- weudigkeit, besonders über böhmische Angelegenheiten zu sprechen. Eil» eiUsprecheudes Bedürfnis besiehe auch bei den Eüdslawen. PetruS zswicz kündigte Anträge betreffend die Friedens« note BuriauS sowie betreffend Verhandlungen über die zukünftige staatsrechtliche Stellung Oftgaliziens in Verbindung mit der sogen. auftropolnischen Frage an. Der polnische Sozialdemokrat D a c z i n S k i wünschte, daß der Ministerpräsident dem Hause auch eine authentische Darstellung der mrlitärischen Lage mit Rücksicht auf die Vorgänge an der Balkan- front gebe. Diesem Wunsche trat der Christlich- Soziale Häuser bei. Kriegöfteuer««nd außerordentliche Vyrmöge»S»bgade in Oesterreich. L« FinanzauSsihuß de» Abgeordnetenhauses entwarf Finanz- minister Krhr. v. Wimmer einen Finanzpläu zur Deckung der lau- senden Gebarung von rund zwei Milliarden. Er verwies auf die seit dem 1. September dieses JahreS auf administrativem Wege eiugfführten, im Budget noch nicht enrhalte-wn finanziellen Maß- nahmen wie Erhöhung der Postgebühren und der Cisenbahngüter- tarife, Preisbeteiligung deS Staates bei Zündhölzern, Einführung der Zollzahlung mit Gold-Agio in Oankuoleu, welche insgesamt ein« jährliche Mehreinnahme.von über 700 Millionen ergebe. Hierzu käme« 066% Millionen Kronen, welche die dem Parlamente bereits vorliegenden nrch nicht erledigten neue« Steuern bringen würden. Es bleib« somit noch ein Abgang von rund 000 Millionen Kronen in der laufenden Gebarung, zu dessen Deckung die Reg�e- rung in Monatsfrist folgende Vorlagen einzubringen gedenke: Er- höhung der Branntweinsteuer und Bicrsteuer, Reform der Verkehrs, steuer, Einführung der Warenumsatzsteuer, die gleichzeitig ein« LuxuSfbeuer mit sich bringen würde sowie Einführung einer daueru- de» Vermögenssteuer. Außerdem beabsichtige de- Regierung eine Vorloge einzubringen über Beteiligung des Staates an dem Verkaufspreise von staatlich bewirtschaf- tet-r: Waren und von Waren, stuf deren Preisbestimmung der Staat gesetzlichen Einfluß habe. Alle diese finanziellen Matznahmen würden allerdings eine Jahres einnähme von rund zu«, Milliarde« ergehen, wenn alle diese Steuervorlagen vom 1. 7. 1918 ab in Wirkfamkeir getreten wä rem Da did Erledigung dieser Vorlogen � jedoch noch einig- Zch» danern werd«, sei an die�Dlufirng ,bi-"... laufenden-Defizit» in dickem Jahre aas diesen Quellen nicht zu denken.»veShalb die Regierung beabsichtige, zusammen mit anderen Steuervorlagen auch eine Vorlage einzubringe«, welche zur Deckung de? Defizits der laufenden Gebarung die einmalige Jnansprnchnahmr deS Vermögens varsieht. Auch dies« Vermögens- abgab« dürfe mit der großen VermögeuSabgad nicht verwechselt werden,»vrlchr aar eine LiguidierungSmaßnahme der gnuzea finanziellen Sitvatio» nach dem Kriege sein könne. Bei dieser einmalige« Steuer werde darauf Bedacht genommen werden müssen, daß die geplante dauernde Vermögenssteuer nicht beein- trächtigt, aber auch dem Plaue einer künftigen großen Vermögens- a-bgabe nicht präjudiziert und die Erhaltung der Produkts onSfähig- Kit nicht außer acht gelassen würde. �lemenceaus ltaillaux-�etze. Die Schergen ClemenceauZ lassen nicht locker. Sie knüpfen immer neue Fäden, um das tzaupiopfer Caillaux im Garn zu halten. Die Pariser Presse veröffentlichte vor einigen Tagen ein« an den Senat gerichtet« Eingabe auf Auslieferung des SemuorS Humbert wegen Hochverrats. Die Anklage beruht auf der Aussage eine? 1913 zur Deportation verurteilte» ehemaligen Offiziers, sowie auf angeblichen Erklärungen Haelst und des Be- vollmächligten Bertelli, aus denen angeblich hervorgehen soll, daß Bolo mit Humbert und Caillaux im Einverständ- n i 3 gehandelt habe. Caillaux soll also in bon Prozeß hineinge» zoAen werde»». Was bisher fehlschlug, zuletzt im Prozeß Malvy, wird auf neuem Wege abermals versucht. Caillaux hat.Petit Parisierrt zufolge sofort in einem an sein« Verteidiger gerichteten Briefe««ergisch gegen die Anschuldigungen protestiert, die gegen ihn in der Arrklageschrist gegen Senator Humbert erhoben sind. Caillaux bestreitet auf da» be- stimmteste jede Verbindung mit irgendeiner der vrrschie. denen Finanzangelegercheiten, die.Bonnet Rouge' betreffen, auch habe er Mit Humbert keine politischen Beziehungen unterhalten, Die Schiacht in Irankreich. Englischer Heeresbericht vom 39, September nachmittags. In unseren gestrigen Kämpfen nördlich vo» St. Ouentin hat die 46. Division aus dem nördlichen Midlands allein viertausend Gefangen« gemacht und einige vierzig Kanonen erbeutet. In diesem Abschnitt zwischen Be l l i c o u r t und Gonnelieu war der Widerstand des Feindes gestern hartnäckig. Amerikanische, australische und englische Truppen waren bis am späte« Abend in schwer« Kämpfe Uerwickelt, gewannen trotz starken Widerstände? Gelände und machten viele Gefangene. Feindliche Gegenangriffe bei Bony und VillerS GuiSlarn am späten Nachmittage hatten zur Folge, daß unsere Truppen ein wenig gegen den West- lichen Rand dieser Dörfer zurückgedrängt wurden. An andere» Stellen wurden unsere Vorteile behauptet und nördlich von Gönne- lieu wurden während des Abends tveuere Fortschritte in der Rich- tung Les Rues des V>gnes gemacht. Auch an der linke» Flanke der Schlachtfront wurde gestern nachmittag schwer gekämpft, und unsere vorgaschobenen Truppen, die Aubencheul» a u- B a c genocnmen hatte« und in A r l e u x eingedrungen waren. waren gezwungen, sich aus diesen Dörfern zurückzu- ziehen. Westlich und nordwestlich von Cambrai war der Feind außerstande, das Vorrücken unserer Truppen zu verhindern. deren vorgeschobene Abteilungen die Kreuzung der Straßen ArraS— Cambrai und Bapaume— Cgmbra» erreichten und in d i» nördlichen Vorstädte der Stadt eindrangen. Den» Nr. 27? ♦ ZS.�ahrgaag Seilage öes Vorwärts Mittwoch, 2. Oktober 1 91 S ssrna volksgefunöheit und Staatsministerium. Von Hugo Heimann. Von allen Problemen der UebergangS- und Friedens- Wirtschaft wind kaum eines seht eifriger behandelt als das Wohnungsproblem. Die kleine Zahl von Männern auS Theorie und Praxis, die seit Jahren warnend auf die drohende Kleinwohnungsnot hingewiesen haben, ist heute zu einem stattlichen Chor geworden. Fast unübersehbar sind die parlamentarischen und kommunalen Ausschüsse sowie sonstigen Vereinigungen, in denen über Kleinwohnungsnot und Mittel zu ihrer Abhilfe beraten wird. Ueber das Stadium der Er- wägungen ist man aber noch nirgends hinausgekommen. Das liegt weniger an dem mangelnden guten Willen der betreffen- den Stellen als daran, daß man das Wohnungsproblem erst jetzt, so spät, anpackt, wo es fast nirgends mehr fest zu fassen ist. Die sozialdemokratischen Vertreter im Reichstag, m den Einzellandtagen und den Gemeinden können sich das Verdienst zusprechen, zu einer Zeit schon auf-die drohende Gefahr hin- gewiesen zu haben, wo es noch möglich gewesen wäre, ihr wirk- famer zu begegnen als jetzt. Man hat aber bis vor kurzem geglaubt, alle solche Warnungen beiseite schieben zu können. Infolge der Lässigkeit, und der mangelnden Voraussicht aller beteiligten staatlichen und kommunalen Behörden werden unsere heimkehrenden Krieger daher zu einem erheblichen Teil mit einem Obdach vorliebnehmen müssen, das in schreiendem Gegensatz zu der Dankesschuld steht, die man ihnen zollt. Nirgends find Wohnstätten, die diesen Namen verdienen, für die Heimkehrenden bereit, noch können solche Wohnstätten jetzt, wo man so viele kostbare Zeit hat ungenützt verstreidhen lassen, in genügender Zahl bereitgestellt werden. Selbst für Notwohnungen ist bisher noch fast nichts ge- fchehen. In den Industriezentren und großen Städten liegen die Verhältnisse am schlimmsten. Hier sind auch nach erfolgter Demobilisierung wegen des Znströmens zahlreicher Kriegsteilnehmer die schwersten Mißstände zu erwarten. Ganz besonders ist das f ü r G r o ß- V e r l i n zu befürchten, wo die kommunale Zerrissenheit jede Hilfsaktion, die kleinste wie die größte, zu einer doppelt schwierigen macht. Müßte man da nicht annehmen, daß hier am Sitz der Zentralregierung alle gemeindlichen Bestrebungen zur Besserung der Verhältnisse von den Zentralstellen nachdrücklich gefördert werden? Müßte man das nicht um so mehr erwarten, als ja schließlich der Hauptschuldige des ganzen Wohnungselends in(5 roß-Berlin die Regierung selber ist? Es war eine verhängnisvolle und von denkbar schlimmsten Folgen begleitete Tat, als die Re- gierung zu Potsdam am 24. Juni 1887 mit einem Federstrich das System der fünfstöckigen Mietkaserne auf alle Vororte Berlins bis in die entlegensten Gemeinden ausdehnte, in denen allen bis dahin auch noch nicht eine Mietkaserne ge- standen hatte. Kartoffel- und Laubenland, das ausschließlich landwirtschaftlichen Wert gehabt hatte, wurde mit einem Schlage wertvollstes Bauland. Durch diese oktroyierte Bau- ordnung gab die Regierung den direkten Anreiz zu jener wüsten Bodenspekulation in ganz Groß-Berlin, die einer kleinen Minderheit R i e s en v e r m ö g en verschaffte, aber für die Mäste der Bevölkerung unüberseh- baren, nicht mehr gut zu machenden Schaden verursachte. Binnen relativ wenigen Jahren änderten sich infolge dieser Bauordnung die Verhältnisse im ganzen Groß-Berliner Gehiet so von Grund auf, daß eine durchgreifende Revision der baupolizeilichen Bestimmungen ohne Schädigung zahlloser privatrechtlicher Vermögensinteressen, gegen die natürlich sofort von allen Beteiligten mifs schärfste protestiert werden würde, nicht mehr durchzuführen ist. Hoffnungslos ist Groß- Berlin den Krallen des Metkasernensystems verfallen. Was das heißt, erhellt daraus, daß von den Zha Millionen Einwohnern Groß-Berlins heute schon etwa 90 Proz. im Hochbau leben. Nach den bestehenden Bauordnungen ist die Möglichkeit vorhanden, noch weitere ö Millionen Menschen im Hochbau anzusiedeln. Da sollte doch wirklich, wo nur irgend möglich, mit dem System der Mictkaserne end- lich gebrochen und der Kleinhausbau für die.minderbemittel- tat und unbemittelten Bevölkerungsklassen gefördert werden. Solche Unterstützung sollte ganz besonders von den staatlichen Zentralstellen erfolgen, die der gesuirdheitlichen Fürsorge der kommenden Generationen im allgemeinen Staatsintcrefse größte Beachtung schenken und die Möglichkeit fördern müßten, Kriegerheim st ätten zu errichten, die nicht der Speku- lation anheimfallen können, sondern den Kriegsteilnehmern und ihren Familien dauernd ein gesundes Heim gewähren Die Schaffung solcher gesunder und billiger Klein Hauskolonien ist aber unter den Groß-Berliner Verhältnissen nur möglich in entlegenen, noch landwirtschaft- lich genutzten Gebieten, wo die Mietkaserne bisher keinen Eingang gefunden hat und das Land vom Urbesitzer zu billigen Preisen zu erstehen ist. Als solcher Urbesitzer kommt um Groß-Berlin in erster Reihe der ForstfiSkuS in Betracht. Tie sozialdemokratischen Mitglieder im Verbände Groß-Bcrlin hatten daher schon vor einigen Jahren beantragt, vom Forst- f i s? u s, im Gegensatz zu seiner bisherigen Praxis, eine Auf- schließung fiskalischer Länder zu verlangen, die die Errichtung solcher Kleinh�uSkolonien ermöglicht. Alle Organe des Ver- bandes nahmen dies« Anregung einmütig auf, und nach langen Verhandlungen erklärte in der Sitzung der Verbands- Versammlung vom 7. Januar d. I. der Oberpräsident, Staats- minister v. Loebell,„daß der Staat bereit sei, fiskalische Län- dereien in günstiger BerkehrSlage zu Preisen zur Verfügung zu stellen, welche eine weitläufige Bebauung mit Kleinwoh- nungen in der Form deS Flachbaues für die minderbemittelten Bevölkerungskreise ermöglichen". Als dann einige Wochen später der Finanzminister im Abgeordnetenhause ähnliche ent- gexenkommende Erklärungen abgab, konnte man hoffen, daß diese für die gesundheitlichen Verhältnisse der Groß-Berliner Bevölkerung so überaus wichtig« Angelegenheit endlich in Fluß gekommen sei. Allein die Frcude-war nur kurz. Sobald dem VerbandSausschuß die Einzelheiten der ministeriellen Entschließungen unterbreitet wurden, zeigte eS sich, daß wegen der Höhe der geforderten Preise und der sonstig«: schweren Kaufbehiniungen die Ansiedlung der minder- und unbetmt- teilen Bevölkerungsklassen im KleinhauS mit Gqrten munög-. VDMwNm in Will I. Eine Wählerversammlung, einberufen von der So- zialdemokratischen Partei, findet Freitag, den 4. Oktober, abends 8 Ahr, im Lehm-vereinshaus, Alexanderstr. 41, statt. Zur politischen Lage spricht Neichstagsabgeordneter Dr. David, über die Angestellten und die politischen Parteien Neichstagsabgeordneter Karl Giebel. Außer- dem Ansprache des Kandidaten der Sozialdemokratischen Partei, Stadtverordnetenvorsteher- Stellvertreter Hugo Heimann« lich werden würde. Auch die von den sozialdemokratischen Ver- tretern dringend befürwortete Vergebung in Erbpacht war nicht in� Aussicht genommen. Der Verbandsausschuß faßte denn auch am 29. April d. I. einstimmig den Beschluß, in einer ausführlich motivierten Eingabe an-das Staatsministerium um günstiger« Bedin- gungen zu bitten. EineAntwortistbisheutenicht eingegangen! Di« sozialdemokratischen Mitglieder der Verbandsversammlung werden daher in der nächsten Sitzung die so überaus wichtige und dringende Angelegenheit sowie die Art ihrer Behandlung durch die Staatsregierung erneut zur Sprache bringen und-damit sicherlich im Einklang mit der Groß-Berliner Bevölkerung handeln. Die Zukunft öer Krkegsblinöen. Arm Jos. Dem b eck, München. Hoch-ist d-i« Zahl derer bereits angewachsen, die durch den unheilvollen Krieg ihre? Augeniicht-sS gänzlich»bevaubt sind und die von den Laien häufig als die Hilflosesten und Unglücklichsten betrachtet werden. Zweck meiner Zeilen ist, dieser Anschauung ganz entschieden entgegenzutreten, gestützt auf 21jährige eigene Erfahrung. Es ist ein schlverer Schlag, die Fülle von Schönheit und Pracht, die uins die Natur täglich und stündlich zeigt, mit einem Male nicht mehr schanen zu können, gar manches Herz bricht unter dem Drucke des scheinbar unersetzlichen Verlustes zusammen. Hat „Einstehe für pflichtersüNung bis znm Aachersien I" Oas hat einst ein deutscher Offizier dem Kaiser ans dem fernen Kiautschon gedrahtet, als schon der Tod an die Tore seiner Jeflung pochte. Auch vor der Festung Seutschland steht der Tod. Acht Mai schon ist der Aussoll geglückt, der grinsende Schnitter zurück« getrieben. Jetzt wird zum neunten Male Sturm geblasen. Bis in dt« letzten Ecken und Winkel des Keichs dringt der Ruf zur neuen Offensive des Geldes, znm neuen Wetttamps der fllbernen Kugeln, wie eitler Felndesdünkel sich einst ausgedrückt hat. Spannung hält die Weit gesqngen. Wird die Geschichte einst den Enkeln wieder erzählen: �.... und all«, alle kamen l?" Sie dürfen nichts anderes hören und«erden nichts andere« hören, unsere Enkel, wenn jeder für uns einsteht für pslichiersüiiung bis»um Aenhersten. Darum zeichne! sich aber ber Tob lin bete mit feiner Lage abgefunden und ist er sich darüber klar, daß er sein Leben nunmehr auf einer neuen Basis lveiterführen muß, so erschließt sich ihm die Welt langsam zum zweiten.Male. Gefühl und Tastvermögen werden w kurzer Zeit ganz erstaunlich verfeinert, daS Gehör wird, wenn auch nicht immer wesentlich schärfer, so doch viel mehr routinierter und der Blinde wird Töne und Geräusche wahrnehmen, die er währnd seiner'Seh- zeit nicht beobachtet hat. Nach längerer Blindheit tritt auch Fern- gcfühl in die Erscheinung; gehe ich beispielsweise allein auf der Straße, so fühl« ich unhörbare Hiitdernifse schon auf ein bis zwei Meter Entfernung. Die Bezeichnung ewige Nacht oder ewige Finsternis trifft nicht zu, denn solange ich irache, gibt eS keine Finsternis. Die ohne Unterbrechung ausgelösten Empfindungen, gleichviel ob sie durch Personen, Geräusche oder Gedanken her- vorgerufen wcrden, bringen mir fortwährend Bilder vor die Augen, welche mir in ihrer Mannigfaltigkeit, Farbenpracht und Lebendigkeit das Empfinden von Blindheit gar nicht aufkommen lassen. Sie unterrichten mich dauernd und ziemlich naturgetreu von allem, was um mich vorgeht oder beleben die Gesprächsthemen und Gedanken; sie geben mir von allem eine Vorstellung, aufgebaut auf!tze Eindrücke, die ich bis zu meinem IS. Jahre als Sehender sammeln könnt«. Was später Erblindete früher gesehen haben, bleibt immer in Erinnerung; dadurch haben dies« in jeder Beziehung einen ge- waltigen Vorteil vor den Blindgeborenen. So wie die Blinden und Nichtblinden im Traum« alles sehen, ohne den eigentlichen Ver- mittler die Augen benötigen, so sieht auch der Blinde in wachem Zustande, denn seine übrigen Organe find«iftigst bemüht, die Funktionen der fehlenden Augen zu übernehmen und die fast immer intakt gebliebene Gehirnparzc-ll-e deö Sehens zu spaisc-n. Eine geeignete Schulung und Anleitung wird bald die sich anfangs zeigende Steifheit wieder in freie Beweglichkeit verwandeln. Di«S ist für die beruflich« Zukunft des Blinden von größter Wichtigkeit. Arbeit macht den Menschen zufrieden, ganz besonders den Blinden, der nur durch geeignete Beschäftigung wieder ruhig, zufrieden und glücklich werden kann. Aber die Veranlagung ist individuell, man darf daher einen intelligenten, geistig lebhaften Blinden nie zu einer monotonen Arbeit, wie Bürftenmachen oder Korbflechten verurteilen. ES müssen neue Berufe erfchlofftn werden, und deren gibt es wirklich sehr viele, in denen der Blinde, je nach seiner Veranlagung, auch seine ganze Kraft verwerten kann. An diesem Punkte scheiterten bisher nach meiner Ansicht die praktischen Erfolge der Blinden- fürsorge. ES ist für die Dauer nichts erreicht, wenn einige Be- triebe jetzt Blinde einstellen, welche dann, wenn mehr Arbeits- kräfte zu Verfügung stehen, doch wieder ihrem Schicksal überlassen werden und iwnn dem Staat mehr oder weniger zur Lest fallen. Rationell und fruchtbar könnt« für die gesamten Kriegsblinden ei q grotz-z-ügchHeS Zilnte-znehmea geschaffen perdech welches mit einem Schlage all« Blindenforgen au» der Welt schafft und die Lichtlosen wieder zu vollwertigen Und zustiedenen Gliedern der menschlichen Gesellschaft erhebt. Ob dieses großindustrielle Untcrnchmen(Vereinigte Blinden, Werkstätte) vom Staat oder von Privaten finanziert wird, ist gleich- gültig, in jedem Falle aber ist es eine rentable Einrichtung, deren Reingewinn teilweise wieder für die Wohlfahrt der Arbeiter der- wendet werden kann. Als freier Arbeiter, keinerlei Anstaltszwang unterworfen, könnten die Blinden sich gar bald tatkräftig und viel- seitig entwickeln und die Welt würde staunen, was Blinde zu leisten imstande sind. GroMerün Die öffentliche Dibliothek unö Lesehalle. Ein Werk Hugo Hermanns. Die Kandidatur unseres Genossen Hugo Heimann für den ersten Berliner ReichslagswahlkreiS legt es nahe, auf ein Werk hinzu- weisen, dem unzählige Berliner Arbeiter eine Fülle deS Wissens und der Bildung verdanken. Hugo Heimann ist der Gründer, Organisator und Unterhalter der Oeffentlichcn Bibliothek und Lese- balle in der Adalbertstr. 41. Nach mehrjähriger Borbereitung am 25. Oktober 1899 der Berliner Bevölkerung übergeben, kann das Institut nunmehr auf eine fruchtbare-fast 19jährige Tätigkeit zurück- blicken. Durch den Torflur des Vorderhauses gelangen wir in einen freundlichen Hofgarten und treten durch ein geschmackvolles Sand- steinportal in das Innere des Hauses, das schon durch seine hübsche Fassade wohltuend von den Mietskasernen der Umgebung absticht. Ein Vorraum ist zur Ablage der JBarderobe bestimmt, zwei Flügeltüren trennen uns von dem Saal, der AttSlethraum, Bücher« magozin und die Bureau« einschließt. Beim Eintritt fallen uns als erstes die Nummerwände des Indikators auf. Die Rahmen des Indikators sind durch Metallvlättchen in tam'ende kleiner Fächer geteilt, deren jedes zue Aufnahme eines Metall- kästchens dient. Diese« Kästchen entbält ein Büchelchen und ist auf der Votder- und Rückseite mit der Nummer eines Büches versehen. auf der einen Seite aus blauem, auf anderen auf rotem Grunde. Zeigt das Kästchen dem Leser die blaue Seite, so ist das Buch in der Bibliothek vorhanden, sieht er die rote, so ist das Buch ausgeliehen; im crsteren Falle ist er sicher, das Buch sofort zu er- halten. Es bedarf nur der Angabe der Rümmer, nicht de» Titels, die Rummexn laufen durch ohne nochmalige Gliederungen. Die AuSleihbibliothek umfaßt zurzeit 20 000 Bände schöner und belehrender Literaiur. Selbstverständlich ist eS. daß jene Wissen- schatten, die die Arbeiterschaft besonders interessieren, auch besonders reichlich vertreten sind; auch die Fächer der entsprechenden schöngeistigen Literatur. Der Katalog umfaßt 760 Seiten. lieber eine'breite Trepve lassen wir uns von der Garberobe aus nach dem ersten Stock führen, nach dem Lesesaal. Wir werfen noch einen Blick in die hellen, ganz in Fliesen gekleideten und peinlich sauber gehaltenen Wasch- und Toiletteräume des Vor- flurs, dann betreten wir den einfach und vorncbm gehaltenen Saal. Oberlicht und vier große Fenster sorgen an langen Tagen, vier große Lampen am Abend für gutes Licht. 150 Personen können bequem an den Tischen Platz nehmen, ohne stA in den Gättgett zu behindern. Zu beiden Seiten der EingangSiüren stehen zwei Schränke, der eine enthält mehr als hundert politische Tages- zcitungen aller Parteien, der ander« 420 Wochen- und Monats- schristen. Genaue, systematische Verzeichnisse erleichtern da» suchen und richtige Ablegen. Den Schränke» gegenüber ist die 2412 Bände umfassende Nachschlagebibliothek aufgestellr, deren Benutzung jedem Besucher unter der B-dwgvng freisteht, daß kein Buch aus dem Saale entfernt wird. Sie enthält Nachschlagewerke. Enzyklopädien, Wörterbücher, Handbücher aller Wissenszweige. Kunst- und Vorlagewerke, Allanten, Reiseführer, GefetzeSiamm- lungen, ganze Reihenfolgen der«Freien Stunden", der»Deutschen Rundschau", der»Neuen Zeit" tt. a. Auch hier ermöglicht ein Zettelkatalog schnelle Uebcrsicht. Für Personen, die an Ort und «stelle arbeiten wollen, ist ein mit allem Schreibgerät versehener Arbeitstisch aufgestellt. Neber drei Viertel der eingeschriebenen Leser sind Arbeiter und An gestellte, über zwei Millionen Personen haben seit seinem Bestehen das Institut aufgesucht. Das beweist, welche Be- deutttttg ihm und welches Verdienst um die Bevölkerung seinem Begründer und Erhalter zukommt. Einiges wäre noch zu sagen über den Einfluß, den der Krieg auf den AuSleibbetrieb ausübt. Im allgemeinen ist natürlich ein jedoch nicht erheblicher Rückgang eingetreten, der sich aber durch eine stärkere Beteiligung der Jugendlichen und der Frauen immer rascher wieder in einen Aufstieg der Entletherztffer verwandelt ha: Der Prozentsatz der verlangten schöngeistigen Literatur ist im Gegen iatz zur belehrenden gestiegen, was wieder auf die Frauen zurück- zuführen ist, die vor allein eine Entspannung notiger brauchen denn je. In der Lesehalle allerdings macht sich die Verödung des Krieges am stärlsten bemerkbar. a. z. Weitere Erhöhung der Faniiliennnterstützung? Wie einer Mitteilung des Charlottenburger Magistrats zu entnehmen ist, steht wie in den Vorjahren auch in diesem Jahre eine Erhöhung der Reichssätze der Familienunterstützung bevor. Der ReichSsatz beträgt zurzeit 20 M. für Ehefrauen und 10 M. für Kinder der Kriegsteilnehmer sowie für sonstige Unterstützung?« berechtigte Personen. Zu diesem Satz wird auf Grund der Bunde?- ratsverordnung vom 2. November 19t7 seit dem 1. November v. I. eine Erhöhung von S M., zusammen also 2V M., auS NeichSmitteln gezahlt. Es ist zu erwarten, daß der Satz wiederrmt für jede unterftützungSberechiigie Person um 5 M. erhöht wird. Die Stadt Charloitenbutg will hierzu auS städtischen Mitteln einen Zuschuß tzy" 5 M. geben, so daß jede unterstützte Person statt wie im Vor- jähre um 5 M., um 10 M. aufgebessert werden würde. Die anderen Kommunalvecbände dürften als Lieferungsverbände im Sinne des Familienunterstützungsgesetzes diesem Beispiel folgen. Groß-Berliner Arbeitsnachweis« Die langjährigen Beratungen über den Groß-Berliner Arbeit?« Nachweis wurden gestern durch eine Entschließung der im Berliner Rathaus versammelten Vertreter der Groß-Berliner Gemeinden zum Abschluß gebracht. Di« Versammlung einigte sich auf eine von Berlm vorgelegte Satzung, über deren endgültige Annahme die Groß-Berlmer Gemeinden sich bis zum l. November erklären sollen. Ein Ausschuß von Vertretern der Gemeinden der Provinz Branden« bürg, der Arbeitgeber und Arbeitnehmer soll die Geschäfte der neuen Vereinigung sühren._ Ueber den Heizbeginn für Zentrakhetznnge« teilt die Kohlenstelle Groß-Berlm folgendes mit: Der Betrieb der Zentralheizungen in Groh-Berlin erfordert pro Tag rund 100 000 Zentner Kols. Wenn also die Heizung anstatt, wie vorgesehen, am 15. Oktober, allgemein bereits jetzt in Betrieb genommen wird, so bedeutet dies einen Verlust von 1'/» Millionen Zentner Koks, dessen Fehlen in der kalten JabreSgeit m�siKHUpeffe bitter empfunden weiden wird. Wemt iroÄdem ÄMM aflb Vermieter eines HaufeS mit Zentralheizung gtauvea pHn? Hebung gegen- wartig nickt auskommen zu �können, so sind sie nach der All- gemeinen Anordnung über SammelheizungS« und Warmwasser» Versorgungsanlagen in Mieträumen vom 2�. April 1918 an sich befugt, schon heute die Sammelheizunz in Betrieb zu nehmen, da die dort getroffen« Regelung durch eine abweichende Vereinbarung zwischen Mieter und Vermieter abgeändert werden darf. Zu einer behördlichen Anordnung der Heizpflicht vor dem 15. Oktober muff mii Riickücht ans die oben angegebenen Zahlen über den Koks- verbrauch zunächst noch Abstand genominen werden. Keine neuen Cholerafälle. Weitere Erkraiilungeu au asiatischer Cholera sind bisher in Berlin nicht zu verzeichnen. Zwei Patienten, die vorgestern unter Choleraveidacht ins Elisabctb-KrankenhauS eingeliefert wurden, litten anscheinend nur an gewöhnlichen Verdauungsstörungen. Auch eine Zensur! Die HalbjahreSzeniur eines SchiillindeS gilt sonst als eine An- Gelegenheit, die von der Schule mit einer gewissen Würde aus- gestallet wird.?!n der Kriegsgcil n>ag sich ja ai ch auf diesem Ge- biet einiges geändert haben, aber allzu würdelos braucht ielbst jetzt die Zensurerteilung nicht gestaltet zu werden. AuS Lichtenberg wird uns eine Zensur vorgelegt, die ein die Gemeindeschule be- suchendes siebenjähriges Kind nach Hause gebracht hat. Auf einem Oktavblatt, das aus einem Heft herausgerissen wurde, hat daS Kind selber mit ungelenker Hand die einzelnen Lehrfächer aufschreiben müssen, und die Lehrerin bat dann die Urteile in kablen Nummern hinzugefügt. Die Eltern sind erstaunt über eine solche Art von Zensur und fragen, ob vielleicht aus dem Wunsch, Papier zu sparen, dieses Verfahren erklärt werden muff. Möglich wäre das z denn in der Kunst, an unrechter Stelle zu sparen, ist man ja jetzt groff. Ob die Achtung vor der Schule es verträgt, eine Zensur auf einen Papierfetzen auszufertigen, möge die Schule selber entscheiden. Tie seltenen Zwiebeln und die teuren Weintranbcn. Gegen das.Verkoppeln" von seltenen und überreichlich vor- bändelten Gemüse- und Obstsoiten, das vom Magistrat Berlin vor- übergehend zugclasien werden soll, hat sich der Lichtenberger städtische Nahrungsmittelausschutz in seiner letzten Sitzung ausgesprochen. Es wurde darüber Klage geführt, daff die Gemüsehändler in letzter Zeit die Abgabe von Zwiebeln davon ab- häiigig machen, daff die Käufer gleichzeitig sehr teure Weintrauben kaufen. DieHändler waren von derVerwaltuug nicht ermächtigt worden, einen derartigen Zwang auf die Käufer auszuüben. Der NabrungS- inittelausschuff stellte sich einstimmig auf den Standpunkt, daff ein solches Geschäftsgebaren der Händler, das groffe Erbitterung unter der kaufenden Bevölkerung hervorrufen müsie. unter keinen Umständen geduldet werden dürfe. Die Händler sollen daher in Zukunft auf das nachdrücklichste daraufhin überwacht werden, daff sie in keinem Falle die Abgabe irgendeiner Ware von der gleichzeitigen Entnahme einer anderen, vom Käufer nicht ge- wünschten Ware abhängig machen, und zwar auch dann nicht, wenn die Händler ihrerseits zur Abnahme der betreffenden Ware von der städtischen Verwaltung angebalten worden sind. Es soll auch darauf hingewirkt werden, daff die Groffhändler nicht Waren, die sie ungünstig eingekauft haben, den Händlern unter Ausübung eines Zwanges aufdrängen. Im übrigen tollen in Lichtenberg Zwiebeln und andere nur in knappen Mengen angelieferte, im Haushalt dringend benötigte Gemüsesorten möglichst in den städtischen Ber« kaufsstcllen aus'Marken verkauft werden. Buttersegen bei der Neichsbank. Man soll nicht sagen, daff Butter knapp ist. Es gibt immer noch Leute, denen von Zeit zu Zeit ein gütiges Geschick eine ganze Portion Butter über die Ration hinaus beschert. Kürzlich hatte das Personal der ReickSban! die groffe Freiide, eine tüchtige Ladung unter.-sich verteilt zu sehen. Die Menge reichte aus jede der bdieiligttu Perfouen mit mindestens einem Pfund Butler zu beglücken. Verschiedene Beamte und Angestellte erhielten noch mehr, und den Bevorzugtesten sollen sogar Portionen bis zu drei Piund zugefallen sein. Getrübt wurde die Freude nur dadurch, daff auch der Preis nicht zu knapp bemessen war. Das Pfund kostete lS M. — das ist em Preis, mit dem sich vielleicht ein nicht zu anstmichs- voller Schleichhändler schon begnügen würde. Die Butler für das Reichsbankpersonal wurde natürlich nicht im Schleichhandel, sondern offen verkauft. Wie erklärt es sich, daff die Abnehmer das Z w ei- undeinbalbfache des Berliner Höchstpreises be- zahlen mufften. Berliner Lebensniittel. Auf Abschnitt 37 der Süffstoffkarle El entfallen im Oktober zwei Päckchen Süffstoff zum Preike von je 25 Pf. Die Abschnitte 1— Zg dürfen im Oktober nicht mehr eingelöst werden. Auf Abschnitt 52 der Eierkarle kann vom 3. vis 19. Oktober ein Ei entnommen werden. Der Preis für diese durch die Z. E. G. aus dem Auslände angelieferten Eier beirägt öl Pf. für das Stück. Bis Sonnabend, den 5. Oktober, wird an diejenigen Kunden, die in den Speiiefettkundenlisten der in den Bezirken der 156., isg., 169.. 164., 173., 185., 188, 189 und 241. Brolkommission gelegenen Geschäfte eingettagen sind, pro Kopf 125 Gramm Käse verteilt. Die Stadt Berlin zum Schadenersatz verurteilt. Der Zahnarzt K. wollte am 18. Dezember 1913 an der Kreuzung der Friedrichstraffe mit der Siraffe Unter den Linden einen Pferdeomnibus benutzen. Er verlieff zu diesem Zweck den Bürgersteig, kehrte aber, da ihm auf dem Fahrdamm ein Kraft- omnibus entgegenkam, der sich in den gerade aufgestauten Fährverkehr einreihen wollte, wieder um und ist, als erden Bürgersteig vor dem Hause Friedrichstr. 8g lCash Biktorial wieder betrat, abgerutscht und zu Fall gekommen. Dabei kamen seine Beine auf den Fahrdamm zu liegen, die ihm voir dem im selben Augenblick herangekommenen Kraftomnibus abgefahren wurden. Au der erlittenen schweren Verletzung starb K. alsbald. Seine Witwe und seine Kinder nahmen zunächst die Omnibnsgesellschaft auf Schadenersatz in Anspruch, wurden aber abgewiesen. Dann klagten sie gegen die Stadt- gemeinde Berlin und verlangen von dieser im vorliegenden Prozeff eine jährliche Rente von 6090 M. für die Witwe und von 39!)9 M. kür die Kinder, indem sie ein von der Stadt zu ver- tretendes Verschulden an dem Unfall behaupten. Der Bürgersteig war nämlich an der fraglichen Stelle provisorisch durch einen Hölzbohlenbelag verbreitert, der zur Zeit des Unfalls schadhaft szeriplitlert) war. Während daS Landgericht I Berlin die Klage abwies, hat das Kammergericht dem Grunde nach die Beklagte zum Schaden- e r s a tz'-v e r u r t e i l t. In seinen Entscheidungsgründen führt das Kammergericht aus: Die Beweisaufnahme hat' ergeben, daff am Unfalltage der Bohlenbelag de» Bürgersteigs an der Unfallstelle schadhaft war; es fehlte die an der Stroffenseite des Belags zum Schutze gegen Beschädigung durch Fuhrwerke angebrachte Eisen- schiene und die Bohlen waren zersplittert. Es ist weiter er- wiesen, daff der Verunglückte infolge dieser Schadhaftig- keit des Bohlenbelags zu Fall gekommen ist. Der Schaden an der Unfallstelle war schon am Tage vor dem Unfall, am 17. Dezember 1913, durch den Aufseher S. dem Tief- bauaml schriftlich gemeldet worden. Es ist aber auf die An- zeige nichts geschehen, vielmehr ist diele Anzeige erst am 19. Dezember im Tiefbauamt mit dem Emgaiigsiteinpel versehen worden. Es liegt hiernach ein Mangel in der Organisation vor, den die Beklagte nach§ 323 BGB. zu vertreten hat. Das Reichs.geri�cht hat dieses Urteil bestätigt und die von der beklagten Stadtgemeinde Berlin eingelegte Revision zurückgewiesen. Der Wohnungskommissar erwartet Anträge. Zur Bekämpfung der Wohnungsnot sind bekanntlich vom Bundesrat den Landeszentralbehörden gewisse Vollmachten erteilt worden. Die Gemeinden können bei starkem Mangel an Wohnungen ermächtigt oder verpflichtet werden. Neuvermietüngen zu höheren Preisen sich anzeigen zu lassen. Das Einigungsaml kann dann die Miete herabsetzen. Eine Kündigung kann an die Zustimmung des EinigungSamles geknüpft werden. Abbruche von Wohngebäuden tonnen verboten, eine Anzeigepflicht über eine andere Verwendung eingeführt, Mielsverlräge über unbenutzte Wohnungen festgesetzt werden u!w. Die Festsetzung eines starken Mangels stebt der Landeszentralbehörde zu. Für Preußen ist dies der Slaalskommissar für das Wohnungswesen. Wie wir hören, will diese Stelle der Entscheidung im einzelnen darüber nicht vorgreifen. Vielmehr will der Staatskommissar alle Anregungen und Anträge prüfen und zu- treffenden Falles für die einzelnen Gemeinden die vorgesehene Fest- stelliing eines starken Wohnunqsmangels treffen. Sache der Gemeindebehörden, Vereinigungen von Mietern und Haus- besitzern wird es sein, die nötigen Anträge zu stellen Eine Polizeiverordnung über die Anmeldung verfügbarer Wohnungen und die Abmeldung Vermieter Wohnungen hat der Regierungs- Präsident in Potsdam über den Stadtkreis Spandau, die dem Kreiie Teltow angehörenden Amtsbezirke des Groff-Berliner Vorortbereichs, die Städte Cöpenick und Teltow, ebenso für die dem Kreise Nieder- barnim angehörenden Amtsbezirke des Vororlbereichs und für die dem Kreise Ostbavelland angehörenden Gemeinden Staaken und Hennigsdorf erlassen. Danach sind verfügbare oder zur Benutzung fertiggestellte Wohnungen binnen sechs Tagen nach Kündigung oder onderweitiger Aufhebung des Miet- oder sonstigen Vertragsver- bältnisses oder nach der Fertigstellung anzumelden. Vermietete oder belogene Wohnungen sind binnen sechs Tagen abzumelden. Als Wohnungen gelten auch Läden und einzelne Räume, die zum Wohnen verwendbar sind._ Keine vcrkehrsfreicn Grsablebensmittel mehr. Während den Herstellern bereits seit dem 1. Mai der Verkauf von Ersatzlebens- Mitteln ohne Genehmigung der zuständigen Eriatzmittelstelle ver- boten war, konnten Groff« und Kleinhändler Ersatzlebcnsmirtel, die sich bereits vor dem 1. Mai 1913 in ihren Händen befunden hatten, bis zum 1. Oktober noch ohne diese Genehmigung absetzen. Nun- mehr ist auch diese Uebergangszeit abgelaufen und es dürfen nur noch solche Ersatzlebensmittel vertrieben werden, die von der zu- ständigen Ersatzmittelstelle genehmigt sind. Zuständig für Berlin, Cbarlottenburg, Schöneberg, Wilmersdorf, Lichtenberg, Neukölln, Spandau. Kreis Teltow, Kreis Niederbarnim und den übrigen Teil der Provinz Brandenburg ist die Ersatzmittelsielle Groff-Berlin und für die Provinz Brandenburg, Berlin O 2, Neue Friedrichstr. 9/19. Die Verbraucher werden in ihrem gesundheitlichen und Wirtschaft- lichen Interesse gewarnt, nicht genehmigte Ersatzlcbensmiitel anzu» kaufen und zu verwenden. � Die Anrufung des MicteinigungsamtcS wird wesentlich er- leichtert durch die vom Mielerbund Groff-Berlin E. V. Heraiis« gegebene Schrift„Die MieteiniguagSämter" und durch die Be- Nutzung der vorn Bund hergestellten Antragsformulare. Die Schrift wird gegen Einsendung von 35 Pf. in Brleimarken an die Geschäfts- stelle de» Mieterbundes W. 35, Potsdamer Str. 56, Gartenhaus II. Etagel postfrei zugesandt; für jedes mitbestcllle Antragsformular sind 19 Pf. mitzusenden. Ein einzelnes Antragsformular kostet bei Zusendung durch die Post 29 Pf. In der Geschäftsstelle, die wochcntäglich(mit Ausnahme des Sonnabends) von 3—6 Uhr ge« öffnet ist, kostet die Schrift nur 25 Pf., das Antragsformular 19 Pf. Schönebcrg. Stadwerordnetenversammlung. Der Stadtver- ordnete Heile i'Lib.) hat sein Mandat niedergelxgr.— Die liberale Fraktion hatte sollende: blnsrage an den Mag istr.u gerichtet:„Wann ist die Vorlage de? Magistrats für Klein- und Mirtalwohnmtgen zu erwarten? Welche Maffregcln gedenkt der Mazststrat zu ergreifen, um auch die allgemeine WohnanKnot zu lindern? Ist noch Aus- ficht vorhanden, daß die Gemeinden Groff-Berlins zu diesem Zwecke gemeinsam vorgehen werden?" Der Magistrat brachte als Ant- wort aine Vorlage, tu der eine Million Mark verlangt wurde zur Beschaffung von Baumaterialien für Hcrrichtung leerstehender Kleinwohnungen und für den U-ksibau von leerstehenden Läden und' sonstigen Gcwerberäumen. Außerdem wird im Südösrgelände, un- weit der städtischen Gärtnerei, eine KleinhauSsicdlung geplant, die ungefähr 599 Wchnungen ergibt. � Allerdings muff Reich und Staat an den Mehrkosten sich beteiligen und die anderen- Gemeinden müssen in entsprechender Weise vorgehen.— G o t t s ch a l k(Lid.) wünscht, daß die Böbauungspläne einer eingehenden Prüfung unterworfen werden. Es mutz alles geschehen, um den Klein- Wohnungsbau zu fördern. Auch größere Wohnungen für die gut- fftuierte Bevölkerung und höhere Schulen müssen gebaut werden. Genosse Moht erklärt, die Fertigstellung von Plänen und Pro- jekten und Beginn der Bauten ist eine wiederholt eingebrachte so- ziasdemorratische Forderung. Es sind«in groß Teil Wohnungen vorhanden, die nicht heizbar, die feucht sind unb_ keine Klosetts haben. Der Kle-inwohnungsbau soll nicht am äußersten Eiwe SchönebergS ausgeführt werden. Es muß für gerrügend Berkehr und Schulen g» sorgt werden. Groß« Wohnungen sind vorhanden, dagegen müsse, Kleinwohnungen urit den entsprechenden Grün- flächen vorhanden sein. Darum wird beantragt, zwei Millionen Mark dafür zu bewilligen. Das Bauen soll in eigener Regie ge- schehen. Stadtrat Katz: Es sind bere-its Projekte ausgearbeitet. Für Arbeiten fehlt das Baumaterial und können große Wohnungen j«tzt_ nicht hergestellt werden. Die angeforderte Million Mark genügt einstweilen. Moser(Freie Frakt.) hält die Vorlage für sehr dürftig. Oberbürgermeister Dominikus: Wir bauen jetzt 699 Kleinwohnungen mit Grünflächen und weitere folgen.— Die Anträge auf Ausscliuffberawng und Mehrbewilligung werden ab- gelehnt und d-ie Magistratsvorlage angenommen.— Die„Unab- hängigen" hatten einen Antrag eingebracht, in dem die Herab- setzung der Höchstpreise für die notwendigsten Lebensmittel verlangt wurde.— Die s o z i a l d e m o k r a t i s ch e Fraktion beantragte: Der Magistrat wird ersucht dafür einzutrsten, daß der Bürgerfchaft mindestens wöchentlich 4 Pfund Bror und 19 Pfund Kartoffeln geliefert werden. Die fleischlosen Wochen müssen in Fortfall kom- men. Außerdem müssen allwöchentlich mindestens 259 Gramm Nährmittel verabfolgt werden, unter Abbau der zurzeit bestehenden Höchstpreise. Peterson(Unabhängig) führte Beschwerde über die schlechte Beschaffenheit des Brotes, über Mindergewicht und Verteuerung, desgleichen über die Kartoffeln. Die angesetzten Preise sind zu hoch und die Rationen zu klein. Der Schleichhandel blüht mehr als früher.— Genosse C z e m i n s k i betont, gegen die fortg»setzte Verteuerung der wichtigsten Lebensmittel muff der schärfste Protest eingeleK werden. Das Brot ist ungenießbar und oie fleischlosen Wochen nehmen zu. Die Ausgabe der Kartoffeln ist viel zu gering. Die Obstvcrteilung hat gänzlich versagt. Eine Verhöhnung der Bevölkerung ist es, den Preis der Butter zu er- höhen und dann bekannt zu geben, es wird keine verabfolgt. Darum eine bessere Kontrolle der Geschäft« und besser« und mehr Lebens- mittel.— Stadtrat Jakobs: Soweit die Gemeinde in Frage kommt, soll alles geschehen, um Besserung zu schaffen. Gott- schal!(Lib.) erklärt, daß im Juteresse der Bevölkerung die Höchst- preis« nicht herab-, sondern hinaufgesetzt werden müssen, dann kommen auch genügend Lebensmittel Heveen. Genosse M o h s meint, dem Uebel läßt sich nur dann abhelfen, wenn die Lebens- mittelbertcilung ebenfalls in eigene Regie übernommen wird. I a tz o w(Freie Frakt.) wünscht, daß die Anträge eine bessere Fassung erhalten. Genosse Küter: Ganz besonders soll man sein Augenmerk auf die Einkäufer richteu, die waggonweise angeblich für die Munitionsbetriebe kaufen, die davon nichts zu sehen be- kommen. Diese Art Schleichhandel wird selbst von den Eisenbahn- Verwaltungen unterstützt. Eberiso gefährlich sind die Lcbensmitiel- schieber. Alle diese Leute werden selten des Gesetzes Strenge er- fahren. Ganz anders dagegen, wenn ein Arbeiter oder dessen Frau oder Kinder von auswärts Kartoffeln, Eier oder ähnliche» aufgc- kauft haben. An der Bahnsperre sicherlich, wenn es nicht schon unterwegs geschehen, erfolgt die Beschlagnahme. Was geschieht mit diesen Waren, wo bleiben dieselben. Dem Betreffenden muff eine Bescheinigung ausgestellt werden, damit er nach dem Verbleib, der beschlagnahmten Waren sich erkundigen, kann.- Die Anträge sollten angenommen werden; es kommt weniger auf die Form als auf den Inhalt an. Hierauf lehnten die liberalem Parteien beide Anträge ab.— Die Friedhofsgebühren sollen um 199 Prozent erhöht werden. Genosse Küter brachte hierbei eine Beschwerde gegen den Pastor Lernge vor, der die Angehöngen Verstorbener in der rigorosesten Weise zu beeiuflussen versucht. Wer die AuskaufSgebühr nicht be- zahlen will, erhält sofortige Androhung der Zwangsvollstreckung. In vielen Fällen, wo der Tote auf dem städtischen Friedhof sollte beerdigt werden und d.e- Stadt die Kosten bereits eingezogen hatte, veraulaffte der Mann die Angehörigen, die Kosten zurückerstatten zu lassen, und den Toten in Stahnsdorf beerdigen zu lassen, obwohl die Kirche kein Recht auf die Auskaufsgebühr besitzt, kann die ge- richtliche Verfolgung nicht durchgeführt werden, da Berufungen un- zulässig sind.— Stadtrat Schüler stimmte dem zu und erklärte, daß gerade der Pastor Lange es wäre, der der Stadt außerordentliche Scherereien bereite.— Auf Antrag der Sozialdemokraten wurde die Position Milch für Säuglinge auf 15 999 Mk. erhöht.— Ferner wurde beschlossen, das KindererholungSheim in Boldixum durch Ankauf eines weiteren Grundstücks zu vergrößern. — Lebensmittel. In den Bezirken der Schöneberger Brotkom- missionem Nr. 11, 12 und 14 findet bis Montag, den 7., eine Ver- teilung von 1 Stück dänischen Weichkäse pro Kopf auf Grund der Speisefettkundenliste statt._ Wilmersdorf. Lebensmittel. In dieser Woche wird als Ersatz für Fleisch Weizenmehl abgegeben und zwar entfallen auf jede Fleischkarle für Erwachsene 259 Gramm.(16 Pi.) Das Weizenmehl ist auf den grünen Bezugsschein 1 ohne Voranmeldung bei einem vom Magistrat belieferien Mehlkleinhändler zu enlnebmen. Diejenigen Personen, die ihre Fleischkarle gegen einen Bezugsschein auf Näbrmillet umgetauscht haben, erhalten gegen Rückgabe dieieS Bezugsscheines im Siädtischen Lebensmiitelamt(Wilhelmsaue 114/115, Eingang IV> eine Anweisung zum Bezüge von Weizenmehl. — Ausgabe von Stiefclsohlen. Aus Kernlederstücken zusammen-- gesetzte Stiefclsohlen können von der Wilmersdorfer Bevölkerung werktäglich in der Zeit von 9—12 Uhr, im RalhauS, Brandenburgische Str. 2, Zimmer 38, zum Preise von 2 M. bis 3.39 M. je nach Größe, entnommen werden. Eine besondere Legilimalion ist nicht erforderlich. Der Antrag muff persönlich gestelll werden. Cöpenick. Lebensmittel. Von der Stadt verteilte Lebensmittel gelangen ab Donnerstag, den 3. Oktober, in den Lebensmilleihand- lungen der Sladt zum Verlauf. Lichtenberg. Kartoffelversorgnng. Der NahrungSmittelauSschutz hat in seiner lctzien Sitzung beschlossen, daff wie im vergangenen Jahre der Bevöllening ein Bestand von Kartoffeln für 6 Wochen gegeben und dieser Bestand allmählich in der Weise aufgebraucht wird, daff in einzelnen Wochen neben dem entsprechenden Teil der eisernen Nation ungefähr die Hälfte der lausenden Kartoffelwochen- menge ausgegeben wird._ ■ Wcißensee» Lebensmittel. Bis 6. Oktober wird in der V e r« taufsstelle PisiorruS st raffe 24 der Berkauf von Salz« Heringen fortgesetzt. Als Ausweis sind die allgemeinen Lebens» mittelkarten vorzuzeigen. Auf jede Karte wird ein halbes Pfund zum Preise von 65 Pf. verabfolgt. Neinickendorf. Lebensmittel. Auf Abschnitt 64 der Lebens- mittellarie Groff-Berlin werden 199 Gramm Grieß, auf Ab» schnitt 29 für Jugendliche werden 190 Gramm Sago und 199 Gramm Grütze abgegeben. Die Anmeldung bei den Klein- Händlern und den amilichen Verkaufsstellen hat bis einschl. 7. d. M. zu erfolgen. Der Verkaufspreis für 1 Pfund Grieß beträgt 48 Ps., für 1 Pfund Sago 1,20 M. und für 1 Pfund Grütze 44 Pf. FriedrichSfclde. Die Eingemeindung. Nach fast einjähriger Täiigkeit batten die Eingemeindungsausschüsie für Fried, ichsfetde und der Sladt Lichtenberg ihre Tätigkeit beendet und wurden dieie Beschlüsse in je einer gut besuchten öffentlichen Versammlung in Friedrichsfelde einstimmig und in Karlsborst gegen wenige Stimmen gutgeheißen und beschlossen, den Gemeindevertretern zu empfehlen, den Anschluß Friedrichsfeldes nach Lichtenberg zu vollziehen.— Die am Mornag lagende Gemeindeverlrelersitzung beschloff in namentlicher Abstimmung, mit 14 gegen 7 Stimmen, die Eingemeindung zu voll- ziehen. Herr Landrat a. D. von Treskow sprach in längere» Aus- führuugen gegen die Eingemeindung, wurde aber von verschiedenen Rednern, besonders von unfern Genossen widerlegt. Selbst ber Bürgermeister stimmte bei der namentlichen Abstimmung als erster für die Eingemeindung._ Mariendorf. Lebensmittel. In der dritten fleischlosen Woche vom 39. 9. bis 6. 19. werden als Ersatz für Fleisch ausgegeben: 259 Gramm Mehl für die Vollfleischkarte und 125 Gramm Mehl für die Kinderflcischknrte. Die Abgabe erfolgt auf Abschnitt 1 der Fleischkarte(Bezugsschein, Ersatz für Fleisch) im Laufe dieser Woche bei den Händlern._ Sriefkaften 6er Redaktion. Feldpost Tambonr 1». 1. Die Strafe ist durch den Gnadenerlatz nicht aufocboben. 2. Der KriegSgclangene lann zum Frontdienst Ver- Wendung finden.— H. B. 199. Gegen die militärische Diensteinteilung wird nichts einzuwenden sein.— Z. 20. P. Sie sind zur Angabe nicht verpflichtet.— W. I. 29. Ja.— SÄ. D. 90009. Sie sind im Irrtum. TaS kann nicht nur der Stabsarzt oder Oberarzt.— N. 47. Sie haben aus Grund Ihrer langen Dienstzeit keinen Anspruch aus höhere Familienunterslübung.— K. 100. Die Betreffende ist zum Verlaus der Sachen nicht berechtigt. Sie kann nur durch klag« die Zahlung der Schuidstlmme von Ihnen verlangen— R. M. 9642. 1. Ja. 2. Nein. — B. St. 10. Nur wenn Sie als HandelsangesteUIer gelten, haben Sie Anspruch aus Lohnzahlung aus die Dauer von sechs Wochen Krankheit.— 91. L. Pension wird erst noch zwei Jahren Amtstätigkeit�gezahlt.— A. W. 23. Sie haben keine Ansprüche an den Nachlatz der schwiegermulier. da Ihr Mann bereils vordem geftoiben ist.— Niederschönetvcide. Das Recht der Entlassung könnte der Postbehörde an und für sich wohl nicht bestritten werden. Der von Ihnen angeführte Grund erscheint uns aber nicht ausreichend. Es dürfte sich daher empseblen, Beschwerde bei der OberpostdircNion einzulegen.— U.®. St. Die� Zeit wird Ihnen als aktive Dienstzeit angerechnet.— H. B. T» der Betreffende Zivilgriangener ist, kann er daS Arbeitsverhältnis dort nicht lösen. — E. X. Die Vrüsung mutz im Alter voll 17—29 Jahren abgcicgt werben. In besonderen Äusnahmcsällen kann allerdings auch noch nach Abiaus dieser Zeit eine Zulassung zur Prüfung genehmigt werden. Ein solcher Antrag ist an die Ersatzbehörde dritter Instanz, an den Oberpräsi- deuten in Potsdam zu richten.— Georg B. Das Buch: Kradnnuer, „VersassungSwesen und Versassungskämpse in Deutschland" gibt Ihnen Auf- schlug über Ihre Fragen. ES ist im Verlage der Buchhandlung BorwäitS erschienen und kostet 3,59 M.— Kerkau H. Wenden Sie sich an den all- gemeinen Arbciisnachwcis, Berlin. Gormannsw. 13.---®. 1200. Die genaue Adresse ist ims auch nicht bekannt: die Slratzenbezeichnung dürsle wohl auch nickt nötig sein.— W. G. 10. Ein Gummimantel lätzt sich nur aus chemischem Wege reinigen. Wenden Sie sich an eine chemische Waschanstalt.— Lille 999. Gebärt zur nationallibcralen Partei.— M. R. 47. Ob und wann solche Kurse ftaltfludcn, wissen wir nicht. Da» nach sragcn Sie am besten bei der Friscurinnung, Berlin, Ohmstr. 2, an. ZÄrtrerauSftctieen kür das mittlere Storddrntichlaud dts Donnerstag mittag. Bielsach bester, aber noch veränderlich, im östlichen Küstengebiete öfter leichte Rcgeusälle, in den anderen Gegenden giötzlen. teils trocken, in der Nacht zu Donnerstag sehr kühl, in den Mittagsstunden ziemlich mild. Soziaidcmohrat. Verein Berlin vi(S. P. D.). Allen'Freunden und Parteigenossen die traurige Nachricht, daß am 2S Sep- tember nach langem, schwerem Leiden unser Mitglied, der Einsetzer keinkoZä Lanzky Lychcncrstr, 8, verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung find>t am Donnerstag, 3. Ott., nach- mittags 3 Uhr, in Buch statt. Zahlreiche Beteiligung er- wartet 224/5 Der Torstand, g Am Donnerstag verschied saust nach laiigem, schwerem Leiden mein lieber Mann, unser guter Vater, Groß- und Schwiegervater Keivdo!!! Lanzky im 53. Lebensjahre. In tiefer Trauer 3382b Frau Luise Lanzky geb. jklage. Unterosfizier Reinhold Lanzky und Frau, zurzeit im Felde. OSwald Helm und Frau geb. Lanzky, zurzeit im Felde. Baleutin Steczntewski und Frau geb. Lanzky, vermißt. Fritz Naichke und Frau geb. Lanzky. zurzeit im Felde. Die Beerdigung findet Donnerstag, nachm, 3 Uhr, Buch statt. Deutfefrer Cransportarbeiterverband. j Bezirksocrwalt. Groß-Berlin| Dkn Mitgliedern zur Nach- richi. daß unier Kollege, der s Droschlensührer Mann Titzmann am 28. Setztemher im Alter I von 72 Jahren verstorben ist. I Die Beerdigung gndet am I Mittwoch, den 2. Oltober, I nachmittags 2'/� Uhr, von I der Leichenballe des Hl ligengein- Kirchboses in I Stahnsdors aus statt. �tackrui. Den Mitgliedern ferner zur Nachricht, daß unser Kollege, d er Martthallenarbciter kau! Liese. uiir 26. September im Aster von 54 Vahren oeritor- den ist. 63/19 Ehre ihrem Andenken! lZi» SsrirllZvarsaltung. Verband derBupferichmiede 3 Denischiandz. Filiale Berlin. Zun 29. September vcr- starb nach langem, schwerem Leiden unser Mitglied, der Kollege Lau! Mick im Alter von 29 Jahren an Lungenschwindsucht. Ebre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Donnerstag, nachmittags 51/, Ubr, vom Nazaretg- Kirchbos in Reinickcndorj, Kögelstraße, aus statt, Rege Beteiligung erwartet vse Vorstand. Am Sonnabend. 28. Sept., früh S'/j Uhr, verschied plötzlich und unerwartet insolge Lungenentzündung unsere liebe Tochter 19öA /Narxarete. DicS zeigen schmerzersüllt an Ernst Hanncbaner und Frau. Die Einäscherung findet am Tonnerslag, mittags 12 Uhr, im Krematorium Bcrichtslr. 37/38 statt. O disrvODi'QserdciZ Formen In Bisam, Perslanar, BreKschvonz, Moudwuri, As/rnchan, £eal eleclric, Feh etc. Pelzgefütterte Mäntel rein wollene, gemusferfe und einfarbige Sfoffe mlf Hamster und Fehwamme, FehrDcKen, Bisam- ■wamme usv. mMaassenb« Leipzig«* Sfr. 42. 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Bekanntmachung. AsWSe Mi! SKslsff m gs«Wlnie». Aus Grund von K 2 Absatz 2 der Bekanntmachung dcS Magistrats vom 28. Juli 1916 über den Verkehr mit Tützstoff und über Beschränkung des gewerblichen Verbrauchs von Zucker wird bekanntgegeben, daß der. Abschnitt 37 der Süßstoff- karte Fl im Oktober 1918 eingelöst werden kann. Auf diesen Abschnitt sind zwei Päckchen Sünstoff II-Packuug zum Preise von je LZ Pf. zu verausgaben und zu entnehmen. Die Abschnitte 1— 36 dürfen im Ottober nicht mehr ein- gelöst werden. Berlin, den 39. September 1918. Magistrat der König!. Kanpt- und Rtstdrn;kadt. 2763 Zu. 18. Znckervcrsorgnngsstclle. Dr. R e i m a nn. Lvksnntmsokung einer Aeudernng der Verordnung über Höchst- preise für Eier. Aus Grund der HS 51 und 5 des Gesetzes betreffend Höchstpreise vom 4. August 1914 w der Fassung der Bekannt- machung vom 17. Dezember 19l4(R.-G. 1 0 1 Bl tfk Zeichnung auf die Jduna zu Halle a. S. je 2© 3f. vierteljährlich werden lOOO M. Anleihe versichert, rahlbar bei Tod spAteatens nach 12 Jahren, im letzteren Fall für Zivilpersonen noch eine Barvergütung von je 4,0 ikl., für Jugendliche 50 M.— Aufnehmbar Gesunde vom 7. bis 60. Lebensjahr.— Zulässige Summen bis 10 OOO M. Anleihe. Keine ärztliche Untersuchung—- Keine Wartezelt. Kriegsgefahr auch für Heeresangehörige sofort eingeschlossen. Näheres durch die Direktion in Halle oder die Berliner Geschäftssteilen. Buchhandlung Vorwärts Berlin CW. 68, Lindcnstraste 3. Zu den neuen Steuervorlagen empfehlen wir nachstehende Literatur: Praktische SteuerpolMk oder Steuerdogmatik? Bon Heinr. Cunow. Preis 1 Mk., Vereinsausg. 60 Pf. An» dem Inhalt: Keine Sclvltr. med. liaachd, friedriohstr.M ÄÄ üehlmbt. von SyPhiliS, Hnut- Harn-, Frauenleiden, spe».: chron. Fälle, schmerzlose. lürzefte Behandlg. ohne BerusZstöruns. Blutuntersuchung. Rätz. Preise T-itznhlmig. Sprechst>öxd»ti>11 bist und 5— s. 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In diesen KriegÄagen, da die Luft über den Fronten wimmelt von„fliegenden Menschen", die dort oben so sicher ihre Kreise ziehen wie schwebende Vögel, ist es von besonderem Interesse, jener Vorläufer zu gedenken, die als erste im Schweiße ihres Angesichts bemüht waren, das Problem der„Lusteroberunz" zu lösen. Zu ihnen gehörte auch der Mmer Schneider Albrecht Berbling«� dessen Leben Max Eyth im„Schneider von Ulm" prächtig geschildert hat�). Wie packend wird uns hier der glühende Er- sindergeist nabcgebracht, der schon im Knaben aufloderte und ihm nicht Ruh ließ bei Tag und Nachtl Eine Episode soll hier zum Anreiz, den Roman zu lesen, wiedergegeben werden. Berblinger hauste noch als Zögling in der Kloster- schule zu Blaubenrcn, als er schon seine ersten Luftschifferversuche anstellte. Zur Werkstatt hatte er sich die verlassene alte Klosterkirche erkoren, und hierher schlich er des Nachts, um wieder und wieder das Erdachte zu probieren. Die letzte Nacht, die ihm seine Ent>- lassung aus der Schule eintrug und ihn auf den Schneidertisch drängte, beschreibt Eyth so: Zunächst schob Berblinger etliche schwere Bretter, die gegen die Rückseite des Hochaltars gelegt waren, auf die Seite. Unter den- selben lagen drei kleine zerdrückte Papierkugeln, die er mit dem Fuße wegstieß, um eine mehr als mannslange Masse ähnlichen Papiers hervorzuziehen, welche er sorgfältig ausbreitete. Sie hatte die Form eines plattgedrückten Schlauchs oder Sackst Mit großer Vorsicht trug er den rätselhaften Gegenstand nach der Empore am andern Ende des Chors, von deren Geländer ein Bindfaden herabhing, den er wohl bei früherer Gelegenheit angebracht hatte. Ein paar gefäbrlich wackelnde Böcke, die Maurern gedient haben mochten, ermöglichten es ihm, das herabhängende Ende der Schnur zu erreichen und den Papierschlauch daran aufzuhängen, so daß sein unteres Ende etwa einen Meter vom Boden entfernt war. An diesem Ende befand sich ein rundes Loch, durch das er mit dem Arm und schließlich mit dem ganzen Oberkörper in das Innere des Papiermantels schlüpfen konnte und denselben nach allen Seiten ausbauschte. Das wunderliche Ding nahm mehr und mehr die Form einer unregelmäßigen Kugel oder eines riesigen Kopfes au, der auf zwei Beinen stand. Wer es in diesem Augenblick inmitten des gespenstisch erhellten Kirchenchors gesehen hätte, wäre nicht ohne einen gelinden Schreck davongekommen. Einem späteren Geschlecht wäre es allerdings kaum zweifelhaft gewesen, daß es sich um einen Ballon bandelte, der auf seine Füllung wartete. Berblinger schlüpfte jetzt heraus und betrachtete sein Werk mit einem Gefühl von Stolz und Erwartung, das seinen Augen einen seltenen Glanz gab und das Rot auf seine bleichen Wangen triebe In der Mitte der Papicrhülle hingen Bindfäden bis zur Erde herab. Sie wurden an Stiften befestigt, die in einem auf dem Boden liegenden runden Brett staken, auf das er jetzt mehrere Backsteine legte. All diese Gegenstände brachte er hinter dem Hoch- altar hervor, wo er ein förmliches Magazin angelegt zu haben schien. Der Rand der Oeffnung am unteren Ende des Schlauchs war durch eine kreisförmig zusammengebundene Weidengerte der- stärkt, von der ebenfalls Bindfäden berabhingen. An diese befestigte er jetzt den blechernen Deckel des Topfes, und zwar so, daß dessen bohle Seite nach oben gekehrt war. Auch dies schien ihn lebhast zu befriedigen. Mit leichten leisen Schritten eilte er wieder hinter den Altar und kehrte mit einem Steinkrug zurück, aus dem er in den als Schale dienenden Deckel eine stark riechende Flüssigkeit goß. Es war roher Zwetschgenbranntwetn, den er durch Büschs Vermittlung von einer gutherzigen Wirtin in Sonderbuch erhalten hatte, die sich nicht wenig über die Entartung der künstigen Seelsorger des Landes entrüstete:„Bier— ja, soviel sie wollten und �er Schnaps!"— Und nun ging es ans Feuer- schlagen und"auch' das gelang, obgleich nicht ohne Mühe. Ein kleines Flämmchcn glimmte zwischen seinen Fingern, und einen Augenblick später brannte eine große blaue Flamm« ruhig unter dem Ballon, vor dem er sich, um sie besser beobachten zu können, auf die Knie warf. Man hätte vermuten können, ein Feueranbeter sei in die alte Klosterkirche geraten. Es war der fünfte und der weitaus größte Ballon den er zusammengeklebt hatte. Sie waren stetig gcwacf'sen und alle hatten bisher im Zlugenblick ihres Aufstiegs den Weg durch das zer- brochene Fenster genommen, das die Ursache eines lebhaften Luft- * Der vortreffliche Roman erscheint gegenwärtig in der ittu- strierten Wochenschrift„I n Freien Stunden"(Verlag Buch- Handlung Vorwärts, Berlin SW, 68) mit Bildern von Professor Dambcrger-München. Das Heft kostet Li) Pf. zugs in dieser Richtung war. Bei den vorangegangenen Versuchen war es ihm nur darum zu tun, die von der verdünnten heißen Luft getragenen Kugeln emporsteigen und dann fliegen zu sehen. Dies- mal sollte ihve Tragfähigkeit geprüft werden, denn auch er wollte schließlich, wenn einmal die Klostormauern hinter ihm lägen, Ballons bauen, die ihn selbst über alle Berge trügen, auch wenn er irgendwo auf der Alb Landpfarrer geworden wäre. Dang erst recht I Von oben herunter wie ein Engel vom Himmel, gedachte er seinen Mitmenschen zu erklären, daß eine neue Zeit angebrochen sei und daß sie alle in Zukunft frei vom Erdenstaub durch die Lüfte fliegen könnten, wenn sie nur wollten. Jetzt setzte er sich auf einen der bresthaften Böcke und sah mit leuchtenden Augen, wie sich die Hülle langsam dehnte, als wäre es ein lebendiges Ding, wie hier eine Beule dort eine Falte der- schwand und das Ganze mehr und mehr eine hübsche kugelige Ge- stall annahm.... Von Zeit zu Zeit speiste er das Feuer unter dem Ballon mit ein paar Löffeln frischen Branntweins, das dann hoch aufflammte und den Ballon in leises Schwanken versetzte. Bereits hing den- selbe nicht mehr an dem ihn von oben haltenden Bindfäden, welcher ganz schlaff geworden war, sondern umgekehrt an den sechs Schnü- ren, die ihn mit dem belasteten Brett am Boden verbanden. „Wie er fett geworden ist," dachte der junge Erfinder, letse lachend,„und dabei sieht eS aus, als ob er atmete wie ein lebendes Wesen. Aber»das alles ist nur ein Anfang. Wenn ich einmal die Klostermouern hinter mir habe, sollen ganz andere Dinge gebaut werden. Was ich jetzt mit Müh und Not und in hundert Aengsten zusammenbringe, ist, was der berühmte Montgolfier längst vor mir gemacht hat. Schweben, vom Wind getragen werden, wohrn es dem Wind beliebt, das kann jede Feder, jeder Strohhalm, jedes Wölk- chen. Ohne Zweifel muß man von einem Ding wie ein Ballon getragen werden, dann aber gilt es zu fliegen, nicht wo der Wind, sondern wo der Wille hinweist. Das soll mein Ziel sein! Dann erst hat die Sache Bedeutung für die Menschen, die wollenden, freien I" Nun aber war es Zeit. Der Ballon schwebte; seine Hülle fühlte sich fast heiß an. Berblinger stieg aus den Bock, auf dem er ge- sessen hatte, und schnitt den Bindfaden durch, dch schlapp von der Decke hing. Dann rückte er das Brett mit den Ziegelsteinen nach der Mitte des Chors. Der Ballon schwankte hin und her, wie wenn er sich von seinen Fesseln befreien wollie. Er schwebte nun mitten im Mondlicht, das durch die südlichen Chorfenster hereinfiel. Mattblau, aber groß und mutig brannte die Flamme, die ihm Leben gab. Es war herrlich und doch ein wenig grausig anzusehen. Der Junge zitterte jetzt ein wenig, und sein Herz schlug fast hörbar. Nun nahm er einen Backstein von dem Brett und jetzt den zweiten. Mit dem dritten hob sich der Ballon lautlos, langsam, feierlich— mannshoch— zweimal mannshoch. Berblinger stand da, andächtig nach oben starrend, als ob ein Wunder vor ihm auf- stiege. Er vergaß nach dem Bindfaden zu greisen, an dem er ihn zurückziehen wollte. Das Ende der Schnur hing schon hoch über seinem Kopf, als ihm dies einfiel. Und nun, in mehr als halber Höhe des Chors, machte der Ballon eine seitliche Bewegung und zog. ohne anzustoßen, über di« Empore weg nach dem westlichen Schiff der Kirche. Bebend vor Aufregung lief Berblinger unter der Empore durch trat die morsche Tür ein, die den Chor von dem Schiff trennte, und bemerkte empor- sehend, wie der Ballon plötzlich wieder zu steigen begann und sein blaues Flamm eben wie ein großes Irrlicht schon di« Sparren des Dachstuhls erhellte. Jetzt stieß er an und neigte sich, wie nach einem Ausweg suchend, bald nach links, bald nach rechts. Starr, mit dem Gefühl, daß er träume, sah dies Berblinger. Und jetzt— ein jäher Schreck! — stürzte blaues Feuer wie Wasser von oben herunter und droben schlug eine große rote Flamme in die Höhe, aus der Fetzen von Feuer nach allen Seiten herausschössen. Gleichzeitig wurden außerhalb der Kirche Stimmen laut: „Feuer I Feuer!"— Wütendes Rütteln am Hauptportal, dann dumpfe Schläge und das krachende Einbreiben eines Torflügels. Berblinger sank auf die Knie, schloß die Augen und drückte sein Gesicht auf die Steinplatten. Di« ganze Welt schien ihm in Flammen zu stehen. Er wußte für den Augenblick nicht mehr, was er tat, noch was ihm geschah.... Cöuarö v. Kepserlkng. Der vor einigen Tagen gestorbene Eduard v. Keyserling, dieser Kurländer, der den Schatz deutscher Dichtung um feingenreihelte Werte bereicherte, hat bis etwa zu seinem 45. LebcmSjahr« lite- rarisch nichts bedeutet. WvS er an Erzählendem und Dramatischem zunächst erscheinen ließ, hatte nicht die volle Eigenart dessen, was seinen Ruf sichern konnte. Erst um 1900, wo er sich in München n:ederli«ß, um ganz literarischem Schaffen zu leben, drang er entscheidend vorwärts. Er zog durch sein in München und Berlin— hier von der„Freien Bühne"— aufgeführtes innig-zartes Schauspiel„Frühlingsopfer" die Aufmerksamkeit auf sich und hat seitdem ein gutes halbes Dutzend Romane und No- Vellen sammlungen sowie auch einige Dramen veröffentlicht. Das ist kein großes literarisches Gepäck, aber es wiegt. Es befindet sich in der kleinen Reihe seiner Schöpfungen ein« Anzahl unanfecht- barer Meisterstücke, so vor allen: die Erzählungen„Beate und Ma« voile" und„Dumala".• Ueberblickt man die dichterische Welt Keyserlings, so wirkt ihre Abgeschlossenheit seltsam und beinahe ergreisend. Vom Großstadt- und Künstlcrleben der Stadt, in der er sich niedergelassen hatte, spürt map m seinen Romanen kaum einen Hauch. Schauplatz und Gegenstand seines Schaffens war und blieb allein seine Heimat, blteben die Schlössor und Herreusitze des Baltenlandes. Vielleicht hat das schwere Augenleiden, mit dem der Dichter seit langem be- lastet war, dazu beigetragen, ihn ganz auf das innere Gesicht, auf? Erinnerungsbild zurückzudrängen. So ist es eine verhältnismäßig enge Welt, die Keyserling Gestalten und Motive gellefert hat: der baltische Adel und alles, was sonst seine Schlösser und ihre Um- gebung bevölkert, bilden dos Personal seiner Erzählungen.„Raffe" sind fein« Barone und Edelfrauen im höchsten Sinne des Wortes, Abkömmlinge und Hüter einer durch Jahrhunderte entwickelten und gepflegten Herrenkultur großen Stils. Obgleich in entlegene Winkel gebannt, sind sie doch nichts weniger als Provmzialeu. Die große Welt haben sie so oder so zumeist alle einmal gesehcn. Aber sie sind nicht mehr Mitspieler, sondern nur Zuschauer des Lebens. Sie verstehen alles, haben höchst differenziiertcs Empfinden, ge- klärte? Urteil, kühle Selbstkritik, seine Ironie— aber sie sind zu- letzt lebensunmächtig. Das starke Leben sendet wohl einmal eine Welle zu ihnen hinein, der sie dann in der Regel nicht gewachsen sind. Sie fühlen ihre Uninacht auch selber, und es fallen feine Worte darüber. Einmal heißt es aus solchem Munde:„Die draußen machen so prachtvoll viel Lärm, und zuweilen— sieh— da Hab ich«inen so wütenden Durst nach Lärm." Oder:„Wir sind hier wie die Ausgeschiedenen, wie Gespenster... Wir alle gehen herum und suchen jemanden, für den wir wirklich sind, der uns unsere Wirklichkeit bestätigt." An einer anderen Stell« wird von den vornehmen, alten Adelsherren gesagt:„Man sollte diese Leute, zum Tapezierer schicken." Im Grunde hat in all diesen Menschen, in ihrer Entsagung Keyserling sich und sein Leben selbst geschildert. Auch er ist Nach- fahr, letzter eines Geschlechts. Alte Kultur hat sich bei ihm ganz in Künstlertum umgesetzt, in ein Künstlcrtum, dem begreiflicher- weis« ein starker Beisatz von Aestbetcntum nicht fehlen kau?. Aber soviel ist gewiß, daß es tiefste Wirkung ausübt. Alle Gestalten Keyserlings leben und bewegen sich, sind organische Gebilde. Ganz besonders meisterlich, ist Keyserling in seinen Landschaftsschilde. rungän. Seine Sprache ist von einer gesammelten Bildhaftigkeit; wie er z. B. die Wiesen, Felder und Gärten auf dem gelben Sande seiner Heimatskmdschvst gezeichnet als„eine verblaßte Stickerei auf einem blindgewordenen Goldgrunde". Diese Landschaften prägen sich in Linien und Farben unvergeßlich ein. Nottzen. — Altdeutsche Schwänke im Kleinen Theater. Die auf den 4. Oktober angesetzte Erstaustührung von„Alt-Nürn- berg" wird eingeleitet mit HanS Sachsens SckwSnien„Der Krämers- korb" und.Da« Narrenschneiden". Auf dem Programm steht auch Hans RosenplütS. Den Beschluß macht der Schwank„Im Wirtshaus zum teutschen Hof"..Spiel wie Frauen ein Kleinod aussetzten" und.Der Bauer mit dem Hasen' von Hans Folz. — Da? Porträt der Renaissaucezeit. Pau� Schübling beginnt im Sch'lleriaal, Charlottenburg, heute Mittwoch, abend» 3V, Uhr, einen fünfstündigen VortragS-Zyklus mit Lichtbildern über:«Da» Porträt in der Kunst der italienischen Re- naissance". Abonnemenisheste 5 M., Einzelkarten 1,50 M. — Standesämter für Rindvieh! In Süddeutsch« land gibt eS seil einiger Zeit Viehkataster, die im Volksmunde den bezeichnenden Namen.Standesämter für Rindvieh' bekommen baben. Durch diese.Standesämter" soll das sogenannte Schwarz- schlachten gehemmt werden. Wie nun ein Beauftragter des Kriegs- ernährungsamt» gelegentlich einer BezirkSpresiebeiprechung mitteilte. sollen diese.Standesämter" demnächst auch in Preußen eingeführt werdeu. Der Erfolg ihrer Tätigkeit bleibt abzuwarten. 104j Lodz. Das gelobte Land. Roman von W. S t. R e y m o n t.- Max feuerte ihn noch besonders zur Arbeit an. Mit sichtlichem Vergnügen betätigte er sich an der Montierung der Maschinen und ging abends mit den Arbeitern in die Kneipe, verschlang unglaubliche Mengen Bier, schlief bloß ein paar Stunden täglich und hatte überhaupt alle seine Faulheiten vergessen. Seit der Rückkehr vom Lande hatte sich das Verhältnis zwischen ihm Und Vorowiecki etwas ab- gekühlt, weil die Fabrik beide völlig in Anspruch nahm, und dann auch wegen Borowieckis Bemerkung beim Abschied in Kurowo. Max konnte sie ihm nicht vergessen, vor allem deshalb. Werl er setzt immer öfters an Anka dachte und sich immer mehr über die häufigen Besuche Borowieckis bei Müllers ärgerte. Er sah ein Doppelspiel darin, das seine einfache, gerade Natur tief verletzte. Es war schon gegen 12 Uhr, als Borowiecki die Fabrik verließ und in einen langen Garten trat, der sich rückwärts bis zur nächsten Straße hinzog, wo ein großes Parterrehaus stand. Auch dieses wurde in größter Eile von Grund auf umgebaut, ivcil in ein paar Wochen Anka und der alte Vorowiecki es beziehen sollten. Vorläufig lvohnte Vorowiecki hier, um in der Nähe der Fabrik zu sein. Als die schrillen Fabrikspfeifen zu Mittag riefen, hatte er sich schon umgezogen. Er las nochmals einen Brief von Lucy, die ihn im Helenower Park treffen wollte, an der Grotte, um vier Uhr nachmittags. „Ich hab's schon satt," dachte er und zerriß den Brief in Feyen. Er hatte es wirklich satt. Die geheimen Zusammen- künfte, die täglich wo anders stattfanden, waren ihm zu- Wider, und die Ausbrüche ihrer Eifersucht, sogar ihre große Liebe langweilten ihn schoit. Sic war ihm eigentlich völlig gleichgültig und nahm nur seine für die Fabrik so kostbare Zeit in Anspruch. Er aß jetzt bei Baums, weil es in der?!äbe der Fabrik war. Heute ging er aber nicht wie gewöhnlich über den Garten und seine Bauplätze zu ihnen hin, sondern trat auf die Straße heraus, in der das Müllersche �Palais stand, der- langsarnte an dem Häuschen, das Müllers bewohnten, seine Schritte und blickte in die Fenster. Er hatte sich nicht getäuscht. In einem Fenster er- schien Madas Gesicht, und gleich darauf trat sie selbst aus dem Hause. „Gehen Sie schon zum Mittagesien?" rief sie fröhlich, ihre blauen Porzellanaugen zu ihm erhebend. „Scbon. Haben Sie noch nicht gegessen?" er streckte ihr chie Hand entgegen. „Noch nicht. Gleich geb' ich Ihnen die Hand, ich muß sie erst abwischen, üh war grab beim Kochen," rief sie lachend. „Ist die Küche jetzt im Wohnzimmer?" bemerkte Boro- wiecki bösartig. „Ich... ich... habe da aufgeräumt!" sagte sie leise, und eine tiefe Röte bedeckte ihr Gesicht, aus Angst, er hätte es merken können, daß sie auf ihn am Fenster des Wohn- zimnrers gewartet hatte. Er küßte ihr die Hand und wollte auch die andere er- greifen, sie trat aber plötzlich zurück und bedeckte die vor Erregung verdunkelten Augen mit ihren goldenen Wimpern. Karl lachte über ihre Verlegenheit. „Sie lachen mich aus," flüsterte sie betrübt. „Glauben Sie? Dann geh' ich gleich wieder." „Kommen doch abends, mit Herrn Baum." Lächelnd blickte er sie an und ging zum Mittagesien. Vieles hatte sich seit dem Winter bei Baums verändert. Noch trauriger und trüber sah es bei ihnen aus. Die großen Pavillons standen vereinsamt in einer sclt- samen Stille des Absterbens. Kaum der vierte Teil der Arbeiter war noch beschäftigt. Aus dem einsamen, mit GraS bewachsenen Hof schleppten sich Hühner und alte Hunde herum, und aus den verstaubten und mit Spinnweben überzogenen Fenstern drang schläfrig murmelnd das eintönige, leise Knattern der Webstühle. Grabesstille und Verfall breiteten sich aus. Auch das Wohnhaus machte einen traurigen Eindruck. An der einen Seite war die Tünche abgefallen, die zur Veranda führenden Stiegen waren schief geworden und der- sanken in den Boden, und das Weinlaub, das die Veranda umrankte, war ohne ersichtlichen Grund gleich nach dem Grünen welk geworden und hing jetzt wie gelbe, beschmutzte Fetzen schlapp herunter. Die Zimmer im Wohnhaus lagen still da, voll muffigem Dunst und Einsamkeit. Das Kontor war fast leer, weil Baum alle Angestellten, außer Jusiu Jaskulski und einigen Frauen im Warenlager, entlassen hatte. Die Fabrik roch nach Bankrott, und das ganze Haus war erfüllt vom Geruch verschiedener Medikamente, welche die seit mehreren Monaten kranke Frau Baum einnahm. Berta war mit den Kindern zu ihrem Mann gefckhren. Bloß Frau Auguste war dageblieben, mit ihren Katzen und der nie heilenden Geschwulst in dem umwickelten Gesicht. Der alte Baum verbrachte ganze Tage allein in seinem kleinen Kontor im ersten Stock, und Jusiu Jaskulski war noch verschüchterter wie gewöhnlich. Borowiecki ging direkt in das Zimmer, in dem Frau Baum lag, um einige Worte mit ihr zu wechseln. Sie saß aufrecht im Bett, von unzähligen Kisten um- geben, und starrte gedankenlos mit den leblosen, wie ver- schossenen Augen ins Fenster, hinter dem die Bäume hin und her schwankten. Den Strickstrumpf hielt sie in der Hand, strickte aber nicht und lächelte bloß, mit einem traurigen, herzzerreißenden Lächeln. „Guten Tag," erwiderte sie leise zur Begrüßung..Ist Max da?" „Noch nicht, er kommt aber gleich." Borowiecki erkundigte sich nach ihrer Gesundheit, wie sie heute geschlafen hätte, wie sie sich heute fühlte, und so weiter. Ihr Zustand durchdrang ihn mit einer seltsamen Zärtlichkeit und Rührung. »Gut, gut!" erwiderte sie und schleppte ihre Augen, gleich- sam aus einem langen Schlaf erwachend, langsam zu den Photographien der Enkel und Kinder auf den Wänden, dann folgten ihre Blicke dem Pendel der Uhr, dann versuchte sie zu stricken, der Strickstrumpf entglitt aber sofort den abgemagerten und krastlosen Händen. „Gut, gut!" erwiderte sie gedankenlos. Sie achtete nicht auf Frau Auguste, die mehrmals durchs Zimmer schritt und ihr die Kisten richtete, auch nicht auf ihren Mann, der an das Bett trat und mit blutunterlaufenen Augen lange in das abgemagerte, fahlgelbe Gesicht blickte. „Max!" flüsterte sie. und für einen Augenblick belebte sich das Leichengesicht, beim Schall der Schritte des Sohnes. Max trat ein und küßte ihr die Hand. Sie preßte seinen Kopf an ihre Brust und streickelte ihn. Aber als er zum Mittagessen weggegangen war, starrte sie wieder leblos ins Fenster, auf die Äkazienbäume. Die Mahlzeit wurde schnell und schweigend eingenommen. Alle bedrückte die im Hause herrschende Traurigkeit. Eotts. folgt.) D.rCraumspic Bnder und vahrhetten/ ein Craumbud) auf wiffenfdiafflidjer Grundlage von Dr. med. 6g. Corner/ ilervenarzt, Hannover DiescS 160 Seiten starke Buch ist sür jedermann ein Wegweiser zur richtigen Traum- deuiung. Aus reicher Erjabrung sustend. beweist es. das; es finnlose Träume nickt gibt. Aus dem Inhalt: Was ist der Traum? Jeder Traum em Neiztraunr. Traum- quellen. Wie arbeitet der Traum? Seine Tymbolik Se-ne ZVrachc. Tie Feuer- und Wasserträunre. Was symbolisiert der menschliche Körper? Was bedeuten die Zahn- träume? Was wünscht der Tiauin? Die Rolle des Geschicchilichen. Das iKeschiechlS- leben im Traum. Was sürchlet der Traum? Todessyr.boiil. Die Lcibreis- u oindcr- nisträume. Krankbeuszeichen. Vom tclepatischcn Traunr. Der Traum als Deteltio. Anmeldung von llngiückS, und Todes allen. KriogSahuungen an Traum. De, Traum als Prophet. Deutungen und Prophezeiungen. Raum und Zeil im Traum Preis drosch M.'i.M), cleg qed. 4chO u 20 Ps. Porto geg. Voreins. od. per Nach», d. Betrages J.Mtchari Müller Werl., München. Ansdachcr 2tt.l27. Postsch. Manchen 950 Wollen Sie es tun? Wenn wir Sie darum bitten? Wir wünschen gern jedem, der Augengläser trägt oder das Be- dürfnis danach sühlt, eines unserer neuen Büchlein überreichen zu vürsen. Es erzählt Ihnen, wie Ei» Ihre Augen recht gebrauchen können, ohne sie zu überanstrengen, wie Sie wieder mit Behagen lesen, arbeiten und schreiben können, selbst bei Licht, wie Sie vorzeitige Runzeln und Krähen- tllße vermeiden, wie Sie Ihre Augen bewahren können vor allen zeitigen Schwächen, vielleicht vor Erblindung an grauem Star. Viele nützliche Winke werden Sie kennenlernen, die nichr nur schön zu iesen, sondern auch leicht zu be olgen sind. W'r biiten Sie daher in Ihrem eigenen Jnicreffe, verlangen Sie in unserem nächsten Geschäft unser Büchlein: Augen-Frogen und Antworiea. 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JI»»c3i«Ste. Zuvolideu-Slr. 164, C»-Lt� Sll. BraBain-stCi Schöneberg: Jrte&rich-Sfe. 140, Iriedrich-Str. 106, Yaupt-Sirafie 21 Pirektion Mai Keinliardfc. Deutsches Theater 7 Uhr: üiarla Smart. Kammerspiele 8 Uhr: Scheiterhaufen. Kleines Scbauspielhaas Fasanonstraße 1. Portal 5. ßTJhr: Oer Wethstenfel. VoSksbühne Theater am Bülowplate. Direktion Friedrich Kayßler. 7'/; Uhr: Merlin". Pir.O. Meinhard— R. Bornauor. Th8afßrinlvfiniggratzerStr. ?>/, ühr: Hauch im All. Komödlenhaus 8 ühi: Die fünf Frankfurter. Berliner Theater 7" U,; Blltabl au cw Blut. Casino-Theater. Lothringer Str. 37. Tägl.'1,8 U.: Der neue Schlager NlilWMlÄM! Berliner Posse in 3 Akten. Vorher erstkl. Äpezialitätrn. U.a.: Greis Llnds Menschsnafion. Sonnt 3ll,: Ein fidolos Huhn. Sdc SantcB-Sta M Site um auifcrBUteUB-OIut Theater Itir Mittwoch, 2. Oktober. Kcues Oper&ttenliaus 71/1tThr: 038 8008 Mtl Centrai-Theater Chr: Sie ßOSfi 70G Msi. Hentsehes Opernhau» 7 Uhr: Das gcldona Kropi.— Hierauf Ballett Friedrich-??' ilhelmst.Tbealei uhr: Hannerl. Kleines Theater 7,/j uhr: DerEinsanie. Komlache Oper TU.: SeiiwarzwalÄ!. TU Uhr l-uatapielhauiu : Die spaslsebe Fliep. /Vietropol-Theater uh�Die Fasehlugslee Palast-Theater uVa Der Stralaoef Fiscliziig.'s Kesidena-Thcnter tu ü�: ßef josp Zar. Schilller. l h. Chari 7'/. U.: Hm VvlkslL!»� Thalla-T'heater �'SelkriierdüipZpaiciiüie plieater am kiollenllnrkplatr 3ll, Uhr: Die KUnber. 7 Uhr: mit Guido Tbielscher. Wallner-Theater tu uhr: ßral Baöeiiiciits: hlstlaual-Theatcr. V28 Prinzenliebe. Operette v. Walter Brommo. Eonnt. S'/j* Sludentenlieltchen. feWlerlneÄaöt. Eoka Friedrich- u. Dinieubtr 7'!, Uhr. Tägl.: Nord. 8650. Kaiserplatz 3, 1 Tr. Ein tust Stuck m. Musik v. Laufs ». MSIIondorff. Georg. L. Holms Eonptag 3'), Uhr: Jugend. Rose-Theater. 71/, U6r: Das Mmmm*. Walhalla-Theater. 7H, Uhr: Donauliebchen. Apollo Friedrichstr. 218 Dir.: James Klein, |7»;4 Sonnt. 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London, 80. Scpdcmbeir.�(Nenier.) Vnlfour, der nach Bennr Law in der Guild Hall sprach, scfche im Verlause seiner Rede, nach- dem er seine warme Aiiscimmung zur Rede Wilsons und seine Ansichten über den Völkerbund ausgesprochen hatte: Weiin Sie versuchen wollen, einen internationalen Apparat zur Sicherung deZ Friedens ins Leben zu rusen, so müssen Sie die Karte Europa- und der Welt so ordnen, das: grosse Gelegenheiten für Kriege sie nicht stören können. Wenn Sie den jetzt bestehenden Zu- stand in Mitteleuropa verewigen, wenn Sie die Vorherr- schaft Deutschlands über Russland, besonders über W e st r u ss- ! a n b zu einer dauernden machen, wenn Sie den kleinen Völ- lern längs der O st s e e kein« Hoffnung lassen, wenn Sie sich weigern, das Unrecht eines Jahrhunderts, das Polen angetan wurde, wieder gut zu inachen, wodurch Polen zu einer Schmach der Zivilisation für alle dies« Generationen wurde, wenn Sie die iui» terworsenen Völker, die seit Gensrationen in Oesterreich von den deutschen und u'.agharischcn Minoritäten zu Boden getreten wurten, weiterhin in ihrer gegenwärtigen Lage lasse:: werden, wenn die B a l!a n st a a t e n wiederum zum Schauplatz blutiger Kriege untereinander und zur Gelegenheit für Feindseligkeiten unter ihren Nachbarn werden, wenn Sie dem Türken gestatten werden, seine blutige Gewalt über die Gebiete, die� ihm entrissen wurden, wieder herzustellen,»venn Italien nicht die Vevölkermigcn erhält, die es wirklich zu emieni befreiten Italien machen: verden, wenn Griechenland wie bisher durch eine Borherrschast de? Mittelmächte bedroht wird, wenn Serbien «'cht noch allen seinen furchtbaren Opfern wieder hergestellt wird «Beifall), wenn Frankreich nicht seine gebührende Stellung in BZesteuropa wieder einnimmt, wenn Belgien nickt in vollem Ilmfange wieder erhält, was ihm die furchtbare Räubere! der Mittelmächte enlriss, wenn alle diese Uebel nicht die Möglichkeit behalten sollen, sich zu wiederholen, dann müssen Sie mehr tun, als nur einen Völkerbund errichte». Sie müssen erst dieses Unrecht berichtige«, l evör. der VAkerbrmd in Wirksamkeit tritt.(Beifall.) Ilm den Völkerbund zu ermöglichen, ist der Sieg und ein psllständigcr Sieg absolut notwendig. Der Traum der Deutschen, dass sie ihr? Feinde durch die blosse Unterzeichnung ihres Namens unter die Petition um einen Wölkerbund überreden könnten, dass sie ihr« Gesinnung geändert hätten, ist eine vergebliche Illusion. Deutschland scheint wirklich anzunehmen, dass, wenn die Alliierten von Gesrnnungsänderung und Vernich- tung des Militarismus reden, alles, was benötigt wird, rin paar konstitutionelle Acilderungen des preußischen Staates und die Unterzeichnung der bewundernswerten Vorschläge sind, die Präsident Wilson von Zeit zu Zeit festgestellt hat. Diese ober- flächlichen Aenderungen sind ohne jeden Wert, wenn sio für sich allein bleiben. Deutschland kann nur ein Mitglied des Völkerbundes werden, wenn das internationale System durch eine grosse Verständigung und einen alles um- fassenden Frieden r-sormiert worden ist. Und das kann nie- jp.als geschehen, ehe Deutschland sich nicht nur verpflichtet hat, sein Glaubensbekenntnis zu ändern, sondern' wenn alle seine WeltherrschastLträume vor seinen Augen in Stückegerisscn sind, und wenn«S, allerdings mächtig, glück. llch und reich, doch nicht länger ein Tyrann sein kann, der die Nationen, auf die es in der Lage ist, Einsluss auszuüben, seinen eigenen Träumen von einem Wettreich unterwerfen kann. ValfourV Rede bewegte sich in starken Widersprüchen. Das chr.c Mal erklärte er einen Gesinnungswechsel Deutsch- lands, das andere Mal den v o l l st a n d j g e n Sieg der Entente für die Boranssetzung des Friedens. Nachdem er deutlich genug hat durchblicken lassen, dass Deutschland auf die Knie gezwungen und ihm der Friede dikiiar: werden müsse, spricht er wieder von einer grossen allgemeinen B e r st ä n d i- p u n g. Dass es auch bei ihm ohne einen Hieb auf die i n n e- ren Reformen in Deutschland nicht abgeht, beweist von neuem, wie sehr die englischen Staatsmänner bemüht sein müs- sen, ihre Gefolgschaft über die Bedeutung dieser Lorgänge hin- wegzutäuschcn. Feinde wurden beim Zurückschlagen entschlossener Gegenangriffe in diesem Abschnitt schwere Verluste zugefügt. Während der Nacht fiel schwerer Regen, und das Wetter ist noch immer stürmisch. Kuglischer Heeresbericht vom 80. September abends. Trotz des ungünstigen Wetters und des starken feindlichen Widerstandes wurde heute in der Schlachtfront von St. Quentin und C a rn b r a i ein wichtiger Fortschritt'erzielt. Di« erste Division nahm südlich von Bellenglise heute morgen ihren Angriff wieder auf und nahm die Höhen nm Thorigny und besetzte dieses Dorf sowie das Ost ende des Kanals Cunel bei Betronquay. Sie machte viele Gefangene. Hier vereinigte sie sich mit den Truppen der 32. Division, die während der Nacht die Verteidiiungsanlagon des Tunnels an der Ostseite und das Dorf Letronqnay genommen hatten. Bei der weueren Durchfüb- rung ihres Vormarsches hat letztere Division auf dem Höhen- gelände nordöstlich Letronquay und südlich Nauroy Fortschritte ge- macht. Am linken Flügel der englischen Truppen griffen australische Truppen an der Eisenbahn, die von Nauroy nach Gouy in nördlicher Richtung führt, an, setzten ihren Vormarsch zu beiden Seiten de- Hindenburgsystems durch und überratmten den Widerstand starler feindsicher Streitkräfte, nahmen den grösseren Teil des Höl�n gelände s südlich Gouy und machten viele Gefangen«. Nördlich nahmen die englischen Truppe» ÜillerS Gnislain zurück und die Eisenbahw südöstlich dieses Dorfes. Vo-rmlttagS hatten sie auch Gonnellieu genommen und längs ihrer Front den Scheldekanal von Venhuile an noordwärts erreicht. Neu- feeländische Truppen säuberten das westliche User des Kanals nach Norden zu bis Crevecoeur. Unsere Truppen standen in har- ten Kämpfen bei R u m i l h und nördlich dieses Dorfes, aber sie machten F»rtfchritt« und setzt»« sich an der Sirasse Rumilh— Garn- brat fest. Nördlich Cambrai setzte der Feind unseren Vormarsch unter Einsatz starker Truppen heftigen Widerstand entgegen und machte häusige und heftige Gegenangriffe. Trotz seiner Anstren- gunaen machten die kanadischen Truppen in dieser Gegend wieder Fortschritte, nahmen viele Gefangene und fügten dem Feind« schwere Verluste zu. In erfolgreichen und kleineren Operationen. die heute morgen ausgeführt tourden. trugen englische Truppen unssrc Linie nordwestlich an das Westuier des Lay(?) vor. Gleich. zeitig wurden von unseren Truppen südöstlich Fleurbaix Fort. schritte erzielt. Ueber bv Gefangene fielen bei diesen Untern« 5- mungen in unlere Hand. Französischer Heeresbericht vom 80. September nachmittags. Im Laute dcr Nachi führten die Deutschen heftige Gegenangriffe in der Gegend von U r v i l l e r S aus. Alle ihre Versuche, sich der Höhe 83 zu bemächtigen, wurden durch das französische Feuer vereitelt Zwischsn Ailette und AiZne ziemlich heftiges Artillerie. feuer. In der Chaenpagne fandan während der Nacht kcine In- fanteriegefackte statt. Die Schlacht fing bei Tagssanbruch wieder an. Französischer Bericht vom 30. Septembsr abends. Zwischen Ailette und MSne haben wir östlich von Ostel Fortschritte gemacht. Italienische Einheiten, die nördlich der Aisne opsrieren. haben sich SoupirS bemächtigt. Zwischen AiSne und Beste haben unsere Truppen heute morgen einen Angriff vorgetragen und auf «iiier Front von etwa 12 Kilometer ernsthaften Fortschritt gemacht: trotz des feindlichen Widerstandes haben sie Revillon. Romain und Montizny«n der V e s l e genommen. Weiter nach Norden vor- stoßend, haben wir die südlichen Ränder von M eu r i va l und Veutelay erreicht. 1200 Gefangene sind bis jetzt gezählt. Die geAie!?UKögebungen. das Krie�szld öe? engUschen Lcksrnkn. Herbert Timmel über den Wirtschaftskrieg. Bern, 80. September: Sin« auf der Konferenz de? GeneralanS- schusse» der liberalen Partei in Manchester angenommen« Kriegs- resolut ion, über die Reuter du eiligst berichtet, erklär? es als oberste Pflich: aller guten Bürger ohne Parteiumter schied, mit allen notwendigen.Anstrengungen und Opfovn den Krieg ssrtznsetzen, bis ein gerechter und bleibende Frieden gesichert sei, und bezeichnet die Errichtung eines Völkerbünde? zum Schutze der gleichen Rechte aller Staaten zur Vermeidung künftiger Konflikte und zur Herbeiführung einer Beschränkung der Rüstungen als dringlichste und größte lmrftruttive Ausgabe für die Staatsmänner und Völker der Welt. Die Resolution wurde von Herbert Samuel ein- gebracht, der dazu ausführte, England sei in den Krieg eingetreten, um einen vvrbvecherische» Angriff abzuwehren und befinde sich � noch im Krieg«, um eirwr Wiederholung des An- griffeS vorzubeugen. Es fei recht, dass grosse Verbrechen bestraft ivürd-m, es sei reckt, dass Deutschland, welches das Prinzip des Völkerrechts vernichtete, bestraft werde; ungerecht aber werde es. den Völkern Mitteleuropas die Rohmaterialien der Welt für ihre Industrie vorzuenthalten, wiewohl«s recht sei, daß sie nach dem.Kriege warteten, bis die Reihe an sie käme.(Verfall.) Fveiiich, wenn dar Krieg so enden sollte, dass Englarrd noch immer dem militaristischen, angriffslustigen, furchtbaren Teutschland gegenüber- stehe-und daher mit der Möglichkeit einer Erneuerung de- Kampfes zu rechnen babe, dann werde es rin Interesse seiner Selbswertetdi- gung notwendig sein, jede erdenkliche wirtschaftliche Waffe gegen Dentschlimd anzuwenden. Aber das werde bederrtsn, dass man das Hauptziel de- KrtegeS nickt erreicht habe. Leute, die miit einer solchen Möglichkeit rechneten, sollten entsprechende Pläne machen. Die Lrhonalen aber glaubten nicht, dass der kkrieg anders als mit dem Zusammenbruch deS �entschen Milita- r i s m u S enden könnte und formten Pläne auf Grund dieser Ueberzeiigung. Wir wollen, sagte der Redner, den Krieg nicht durch Zolltarife und Boykotte forljetzen. DaS ist nicht der Weg zu einem dauernden Frieden, sondern nur Erneuerung deS vsrtvüstenden Kampfes. Wir würden keine Stunde weiterkämpfen, um Handels Monopol e.zu errichten und das Leben un- screr Söhne nicht für Handelsvortetle verschachern.(Beifall). Lasstuns ni cht weitereH-rndelS schranken errich- ten, aber ivenn der Frieden dauerhaft sein soll, muß Deutschland klar verstehen, dass die Welt für seine Panzerfaust, seine schim» m ernte Wehr, sein verwüstendes Schwert, seiren rücksichtslosen TerrorismuL keinen Raum hat. und dass die Nationen privater Abmachungen zwischen Kaisern und Königen, die nicht auf den freien Willen ihrer Völker beruhen, nicht dulden. (Beifall.) Samuel fuhr fort, er erkläre sich namens des Vollzugs- ausschussc- gegen den auf der Tagesordnung stehenden Zusatz- antr.ag zu der Entfchliessung, auf welche eine sympathische Erwägung der feindlichen Fr iedenSf übler befür- wartete, die feines Grachten? nur einen alldeutschen Frieden fördern würden.(Hört! Hört!) Gleichzeitig trat er für eine feste, wohl erwogene Antwort aus dl« Lsterrcichisch« Note ein, in der die bei Bogirrn dcö Jahres seitens der Negierung der Opposition, des Arbeitcrtums und der Vereinigten Staaten gemach. ten Friedensvorschläge erneuert würden. An jenen FriedenSbcdin. gungen halte man fest und er glaube, die Zeit, wo das deutsche'Volk seine Regierung zwingen werde, die Bedingungen, auf denen ein« neue bessere Welt aufgebaut werden könne, anzunehmen, sei nicht fern. Tie von Thornc unterstützte Entschließung wurde einstimmig angenommen. Der von Samuel erwähnte Zusatzantrag, dass sich die Partei zugunsten der Erforschung der Friedensmöglichkeiten da. hin erklare, jedes feindliche Friedensangebot in sympathische Er- wägung ziehen zu wollen, wurde abgelehnt. Eine von Rowntree beantragte Entschließung, dass kein Vertrag und keine vitale Ver- einbaruug ohne Ratifikatron dezißarlaments Gel- tung haben sollte, wurde einstimmig angenommen. Schlacht ist heute auf d«r ganzen Ehampagne-Front wie- der im Gange. Auf unserem linken Flügel haben wir den Feind au? S t. Marie a Py völlig geworfen und dieses Dorf durch- schritten. Nördlich von S o m m«. P h haben wir die Biegung der StaatZstrasse erreicht. Weiter östlich haben wir im Verlaus hef- tiger Kämpfe Aure erobert, ebenso die Höhen und das Ge- holz nördlich dieses Dorfts. Im Zentrum haben unsere Truppen M a r v a u x nach hartem Kampf genommen und ihre Linien nörd- lich von Sechault und in der Gegend von Boucconville vorgetragen. Belgischer Bericht vom 29. September. Während des 23. und 29. September machten die bclgisch-britischen Armeen übe? neun- tausend Gefangene und erbeuteten über 200 Geschütze, darunter einige von 24 und 28 Zentimeter Kalcher, sowie eine beträchtliche Menge Material. Die britische Armee hat 65 Offiziere und drei- tausendsechshundert Mann gefangen genommen und neunzig Feld- geschütze erbeutet. Der britische Luftdtenst wug sehr wirksam zum Erfolg der Operationen bei, indem er ununterbrochen die Kolonnen, Züge und Verkehrlinien des Feindes mit Bomben belegte. Der zweite GoldtrauSport ans Rußland ist, wie WolffS Bureau erfährt, an der Grenze eingetroffen und von den Beamten der RcichSbank übernommen worden.__ fingst um Preußen. Parlamentarismus mit Treiklasseuwahlrecht? Zu dem Aerger über die jetzige Wendung in der Reichs- Politik gesellt sich bei den Konservativen die Furcht, daß diese Entwicklung auch auf Preußen übergreifen könnte. Be- sonders die Meldung, daß nicht nur alle Staatssekretäre, sondern auch alle preußischen Minister ihre Aemter zur Per- fügung gestellt hätten, ist ihnen furchtbsr auf die Nerven ge- fallen. Doch finden sie hier schon einen schlauen Ausweg. In der.Post" betont Octavio v. Zedlitz, daß keinesfalls auch über die preußischen Ministerposten nach den„Rücksichten demokratischer Machtpolitik" verfügt werden dürfe. Vielmehr muß dcrrn doch mit aller Entschiedenheit hervorge- hoben werden, dass die Zusammensetzung der preußischen Staats- reg ierr.ug sozusagen in erster Linie eine preußisch«Sin- gelegenheit ist, und dass, soweit dabei parlamentarische Einflüsse massgebend sein sollen, doch nur ausschliesslich die Vertretungen der betreffenden Parteien der vrcu&ische» Volksvertretung z u Rate gezogen werden können.... Unter, den obwaltenden Ilmständen erscheint es daher dringend geboten daß das Preußisch« Abgeordne- t« n h a u s sich nicht bei der Neuregelung der Staatsregierung völlig ausscha/lten läßt. Ebenso zeigt sich die„.Kreuzzeitung" gegenüber dem parla- mentartschen System für Preußen nicht so ganz spröde, dessen „natürliche Auslegung" vorauSgesstzt:„Ernennung preußischer Staatsmmister entsprichend den Mehrheitsverhältnissen des Abgeordnetenhauses".— Das möchte den Herren so passen, wenn das Dreiklassenhaus, dessen Existenzberechtigung von niemand mehr anerkannt wird, nun gar noch Minister er- nennen dürftel Die Herren vergessen, daß zum Parlamentaris- mus lebensfähige Parlamente gehören, die Rückhalt im Volke haben, nicht salche, deren Tage gezählt sind, und welche nur noch die letzte» Atemzüge vor einem unrühmlichen Ende tun. Das unbelehrösrs fferrenhausk Em MchrsiimmenwKhlrecht beschlossen! Ueber die Dienstag-Sitzung dos VerfassungSausschusseZ, des Herrenhauses geht uns folgender amtliche Bericht zu: Nach kurzer Aussprache wurde unter Ablehnung der AntrSge auf Einführung eines Berufs- oder cinrS Gruppenwahlrcchts dem gleichen allgemeinen direkte» Wahlrecht»ach der R e g i e r u n g S- Vorlage unter Hinzufügung einer Z u s a tz st i m m e für ein Alter von 40 Jahre« zugestimmt. Tie Wcitcrberakung wurde fodann auf morgen vertagt. Wer etwas tut, soll auch wenigstens den Mut haben, das Kind beim Namen zu nennen. Ter amtliche Bericht redet un- wahr, wenn er sagt, das Herrenhaus habe das gleiche Wahlrecht beschlossen, denn das Herrenhaus hat in Wirklichkeit das •ungleiche Wahlrecht beschlossen, ein Wahlrecht, das den einen Wählern eine, den anderen aber zwei Stimmen gibt. Wenn das gleich ist, dann ist auch zwei mal zwei fünf und Preußen eine Volksrepublik. Das königliche WahlrcchtSversprechen, das ausdrücklich ein Versprechen des gleichen Wahlrechts war, wird durch diesen Be- schluß nicht eingelöst. Alan wird den Unwillen des Volks über diese erneute Schieberei durch den Hinweis auf die„Harm- losigkeit" der Alterszusahstimme zu besänftigen suchen. Ist die Altersskimme wirklich so harmlos, dann zeugt es von einer Engstirnigkeit sondergleichen, für nichts und wider n i ch ts den Gedanken des gleichen Wahlrechts preiszugeben und aus einem ehrlichen Ja eine unangenehme Zweideutigkeit zu machen. In Wirklichkeit ist die Sache durchaus nicht so harmlos. Die ÄltcrSstimme wendet sich in erster Linie gegen die ohnehin schon durch den Kriegstod stark gelichteten Reihen der Kriegs- teilnehme r, sodann gegen die einer früheren Sterblichkeit. ausgesetzte Arbeiterschaft. Vor allem aber bildet die Alters- stimme nur ein Glied in der Kette der sonstigen„Sicherungen", deren hemmende Wirkung durch sie verstärkt wird. Wer diese Betrachtungen sind im Augenblick nicht aus- schlaggebend, Hauptpunkt bleibt: Das Versprechen ist nicht e i n g e l ä st, und der neuen Regierung, wer auch an ihrer Spitze stehen wird, eröffnet sich hier sofort ein FW zu euer- gischem Handeln. Nochmds: Mo!f HsjfvwKN. Tie VercmgliApsvnz Hugo Heimauns. Adolf Hoffmann sendet uns einen Brief, in deffen Anfang er uns erioidert, es sei ihm.nicht im Traum eingefallen, Herrn Hugo Heimann als Menschen zu verun- glimpfen oder über die Lauterkeit seine? Cha- rakterS Zweifel zu hegen". Weiter behauptet er aber, Genosse Heimann habe aus Feigheit das Landtag-mandat nieder- gelegt und sich später auS Srreberej um Singers ReichStagSmandaf beworben. Adolf Hoffmann liefert damit uns einen neuen Be- weis seines moralischen Jnnerns; denn wären feine Vorwürfe gegen Heimann berechtigt, fo wäre andcrseuZ seine Folgerung aus HeimannS persönliche Lauterkeit nicht zu der- stehen. Wir könnten darauf hinweisen, dass Heimann sechsmal von den jetzigen Unabhängigen zum Vorsitzenden der sozialdemokratischen Sbadtverordnetenfraktion gewählt, dass er jetzt einstimmig von den Instanzen der Partei zum Reichstagskandidaten aufgestellt ist, wir könnten noch FiancheS andere anführen, um zu zeige», wer von beiden— Hoffmann oder Heimann— öffentliches Vertrauen in höherem Masse verdient. Aber eS ist wirklich überflüssig. Stellt man die beiden nebeneinander, und fragt, welcher von beiden der anständigere Mensch sei— Hand aufs Heiz, Unabhängige, wer ist unter euch, der da nicht sagte: H e i m a n n! Die Unabhängigen sollten uns aus Respekt vor ihrem eigenen langjährigen Stadtverordneten-Vorsitzenden vor der Notwendigkeit bewahren, den Wahlkcrmpf Weiler auf dem N'veau zu führen, auf den ihn Hoffmann gebracht hat In ihrem eigenen Interesse sollten sie zeigen, dass sie nicht auf Adolf Hoffmanns Waffen ange- wiesen sind, die da heißen: Rüpelei und persönliche Ver» unglimpfungl_ Nationalliberaler Umschwung für daS gleiche Wahlrecht. Die westfälischen nationalliberalen Abgeordneten haben, wie gemeldet wird, angesichts der gegenwärtigen Lage be- schlössen, ihre Bedenken gegen Einführung des glichen Wahlrechts in Preußen gegenüber der Notwendigkeit der Herstellung der nationalen Einheitsfront zurückzustellen und für eine sofortige Verständigung mit der Staatsregierung auf Grunblage des gleichen Wahlrechts einzutreten. Abg. Dr. Hirsch gestorben. Wie au? Essen gemeldet wirb, ist der Reichstags- und Landtagsabgeordnete Hirfch�Essen(ncrtl.) in der Nacht zum 30. September gestorben.— Man darf dem Ver- storbenen wenigstens das eine nachrühmen, daß er nie versucht hat, etwas anderes zu scheinen, als er war: ein ausgesprochener Ver» toter schwer rndu st rieller Interessen. Leists Nachritten. Die Bcdinzungcn des Wtffcnstillstandes. Wie Acuter erfährt, ist der bulgarische Waffenstillstand sofort in Kraft getreten und wurde von einem französische» General und nicht von Diplomaten abgeschlossen. Unter sei» nen Bestimmungen befinden sich folgende: Sofortige D« m o b i l m a ch n n g der Armee und Nebergabe der Transportmittel aller Art, von Schiffen und Eisenbahnen an die Alliierten. Die Alliierte» werde» auch die Aufsicht über die Waffen ausüben» die gesammelt und in verschiedenen Teilen des Landes auf- gespeichert werden müssen. Die Alliierten erhalten freien Durchzug durch Bulgarien und werden Punkte vo» strategischer Bedeutung besetzen. In Bulgarien selbst wird diese Besetzung durch englische, französische und italienische Truppen durchgeführt werden, während die grie- chischen Bezirke' von griechischen, die serbischen durch serbische Trupven besetzt werden sollen. Territoriale Aende- r» n g e n am Ende des Krieges wurden mit keinem Wort erwähnt. Man beschloß, alle diese Fragen bis zu den allgemeinen Friedensverhandlungen aufzuschieben, denn es wäre sehr verhüngnisvoll, Streitfragen Einslich auf die Führung des Krieges ausüben zu lassen. Durch Wsckluh dieser Entscheidung hofft man, dem Balßau dauernd Krissbt» znjtchern. ' Basel. 1. Otokbrr.(„Franks. Ztg.") In Sofia, Philipvopel und R n st s ch u k fanden kricgsfeind- lichc und antideutsche Kundgebungen statt, wo- bei die Soldat»« mit don Mniiiftstantcu geni»i«iamt Sache machten. Die Deutsche» wurde» auf de» Straöt« belästigt. GewerkschHsbewcgung Tarifabschluft der Maßschuhmacher. Eine au Anfang dicsc-Z JaSreS eingeleitete Bewegung der Mah- sKuhmack>er Berlins isl jetzt mit Erfolg zum Abschluh gebracht worden. ES bandelt sich in der Haupt'ache»m eine den gegen« wältigen Zeitderhältnissen entsprechende Aesiietzung der Tarif« Positionen. Bisber galten immer noch die Sätze des allen, aus der Friedeniaeit stammenden Tarifs, zn denen allerdings Teuerungs« zulagen bis zn löll Pro.,, gezablt werden. Die Arbeitnebmer for« dern im wesentlichen, das; dre Sätze des Tarifs in dem Mahe er» l>öbt Iverden, dag sie einschließlich der bisher bewilligten Zulagen den Grundlolm bilden, auf den dann noch ein besonderer Teuerungs- Zuschlag ch zahlen ist. Einen Tgaifabschluß auf dieser Grundlage halten die Arbeitgeber im synil�cHr abgelehnt, sie hatten aber eine neue Zulage bewilligt und ein dahingehendes Abkommen, welches von Vierteljahr zu Vierteljahr gekündigt werden konnte, mit dem Schuhmacherverband abgeschlossen. DieS Abkommen hatten die Arbeitnebmer zum l Oktober gekündigt und einen Tarifentwurf aufgestellt, der die©rnndlübue ihren ssorderungen entsprechend erhöht und auszerdem einen Teuerungszuschlag von M) Vror auf die neuen Grundlöhne fordert. Der Tarif sieht zwei Lohnklasien vor. die sich nach der Oualität der Arbeit bestimmen. Durch diesen Tarif sollen die bisher bestandenen Flrmentarise überflüssig gemacht werden. Die Arbeitgeber hatten diese Forderung abgelehnt und nur eine Zulage van 50 Proz. aus die gegenwärtigen Löhne angeboten. Dies Angetot lelnrie eine■ Versammlung der Maßschuhmacher« gehilfen vor kuvzem ernsiiminig ab. Es kam zu neuen Verband« lungen. Nun erklärten die Arbeitgeber, sie wollten in der Heulsyen Zeit einen'Konflikl mit den Gehilfen vermeiden, sie seien deshalb bereit, den eingereichten Zweiklasientarif grundsätzlich anzuerkennen mich 50 Proz. Teuerungszulage zu gewähren, nur einzelnen Positionen, die sich auf Exlraarbeiten beziehen, bcdllrsien der Aenderung. ES mache sich eine Einzelberalunq des Tarikg not« wendig, bei der aber grundlegende Aenderungen der Lohnsätze nicht vorgenommen werden sollen. Bis die Tarifberatuna abgeichloflen sei, werde auf den alten Tarif ein Zuschlag von 200 Proz. gemhlt. Am Monlag erklärte sich eine Versammlung der Maßschub- macher mit diesem Angebot cinvei standen weil dadurch die Forde- rungen in allen wesentlichen Punkten erfüllt werden. Die Notlage der unteren Bankbeamte« schildert eine aus den Kreisen derselben an uns gerichtete längere Zuschrift, der wir folgende? entnehmen: Wer einen genaueren Einblick in die Lage der unteren Bank- beamten u»d der Bank-Hllfsbeamten nehmen kann, möge sich über- zeugen, d«ß deren Schrei nach rascher Abhilfe dieses ZustandeS nur allzu gerechlsmigt ist. Ein Banldeamter. selbst der llnlergeordnetste ist gezwungen, ein gewisics Dekorum zu wahren; er darf nicht in schäbigem An- zug, in zerrissenem Schuhwerk umherlaufen. Machen wir nur die Berechnung seiner monatlichen notwendigen Ausgaben, so ergibt sich eine, den monatlichen Gehalt bei weitem übersteigende Summe. Nach einer Aufstellung der notwendigen Ausgaben für Wohnung. Kleidung, Nahrung usw. rechnet der Einsender schon für einen ledigen Bankbeamten eine Monatssumme von 425 M. herau«. Um wie viel böher, so heißt es weiter, stellt sich nun der Lebcnsunter- halt eines verheirateten Beamten und Familienvaters?! Manche Bankdireklorien scheinen sich keinen klaren Begriff über diese Notwendigkeiten der unteren Beamten zu machen oder sie schließen absichtlich die Augen. Haben sie doch selbst keine Rahrungs- sorgcnl? So wird auch ein Unterschied zwischen ständigen Beamten und Hilfsbeamten gemacht, zu ungusten der letzteren, unier welchen fich doch sebr viele gediegene Kräfte befinden,»nd ohne welche, bei dem Personalmangel, der Apparat gar nicht im Gang gehalten werden könnte. Wo es sich um Teuerungszulagen handelt, knurrt der Magen des einen geradeso stark, wie derjenige des aiideren. Einige Banken haben zu billigem Preis MiltagStische für ihre Beamten eingerichtet. Bei einer Bank wird diese Einrichtung tadellos gehandhabt»nd ist eine Wohlrat für die Beamte»; bei anderen herrscht bierin Willkür und Proteknonsgcist zugunsten einiger und Ausbeulung der anderen. Dasselbe kann man auch von den Wirtschaftsvereinen sagen. Es ist halt nichts vollkommen auf dieser Welt. Die hoben Bankdirektorien beschäftiget; sich oft gar wenig um diese Einzelheiten und dock hängt davon da« Wohl und Weh von Tausenden vow Beamten ab. Auch die Bankgeneräle müssen fich nianchmal um die Verpflegung ihrer Soldaten kümmern. Die Banken verdienen Unsummen in diesem Krieg, befitzen riefige Kapitalien und Ncserven. Sic werden nicht ärmer, wenn sie von ihren vielen Millionen, in dieser schweren Zeit, einige Mtlliönchen an ihre Honigbienen verteilen. In mancher Beziehung könnten wir noch von unseren beutigen Feinden, den Engländctn, lernen, welche in den Banken die durch- gebende Arbeitszeit von S'/z— 4 Uhr praktizieren, Sonnabends nm 1 Uhr Schluß machen und den Beaniten Respiro gestatien. oder NuSsüllung der freien Zeit durch Nebenbeschäftigung und Neben- verdienst. In unserem lieben Deutichland halten wir leider immer noch an dem alten Zopf fest, die Beamten von früh morgens bis spät abends in den BureanS festzuhalten, selbst wenn sie ihre Ar- beit beendet haben, und sie an den Nägeln kauen zu lasten—. Schlechte Anwendung des Sprichwortes.Zeit ist Geld'I Oswald Grosse, der Tauvorsteber des Buchdruckerverbandes von Enzgebirge-Vogtland, ist am.12. September im Alter von 45 Jahren auf dem westlichen Kriegsschauplatz durch«inen Glanatvolltreffer dahingerafft worden. Der.Korrespondent' für Deutschlands Buch» drucker und Schriftgießcr gedenkt dieses in der OrganisatzonSarbeit so bewährten Führers und Kameraden in ehrender Weise. Der ueugewähltc Vorsitzende drS Buchdriickcrverbandes, Joseph S e i tz, hat am 1. Oktober sein Amt angetreten. Scitz war be« kanntlich lange Jahre der Gauvorsteber Bayerns, er wurde an Stele des verstorbenen Emil Döblin vom letzten VerbandStag zu diesem Amt berufen. Endgültige Verständignag im Bangewerbe. Die unter Leitung deS Neichswirlschaslsamis am 11. September zustande gekommene Vereinbarung über die Gewährung einer vierten KriegSteuerungS« zutage bat nunmehr, wie das W. T. B. mitteilt, die Zustimmung aller beteiligten Verbände gefunden. Hiernach sind die Lobnver- hältniffe im Baugewerbe bis März IVlS bindend geregelt. Ueber die weitere Verlängerung des TarisverhältnisieS soll gleichfalls wieder unter Mitwirkung des Reichswirtschaftsamts verhandelt werden._ Parteinachrichten. In zwei außerordentlich star! besuchten Versammlungen des IS. sächsischen ReichstagSwahlkreiseS sprach an Stelle des verhinderten Genossen Scheidemann Reichstagsabgeordneter Genosse Davidsohn- Berlin und zwar gm Sonnabend im Erbgerichl Thalheim vor mehr als 1 0 0 0 P e r s o n e.n und am Sonntagnackmittag in der Sonne Lugau bor mehr als 2000 Männern und Frauen. Alle Schichten der BevöRerung waren aus der weitesten Umgebung ge- kommen, um sich über die eraste politische Lage zu informieren. Luch einige Chemnitzer Unabhängige waren erschienen, um sich die Gewißheit zu holen, daß für Arbeiterzersplitterer dort kein Boden ist. Genosse Davidsohn erntete mit seinen Darlegungen stürmischen Beifall. In der Diskussion in Thalheim sprachen zwei U n- abhängige auS Chemnitz und ein Kriegsbeschädigter von JabnSbach. Einer der unabhängigen Redner erregte die Ver« sammlung durch die schamlose Behauptung und weil er den Beweis trotz wiederholter Zurufe dafür nicht erbrachte, die Regierungs« sozialisten lieferten die Unabhängigen der Staatsanwalt« schaft ans Messer. Landtagsabgeordneter Fellisch wies diese demagogische Kampfcsweise unter stürmUchem Beifall der Versammlung zurück. Er verurteilte den Bruderkampf und forderte mit bc« geisterten Motten auf zu einem geschlossenen Kampf für den Frieden. Auch der Referent wies auf die unfruchtbare Tätigkeit der Unab- bängigen hin und unterzog das Verhalten derselben einer Vernich- tenden Kritik. In Lugau sprachen dieselben Diskussionsredner. Dort verurteilte Genosse L ä m in e l« Fahnsdorf und der LandtaaS- abgeordnete Krause das volksschädliche Verhalten der Unabbän« gigen, insbesondere ihre Zerspiitierungsbestrebungkn. Dre unab- bängigen Redner verschwanden vor dem Schlußwort des Referenten, der gründlich mit den Aussühiungen der Phrasenhelden abrechnete und unter stürmischem Beifall zur Einigkeit und zum gemeinsamen Kampfe um den Frieden aufrief. In Lugau wurde eine staltliche Zahl neuer Leser gewonnen. Zur Racheifening. In Brand-ErbiSdorf bei Freiberg. einer Kleinstadt mit 50OO Einwobnern, wo infolge der Ein- berufiingen und der Minierarbeit der ilnabbängigen die Leserzahl der.VolkSzeitiing für Freiberg' auf 135 herabgeganaen war, machten die Genosien bei einer Hausagitation die ertreuliche Beobachtung. daß linier Parteiblait sehr sympathisch bearützt wuide. Der erste, nur von einigen Genosien unternommene Anlauf brachte unS 50 neue Abonnenten, also eine Erhöhung der LeserzAhl um mehr als ein Drittel. �ugenSfürforge. Die inner- und außenpolitischen Ereignisse der letzten Zeit häben den Blick der Oasfentlichkeit abgelenkt von den dem preuß-l« schon Abgeordnctenhause zugegangenen Jugendfürsorgegesetzent- wurf. So erklärlich das ist, so sehr auch muß betont werden, daß dieser Entwurf von weittragender Bedeutung für die Gcftaltwng der öffentlichen Jugend rürsorge werden kann. Die Sozialdcino- kratie hat sich von jeher für einen eingehenden und durchgreifenden Jugendschutz eingesetzt, obwohl sie wejß, daß die Mißstände, auS denen die Notwendigkeit eines solchen Schutzes erwachsen, in den seziolen und wirtschaftlichen Verhältnisse der heutigen kapitalisti- schen Gesellschaft begründet sind. Erst mit dem Schwinden der ticf.orliegenden Ursachen werden die Quellen dieser sozialen Miß- stände beseitigt sciin. Bis dahin jedoch darf man sich nicht auf das Warten verlogen. Jode grundlegende Aenderung der Verhält- wisse beansprucht lang« Zeitspannen. Die sozialen Zustände in einem Volke, namentlich wenn sie nicht nur auf wirtschaftlichen Ver- hältnissen beruhen, sondern auch eine Aenderung seiner sittlichen Verhällniisse voraussetzen, wandeln sich nur langsam um. Diese Umwandlung kann aber durch soziale Maßnahmen beschleunigt werden. Das ist das Ziel dieser Maßnahmen. Und es ist auch daS Ziel der Maßnahmen auf dem Gebiete der Jugendfürsorge, die der preußische Gesetzentwurf versucht. Er will der unleidlichen Zersplitterung auf diesem Gebiete zu einem wesentlichen Teil« ein Ende bereiten. Ganz kann er eS um deswillen nicht, weil ein Teil der Jugendfiirsorge ReächSsach« ist— so Vormundschaftswesen, Strafprozeß. Arbeiterschutz usw. So soll denn nun in jedem Stadt- und Landkreise ein Jugendamt errichtet werden, dessen Auf- gäbe es namentlich sein soll, die öffentliche Kinderfürsorgc nach größeren Gesichtspunkten zu betreiben als es bisher geschah. Er schafft mit den Jugendämtern die großen Verbände, die der großen Wichtigkeit ihrer Aufgaben entsprechend auch die auf dem Gäbiel« der Jrigendfürsorge die freiwilligen Kräfte im privaten Leben zu reger Mitarbeit zusammenfassen und heranziehen soll. Wir haben uns schon vor kurzem zustimmend zu den Grundgedanken deS Entwurfs geäußert, uns jedoch dahin ausgesprochen, daß ein« solche Regelung der Jugendfürsorge von Reichs wegen erfolgen müsse. In gleicher Weise Hot sich auch der am 20. und 21. September stattgefundene Jugcudfürsorgetag ausgesprochen. Die Forderung nach reich Sgesetzlicher Regelung kann nicht laut und nachdrücklich genug erhoben werden. Hier handelt es sich nicht um eine preußische Angelegenheit, sondern um eine solche des ganzen Reiches. Ueberall ist die Not der Jugendlichen gleich groß. Zwar kann ein Reichsgesetz nicht alles erschöpfend regeln. ES muß den Besonderhsitan der einzelnen Landesteile Deutschlands Rechnung getragen werden. Das kann dadurch geschehen, daß durch einzel- staatliche Ausführungsgesetze ein durch«in Rcichsgesetz außzcstellter Rahmen ausgefüllt wird. Unter Aenderung einzelner entgegenstehender Reichegesetze könnte und müßte bestimmt werden, daß den in jedem BirndeSstaate zu errichtenden Jugendämtern über- tragen würde: die Tätigkeit des Gemeindewaesenrates, die Halte- kinderaufsicht, die Fürsorge für uneheliche Kinder, die Berufsvor- mundschaft, die Fürsorge für arme Waisen, Vollwaisen, verlassen« Kinder und Findelkinder, der Mutterschutz, die Säuglingsfürsorge, die Kleinkinderfürsorge, die Schul kindrr für sorge, die JugeirdgerichtS« Hilfe und die Fürsorge für die gefährdeten und schutzbedürftigen Jugendlichen, die Mitwirkung bei der Fürsorgeerziehung und die Anstaltsfürsvrge für Jugendliche. Erst wenn an einar Stell« die Zentralisierung dieser oben genannten Aufgaden erfolgt, kann eine wirklich ersprießlieh« Arbeit auf dem Gebiete der Jugendfiirsorge erfolgen. Daß es zu einer solchen Zentralisierung von Reichs wegen bald komme, wird Aufgabe des Reichstags sein müssen, damit nicht«US einer Erledigung des pveußsschen Gesetzentwurfs eine Bsizögerung der Einbringung eines RHichSgesetzes erwächst. Diese unsere grundsätzliche Stellungnahm« zugunsten einer reichsgesetzlichen Regelung diese» Sondergebietes der sozialen Für- sorge kann un? natürlich ebensowenig abhalten, zu der rm prnißi- schen Entwurf vorgesehenen Regelung Stellung zu nehmen, wie die wohl sichere Annahme, daß es dem jetzigen Abgeordnetenhause nicht möglich sein wird, Stellung zu dem Entwurf zu nehmen. Wir werden daher in weiteren kleinen Abhandlungen die vom preußi- schen Entwurf vorgesehene Regelung der Jngendfürforge im ein- zelneu besprechen. Industrie und tzanöel. Die Börse. Die Börse war am Dienstag flau. Die Ungewißheit über das Ergebnis der Malinowschen Friedensb'tte läbirne die Unternehmungslust. Am Kassamaikt verkaufte daS Provinzpublikum. Da sich vielfach keine Käufer fanden, so mußte eine stattliche Zahl von Kursen gestrichen werden. Trotz alledem fanden sich auch gelegentliche KurSbesserungen, die freilich in lächerlicher Minder- zahl blieben und ob ihrer Seltsamkeit viel bestaunt wurden. AuS Großbankkreisen erfahren wir, daß Großkapitalistcn ebenso wie gestern stark gekauft haben. Im Zusammenhang damit waren die Papiere mit schwankenden Kurien nickt mehr so stark geworfen wie in den Vortagen. In der zweiten Börsenstunde wurden sogar in Anknüpfung an den besseren Hieresdericht am Monlanmartte eifrig Geldkurse gerufen, ohne daß bei diesem demonstrattven Ge- schrei allzu viel Ware umgesetzt wurde. Panikartige Szenen scheinen stch in Budapest abgespielt zu haben. Der Präsident de? BörienratS, Elemer v. Horvath, gab am Montag an der Börse folgende Erklärung ab: Der Ministerpräsident war so freundlich mich zu empfangen und zu erklären: «Was diese Lage betrifft, so baden wir in der Tat vom Kriegsschauplatz infolge der bulgarischen Ereignisse nicht günstige Nachrichten erhalten. Zur Beruhigung kann ich aber lagen, daß diesen gegenüber die notwendigen Maßnahmen ge» s ch e h e n sind derart, daß unsere Verteidigungslinie in jeder Be» ziehung als vollkommen gesichert belracktet werden kann. Was den Frieden betriff!, so ist allgemein bekannt, daß un'ere Friedensbereilichast stets bestand, hat doch erst in der jüngsten Vergangenheit der Herr Minister deS Aeußern diesbeziigliche Schritte gemacht. Unsere frühere FriedenSbereitschaft bestehi auch jetzt, und in dieser Beziehung haben wir auch die notwendigen Schritte getan, und zwar in vollem Einvernebmen mit Deutlchland,' Dies, meine Herren, ist die Lage Wir leben in ernsten Zeiten, aber es besieht gar kein Grund, daß wir erichrecken. Ich bitte Sie sehr und binde Ihnen ans Herz, die in solchen Zeilen kursierenden ungüustigcn Nackrichien mir größler Bebutiamkeil auizuuehmcn, denn verlorene Schlackien kaun man wieder gewinnen, aber die durch amerikaniiche Ausstreuungen veruriackien wirtichahlichen Schäden sind verhängnisvoll und die auf iolche Weile vermchleten Werte erhalten wir niemals zurück. Ich bitte die Herrep, im Publikum das Bewußtiein zu erregen, daß, wie immer auch die Kriegslage ist, sie keinen urimikielbaren Einfluß aus uii'ere wiit- schaftlicken Verhälinisie hat. Die Sicherheit unlerer wirtschastlichen Lage und unserer Werte liegt in deren innerem Werre. Die Wiener Börse hat sich dagegen am Montag verhältniS- mäßrg recht brav gehalten. AuS dem Bcrliuer Wirtschaftsleben, Die Hoch- und Untergrunddahn lohne die SchSnebeeger, WilmerSdor'er und Dablemer Badni beförderte im Mona» S e p« lem ber 1S13 8 695 549 Perionen gegen 8 348 406 Personen im gleichen Monat des Vorjahres. Die Einnabmen betrugen l 688 889 M. gegen 1 139 076 M.— Die Straßenbahn Warichoner Brücke— Lickienberg vereinnahmte im Sepumber 1918 29 825 M. gegen 26 093 M— Die gesemien BelriebSeinnahmen seil dem l, Januar 1918 betragen 14 101 697 M. gegen 10 697190 M, im gleichen Zeilraum des Voriadres, Die Einnahmen der Großen Berliner Straßeubahn und der von ihr milverwalleten Bahnen betrugen im Manal September 1918 abzüglich der Velkebrssteuer voiläufig 9 122 136 M, lSepiember 1917 endgüllig 6«87 553 M.>, also 1918 mehr 2 234 583 M. Soziales. Wa§ der Minister muß. In N/f. 39 der.Mecklenburger landwirtschaftlichen Woch-n. fchrift" macht die Gutsverwa-Itung Groß-Ridsenow auf eine Lücke in unserer Gesetzgebung crufmerkscnu. Sie läßt fich folgende» maßen aus: Di« hiesigen polnischen Schnitter, die schon immer in der Kriegszett große Schtvierigkeiten bereiteten, so daß wieder heilte S polizeiliches Eingreifen und Verhaftungen wegen Uubottnähigkeit, Arbeitsverweigerung m\b Diebstahl nötig wurden, haben sich jetzt aus Kaninchenzucht und Kaninchenhandel gelegt. Sie bleiben der Arbeit fern unter der Angabe, krank zu sein, um ihre Ställe zu bessern und ihre Kaninchen zu pflegen. Ihre Arbeit, mich im AlkoLd, wird eine immer geringere. Der Grund scheint einzig und allein der zu fern, daß sie mit den Kaninchen soviel Geld verdienen, daß sie jeden anderen Verdiienst nicht benötigen und ihre Zeit lieber ausnützen, um für die Kaninchen Futter zu stehlen.' Darunter leidet aber nicht nur die Wirtschaft, sondern das gesamte Volkswohl. Da nun vielerorts dieser Mißstand vor- banden sein soll und das einseitige Vorgehen eines Arbeitgebers deshalb auf Schwierigkeiten stoßen muß, wäre ein« ministerielle Verfügung über die Kaninchenhaltung der Angestellten und Älr- better auf che in Lande und deren Ueberwachung dringend erforderlich, Landwirte, die in derselben Lage sind, wollen der Land, wirtschafte kam mar eine zustimmende Erklärung übersenden. Gutsoerwaltung Grotz-Ridsenow. Da wird wirklich einmal der Finger in ein« brennende Wunde gelegt. Hoffentlich hört daS meiNenburgische Ministerium diesen Notschrei der um daS Volkswohl besorgten Agrarier. Sie sind und bleiben doch unverfroren, diese Herren. DaS armenpfclgrrische Eristct»D»inimum m Straßburg IM— 1910. Der Armenrat der Stadl Straßburg hat durch seinen Direk- tor, den bekannten Sozialpolitiker Dr. Blaum, eine sozial- wissenschaftlich« Abhandlung unter diesem Titel veröffentlicht, die zu einem für wette Kreise beachtungswerten Resultat kommt. Es werden die Straßburger Armenpflegesätz« vom Jahre 1906 bis zum Jahre 1310 in übersichtlichen Tabellen dem tatsächlichen Eigen- einkwnmen der unterstützten Familien und der gewahrten Unter- stützung gegenübergestellt. Diese nach Familientypen getrennten. in sorgfältiger statistischer Aufnahme ausgestellten Ergebnisse ver- gleicht Dr, Blaum mit der Verteuerung der Wohnungs- und Le- bensmittelverhältnisse in den betreffenden Jahren in Straßburg. Im allgemeinen werden bei kinderreichen Familien die Bedarfs» sätze weitaus zu niedrig gegriffen. Ueberhaupt erweist stch daS Kind im Haushalt der öffentlich unterstützten Personen weit stärker als früher angenommen als Belastung deS Haus« Halles. Dem Schluß, den Blaum daraus zieht, können wir unS durchaus anschließen, nämlich, daß dtcser Nachweis gerade in der heutigen Zeit nicht unbeachtet bleiben darf, in der bevölkerungS- politische Erwägungen weitesten Zieles und ernstester Natur«ine Förderung und Haltung der gesundheitlichen und erzieherrischen Leistungen für Kinde» und Jugendpflege notwendig machen. Eingegangene druckschristen. Die aufgeführten Bücher können durch die Buchhandlung Vorwärts, Berlin SW. 68, Lindenstraße 3, bezogen werden. (Die Anzeige der Bücher gilt jedoch nicht als Empschlimg.) Die geistige und politische UorltellungSwelt der BolfchewM von Dr, Artur Luther. 90 P(. G. I. Gölchensche Verlagshandlung S, m. b. H,, Bertin W 10. WirtschafrSfrageu der Gegenwart»nd Zntnnkt»on Dr.«Udert vovenichcn 1,50 M, Deulicher Schrtirenverlag S, m. b ß., Berlin Lutder von Franz Bichler. Brosch. 3 M, Friedrich Pustet, Verlags- buchhandlung in RegenSburg, (£tne Abrechnung mit dem Karl May-Berlag von Anton Vettel« heim, 1 M, Hesse u, Becker, Verlag, Leipzig, Deutsche Demokratie von Richard Cbarmatz. S,20 M. Verlag Ed. Strache, Nien I, Elisabethstr, 8, WarnSdors-Leipzig. Der Heiltgenhof von Hermann Stehr, Roman in zwei Bänden. S. Fischer, vertag. Berlin, KosvornSweklen von Franz Karl EndreS. 3,20 M, Franckhsche Ber« lagshendlung, Glultgart. Personalien und Prinzipien von Wilhelm Trübner. Verlag»o« Bruno Caslrcr, Berlin, veranlwortUch(Qt Bolitif; Sri« ttnnnee, Berlin: für den llbrigcn Teil des BlatleS i Alfred ech-l«. Ncutslln: für«lnzeigen Theodor Glocke,»erlin. Berlag: BorwärtS-verlag G m b, H.. Berlin, Druck Born>Srts-Bu»druck«r«t und DerlagSauflall Paul Singer u. S.o. in Berlin, Lindenftratze 3. Hierzu 1 Beilage»»» U»t«rhalt»ngsblatt.